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Standpunkte 03/2024

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Industrial Metaverse

Auf Auf Tuchfühlung Tuchfühlung mit mit dem dem digitalen digitalen Zwilling Zwilling Keine Frage, Virtualität hat Vorteile. Man kann Handgriffe an großen Maschinen üben, die nur schwer oder teuer zu beschaffen sind. Oder durchtesten, bevor man Abläufe in der Realität umorganisiert: Das Industrial Metaverse ist ein großes Experimentierfeld – und in manchem M+E-Betrieb doch schon erprobte Praxis. Fisch trifft auf Stahl, genauer frischer Lachs auf rotierende Klingen. Wie die Maschine Tonnen ausgewachsener Lachse aus der Aquakultur so schnell in Reihe und damit auf Filetierlinie bringt, ist nicht genau auszumachen. „Da steckt Physik drin“, sagt Thomas Raths. Der Leiter Automation in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei BAADER zeigt das Video von der norwegischen Lachsfabrik nicht auf einer Lebensmittelmesse. Vielmehr ist es Teil einer Präsentation zum Thema Industrial Metaverse. „Ein Buzzword“, konstatiert Raths. Für den Diplom-Ingenieur steht es vor allem für die Arbeit mit digitalen Zwillingen, die helfen, Risiken zu reduzieren und neue Prototypen zu testen, bevor man in die reale Umsetzung geht. „Maschinen vollumfänglich virtuell zu validieren und zu verifizieren“, heißt das in der Fachsprache technischer Prüfverfahren. Je nachdem, was man simulieren will – und mit welchem finanziellen Aufwand –, werden ganze Fabriken, bestimmte Prozesse oder nur einzelne Maschinen in einem „digital twin“ abgebildet. „Man muss das Beste für sich dabei heraussuchen“, betont Raths. Bei großen Playern wie Siemens kann das schon mal eine ganze Fabrik sein, die erst virtuell abgebildet und dann mit realen Produktdaten gespeist wird. Das hat im Erlanger Werk schon Abläufe schneller und kosten-

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günstiger gemacht. Die Modellierung vereinfache aber auch die Planung neuer Fabriken, weiß Raths: „Wo müssen welche Maschinen und Fertigungsschritte sein. Das wird getestet, bevor es gebaut wird.“ Das familiengeführte Unternehmen in Lübeck ist für den Münchner Technologiekonzern eine gern präsentierte Erfolgsgeschichte: BAADER setzt seit 2021 bei der Entwicklung von Spezialmaschinen in der Lebensmittelverarbeitung auf die Simulation durch digitale Zwillinge – mit einer Steuerung aus dem Hause Siemens. Seitdem wurde am Standort Lübeck die Entwicklungsabteilung um- und Expertise aufgebaut: Mechaniker, Elektriker und IT arbeiten parallel, entwickeln und testen neue Filetiermaschinen zunächst virtuell. Reibung, Masse, Trägheit eines neuen Werkzeug-Prototyps lassen sich so gut erfassen. Schwieriger wird es beim Zusammenwirken zwischen Maschine und Material. Fisch ist nun einmal nicht Stahl, Lachs nicht Hering und nicht einmal Hering gleich Hering: Größenunterschiede, saisonale und regionale Einflüsse sollen im Modell berücksichtigt werden. „Die Interaktion zwischen Werkzeug, Maschine und Fisch zu simulieren, ist unser Zukunftsthema“, sagt Raths. Das Industrial Metaverse ist Zukunft und in allen Branchen ist dazu etwas unterwegs, auch wenn es nicht im-


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