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Kultur
tung zum Wipptaler Ortsführer im Jahr 1925 der Autor Carlo Viesi wieder, wenn er schreibt: „Con la vittoria che ha riportato la gloriosa bandiera della Patria sui termini sacri, un nuovo soffio di vita è penetrato tra queste estreme valli montane. E dalla pianura padano, dalle cento cittá, dalle regioni lontane risalgono i cittadini d´Italia a vedere le belle terre, a godere le balsamiche arie di questa zona terminale alla grande Catena alpina, che Dio ed il valore dei nostri soldati hanno ridato alla Nazione per la sua sicurezza e per la sua unitá.“ („Mit dem Sieg konnte die glorreiche Fahne des Vaterlandes an die heilige Grenze getragen werden, ein neuer Lebenshauch ist in diese extremen Bergtäler eingedrungen. Und die Italiener der padanischen Ebene, der hunderten italienischer Städte und der weiter südlichen Regionen mögen dieses schöne Gebiet aufsuchen, die heilsame (‚balsamische’) Luft in diesem Grenzgebiet an der Alpenhauptkette in sich aufnehmen, diese hat Gott und haben unsere tapferen Soldaten der Nation zu ihrer Sicherheit und zu ihrer Einheit wiedergegeben.“). Ein Vergleich der geographischen Karten für das hier besprochene Gebiet zeigt vor dem Ende des Ersten Weltkrieges die deutschsprachige Toponomastik und die deutschsprachige und italienische Version von 1925. Der nationalistisch gesinnte Ettore Tolomei, der noch während des Ersten Weltkrieges (1916) alle Südtiroler Orts- und Flurnamen ins Italienische übertrug, diente dem Autor Carlo Viesi als Vorlage. Folgende Benennungen erscheinen im hier besprochenen Gebiet erstmals in deutscher und italienischer Sprache:
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Erker 08/25
Hohe Wand = Croda Alta (Ettore Tolomei) Kluppen = Clupe (Ettore Tolomei) Kraxentrager = La Gerla (Ettore Tolomei) Landshuter Hütte = Rifugio da Gerla o Venna (Ettore Tolomei; im Grundbuch der Katastralgemeinde Pfitsch scheint nur die Bezeichnung Vennahütte auf) Wildseespitze = Cima del Lago Romito (Ettore Tolomei) Wolfendorn = Spina di Lupo (Ettore Tolomei)
Die turbulenten 1930er Jahre Die gute Instandhaltung der Landshuter Hütte war für die DuÖAV Sektion Landshut auch weiterhin ein großes Anliegen. Ein freudiges Fest stand im Frühjahr 1931 an. 27 Mitglieder des Vereins fuhren am 27. Juni mit einem Bus bis zum Brenner, von wo aus sie am nächsten Tag den Aufstieg über das Venntal zur Landshuter Hütte unternahmen. Auf dem Weg dorthin wurden sie in Venn von den Hüttenwirten Gschwendtner und Hartmann mit Böllerschüssen und Musik empfangen. Noch am selben Tag erfolgte die Eröffnung des nach den Plänen von Architekt Schmittinger errichteten neuen Nebenbaues an der Schutzhütte mit Erdgeschoss, Mulistall, Waschküche, Vorratsraum und Schlafraum mit sieben Lagern. Die Arbeiten waren ein Gemeinschaftswerk der Hüttenwirte und des Schriftführers Georg Geistbeck von der Landshuter Sektion. Für den Sommer 1931 meldet der Hüttenwirt Gschwendtner, dass der Besuch wegen schlechten Wetters und den weiteren
Behinderungen durch die italienischen Grenzbeamten auf dem Höhenweg sehr beeinträchtigt war. Gut verlief hingegen der Sommer 1932. 1933 brach die Besucherzahl aus dem Deutschen Reich abrupt ein. Die deutsche Reichsregierung verordnete im Mai 1933 die sogenannte „TausendMark-Sperre“, wonach jeder deutsche Staatsbürger, der nach Österreich einreisen wollte, eine Gebühr von 1.000 Reichsmark zu entrichten hatte. Dieser Erlass erfolgte wegen der Gegnerschaft Österreichs gegen das nationalsozialistisch ausgerichtete Deutsche Reich. Die Folgen für den österreichischen Fremdenverkehr waren verheerend. Die Auswirkungen beklagte auch der Hüttenwirt auf der Landshuter Hütte. Im nicht allzu weit entfernten Zillertal vermerkte Pfarrer Josef Krapf in Mayrhofen: „Infolge der Tausend-Mark-Sperre hat die Zahl der Fremden derart abgenommen, dass sie in den letzten Jahren auf 20 Prozent gesunken ist. Der größere Teil der ausschließlich für den Fremdenverkehr vorbereiteten Zimmer blieb unbenützt. Viele Häuser waren den ganzen Sommer über hindurch leer.“ Trotz Ausbleibens der Gäste aus dem Deutschen Reich vermeldet Hüttenwirt Gschwendtner 1935, dass er die Landshuter Hütte länger als sonst im Herbst wegen des guten Besuches bewirtschaften werde. Wie ist es dazu gekommen? Der Tuxer Hauptkamm war für die italienische Regierung – wie das gesamte Brennergebiet – von Anfang an eine Militärzone („zona militare“). In den 1930er Jahren, besonders zwischen 1935 und 1936, setzte eine ver-
stärkte, geheim gehaltene und militärisch ausgerichtete Bautätigkeit entlang der Brennerlinie ein. Auf beiden Anhöhen des Passtales ließ Diktator Benito Mussolini höchstpersönlich neue, für die Zivilbevölkerung gesperrte Militärstraßen errichten. Ähnlich dem deutschen Westwall sollte am Brenner eine Sperrlinie für eventuelle Angriffe aus dem Norden aufgebaut werden („Valle Alpino del Littorio“ – „Linea Badoglio“). In diesen Plan wurde auch das Pfitschertal mit seinen Übergängen mit einbezogen. So erbaute das italienische Militär 1934/35 die Militärstraße von Fussendrass auf das Schlüsseljoch; ebenso wurde der bestehende Saumpfad von St. Jakob bis zum Pfitscherjoch zur Militärstraße ausgebaut. 1935 waren an die 50 Soldaten vom Militärregiment beim Ausbau beschäftigt. Diese zumeist aus dem Süden Italiens rekrutierten Soldaten waren die besten Gäste im österreichischen Teil der Schutzhütte; besonders an den Wochenenden füllten feiernde Soldaten die Gaststube, und dies bis in den Spätherbst 1935 hinein. Nach der Fertigstellung der Militärstraßen kehrte wieder Ruhe in der Landshuter Hütte ein. Weder Gäste aus dem Deutschen Reich noch italienischsprachige Gäste besuchten jetzt die Landshuter Hütte. 1938 blieb sie erstmals ganzjährig geschlossen – und so blieb es bis 1945.