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Christoph Gysel

Übrigens … Herzhafte Geschichten aus dem Saastal

ArteMedia Johannis


Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme Gysel, Christoph Übrigens … Herzhafte Geschichten aus dem Saastal arteMedia Riehen/Basel ISBN 3-905290-45-6 (arteMedia)

ISBN 3-905290-45-6 (arteMedia)

© 2007 by Verlag arteMedia Riehen/Basel www.arte-media.ch Umschlaggestaltung: Victor Winteler Fotos: Patrick Kämpfen, © grafik4you.ch Druck: St. Johannis-Druckerei, 77922 Lahr Printed in Germany


Inhalt

Vorwort

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Politiker sind wir alle

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Bahnwagenreinigung

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Die bösen Medien

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Humor ist, wenn man noch schmunzeln kann

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Und plötzlich hat man Zeit …

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Es bräuchte oft so wenig …

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Mehr als Fußball …

25

Keine Muße für Fußball?

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Zum Glück weiß ich alles …

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Anerkennung

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Wer ist da wirklich behindert?

34

Machertypen

36

Christen reden zuviel …

38

Mit mir kann der liebe Gott zufrieden sein

41

Lehrstellenmangel …

44

Oh du fröhliche …

46

Brutale Waldweihnacht

48

Schwierige Prediger?

50

Beglaubigtes Markenzeichen?

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Pflichten eines Patenonkels

53

Tue Gutes und rede davon …

56

Die »Gabe der Großzügigkeit« …

58

Aktive Erholung

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Was man(n) zu wissen glaubt …

63

Rückzugsorte – Oasen des Lebens

65

Dankbarkeit …

67

Vornehmes Volk …

69

Das Leben bejammern oder gestalten?

71

Soziales Engagement

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Ferienweisheiten

76

Auch Männer haben Weihnachtswünsche

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Vorwort

M

an mag ihn lieben oder nicht, den Schreiberling aus dem Wallis, der den Leser mit seiner offenen und direkten Art manchmal deftig herausfordert. Eines muss man ihm einfach zugestehen: Er redet und schreibt als einer, der an den Themen, die er oft zwischendurch oder nachts formuliert, selbst leidet. Platte Antworten findet man bei ihm nicht. Lieber bleibt er sie schuldig und überlässt es dem Leser, eigene Schlüsse zu ziehen. Christoph Gysel ist einer, der ein hohes Maß an Idealismus lebt und nicht aufgehört hat, daran zu glauben, dass Veränderungen möglich sind. Beinahe möchte man ihn beneiden um seinen Mut in einer Zeit, wo viele die Hoffnung, dass es noch einmal anders werden kann, aufgegeben haben. Der Walliser Prediger scheut keinen Anlass, um seine Leidenschaft für sein Tal und die Menschen, die dort wohnen, lebhaft zu bezeugen. Offensichtlich steht hinter ihm die christliche Überzeugung, die ihn ermutigt, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und auch vor Niederlagen nicht zu resignieren. Er schreibt oft verkürzte Sätze, als ließe er sich keine Zeit für unnötige Ausschmückungen und Floskeln. Auf geradem Weg führen seine kurzen Texte ins Zentrum seiner Anliegen, sie legen vereinfachende Denk-

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weisen offen und regen den Leser zu einer differenzierten Sichtweise an. Christoph Gysel begegnet als Hotelier zahlreichen Menschen und hat schon viele sich ergänzende oder ausschließende Ansichten und Meinungen angehört. So wendet er sich an alle sozialen Schichten und verschont niemanden; trotzdem stellt er sich auf die Seite der Schwächeren, auf die Seite derer, die die dunklen Seiten des Lebens besonders zu spüren bekommen. Er fühlt mit den Vernachlässigten, Ausgegrenzten, Unverstandenen. Ihnen gegenüber sind wir ja oft hilflos und scheuen den Kontakt. Vielleicht nimmt der Autor gerade deshalb an manchen Stellen auch die Ausflüchte aufs Korn, die wir alle irgendwie im Kopf haben. Man darf die Geschichten nehmen, wie sie sind, herzhaft, humorvoll, mit einer Melodie des Herzens verfasst, die sie glaubhaft und nachahmenswert machen. Ich wünsche mir noch viele dieser markanten Wahrnehmungen aus dem Saastal. Victor Winteler

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Politiker sind wir alle

E

rster August. Schweizer Nationalfeiertag. Tradition. Folklore. Musik. Bratwurst. Und eben eine Festansprache. Und über diese habe ich mich in der Vergangenheit immer wieder amüsiert. Als freier Kolumnist schrieb ich vor zwei Jahren dazu: »Und wenn ich an die Reden denke, die ich zu diesem Tag schon gehört habe ... Sie laufen wohl unter dem Titel ›Banales schlecht vorgetragen ...‹ Es ist schon schauderlich, was gewisse Politiker da zu erzählen versuchen. Vielleicht ist es ganz gut, dass die meisten Anwesenden ohnehin nicht zuhören, sich mit dem Bier oder dem Tischnachbarn beschäftigen.« Ja, und nun stehe ich selber da. Kämpfe um Aufmerksamkeit. Denke, dass es wohl einfacher ist, eine freche Kolumne zu schreiben als eine 1.-Augustansprache. Sie brauchen mich nicht zu bemitleiden. Bin ja selber Schuld. Der Schweizer Nationalfeiertag. Was gibt es da eigentlich zu feiern? Freiheit? Solidarität? Wilhelm Tell? Oder genießt man einfach den freien Tag, das Volksfest? Zwei Stichworte sind mir zum heutigen Tag wichtig geworden. Eines ist Dankbarkeit. Ich bin dankbar, in diesem Land leben zu können. Freiheit, Friede, Wohlstand – das ist ein Geschenk. Sie nehmen es mir sicher nicht übel, wenn ich als überzeugter Christ an dieser 9


Stelle sage: Ich bin Gott dankbar dafür. Dankbar auch, hier im schönen Saas leben zu können. Das ist ein Vorrecht. Inmitten der majestätischen Viertausender. Mit Viel Sonne, gesunder Bergluft ohne Feinstaub. Und dann die Bergblumen, die Pflanzenvielfalt. Die Tierwelt. Zugegeben, ich beachte manches auch zuwenig. Habe mich zu sehr an die wunderbare Natur hier gewöhnt. Ärgere mich auch, wenn Hirsche und Dachse in meinem Rebberg wüten. Seit Jahren habe ich einen Botanikprofessor der Uni Genf bei uns zu Gast, der neben den wissenschaftlichen Arbeiten hier auch privat immer wieder gerne herkommt und die einzigartige Flora im Tal rühmt. Ja, manchmal habe ich den Eindruck, dass unsere Gäste die Einzigartigkeit unserer Landschaft viel mehr schätzen als wir Einheimischen. Auch dass sie mehr staunen. Sich mehr begeistern. Oder kennen Sie die Plätze, wo der Sonnenaufgang am schönsten ist. Der Bach am unheimlichsten rauscht. Die Aussicht schlechthin umwerfend ist. Wo es einen immer wieder hinzieht. Sie den außergewöhnlichen Platz unbedingt Freunden und Gästen zeigen wollen? Das wünsche ich uns allen, dass wir neu entdecken, was wir haben. Uns daran freuen. Es genießen. Dankbar sind. Dankbarkeit. Das andere Stichwort, welches mich beschäftigt, ist Engagement. Betroffen gemacht hat mich ein Ausspruch von Altbundesrat Adolf Ogi, der feststellte:

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»In der Schweiz unternimmt man am besten nichts. Dann ist man gut. Wenn man versucht, etwas aufzubauen für dieses Land, wird man kritisiert.« Passt dieses Wort nicht auch zu uns? Und doch, ohne Engagement jedes Einzelnen funktioniert eine Gesellschaft nicht. Gibt es keine Entwicklung. Ob unsere Urschweizer wirklich am 1. August auf der Rütliwiese zusammengestanden sind oder nicht, was wahrscheinlicher ist, spielt keine Rolle. Aber sie sind zusammengestanden. Sie wollten Veränderung. Entwicklung. Haben für ihre Ideale gekämpft. Und das erst noch miteinander. Engagement. Der Soziologe Hanspeter Lang beschreibt unsere Zeit wie folgt: »Es mangelt unserm Land an Freude und Begeisterung. Stattdessen wachsen Interesselosigkeit und die Erwartung, dass der Staat alle unsere Bedürfnisse erfüllt. Man sieht nur noch die eigenen Bedürfnisse und ist kaum mehr zum gegenseitigen Dienen bereit.« Ja, dieses Abschieben der Verantwortung ... Mangelndes Engagement ... Erwartungen an die Politik ... Die da oben ... Die Politiker sollten endlich ... Die in Bern oder in Sitten ... Oder unsere im Gemeinderat ... Die wesentliche Politik findet übrigens nicht in Bern oder Sitten statt. So ist es auch mit einem neuen Tourismusgesetz, was meines Erachtens auch gut und wichtig wäre. Aber es ist bloß eine Krücke. Umgesetzt wird Tourismus hier. Das Gesetz gäbe gute Rahmen-

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bedingungen, wie die NEAT oder die Destination Saas Fee/Saastal übrigens auch. Aber die eigentliche Politik, die Feinpolitik findet hier statt. Von Menschen, die hier verwurzelt sind. Die ihre Heimat lieben. Die begeistert sind und sie erhalten wollen. Menschen, die Gastfreundschaft üben, hilfsbereit sind. Eine gute Atmosphäre verbreiten. Das passiert nicht in Sitten. Schon gar nicht in Bern. Sondern hier. Und es ist unsere Verantwortung. Vielleicht noch ein Wort zu den Politikern. Der Begriff Politik stammt aus dem Altgriechischen. Wer sich zum Wohl der Stadt (Polis) oder der Gesellschaft einsetzt, ist ein Politiker. Vielleicht sitzen von da her Politiker nicht nur in Ämtern. Sondern wir alle sollten es sein. Klar braucht es die großen Politiker. Solche, die Visionen haben und eben versuchen, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Aber die Feinarbeit liegt bei uns allen. Wir alle sollen die Gesellschaft prägen und verändern. Uns einsetzen für das Wohl aller – auch im Kleinen. Wer einen Wanderweg unterhält, ist von da her ein Politiker. Wer dem Nachbarn hilft, ebenfalls. Wer eine wohltuende Atmosphäre verbreitet, sowieso. Das ist übrigens die beste Tourismusförderung. Vielleicht hilft der heutige Tag, unser Engagement für die Gesellschaft zu konkretisieren. Tyrannenmörder wie Tell brauchen wir nicht zu werden. Aber dass wir mit Gottes Hilfe etwas zum Wohl der Gesellschaft beitragen, das ist mein Wunsch, meine Absicht und

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mein Gebet. Meine Dankbarkeit und mein Engagement. Ich wünsche allen noch ein frohes Fest. Danke für die Aufmerksamkeit. Zudem freue ich mich mit dankbaren »Politikern« – Menschen die sich zum Wohl unserer Gesellschaft einsetzen – unterwegs zu sein ... ***

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Bahnwagenreinigung ...

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ch kenne viele Leute. Auch manche Promis. Und darauf bin ich ein bisschen Stolz. Sportler, Künstler, Politiker: In unserem Hotel ist schon mancher ein- und ausgegangen. Natürlich kenne ich auch manche hochkarätige Theologen. Gerne erinnere ich mich an zahlreiche tiefgründige Diskussionen. Aufgerüttelt hat mich dieser Tage aber eine ganz andere Begegnung. Ein Bahnwagenreiniger war Gast bei uns. Durchschnittlich zehn große Säcke Müll pro Wagon räumen sie jeweils fort. Er berichtete von verschmierten Fenstern, zerschlissenen Sitzbänken, verdreckten Toiletten. Unter enormem Zeitdruck reinigen er und seine Kollegen Bahnwagen um Bahnwagen. Tonnenweise entsorgen sie Zeitungen, Flaschen und anderen Abfall. Seit Jahren macht er diese Dreckarbeit. Und er macht sie motiviert. Er freut sich, wenn den Fahrgästen jeweils wieder ein sauberer Zug zur Verfügung steht. Dieser Bahnwagenreiniger verdient meinen Respekt. Was wäre unsere Gesellschaft ohne solche Leute, die sich nicht scheuen, schmutzige Hände zu kriegen?! Wir würden doch im Dreck ersticken. Müssten nicht gerade wir Christen uns verabschieden vom »Starkult«, den wir in unseren christlichen Zeitschriften und Gemeinden auch kennen? Natürlich ist es schön, wenn es unter den Promis auch Christen gibt. Und wenn sie noch meine Gäste sind, ist dies erst 15


recht super. Doch freue ich mich genauso darüber, den fröhlich dienenden Bahnwagenreiniger kennen und schätzen gelernt zu haben ... ***

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