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traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 3

Traumgeschichten der Bibel Ausgewählt und eingeleitet von Hélène Renard Aus dem Französischen übersetzt und bearbeitet von Eva Mündlein

Deutsche Bibelgesellschaft


traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 5

Gute Nacht! – Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Josef – Traumspezialist par excellence . . . . . . . . . . . . . . . . 13

Jugendlicher Größenwahn? Die Träume des heranwachsenden Josef . . . . . . . . . . . . Gefährliche Träume Josefs Brüder verkaufen Josef nach Ägypten . . . . . . . . . Tod oder Leben Die Träume der Gefangenen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Agrarische Träume eines Staatsmannes Der Pharao träumt von Kühen und Ähren . . . . . . . . . . Nächtliche Reiseversicherung Gott macht Jakob Mut für die Reise nach Ägypten . . . Von Berufungen und Kehrtwenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hören statt Sehen Die »Hör-Träume« des jungen Samuel . . . . . . . . . . . . Schwerer Auftrag Die Berufung des Propheten Jesaja . . . . . . . . . . . . . . . . Wende um 180 Grad Das Bekehrungserlebnis des Paulus . . . . . . . . . . . . . . . Alles darf gegessen werden! Eine Vision ändert den Standpunkt des Petrus . . . . . . . Aufbruch zu neuen Ufern Paulus wird nach Europa gerufen . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Traumhafte Aussichten? – Träume, die in die Zukunft blicken . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

Erfolg garantiert Ein Traum sagt Gideons Sieg voraus . . . . . . . . . . . . . . 47 Auf die Probe gestellt Der Traum vom Standbild mit den tönernen Füßen . . . 50


traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 6

Inhalt

Ein Traum als Spiegel Nebukadnezzars Traum vom gefällten Baum . . . . . . . Ausflug in die Monsterwelt Die Bestien in den Träumen Daniels . . . . . . . . . . . . . . Ein Engel als Traumdeuter Die acht Visionen des Sacharja . . . . . . . . . . . . . . . . . . Traum statt Vaterschaftstest Die Ankündigung der Geburt Jesu . . . . . . . . . . . . . . . .

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Durch Träume gewarnt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aus der Traum! Abimelech erfährt im Traum die Wahrheit über Sara . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Familienstreitigkeiten Gott schützt Jakob vor Laban . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sterndeuter auf Umwegen Herodes soll nichts über das neugeborene Jesuskind erfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lebensrettende Träume Die Flucht nach Ägypten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Wunschträume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ein Traum erfüllt sich Jubel über die Heimkehr aus dem Exil . . . . . . . . . . . . . Davon kann man nur träumen! Salomo hat einen Wunsch frei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . »Wäre er doch nur hier …!« Liebestraum im Hohelied . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Wenn der Himmel sich öffnet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 Reger Verkehr zwischen Himmel und Erde Jakobs Traum von der Himmelsleiter . . . . . . . . . . . . . . 92


traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 7

Inhalt

Gott on the road Die Thronwagenvision des Ezechiël . . . . . . . . . . . . . . . 95 Göttliche Lichtverhältnisse Die Verklärung Jesu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Freie Sicht nach oben Stephanus’ Vision vor seinem Tod . . . . . . . . . . . . . . . .100 Offene Himmelstüren Die Offenbarung an Johannes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 Alpträume: Göttliche Botschaften oder Teufelswerk? . . .104

Nächtliche Schreckgespenster Die Träume Ijobs und seiner Freunde Elifas und Elihu .106 Kleine Frau – großer Traum Der Traum der Frau des Pilatus . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 Kein Entkommen Schreckensbilder verfolgen die Gottlosen . . . . . . . . . . . 112 Wer zu viel nachdenkt, träumt schlecht Entspannungstipps des Predigers . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Das Leben – ein einziger Alptraum? Was Sirach über das Schicksal des Menschen denkt . . . 116 Trau nicht jedem Traum! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Träume sind Schäume! Sirach hält nicht viel von Träumen . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Misstrauen ist angebracht Gegen die Anbeter der falschen Götter . . . . . . . . . . . . . 121 Träume(r) auf dem Prüfstand Jeremia warnt vor Lügenpropheten . . . . . . . . . . . . . . . 122 Träume und Visionen von einer neuen Welt . . . . . . . . . . . 125 Schwerter zu Pflugscharen Eine Welt ohne Krieg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .126


traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 8

Inhalt

Tote Knochen wieder lebendig Ezechiëls Vision vom Totenfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 Wenn Kalb und Löwenjunges zusammen weiden Jesajas Traum vom Friedenskönig . . . . . . . . . . . . . . . . .129 Schöne neue Welt Die Vision des Johannes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131 Guten Morgen! – Nachwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136


traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 13

Josef – Traumspezialist par excellence Im ersten Buch des Alten Testaments, im Buch Genesis, treffen wir auf einen großen Träumer: Die Rede ist von Josef, einem der zwölf Söhne Jakobs, dem Lieblingssohn seines Vaters. Die Träumerei scheint in der Familie zu liegen, denn auch von Jakob wird berichtet, er habe wichtige Träume gehabt, darunter den großen Traum von der Himmelsleiter (siehe Seite 92). Doch Josef ist nicht nur ein begabter Träumer, sondern macht sich darüber hinaus auch als ausgezeichneter Traumdeuter einen Namen. Träume spielen eine große Rolle für Josef und markieren wichtige Stationen seines Lebens. Seine Brüder verspotten ihn und nennen ihn den »Kerl, dem seine Träume zu Kopf gestiegen sind« (1 Mose/Genesis 37,19) – liebevoll ist das bestimmt nicht gemeint! Über mehrere Kapitel hinweg berichtet die Bibel von Josefs Träumen. Sie führen uns durch drei verschiedene Abschnitte in seinem Leben: Zuerst erfahren wir von den Träumen während seiner Jugendzeit und von den Konsequenzen, die sie für Josefs Leben haben. Dann werden die Träume der zwei Beamten geschildert, die mit Josef in Ägypten im Gefängnis sitzen. Schließlich

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traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 14

Josef – Traumspezialist par excellence

lernen wir die Träume des Pharaos kennen, die Josef mit Gottes Hilfe deutet und die wieder einmal große Veränderungen in Josefs Leben mit sich bringen. Josefs Träume sind nicht nur angenehm. Oft bringen sie ihn in Verlegenheit, in schwierige Situationen und sogar in Lebensgefahr. Doch am Ende der Geschichte wird sichtbar, dass Gott durch diese Träume Josef im Auf und Ab seines bewegten Lebens begleitet und geführt hat. Die Josefsgeschichte ist eine Absage an alle menschlichen Versuche, Träume erschöpfend und definitiv zu deuten. Ihre Aussage ist klar und eindeutig: Gott ist der Einzige, der weiß, was Träume wirklich bedeuten, da er selbst sie den Menschen schickt. Ein Mensch, der die Träume anderer Menschen deutet, kann immer nur ein Sprachrohr Gottes sein.

Jugendlicher Größenwahn? Die Träume des heranwachsenden Josef

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Die Jugend ist das Alter der hochfliegenden Träume. Das ganze Leben liegt noch vor einem und bietet so wie eine unbeschriebene Tafel viel Platz für allerlei große Visionen und Pläne: Die Welt verbessern … etwas Neues erfinden … berühmt werden … das große Geld machen … ! Von kühnen Jugendträumen berichtet auch die Bibel. Mit ihnen beginnt die Geschichte von Josef im Buch Genesis. Da ist Josef gerade mal siebzehn Jahre alt. Josefs Träume stehen


traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 15

Die Träume des heranwachsenden Josef

wie eine leuchtende Überschrift über seinem weiteren Leben – gewissermaßen als Richtungsschild und Zielpunkt. Und anders als viele Jugendträume, die irgendwann an der harten Realität zerplatzen, stellt sich am Ende der Geschichte heraus, dass Josefs Träume Wirklichkeit geworden sind. Josefs Brüder verstehen seinen Traum sofort und sind empört. Die Rolle, die ihnen dort zugedacht ist, gefällt ihnen überhaupt nicht. Was für ein verwöhnter, arroganter Schnösel ihr Bruder doch ist! Auch seinem Vater erzählt Josef, was er geträumt hat. Und auch der ist aller Vaterliebe zum Trotz nicht gerade erfreut über den Größenwahnsinn seines Sprösslings, der darin zum Ausdruck kommt. (1 Mose/Genesis 37,2-11)

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akobs Sohn Josef war noch ein junger Bursche von siebzehn Jahren. Er half seinen Brüdern, den Söhnen von Bilha und Silpa, beim Hüten der Schafe und Ziegen. Er hinterbrachte seinem Vater immer, was die Leute sich von dem Treiben seiner Brüder erzählten. Jakob hatte Josef von allen seinen Söhnen am liebsten, weil er ihm erst im Alter geboren worden war. Deshalb ließ er ihm ein prächtiges Gewand machen. Als seine Brüder sahen, dass der Vater ihn mehr liebte als sie alle, begannen sie ihn zu hassen und konnten kein freundliches Wort mehr mit ihm reden. Einmal hatte Josef einen Traum. Als er ihn seinen Brüdern erzählte, wurde ihr Hass noch größer. »Ich will euch sagen, was ich geträumt habe«, fing Josef an. »Wir waren mitein-

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traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 16

Josef – Traumspezialist par excellence

ander auf dem Feld, schnitten Getreide und banden es in Garben. Auf einmal stellt sich meine Garbe auf und bleibt stehen. Und eure Garben, die stellen sich im Kreis um sie herum und verneigen sich vor meiner.« Seine Brüder sagten zu ihm: »Du willst wohl noch König werden und über uns herrschen?« Wegen seiner Träume und weil er sie so offen erzählte, hassten ihn seine Brüder noch mehr. Er hatte nämlich noch einen anderen Traum, und auch den erzählte er ihnen. »Ich habe noch einmal geträumt«, sagte er. »Ich sah die Sonne, den Mond und elf Sterne. Stellt euch vor: Die alle verneigten sich vor mir.« Als er das seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, fuhr sein Vater ihn an und sagte: »Was ist das für ein dummer Traum, den du da geträumt hast? Ich und deine Mutter und deine Brüder, wir alle sollen uns vor dir niederwerfen?« Die Brüder waren eifersüchtig auf Josef; aber sein Vater behielt die Sache im Gedächtnis.

Gefährliche Träume Josefs Brüder verkaufen Josef nach Ägypten

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Träumen ist eine gefährliche Angelegenheit. Und noch gefährlicher kann es sein, gewisse Träume Menschen zu erzählen, die von Neid zerfressen werden. Als Josefs Brüder von den Träumen ihres Bruders erfahren, läuft das Fass über. Sie beschließen: Genug geträumt! Wir zeigen Josef, was wirklich Sache ist! Und so kommt es, dass Josefs


traumgeschichten 25.06.2007 15:41 Uhr Seite 17

Josefs Brüder verkaufen Josef nach Ägypten

Schicksal eine Wendung nimmt, die seinen Träumen zunächst zu widersprechen scheint. Eines Tages wird Josef von seinem Vater in die Region von Sichem geschickt, wo Josefs Brüder die Herden der Familie weiden. Nachdem der verträumte Josef eine Weile umhergeirrt ist, findet er seine Brüder schließlich in der Nähe von Dotan. Die Begegnung wird Josefs Leben grundlegend verändern. (1 Mose/Genesis 37,18-36)

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ie Brüder sahen Josef schon von Weitem. Noch bevor er herangekommen war, stand ihr Entschluss fest, ihn umzubringen. Sie sagten zueinander: »Da kommt der Kerl, dem seine Träume zu Kopf gestiegen sind! Schlagen wir ihn doch tot und werfen ihn in die nächste Zisterne! Wir sagen einfach: Ein Raubtier hat ihn gefressen. Dann wird man schon sehen, was aus seinen Träumen wird!« Als Ruben das hörte, wollte er Josef retten. »Lasst ihn am Leben!«, sagte er. »Vergießt kein Blut! Werft ihn in die Zisterne da drüben in der Steppe, aber vergreift euch nicht an ihm!« Er hatte die Absicht, Josef heimlich herauszuziehen und zu seinem Vater zurückzubringen. Als Josef bei ihnen ankam, zogen sie ihm sein Obergewand aus, das Prachtgewand, das er anhatte. Dann packten sie ihn und warfen ihn in die Zisterne. Die Zisterne war leer; es war kein Wasser darin. Dann setzten sie sich zum Essen. Auf einmal sahen sie eine Karawane von ismaëlitischen Kaufleuten aus der Richtung von Gilead herankommen. Die Ismaëliter waren auf dem Weg nach Ägypten; ihre

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