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HANS-RUDOLF BACHMANN

Du kommst aus Gottes Hand

Oder: Warum mein Körper und mein Glaube zusammengehören 36 Gespräche zum Weiterleben

arteMedia


Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Der Autor: Hans-Rudolf Bachmann, geboren 1950, verheiratet mit Kathrin Bachmann-Schaub, vier erwachsene Söhne. Gehört zum Drittorden der Kommunität Diakonissenhaus Riehen. Studium der Theologie. Nach ersten Erfahrungen im Pfarramt von 1989–2003 theologischer Mitarbeiter im Sinnhotel Scesaplana in Seewis. Zurzeit Pfarrer der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Othmarsingen. Ausbildung zum Exerzitienleiter. Musik, Malerei und Sprache sind ihm von Kindsbeinen an lieb und wichtig. ISBN 978-3-905290-66-0

Alle Rechte vorbehalten © 2012 by Verlag arteMedia in Riehen/Basel www.arte-media.ch Umschlaggestaltung: Mirjam Schaad unter Verwendung eines Bildes von © MNAC - Museu Nacional d'Art de Catalunya. Barcelona. Photographers: Calveras/Mérida/Sagristà Druck: CPI Ebner & Spiegel GmbH, Ulm Printed in Germany

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Meinen vier Söhnen Gabriel, Simon, Christoph und Stefan

Der Leib für den Herrn … und der Herr für den Leib.1

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1. Korinther 6:13 3


Inhaltsverzeichnis

Hinf체hrung

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Die Gespr채che

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B체cher, die mich inspiriert und/ oder besch채ftigt haben

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Hinführung »Und ER, Gott, bildete den Menschen, Staub vom Acker, und blies in seine Nasenlöcher Hauch des Lebens, und der Mensch wurde zum lebenden Wesen.«2 Eine kostbare Perle, diese Worte aus den ersten Seiten der Bibel! Damit uns ihre Kostbarkeit aber nicht entgeht, müssen wir uns etwas Wichtiges bewusst machen: Im Schöpfungsbericht stellt sich der Schöpfer einer schier unmöglichen Aufgabe. Er will seinen Geschöpfen etwas mitteilen, das sie eigentlich gar nicht fassen können. Der Schöpfer von Himmel und Erde will uns Menschlein etwas zu unserem Entstehen sagen. Und er will diese Mitteilung so menschenfreundlich wie nur möglich formulieren. So, dass nicht bloß ein paar einsame Experten am Ende aller Zeiten eine Ahnung bekommen von dem, was er ursprünglich sagen wollte, sondern so, dass auch ein kindlich-einfacher Mensch seine Worte zu Herzen nehmen kann. Auch dies haben wir uns bewusst zu machen: Unser heutiges Forschen ist ganz stark vom analytischen Denken bestimmt. Auf diese Weise sind wir in den menschlichen Körper eingedrungen und haben erstaunliche wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen. GEOkompakt 2/2005 liefert eine sehr gute und anschauliche Zusammenfassung aktueller Forschung und Ansichten. Die ganze Nummer ist geprägt vom Gedanken, der im Editorial formuliert wird: »Ich möchte Sie einladen zu der wohl spektakulärsten mentalen Expedition, die sich ein Leser derzeit vornehmen kann: zu einer Reise in das Innere unseres Körpers. Denn selbst in den Weiten des Universums, 2

1. Mose 2:7 5


so darf man nach heutigem Wissensstand annehmen, gibt es nirgendwo eine solche Staunen machende Vielfalt an Strukturen, Funktionen und komplexen Prozessen wie im menschlichen Mikrokosmos mit seinen Billionen von Zellen.« Ja – es ist tatsächlich genial, was es da zu entdecken gibt. Aber was geschieht, wenn der Mensch nicht mehr weiß, wem er sich zu verantworten hat? Was geschieht, wenn der Mensch durch sein Wissen immer mehr Macht gewinnt, aber nicht mehr weiß, wie er seiner Macht mächtig werden kann? Was geschieht mit dem Menschen, der immer mehr erreicht und gleichzeitig über den Sinn seines Lebens nur noch – wenn er es überhaupt tut! – spekulieren kann? – Der biblische Schöpfungsbericht legt Grundlagen für diese Themen. Er verwendet dafür nicht die Sprache des analytischen, sondern des symbolischen3 Denkens. Darum lade ich jetzt einmal nicht zum Verstehen ein, sondern zum Zuschauen. Versuchen Sie sich dies vor Ihrem inneren Auge ganz plastisch vorzustellen: Der Schöpfer nimmt Erde und beginnt zu formen … Nehmen Sie sich Zeit dafür. Schauen Sie zu. Schauen Sie hin, wie der Schöpfer formt – bis ins kleinste Detail. Lassen Sie das, was sie sehen, auf sich wirken. Was geht in Ihnen vor? 3

Symbolisch: Nicht im Sinne von »das ist nur symbolisch – im Gegensatz zu geschichtlich zuverlässig« zu verstehen. Nein. Symbolisch kommt von symballein und meint wörtlich »zusammenwerfen«. Es ist das Gegenwort zu diaballein (Diabolos!) = »durcheinanderwerfen, auseinanderreißen«. Symbolisch bedeutet darum: In dem, was vor Augen ist, in dem was da geschieht, leuchtet das Unsichtbare, Ewige auf. Das Ewige zeigt sich, teilt sich mit im Konkreten. Symbolisches Denken übt sich in dieser Zusammenschau, reißt Himmel und Erde nicht auseinander. Symbolisches Denken wurzelt in der Überzeugung: Was von Gott geschaffen ist, das weist über sich hinaus – auf Gott. 6


Die folgenden 36 Gespräche wurzeln in solchem Zuschauen ‌ Hans-Rudolf Bachmann Othmarsingen, Herbst 2012

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I Du kommst aus Gottes Hand

Was willst Du mir damit sagen? Du bist nicht zufällig da. Du bist auch nicht da, weil Vater und Mutter es so wollten. Das versteh ich nicht. Meine Eltern haben mich doch gezeugt. Meine Mutter hat mich doch geboren. Ja. Aber unser Leben ist immer tiefer, als das, was wir vor Augen haben. Hinter Deiner Zeugung und Geburt steht – unsichtbar, aber ganz real – der lebendige Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde. Er hat gesagt: Ich will, dass Du bist. Woher weißt Du das? In der Bibel teilt sich Gott mit. Er meldet sich zu Wort. Manchmal kommen die Worte direkt von ihm. Dann wieder spiegeln sich seine Gedanken in menschlichen Formulierungen, zum Beispiel in Gebeten. Die Bibel enthält eine große Sammlung von Gebeten. Sie werden Psalmen genannt. Im 139. Psalm habe ich meine Antwort auf Deine Frage gefunden: »Du hast mich geschaffen mit Leib und Geist, mich zusammengefügt im Schoß meiner Mutter. Dafür

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danke ich dir, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. An mir selber erkenne ich: Alle deine Taten sind Wunder!«4 Ich spüre, dass ich Mühe habe mit solchen Gedanken. So viele Menschen sind überhaupt nicht glücklich über den Umständen ihrer Geburt, wurden weder in Liebe gezeugt noch mit Freude empfangen. Wo war da Dein Gott? Und warum hat er es bei ihnen nicht anders, besser gemacht? Du sprichst eines der allertraurigsten Themen an. Aber wird das Thema nicht noch viel trauriger, wenn Du die Wahrheit, die ich Dir versuche zu zeigen, ausklammerst? Das verstehe ich nicht. Der Gedanke, dass eine Geburt und Kindheit – auch unter schwierigsten Verhältnissen – nicht ohne den liebenden Schöpfer geschah, öffnet eine Tür: Ich bin dann letztlich nicht Opfer von menschlicher Willkür und widrigen Umständen. An der Hand Gottes erwächst mir die Kraft und Freiheit, meinem Leben gegenüberzutreten. So kann ich an meinem Leben wachsen, lernen und arbeiten. Du kennst gewiss Frauen und Männer, die Großes geleistet haben und Tiefes ausdrücken konnten – gerade weil ihr Leben nicht einfach war. Du brauchst wieder das Bildwort von der Hand Gottes. Zuerst sagst Du, mein Leben komme aus seiner Hand und nun redest du davon, dass uns an der Hand Gottes Kraft und Freiheit erwachsen zur Gestaltung des Lebens …

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Psalm 139:13,14

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Ja. Ich liebe diese Formulierung. Die Hand Gottes – damit rede ich vom Eingreifen Gottes, von der berührenden Nähe Gottes, von Gott, der sich uns zeigt und uns sucht, führt, behütet, beschenkt. Denk einmal darüber nach, was Hände in unserem Alltag, in unseren Beziehungen bedeuten! – Nur ein Beispiel: Als ich Kind war, gab es die modernen Einkaufszentren noch nicht mit den vielen Gestellen, an denen man sich selbst bedienen kann. Da waren die Läden noch klein und geheimnisvoll. Die Frau hinter dem Ladentisch – ich weiß noch heute ihren Namen – suchte alles zusammen, was ich bei ihr nach Mutters Bestellzettel verlangte und gab es mir in die Hand. Ja, da war noch eine Hand, die gibt, eine Hand als Zeichen einer persönlichen Beziehung. Heute findest Du diese Hand kaum mehr. In den Einkaufszentren gibt es nur noch Hände, die nehmen. Es ist vieles unpersönlich geworden. Das ist mir zu negativ. Es muss ja nicht unpersönlich sein, wenn wir selber lernen zu nehmen. Du hast recht. Heute werden Eigenständigkeit und Unabhängigkeit mehr betont. Der mündige Mensch kann sich selbst bedienen! Ob unsere Beziehungen persönlich werden und bleiben – das hängt weder an der Hand, die gibt, noch an der Hand, die nimmt, sondern am wechselseitigen Geben und Nehmen, dass sich unsere Hände dabei berühren. Und am Respekt und an der Liebe, die sich darin zeigen. Jede Zeit hat da ihr eigenes Übungsfeld. Mit dem Bildwort von der Hand Gottes willst Du mir zeigen, dass Gott eine persönliche Beziehung mit mir sucht.

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Ja. Gott ist in unserem Leben da, persönlich da, erreichbar da. Eine Hand ist ausgestreckt, die unsere Hand sucht. Der Maler Michelangelo hat dies in seinem Schöpfungsbild eindrücklich dargestellt. Und dieser Gott wollte und will, dass ich bin? Genau. Er freut sich, dass Du bist. Er freut sich, dass Du Du bist. Er wartet darauf, dass Du die Beziehung zu ihm suchst und Deine unverwechselbare Berufung entdeckst, Deine Möglichkeiten, ihm zu dienen.

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