Daniel RĂźegg (Hrsg.)
500 Jahre Kirche Weisslingen
arteMedia
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ISBN 978-3-905290-55-4 Š Verlag arteMedia Riehen/Basel arteMedia WINTELER GmbH, Riehen Umschlaggestaltung: Victor Winteler Druck: Publikation Digital AG, Gerlafingen
Inhalt
Vorwort
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Leben und Glauben am Vorabend der Reformation
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«Randphänome» − Die geschnitzten Tierbilder an der spätgotischen Holzdecke der Kirche Weisslingen
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Kirchturmpolitik und Baustreitigkeiten Weisslingen und der spätmittelalterliche Kirchenbauboom
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Streifzug durch Orte geistlichen Lebens «Mensch gedenck» – Predigt am Reformationssonntag 2009
Vorwort
«500 Jahre Kirche Weisslingen – Bilder von damals, heute erzählt» – unter diesem Motto sind die Festlichkeiten und die Ausstellung gestanden, die in Weisslingen vom 19. September bis am 1. November 2009 begangen worden sind. Anlass der Feierlichkeiten war die Kirchendecke mit ihren Flachschnitzfriesen, die die Jahreszahl 1509 trägt. Im Jahr, in dem die reformierten Kirchen weltweit den fünfhundertsten Geburtstag des Genfer Reformators Johannes Calvin feierten, hat unsere Gemeinde sich des Baus ihrer Kirche erinnern dürfen. So war es Ziel der Ausstellung, die Bilder der Schnitzdecke, soweit dies möglich war, im spätmittelalterlichen Verstehensrahmen zu sehen und zu versuchen, sie aus biblisch-reformatorischer Sicht heraus zu interpretieren. Ausserdem hat die Ausstellung Möglichkeiten eröffnet, Zugang zu den Besonderheiten der Kirche und ihrer Baugeschichte zu finden, als auch Kenntnis in die Glaubensgeschichte unseres Dorfes zu bekommen. Die Plakate sind in der Mitte des Buches in einer angepassten Gestaltung abgedruckt. Einen von Robert Widler geleiteten «Streifzug durch Orte christlichen Lebens» führte die Teilnehmenden von Theilingen über Lendikon zum Lindenberg und von dort zurück nach Weisslingen. Diese lokalhistorischen Ausführungen finden sich ebenso im Buch. Die Vorträge von Pfarrer Dr. Jochen Eber und von Herr Peter Niederhäuser haben Einblicke in die Zeit des späten fünfzehnten und beginnenden sechzehnten Jahrhunderts aus kirchengeschichtlicher und historischer Sicht gegeben. Frau Dr. Regine Abegg hat als Kunsthistorikerin die Kirchendecke mit anderen Kunsterzeugnissen des Spätmittelalters verglichen und damit interessante Hinweise auf das Kunstschaffen der damaligen Zeit an sich, als auch auf die Besonderheit der Kirchendecke in Weisslingen gegeben. Diese drei Vorträge finden sich abgedruckt in diesem Buch. Das Hauptreferat zur Vernissage der Ausstellung hielt Pfarrer Dr. Ruedi Reich, der Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Seine Ausführungen zur «Zürcher Landeskirche – damals und heute» gaben Einsicht in die rege Kirchenbautätigkeit des Spätmittelalters in unserem Kanton und auf die darauf folgende reforma-
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torische Neuausrichtung mit ihrer Zentrierung auf Katechismus, Schulbildung und sozialen Reformen. Gemeinderätin Marianne Friederich hat als Vertreterin der politischen Behörde mit ihrem Grusswort die Verbundenheit, aber auch die unterschiedlichen Aufgaben der politischen und kirchlichen Arbeit hervorgehoben. Die Gemeinde Weisslingen hat mit einem grosszügigen Geschenk zum Kirchjubiläum diese Verbundenheit unterstrichen und damit nebenbei diese Publikation mit ermöglicht. Die Finissage der Ausstellung fand anlässlich des Gottesdienstes am Reformationssonntag statt. Der Moralspruch, der die Kirchendecke ziert, wurde in diesem Gottesdienst im Licht des Neuen Testamentes zu deuten versucht. Es konnte gezeigt werden, dass der vorreformatorische Spruch den Anliegen der Reformation nicht etwa entgegengestanden war, sondern im Gegenteil darauf vorbereitend wirkte. Auch diese Predigt findet sich abgedruckt im Buch. Die Feierlichkeiten sind jeweils mit Musik, gespielt auf Instrumenten des Mittelalters und der Renaissance umrahmt worden. Christoph Peter aus Theilingen hat zusammen mit seinen Töchtern Rebekka und Magdalena klanglich Vernissage, Referatsabende und Reformationsgottesdienst in die Zeit der Entstehung der Kirche zurückgeführt. Wohlklingende Hörner, Dudelsack- und Flötenklänge haben dazu beigetragen, atmosphärisch ins Spätmittelalter versetzt zu werden und diese vergangene Zeit in Ansätzen nachzuempfinden. Mit grosser Dankbarkeit darf auf die Festlichkeiten zurückgeblickt werden. Ich möchte an dieser Stelle der Referentin und den Referenten danken für ihre Vorträge, die allesamt sehr informativ und aus großem Sachverstand geschöpft gewesen sind. Ebenso gilt der Dank Christoph Peter und seinen Töchtern für die zum Fest passende Musik. Dankbar bin ich insbesondere für die herzliche und freundschaftliche Zusammenarbeit mit Kirchenpfleger Jürg Gilly, mit Robert Widler, dem Präsidenten des Historischen Vereins Weisslingen und mit David Meyle aus Basel, der die grafische Gestaltung der Ausstellung entworfen und ausgeführt hat. Feierlichkeiten leben davon, dass Menschen sich Zeit nehmen, kommen und diese besuchen. Dass dies geschieht, hat man bekanntlich nicht in der Hand. Es war überaus ermutigend, wie sich Frauen und Männer
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unseres Dorfes und darüber hinaus für die Festanlässe interessiert und daran teilgenommen haben. Feierlichkeiten, die sich mit der Geschichte der Kirche befassen, können und sollen ihren ersten und letzten Dank dem Herrn der Kirche geben. Es ist Gottes Gnade, dass in unserem Dorf eine Kirche steht, dass das Evangelium gepredigt worden ist und gehört werden darf und dass Gott selber sich hier seine Gemeinde mit Wort und Sakrament sammelt, erbaut und zurüstet. Möge es geschenkt sein, dass die neu gewonnene Dankbarkeit für unsere Kirche in uns die Freude und die Sehnsucht nährt; eine Sehnsucht nach der der Welt zugewandten Liebe Gottes, die in der Kraft des Geistes wiederum in die Liebe und in den Glauben hineinführt, eine Sehnsucht nach Christus selbst, dessen Ankunft der Kirche Grund ihrer Freude ist. Weisslingen, Advent 2009 Pfr. Dr. Daniel Rüegg
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Leben und Glauben am Vorabend der Reformation* Jochen Eber, Schriesheim
«Leben und Glauben am Vorabend der Reformation» heißt mein Thema an diesem Abend. Genauer könnte wir die Fragestellung formulieren: Wie haben Glauben und Kirche das Leben vor 500 Jahren in allen Bereichen geprägt? Einführung Zwei Beispiele zum Anfang, die den heiß umkämpften Umbruch von der alten zur neuen Kirche in der Zeit der Reformation illustrieren. An diesem Übergang sieht man die «katholische» Prägung des Landes am deutlichsten – was uns Evangelischen heute gar nicht mehr bewusst ist. 1. Beispiel: Taufe in Genf Eine vornehme Genfer Familie, die Familie des Barbiers Ami Chappuis, trägt ihren Täufling am 25. August 1546 zur Taufe.1 Das Baby soll auf den Namen des populären Heiligen Claudius, Claude, getauft werden. – Nebenbei bemerkt: Stadtheilige waren immer beliebt, in Genf Viktor, in Luzern Mauritius, in Bern Rudolf (Ruof), in Solothurn Urs und Viktor, in Zürich Felix und Regula. – Der Pfarrer nimmt den Kleinen auf den Arm und spricht: «Lieber Abraham, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.» Der Skandal ist perfekt! Die frommen Genfer Pfarrer wollen, dass die Genfer Christen den Katholizismus ganz hinter sich lassen. Daher sollen sie ihren Kindern biblische Namen, aber keinesfalls Namen legendärer Heiliger geben. Der Vater des Täuflings ist außer sich. Für ihn ist diese Taufe ungültig. Er erklärt, sein Sohn solle mit 15 Jahren selbst seinen Vornamen wählen.
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Vortrag am 23. September, 20 Uhr, in Weisslingen. Volker Reinhardt, Die Tyrannei der Tugend, 140f.
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Schon am nächsten Tag gibt es eine Sondersitzung des Kleines Rates der Stadt Genf mit allen Pastoren. Auf dieser Sitzung wird der Heiligenname Claude mit städtischer Genehmigung als Taufname gestrichen. Bald darauf geschieht dasselbe mit den beliebten Heiligennamen «Aimé» und «Martin». Der Streit um die Vornamen zieht sich allerdings über Jahre hin, denn solche Familientraditionen sind nur schwer auszurotten, so wie in Deutschland früher die Vornamen Ernst, Friedrich, Karl und Heinrich. Die Kathedrale St. Pierre in Genf.
2. Beispiel: Der Bildersturm in Bern Holz kann man verbrennen, aber Eisen nicht. Holz schwimmt, aber Eisen geht unter. Das wusste schon der Heilige Gallus um 610, als er die hölzernen Götzenbilder der lokalen schweizerischen Heiden verbrannte und die metallenen bei Tuggen im Zürichsee versenkte. Die Berner ließen 1528 beim Bildersturm hölzerne Heiligenbilder und zertrümmerte Heiligenaltäre die Aare hinabschwimmen. Es gab noch keine Kehrichtverbrennungsanlage. Deshalb wurde der Müll auf diese einfache Weise durch die Nachbarkantone in den Rhein entsorgt. Doch was macht man mit den steinernen Heiligenfiguren? Wenn diese zertrümmert und in die Aare geworfen werden, dann stauen sie den Fluss auf und wir haben ein neues Problem. Also hat man sich eine andere Lösung ausgedacht, und der Berner Skulpturenfund von 1986 hat sie ans Tageslicht gebracht.2 Die Berner Münsterplattform diente als Friedhof und wurde ab Vgl. Urs Zumbrunn, Daniel Gutscher: Bern: Die Skulpturenfunde der Münsterplattform, Bern 1994; Franz-Josef Sladeczek: Der Berner Skulpturenfund: Die Ergebnisse der kunsthistorischen Auswertung , Bern1999; Bildersturm: Wahnsinn oder Gottes Wille? Vernissage 8, 2000, H. 18, 4–35, 48–51; am ausführlichsten: Bildersturm: Wahnsinn oder Gottes Wille? Hrsg. von Cécile Dupeux, Peter Jezler, Jean Wirth, München: Fink, Bern: Bernisches Hist. Museum, 2000, bes. 290–345. 2
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1479 erweitert. Um die hochgelegene, große Plattform zu schaffen, musste viel Material aufgeschüttet werden. Da waren die sogenannten «steinernen Götzen» des ehemals katholischen Berner Münsters gerade recht. Man musste sie nicht von weit her karren. Sie standen ja schon vor Ort. – Wiederum nebenbei bemerkt. Die große Darstellung des Weltgerichts am Jüngsten Tag über dem Westportal haben die Evangelischen beibehalten. Vermutlich würden einige dieses Kunstwerk heute auch gerne entfernen, damit sie nicht an die unangenehme Tatsache des Weltgerichts erinnert werden. Aber das lässt der Denkmalschutz nicht mehr zu. Das eidgenössische Denkmalamt schützt den Jüngsten Tag! Zwei Beispiele, die uns wie ein Scheinwerfer punktuell beleuchten, was mittelalterliche Frömmigkeit bedeutet und welche Änderungen die Reformation gebracht hat.
Am 22.1.1528 werden in Bern die Bilder und Statuen verbrannt: Ausschnitt aus Heinrich Bullinger Reformationsgeschichte.
«Leben und Glauben am Vorabend der Reformation» – Die ausgezeichnete Geschichte des Kantons Zürich (Bd. 1) schreibt über die «Veränderungen im kirchlichen Bereich 1350–1520»: «Die Religion durchdrang das Leben spätmittelalterlicher Menschen in einer Intensität, die wir uns heute nur noch schwer vor-
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stellen können. Sie färbte auf jede Regung des Geists, auf jedes Element der Kultur ab – umgekehrt wurde sie ihrerseits beeinflusst durch die Mentalität der Zeit … Entsprechend dem bildhaften Denken der damaligen Menschen äusserte sich die Religiosität in vielgestaltigen, sinnlich wahrnehmbaren Formen – im Stimmungszauber geheimnisvoll-schöner Kirchenräume, in bunten Bildwerken, Kerzenschimmer, und Weihrauchduft, in Glockenklang, Gesang und feierlichen Zeremonien, im Glitzern kostbarer Kelche, Kreuze und Monstranzen, im Gewoge prächtiger Prozessionen, in Almosen hier und dort … Es gab verschiedene Ebenen von Kirchlichkeit, die sich nicht immer deckten. Da war auf der einen Seite die krisengeschüttelte Amtskirche, deren Organisation zunehmend vom Einfluss der weltlichen Obrigkeit überlagert wurde; da war auf der andern Seite eine blühende Volksfrömmigkeit, mit allen möglichen Nuancen von tiefer Innigkeit zu betriebsamer Oberflächlichkeit, ein umfassendes religiöses Brauchtum, in das der Mensch vom Anfang bis zum Ende seines Lebens in fragloser Selbstverständlichkeit eingebunden war.»3
Der Bildersturm in Deutschland, Ausschnitt aus der Flugschrift: Eyn warhafftig erschröcklich Histori von der bewrischen vffrur … 1525.
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Geschichte des Kantons Zürich 1, 438f.
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Wir wollen Leben und Glauben vor der Reformation unter vier Aspekten betrachten. 1. Kirchenherrschaft, Klöster und Klerus Der einzige multinationale Großkonzern des Mittelalters ist die römischkatholische Kirche. Ihre Organisation überschreitet die Grenzen Westeuropas hin zu den neu entdeckten anderen Erdteilen. Mit ihrer Konzernzentrale im Vatikan, mit jahrhundertelanger Herrschaftserfahrung, Elite-
Bildersturm in Deutschland, Ausschnitt: Öffentliche Bild-Zeichen des Christentums werden entfernt.
truppen (gebildeten Mönchen) und der Weltsprache Latein ist sie zeitlich und räumlich unabhängig von wechselnder Herrschergunst. Die ganze bekannte Welt gehört durch die Taufe zu ihrer Kundschaft. Auch für die kleinen Leute auf dem Land ist sie mindestens so wichtig wie heute UBS, Nestlé, Migros und die staatliche Sozialfürsorge zusam-
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mengenommen. Am besten sieht man das an einer Großstadt der damaligen Zeit. Auch heute prägen die Kirchen durch ihre Kirchtürme noch die Silhouetten vieler Städte und Dörfer. Doch sie haben Konkurrenz bekommen durch Hochhäuser, riesige Kaufhäuser, Sporthallen, Theater, Banken und Fabriken. Das alles gab es damals noch nicht. Die Kirchen sind die größten Gebäude der Stadt, mit den besten Materialien erbaut, nämlich mit behauenen Steinen, und mit kostbaren Altären, Figuren, Skulpturen und Glasfenstern ausgestattet. Die Vorläufer der heutigen Industrie und ihre Gebäude waren dagegen bescheiden: Es gab Manufakturen, Müh-
Der Bildersturm in Deutschland, Ausschnitt: Kruzifixe und Bildstöcke werden zerstört.
len und Windmühlen. Riesige Handelsschiffe spielen naturgemäß in der bergigen Schweiz nicht die große Rolle. Dafür war der Fernhandel über die Alpen ein lukratives Geschäft.
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Das Weltgericht über dem Portal des Berner Münsters.
Während sich heute Arbeit und Freizeit in Fabriken, Bürohäusern, Einkaufszeilen und Erholungsstätten abspielen, waren diese Bereiche damals stark mit der Kirche verbunden. Die Kirche hatte eine Monopolstellung als größter Arbeitgeber. Kirche und Friedhof gehörten zu den am meist frequentierten Orten in einem Dorf, sie sind «Kristallisationspunkte bäuerlichen Lebens».4 Selbst die Freizeit spielte im kirchlichen Horizont. Die Friedhöfe und Kirchen waren Schauplätze von Märkten und Versammlungen. Spiele und Feste fanden bei den Kirchen statt. Ehen wurden auf dem Friedhof geschlossen, Reden wurden dort gehalten, ja sogar Kriegszüge auf dem Friedhof gestartet.5
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Geschichte des Kantons Zürich 1, 235. Geschichte des Kantons Zürich 1, 236.
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1.1 Religion in der Stadt Im städtischen Rahmen nimmt das alles noch viel größere Dimensionen an. Der älteste Stadtplan von Basel (vor 1356) zeigt vor allem das Münster im Zentrum, Klöster, die Brücke mit Käppelijoch, eine Kirche vor den Mauern und in einer gewissen Entfernung St. Chrischona («Sankt Kristianen»). Wer die Stadt Basel besucht, soll den Totentanz am Dominikaner-
Ein Altarbild der Gregorsmesse, Nürnberg, um 1500.
kloster und St. Chrischona besichtigen. Da gibt es «echte», bedeutende Reliquien! Am Vorabend der Reformation, genauer: am 17.6.1504 wurden die vermeintlichen Gebeine der Hl. Chrischona auf dem Chrischonaberg aus ihrem Grab erhoben. An dieser besonderen Zeremonie nahmen mehrere tausend Menschen teil! Aber auch ansonsten gab es einen regelrechten Reliquientourismus.
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