Skip to main content

129479

Page 1

Roman

John Bevere & Mark Andrew Olsen


1 DAS NEUE JERUSALEM Die junge Frau warf einen flüchtigen Blick auf den Rauch, dachte sich aber nichts dabei – außer dass es ein dunkler, beunruhigender Anblick war, irgendwie fehl am Platz. Sie war zu weit entfernt, um den beißenden Geruch wahrzunehmen. Oder um die Schreie zu hören. Die Verzückung ihrer Pilgerreise leuchtete hell auf ihrem Gesicht. So wie Hunderte um sie herum, sonnte sie sich einfach in der Herrlichkeit der vorangegangenen Stunden, wanderte in der Weite der Ewigen Stadt umher, betrachtete die Schönheiten auf jeder Seite, hielt eine Hand in das goldene Licht und summte Loblieder leise vor sich hin. Dann bummelte sie über die Terrasse des Tempelberges und spähte hinüber. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft wich ihr das Lächeln aus dem Gesicht. Das Erscheinungsbild des Rauches schien dramatisch, ja sogar gewaltig fehl am Platz. Die dicke Wolkensäule zeichnete einen dunklen, knotigen Strang gegen den kobaltblauen Himmel und die blutroten und ockergelben Streifen gaben einen lebhaften Kontrast zu der warmen und einladenden Farbskala der Stadt. Schließlich erreichte sie der Geruch. Augenblicklich fühlte sie sich in eine frühere Zeit zurückversetzt, in jenen Sommer ihrer Kindheit auf der Waisenfarm, als der Tierpfleger ein missgebildetes Kalb geschlachtet und es weit draußen an der Baumgrenze verbrannt hatte.

5


John Bevere

Diese süßlichen, leicht ekelerregenden Gerüche meldeten sich schließlich in ihrem Gedächtnis. Stirnrunzelnd ging sie hinüber, um besser sehen zu können. Die anderen Pilger um sie herum schauten mit ernstem Blick zu ihr herüber, als sie sich dem Rand des Geländers näherte, dem Ausblick über das Tal Gehenna. Wäre sie vorsichtiger gewesen, aufmerksamer, vielleicht weniger hingerissen vom Glanz der vergangenen Stunden, wäre sie vielleicht dem Strom der Fußgänger gefolgt, wäre schnell auf die andere Straßenseite gewechselt und hätte ihr Gesicht abgewandt, so wie alle anderen auch. Hätte sie sich ein wenig genauer an ihre israelische Geschichte erinnert, wären ihr die alten Überlieferungen über den Abgrund, der sich ihr auftat, eingefallen – Gehenna, die verfluchte Grube, das Tal der geheimen Kindesopferungen, der brennenden Leiber, der Gerüchte über die Hölle und der entsetzlichen Legenden. Stattdessen ging sie, von Neugier überwältigt, weiter bis zur Kante. Sie spähte hinüber. Und da hörte sie das Wehklagen über die Qualen, so furchtbar und haarsträubend, wie ein Geräusch nur sein kann. Ein paar Sekunden lang bewegte sie keinen Muskel. Dann flog ihre Hand zum Mund. Ihre Knie wurden weich, die Beine gaben nach. Sie taumelte zurück, ihr Gesicht war kreidebleich geworden, ihre Lider flatterten vor Entsetzen. Der Strom der Anbeter hielt inne. Eine ältere Pilgerin dicht neben ihr sah sie mitfühlend an. Die junge Frau starrte in die teilnahmsvollen Gesichter und flehte lautlos um eine Erklärung dafür, wie sie nur so ruhig an dem, was sie gerade gesehen hatte, vorbeigehen konnten. Es drängte sie, sich dessen, was sie gerade gesehen hatte, noch einmal zu vergewissern, und sie ging wieder zurück und sah genauer hin. „O Gott“, flüsterte sie, während sie hinunterstarrte. „Das kann nicht sein … lass das nicht …“

6


Gerettet

Ihre Knie versagten jetzt völlig und sie griff nach der Steinmauer, um sich zu stützen. Sie war hin- und hergerissen zwischen dem verzweifelten Wunsch, sich so weit wie möglich von diesem Alptraum zu entfernen, und dem zwanghaften Drang, nochmals hinunterzusehen, als ob ein letzter Blick irgendwie beweisen könnte, dass dies alles nur Einbildung war. Sie wollte keine Aufmerksamkeit erregen und sie fühlte sich unwohl bei dem Gedanken, jemandem irgendwie die Freude zu verderben. Sie konnte jedoch nichts dagegen tun. Schwer atmend griff sie nach der Mauer und sank an ihr zu Boden. „Warum das? Warum hier und jetzt …?“ Sie konnte es nicht begreifen. Ihr Glücksgefühl hatte sich zusammen mit dem Rauch verflüchtigt. Der Grund ihrer Freude, die ganze Verzückung ihrer Pilgerreise, verlor angesichts der Eindrücke, die noch vor ihren Augen schwammen, ihren Glanz. Eine kräftige Hand ergriff ihren Arm und zog sie sanft wieder hoch. Sie kam taumelnd auf die Beine und stand schwankend da, bis sie endlich aufsah und den warmen Augen eines jungen Mannes begegnete. „Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte er in einem beruhigenden Ton. „Ich habe nur – hast du das gesehen, dort unten? Weißt du, wie entsetzlich …?“ „Der Anblick ist für den, der hinunterschaut, immer furchtbar“, erklärte der junge Mann. „Insbesondere für die Pilger, die hierher kommen und das zum ersten Mal sehen. Aber ich versichere dir, was du gerade gesehen hast, ist nicht dazu gedacht, all die Dinge, die du hier erlebt hast, zu überschatten. Eigentlich soll es sie verstärken. Ich bin hierher gesandt worden, um dich zu finden und dir zu helfen, all das zu verstehen. Wenn du ein Stück mit mir gehst, werde ich dir eine etwas längere Geschichte erzählen. Danach wirst du besser verstehen, was du gerade gesehen hast.“

7


John Bevere

S.S. AQUA LIBRE – 65 KILOMETER ÖSTLICH VON ST. LUCIA, WINDWARD INSELN, KLEINE ANTILLEN – JAHRE ZUVOR Während seiner letzten Stunden auf dieser Erde fühlte Marshall Rhodes sich bereits wie im Himmel. Schließlich hatte dieser Dreißigjährige mit freiem Oberkörper tropischen Sonnenschein, der sein Gesicht erstrahlen ließ, den Wind des Meeres, der sein Haar zerzauste, eine nagelneue 30-Meter-Jacht, die unter seinen Füßen schnurrte, hundert Meilen türkisblaue karibische See vor sich und die Wärme von drei – nein, vier, vielleicht fünf – Pullen Mount Gay Rum, der sein Gehirn benebelte. „O Mann …“, er kicherte vor sich hin und schüttelte grinsend seinen Kopf. „Besser kann’s gar nicht werden!“ Wenn man bedenkt, dass man dafür auch noch bezahlt wurde! Und die Bezahlung war gut. Er schaltete das Boot auf Autopilot und ging zurück, um eine neue Flasche aus der Kombüse zu holen. Er dachte über sein Glück nach. Schließlich war er allein verantwortlich für die Auslieferung einer 12-Millionen-Dollar-Jacht von den Newport Docks auf Rhode Island bis zum Pier von Port of Spain auf Trinidad. Die Jacht gehörte jetzt einem der reichsten Sportler der Welt, einem ungeduldigen Mann, der auf dieses Wunderwerk der Marinetechnik seit nunmehr zwei Jahren wartete und der keine Verzögerung dulden würde. Ein Mann, der Marshalls Leben zu einem Alptraum machen würde, wenn er bei diesem Auftrag versagen würde. „Dennoch“, erinnerte sich Rhodes, während er die nächste Flasche entkorkte und einen kräftigen Schluck nahm, „manche Männer tragen Anzug und Krawatte und stecken stundenlang im Stau, nur um dann vor ihrem Chef den ganzen Tag lang zu buckeln. Bin ich nicht ein Glückspilz?“ Das Einzige, was ihm noch fehlte, war ein Mädchen. Das Verdeck aus Teakholz verlangte förmlich nach Gesellschaft in einem Bikini. Rhodes war kein Adonis, aber er wusste, wenn er über so einen Kreuzer verfügte, hätte er sich leicht eine angeln können, wenn er 8


Gerettet

nur die Zeit dafür gehabt hätte. Aber auf hoher See gab es keine Anlaufhäfen, jedenfalls nicht auf dieser Reise. Die schönsten Strände der Welt waren in den letzten Tagen an ihm vorübergeglitten, oftmals außer Sichtweite. Manchmal winkten ihm die entfernten Palmenreihen und die weißen Schaumkronen zu, die knapp hinter dem Horizont lagen. „Na schön. Man kann nicht alles haben …“ Er stieß einen langen Seufzer aus und erinnerte sich daran, dass das Ende seiner Reise nur wenige Stunden vor ihm lag. Diese bittersüße Erkenntnis verleitete ihn dazu, seine letzten Bedenken in den Wind zu schlagen. „Genieß’ es!“ Seit sie von Newport ausgelaufen waren, hatte sich der neuartige Autopilot des Schiffes als absolut zuverlässig erwiesen. Beinahe zu perfekt. Marshall wusste, dass das halbe Terabyte des Bordspeichers problemlos noch ein paar weitere Stunden einen alkoholgetrübten Blick ersetzen konnte. Er hatte alle notwendigen Tests gemacht, ein gutes Dutzend Papiere mit Vermerken durchgearbeitet, wie es sein Arbeitgeber von ihm erwartete. Alles war abgeklärt. Er musste auf offener See nur eine weite Kurve fahren, eine einzige Einstellung, die seinen Kurs von einer Flanke der bogenförmigen Ausleger der Winwards zur anderen ändern würde – ein scharfer Winkel in Richtung Südwesten nach Trinidad. Aber diese Kurskorrektur war erst in ein oder zwei Stunden fällig. Er nahm seinen bislang längsten Schluck aus der Flasche und grinste mit schweren Lidern. Der Rum hatte nicht lange gebraucht. Er riss die Augen auf. Eine eisige Hand packte ihn mitten in der Brust. Ein schraubstockähnlicher Griff quetschte sein Herz zusammen, als wäre es nur ein feuchter Waschlappen. Marshall keuchte gequält, aber da war niemand, der ihn hören konnte. Er umklammerte seinen Brustkorb und stolperte. Er öffnete seinen Mund, um zu schreien, aber der Schrei erstarb in ihm. Mit schmerzverzerrtem Gesicht kämpfte er gegen den brennenden Schmerz, der seinen Leib durchbohrte, und er merkte, wie er das Gleichgewicht verlor und zusammenbrach. 9


John Bevere

Er spürte kaum seinen Sturz, erst als sein Hinterkopf auf dem harten Deck aufschlug. Stille. Ein unbeschreibliches Schweigen hüllte ihn ein, ein Frieden, der viel größer war als Stille oder Dunkelheit oder sogar Schlaf. Es war eine Ruhe, die ihm augenblicklich und auf überwältigende Weise klar machte: Dieses Leben ist eben zu Ende gegangen. Dann blickte er hinunter auf einen Mann, der mit freiem Oberkörper auf dem Deck der Jacht lag. Er sah alles von weit oben und dieses Bild wurde immer kleiner, ebenso wie die Aqua Libre – verschluckt vom endlosen blauen Ozean. Er verspürte keine Furcht und kein Bedauern. Lediglich eine vage, fast übermütige Neugier wegen dem, was geschah. Er flog. Cool. Er wollte schon immer mal fliegen. Und dann flog er nicht mehr. Er spürte plötzlich, wie er fiel. Aber er war nun nicht mehr über dieser Erde. Er befand sich über … gar nichts. Leere. Nichts. Dunkelheit. Ein erdrückendes Gefühl von Bosheit, von Übel erfüllte jede Faser in ihm. Sein Selbst, sein Wesen – was immer er nun war – wurde von einem unbarmherzigen, besitzergreifenden Zerren hinabgerissen. Zum ersten Mal überhaupt begriff Marshall Rhodes die schreckliche Bedeutung alles durchdringender Furcht. Die S.S. Aqua Libre war nun führerlos – ein 26.000 Kilo schwerer, zweiunddreißig Meter langer Torpedo mit einem Routenplan, der unerbittlich vom fortschrittlichsten Autopilot-System der Welt befolgt wurde. Ohne Marshall Rhodes jedoch, der den Kurs hätte korrigieren sollen, jagte die schicke Jacht geradewegs auf die östlichste der gesamten Westindischen Inseln zu, jene luxuriöse Insel, von der Marshalls Rum stammte – einer Insel des ehemaligen britischen Protektorats Barbados.

10


Gerettet

KÜSTE VON BARBADOS – 2 STUNDEN SPÄTER Keine vierhundert Meter von der Küste von Barbados entfernt und nur achtunddreißig Seemeilen der falsch programmierten Aqua Libre voraus, lag die riesige, 100.000 Tonnen schwere S.S. Pearl of the Seas. Dieses schwimmende Erholungszentrum lag im Tiefwasserhafen von Barbados, gleich außerhalb der Hauptstadt Bridgetown, und spuckte gerade grüppchenweise seine 1.400 Passagiere aufs Dock. Manche wollten nur den Tag im Anlaufhafen verbringen, während andere zu kleineren Beibooten geleitet wurden, die sie rasch zu einer der vergnüglichen Aktivitäten auf See bringen würden. Die Stimme des Kapitäns des letzten Sportbootes hallte gegen den riesigen, eindrucksvollen Schiffsrumpf. „Letzter Aufruf!“ Pastor Alan Rockaway stand auf dem Verdeck des Schiffes und spähte besorgt über die Wellen, die gegen die schwarze Wasserlinie der Pearl schlugen. Er war siebenundvierzig Jahre alt, gutaussehend und schlank, mit hellbraunem Haar, das in der Brise wehte, und einem angenehmen Glanz, der in seinen klaren blauen Augen leuchtete. Alan fehlte nur ein Merkmal seines gewohnten Zustands: innere Ruhe. „Bitte“, rief er und lehnte sich über die Reling in Richtung Kapitän. „Mein Sohn ist auf dem Weg hierher und es ist sehr wichtig, dass er den Anschluss nicht verpasst. Sehr wichtig.“ Der Mann warf einen Blick auf seine Uhr. „Er hat noch etwa vierzehn Sekunden. Mehr kann ich nicht machen. Der Fahrplan des U-Bootes ist eng. Die Anlegestelle ist zwei Meilen weiter draußen und wir haben nur ein Zeitfenster von etwa drei Minuten für unser Rendezvous.“ Rockaway wandte sich seiner Frau Jenny zu und seufzte schwer. In vergangenen Jahren hätte er seinem Frust nachgegeben und über den Jungen, der ständig zu spät kam, geschimpft. Aber diese Reise war besonders, und das aus vielerlei Gründen. Er würde seinen ältesten Sohn nicht in Verlegenheit bringen. Er würde seinen Mund halten und stattdessen ein verzweifeltes Gebet nach oben senden. 11


John Bevere

Ein heiserer Schrei hallte vom Deck über ihnen herunter: „Komme schon! Wartet – ich komme!“ Jeff Rockaway, ein schlaksiger, gutaussehender Siebzehnjähriger kletterte die Treppe hinunter und sprang auf die Rampe, die aufs Dock hinunterführte. In der einen Hand hielt er einen schwarzen Aktenkoffer, in der anderen eine Videokamera, die an einem dünnen Lederbändchen hing und gegen seine Knie baumelte. „Kommt schon, Leute! Das Boot wartet!“ Der ältere Rockaway wandte sich der Gruppe von dreißig Erwachsenen zu, die um ihn herumstanden und lächelte bittersüß. Kichernd folgte die Gruppe dem Jungen die Landungsbrücke hinunter. Nachdem sie alle unten angekommen waren und begonnen hatten, ins Boot zu steigen, rannte der junge Mann übers Dock an die Seite seines Vaters, beendete seinen Lauf mit einem abrupten Stopp und atmete zufrieden aus. „Ist alles in Ordnung, Junge?“, fragte Alan mit einer Mischung aus Verzweiflung und Bewunderung. „Es war nicht mein Fehler, Papa. Ich habe mich mit der Schiffsbrücke abgestimmt, um ihren Satellitenzugang anzuzapfen, und die hatten irgendwie ein Problem. Ärger mit der Verbindung. Irgendwas mit dem Strom.“ Jenny Rockaway sah ihrem Mann in die Augen. „Sie schienen heute Morgen tatsächlich mit ihrer Aufstellung zu kämpfen“, sagte sie. Alan lächelte und legte sanft die Hand auf die Schulter des jungen Mannes. „Ich glaube dir, mein Sohn. Es ist nur etwas nervenaufreibend, das ist alles. Wir müssen nicht nur das U-Boot rechtzeitig erwischen, wir haben auch noch so ungefähr 1.500 Leute zu Hause, die darauf warten, dass diese Verbindung reibungslos klappt.“ „Sie werden nicht enttäuscht sein“, erwiderte Jeff. „Ich habe alles vorbereitet.“ „Damit ?“ Alan fuhr zurück und deutete mit spöttischer Verwunderung hinunter auf den einzelnen Koffer. „Ist das alles, die ganze Ausrüstung?“ 12


Gerettet

„Was meinst du mit alles?“, schnaubte der junge Mann ärgerlich. „Hier drin ist ein Laptop mit sämtlichem Zubehör. Heb das Ding mal hoch. Das wiegt bestimmt fünf Kilo.“ Alan wandte sich zu Hal Newman, seinem engsten Vertrauten und einer Säule der 6.000 Mitglieder zählenden Summit Chapel in Denver, deren Pastor Alan war. Er zog die Augenbrauen hoch und zuckte gutmütig mit den Schultern. „Fünf Kilo! Unglaublich! Und das alles für eine einfache transkontinentale, satellitenverstärkte Live-Video-Übertragung. Für so etwas hätte man vor fünf Jahren einen drei Tonnen schweren Lastwagen benötigt und es hätte drei Millionen Dollar gekostet.“ „Fünf Jahre sind eine Ewigkeit für die Technik, Papa.“ „Davon habe ich gehört, Jeff. Ich habe dir gesagt, dass ich dir zutraue, das Ding hinzukriegen, und das tue ich wirklich. Ich werde dich nicht mehr in Frage stellen. Ich gebe dir bloß noch eine letzte Möglichkeit, mich zu beruhigen. Was du da hast, ist so … kompakt, dass es aussieht, als ob es nicht ausreicht, um uns ohne Probleme den ganzen Weg bis nach Denver in den Gottesdienstraum zu verbinden.“ Jeff musste lachen, ein ungezwungenes Lachen, das sein gebräuntes Gesicht in Falten legte. „Vertraue mir, Papa. Die Dinge haben sich weiterentwickelt. Das ist die neueste, ultrakompakte, mit dem Internet verbundene Ausrüstung.“ „Na dann“, Alan zuckte verwirrt mit den Schultern und grinste reumütig, wie es die zu tun pflegen, die sich technisch geschlagen geben. „Wenigstens können wir darin übereinstimmen, Jeff.“ Sie setzten sich auf die Bänke, als der Außenbordmotor der Barkasse aufbrausend ansprang und sie vom Mutterschiff abstießen. Alan sah sich um und war begeistert darüber, auf offener See zu sein mit einer steifen Brise, die ihm ins Gesicht blies. „Die Dinge haben sich weiterentwickelt“, sagte Alan und nickte Hal und Jeff zu, die neben ihm saßen. „Weißt du noch, als du ein kleiner Junge warst und ich gerade meine erste Gemeinde gegründet hatte?“ 13


John Bevere

„Kaum.“ „Aber ich“, warf Newman lächelnd ein. „Klar erinnerst du dich!“, rief Alan. „Zu unserer ersten Rüstzeit sind wir hoch in dein Wochenendhaus bei Buena Vista gefahren. Wildwasserfahrten und Fajitas.“ „Richtig. Ein beinahe Ertrunkener und verkohlte Hüftsteaks, wenn ich mich recht erinnere.“ „Habe ich nicht vergessen“, lachte Alan. „Und weißt du noch, als ich versuchte, den Rest der Gemeinde während des Sonntagsgottesdienstes zu Hause anzurufen, damit sie sich nicht so vergessen und zurückgelassen fühlten? Natürlich waren da nur etwa 15 Leute übrig, aber ich fühlte mich so unsicher, dass ich Kontakt aufnehmen musste. Also bin ich zu dem kleinen Provinzladen runtergefahren, habe zwölf Vierteldollar-Münzen in ihren Apparat geworfen und der alte Mike Barfield hat es geschafft, meinen Anruf über seine Stereo-Lautsprecher zu leiten. Keine Gemeinde-Verstärkeranlage, wohlgemerkt, sondern seine eigene, selbst zusammengestellte Anlage aus Sonderangeboten. Und dennoch habe ich mich wie Alexander Graham Bell gefühlt, als ich den Mitarbeiter zum ersten Mal anrief. „Mensch, fühle ich mich alt, wenn ich nur daran denke“, sagte Newman mit einem Kichern. „Und Mensch, wie jung ich mich erst fühle“, witzelte Jeff. Sie lachten alle. „Weißt du, was seltsam ist?“, fragte Alan. „Diese Art von Aufregung habe ich lange nicht gespürt.“ Er starrte auf die schnell vorbeihuschende See. „All diese Dinge. Die Gemeinde. Das Pastorenamt. Es kommt mir vor wie letzte Woche, als ich in der schönen altmodischen Meeresbrandung getauft wurde, Seal Beach bei Sonnenuntergang und Hochwasser – von einem HippiePastor, der noch immer dachte, dass Woodstock der größte Gottesdienst war, der jemals abgehalten wurde.“ „Wirklich? Ich bin mir sicher, dass Jeff diese Geschichte noch nie gehört hat, Alan“, warf Jenny mit einem Lächeln und einem Hauch von Ironie in ihrer Stimme ein. 14


Gerettet

„Ich weiß. Ich habe sie schon tausendmal erzählt. Es ist nur, dass wir damals dies alles – diesen ganzen Klimbim nicht hatten. Die Dinge schienen echter, leidenschaftlicher zu sein. Wenn die Gitarre nicht laut genug und die Stimme des Lobpreisleiters nicht kräftig genug war – na und? Die Leute nahmen das gar nicht wahr. Es ging nicht um den perfekten Sound. Wir waren da, um mit allem, was wir hatten, Gott anzubeten. Wir waren glücklich, dass wir Mikrofone hatten, und hier reden wir von Live-Übertragungen um den ganzen Globus. Und wenn wir eine Auszeit für Eheleute brauchten, liehen wir uns die Hütte von irgendjemandem aus und flogen nicht tausend Kilometer, um in der Karibik an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu sein.“ Alans Stimme war so leise geworden, dass seine Begleiter seine letzte Aussage beinahe nicht hörten. „Ich würde sagen, die Dinge haben sich verbessert“, sagte Jeff mit seiner jugendlichen Dynamik. „Ich beklage mich nicht. Ich meine nur, ich erinnere mich daran, dass ich damals mit fünfzig Leuten in meiner Gemeinde mehr Ehrfurcht verspürte, mehr das Übernatürliche berührte, als heute mit 6.000. Die Dinge waren authentischer. Sogar gefährlich auf eine Art. Wir waren zu Gott getrieben – selbst wenn es uns umbrachte.“ „Nun, ich bin mir sicher, es gibt noch reichlich Möglichkeiten, dass auf diesem Trip etwas schief gehen könnte, Papa“, sagte Jeff. „Wir sind hier draußen, auf offener See, mit einem echten U-Boot, das uns abholt. Ich bin mir sicher, dass wir noch ein wenig Aufregung haben werden, bevor alles vorüber ist.“

15


2 BARBADOS – 12 SEEMEILEN VOR BRIDGETOWN Draußen auf offener See, weg von der Touristen-Anlage des UBootes, lag eine Schiffsanlegestelle in ruhigen Gewässern vor Anker, etwa drei Kilometer vor der Küste von Barbados. Hier begann der letzte Teil einer Katastrophe in den mikroskopisch feinen Sensoren eines hochseetauglichen Bordcomputers. Die Aqua Libre protzte mit dem fortschrittlichsten Navigationssystem, das erhältlich war, das höchste Präzisionseinstellungen ermöglichte, einschließlich jener, die Marshall Rhodes nicht vorgenommen hatte. Sein radarverknüpftes Anti-Kollisions-System, das konstruiert wurde, um Hindernisse zu umfahren, während der Autopilot eingestellt ist, hing noch von einer Unzahl benutzerdefinierter Einstellungen ab. Eine davon war eine ausgeklügelte Geschwindigkeitseinstellung. Dieses Anti-Kollisions-System konnte so eingestellt werden, dass es erst ab oder über einer vom Kapitän gewählten Geschwindigkeit aktiviert wurde. Menschliche Logik sagt einem, dass manch einer sich nicht so sicher fühlt, wenn sein Fahrzeug auf offener See seine Höchstgeschwindigkeit erreicht hat und die Kontrolle plötzlich von einer Maschine übernommen wird. Die meisten Kapitäne sind mit einer Reihe von Warnsignalen zufrieden, solchen wie dem Klaxon-Horn oder der Sirene, ebenso wie den Signalen an den Piepser des Kapitäns, in sein Privatquartier und an sein Handy. So glich dieses System die höhere Geschwindigkeit aus, indem es den Kapitän über eventuelle Hindernisse alarmierte und ihm genügend Zeit gab, um entsprechend zu reagieren. Die Standardeinstellungen des Herstellers, die Rhodes nie geändert hatte, sorgten dafür, dass die Aqua Libre Hindernisse umschiffte, 17


John Bevere

wenn sie weniger als zehn Knoten fuhr, eine Geschwindigkeit, mit der die meisten Boote durch belebte Häfen oder Schiffskanäle manövrierten. Die Aqua Libre raste nun mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von fünfunddreißig Knoten dahin, was ihr eine besorgte Überprüfung seitens der Küstenpatrouille von Barbados einhandelte. Die Warnsysteme aller aufeinanderfolgenden Schiffe waren zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig aktiviert, aber gemäß seiner Programmierung verweigerte das Warnsystem zuverlässig seinen Dienst. Was den Mann betraf, der mit der Handhabung dieses Systems betraut war – er hatte noch immer die warme Karibiksonne auf seinem Gesicht. Der Wind zerzauste noch immer sein Haar und das klare blaue Meer erstreckte sich noch immer weit vor ihm. Aber Marshall Rhodes war definitiv nicht mehr im Himmel.

BARBADOS – LANDESTEG DER UNTERWASSERAUSFLÜGE In dem Moment, als seine Füße die sonnengebleichten Planken des Piers berührten, wurde Jeff aktiv. Er kniete sich unvermittelt hin, wirbelte den Koffer mit einer überschwänglichen, aber vorsichtigen Geste flach aufs Pier, öffnete ihn und legte seinen Inhalt offen. Vier flinke Handbewegungen später reichte eine dicke Teleskop-Antenne einen Meter weit hoch und der Laptop sprang surrend an. Obwohl er sich fest vorgenommen hatte, sich auf seine Mitreisenden zu konzentrieren und nicht auf die Übertragungstechnik, stand Alan über seinem Sohn und war fasziniert. „Hast du das alles selbst ausgetüftelt?“, fragte er. „Das meiste davon“, sagte Jeff, ohne hochzusehen. „Ich habe die Kreuzfahrtveranstalter angerufen und mir bestätigen lassen, dass ihre Brücke einen Satellitenanschluss hat. Also habe ich mich, sobald ich an Bord war, mit der Kapitänsmannschaft angefreundet. Der Rest war einfach. Ich hatte diesen Taschen-Transmitter von 18


Gerettet

meinen Freunden von Channel 10 bereits gemietet. Eine Kamera auch. Ich musste nur sichergehen, dass dieses Pier innerhalb der Sichtweite des Schiffes war, was auch geklappt hat. Jetzt brauchte ich nur noch die Satellitenzeit zu mieten. Das hab ich über Google gemacht, den Deal online mit der Gemeinde-Kreditkarte klar gemacht. Kein Thema!“ Alan schüttelte verwundert seinen Kopf, als plötzlich etwas Rotes auf dem Bildschirm des Laptops blinkte, gefolgt von mehreren lauten Pieptönen. „Wir haben unsere Verbindung!“, schrie Jeff. „Du meinst, es ist alles eingestellt?“, fragte Alan ungläubig. „Jepp! Wir sind nicht nur direkt mit der Schaltzentrale der Gemeinde verbunden, sondern haben auch eine hohe Auflösung zur Verfügung!“ Alan beugte sich vor und hielt seinen Sohn an den Schultern. „Tut mir Leid, Jeff, dass ich jemals an dir gezweifelt habe“, sagte er. „Aber du hast immer gesagt, dass du es kannst, und du hast es spitzenmäßig gemacht. Ich bin so stolz auf dich.“ Jeff sah hoch, deutlich verlegen wegen der offen gezeigten Zuneigung seines Vaters. „Danke, Papa.“ Einen Sekundenbruchteil später, seine Aufmerksamkeit wieder ganz auf das Videoprojekt gerichtet, war Jeff wieder ganz geschäftsmäßig. Er schnappte sich die Videokamera, stöpselte sie in die FireWire-Buchse des Computers ein und hob sie auf seine Schulter. „Kamera ist bereit! Legt los, alle miteinander!“

DENVER, COLORADO – SUMMIT CHAPEL Klick! Klick! Die hochgehaltenen Schlagzeugsticks schlugen im goldenen Zwielicht zweimal aneinander und machten die 1.500 Anbeter darauf aufmerksam, dass ihr vollbesetztes Auditorium gleich von einer musikalischen Flutwelle überströmt werden würde. Der 19


John Bevere

Tsunami begann mit einem Moll-Akkord, klimperte dann einmal auf einer ausgezeichnet verzerrten Les-Pauls-Gitarre, dicht gefolgt von dem unverkennbaren Tremolo der Hammond-B-3-Orgel, dem Star der Klassik-Rock-Ära. Keine künstliche Imitation hier in der Summit Chapel, nicht wenn es um Musik ging. Ein Steinway-Flügel stimmte mit ein, schlug denselben Akkord an, begleitet von einem ohrenbetäubenden Beckenschlag, drei kurzen Trommelschlägen, dem dumpfen Dröhnen von nicht einer, sondern gleich zwei Bassgitarren, und dem aufsteigenden „Aaaaaa“ von einem halben Dutzend elegant gekleideter Lobpreissänger von beiderlei Geschlecht und von dreierlei Rassen, die lächelten und ihre Mikrofonständer so fest umklammerten, als hinge ihr Leben davon ab. Das Ergebnis war eine wahre Explosion eines musikalischen Ohrenschmauses. „Lasst uns Jesus anbeten!“, drängte die Stimme des Lobpreisleiters Michael East, jungenhaft und gutaussehend, mit dunklem, lockigem Haar und sorgfältig getrimmtem Spitzbart. Er trug ein aufgeknöpftes Hemd und verwaschene Jeans und sah aus wie ein Bursche, der gerade seinen Krieg gegen das Älterwerden gewann. Die Gemeinde sprang auf die Füße wie Mittdreißiger auf einem U2-Konzert. Der leitende Pastor, Larry Collins, blickte von seinem Plätzchen in der letzten Reihe über die Menschenmasse, klatschte laut und lächelte. Er liebte es, wie die Menschen in der Summit Chapel einen Eindruck von allen möglichen Menschengruppen vermittelten. Afroamerikaner standen neben Angloamerikanern und Latinos jeden Alters, nicht zu vergessen die Skateboardfahrer, die CollegeStudenten, die älteren Leute, die in Anzügen und die leger Gekleideten, die Geschäftsleute und die Stadträte – Seite an Seite mit den Arbeitslosen und den Pennern und den auf Bewährung Entlassenen. Und sie alle wiegten sich unbefangen Schulter an Schulter, meist mit hoch erhobenen Händen, und sonnten sich in den Gefühlen, die von fünfundachtzig Dezibel aufwändig produzierter, radiotauglicher Lobpreis-Rockmusik hervorgerufen wurden. 20


Gerettet

Manchmal schloss Larry die Augen, ließ sich von der Musik überrollen und versuchte, sich Jesus bei einem ihrer Gottesdienste vorzustellen. Hätte er diese Art von Musik genossen? „Sicher. Warum nicht?“, dachte Larry. „Jesus ist cool …“ Gelegentlich, während der Lobpreiszeiten, wenn die Tonart wechselte und I could sing of your love forever in einen höheren Gang schaltete, oder wenn dieser einzelne Trommelschlag die langsamen „Alleluias“ von Agnus Dei in einen sich erhebenden Übergang hineinsprengte, konnte Larry den Geist Gottes so mächtig spüren, dass er überwältigt war, weinte und gegen das Drängen ankämpfte, aus dem Gottesdienstraum zu laufen. Er war sich sicher, dass Gott diese sich auflösende Harmonie, diese elektronische Verzerrung und diesen Widerhall ebenso erschaffen hatte, wie die Bäume und Sonnenuntergänge. Er hatte all diese Dinge gemacht, damit die Herzen der Menschen im Einklang mit seinen innersten Gefühlen schlagen konnten. Die dritte Strophe endete mit einem lang gezogenen Akkord von der Les-Paul-Gitarre und einem sich ausbreitenden, ekstatischen Applaus. Larry verspürte immer eine herbe Enttäuschung am Ende der Lobpreiszeit. Jetzt wurde eine zehn Meter breite Projektor-Leinwand aus einem verborgenen Schlitz in der Decke summend heruntergelassen. Die Leinwand war bereits halb unten, bevor die meisten der Anbeter, die immer noch ganz im Nachglühen des letzten Liedes gefangen waren, überhaupt bemerkten, dass der Bogen der Vorbühne mit seinen bernsteinfarben beleuchteten Aufhängungen aus Jeansstoff und Krepppapier-Dekoration bereits geräumt war. „Nun mach schon …“ Larry Collins drängte flüsternd die Leinwand. Die stille Pause, die entstand, bis sie vollständig herabgelassen war, hatte sich viel zu lange hingezogen. Er vergaß niemals, dass die heutigen Gemeinden, durchs Fernsehen verwöhnt und jedem Leerlauf abgeneigt, keine langen Verzögerungen duldeten. Endlich war die Leinwand unten und augenblicklich erfüllte ein riesiges, dynamisches Gesicht jeden Zentimeter der Leinwand. 21


John Bevere

„Hallo, alle zusammen! Guten Morgen aus Barbados!“, grüßte eine vertraute Stimme durch die Lautsprecher. Das gebräunte Gesicht des Mannes erschien größer als das eines Filmstars und war so ausdrucksvoll wie immer. „Guten Morgen!“, erwiderten die Zuschauer in perfektem Einklang. „Tut mir Leid, ich kann euch von hier drüben gar nicht hören! Euch ist wohl der Kaffee ausgegangen oder ihr seid noch ein wenig untertourig. Ich sagte guten Morgen!“ „Guten Morgen!“, rief die Menge, diesmal lauter. „Viel besser“, sagte der Mann auf der Leinwand. „Für diejenigen, die neu dabei sind, ich bin Alan Rockaway, der Hauptpastor der Summit Chapel. Ich spreche zu euch hier live von unserer ersten jährlichen Summit-Chapel-Kreuzfahrt für Ehepaare und ich kann euch sagen, es war ein Segen bisher. Dabei spreche ich nicht nur von dem wundervollen Kreuzfahrtschiff oder der schönen karibischen Umgebung; ich spreche von den unglaublichen Lektionen, die wir gemeinsam ausgepackt haben, davon, wie wir unsere Ehen stärken und vertiefen und zurück zu den Prioritäten kehren können, die uns in unserem geschäftigen Leben oft abhanden kommen.“ Jetzt war Larry an der Reihe, ins Rampenlicht zu treten. Er schaltete sein Funkmikrofon an und begann, so gelassen wie möglich den Mittelgang hinunterzubummeln. Bleib locker. Vergiss nicht die tiefere Stimmlage … „Also, Alan“, er sprach ins Mikrofon und ging zu seinem vorbereiteten Manuskript über. „Komm schon. Du erzählst uns hier, dass du auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik bist und deine Zeit in irgendeinem Raum verbringst und zuhörst, wie jemand lehrt?“ Auf der Leinwand sah man, wie Alan eine kleine Hörkapsel andrückte und auf das Stichwort hin lachte. „Ich weiß, was du meinst, Larry! Das klingt unwahrscheinlich, ich weiß. Aber wenn du die Weisheit und den lebensverändernden Rat, den wir aus Gottes Wort ausgraben, hören würdest, könntest du das verstehen. Dr. Meltz vom North Central Seminar ist einer der besten 22


Gerettet

Experten unseres Landes zu dem Thema, wie man eine Ehe neu belebt. Sein Seminar zum Thema ‚Entfache das Feuer’ hat bislang eine Viertelmillion Ehen in der ganzen Welt wieder aufgeladen und ich kann euch sagen, er kann noch fünfundsiebzig weitere seiner Liste hinzufügen!“ „Aber danach solltet ihr doch lieber all die Dinge genießen, die so ein Kreuzfahrtschiff zu bieten hat.“ „Darauf kannst du wetten! Außer einem Ehepaar, das ich nicht erwähnen möchte, das so … angeheizt wurde, dass es geradewegs zurück in seine Kabine gelaufen ist und seither nicht wieder gesehen wurde.“ Gelächter ging durchs Publikum. „Na gut, Alan“, fuhr Larry kopfschüttelnd fort. „Vielleicht heben wir uns das für einen anderen Gottesdienst auf.“ „Ja genau!“, sagte Alan. „Wohl der erste Gottesdienst der Welt, der nur für Erwachsene ist!“ „Weiter im Text“, sagte Larry scherzhaft, während er auf die Gesichter um ihn herum blickte und sich fragte, ob der Ablauf zu deutlich war. „Was habt ihr denn jetzt noch vor? Sieht nicht aus, als ob du an Bord des Schiffes wärst.“ „Gut, dass du fragst, Larry. Wir sind gerade dabei, einen der interessantesten Abstecher der ganzen Kreuzfahrt zu machen. Wir wollen jetzt in ein U-Boot klettern, das speziell für Touristen gebaut wurde, und eine 90-minütige Tauchfahrt machen, um eine Kostprobe der schönsten Unterwasser-Sehenswürdigkeiten von Barbados zu bekommen. Unsere Fahrgelegenheit ist schon hier. Jeff, würdest du einen Moment herüberschwenken?“ Das Bild auf der Leinwand wechselte von Alans übergroßem Gesicht zu den grünlich-blauen tropischen Gewässern. Dort erschien das unverkennbare Profil eines ausgefahrenen Kommandoturmes, der die türkisblaue Oberfläche aufwühlte und blassen Schaum aufwirbelte.

23


John Bevere

Unterhalb davon schwamm der glänzende Rücken eines zwölf Meter langen Tauchbootes.

24


Copyright © 2006 by John Bevere Originally published in English under the title Rescued by John Bevere Bethany House Publishers 11400 Hampshire Avenue South Bloomington, Minnesota 55438 USA All rights reserved. Alle Rechte der deutschen Ausgabe, © 2007, bei:

Adullam Verlag St.-Ulrich-Platz 8 85630 Grasbrunn Tel 089/468801 www.adullam.de ISBN 978-3-931484-79-8


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
129479 by Fontis-Shop - Issuu