5. ABO-KONZERT AUS DER NEUEN WELT
2025
22.05. Aarau Alte Reithalle
23.05. Baden Kurtheater
25.05. Aarau Alte Reithalle
Rune Bergmann Chefdirigent argovia philharmonic
Residenzorchester Alte Reithalle Aarau
Energie für den Aargau IMPRESSUM Herausgeber argovia philharmonic Entfelderstrasse 9 Postfach 5001 Aarau Tel. 062 834 70 00 info@argoviaphil.ch www.argoviaphil.ch Redaktion und Layout Linda Schumacher Werktexte Sibylle Ehrismann Titelseite Rune Bergmann und argovia philharmonic (Foto: Patrick Hürlimann) Fotocredits S. 22/26/27 Patrick Hürlimann Druck AEW Energie AG merkur medien ag 4800 ZofingenObere Vorstadt 40 Postfach www.merkurmedien.ch CH-5001 Aarau Auflage T +41 62 834 21 11 1400 Exemplare info@aew.ch 2
www.aew.ch
Programm Rune Bergmann Chefdirigent argovia philharmonic Leonard Bernstein (1918–1990)
11’
Drei Tanzepisoden aus dem Musical «On the Town» I II III
The Great Lover Lonely Town (Pas des deux) Times Square: 1944
Rodolphe Schacher (*1973) «Rêveries nocturnes» Suite für Orchester (Uraufführung) I II III IV V
15’
Zum Mond ÄDU… auf dass es gut enden möge Nach dem Lichterlöschen Marys unglaubliche Wandlung Lichter-Wende
Nach Texten von Pia Troxler / Aimée Pfund, Erich Haller / Klara Hardmeier, Peter Woodtli / Marianna Vogt, Rahel Portmann, Susanna Ries / Anaïs-Madlaina Büchl, Annekatrin Ranft-Rehfeldt PAUSE
Antonín Dvořák (1841–1904)
20‘ 40’
Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 «Aus der Neuen Welt» I II III IV
Adagio - Allegro molto Largo Molto vivace Allegro con fuoco
Bitte schalten Sie vor dem Konzert Ihr Mobiltelefon auf lautlos. Bildaufnahmen sind erlaubt, sofern sie das Orchester und die Sitznachbarn nicht stören. Ton- und Videoaufnahmen des Konzerts sind nur mit Einwilligung erlaubt. 3
Supplements Konzerteinführung Dr. Verena Naegele nimmt jeweils 45 Minuten vor dem Konzert das Programm unter die Lupe. In Aarau findet die Konzerteinführung im Odd Fellow-Haus der Schenkenberg-Loge Nr. 15 am Apfelhausenweg 10 statt, in Baden im Neuen Foyer. Wir danken der Schenkenberg-Loge Nr. 15 Aarau herzlich für die unentgeltliche Überlassung ihres Refektoriums für die Durchführung unserer Konzerteinführungen.
Speis & Trank rund ums Konzert Aarau: Besuchen Sie die Bar im Stall (ab 60 Minuten vor Konzertbeginn, in der Pause und nach dem Konzert) oder geniessen Sie einen Drink im Foyer (nur während der Pause). Baden: Die Bar im Sachs Foyer ist vor dem Konzert und in der Pause geöffnet.
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Daten Mai 2025 Do
Fr
So
22 23 25
19.30 Uhr
Aarau
18.45
Alte Reithalle
19.30 Uhr
Baden
18.45
Kurtheater
17.00 Uhr
Aarau
16.15
Alte Reithalle
Die Konzerte werden von SRF 2 Kultur mitgeschnitten und zu einem späteren Zeitpunkt im Radio ausgestrahlt.
Herzlichen Dank Neben unseren Geldgebern und Sponsoren, die uns während der ganzen Saison unterstützen und unsere Tätigkeiten überhaupt erst ermöglichen – eine vollständige Übersicht finden Sie am Ende dieses Programmheftes –, möchten wir an dieser Stelle den Konzertsponsoren des 5. Abo-Konzert-Zyklus besonders danken: Anne und Manfred Halter, Erlinsbach
Engagieren auch Sie sich für das argovia philharmonic: www.argoviaphil.ch/engagement 5
cie xy | © Samuel Buton
© Samuel Buton
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Liebes Publikum Nun ist es so weit. Wir erleben gemeinsam die letzten Konzerte unseres Chefdirigenten Rune Bergmann mit dem argovia philharmonic. Der Kreis schliesst sich mit Bernsteins «On the town» und Dvořáks 9. Sinfonie, die Rune bei seinem ersten Konzert 2017 bereits dirigiert hatte. Es war eine bewegende Zeit mit Rune Bergmann, für das Orchester, für Rune, für die Gesellschaft, für die Welt. Für einen Rückblick ist hier zu wenig Platz. So lesen Sie am besten den Magazinbeitrag von Dr. Verena Naegele. Rune Bergmann ist ein Familienmensch, aber gleichzeitig ein dauernder Weltenbummler. Rune tritt mit Weltstars auf, ist aber gleichzeitig höchst bescheiden. Und letzterem ist auch geschuldet, dass wir ihn «nur» im Rahmen des Sonntagskonzert verabschieden werden. Sein Abschied ist aber auch eine Geburt einer neuen Komposition von Rodolphe Schacher. Über ein halbes Jahr hat die Schreibwerkstatt des Aargauer Literaturhauses an Texten gearbeitet, die als Inspiration für die eigens für das argovia philharmonic komponierte Suite dienten. Im Brunchkonzert vom Samstag steht diese im Zentrum und wird vom Komponisten sowie vom Moderator Michael Schraner seziert und dem Publikum erklärt. Ich freue mich, das Saisonfinale gemeinsam mit Ihnen allen zu bestreiten und Rune mit grösstem Dank zu verabschieden. Good bye and see you again, Rune! Herzlich, Ihr
Simon Müller Intendant 7
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5. ABO-KONZERT WERKBESCHRIEB LEONARD BERNSTEIN
New York, New York Leonard Bernstein (1918–1990)
Drei Tanzepisoden aus dem Musical «On the Town» I II III
The Great Lover Lonely Town (Pas des deux) Times Square: 1944
Leonard Bernstein war der Sohn jüdischer Emigranten aus Russland und somit ein «echter» Amerikaner. Geboren wurde er in Boston, er kam also aus der Provinz. Doch New York wurde sein künstlerisches Zentrum. «Es ist diese Stadt, die mich immer wieder packt. Kein Wunder, dass ich stets neu über sie komponiere», erzählte Bernstein in einem Interview. Als musikalisches Universalgenie beherrschte er die verschiedensten Metiers: er war herausragend als Dirigent, Pianist, Komponist und Pädagoge. Bei all diesen Tätigkeiten glaubte er an die Einheit von «Ernstem» und «Leichtem», wie sie zu Mozarts Zeiten bestand. Bernstein konnte alles komponieren. Er schrieb drei grosse Symphonien, Chorwerke, Opern, Ballettmusik, und natürlich seine berühmten Musicals, von denen die «West Side Story» am meisten Furore machte. Gerade im 10
traditionsbewussten Europa wurde diese Vielseitigkeit anfangs skeptisch beurteilt. Bernsteins «ernste» Werke wurden als eklektizistisch gebrandmarkt, in der Szene für Neue Musik rümpfte man die Nase. Doch der dandyhafte Amerikaner brachte auch in Europa frischen Wind. Ein wichtiger Einschnitt seiner Dirigentenkarriere – ab 1957 war er Chefdirigent des renommierten New York Philharmonic Orchestra – war die Produktion von Verdis «Falstaff» an der Wiener Staatsoper. Durch sein Wirken an diesem prestigeträchtigen Haus ebnete er den Weg für viele amerikanische Dirigenten in Europa. Zugleich weckte er mit seinem leidenschaftlichen Einsatz im Bereich sowohl der Uwie auch der E-Musik selbst bei europäischen Kulturtraditionalisten Sympathie für Crossover.
«On the Town» (1944) war Bernsteins erstes Musical. Eigentlich entstand es durch Zufall. Als sich der erst 26-jährige Komponist einer Operation unterziehen musste, wurde sein Freund Adolph Green gleichzeitig ins Krankenhaus eingeliefert. Es kam zu lebhaften Gesprächen und zu einem intensiven Gedankenaustausch. Kurz zuvor hatten Bernstein, Green und Betty Comden beschlossen, das Ballett «Fancy Free» als Grundlage für ein Musical zu benutzen. Bernstein fing Feuer und war begeistert von der Idee, selbst einmal ein Broadway-Musical zu komponieren. Im Krankenhaus hatte er die nötige Zeit, die musikalischen Grundideen waren schnell skizziert. Das Musical erzählt von den Abenteuern dreier Matrosen, die 24 Stunden Landurlaub haben. Jeder von ihnen hat seine eigene Vorstellung davon, wie er New York und eines seiner Mädchen erobern könnte. Gabey ist ein gefühlvoller Romantiker, Chip ist kühl und berechnend, und der letzte im Bunde will sich nur gut amüsieren. Die Premiere des Musicals fand am 28. Dezember 1944 in New York statt. Und kurz darauf stellte der clevere Komponist aus dem Musical «On the Town» eine Art Suite mit dem Titel «Three Dance Episodes» zusammen, ähnlich den «Symphonic Dances» aus der späteren «West Side Story». Die erste Episode «The Great Lover» gilt dem Tanz, es ist ein cooles,
grooviges Schlendern, sehnsüchtig aufgeladen gespielt von einer Brass-Band. Im darauffolgenden Pas des deux «Lonely Town» schrieb Bernstein eine seiner populärsten Melodien. Aaron Coplands «Americana»-Stil stand ihm hier Pate. Coplands melancholische, langsam sich wandelnde Harmonien wurden als «Sound of American music» wahrgenommen, der die Weiten der amerikanischen Prärie und den Pioniergeist darstellen sollte. Im finalen «Times Square Ballet» wird das berühmte Vergnügungsviertel New Yorks zelebriert, zum Welthit wurde der Song «New York, New York, it’s a helluva town». Wegen dieses Hauptsongs ist «On the Town» bei uns auch unter dem Bühnentitel «New York, New York» bekannt. Es handelt sich dabei allerdings nicht um den Welthit «Theme from New York, New York», der aus Martin Scorseses Film «New York, New York» von 1977 stammt. Die häufige Verwechslung beider Songs rührt nicht zuletzt daher, dass Frank Sinatra Ersteren in der Verfilmung «On the Town» sang und mit Letzterem 1980 einen seiner grössten Erfolge erzielte. «Das Werk ist ungeheuer unpraktisch, weil es ziemlich viel Arbeit erfordert, aber nur fünf Minuten dauert. Meistens ist das Publikum ob der Kürze völlig verwirrt, trotz des langen Schlussakkords, der das Stück krönt.»
Text: Sibylle Ehrismann
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5. ABO-KONZERT WERKBESCHRIEB RODOLPHE SCHACHER
Auftragskomposition Rodolphe Schacher (*1973) «Rêveries nocturnes» Suite für Orchester (Uraufführung) I II III IV V
Zum Mond ÄDU… auf dass es gut enden möge Nach dem Lichterlöschen Marys unglaubliche Wandlung Lichter-Wende
Der schweizerisch-französische Komponist Rodolphe Schacher (*1973), Professor für Komposition und Theorie an den Musikhochschulen Genf, ist ein viel gefragter Komponist für Kinder. Namhafte Orchester haben ihm schon Aufträge erteilt, erst kürzlich komponierte er für die Tonhalle-Gesellschaft Zürich die Kammermusik «Kinderwunderbunt». Nun lässt er sich im Auftrag des argovia philharmonic auf ein spezielles Vermittlungsprojekt ein, welches Janina Kriszun konzipiert hat. Die Idee dazu kam vom Verband Schweizerischer Berufsorchester orchester.ch. Dieser schrieb das Musikvermittlungsprojekt «zusammen, 12
Komponist Rodolphe Schacher
insieme, ensemble» aus, an welchem sich die Orchester schweizweit beteiligen konnten. Das argovia philharmonic machte mit und lancierte eine «Komponistenwerkstatt», in welcher zehn Teilnehmende jeder Altersklasse bei der
Entstehung einer Neukomposition beteiligt sind. Diese Teilnehmenden trafen sich mehrmals im Müllerhaus Lenzburg, um sich über das Phänomen Musik und den Klang der Sprache Gedanken zu machen. Für ihre Texte einigten sie sich auf das Motto «Bindungen». So entstanden fünf fantasievolle Textvorlagen, epische und lyrische, die den Komponisten Schacher zu seiner Suite inspirierten. Man sieht es schon der Orchesterbesetzung an, dass in diesem rund 15-minütigen Stück die Klangfarben eine wichtige Rolle spielen. Das reichhaltige Schlagwerk fordert zwei Perkussionisten, es beinhaltet unter anderem Chinesische Becken, Röhrenglocken, Zimbeln, Vibraphon und Bar Chimes. Und die Harfe bietet sich für mysteriöse Stimmungen geradezu an. Die Texte wurden nicht direkt vertont, und sie werden bei der Aufführung auch nicht gelesen. Sie dienten als Vorlage. Wie hat es Schacher geschafft, fünf so unterschiedliche Vorlagen zu einem dramaturgisch interessanten Stück zu verbinden? «Beim genauen Durchlesen habe ich in jeder Geschichte das Besondere gesucht. Dementsprechend gibt es in jedem Stück musikalische Elemente, die nur hier vorkommen. Und jeder Text hat eine eigene Klangfarbe bekommen. Ich möchte, dass die Zuhörer:innen anhand meiner Musik die Geschichte spüren können.»
Die Titel der Texte lauten: « Zum Mond», «ÄDU… auf dass es gut enden möge», «Nach dem Lichterlöschen», «Marys unglaubliche Wandlung» und «Lichter-Wende». Langsame Satzangaben wie Lento (3. Satz) und Largo (5. Satz) stehen für eher mysteriöse Stimmungen, das Andante (1. und 4. Satz) hat einen fortschreitenden Charakter. Aus der Reihe tanzt der heftig bewegte zweite Satz Agitato. Hier, im «ÄDU… auf dass es gut enden möge», geht es um dringliche Fragen und Vorwürfe an den Menschen. Schacher versteht es meisterhaft, in nur drei Minuten pro Satz seine musikalischen Geschichten zu erzählen. Ein Blick in die Partitur offenbart im ersten Satz «Zum Mond» einen ruhigen, sich innig verdichtenden Klangaufbau. Die Bläser spielen dabei eine wichtige Rolle. Sanfte rhythmische Verschiebungen mit Triolen und Synkopen sorgen für Spannung, das Schlagwerk wird dem Klang effektvoll beigemischt. Der musikalische Aufstieg führt ins Himmlische, ins Mysterium der Nacht. Oft verlangt Schacher ein leises Spiel, hin und her pendelnd zwischen Pianissimo und Mezzoforte. Umso wirkungsvoller sind die wenigen Steigerungen ins Fortissimo-Tutti, wie etwa zum Schluss des zweiten Satzes. Im Text «Lichter-Wende», der als Vorlage für den fünften Satz dient, gibt es eine interessante Passage: «Es klingt das Orchester der Nacht». 13
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Dabei wird jedem Orchesterinstrument ein kleines Gedicht gewidmet. Wie geht Schacher damit um? «Es war mir natürlich nicht möglich jedes Instrument zu berücksichtigen, dafür reichen drei Minuten nicht aus. Aber ich habe darauf geachtet, dass einige Instrumente solistisch hervortreten, damit man ihre Klangfarbe bewusst erkennen kann.» Schachers Musik hat Charakter, sie ist spannend und schillert in al-
len Farben. Die Klänge faszinieren, und plötzlich überraschen einen unerwartete Harmonien. «Ich habe in diesem Stück viel Neues ausprobiert», erzählt Schacher, «etwa in der Kombination von Quarten und Quinten. Ich war selbst überrascht, wie mich diese Texte zu Harmonien führten, die ich so noch nie verwendet habe.» Text: Sibylle Ehrismann
In Kooperation mit dem Aargauer Literaturhaus Lenzburg. Die Auftragskomposition wird unterstützt durch:
inspiriert. verzaubert. begeistert.
5. ABO-KONZERT WERKBESCHRIEB ANTONÍN DVOŘ ÁK
Böhmischer Gruss aus Amerika Antonín Dvořák (1841–1904) Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 «Aus der Neuen Welt» I II III IV
Adagio - Allegro molto Largo Molto vivace Allegro con fuoco
Antonín Dvorák war ein Böhme durch und durch. Als ihn 1892 der Ruf nach Amerika erreichte, hatte eben seine 8. Sinfonie in England Sensationserfolge gefeiert. Zudem war er 1891 als Kompositionslehrer ans Prager Konservatorium berufen worden. Dvorák war der Inbegriff der böhmischen Nationalmusik, vermochte er doch wie kein Zweiter, slawische Folklore mit absoluter Musik zu verbinden. Er zögerte deshalb lange, als ihm Jeanette M. Thurber, die umtriebige Gründerin des ersten amerikanischen Konservatoriums in New York, das Angebot machte, 1892 die Direktion des National Conservatory in New York zu übernehmen. Thurber erhoffte sich vom 16
Dvořák als Dirigent. Gemälde von Karel Soucek. Dvoraqk-Museum Prag
«böhmischen Brahms», wie Dvorák gerne bezeichnet wird, dass er in New York eine Art «amerikanische Schule», einen spezifisch amerikanischen Stil begründe. Dvorák ging schliesslich darauf ein und reiste nach New York. «Die Amerikaner erwarten grosse Dinge von mir», schrieb er einem Freund, «vor allem soll ich ih-
nen den Weg [...] in das Reich der neuen, selbständigen Kunst weisen, kurz, eine nationale Musik schaffen!» Sein erstes in den USA fertiggestelltes Werk heisst denn auch «Aus der Neuen Welt», es handelt sich um seine letzte Sinfonie. Natürlich feierte die amerikanische Presse dieses Werk nach der Uraufführung am 16. Dezember 1893 in der Carnegie Hall New York als typisch «amerikanische» Sinfonie. Doch war sie wirklich so amerikanisch? Tatsächlich hat sich Dvorák um die amerikanische Volksmusik bemüht. Dazu studierte er Musik der Indianer und auch Negro-Spirituals, also Musik der schwarzen Bevölkerung. Auch hat Dvorák nicht verschwiegen, während der Arbeit an der Sinfonie Anregungen durch die Lektüre von Henry Wadsworth Longfellows Indianer-Epos «Song of Hiawatha» bekommen zu haben. Ursprünglich wollte er aus diesem Indianer-Stoff eine Oper machen, doch daraus wurde nichts. Natürlich war Dvorák mittlerweile zum Meister der Symphonik gereift, seine «Neunte» ist formal konventionell gebaut und sie besticht vor allem durch die dichte satztechnische Verflechtung der einzelnen Sätze untereinander. Dennoch wurde vor allem darüber spekuliert, inwieweit er 16 Melodien indianischer Musik zitiert hat. Dvorák schrieb dazu: «Ich habe keine dieser Melodien direkt verwendet. Ich habe einfach eigene Melodien erfunden, in die ich die Eigenheiten der Indianermusik eingearbeitet
habe. Diese Themen habe ich dann mit allen Mitteln moderner Rhythmik, Harmonik. Kontrapunkt und Orchesterfarben verarbeitet.» Als Beweis für typisch indianische Idiome wird bis heute die Pentatonik einzelner Themen angeführt, vor allem die Englischhorn-Melodie des Largos. Die Pentatonik besteht aus einer Tonleiter mit fünf ganzen Tönen, es fehlen also die Leittöne. Dieser Mangel an innerer Spannung verleiht den pentatonischen Skalen einen statischen, schwebenden Charakter. Sie tritt jedoch nicht nur in der Indianermusik auf, auch die slawische Volksmusik ist hauptsächlich pentatonisch. Andererseits wurden die Synkopen des ersten und dritten Hauptthemas im Kopfsatz mit den «Scotch Snaps» der Negro-Spirituals in Verbindung gebracht. Synkopen charakterisieren aber auch die böhmische Folklore. Man ging sogar so weit, das Hauptthema des Scherzos als stilisierten «Indianer-Tanz» zu deuten. Das bereits erwähnte Indianer-Epos hat wohl am deutlichsten im langsamen 2. Satz seinen Niederschlag gefunden. Er ist mit Legenda (Erzählung) übertitelt. Musikalisch offenbart sich dies im andächtig ruhigen Klang eines Bläserchors, in der Verwendung eines Englischhorns, und im Tritonusverhältnis der ersten beiden Akkorde, was wie eine Entrückung wirkt. Dazu kommen Seufzermotive und Vorhaltsbildungen. Im Scherzo gelingt Dvorák dank einer Musik voller Derbheit und Witz ein 17
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faszinierender Kontrast zu dieser melancholischen Legende. Berühmt ist der überraschend dominante Einsatz des Triangels, der auch das frische Walzer-Trio rhythmisch begleitet. Den Abschluss der Sinfonie bildet ein Allegro con fuoco, das dieser Bezeichnung alle Ehre macht. Erregend ist schon die kurze, von den Streichern und Bläsern vorgetragene Einleitung, der das kraftvoll pathetische Hauptthema mit schmetternden Trompeten und Hörnern folgt. Im Seitenthema singt die Klarinette eine elegische Kantilene, böhmischer könnte sie nicht sein.
Irgendwie klingt aus dieser Sinfonie auch Heimweh des Komponisten durch. Amerika war nicht Dvoráks Land, er kehrte bereits 1895 an das Prager Konservatorium zurück, dessen Direktor er 1901 wurde. Und er komponierte fortan keine Sinfonien mehr, sondern «Symphonische Dichtungen» über Balladen aus seiner tschechischen Heimat. Text: Sibylle Ehrismann
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5. ABO-KONZERT KÜNSTLERBIOGR AFIE RUNE BERGMANN
Rune Bergmann Chefdirigent
Der norwegische Dirigent Rune Bergmann ist derzeit Musikdirektor des kanadischen Calgary Philharmonic, künstlerischer Leiter und Chefdirigent des polnischen Szczecin Philharmonic und seit der Saison 2020/21 Chefdirigent des argovia philharmonic. Seit dem Sommer 2023 ist er auch Musikdirektor des Peninsula Music Festivals in Wisconsin, USA. Gastengagements in der Saison 2023/24 führten Bergmann erneut an die Podien der Baltimore, Colorado und Utah Symphony Orchestras. Ausserdem hat er seine Debüts bei dem Beethovenorchester Bonn, dem Buffalo Philharmonic und dem Sarasota Orchestra gegeben. Zu Bergmanns jüngsten Gastengagements gehören Konzertwochen mit den Baltimore, Colorado Detroit, Edmonton, Houston, New Jersey, Pacific und Utah Symphony Orchestras in Nordamerika sowie mit dem Bergen Philharmonic, dem Orchestra della Svizzera Italiana, dem Orquesta Sinfo-
nica Portuguesa, dem Norwegian National Opera Orchestra, dem Orquesta de Valencia, dem Orquesta Filarmonica de Malaga, Spaniens ADDA Simfonica, der Staatskapelle Halle, dem Wrocław Philharmonic und dem Risør Festival in Europa, um nur einige zu nennen. Bergmann leitete auch Aufführungen von «Il barbiere di Siviglia» und «La Traviata» an der Norwegischen Nationaloper und gab sein US-Operndebüt in Brittens «A Midsummer Night's Dream» in der Inszenierung von Claudia Solti an der Yale Opera. Frühere Gastengagements führten ihn unter anderem zum Oslo Philharmonic, New Mexico Philharmonic, den Münchner Symphonikern, dem Mainfranken Theater Würzburg, der Philharmonie Südwestfalen sowie den Sinfonieorchestern von Malmö, Helsingborg, Kristiansand, Stavanger, Trondheim, Karlskrona und Odense. 2018 erschien Bergmanns erste Aufnahme mit der Stettiner Philharmonie, auf der die Sinfonie «Auferstehung» in e-Moll von Mieczyław Karłowicz zu 23
Klänge, die berühren Ob der satte Klang eines 8-Zylinders oder die zarte Passage von Klavier und Geige – uns fasziniert harmonisches Zusammenklingen. www.amag.ch
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hören ist: Ein Werk, das inzwischen zu einem Schwerpunkt in Bergmanns Repertoire geworden ist. Ausserdem hat er mit dem argovia philharmonic Aufnahmen veröffentlicht, darunter Ravels Klavierkonzert in G-Dur und Mozarts Fagottkonzert in B-Dur. Zu Beginn seiner Karriere war Rune Bergmann Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor am Theater Augsburg, wo er zahl-
reiche Opern leitete, darunter «La Traviata», «Der fliegende Holländer» und «Die Fledermaus». Ausserdem war er Erster Gastdirigent der Kaunas City Symphony und ist seit der Gründung 2010 künstlerischer Leiter des innovativen Fjord Cadenza Festivals in Norwegen. www.conducting.no
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Orchesterbesetzung 1. VIOLINE Ulrich Poschner 1. Kzm. Mireille Lesslauer Stv. Kzm. Bozidar Ljubin Sari Erni-Ammann Angelika Limacher-Scheibler Mira Migliorese Susanne Dubach Gleditsch Giovanni Barbato Liese Mészár* Stefan Glaus 2. VIOLINE Agata Lazarczyk Solo-Violine Sergej Novoselić Stv. Stf. Sabina Curti Marianna Szadowiak Kathrin Jakob Ursina Anna-B. Schnyder Cristina Amato Martina Gallo VIOLA Andreas Fischer Solo-Viola N. N. * Stv. Stf. 26
Xiao Bürgi-Ma Dominik Klauser Katarzyna Duz-Bielec Nadiya Husar Barbato VIOLONCELLO Orlando Theuler Solo-Violoncello Regula Schüpbach Stv. Stf. Giulia Ajmone-Marsan Nico Prinz Yoon Jeong Woo N. N.* KONTRABASS Dariusz Mizera* Solo-Kontrabass David Brito Stv. Stf. Elmar Kremsa Koichi Kosugi FLÖTE Miriam Terragni Solo-Flöte Barbara Stoessel-Gmür Piccolo
OBOE Juan Carlos Rivas Perretta* Solo-Oboe Ludovic Achour* Englischhorn
POSAUNE Pedro Silva Solo-Posaune Nicolas Pistidda* Christoph Bolliger Bassposaune
KLARINETTE Francesco Negrini Solo-Klarinette Eva Polgar Nicola Katz* Bassklarinette
TUBA Pius Wey Solo-Tuba
FAGOTT Daniel Kühne Solo-Fagott Brigitte Leutenegger altern. Solo-Fagott
PAUKEN Michael Juen Solo-Pauke SCHLAGZEUG Pascal Iten Solo-Schlagzeug Reto Baumann*
HORN Elia Bolliger Solo-Horn Thomas Zimmermann Noé Lehmann Stv. Solo-Horn Wolfgang Drechsler
HARFE Lea Magdalena Knecht Solo-Harfe
TROMPETE Marc Jaussi Solo-Trompete Corrado Bossard Markus Graf*
ALTSAXOPHON Alejandro Olivan* Solo-Saxophon
* Zuzüger:innen
Änderungen vorbehalten.
KLAVIER Riccardo Bovino* Solo-Klavier
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AUSBLICK UNSERE KONZERTE JUNI
ARGOVIA PHILHARMONIC PRÄSENTIERT LINUS ROTH JUNI 2025 Do
05
19.30 Uhr Aarau Alte Reithalle
Linus Roth Violine und Leitung Filipe Prazeres Leitung Orquestra Johann Sebastian Rio Der deutsche Geiger Linus Roth und das Orquestra Johann Sebastian Rio kombinieren unter dem Motto «SamBach» Werke von Johann Sebastian Bach mit Samba- und Bossa-Nova-Evergreens aus Brasilien. Aufeinandergetroffen auf einem Festival in Rio de Janeiro, war es gemäss Roth «Liebe auf den ersten Ton». Ein Programm voller Leidenschaft und
Sehnsucht, bei dem Bachs Barockmusik sich hervorragend mit südländischen Rhythmen vermischt. Unter der Leitung von Filipe Prazeres entstehen federnd-leichte Klänge, die süchtig machen.
LENZBURGIADE MOSTLY MOZART JUNI 2025 Fr
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19.30 Uhr Lenzburg
Yilan Zhao Klavier Oliver Schnyder Klavier Jonas Ehrler Leitung argovia philharmonic
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Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie D-Dur nach der Ouvertüre zu «La finta giardiniera» KV 196/121 Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201 (186a) Stephen Montague Snakebite Wolfgang Amadeus Mozart Konzert für zwei Klaviere und Orchester Nr. 10 Es-Dur KV 365
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Die AKB wünscht ein mitreissendes Konzert voller unvergesslicher Momente akb.ch