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Peter Rüesch

Ein Mensch mit Zukunft Im Gespräch mit Abraham und Mose

arteMedia


Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte biblio­gra­fische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Ein Mensch mit Zukunft Im Gespräch mit Abraham und Mose ISBN 978-3-905290-83-7

Bibelzitate, sofern nicht anders angegeben, wurden der »Einheitsübersetzung« entnommen. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.

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Alle Rechte vorbehalten © 2015 by Verlag arteMedia in Riehen/Basel www.arte-media.ch Umschlaggestaltung: Jutta Undeutsch Titelfoto © candy1812, fotolia.de Gedruckt von Friedrich Pustet GmbH & Co. KG 93008 Regensburg, Deutschland


Inhaltsverzeichnis Vorwort 4 I. Ein Mensch mit Zukunft 6 A. Aus der Unruhe zur Klarheit 6 Gespräch mit Abraham über Genesis 12, 1–4 6 B. Aus Fehlern lernen 13 Gespräch mit Abraham über Genesis 13, 1-9 13 C. Was ist dir Gott wert? 18 Gespräch mit Abraham über Genesis 22, 1-8 18 D. Gott allein genügt 24 Gespräch mit Abraham über Genesis 24, 1–9 24 II. Auszug aus dem Sklavenhaus A. Das Verlangen nach Freiheit Gespräch mit Mose über Exodus 2, 10–22 B. Der Mut zur Freiheit Gespräch mit Mose über Exodus 3, 1-12 C. Der Preis der Freiheit Gespräch mit Mose über Exodus 13,17-20 + 14,5-18 D. Der Kampf der Freiheit Gespräch mit Mose über Exodus 17,8-13.15 E. Bewährung der Freiheit Gespräch mit Mose über Exodus 18, 5–7.13–24

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Abkürzungen biblischer Bücher


Vorwort Gottes Wort ist die Quelle lebendiger Inspiration. Peter Rüesch nimmt uns bei der Hand, führt uns zu zwei Gestalten des Glaubens: Abraham und Mose. Sie begegnen uns auf den ersten Seiten der Bibel. Lassen wir uns auf sie ein, bleiben wir nicht durch Jahrtausende getrennte fernstehende Betrachter. Lesen wir die nachfolgenden Seiten, so werden wir Teil der damaligen Wirklichkeit. Wir treten ein in ein erfrischendes und spannendes Gespräch. Es führt uns dazu, neue, ungewohnte Gedanken zu denken, unsere Gefühle zu befragen und unseren Alltag in seinen Beziehungsfeldern zu reflektieren. Eine Schrift gegen Ermüdungserscheinungen im Umgang mit Gottes Wort. Gewöhnung und Oberflächlichkeit bleiben außen vor. Es ist dem Verfasser dieser Schrift, Peter Rüesch, gelungen, während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Verkündiger von Gottes Wort und Leiter von Retraiten, den Hörer und Betrachter seiner Auslegungen hineinzuholen in eine Wirklichkeit, die das Gewohnte und Gewöhnliche zurücklässt. Es gelingt ihm auch mit den vorliegenden Impulsen, die Dimension der lebendigen göttlichen Wahrheit, die alles Denken übersteigt, zu eröffnen. Peter Rüesch ist keiner theologischen Richtung verpflichtet. Er weiß sich dem biblischen Wort in seiner grenzenlosen Vielgestaltigkeit verpflichtet. Er entwickelt keine Theorien; er spricht aus einer profunden Kenntnis des Wortes und des heutigen Menschen hinein in die Praxis.

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Peter Rüesch, geboren 1932, war von 1963 bis 1997 theologischer Mitarbeiter der Kommunität Diakonissenhaus Riehen. Hier hat er in Predigten, Bibelstunden, Auslegungen, Retraiten und Bibelkursen die Kommunität und darüber hinaus zahlreiche Menschen mit seinen unkonventionellen Betrachtungsweisen tiefgehend beschenkt. Mit der vorliegenden Schrift ist uns sein Vermächtnis in die Hand gelegt. Es will uns daran erinnern: Gottes Wort hat zu allen Zeiten erneuernde und belebende Wirkkraft. Das Ziel heißt: Mensch werden nach dem Herzen Gottes. Pfingsten 2015 Sr. Doris Kellerhals, Dr. theol., Oberin Kommunität Diakonissenhaus Riehen

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I. Ein Mensch mit Zukunft A. Aus der Unruhe zur Klarheit Gespräch mit Abraham über Genesis 12, 1–4 Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte, und mit ihm ging auch Lot. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran fortzog. Genesis 12, 1–4

Abraham nahm einen weiten Weg auf sich. Ursprünglich kam er aus dem Land Ur in Chaldäa, der Gegend des heutigen Irak. Sein Vater Terach entschied zusammen mit einem Teil seiner Verwandtschaft nach Kanaan – dem heutigen Israel – zu ziehen. Offen ist, warum Terach nach Kanaan wollte. Ein möglicher Grund wäre die wirtschaftliche Lage. Denn solche Wanderungen geschahen oft aus wirtschaftlichen Gründen, auf der Suche nach einem besseren Leben. In einer ersten Etappe zogen sie von Ur in Chaldäa aus, kamen nach Haran und blieben dort wohnen.1 Haran liegt je1  Gen 11,31

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doch nicht in Kanaan sondern im Süden der heutigen Türkei. Terach, der Vater Abrahams ist in Haran gestorben ohne nach Kaanan gelangt zu sein. Hier setzt nun der Text ein, Gott spricht Abraham direkt an. Er fordert ihn auf von Haran wegzuziehen, in ein Land, dass er ihm zeigen wird. Abraham, es bleibt offen, wo Du dich auf einen weiten Weg gemacht hast, Hauptsache: Gott hat mit dir geredet.2 Du bist natürlich zunächst deinen Weg zusammen mit deiner Familie gegangen, als Terach aufbrach. Doch deine Familie ist nicht deine Zukunft: Du musst dich entscheiden und deinen eigenen Weg zum Leben gehen. »Und der Herr sprach«, wie wichtig ist es, dass Gott uns anspricht. Jesus sagt in Johannes 10,27: »meine Schafe hören meine Stimme«. Das heißt, dass jeder, der an Jesus glaubt fähig ist, die Stimme des Herrn zu hören. Das gilt also auch für uns heute. Wer an Jesus glaubt und zu ihm gehört, der kann seine Stimme vernehmen. In unserem lauten Alltag gibt es aber so viele andere Stimmen, dass das leise Reden Gottes nur zu leicht übertönt wird. Wenn wir auf unseren Herrn hören wollen, ist das Schweigen und innerlich zur Ruhe kommen vor ihm sehr hilfreich. Hören auf Gott und die Einsicht: Ich bin gemeint, ist wich­ tig. Das zeigen uns auch andere biblische Personen. Von Gott direkt angesprochen zu werden, aufgrund seiner Initiative und nicht unserer, ist wohl etwas vom schönsten und lebensveränderndsten, was einem Menschen passie­ ren kann. 2  Gen 12,1a: »Und der HERR sprach zu Abram«

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Selbst Jesus wurde von Gott direkt angesprochen. Und zwar am Jordan bei der Taufe: »Du bist mein geliebter Sohn«3. Diese direkte Anrede, war von entscheidender Bedeutung. Diese direkte Anrede war der Dreh und Angelpunkt in seinem Leben, der nach der Vorbereitungszeit stand und ihn hin zu seiner öffentlichen Wirksamkeit führte. Nicht Bethlehem war entscheidend, als die Weisen kamen, einen König anzubeten, von dem sie noch nicht wissen konnten, wie er herrschen wird. Nicht sein Erlebnis als Zwölfjähriger war entscheidend, als er sich im Tempel für die Geschichte Gottes mit seinem Volk interessierte.4 Sondern dieser direkte Ausspruch Gottes. Daraufhin ging er in die Einsamkeit der Wüste5, um weiter drauf vorbereitet zu werden für das, was nun anstehen würde. »Und der Herr sprach zu Abram« Dabei wird mit keinem Wort Abrahams Frömmigkeit erwähnt. Keine besonderen Taten, die ihn bisher hervorheben. Abraham, bevor Gott zu dir spricht, bist du wie jeder andere aus den Völkern. Du bist nicht etwas Besonderes. Du gehörst zu der Menschheit, die der Sintflut entronnen ist, die über die Gottvergessenheit und Bosheit der Menschen gekommen ist.6 Du gehörst zur Menschheit, die sich den Turm zu Babel in ihrem Hochmut und in ihrer Angst, sich zu verlieren, 3  4  5  6

Lk 3,22 Lk 2,46 Lk 4,1 Gen 6 ff.

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gebaut hat7: Du bist ein Glied dieser Menschheit, du bist als Sünder, nicht als Frommer angerufen. Erst als Gott dich ansprach, musstest du dich entschieden, ob du ihm gehorchen willst oder nicht. Auch Josua erinnert später daran, dass man sich immer neu entscheiden muss. Wir gehören nicht automatisch zu einer anderen Klasse. Josua mahnt sein Volk: »Wählt euch heute, wem ihr dienen wollt: Den Göttern, denen eure Vorfahren jenseits des Stromes (Euphrat) gedient haben oder…«8. Und um noch einmal auf die unverhoffte Ansprache Gottes an Abraham zu sprechen zu kommen, auch Paulus weiß: »Gott zeigt seine Liebe zu uns gerade dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren«9. »Und Gott sprach zu Abraham«: So fängt allemal »die Sache mit Gott« an, dass Gott das Wort ergreift und meinem Leben Sinn gibt und ein Ziel weist. Doch Gottes Anrede sucht eine Antwort, einen Widerhall: »Geh!« Es könnte auch heißen »Tu das!«. Wenn Gott mit dir spricht, sei es freundlich, mahnend oder fordernd, ist das ein Zeichen seiner Liebe! »Geh aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft, aus dem Haus deines Vaters«, das heißt: geh in die Unsicherheit. In die Unsicherheit der Wege, der Rechtlosigkeit, der Fremde.

7  Gen 11 8  Jos 24,15 9  Röm 5,8

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Ich suche zu verstehen: Unsicherheit macht Angst. Das erleben auch viele Menschen, Flüchtlinge. Du Abraham aber hast eine Sicherheit, die Zusage Gottes »ich will…«10. Gott legt sich zuvor fest, bevor ich einen Schritt mache. Dass sich Gott vor aller Antwort und Entscheidung festlegt, ist ein Zeichen von Liebe; denn Liebe wartet nicht auf ein Echo. Sie tut den ersten Schritt auf den andern zu, unwiderruflich! Das ruft mir Jeremia 31, 3 in Erinnerung: »Ich habe dich je und je geliebt«. Ich überlege: Welches sind die Zusagen, an die ich mich halte? Eine Richtung wird dir, Abraham, gewiesen, mehr nicht: »In das Land, das ich dir zeigen werde«. Ist das Kanaan? Terach wollte doch dahin.11 Was immer Du dir unter »Kanaan« vorstellst, wie immer deine Träume und Hoffnungen aussehen: Anstelle von Kanaan tritt nun das »Ich« : Ich werde dir zeigen. Du hast einen herrlichen Namen: Abraham kommt von Abiram, das heißt: »Mein Vater ist hoch, groß«. So hat auch Jesus von Gott geredet, als seinen Vater, der hoch und groß ist. Für ihn ist »Abiram« wegleitend, und für dich? Die Entwurzelung aus der dir vertrauten Welt – »geh aus…« – führt zu einer neuen Verwurzelung in Gott! Wer den Weg in die Zukunft finden will, muss ihn 10  11

Gen 12,2 Gen 11,31

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mit dem Herzen gehen, nicht nur mit den Füssen. Abraham ist mir ein Wegweiser dazu, was »Glauben« heißt: Hingabe an den Gott, dessen gütiges, gnädiges und segensvolles Reden mit mir den Schritt in die Zukunft möglich macht. Abraham hat dies geglaubt und so wurde es Wirklichkeit! »Ich will«. Darin liegt als Gabe der Auftraggeber selber, in seiner ganzen Fülle und Größe. Das zeigt sich hier so: Wo du, Abraham, meinst, einsam zu sein: »weg von der Verwandtschaft«, da spricht dir Gott »ein großes Volk«, Brüder und Schwestern, zu. Außerdem lese ich in Jeremia 31, 1: »Ich habe dich zu mir gezogen.« Wenn du denkst, du verlierst alles, was dir Boden unter den Füssen gibt, eben: »weg aus deinem Land«, dann schenkt dir Gott seinen Reichtum, seinen »Segen«. Wo du loslässt, was dir Geltung schafft: dein »Vaterhaus«, gibt dir Gott eine Verheißung und einen Namen, der über deinen engen Horizont hinaus geht: »Ich werde dich … segnen und deinen Namen groß machen«. Gott bleibt Gott, auch in seinen Verheißungen; sie sind nur schwacher Ausdruck für das gewaltige »Ich will«, mit dem Gott in dein Leben tritt, und dem du dich überlassen kannst. In diesem Entgegenkommen der Güte Gottes liegt die Kraft, das Aufgebot anzunehmen: »Da ging Abram wie der 11


Herr es ihm gesagt hatte«12. »Da ging Abram wie der Herr es ihm gesagt hatte«. ›Wortlosen Gehorsam‹ nennt man das. Doch ich weiß: Der Gehorsam kommt von Gott und preist Gott, denn du brichst auf in die Fülle und Weite, die Gott schenken will – heute! – Das will ich auch tun. Du kannst die Erfahrung machen, dass jeder Auftrag, der von Gott kommt, in sich selber eine Verheißung hat, einen Segen für den, der ihn annimmt.13 »Du wirst ein Segen sein«14: Was heißt das wohl? Das Wort ›segnen‹ heißt auch ›die Knie beugen‹, ›ein freundliches Verhältnis haben‹. Bei manchen Völkern gilt ein Neugeborenes vom Vater anerkannt, wenn er es auf seine Knie nimmt. So tut es auch Jakob mit den Söhnen Josefs in 1.Mose 48,12. Ein Segen wirst du also sein, wenn du Gott ›auf den Knien sitzt‹ und zu ihm »Vater« sagen kannst, wie es auch Jesus tat.

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Gen 12,4 Gen 12,3 Gen 12,2

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