Rudi Pinke
TON UND TÖPFER, FREUND UND FREUND Sieben Beziehungsebenen zwischen Mensch und Gott
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Copyright © 2004 by Asaph Verlag, D-Lüdenscheid 1. Auflage 2004 Umschlaggestaltung: JOUSSENKARLICZEK, D-Uhingen Satz/DTP: dms, D-Leverkusen Druck: Breklumer Druckerei M. Siegel, D-Breklum Printed in the EU ISBN 3-935703-43-0 Bestellnummer 147343 Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an:
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INHALT Vorwort .................................................................. Seite 04 Einleitung .............................................................. Seite 07 Ton und TÜpfer ...................................................... Seite 11 Schaf und Hirte ...................................................... Seite 21 Knecht und Meister................................................ Seite 37 Kind und Vater ....................................................... Seite 47 Freund und Freund................................................. Seite 59 Geliebte und Liebhaber ......................................... Seite 67 Braut und Bräutigam.............................................. Seite 73 Nachwort ............................................................... Seite 80
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BEZIEHUNGSEBENEN ZWISCHEN MENSCH UND GOTT
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VORWORT Ich liebe „Aha-Erlebnisse“. Wenn der berühmte Groschen bei mir fällt, wenn ich erkenntnismäßig einen Schubs nach vorne bekomme, ist mir eigentlich immer zum Jubeln zu Mute. Egal ob es sich um kunstvolle Handgriffe der Zentralbanken im Rauf- und Runterschaukeln von Zinsen und Geldmengen handelt oder um Zusammenhänge rund um den Hämatokritwert im Blut, der etwas über die menschliche Fähigkeit der Sauerstoffaufnahme aussagt. Aha-Erlebnisse beim Bibelstudium sind noch mal was Besonderes. Sie haben den Vorteil, dauerhaft und wesentlich zu sein. Sie geben Einblick in die ewigen Wahrheiten Gottes. Und sie betreffen mich ganz fundamental. Während ich ohne tieferes Verständnis der Zinspolitik und ohne Details der Sauerstoffaufnahme ganz gut leben kann, sind die biblischen Aha-Entdeckungen oft lebenswichtig, in jedem Fall betreffen sie mich unmittelbar. Mir fällt gerade die Entdeckung ein, dass im 1. Buch Mose die Zweitgeborenen sehr oft die Heilslinie bilden: Isaak nach Ismael, Jakob nach Esau, Ephraim nach Manasse, um uns schon gleich zu Beginn auf die notwendige zweite Geburt, die geistliche Geburt aufmerksam zu machen. Oder: Als Josef von Ägypten sich seinen Brüdern zu erkennen gibt, und alle Heiden den Raum verlassen müssen, wird offenbar bildhaft etwas vorweggenommen, was Jesus seinen jüdischen Brüdern unter Ausschluss der Nationen zukünftig an Begegnung schenken will. Aha-Erlebnisse haben für mich immer etwas sehr Ermutigendes. Ich finde darin Mut und Kraft, weiter zu suchen, schwierige Zusammenhänge aktiv anzugehen und Wahrheiten der Bibel wie Schätze zu heben. Sehr oft helfen auch andere Entdecker in einer Art „Austauschbörse“ das Momentum der Aha-Erlebnisse zu vergrößern. So sind auch
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die „Beziehungsebenen zwischen Mensch und Gott“ gedacht: Aha-Erlebnisse mit Mutmacher-Qualität. Rudi Pinke, im August 2004
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EINLEITUNG Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater voller Barmherzigkeit, der Gott, der uns in jeder Not hilft und ermutigt! In allen Schwierigkeiten ermutigt er uns und steht uns bei, so dass wir auch anderen helfen und sie ermuntern können, die wegen ihres Glaubens zu leiden haben. Wir helfen und ermuntern sie, wie Gott auch uns ermuntert hat. Weil wir Christus gehören und ihm dienen, müssen wir viel leiden, aber in ebenso reichem Maße erfahren wir auch seine Hilfe. Deshalb kommt es euch zugute, wenn wir leiden; und wenn wir ermutigt werden, dann geschieht auch das zu euerm Besten. Das gibt euch Kraft, die gleichen Leiden wie wir geduldig zu ertragen. Darum sind wir zuversichtlich und haben keine Angst um euch. Denn ihr werdet zwar leiden müssen wie wir, aber ihr werdet auch von Gott ermutigt werden. (2. Korinther 1,3-7; Hfa)
Gott ermutigt – wir tun es auch Diese Schriftstelle aus der populären Übertragung „Hoffnung für alle“ redet unglaublich oft vom „Ermuntern“. Das ist auch die Absicht dieses Buches: Mut machen mit Wahrheiten, die man leicht übersieht. Oder die man schon oft gelesen hat und von denen man keine besonderen Impulse mehr erwartet. Ich habe diese pralle biblische Packung noch etwas weiter aufgeschnürt, damit Auge und Herz des Betrachters dadurch angeregt werden. Das Verb „trösten“ habe ich mit „ermuntern“ und „ermutigen“ ersetzt. Das schien mir wichtig, weil „trösten“ bei uns oft im Sinne von „Es-ist-alles-ziemlich-schlimmaber-Gott-wird-schon-irgendwie-helfen“ verstanden wird. Dieses Ersetzen ist legitim. Denn: „ermuntern zur Tugend“ und „ermutigen zur Festigung des Glaubenden“ ist voll von
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dem griechischen Begriff „paraklesis“, der im Text verwendet wird, abgedeckt. Dieses Büchlein ist als „Ermutiger zum Glauben“ gedacht.
Gottes Ermutigung: eine nach oben offene „Richter-Skala“ Solche Ermutigungsimpulse wie oben gibt uns die Bibel in Hülle und Fülle. Ganz besonders bei der Beschreibung der verschiedenen Beziehungsebenen zwischen Gott und Mensch. Dem suchenden Christen werden dadurch attraktivste Glaubens-Perspektiven eröffnet. Die Frage ist immer: Was machen wir daraus? Man kann die Gleichung aufstellen: je mehr Beziehung zu Gott, desto mehr Ermutigung. Das Ganze ist sogar nach oben offen, wie die berühmte Richter-Skala: Je inniger man mit Gott lebt, desto gewaltiger sind die (positiven) göttlichen Erschütterungen und Einbrüche in unser Leben.
Das Wort erleben … Jetzt kommt es darauf an, vom Wort Gottes und seinen Mut machenden Aussagen zum wahrhaftigen und bleibenden Erleben der Wahrheiten im Alltag zu kommen. Von Gott kommt das ewige Wort und seine Absicht, es in der Autorität des Namens Jesu zu erfüllen. Wir unsererseits anerkennen die Autorität des Namens Jesu durch den Heiligen Geist und glauben dem biblischen Wort. Hört sich einfach an – ist aber dem natürlichen Menschen unmöglich. Was wir brauchen, ist eine Verbindung zwischen unserem erneuerten „geistlichen“ Menschen und dem Heiligen Geist. Die steht als Fundament seit unserer Bekehrung, muss aber stetig bebaut werden.
Ich habe verzichtet Ich baue mit dem Heiligen Geist seit mehr als 20 Jahren an meinem Glaubenshaus. Trotzdem habe ich bewusst darauf verzichtet, die sonst üblichen Eigen-Erfahrungen im großen
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Stil einzubringen. Ich will meine persönliche Baustelle nicht zu einem Musterhaus für alle vermarkten. Im Klartext: Ich möchte meine eigenen Erfahrungen auf niemanden projizieren und womöglich ein Gesetz daraus machen. Das Wort Gottes ist stark genug, wenn es vom Heiligen Geist und der Kraft des Namens Jesus begleitet wird. Zudem ist mir bewusst, dass ich immer weiter bauen werde. Eins weiß ich aber: Untersuchen, wie Gott Beziehung will, bringt Mut machende Baufortschritte.
Gut vorbereiten … Das ist nichts für oberflächliche Bibel-Flaneure. Heißhungrige Leser aber bitte ich, sich für eine spannende geistliche Reise zu rüsten. Wie bei jeder Reise braucht man die richtige Ausrüstung und geeignete Verpflegung. Keinen Ballast. Geistlich heißt das: ein offenes Herz, gespannte Erwartung und einen „finishing spirit“, einen Geist also, der eine angefangene Sache zu Ende führt. Sportler sprechen von körperlicher und mentaler Fitness.
Wie nah bin ich meinem Gott? Frag dich doch einmal, wie deine Beziehung zum Herrn gegenwärtig aussieht. Wie nah du ihm bist. Und beantworte dir diese Frage ganz ehrlich. Ohne PR-mäßige Übertreibungen. Ohne den Einsatz einer bombigen Verdrängungs-Technik. Und ohne sanften Aufprall in schaumstoff-gefederte Teilwahrheiten. Nachdem du dir selbst die Antwort vorgelegt hast, können wir eigentlich schon starten. Es ist gut, wenn du in deinen geistlichen Rucksack folgende Ausrüstung eingepackt hast:
Herzens-Überzeugung
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Die Bibel ist Gottes Liebesbrief an dich. Du hast die göttliche Liebe noch nicht voll ausgeschöpft. Du weißt, dass Gott auf dich wartet.
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SIEBEN BEZIEHUNGSEBENEN ZWISCHEN MENSCH UND GOTT Gott hat dir neues Leben in Jesus gegeben. Davon merkst du im Alltag noch nicht genug. Trotzdem bleibst du dran. Ein Schritt ist diese geistliche Bergtour. Alles dient dir zum Besten. Du vertraust dich bewusst Gottes Führung an. Jesus hat dir ein gutes Leben erkauft. Sein Name ist voller Kraft. Du bist mit Heiligem Geist erfüllt.
Auf die Plätze … An den Start gehen heißt, diese Fakten bejahen. Auch wenn die Lebensumstände gerade mal eine andere Sprache sprechen. Mit dieser Grundausrüstung bist du geistlich startklar wie ein Jan Ullrich in Bestform und wie „Ironman“ Lothar Leder. Und dann geht’s los.
GEBET AM ANFANG Vater im Himmel, ich preise dich über alle Maßen für den Namen Jesus, für dein Wort und deinen Heiligen Geist. Darauf kann ich voll vertrauen. Ich bin gespannt, was du mir zu sagen hast. Ich freue mich auf dein sehr persönliches Reden. Ich will dich von ganzem Herzen suchen. Ich will die volle Beziehung zu dir. Ich will dich erleben. Ich will dir begegnen. Wer sucht, der findet, sagst du. Ich will dir vertrauen. Wenn ich schwach werde, rufe ich schon jetzt: „Herr, hilf meinem Unglauben.“ Danke, Herr.
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TON UND TÖPFER BEZIEHUNGSGRUNDLAGEN ZIEL: TIEFERE BEZIEHUNG ZU GOTT DIE EIGENE SICHT ERWEITERN
Erster Eindruck: Das Bild spricht von Veränderung Bilder beschreiben, erklären Die Bibel verwendet eine ganze Anzahl von bildlichen Darstellungen, so genannten Metaphern, um unsere Beziehung zu Gott zu beschreiben. Wenn man die sieben wichtigsten davon zusammenhängend in aufsteigender Reihenfolge untersucht, wird göttliche Logik erkennbar. Die Bilder erklären umfassend die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Je höher wir klettern, desto atemberaubender die Perspektiven. Man entdeckt unschwer qualitative Steigerungen, die man schließlich nicht mehr missen will. Die tatsächliche Entdeckung der bleibenden Gegenwart Gottes in unserem Leben überbietet alles andere. Die bewusste Wahrnehmung seiner ununterbrochenen Umsicht und Fürsorge bricht Dämme der Begeisterung auf. Die Erkenntnis seiner ungebrochenen Sehnsucht nach uns setzt ein geistliches Wellness-Programm in Bewegung, das aus leidenschaftslosen Mitläufern begeisterte Überwinder machen kann.
Die Reise beginnt … Die Entdeckungsreise durch die biblischen Bilder der Gottesbeziehung ist wie eine Bergtour an einem wunderschönen Sommertag: Der anstrengende Aufstieg wird schließlich durch herrliche, und je höher man kommt, weiter reichende Aussichten belohnt. Ganz oben angekommen, verschlägt es einem die Sprache. Die Fernsicht ist überwältigend. Die Ge-
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wissheit, angekommen zu sein, setzt buchstäblich Jubel frei. Ein Gefühl wie Formel-1-Sieg und Lottogewinn in einem. Das Ende wird zum Anfang. Man will immer mehr. Genauso ist das mit der Beziehung zu Gott.
Ganz unten im Tal Aber jede Bergtour fängt irgendwo unten im Tal an. Noch ist es frisch, dich fröstelt, weil die Sonne noch hinter den Bergen schläft. Du wirfst einen Blick hinauf auf die Gipfel der Berge, die du ersteigen willst, und fühlst förmlich die Anstrengung – aber auch das Glück, das vor dir liegt. Wenn du körperlich und mental in Ordnung bist, gibst du dir einen Ruck und gehst los. Ich erinnere mich an einen solchen Aufstieg. Der Zweieinhalbtausender heißt „Hohes Licht“, liegt hinter Oberstdorf im Allgäu und ist von Einödsbach aus zu besteigen. Oben wollten wir vor Jahren einen Berggottesdienst feiern. Wir, das waren Leute verschiedener Jugendgruppen. Und obwohl es schon lange zurückliegt, erinnere ich mich noch gut daran. Wir starteten sehr früh im Halbdunkel der Morgendämmerung.
Wer will schon Ton sein? In diese Stimmung passt auch das biblische Bild von Ton und Töpfer. Das steht am Anfang unserer geistlichen Bergwanderung. Wir Menschen sind der Ton und Gott ist der Töpfer. Klingt wenig schmeichelhaft für uns. Klingt nach verstaubter Werkstatt, wo alles rumliegt – nur der Töpfer auf einem alten Hocker formt eine Vase. Und wir, der Ton, mittendrin in diesem staubigen Ambiente. Kann das wirklich zutreffen? Paulus greift dieses Bild auf, Römer 9,20-21: Darauf kann ich nur antworten: Wer seid ihr denn eigentlich, ihr Menschen, dass ihr meint, Gott zur Rechenschaft ziehen zu können? Glaubt ihr wirklich, dass sich der Schöpfer vor seinen Geschöpfen verantworten
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muss? Schließlich kann auch ein Töpfer aus einem Klumpen Lehm ein wertvolles oder ein gewöhnliches Gefäß formen. (Hfa)
Gott macht etwas Gutes aus uns Der Apostel hat gerade darauf hingewiesen, dass die Geschichte Israels ein fortlaufender Prozess von Erwählung, Berufung und Verwerfung ist. Alles hängt von Gott ab. Von seinem Erbarmen. Er erbarmt sich, über wem er will. Er verwirft, wen er will. Immer der gleiche geschichtliche Ablauf. Menschliche Anstrengung verkommt zur Bedeutungslosigkeit. Und da fällt Paulus in voller seelsorgerlicher Verantwortung für sein Volk und für uns das Bild von Ton und Töpfer ein. Fast verzweifelt brandmarkt er dieses Verhalten. „Störrisch gegen Gott“, so der Apostel, „das ist, als wenn der Ton gegenüber dem Töpfer das große Wort führen würde.“
Zum Ersten: Wie ist Gott? Das wirft die Frage auf nach der Art der Beziehung, wenn Gott als Töpfer mit uns, dem Ton, ohnehin macht, was er will. Ist der Ton den Launen des Töpfers ausgeliefert? Und wenn er sowieso macht, was er will, warum tadelt er dann überhaupt? Oder gibt es vielleicht doch Regeln, an die Gott sich hält? Einerseits grenzt die Antwort des Paulus in ihrer Offenheit an Rohheit. Andererseits öffnet er den Blick für das Wesen Gottes. Er sagt: Niemand kann erfolgreich Gott zur Rechenschaft ziehen. So weit reicht der Mensch und sein Einfluss nicht. Tut er es doch, legt er sich einen lebensgefährlichen Zeitzünder in sein geistliches Haus. Manche Christen leben mit einem solchen verborgenen Explosivteil des andauernden Vorwurfs gegen Gott. Das ist aber noch niemandem gut bekommen. Denn es tötet die Grundlage der Beziehung: den Glauben.
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Wir schaffen uns nicht selbst Gott ist allmächtig. Und völlig autark. Er ist auf niemand angewiesen und er kann machen, was er will. Aber weil Gott gut ist, unfassbar und ausschließlich gut, hat er sich selbst Grenzen gesetzt. Uns Menschen gegenüber. Aber zunächst muss er uns schaffen. Gott ist Schöpfer, Bildner, Künstler, der den Menschen aus Lehm, aus Erde, aus toter Materie gemacht und ihm Leben eingehaucht hat. Der Töpfer hat absolute Macht über den Ton. Er kann den Klumpen Ton verwenden, wie er will, ohne dass dieser ein Recht hat, dagegen zu protestieren.
Wir brauchen kein Einspruchsrecht Und so ein Einspruchsrecht braucht der Mensch auch nicht! Wenn er die überlegene, durch nichts zu überbietende Schöpfer/Töpfer-Qualität Gottes einmal erkannt hat, stirbt jeder Wunsch zu protestieren oder zu korrigieren. Dies ist der erste geistliche Schritt zu neuen Höhen: erkennen, dass Protest gegen Gott so überflüssig ist wie ein Kropf. Wer diese Wandlung im Geist erlebt, findet sich plötzlich als dankbarer „Tonklumpen“ wieder. Lachend und strahlend: Wir können Gottes Allmacht immer vertrauen.
Wer den Töpfer kennt … Natürlich besteht zwischen einem Menschen und einem Tonklumpen ein Riesenunterschied. Und es hat wenig Sinn, einem Menschen, der leidet, zu sagen: „Du hast kein Recht dich zu beklagen.“ Als David wegen dem Tod des Priesters Usa litt, war auch er zornig auf Gott (2. Samuel 6,8). Was Gott will: dass wir ihn in seiner Allmacht ernst nehmen und in lebendiger Form mit seiner uneingeschränkten Macht umgehen. Denn das macht uns frei. Ob wir nun alles verstehen oder nicht. Dieses Bild vom Ton und Töpfer entfaltet seine wahrhaft befreienden Qualitäten, wenn man es nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit den anderen bib-
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lischen Beziehungs-Bildern. Allmacht Gottes, positiv in unserem Leben wirksam, das stärkt unser Wohlbefinden. Es nimmt Lasten und Verantwortung von uns. Ein absoluter Gott mit absoluter Macht ist unsere einzige Glaubens-Chance. Hätte er nur die geringste Schwäche, müsste er heute diesen und morgen jenen menschlichen Einwand beachten, dann könnten wir ihm nicht vertrauen.
Das Bild von Ton und Töpfer hilft uns Trotzdem ist das Bild an sich nicht sonderlich lustig. Es sagt etwas über unser Menschsein. Wir sind komplett auf Gott angewiesen. In unserer ganzen Existenz. Wir Menschen sind wie formbare Masse in der Hand Gottes. Formbare Masse und Tonklumpen sind ohne fremde Einwirkung und Hilfe nicht in der Lage, aus sich etwas Schönes und Nützliches zu machen. Es ist Gott allein vorbehalten, seinen Geschöpfen Lebenssinn, Lebens-Qualität zu geben. Aus der gleichen menschlichen Knetmasse macht Gott unterschiedliche Gefäße für sich selbst. Die Ausschließlichkeit göttlichen Schaffens, die immer richtig und gut ist, befreit unser Denken und Leben von Druck.
Ist Gott in seiner Allmacht wirklich fair? Die Antwort gibt uns eine Bibelstelle, aus der Paulus offenbar das Bild „Ton/Töpfer“ entnommen hat: Jeremia 18,1-6. Der Herr sprach zu mir: „Geh hinab zum Haus des Töpfers, dort werde ich dir eine Botschaft geben!“ Ich ging dorthin und sah, wie der Töpfer gerade ein Gefäß auf der Scheibe drehte. Doch es misslang ihm. Er nahm den Ton und formte ein neues Gefäß daraus, das ihm besser gefiel. Da sprach der Herr zu mir: „Volk Israel, kann ich mit euch nicht genauso umgehen wie dieser Töpfer mit dem Ton? Ihr seid in meiner Hand wie Ton in der Hand des Töpfers!“ (Hfa)
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Jeremia ist ein Mann mit großer Vorstellungskraft Gott benutzt ihn, um Menschen beizubringen, ihn dort, wo sie leben und arbeiten, ernst zu nehmen. Menschliche Vorstellungskraft ist eine wesentliche Hilfe für den Glauben. Jeremia geht dahin, wo notwendige Alltagsarbeit geleistet wird. Heute hätte Gott ihn wahrscheinlich in einen Supermarkt oder in eine Autowerkstatt beordert. Damals war die Töpferei eine wichtige Alltagseinrichtung. Jeremia ist im Auftrag Gottes da, um eine Botschaft zu empfangen und weiterzugeben.
Jeder wusste, was ein Töpfer macht Jeremia schaut dem Töpfer bei der Arbeit zu. Er dreht die Töpferscheibe und gibt der formlosen Masse Ton erste Konturen. Langsam entsteht ein Gefäß. Seine Nützlichkeit ist offensichtlich. Man kann darin allerlei aufbewahren. Aber viele Gefäße sind nicht nur nützlich, sondern auch wunderschön. Ich denke an buntbemalte Tonkrüge in vielen Größen für unterschiedliche Zwecke. Sie sind oft wohlgeformt, sorgfältig gebrannt und aufwendig bemalt. Weil Gott ihn an diesen Ort gerufen hatte, sah der Prophet den Töpfer und seine Arbeit in einem neuen Licht. Der Heilige Geist regte seine Vorstellungskraft an und erklärte ihm, er solle sich Gott so vorstellen, wie er Menschen und Völker schuf und immer noch schafft zu seiner Ehre. Mit absoluter Autorität und unvergleichlichem Können. Ebenbilder Gottes, aus genau diesem Material, nützlich, notwendig und schön zugleich. Aber ganz und gar abhängig von Gott. Das passt in unsere emanzipierte Welt so gar nicht hinein und doch ist es so.
Eingebunden in Gottes Pläne Jeremia erkennt, dass es für Gott keinen Menschen gibt, der ihm nichts bedeuten würde. Alle Menschen spielen in seinem großen Plan eine überragende Rolle. Er kennt jeden persönlich. Jeder ist einzigartig. Jeder bekommt auf der Töp-
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ferscheibe eine ganz spezifische Behandlung. Die konzentrierte Beschäftigung des Töpfers mit jedem Klumpen Ton ist die Garantie, dass etwas sehr Gutes dabei herauskommt. Halbe Sachen sind nicht Gottes Sachen. Das ist gut für uns zu wissen: Der Allmacht Gottes kann man vertrauen. Ganz und gar. Das Interesse, die Sorgfalt, die Liebe des Töpfers für seinen kreativen Job ist die Garantie für den Ton, dass aus ihm etwas wird. Das fertige, bemalte, gebrannte und glasierte Gefäß wird Individualität und weitreichende Einsatzmöglichkeiten haben. Gott formt Menschen für seine ewigen Zwecke. Das alles lernt Jeremia und predigt es uns. Wir sind wichtig für Gott. Das genügt eigentlich, um Glückshormone in uns freizusetzen.
Doch dann passiert das Unfassbare Ein Gefäß misslingt. Jeremia erkennt, was das zu bedeuten hat: Menschen mit Macken, die sich der formenden Hand ihres Schöpfers widersetzen. Gefäße, in denen man weder Mehl noch Most aufbewahren kann. Jeremia ist gespannt, was der Töpfer nun machen wird. Vielleicht wird er den Ton einfach in die Ecke werfen? Vielleicht etwas Neues anfangen? Vielleicht wird er auch nur ärgerlich sein. Doch staunend erkennt der Prophet, dass der Töpfer denselben Ton noch einmal knetet und daraus ein neues Gefäß formt, das ihm besser gefällt.
Wir spielen eine Rolle im großen Plan Gottes Gott der Töpfer gibt nicht auf. Gott wirft nicht weg, was beim ersten Mal nicht gelingt. Das geht uns an. Weil wir formbarer Ton sind, macht Gott aus uns ein besseres Gefäß. Christsein heute bedeutet deshalb auch, auf diese Töpferscheibe Gottes geworfen zu sein und dort geformt zu werden für die ewigen Zwecke Gottes. Und wenn wir nicht nützlich und schön genug sind, nach des Meisters Vorstellung, dann beginnt er noch einmal. Wir werden umgeformt. Noch ein-
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mal geknetet und auf die schnelle Drehscheibe gelegt. Nur so kann menschliche Unsicherheit, Unberechenheit und Ungereimtheit durch konzentrierte göttliche Zuwendung überwunden werden. Gott weiß ganz gewiss, was er tut. Das Bild vom Töpfer zeigt uns:
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dass Gott allmächtig, allwissend, allweise ist, dass wir ganz von Gott abhängig sind, dass wir nur durch ihn brauchbar und schön werden, dass diese Tatsache entspannend ist, dass darauf Vertrauen begründet werden kann, dass allein im biblischen Weltbild Ermutigung ist, dass Gott nicht aufgibt, uns zu gestalten, dass in diesem Bild für uns Sicherheit ist, dass wir Bedeutung haben in Gottes Plänen, dass er mit uns seine große Geschichte schreibt, dass er uns von unseren kleinen Überlebensstrategien befreit.
Was uns der Töpfer noch sagen will Wenn wir jetzt noch einmal zurückgehen nach Einödsbach (was für ein Name!), dem Ausgangspunkt unserer Bergwanderung, dann ist das der Ort, wo wir allen Ballast zurücklassen müssen. Wer unter einer schweren Last seufzt, ist fürs Bergsteigen nicht gerüstet. Wenn es was zu tragen gibt, dann bietet sich Jesus als Sherpa, als Träger an. „Werft alle eure Sorgen auf mich.“ Das „Hohe Licht“ der Erkenntnis erreicht nur, wer nichts Unnötiges mitschleppt. Die Fehler der Vergangenheit zum Beispiel. Das ist Ballast pur. Verlustreiche Tage, Wochen, Jahre, inklusive Schwachheit und Schmerz.
Ballast muss im Tal bleiben Angst, Verzweiflung, Depression hindern beim Aufstieg. Resignation, Aufgabe, Mangel an Glaube, Hoffnung, Liebe. Auch Selbstanklage und Verdammnis. Alles muss im Tal
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zurückbleiben. Selbst wer sich ein relativ geordnetes Christsein nach eigenen Vorstellungen „zusammengebastelt“ hat, wo er selbst alles unter frommer Kontrolle hat, muss dieses Übergepäck zurücklassen. Ich will damit sagen, dass die Beziehungsebenen mit Gott nur entdeckt und „entfaltet“ werden können, wenn nichts zwischen Gott und uns steht. Ich selbst habe immer wieder entdeckt, dass Angst z. B. daran hindert, die Wahrheit über Gott und seine Absichten im Herzen zu ergreifen. Die Aufgabe des geistlichen Bergsteigers ist es, auf dieser Grundlage das überflüssige Gepäck bei Gott abzugeben. Der Ballast muss unten bleiben. Und Gott verspricht: „Siehe, ich mache alles neu.“
Den Töpfer unterstützen
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die brüchigen Stellen unserer Gottesbeziehung erkennen die Beziehung zum Töpfer unter einen geistlichen Viren-Scanner legen unseren eigenen Denkansatz überprüfen Lebensumfeld, Lebensrahmen vom Töpfer annehmen Charakter und Gaben vom Töpfer formen lassen unsere Gesamtsituation mit seinen Augen sehen die nach oben offene herrliche Perspektive ergreifen an unserem bisherigen Weg nicht verzweifeln
So wenig attraktiv die Metapher von Ton und Töpfer zuerst erscheint, sie ist die erste von sieben Teilstrecken, die wir erklimmen wollen. Die Erkenntnis, dass wir von Gott geformt werden, auch nach Einbrüchen, Schwächeanfällen, Ängsten, Verzweiflungen, Krankheiten, rechtfertigt unser äußerstes Vertrauen in ihn, seine Autorität und sein zuverlässiges Können und Wollen.
Und noch etwas Wichtig: Der Töpfer ist auch heute, gerade jetzt am Werk. Bei dir und bei mir. Heute in deinem ganz normalen Alltag
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ist er am Werk. Er knetet und formt dich jetzt. Daraus erklären sich vielleicht ansonsten schwer verständliche Umstände deines Lebens. Und schließlich: In diesem Bild kommt es auf den Töpfer an und nicht auf den Ton. Das ist deine Garantie. „Ich schaffe es mit dir“, sagt Gott, der Töpfer. „Weil ich es mit dir schaffe, schaffst du es mit mir.“ Wir haben also die erste Teilstrecke auf unserer Bergtour geschafft. Wir blicken auf das Tal zurück und freuen uns, dass wir hier sind. Vor uns die schroffen Felswände sind näher gekommen. Da wollen wir hinauf. Aber zuerst machen wir Rast in einer Hütte. Wir stärken uns für den nächsten Teilabschnitt des Aufstiegs. Unsere geistliche Nahrung besteht aus der Aktivierung unserer Vorstellung und einem Gebet. Besonders beachten:
Beziehungskiller Vergangenheits-Orientiertheit, Sorgen, Zukunftsangst
GEBET Herr, ich akzeptiere auch als Kind unserer Zeit dieses Bild von Ton und Töpfer. Ich sage bewusst „ja“ dazu. Ich richte mich in dieser Wahrheit dauerhaft ein. Heiliger Geist, hilf mir dabei. Danke, Herr.
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SCHAF UND HIRTE WEISST DU WIRKLICH, WIE GUT DER HERR ZU DIR IST? GREIF RUHIG NACH DEN STERNEN: ES GIBT MEHR VON GOTT. VERGISS DIE GEFÜHLE NICHT: SIE GEHÖREN DAZU.
Erster Eindruck: Das Bild spricht vom Dazugehören Wir müssen uns stärken Nach einer stärkenden Brotzeit machen wir uns wieder auf den Weg. Der zweite Teilabschnitt unserer virtuellen Bergwanderung liegt vor uns. Es ist immer noch früh am Tag, aber langsam kommt die Sonne hinter den Bergen hervor. Der Weg ist noch relativ komfortabel, ziemlich breit und nicht zu steil.
Schaf sein kann schön sein Geistlich gesehen, ersetzen wir die stummen, bewegungsunfähigen Tonklumpen durch hilfsbedürftige Schafe. Unsere Stellung in unserer Beziehung zu Gott hat sich mit dem „Schafsein“ etwas verbessert, aber besonders schmeichelhaft ist sie immer noch nicht. Schafe sind nicht die attraktivsten Tiere, von „anmutig“ und „intelligent“ ganz zu schweigen. Schafe kennen zwar die Stimme ihres Hirten und sie folgen ihr, aber sie können das Herz des Hirten nicht wirklich verstehen. Sonst würden sie sich nicht immer wieder eigenwillig in neue Gefahren verstricken. Auch wenn sie nach erfahrener Demütigung dankbar seine Hilfe und Zuwendung akzeptieren.
Gott als Töpfer – Gott als Hirte Unzählige Male begegnet uns in der Bibel der Hirte als Symbol der unablässigen Fürsorge Gottes für die Seinen. Der
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Hirte ist eine einzigartige Bezugsperson für Schafe. Er ist verantwortungsvoller Führer einer Herde schutzloser, der Willkür der Natur preisgegebener Tiere. Der allgegenwärtige Arzt und Helfer. Während bei Gott als Töpfer Allmacht, Weisheit und Zielstrebigkeit im Vordergrund stehen, ist Gott der Hirte vor allem fürsorglich. Nichts wird ihm zuviel, immer weiß er einen Weg, ständig ist er bereit, sich für das Wohlergehen seiner menschlichen Herde einzusetzen.
Der Hirte – aus der Sicht des Schafes Als Stadtmenschen in unserer modernen Zeit kennen wir vielleicht nicht sehr viele Details aus der Beziehung zwischen Schaf und Hirten, aber die zeitlose Bibel bringt solche Details in großer Zahl. Deshalb liegt es nahe, mit dem Psalm 23 diese Metapher zu erklären. Er zeigt uns wie kaum ein anderer Bibelabschnitt, wie das Verhältnis zwischen Schafen und ihrem guten Hirten wirklich aussieht. Würde man ihn verfilmen, müsste er etwa so heißen: „Heißgeliebter Hirte – hinter den Kulissen der Schafzucht“. Der Psalm ist von David, der selbst lange als Hirte tätig war.
„Der gute Hirte“ Der Herr ist mein Hirte. Nichts wird mir fehlen. Er weidet mich auf saftigen Wiesen und führt mich zu frischen Quellen. Er gibt mir neue Kraft. Er leitet mich auf sicheren Wegen, weil er der gute Hirte ist. Und geht es auch durch dunkle Täler, fürchte ich mich nicht, denn du, Herr, bist bei mir. Du beschützt mich mit deinem Hirtenstab. Du lädst mich ein und deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du begrüßt mich wie ein Hausherr seinen Gast und gibst mir mehr als genug. Deine Güte und Liebe werden mich begleiten mein Leben lang; in deinem Haus darf ich für immer bleiben. (Hfa)
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Es kann nur einen göttlichen Hirten geben Das Bild von Gott als allmächtigem, sorgfältigen Töpfer mit der herausragenden Eigenschaft, aus uns unablässig nützliche und schöne Gefäße zu machen, ist uns noch vor Augen. Dazu kommt ein Bild äußerster Fürsorglichkeit und Anteilnahme. Gott ist der gute Hirte seiner menschlichen Herde. Jesus Christus, in dem die ganze Gottheit wohnt, ist der gute Hirte Gottes an unserer Seite. David, der menschliche Hirte, wird schwach, wenn er über Gott, den „guten Hirten“ nachdenkt. Auf der untersten Stufe der Beziehung zu Gott wird deutlich, dass er unablässig an uns arbeitet. Es kommt nicht auf unsere natürliche Exzellenz, sondern nur auf die Exzellenz des Töpfers an. Auf der zweiten Stufe kommt das göttliche Verantwortungsbewusstsein für uns noch deutlicher zum Ausdruck und dazu seine durch nichts zu erschütternde Güte. Gott ist ein so guter Hirte, dass ein Schaf seiner Herde sich nie mehr zu sorgen braucht. Psalm 23 sensibilisiert uns dafür, lädt ein, es selbst zu erfahren.
Aufgeklärte Menschen wollen keinen göttlichen Hirten Das Bild passt nicht zu unserer modernen Auffassung von der Machbarkeit aller Dinge durch Menschen, vom unaufhaltsamen menschlichen Fortschritt. Aber aus einer Position von Ruhe und Realitätssinn heraus wird unwiderruflich klar: Wir Menschen brauchen einen guten Hirten. Und zwar nicht als Pannenservice der Superlative, sondern als Hoffnung, Zuversicht, Siegesgewissheit, dass des Töpfers Werk sein Lebensziel erreicht. Wir alle irrten umher wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging seinen eigenen Weg. Der Herr aber lud alle unsere Schuld auf ihn. Er wurde misshandelt, aber er duldete es ohne ein Wort. Er war stumm wie ein
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SIEBEN BEZIEHUNGSEBENEN ZWISCHEN MENSCH UND GOTT Lamm, das man zur Schlachtung führt. Und wie ein Schaf, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. Man hörte von ihm keine Klage. (Jesaja 53,6-7; Hfa)
Hier ist von Jesus Christus die Rede. Jesus, der Gute Hirte, wurde selbst zum Schaf auf der Schlachtbank, um uns zu retten. Deshalb kann er auch von sich sagen: „Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (Johannes 10,11). Sein Verhalten geht so weit, dass der Hirte ein Teil der Schafherde wird und umgekehrt. Oder anders ausgedrückt: Zwischen einem so guten Hirten und seinen Schafen kommt es zu einer unglaublichen Vertrautheit, die man sich als Nicht-Hirte kaum vorstellen kann.
Wie der Töpfer, so der Hirte Wie beim Ton alles vom Töpfer abhängt, so hängt bei den Schafherden alles vom Hirten ab. Diese Parallele ist sehr wichtig, weil sie noch einmal die absolute Notwendigkeit beschreibt, sich die Abhängigkeit von Gott bewusst zu machen. Das ist ein Faktum, ob wir es wollen oder nicht: Ohne Gott kann kein Mensch sein Lebensziel erreichen. Und ohne sein Lebensziel zu erreichen, wird ein Mensch immer Mangel haben. Mag er noch so mit irdischen Gütern gesegnet sein. Ja, eine Welt, die den guten Hirten ignoriert, muss notwendigerweise in einen Abgrund rasen.
Schafe sind besondere Tiere Schafe sorgen nicht einfach für sich selbst, sie brauchen sehr viel Pflege und Schutz. Hunde, Pferde, Gänse finden ihren Weg nach Hause allein – Schafe nicht. Irgendwie scheint dieses Bild absolut kein Zufall zu sein, denn wir Menschen ähneln in vielerlei Hinsicht ziemlich genau den Schafen.
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Schafe und Menschen Denken wir nur an unseren Herdentrieb, an Ängste und Zaghaftigkeit, an Eigensinn und Dummheit und an unsere schlechten Angewohnheiten. Wir brauchen also einen Hirten, einen guten dazu. Einen, der uns so, wie wir sind, annimmt und mag. Der gut und liebevoll bleibt, wenn wir Mist bauen. Der Gute Hirte tut eigentlich nichts anderes als ständig für das Wohlergehen seiner Schafe zu sorgen.
Mir wird nichts mangeln Der Psalm 23 sagt uns noch eine ganze Menge mehr. Vor allem durch die verwegene Behauptung: „Mir wird nichts mangeln“! David drückt seine volle Zufriedenheit mit seinem Hirten und seinem Schicksal aus. Darin ist er sich ganz sicher. Weil Gott, der Herr, sein Hirte ist, kann ihm nichts mangeln. Wer würde das von uns spontan und uneingeschränkt für sich behaupten wollen? Klingt aufregend, wenn man bedenkt, wie unsicher Davids Leben über viele Perioden war. Keinen Mangel haben heißt, zum guten Leben alles zu haben, nirgendwo zu kurz zu kommen, sich in bester Obhut zu befinden. Und damit vollauf zufrieden zu sein. Ohne Verlangen nach anderen (Bewusstseins-) Zuständen und Dingen, ohne weitere Wünsche.
Aufregend und wahr Klingt seltsam, wenn man bedenkt, was David alles aushalten musste. Entbehrungen, persönliche Armut, schwerste Belastungen. Familientragödien inklusive Mord und Totschlag, Vertreibung, Verrat, Verfolgung. Einzig plausible Erklärung: David kannte seinen guten Hirten ganz genau. Er muss ihn so erlebt haben, dass er sich an seiner göttlichen Herrlichkeit berauschen konnte. Und diese Kenntnis des Hirten reichte, um ohne Mangel zu leben.
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SIEBEN BEZIEHUNGSEBENEN ZWISCHEN MENSCH UND GOTT
Den Hirten kennen Mangel und Not im Alltag wurden bei David überkompensiert durch die tiefste Erkenntnis der Nähe, Güte, Kraft seines göttlichen Hirten. Volle Geborgenheit. Jesus, unser guter Hirte, fasste diesen entscheidenden Sachverhalt so zusammen: „In der Welt habt ihr Trübsal; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33).
Wunschlos glücklich … Den Schlüssel dazu nennt Jesus an anderer Stelle: „… komm, nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach“ (Markus 10,21). Bleib Tag und Nacht auf Tuchfühlung zu mir. Das ist das Geheimnis. Diese Aufforderung richtet sich an unser Innerstes: Jesus mit allem, was in uns ist, was wir haben und tun, innerlich zu folgen. Ohne Wenn und Aber. Die gesamten Lebensumstände mit eingeschlossen. Mit dieser einzigartigen Einladung im Herzen passieren zwei Dinge: Unser wiedergeborener Geist wächst und verbindet sich mit dem Geist Jesu, dem Heiligen Geist. Und: Unser wachsender Geist lernt den guten Hirten immer besser kennen und ihm vertrauen. Das Ergebnis ist dann, aber nur dann, völlige Zufriedenheit. Die drückt sich so aus: Wir sind mit der Art und Weise, wie er unser Leben lenkt, restlos zufrieden. Uns mangelt es an nichts.
Ohne Glauben keine Erfahrung – und umgekehrt Ohne dieses Herzenswissen, dass der Gute Hirte Jesus nicht schläft und nicht ruht, sondern immer und überall bei seiner Herde ist und auf ihr Wohlbefinden achtet, kommt diese Beziehungsebene nicht zum Tragen. „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es im Überfluss haben“, sagt Jesus in Johannes 10,10. Mit dieser sicheren Erwartung müsste eigentlich unbeschreibliche Freude in uns durchbrechen. Auch wenn die Umstände das im Augenblick noch nicht widerspiegeln.