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Francis Frangipane Gemeindespaltung


Francis Frangipane

Gemeindespaltung Ursachen — Folgen — Heilung


C Copyright 2002 by Francis Frangipane Die amerikanische Originalausgabe erschien 2002 unter dem Titel: „It's Time To End Church Splits" bei Arrow Publications, P.O. Box 10102, Cedar Rapids, IA 52410, USA. Alle Rechte vorbehalten. © Copyright der deutschen Ausgabe 2003 by ASAPH Verlag Aus dem Amerikanischen übersetzt von Sabine Njock. Bibelstellen wurden, soweit nicht anders vermerkt, nach der Revidierten Elberfelder Übersetzung, © 1985 by R. Brockhaus Verlag, Wuppertal und Zürich, zitiert. Satz: Satz & Medien Wieser, D-Stolberg Druck: Breklumer Druckerei M. Siegel, D-Breklum Best.-Nr. 147326 ISBN 3-935703-26-0 Printed in Germany Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: ASAPH, D-58478 Lüdenscheid eMail: asaph@asaph.net — Internet: www.asaph.net


Inhalt Einleitung .................................................................... 7 TEIL 1 DIE SÜNDE DER TEILUNG UND SPALTUNG Kapitel 1 Die große Teilung ....................................................... 13 Kapitel 2 Es geht um etwas ganz anderes ..................................... 18 Kapitel 3 Wenn die Kleinen straucheln ....................................... 24 TEIL 2 WIE STREIT BEGINNT Kapitel 4 Luzifers Natur: Ehrgeiz ................................................ 33 Kapitel 5 Drei geistliche Feinde der Einheit .................................. 40 Kapitel 6 Einer von euch ist ein Verleumder ................................ 51 TEIL 3 HEILUNG FÜR DIE VERWUNDETE GEMEINDE Kapitel 7 Wenn ein Leiter sündigt .............................................. 59

Kapitel 8 Ein dankbares Herz ..................................................... 68 Kapitel 9 Krieg dem Murren ....................................................... 71


Kapitel 10 Für Pastoren: Schutzmaßnahmen gegen Spaltung ............ 77 Kapitel 11 Ein Gott der Ordnung .......................................................... 83 Kapitel 12 Christusähnliche Unterordnung ......................................... 92 Kapitel 13 Die Vollmacht biblischer Ehre ........................................... 96 Kapitel 14 Befinden Sie sich gerade mitten in einer Gemeindespaltung? ............................................................................ 107 TEIL 4 CHRISTUS ÄHNLICH WERDEN Kapitel 15 Wahrer Erfolg .................................................................... 113 Kapitel 16 Unverletzbar ...................................................................... 116 Kapitel 17 Nichts wird sie zu Fall bringen ......................................... 121 Kapitel 18 Die Stunde Satans .............................................................. 128 Anhang 1 Irrtümer bezüglich Gemeindespaltung ............................. 136 Anhang 2 Fragen und Antworten ..................................................... 144


Einleitung Ich habe dieses Buch auf der Grundlage geschrieben, dass Jesus Christus immer noch derselbe ist, der er im ersten Jahrhundert war (vgl. Hebräer 13,8). Als er dafür betete, dass seine Jünger eins seien, schaute er schon in die Zukunft und betete auch für unsere Einheit als Christen heute. Wissen Sie noch was er betete? Er sagte: Aber nicht nur für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien ... — Johannes 17,20-21 Wegen dieses Gebetes von Jesus Christus ist es, zumindest für mein Verständnis, nicht genug, den Herrn nur zu lieben. Damit meine Liebe ihre Bestimmung erfüllt, lerne ich zu lieben, was er liebt. Denn, liebe Freunde, Jesus liebt die Gemeinde leidenschaftlich, auch mit all ihren Unvollkommenheiten. Und er liebt die Pastoren, obgleich auch sie nicht perfekt sind. Ja, ich denke, dass, wenn wir in den Himmel aufsteigen könnten und uns ein Blick auf das Angesicht Christi gewährt werden würde, und wir ihn fragen könnten, wie er über die Spaltungen und Teilungen in der Gemeinde denkt, würden allein die Tränen in seinen Augen uns schon sagen, dass Uneinigkeit ein Werk des Teufels ist. Es ist deshalb mein Ziel, Hirten und ihren Herden zu helfen, in ihren innergemeindlichen Beziehungen eine Christusähnlichkeit zu erreichen. Ich glaube tatsächlich, dass Christus von wiedergeborenen Gläubigen erwartet, dass sie in Herzenseinheit miteinander leben. Das bedeutet, dass wir uns den Werken des Feindes, der unsere Gemeinden teilen und zerstören will, entgegensetzen müssen. Der Fluch der Spaltungen hat lange genug angedauert.


8 / Gemeindespaltung

Wie dieses Buch entstand Dieses Buch zu schreiben, war eine schwere Aufgabe. Es mag sein, dass es schon andere Bücher über dieses Thema gibt, aber ich habe keines ausfindig gemacht. Um zu wissen, welche Aspekte ich in diesem Buch bevorzugt behandeln sollte, haben wir die Empfänger unserer wöchentlichen, per E-Mail verschickten Lehreinheiten gebeten, einen Kommentar über das erste Kapitel abzugeben, das als eine solche Lehreinheit verschickt wurde. Die meisten Reaktionen, die wir erhielten, waren herzzerreißend. Ungefähr 60 Prozent aller Antworten sprachen von einer tiefen und anhaltenden Trauer auf Grund der Dinge, die sie durch eine Gemeindespaltung erlitten hatten. 25 Prozent davon antworteten mit einem langen und schmerzlichen Brief. Die meisten beschrieben, wie eine unzufriedene Gruppe in ihrer Gemeinde eine vorher liebende Gemeinschaft entzweit und gespalten hatte. Einige dieser E-Mails waren so traurig, dass sie mir die Tränen in die Augen trieben. Innerhalb dieser Gruppe wurde ein Wort immer wieder benutzt, um das Erfahrene zu beschreiben: „verheerend". Eine nicht geringe Anzahl der Schreiber sagte, dass sie schon eine oder mehrere Gemeindespaltungen miterlebt hätten. Andere waren noch Kinder gewesen, als sie eine solche Spaltung miterlebt hatten, und beschrieben, dass sie jetzt, als Erwachsene, nur mit großen Schwierigkeiten zu einem Leben als Christ zurückfinden. Etwa zehn Prozent der Antworten waren zynisch und kritisch. Sie befürchteten, dass es sich hierbei lediglich um ein weiteres Buch handeln könnte, durch das, wie sie es ausdrückten, ein „Autoritätsmissbrauch" gerechtfertigt werden sollte. Sie gaben an, dass sich ihre Gemeinde gespalten hatte, weil der Pastor in Sünde gefallen war. Sie beklagten auch, dass der Mangel an gegenseitiger Verantwortlichkeit in einigen freien, d. h. nicht an eine Denomination angebundenen Gemeinden dazu führt, dass der Pastor so autoritär wird, dass der einzige „geistliche" Ausweg darin bestünde, zu rebellieren und eine neue Gemeinde zu gründen. Mit Zita-


Einleitung / 9 ten der protestantischen Reformatoren begründeten ein paar aus dieser Gruppe ihre Meinung, dass die größten Christen, die die Kirche je hervorgebracht hat, Menschen waren, die unbiblisch agierende Leiter zur Rede gestellt hatten. Außerdem beschrieben eine Reihe von Leuten sehr komplizierte Situationen, die zu einer Gemeindespaltung geführt hatten. Andere wollten ganz einfach wissen, wie man Heilung empfangen kann, da ihre Herzen noch immer durch eine Gemeindespaltung verursachte, offene Wunden aufwiesen. Natürlich kann ein einzelnes Buch nicht auf all diese Fragen Antwort geben. Auch wenn ich es versuchen würde, denke ich nicht, dass ich auf jede dieser Situationen die richtige Antwort hätte. Ich habe mich deshalb darauf konzentriert, die geläufigsten Fälle anzusprechen: Spaltungen, die durch einen ehrgeizigen Zweitpastor oder Anbetungsleiter hervorgerufen werden, und solche, die passieren, wenn der Pastor sie selbst hervorruft oder in schwere Sünde fällt. Mein Ziel ist, zur Heilung der Herzen von Pastoren und Gemeinden in gleicher Weise beizutragen. Ich möchte auch einige Maßstäbe, bzw. eine „Ethik des Reiches Gottes" festlegen, damit diese kummervollen Erfahrungen in Zukunft vermieden werden können. Diejenigen unter den Lesern, die befürchten, dass ich alle, die sich Christen nennen, über einen Kamm scheren will, möchte ich daran erinnern, dass ich an Gemeinden mit wieder geborenen Menschen appelliere. Meine Leser sind hauptsächlich Menschen, die Christus ähnlicher werden wollen. Wenn Sie dies lesen und nicht den Wunsch haben, mehr wie Jesus zu sein, werden Sie mit diesem Buch wahrscheinlich nicht viel anfangen können. Zu guter Letzt: Wenn Ihre Gemeinde sich gerade in einer ernsthaften Entzweiung befindet, schlage ich vor, dass Sie an Hand des Inhaltsverzeichnisses zuerst die Kapitel ausfindig machen und lesen, die Ihnen in ihrer spezifischen Situation am meisten zu sagen haben. Natürlich sollten Sie später auch die restlichen Kapitel lesen, doch kann es wichtig sein, zuerst


10 / Gemeindespaltung die Informationen zu verarbeiten, die sich auf den gegenwärtigen Konflikt beziehen. Ich bin mir bewusst, dass die vorliegenden Zeilen sicherlich unzureichend sind. Doch lassen Sie uns im Gebet zusammenstehen und Gott vertrauen, dass er in seiner Gnade noch andere dazu anspornt, ihren Teil dazu beizutragen, damit Gemeindespaltungen und Teilungen aufhÜren. Lassen Sie uns zusammen glauben, dass wir in unserer Generation die Gemeinde vereint sehen, und Gottes Volk von dem Fluch der Spaltung und Entzweiung geheilt wird.


TEIL 1

DIE SÜNDE DER TEILUNG UND SPALTUNG

„Und es entstand ein Kampf im Himmel ..." Offenbarung 12,7


- KAPITEL 1 -

Die große Teilung Luzifers schreckliches Verbrechen war nicht nur, dass er gegen Gott rebellierte, so schlimm das auch war. Noch furchtbarer war, dass er durch die Verleumdung Gottes und Lügen auch noch ein Drittel aller Engel zum Abfall verführte. Auch wenn er schon in die Hölle verbannt wurde, dauert der Kampf Luzifers gegen den Allmächtigen immer noch an. Jedes Mal, wenn er eine Gemeinde spaltet, will er damit unter anderem auch dem Herzen Gottes eine neue Wunde zufügen. Wenn Sie schon einmal eine Gemeindespaltung durchlebt haben, wissen Sie nur zu gut, auf welch schreckliche Weise bei diesem Abstieg in die Hölle die Emotionen aufgewühlt werden und welch unstillbare Qualen die Menschen dabei erleiden. Wenn Sie so etwas noch nicht selbst erlebt haben, stellen Sie sich vor, dass große Cliquen von Christen, die ansonsten sehr nett sind, plötzlich aufeinander losgehen. Sie werden sich an Verleumdung beteiligen, Wut, Enttäuschung, Angst, Bitterkeit und Hass verbreiten, gegen andere lästern, nicht vergeben können, Streit und Rebellion erzeugen und sich voller Stolz gebärden. All diese Dinge würden als Sünde entlarvt und angeprangert werden, wenn sie sich in einer einzelnen Person zeigen. Doch wenn sie bei einer Gemeindespaltung in einer ganzen Gruppe auftreten, werden sie irgendwie als gerechtfertigt angesehen. So definiert man zum Beispiel Zorn neu als „Kampf für ein Prinzip". Oder Verleumdung und Lästerung werden auf einmal als „Suche nach der Wahrheit" deklariert. Die Gemeindespaltung mag vielleicht nur in einer bestimmten Ortsgemeinde geschehen sein, doch ihre Auswirkungen sind im gesamten Leib Christi zu spüren. Die Nachricht von dem Konflikt wird in Flüstertönen verbreitet, wie wenn man von einem Familienmitglied spricht, das ernsthaft


14 / Gemeindespaltung an Krebs erkrankt ist. Und es ist in der Tat wie ein Krebs. Eine Spaltung ist wie ein bösartiges Geschwür, wie ein falscher Auswuchs, der von Zorn, Stolz und selbstsüchtigem Ehrgeiz motiviert ist, anstatt von der Sanftmut und Geduld Christi. In der ganzen Stadt schütteln die Gemeindeleiter den Kopf und seufzen. Auch wenn sie die betroffene Gemeinde kaum kennen, leiden sie mit ihr. Sie sind betroffen und besorgt. Jene, die selbst den Kummer der Spaltung ihrer eigenen Gemeinde erfahren haben, erschaudern, wenn sie an die immer noch ungelösten Konflikte denken, die sie mit den Urhebern der Spaltung haben. Andere Pastoren wiederum werden unruhig und wachen strenger über ihre Herde, in der Furcht, dass der Geist des Streits auch ihre Gemeinde infiltrieren könnte. Dazu wissen alle Evangelisten der Stadt, dass es zumindest für einige Zeit schwieriger sein wird, die Verlorenen zu erreichen. Denn wenn die Gerüchte und Einzelheiten der Gemeindespaltung den Ungläubigen zu Ohren kommen, werden alle Menschen, die nicht an Jesus glauben, durch die Kleinlichkeiten und politischen Manöver, die eine solche Spaltung begleiten, daran erinnert, weshalb sie sich lieber von der Kirche fern halten. Ich bin in den meisten Ländern der christlichen Welt umhergereist und habe mit vielen Pastoren und Gemeindeleitern gesprochen. Natürlich kommt es überall immer einmal wieder zu Gemeindespaltungen, doch meiner Erfahrung nach sind sie in Amerika häufiger und auch oft bösartiger. Liegt es an der leidenschaftlichen Liebe zur Unabhängigkeit und Freiheit der Amerikaner? Oder ist dort die gesamte Kultur aggressiver? Wie dem auch sei, in Amerika verlaufen Gemeindespaltungen mit dem wenigsten Anstand. Eine Gemeindespaltung kann viele Gründe haben. Die Trennung kann von Unklarheiten bezüglich der Autoritätsstruktur in der Gemeinde herrühren. Wem hat Gott wirklich die endgültige Autorität in der betreffenden Gemeinde übertragen? Manchmal liegt die Wurzel des Konflikts in dem fehlgeleiteten Ehrgeiz von einem oder mehrerer untergeordneter Leiter. Oft ist es so, dass eine Gemeinde gerade einen Zuwachs


Die große Teilung / 15 in der Besucherzahl oder einen geistlichen Aufschwung verzeichnet, wenn ein dämonisch manipulierter Streit ausbricht. Wir müssen uns also fragen, wenn wir in einer Gemeinde eine tiefgreifende Trennung erleben, ob es sich hierbei nicht um das Werk des gleichen Geistes handelt, der auch schon Absalom, Korach oder Isebel beeinflusst hatte. Vielleicht wurde die Spaltung durch eine Kombination all dieser Gründe hervorgerufen. Doch was immer auch der Grund einer Trennung ist, Jesus warnte uns, dass ein Haus, das mit sich selbst entzweit ist, „nicht bestehen wird" (Matthäus 12,25). Wenn sich eine Gemeinde spaltet, ist es ganz klar, dass dies Auswirkungen auf die gesamte Ortsgemeinschaft hat. Es ist ein Krieg, in dem einzig und allein der Teufel als Sieger dasteht.

Kummer im Himmel Wir denken vielleicht, dass der Herr den Schmerz einer Gemeindespaltung persönlich nicht kennt. Das stimmt aber nicht. Tatsache ist, dass sich Pastoren in gewisser Weise damit trösten können, dass Gott, in all seiner Perfektion, eine Art Spaltung erlitten hat. Sie erinnern sich vielleicht, dass es im Himmel, vor der Erschaffung des Menschen, zu einer großen Rebellion kam, zu einer „Spaltung", wenn Sie so wollen. Zu jener Zeit war Satan bekannt unter dem Namen Luzifer, oder „Hillel Ben Schahar" im Hebräischen. Der Name Hillel kommt von dem Wort Hallel, das „preisen, anbeten" bedeutet. Ben Schahar bedeutet „Sohn der Morgenröte". Wir folgern daraus, dass Luzifer am Anfang der Schöpfung eine Art „oberster Lobpreisleiter" war. Er war mit Leiterschaft und musikalischer Kreativität begabt und gab sich mit seiner Position nicht zufrieden. Angetrieben durch Neid und Ehrgeiz, führte Luzifer ein Drittel der Engel in die Rebellion gegen die Autorität Gottes. Bedenken wir doch einmal die Schlauheit von Luzifer, unserem uralten Feind. Er war tatsächlich in der Lage, Engel, die


16 / Gemeindespaltung die strahlende Herrlichkeit Gottes vor Augen hatten, zu überzeugen, dass sie einen Krieg gegen ihren Schöpfer gewinnen könnten! Sie hatten das Vorrecht gehabt, das Entstehen der Galaxien durch das bloße Wort Gottes zu bestaunen. Und doch fingen sie irgendwie an zu glauben, dass sie unter Luzifers Leitung den Allmächtigen besiegen könnten. Sie wussten, dass Gott jeden ihrer Gedanken kannte, und doch glaubten sie, sie könnten ihn überlisten. Mit Hilfen von Heimlichkeit, Verleumdung und Verführung säte Luzifer Unzufriedenheit unter die Engel, sodass die schönsten Annehmlichkeiten des Himmels sie nicht mehr zufrieden stellten. Dann lockte er sie von der unvorstellbaren Herrlichkeit der Gegenwart Gottes fort und überzeugte sie, dass die unergründliche Dunkelheit ihren Zwecken dienlicher sein würde. Ja, wenn Sie bedenken, wie groß die Verleumdungskraft unseres uralten Feindes sein muss, dann wundern Sie sich nicht mehr darüber, dass es ihm auch hier auf der Erde gelingt, gute Freunde in einer Gemeindespaltung zu entzweien. Wie lange diese Rebellion im Himmel dauerte, wissen wir nicht. Es ist auch nicht aufgezeichnet, welche Täuschungsmanöver Luzifer sich ausgedacht hat. Die Bibel gibt uns nur flüchtige Einblicke in diese schreckliche, katastrophale Spaltung. Und doch fragt man sich: Hat dieser Streit den Herrn überhaupt nicht berührt? War der himmlische Vater gegen diesen Trennungsschmerz völlig immun, oder empfand er Kummer, als sich die, denen er das Geschenk des Lebens gegeben hatte, gegen ihn auflehnten? Denken Sie daran, Gott schaute zu, wie die große Lüge sich ausbreitete und einen Engel nach dem anderen infizierte, bis sich schließlich ein ganzes Drittel der Rebellion anschloss. War diese Trennung der erste große Schmerz im Herzen Gottes? Liebe Freunde, lassen Sie uns auch mit Furcht und Zittern der Tatsache bewusst werden, dass vor dieser uralten Spaltung, zumindest unseres Wissens nach, die Hölle gar nicht existierte. Die Hölle wurde eine Realität als Folge einer Spaltung. In den folgenden Kapiteln werden wir einige Gründe für Spaltungen betrachten sowie Wege, wie man Trennungen


Die große Teilung / 17 und Spaltungen wieder heilen kann. Wir werden die Protokolle des Königreiches diskutieren und bloßlegen, wie der Feind unsere religiösen Ambitionen manipulieren kann. Wir werden auch sehen, wie eine verwundete Gemeinde wieder heil, und wie ein zerbrochener Pastor wieder hergestellt werden kann. Wir werden sogar die seltenen Fälle betrachten, in denen Gott eine Spaltung erlaubt. Bis hierher wollen wir jedoch lediglich festhalten, dass Trennungen und Spaltungen schwerwiegende Sünden sind. Sie erinnern Gott an den Ursprung der Hölle. Herr, vergib uns, dass wir diese schreckliche Sünde tolerieren. Meister, wir wissen, dass unsere Spaltungen ein Schandmal auf deinem Volk sind. Reinige uns von den Folgen der Teilung und befähige jeden von uns mit der Gnade, Einheit in deine Gemeinde zu bringen. In Jesu Namen. Amen.


- KAPITEL 2 —

Es geht um etwas ganz anderes Der Vater hat angeordnet, dass die Gemeinde Christi eins sein soll. Sein Sohn hat sie erkauft und der Heilige Geist ist da, um sie zu begründen. Der Kampf, in dem wir uns befinden, ist nur ein Ablenkungsmanöver; in Wirklichkeit geht es darum, die Einheit in Christus zu bewahren. Im letzten Kapitel haben wir mit Erstaunen festgestellt, dass sogar der Himmel eine Zeit des Streits erfahren hat, nämlich einen Krieg, bei dem Luzifer die Autorität und Leitung Gottes angegriffen hat. Die Schrift sagt uns, dass ein Drittel aller Engel dem Zauber von Luzifers Überredungskunst erlegen ist (vgl. Offenbarung 12). Gemäß althergebrachter jüdischer Tradition war Luzifer ursprünglich, gemeinsam mit Michael, Uriel und Gabriel, einer der mächtigen Erzengel (2. Esdras 4). Zwar kann man es nicht beweisen, doch wir können uns vorstellen, dass die Engel, die gefallen sind, in der himmlischen Autoritätsstruktur Luzifer direkt untergeordnet waren. Wir wissen nicht, durch welche Lüge Satan die Engel dermaßen berauschen konnte, dass er es schaffte, sie vom Himmel weg zu locken; wir wissen aber, dass die Hölle für diejenigen bereitet wurde, die den Lügen des Teufels glaubten (Matthäus 25,31). Doch obwohl Luzifer und seine Heerscharen in die „finsteren Höhlen des Abgrundes" (2. Petrus 2,4) verbannt wurden, endete ihr Krieg gegen den Himmel nicht sofort. Angefangen mit Adam und Eva, führte der Teufel seinen Kampf gegen Gott fort. Und auch der Streit, den die Christen heute erfahren, ist in ganz realer Weise die Fortsetzung dieses großen Urkonflikts. Erinnern wir uns auch daran, dass Luzifer, als er die Engel aus Gottes Gegenwart fortlockte, so abscheuliche Lästerungen aussprach, dass die herrlichen Engel bald zu verhärteten Dä-


Es geht um etwas ganz anderes / 19 monen wurden. Auch wenn der Vater schon von dem Plan und der Rebellion Luzifers wusste, kann ich mir nicht vorstellen, dass der Herr über den Fall der Engel keinen tiefen Herzenskummer empfand. In gleicher Weise sind unsere durch Satan hervorgerufenen Spaltungen jedes Mal ein weiterer Hieb in das Herz Gottes.

Jemand, der entzweit Es gibt eine Wahrheit, die uns, wenn wir uns ihrer bewusst sind, helfen wird, den Feind zu besiegen. Wenn eine Gemeinde die schmerzliche Erfahrung einer Spaltung macht, geht es in Wirklichkeit gar nicht um die sichtbaren Streitfragen, sondern um etwas anderes. Als Luzifer fiel, behielt er aus der Sicht des Himmels nämlich nicht länger den Namen Luzifer, sondern wurde von nun an „Satan" oder „Teufel" genannt. Die Bedeutung dieser beiden Namen zeigt uns das Wesen dessen, wogegen wir bei einer Gemeindespaltung in Wirklichkeit kämpfen. Satan bedeutet „einer, der sich widersetzt" oder „Gegner". Welche Macht steht hinter der konfrontierenden Haltung derer, die sich der etablierten Gemeindeautorität entgegenstellen? Welcher böse Geist treibt die an, die auf einmal Liebe, Gemeindeordnung und Anstand völlig außer Acht lassen, um ihre Ziele zu erreichen? Die Macht, die hinter einer Unfähigkeit zur Versöhnung steht, ist satanischen Ursprungs, und sie kann sich wie ein Keil zwischen die Unzufriedenen und die Leitungspersonen treiben. Alle Seiten müssen aufpassen. Satan wird sich immer mit aller Kraft gegen den Gedanken der Heilung und der Versöhnung stellen. Wir wollen auch den Namen Teufel betrachten, der ‚Verleumder" bedeutet. Jemanden zu verleumden heißt mehr, als nur „mit jemandem schlecht über einen anderen zu reden". Wörtlich genommen bedeutet das Wort „jemand, der sich oder etwas anderes zwischen zwei Parteien stellt, um sie zu entzweien".


20 / Gemeindespaltung Satans Absicht ist nicht nur, Schlechtes zu reden, sondern etwas zwischen die Menschen zu treiben, damit sie sich entzweien. Dieses Werk der Entzweiung zerstört Freundschaften, Ehen und Gemeinden. Er wird das, was in der anderen Person falsch erscheint, übertrieben darstellen und die Bemerkungen, die jemand als Reaktion darauf macht, verdrehen. Er wird unsere Kompromissversuche immer wieder frustrieren und ständig Christen durch neue Streitfragen entzweien. Wenn eine Gemeinde unter einem dämonischen Angriff steht, erkennt man es daran, dass die Gruppe, die auf die Trennung abzielt, ständig etwas zu kritisieren hat. Wenn man eine Streitfrage geklärt hat, tauchen auf einmal drei neue auf. Wenn Satan eine Splittergruppe in einer Gemeinde manipuliert, dann sind die Dinge, an denen sie sich stoßen, im Grunde gar nicht zu ändern. Die Antworten des Pastors stellen sie nicht zufrieden, auch sind Versuche, einen Kompromiss zu finden oder einen Ausgleich zu schaffen, selten von Erfolg gekrönt. Diese Streitfragen, die zwischen zwei Lagern auftreten, sind wie eine Nebelwand, die Satan benutzt, um eine Gemeinde zu teilen und darin zu herrschen. Sie scheinen reale Probleme zu sein, doch wenn etwas in unseren Beziehungen wichtiger wird als Demut, Liebe und Glauben, dann ist diese Sache in Wirklichkeit ein Keil, der uns trennen soll. Sehen Sie, es geht nicht um die Farbe des neuen Teppichs oder den Anbetungsstil oder wie lange eine Predigt zu dauern hat; in Wirklichkeit geht es darum, ob wir trotz unserer Unterschiedlichkeiten die Einheit Christi in der Gemeinde erhalten werden.

Christus, der einende Faktor Genau wie der Teufel sich oder etwas zwischen Menschen stellt, um sie zu entzweien, so stellt sich Christus zwischen uns, um uns zu heilen und um Einheit zu schaffen. Ebenso wie er uns lehrt, unsere Leiter in der Gemeinde zu ehren, sagt


Es geht um etwas ganz anderes / 21 er uns, dass wir einander bevorzugen und uns einander in heiliger Furcht unterordnen sollen. Wenn wir bei ihm die Vergebung für unsere Sünden erbitten, erinnert er uns daran, dass wir, um diese Vergebung zu erhalten, auch einander vergeben sollen (vgl. Matthäus 6 und 18). Er hat darüber hinaus angeordnet, dass, wenn wir am Altar sind und uns dort erinnern, dass jemand etwas gegen uns hat, unsere Gabe liegen lassen und uns zuerst mit der betreffenden Person versöhnen sollen (vgl. Matthäus 5,23-24). Dazu stellt der Herr auch noch seinen Geist und sein Kreuz zwischen uns, um uns daran zu erinnern, dass es nicht um unsere Angelegenheiten geht, sondern um IHN! Wie Jonatan in seinem Bund mit David sprach: „[wird] der HERR zwischen mir und dir ... auf ewig sein" (1. Samuel 20,42). Gott stellt seinen Sohn zwischen uns, nicht irgendwelche Streitfragen. Das einzige, worüber wir außerdem noch nachdenken könnten, wäre: Wie können wir in einem potentiellen Konflikt für andere ein Beispiel für Gottes erlösende Gnade sein?

In einer Gemeindespaltung Wenn es in einer Gemeinde zu einer Spaltung kommt, gibt es normalerweise drei Hauptgruppen, die darin verwickelt sind. Zunächst ist da die Gruppe derer, die die Spaltung hervorgerufen haben. Sie liegen im Streit mit dem Pastor oder dem Leitungsteam. Sie sind unzufrieden mit dem Status quo und wollen gerne einschneidende Veränderungen in der Gemeinde bewirken. Die zweite Gruppe besteht aus dem gegenwärtigen Hauptleiter und seinen Mitarbeitern, die, wenn auch umkämpft, treu zu ihm stehen oder ihn zumindest in seiner Position als Pastor unterstützen. Die dritte Gruppe ist meistens die größte und besteht aus denen, die zwischen den beiden ersten Gruppen eingekeilt sind. Sie sind unschuldige Schafe, die eine Beziehung zu den Leitern haben, aber auch mit den Dissidenten befreundet sind. Durch die Lästerungen und die verbrei-


22 / Gemeindespaltung teten Gerüchte sind sie verwirrt und wissen nicht, was sie glauben oder wem sie folgen sollen. Die Gruppe, die den Streit angefangen hat, bringt oft scheinbar geistliche Gründe vor, um ihre Sache zu bekräftigen. „Wir wollen einfach mehr von Gott." Oder: "Wir wollen größere Freiheit zum Wachsen." Solche Argumente erscheinen uns sowohl unschuldig als auch gerechtfertigt, bis wir bedenken, dass jeder zu jeder Zeit Gott suchen und mehr von ihm bekommen kann. Es erfordert keine Gemeindespaltung, um Gottes Gegenwart mehr zu erfahren, besonders weil gerade durch die Spaltung Gottes spürbare Gegenwart gemindert wird! Wenn der Konflikt nicht ausgeräumt werden kann, entstehen zwei gegeneinander stehende Gruppen in der Gemeinde, jede mit ihren eigenen Anführern. Wem sollen Sie nun folgen? Um herauszufinden, welche die wahren Hirten unter Ihnen sind, wenden Sie Salomos Weisheit an. Als zwei Frauen zu ihm kamen, die beide ein Neugeborenes als ihr eigenes Kind beanspruchten, befahl Salomo, das Kind zu zweiteilen. Das war sein Test. Die richtige Mutter bat, das Kind leben zu lassen, wogegen die falsche Mutter damit einverstanden war, das Baby zu zerteilen. Salomo erkannte, dass diejenige, die das Baby am meisten liebte, die richtige Mutter, nicht zulassen würde, dass es zweigeteilt wird. Auf diese Weise erkannte er ihre elterliche Liebe und gab ihren Sohn wieder in ihre Obhut (vgl. 1. Könige 3,16-27). In Ihrer Gemeinde wird der wahre Hirte jemand sein, der danach trachtet, die Gemeinde zusammenzuhalten. Er wird keine Spaltung hervorrufen, um ein Problem zu lösen. Er wird das Baby nicht töten, indem er es teilt. Er wird eher danach trachten, legitime Streitfragen zu lösen, und dabei den Fokus immer auf die wichtigere Frage der auf Christus zentrierten Einheit und Heilung zu behalten. Behalten Sie im Sinn, dass wir nicht sagen, dass man nicht durchaus auch legitime Streitfragen mit der Leiterschaft diskutieren sollte. Wir sagen auch nicht, dass Gemeinden nicht danach trachten sollten, in ihrem Dienst effektiver zu werden.


Es geht um etwas ganz anderes / 23 Tatsache ist, dass die besten Ideen dafür oft von der Gemeindebasis selbst stammen. Wir sagen lediglich, dass die uns trennenden Konflikte oft eine Nebelwand des Teufels sind. In Wirklichkeit geht es um Folgendes: Werden wir trotz unserer Konflikte weiterhin in Sanftmut, Liebe und Einheit miteinander leben? Werden wir, in Christus gemäßer Integrität, das Herz Gottes gegen den Versuch Satans, uns zu trennen, verteidigen? Herr, vergib uns, dass wir Trennungen und Spaltungen zu einer so tief verwurzelten Tradition der christlichen Kirche werden ließen. Wir bekennen, dass wir uns leicht von falschen Streitfragen bestimmen lassen. Herr, mache uns zu Werkzeugen der Heilung. Hilf uns, mit dir zu arbeiten, damit die Gemeinde vereint und deine Braut vorbereitet wird. Hilf uns, zu sehen, worum es in Wirklichkeit geht, nämlich: Werden wir trotz all unserer Verschiedenheit miteinander vereint bleiben? In Jesu Namen. Amen.


- KAPITEL 3 —

Wenn die Kleinen straucheln Nichts verärgert das Herz Gottes mehr, als wenn Kinder oder junge Gläubige zur Sünde verführt werden. Einer der wichtigsten Gründe, warum wir Gemeindespaltungen vermeiden oder nicht mit Gedanken des Zorns und der Trennung spielen sollten, ist ganz klar, dass derartige Konflikte in der Gemeinde Auswirkungen auf unsere Kinder haben. Die ungeheilte Erinnerung an eine schmerzliche Gemeindespaltung brütet lange und still in den Seelen der Kinder. Obwohl sie nach außen hin weiter Sonntag für Sonntag mit ihren Eltern zur Gemeinde kommen, hat die Gemeinde im Allgemeinen für ihre verwundeten Seelen nur noch wenig Gutes zu bieten. Wenn sie dann alt genug sind, kehren viele junge Leute der Gemeinde für immer den Rücken. Die am meisten betroffenen Opfer einer Gemeindespaltung sind also die Kinder. Es ist unvermeidbar, dass sie im Verlauf des Konflikts mithören, wie ihre Eltern zornig über den Pastor oder andere Gemeindemitglieder sprechen. Auch wenn sie mit dem Streit eigentlich nichts zu tun haben, sind die Kinder dann gezwungen, Partei zu ergreifen. Und wenn die Eltern ihrer besten Freunde auch noch zur gegnerischen Seite gehören, ist es eine unerträgliche Ungerechtigkeit, die hier Kindern egal welchen Alters zugemutet wird. Um diesen Punkt, dass man Kinder oder neue Gläubige nicht zu Fall bringen darf, noch weiter auszuführen, möchte ich erzählen, wie ich zum Glauben an Christus gefunden habe. Mein Gebet ist, dass wir als Volk Gottes die Furcht Gottes lernen, und dass wir es um jeden Preis vermeiden, Kinder zum Straucheln zu bringen. Es war der 24. November 1970. Ich bewohnte zusammen mit etwa 14 anderen Leuten ein Farmhaus in den Blue Ridge Mountains in Virginia. Außer einer anderen Person und mir


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