Gottes Gener채le Warum sie Erfolg hatten und warum einige scheiterten
Roberts Liardon
Kommentare Der Leib Christi heute hat seine Stärke nicht dem Zufall zu verdanken. Natürlich ist diese Kraft auf den Heiligen Geist zurückzuführen, doch der Heilige Geist salbt nur treue und demütige Diener, um seine Pläne und Absichten auszuführen. Roberts Liardon hat mit dem vorliegenden Buch, das neue Einblicke in das Leben einiger der größten Glaubenshelden gewährt, eine meisterhafte Arbeit geleistet. Gottes Generäle wird dich ermutigen und darin bestärken, den Plan, den Gott für dein Leben hat, umzusetzen. Dr. C. Peter Wagner Autor und Professor für Gemeindewachstum, Fuller Theological Seminary, Pasadena (Kalifornien) Ein Projekt, das die Geschichten der großen Pfingstprediger des 20. Jahrhunderts in einem Buch zusammenfasst, war schon lange überfällig, und ich bin davon überzeugt, dass dieses Buch sehr viel Anklang finden wird. Ich bin glücklich, dass auch meine Mutter,Aimee Semple McPherson, unter die Generäle Gottes eingereiht wurde, denn sie hat als Pionierin an vorderster Front dem größten aller Generäle von ganzem Herzen gedient, ihrem Herrn Jesus Christus. Und ich schätze die Ehre und Anerkennung, die ihr dieses Buch zukommen lässt. Rolf K. McPherson Präsident der International Church of the Foursquare Gospel, Los Angeles (Kalifornien) Bevor Roberts Liardon auf der Bildfläche erschienen war, hatten hier nur sehr wenige Menschen von John Alexander Dowie, Maria Woodworth-Etter, Jack Coe und all den anderen gehört. Roberts’ Lehre hat die jungen Gemeinden in Asien grundlegend beeinflusst. Die Lektionen, die wir von den großen Erweckungspredigern des 20. Jahrhunderts lernen können – was zu ihren Erfolgen und zu ihrem Versagen führte –, sind notwendig, um eine erwachende Generation auf höhere geistliche Ebenen zu erheben, während wir in ein neues Jahrtausend eintreten. Hee Kong Pastor der City Harvest Church und Präsident des City Harvest Training Centre, Singapur Ich kenne Roberts Liardon, seit er ein Teenager war. Ich lernte ihn kennen, als er Nachforschungen über meinen Vater, Jack Coe sen., anstellte, der einer der zwölf Generäle ist, die in diesem Buch vorgestellt werden. Damals war ich sehr beeindruckt, mit welchem Fleiß und welcher Sorgfalt Roberts sich ans Werk machte, und ich freue mich heute über die Frucht, die aus seinem Leben und seinem Dienst hervorgegangen ist. Ich empfehle dieses Buch nicht nur wegen seines historischen Wertes, sondern, weil es einen Eindruck vermittelt, welchen Preis es erfordert, ein Träger der Kraft Gottes zu sein. Jack Coe jun. Internationaler Evangelist und Präsident des Christian Fellowship, Dallas (Texas)
2
GOTTES GENERÄLE Roberts Liardon ist einer der führenden Experten Amerikas im Bereich der durchschlagenden Heilungsdienste des 19. und 20. Jahrhunderts. Nachdem er fast zwei Jahrzehnte damit zugebracht hat, das Leben der bedeutendsten geistlichen Leiter zu studieren und nachzuverfolgen, von denen jedes einzelne von Zeichen und Wundern geprägt war, kann Liardon heute dieses prachtvolle und inspirierende Panorama ihrer Dienste präsentieren. Dieses Buch ist das erste umfassende Werk, das auf einen Blick einen tiefgründigen Eindruck von diesen Größen des Glaubens vermittelt. Das ist Gemeindegeschichte in Vollendung! Paul G. Chappell. Ph. D. Direktor der Graduate School of Theology, Oral Roberts University, Tulsa (Oklahoma) Gottes Pioniere sind sehr kontroverse Charaktere. Oftmals haben sie Dinge falsch verstanden, vielleicht deshalb, weil wenige oder keiner vor ihnen je diesen Weg gegangen ist. Roberts Liardon hat eine hervorragende Arbeit geleistet, um das vorliegende, sorgfältig recherchierte Informationsmaterial über die Generäle Gottes, die Pioniere der charismatischen und der Pfingstbewegung, bereitstellen zu können. Dieses Buch wird deinen Glauben anregen, und ganz nebenbei wirst du bei der Lektüre einige Lektionen lernen. Gerald Coates Pioneer International Wir müssen unser pfingstliches Erbe neu entdecken.Wenn wir danach streben, uns mitten in den „pfingstlichen“ Strom hineinzubegeben, der von der Zeit des Neuen Testaments bis in die Erweckungen dieses Jahrhunderts hineinfließt, werden wir erleben, wie Gott unser ganzes Potenzial, das wir in ihm besitzen, hervorbringt. Roberts Liardon hat erkannt, wie bedeutsam es ist, die zu ehren, die uns vorausgegangen sind, von ihren Fehlern zu lernen und uns durch ihre Berichte ermutigen zu lassen. Ich habe gehört, wie Pastor Roberts das Material für dieses Buch vorgestellt hat, und weiß, dass all die Jahre, in denen er das Leben dieser großen Männer und Frauen Gottes studiert hat, dazu geführt haben, dass wir heute eine derartige Quelle der Ermutigung, der Auferbauung und der Lehre für diese Generation in Händen halten können. Diesem Buch lasse ich meine höchste Empfehlung zukommen, denn ich bin davon überzeugt, dass es das Leben vieler Menschen verändern wird und uns ein Element der Kraft, die an Pfingsten ausgegossen wurde, mit dem viele noch nicht vertraut sind, wieder neu bekannt macht. Colin Dye B. D. Pastor des Kensington Temple, London (England)
3
Inhaltsverzeichnis Vorwort .................................................................................................................. 11 Einleitung ................................................................................................................ 13 Anerkennungen ...................................................................................................... 15 Einführung .............................................................................................................. 17 1
John Alexander Dowie „Apostel der Heilung“ .............................................................................. 19
2
Maria Woodworth-Etter „Beweisführerin des Geistes“ .................................................................. 45
3
Evan Roberts „Der walisische Erweckungsprediger“ ..................................................... 77
4
Charles F. Parham „Der Vater der Pfingsterweckung“ ......................................................... 107
5
William J. Seymour „Der Katalysator der Pfingsterweckung“ .............................................. 135
6
John G. Lake „Ein Mann der Heilung“ ...................................................................... 165
7
Smith Wigglesworth „Apostel des Glaubens“ ......................................................................... 193
8
Aimee Semple McPherson „Eine Frau mit Bestimmung“ ................................................................ 225
9
Kathryn Kuhlman „Die Frau, die an Wunder glaubte“ ........................................................ 265
10
William Branham „Ein Mann, der bemerkenswerte Zeichen und Wunder tat“ ................. 303
11
Jack Coe „Ein Mann mit unverschämtem Glauben“ ........................................... 341
12
A. A. Allen „Der Mann der Wunder“ ........................................................................ 373
4
Vorwort Ich möchte meinem lieben Freund und Partner im Dienst, Roberts Liardon, meine Empfehlung für seinen Beitrag zukommen lassen, durch den er die Geschichte der großartigen Bewegung bekannt gemacht hat, die Gott durch den Dienst seiner wahren Generäle in Gang gesetzt hat. Dieses Buch offenbart sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen. Es ist offensichtlich, dass hier nicht nur ein Mensch, sondern der Heilige Geist des lebendigen Gottes am Werk war. Er zeigt auf, dass es nicht darauf ankommt, was wir sind oder welche Fähigkeiten wir besitzen, die Gott benützen könnte, sondern vielmehr darauf, was er aus uns machen kann! Während du dieses inspirierende Buch liest, wird dir bewusst werden, dass der Gott des Elia auch unser Gott ist – ebenso wie er auch der Gott seiner Generäle in der Vergangenheit war. Nimm also jetzt deine Bibel zur Hand und lies Hebräer 11, 1–12, 2, bevor du diese historische Reise antrittst, und du wirst erkennen, dass „alle Wahrheit parallel verläuft“. Gott hatte zu jeder Zeit seine Generäle – „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte“ (Mt. 22, 14). Diese Wahrheit möchte Gott uns ins Gedächtnis rufen, während wir beobachten, wie viele neue Generäle sich heute aufs Schlachtfeld begeben. Lasst uns deshalb immer auf „Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens“ (Hebr. 12, 2) blicken. Dieses literarische Werk hat das Potenzial, ein geistlicher Klassiker zu werden. Es legt mit aller Deutlichkeit dar, dass selbst die unscheinbarste, unbedeutendste Person von Gott gebraucht werden kann. Roberts’Anmerkungen sind überzeugend und praktisch und sie werden eine große Zuversicht in dir wecken, dass du erfolgreich sein wirst. Die Generäle Gottes waren Diamanten im Rohzustand – nach menschlichen Maßstäben meist ungebildet, keine Intellektuellen –, und doch waren sie Werkzeuge, die Gottes Aufmerksamkeit erweckten und die die einzigartigen Charaktermerkmale besaßen, die er benutzen konnte, wenn sie sich in ihre Berufung fügten. Wirst auch du deinem Ruf treu sein? Dr. Morris Cerullo Präsident von Morris Cerullo World Evangelism San Diego (Kalifornien)
5
Einleitung Roberts hatte schon immer ein großes Verlangen, die Berufung der großen Frauen und Männer Gottes zu verstehen.Als seine Mutter habe ich beobachtet, wie sich seine geistliche Wissbegier auf zweierlei Weise entwickelte. Zum einen wurde Roberts’ Interesse schon im Kindesalter geweckt, weil meine Mutter ihm viele Geschichten über namhafte Diener Gottes und deren Zeltevangelisationen erzählte, an denen sie selbst teilgenommen hatte. Ihre Berichte waren lebendig und farbenprächtig, und mit fast jeder ihrer Geschichten verband sie eine passende Predigt. Den zweiten Anstoß erhielt Roberts, als er zwölf Jahre alt war. Damals hatte er eine Begegnung mit dem Herrn, der ihn aufforderte, das Leben der großen Männer und Frauen Gottes zu studieren. Der Herr wies Roberts darauf hin, dass dieses intensive Studium einen wesentlichen Teil seiner Vorbereitung auf den Dienst ausmachen würde. Unmittelbar nach diesem Erlebnis begann Roberts, sich mit diesem Auftrag zu befassen. In unserem Haus hatte schon immer eine Atmosphäre geherrscht, die das Lernen begünstigte. Ich selbst habe viele Jahre lang eine Ausbildung gemacht, während die Kinder heranwuchsen, und ich besaß eine reichhaltige Auswahl an Literatur. Der Einfluss meiner Mutter einerseits und mein Lerneifer andererseits scheinen Roberts mitgegeben zu haben, was er damals benötigte. Ich kann mich noch gut an die Abende erinnern, an denen wir gemeinsam am Tisch saßen, Bücher wälzten und die wichtigsten Dinge unterstrichen. Roberts vertiefte sich in jedes Buch über eine der Bewegungen Gottes, das er finden konnte. Wenn er dabei auf einen Namen stieß, unternahm er jede Anstrengung, um so viel wie möglich über diese Person herauszufinden. Und wenn er erfuhr, dass die betreffende Person bereits gestorben war, machte er die nächsten noch lebenden Verwandten oder enge Freunde ausfindig. Es war offensichtlich, dass Gott mit Roberts war. Er bekam stets die Möglichkeit, diese Personen zu interviewen, und es schien geradezu unvermeidlich zu sein, dass sich aus diesen Gesprächen persönliche Beziehungen entwickelten. Diese Menschen gaben Roberts alles, worum er sie bat, ob es sich um Gegenstände, Bilder oder Bücher handelte. Niemand hatte irgendwelche Befürchtungen oder stellte Roberts’ Beweggründe in Frage. Ich kann mich noch besonders gut an einen Vorfall erinnern, der sich ereignete, während Roberts die Junior High School besuchte. Ich kam gerade von der Arbeit nach Hause, als ich erfuhr, dass Roberts mit einigen Leuten in Übersee in Kontakt gekommen war, die ihn bei seinen Nachforschungen über Erweckungsprediger und Reformatoren wie Evan Roberts und John Wesley unterstützen wollten. Je mehr er
6
GOTTES GENERÄLE recherchierte, desto mehr Türen öffneten sich vor ihm. Er war Gott gehorsam, und deshalb konnten diese Türen nicht verschlossen bleiben.Als andere, die dasselbe Ziel wie Roberts verfolgten, hörten, wie viel Material er sammeln konnte, fragten sie: „Wie bist du an diese Unterlagen gekommen?“ Roberts’ einfache Antwort lautete: „Ich habe einfach danach gefragt.“ Während der Jahre, in denen Roberts sich mit dem Leben der Generäle Gottes befasste, war ich Studentin und Mitarbeiterin an der Oral Roberts University. Roberts verbrachte dort sehr viel Zeit damit, das im Holy Spirit Research Center vorhandene Informationsmaterial zu studieren. Insgesamt arbeitete er dort zwei Jahre im Sommer, in denen er als freiwilliger Helfer zur Verfügung stand, wann immer er gebraucht wurde. Als das ORU-Team entdeckte, wie viel Stoff Roberts selbst zusammengetragen hatte, waren sie äußerst erstaunt, und sie machten ihm ein Kaufangebot. Roberts zog diesen Gedanken in Betracht, doch ich hielt ihn entschieden davon ab. Heute befindet sich das gesamte Material in der Reformatoren- und Erweckungspredigerabteilung seiner Bibelschulbibliothek. Roberts’ Verlangen, das Leben dieser Männer und Frauen zu erforschen und zu verstehen, war ebenso aufrichtig wie intensiv. Seine Nachforschungen waren abgeschlossen, als er mit sechzehn Jahren hinter das Predigerpult trat. Er hatte seinen göttlichen Auftrag termingerecht ausgeführt. Er hatte keine entsprechende Ausbildung, keine Beziehungen und keine Erfahrung. Er war einfach nur Gott gehorsam. Er verfolgte treu die Ziele, die Gott ihm gesteckt hatte, und diese Treue entwickelte sich schließlich zu einer Berufung auf internationaler Ebene. Dies ist für mich ein überwältigendes Zeugnis für einen jungen Mann, der den göttlichen Zeitplan für sein Leben nicht nur erkannt, sondern auch vollständig befolgt hat. Roberts wird sich vermutlich auch in Zukunft mit dem Leben der Generäle Gottes befassen, denn dieser Auftrag ist immer noch ein Teil seiner Berufung. Heute hat sein Dienst eine Nachforschungsabteilung, die dafür verantwortlich ist, die Recherchen fortzusetzen, die Roberts aus den Händen geben musste, um seine Berufung, die Nationen auf die Rückkehr des Herrn vorzubereiten, zu erfüllen. Carol M. Liardon, B.S., M.L.S. Vizepräsidentin von Roberts Liardon Ministries Irvine (Kalifornien)
7
Einführung Kurz vor meinem zwölften Geburtstag erschien mir der Herr in einer Vision. Bei dieser Begegnung trug er mir auf, das Leben der großen Prediger zu studieren, um sowohl von ihren Erfolgen als auch von ihren Fehlern zu lernen.Von diesem Tag an investierte ich einen erheblichen Teil meines Lebens in das Studium der Kirchengeschichte. Immer wenn in der Welt eine berühmte Persönlichkeit stirbt, werden deren natürliche Errungenschaften und besonderen Leistungen noch einmal beleuchtet. Ich glaube, Jesus möchte, dass wir, wenn ein Gläubiger, der eine leitende Position in der Gemeinde hatte, stirbt, nicht nur dessen gedenken, was er durch sein Leben im natürlichen Bereich erreicht hat, sondern auch seiner Erfolge innerhalb des Leibes Christi. Der Grund für diesen Rückblick besteht nicht darin, die betreffende Person zu ehren oder zu verunglimpfen, sondern darin, uns an ihr ein Beispiel für unser eigenes Leben zu nehmen. Die „Generäle“, über die dieses Buch berichtet, waren Menschen. Ihre Biografien spiegeln die Vielfalt wider, in der sich uns das Leben präsentiert. Ich habe keinen von ihnen zu einem Helden oder Übermenschen gemacht, sondern habe von ihren Tränen, ihrem Lachen, ihren Erfolgen und ihren Fehlern berichtet. Sie alle wurden verfolgt, belogen, verraten, verleumdet, aber auch geehrt, bewundert und unterstützt. Doch vor allen Dingen habe ich mich darum bemüht, das Geheimnis ihrer Kraft, in der sie entsprechend ihrer persönlichen Berufung dienten, aufzudecken – wie sie wirkten, was sie glaubten und was sie bewegte, ihre Generation für Gott zu beeinflussen. Dieselben Fehler, die diese großartigen Männer und Frauen begingen, können sich heute jederzeit wiederholen. Doch ebenso sollten uns ihre Erfolge herausfordern, denn auch sie können in unseren Tagen erneut erzielt werden. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Und wenn dir trotzdem etwas neuartig erscheint, ist der Grund dafür, dass DU neu unter der Sonne bist. Um den Willen Gottes auszuführen, reicht die bloße Bereitwilligkeit nicht aus. Dazu benötigt man geistliche Stärke. Erlaube dem Geist Gottes, während du die nachfolgenden Kapitel liest, dich auf eine Reise mitzunehmen, auf der dir die Bereiche deines Lebens aufgezeigt werden, mit denen du dich auseinander setzen, in denen du die Herrschaft ergreifen musst. Entschließe dich dann, dass dein Leben und dein Dienst in dieser Generation geistlich gesehen erfolgreich sein und die Nationen der Erde zur Ehre Gottes segnen werden. Roberts Liardon
8
KAPITEL 1
John Alexander Dowie
„Apostel der Heilung“
„APOSTEL DER HEILUNG“
W „,
ird er es wagen, um Regen zu bitten? … Wenn er es tut und es nicht regnet, dann ist er nicht Elia. Wenn er es nicht tut, dann hat er Angst – und das wäre beinahe noch schlimmer.
„Schließlich fiel der Prediger hinter der Kanzel auf die Knie. Noch nie hatten die Anwesenden seinem Gebet aufmerksamer zugehört. ,Gott, unser Vater, wir haben die Not dieses Landes gesehen … erweise ihm jetzt deine Barmherzigkeit und sende Regen …‘“ „Plötzlich hielt der Generalaufseher inne und sagte: ,Geht schnell nach Hause, denn es hört sich nach einem gewaltigen Regenschauer an.‘ Doch seine Aufforderung kam zu spät. Noch bevor die Menschenmenge aufbrechen konnte, ergoss sich der Regen in wahren Sturzbächen vom Himmel.“1
Heute ist nur noch wenigen der faszinierende und dramatische Dienst des John Alexander Dowie bekannt. Dieser Mann hat es zweifellos geschafft, in der Zeit um die Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert die Welt zu erschüttern. Ihm war es gelungen, die Gemeinde des lebendigen Gottes unübersehbar in den Blickpunkt der Gesellschaft zu rücken – in erster Linie im Hinblick auf den Bereich der göttlichen Heilung und der Buße. Ganz gleich, ob man mit Dr. Dowie übereinstimmen mag oder nicht, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass seine unglaubliche Lebensgeschichte von unerschütterlichem Glauben und einer starken Vision bestimmt war. Die Zahl der Menschen, die sich nachweislich durch Dowie bekehrten, übersteigt etliche Millionen. Obwohl sein Dienst tragisch endete, gab es kaum eine Missionsarbeit, die kraftvoller und lebendiger war als die von John Alexander Dowie. Sein apostolischer Dienst hatte weltweite Auswirkungen. Von Osten bis Westen forderte er die in seiner Zeit weitläufig vorherrschende Ungläubigkeit und Passivität heraus und besiegte sie, indem er offensichtlich unter Beweis stellte, dass Jesus gestern, heute und in Ewigkeit derselbe ist. Einer heuchlerischen, feindlich gesinnten Geistlichkeit, einer unerbittlichen und verleumderischen Boulevardpresse, einer Mafia, die ihm nach dem Leben trachtete, und unnachgiebigen Stadtverwaltern zum Trotz, trug Dr. Dowie seine apostolische Berufung wie eine göttliche Krone, und die Angriffe, die auf ihn erfolgten, betrachtete er als eine Auszeichnung.
AUSSERGEWÖHNLICH John Alexander Dowie kam am 25. Mai 1847 in Edinburg (Schottland) zur Welt. Seine christlichen Eltern, Herr und Frau John Murray Dowie, bedachten ihren Sprössling mit dem Namen, von dem sie hofften, dass er ihm eines Tages Ehre machen würde: „John“, was „durch die Gnade Gottes“ bedeutet, und „Alexander“, „ein Helfer der Menschen“.
10
GOTTES GENERÄLE Man musste mit den Augen des Glaubens über die ärmlichen Verhältnisse hinwegblicken, in die er hineingeboren wurde, um erkennen zu können, was die Zukunft für diesen kleinen Jungen bereithielt. Obwohl sein Schulbesuch aufgrund häufiger Krankheiten sehr unregelmäßig war, bewies der junge Dowie Intelligenz und viel Begeisterung. Seine Eltern schulten ihn und halfen ihm, weil sie mit großer Zuversicht auf seine Berufung blickten. Der junge Dowie nahm mit regem Interesse an ihren Gebetsversammlungen und Bibelstudien teil. Sie bezogen ihn stets in ihren Dienst mit ein und liebten ihn von Herzen. Durch diese Sicherheit aus dem Elternhaus entstand eine solide Grundlage im frühen Kindesalter. Schon im Alter von sechs Jahren las der junge Dowie die Bibel von A bis Z. Tief berührt von den Wahrheiten, die er gelesen hatte, entwickelte er einen glühenden Hass gegen den Konsum von alkoholischen Getränken. Zu jener Zeit entstand in Schottland eine Temperenzbewegung, und ohne sich der Hand Gottes auf seinem Leben bewusst zu sein, setzte sich Dowie in dieser Bewegung gegen Alkoholmissbrauch ein. Er unterzeichnete sogar eine Erklärung, in der er sich festlegte, niemals einen Tropfen anzurühren. Dowie las auch weiterhin die Bibel und begleitete seinen Vater so oft wie möglich auf dessen „Predigtreisen“. Bei einer solchen Gelegenheit traf John schließlich einen Straßenprediger namens Henry Wright.Als der junge Dowie das Evangelium in allen Einzelheiten hörte, übergab er Jesus Christus sein Leben. Als John sieben Jahre alt war, wurde er von Gott zum Dienst berufen. Allerdings wusste er zum damaligen Zeitpunkt noch nicht, wie er auf diesen göttlichen Ruf reagieren sollte. Dowie war dreizehn, als er und seine Eltern Schottland verließen, um für sechs Monate nach Australien zu gehen. Nachdem sie sich mit den neuen Verhältnissen vertraut gemacht hatten, arbeitete John im Schuhgeschäft seines Onkels mit, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nach kurzer Zeit kündigte er jedoch bei seinem Onkel und nahm verschiedene andere Stellen, immer in untergeordneter Position, an. Doch selbst unter diesen Umständen erkannten seine Arbeitskollegen, dass er ein „außergewöhnlicher“ junger Geschäftsmann war. Bald wurde Dowie der Assistent eines Fabrikanten, dessen Firma über zwei Millionen Dollar im Jahr umsetzte. In jenen Jahren, in denen John die Karriereleiter emporkletterte, sprach Gott immer wieder zu ihm, und in seinem Herzen fühlte er sich unablässig zum vollzeitlichen Dienst hingezogen. Er erkannte, dass viele biblische Wahrheiten von den Geistlichen der damaligen Zeit verleugnet wurden. Eine dieser Lehren – göttliche Heilung – hatte er sprichwörtlich am eigenen Leib erfahren. Dowie war als Kind sehr kränklich, er litt an chronischer Dyspepsie, einer ernsthaften Verdauungsstörung, die ihn im Teenageralter quälte. Doch nachdem er den Willen Gottes gelesen hatte, was Heilung anbelangt, forderte Dowie diese vom Herrn, und er wurde „vollständig von seinem Leiden geheilt“.2 Diese göttliche Manifestation war nur ein Bruchteil der Offenbarung, die er in seinem weiteren Leben noch empfangen sollte.
11
KAPITEL 2
Maria WoodworthEtter
„Beweisführerin des Geistes“
„BEWEISFÜHRERIN DES GEISTES“ er Herr hat mir den speziellen Auftrag gegeben, den Geist der Einheit und der Liebe zu vermitteln … Gott rüstet sich in jedem Land ein Volk zu, das sich mehr nach ihm ausstreckt und sagt: ,Komm und hilf uns. „ Wir sehnen uns nach dem Geist der Liebe. Wir wollen die Zeichen und Wunder sehen.‘“1
D
Seit der Zeit der Apostelgeschichte hat es in der Geschichte der Pfingstbewegung keine größere Beweisführerin des Heiligen Geistes gegeben als Maria WoodworthEtter. Sie war eine unglaubliche Frau mit Vision und geistlicher Stärke, die selbst angesichts der härtesten Widerstände ihre winzige Hand erhob und dem Heiligen Geist erlaubte, sein Feuer zu verbreiten. Schwester Etter lebte im Bereich des Geistes; sie war ein mächtiges Werkzeug unter Gottes Führung, durch das er seine übernatürlichen Gaben freisetzen konnte. Sie war ein treuer Freund des Himmels und sie hatte sich entschieden, ihr irdisches Ansehen zugunsten eines himmlischen Rufs aufzugeben. Maria kam 1844 auf einer Farm in Lisbon (Ohio) zur Welt. Sie wurde zu Beginn der dritten großen Erweckung in Amerika von Neuem geboren, damals war sie 13 Jahre alt. Der Prediger, der sie zum Herrn führte, betete, ihr Leben „möge ein strahlendes Licht sein“.2 Doch er konnte nicht ahnen, dass dieses kleine Mädchen, für das er gerade gebetet hatte, die Großmutter der Pfingstbewegung werden würde, die sich später über die ganze Welt ausbreitete. Maria erkannte den Ruf Gottes sofort und weihte ihr Leben dem Herrn. Über ihre Berufung schrieb sie später: „Ich hörte die Stimme Jesu, der mich aufforderte, hinaus auf die Straßen und an die Zäune zu gehen, um die verlorenen Schafe einzusammeln.“3 Doch etwas hielt sie zurück – sie war eine Frau –, und zu jener Zeit war es Frauen nicht erlaubt, zu predigen. Mitte des 19. Jahrhunderts waren Frauen nicht einmal wahlberechtigt. Damals hätte eine Frau, die als Predigerin hätte auftreten wollen, weit mehr als nur Stirnrunzeln ausgelöst; und eine alleinstehende Frau im Dienst war einfach undenkbar. Maria dachte zunächst über das, was der Herr ihr gesagt hatte, nach, und kam dann zu dem Schluss, dass sie einen Missionar heiraten müsste, um ihre Berufung erfüllen zu können. Sie plante, ihre Ausbildung fortzusetzen und dann eine anerkannte Universität zu besuchen, um sich entsprechend vorzubereiten. Doch über ihre eng verbundene Familie brach ein schweres Unglück herein. Ihr Vater starb, während er draußen auf dem Feld arbeitete. Maria reiste sofort nach Hause, um ihre Familie zu unterstützen. Die Ausbildung, die sie angestrebt hatte, war
13
GOTTES GENERÄLE nun nicht mehr möglich, also richtete Maria ihr Augenmerk darauf, ein „normales“ Leben als Christ zu führen.
„ENGEL KAMEN IN MEIN ZIMMER …“ Während des Bürgerkrieges lernte Maria einen Mann namens P. H.Woodworth kennen, der wegen einer Kopfverletzung aus der Armee entlassen und nach Hause geschickt worden war. Sie erlebte eine stürmische Verlobungszeit mit dem ehemaligen Soldaten und nach kurzer Zeit heiratete sie ihn. Die beiden bewirtschafteten eine Farm, doch all die Mühe, die sie investierten, war vergeblich und der Ertrag gering. Es schien, als ob alles misslang. Über die Jahre wurde Maria Mutter von sechs Kindern. Während sie versuchte, ein normales Familienleben zu führen, sprach der Herr immer wieder zu ihr. Doch Maria, in ihrer Rolle als Frau und Mutter stark gefordert, konnte nicht auf den Ruf eingehen. Sie war mit einem Mann verheiratet, der kein Interesse an vollzeitlichem Dienst hatte, musste sechs Kinder großziehen und war oft krank. Unerwartet erlitt die Familie einen grausamen Schicksalsschlag. Fünf ihrer Kinder wurden krank und starben. Maria gelang es, sich nach dieser Tragödie wieder zu fangen, doch ihr Mann kam nicht über den Verlust hinweg. Maria tat ihr Bestes, um ihm zu helfen, während sie die einzige Tochter, die überlebt hatte, weiter erzog. Inmitten all dieser Umstände hegte sie niemals Groll gegen Gott, es kam ihr auch niemals in den Sinn, wegen dieses schmerzhaften Verlustes ihr Herz vor ihm zu verschließen. Dennoch benötigte Maria Antworten und Befreiung von dem tiefen Schmerz, den sie in ihrem Herzen empfand. Sie weigerte sich, aufzugeben, und begann, im Wort Gottes nachzuforschen.Während sie es las, entdeckte sie zahlreiche Berichte in der Bibel, die keinen Zweifel daran ließen, dass auch Frauen von Gott gebraucht worden waren. Sie las, dass der Prophet Joel geweissagt hatte, Gott würde seinen Geist auf Männer UND Frauen ausgießen. Immer wieder schaute sie dann zum Himmel hinauf und sagte: „Herr, ich kann nicht predigen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, und ich bin ungebildet.“ Sie vertiefte sich weiterhin ins Wort Gottes und empfing Wahrheiten, während sie immer noch mit ihrer göttlichen Berufung kämpfte. Später schrieb sie: „Je mehr ich nachforschte, desto mehr fühlte ich mich überführt.“4 Eines Tages erlebte Maria eine überwältigende Vision. Engel kamen in ihr Zimmer und nahmen sie auf eine Reise in den Westen mit. Sie brachten sie über die Prärien, über die Seen und Flüsse und über die Wälder hinweg zu einem riesigen goldgelben Kornfeld. Maria begann, zu predigen, und das Korn fiel bündelweise vor ihr zu Boden. Jesus sagte zu ihr, dass „so wie das Korn gefallen war, die Menschen fallen werden“, wenn sie predigte.5 Schließlich erkannte Maria, dass sie niemals glücklich sein würde, wenn sie sich nicht ihrer Berufung hingäbe.Als Antwort auf diese Vision sagte sie demütig „Ja“ zu seinem Ruf und bat ihn, sie mit großer Kraft zu salben.
14
KAPITEL 3
Evan Roberts
„Der walisische Erweckungsprediger“
„DER WALISISCHE ERWECKUNGSPREDIGER“
FF
ür mein Empfinden ist die Geschichte des jungen Erweckungspredigers aus Wales, Evan Roberts, die traurigste, die ich im Verlauf meines Studiums der Generäle Gottes recherchiert habe. Diesem jungen Prediger aus den Kohlenminen von Südwales ist ein beträchtlicher Teil der weltweiten Erweckung zuzuschreiben. Doch aufgrund mangelnder Erfahrung, begrenzter Offenbarungserkenntnis und dämonischer Kontrolle wurde sein erstaunlicher Dienst viel zu früh abgebrochen. Bevor wir jedoch sein Leben erforschen, möchte ich ganz deutlich klarstellen, dass die in diesem Zusammenhang genannten Wahrheiten nicht als Kritik zu verstehen sind. Die Lektionen, die ich herausstellen werde, sollen dazu dienen, unsere Generation zu lehren, ihr Herz zu bewahren, in der Salbung zu leben und in der Hitze des Erweckungsfeuers erfolgreich durchzuhalten.
WAHRHEITEN UNTER KOHLENSTAUB Evan John Roberts kam am 8. Juni 1878 im streng calvinistisch-methodistischen Haus seiner Eltern, Henry und Hannah Roberts, zur Welt. Ich glaube, dass sofort ein „Geist der Erweckung“ in ihn gelegt wurde. Evans Eltern trugen sehr stark dazu bei, dass dieser Geist und dieser Charakter sich in ihm entwickelten. Er war sehr gewissenhaft und sensibel. Seine Familie war für ihre Vorliebe für Gottes Wort und harte Arbeit bekannt. Jedes Familienmitglied, ganz gleich wie jung es war, hatte seine eigene, abgegriffene Bibel. An dieser Stelle möchte ich allen Eltern einen Tipp geben: Lasst eure Kinder am Wirken Gottes teilhaben! Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, eure Kinder die Wahrheiten Gottes zu lehren und sie dem göttlichen Wirken nahezubringen. Sie müssen wissen, wie man betet, wie man Gottes Wort studiert und sich der Salbung hingibt. Unterrichtet sie und zeigt ihnen, wie sie Gott mit euch preisen können. Oftmals wird das Feuer der Erweckung erstickt, weil die Eltern ihre Kinder in den Kinderdienst stecken, statt sie dem Wirken Gottes auszusetzen. Der Kinderdienst ist zur Betreuung von Babys und Kleinkindern gedacht. Ab einem gewissen Alter ist ein Kind in der Lage, sich ordentlich zu benehmen und an den Erweckungsgottesdiensten teilzunehmen. Wie kann eine Erweckung überleben, wenn wir sie nicht weiterreichen? Viele der vergangenen Erweckungen und einige Erweckungsprediger haben die nächste Generation nicht berücksichtigt. Aus diesem Grund musste Gott nach einer neuen Generation Ausschau halten, um das Feuer, das niemals ausgehen sollte, neu zu entfachen. Erweckungen müssen nicht im Sande verlaufen, sie sollten niemals enden! Das Feuer Gottes muss an jede neue Generation weitergereicht werden. Kinder sind
16
GOTTES GENERÄLE formbar, sensibel und wissbegierig. Sie sind wie kleine Schwämme, die bereitwillig alles aufsaugen, was man ihnen mitteilt. Deshalb sei du ihr Lehrer. Wenn du Kinder hast, bist du in Gottes Augen dafür verantwortlich, das Feuer Gottes in ihnen zu entzünden. Es steht außer Frage, dass Evan Roberts‘ Eltern diese Aufgabe sehr ernst nahmen. Sein starker Charakter war ein Resultat seiner Erziehung. Als Evan noch ein kleiner Junge war, wurde sein Vater bei einem Unfall in der Mine verletzt. Damit Evan ihm nun bei seiner Arbeit in der Kohlenmine helfen konnte, nahm ihn sein Vater von der Schule. Evan beschwerte sich nie. Bald hatte auch Evan die Gewohnheit der Familie, Bibelstellen auswendig zu lernen, angenommen. Man sah ihn niemals ohne seine Bibel. Es wird berichtet, dass er seine Bibel sogar in den Gesteinsspalten der Kohlenmine versteckte, während er dort arbeitete. Eines Tages brach ein großes Feuer aus und verzehrte alles, was ihm in die Quere kam – außer der Bibel des jungen Evan. Nur einige Seiten waren leicht angesengt, sodass er sie weiterhin jeden Tag mitnahm, um Schriftstellen auswendig zu lernen. Jeden Morgen stellte sich Evan an den Eingang der Kohlenmine, um jedem der vorübergehenden Arbeiter eine ausgewählte Schriftstelle mit auf den Weg zu geben, über die er während des Tages nachdenken sollte. Wenn Evan sie am Abend wieder traf, fragte er: „Welche Wahrheit hast du in diesem Vers entdeckt?“ Als diese schwer arbeitenden Männer an dem mit Kohlenstaub bedeckten Jungen vorbeigingen, hatten sie nicht die geringste Ahnung, wie Gott ihn gebrauchen würde, um die Nation zu verändern.
„WAS WÜRDE JESUS TUN?“ Evan unterschied sich drastisch von den übrigen Jungen in seinem Alter. Er nahm niemals an Sport- oder Freizeitveranstaltungen teil und er hatte nichts für schmutzige Witze übrig. Er arbeitete den ganzen Tag in der Mine, ging nach Hause und marschierte von dort aus über einen Kilometer zu seiner Gemeinde Moriah Chapel. Als Evan dreizehn Jahre alt war, machte er seine erste Erfahrung mit Gott. Hier geschah es, dass er gelobte, sich dem Werk des Herrn noch mehr zu widmen. Eine einfache, aber tiefgründige Frage, die von der Kanzel der Moriah Chapel gestellt wurde, veränderte Evans Leben. Der Satz „Was würde Jesus tun?“ prägte von nun an sein Leben. Während er sich mehr und mehr dem Wirken des Herrn hingab, fragte er sich immer wieder: „Was habe ich für Jesus getan?“ Evan hatte ein so starkes Verlangen, Gott sein Leben hinzugeben, dass er jede Lektüre über Gott, die ihm in die Finger kam, verschlang. Von seinem Lohn kaufte er Musikinstrumente und lernte später, sie zu spielen. Tatsächlich gelang ihm alles, was er anpackte, weil er stets mit ganzem Herzen bei der Sache war. Er schloss jede berufliche Ausbildung, die ihm angeboten wurde, mit Auszeichnung ab, und er hatte einen vorbildlichen Charakter. Er war ein sehr produktiver Schreiber und einige seiner Gedichte und Essays wurden in den lokalen Zeitungen abgedruckt.
17
KAPITEL 4
Charles F. Parham
„Der Vater der Pfingsterweckung“
„DER VATER DER PFINGSTERWECKUNG“ enn Christus zum zweiten Mal kommt, wird er die Gemeinde mit derselben Kraft ausgerüstet vorfinden, die die Apostel und die Urgemeinde besaßen. Die Kraft, die an Pfingsten freigesetzt wurde, ist in uns. Der christliche Glaube muss erwiesen werden, denn die Welt möchte Beweise sehen. Deshalb wollen wir die Kraft Gottes durch uns wirksam werden lassen.“1
W „
Charles Fox Parham setzte sein Leben dafür ein, die revolutionären Wahrheiten über Heilung und die Taufe im Heiligen Geist in die Gemeinde zurückzubringen. (Beachte: Wenn in diesem Kapitel die Rede von „der Taufe im Heiligen Geist“ ist, wird stets davon ausgegangen, dass damit das „Beten in neuen Sprachen“ einhergeht.) Die ersten vierzig Jahre des 20. Jahrhunderts wurden sehr stark von der Pfingstbotschaft dieses Mannes beeinflusst, die das Leben Tausender Menschen auf der ganzen Welt veränderte. Die Wunder, die im Dienst von Charles Parham auftraten, sind zu zahlreich, als dass man darüber berichten könnte. Zigtausende von Menschen wurden errettet, geheilt, befreit und mit dem Heiligen Geist erfüllt.Als er im Jahr 1901 der Welt erklärte, dass „das Beten in neuen Sprachen der Beweis für die Taufe im Heiligen Geist“ sei, wurde die Erfahrung, die die Urgemeinde an Pfingsten gemacht hatte, wieder neu belebt. Doch dafür musste der Evangelist einen Preis bezahlen. Die hartnäckigen Verfolgungen und unerbittlichen Verleumdungen, die Parham sein ganzes Leben lang erdulden musste, hätten ausgereicht, um jemanden mit weniger Charakterstärke in die Knie zu zwingen. In Parhams Fall bewirkten sie dagegen, dass er noch entschlossener und sein zielgerichteter Glaube noch stärker wurde.
PREDIGE, PREDIGE, PREDIGE Charles F. Parham kam am 4. Juni 1873 in Muscatine (Iowa) zur Welt. Nach seiner Geburt zogen seine Eltern,William und Ann Maria Parham, in den Süden nach Cheney (Kansas). Sie waren amerikanische Pioniere und lebten dementsprechend. Abgesehen von dem rauhen Pionierleben hatte der junge Parham auch sonst keine leichte Kindheit. Mit sechs Monaten überkam ihn ein starkes Fieber. In den ersten fünf Jahren seines Lebens litt er oftmals an quälenden Krämpfen und seine Stirn war so angeschwollen, dass sein Kopf unnatürlich groß erschien. Dazu kam schließlich noch, dass seine Mutter starb, als er erst zehn Jahre alt war. Obwohl Parham vier Brüder hatte, war er von Trauer und Einsamkeit überwältigt, als seine geliebte Mutter starb. Die Erinnerungen an ihre liebende Fürsorge, die sie ihm
19
GOTTES GENERÄLE während seiner Krankheit hatte zukommen lassen, stimmten ihn sehr traurig, und er wurde melancholisch.Als seine Mutter kurz vor ihrem Tod die letzten Abschiedsworte sprach, blickte sie auf den jungen Parham und sagte: „Charlie, sei ein guter Junge!“ Und in diesem Augenblick gelobte er vor Gott und seiner sterbenden Mutter, sie eines Tages im Himmel wiederzutreffen.2 Diese einfachen Worte seiner Mutter hinterließen einen tiefen Eindruck bei ihm. Es wird berichtet, sie seien schließlich der auslösende Faktor für seine spätere Entscheidung gewesen, sein Leben Gott hinzugeben. Parhams Vater ging zu einem späteren Zeitpunkt eine zweite Ehe ein. Dieses Mal heiratete er eine junge Frau namens Harriet Miller, die von der ganzen Familie sehr geliebt wurde. Im Alter von neun Jahren bekam Parham rheumatische Entzündungen, sodass sich sein ganzer Körper verknotete.Als die Entzündungen endlich abgeklungen waren, war seine Haut völlig durchsichtig. Jetzt bekam der Junge einen Bandwurm, den man nur mit sehr starken Medikamenten vernichten konnte, die wiederum seine Magenschleimhaut zerfraßen. Eine noch unangenehmere Nebenwirkung der Medikamente war, dass sein Wachstum drei Jahre stagnierte.3 Es geschah noch etwas anderes, als Parham neun Jahre alt war – er wurde von Gott in den vollzeitlichen Dienst berufen.Weil er und seine Brüder schon in ihren ersten Jahren am Kindergottesdienst teilnahmen, hatte Parham schon sehr früh ein Bewusstsein für Gott entwickelt. Bereits vor seiner Bekehrung wurde der Junge von dem Gedanken beherrscht: „Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predige.“4 Aus diesem Grund fing er an, sich auf seine göttliche Berufung vorzubereiten, indem er sich mit entsprechender Literatur eindeckte. Obwohl Kansas damals noch nicht sehr fortschrittlich war und es nur wenige Büchereien gab, gelang es ihm, neben seiner Bibel noch einige Geschichtsbücher aufzutreiben. Zudem wurde ihm bewusst, dass er sich auch noch anders auf den Dienst vorbereiten konnte, nämlich darin, seinen Pflichten nachzukommen und seinen Brüdern zu helfen. Parham war dafür bekannt, dass er dem Vieh damals mitreißende Botschaften zu den verschiedensten Themen, die sich vom Himmel bis zur Hölle erstreckten, predigte.
EIN DURCHDRINGENDES LICHT Parham bedauerte niemals, dass er so viel im Alleingang lernen musste; dieser Umstand schlug sogar zu seinem Vorteil aus. In der weiten Prärie gab es nur wenige Gemeinden und Prediger und da es niemanden gab, der ihn eines „Besseren“ hätte belehren können, vergrub sich Parham in Gottes Wort und nahm es so auf, wie es geschrieben stand. Seine Lehre war nicht von menschlichen Lehrmeinungen verwässert worden und es gab keine Traditionen, mit denen er brechen musste.Als Parham dreizehn Jahre alt war, hatte er erst zwei Predigten gehört. Bei einem der beiden Gottesdienste bekehrte er sich.
20
KAPITEL 5
William J. Seymour
„Der Katalysator der Pfingsterweckung“
„DER KATALYSATOR DER PFINGSTERWECKUNG“
W „
ährend sie mich durch ihre goldgefasste Lorgnette (Stielbrille) anschaute, sagte sie: ,Pastor, ich glaube an die Feuertaufe im Heiligen Geist … aber mir missfällt der Lärm, das Geschrei.‘
,Schwester, du bist genau wie ich‘, antwortete ich. ,Ich habe beobachtet, dass es verschiedene Manifestationen unter dem Volk Gottes gibt, die auch mir widerstreben, aber weißt du, wenn der Geist des Herrn auf mich kommt, kann ich mich daran erfreuen.‘ Sie spitzte ihren kleinen Mund, weil sie nicht ganz mit mir übereinstimmte, doch ich fuhr fort: ,Also, meine kleine Schwester, wenn du in den Gebetsraum gehen möchtest, um mit dem Heiligen Geist erfüllt zu werden, dann lass dich nicht aufhalten. Und wenn es dann geschieht, dann schreie nicht, es sei denn, du hast das Bedürfnis, es zu tun. Sei einfach du selbst.‘ Sie nickte zustimmend. ,Worauf du dich verlassen kannst!‘ … Ich war etwa 25 Meter weiter in einem Büro beschäftigt und dachte schon gar nicht mehr an diese Frau. Plötzlich … hörte ich einen durchdringenden Schrei. Ich riss die Tür auf und ließ meinen Blick durch die Kirche schweifen, als ich die kleine Dame wie einen Blitz aus dem Gebetsraum schießen sah. Sie hüpfte, tanzte und jauchzte laut im Herrn. Es war ein Erlebnis, diese reservierte, feine Dame mit der goldgefassten Lorgnette tanzen und sich im Kreis drehen zu sehen … sie rief laut und sang mal in neuen Sprachen, mal in Englisch. Innerlich schmunzelte ich und ging auf sie zu und meinte: ,Schwester, was du da machst, gefällt mir nicht.‘ Sie machte einen nicht sehr würdevollen Luftsprung und rief: ,Das mag schon sein, aber mir gefällt es umso besser!‘“1 Als „der Katalysator der Pfingsterweckung“ im 20. Jahrhundert verwandelte William J. Seymour einen winzigen Pferdestall in der Azusa Street in Los Angeles in ein inter-
22
GOTTES GENERÄLE nationales Erweckungszentrum. Weil die Taufe im Heiligen Geist und das Reden in neuen Sprachen ein Hauptbestandteil der dortigen Versammlungen war, wurde Seymour der Leiter der ersten organisierten Bewegung, die diese Erfahrung vorantrieb. In Azusa kamen Schwarze,Weiße, Spanier und Europäer zusammen, um gemeinsam Gott anzubeten, und damit durchbrachen sie die kulturellen Grenzen der Zeit, was bis dahin unmöglich gewesen war. Obwohl diese Erweckung nur sehr kurz war, genießen wir noch heute ihre Früchte. Auch in unserer Zeit ist Azusa in der Familie Gottes ein bekannter Begriff. Im Zusammenhang mit der Erweckung in der Azusa Street Mission gibt es einige wilde Geschichten zu berichten. Diese Pfingstpioniere, die häufig die ganze Nacht für die Befreiung eines Menschen beteten, kümmerte Zeit nur wenig. Sie glaubten an das Wort Gottes und erwarteten, dass es sich erfüllte. In jeder Situation, mit der sie konfrontiert wurden, beriefen sie sich auf die Autorität des Wortes Gottes.Wenn die Ernte eines Farmers durch eine Insektenplage bedroht war, marschierten die Gläubigen zu den Feldern hinaus und sprachen Gottes Wort über das angebaute Getreide und die Insekten aus. Jedes Mal hielten sich die Insekten anschließend innerhalb der Grenzen auf, in die sie verwiesen worden waren, und wagten sich nicht wieder an die Felder heran. Selbst wenn sie über den Acker eines Nachbarn herfielen, wagten sie sich nicht näher als etwa 20 m an das angrenzende Feld des Gläubigen heran. Eine andere Geschichte berichtet, dass eine ganze Feuerwehrmannschaft, mit Schläuchen bewaffnet, eines Tages während eines Gottesdienstes in die Azusa Street Mission stürmte, um dort Feuer zu löschen. Doch sie konnten keines entdecken! Nachbarn hatten ein Licht über der Mission gesehen, waren davon ausgegangen, dass das Gebäude in Flammen stand, und hatten die Feuerwehr alarmiert. Sie hatten jedoch die Herrlichkeit Gottes gesehen!
DAS AUGE DES TIGERS Centerville (Louisiana) ist eine südliche Hafenstadt, die nur wenige Kilometer vom Golf von Mexiko entfernt ist. Am 2. Mai 1870 kam in der Familie von Simon und Phyllis Seymour ein Sohn zur Welt. Sie waren erst einige Jahre zuvor von der Sklaverei befreit worden und ihr Sohn William wurde in eine Welt hineingeboren, die von entsetzlicher rassistischer Gewalt beherrscht wurde. Der Ku-Klux-Klan trieb seit Jahren sein Unwesen. Das Jim-Crow-Gesetz sperrte allen Farbigen in soziale Ungerechtigkeit. Nicht nur das gesellschaftliche Leben, sondern auch das der Gemeinde wurde von der Rassentrennung bestimmt. Nachdem sie die Freiheit erlangt hatten, arbeiteten Seymours Eltern weiterhin auf der Plantage und als Heranwachsender trat Seymour in ihre Fußstapfen. Er ließ sich nicht davon entmutigen, dass ihm der Zugang zum allgemeinen Bildungsweg versperrt war, und lernte, wie viele andere es auch taten, hauptsächlich indem er die Bibel las.
23
KAPITEL 6
John G. Lake
„Ein Mann der Heilung“
„EIN MANN DER HEILUNG“ ch sagte ihnen [den Wissenschaftlern]: ,Verehrte Herren, ich möchte Ihnen noch etwas zeigen. Gehen Sie in Ihr Krankenhaus und holen Sie einen Mann, der an Knochenentzündung leidet. Befestigen Sie „ Ihre Instrumente an seinem Bein. Sie können sie an beiden Seiten anbringen. Lassen Sie noch so viel Platz frei, dass ich meine Hand auf sein Bein legen kann.‘
II
Als die Instrumente angeschlossen waren, legte ich meine Hand auf das Schienbein des Mannes und betete wie Mutter Etter: kein seltsames Gebet, ich schrie aus meinem Herzen zu Gott. Ich sagte: ,Gott, vernichte diese teuflische Krankheit durch deine Kraft. Wirke mit deinem Geist in ihm; lasse deinen Geist in ihm leben.‘ Dann fragte ich: ,Verehrte Herren, was geschieht?‘ Sie entgegneten: , Jede Zelle reagiert.‘“1 Wenn es jemals einen Mann gab, der in der Offenbarung dessen lebte, was es heißt, dass Gott im Menschen wohnt, dann war es John G. Lake. Ein Mann mit einem Ziel, einer Vision, voller Stärke und Charakter, dessen einziges Lebensziel war, jedem Menschen die Fülle Gottes zu vermitteln. Er sagte oft, dass das Geheimnis der himmlischen Kraft nicht darin bestand, etwas zu tun, sondern darin, etwas zu sein. Er war davon überzeugt, dass sich geisterfüllte Christen an demselben Dienst erfreuen sollten, den Jesus ausübte, als er auf der Erde lebte, und dass sie diese Realität nur dann erleben könnten, wenn sie sich selbst mit den Augen Gottes sähen.
DER SCHATTEN DES TODES John Graham Lakes Leben und Dienst fußten auf dieser geistlichen Erkenntnis. Er kam am 18. März 1870 in Ontario (Kanada) zur Welt.Als eines von sechzehn Kindern zog er als kleiner Junge mit seiner Familie nach Sault Sainte Marie (Michigan). Als Lake sechzehn Jahre alt war, hörte er bei einer Veranstaltung der Heilsarmee zum ersten Mal das Evangelium und kurz darauf übergab er sein Leben dem Herrn. Obwohl er ein moralisch anständiges Leben geführt hatte, kam sein Herz erst zur Ruhe, als er den Herrn gebeten hatte, ihn zu erretten. Über diese Erfahrung schrieb Lake später:
25
GOTTES GENERÄLE „Ich übergab mich Gott. Das Licht des Himmels erleuchtete meine Seele und ich erhob mich als Sohn Gottes von meinen Knien – und ich wusste es.“2 Lakes Eltern waren starke, energische Persönlichkeiten, die sich ausgezeichneter Gesundheit erfreuten. Der Rest der Familie war jedoch mit einem Geist der Krankheit und des Todes behaftet und acht Kinder – vier Brüder und vier Schwestern – starben. „32 Jahre lang war ständig einer meiner Familienangehörigen krank“, schrieb Lake. „Während dieser langen Zeit verging kein Tag, an dem nicht irgendeine Krankheit ihren Schatten auf uns warf.“ Wenn er sich an seine Kindheit zurückerinnerte, kamen ihm unwillkürlich „Krankheiten, Ärzte, Krankenschwestern, Kliniken, Leichenwagen, Beerdigungen, Friedhöfe und Grabsteine, eine trauernde Familie, eine Mutter mit gebrochenem Herzen und ein zutiefst betrübter Vater, der verzweifelt versuchte, das Leid der Vergangenheit zu vergessen, um für seine noch lebende Familie da zu sein, die dringend seine Liebe und Fürsorge benötigte“, in den Sinn.3
FALSCHE „WISSENSCHAFT“ – RICHTIGE EINSTELLUNG Als Jugendlicher interessierte sich Lake leidenschaftlich für Wissenschaft und Physik. Auch die Chemie hatte es ihm angetan und er liebte es, mit wissenschaftlichen Instrumenten zu experimentieren. Er nahm auch an einem medizinischen Seminar teil, doch drang er später nicht weiter in diesen Bereich vor. Sowohl in seinen wissenschaftlichen als auch in seinen geistlichen Studien war Lake peinlich genau. Er forschte unermüdlich in der Bibel, wobei es ihm nicht nur darauf ankam, sie zu verstehen, sondern auch darauf, ihre Anwendbarkeit im alltäglichen Leben zu erproben. Und so kam es, dass Lake alles in der Kraft der Auferstehung tat. Im Jahr 1890, als Lake zwanzig Jahre alt war, erklärte ihm ein christlicher Farmer die Bedeutung der Heiligung. Diese Offenbarung durchbohrte sein Herz und durch sie vollbrachte Gott sein krönendes Werk in Lakes Leben. Diese neugewonnene Erkenntnis kommentierte Lake folgendermaßen: „Ich werde niemals aufhören, Gott dafür zu preisen, dass er mir die Tiefe … der Kraft, die im Blut Jesu verborgen ist, offenbart hat. Eine wunderbare Salbung des Heiligen Geistes war auf meinem Leben.“4 Ein Jahr später, 1891, zog Lake nach Chicago um, wo er in die Methodist School of Ministry (Methodistenschule für Diener Gottes) aufgenommen wurde. Im Oktober desselben Jahres wurde ihm das Pastorat einer Gemeinde in Peshtigo (Wisconsin) zugewiesen, doch er lehnte ab. Er beschloss stattdessen, die Methodistenschule zu verlassen und nach Harvey (Illinois) umzuziehen, wo er eine Lokalzeitung, The Harvey Citizien, herausbrachte.Als er in Harvey lebte, lernte Lake seine zukünftige Frau, Jennie Stevens aus Newberry in Michigan, kennen.
26
KAPITEL 7
Smith Wigglesworth
„Apostel des Glaubens“
„APOSTEL DES GLAUBENS“ ein Freund sagte: ,Sie ist tot.‘ Er hatte Angst. Ich habe noch niemals in meinem Leben einen Mann gesehen, der so große Angst hatte. ,Was soll ich tun?‘, fragte er. Vielleicht hältst du das, was ich „ getan habe, für absurd, doch ich trat an ihr Bett und zog sie heraus. Ich schleppte sie quer durchs Zimmer, lehnte sie gegen die Wand und hielt sie aufrecht, da sie zweifellos tot war. Ich schaute ihr ins Gesicht und sagte: ,Im Namen Jesu gebiete ich dem Tod, zu weichen.‘ Von Kopf bis Fuß fing ihr gesamter Körper an, zu vibrieren. ,In Jesu Namen befehle ich dir, zu gehen!‘, sagte ich. Ich wiederholte: ,Im Namen Jesu, im Namen Jesu, geh!‘, und sie ging.“1
M
Tote aufzuerwecken war nur ein überwältigender Aspekt des Dienstes von Smith Wiggelsworth. Dieser großartige Apostel des Glaubens hatte eine so erstaunliche Salbung Gottes auf sich, dass die Wunder, die durch seinen Dienst gewirkt wurden, nur zweitrangig waren. Der ehemalige Klempner verlieh durch sein Leben dem Wort „Abenteuer“ eine ganz neue Bedeutung. Was war notwendig, um so abenteuerlich zu leben? „Glaube nur!“ Für Smith Wigglesworth war es nichts Außergewöhnliches, dem zu gehorchen, was er glaubte – für ihn war dies ganz einfach die Frucht des Glaubens. Es heißt, dass er in seinem Glauben unerschütterlich und manchmal sogar unbarmherzig war. Es wird außerdem über ihn berichtet, dass er eine außergewöhnliche Lehrsalbung und teilnahmsvolle Barmherzigkeit besaß – die Frucht dieser beiden Komponenten war, dass täglich zahlreiche Errettungen und Wunder durch seinen Dienst geschahen.
DER KLEINE RÜBENZIEHER Smith kam am 8. Juni 1859 in der Kleinstadt Menston (Yorkshire) in England als Sohn von John und Martha Wigglesworth zur Welt.Als er geboren wurde, war 1859 bereits ein historisches Jahr. Die dritte große Erweckung war in Amerika seit zwei Jahren in vollem Gange.William Booth hatte sich von der organisierten Kirche distanziert und die Heilsarmee gegründet; die Kirche in Wales betete für Erweckung.2 In jenem Frühling im Jahre 1859 wäre weder John noch Martha Wigglesworth auf die Idee gekommen, dass Smith einmal zu den großen christlichen Leitern jener Zeit gezählt werden würde, zu denen damals unter anderem General Booth gehörte. Und doch sollte es so kommen. Ihr Sohn sollte das Feuer Gottes in der Gemeinde neu entfachen, das dort über Hunderte von Jahren nur noch geglimmt hatte. Smiths Familie war arm. Sein Vater arbeitete viel, um seine Frau, seine Tochter und seine drei Söhne versorgen zu können. Der junge Smith fing also schon mit sechs
28
GOTTES GENERÄLE Jahren an, auf den Feldern bei der Rübenernte zu arbeiten. Es war harte Arbeit. Von morgens bis in die Nacht hinein zog er Rüben aus der Erde und seine kleinen Hände waren wund und geschwollen. Doch so entwickelte Smith dieselbe solide Einstellung zur Arbeit wie sein Vater, der es gewohnt war, für seinen Lohn lange und hart zu arbeiten. Als Smith sieben Jahre alt war, arbeitete er wie sein Vater in der Wollspinnerei des Ortes.Von nun an hatte die Familie Wigglesworth ein leichteres Leben. Ihr Einkommen war gestiegen und sie hatten genug zu essen. Smiths Vater war ein großer Vogelfreund. Eine Zeit lang hielt er sich sechzehn Singvögel im Haus. Diese Liebe zur Natur färbte auch auf den Jungen ab und er suchte oft nach Nestern. Manchmal fing er einige Singvögel und verkaufte sie dann auf dem Markt in der Stadt, um etwas zum Unterhalt seiner Familie beizutragen.
WAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN UNS? Obwohl seine Eltern keine Christen waren, hatte der junge Smith schon immer eine Sehnsucht nach Gott. Da er zu Hause nicht das Beten lernte, versuchte er es allein. Oft bat er Gott, ihm zu zeigen, wo er Vogelnester finden konnte. Meistens wusste er augenblicklich, wo er suchen musste. Seine Großmutter war eine „eingefleischte“ Anhängerin Wesleys, die an die Kraft Gottes glaubte. Sie sorgte dafür, dass Smith sie zu den Gottesdiensten begleitete. Als kleiner Junge saß er nur da und beobachtete die Erwachsenen, die in die Hände klatschten, vor dem Herrn tanzten und über „das Blut“ sangen. Als Achtjähriger sang Smith schließlich selbst mit. Als er in ihren Gesang einstimmte, empfing er eine „klare Erkenntnis darüber, was es bedeute, von Neuem geboren zu sein“. Er verstand plötzlich, was Jesus Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung für ihn getan hatte. Später berichtete Wigglesworth über diesen Tag: „Mir wurde Folgendes klar: Weil Gott sich so sehr nach uns sehnt, hat er es uns so leicht gemacht, wie es nur geht – glaube nur!“3 Er zweifelte niemals an seiner Erlösung. Der junge Wigglesworth wurde sofort jemand, der andere zum Herrn führte. Der erste, den er zu Christus führte, war seine eigene Mutter. Als sein Vater entdeckte, dass seine Familie eine „religiöse Erfahrung“ gemacht hatte, brachte er sie fortan in die Anglikanische Kirche. Smiths Vater selbst war nicht von Neuem geboren, doch er mochte den Pfarrer und er ging gerne mit ihm ins Wirtshaus, um mit ihm ein Bier zu trinken.
29
Aimee Semple McPherson KAPITEL 8
„Eine Frau mit Bestimmung“
„EINE FRAU MIT BESTIMMUNG“
JJ
„,
emand muss gesehen haben, wie sie von der Bank und der Barbierstube aus die Hauptstraße hinaufmarschiert ist; sie war eine sehr junge Frau in einem weißen Kleid und trug einen Stuhl.
Nachdem sie sich auf den Stuhl gestellt hatte, reckte sie ihre Arme zum Himmel empor, als wolle sie um Hilfe rufen … Und weiter tat sie nichts … Sie schloss ihre großen, weit auseinanderliegenden Augen und stand einfach mit hoch erhobenen Armen da wie eine Statue … Obwohl sie ihre Augen geschlossen hielt, spürte Aimee die kritischen Blicke der Menschenmenge, die inzwischen auf 50 gaffende und verächtlich johlende Zuschauer angewachsen war … Die junge Frau öffnete ihre Augen und blickte um sich. ,Kommt, Leute‘, rief sie, während sie vom Stuhl herunterhüpfte. ‚Folgt mir, schnell!‘ Sie steckte ihren Arm durch die Rückenlehne des Stuhls, bahnte sich einen Weg durch die Menge und fing an, die Hauptstraße hinunterzurennen. Die Leute rannten hinter ihr her, die Jungen zuerst, dann die Männer und Frauen … Sie folgten ihr bis durch die Tür hinein in die Victory Mission, die so groß war, dass alle darin einen Sitzplatz bekamen. ,Schließe die Tür‘, flüsterte sie dem Ordner zu. ,Schließe die Tür und halte sie so lange geschlossen, bis ich fertig bin.‘“1 Aimee Semple McPherson wird als jemand beschrieben, der seiner Zeit weit voraus war. Aimee war ein geistlicher Pionier, der uns den Weg bahnte, und wie wir heute das Christentum vermitteln, ist hauptsächlich ihr zu verdanken. Obwohl alle Umstände gegen sie standen, schaffte sie es. Ihre Lebensgeschichte zeigt eine lebendige, dramatische Frau. Sie hatte nichts Laues an sich. Eine Herausforderung war für sie ein faires Spiel, in das sie einstieg, um zu gewinnen. Sie bediente sich der Medien und bestimmte schließlich sogar deren Entwicklung. Wenn die Publicity schlecht zu sein schien, trieb sie es auf die Spitze, und lächelte dabei die ganze Zeit. Wenn sie von allen Seiten davor gewarnt wurde, etwas zu tun, tat sie es erst recht, denn sie weigerte sich, vor der Furcht in die Knie zu gehen. Es gab eigentlich nichts, das Aimee Semple McPherson zu radikal gewesen wäre.Was immer nötig war, damit „die Leute anbissen“ – Aimee tat es! Sie setzte sich mit „Barbetreibern und Prostituierten“ an einen Tisch, sie tauchte an Orten auf, die die meisten Christen mieden,
31
GOTTES GENERÄLE weil sie sich fürchteten, dort hinzugehen. Die Armen, die Normalbürger und die Reichen liebten sie deshalb gleichermaßen und besuchten ihre Versammlungen zu Tausenden. In religiösen Kreisen dagegen war sie verhasst. Als durch konfessionelle Machtpolitik viele behindert und verletzt wurden, schenkte Aimee den Drahtziehern kaum Beachtung. Stattdessen machte sie sich daran, einen Dienst aufzubauen, der so weit reichte und so großartig war, dass er sogar in Hollywood Aufmerksamkeit erregte. In einer Zeit, in der Frauen lediglich als „Accessoire“ im Dienst betrachtet wurden, baute Aimee den Angelus Temple, um sie mit einzubeziehen. Der Temple wurde während der Weltwirtschaftskrise gebaut und eingeweiht und war ein kunstvolles Gebäude, in dem 5.000 Menschen Platz fanden. Als das Gebäude jeden Sonntag viermal am Tag voll besetzt war, wagte sich Aimee sogar noch einen weiteren Schritt nach vorne. Sie gründete den ersten christlichen Radiosender der Welt und eine der Denominationen, die heute am schnellsten wachsen. Aimee lebte in einer Zeit, in der die Pfingstbewegung, die zahlreiche Ge- und Verbote aufstellte, in vollem Gange war. Damals wurden Frauen im Dienst im Allgemeinen nicht anerkannt. Was Aimees Ausgangsposition noch ungünstiger erscheinen ließ, war die Tatsache, dass sie geschieden war.
EINE NEUE GENERATION IST GEBOREN Schon der Beginn ihres Leben wurde von Konflikten und Skandalen begleitet.Am 9. Oktober 1890 kam Aimee als Kind von James Morgan und Mildred „Minnie“ Kennedy in der Nähe von Salford (Ontario) in Kanada zur Welt. Als einzige Tochter von James und Mildred wuchs Aimee Elizabeth Kennedy in einer Stadt auf, in der überall über sie geredet wurde, weil es etliche gab, die sich über die Umstände, die zu ihrer Geburt geführt hatten, ereiferten. Ihr Vater, der 50 Jahre alt war, hatte ihre Mutter, Minnie, im zarten Alter von fünfzehn geheiratet. Vor ihrer Ehe war das Waisenkind Minnie eine eifrige Mitarbeiterin der Heilsarmee gewesen. Da sie sich zum Dienst berufen fühlte, evangelisierte sie Tag und Nacht in den verschiedenen Städten in Ontario. Eines Tages las sie jedoch in der Zeitung, dass die Kennedys eine Krankenschwester suchten, die bei ihnen wohnen und sich um die kränkliche Frau Kennedy kümmern würde. Sie nahm diese Stelle an, zog bei der Familie ein und stellte ihren Dienst hinten an. Nachdem Frau Kennedy gestorben war, blieb Minnie weiterhin im Haus der Familie. Kurz danach hielt der ältere Herr um ihre Hand an. Die ganze Stadt geriet deswegen in Aufruhr, doch James Kennedy kümmerte sich nicht darum, was die Leute redeten. Einen Tag nach ihrer Hochzeit ging Minnie auf die Knie und betete. Sie gestand, dass sie ihren Ruf zum Dienst missachtet hatte, und bat Gott um Vergebung. Dann betete sie:
32
KAPITEL 9
Kathryn Kuhlman
„Die Frau, die an Wunder glaubte“
„DIE FRAU, DIE AN WUNDER GLAUBTE“
H
„
underte wurden geheilt, während sie schweigend im Publikum saßen – ohne irgendwelche spektakulären Anzeichen. Nicht ein einziges. Häufig war nicht einmal eine Botschaft gepredigt worden. Es gab sogar Zeiten, wo nicht einmal ein Lied gesungen worden war.
Keine geräuschvollen Demonstrationen, kein lautstarkes Flehen zu Gott, als ob er taub wäre. Kein Geschrei, kein Rufen, nur die vollkommene Stille seiner Gegenwart. Viele hundertmal war die Gegenwart des Heiligen Geistes so spürbar nahe, dass man fast den Rhythmus der Herzen von Tausenden hören konnte, die im selben Takt schlugen.“1 Diese ehrfurchtsvolle Stille wurde nur von einer einzigen Stimme unterbrochen: „Ich … ah … glaubeeeeeeee … ah – an … ah … Wunderrrrrr … ah!“ Plötzlich bricht ein ohrenbetäubender Applaus los, während alle Augen auf eine große, schlanke Dame in einem weißen, wehenden Gewand gerichtet sind, die aus dem Schatten hervortritt. Sie schwebt auf die Mitte der Bühne und wieder einmal hat ein Heilungsgottesdienst mit Kathryn Kuhlman begonnen. Durch ihren internationalen Dienst legte Kathryn Kuhlman im Leben von unzähligen Tausenden von Menschen auf der ganzen Welt das Fundament für das Wirken des Heiligen Geistes. Ihr einzigartiger Dienst lenkte das Augenmerk des Leibes Christi von den äußerlich sichtbaren Erweisungen der Geistesgaben wieder auf die Quelle der Gaben, den Heiligen Geist. Der prophetische Akzent ihres Dienstes prägte die nachfolgende Entwicklung der Gemeinde. Ihr Dienst war in der Tat ein Vorreiter für die Gemeinde der Zukunft. Obwohl sie sich selbst als „einen gewöhnlichen Menschen“ bezeichnete, war Kathryn außergewöhnlich. Viele haben versucht, ihre Stimme und ihre auffällige Ausdrucksweise zu imitieren, doch ohne Erfolg.Andere haben, ebenfalls vergeblich, den Versuch unternommen, ihre außergewöhnliche Salbung durch Techniken und Methoden zu erzeugen. Ich danke Gott für Kathryn Kuhlman. Sie war eine beispielhafte Frau, die sich nicht fürchtete, den Preis zu bezahlen, um Gott zu dienen. Ich bin dankbar für die Lektionen, die ich anhand ihres Lebens gelernt habe. In diesem Kapitel möchte ich einige davon weitergeben, viele sogar in Kathryns eigenen Worten.
34
GOTTES GENERÄLE
ROTES HAAR UND SOMMERSPROSSEN Concordia (Missouri) wurde von deutschen Einwanderern gegründet, die sich gegen Ende des Jahres 1830 dort ansiedelten. 1891 heiratete Kathryns Mutter, Emma Walkenhorst, Joseph Kuhlman. Laut ihren High-School-Unterlagen kam Kathryn Johanna Kuhlman am 9. Mai 1907 auf der Farm der Familie, die etwa 7 Kilometer von Concordia entfernt war, zur Welt. Benannt wurde Kathryn nach ihren beiden Großmüttern. Eine Geburtsurkunde von ihr existiert nicht, da dies nach dem Gesetz von Missouri bis 1910 nicht erforderlich war. Als Kathryn zwei Jahre alt war, verkaufte ihr Vater den 65 Hektar großen Bauernhof und baute ein großes Haus in der Stadt. Dies war das Haus, das Kathryn auch später immer ihr „Zuhause“ nannte. Ein Jugendfreund beschrieb Kathryn folgendermaßen: „Markante Gesichtszüge, rotes Haar und Sommersprossen. Man kann nicht sagen, dass Kathryn hübsch war. Sie war weder zierlich, noch auf irgendeine Weise besonders weiblich. Sie war größer als der Rest unserer Bande, 1,73 m, hager gebaut und burschikos, und wir anderen hatten Mühe, mit ihren großen Schritten mitzuhalten.“ Als junges Mädchen fiel Kathryn außerdem auf wegen ihrer „Selbstständigkeit, ihres Selbstvertrauens und ihres Dranges, die Dinge auf ihre Weise zu tun“.2 Sie konnte ihren „Papa“ um den kleinen Finger wickeln und sie bekam von ihm fast alles, was sie wollte. Laut Kathryn überließ er die Erziehungsmaßnahmen ihrer Mutter, einer strengen Frau, die Kathryn niemals lobte und ihr auch keine Zuneigung schenkte. Trotzdem fühlte sich Kathryn niemals ungeliebt oder ungewollt. Ihr Papa gab ihr all die Liebe und Zuneigung, die sie brauchte. Deshalb himmelte sie ihren Vater so an, dass ihr selbst 30 Jahre nach seinem Tod noch Tränen übers Gesicht liefen, wenn sie von ihm redete. Als Kathryn neun Jahre alt war, wollte sie ihrer Mutter an deren Geburtstag eine Freude bereiten. Sie beschloss, eine Überraschungsparty für sie zu organisieren. Nicht eine Sekunde hatte Kathryn daran gedacht, dass der Geburtstag ihrer Mutter auf einen Montag fiel. Sie machte stattdessen bei allen Nachbarn die Runde und bat sie, mit einem Kuchen zur Feier zu erscheinen.
35
KAPITEL 10
William Branham
„Ein Mann, der bemerkenswerte Zeichen und Wunder tat“
„EIN MANN, DER BEMERKENSWERTE ZEICHEN UND WUNDER TAT“ u bist vom Teufel und verführst die Menschen‘, rief er, ‚ein Betrüger, eine Schlange im Gras, ein Schwindler, und ich werde diesen Leuten beweisen, dass du das bist!‘ Das war sehr gewagt und jedem im Publikum war klar, dass es sich hier nicht um eine leere Drohung handelte … Für den kleinen Mann auf der Bühne schien eine dunkle Stunde angebrochen zu sein und die meisten bedauerten ihn in diesem Moment wohl außerordentlich. Ganz offensichtlich gab es in diesem Fall keine Möglichkeit für faule Tricks. Der Mann auf der Bühne musste Beweise vorzeigen oder die Folgen in Kauf nehmen.
DD
„,
Sekunden vergingen … Es hatte den Anschein, als ob etwas den Herausforderer daran hinderte, sein böses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Nur auf kurze Entfernung war die Stimme des Evangelisten zu hören … sanft, aber bestimmt … ,Satan, weil du den Diener Gottes vor dieser versammelten Gemeinde herausgefordert hast, musst du dich nun vor mir beugen. Im Namen Jesu wirst du mir zu Füßen fallen.‘ Augenblicklich stöhnte der Mann schrecklich, der noch vor wenigen Minuten den Mann Gottes durch einschüchternde Drohungen und Anschuldigungen so unverschämt herausgefordert hatte, stürzte dann zu Boden und schluchzte hysterisch. Völlig ruhig, als sei nichts geschehen, fuhr der Evangelist mit dem Gottesdienst fort, während sich der Mann auf dem Boden im Staub wälzte.“1 William Branham war ein demütiger Mann mit sanfter Stimme, der mit Kummer, Herzeleid und Armut wohl vertraut war. Nach weltlichen Maßstäben weitgehend ungebildet, wurde Branham übernatürlich ausgebildet. Gordon Lindsay, der Gründer von Christ for the Nations war Branhams persönlicher Freund und verfasste seine offizielle Biografie. Er sagte, Branhams Leben sei „so fernab dieser Welt und jenseits der Norm“ gewesen, dass ein Außenstehender die Vorfälle, die sich zu seinen Lebzeiten und während seines Dienstes ereigneten, mit der Erklärung abtun könne, sie seien „an den Haaren herbeigezogen und völlig irrsinnig“ – wenn sie nicht eindeutig durch Beweise belegt worden wären.2
37
GOTTES GENERÄLE Obwohl er eher einfältig und kein großer Redner war, wurde Branham der Leiter der Erweckungsbewegung, die Ende der 40er Jahre begann und unter dem Namen Voice of Healing (Stimme der Heilung) bekannt wurde. Damals kamen viele Heilungsprediger zum Vorschein und jeder von ihnen war einzigartig. Und doch war niemand in der Lage, das Amt des Propheten, die übernatürlichen Wirkungen und göttliche Heilung so meisterhaft in Einklang zu bringen wie William Branham. Um so bedauerlicher ist es, dass die letzte Phase seines Dienstes recht düster verlief. Was im weiteren Verlauf dieses Kapitels über William Branham zu lesen ist, wird manche Leser schockieren und andere traurig stimmen.Vergessen wir deshalb nicht, dass diese Einzelheiten uns zur Lehre dienen sollen. Branhams Leben ist ein tragisches, trauriges Beispiel dafür, was einem Menschen widerfährt, wenn er sich nicht an den Zeitplan und die Vorsehung des Himmels hält. Der Beginn des Lebens und Dienstes Branhams ist andererseits eine Lobrede dafür, welchen übernatürlichen Einfluss Gott auf der Erde ausüben kann. Falls du noch mit irgendwelchen „religiösen Traditionen“ behaftet bist, wirst du über Branhams erste Jahre und seine Anfangszeit zweifellos schockiert sein.
EIN LICHTWIRBEL Als am 6.April 1909 der Morgen graute, kam in den Bergen von Kentucky ein fünf Pfund schwerer Junge zur Welt. Der achtzehnjährige Vater, der über den erdigen Fußboden schritt, hatte sich zu diesem Anlass seine neue Latzhose angezogen. Die Mutter des Babys, die kaum fünfzehn Jahre alt war, hielt ihren Sohn in den Armen, während sie beschlossen, wie er heißen sollte: William Marrion Branham. Als die ersten Sonnenstrahlen durch den frühen Morgenhimmel brachen, öffnete die Großmutter ein Fenster, damit die Branhams ihren neugeborenen Säugling besser sehen konnten. In diesem Augenblick machte der junge Branham seine erste übernatürliche Erfahrung. In eigenen Worten beschreibt er das Ereignis, von dem man ihm erzählt hatte: „Plötzlich schoss ein Lichtwirbel, ungefähr so groß wie ein Kopfkissen, durchs Fenster und umkreiste zunächst mich und bewegte sich dann zum Bett hinüber.“3 Die Nachbarn, die das Ganze beobachtet hatten, fragten sich erstaunt, was das wohl für ein Kind wäre, das die Branhams bekommen hatten.Als die junge Frau Branham die kleinen Händchen rieb, ahnte sie nicht im Geringsten, dass diese Hände eines Tages von Gott gebraucht werden würden, um Massen von Menschen zu heilen, und dass ihr Söhnchen eine der größten Heilungserweckungen überhaupt einleiten würde. Zwei Wochen später besuchte der kleine William Branham bereits das erste Mal eine missionarische Baptistengemeinde.
38
KAPITEL 11
Jack Coe
„Ein Mann mit unverschämtem Glauben“
„EIN MANN MIT UNVERSCHÄMTEM GLAUBEN“
II
ch trat vor den Richter und er fragte mich, ob ich mich der Ruhestörung schuldig gemacht hätte. Ich entgegnete: „Wessen Ruhe?“
„Tja“, meinte er, „ihr klatscht in die Hände und schreit und so ähnliche Dinge.“ „Herr Richter, machen denn die Fußballfans bei einem Spiel nicht auch eine Menge Lärm, und höre ich da nicht ebenfalls lautes Johlen, Schreien und Händeklatschen?“ Er antwortete: „Nun, deren Klatschen scheint niemanden zu stören, doch wenn ihr es tut, können die Leute nicht mehr schlafen.“ Ich fragte: „Herr Richter, möchten Sie wissen, was der Unterschied ist?“ Und er sagte: „Ja, natürlich möchte ich das.“ „Der Unterschied ist, dass unser Schreien vom Heiligen Geist herrührt, und das stört die Nachbarn, hält sie wach … und es führt dazu, dass die Bierkneipen schließen.“1
Jack Coe war ein übergewichtiger Mann mit taktlosem Humor, der im Heilungszelt alles in der Hand hatte. Er war auch eine liebevolle, mitfühlende „Vaterfigur“ für die Waisen im Kinderheim.Als einer der Leiter der Voice-of-Healing-Erweckung wurde Jack Coe entweder geliebt oder gehasst. Er wuchs ohne Vater auf und lernte deshalb als Erwachsener, Gott als seinen Vater zu betrachten. Es bereitete es ihm keinerlei Schwierigkeiten, Männer in ihre Schranken zu verweisen – ganz gleich, welchen hochgradigen Titel sie trugen, wenn sie die Stimme Gottes übergehen wollten. Die dynamische Persönlichkeit des Erweckungspredigers ließ wenig Raum für laue, gleichgültige Resonanz! Coe wurde als radikaler Evangelist betrachtet, weil er sich, gemeinsam mit anderen, sehr darum bemühte, gegen rassistische Vorurteile in der Gemeinde zu kämpfen. In einer Zeit, in der die Gesellschaft die Rassentrennung forderte, ermutigte Coe alle Rassen und Kulturen der Gegend auf, an seinen Veranstaltungen teilzunehmen.
EINE TROSTLOSE KINDHEIT Jack Coe kam am 11. März 1918 als Sohn von Blanche und George Coe aus Oklahoma City (Oklahoma) zur Welt. Er war eines von sieben Kindern. Blanche war als Baptist
40
GOTTES GENERÄLE erzogen worden, doch es ist nicht sicher, ob sie zur Zeit von Jacks Geburt bereits von Neuem geboren war. Man vermutet, dass Jacks Vater bei einem Gottesdienst von Billy Sunday errettet wurde. Doch nach dieser Entscheidung besuchte er nie wieder einen Gottesdienst. Coes Großeltern waren Christen, und dieser Tatsache hatte es Jacks Vater zu verdanken, dass er in einem guten Elternhaus aufwuchs. Abgesehen von der positiven Atmosphäre, die sie ihm boten, sorgten seine Großeltern auch hervorragend für ihre Familie vor, sodass sie Coes Vater ein beträchtliches Erbe hinterließen. Doch ihre Standfestigkeit und ihre Fähigkeit, ihr Leben im Griff zu haben, schienen nie auf Jacks Vater George abzufärben. Er hatte die schlechte Angewohnheit, Glücksspiele zu spielen und Alkohol zu trinken. Seine Mutter versuchte eine Zeit lang, regelmäßig in die Gottesdienste zu gehen, aber weil George sie nicht begleiten wollte, gab sie es eines Tages auf. Coe war immer der Meinung gewesen, dass in seiner Familie einiges anders verlaufen wäre, wenn seine Mutter weiterhin die Gottesdienste besucht und für seinen Vater gebetet hätte. Als Coe fünf Jahre alt war, bemerkte er eines Tages einen Möbelwagen, der rückwärts vor ihrem Haus geparkt wurde. Bei dem Gedanken, es würde etwas Neues geliefert werden, geriet er in Begeisterung. Er beobachtete, wie die Männer auf seine Mutter zugingen und mit ihr sprachen. Sie wurde daraufhin blass und brach in Tränen aus. Nun wurde dem jungen Coe klar, dass dieser Möbelwagen keine Ware für sie enthielt, sondern dass diese Männer vielmehr gekommen waren, um alle Möbelstücke, die sie besaßen, abzutransportieren! George hatte alles aufs Spiel gesetzt, was sich in ihrem Haus an Besitz befand – und nun wollten diese Männer ihren Gewinn abholen. Während der Möbelwagen sich in Bewegung setzte, musste sich seine Mutter, mit ihren sieben Kindern allein gelassen, der Zukunft stellen, denn sie hatte niemanden, an den sie sich hätte wenden können. Deshalb kniete sie im Eingang nieder und fing an, zu beten. An diesem Tag sah Coe das erste Mal, dass seine Mutter betete. Die Situation wurde immer schlimmer. Am nächsten Tag tauchte ein Mann auf, der ihr Haus besichtigen wollte. In der Annahme, er wolle es erwerben, klärte Blanche ihn auf, das Haus sei unverkäuflich. Doch der Mann entgegnete: „Ich will das Haus nicht kaufen, es gehört mir ja schon! Es tut mir Leid, aber sie müssen ausziehen.“ Es war unglaublich. Sein Vater hatte sogar ihr Heim verspielt.2
„KEINE WÜRFEL, HERR COE!“ Blanche Coe zog mit ihren Kindern nach Pennsylvania, wo sie versuchte, ein neues Leben für sie aufzubauen. Sie wohnten im Kellergeschoss. Während Coes ältere Schwester auf die Kinder aufpasste, arbeitete Frau Coe tagsüber in einer Wäscherei und besuchte abends eine Krankenschwesternschule. Es war für alle ein zermürbender, harter Kampf.
41
KAPITEL 12
A. A. Allen
„Der Mann der Wunder“
„DER MANN DER WUNDER“
BB
evor wir uns mit A. A. Allens Biografie befassen, erlaube ich mir einige Bemerkungen, die uns helfen, sein Leben aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten.
Im Hinblick auf die verschiedenen Dienstgaben hat wohl jeder seine gewissen Vorlieben. Es gibt vielleicht bestimmte Dienste, die dir mehr zusagen als andere, doch nicht jede Dienstgabe passt immer genau in dein Schema. Einige unter uns werden erstaunt feststellen, dass Jesus völlig andere Vorstellungen vom Dienst hat, als wir, oder davon, wie er ausgeführt werden sollte. Ich würde solche „Vorlieben“ eher als etwas aus dem Verstand Kommendes bezeichnen als als eine Offenbarung in unserem Geist. Unsere persönlichen Vorlieben sind im Grunde nicht mehr und nicht weniger als eine Frage unseres Geschmacks. Man kann keine allgemein gültigen Regeln daraus ableiten. Deshalb müssen wir uns davor hüten, die Berufung oder die Dienstgabe eines anderen gemäß unseren persönlichen Vorlieben zu beurteilen. Wenn du dich nur mit solchen Diensten befasst, die deinem persönlichen Geschmack entsprechen, könnte dir unter Umständen etwas Wichtiges entgehen. Ich habe großes Mitgefühl mit A. A. Allen. Sicher, er hat Fehler gemacht. Jeder General hat Fehler begangen und auch kein zukünftiger General wird vollkommen sein. Meiner Meinung nach hat Allen einige Dinge, die er als „geistliche Werke“ bezeichnete, „im Fleisch“ getan.
Wenn man jedoch Allens katastrophalen Hintergrund in Betracht zieht, ist es bemerkenswert, wie er sich über all diese Dinge hinwegsetzte, um die Menschen dieser Welt für Jesus zu gewinnen. Nur wenige, wenn überhaupt irgendjemand, haben so viele Hindernisse überwunden wie Allen, um ihre göttliche Berufung auszuführen. Seine Lebensgeschichte wird jede Generation ansprechen. Denke daran, wenn du sie liest!
EIN WENIG MILCH UND EINE MENGE WHISKEY Asa Alonzo Allen kam an einem stürmischen Ostermorgen, am 27. März 1911, zur Welt. Seine Eltern,Asa und Leona, benannten ihren Sprössling nach seinem Vater und dessen Onkel, einem presbyterianischen Prediger. Sein Name war das Einzige, wodurch seine Eltern ihn mit Gott in Verbindung brachten, und sie dachten mit Sicherheit nicht im Traum daran, dass ihr Sohn eines Tages als Prediger enden würde. Doch Asa, der aus Sulphur Springs in Arkansas stammte, sollte eines Tages aus der Anonymität hervortreten, um einer der aufsehenerregendsten Erweckungsprediger der heutigen Zeit zu werden.
43
GOTTES GENERÄLE A. A. Allen rief mehr Meinungsverschiedenheiten hervor als irgendein anderer Heilungsevangelist der Voice-of-Healing-Bewegung.Wegen seines dramatischen Stils und seiner spektakulären Art wurde er aufs Schärfste kritisiert, und seine persönlichen Angewohnheiten brachten ihm heftigste Vorwürfe ein.Von den Medien wurde er verhöhnt und die Leiter der verschiedenen Denominationen ächteten ihn und forderten andere auf, sich von ihm zu distanzieren.Trotzdem wird er von einigen als einer der bedeutendsten Erweckungsprediger der Voice-of-Healing-Erweckungsbewegung angesehen.1 Bemerkenswert ist auch, dass die, die Allen kritisierten, in ihrem Dienst weitaus weniger erfolgreich waren als er. Allen wurde in äußerst zerrüttete Familienverhältnisse hineingeboren und im Haushalt der Allens war Chaos an der Tagesordnung.Als er zur Welt kam, hatte er bereits zwei Brüder und vier ältere Schwestern. Die einzige Freude, die er als Kleinkind erlebte, bereiteten ihm seine Schwestern, die ihn liebten, mit ihm spielten und ihn wie einen kleinen Prinzen behandelten. Seine Eltern waren Alkoholiker, die ihre Kinder in ärmlichsten Verhältnissen großzogen. Sein erstes Paar Schuhe bekam Allen von einem völlig fremden Mann geschenkt. Hinter ihrer Hütte brannten Allens Eltern ihren Whiskey selbst. Selbst während sie mit Asa schwanger war, trank seine Mutter viel, denn, arm wie sie waren, war ein weiteres Baby keineswegs ein Grund zur Freude. Der liebste Zeitvertreib der Eltern Allens war, ihm und seinen Schwestern so lange selbstgebrannten Whiskey einzuflößen, bis sie betrunken waren. Dann lehnten sie sich zurück und bogen sich vor Lachen über die Possen ihrer betrunkenen Kinder, bis diese umkippten oder bewusstlos wurden.2 Nachdem Allens Mutter seine Fläschchen einige Male mit Whiskey gefüllt hatte, um ihn zu beruhigen, wenn er weinte, lag schließlich jede Nacht ein mit selbstgebranntem Whiskey gefülltes Fläschchen neben ihm im Bettchen. Auch Tabak war in Hülle und Fülle im Haus der Allens vorhanden. Da er aus eigenem Anbau stammte, war er sehr stark. Noch ehe Asa in die Schule ging, hatte er schon gelernt, wie man Zigaretten rauchte. Jedes Mal, wenn er seiner Mutter eine Zigarette anzündete, zog er zuerst selbst ein paarmal daran.3 Sein Vater war ein talentierter Musiker, der, obwohl er kein Christ war, von den Leitern der Gemeinde im Ort gebeten worden war, den Chor zu leiten und bei ihren Aufführungen mitzuwirken. Dies tat er gewöhnlich in betrunkenem Zustand. Dieselben Talente hatte auch Asa mitbekommen und er stand oft an einer Straßenecke und sang vor einer Gruppe von Passanten. Es muss komisch ausgesehen haben, wenn dieser Junge mit seiner Kinderstimme die Hymnen sang, die er von seinem betrunkenen Vater gelernt hatte. Der kleine Allen sang diese Strophen immer und immer wieder, weil ihm die Leute kleine und große Geldstücke zuwarfen. So stieg er schon in jungen Jahren in die Unterhaltungsbranche ein, und er schien wie dafür geschaffen zu sein.
44
Copyright © 1996 by Roberts Liardon Originally published in English under the title God’s Generals by Roberts Liardon Whitaker House 1030 Hunt Valley Circle New Kensington, PA 15068 USA All rights reserved. Alle Rechte der deutschen Ausgabe, © 2007, bei:
Adullam Verlag St.-Ulrich-Platz 8 85630 Grasbrunn Tel 089/468801 www.adullam.de ISBN 978-3-931484-10-1