Gottes Generäle II Die groĂ&#x;en Reformatoren
Roberts Liardon
Mit dem zweiten Band seines wunderbaren Buches Gottes Generäle hat Roberts Liardon uns einen weiteren großen Dienst erwiesen. Er gibt uns ausführliche und authentische Informationen über das Leben einiger herausragender Persönlichkeiten, die Gott erwählte, fordert uns damit heraus und weckt in uns den Glauben, dass Gott das anscheinend Unmögliche tun wird. Die Männer, von denen Roberts Liardon schreibt, haben ein Fundament geschaffen, auf dem wir aufbauen können. Die großen Reformatoren ist der passende Untertitel für ein Buch über Männer, die diese Bezeichnung wahrhaftig verdienen. Sie waren normale Männer, die auf den Ruf Gottes reagierten, ihr Umfeld und die Menschen ihrer Zeit zu verändern. Wenn wir ihre Geschichten lesen, werden wir vor die Frage gestellt: Erwartet Gott von uns weniger als von diesen Männern? Ist es wirklich wichtig, sich mit den Erweckungen der Vergangenheit zu beschäftigen und mit den Menschen, durch die Gott diese Bewegungen hervorbrachte? Wenn du von ihren Erfolgen und Niederlagen, ihren Stärken und Schwächen liest, wenn du erfährst, dass sie wegen des übernatürlichen Eingreifens Gottes in ihrem Leben und durch ihren Dienst von manchen begeistert angenommen und von anderen schroff abgelehnt wurden, wirst du zu dem Schluss kommen, dass es sich lohnt, das Leben dieser Männer kennen zu lernen. Dein Glaube wird wachsen, weil du erkennst, dass Gott jeden Menschen so gebraucht, wie er möchte. Du wirst neues Erbarmen mit den Verlorenen empfinden und ein neues Verlangen verspüren, in der Kraft des Geistes als Zeuge Jesu Christi aufzutreten. Pastorin Iverna Tompkins
Roberts Liardon ist ein bahnbrechender junger Prediger, der in seinem Leben schon manchen Kampf mit den Mächten der Finsternis zu bestehen hatte, dabei auch einige Niederlagen erlitten hat, aber immer wieder aufgestanden und weiter gegangen ist. Er hat sein Leben lang gespürt, dass er sich eines Tages den Geist und Glauben von Männern Gottes wie Wycliffe, Hus, Luther, Knox, Calvin und Fox zu Eigen machen würde, die den religiösen Strukturen des finsteren Mittelalters das Rückgrat brachen und uns das Evangelium Jesu von Nazareth in reinster Form brachten: Der Mensch wird allein aus Gnade errettet, nicht durch Werke, damit niemand sich rühme. Ein monumentales Werk, das jeden Menschen tief im Herzen berühren wird. Dr. Oral Roberts Roberts Liardon besitzt umfangreiche Kenntnisse über die Kirchengeschichte und ist ein hervorragender Autor auf diesem Gebiet. Sein Buch über die Reformatoren führt uns deutlich vor Augen, welche Menschen Gott gebraucht hat und wie hoch der Preis war, den sie für die Freiheit bezahlten, in der wir heute leben können. Pastor Rick Godwin
Inhaltsverzeichnis Einleitung .................................................................................................... 9
Kapitel 1: John Wycliffe, „Der Bibelübersetzer“ .......................................... 13
Kapitel 2: Jan Hus, „Der Vater der Reformation“ ........................................ 51
Kapitel 3: Martin Luther, „Die Streitaxt der Reformation“ ......................... 111
Kapitel 4: Johannes Calvin, „Der Apostel der Lehre“ ................................. 183
Kapitel 5: John Knox, „Der Schwertträger“ ............................................. 247
Kapitel 6: George Fox, „Der Befreier im Geist“ ........................................ 321
Über den Autor ....................................................................................... 393
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Einleitung Als ich beinahe zwölf Jahre alt war, erschien mir der Herr in einer Vision und befahl mir, das Leben der großen Prediger zu studieren und so die Gründe für ihre Erfolge und ihr Scheitern zu entdecken.Während ich dies tat, wurde mir klar, wie wichtig Geschichte ist. Die Geschichte ist ein Abbild unserer Vergangenheit, in dem wir von früheren Fehlern und Erfolgen erfahren.Was die Geschichtsbücher berichten, wiederholt sich in fast jeder Generation unter neuen Vorzeichen, in abgewandelter Form, zu einem anderen Zeitpunkt und an anderen Orten. Ich habe diesen zweiten Band der Reihe der Generäle Gottes mit dem Untertitel Die großen Reformatoren versehen. Ich bin davon überzeugt, dass es sehr wichtig ist, die Geschichte der Reformation zu kennen und Einblick zu besitzen in den Charakter der Personen, die sie ins Rollen brachten. Jede Generation benötigt eine Reformation.Warum? Wenn wir unsere Geschichte oder den eigentlichen Grund unserer Existenz aus dem Blick verlieren, dann verlassen wir uns immer weniger auf den Heiligen Geist, der Himmel verschließt sich und wir verlieren den Kontakt mit Gott. Dieses zweite Buch geht stärker ins Detail als das erste, weil das vorliegende Material umfangreicher war. Es enthält Denkansätze und Lehren, die uns womöglich fremd erscheinen. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir heute wie selbstverständlich in den Dingen leben, die diese großen Männer erst erreichen mussten.Wir sind Nutznießer der Errungenschaften dieser Männer, für die einige sogar ihr Leben lassen mussten. Sie benötigten viele, viele Jahre, um zu den Schlussfolgerungen und Erkenntnissen zu gelangen, die wir heute in einem einzigen Gottesdienst hören können. Ich habe dieses Buch auch deshalb geschrieben, weil ich möchte, dass du den Verlauf der Reformation kennen lernst und den Geist, der darin zum Ausdruck kommt. Reformation erzeugt in einer finsteren Situation zunächst ein großes Durcheinander, schafft aber dann durch große physische und geistliche Kraft eine Atmosphäre der Freiheit, in der die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk erneuert wird. Im Verlauf des Buches wirst du erleben, wie jeder Reformator auf der Arbeit seines Vorgängers aufgebaut hat, um in seiner Generation eine Reformation hervorzubringen. Das 16. Jahrhundert wird unter Historikern als das Jahrhundert der Reformation betrachtet, erste Anzeichen und Vorläufer gab es allerdings schon einige Generationen davor – aus diesem Grund habe ich John Wycliffe und Jan Hus in dieses Buch mit aufgenommen. Die sechs von mir ausgewählten Männer waren sehr unterschiedliche Charaktere, auch in ihrem Vorgehen unterschieden sie sich – aber sie verfolgten dieselben Ziele. Jeder hatte eine bestimmte Aufgabe von Gott erhalten. Sie investierten ihr Leben in der Hoffnung, ihre Aufgabe erfüllen zu können – einige starben als Märtyrer. Und
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Gottes Generäle II alle (mit Ausnahme von Fox) mussten das heuchlerische Wesen und die Gotteslästerungen der mittelalterlichen katholischen Kirche überwinden. Die in den Kapiteln 1–5 beschriebenen Vorgänge ereigneten sich unter denselben religiösen Rahmenbedingungen. Ich möchte die Situation kurz beschreiben. Bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts war es nur im Rahmen der katholischen Kirche möglich, Christ zu sein. Man war entweder Heide oder Katholik. Bereits im 14. Jahrhundert war die katholische Kirche von Machtbesessenheit geprägt und missbrauchte ihren Einfluss durch extreme Heuchelei und Gotteslästerung. Sie hatte sich selbst als Stimme Gottes eingesetzt und war der Meinung, allein sie verkünde den Ratschluss Gottes in der gesamten bekannten Welt. Sie kontrollierte weltliche Regierungen und Königshäuser und war jederzeit in der Lage, Personen, die sie als unerwünscht betrachtete, abzusetzen. Sie tat dies besonders dann, wenn sie ihren eigenen Einfluss und ihren Reichtum bedroht sah. Einige Könige, die den Thron geerbt hatten, wurden vom Papst mit einer „Pachtabgabe“ belegt, um ihre Krone behalten zu dürfen – sie mussten zahlen oder bei Weigerung die entsprechenden Konsequenzen tragen. Die katholische Kirche achtete sorgfältig darauf, dass die Bibel nur ins Lateinische übersetzt wurde, um ihre diktatorische Position zu erhalten. Das einfache Volk konnte Latein weder lesen noch verstehen, sodass es hilflos allem ausgesetzt war, was die Kirche lehrte. Dem einfachen Mann war es nicht gestattet, eine Bibel zu besitzen, weil man davon ausging, dass ausschließlich den Priestern diese Ehre zuteil werden durfte. Aber auch der Klerus las die Bibel entweder nur sehr selten oder gar nicht und viele Priester hatten keine Ahnung, was darin stand. Sie erfanden zahlreiche Geschichten und Fabeln, von denen die meisten mystische Elemente enthielten. Ihr scheinbares Wissen über geheimnisvolle Dinge verlieh ihnen eine hervorgehobene Position. Es wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass der gemeine Mann Gott nicht kennen und ihm schon gar nicht gefallen könne. Die Menschen mussten sich daher jeder lächerlichen Regel unterwerfen, die die religiöse Obrigkeit erdachte. Sie erfanden das Fegefeuer und die Unfehlbarkeit des Papstes. Sie brachten Ablassbriefe heraus und verkauften sie, um von dem Erlös den riesigen Schuldenberg abzutragen, den ein Papst angehäuft hatte. Den Menschen wurde eingeredet, der Klerus könne ihnen Einlass in den Himmel gewähren, wenn sie nur genügend Geld für Ablassbriefe ausgäben. Durch Legenden wurde verbreitet, dass ein Kind dazu verurteilt sei, entweder als Glühwürmchen, als ein anderes Insekt oder als wildes Tier ruhelos auf Erden umherzustreifen, wenn das Kind stürbe, bevor die Eltern seine Taufe bezahlen könnten. Die eigentliche Motivation hinter diesen Dingen war der Wunsch nach politischer Einflussnahme durch religiöse Macht. Die katholischen Amtsinhaber waren weniger auf das Wohl des Volkes bedacht, als auf persönliche Bereicherung und Profilierung. Die katholische Kirche und der Klerus lebten im Überfluss, während der einfache Mann Mangel litt. Hinter jedem Dogma und jeder Form der Anbetung stand die Gier nach mehr Geld und Reichtümern.
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Einleitung Sie erließen Gesetze nach Belieben, um sich mehr Geld, größeren Landbesitz und stärkeren Einfluss zu sichern. Im 15. Jahrhundert griffen die Päpste immer wieder zu Mord als politischer Waffe: Wer versuchte, an die Macht zu kommen, musste damit rechnen, eines „plötzlichen Todes“ zu sterben. Unzucht war weit verbreitet. Viele Priester besaßen zahlreiche Mätressen oder lebten in homosexuellen oder ehebrecherischen Beziehungen. Die Priester lasen nicht in der Bibel, daher hatten sie keinerlei Offenbarung über ihren Inhalt. Das Blut Jesu schien ihnen nicht auszureichen, daher erfanden sie die Lehre von der versöhnenden Kraft von verstorbenen Heiligen wie Anna (die Mutter Marias), Josef, Maria und zahllosen anderen.Wer im 16. Jahrhundert dieses System anzweifelte, wurde vor Gericht gestellt, es wurden frei erfundene Anklagen erhoben und die Person wurde entweder exkommuniziert oder hingerichtet. Mitten in diesen finsteren Zeiten erhoben Männer wie John Wycliffe, Jan Hus, Martin Luther, John Knox und Johannes Calvin ihre Stimmen. Im 17. Jahrhundert war die Reformation in Schwung gekommen. George Fox stellte sich in anderer Weise gegen die kalte, religiöse Lethargie und die Diskriminierungen im Alltag. Er blieb in der katholischen Kirche und brachte neues Leben hinein, indem er in der Kraft des Heiligen Geistes diente. Jeder dieser sechs Männer stand auf, um das zu tun, was die Stimme Gottes zu seinem Herzen gesagt hatte. Sie waren Vertreter der Wahrheit und wurden Reformatoren für Gott, weil sie sich durch einen unerschrockenen Geist und unbeirrbare Entschlossenheit auszeichneten. Jeder begann auf seine Weise, die ihn umgebende Finsternis mit der Wahrheit Jesu Christi und der Gewissheit des Wortes Gottes zu durchdringen und zu überwinden. Nun sind wir an der Reihe. Es wird auch heute noch Geschichte geschrieben und die Augen Gottes sind auf uns gerichtet. Nehmt eure Position ein. Steht auf für eure Generation und eure Nationen und lasst uns damit fortfahren, der Welt das Licht und die Wahrheit zu bringen, die nur in Jesus Christus zu finden sind. Lasse dich nicht durch Angst oder Bedrängnis davon abhalten, an der Vision festzuhalten, die du von Gott bekommen hast. Lasse dich nicht einschüchtern, lasse nicht zu, dass das Böse die Stimme Gottes zum Schweigen bringt, die durch dich reden möchte. Möge auch in unserer Generation einmal mehr eine Reformation kommen – möge sie durch dich kommen.
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Kapitel 1
John Wycliffe ca. 1330 – 1384
„Der Bibelübersetzer“
„Der Bibelübersetzer“ Ich bekenne und behaupte, durch die Gnade Gottes ein vernünftiger [das heißt ein wahrhaftiger und orthodoxer (rechtgläubiger)] Christ zu sein. Solange ich lebe, werde ich meine Stimme erheben und Gottes Gesetz verteidigen. Ich bin bereit, meine Überzeugungen zu verteidigen, und zwar selbst dann, wenn dies meinen Tod bedeuten sollte.1
Ich bezeichne John Wycliffe gern als Reformator vor der Reformation. Er lebte nicht in dem Zeitraum, der von Historikern als das Zeitalter der Reformation bezeichnet wird. Der Verlauf seines Lebens, seine Ziele und seine Theologie besitzen jedoch starke Ähnlichkeit mit denen der anderen Reformatoren. Wycliffe war Vorbote einer umfassenden Revolution, die sich auf religiösem Gebiet ereignen sollte. Es ist allerdings interessant, dass mit Ausnahme von Jan Hus keiner der anderen Reformatoren die Leistungen Wycliffes würdigte, der trotz erbitterter Widerstände den Weg für die weiteren Entwicklungen ebnete, in denen sie eine wichtige Rolle spielen würden. Ich bin der Ansicht, dass dies hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass die Druckerpresse erst nach Wycliffes Tod entwickelt wurde und viele seiner Schriften von der katholischen Kirche verbrannt wurden. Ich betrachte ihn jedoch als einen Menschen, der die Saat der Wahrheit der Reformation ausgestreut hat. Die auf ihn folgenden Generationen bewässerten die von Wycliffe ausgestreute Saat und ernteten dort, wo er gesät hatte. Wycliffe war eine geachtete Persönlichkeit. Er hatte sehr gute Verbindungen zu den Reichen und Einflussreichen seiner Zeit, aber er kämpfte auch unerschütterlich für das einfache Volk und machte sich zum Fürsprecher für das Recht jedes Menschen, Gott persönlich zu kennen und eine innige Beziehung zu ihm aufzubauen. Zu Wycliffes Lebzeiten war es undenkbar, dass ein einfacher Mann Gott persönlich kennen könnte, sodass seine Thesen auf heftigsten Widerstand stießen. Es ist gut verständlich, dass er auch als „Morgenstern der Reformation“ bezeichnet wurde – durch seine Bemühungen wurde ein Anfang gesetzt, die geistliche Unmündigkeit des einfachen Volkes zu beenden, sodass durch ihn ein neues Zeitalter der Kirche eingeleitet wurde. Er wurde auch als „gelehrtester Mann ganz Englands zu seiner Zeit“2 bezeichnet, allerdings sind darüber nur wenige Details bekannt, außer dass er einen sehr einfachen Lebensstil pflegte, der geprägt war von unermüdlichen Studien,Vorträgen und reicher schriftstellerischer Tätigkeit. Ich denke, dass durch sein Leben ein Prinzip Gottes deutlich wird:Wo einer sät, begießt ein anderer und ein weiterer erntet (siehe Joh. 4, 37). Wenn du die Lebensgeschichte Wycliffes liest, wirst du erkennen, dass nicht zu unterschätzen ist,
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Gottes Generäle II welchen Einfluss du dadurch ausüben kannst, dass du eine Saat oder eine gute Tat in das Leben anderer Menschen säst. Wenn dein heutiges Handeln im Glauben erfolgt und von Gott inspiriert ist, kann es große Auswirkungen in der Zukunft haben.Viele von uns werden zu Lebzeiten niemals erfahren, welch starke Auswirkungen die von uns gesäten Samen im Leben anderer Menschen hatten, sondern dies erst im Himmel erkennen.
Wycliffes erste Lebensjahre John Wycliffe wurde um das Jahr 1330 in Yorkshire in England geboren. Über seine Kindheit und seine Jugend wissen wir kaum etwas. 1360 wurde er Student am Balliol College in Oxford. Von diesem Zeitpunkt an ist wesentlich mehr über sein Leben bekannt. Im Alter von 30 Jahren begann sein Wirken als Reformator vor der eigentlichen Reformation. Über das Leben Wycliffes vor 1360 kann nur spekuliert werden. Ich halte es für wahrscheinlich, dass er in einer einfachen Landarbeiter-Familie in einer abgelegenen Gegend aufwuchs und in der Schule von dem Priester des Dorfes unterrichtet wurde. In jener Zeit hatte die katholische Kirche sowohl die weltlichen als auch die kirchlichen Angelegenheiten unter Kontrolle. Es wurde in jedem Dorf ein Priester eingesetzt, der fast jeden Lebensbereich überwachte, vom religiösen Leben bis zum Handel auf dem Markt, von der Schulausbildung bis hin zu rechtlichen und verwaltungstechnischen Angelegenheiten. Es ist wichtig zu wissen, dass Johann von Gent (John of Gaunt, der dritte Sohn von König Eduard III.) der Feudalherr der Gegend war, in der Wycliffe aufwuchs. Dies bedeutet, dass Johann von Gent das Land besaß und die Menschen, die dieses Land bebauten, unter seinem Schutz standen und bestimmte Privilegien genossen. Die Tatsache, dass Johann von Gent der Schutzherr der Bewohner dieser Region war, sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt in Wycliffes Leben als wichtig erweisen. Wycliffe wurde Priester, aber das Datum seiner Ordination ist unbekannt. Er verließ sein Heimatdorf um 1346 im Alter von 16 Jahren, dem damals üblichen Alter zum Eintritt in eine Universität.
Schwierige Zeiten treiben ihn zum Wort Gottes 1349 geriet England in die tödlichen Krallen einer Seuche.Als der Schwarze Tod, die Pest, sich 1353 wieder aus dem Land zurückzog, hatte England fast die Hälfte seiner Bevölkerung verloren. Wegen des durch die Pest ausgelösten Chaos’ ergaben sich einige Unterbrechungen in Wycliffes Ausbildung, außerdem musste er verzweifelt mit ansehen, wie viele seiner Freunde und Studienkollegen der tödlichen Krankheit zum Opfer fielen.
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John Wycliffe – „Der Bibelübersetzer“ Während einige Geistliche nach menschlichen Erklärungen suchten, forschte Wycliffe in der Bibel und suchte nach Trost und nach Antworten, um damit gegen die Verzweiflung und Angst ankämpfen zu können, die sich in ihm ausbreiten wollten. In dieser Zeit des inneren Aufgewühltseins hielt sich Wycliffe sehr eng an das Wort Gottes. Dadurch entstand ein festes Fundament in ihm, das sich als unerschütterlich erweisen sollte – nichts und niemand war fortan in der Lage, Wycliffe die Dinge zu rauben, die er als göttliche Wahrheiten in der Schrift erkannt hatte. Es spielte keine Rolle, wie hoch ein Mensch in der religiösen oder politischen Hierarchie über Wycliffe stand – für ihn hatte Gott in jeder Angelegenheit stets das letzte Wort. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass zu diesem Zeitpunkt keine englischen Bibeln existierten. Es waren nur lateinische Bibeln zugänglich, sodass die Bibel nur von den gut ausgebildeten Männern der römisch-katholischen Kirche gelesen werden konnte. Das Volk war auf Gedeih und Verderb den häufig heidnisch-mystischen Erzählungen der Priester in den Dörfern ausgeliefert – und viele der Priester hatten niemals selbst in der Bibel gelesen. Das Denken der Priester war von dem Wunsch nach Reichtum und Wohlstand geprägt, sodass sie sich in ihren Aussagen daran orientierten, wie viel Geld ihr jeweiliges Gegenüber besaß. Jeder Dienst der Kirche musste in bar bezahlt werden – von der Taufe der Babys bis hin zur Vergebung der Sünden. Die Kirche erfand „Ablassbriefe“. Mit ihrer Hilfe konnte man durch Zahlung bestimmter Geldbeträge den Erlass der eigenen Schuld und Sünde bewirken. Diebe und Mörder waren der Ansicht, sie könnten alles tun, was sie wollten, und sich danach selbst erlösen, indem sie sich den Weg in den Himmel erkauften.Wenn Eltern so arm waren, dass sie vor dem Tod ihres Kindes dessen Taufe nicht bezahlen konnten, wurde der Familie gesagt, dass ihr Kind nicht in den Himmel kommen könne und wahrscheinlich als Tier oder Insekt auf der Erde leben müsse. Es klingt zwar unglaublich, aber Lehren wie diese waren zur Zeit Wycliffes weit verbreitet – aber Gott war dabei, einen Mann darauf vorzubereiten, sich gegen den Status quo zu erheben und es zu wagen, Veränderungen im Sinne Gottes herbeizuführen.
Der herausragendste Gelehrte Oxfords Wycliffe besaß eine sehr hohe Meinung von den Schriften des Augustinus (ca. 354–ca. 430), eines der einflussreichsten Menschen aus der Anfangszeit der katholischen Kirche. Die Lehre des Augustinus über das Individuum diente Wycliffe als Basis für seine eigene Lehre, die er durch eigene Forschungsarbeiten und besonders durch intensives Bibelstudium entwickelte. Er war sehr bald bekannt für seine hervorragenden intellektuellen Fähigkeiten, wurde Mitglied des Balliol College und war 1360–1361 dessen Rektor.
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Kapitel 2
Jan Hus 1372 – 1415
„Der Vater der Reformation“
„Der Vater der Reformation“ Ich möchte wie Bileams Esel sein. Die geistlichen Würdenträger sitzen auf mir und wollen mich zwingen, mich gegen Gottes Gebot zu stellen und aufzuhören, zu predigen. Ich werde die Füße ihres Verlangens einklemmen und werde ihnen nicht gehorchen, denn der Engel des Herrn steht vor mir auf dem Weg.1
Jan Hus verengte seine tiefsitzenden Augen, erhob seinen langen, schlanken Finger in die Luft und verkündete mit lauter Stimme und feierlichem Ernst, was er zu tun gedachte gegen die festgefügte Hierarchie in der katholischen Kirche. Seine Zuhörerschaft in dem ehrwürdigen Kirchenbau hörte schweigend zu, voller Bewunderung und mit treuer Hingabe an ihren Pastor. In ihren Augen war er ein Held, ein wahrer Leiter, der es wagte, seine Stimme zu erheben und sich gegen Heuchelei und Missstände zu stellen. Die Atmosphäre war wie in einem Pulverfass – still und ruhig, aber direkt unter der Oberfläche befand sich geballte, explosive Kraft. Jeder in der Kirche spürte deutlich, dass die kleinste Bewegung einen heiligen Aufruhr verursachen könnte, aber Hus behielt durch sein entschlossenes Auftreten die Lage unter Kontrolle. Hus war kein Mann, der mit dem Schwert Krieg führte. Seine Waffen waren Worte, und durch seine Reden hätte eine gewaltsame Revolution ausgelöst werden können. Wegen dieser inneren geistlichen Stärke hat er sich einen Namen gemacht, der in die Geschichte eingegangen ist. Sein schlanker Körperbau ließ ihn fast zerbrechlich erscheinen, aber Hus war ein echter Kämpfer. Er hatte gelobt, sein Leben für eine einzige Sache einzusetzen – Reformation der katholischen Kirche von innen heraus. Er hegte keinesfalls den Wunsch, eine neue Denomination zu gründen. Er war davon überzeugt, dass sich der katholischen Kirche die Chance bieten würde, zu dem Geist und dem Glauben der ersten Christen zurückzukehren, wenn er es schaffen würde, aus dem Inneren heraus die heuchlerischen Lehren der Kirche als solche zu entlarven. Hus war ein Mann von revolutionärem Einfluss, aber es ist wenig bekannt über ihn. Ich schreibe dieses Kapitel, um das zu ändern. Die wenigen Werke, die mir zur Verfügung standen, bieten eine genaue Beschreibung seines Lebens und sind wahre Schätze.
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Gottes Generäle II Wir haben Hus sehr viel zu verdanken, daher ist es verwunderlich, dass wir so wenig über ihn wissen. Um seinen Einfluss zu skizzieren, möchte ich an dieser Stelle die „Generäle Gottes“ aufzählen, die Hus beeinflusst hat. Er hatte Einfluss auf die Überzeugungen Martin Luthers (der sagte: „Wir alle sind Hussiten“2 ), Johannes Calvin (dessen reformatorisches Wirken darauf zielte, alle Bereiche des Lebens und der Kultur unter die Herrschaft Jesu Christi zu bringen) und George Fox (der lehrte, dass wir durch das innere Zeugnis des Heiligen Geistes geleitet werden). Durch die Herrnhuter (eine hussitische Gruppierung) übte Hus weitreichenden Einfluss aus, der sich durch die Geschichte bis auf John Wesley erstreckte. Beim Lesen dieses Kapitels wirst du erkennen, dass einige seiner Glaubensgrundsätze in der heutigen Glaubensbewegung weiterhin Bestand haben – vielen Menschen ist wahrscheinlich nicht klar, dass Hus der erste war, der eindeutig Stellung bezog für das Bekennen des Wortes Gottes und das Priestertum aller Gläubigen. Die Lebensgeschichte Hus’ ist überschattet von hinterlistigem Verrat und heuchlerischem Wortbruch, unter denen er zu leiden hatte. Wer von seiner Liebe und seinem Einsatz für die Wahrheit liest, seinen geradlinigen, edlen Charakter kennen lernt und dann den brutalen Verrat miterlebt, durch den er den Tod fand, dem treten Tränen in die Augen. Wir glauben und kämpfen noch für die gleichen Dinge, für die Hus sich einsetzte. Mitten in einer desillusionierten Gesellschaft, die die Grenze zwischen richtig und falsch ausgelöscht hat, mitten in einer Welt, die an der Gebundenheit zugrunde geht, in die sie sich selbst hineinbegeben hat, und dabei meint, frei zu sein, predigen und lehren wir noch immer die Wahrheiten, die Hus lehrte und die in seinen Schriften überliefert sind. Möge dich beim Lesen dieses Kapitels der Geist der Reformation und der Kraft erfüllen. Möge die Stärke Gottes von deinem Leben Besitz ergreifen und dich ermutigen, für die Wahrheit einzutreten und gegen den Verfall und das Böse in unserer Zeit aufzustehen.
Eine Mutter, die betete Hus wurde 1372 als Sohn armer Bauern geboren. Er wuchs im Dorf Husinec auf, das am Fluss Blanice im südlichen Böhmen liegt. Das Haus, in dem Hus geboren wurde, steht heute noch, wurde allerdings 1859 durch ein Feuer weitgehend zerstört. Nur das Zimmer, in dem er geboren wurde, ist vor den Flammen bewahrt worden.3 Wir wissen kaum etwas über Hus’ Eltern. Sein Vater hieß Michael, darüber hinaus ist nichts über ihn bekannt. Wir wissen, dass Hus seiner Mutter sehr nahe stand. Sie lehrte ihn, zu beten und auf Gott zu vertrauen. Als Erwachsener schrieb Hus voller Dankbarkeit, dass seine Mutter ihn gelehrt habe, zu sagen: „Amen, möge Gott es schenken.“4 Sie war es auch, die in Hus den Wunsch weckte, Priester zu werden.
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Jan Hus – „Der Vater der Reformation“
Geburtshaus von Jan Hus
Husinec, Hus’ Geburtsort
Das goldene Zeitalter Hus wurde in eine Zeit geboren, die man als das „Goldene Zeitalter“ bezeichnete, eine Bezeichnung, die auf den Einfluss des mächtigen Kaisers Karl IV. zurückgeht.5 Als er den kaiserlichen Thron bestieg, verließ er Rom und residierte in seinem Heimatland Böhmen. Er verwandelte Prag in eine der schönsten Städte Mitteleuropas. Der Kaiser wollte Prag zu einem Zentrum der Bildung und Ausbildung machen, daher gründete er die Prager Universität, die heute unter dem Namen Karls-Universität bekannt ist. Er verlieh der reichausgestatteten Universität die gleichen Rechte und Privilegien, wie sie die berühmten Universitäten in Paris und Oxford genossen, sodass in Prag sehr schnell die bedeutendste Universität in Mitteleuropa entstand. Hus’ Mutter wollte die sich durch die Universität bietende Möglichkeit nutzen und ihrem Sohn eine gute Ausbildung ermöglichen, durch die er gute Zukunftsaussichten besitzen würde. Sie spürte, dass aufgrund ihrer begrenzten finanziellen Möglichkeiten und des gesellschaftlichen Umfeldes das Priesteramt der beste Beruf für ihren Sohn sein würde. 1378, als Hus gerade mal fünf oder sechs Jahre alt war, erschütterte das Große Abendländische Schisma die Christenheit. Es waren zwei Päpste gewählt worden, einer residierte im französischen Avignon, der andere in Rom. Hus kümmerte sich natürlich nicht um diese Dinge, da er noch ein Kind war. Er ahnte nicht, dass die Folgen dieses Streits um das Papsttum in ferner Zukunft der Grund für seinen gewaltsamen Tod sein würden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, 1378, erlebte Hus eine ungestörte Kindheit. Er spielte und hütete die Gänse, die zum Hof seiner Eltern gehörten.
Ein neues Zuhause außerhalb des elterlichen Hauses Hus tat den ersten Schritt hin zu einer guten Ausbildung, als er 13 Jahre alt war. Seine Mutter war fest entschlossen, ihn zum Priester ausbilden zu lassen,
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Kapitel 3
Martin Luther 1483 – 1546
„Die Streitaxt der Reformation“
„Die Streitaxt der Reformation“ Ich wurde geboren, um gegen Fanatiker und Dämonen zu kämpfen. Meine Bücher sind daher sehr kriegerisch und kampfeslustig. Ich musste Baumstämme fällen und Stümpfe entwurzeln, Disteln und Dornen ausreißen und die entstandenen Löcher stopfen. Ich bin der raue Waldarbeiter, der als Pionier neue Wege bahnen muss.1
Dies sind die Worte eines Mannes, der die im 15. Jahrhundert in Europa geltende Weltordnung quasi unabsichtlich reformieren würde. Ich sage „unabsichtlich“, weil zu dem Zeitpunkt, als der junge Martin Luther ein Leben als gehorsamer Mönch führte, in keiner Weise erkennbar war, dass er das Potential besaß, eine geistliche Revolution auszulösen, durch die die altüberlieferten Dogmen der römisch-katholischen Kirche überwunden werden würden. Er hatte ein klares Ziel vor Augen, das allerdings nicht darin bestand, die Irrtümer der herrschenden Glaubensgemeinschaft aufzuzeigen. Er suchte nach persönlichem Frieden mit Gott. Niemand hatte ihn gelehrt, was die meisten von uns heute wissen: Jesus kam, um uns mit Gott zu versöhnen, und der Glaube an ihn befreit uns vom Zorn Gottes. Er kannte nur das, was seit Generationen in den Traditionen des römischen Katholizismus und den Mythen der deutschen heidnischen Religionen weitergegeben worden war: Gott war zornig und Jesus war ein harter Richter, dem man nicht gefallen konnte, der aber seinerseits Gefallen daran hatte, Männer, Frauen und Kinder in die Hölle zu werfen. Luther lag als Junge viele Nächte vor Angst zitternd wach im Bett und fürchtete sich vor den Kobolden und Dämonen, die gemäß den ihm vermittelten religiösen Vorstellungen im Wald hausten. Das Mittelalter war eine finstere Zeit, weil die Herzen der Menschen nicht vom Licht des Evangeliums erfüllt waren. Es war dem einfachen Mann verboten, eine Bibel zu besitzen. Die einzigen Bibeln, die zur Verfügung standen, waren auf Lateinisch und waren einzig und allein den Priestern zugänglich, von denen allerdings viele niemals darin gelesen hatten. Geistliche Finsternis führt immer dazu, dass in ganzen Regionen, Nationen oder, wie in diesem Falle, auf ganzen Kontinenten das Leben in jeder Hinsicht düster und bedrückend wird. Für den sensiblen Luther brachten diese falschen Lehren über Gott größte Qualen mit sich. Er war davon überzeugt, dass er nur als Mönch Gott gefallen könnte, und entschied sich, Priester zu werden. Sehr zur Bestürzung des Teufels kam Luther dadurch in direkten Kontakt mit
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Gottes Generäle II der Bibel. Er hatte bereits als Junge die lateinische Sprache erlernt, konnte die Bibel mit Leichtigkeit lesen und lernte auch noch Griechisch, um die Texte noch genauer studieren zu können. In Luthers Lebensgeschichte wird deutlich, welch starke Kräfte in einem Menschen wirken, der sich in das Wort Gottes vertieft und unbeirrbar daran festhält. Das Licht göttlicher Offenbarung begann, in Luthers Denken zu leuchten, sodass schließlich keine Schatten zurückblieben, durch die der Teufel ihn hätte quälen können. Luthers Lage wurde schwierig, als er anfing, mit seinem Mentor und anderen Leitern über die Inhalte des Evangeliums, über die gute Nachricht selbst zu sprechen. Er bekam große Probleme, weil er Fragen stellte, die ihn leicht auf den Scheiterhaufen hätten bringen können, wenn Gottes Pläne nicht anderes vorgesehen hätten. Diese 95 Fragen, heute bekannt als die 95 Thesen, sind am Ende dieses Kapitels abgedruckt. Die Offenbarung der meisten der biblischen Wahrheiten, die wir heute als selbstverständlich betrachten, wurde uns aufgrund dieser Thesen zuteil. Der Anschlag dieser 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche ist eines der bekanntesten Ereignisse der Kirchengeschichte und hatte solch ein starkes Handeln Gottes zur Folge, dass die Auswirkungen auch heute noch spürbar sind. Viele große Männer und Frauen hatten entscheidenden Anteil an der Entwicklung, die heute unter dem Namen der Reformation bekannt ist, aber Luthers Name steht nach wie vor an der Spitze der Menschen, die als Wegbereiter und Pioniere der Reformation gelten. Weil Gott auf solch außergewöhnliche Weise durch ihn wirkte, stand Luther häufig allein, verlor Freunde, wurde in seiner Familie verachtet, war Anlass zu internationalen Konflikten, brachte die Herrscher ganzer Nationen gegen sich auf und stürzte die römisch-katholische Kirche ins Chaos. Ich bete, dass dir beim Lesen der Lebensgeschichte Luthers deutlich wird, dass dich weder deine Vergangenheit noch deine gegenwärtige Situation davon abhalten dürfen, zu erkennen, welch herrliche Dinge in deinem Leben geschehen können, wenn Gottes Wesen dich berührt, sein Wort sich für dich durch eine Offenbarung ganz neu erschließt und du ein neues Bewusstsein dafür erhältst, welchen Auftrag und welche Berufung Gott für dich hat. Luther hätte niemals im Traum daran gedacht, dass sein Gehorsam ein solches Ausmaß an Veränderung bewirken würde. Aufgrund des Wirkens Gottes in ihm und durch ihn wurde die ganze Welt verändert, und ich bin mir sicher, dass eine solche Entwicklung das Letzte war, an das er als verschüchterter kleiner Junge gedacht hätte.
Bitte, erspart mir die Rute Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben als Sohn von Hans und Margaretha Luder (Martin änderte seinen Nachnamen in Luther, als er in die Universität eintrat) geboren. Sechs Monate nach seiner Geburt zog die Familie
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Martin Luther – „Die Streitaxt der Reformation“ nach Mansfeld um, wo sein Vater eine Arbeit in einem Kupferbergwerk annahm. Martin lernte, dass harte Arbeit zum Erfolg führt, indem er seine äußerst fleißigen Eltern bei der Arbeit beobachtete. Sein Vater nahm jede erdenkliche Arbeit an, bewältigte auch die schwierigsten Aufgaben und schaffte es, die Familie aus einer sozialen Schicht in die nächsthöhere zu bringen. Luthers Vater begann als einfacher Arbeiter im Bergwerk und schaffte es, ein eigenes Unternehmen zu gründen, das zwei Schmelzöfen betrieb, sodass er zu einem geachteten Bürger in der Gesellschaft aufstieg. Die Familie Luther verkehrte nun in für sie zunächst völlig ungewohnten Kreisen. Martin saß bald mit den einflussreichen Einwohnern der Stadt am Mittagstisch, mit hohen Beamten aus der Region, Lehrern und Geistlichen. Die Familie Luther hatte zwar das bäuerliche Leben hinter sich gelassen, aber eine unter Bauern weit verbreitete Gewohnheit hatten sie nicht abgelegt. Die meisten Bauern waren sehr fromm und gottesfürchtig. Nicht nur die Mutter des jungen Luther war eine Frau des Gebets, sondern Luther erinnerte sich, dass sich sein Vater jeden Abend, nachdem er ihn ins Bett gebracht hatte, neben sein Bett hinkniete und betete. Für die Familie Luther gehörten Gebet und Disziplin zusammen. Martin konnte sich nicht daran erinnern, dass seine Eltern jemals die Rute geschont hätten, obwohl er später schrieb, dass er wünschte, sie hätten es getan. Er zweifelte nie an ihren guten Absichten, kritisierte sie aber trotzdem für die häufigen körperlichen Züchtigungen. Seine Mutter schlug ihn einmal blutig, als sie ihn dafür bestrafte, dass er eine Nuss entwendet hatte. Bei einer anderen Gelegenheit war die Züchtigung durch seinen Vater so intensiv, dass Martin eine längere Zeit benötigte, in der man ihm wiederholt gut zureden musste und in der sein Vater sich mehrfach entschuldigte, bis er sich wieder seinem Vater zuwenden konnte. Nach heutigen Maßstäben würde man diese Art der Bestrafung als Kindesmisshandlung verurteilen, aber in jener Zeit war diese Behandlung üblich. Auch in der Schule wurden täglich ähnliche Methoden eingesetzt. Ein Schüler konnte bis zu 15 Mal in der Woche geschlagen werden! Das wesentliche Ziel des Unterrichts bestand darin, den Schülern Sprachkenntnisse in Latein zu vermitteln. Latein war die Sprache der Kirche, der Rechtswissenschaften, der Diplomatie, der internationalen Beziehungen und der Gelehrten und man benötigte Latein auf Reisen. Zur Vermittlung der Lateinkenntnisse wurden militärisch anmutende Übungen und Methoden eingesetzt. Wer einen Fehler machte, dem drohte die Rute.2 Während des Vormittags belauschte einer der Schüler, der als Spion angesetzt worden war, seine Mitschüler, um herauszufinden, ob einer von ihnen versehentlich Deutsch sprach. Falls einer dabei ertappt wurde, Deutsch statt Lateinisch zu sprechen, erhielt er eine Eselsmaske, die er so lange tragen musste, bis ein anderer Schüler denselben Fehler beging und die Maske an ihn weitergegeben wurde. Jeder Fehler wurde in eine Liste eingetragen und
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Kapitel 4
Johannes Calvin 1509 – 1564
„Der Apostel der Lehre“
„Der Apostel der Lehre“ Wenn ich bedenke, dass ich mein Leben nicht in der Hand halte, so gebe ich mein Herz hin als Schlachtopfer für den Herrn … ich gebe meine Seele hin, sie ist mit Ketten gebunden, Gott zum Gehorsam.1
Johannes Calvin sagte diese Worte gegen Ende seines Lebens und seines Dienstes. Ich denke, dass in ihnen die Persönlichkeit dieses großen Reformators sehr treffend zum Ausdruck kommt, die einerseits sehr explosiv und andererseits von tiefer Hingabe an Gott geprägt war. Sie geben uns Einblick in die Herzenshaltung der Hauptperson der dramatischen Ereignisse, die im Verlauf dieses Kapitels beschrieben werden.
Ein Apostel, der Reformation bringt Er machte einige Fehler und einige seiner theologischen Thesen sind bis heute umstritten – trotzdem war Johannes Calvin ein wahrer Reformator. Er wird als einer der größten Protestanten bezeichnet, die jemals lebten – manche sind sogar der Meinung, er wäre bedeutender als Luther. Calvin griff auf, was Luther erkannt hatte, und nutzte diese Wahrheiten, um von Gott geleitet weitere Offenbarungen aus dem Wort Gottes zu empfangen. Jeder der in diesem Buch beschriebenen „Generäle“ hatte eine bestimmte Position und Aufgabe von Gott zugewiesen bekommen, aber keiner von ihnen spielte bei der Reformation der Kirche eine so zentrale und wichtige Rolle wie Calvin. Er war weder ein wortgewaltiger Prediger noch ein feuriger Evangelist. Manche sind der Meinung, dass man ihn in unserer Zeit als großen Propheten bezeichnen würde. Ich bin jedoch anderer Ansicht. Ich denke, er war ein apostolischer Lehrer, ein reformatorischer Denker und Schriftsteller, der in der Lage war, biblische Wahrheiten ans Licht zu bringen, die aufgrund von Unwissenheit, Aberglaube, Verfolgung und Religiosität verborgen gewesen waren. Calvin zeigte und lehrte uns, wie man unerschütterlich am Wort Gottes festhält und dadurch große Festigkeit gewinnt, wie man die in einem Menschen verborgenen Schätze entdeckt und wie man jederzeit und überall für die Wahrheit Gottes eintritt. Er war Träger einer brennenden Fackel, die wir ganz neu entdecken und uns zu eigen machen müssen, um sie dann zu den Menschen unserer Zeit zu bringen.
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Gottes Generäle II
Ein Gefangener der Wahrheit Viele, viele Menschen haben bereits über Calvin geschrieben. Über seine Person wurde immer wieder kontrovers diskutiert: Entweder er wurde über die Maßen geschätzt oder entschieden abgelehnt. Dies war zu seinen Lebzeiten so unter den Menschen, die ihn kannten, und auch später unter denen, die sein Leben und Werk studierten. Die Menschen, die seine apostolische Persönlichkeit nicht verstehen, lehnen ihn auch heute noch ab. Bevor wir sein Leben ausführlicher betrachten, ist es wichtig, dass wir zunächst verstehen, aus welchen Gründen er tat, was er tat. Calvins Persönlichkeit war kompliziert und vielschichtig. Die meisten apostolisch gesalbten Menschen werden als kompliziert wahrgenommen, weil sie nicht in das existierende Schema passen. Sie schwimmen nicht mit dem Strom, wenn der Strom in die falsche Richtung fließt. Sie passen sich nicht an und schweigen nicht um des lieben Friedens willen.Apostolische Menschen sind nicht Menschen, die Frieden halten, wie diejenigen, die ihre Prinzipien verleugnen und sich von der Wahrheit abwenden, um die Menschen in ihrer Umgebung bei guter Laune zu halten. Sie sind vielmehr Menschen, die Frieden schaffen und bereit sind, notwendige Schritte zu gehen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und zu etablieren. Für sie kann es keinen Frieden geben, solange die Wahrheit sich nicht durchgesetzt hat. Calvin war überzeugt, dass es im schlimmsten Maße fleischlich sei, Lüge zu ignorieren. Er betrachtete Menschen, die Auseinandersetzungen und Diskussionen vermieden, als unvernünftig und schwächlich. Ein Apostel denkt ungefähr in folgenden Kategorien:Wenn dir Einsicht fehlt, verschaffe sie dir mithilfe der Wahrheit. Wenn du einsichtig geworden bist, dann lebe entsprechend und setze dich nachdrücklich für die Wahrheit ein. Wenn Falsches gesagt wird, korrigiere die Aussagen.Tue alles Erforderliche, um Veränderung zu bringen und lebe so, dass die Veränderung vollständig und nachhaltig etabliert wird. Apostolische Menschen treten leidenschaftlich für die Wahrheit ein, ihre Treue zu Gott ist unerschütterlich.Wegen dieser Eigenschaften gelten sie bei denen, die nicht so entschlossen für Gott eintreten, als verschroben und rücksichtslos, wenn sie gegen Menschen Stellung beziehen, die gegen Gottes Wahrheiten handeln. Für Apostel wie Calvin ist es eine große Tragödie, wenn das Leben eines Menschen nicht nach Gottes Plan verläuft.Wegen ihrer unnachgiebigen Treue zu Gott und seinem Reich sagt man Aposteln manchmal nach, sie hätten wenig Verständnis, wären unfreundlich und hätten keinen Humor. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Auch wenn es nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist, sind wahre Apostel unsere stärksten Fürsprecher. Wir sollten Gott danken für Apostel, die wenig übrig haben für verführerische Irrlehren und die die Sünde sehr schroff behandeln, weil sie verhindert, dass wir Frucht bringen. Wir müssen verstehen, dass Apostel keinen Spaß ver-
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Johannes Calvin – „Der Apostel der Lehre” stehen, wenn sie merken, dass das Reich Gottes durch die Schwächen und finsteren Elemente des menschlichen Wesens behindert wird. Ich möchte dir folgende Frage stellen:Wo wären wir heute, wenn die Apostel wohlwollend mit Irrlehren, Sünde und Schwächen umgegangen wären? Hätten wir eine solch umwälzende Reformation erleben können, wenn sie sich angepasst und die Menschen ihrer Unwissenheit überlassen hätten?
In einem Kapitel kann nicht alles gesagt werden Es sind viele Hundert Bücher geschrieben worden, um jeden Aspekt des Lebens Calvins darzustellen. In diesem Buch steht uns nur ein Kapitel zur Verfügung, um über Calvin zu berichten. Ich habe mich dafür entschieden, nur einige besonders charakteristische Dinge zu beschreiben. Ich möchte die großen Männer Gottes als Menschen schildern, die ihr Leben im Gehorsam Gott hingaben. Wenn man betrachtet, was die treibende Kraft in Calvins Leben war, dann wird deutlich, dass seine eigentliche Berufung sehr einfach und klar war. An späterer Stelle in diesem Kapitel werde ich einige der theologischen Standpunkte Calvins beschreiben. Es ist jedoch nicht mein Ziel, eine theologische Analyse seiner Positionen zu liefern oder einzelne Aspekte zu diskutieren, mir geht es darum, seine grundlegenden Absichten darzustellen und den Geist zu beschreiben, der ihn bei seinen Bemühungen um die Reformation des Leibes Christi leitete.Wer Calvins Lehre studieren möchte, sei auf die Vielzahl von Büchern verwiesen, die hierzu über die Jahrhunderte geschrieben worden sind und die die entsprechenden Informationen enthalten.
Kindheit in wohlhabenden Verhältnissen Noyon war eine kleine, aber einflussreiche Stadt, die etwa 100 Kilometer nordwestlich von Paris lag. Hier wurde am Morgen des 10. Juli 1509 dem vornehmen Notar Gerard Calvin und seiner Frau Jeanne ihr viertes Kind geboren, dem sie den Namen Johannes gaben. In Calvins Geburtsjahr waren in Frankreich bereits Gerüchte über eine bevorstehende Reformation im Umlauf. Der führende Kopf dieser Reformation, ein Deutscher namens Martin Luther, hatte den akademischen Grad des Bakkalaureus erlangt und hielt Vorlesungen darüber, wie man durch eine persönliche Beziehung zu Gott die Errettung erlangen könnte. Johannes Calvins Kindheit war geprägt von Wohlstand, seine Freunde stammten aus gutem Hause. Er wurde nicht in eine sehr reiche Familie hineingeboren, aber seine Mutter war die Tochter eines erfolgreichen Gastwirts und sein Vater bekleidete eine herausgehobene Position als Notar im Dienst
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Kapitel 5
John Knox 1514 – 1572
„Der Schwertträger“
„Der Schwertträger“ Oh Gott, gib mir Schottland oder ich sterbe!1
John Knox ist der Reformator, dem am meisten Unrecht getan wurde, der ungerechterweise verachtet, kritisiert und gehasst wurde. Sogar in unseren Tagen haben ihn einige Autoren scharf angegriffen und ihre Abneigung gegen ihn offen zum Ausdruck gebracht. Er ist von vielen kritisiert worden für sein raues, kraftvolles, prophetisches Auftreten, seine Kühnheit und seine Bestrebungen, die töten zu lassen, die das Volk verführten. Der Name John Knox wurde häufig wie der eines Kobolds benutzt, eines unfreundlichen, schrecklichen Wesens, das man erwähnt, um kleinen Kindern Angst zu machen, damit sie nicht in den Wald laufen.2 Seit Generationen wird Knox mit den furchtlosen Propheten des Alten Testaments verglichen – mit Elia, Jeremia und besonders mit Johannes dem Täufer, als sei dieser Vergleich ein Beweis dafür, dass John Knox nicht Christus ähnlich war. Anscheinend vergessen Kritiker, die diese Vergleiche ziehen, dass Johannes der Täufer von Jesus sehr geschätzt wurde (siehe Mt. 11, 11). Jesus bezeichnete Johannes als „groß“ – Knox betrachtet man heute oftmals als „grob“. Mir scheint jedoch, dass wir in unserer intellektuell geprägten Rückschau auf die Kirchengeschichte einige Dinge übersehen haben, die Gott für wertvoll erachtet. Ich habe mir das Ziel gesteckt, dem Leser diese Schätze im Leben und Wirken John Knox’ vor Augen zu führen – ohne seine Fehler und Schwächen außer Acht zu lassen –, damit wir erkennen und verstehen, dass der Geist der Reformation noch nie in friedlichen Elfenbeintürmen geboren wurde. John Knox war ein feuriger schottischer Patriot, der seine Ziele kompromisslos verfolgte. In meinen Studien zu ihm fiel mir eine gewisse Ähnlichkeit mit dem schottischen Kämpfer William Wallace auf.Wallace starb über 200 Jahre vor Knox’ Geburt, aber die beiden hatten eine Eigenschaft gemeinsam: Sie verfolgten ihr Ziel mit leidenschaftlicher Hingabe. Knox setzte sich für andere Ziele ein als Wallace. Er war ein draufgängerischer, prophetischer Lehrer, der sogar einmal das Schwert ergriff und bereit war, lieber für sein geliebtes Schottland zu sterben, als der katholischen Kirche zu gestatten, das Land mit ihren Irrlehren zu kontrollieren. Er kämpfte gegen drei Königinnen und zahlreiche Amtsinhaber der katholischen Kirche. Er musste sich mit zahlreichen Vorurteilen auseinander setzen und erlebte solch rücksichtslose und brutale Verfolgung, dass man allein bei dem Gedanken daran erschaudert. Als der Eifer der Protestanten zu erlahmen drohte, blickten die Menschen auf Knox und erwarteten von ihm, dass er ihre Kräfte durch seine feurigen Predigten wieder bündeln und beleben würde. Er war eine
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Gottes Generäle II Trompete, die in den höchsten Tönen schmetterte, und seine gewaltigen Predigten erschütterten Schottland, England, Frankreich, Deutschland und Johannes Calvins Genf. Er war wie geschaffen für seine Zeit – und war jeder Herausforderung gewachsen. Selbst wenn er untätig zu sein schien, schrieb Knox glühende Traktate und Flugblätter, aufgrund derer er und seine Nachfolger sowohl zu seiner Zeit als auch in zahlreichen nachfolgenden Generationen Hass und Verfolgung erdulden mussten. Mache dich bereit für ein spannendes Abenteuer – wir erforschen das kompromisslose und leidenschaftliche Leben des größten schottischen Reformators aller Zeiten, John Knox. Die Schlägerei in der High Church in Edinburgh. Im barbarischen Privatsammlung, Schottland Bridgeman Art Library, N.Y. John Knox wurde 1514 in dem Städtchen Haddington südlich von Edinburgh in Schottland geboren.3 Die Einwohner Haddingtons waren hauptsächlich Kaufleute und Handwerker und lebten in einem Land, das im Rest Europas als barbarisch, wild und unkultiviert verschrien war. Über den Anfang des Lebens von John Knox ist kaum etwas bekannt. Der Vorname seiner Mutter ist nicht bekannt, ihr Nachname lautete Sinclair. Sein Vater William war ein angesehener Kaufmann und Handwerker. Williams Familie hatte in verschiedenen Regionen Schottlands Ländereien besessen. William hatte gemeinsam mit seinem Vater (dem Großvater Knox’) und seinem Großvater (Knox’ Urgroßvater) eine sehr gute Beziehung zu den Earls von Bothwell, der mächtigsten Familie der Region.4 Es wäre unangemessen, zu sagen, dass der junge Knox in luxuriösen Verhältnissen aufwuchs oder der Sohn eines Adligen gewesen wäre, aber durch die guten Verbindungen zur Familie Bothwell genoss er sicherlich einige Privilegien – eines davon war eine gute Ausbildung. Knox’ Eltern waren nicht wohlhabend, schafften es aber, ihrem Sohn den Besuch der Oberschule in Haddington zu ermöglichen, wo der junge Knox die Grundzüge der lateinischen Sprache erlernte. Nach Abschluss der Oberschule wurde Knox Hauslehrer für die Kinder eines Adligen. Als die Kinder 1529 an die Universität von St. Andrews geschickt wurden, durfte Knox sie begleiten und an der philosophischen Fakultät studieren.5
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John Knox - „Der Schwertträger“
Ein Bombe kurz vor der Explosion An St. Andrews studierte Knox bei dem berühmten schottischen Theologen John Major6, demselben Lehrer, bei dem Johannes Calvin einige Jahre zuvor in Paris studiert hatte. Anders als Calvin war Knox von Majors Lehre nicht sonderlich begeistert. Major hatte eine eigene intellektuell-scholastische Position entwickelt und verurteilte neben seiner Kritik an Luther auch einige Praktiken der römisch-katholischen Kirche. Knox lehnte Majors intellektuelle Interpretation der Schrift ab. Knox war der Meinung, die Aussagen der Schrift seien wörtlich zu nehmen, man bräuchte sie weder zu analysieren noch zu relativieren. Knox war unzufrieden, forschte selbstständig in der Schrift und beschäftigte sich mit der Urgemeinde. Seine Suche nach der Wahrheit war unter anderem von einem Ereignis ausgelöst worden, das ein Jahr zurücklag. 1528 hatte Schottland seinen ersten Märtyrer, einen Mann namens Patrick Hamilton, auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Knox hatte gehört, dass Hamilton ein einfaches Evangelium gepredigt hatte, von seinen katholischen Widersachern festgenommen und als Ketzer angeklagt worden war. Am Tag seiner Hinrichtung hatte dieser Märtyrer einen Mönch öffentlich zurechtgewiesen und vor dem Herrn zur Rechenschaft gezogen. Der Mönch hatte ihn mit lauten Zwischenrufen unterbrochen. Er starb nur wenige Tage nach Hamiltons Tod aufgrund eines Anfalls von Wahnsinn.7 Als einige der katholischen Gemeindemitglieder die Notwendigkeit von Hamiltons Tod in Frage stellten, erhielten sie nichtssagende, ausweichende Antworten, die keineswegs zufriedenstellend waren. Knox hatte von diesen bestürzenden Diskussionen gehört und sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit gemacht. Im Rahmen dieser Suche las er die Werke der Kirchenväter, die ihm in die Hände fielen, hauptsächlich Hieronymus und Augustinus. Von Hieronymus lernte er, dass allein die Heilige Schrift die Wahrheit enthielt, nicht Menschenworte. Durch Augustinus’ Schriften kam Knox zu der Einsicht, dass es möglich ist, dass ein Mensch aufgrund seines Namens und seiner Position verehrt wird, aber gleichzeitig sein Charakter und seine geistliche Stärke nur sehr schwach sind, wodurch seine Wirkung in der Welt stark geschmälert wird. Für Knox gestalteten sich diese beiden Einsichten sehr einfach. Erstens war das, was in der Bibel steht, die Wahrheit. Alles andere war lediglich ein Zusatz. Zweitens bedeutete die Bekanntheit oder Beliebtheit eines Menschen fast gar nichts, wenn seine charakterliche Stärke der Größe seiner Aufgabe nicht gewachsen war. Diese Prinzipien wurden zum Fundament des Lebens und des Dienstes von John Knox. Als Knox zu dieser Einsicht gelangte, war er noch Mitglied der römischkatholischen Kirche. 1536 wurde er als Priester ordiniert, aber er erhielt keine Gemeinde, weil es in Schottland bereits zu viele Priester gab. Er hatte zwar keine wahre Berufung in die katholische Kirche, aber 1540 wurde ihm eine Arbeit als päpstlicher theologischer Mitarbeiter angeboten und er
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Kapitel 6
George Fox 1624 – 1691
„Der Befreier im Geist“
„Der Befreier im Geist“ Ich war durch die ewige, herrliche Kraft Christi durch das Meer der Finsternis und des Todes gebracht worden und hatte durch sie der Macht des Satans widerstanden und diese schließlich überwunden … es war jene Finsternis … die die ganze Welt bedeckte, alles in ihren Klauen hielt und alle und alles im Tod gefangen hielt. Dieselbe ewige Kraft Gottes, die mich durch diese Dinge brachte, erschütterte später die Nationen, die Priester, die Gelehrten und das Volk.1
Ich habe mich immer wieder gefragt, ob unserer Generation bewusst ist, dass viele der Freiheiten, derer wir uns heute erfreuen, maßgeblich auf den dramatischen Dienst eines der größten Propheten, der jemals gelebt hat, zurückzuführen sind – George Fox. Vielen Menschen ist bewusst, dass Fox der Gründer der Quäker oder „Gesellschaft der Freunde“ ist. Einige betrachten diese Denomination als eine kleine, isoliert lebende Gemeinschaft von freundlichen, zurückhaltenden Gläubigen, die Hüte tragen, auf Bauernhöfen auf dem Lande leben und den Ruf besitzen, aufrichtig zu sein und stets Gerechtigkeit zu üben. Aber George Fox hat sein Leben in mehr investiert als in die Begründung einer Kleiderordnung und eines ländlichen Lebensstils. Fox’ Maßnahmen zur Verbreitung des Evangeliums waren so außergewöhnlich und drastisch, dass 200 Jahre später die von William Booth gegründete Heilsarmee entscheidend von Fox’ Leben und Dienst beeinflusst wurde. Ein Sprecher der Heilsarmee sagte in deren Anfangsjahren: „Wären die Quäker ihren ursprünglichen Prinzipien und ihrer ursprünglich wahrhaft evangeliumsgemäßen Arbeitsweise treu geblieben, wäre niemals die Notwendigkeit der Gründung der Heilsarmee entstanden!“2 Es wurde gesagt, Fox habe die „radikale Reformation“ angeführt.3 Meiner Meinung nach hat Fox die Reformation lediglich auf die nächste Ebene geführt – er verband das Wirken des Geistes mit dem Wort Gottes. George Fox tat das, was bereits die ersten Apostel getan hatten und die Prediger späterer Erweckungen ebenfalls taten. Er belebte die Verbindung des Geistes mit dem Wort und ging damit über calvinistische, festgefügte religiöse Dogmen hinaus, sodass für jeden Menschen, der glaubte, ein christlicher Lebensstil möglich und erreichbar war. Die sogenannten Freunde waren Pioniere der Rückbesinnung auf das alltägliche Wirken des Heiligen Geistes im Leben jedes Gläubigen. Ich bin der Meinung, dass sie dadurch auch Wegbereiter waren für die Männer und Frauen, deren Dienst das 18. und 19. Jahrhundert prägte. Der Heilige Geist wurde ein persönlicher Freund all derer, die sich Fox anschlossen.
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Gottes Generäle II Die Freunde revolutionierten aufgrund ihrer Beziehung zum Heiligen Geist viele Bereiche des christlichen Lebens, die vergessen oder vernachlässigt worden waren. Sie gehörten zu den ersten Gruppen, die Frauen zum geistlichen Dienst ermutigten, und unterstützten diese Frauen, die in der ganzen Welt aus dem Wort Gottes predigten und lehrten. Sie gehörten auch zu den wenigen Gruppen, die in ihrer Zeit durch die Kraft Gottes Dämonen austrieben, die Kranken heilten und Wunder vollbrachten. Einige Splittergruppen hatten damals gewisse Einsichten in die Realität der geistlichen Kampfführung, aber George Fox war derjenige, der sie täglich praktizierte. Er lehrte immer wieder über Römer 8, 14, wo es heißt: „Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes“, und setzte diesen Vers in allen Bereichen seines Lebens konkret um. Er betonte immer wieder, dass die Führung durch den Heiligen Geist und seine Hilfe das Wichtigste und Vordringlichste sei und dass wir sie in allen Lebensbereichen bräuchten. Er war fest davon überzeugt, dass Christsein nicht ein Zustand sei, in den man hineingeboren würde, oder eine Haltung, die sich zwangsläufig ergäbe, wenn man an Gottesdiensten teilnähme oder getauft sei. Man werde auch nicht dadurch Christ, dass man an einem theologischen Seminar oder an einer Bibelschule studiere und ein Abschlusszeugnis präsentieren könne. Für Fox ist ein Christ ein Mensch, der Jesus Christus persönlich als Sohn Gottes kennt, sich bei der Auslegung der Bibel täglich auf die Hilfe des Heiligen Geistes verlässt und sein Leben in der gefallenen Welt gemäß den Prinzipien der Heiligen Schrift führt. Fox war also der Überzeugung, dass ein wahrer Christ gemäß den Werten leben sollte, zu denen er sich verbal bekennt. Das scheint dir möglicherweise klar und selbstverständlich zu sein, aber Fox musste einen Preis dafür bezahlen, das so zu leben und zu lehren. Im Verlauf dieses Kapitels wirst du möglicherweise überrascht feststellen, dass einige der kostbaren Freiheiten, derer du dich heute erfreust, erst durch die eiserne Prinzipientreue von George Fox und seine Bereitschaft, dafür wiederholt ins Gefängnis zu gehen, errungen wurden. Einige Datums- und Zeitangaben in Fox’ Leben sind etwas unklar, weil zahlreiche Aufzeichnungen verloren gegangen sind oder für unzuverlässig gehalten werden. Die Ereignisse an sich sind jedoch eindeutig überliefert. Ich werde in diesem Kapitel ausführlich auf seinen Charakter und seine geistliche Motivation eingehen. Er war ein faszinierender Mann, der eine vielschichtige Persönlichkeit besaß, sodass es unmöglich ist, all die teilweise erbitterten Auseinandersetzungen aufzuzählen und zu analysieren, die Teil seines Lebens waren, während er entschlossen für seine Überzeugungen eintrat. Ich kann dich einmal mehr nur ermutigen, möglichst viele weitere Quellen über George Fox ausfindig zu machen und dich durch das Studium dieser Berichte mit dem überragenden reformatorischen Geist erfüllen zu lassen, der George Fox prägte.
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Georg Fox – „Der Befreier im Geist“
Ein Reformator wird geboren Grafschaft Leicestershire in England, 1624. Mary Fox, damals wahrscheinlich etwas älter als 20 Jahre, war begeistert über ihre erste Schwangerschaft. Sie war verheiratet mit Christopher, einem Mann von starkem Charakter, der geprägt war von Ehrlichkeit und einem starken presbyterianischen Glauben und einige Jahre älter war als sie. Der Name Fox war in der Gegend wohlbekannt. Einige Jahrhunderte zuvor war ein Mann namens Fox Bürgermeister gewesen und ein anderer hatte ein Familienwappen geschaffen. Solche Familienwappen dienten als Zeugnis für die Kühnheit der Familie, man suchte damit den guten Ruf der Familie zu bewahren, die eigene Abstammung nachzuweisen und die wichtige gesellschaftliche Rolle der Familie zu belegen und zu wahren. Zum Erbe der Familie Fox gehörte auch, dass sie die Lollarden unterstützt hatten, eine Gruppe von Menschen in Europa, die gelobt hatten, die Bibel persönlich zu lesen und die Inhalte der Heiligen Schrift auch angesichts von Widerstand von staatlicher Seite innerhalb der etablierten Kirche zu verbreiten.4 Christopher Fox war Weber, hatte es in Leicesterhire zu hohem Ansehen gebracht und ein Haus für sich und seine Frau erwerben können. Durch sein handwerkliches Geschick hatte er eine führende Position in seiner Heimatstadt Drayton-in-the-Clay erworben und war wohlhabend und einflussreich. Die Stadt war klein und ländlich geprägt und lag eingebettet in den sanften Hügeln im Herzen Englands. Im Juli wurde der erste Sohn der Familie Fox geboren. Die Eltern nannten ihn George. Dem Ehepaar wurden weitere Kinder geboren, möglicherweise waren es vier, aber die Angaben hierzu sind unzuverlässig. Man sagt, dass die Frau des Sekretärs der Kirchengemeinde die Seite des Kirchenregisters, auf der die Geburt von George Fox aufgezeichnet wurde, zur „Benutzung in der Küche“ aus dem Buch herausgerissen habe.5 Unabhängig von der Anzahl der Kinder kann als gesichert angesehen werden, dass das Hauptaugenmerk der Eltern ihrem ältesten Sohn George Fox galt.
„Sein Denken verläuft in anderen Bahnen“ Jeder, der erwartet hatte, dass der erste Sohn der Familie Fox wie alle anderen Kinder wäre, sah sich getäuscht. Er beteiligte sich niemals an den Spielen, mit denen die anderen Kinder sich die Zeit vertrieben, und machte auch die Scherze und Streiche der anderen nicht mit. Er unterschied sich stark von seinen Spielkameraden, die sich in seiner Gegenwart nicht immer wohl gefühlt haben dürften. Er war trotzdem kein unangenehmes oder schwieriges Kind. Der junge Fox saß häufig in einer Ecke und dachte nach. Bereits als kleiner Junge beobachtete er die Menschen mit wachem Auge und schätzte sie ein. Er analysierte den Charakter der Männer, die seinen Vater besuchten und mit
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