Christoph Gysel
Stammtisch WĂźrzig-Zugespitztes aus der Feder eines Gastwirtes
arteMedia • johannis Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme Gysel, Christoph: Stammtisch – Würzig-Zugespitztes aus der Feder eines Gastwirtes. Illustriert von Candrian, Christoph. Mit einem Vorwort von Vonlanthen, Andrea. arteMedia und johannis 2002 ISBN 3-905290-31-6 (arteMedia) ISBN 3-501- (johannis)
ISBN 3-905290-31-6 (arteMedia) © 2002 by arteMedia pronto GmbH in Birsfelden www.arte-media.ch Umschlaggestaltung: Victor Winteler unter Verwendung eines Cartoons von Christoph Candrian. Druck: St. Johannis-Druckerei, 77922 Lahr Printed in Germany
Inhalt
Vorwort
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Gute Vorsätze
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Der Mann und sein Image
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Das Risiko der Ehrlichkeit
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Moderne Partnerschaft
18
Ehemann im Dilemma
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Idealbild und Realität
25
Weihnachten in Sicht
29
Negative Bilanz
31
Das liebe Geld
35
Prestigesache Auto
37
Der souveräne Mann
40
Der geforderte Papa
43
Etwas Eigenes
46
Der Ăźberforderte Mann
49
Der Bauch
52
Der erfahrene Mann
55
Mann im Dilemma
59
Die Oasen des Mannes
61
Vorwort
E
r ist ein kreativer und unermüdlicher Typ. Als Hotelier, Winzer, Tourismusförderer, Autor und Prediger Gottes liebt er Herausforderungen. Er ist stark gefordert. Manchmal auch überfordert. Er führt keine ideale Ehe. Dabei nennt er seine Regula »die beste aller Ehefrauen«. Er ist stolz auf seine drei Teenager. Doch sie kosten ihn viel Nervenkraft. Für seinen Arzt ist er ein hoffnungsloser Fall. Im Prinzip auch für sich selber. Woher ich Christoph Gysel so gut kenne? Ich besuche ihn in seinem prächtigen Walliser Wandertal, so oft es mir der Terminkalender und die Beine erlauben. Und ich lese und genieße seinen »Stammtisch« im Chrischona-Magazin. Monat für Monat eine persönliche Geschichte mit Herzblut. Keine billige Beichte und kein gefühlsduseliger Seelenstriptease. Vielmehr ein selbstkritischer Einblick in den Alltag eines mannhaften Machers. In das Leben eines ruhelosen Christen. Der viel tut und manches bewegt. Der in seinem »Abenteuer Leben« oft an Grenzen geht. Der aber auch erkennen und bezeugen muss, dass er dieses Abenteuer nur mit Gottes Hilfe bestehen kann. Ganz anders der Stammtisch im Wirtshaus. Das Bier fördert zwar die Redelust, aber auch die Selbstüberschätzung. Von persönlichen Schwächen und Sorgen ist dort kaum die Rede. Wenn Tränen fließen, dann höchstens über zweideutige Witze. Der »Stammtisch« von Christoph Gysel jedoch gibt Einblick in persön7
liche Gefühle und Gefährdungen. In Verzweiflungen und Versuchungen. Es lohnt sich, für einen Moment an diesem »Stammtisch« zu verweilen. Für Männer lohnt es sich, weil hier einer offen sagt, was viele nur fühlen und denken. Für Frauen, weil sie vielleicht auch den eigenen, verletzlichen Mann ein bisschen besser kennen und verstehen lernen. Für Teenager, weil sie hinter die oft schroffe Schale eines sensiblen, verunsicherten Papas blicken können. Christoph Gysels »Stammtisch« kann vor allem eines deutlich machen: Offenheit ist eine zentrale Voraussetzung für gelingende Beziehungen, für gesunde Ehen und Familien. Noch entscheidender aber ist die Offenheit gegenüber Gott. Nur wo Gott mit am »Stammtisch« sitzt, kann das »Abenteuer Leben« wirklich gelingen. Ihm können wir nichts vormachen. Bei ihm brauchen wir nicht den starken Mann zu spielen. Gott ist größer als unsere größten Probleme. Am »Stammtisch« sitzt auch Christoph Candrian, ein junger Prediger aus Winterthur. Mit einfachen, witzigen Strichen zeichnet er nach, was Christoph Gysel vordenkt. Ein Büchlein mit offenen Worten. Aber auch ein »Stammtisch« mit viel Humor. Ein spezielles Lesevergnügen! Andrea Vonlanthen
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Es ist zwar hart, seine Vorsätze zu halten. Aber es gibt Hilfsmittel ...
Gute Vorsätze Bitte nicht immer noch mehr Druck!
N
ein, ich habe mir für das neue Jahr keine guten Vorsätze gefasst! Da wäre die Enttäuschung vorprogrammiert. Diesen Frust kann ich mir ersparen. Nicht, dass ich etwa perfekt genug wäre. Im Gegenteil. Grund für gute Vorsätze hätte ich genug. 9
Im nächsten Jahr das Gewicht zu halten, mehr Sport zu treiben, mich häufiger der Familie zu widmen, den freien Tag zu nehmen, die Ferien rechtzeitig zu planen, einen Eheabend wirklich durchzuziehen, mehr Ordnung im Büro zu haben, meine Zeitschriftenartikel termingerecht zu schreiben ... Die Liste könnte ich beliebig weiterführen. Es gäbe noch so manches. Trotzdem, ich habe für das neue Jahr keine guten Vorsätze gefasst. Ich bin genügend unter Druck. Der Betrieb, die Gemeinde, die Familie, der Tourismus. Alle meine guten Ideen und Projekte – das reicht. Das Leben ist schon hart genug. Da muss ich mich nicht selbst noch mehr unter Druck setzen. Zugegeben, es könnte schon hilfreich sein, wenn man sich gewisse Ziele setzt, die man dann auch konkret angeht, die man kontrolliert und wirklich anstrebt. Da kann kein vernünftiger Mann dagegen sein. Auch ich nicht. Im Betrieb, in der Gemeinde versuche ich das. Und das nicht ganz ohne Erfolg. Aber im Privaten? »Da täte es dir erst recht gut«, würde meine Frau wohl sagen. Aber wäre dies nicht ein Verlust meiner Spontaneität und Kreativität? Und, wie gesagt, den Frust wegen nicht erfüllter Vorsätze will ich mir gerne ersparen. Das muss nicht sein. Ich denke an einen guten Freund, der an Silvester seiner Frau versprochen hatte, sein Auto nur noch innerhalb der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten zu fahren. Schon im Januar musste er das Haushaltsbudget aufgrund eines saftigen Bußgeldes wegen zu schnellen Fahrens belasten. Hinzu kam 10
dann, völlig folgerichtig, dass ihn seine Frau an den silvesterlichen Vorsatz erinnerte ... Ein anderer versuchte seinen Bauch wegzubringen, indem er auf Hamburger verzichtete. Er schaffte es nicht. Er blieb guter Kunde von McDonalds. Der Unterschied ist nur, dass er heute Hamburger nicht mehr mit Genuss, sondern mit schlechtem Gewissen isst. Nein, von oberflächlichen und breit kommunizierten Vorsätzen zu Jahresbeginn halte ich noch immer nichts. Aber vielleicht sollte ich trotzdem die Chance nutzen, auch im privaten Bereich gewisse Ziele zu setzen. An die große Glocke hängen muss ich sie ja nicht. Ich darf aber mit meinem Gott darüber reden. Und wenn mich gar noch ein guter Freund dabei unterstützt, ist die Sache noch verheißungsvoller. Übrigens: ich bin froh, dass ich mich auf Gott verlassen kann. Was er sich vorgenommen hat, hält er ein. Unsere Erlösung, das ewige Leben, seine Freundschaft – das sind Tatsachen. Keine billigen Vorsätze, die nicht eingehalten werden. Auf ihn ist Verlass.
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Der Mann und sein Image Das habe ich wieder hingekriegt!
»
Ist mir doch egal, was andere über mich denken.« – Dies ließ mich kürzlich ein Mitarbeiter wissen. Und mir selbst ist der Satz auch schon öfter über die Lippen gekommen. Vielleicht will man(n) mit solchen Aussagen Stärke markieren, sich cool und unabhängig geben. Aber der Satz stimmt nicht! Es ist uns 12
keineswegs egal, was andere über uns denken: Vorgesetzte, Nachbarn, Familienangehörige. Man(n) unternimmt sogar sehr vieles, um gut dazustehen. Man(n) setzt sich ein. Man(n) engagiert sich. Man(n) gibt sich Mühe. Im Beruf, im Dorf, in der Öffentlichkeit, in der Gemeinde, vielleicht etwas weniger in der Familie. Gerade habe ich wieder die höchstgelegene OpenairVeranstaltung Europas erfolgreich über die Bühne gebracht. Das Programm war gut. Die Organisation hat geklappt. Ein gelungenes Riesenevent im Saastal (wenn man vom Wetter absieht, für das ich schließlich nichts kann). Manche haben darüber gestaunt, wie ich das wieder hingekriegt habe. Es gab viel Anerkennung. – Ja, es tut gut, wenn positiv über uns geredet wird. Wie gut hat es mir auch getan, als sich anlässlich einer Betriebsanalyse die Expertin begeistert zeigte von meiner Kreativität und Geschäftsführung! Anerkennung ist wohl gerade für uns Männer wichtiger, als wir zugeben wollen. Und deshalb suchen wir sie auch. Umgekehrt setzt es mir zu, wenn Menschen schlecht über mich denken und reden. Wenn Leute inkompetente Kritik an meiner Geschäftsführung üben. Wenn Gäste unsere Preise als zu hoch bemängeln. Wenn eine Predigt kritisiert wird. Gerade kam ein Gast und erzählte mir, er sei in einem Restaurant angepöbelt worden, weil er bei uns, im »Sektenhotel«, abgestiegen sei. Das tut weh. Ich möchte doch, dass die Leute gut von mir denken. Natürlich weiß ich, dass man(n) es nie allen recht machen kann. Christliche Pioniere ecken selbst in den 13
eigenen Reihen an. Bekanntlich gibt es überall Besserwisser. Ich weiß auch, dass ich die Abneigung gegen mein Christsein nicht persönlich nehmen muss. Es ist schließlich Gottes Sache. Und doch tut es weh. Ja, ich bin oft verletzt. Ich möchte, dass die Leute mich gut finden und mich in meinen Ideen unterstützen und bestätigen. Ich stelle fest: Offensichtlich bin ich davon abhäng, dass die Leute Gutes über mich denken – und dass mich dies in meinem Einsatz motiviert. Zudem ärgert es mich, dass ich durch schlechtes Reden über meine Person völlig blockiert werden kann. Ein Vorgesetzter, der meine Arbeit nicht richtig honoriert, und schon bin ich am Boden ... So schnell ist vergessen, was mein Leben wirklich wertvoll macht. Gott liebt mich, so wie ich bin. Ohne Leistung, ohne Erfolg, einfach so! Bei ihm brauche ich nicht zuerst einen guten Eindruck zu machen.
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