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Christen an der Seite Israels

70 Jahre Staat Israel Erfüllung biblischer Prophetie – Wunder der Weltgeschichte – Zeichen der Treue Gottes

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herausgegeben von Tobias Krämer

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ISBN: 978-3-944603-26-1 AZAR GbR, Söldenhofstr. 10, 83308 Trostberg 1. Auflage 2018 © 2018 beim Herausgeber: Christen an der Seite Israels e. V. Herausgeber: Tobias Krämer Christen an der Seite Israels e. V. Friedberger Str. 101 61350 Bad Homburg v. d. Höhe Tel.: (0 61 72) 9 18 27 40 Fax: (0 61 72) 9 18 27 42 info@israelaktuell.de www.israelaktuell.de Layout: Azar GbR, Trostberg Umschlag: Ewald Sutter, Azar GbR Umschlagfotos: Flaggen © shutterstock.com #626938319 File Folder Tab © Olivier Le Queinec | Dreamstime.com Druck: www.wir-machen-druck.de


Dossier #4

70 Jahre Staat Israel Erfüllung biblischer Prophetie – Wunder der Weltgeschichte – Zeichen der Treue Gottes

Christen an der Seite Israels


Inhaltsverzeichnis Vorwort (Tobias Krämer) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Teil I: Gottes Weg mit Israel, Israels Weg mit Gott Israels Geschichte, von Abraham bis zur verheißenen Vollendung (Tobias Krämer). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 Jahre Staat Israel: Was will Gott der Gemeinde Jesu dadurch sagen? (Harald Eckert). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Chronologische Eckdaten Vorgeschichte/Antike (Joachim Kudlek) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Worte aus Sacharja 8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Teil II: Staatsgründung Israels 1948 Der lange Weg zur Neugründung des Staates Israel (Dietmar Kern). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Staatsgründung und Konflikte (Dietmar Kern) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Chronologische Eckdaten Mittelalter/Neuzeit (Joachim Kudlek) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Worte aus Jesaja 66 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

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Teil III: Israel und die Welt Israel und seine Nachbarn (Johannes Gerloff). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Israel und die UN: Die wichtigsten Resolutionen im Überblick (Josias Terschüren) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 Zwischenruf: Eine Schande. 10 Arten, wie Israel anders behandelt wird (David Harris) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 50 Jahre diplomatische Beziehungen Israel – Deutschland (Botschaft des Staates Israel, Berlin) . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 Wer ist schuld am Nahost-Konflikt? (Tobias Krämer) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Worte aus Joel 4. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Unverdiente Gnade (Anonymus) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 Über die Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82

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Vorwort von Tobias Krämer

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Jahre Staat Israel – was für ein Datum! Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel nach 1900 Jahren wieder ins Leben gerufen. Das ist ein beispielloser Vorgang in der Geschichte. Möglich war dies nur, weil die Zionistische Bewegung unter dem aufopferungsvollen Einsatz von Theodor Herzl auf dieses Ziel zugearbeitet hat und der Völkerbund (die Vorläuferorganisation der Vereinten Nationen) sich dieses Ziel zu eigen gemacht hat. Heute hätte dieses Projekt nach menschlichem Ermessen keine Chance mehr.

In evangelischen Kreisen hat es sich eingebürgert, dieses Geschichtswunder als „Zeichen der Treue Gottes“ zu verstehen: • Als Zeichen, denn es verweist auf etwas anderes, das dahinter steht, nämlich auf die Treue Gottes. • Als Zeichen der Treue Gottes, denn hier wird deutlich, dass Gott unwiderruflich zu seinem Volk und zu seinem Wort steht. Die Treue Gottes ist es denn auch, die in diesem Dossier im Mittelpunkt steht. Sie begegnet in der Geschichte Israels auf 7


vielfältige Weise und wird dazu führen, dass Israel am Ende der Tage zu seinem von Gott gesteckten Ziel kommen wird. In den folgenden Beiträgen wollen wir das tun, was auch die Bibel tut: Die Geschichte Israels als die Geschichte des treuen Gottes mit seinem erwählten Volk zu verstehen. In Teil I gibt Tobias Krämer einen Überblick über die biblische Geschichtslinie quer durch die ganze Bibel. Harald Eckert schließt daran an und erläutert, welche aktuellen Botschaften Gottes an die Gemeinde Jesu mit der Staatsgründung Israels verbunden sind. Teil II ist der Staatsgründung Israels gewidmet. Dietmar Kern gibt einen Überblick über die geschichtlichen Vorgänge. Dabei werden sowohl die wundersame als auch die konflikthafte Seite des Geschehens beleuchtet. Teil III nimmt die gegenwärtige Situation in den Blick: Israels Position im internationalen Kontext. Über Israel und die UN schreiben Josias Terschüren und David Harris, Israel und seine Nachbarn thematisiert Johannes Gerloff, über die Ursachen des NO-Konflikts denkt Tobias Krämer nach. Einen chronologischen Überblick, der Teil I und II begleitet, hat in gewohnt akribischer Weise Joachim Kudlek verfasst – weitere Beiträge runden das Heft ab. Lassen Sie sich hineinnehmen in die faszinierende, aber auch herausfordernde Welt der Geschichte Israels!

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Teil I: Gottes Weg mit Israel, Israels Weg mit Gott

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Israels Geschichte, von Abraham bis zur verheißenen Vollendung von Tobias Krämer

W

arum gibt es Israel? Die Antwort ist so simpel wie elementar: Weil Israel Gottes Volk ist und weil Gott der Gott Israels ist. Warum gibt es den Staat Israel heute wieder und warum ist dies auch für Christen von Bedeutung? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir weit zurückgehen – bis an die Anfänge der Bibel. „Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ Mit diesen Worten beginnt die Bibel (1. Mo 1,1). In den folgenden Kapiteln geht es um die große weite Welt. Schöpfung, Sündenfall, Sintflut, Turmbau zu Babel und Entstehung der Völkerwelt sind die vorherrschenden Themen. Man könnte meinen, dass hier die Geschichte der Menschheit erzählt werden soll. Doch dem ist nicht so. Denn in 1. Mose 12,1-3 liegt der Fokus plötzlich auf einem einzigen Mann: auf Abraham. Mit Abraham beginnt Gott, Heilsgeschichte zu schreiben. Hier liegt der Anfang all dessen, was Juden und Christen glauben, hier liegt die Wurzel des Christentums.

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Von Abraham bis Mose: Bund und Erwählung Israels In 1. Mose 12,1-3 ist zu lesen, wie Gott Abraham ein dreifaches Versprechen gibt: Abraham soll ein Land bekommen, aus ihm soll ein Volk hervorgehen und in ihm soll die ganze Menschheit gesegnet werden. Volk, Land und Segen. Die Verheißung von Volk und Land bezieht sich auf Israel. Auf das Volk Israel und das spätere Land Israel (Kanaan/Palästina), also auf die Nation Israel. Neben dieser irdischen Verheißung findet sich eine geistliche: Segen für „alle Geschlechter der Erde“. Was für eine gewaltige Dimension! Diese Verheißungslinie führt neutestamentlich auf Jesus Christus hin, doch liegt die Bestimmung, ein Segen zu sein, auch weiterhin auf Israel. Aus Abraham soll also Gottes Volk hervorgehen – eine Nation, die zum Segen der Welt wird. Das ist Gottes Plan und darauf arbeitet er zu. Der Verheißungsträger Abraham hat von alldem nicht viel gesehen. Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob und Esau. Bald danach endete Abrahams Leben. Jakob und seine 12 Söhne, die Väter der 12 Stämme Israels, ließen sich in Ägypten nieder, wuchsen dort zu einem großen Volk heran und fielen in bittere Sklaverei. Dieser Zustand war das Gegenteil dessen, was Gott Abraham versprochen hatte. Hatte Gott sein Volk vergessen? Keineswegs! Unter Mose führte Gott sein Volk aus Ägypten heraus und schloss mit ihm am Sinai einen Bund. Gott nahm Israel als sein Volk an, im Gegenzug versprach Israel, nach Gottes Willen (der Tora) zu leben. Dieser Bund war ein Gnadengeschenk Gottes. Denn für Israel konnte es nichts Besseres geben, als mit Gott verbündet zu sein. Hinter diesem Bundesschluss stand ein einmaliger Vorgang: die Erwählung Israels zum Eigentumsvolk Gottes. In 5. Mo 12


7,6-8 wird beschrieben, warum Gott ausgerechnet Israel erwählt hat: (1.) Aus Liebe zu Israel und (2.) weil Gott sein Versprechen an die Väter (Abraham, Isaak und Jakob) halten wollte. Beides ist edel. Liebe ist eine Herzensregung und das Halten eines Versprechens zeugt von einem integ- Die Israeliten sollten für ihr Heiligtum einen ren Charakter. Entscheidend 7-armigen Leuchter herstellen (2. Mose 25, ist: Gott hat sich auf diese 31–39). Dieser Leuchter, genannt Menora, ist wohl das wichtigste Symbol des JudenWeise zum Gott Israels ge- tums und findet sich auch im Wappen des macht. Der eine und wahre Staates Israel. Die Menora auf dem Foto steht gegenüber dem israelischen ParlaGott, der Schöpfer aller Din- mentsgebäude, der Knesset, in Jerusalem. ge, hat sich an Israel gebun- Sie wurde vom deutsch-jüdischen Bildhauer installiert. den. Für Zeit und Ewigkeit. Benno Elkan entworfen und Foto: Benno Elkan Das ist gewaltig! Seither gibt es Gott nur noch als Gott Israels. Wer nun an Gott glauben will, der muss ihn als Gott Israels nehmen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht mehr.

Aufbau und Niedergang der Nation Israel Mose führte Israel bis an die Grenzen des „gelobten Landes“, doch erst unter Josua konnte Israel dieses Land betreten und einnehmen. Dabei handelt es sich um das Land, in dem Israel später zu einer Nation wurde und in dem heute der Staat Israel wieder beheimatet ist. In der Zeit nach Josua waren die 12 Stämme Israels lange mit sich selbst beschäftigt. Eine einheitliche Nation war noch nicht entstanden, doch standen immer wieder charismatische Leiterpersönlichkeiten auf, die Gott erweckte, um Israel zu dienen: die sog. „Richter“. Die bekann13


teste Führungsfigur dieser vorstaatlichen Zeit war der Prophet Samuel. Er war es, der Saul zum ersten König über Israel salbte und später David zum zweiten (um 1000 v. Chr.). Schon zu Sauls Zeiten wurde eine Struktur sichtbar, die für die ganze Königszeit prägend sein sollte: das Zusammenspiel von König und Prophet. Das Verhältnis zwischen beiden war größtenteils spannungsvoll, denn nur wenige Könige waren nach dem Herzen Gottes. Für die Könige war politisches Kalkül meist wichtiger als der Gehorsam Gott gegenüber, während die Propheten als Mahner und Warner Gottes auftraten. Davon erzählen die Geschichtswerke des Alten Testaments (Samuel-, Könige- und Chronikbücher), davon berichten ebenso die meisten Prophetenbücher. Drei Könige herrschten über das vereinte Israel, nämlich Saul, David und Salomo. Dann zerbrach Israel in zwei Teile: In das Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria und das Südreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem, in deren Mitte der Tempel stand. Nach dem Verfasser der Königsbücher liegt die Schuld an dieser Trennung im Norden. Die 10 Stämme des Nordens sagten sich vom Süden los. Damit lösten sie sich sowohl von der Königslinie Davids (die von Gott erwählte Linie; vgl. 2 Sam 7,16) als auch vom Tempel, dem Wohnort Gottes. Diese Trennung kam somit fast schon einer Loslösung von Gott gleich. Götzendienst und Missachtung der Tora waren an der Tagesordnung. Das konnte nicht gut gehen. 721/22 v. Chr. kamen die Assyrer, überrannten das Nordreich und zerstreuten große Teile der Bevölkerung über das weite assyrische Weltreich. Was aus diesen 10 Stämmen geworden ist, ist bis heute weitgehend unbekannt – nach ihren Nachfahren wird gesucht. 14


Das Südreich war geistlich besser aufgestellt. Doch hatte es im Grundsatz dieselben Probleme, so dass auch dieser Teil Israels keinen Bestand hatte. 586/87 v. Chr. kamen die Babylonier, besetzten das Südreich und führten die Juden ins babylonische Exil. Damit schien das „Projekt Israel“ zu Ende zu sein.

Rückkehr und Fremdherrschaft Das Ende Israels war nicht überraschend gekommen. Oft genug hatten die Propheten davor gewarnt. Ein endgültiges Ende aber war undenkbar, denn Israel war Gottes erwähltes Volk. Dies ist die Grundlage dafür, dass die Botschaft der Propheten sich nicht in der Androhung von Gericht erschöpfte. Ganz im Gegenteil: Am Ende der Geschichte sahen die Propheten eine umfassende Wiederherstellung Israels kommen. Gott wird – so die Propheten – das Gericht enden lassen. Er wird Israel aus aller Welt heimholen, die Nation Israel neu gründen und sein Volk geistlich erneuern. Die geistliche Grundlage dieses Geschehens ist der sog. „neue Bund“: Gott wird die Tora, die Israel so oft missachtet hat, durch seinen Heiligen Geist in die Herzen seines Volkes hineinschreiben (Jer 31,31-34; Hes 36,26). Dann wird Israel von Herzen Gottes Willen tun und als Nation Gott verherrlichen (Jes 60,1-3; Jer 30-33; Hes 36-39). Gott wird mit seinem Volk zum Ziel kommen! Ein erster Anlauf in Richtung Wiederherstellung erfolgte – nach dem Untergang des babylonischen Reiches – unter dem Perserkönig Kyrus. Mit ihm war die Zeit gekommen, dass Gott das Blatt wendete. Das erkannte der Prophet Daniel (Dan 9,2), das erkannten aber auch einflussreiche Männer wie Esra und Nehemia. Sie bewegten Kyrus, die Juden wieder nach Hause ziehen und den Tempel neu aufbauen zu lassen. Kyrus gab diesem Anliegen statt (Kyrus-Edikt, 538 v. Chr.) und wurde auf 15


diese Weise zu einem „Messias“, einem „Gesalbten“ Gottes für Israel (Jes 45,1). 515 v. Chr. wurde der Aufbau des Tempels vollendet – er bestand bis in die Zeit Jesu fort. Der Wiederaufbau Jerusalems und seiner Stadtmauer zog sich bis ins 5. Jh. v. Chr. hinein und wurde von den Propheten Haggai und Sacharja begleitet. Doch auch das Perserreich verging. Es wurde von Alexander dem Großen (356-323 v. Chr.) eingenommen. Im Zuge dessen geriet auch Israel unter die Herrschaft Alexanders. Alexander hatte eine Mission. Er wollte das Griechentum (den Hellenismus) über die ganze Welt verbreiten. Und das tat er auch. Die Juden sahen sich nun von hellenistischer Denk- und Lebensweise umgeben. Die einen fühlten sich von ihr angezogen, die anderen bedroht. Weltoffene Machthaber in Israel öffneten sich dem Hellenismus, fromme Kreise bekämpften dies erbittert und leisteten Widerstand. Allen voran die berühmte Makkabäerfamilie (2. Jh. v. Chr.). Die Auseinandersetzung mit dem Hellenismus begleitete die Geschichte der Juden bis ins 1. Jh. n. Chr. Nach der Tempelzerstörung (70 n. Chr.) setzte sich das rabbinische Judentum (das hebräisch-pharisäische) endgültig durch und ließ hellenistische Einflüsse weitgehend hinter sich.

Zeitenwende: Jüdischer Messianismus und Jesus aus Nazaret Zu Zeiten des Neuen Testaments war das Griechenreich bereits wieder Geschichte. Rom hatte es verdrängt und so stand Israel nun unter der Herrschaft der Römer. Im Judentum dieser Zeit war die Erwartung des Messias sehr lebendig. Der Messias (= der „Gesalbte“ / der „Christus“) sollte kommen, die Gottesherrschaft aufrichten, Israel wieder herstellen und die Welt in Ordnung bringen. Das war die Grunderwartung. Die 16


machtbewussten Römer standen dieser Erwartung feindlich gegenüber und machten mit Messiasanwärtern kurzen Prozess. Umgekehrt genügte es, jemanden als „Messias“ zu bezeichnen, um ihn in Lebensgefahr zu bringen. Auch Jesus wurde als Messiasanwärter (als „König der Jerusalem – die Hauptstadt Israels seit rund Juden“) gekreuzigt. Im Falle 3000 Jahren. Foto: Hans Kriechbaum Jesu kam es jedoch zu einer überraschenden Wende. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt! Er hat ihn zu sich in den Himmel geholt und als Messias und Herrn eingesetzt (Apg 2,32-36; Phil 2,9-11) – ein einzigartiger Vorgang. Damit war die messianische Wende erfolgt. Für die Autoren des Neuen Testaments war somit eine neue Zeit angebrochen. Diese zeichnete sich unter anderem dadurch aus, dass nun auch die Heiden zum Gott Israels kommen sollten, wie die Schrift es verheißt (Jes 66,19). Das war neu. Aus dieser Überzeugung trug Paulus das Evangelium in die Völkerwelt. Dieses endzeitliche Herzuströmen der Heiden hat damals begonnen und es wächst bis heute an. Doch ist damit das Ziel noch nicht erreicht. Jesus wird eines Tages wiederkommen, um die Gottesherrschaft definitiv zu vollenden (1. Kor 15,20-28). Ganz wie fromme Juden dies vom kommenden Messias erwarten. Dann wird Friede sein. Doch Israel schlidderte zunächst in die größte Katastrophe seiner Geschichte. 70 n. Chr. erfolgte ein Aufstand der Juden gegen Rom, der damit endete, dass die Römer unter dem Feldherrn Titus in Jerusalem eindrangen, ein grauenvolles Blutbad anrichteten und den Tempel zerstörten. Damit war das Judentum im Mark getroffen. 132-135 n. Chr. 17


wurde es noch schlimmer. Unter dem charismatischen Führer Bar Kochba, der als Messias gesehen wurde, wagten die Juden erneut einen Aufstand. Auch dieser wurde von den Römern mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Nun machten die Römer „ganze Sache“. Jerusalem wurde zu einem römischen Kultzentrum umfunktioniert. Den Juden war der Zutritt in die Stadt bei Todesstrafe verboten. Auf dem Tempelberg wurde ein Jupiterheiligtum errichtet, Jerusalem wurde in „Aelia Capitolina“ umbenannt und Israel in „Syria Palaestina“ („Philisterland“). Alles Jüdische war zerstört und ausgemerzt. Israel war am Ende. Jesus hat diese Katastrophe vorausgesehen (Mt 24,2; Lk 21,20-24). Doch hat er auch angekündigt, dass diese nicht das letzte Wort sein wird. Die Zeit, in der Jerusalem von den Heiden „zertreten“ wird, wird laut Jesus enden (Lk 21,24). Dann wird Jerusalem wiederhergestellt werden und mit Jerusalem ganz Israel (Mt 23,37-39). Dies sagte Jesus voraus. Auch Paulus erwartete Gottes Heil für Israel, wenn er davon spricht, dass Israel Jesus erkennen und so in den „neuen Bund“ gelangen wird (Röm 11,26; vgl. Lk 22,20; 2 Kor 3,16). Der neue Bund aber ist das Herzstück der umfassenden Wiederherstellung Israels. Das Neue Testament greift also die prophetischen Linien des Alten Testaments auf und führt sie an dasselbe Ziel: zur endzeitlichen Wiederherstellung Israels zum Segen für die Völkerwelt. Mit dieser Verheißung begann die Heilsgeschichte (1. Mo 12,1-3) und mit ihrer Verwirklichung wird sie eines Tages enden (Jes 2,1-4).

Israel aktuell Dass Israel heute wieder existiert, ist ein Wunder. Etwas Vergleichbares hat es in der Weltgeschichte nicht gegeben. Der Prozess der Wiederherstellung Israels hat begonnen und was 18


noch aussteht, wird noch folgen. Das dürfen Christen glauben. Der große Theologe Karl Barth sagte in diesem Zusammenhang: „Jetzt können wir´s in der Zeitung lesen: Gott hält seine Verheißung.“ Das sollte Bibelkenner eigentlich nicht wundern. Denn schon in Ps 33,4 heißt es: „Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss.“ Oder mit dem reformatorischen Wahlspruch: „Verbum Dei manet in aeternum“ (Gottes Wort bleibt bis in Ewigkeit). Gott erfüllt seine Verheißungen. Auch die für Israel. Er hat, so unsere Überzeugung als Christen an der Seite Israels, bereits damit begonnen. In unserer Zeit, vor unseren Augen. Herzlichen Glückwunsch, Israel!

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Über die Autoren Harald Eckert Autor, Bibellehrer, Netzwerker Leiter des weltweiten Global Prayer Call Leiter von Christen an der Seite Israels e. V. Mitglied in verschiedenen Vorstandsgremien.

Johannes Gerloff Theologe, Journalist und Buchautor Bekannt als Nahostkorrespondent und Mitherausgeber des Fernsehmagazins „Fokus Jerusalem“.

David Harris Geschäftsführender Direktor des American Jewish Committee, eine der ältesten israelsolidarischen NGOs in den USA.

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Tobias Krämer Pastor, Theologe Mitarbeiter bei Christen an der Seite Israels Vorsitzender des Christlichen Forums für Israel e. V.

Joachim Kudlek Historiker und Journalist Gründungsmitglied von Christen an der Seite Israels e. V., seitdem Redakteur der Zeitung „Israelaktuell.de“.

Josias Terschüren Pastor, Theologe, Politischer Berater PR-Direktor bei der Initiative 27. Januar Mitarbeiter bei Christen an der Seite Israels e. V.

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Literatur Winfried Amelung, Geliebtes Volk und Land. Israels Geschichte – ein Wunder Gottes. Holzgerlingen 2001. Mitchell G. Bard, Behauptungen und Tatsachen. Der arabischisraelische Konflikt im Überblick. Holzgerlingen 2002. David Ben-Gurion, Die Juden in ihrem Land: die Geschichte des Volkes Israel von den Anfängen bis in unsere Zeit. Würzburg 1967. Harald Eckert, Deutschland, Israel und das Tal der Entscheidung. Lübeck 2014. Harald Eckert, Gottes Weg mit Israel. Von Abraham bis zur Offenbarung. Lüdenscheid 2005. Mark A. Gabriel, Israel in Gefahr. Der nächste Schachzug des Islam gegen die Juden. Gräfeling 2013. Johannes Gerloff, Die Palästinenser: Volk im Brennpunkt der Geschichte. Holzgerlingen 2012. Johannes Gerloff / Heinz Reusch, Grenzenloses Land. Ein Land wird geteilt. Holzgerlingen 2015 (sehr zu empfehlen). GEO Epoche: Die Geschichte des jüdischen Staates (Heft 61 / 2013). Willem J. J. Glashouwer, Warum immer wieder Israel? Vision von der Zukunft Israels und der Welt. Lübeck 2011. 82


Georg Hafner / Esther Schapira, Israel ist an allem schuld. Warum der Judenstaat so gehasst wird. Köln 2015. Theodor Herzl, Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage. Berlin 2016 (Erstdruck 1896). Tobias Krämer, Wozu Israel? Historische, theologische und zeitgeschichtliche Zugänge zum Bundesvolk Gottes. Stuttgart 2016. Michael Krupp, Die Geschichte des Staates Israel. Von der Gründung bis heute. Gütersloh 2004. Julian Kümmerle, Der Holocaust. Kompaktwissen Geschichte. Ditzingen 2016. Eugene H. Merrill, Die Geschichte Israels: ein Königreich von Priestern. Holzgerlingen 2006. Wolfgang Oswald / Michael Tilly, Geschichte Israels: Von den Anfängen bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. Darmstadt 2016 (Stand der historisch-kritischen Forschung). Tass Saada, Das Prinzip des Terrors. Basel 2016. Carsten Schliwski, Geschichte des Staates Israel. Ditzingen 2012 (kompakter historischer Überblick über das 20. Jh.). Carsten Peter Thiede / Urs Stingelin, Die Wurzeln des Antisemitismus. Judenfeindschaft in der Antike, im frühen Christentum und im Koran. Basel / Gießen 2003. Michael Wolffsohn / Tobias Grill, Israel: Geschichte, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft. Opladen / Berlin / Toronto 2016. Michael Wolffsohn, Wem gehört das Heilige Land? Die Wurzeln des Streits zwischen Juden und Arabern. München 2009.

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70 Jahre Staat Israel – was für ein Datum! Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel nach beinahe 1900 Jahren wieder ins Leben gerufen. Das ist ein beispielloser Vorgang in der Geschichte. Möglich war dies nur, weil die Zionistische Bewegung unter Theodor Herzl auf dieses Ziel zugearbeitet hat und die internationale Gemeinschaft dafür gewinnen konnte. Nach dem 2. Weltkrieg und dem Holocaust öffnete sich kurz ein Zeitfenster, um den Staat Israel zu gründen. Heute hätte dieses Projekt nach menschlichem Ermessen keine Chance mehr. Lesen Sie in diesem Heft: · Die Geschichte Israels von ihren Anfängen an: Wie sie verlief und was dies für Christen bedeutet. · Berichte und Hintergrundinformationen rund um die Staatsgründung Israels. · Israels Position im internationalen Kontext heute: Wo Chancen liegen und welchen Herausforderungen Israel gegenübersteht. Lassen Sie sich hineinnehmen in Gottes Weg mit Israel!

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