Anna Christina Rothen Paul Bernhard Rothen Jonathan Stutz
Es war einmal . . . Geschichten aus dem Basler MĂźnster
arteMedia
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Anna Christina Rothen Paul Bernhard Rothen Jonathan Srutz: Es war einmal . . . Geschichten aus dem Basler Münster arteMedia 2008
ISBN 978-3-905290-50-9 (arteMedia) ISBN 978-3- - - (johannis) © 2008 by Verlag arteMedia, Meierweg 70, CH-4125 Riehen/Basel Alle Teile dieses Werkes sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung des Verlages. Eine Bibliographie zu den Texten kann unter www.muensterbasel.ch eingesehen werden. Umschlaggestaltung: Victor Winteler Bildnachweise: Siehe Seite 63. Druck: St. Johannis-Druckerei, 77922 Lahr Printed in Germany
Inhalt
Zum Geleit........................................................................5 Joachim und Anna bekommen ein Kind..........................................................9 Drei Könige bringen ihre Gaben..........................................................13 Vincentius bleibt standhaft................................................................16 Ritter Martin teilt seinen Mantel............................................................23 Ritter Georg rettet die Prinzessin.........................................................25 Haito wird Bischof von Basel.....................................................30 Heinrich und Kunigunde – Kaiser und Kaiserin.......................................................35 Burkhard von Fenis steht in Canossa im Schnee............................................40 Königin Anna wird im Münster begraben...............................................45 Meister Raspo und andere bauen die Münsterorgeln..............................49 Enea Silvio Piccolomini reist zum Basler Konzil....................................................53 Erasmus von Rotterdam geht und kommt zurück...................................................57
Zum Geleit Seit mehr als tausend Jahren steht auf der Erhöhung über dem Rhein eine Kirche. Über die Menschen, welche sie gebaut haben, gibt es viel zu erzählen. Von Königen, Mönchen, Soldaten, Bischöfen, Bettlern, Gelehrten und Prinzessinnen weiss das Münster zu berichten. Die hier vorliegenden Geschichten sind zum Vorlesen und Zuhören gedacht. Sie sollen Kinder, aber auch Erwachsene, bekannt machen mit dem, was einmal im Basler Münster war. Schon länger gab es den Wunsch, das Münster für seine vielen Besucherinnen und Besucher besser zu erschliessen. Insbesondere Kinder und Schulklassen sollten ein wenig erfassen können, was alles im Münster geschehen ist und bis heute weiterlebt, zum Teil deutlich sichtbar, zum Teil verborgen. Wenn man aber verstehen will, was es im Münster zu sehen gibt, merkt man bald, dass es vor allem Geschichten sind, die man kennen muss. Viele von ihnen sind spannend, andere still und ergreifend. Wenn man um sie weiss, kann man besser verstehen, was es im Münster zu entdecken und aufzuspüren gibt. Deshalb haben wir in diesem Büchlein einige dieser Geschichten zusammengetragen. Es sind zum Teil Legenden: Erzählungen, in denen Ereignisse ausgeschmückt worden sind, weil man ihren tieferen Sinn ganz deutlich herausstellen wollte. Auch diese Legenden haben aber einen greifbaren geschichtlichen Kern. Vincentius und Martin haben wirklich gelebt. Andere Geschichten handeln von Persönlichkeiten, die mit der lokalen Geschichte des Münsters verbunden sind. Da galt es, die grossen Ereignisse, von denen die geschichtlichen Quellen berichten, in eine anschauliche Form zu bringen. 5
Aus der tausendjährigen Geschichte des Basler Münsters können wir hier nur einen ganz kleinen Teil erzählen. Wir haben Geschichten ausgesucht, die wichtige Momente auf dem langen Weg des Münsters schildern. Dabei haben wir uns auf die mittelalterliche Geschichte konzentriert. Denn durch die letzten Restaurationen ist das Münster besonders von diesem weniger bekannten Teil der Stadtgeschichte geprägt. Wir haben versucht, die oft komplizierten historischen Zusammenhänge in eine für Kinder verständliche Textform zu bringen. Christina Rothen und Jonathan Stutz haben jeweils die ersten Entwürfe verfasst, dann haben wir intensiv zusammengearbeitet. Es war unser Bestreben, Geschichten darzubieten, die lebendig und farbig, in allem aber geschichtlich zuverlässig sind. Gerade die Kinder sollen eine Vorstellung bekommen von der Liebe und Hingabe der vielen verschiedenen Menschen, die aus den europäischen Städten das gemacht haben, was sie waren und zum Teil noch sind. Wir danken Herrn Victor Winteler dafür, dass er dieses Büchlein in das Programm seines Verlags arteMedia aufgenommen und ihm mit grosser Liebe seine graphische Gestalt gegeben hat. Finanziell wurde das Buch durch Beiträge der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel, des Vereins lebendiges Münster und der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt ermöglicht. Dafür sind wir herzlich dankbar! Es bleibt der Wunsch, dass viele Kinder und Erwachsene nun hören und lesen können, was einst im Basler Münster war! Anna Christina Rothen Paul Bernhard Rothen Jonathan Stutz 6
Joachim und Anna bekommen ein Kind Als man überall von Jesus zu reden begann, wollten die Menschen wissen, aus was für einer Familie er gekommen war. Hatte er auch Grosseltern? Da begann man die Geschichte von Joachim und Anna zu erzählen. Joachim und Anna waren reich. Weil sie so reich waren, entschied Joachim, immer das Doppelte für Gott zu opfern. Als er aber wieder einmal seine Opfergaben zum Tempel bringen wollte, sagten die anderen: »Du hast ja keine Kinder. Warum sollst du als erster das Opfer bringen? Du hast sicher etwas Böses getan. Gott hat dich bestraft. Darum hast du keine Kinder. Geh weg!« Da wurde Joachim traurig. Er ging in die Wüste und fastete vierzig Tage und vierzig Nächte und bat Gott um einen Sohn oder eine Tochter. Anna wusste nicht, wo Joachim war. Als er lange nicht nach Hause kam, ergriff sie die Angst. Sie klagte zu Gott: »Jetzt habe ich nicht einmal mehr einen Mann, und Kinder habe ich auch keine.« Seufzend schaute sie in den Himmel. Da fiel ihr Blick auf ein Spatzennest. Sie betete: »Sogar die Vögel haben Kinder und alle Tiere haben Junge. Mich hat man aus dem Tempel vertrieben, verspottet und beleidigt. Nicht einmal wie das Wasser bin ich. Das Wasser sprudelt fröhlich und lustig und die Fische freuen sich daran.« Joachim war noch immer in der Wüste. Da kam ein Engel und verkündete ihm, dass Anna schwanger werden und ein Kind bekommen würde. Auch zu Anna schickte Gott einen Engel. Dieser sagte zu ihr: »Anna, Anna, der Herr hat dein Gebet erhört. Du wirst Maria, ein Mädchen, zur Welt bringen, und die ganze Welt wird dir dafür danken.« Da sagte Anna: »So wahr der Herr lebt, wenn ich gebären werde, so soll das Kind sein ganzes Leben lang Gott dienen!« 9
Als Joachim die Botschaft erhalten hatte, kehrte er glücklich nach Jerusalem zurück. Er rief seine Hirten und sagte ihnen: »Bringt mir zehn Lämmer und hundert Böcke und zwölf Kälber. Ich will Gott ein grosses Opfer bringen«. Anna stand in der Türe, als sie Joachim mit seiner Herde kommen sah. Fröhlich eilte sie ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. »Jetzt weiss ich, dass Gott uns gesegnet hat und dass ich nicht mehr Witwe bin, sondern ein Kind gebären werde«, sagte sie. Joachim blieb einen Tag in seinem Haus. Am nächsten Tag brachte er seine Gaben in den Tempel und lobte dort Gott für seine Macht. Es erfüllte sich alles, was der Engel Joachim und Anna verheissen hatte. Anna gebar ein Mädchen. Sie nannten es Maria. Als Maria drei Jahre alt war, schickten die Eltern sie in den Tempel. Dort sollte sie Gott dienen, so wie es Anna versprochen hatte. Maria aber wurde später die Mutter von Jesus. Diese Geschichte steht nicht in der Bibel. Erst mehr als hundert Jahre nach der Geburt von Jesus hat man sie zu erzählen begonnen. Später aber ist sie oft gemalt worden. Auch in der Krypta des Münsters ist sie im Deckengewölbe zu sehen.
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Drei Könige bringen ihre Gaben In der Bibel steht eine Geschichte, die ganz wichtig ist für das Basler Münster. Im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums wird uns das Folgende erzählt: Nachdem Jesus in Bethlehem geboren wurde, kamen weise Männer von einem fernen Land nach Jerusalem. Dort fragten sie: »Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen ihn anzubeten«. In Jerusalem herrschte König Herodes. Als er von den weisen Männern hörte, dass ein neuer König geboren worden war, erschraken er und alle Menschen in Jerusalem. Alle wussten, dass im Palast des Königs kein Kind geboren worden war. Was hatte es zu bedeuten, dass die fremden Männer diese Fragen stellten? War womöglich der Messias geboren worden, der König, auf den das Volk seit vielen hundert Jahren gewartet hatte? Herodes liess die Oberpriester und Schriftgelehrten zu sich kommen und erkundigte sich bei ihnen, ob sie etwas von dieser Sache wüssten. Konnten sie ihm sagen, wo möglicherweise ein neuer König für ihr Volk geboren worden sei? Die Schriftgelehrten kannten die Bibel gut. Sie wussten, dass es in den Schriften des Propheten Micha eine Stelle gibt, wo geschrieben steht: »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll«. Wenn also wirklich der neue König, auf den das Volk lange gewartet hatte, geboren worden war, musste das in Bethlehem geschehen sein. Noch einmal liess Herodes die weisen Männer zu sich rufen. Dieses Mal heimlich. Er sagte zu ihnen: »Geht nach Bethlehem. Fragt dort und schaut, ob das Königskind wirk13
lich dort geboren worden ist. Wenn ihr es findet, so kommt zurück und sagt es mir. Dann kann auch ich nach Bethlehem reisen und dem Kind meine Verehrung erweisen«. Als die Weisen das hörten, machten sie sich auf den Weg nach Bethlehem. Da sahen sie den Stern wieder, den sie zuhause gesehen hatten. Er ging ihnen nun voran und zeigte ihnen den Weg. Als sie ihn entdeckten, freuten sie sich sehr. Über dem Haus, wo das Kindlein war, blieb der Stern stehen. In diesem Haus fanden die Männer das Jesuskind mit seiner Mutter Maria. Sie gingen vor dem Kind in die Knie und beteten es an. Dann übergaben sie der Mutter ihre Geschenke. Es waren kostbare, königliche Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Mit Gold konnte man immer und überall bezahlen, auch in fremden Ländern. Das Harz von der Weihrauchpflanze und vom Myrrhebaum wurde als kostbare Medizin verwendet. Wenn man jemanden ehren wollte, wurde es verbrannt. Dann riecht es vornehm und gut. Nun hatten die Männer das Kind gesehen und beschenkt und wollten zurückkehren. Da befahl ihnen Gott in einem Traum, einen anderen Weg zu nehmen. Herodes sollte nicht erfahren, wo Jesus war. 14
Im Münster ist diese Geschichte zwei Mal abgebildet. An der Hauptfassade zum Münsterplatz sehen wir hoch oben im Giebel Maria mit ihrem Kind Jesus. Um den Georgsturm herum kommen die Männer mit den drei Geschenken zu ihr. Unten in der Krypta ist an der Decke ein farbiges Gemälde zu sehen. Ein alter König kniet vor Jesus und Maria und überreicht ihnen ein Geschenk. Hinter ihm stehen zwei jüngere gekrönte Männer, als ob sie sich fragen würden: Ist das nun das Kind, das wir gesucht haben? Das Münster ist eine Kirche der Kaiser und Könige. Sie haben mit ihrem Geld den Bau des Münsters möglich gemacht. Wie die weisen Männer aus dem Osten haben sie Jesus ein königliches Geschenk dargebracht. Darum wollte man am Münster selber darstellen: ein Herrscher kann eigenmächtig und falsch sein wie Herodes. Oder er kann mit seiner Macht dem König aller Könige dienen. Am 6. Januar wird der Dreikönigstag gefeiert. An diesem Tag erinnern wir uns an die Weisen, die mit ihren königlichen Gaben aus dem Morgenland kamen, um denjenigen anzubeten, auf den das Volk Israel so lange gewartet hatte.
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Angaben zu der Autorin und den Autoren: Anna Christina Rothen ist Primarlehrerin und studiert Erziehungswissenschaften und Geschichte in Bern, Bochum und Berlin Dr. Paul Bernhard Rothen ist Pfarrer am Basler Münster Jonathan Stutz studiert Theologie in Basel und Rom
Bildnachweise: Jürg Ramseier: S. 7, 8, 11, 17, 19, 21, 22, 26/27, 29, 31, 32, 36, 38, 39, 46/47, 60. Eric Schmidt: S. 4, 12, 14/15. Historisches Museum Basel: S. 50. Universitätsbibliothek Basel: S. 58. Staatsarchiv Basel: S. 42/43. Archiv Verlag arteMedia: S. 55, 56, 61. 63
Bernhard Rothen Daniel Rüegg (Hrsg.) Ein Weg durch die Zeit – 900 Jahre Kirche St. Jakob in Basel 80 Seiten, illustriert ISBN 978-3-905290-44-8 Die Beiträge in diesem Buch gehen den Spuren der Kirche St. Jakob nach. Sie untersuchen ihre historischen und kulturellen Hintergründe. Das Buch enthält zudem ausführliche Hinweise auf die theologischen Denkweisen und ihre unterschiedlichen Wirkungen auf die Gesellschaft und die Frömmigkeitsbewegungen des 12. Jahrhunderts. Zahlreiche historische Bilder illustrieren die bewegte Geschichte der Kirche St. Jakob in Basel.
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