1922/1945
Verschwinden in der Präsenz
1922/1945 3 6
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Verschwinden in der Präsenz Antike bis zur Gründung Italiens Risorgimento bis zum Ersten Weltkrieg Moderne Architektur als Staatsprojekt
37 Reisen 40 Bologna 54 Bozen / Bolzano 80 Catania 94 Como 104 Firenze 116 Genova 134 Milano 164 Napoli 184 Palermo 200 Roma 216 EUR 242 Foro Mussolini 268 Siracusa 290 Torino 318 Verzeichnis der Bauten 330
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Piazzale Loreto, Milano Nach dem Sturz Warum die Architektur erhalten blieb
Anhang Verzeichnis der Architekten 348 Personen 384 Architektonische Einordnung 389 Epilog 394 Glossar 398 Zum Schluss 402 Abbildungen 404 Abkürzungen 340
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VERSCHWINDEN IN DER PRÄSENZ
Die bauliche Hinterlassenschaft der italienischen Diktaturzeit von 1922 bis 1945 ist heute weitgehend normaler Bestandteil des urbanen Raums. Viele Gebäude dieser Zeit prägen bis heute das Stadtbild italienischer Städte und sind funktional wie visuell in den Alltag integriert, ohne unmittelbar als historisch belastete Architektur hervorzutreten. Anders als in vielen anderen europäischen Ländern wurden diese Bauwerke nach 1945 weder systematisch beseitigt noch umfassend symbolisch neu interpretiert. Dadurch überlagern sich Gegenwartsnutzung, historische Bedeutung und kulturelles Gedächtnis bis heute auf komplexe Weise. Die Architektur blieb physisch präsent und konnte sich schrittweise in die Kontinuität des alltäglichen Stadtraums einschreiben. Kaum eine Phase hat die räumliche Entwicklung italienischer Städte nachhaltiger geprägt als die staatlich gesteuerte Stadtplanung dieser Jahrzehnte, die auf den strukturellen Stadtumbauten des Risanamento aufbaute und diese in eine politisch programmatische Raumordnung überführte. Stadtplanung wurde nicht allein als technische oder funktionale Aufgabe verstanden, sondern als Instrument gesellschaftlicher Organisation und symbolischer Machtausübung. Neue Stadtteile, Verwaltungsbauten, Verkehrsinfrastrukturen und vollständig neu gegründete Städte entstanden innerhalb kürzester Zeit und mit hoher planerischer Geschlossenheit. Viele dieser Projekte wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg vollendet und gingen nahezu bruchlos in die Nachkriegsgesellschaft über, wodurch die architektonische Kontinuität die politische Zäsur teilweise überlagerte. Der heutige Umgang mit diesem baulichen Bestand erscheint überwiegend pragmatisch. Die Gebäude sind fest in funktionale Zusammenhänge eingebunden und werden primär über ihre gegenwärtige Nutzung definiert. Diese alltägliche Integration reduziert die Notwendigkeit permanenter historischer Kontextualisierung und begünstigt ein ‹Verschwinden› in der Normalität: ein Verschwinden nicht durch Abwesenheit, sondern gerade durch dauerhafte Präsenz und selbstverständliche Nutzung im Stadtraum. Die Architektur bleibt sichtbar, verliert jedoch ihre historische Eindeutigkeit. 5
ROMA, PANTHEON UND PIAZZA DELLA ROTONDA, UM 1900 27– 25 v. Chr. unter Agrippa errichtet. 6
Mit wachsender zeitlicher Distanz verändert sich zudem die Wahrnehmung dieser Architektur. Ihre ursprüngliche politische Lesbarkeit tritt zunehmend hinter ästhetische, funktionale oder denkmalpflegerische Perspektiven zurück. Monumentalität, Rationalismus und städtebauliche Ordnung erscheinen häufig losgelöst von ihrem ideologischen Entstehungskontext und werden als Teil eines allgemeinen architektonischen Erbes rezipiert. Politische Bedeutung bleibt zwar latent vorhanden, wird jedoch im Alltag selten aktiv reflektiert. Darin liegt ein strukturelles Spannungsverhältnis. Der Erhalt solcher Architektur sichert historische Sichtbarkeit und kann zugleich Prozesse schleichender Entpolitisierung begünstigen. Dauerhafte Präsenz erzeugt Vertrautheit, und Vertrautheit reduziert die Distanz zur historischen Entstehungssituation.
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ANTIKE BIS ZUR GRÜNDUNG ITALIENS
Italien gehört zu den wenigen Kulturräumen Europas, in denen sich politische Geschichte, gesellschaftliche Entwicklung und Architektur über mehr als zwei Jahrtausende nahezu kontinuierlich im Stadtraum ablesen lassen. Von den Planstädten der römischen Antike über die mittelalterlichen Stadtstaaten, die Renaissance als kultureller Wendepunkt und die nationale Einigung (Risorgimento) des 19. Jahrhunderts bis zur Moderne des 20. Jahrhunderts blieb Architektur stets eng mit Fragen von Macht, Ordnung, Identität und gesellschaftlicher Organisation verbunden. Bereits die römische Antike prägte dauerhaft das europäische Verständnis von Stadt: Rasterstrukturen (Castrum-Prinzip), Infrastrukturachsen und die Konzentration öffentlicher Funktionen im urbanen Zentrum bilden bis heute die Grundlage vieler italienischer Städte. Im Mittelalter entwickelte sich daraus die dichte, organisch gewachsene Stadt mit der Piazza als politischem, religiösem und sozialem Mittelpunkt. Mit der Renaissance wurde ‹Italien› erneut zum architektonischen Referenzraum Europas. Proportion, Geometrie und Perspektive wurden nicht nur zu ästhetischen Prinzipien, sondern zu Ausdrucksformen einer neuen, rational gedachten Weltordnung. Diese Verbindung von Architektur, Gesellschaft und Weltbild blieb auch in späteren Epochen prägend. Der Barock transformierte die Stadt in eine Bühne religiöser und politischer Inszenierung. Sichtachsen, Monumentalräume und choreografierte Bewegungsräume machten Macht räumlich erfahrbar. Der Klassizismus des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts reagierte auf die barocke Theatralik mit einer bewussten Rückkehr zu klaren und streng geordneten Gestaltungsprinzipien. Die Architektur orientierte sich erneut an der Antike und entwickelte eine reduzierte, symmetrische Formensprache mit klar gegliederten Fassaden, Säulenordnungen und streng proportionierten Baukörpern. Antike Architektur fungierte dabei nicht nur als ästhetisches Vorbild, 8
MILANO, CATTEDRALE METROPOLITANA DELLA NATIVITÀ DELLA BEATA VERGINE MARIA (DUOMO DI MILANO), UM 1870 Dom mit Rebecchino, dem historischen Altstadtquartier vor dem Dom. Das Quartier wurde 1875 abgebrochen. 9
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TORINO, BLICK VON DER GRAN MADRE DI DIO AUF DIE PIAZZA VITTORIO VENETO, UM 1900 1817–1825, Teil der klassizistischen Stadterweiterung Richtung Po. 11
MILANO, STAZIONE CENTRALE 1857 –1864, Louis-Jules Bouchot; erster Mailänder Hauptbahnhof am Standort der heutigen Piazza della Repubblica. 12
sondern als Ausdruck von Rationalität, Dauer und staatlicher Ordnung, der insbesondere in öffentlichen Gebäuden, Verwaltungsbauten und städtischen Platzanlagen wirksam wurde. Im 19. Jahrhundert führte das Risorgimento zu tiefgreifenden stadträumlichen Veränderungen. Der politische Einigungsprozess zwischen 1815 und 1861, mit der Annexion Roms im Jahr 1870 territorial vollendet, schuf erstmals seit der Antike wieder einen geeinten Staatsraum, der administrativ, infrastrukturell und symbolisch organisiert werden musste. Die Einigung wurde neben einem politischen auch ein räumliches Projekt. Verwaltungsbauten, Gerichte, Kasernen, Bahnhöfe und Postgebäude entstanden als Knotenpunkte eines neuen staatlichen Netzes, während Eisenbahnlinien zuvor getrennte Territorien verbanden und neue Verkehrsachsen die Städte strukturierten. Zugleich suchte der junge Staat historische Legitimation. Der Historismus mit seinen Bezügen zur Antike und Renaissance inszenierte kulturelle Kontinuität. Monumentalbauten wie das Vittoriano in Rom manifestierten diese nationale Erzählung im Stadtraum. Aus diesen politischen und infrastrukturellen Anforderungen entwickelte sich das Risanamento als zentrales städtebauliches Programm. Historische Quartiere wurden aufgebrochen, breite Boulevards angelegt und neue Staatsräume geschaffen. Stadt galt nun nicht mehr allein als gewachsene Struktur, sondern als planbares und administrativ organisiertes System. Hier begann jene Phase, in der Architektur in Italien dauerhaft zum Instrument nationaler Raumordnung wurde – eine Entwicklung, die bis in die Moderne des 20. Jahrhunderts fortwirkte.
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ROMA, DAS VITTORIANO (ALTARE DELLA PATRIA) IM BAU 1885 –1935, Giuseppe Sacconi; Nationaldenkmal des Risorgimento; errichtet auf dem Areal eines abgebrochenen Altstadtquartiers. 15
MILANO, GALLERIA VITTORIO EMANUELE II 1865–1877, Giuseppe Mengoni 16
RISORGIMENTO BIS ZUM ERSTEN WELTKRIEG
Mit der politischen Einigung Italiens setzte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein tiefgreifender städtebaulicher Wandel ein. Infrastruktur, Hygiene und Verwaltung rückten zunehmend in den Mittelpunkt der Planung, ebenso Fragen der militärischen Kontrolle und der staatlichen Repräsentation. Das Risanamento entwickelte sich dabei zum prägenden Modell urbaner Erneuerung: Neue Boulevardachsen, Bahnhofsviertel und Verwaltungszonen veränderten die historischen Stadtgefüge nachhaltig. Zeitlich entspricht diese Phase in Italien in etwa der britischen viktorianischen Epoche; im italienischen Kontext spricht man von der Età Umbertina. Architektonisch dominierte ein staatstragender Historismus mit neoklassizistischen und neorenaissancehaften Formen. Entscheidender als die Stilwahl war jedoch die zunehmende Systematisierung der Planung: Stadt wurde nun erstmals als steuerbarer Organismus begriffen. Um 1900 setzte mit dem Stile Liberty eine vorsichtige ästhetische Ablösung vom Historismus ein. Neue Materialien wie Eisen, Glas und Stahl wurden sichtbarer eingesetzt, während florale Ornamentik und geschwungene Linien das Erscheinungsbild prägten. Stile Liberty markiert eine Übergangsphase zwischen historischer Repräsentationsarchitektur und technischer Moderne. Der Erste Weltkrieg stellte dann einen tiefen Einschnitt dar. Italien blieb zu Beginn des Krieges zunächst neutral und trat erst 1915 auf Seiten der Alliierten in den Konflikt ein. Die Erfahrungen von Mobilisierung, Zerstörung und industrieller Logistik veränderten auch das architektonische Denken. Stadt wurde zunehmend als Raum für Organisation, Infrastruktur und technische Abläufe verstanden. Dekorative Architektur verlor an Bedeutung zugunsten funktionaler, struktureller und technischer Lösungen; Standardisierung, Typisierung und infrastrukturelle Planung rückten in den Mittelpunkt. Aus diesem neuen Verständnis von Stadt und Technik entstand der Futurismo als eine der radikalsten Avantgarden der architektonischen Moderne. 17
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TORINO, PIAZZA CASTELLO MIT BLICK IN DIE CONTRADA NUOVA, UM 1900. Heute: Via Roma Ehemalige erste Hauptstadt des vereinten Italien (1861–1865) 19
500 v. Chr. – 500 n. Chr. Antike
500 –1400
Frühmittelalter – Hochmittelalter
1400 –1600
Renaissance / Rinascimento
Geschichte
Römische Republik → Römisches Kaiserreich • Expansion über Europa, Nordafrika, Naher Osten • Urbanisierung als Herrschaftsinstrument •
Zerfall des Weströmischen Reichs Ostgoten, Byzantiner, Langobarden • Entstehung regionaler Herrschaften • Aufstieg der Stadtstaaten (Firenze, Venezia, Milano)
Aufstieg reicher Stadtstaaten Mäzenatentum (Medici u. a.) • Humanismus, Wissenschaft, frühe Globalisierung
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Architektur und Stadtentwicklung
Römische Ingenieurarchitektur (Aquädukte, Strassen, Brücken) • Planstadt (Castrum-Prinzip: Cardo / Decumanus) • Monumentalbauten als Staatsrepräsentation (Foren, Thermen, Amphitheater)
Romanik: massive Bauweise, Rundbögen, klare Volumen • Gotik (italienisch): flächiger, stärker materialbetont als nordeuropäische Gotik • Stadt = organisches Wachstum, Mauern, Piazza als Zentrum
Rückgriff auf Antike: Proportion, Geometrie, Symmetrie • Beginn wissenschaftlicher Architekturtheorie • Ideale Stadt als rational geplantes Modell
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→ Stadt = Organisationsinstrument von Staat und Militär
→ Stadt = Schutzraum + Handelszentrum
→ Architektur = Abbild kosmischer und gesellschaftlicher Ordnung
Pantheon, Roma
Cattedrale di Santa Maria Assunta, Orvieto
Cattedrale di Santa Maria del Fiore, Firenze
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1600 –1750 Barock
Gegenreformation Stärkung kirchlicher und absolutistischer Macht • Italien politisch fragmentiert, kulturell führend
1750 –1850 Klassizismus
Aufklärung Napoleonische Zeit • Frühphase nationaler Bewegungen
1850 – ca. 1914
Stile Liberty / Età Umbertina
Risorgimento (bis 1861/70) Rom Hauptstadt ab 1870 • Industrialisierung, Urbanisierung
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Dramatische Rauminszenierungen Sichtachsen, Monumentalplätze • Stadt als Bühne von Macht und Glauben
Strenge Ordnung, antike Vorbilder Monumentalbauten für Staat und Verwaltung • Architektur als Ausdruck rationaler Staatlichkeit
Historismus (Neorenaissance, Neobarock, Neoklassizismus) • Monumentalbauten zur Nationsbildung • Risanamento: Stadtsanierungen, Boulevards
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→ Stadt = Inszenierungsraum der Autorität
→ Architektur = Ordnung, Rationalität, Staat
→ Stadt = Symbol nationaler Einheit
Cattedrale di San Nicolò, Noto
Teatro alla Scala, Milano
Palazzo delle Esposizioni, Roma
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MILANO, PALAZZO DELL’ ARENGARIO, 1936 –1956 (Bauzustand 1949) Fortsetzung der urbanen Monumentalisierung der Piazza del Duomo seit Mengonis Galleria Vittorio Emanuele II 22
MODERNE
Die italienische Architektur der Zwischenkriegszeit entstand aus dem Spannungsfeld unterschiedlicher architektonischer Positionen, die auf die Herausforderungen von Industrialisierung, technischer Modernisierung und gesellschaftlichem Wandel reagierten. Ausgehend von den futuristischen Visionen einer technisch organisierten Stadt formierten sich in den 1920er-Jahren mehrere Strömungen, deren Wechselwirkungen im Verlauf der 1930er-Jahre in der staatlich geprägten Architektursprache des Stile Littorio zusammenliefen. Nach dem Ersten Weltkrieg veränderte sich das architektonische Denken grundlegend. Industrialisierte Bauprozesse, neue Materialien wie Stahl und Eisenbeton sowie wachsende Anforderungen an Infrastruktur und Organisation rückten Konstruktion, Funktion und systemisches Denken in den Mittelpunkt architektonischen Entwerfens. Historische Stiltraditionen verloren zunehmend an Bedeutung; an ihre Stelle trat die Suche nach einer zeitgemässen, technisch begründeten Formensprache. Einen frühen programmatischen Ausdruck fand diese Entwicklung im Futurismo. In den visionären Stadtentwürfen von Antonio Sant’ Elia erschien die moderne Stadt als dynamisches technisches System aus Verkehr, Energie und vertikaler Infrastruktur. Mehrschichtige Verkehrsnetze, grossmassstäbliche Hochhaus- und Infrastrukturstrukturen und technische Anlagen bestimmten diese Entwürfe. Obwohl die meisten dieser Projekte unrealisiert blieben, veränderten sie das architektonische Denken nachhaltig, indem sie Architektur nicht mehr als historisch gewachsene Form, sondern als Teil eines umfassenden technischen und urbanen Systems verstanden. In den 1920er-Jahren konkretisierten sich diese Ansätze in unterschiedlichen architektonischen Positionen. Eine wichtige Rolle spielte dabei die institutionelle Formierung neuer Architektennetzwerke. Die 1926 gegründete Gruppo 7 formulierte programmatisch die Forderung nach einer Verbindung internationaler moderner Architektur mit der italienischen Bautradition. Aus diesem Umfeld gingen später das Movimento Architettura Razionale (MAR) 23
und daraus das Movimento Italiano per l’ Architettura Razionale (MIAR) hervor, die die Diskussion über eine konstruktiv und funktional begründete Architektur bündelten und öffentlich vertraten. Innerhalb dieser Debatte entwickelten sich unterschiedliche architektonische Positionen und Netzwerke, die jeweils eigene Strategien zur Verbindung von Moderne, Tradition und politischer Repräsentation formulierten. Die Übergänge zwischen diesen Strömungen waren dabei oft fliessend: •
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Das Novecento, insbesondere geprägt durch Giovanni Muzio, suchte nach einer zeitgemässen Weiterentwicklung klassischer Architekturtraditionen. Historische Bautypen, klassische Ordnungsprinzipien und reduzierte Monumentalität wurden mit einer modernen Baukörperlogik kombiniert. Ein bedeutendes Beispiel dieser architektonischen Haltung ist Muzios Wohnhauskomplex Ca’ Brutta in Milano (1919–1923), der klassische Fassadenordnungen mit einer modernen Baukörperkomposition verbindet. Der Razionalismo, vertreten unter anderem durch Giuseppe Terragni, Adalberto Libera, Luigi Figini, Gino Pollini und Giuseppe Pagano, formulierte eine architektonische Position, die konstruktive Klarheit, präzise Proportionierung und rational organisierte Grundrissstrukturen in den Mittelpunkt stellte. Orthogonale Baukörper, reduzierte Fassaden und klar ablesbare Strukturprinzipien prägten zahlreiche Entwürfe dieser Richtung. Trotz ihrer modernen Formensprache blieb sie häufig an klassischen Ordnungsprinzipien orientiert, insbesondere an klar proportionierten Baukörpern und streng gegliederten Fassaden. Die Casa del Fascio in Como (1932–1936) von Giuseppe Terragni gilt mit ihrer streng gegliederten Rasterfassade und der klar strukturierten räumlichen Organisation als exemplarische Umsetzung rationalistischer Architekturprinzipien. Die Scuola Romana im Umfeld Marcello Piacentinis verband moderne Bauformen mit klassischer Monumentalität und prägte zahlreiche staatliche
Repräsentationsbauten sowie grossmassstäbliche städtebauliche Projekte. In diesem Umfeld entwickelten sich unterschiedliche Ausprägungen zwischen moderner Konstruktion, klassischer Formensprache und monumentaler Repräsentation. Eine dieser Ausprägungen wird heute häufig als Monumentalklassizismus bezeichnet. Kennzeichnend sind monumentale Baukörper, symmetrische Ordnungen, reduzierte klassische Formen und die Verbindung moderner Konstruktionen mit repräsentativer Wirkung. Ein bedeutendes Beispiel ist das Hauptgebäude der Università La Sapienza in Rom (1932–1935), in dem sich klassische Monumentalität mit reduzierter Formensprache verbindet. Die italienische Architektur dieser Zeit war weniger durch eine einheitliche Stilentwicklung geprägt als von einem stilistischen Pluralismus, in dem unterschiedliche architektonische Positionen konkurrierende Antworten auf die Frage nach einer modernen italienischen Architektur formulierten. Im Verlauf der 1930er-Jahre wurde dieser zuvor bestehende stilistische Pluralismus zunehmend in einen staatlichen Repräsentationskontext überführt. Aus der Verbindung rationalistischer Konstruktionsprinzipien mit klassizistischen Referenzen, monumentalen Volumen und streng axialen Stadtanlagen entstand jene Architektur, die heute vielfach unter dem Begriff Stile Littorio zusammengefasst wird. Dabei handelt es sich weniger um eine eigenständige Stilrichtung als um einen politischen und kulturellen Ordnungsrahmen, innerhalb dessen sowohl der Razionalismo als auch der Monumentalklassizismus zur Anwendung kamen. Diese Entwicklung war eng mit dem Konzept der romanità verbunden – der bewussten Bezugnahme auf das antike Rom als historisches Legitimationsmodell für Staat, Gesellschaft und räumliche Ordnung. Architektur und Städtebau sollten diese Kontinuität nicht durch historische Rekonstruktion, sondern durch moderne Formen, monumentale Massstäbe und symbolisch aufgeladene Stadträume sichtbar machen. Während sich mit dem Stile Littorio ein staatlich geprägter Gestaltungsrahmen etablierte, veränderte sich zugleich die Rolle des Razionalismo. Die ursprünglich avantgardistischen und experimentellen Ansätze wurden verstärkt in staatliche 25
Bauprogramme und repräsentative Grossprojekte eingebunden. Dabei traten funktionale und konstruktive Fragestellungen zunehmend hinter Fragen der Monumentalität, Repräsentation und symbolischen Wirkung zurück. Die moderne Formensprache blieb zwar erhalten, wurde jedoch häufig mit klassizistischen Bezügen und monumentalen Massstäben kombiniert. Diese Entwicklung zeigte sich nicht nur in den realisierten Bauprojekten, sondern auch in den architekturtheoretischen Debatten der Zeit. So geriet die Architekturzeitschrift Casabella, die unter Giuseppe Pagano als wichtigstes publizistisches Forum des Razionalismo galt, im Verlauf der 1930er-Jahre zunehmend in Konflikt mit den kulturpolitischen Leitlinien des Regimes. Parallel dazu setzte sich im Umfeld staatlicher Grossprojekte, insbesondere im römischen EUR-Viertel, eine Architektursprache durch, die Razionalismo und Klassizismus zu einer formal reduzierten, zugleich jedoch ideologisch aufgeladenen Monumentalität verband. Architektur begann zunehmend als Instrument politischer Repräsentation zu dienen und trat damit hinter ihren Anspruch als autonomes Experimentierfeld zurück. Ein prägnantes und bis heute ikonisches Beispiel dieser Entwicklung ist der Palazzo della Civiltà Italiana in Rom (1938 – 1943) von Giovanni Guerrini, Ernesto Bruno La Padula und Mario Romano. Seine streng symmetrische, seriell gegliederte Arkadenfassade zeigt eine radikal reduzierte und zugleich monumentalisierte Interpretation klassischer Architekturformen. Darin verdichtet sich die Transformation von funktionaler Moderne zu ideologisch codierter Repräsentationsarchitektur, die für die Architekturpolitik der späten 1930er-Jahre zunehmend charakteristisch wurde. Der zuvor bestehende stilistische Pluralismus wurde somit nicht lediglich reduziert, sondern grundlegend in eine staatlich definierte Ordnungslogik überführt. Architektur erscheint in diesem Kontext zunehmend nicht mehr als autonomes gestalterisches Feld, sondern als funktionales Instrument politischer Repräsentation, in dem sich ästhetische Form, politische Symbolik und staatlicher Herrschaftsanspruch untrennbar verbinden.
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ROMA, DIE VIALE DELLA CIVILTÀ DEL LAVORO MIT BLICK AUF DEN PALAZZO DELLA CIVILTÀ Die Sichtachse verdeutlicht das hierarchisch geordnete städtebauliche Konzept des EUR und seine repräsentative Monumentalität. 27
ARCHITEKTONISCHE NETZWERKE Futurismo Avantgardebewegung, ca. 1909 –1920 → Theoretischer Ursprung der italienischen Moderne
Gruppo 7 Architektengruppe, ab 1926 → Theoretische Fundierung der modernen Architektur
Die futuristische Architektur war primär ein theoretisches Projekt. Sie formulierte erstmals eine radikale Abkehr von historischer Architektur und verstand Bauen als Ausdruck einer technisch-industriellen Zukunftsgesellschaft.
Die Gruppo 7 bildete die erste geschlossene Generation moderner Architekten in Italien. Ziel war die Verbindung internationaler moderner Architektur mit mediterran-klassischer Raumtradition.
Prinzipien:
Prinzipien:
Dynamik Infrastruktur • Verkehrssysteme • Energie und Industrie • Grossmassstäbliche Stadtvisionen •
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Moderne als strukturelles System Klassische Tradition als Proportions- und Ordnungsprinzip • Architektur als rational konstruierte Raumorganisation •
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Futuristische Architektur wurde kaum realisiert, beeinflusste Sie bereitete damit die organisatorische Formierung des Rajedoch nachhaltig das Denken über Architektur als Ausdruck zionalismo vor. gesellschaftlicher Modernisierung. Besonders prägend war die Vorstellung der Stadt als technisches Gesamtsystem – ein Gedanke, der später im Razionalismo weiterentwickelt wurde. Akteure:
Antonio Sant’ Elia (Schlüsselfigur futuristischer Architekturvisionen)
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Akteure:
Luigi Figini Gino Pollini • Guido Frette • Sebastiano Larco • Carlo Enrico Rava • Giuseppe Terragni • Ubaldo Castagnoli •
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später: Adalberto Libera
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Movimento Italiano per l’ Architettura Razionale Berufsverband, ab 1928 → Institutionalisierung der modernen Architektur
Scuola Romana / Staatsmoderne Architektonisches Umfeld, ca. 1928 –1943 → Architektonisches Netzwerk und staatliche Baukultur
1928 formierte sich aus dem Kreis der Gruppo 7 das Movimento Architettura Razionale (MAR), das kurz darauf im Movimento Italiano per l’ Architettura Razionale (MIAR) aufging. Ziel war die Etablierung einer rational begründeten modernen Architektur auf nationaler Ebene.
Die Scuola Romana bezeichnet keinen eigenständigen Architekturstil, sondern ein römisches Architektennetzwerk, das vor allem im Umfeld der staatlichen Bau- und Stadtplanungsprojekte der 1930er-Jahre wirksam wurde. Ihr Zentrum bildete Marcello Piacentini.
Prinzipien:
Prinzipien:
Konstruktion vor Dekoration Funktionale Organisation • Geometrische Klarheit • Industrialisierte Bauweise • Rationale Typisierung •
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Vermittlung zwischen Moderne und klassischer Tradition • Bevorzugung monumentaler Bauaufgaben • Grossmassstäbliche Stadtplanung • Einfluss auf die staatliche Architekturpolitik •
Der MIAR vereinte Architekten verschiedener regionaler Diese Strömung verband moderne Konstruktion mit monuSchulen und bildete das organisatorische Zentrum des ita- mentaler Repräsentation staatlicher Ordnung. lienischen Razionalismo.
Akteure:
Adalberto Libera Gaetano Minnucci • Giuseppe Terragni • Luigi Figini • Gino Pollini • Alberto Sartoris • Pietro Aschieri • Gino Cancellotti • Giuseppe Capponi • Mario Ridolfi • Gino Levi-Montalcini • Mario Labò •
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Akteure:
Marcello Piacentini Angiolo Mazzoni • Cesare Bazzani • Gustavo Giovannoni • Arnaldo Foschini • Enrico Del Debbio • Luigi Moretti •
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ROMA, STRASSENBAU VOR DEM KOLOSSEUM FÜR DIE VIA DELL’ IMPERO, 1932. Heute: Via dei Fori Imperiali Die neuen Verkehrsachsen sollten antike Monumente freistellen und in monumentale Sichtbeziehungen einbinden. 30
ARCHITEKTUR ALS STAATSPROJEKT
In Italien wurden Architektur und Städtebau zwischen den 1920er- und 1940erJahren zu zentralen Instrumenten staatlicher Politik. Gebäude, Plätze, Verkehrsachsen und ganze Stadtanlagen sollten nicht nur funktionale Aufgaben erfüllen, sondern gesellschaftliche Ordnung sichtbar machen, historische Kontinuität inszenieren und die Leistungsfähigkeit des Staates demonstrieren. Architektur wurde zu einem Medium politischer Kommunikation, das den öffentlichen Raum ebenso prägte wie das kollektive Selbstverständnis einer Nation. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich der sogenannte Stile Littorio. Der Begriff bezeichnet weniger eine klar definierte Architektursprache als vielmehr den politischen und kulturellen Ordnungsrahmen staatlicher Architektur- und Stadtbaupolitik. Anders als Begriffe wie Gotik, Barock oder Razionalismo beschreibt er keinen einheitlichen Epochenstil, sondern eine Programmatik darüber, welche gesellschaftlichen und ideologischen Aufgaben Architektur und Städtebau zu erfüllen hatten. Innerhalb dieses Rahmens konnten unterschiedliche architektonische Strömungen nebeneinander bestehen. Besonders prägend waren der Razionalismo und der Monumentalklassizismus. Der Razionalismo orientierte sich an den Prinzipien der internationalen Moderne und setzte auf funktionale Grundrisse, klare Geometrien und moderne Konstruktionen. Der Monumentalklassizismus nutzte klassische Proportionen, Symmetrie und dauerhafte Materialien, um Stabilität, Autorität und historische Kontinuität sichtbar zu machen. Zahlreiche Bauten verbinden beide Positionen und verdeutlichen, dass nicht die stilistische Reinheit, sondern die politische Funktion der Architektur im Vordergrund stand. Ziel des Regimes war die Schaffung einer gebauten Umwelt, die Ordnung, Dauer, Disziplin und historische Kontinuität visuell manifestierte. Architektur wurde nicht allein als funktionale oder ästhetische Gestaltungsaufgabe verstanden, sondern als Instrument gesellschaftlicher Organisation und staatlicher Repräsentation. Bauwerke sollten die Modernisierungs- und Leistungsfähigkeit des Staates ebenso verkörpern wie seine imperialen und historisierenden Ansprüche. 31
Mit der Machtübernahme Benito Mussolinis im Jahr 1922 erhielten Architektur und Städtebau eine neue politische Bedeutung. Besonders deutlich zeigte sich dies in Rom, das zum Zentrum eines erneuerten nationalen und imperialen Selbstverständnisses werden sollte. In seiner programmatischen Rede vom 31. Dezember 1925 formulierte Mussolini die Vision eines ‹dritten Rom› (Terza Roma): «Tra cinque anni Roma deve apparire meravigliosa a tutte le genti del mondo; vasta, ordinata, potente, come fu ai tempi del primo impero di Augusto.» (…) «Voi continuerete a liberare il tronco della grande quercia da tutto ciò che ancora la intralcia.» (…) «I monumenti millenari della nostra storia debbono giganteggiare nella necessaria solitudine.» (…) «Quindi la Terza Roma si dilaterà sopra altri colli, lungo le rive del fiume sacro, sino alle spiagge del Tirreno.» Die Freilegung antiker Monumente, die Anlage monumentaler Verkehrsachsen und die geplante Ausdehnung der Stadt bis zum Tyrrhenischen Meer wurden zu zentralen Bestandteilen dieser Politik. Diese Vorstellungen prägten nicht nur Rom. In den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden auch in verschiedenen Regionen Italiens zahlreiche Città di fondazione. Die neu gegründeten Städte dienten der landwirtschaftlichen Kolonisation, der Ansiedlung von Bevölkerung und der Demonstration staatlicher Handlungsfähigkeit. Im Gegensatz zu historisch gewachsenen Stadtstrukturen folgten sie klaren geometrischen Ordnungsprinzipien und verbanden moderne Infrastruktur mit politischer Repräsentation. Trotz unterschiedlicher architektonischer Positionen folgten die Bauten einer gemeinsamen politischen Zielsetzung. Architektur wurde zum Instrument einer übergeordneten Vorstellung von Staat, Gesellschaft und Raum.
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LAZIO, PLANSTADT SABAUDIA, UM 1930. Die streng geometrische Anlage mit zentralem Platz und axialem Strassennetz gilt als eines der bedeutendsten Beispiele einer Città di fondazione. 33
ARCHITEKTONISCHE STILRICHTUNGEN Neoklassizismus Monumentale Antikenrezeption, ca. 1800 bis 1850
Historismus Architektur als Rückgriffskultur, ca. 1830 bis 1900
Stile Liberty Italienischer Jugendstil, ca.1890 bis 1920er
Merkmale
Rückgriff auf frühere Stilperioden Repräsentative Fassaden, häufig unabhängig von der inneren Konstruktion • Kombination historischer Motive • Monumentalität und dekorative Dichte • Anpassung historischer Formen an moderne Nutzungen (Bahnhöfe, Parlamente, Museen)
Fortführung klassizistischer Gestaltungsprinzipien • Monumentalisierung antiker Formen und Bautypen • Repräsentative Staats-, Kultur- und Verwaltungsbauten • Stärkere Betonung nationaler und politischer Symbolik • Vorbild für spätere klassizistische Strömungen des 20. Jahrhunderts
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Arco della Pace, Milano
Galleria Vittorio Emanuele II, Milano
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Ornamentale Fassaden und florale Dekoration, Naturmotiven und Symbolismus • Geschwungene Linien und organische Formen • Integration von Kunsthandwerk und Architektur • Moderne Materialien mit dekorativer Formensprache •
Palazzo Castiglioni, Milano
Moderne Architektur des Aufbruchs, ca.1900 bis 1945
Futurismo Visionäre Avantgarde, ca. 1909 bis 1920er
Novecento Klassizistische Moderne, 1920 bis 1930
Mit der Moderne setzt zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine grundlegende Neuorientierung der Architektur ein. Historische Stilvorbilder verlieren zunehmend an Bedeutung; an ihre Stelle treten neue Vorstellungen von Form, Funktion und Konstruktion. Klare Formen, neue Materialien und eine reduzierte Gestaltung prägen die Architektur und spiegeln den technischen und gesellschaftlichen Wandel der Zeit wider.
Abkehr von historischen Stilvorbildern • Reduktion auf klare, geometrische Formen • Betonung von Funktion, Konstruktion und Proportion • Einsatz neuer Materialien und Bautechniken • Architektur als Ausdruck von technischem und gesellschaftlichem Wandel •
Ablehnung historischer Stile Betonung von Bewegung, Dynamik und Geschwindigkeit • Verherrlichung von Technik, Geschwindigkeit, Energie und Industrie • Architektur als Symbol einer neuen Gesellschaft
Klare, kompakte Baukörper Vereinfachte klassische Fassadenstrukturen • Reduzierter oder abstrahierter Dekor • Betonung von Proportion und städtebaulicher Präsenz
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Antonio Sant’ Elia – Città Nuova
Ca’ Brutta, Milano
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Razionalismo Italienische Moderne, ca. 1925 bis 1945
Monumentalklassizismus Monumentale Repräsentationsarchitektur, ca. 1928 bis 1945
Nachkriegsmoderne Architektur des Wiederaufbaus, ab 1943 / 45
Merkmale
Reduktion auf geometrische Grundformen • Klare Fassadenraster und konstruktive Logik • Funktional organisierte Grundrisse • Einsatz moderner Materialien wie Stahl, Glas und Eisenbeton • Traditionelle Materialien wie Travertin in moderner, reduzierter Verwendung •
Casa del Fascio, Como
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Monumentale Bauvolumen und grossmassstäbliche Raumwirkungen • Symmetrische Komposition und axiale Ordnung • Reduzierte klassische Formen und klare Proportionen • Einsatz dauerhafter Materialien wie Naturstein, Marmor und Travertin • Verbindung moderner Konstruktionen mit repräsentativer Monumentalität •
Palazzo della Civiltà Italiana, Roma EUR
Sichtbeton Skelettbau • Grossstrukturen • Wohn- und Infrastrukturprogramme • •
Complesso Corso Italia, Milano
ARCHITEKTURPOLITISCHE KONZEPTE Scuola Romana Architektenkreis der Staatsmoderne, ca. 1925 bis 19 45
Stile Littorio Architektur als Staatsprojekt, ca. 1928 bis 1945 Die Architektur der italienischen Zwischenkriegszeit wurde nicht allein durch Stilrichtungen geprägt, sondern auch durch politische und institutionelle Rahmenbedingungen. Während Begriffe wie Monumentalklassizismus oder Razionalismo konkrete architektonische Ausdrucksformen beschreiben, bezeichnen die Scuola Romana und der Stile Littorio übergeordnete Konzepte der Architekturpolitik.
Die Scuola Romana war ein Architektenkreis um Marcello Piacentini, der moderne Konstruktion mit klassischer Monu• Vermittlung zwischen Moderne • Integration verschiedener Architekmentalität verband und die staatliche und klassischer Tradition turströmungen in die staatliche Baupolitik der 1930er-Jahre wesentlich • Schwerpunkt auf monumentalen Baupolitik prägte. • Architektur als Instrument staatBauaufgaben und grossmassstäbDer Stile Littorio bezeichnet dagegen licher Stadtplanung licher Repräsentation • Verbindung moderner Konstruktio• Verbindung von Moderne, Monu- keinen eigenständigen Baustil, sondern nen mit klassischer Formensprache mentalität und territorialer Planung den politischen Ordnungsrahmen, innerhalb dessen Architektur, Städtebau • Betonung von Ordnung, Repräsen• Bezug auf die romanità und die und Infrastruktur in den Dienst staatlitation und räumlicher Hierarchie historische Kontinuität Roms • Prägender Einfluss auf die staatliche • Enge Verknüpfung von Architektur, cher Repräsentation und gesellschaftlicher Organisation gestellt wurden. Architekturpolitik der 1930er-Jahre Städtebau und Infrastruktur Merkmale
Città Universitaria La Sapienza, Roma
Viale della Civiltà del Lavoro, Roma EUR
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DIE GEGENWART DER VERGANGENHEIT
Die Klarheit seiner Form, seine ästhetische Präsenz und die mit ihm verbundene historische Ambivalenz machten den Palazzo della Civiltà Italiana im römischen EUR zum Ausgangspunkt dieses Buches. Sein Bild in einem kritischen NZZArtikel* weckte das Interesse, diesem und anderen Bauten im realen Stadtraum zu begegnen – gerade weil architektonische Faszination und kritische Auseinandersetzung unmittelbar aufeinandertreffen. Auf Reisen durch Italien verlagerte sich der Blick von den vertrauten historischen Bauten auf jene Architektur, die heute selbstverständlich zum urbanen Alltag gehört. Im Stadtraum zeigt sich ihre Beständigkeit: genutzt, verändert und überformt – gerade dadurch Teil der Gegenwart. Die folgenden Seiten führen durch zwölf Städte und folgen den Spuren der Architektur jener Zeit. Als architektonische Stadtspaziergänge machen sie exemplarische Stationen sichtbar, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Das Interesse gilt dabei nicht den politischen Ideologien ihrer Entstehungszeit, sondern der Architektur selbst – ihrer Ästhetik, ihrer räumlichen Wirkung und dem Reisen als Form der Erkundung.
* «Architektur als heikles Erbe: Die Italiener leben bis heute eingetaucht in ihre faschistische Vergangenheit»: Andres Wysling, Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2021
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REISEN
2021: ROMA: 18. – 22. November GENOVA: 27. / 28. Dezember MILANO: 30. Dezember COMO: 31. Dezember 2022: BOLZANO: 6. – 7. März MILANO: 8. / 9. März NAPOLI: 13. – 15. Mai MILANO: 30. September – 3. Oktober ROMA: 10.– 13. November 2023: BOLOGNA: 25. / 26. Februar FIRENZE: 27. / 28. Februar SIRACUSA: 21. – 30. Mai TORINO: 14. – 16. Juli ROMA: 18. – 20. Dezember 2024: NAPOLI: 21. – 24. Dezember ROMA: 25. – 27. Dezember 2025: PALERMO: 9. – 12. Mai 2026: TORINO: 30. April – 3. Mai PALERMO: 21.– 24. Mai SIRACUSA: 24. – 30. Mai CATANIA: 17. September
40
BOLZANO / BOZEN → SEITE 54 COMO → SEITE 94 Salò
Torviscosa
MILANO → SEITE 134 TORINO → SEITE 290 BOLOGNA → SEITE 40 GENOVA → SEITE 116 FIRENZE → SEITE 104
FORO MUSSOLINI → SEITE 242 EUR → SEITE 216
ROMA → SEITE 200 Littoria (Latina) Sabaudia
NAPOLI → SEITE 164
Carbonia
PALERMO → SEITE 184 CATANIA → SEITE 80 SIRACUSA → SEITE 268 41
BOLOGNA
EINWOHNER 1931: 246 398 (heute: 392 000); FLÄCHE 1931: ~121 km² (heute: ~141 km²)
A CASA DEL CONTADINO Via Guglielmo Marconi 67 B CASA EDITRICE ZANICHELLI Via Irnerio 34 C CERTOSA DI BOLOGNA – SACRARIO DEI MARTIRI FASCISTI Via della Certosa
RENO
D LICEO SCIENTIFICO AUGUSTO RIGHI Viale Carlo Pepoli 3 E PALAZZO DEL GAS Via Guglielmo Marconi 10-2 / A
C
F PALAZZO DELLA MERIDIANA Via Zamboni 70
I
G PALAZZO LANCIA Via Guglielmo Marconi 28 H PALAZZO SCARDOVI Piazza di Porta Santo Stefano 4
VILLAGGIO DELLA RIVOLUZIONE
I STADIO COMUNALE LITTORIALE Heute: Stadio Renato Dall’ Ara Via Pietro de Coubertin
SARAGOZZA
200 m 1 km 42
NAVILE
VIA M
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SAN DONATO
PORTO
A B
G
SAN VITALE
F
E PRATELLO
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VIA R
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IZZOL
I
H SANTO STEFANO
43
Bologna nahm innerhalb Italiens eine zentrale strategische Rolle ein: Als wichtigster Verkehrsknoten zwischen Nord- und Mittelitalien und als Tor zum Apennin war die Stadt von erheblicher Bedeutung für das Eisenbahn- und Strassennetz. Im Zuge der städtebaulichen Modernisierung erfuhr das historische Zentrum punktuelle, aber einschneidende Veränderungen. Für die Verbreiterung wichtiger Verkehrsachsen wurden rund um die damalige Via Roma (Via Marconi) ganze mittelalterliche Quartiere und Gassenzüge abgebrochen, um eine leistungsfähigere Verkehrsinfrastruktur zu schaffen. Dennoch blieb die mittelalterliche Grundstruktur der Stadt weitgehend erhalten. Die Stadt wurde zunächst von den einflussreichen Agrar- und Industrieeliten der Region geprägt. Nach der deutschen Besetzung Italiens im Jahr 1943 wurde Bologna jedoch zu einem bedeutenden Zentrum des Widerstands, während das Umland gleichzeitig unter schweren Repressionsmassnahmen und Vergeltungsaktionen zu leiden hatte. Die Architektur der Zwischenkriegszeit ist im heutigen Stadtbild nur punktuell präsent und tritt vor allem in Form einzelner Verwaltungs-, Bildungs- und Infrastrukturbauten in Erscheinung. Charakteristisch sind reduzierte rationalistische Formen mit klaren Volumen, symmetrischen Fassaden und einer zurückhaltenden Monumentalität. Aufgrund der stark ausgeprägten historischen Stadtstruktur wurden diese Gebäude meist in den bestehenden Stadtkörper integriert, ohne das Erscheinungsbild der Altstadt grundlegend zu verändern. Zu den bedeutendsten Bauten dieser Zeit zählen das 1927 eröffnete Stadio Comunale Littoriale, das als erstes monumentales Grossstadion Italiens gilt – sowie die Muster-Arbeitersiedlung Villaggio della Rivoluzione von 1938.
44
BIBLIOTECA NAZIONALE CENTRALE DI FIRENZE 1911–1935, Cesare Bazzani, Vincenzo Mazzei
STADIO COMUNALE LITTORIALE 1925–1927, Giulio Ulisse Arata 45
PALAZZO DELLA MERIDIANA 1936, Giuseppe De Finetti
46
PALAZZO LANCIA 1936 –1937, Paolo Graziani
LICEO SCIENTIFICO AUGUSTO RIGHI 1940, Melchiorre Bega 47
48
PALAZZO SCARDOVI 1930er-Jahre, Paolo Graziani
CASA EDITRICE ZANICHELLI 1938, Luigi Veronesi
CASA DEL CONTADINO 1942, Pier Luigi Nervi u. a.
CERTOSA DI BOLOGNA – SACRARIO DEI MARTIRI FASCISTI 1930er-Jahre, Giulio Ulisse Arata
PALAZZO DEL GAS 1936, Alberto Legnani 49
CASA DEL CONTADINO Via Guglielmo Marconi 67, Bologna 1942, Pier Luigi Nervi Der Bau vereinte Verwaltungs-, Versammlungs- und Repräsentationsfunktionen landwirtschaftlicher Organisationen unter einem Dach. Die sachlich gegliederte Architektur verbindet funktionale Klarheit mit zurückhaltender Monumentalität und macht die institutionelle Einbindung des ländlichen Raums in staatliche Strukturen sichtbar. Heute dient das Gebäude als Büro- und Verwaltungsbau. MODERNE / VERWALTUNGSBAU
CASA EDITRICE ZANICHELLI Via Irnerio 34, Bologna 1938, Luigi Veronesi Der Verlagssitz verbindet funktionale Organisation mit einer reduzierten, repräsentativen Fassadengestaltung und vermittelt eine klar rationalisierte Erscheinung. Der Bau steht exemplarisch für moderne Unternehmensarchitektur der 1930er-Jahre und wird bis heute vom Verlag Zanichelli Editore genutzt. RAZIONALISMO / KULTURBAU
CERTOSA DI BOLOGNA – Sacrario dei Martiri Fascisti Via della Certosa, Bologna 1930er-Jahre, Giulio Ulisse Arata Innerhalb des monumentalen Friedhofs der Certosa entstand diese Gedenkanlage als bewusst symbolisch aufgeladener Erinnerungsort. Klassische Grabtypologien werden mit einer stark reduzierten Monumentalität verbunden und in einen politischen Deutungsrahmen gestellt. Der Bau verdeutlicht, wie Architektur zur Inszenierung kollektiver Erinnerung eingesetzt werden konnte. MONUMENTALKLASSIZISMUS / DENKMALARCHITEKTUR
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LICEO SCIENTIFICO AUGUSTO RIGHI Viale Carlo Pepoli 3, Bologna 1940, Melchiorre Bega Der Schulbau folgt einer klaren, funktionalen Ordnung mit regelmässiger Fassadengliederung und weitgehendem Verzicht auf Ornamentik. Die strenge Volumetrie und die sachliche Formensprache machen das Gebäude zu einem exemplarischen Beispiel standardisierter Bildungsarchitektur der 1930er-Jahre. Bis heute wird es als Gymnasium genutzt. RAZIONALISMO / BILDUNGSBAU
PALAZZO DEL GAS Via Guglielmo Marconi 10-2 / A, Bologna 1936, Alberto Legnani Ursprünglich Sitz der städtischen Gasversorgung, verband der Bau technische Infrastruktur mit repräsentativer Präsenz im Stadtraum. Die monumentale Fassadengliederung verlieh einer funktionalen Einrichtung institutionellen Charakter. Heute wird das Gebäude überwiegend als Büro- und Verwaltungsbau genutzt. MONUMENTALKLASSIZISMUS / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
PALAZZO DELLA MERIDIANA Via Zamboni 70, Bologna 1936, Giuseppe De Finetti Im akademischen Umfeld der Via Zamboni gelegen, verbindet der Bau vereinfachte klassische Proportionen mit einer reduzierten Formensprache der 1930erJahre. Die Architektur vermittelt zwischen historischem Stadtraum und moderner Nutzung. Heute beherbergt das Gebäude universitäre und administrative Einrichtungen. RAZIONALISMO / VERWALTUNGSBAU
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PALAZZO LANCIA Via Guglielmo Marconi 28, Bologna 1936–1937, Paolo Graziani Der ehemalige Firmensitz des Automobilherstellers Lancia verbindet moderne Büroorganisation mit klarer Volumetrie und zurückhaltender Fassadengestaltung. Die Architektur verweist auf die enge Beziehung von Industrie, Wirtschaft und urbaner Repräsentation in der Zwischenkriegszeit. Heute dient der Bau vor allem Büro- und Geschäftsnutzungen. RAZIONALISMO / VERWALTUNGSBAU
PALAZZO SCARDOVI Piazza di Porta Santo Stefano 4, Bologna 1930er-Jahre, Paolo Graziani Der Palazzo Scardovi entstand im Zuge der grossmassstäblichen Umgestaltung der Via Guglielmo Marconi. Die streng gegliederte, sachlich-monumentale Fassadengestaltung vermittelt zwischen traditioneller Stadthausform und rationalistischer Vereinfachung. Bis heute prägt der Bau den Strassenraum als Wohn- und Geschäftshaus. RAZIONALISMO / WOHNBAU
STADIO COMUNALE LITTORIALE Heute: Stadio Renato Dall’ Ara Via Pietro de Coubertin, Bologna 1925–1927, Giulio Ulisse Arata Das Stadion zählt zu den bedeutendsten Sportbauten Italiens aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Prägend sind der markante Marathonturm sowie die klar gegliederten Tribünenanlagen. Der Bau steht exemplarisch für die Verbindung von Sportarchitektur, technischer Innovation und öffentlicher Repräsentation. Heute ist er Heimstadion von Bologna FC 1909. MODERNE / SPORTARCHITEKTUR
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53
ANTEO ZAMBONI
sollte. Die Eröffnung war nicht nur ein architektonisches oder sportliches Ereignis, sondern Teil einer umfassenden politischen Choreografie, in der Öffentlichkeit gezielt organisiert und emotional mobilisiert wurde. Nach den Feierlichkeiten verliess die politische Führung das Stadion in einem offenen Fahrzeug und fuhr durch dichte Menschenmengen in Richtung Bahnhof. Die langsame Fahrt durch die jubelnde Menge war selbst Teil dieser Machtdemonstration und sollte die symbolische Verbindung zwischen Regime, Führungsfigur und Bevölkerung sichtbar machen. Während dieser Fahrt gab ein junger Attentäter aus kurzer Distanz einen Schuss auf die Wagenkolonne ab. Das Projektil verfehlte Mussolini nur knapp. Der Angreifer wurde unmittelbar überwältigt und noch vor seiner Festnahme von der Menge zu Tode geschlagen. Später wurde er als der 15-jährige Anteo Zamboni identifiziert. Durch seinen sofortigen Tod blieb eine gerichtliche Aufklärung der Hintergründe weitgehend aus. Stattdessen wurde das Ereignis rasch in die politische Deutung des Regimes integriert. Am 31. Oktober 1926 wurde in Bologna das Stadio Littoriale feierlich eingeweiht – eine Grossveranstaltung mit starkem politischem und symbolischem Charakter. Solche Ereignisse dienten nicht allein sportlichen oder repräsentativen Zwecken, sondern waren bewusst als öffentliche Demonstrationen staatlicher Stärke, Ordnung und gesellschaftlicher Geschlossenheit inszeniert. Architektur, Massenveranstaltung und politische Symbolik bildeten dabei eine eng miteinander verknüpfte Einheit. Das Stadion fungierte als monumentale Bühne staatlicher Selbstdarstellung, auf der Macht räumlich sichtbar und kollektiv erfahrbar werden 54
Kurz darauf folgte eine deutliche Verschärfung staatlicher Sicherheitsmassnahmen, die den Handlungsspielraum politischer Opposition zusätzlich einschränkten und zur weiteren Konsolidierung der Diktatur beitrugen. Historisch steht das Attentat daher weniger für einen isolierten Gewaltakt als für den politischen Kontext, in dem Gewalt, staatliche Reaktion und Systemstabilisierung eng miteinander verflochten waren. Der Anschlag traf nicht nur eine politische Führungsfigur, sondern eine inszenierte Ordnung aus Massenmobilisierung, Symbolpolitik und räumlicher Macht-
demonstration. Gerade die Stadioneröffnung verdichtete diese Verbindung von Architektur, Öffentlichkeit und Staat zu einem Bild politischer Totalität, in dem Macht sichtbar organisiert und kollektiv erfahrbar gemacht wurde. Die Reaktion auf den Anschlag verdeutlicht die Funktionslogik autoritärer Systeme. Politische Gewalt wurde nicht nur als Bedrohung interpretiert, sondern gezielt in politische Legitimation überführt. Neue Sicherheitsgesetze nutzten den Krisenmoment, um Kontrolle und staatliche Eingriffsmöglichkeiten weiter auszubauen. Gewalt von unten wurde dadurch zur Rechtfertigung struktureller Gewalt von oben – ein Mechanismus, der Stabilität weniger durch gesellschaftlichen Konsens als durch Kontrolle, Disziplinierung und Sicherheitsrhetorik erzeugte. Auch die unmittelbare Tötung des 15-jährigen Attentäters verweist auf eine Gesellschaft, die bereits stark politisch mobilisiert war. Die Lynchjustiz ersetzte eine juristische Aufarbeitung durch kollektive Gewalt. In solchen Situationen verschwimmen die Grenzen zwischen staatlicher Ordnung, öffentlicher Dynamik und Gewaltanwendung zunehmend, während Verantwortung diffus bleibt und politische Macht zugleich weiter verdichtet und legitimiert wird. Langfristig destabilisieren Attentate autoritäre Systeme daher nur selten. Häufig tragen sie vielmehr zu deren Stabilisierung bei, indem sie Angst, Bedrohungsnarrative und Sicherheitsrhetorik verstärken. Der Staat erscheint dadurch als Garant von Ordnung und Sicherheit, während Repression als notwendige Schutzmassnahme legitimiert wird.
55
BOLZANO / BOZEN
RENO
EINWOHNER 1931: 41 258 (heute: 107 000); FLÄCHE 1931: ~43 km² (heute: ~52 km²)
A
BIBLIOTECA CIVICA Museumstrase 47
J
B
CASA DEL FASCIO / PALAZZO DEL LITTORIO
K ONMI KINDERGARTEN Mailandstrase 131
Heute: Palazzo degli Uffici Finanziari Gerichtsplatz
C CASA / TEATRO DELLA GIL Drususallee / Viale Druso 1 D CASSA DI RISPARMIO Sparkassenstrase 12 E
CHIESA DI CRISTO RE Christkönigsplatz 1
F COMPLESSO RESIDENZIALE INCIS Dominikanerplatz 30 G ISTITUTO MAGISTRALE GIOVANNI PASCOLI Frontkämpferstrasse / Manlio Longonstrasse H
ISTITUTO NAZIONALE ASSICURAZIONI Adolph-Kolping-Strasse / Raffaelo-Sernesi-Strasse
I
ISTITUTO DI ISTRUZIONE SECONDARIA SUPERIORE «GALILEO GALILEI» Luigi-Cadorna-Strase 14
200 m
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MONUMENTO ALLA VITTORIA Piazza della Vittoria
L PALAZZO ALTI COMANDI Piazza IV Novembre 6 M
PONTE DRUSO / DRUSUSBRÜCKE
N STADIO DRUSO Triester Strasse 19 O STAZIONE DI BOLZANO Bahnhofsplatz P TRIBUNALE / PALAZZO DI GIUSTIZIA Gerichtsplatz Q WOHNGEBÄUDE INA Piazza IV Novembre 4
K
1 km
I
GRIES-SAN QUIRINO
G
L Q
PIAZZA DELLA VITTORIA
J
A
D
CENTRO-PIANI DI BOLZANO-RENCIO
H
P Talfer
B E
F O
M C EUROPA-NOVACELLA
Eisack
N
57
ITALIANISIERUNG IN BOZEN
Bozen kam nach dem Ende des Ersten Weltkriegs infolge des Vertrags von Saint-Germain 1919 zusammen mit Südtirol von Österreich an Italien und wurde in den folgenden Jahrzehnten gezielt in den italienischen Nationalstaat integriert. In den 1920er- und 1930er-Jahren entwickelte sich die Stadt zu einem zentralen Schauplatz dieser Politik. Während die mittelalterliche Altstadt weiterhin das historische Zentrum der deutschsprachigen Bevölkerung bildete, entstand südlich davon ein neuer Stadtteil mit breiten Strassen, monumentalen Plätzen und Verwaltungsgebäuden. Die Stadterweiterung war damit nicht nur funktionale Stadtentwicklung, sondern auch Ausdruck staatlicher Präsenz.
Die Spannungen um das Siegesdenkmal setzten sich auch nach 1945 fort. Im Verlauf des Südtirolkonflikts wurde das Denkmal in den 1960er-Jahren mehrfach Ziel von Anschlägen auf staatliche Einrichtungen. Das Denkmal blieb ein zentraler Erinnerungsort und Symbol der Auseinandersetzungen um Identität, Geschichte und Zugehörigkeit.
Architektur und Städtebau wurden gezielt eingesetzt, um Modernität und Autorität sichtbar zu machen. Ein besonders symbolträchtiges Bauwerk ist das von Marcello Piacentini entworfene Monumento alla Vittoria, das 1928 an der Grenze zwischen Altstadt und neuem Stadtviertel eingeweiht wurde. Mit seiner triumphalen Formensprache und der provokativen Inschrift HIC PATRIAE FINES SISTE SIGNA. HINC CETERA DISCANT («Setze hier die Grenzen des Vaterlandes. Von hier aus sollen die anderen lernen.») sollte es den italienischen Sieg im Ersten Weltkrieg und die Zugehörigkeit Südtirols zu Italien symbolisieren. Für viele deutschsprachige Südtiroler wurde es hingegen zum Zeichen politischer Dominanz und kultureller Überformung.
Der Umgang mit diesem Monument zeigt bis heute die Schwierigkeit, historisch belastete Architektur in einen zeitgemässen gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. Anstelle eines Rückbaus setzt man heute auf historische Kontextualisierung und kritische Vermittlung, um die politische Entstehungsgeschichte des Bauwerks sichtbar zu machen.
Parallel dazu entstand im Süden der Stadt eine Industriezone, in der unter anderem Montecatini grosse Fabrikanlagen errichtete. Mit der Industrialisierung kamen zahlreiche Arbeitskräfte aus anderen Regionen Italiens nach Bozen und prägten die Bevölkerungsstruktur nachhaltig. 58 58
Auch die Piazza della Vittoria geriet in den Mittelpunkt dieser Debatten: Eine 2002 erfolgte Umbenennung in Piazza della Pace sollte ein Zeichen der Versöhnung setzen, wurde jedoch kontrovers diskutiert und nach einem Referendum 2003 wieder rückgängig gemacht.
BOLZANO, MONUMENTO ALLA VITTORIA, UM 1928 1926 –1928 errichtet; Symbol der Italianisierung Südtirols nach dem Ersten Weltkrieg. 59 59
Bolzano nahm innerhalb der Architektur- und Stadtentwicklungspolitik der Zwischenkriegszeit eine besondere Rolle als Grenzstadt ein. Der Ausbau neuer Stadtquartiere und Industrieanlagen war Teil einer gezielten staatlichen Siedlungs- und Infrastrukturpolitik, die auf eine stärkere Einbindung der nördlichen Grenzregion in den italienischen Staat abzielte. Mit der Ansiedlung italienischsprachiger Arbeitskräfte und dem Ausbau der Industrie wurde die Stadt wirtschaftlich und demografisch nachhaltig verändert. Die gesellschaftliche Situation war dabei von erheblichen Spannungen gekennzeichnet. Während die zugewanderte italienischsprachige Bevölkerung die staatliche Politik vielfach unterstützte, lehnte ein grosser Teil der deutschsprachigen Bevölkerung die Eingriffe in ihre kulturellen und sprachlichen Rechte ab. Nach 1943 geriet Bolzano unter deutsche Kontrolle und wurde Teil der Operationszone Alpenvorland. Widerstand gegen die Besatzung wurde konsequent verfolgt; zahlreiche Menschen wurden über das Durchgangslager Bozen deportiert. Anders als in vielen anderen Städten blieb der historische Stadtkern weitgehend unverändert. Stattdessen entstand ab 1935 westlich des Talferflusses auf trockengelegtem Gelände eine gross angelegte Stadterweiterung mit rechtwinkligem Strassenraster, neuen Wohnquartieren und öffentlichen Bauten. Die Architektur dieser Zeit prägt das Stadtbild bis heute. Charakteristisch sind monumentale Verwaltungsbauten, grosszügige Platzanlagen und rationalistisch geprägte Wohnsiedlungen, die sich bewusst von der kleinteiligen historischen Altstadt absetzen. Zu den bedeutendsten Bauwerken zählen das 1928 nach Plänen von Marcello Piacentini errichtete Monumento alla Vittoria sowie das 1942 fertiggestellte Casa del Fascio / Palazzo del Littorio, das heutige Finanzamt, dessen monumentales Reliefprogramm bis heute zu den markantesten Zeugnissen dieser Epoche zählt.
60
TRIBUNALE / PALAZZO DI GIUSTIZIA 1939–1956, Paolo Rossi de Paoli, Michele Busiri Vici 61
62
STAZIONE DI BOLZANO 1927–1929, Mazzoni Angiolo, Franz Ehrenhöfer (Skulpturen)
63
TEATRO DELLA GIL 1934–1936, Francesco Mansutti, Gino Miozzo
64
CASA DELLA GIL 1934–1936, Francesco Mansutti, Gino Miozzo
CASA DELLA GIL Detail 65
CASSA DI RISPARMIO 1938 – 1940, Francesco Rossi, Guido Pellizzari
68
PALAZZO ALTI COMANDI 1934 –1935, Marcello Piacentini, militärische Bauverwaltung
MONUMENTO ALLA VITTORIA 1926–1928, Marcello Piacentini, Arturo Dazzi (Skulpturen) 69
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CASA DEL FASCIO / PALAZZO DEL LITTORIO 1939–1942, Guido Pellizzari, Francesco Rossi, Luis Plattner
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BIBLIOTECA CIVICA Museumstrasse 47, Bozen 1928 — Architekt nicht eindeutig belegt Die Biblioteca Civica entstand im Zuge des Ausbaus der kommunalen Kulturinfrastruktur während der Zwischenkriegszeit. Der Bau verbindet eine funktionale innere Organisation mit zurückhaltender Monumentalität. Heute dient das Gebäude weiterhin als Stadtbibliothek (Biblioteca Civica di Bolzano / Stadtbibliothek Bozen) mit Ausleihe, Veranstaltungsräumen und kulturellem Programm. RAZIONALISMO / KULTURBAU
CASA DEL FASCIO / PALAZZO DEL LITTORIO Gerichtsplatz 2, Bozen 1939–1942 — Guido Pellizzari, Francesco Rossi, Luis Plattner Der Finanzverwaltungsbau zeichnet sich durch eine repräsentative und streng gegliederte Fassadenarchitektur aus. Die klare Symmetrie unterstreicht seine institutionelle Funktion. Heute Sitz der Finanzverwaltung und weiterer staatlicher Ämter (Agenzia delle Entrate ). MONUMENTALKLASSIZISMUS / PARTEIARCHITEKTUR
CASA / TEATRO DELLA GIL Drususallee 1, Bozen 1934–1936 — Francesco Mansutti, Gino Miozzo Das Jugend- und Sportzentrum vereint Bildungs-, Freizeit- und Versammlungsfunktionen in einem klar gegliederten Baukörper. Die Architektur folgt einer streng geordneten Volumetrie und betont ihre institutionelle Präsenz im Stadtraum. Das ehemalige Jugendzentrum wird heute kulturell und institutionell genutzt; Teile dienen als Veranstaltungs- und Ausstellungsräume, andere sind öffentliche Einrichtungen. Das Gebäude ist heute vor allem als Casa della Cultura (Ex GIL) bekannt. RAZIONALISMO / JUGEND- UND SPORTARCHITEKTUR
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CASSA DI RISPARMIO Sparkassenstrasse 12, Bozen 1938 –1940 — Francesco Rossi, Guido Pellizzari Der Bau der Cassa di Risparmio verbindet klassische Repräsentationsarchitektur mit vereinfachter Monumentalität. Die Architektur sollte Stabilität, Ordnung und wirtschaftliche Kontinuität symbolisieren und steht exemplarisch für Bank- und Finanzarchitektur der italienischen Zwischenkriegszeit. Noch immer Hauptsitz bzw. wichtiger Standort der Südtiroler Sparkasse. MONUMENTALKLASSIZISMUS / VERWALTUNGSBAU
CHIESA DI CRISTO RE Christkönigsplatz 1, Bozen 1940 — Guido Pellizzari Die Chiesa di Cristo Re entstand im Zuge der Stadterweiterungen und verbindet traditionelle sakrale Typologien mit reduzierter Monumentalität. Zugleich verdeutlicht sie die Einbindung religiöser Architektur in die städtebauliche Neuordnung der Stadt. Sie entstand als Pfarrkirche der neuen Stadterweiterung und unterstreicht deren repräsentativen Charakter. MONUMENTALKLASSIZISMUS / SAKRALBAU
COMPLESSO RESIDENZIALE INCIS Dominikanerplatz 30, Bozen 1926–1928 — staatliches Wohnbauprogramm (INCIS) Die Wohnanlage diente der Unterbringung von Staatsangestellten und folgt rationellen Wohnbauprinzipien. Zurückhaltend repräsentative Fassaden und standardisierte Grundrisse machen den Bau zu einem exemplarischen Beispiel staatlich gesteuerten Wohnungsbaus. RAZIONALISMO / WOHNBAU
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ISTITUTO MAGISTRALE GIOVANNI PASCOLI Frontkämpferstrasse / Manlio Longonstrasse, Bozen 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig belegt Der Bau wurde als Ausbildungsstätte für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert. Funktionale Klarheit und eine vereinfachte klassische Formensprache prägen die Architektur und verweisen auf standardisierte Bildungsbauten dieser Zeit. RAZIONALISMO / BILDUNGSBAU
ISTITUTO NAZIONALE ASSICURAZIONI (INA) Adolph-Kolping-Strasse / Raffaelo-Sernesi-Strasse, Bozen 1930er-Jahre — staatliche Bauverwaltung Der Verwaltungsbau zeichnet sich durch eine monumentale Fassadengliederung und klare Achsialität aus. Die Architektur verleiht staatlichen Sozialinstitutionen im Stadtraum repräsentativen Ausdruck. MONUMENTALKLASSIZISMUS / VERWALTUNGSBAU
ISTITUTO DI ISTRUZIONE SECONDARIA SUPERIORE «GALILEO GALILEI» Luigi-Cadorna-Strasse 14, Bozen 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig belegt Die grossmassstäblichen Schulbauten verbinden funktionale Organisation mit monumentaler Fassadengliederung. Sie stehen repräsentativ für staatliche Bildungsarchitektur, die technische Ausbildung und wirtschaftliche und technische Modernisierung architektonisch sichtbar machen sollte. RAZIONALISMO / BILDUNGSBAU
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MONUMENTO ALLA VITTORIA Piazza della Vittoria, Bolzano 1926–1928 — Marcello Piacentini, Arturo Dazzi (Skulpturen) Das Siegesdenkmal wurde als Monument für die italienischen Gefallenen im Ersten Weltkrieg errichtet und symbolisierte zugleich den italienischen Herrschaftsanspruch über Südtirol. Der Bau verbindet Triumphbogenmotive mit reduzierter Monumentalität und gilt als Schlüsselwerk politischer Monumentalarchitektur des 20. Jahrhunderts. MONUMENTALKLASSIZISMUS / DENKMALARCHITEKTUR
ONMI KINDERGARTEN Milanostrasse 131, Bozen 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig belegt Der Kindergartenbau folgt einer funktionalen Raumplanung mit reduzierter repräsentativer Gestaltung. Er steht exemplarisch für sozialpolitisch motivierte Bildungsund Fürsorgearchitektur. RAZIONALISMO / SOZIALARCHITEKTUR
PALAZZO ALTI COMANDI Piazza IV Novembre 6, Bolzano 1934 –1935 — Marcello Piacentini, militärische Bauverwaltung (Bauherr) Der militärische Verwaltungsbau verbindet funktionale Organisation mit einer monumentalen Fassadengliederung. Seine Architektur verleiht staatlicher Autorität räumlichen Ausdruck. MONUMENTALKLASSIZISMUS / MILITÄRARCHITEKTUR
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TRIBUNALE / PALAZZO DI GIUSTIZIA Gerichtsplatz, Bozen 1939–1956 — Paolo Rossi de Paoli, Michele Busiri Vici Das Gerichtsgebäude zählt zu den wichtigsten Monumentalbauten der späten Zwischenkriegsmoderne in Südtirol. Die Architektur verbindet rationalistische Grundstruktur mit monumentaler klassischer Formensprache. Am 16. Juli 2026 wurde der Mitteltrakt des Gebäudes durch einen Teileinsturz schwer beschädigt. MONUMENTALKLASSIZISMUS / VERWALTUNGSBAU
PONTE DRUSO Drususbrücke, Bozen 1930er-Jahre — staatlicher Ingenieurbau Die Brücke entstand im Zusammenhang mit der Stadterweiterung und der Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur. Konstruktion und Funktion stehen hier im Vordergrund. Die sachlich gestaltete Konstruktion verzichtet weitgehend auf monumentale Gesten und steht exemplarisch für funktionalen Ingenieurbau der 1930erJahre. MODERNE / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
STADIO DRUSO Triester Strasse 19, Bozen 1928 –1930 — Ettore Sottsass Die Sportanlage ist Teil der städtischen Sportinfrastruktur und folgt einer funktionalen Stadionarchitektur mit klar gegliederten Tribünenanlagen. Heute Heimstadion des FC Südtirol; mehrfach modernisiert und an die Anforderungen der Serie B angepasst. RAZIONALISMO / SPORTARCHITEKTUR
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STAZIONE DI BOLZANO Bahnhofsplatz, Bozen 1927–1929 — Mazzoni Angiolo Der Bahnhof wurde im Zuge der Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur umgebaut. Der Bahnhof verbindet monumentalklassizistische Fassadengestaltung mit funktionaler Verkehrsarchitektur und steht exemplarisch für die infrastrukturelle Integration Südtirols in den italienischen Staat. MONUMENTALKLASSIZISMUS / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
WOHNGEBÄUDE INA Piazza IV Novembre, Bolzano 1935 –1937 — Paolo Rossi de Paoli Der Wohnbau verbindet rationelle Grundrisse mit einer zurückhaltend monumentalen Fassadengestaltung und steht exemplarisch für den staatlich geförderten Wohnungsbau der 1930er-Jahre. RAZIONALISMO / WOHNBAU
81
COMO
EINWOHNER 1931: 54 142 (heute: ~85 000); FLÄCHE 1931: ~21.47 km² (heute: ~37km²)
A
ASILO SANT’ ELIA Via Alciato
B CANOTTIERI LARIO Viale Geno C
CASA DEL FASCIO Piazza del Popolo
D
MONUMENTO AI CADUTI Viale Guglielmo Marconi
E
NOVOCOMUM Viale Sinigaglia
F
STADIO GIUSEPPE SINIGAGLIA Viale Sinigaglia
200 m 1 km 96
MONTE OLIMPINO
B F
E
D
CENTRO LAGO ORIENTALE
C GARZOLA
CENTRO LAGO OCCIDENTALE CENTRO STORICO
PRESTINO
COMO BORGHI
A
97
Die unmittelbare Nähe zur Schweizer Grenze machte Como zu einem strategisch bedeutenden Wirtschafts- und Verkehrszentrum. Als Drehscheibe des grenzüberschreitenden Waren-, Personen- und Kapitalverkehrs nahm die Stadt eine Schlüsselrolle im Zoll- und Devisenwesen ein. Die wirtschaftliche Entwicklung Comos wurde zunächst von der lokalen Industrie und ihren Unternehmerfamilien geprägt. Mit zunehmender Dauer des Krieges schwand diese Unterstützung jedoch deutlich. Gleichzeitig gewann die Grenzregion zur Schweiz an strategischer Bedeutung. Die bewaldeten Gebiete rund um den Comer See entwickelten sich zu einem wichtigen Rückzugsraum der Resistenza und zu einer Fluchtroute für Angehörige des Regimes. Im Frühjahr 1945 wurde die Grenzregion um den Comer See zum Rückzugs- und Fluchtraum zahlreicher Funktionäre der Repubblica Sociale Italiana; in Dongo am Comer See wurde Benito Mussolini von Partisanen gefangen genommen und getötet. Anders als in den grossen Metropolen beschränkten sich die Eingriffe auf einzelne Umgestaltungen und Neubauten. Verwaltungs- und Infrastrukturbauten am Hafen, bei der Stadtmauer und an der Piazza del Popolo erweiterten das historische Stadtbild, ohne dessen Grundstruktur zu verändern. Mit Bauten wie der Casa del Fascio und dem Novocomum entwickelte sich Como zu einem der wichtigsten Experimentierfelder der modernen Architektur in Italien. Architekten wie Giuseppe Terragni verbanden klare geometrische Formen, funktionale Grundrisse und innovative Konstruktionen zu einer neuen Architektursprache. Die Gebäude fügen sich bis heute selbstverständlich in den historischen Stadtraum ein. Como gilt deshalb als eines der bedeutendsten Zentren des italienischen Razionalismo.
98
CASA DEL FASCIO 1932 –1936, Giuseppe Terragni 99
NOVOCOMUM 1927–1929, Giuseppe Terragni
100
STADIO GIUSEPPE SINIGAGLIA 1925 –1927, Giovanni Greppi
101
ASILO SANT’ ELIA Via Alciato, Como 1936 –1937 — Giuseppe Terragni Der Asilo Sant’ Elia zählt zu den bedeutendsten Bildungsbauten des italienischen Razionalismo. Klare Volumetrie, funktionale Grundrissorganisation und eine differenzierte Lichtführung prägen die Architektur. Terragni entwickelte hier eine kindgerechte Raumstruktur, die pädagogische Reformideen mit präziser rationalistischer Formensprache verbindet. RAZIONALISMO / BILDUNGSBAU
CANOTTIERI LARIO Viale Geno, Como 1930 –1931 — Gianni Mantero Die Canottieri Lario ist ein bedeutender Sportbau des Razionalismo. Geometrische Klarheit, horizontale Linien und der markant auskragende Sprungturm bestimmen die architektonische Erscheinung. Die Anlage verbindet funktionale Präzision mit einer eleganten modernen Formensprache. Heute ist es Clubhaus des traditionsreichen Ruder- und Wassersportvereins Canottieri Lario. RAZIONALISMO / SPORTARCHITEKTUR
CASA DEL FASCIO Piazza del Popolo, Como 1932–1936 — Giuseppe Terragni Die Casa del Fascio ist das bedeutendste und schönste Werk des Razionalismo. Ein streng geometrisches Raster, präzise Proportionen und die bewusste Transparenz der Fassaden prägen den Bau. Unabhängig von seiner historischen Funktion gilt das Gebäude als architektonischer Höhepunkt der klassischen Moderne in Italien. Heute ist es Sitz der Guardia di Finanza. Das Gebäude heisst offiziell oft auch Palazzo Terragni. RAZIONALISMO / PARTEIARCHITEKTUR
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MONUMENTO AI CADUTI Viale Guglielmo Marconi, Como 1931–1933 — Antonio Sant’ Elia, Giuseppe Terragni; Ing. Attilio Terragni Das 33 Meter hohe Denkmal basiert auf einem Entwurf von Antonio Sant’ Elia und verbindet rationalistische Klarheit mit monumentaler Symbolik. Betontragwerk und Natursteinverkleidung verleihen dem Bau eine prägnante Präsenz im Stadtraum. Es gilt als eines der Hauptwerke der italienischen Memorialarchitektur der Moderne. MODERNE / DENKMALARCHITEKTUR
NOVOCOMUM Viale Sinigaglia, Como 1927–1929 — Giuseppe Terragni Das Wohngebäude Novocomum markiert Terragnis erstes Hauptwerk und den Übergang vom Novecento-Klassizismus zum Razionalismo. Horizontale Gliederung, Eckverglasung und eine funktional organisierte Raumstruktur zeigen deutlich den Einfluss der internationalen Moderne. Der Bau gilt als früher Meilenstein der rationalistischen Architektur in Italien. Noch immer überwiegend Wohnhaus mit einigen Büros / Gewerberäumen im Erdgeschoss. RAZIONALISMO / WOHNBAU
STADIO GIUSEPPE SINIGAGLIA Viale Sinigaglia, Como 1925–1927 — Giovanni Greppi Das Stadio Giuseppe Sinigaglia zählt zu den frühen Beispielen moderner Stadionarchitektur in Italien. Charakteristisch sind die klar gegliederte Tribünenstruktur und die funktionale Organisation der Anlage. Der Bau steht exemplarisch für die frühe Verbindung von Sportarchitektur, Stadtentwicklung und moderner Baugestaltung der Zwischenkriegszeit. Fussballstadion des Clubs Como 1907. Wird heute für SerieA-Spiele und Events genutzt. RAZIONALISMO / SPORTARCHITEKTUR
105
FIRENZE
RIFREDI
EINWOHNER 1931: 316 286 (heute: ~360 000); FLÄCHE 1931: ~92 km² (heute: ~102 km²)
A
BIBLIOTECA NAZIONALE CENTRALE DI FIRENZE Piazza dei Cavalleggeri 1
B
MANIFATTURA TABACCHI Via delle Cascine 35
C
PALAZZINA REALE DI SANTA MARIA NOVELLA Piazza della Stazione
D
STAZIONE DI FIRENZE SANTA MARIA NOVELLA Piazza della Stazione
E
TEATRO PUCCINI Via delle Cascine 41
F
STADIO GIOVANNI BERTA Heute: Stadio Artemio Franchi Viale Manfredo Fanti 4
NOVOLLI
B
SOFFIANO
200 m 1 km 106
E
STATUTO
CAMPO DI MARTE
C
F
SANTA LORENZO
D SANTA MARIA NOVELLA 8
SANTA CROCE
Arno
A SANTO SPIRITO
107
Aufgrund seiner herausragenden historischen und kunstgeschichtlichen Bedeutung eignete sich die Stadt Florenz als kulturelles Zentrum von nationaler Bedeutung und Verwaltungsstandort Mittelitaliens in besonderem Masse zu Darstellung nationaler Traditionen und kultureller Kontinuität. Gleichzeitig blieb die gewachsene Stadtstruktur weitgehend unangetastet und bewahrte ihren historischen Charakter. Die gesellschaftliche Entwicklung war von Spannungen geprägt. Während sich Teile der intellektuellen Elite und der Universität den politischen Rahmenbedingungen anpassten, formierte sich nach 1943 ein zunehmend aktiver Widerstand. Im August 1944 wurde Florenz zum Schauplatz heftiger Kämpfe während der Befreiung der Stadt. Beim Rückzug sprengten deutsche Truppen alle Arno-Brücken mit Ausnahme der Ponte Vecchio; deren Zugänge wurden jedoch durch die Zerstörung der angrenzenden Bebauung blockiert. Die grossen Eingriffe konzentrierten sich auf Infrastruktur, Verkehr und Industrie, nicht auf die historische Innenstadt. Die sensible historische Altstadt blieb von grossflächigen Abrissen weitgehend verschont; Veränderungen erfolgten überwiegend an den Rändern des Zentrums. Gleichzeitig entstanden mit der Stazione Santa Maria Novella und der Manifattura Tabacchi bedeutende Beispiele moderner Architektur, die funktionale Rationalität mit den Modernisierungsbestrebungen der Zeit verbanden. Die Bauten der Zwischenkriegszeit sind heute meist unauffällig in das historische Stadtbild eingebunden und sind heute selbstverständlicher Bestandteil des Stadtbildes.
108
TEATRO PUCCINI 1939 – 1940, Architekt nicht eindeutig belegt 109
STADIO GIOVANNI BERTA 1930 –1932, Pier Luigi Nervi
BIBLIOTECA NAZIONALE CENTRALE DI FIRENZE 1911 / 1935, Cesare Bazzani, Vincenzo Mazzei
110
STAZIONE DI FIRENZE SANTA MARIA NOVELLA 1932–1935, Giovanni Michelucci
111
PALAZZINA REALE DI SANTA MARIA NOVELLA 1934 –1935, Angiolo Mazzoni
112
113
MANIFATTURA TABACCHI Hof und hinterer Bau 1933 –1940, Pier Luigi Nervi
114
MANIFATTURA TABACCHI Frontbau Via delle Cascine 1933 –1940, Pier Luigi Nervi
115
BIBLIOTECA NAZIONALE CENTRALE DI FIRENZE Piazza dei Cavalleggeri, Firenze 1911 / 1935 — Cesare Bazzani, Vincenzo Mazzei Die Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze entstand vor dem Ersten Weltkrieg und wurde 1935 vollendet. Der Bau verbindet neoklassizistische Monumentalität mit funktionaler Grossform und steht für den Übergang von liberaler Staatsarchitektur zu den monumentalen Tendenzen der Zwischenkriegszeit. Heute zählt sie zu den wichtigsten Bibliotheken Italiens. MONUMENTALKLASSIZISMUS / KULTURBAU
MANIFATTURA TABACCHI Via delle Cascine, Firenze 1933 –1940 — Pier Luigi Nervi Die Anlage folgt klar funktionalen Prinzipien und zählt zu den bedeutendsten Beispielen rationalistischer Industriearchitektur in Italien. Der Bau steht exemplarisch für industrielle Modernisierung und staatlich organisierte Produktionsarchitektur. Heute wird das Areal als Kultur-, Arbeits- und Veranstaltungsquartier neu genutzt. RAZIONALISMO / INDUSTRIEARCHITEKTUR
PALAZZINA REALE DI SANTA MARIA NOVELLA Piazza della Stazione, Firenze 1934 –1935 — Angiolo Mazzoni Der Repräsentationsbau ergänzt die Bahnhofsanlage als Ort institutioneller und gesellschaftlicher Präsenz. Moderne Formensprache und klassische Eleganz greifen hier ineinander und verleihen dem Gebäude eine zurückhaltend monumentale Wirkung. Heute wird der Bau für Veranstaltungen und kulturelle Nutzungen verwendet. Die Skulptur L’Arno e la sua Vallata wurde von Italo Griselli erschaffen. RAZIONALISMO / STAATSARCHITEKTUR / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
116
STAZIONE DI FIRENZE SANTA MARIA NOVELLA Piazza della Stazione, Firenze 1932–1935 — Giovanni Michelucci Die Stazione Santa Maria Novella gilt als Schlüsselwerk des italienischen Razionalismo. Charakteristisch sind die klare horizontale Gliederung, die funktionale Organisation und die bewusste Abkehr von historisierenden Formen. Der Bau steht exemplarisch für die internationale Ausrichtung der italienischen Moderne der 1930er-Jahre und zählt zu ihren bekanntesten Werken. RAZIONALISMO / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
TEATRO PUCCINI Via delle Cascine, Firenze 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig belegt Das Teatro Puccini entstand als Theater- und Veranstaltungshaus der Zwischenkriegszeit. Funktionale Planung und zurückhaltende Monumentalität verbinden sich zu einer Architektur, in der Unterhaltung, Volksbildung und repräsentative Wirkung zusammengeführt werden. Noch heute dient das Gebäude als Theater- und Veranstaltungsort. MODERNE / KULTURBAU
STADIO GIOVANNI BERTA Viale Manfredo Fanti, Firenze (heute: Stadio Artemio Franchi) 1930 –1932 — Pier Luigi Nervi Das Stadio Giovanni Berta ist ein Schlüsselwerk moderner Sportarchitektur der Zwischenkriegszeit. Prägend sind die innovativen Stahlbetonkonstruktionen, vor allem die freitragenden Tribünen und der Marathonturm. Das Stadion gilt als frühes Hauptwerk Pier Luigi Nervis und als bedeutender Beitrag zur europäischen Stadionarchitektur. Es ist bis heute Heimstadion der ACF Fiorentina und wird seit 2024 umfassend saniert. MODERNE / SPORTARCHITEKTUR
117
NAPOLI
EINWOHNER 1931: 839 390 (heute: ~920 000); FLÄCHE 1931: ~112 km² (heute: ~119 km²)
A
BANCO DI NAPOLI Via Toledo 177–178
B
BANCA NAZIONALE DEL LAVORO Via Toledo 126
C
CASA DEL MUTILATO Piazza Carità
D
PALAZZO DELLA PROVINCIA Piazza Matteotti 1
E
PALAZZO INTENDENZA DI FINANZA Via Armando Diaz 11
F
PALAZZO DELLE POSTE E TELEGRAFI Piazza Matteotti 2
G
STAZIONE MARITTIMA Molo Angioino, Porto di Napoli
H
PALAZZO DELL’ ARTE / MOSTRA D’ OLTREMARE Via Enrico Caruso (Fuorigrotta)
VOMERO
H ← MOSTRA D'OLTREMARE (FUORIGROTTA) CHIAIA 100 m 500 m 166
SANITA
CARITÀ CENTRO STORICO
C PIAZZA GIACOMO MATTEOTTI
D
F E
B QUARTIERI SPAGNOLI
PORTO
A
G
SAN FERDINANDO
167
Napoli war in der Zwischenkriegszeit das wichtigste Verwaltungs-, Hafen- und Wirtschaftszentrum SüdItaliens. Als bedeutender Mittelmeerhafen spielte die Stadt eine zentrale Rolle für Handel, Schifffahrt und die Verbindungen zu den italienischen Besitzungen in Afrika. Staatliche Bauprogramme konzentrierten sich auf Infrastruktur, Hafenanlagen und repräsentative öffentliche Gebäude, welche den Anspruch Napolis als moderne Metropole des Südens architektonisch zum Ausdruck bringen sollten. Die Bevölkerung stand den gross angelegten Modernisierungs- und Repräsentationsprojekten jedoch vielfach mit Distanz gegenüber. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Neapel zur am schwersten bombardierten Stadt Italiens und erlitt enorme Zerstörungen sowie hohe zivile Verluste. Nach der deutschen Besetzung im Herbst 1943 erhob sich die Bevölkerung in den Vier Tagen von Neapel gegen die Besatzung und zwang die deutschen Truppen noch vor dem Eintreffen der Alliierten zum Rückzug. Städtebaulich knüpfte die Entwicklung an die bereits im 19. Jahrhundert begonnenen Sanierungsprogramme an. Im Zentrum wurde das dicht bebaute Viertel Carità grossflächig umgestaltet, um Platz für neue Verwaltungsbauten und die Neugestaltung der Piazza Matteotti zu schaffen. Gleichzeitig entstanden zahlreiche Infrastrukturprojekte im Hafenbereich sowie neue öffentliche Einrichtungen. Zu den bedeutendsten Bauwerken dieser Epoche zählen das 1936 von Giuseppe Vaccaro errichtete Palazzo delle Poste mit seiner markanten geschwungenen Marmorfassade sowie die monumentale Stazione Marittima im Hafen. Mit der Mostra d’ Oltremare in Fuorigrotta entstand zwischen 1937 und 1940 zudem eines der grössten Architektur- und Ausstellungsensembles SüdItaliens. Die Anlage verbindet moderne Architektur mit grosszügigen städtebaulichen Kompositionen und zählt bis heute zu den bedeutendsten Zeugnissen der staatlichen Baupolitik der Zwischenkriegszeit. 168
STAZIONE MARITTIMA 1936, Cesare Bazzani 169
PALAZZO CASA DEL MUTILATO 1938 –1940, Camillo Guerra
170
BANCA NAZIONALE DEL LAVORO 1933 –1938, Armando Brasini 171
172
PALAZZO DELLE POSTE E TELEGRAFI 1931 –1936, Giuseppe Vaccaro, Gino Franzi 173
BANCO DI NAPOLI Via Toledo 177–178, Napoli 1938 –1940 — Marcello Canino Der Bankbau entstand als Erweiterung der bedeutendsten Finanzinstitution Süditaliens im historischen Zentrum Napolis. Die Architektur verbindet monumentale Fassadengliederung mit moderner Büroorganisation und steht exemplarisch für die staatlich geprägte Verwaltungsarchitektur der späten 1930er-Jahre. Der ehemalige Hauptsitz der Banco di Napoli dient heute als Bankfiliale von Intesa Sanpaolo und beherbergt die Gallerie d’ Italia. MONUMENTALKLASSIZISMUS / UNTERNEHMENSARCHITEKTUR
BANCA NAZIONALE DEL LAVORO Via Toledo 126, Napoli 1933 –1938 — Armando Brasini Der Bau entstand als Sitz der staatlichen Bankinstitution in Napoli. Die Architektur verbindet monumentale Proportionen mit klassisch geprägten Elementen und einer funktionalen Organisation moderner Bankgebäude. MONUMENTALKLASSIZISMUS / UNTERNEHMENSARCHITEKTUR
CASA DEL MUTILATO Piazza Carità, Napoli 1938 –1940 — Camillo Guerra Das Gebäude wurde als Sitz der Organisation der Kriegsversehrten errichtet und steht exemplarisch für die repräsentative Veteranen- und Fürsorgebauten der 1930erJahre. Die Architektur verbindet monumentale Symmetrie mit einer reduzierten klassischen Formensprache. Heute dient der Bau institutionellen und kulturellen Nutzungen. MONUMENTALKLASSIZISMUS / SOZIALARCHITEKTUR
180
PALAZZO DELLA PROVINCIA Piazza Matteotti 1, Napoli 1936 — Marcello Canino, Ferdinando Chiaromonte Der Verwaltungsbau entstand als Sitz der Provinzverwaltung und bildet einen zentralen Bestandteil der städtebaulichen Neuordnung rund um die Piazza Matteotti. Die Architektur verbindet monumentale Repräsentation mit moderner Verwaltungsorganisation. Heute beherbergt das Gebäude weiterhin Verwaltungsinstitutionen der Metropolitanstadt Napoli. MONUMENTALKLASSIZISMUS / VERWALTUNGSBAU
PALAZZO INTENDENZA DI FINANZA Via Armando Diaz 11, Napoli 1937 — Marcello Canino Der Finanzverwaltungsbau gehört zu einer Gruppe staatlicher Verwaltungsbauten im Zentrum. Seine klar gegliederte Fassadenstruktur verbindet klassische Elemente mit moderner Büroarchitektur. Heute wird das Gebäude weiterhin administrativ genutzt. MONUMENTALKLASSIZISMUS / VERWALTUNGSBAU
PALAZZO DELLE POSTE E TELEGRAFI Piazza Matteotti 2, Napoli 1931 –1936 — Giuseppe Vaccaro, Gino Franzi Das Postgebäude gehört zu den bedeutendsten öffentlichen Bauten der Zwischenkriegszeit. Die Architektur verbindet funktionale Organisation mit einer klaren modernen Formensprache und monumentaler Fassadengestaltung. Noch heute dient das Gebäude als Hauptpostamt. RAZIONALISMO / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
181
STAZIONE MARITTIMA Molo Angioino, Porto di Napoli, Napoli 1936 — Cesare Bazzani Der Bau entstand im Zuge der Modernisierung des Hafens von Napoli und diente als Terminal für den internationalen Passagierverkehr. Die Architektur verbindet monumentale Repräsentation mit funktionaler Hafeninfrastruktur. Bis heute dient die Stazione Marittima als zentraler Fähr- und Kreuzfahrthafen Neapels. RAZIONALISMO / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
PALAZZO DELL’ ARTE Via Enrico Caruso, Fuorigrotta, Napoli 1937–1940 — Marcello Canino (Planung); Luigi Piccinato (Architekt) Der Palazzo dell’ Arte bildet den architektonischen Mittelpunkt der Mostra d’ Oltremare. Der langgestreckte Baukörper verbindet klassische Symmetrie mit einer reduzierten monumentalen Formensprache. Grosszügige Kolonnaden, klare Proportionen und die rhythmische Fassadengliederung verleihen dem Bau eine markante Präsenz im weitläufigen Ausstellungsgelände. RAZIONALISMO / KULTURBAU
MOSTRA D’OLTREMARE Viale John Fitzgerald Kennedy 54, Fuorigrotta, Napoli 1937–1940 — Marcello Canino (Planung); Luigi Piccinato, u.a. (Architekt) Das Ausstellungsgelände wurde für koloniale und internationale Ausstellungen errichtet und zählt zu den grössten städtebaulichen Projekten der Zwischenkriegszeit in Italien. Die Anlage verbindet grosszügige Platzräume, Pavillons und Gartenanlagen zu einem grossmassstäblichen Ausstellungskomplex. Heute wird das Areal der Mostra d’Oltremare für Messen, Kongresse und Veranstaltungen genutzt. RAZIONALISMO / KULTURBAU
182
MOSTRA D’ OLTREMARE 1937–1940, Marcello Canino (Gesamtplanung), Luigi Piccinato, Carlo Cocchia, Ferdinando Chiaromonte u. a. 183
MOSTRA D’ OLTREMARE
Die Mostra d’ Oltremare in Napoli wurde zwischen 1937 und 1940 unter der Herrschaft von Benito Mussolini errichtet und stellt ein bedeutendes Beispiel für die enge Verflechtung von Architektur, Politik und Ideologie in der Zwischenkriegszeit dar. Als gross angelegte Ausstellungsanlage diente sie der Inszenierung italienischer Kolonialpolitik und der visuellen Manifestation imperialer Ambitionen. Die Anlage war dabei weit mehr als ein reines Ausstellungsgelände: Sie diente als repräsentativer Raum staatlicher Selbstdarstellung, in dem politische Macht durch Architektur, Städtebau und öffentliche Inszenierung sichtbar gemacht wurde.
Auch architektonisch spiegelt die Mostra d’ Oltremare diese politischen Zielsetzungen wider. Die Anlage folgt den Prinzipien des Razionalismo, der sich durch klare geometrische Formen, monumentale Dimensionen und streng gegliederte Raumachsen auszeichnet. Die weitläufigen Plätze, symmetrischen Achsen und repräsentativen Baukörper erzeugen ein Bild von Ordnung, Kontrolle und Dauerhaftigkeit. Architektur wurde dadurch selbst zum Träger politischer Botschaften und vermittelte den Anspruch eines modernen, technisch fortschrittlichen und zugleich historisch legitimierten Staates.
Im Zentrum der Mostra d’ Oltremare stand die Darstellung der sogenannten «Überseegebiete», insbesondere der afrikanischen Kolonien wie Libyen und Italienisch-Ostafrika. Die Ausstellung war keineswegs neutral konzipiert, sondern gezielt darauf ausgerichtet, koloniale Expansion als Zeichen nationaler Stärke und kultureller Überlegenheit zu präsentieren. Die kolonisierten Gebiete erschienen dabei weniger als reale Lebensräume denn als symbolische Projektionsflächen imperialer Vorstellungen. Architektur, Ausstellungen und visuelle Inszenierungene erzeugten gemeinsam ein idealisiertes Bild eines modernen und expansiven Staates, der seinen politischen Einfluss über das Mittelmeer und den afrikanischen Kontinent hinaus ausdehnen wollte.
Besonders charakteristisch ist dabei die Verbindung moderner Bauweisen mit klassisch anmutenden Elementen und monumentalen Proportionen. Diese Kombination verweist auf den Versuch, technische Modernität mit historischen Kontinuitäten zu verbinden und symbolisch an die Vorstellung römischer Grösse anzuknüpfen. Vergangenheit wurde nicht als historischer Abstand verstanden, sondern aktiv in die politische Gegenwart integriert und für staatliche Repräsentation nutzbar gemacht.
Damit fügt sich die Anlage in die allgemeine politische Entwicklung der Zwischenkriegszeit ein, die in vielen europäischen Staaten durch Nationalismus, Expansionismus und autoritäre Herrschaftsformen geprägt war. Grossprojekte wie die Mostra d’ Oltremare dienten nicht allein wirtschaftlichen oder kulturellen Zwecken, sondern sollten kollektive Identität erzeugen, staatliche Ordnung sichtbar machen und politische Loyalität fördern. Öffentlichkeit wurde dabei gezielt gestaltet und räumlich organisiert. 184 184
Während die Mostra d’ Oltremare ursprünglich der kolonialen und imperialen Selbstdarstellung des Regimes diente, werden ihre Räume heute für Konzerte, Messen und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Besonders deutlich zeigt sich dieser Bedeutungswandel an der Arena Flegrea, die einst für staatliche Grossveranstaltungen konzipiert wurde und heute zu den wichtigsten Open-Air-Bühnen Süditaliens zählt.
ARENA FLEGREA, MOSTRA D’ OLTREMARE, NAPOLI (FUORIGROTTA) 1936 –1940 als Freilichtarena des Ausstellungsgeländes errichtet; Teil der monumentalen Stadterweiterung von Fuorigrotta. 185 185
PALERMO
EINWOHNER 1931: 389 699 (heute: ~630 000); FLÄCHE 1931: ~155 km² (heute: ~160 km²)
A
BANCO DI SICILIA Via Ruggero Settimo 26
B
CASA DEL MUTILATO Via Alessandro Scarlatti 10
C
CASERMA DEI VIGILI DEL FUOCO Via Alessandro Scarlatti 16
D
PALAZZO DI GIUSTIZIA Piazza Vittorio Emanuele Orlando 2
E
PALAZZO DELLE POSTE E TELEGRAFI Via Roma 320
F
STAZIONE MARITTIMA DI PALERMO Molo Vittorio Veneto, Porto di Palermo
MONTE DI PIETÀ
100 m 500 m 186
F
BORGO VECCHIO
CAPO (SERALCADI)
A CENTRO
E
D
C
B LA LOGGIA (CASTELLAMMARE)
LA KALSA BALLARÒ
187
In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich Palermo zu einem bedeutenden Verwaltungs-, Hafen- und Militärzentrum Siziliens. Als wichtige Flottenbasis im westlichen Mittelmeer spielte die Stadt eine zentrale Rolle für die Kontrolle der Seewege zwischen Italien, Nordafrika und dem zentralen Mittelmeerraum. Neue öffentliche Gebäude, Verkehrsinfrastrukturen und Sportanlagen schrieben sich sichtbar in das historische Stadtgefüge ein und verliehen der Stadt ein neues räumliches Selbstverständnis. Die staatliche Politik versuchte, durch umfangreiche Bauprogramme und den Kampf gegen die organisierte Kriminalität ihre Stellung auf Sizilien zu festigen. Die Bindung weiter Teile der Bevölkerung an die politischen Ziele des Staates blieb jedoch oft distanziert und pragmatisch. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Palermo durch zahlreiche Luftangriffe schwer getroffen. Als alliierte Truppen im Juli 1943 auf Sizilien landeten, brach die bestehende Ordnung rasch zusammen, und die Bevölkerung leistete kaum Widerstand. Städtebaulich wurde vor allem das historische Zentrum verändert. Der bedeutendste Eingriff war der Ausbau der Via Roma, die als monumentale Verkehrsachse durch die bestehende Altstadt geführt wurde und zahlreiche ältere Quartierstrukturen verdrängte. Entlang dieser neuen Achse entstanden Verwaltungs- und Geschäftsbauten, welche die Modernisierung der Stadt sichtbar machen sollten. Die Architektur dieser Zeit verbindet moderne Bauformen mit regionalen Traditionen und ist bis heute selbstverständlich Teil des Stadtbildes. Zu den markantesten Bauwerken zählt der von Angiolo Mazzoni zwischen 1928 und 1934 errichtete Palazzo delle Poste an der Via Roma. Mit seiner monumentalen Marmorfassade und den klaren geometrischen Formen gehört es zu den bedeutendsten Architekturzeugnissen dieser Epoche in Sizilien.
188
CASA DEL MUTILATO 1940, Giuseppe Spatrisano 189
CASERMA DEI VIGILI DEL FUOCO Via Gaetano Donizetti 190
CASERMA DEI VIGILI DEL FUOCO Via Alessandro Scarlatti 1936 –1937, Antonino Pollaci, Vincenzo Nicoletti 191
192
PALAZZO DELLE POSTE E TELEGRAFI 1928 –1934, Angiolo Mazzoni 193
BANCO DI SICILIA Via Ruggero Settimo 26, Palermo 1936 — Salvatore Caronia Roberti Der Bau entstand als Hauptsitz einer der wichtigsten Banken Siziliens. Die Architektur verbindet monumentale Proportionen mit einer reduzierten klassischen Fassadengestaltung und integriert moderne Bürostrukturen. MONUMENTALKLASSIZISMUS / UNTERNEHMENSARCHITEKTUR
CASA DEL MUTILATO Via Alessandro Scarlatti 10, Palermo 1940 — Giuseppe Spatrisano Das Gebäude wurde für die Organisation der Kriegsversehrten errichtet und gehört zu den typischen Sozial- und Verbandsbauten der Zwischenkriegszeit. Die Architektur verbindet monumentale Symmetrie mit klaren geometrischen Formen. Heute dient das Gebäude institutionellen und kulturellen Nutzungen. MONUMENTALKLASSIZISMUS / SOZIALARCHITEKTUR
CASERMA DEI VIGILI DEL FUOCO Via Alessandro Scarlatti 16, Palermo 1936 –1937 — Antonino Pollaci, Vincenzo Nicoletti Die Feuerwehrkaserne entstand im Zuge der Modernisierung der städtischen Infrastruktur. Die funktionale Organisation der Anlage spiegelt die zunehmende Professionalisierung öffentlicher Dienste wider. Das Gebäude wird weiterhin von der Feuerwehr genutzt. RAZIONALISMO / STAATSARCHITEKTUR
200
PALAZZO DI GIUSTIZIA Corso Vittorio Emanuele 475, Palermo 1938 / 1957 — Ernesto Rapisardi Der Justizbau wurde als neues Verwaltungszentrum für Gerichtsbehörden errichtet. Die Architektur verbindet klassische Monumentalität mit moderner Verwaltungsarchitektur. Bis heute dient das Gebäude als Justizpalast der Stadt. MONUMENTALKLASSIZISMUS / STAATSARCHITEKTUR
PALAZZO DELLE POSTE E TELEGRAFI Via Roma 320, Palermo 1928 –1934 — Angiolo Mazzoni Das Postgebäude gehört zu einer Reihe moderner Infrastrukturprojekte Angiolo Mazzonis in Italien. Die Architektur verbindet funktionale Organisation mit monumentaler Fassadengestaltung. Heute dient das Gebäude weiterhin als Hauptpostamt. RAZIONALISMO / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
STAZIONE MARITTIMA DI PALERMO Molo Vittorio Veneto, Porto di Palermo, Palermo 1950 — Salvatore Caronia Roberti Die Stazione Marittima di Palermo entstand 1950 nach Plänen von Salvatore Caronia Roberti als zentrales Passagierterminal des Hafens. Die Anlage knüpft in ihrer klaren Gliederung an die rationalistische Infrastrukturarchitektur der Vorkriegszeit an und bildet den städtebaulichen Abschluss der bereits in den 1930er-Jahren begonnenen Hafenmodernisierung. Im Zuge der Umgestaltung zum Palermo Cruise Terminal wurde das Gebäude 2018 bis 2022 umfassend modernisiert und an neue Anforderungen angepasst. NACHKRIEGSMODERNE / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
201
ROMA – EUR A
ARCHIVIO CENTRALE DELLO STATO Piazzale degli Archivi 27
B
CHIESA DEI SANTI PIETRO E PAOLO Piazzale dei Santi Pietro e Paolo
C
MUSEO DELLA CIVILTÀ ROMANA Piazza Giovanni Agnelli
D
OBELISCO DI MARCONI Piazza Guglielmo Marconi
E
PALAZZO DEI CONGRESSI Piazza John Kennedy
F
PALAZZO DELL’ARTE ANTICA Piazza Giovanni Agnelli 10
G
PALAZZO DELLA CIVILTÀ ITALIANA Quadrato della Concordia
H
PALAZZO DELL’INPS Piazza delle Nazioni Unite 2a
I
PALAZZO DEGLI UFFICI DELL’ENTE / SALONE DELLE FONTANE / ENTE AUTONOMO ESPOSIZIONE UNIVERSALE DI ROMA Via Ciro il Grande
200 m 1 km 218
↑ ROM ZENTRUM (→ SEITE 200)
DO
PORTA IMPERIALE
G
CAR
Tevere
I
DECUMANUS 0
H F D
B
E
DECUMANUS 1
DECUMANUS 2
C DECUMANUS 3
DECUMANUS 4
A
Lago dell’ EUR
DECUMANUS 4
219
E42 – DIE GEPLANTE WELTAUSSTELLUNG 1942
1935 wurde die Planung einer Weltausstellung für das Jahr 1942 initiiert, aus der das Projekt E42 – später EUR – hervorging. Das Vorhaben war weniger als temporäre Ausstellung gedacht denn als dauerhafte südwestliche Stadterweiterung von Rom. Es verband Repräsentation, Stadtplanung und Infrastruktur zu einem langfristig angelegten Raumkonzept und sollte die Leistungsfähigkeit moderner Architektur und modernen Städtebaus demonstrieren. Der Standort im Bereich der Tre Fontane ermöglichte die Ausbildung einer neuen urbanen Achse zwischen historischem Zentrum und Küste. Stadt wurde hier nicht fortgeschrieben, sondern bewusst konstruiert: als klar gegliedertes, geometrisch organisiertes System aus orthogonalen Strassen, hierarchisierten Platzräumen und freigestellten Baukörpern. Grundlage war das Idealbild der antiken römischen Stadt mit ihrem rechtwinkligen Strassennetz aus Cardo und Decumanus. Die monumentale Nord-Süd-Achse des Quartiers übernahm die Funktion des Cardo, während quer dazu verlaufende Strassen und Platzanlagen den Decumanus interpretierten. An die Stelle dichter Blockrandstrukturen traten monumentale Einzelvolumen im landschaftlich gefassten Raum. Architekturtheoretisch markiert das E42 eine bewusste Synthese aus rationalistischer Formklarheit und klassischer Repräsentationslogik. Die Gebäude sind geprägt von reduzierter Geometrie, repetitiven Rasterstrukturen und massiver Materialität. Travertinverkleidungen, rhythmische Arkaden und abstrahierte Säulenmotive verweisen auf antike Vorbilder, werden jedoch in eine formal vereinfachte, tektonisch lesbare Moderne überführt. Das Resultat ist keine 220
historistische Rekonstruktion, sondern eine stilisierte Monumentalität. Der Palazzo della Civiltà Italiana verdichtet diese Prinzipien exemplarisch. Seine repetitive Bogenstruktur übersetzt das Motiv des antiken Kolosseums in ein abstrahiertes, modularisiertes Raster. Die monumentale Wirkung entsteht weniger durch ornamentale Detailfülle als durch serielle Wiederholung, klare Proportionen und geometrische Strenge. Die Weltausstellung selbst fand nicht statt; die Bauarbeiten wurden 1942 eingestellt. Das Areal war jedoch von Beginn an als dauerhaftes Stadtfragment angelegt und wurde nach 1945 weiterentwickelt. Die grundlegende Ordnung aus Achsen, Platzräumen und Gebäudetypologien blieb dabei weitgehend erhalten. Das EUR lässt sich als paradigmatisches Beispiel systematisch gedachter Stadtarchitektur lesen: nicht als isoliertes Ensemble einzelner Bauten, sondern als räumlich durchorganisierte Gesamtkonzeption. Die Bezugnahme auf das antike Modell von Cardo, Decumanus und Forum verbindet sich hiermit den Mitteln der Moderne zu einer idealisierten Stadtlandschaft aus Geometrie, Monumentalität und räumlicher Kontrolle.
GENERALPLAN DER ESPOSIZIONE UNIVERSALE DI ROMA (E42) Generalplan der Esposizione Universale di Roma (E42), um 1938. Der Entwurf bildet die Grundlage des späteren Stadtteils EUR. 221
Das EUR entfaltet seine Wirkung nicht durch einzelne Bauwerke, sondern durch ihre räumliche Inszenierung. Monumentale Solitärbauten stehen in grosszügigen Freiräumen und bilden ein sorgfältig komponiertes Gefüge aus Achsen, Blickbeziehungen und Platzfolgen. Architektur wird hier nicht als Folge geschlossener Strassenräume verstanden, sondern als Abfolge räumlicher Inszenierungen. Bemerkenswert ist der aussergewöhnliche Massstab des Quartiers. Die weiten Distanzen zwischen den Baukörpern lassen den Menschen klein erscheinen und lenken den Blick auf die Gebäude als monumentale Objekte. Licht, Schatten und die helle Oberfläche des Travertins verändern ihre Wirkung im Tagesverlauf und verleihen den Fassaden eine fast skulpturale Präsenz. Im Gegensatz zum historischen Rom, das durch Enge, Überlagerung und räumliche Überraschungen geprägt ist, vermittelt das EUR Ruhe, Klarheit und Distanz. Orientierung entsteht nicht aus der Vielfalt des Stadtraums, sondern aus einer bewusst komponierten Abfolge von Perspektiven. Das Quartier wirkt dadurch weniger wie ein gewachsenes Stadtviertel als vielmehr wie eine gebaute Landschaft, in der Architektur und Städtebau zu einer räumlichen Gesamtkomposition verschmelzen.
222
PALAZZO DELL’ ARTE ANTICA / OBELISCO DI MARCONI 1939 –1942, Pietro Aschieri, Dino Bernardini, Cesare Pascoletti | 1937 –1940, Arturo Dazzi (Obelisco di Marconi) 223
PALAZZO DELLA CIVILTÀ ITALIANA Viale Umberto Tupini
224
PALAZZO DELLA CIVILTÀ ITALIANA 1938 –1943, Ernesto La Padula, Giovanni Guerrini, Mario Romano 225
226
PALAZZO DELL’ INFPS 1939 –1943, Giovanni Muzio, Mario Paniconi, Giulio Pediconi
227
VIALE DELLA CIVITÀ DEL LAVORO Blick vom Palazzo della Civiltà Italiana zum Palazzo dei Congressi
228
PALAZZO DEI CONGRESSI 1938 –1954, Adalberto Libera 229
230
ARCHIVIO CENTRALE DELLO STATO 1938 –1942 / 1953 –1955, Massimo Castellazzi
231
ENTE AUTONOMO ESPOSIZIONE UNIVERSALE DI ROMA Allegorische Darstellung des Flusses Aniene an der Rückseite des Palazzo degli Uffici. Künstler nicht eindeutig überliefert.
232
OBELISCO DI MARCONI 1937–1940, Arturo Dazzi 233
234
MUSEO DELLA CIVILTÀ ROMANA, Portico 1939 –1941, Pietro Aschieri, Domenico Bernardini, Cesare Pascoletti 235
MUSEO DELLA CIVILTÀ ROMANA Portico Piazza Giovanni Agnelli
236
MUSEO DELLA CIVILTÀ ROMANA Kolonnade Piazza Giovanni Agnelli 237
MUSEO DELLA CIVILTÀ ROMANA Kolonnade Piazza Giovanni Agnelli
238
MUSEO DELLA CIVILTÀ ROMANA Kolonnade 239
GENIO DELLO SPORT / PALAZZO DEGLI UFFICI DELL’ ENTE 1939, Italo Griselli (Skulptur); 1937, Gaetano Minnucci (Architekt)
240
SALONE DELLE FONTANE 1937, Gaetano Minnucci
241
CHIESA SAN PIETRO E PAOLO 1938 –1955, Arnaldo Foschini 242
PALAZZO DELLA CIVILTÀ ITALIANA 1937 –1940, Ernesto La Padula, Giovanni Guerrini, Mario Romano
243
SIRACUSA
EINWOHNER 1931: 53 072 (heute: ~116 000); FLÄCHE 1931: ~190 km² (heute: ~204 km²)
A
CASA DEL FASCIO Via Giovanni Battista Perasso 2
J PANTHEON (SAN TOMMASO APOSTOLO) Piazza Pantheon
B CASA DEL MUTILATO Viale Armando Diaz 104 / Via Dante Alighieri 7
K
PAVILLON Largo XXV Luglio / Corso Giacomo Matteotti
C
L
STADIO VITTORIO EMANUELE III
D
MONUMENTO AI CADUTI D’ AFRICA Piazzale Marconi
Piazza Luigi Leone Cuella
PALAZZO DEGLI STUDI Piazza della Vittoria 3
E PALAZZO DELLA CASSA CENTRALE DI RISPARMIO VITTORIO EMANUELE Piazza Archimede 4 F PALAZZO DELLA CASSA RURALE E ARTIGIANA Via Dione 53-5 G PALAZZO DELLE POSTE E DEI TELEGRAFI Via Riva Nazario Sauro H PALAZZO INA Corso Giacomo Matteotti / Via Cavour I PALAZZO INFPS Riva Forte Gallo
200 m 1 km 270
C
L
BORGO SANTA LUCIA
J
D
B G
A
I
H
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VIA DEL LITTORIO
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ORTIGIA
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Als Verwaltungszentrum des südöstlichen Siziliens und bedeutender Marinehafen an der Ostküste der Insel nahm Siracusa während der Zwischenkriegszeit eine wichtige regionale Stellung ein. Im Mittelpunkt der Bautätigkeit standen weniger grossmassstäbliche Stadterneuerungen als vielmehr öffentliche Gebäude, Verwaltungsbauten und Infrastrukturprojekte. Die überwiegend ländlich geprägte Region blieb politisch vergleichsweise ruhig und passte sich weitgehend den Vorgaben der Zentralregierung an. Mit dem Fortschreiten des Krieges nahm jedoch die Kriegsmüdigkeit deutlich zu. Mit der alliierten Landung auf Sizilien im Juli 1943 brach der militärische Widerstand innerhalb kurzer Zeit zusammen; Siracusa wurde nahezu kampflos eingenommen. Städtebauliche Veränderungen betrafen vor allem die Verbindung zwischen dem Festland und der historischen Insel Ortigia. Neue Zufahrtsstrassen, Plätze und Verwaltungsbauten sollten den Anforderungen einer modernen Provinzhauptstadt gerecht werden und die Erreichbarkeit des historischen Zentrums verbessern. Dabei blieb die gewachsene Stadtstruktur weitgehend erhalten.
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PALAZZO DELLE POSTE E DEI TELEGRAFI 1928 –1929, Francesco Fichera 273
MONUMENTO AI CADUTI D’ AFRICA 1938, Romano Romanelli 274
PALAZZO INFPS 1939, Francesco Fichera 275
STADIO VITTORIO EMANUELE III 1930 –1932, Raffaele Leone
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CASA DEL MUTILATO 1936 –1938, Raffaele Leone
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PALAZZO DELLA CASSA CENTRALE DI RISPARMIO VITTORIO EMANUELE Heute: Palazzo del Governo 1957–1960, Gaetano Rapisarda
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PALAZZO INA 1936 –1939, Francesco Fichera
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PANTHEON 1935, Ernesto und Gaetano Rapisardi 280
PAVILLON Heute: Caffè Viola, Gelateria Viola dal 1936 1936, Francesco Fichera (zugeschrieben) 281
PALAZZO DELLA CASSA RURALE ED ARTIGIANA Via Dione 1934 –1936, Salvatore Caronia Roberti
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PALAZZO DEGLI STUDI Heute: Istituto Technico R. Rizza 1931–1935, Francesco Fichera (Ursprungsentwurf), Attilio Mazzola (Realisation) 283
CASA DEL FASCIO Via Giovanni Battista Perasso 2, Siracusa 1929 — Raffaele Leone Der Bau entstand als Sitz der lokalen politischen Verwaltung und ist den institutionellen Verwaltungsgebäuden der italienischen Diktaturzeit in Siracusa zuzuordnen. Die Architektur verbindet monumentale Symmetrie mit einer klar gegliederten Fassadenordnung und integriert staatliche Funktionen in die moderne Stadterweiterung. Heute wird das Gebäude administrativ genutzt. MONUMENTALKLASSIZISMUS / PARTEIARCHITEKTUR
CASA DEL MUTILATO Viale Armando Diaz 104 / Via Dante Alighieri 7, Siracusa 1936 –1937 — Raffaele Leone Der Bau entstand als Versammlungs- und Betreuungsstätte für Kriegsversehrte. Die Architektur verbindet monumentale Klarheit mit einer streng symmetrischen Fassadengliederung. Naturstein, reduzierte Dekoration und präzise Proportionen verleihen dem Gebäude eine repräsentative Wirkung im Stadtraum. MONUMENTALKLASSIZISMUS / SOZIALARCHITEKTUR
MONUMENTO AI CADUTI D’ AFRICA Piazzale Marconi, Siracusa 1938 — Romano Romanelli Das Denkmal erinnert an die Gefallenen der italienischen Kolonialkriege. Die monumentale Figurengruppe verbindet klassische Bildhauerei mit einer vereinfachten Formensprache. Durch seine exponierte Lage am nördlichen Stadteingang bildet das Monument bis heute einen markanten Orientierungspunkt im Stadtbild. MONUMENTALKLASSIZISMUS / DENKMALARCHITEKTUR
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PALAZZO DEGLI STUDI Piazza della Vittoria 3, Siracusa 1931–1935 — Francesco Fichera (Ursprungsentwurf), Attilio Mazzola (Realisation) Der Schulbau entstand als Bildungszentrum für die wachsende Stadt. Die Architektur verbindet funktionale Klarheit mit monumentaler Wirkung. Strenge Symmetrie, grosszügige Fensterflächen und eine präzise Fassadengliederung verleihen dem Gebäude eine repräsentative Präsenz im städtischen Umfeld. RAZIONALISMO / BILDUNGSBAU
PALAZZO DELLA CASSA CENTRALE DI RISPARMIO VITTORIO EMANUELE Piazza Archimede 4, Siracusa 1957–1960 — Gaetano Rapisarda Der Bau entstand an der Stelle kriegsbeschädigter Vorgängerbauten und bildet einen markanten Abschluss der Piazza Archimede. Die streng gegliederte Natursteinfassade verbindet moderne Sachlichkeit mit repräsentativer Wirkung. NACHKRIEGSMODERNE / UNTERNEHMENSARCHITEKTUR
PALAZZO DELLA CASSA RURALE E ARTIGIANA Via Dione 53–55, Siracusa 1934 –1936 — Giuseppe Caronia Roberti Der Bankbau entstand im Zuge der Umgestaltung von Ortigia und verbindet traditionelle Materialien mit einer reduzierten modernen Architektursprache. Die ausgewogene Fassadengliederung und die klare Proportionierung verleihen dem Gebäude eine zurückhaltende Eleganz innerhalb des historischen Stadtgefüges. RAZIONALISMO / UNTERNEHMENSARCHITEKTUR
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PALAZZO DELLE POSTE E DEI TELEGRAFI Via Riva Nazario Sauro, Siracusa 1928 –1929 — Francesco Fichera Der monumentale Postpalast zählt zu den bedeutendsten öffentlichen Bauten Siracusas des 20. Jahrhunderts. Die Architektur verbindet klassische Symmetrie mit modernen Raumkonzepten und prägt durch ihre markante Lage am Hafen bis heute das Stadtbild. Heute beherbergt der denkmalgeschützte Bau das Hotel Ortea Palace und setzt seine Präsenz im Stadtraum in neuer Funktion fort. MONUMENTALKLASSIZISMUS / INFRASTRUKTURARCHITEKTUR
PALAZZO INA Corso Giacomo Matteotti / Via Cavour, Siracusa 1936 –1939 — Francesco Fichera Der Wohn- und Geschäftsbau entstand im Zuge des Ausbaus der Via del Littorio. Vertikale Fensterachsen, gerundete Balkone und eine klare Fassadengliederung verbinden moderne Formensprache mit städtischer Repräsentation. Der Wohn- und Geschäftsbau bildet einen markanten Auftakt zum heutigen Corso Matteotti. RAZIONALISMO / WOHNBAU
PALAZZO INFPS Riva Forte Gallo, Siracusa 1939 — Francesco Fichera Der Verwaltungsbau entstand für soziale und versicherungstechnische Einrichtungen des Staates. Die Architektur zeichnet sich durch klare Volumen, reduzierte Ornamentik und eine präzise Fassadenordnung aus. Seine Lage am Wasser unterstreicht die repräsentative Wirkung des Gebäudes. RAZIONALISMO / VERWALTUNGSBAU
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PANTHEON (San Tommaso Apostolo) Piazza Pantheon, Siracusa 1935 — Ernesto und Gaetano Rapisardi Die Kirche verbindet zentrale Raumorganisation mit monumentaler Schlichtheit. Der kubische Baukörper und die reduzierte Formensprache verleihen dem Sakralbau eine aussergewöhnliche Präsenz. Das Pantheon zählt zu den eigenständigsten Kirchenbauten seiner Zeit in Sizilien. MODERNE / SAKRALBAU
PAVILLON Largo XXV Luglio / Corso Giacomo Matteotti, Siracusa ca. 1936 — Francesco Fichera (zugeschrieben) Der pavillonartige Bau markiert den Auftakt des Corso Matteotti und entstand im Zuge der Neuordnung des historischen Zentrums. Die geschwungene Dachkante, grosszügige Verglasungen und die klare Formensprache verbinden funktionale Architektur mit urbaner Eleganz und verleihen dem Ort bis heute eine besondere Präsenz. Heute wird der Pavillon gastronomisch genutzt und beherbergt das traditionsreiche Caffè Viola, Gelateria Viola dal 1936. RAZIONALISMO / UNTERNEHMENSARCHITEKTUR
STADIO VITTORIO EMANUELE III Piazza Luigi Leone Cuella, Siracusa 1930 –1932 — Raffaele Leone Das Stadion entstand als multifunktionale Sportanlage und gehört zu den bedeutendsten Sportanlagen der Zwischenkriegszeit in Siracusa. Die klare Organisation der Tribünen und die reduzierte Formensprache verbinden Funktionalität mit städtebaulicher Präsenz. Das Eingangsportal bildet bis heute den charakteristischen Mittelpunkt der Anlage. RAZIONALISMO / SPORTARCHITEKTUR
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SIRACUSA, BLICK ENTLANG DER EHEMALIGEN VIA DEL LITTORIO Heute: Corso Giacomo Matteotti Eine zentrale Verkehrs- und Repräsentationsachse der Zwischenkriegszeit. 290
VIA DEL LITTORIO
Die tiefgreifendste städtebauliche Veränderung Ortigias erfolgte in den 1930er-Jahren mit der Anlage der Via del Littorio, der heutigen Corso Giacomo Matteotti. Der Eingriff folgte dem Prinzip des sogenannten Sventramento, der gezielten Öffnung historischer Stadtstrukturen durch Abbrüche, um neue Verkehrsachsen, Sichtbeziehungen und repräsentative Stadträume zu schaffen. Ziel war nicht allein die Verbesserung der Erschliessung, sondern die grundlegende Neuordnung des historischen Stadtraums. Bis dahin war der Bereich zwischen Tempio di Apollo und der Piazza Archimede von einem dichten Geflecht mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Gassen, Höfe und Wohnhäuser geprägt. Mit dem Durchbruch der neuen Achse wurde ein erheblicher Teil dieser Bebauung entfernt. Die Strasse schuf eine direkte Verbindung zwischen dem westlichen Zugang nach Ortigia und dem historischen Zentrum und verlieh dem Stadtraum eine neue räumliche Klarheit. Zeitgleich erfolgte die archäologische Freilegung des Tempio di Apollo. Über Jahrhunderte waren die antiken Überreste von späteren Anbauten, Wohnhäusern und Werkstätten überlagert worden. Durch Ausgrabungen und Abbrüche konnte das älteste bekannte dorische Heiligtum Siziliens wieder als eigenständiges Monument in Erscheinung treten. Der Tempel wurde damit Teil einer neuen städtebaulichen Inszenierung und bildet bis heute den monumentalen Auftakt der Achse. Trotz umfangreicher Abbrüche blieb ein Teil der historischen Bebauung erhalten und wurde in die neue Ordnung integriert. Ein bedeutendes Beispiel ist der Palazzo Greco , dessen Renaissancefassade bis heute an die ältere Stadtstruktur erinnert.
Entlang der Via del Littorio entstanden moderne Wohn-, Geschäfts- und Verwaltungsbauten mit klaren Bauvolumen und reduzierter Ornamentik. Zu den wichtigsten gehören der Palazzo INA sowie der Pavillon des heutigen Caffè Viola am Eingang zur Via Cavour. Der heutige Corso Matteotti zeigt die Folgen dieses Eingriffs bis heute. Antike Monumente, historische Bauten und Architektur des 20. Jahrhunderts treten hier in einen gemeinsamen räumlichen Zusammenhang. Die Strasse veranschaulicht eine Stadtplanung, die Geschichte durch Freilegung und Inszenierung neu deutet.
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VERZEICHNIS BAUTEN BOLOGNA (→ S. 40)
BOLZANO / BOZEN (→ S. 54)
CASA DEL CONTADINO (→ S. 46, 48) Via Guglielmo Marconi 67, Bologna 1933–1940 — Pier Luigi Nervi u.a.
BIBLIOTECA CIVICA (→ S. 71, 74) Museumstrasse 47, Bolzano 1928 — Architekt nicht eindeutig belegt
CASA EDITRICE ZANICHELLI (→ S. 46, 48) Via Irnerio 34, Bologna 1938 — Luigi Veronesi
CASA DEL FASCIO / PALAZZO DEL LITTORI (→ S. 72 / 73, 74) Gerichtsplatz 2, Bolzano 1939 — Guido Pellizzari, Francesco Rossi, Luis Plattner
CERTOSA DI BOLOGNA – SACRARIO DEI MARTIRI (→ S. 46, 48) Via della Certosa, Bologna 1930er-Jahre — Giulio Ulisse Arata
CASA / TEATRO DELLA GIL (→ S. 62, 63, 74) Drususallee 1, Bolzano 1934 –1936 — Francesco Mansutti, Gino Miozzo
LICEO SCIENTIFICO AUGUSTO RIGHI (→ S. 45, 49) Viale C. Pepoli 3, Bologna 1930er-Jahre — Melchiorre Bega
CASSA DI RISPARMIO (→ S. 66, 75) Sparkassenstrasse 12, Bolzano 1938 – 1940 — Francesco Rossi, Guido Pellizzari
PALAZZO DEL GAS (→ S. 47, 49) Via Guglielmo Marconi 10–2 / A, Bologna 1930er-Jahre — Alberto Lagnani
CHIESA DI CRISTO RE (→ S. 70, 75) Christkönigsplatz 1, Bolzano 1930er-Jahre — Guido Pellizzari
PALAZZO DELLA MERIDIANA (→ S. 44, 49) Via Zamboni 70, Bologna 1930er-Jahre — Giuseppe De Finetti
COMPLESSO RESIDENZIALE INCIS (→ S. 68, 75) Dominikanerplatz 30, Bolzano 1926 –1928 — Alberto Calza Bini, Dario Barbieri
PALAZZO LANCIA (→ S. 44, 50) Via Guglielmo Marconi 28, Bologna 1930er-Jahre — Paolo Graziani
ISTITUTO MAGISTRALE GIOVANNI PASCOLI (→ S. 64, 76) Frontkämpferstrasse / Manlio Longonstrasse, Bolzano 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig belegt
PALAZZO SCARDOVI (→ S. 46, 50) Piazza di Porta Santo Stefano 4, Bologna 1930er-Jahre — Paolo Graziani
ISTITUTO NAZIONALE ASSICURAZIONI (INA) (→ S. 68, 76) Viale Europa 31– 33, Bolzano 1930er-Jahre — staatliche Bauverwaltung
STADIO COMUNALE «LITTORIALE» (→ S. 43, 50, 51) heute: Stadio Via Andrea Costa, Bologna 1925 –1927 — Giulio Ulisse Arata
ISTITUTO DI ISTRUZIONE SECONDARIA SUPERIORE «GALILEO GALILEI» (→ S. 69, 76) Luigi-Cadorna-Strasse 14, Bolzano 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig belegt MONUMENTO ALLA VITTORIA (→ S. 57, 67, 77) Piazza della Vittoria, Bolzano 1926 –1928 — Marcello Piacentini, Arturo Dazzi
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CATANIA (→ S. 80) ONMI KINDERGARTEN (→ S. 64, 77) Milanostrasse 131, Bolzano 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig belegt
CASA DEL MUTILATO (→ S. 83, 92) Piazza Vincenzo Bellini, Catania 1937–1939 — Ercole Fischetti
PALAZZO ALTI COMANDI (→ S. 66, 77) Piazza IV Novembre 6, Bolzano 1934 – 1935 — Marcello Piacentini, militärische Bauverwaltung (Bauherr)
MONUMENTO AL CARDINALE DUSMET (→ S. 84, 85, 92) Piazza San Francesco d’ Assisi, Catania 1935 — Raffaele Leone (Architektur), Silvestre Cuffaro (Statue), Mimì Maria Lazzaro (Reliefs)
PONTE DRUSO (→ S. 78) Drususbrücke, Bolzano 1930er-Jahre — staatlicher Ingenieurbau
PALAZZO DI GIUSTIZIA (→ S. 86, 87, 92) Piazza Giovanni Verga, Catania 1932 / 1953 — Francesco Fichera
STADIO DRUSO (→ S. 64, 78) Triester Strasse 19, Bolzano 1928 –1930 — Ettore Sottsass
PARCO BELLINI (Monumentaler Haupteingang) (→ S. 88, 89, 93) Via Etnea / Via Sant’ Euplio, Catania 1929–1933 — Giuseppe Samonà, Raffaele Autore, Francesco Gesugrand
STAZIONE DI BOLZANO (→ S. 60 / 61, 65, 78) Bahnhofsplatz, Bolzano 1927–1929 — Angiolo Mazzoni TRIBUNALE / PALAZZO DI GIUSTIZIA (→ S. 59, 79) Gerichtsplatz, Bolzano 1939 – 1956 — Paolo Rossi de Paoli, Michele Busiri Vici
TEATRO METROPOLITAN (→ S. 91, 93) Via Sant’ Euplio 21, Catania 1955 –1956 — Marcello Piacentini, Alberto Calza Bini, Giorgio Calza Bini
WOHNGEBÄUDE INA (→ S. 64, 79) Piazza IV Novembre, Bolzano 1935 –1937 — Paolo Rossi de Paoli
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COMO (→ S. 94)
FIRENZE (→ S. 104)
ASILO SANT’ ELIA (→ S. 100, 102) Via Alciato, Como 1936–1937 — Giuseppe Terragni
BIBLIOTECA NAZIONALE CENTRALE DI FIRENZE (→ S. 108, 114) Piazza dei Cavalleggeri, Firenze 1911–1935 — Cesare Bazzani, Vincenzo Mazzei
CANOTTIERI LARIO (→ S. 102) Viale Geno, Como 1930 –1931 — Gianni Mantero CASA DEL FASCIO (→ S. 34, 97, 102) Piazza del Popolo, Como 1932–1936 — Giuseppe Terragni MONUMENTO AI CADUTI (→ S. 101, 103) Viale Puecher, Como 1931–1933 — Giuseppe Terragni, Ing. Attilio Terragni NOVOCOMUM (→ S. 98, 103) Viale Sinigaglia, Como 1927–1929 — Giuseppe Terragni STADIO GIUSEPPE SINIGAGLIA (→ S. 99, 103) Viale Sinigaglia, Como 1925 –1927 — Giovanni Greppi
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MANIFATTURA TABACCHI (→ S. 112, 113, 114) Via delle Cascine, Firenze 1933–1940 — Pier Luigi Nervi PALAZZINA REALE DI SANTA MARIA NOVELLA (→ S. 110, 111, 114) Piazza della Stazione, Firenze 1934 –1935 — Angiolo Mazzoni STAZIONE DI FIRENZE SANTA MARIA NOVELLA (→ S. 109, 115) Piazza della Stazione, Firenze 1932–1935 — Giovanni Michelucci TEATRO PUCCINI (→ S. 107, 115) Via delle Cascine, Firenze 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig belegt STADIO GIOVANNI BERTA (→ S. 108, 115) heute: Stadio Artemio Franchi Viale Manfredo Fanti, Firenze 1930 –1932 — Pier Luigi Nervi
GENOVA (→ S. 116)
MILANO (→ S. 134)
ARCO DELLA VITTORIA (→ S. 119, 130, 133) Piazza della Vittoria, Genova 1923 –1931 — Marcello Piacentini
ARENGARIO E SACRARIO DEI MARTIRI (→ S. 20, 157, 158) Piazza del Duomo, Milano 1937–1942 — Piero Portaluppi
CASA DEL MUTILATO (→ S. 124, 130) Corso Aurelio Saffi 1, Genova 1935 –1938 — Eugenio Fuselli
BANCA DI BRESCIA (→ S. 152, 158) Via Cordusio 5, Milano 1928 — Architekt nicht eindeutig belegt
FONTANA DI PIAZZA DE FERRARI (→ S. 128/129, 130) Piazza De Ferrari, Genova 1936 — Giuseppe Crosa di Vergagni
BANCA DI ROMA (→ S. 140, 158) Piazza Tommaso Edison 1, Milano 1941 — Cesare Scoccimarro
GRATTACIELO NORD (→ S.126, 131) Piazza Dante, Genova 1935 –1937 — Giuseppe Rosso
CA’ BRUTTA (→ S. 33, 144, 145, 159) Via Moscova, Via Moscova / Via Andrea Appiani / Caesare Mangili / Bonaventure Cavalieri, Milano 1919 –1922 — Giovanni Muzio
GRATTACIELO PIACENTINI (Torre Piacentini) (→ S. 127, 131) Piazza Dante 1, Genova 1935 –1940 — Marcello Piacentini MERCATO DEL PESCE (→ S. 125, 131) Piazza Cavour, Genova 1933 –1935 — Mario Bracciolini PALAZZO INPS (→ S. 122, 123, 132) (Istituto Nazionale della Previdenza Sociale) Piazza Dante, Genova 1936 –1938 — Marcello Piacentini PALAZZO DI PIAZZA DANTE (→ S. 126, 132) Piazza Dante, Genova 1935 –1940 — Marcello Piacentini QUESTURA DI GENOVA (→ S. 120, 121, 132) Via Diaz 2, Genova 1930er-Jahre — Giuseppe Crosa di Vergagni (zugeschrieben)
CASA DEL MUTILATO (→ S. 148, 159) Via Carlo Freguglia 14, Milano 1938–1942 — Luigi Lorenzo Secchi CIMITERO MONUMENTALE – Edicola Famiglia Bernocchi (→ S. 155, 159) Cimitero Monumentale, Milano 1936 — Alessandro Minali; Giannino Castiglioni OSPEDALE NIGUARDA (→ S. 138, 139, 160) Niguarda, Milano 1932 — Giulio Ulisse Arata PALAZZO DEL FASCIO / PALAZZO CASTANI (→ S. 141, 160) Corso Venezia 47 / Piazza San Sepolcro, Milano 1935 –1940 — Piero Portaluppi PALAZZO DEI GIORNALI / PALAZZO DELL’ INFORMAZIONE (→ S. 150, 160) Piazza Cavour 2, Milano 1938 –1942 — Giovanni Muzio →
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NAPOLI (→ S. 164) PALAZZO DEI SINDACATI DELL’ INDUSTRIA (→ S. 149, 161) Corso di Porta Vittoria 43, Milano 1930 –1933 — Angelo Bordoni, Luigi Caneva, Antonio Carminati
ARENA FLEGREA (→ S. 183) Viale John Fitzgerald Kennedy 54, Napoli 1938–1940 — Giulio De Luca, Giuseppe Squillante
PALAZZO DELLA BORSA / PALAZZO MEZZANOTTE (→ S. 153, 161, 347) Piazza degli Affari 6, Milano 1928–1931 — Paolo Mezzanotte
BANCO DI NAPOLI (→ S. 173, 178) Via Toledo 177–178, Napoli 1938–1940 — Marcello Canino
PALAZZO DI GIUSTIZIA (→ S. 142, 143, 161) Corso di Porta Vittoria, Milano 1932 –1940 — Marcello Piacentini PALAZZO DELL’ INPS (→ S. 152, 162) Piazza Giuseppe Missori, Milano 1930 — Marcello Piacentini PALAZZO MISSORI (→ S. 151, 162) Via Maurizio Gonzaga 4–6, Milano 1933 –1938 — Marcello Piacentini PLANETARIO DI MILANO (→ S. 156, 162) (Civico Planetario Ulrico Hoepli) Corso Venezia / Giardini Indro Montanelli, Milano 1929 –1930 — Piero Portaluppi STAZIONE CENTRALE (→ S. 137, 163) Piazza Duca d’ Aosta, Milano 1913 –1931 — Ulisse Stacchini TEMPIO DELLA VITTORIA (→ S. 154, 163) Largo Caduti Milanesi per la Patria, Milano 1927–1928 — Giovanni Muzio, Alberto Alpago Novello TRIENNALE DI MILANO (Palazzo dell’ Arte) (→ S.146, 147, 163) Viale Emilio Alemagna 6, Milano 1931–1933 — Giovanni Muzio
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BANCA NAZIONALE DEL LAVORO (→ S. 169, 178) Via Toledo 126, Napoli 1933 –1938 — Armando Brasini CASA DEL MUTILATO (→ S. 168, 178) Piazza Carità, Napoli 1938 –1940 — Camillo Guerra PALAZZO DELLA PROVINCIA (→ S. 174, 179) Piazza Matteotti 1, Napoli 1936 — Marcello Canino, Ferdinando Chiaromonte PALAZZO INTENDENZA DI FINANZA (→ S. 175, 179) Via Armando Diaz 11, Napoli 1937 — Marcello Canino PALAZZO DELLE POSTE E TELEGRAFI (→ S. 170/171, 179) Piazza Matteotti 2, Napoli 1931–1936 — Giuseppe Vaccaro, Gino Franzi STAZIONE MARITTIMA (→ S. 167, 180) Molo Angioino, Porto di Napoli, Napoli 1936 — Cesare Bazzani PALAZZO DELL’ ARTE (→ S. 176/177, 180) Via Enrico Caruso, Fuorigrotta, Napoli 1937–1940 — Marcello Canino, Luigi Piccinato, Carlo Cocchia, Ferdinando Chiaromonte
PALERMO (→ S. 184)
ROMA (ZENTRUM) (→ S. 200)
BANCO DI SICILIA (→ S. 195, 198) Via Ruggiero Settimo 26, Palermo 1936 — Salvatore Caronia Roberti
CASA DELLA GIL (→ S. 207, 259) Largo Ascianghi 5, Roma 1937 — Luigi Moretti
CASA DEL MUTILATO (→ S. 187, 193, 198) Via Alessandro Scarlatti 10, Palermo 1940 — Giuseppe Spatrisano
CINECITTÀ (→ S. 210, 259) Via Tuscolana 1055, Roma 1936–1937 — Gino Peressutti, Carlo Roncoroni
CASERMA DEI VIGILI DEL FUOCO (→ S. 188, 189, 198) Via Alessandro Scarlatti 16, Palermo 1936 –1937 — Antonino Pollaci, Vincenzo Nicoletti
CITTÀ UNIVERSITARIA – LA SAPIENZA (→ S. 35, 208, 209, 260) Piazzale Aldo Moro 5, Roma 1932–1935 — Marcello Piacentini
PALAZZO DI GIUSTIZIA (→ S. 192, 199) Corso Vittorio Emanuele 475, Palermo 1938 /1957 — Ernesto Rapisardi PALAZZO DELLE POSTE E TELEGRAFI (→ S. 190/191, 199) Via Roma 320, Palermo 1928 –1934 — Angiolo Mazzoni STAZIONE MARITTIMA DI PALERMO (→ S. 196, 197, 199) Molo Vittorio Veneto, Porto di Palermo, Palermo 1950 — Salvatore Caronia Roberti
ISTITUTO STORICO E DI CULTURA DELL’ ARMA DEL GENIO (→ S. 212, 260) Lungotevere della Vittoria 31, Roma 1934 –1937 — Gennaro De Matteis PALAZZO INA (→ S. 213, 263) Piazza San Silvestro 20, Roma 1937 — Marcello Piacentini PALAZZO DELLE POSTE (→ S. 211, 264) Via Marmorata 4, Roma 1933 –1935 — Adalberto Libera, Mario De Renzi STAZIONE OSTIENSE (→ S. 206, 266) Piazzale dei Partigiani, Roma 1938 –1940 — Angiolo Mazzoni STAZIONE TERMINI (→ S. 205, 266) Piazza dei Cinquecento, Roma 1937 — Angiolo Mazzoni
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ROMA (EUR) (→ S. 216, 218/ 219)
ROMA (FORO MUSSOLINI ) (→ S. 242, 244/244)
ARCHIVIO CENTRALE DELLO STATO (→ S. 228 / 229, 258) Piazzale degli Archivi 27, Roma 1938 –1942 (Erweiterungen 1953 –1955) — Massimo Castellazzi
ACCADEMIA FASCISTA MASCHILE DI EDUCAZIONE FISICA (→ S. 245, 253, 258, 267) Piazza Lauro De Bosis 15, Roma 1928 –1932 — Enrico Del Debbio
CHIESA DEI SANTI PIETRO E PAOLO (→ S. 240, 260) Piazzale dei Santi Pietro e Paolo 8, Roma 1938 –1955 — Arnaldo Foschini MUSEO DELLA CIVILTÀ ROMANA (→ S. 233–237, 261) Piazza Giovanni Agnelli 10, Roma 1939 –1941 — Pietro Aschieri, Dino Bernardini, Cesare Pascoletti, Gino Peressutti OBELISCO DI MARCONI (→ S. 221, 231, 261) Piazza Guglielmo Marconi, Roma 1937 –1940 — Arturo Dazzi PALAZZO DEI CONGRESSI (→ S. 226, 227, 262) Piazza John Kennedy 1, Roma 1938 –1954 — Adalberto Libera PALAZZO DELLA CIVILTÀ ITALIANA (→ S. 25, 34, 35, 36, 222, 223, 241, 262, 316/317) Quadrato della Concordia 3, Roma 1938 –1943 — Ernesto Bruno La Padula, Giovanni Guerrini, Mario Romano PALAZZO DELL’ ARTE ANTICA (→ S. 221, 263) Piazza Giovanni Agnelli 10, Roma 1939 –1942 — Pietro Aschieri, Dino Bernardini, Cesare Pascoletti PALAZZO DELL’ INFPS (→ S. 224/225, 263) Piazza delle Nazioni Unite 2, Roma 1939 –1943 — Giovanni Muzio, Mario Paniconi, Giulio Pediconi PALAZZO DEGLI UFFICI DELL’ ENTE / SALONE DELLE FONTANE (→ S. 230, 238, 239, 264) Via Ciro il Grande 16, Roma 1937 — Gaetano Minnucci
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AUDITORIUM DEL FORO MUSSOLINI (→ S. 250, 258) Piazza Lauro De Bosis, Roma 1936 — Luigi Moretti CASA DELLE ARMI / ACCADEMIA DELLA SCHERMA (→ S. U1/U4, 247, 259, 398) Viale del Foro Italico, Roma 1933 –1936 — Luigi Moretti OBELISCO MUSSOLINI (→ S. 252, 254, 255, 261) Piazza Lauro De Bosis, Roma 1928 –1932 — Costantino Costantini PALAZZETTO DELLO SPORT (→ S. 256/257, 262) Piazza Apollodoro 10, Roma 1956 –1957 — Pier Luigi Nervi, Annibale Vitellozzi PONTE DUCA D’ AOSTA (→ S. 264) Quartiere Flaminio / Foro Italico, Roma 1936 –1939 — Vincenzo Fasolo STADIO CENTRALE DEL TENNIS (→ S. 248, 249, 265) Viale del Foro Italico, Roma 1932 — Enrico Del Debbio STADIO DEI MARMI (→ S. 244, 250, 251, 267) Viale del Foro Italico, Roma 1928 –1932 — Enrico Del Debbio STADIO DEL NUOTO (→ S. 252, 265) Viale del Foro Italico, Roma 1928 –1932 — Enrico Del Debbio VIALE DEL FORO ITALICO (→ S. 254, 266) Viale del Foro Italico, Roma 1928 –1932 — Costantino Costantini
SIRACUSA (→ S. 268) CASA DEL FASCIO (→ S. 283, 284) Via G. B. Perasso 2, Siracusa 1929 — Raffaele Leone
PANTHEON (→ S. 278, 287) Piazza Pantheon, Siracusa 1935 — Ernesto und Gaetano Rapisardi
CASA DEL MUTILATO (→ S. 275, 284) Viale Armando Diaz 104 / Via Dante Alighieri 7, Siracusa 1936 –1937 — Raffaele Leone
PAVILLON (→ S. 279, 287, 288) Largo XXV Luglio / Corso Giacomo Matteotti, Siracusa ca. 1936 — Francesco Fichera (zugeschrieben)
MONUMENTO AI CADUTI D’ AFRICA (→ S. 272, 284) Piazzale Marconi, Siracusa 1938 — Romano Romanelli
STADIO VITTORIO EMANUELE III (→ S. 274, 287) Piazza Luigi Leone Cuella, Siracusa 1930 –1932 — Raffaele Leone
PALAZZO DEGLI STUDI (→ S. 281, 285) Piazza della Vittoria 3, Siracusa 1931–1935 — Francesco Fichera, Attilio Mazzola PALAZZO DELLA CASSA CENTRALE DI RISPARMIO VITTORIO EMANUELE (→ S. 276, 285) Piazza Archimede 4, Siracusa 1957–1960 — Gaetano Rapisarda PALAZZO DELLA CASSA RURALE E ARTIGIANA (→ S. 280, 285) Via Dione 53–55, Siracusa 1934 –1936 — Giuseppe Caronia Roberti PALAZZO DELLE POSTE E DEI TELEGRAFI (→ S. 271, 286) Via Riva Nazario Sauro, Siracusa 1922 –1929 — Francesco Fichera PALAZZO INA (→ S. 277, 286) Corso Giacomo Matteotti / Via Cavour, Siracusa 1936 –1939 — Francesco Fichera PALAZZO INFPS (→ S. 273, 286) Riva Forte Gallo, Siracusa 1939 — Francesco Fichera
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TORINO (→ S. 290) ARCO MONUMENTALE DELL’ ARMA DELL’ ARTIGLIERIA (→ S. 305, 310) Viale Umberto Cagni 7 / Viale Virgilio, Torino 1927 –1930 — Pietro Canonica CASA DEL BALILLA (→ S. 302, 310) Via Giacomo Medici 2, Torino 1930er-Jahre — Costantino Costantini CASA RIVA (→ S. 304, 310) Via Pietro Palmieri 11, Torino 1932 — Antonio Pogatschnig
MERCATI GENERALI (→ S. 297, 314) Via Giordano Bruno 181, Torino 1932–1934 — Umberto Cuzzi PALAZZO DELLA MODA (→ S. 314) Corso Massimo d’ Azeglio, Torino 1938 — Ettore Sottsass Sr. PALAZZO DEL NUOTO (→ S. 294, 314) Corso Galileo Ferraris, Torino 1925 — Dado Bonicelli
CINEMA ELISEO (→ S. 303, 311) Piazza Sabotino 4, Torino 1938 — Architekt nicht eindeutig überliefert
STADIO MUSSOLINI (→ S. 296, 315) heute: Stadio Olimpico Grande Torino Piazzale Grande 115, Torino 1932 –1933 — Raffaello Fagnoni
CINEMA IDEAL (→ S. 295, 311) Corso Giambattista Beccaria 4, Torino 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig überliefert
TORRE E PALAZZO LITTORIA (→ S. 298, 299, 315) Via Giovanni Battista Viotti / Piazza Castello, Torino 1931–1934 — Armando Melis de Villa, Giovanni Bernocco
CINEMA E GALLERIA LUX (→ S. 311, 312) ursprünglich: Cinema Rex, dann Cinema DUX Galleria San Federico, Torino 1938 –1939 — Ottorino Aloisio FONTANA DEI FIUMI PO E DORA (→ S. 293, 313) Piazza CLN, Via Roma, Torino 243 1930er-Jahre — Architekt nicht eindeutig überliefert GRUPPO RIONALE «AMOS MARAMOTTI» (→ S. 301, 313) Corso Peschiera 230, Torino 1936 — Alessandro Canestri LINGOTTO (→ S. 306/307, 308, 309, 313) Via Nizza 262, Torino 1916 –1923 — Giacomo Mattè-Trucco
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ROMA, CASINO NOBILE, VILLA TORLONIA 1802–1806, Giuseppe Valadier; Neoklassizistische Hauptresidenz der Villa Torlonia. Wohnsitz Benito Mussolinis von 1925 – 1943. 329
1919–1922
Aufstieg und Vorbereitung
Aufstieg der Bewegung um Benito Mussolini • Gewaltpolitik, politische Instabilität •
1922–1926
Machtübernahme, Systemaufbau
Regierungsübernahme 1922 Umbau zum autoritären Staat • 1925 / 26 Ausschaltung Opposition
1926–1933
Institutionalisierung und Modernisierung
Stabilisierung autoritäres System Ausbau Propaganda- und Verwaltungsstaat
•
•
•
•
Architektur / Stadtentwicklung
Noch pluralistische Architekturszene Historismus, Novecento, Stile Liberty / Umbertina und frühe Moderne parallel • Erste Diskussion über nationale moderne Architektur • •
→ Architektur sucht neue staatliche Rolle 330
Beginn staatlich gesteuerter Bauprogramme • Infrastruktur als politisches Instrument • Erste Förderung moderner Architekturströmungen
Razionalismo wird staatlich teilweise gefördert • Neue Verwaltungsbauten • Bahnhöfe, Sportanlagen, Industriearchitektur • Beginn grossmassstäblicher Stadtumbauten
•
•
→ Architektur wird Teil staatlicher Modernisierungsstrategie
→ Stadt wird Organisationsinstrument des Staates
1933–1939
Hochphase staatlicher Raumordnung
Radikalisierung Innen- und Aussenpolitik • Expansion und Militarisierung • Ausbau des autoritären Staats- und Verwaltungsapparats •
1939–1943
Krieg und Überdehnung
Kriegseintritt 1940 (Zweiter Weltkrieg) • Militärische Krise •
• Verstärkte staatliche Lenkung von Grossprojekte verlangsamt / Architektur und Städtebau gestoppt • • Grossprojekte (neue Stadtteile, Fokus auf Infrastruktur, Militär, neue Städte, Achsenplanung) Industrie • Monumentale Staatsarchitektur und • Viele Projekte unvollendet oder Razionalismo-Hybride vereinfacht • Systematische Infrastrukturmodernisierung → Architektur wird sichtbare Ordnungs- → Systemarchitektur erreicht Grenzen politik materieller Ressourcen •
1943–1945 Zusammenbruch
25. Juli 1943: Sturz Mussolinis und Ende seiner Regierung • 28. April 1945: Erschiessung Mussolinis • Besatzung / Bürgerkrieg •
Baustopp vieler Projekte Zerstörung von Infrastruktur und Städten
• •
→ Wiederaufbau als neue Architekturaufgabe 331
PIAZZALE LORETO, MILANO
Der Piazzale Loreto gehört zu den historisch am stärksten aufgeladenen Stadträumen Milanos. Seine Bedeutung erschliesst sich weniger über eine spezifische architektonische Form als über seine Funktion als Erinnerungsund Gewaltort des 20. Jahrhunderts. Am 10. August 1944 wurden hier fünfzehn Widerstandskämpfer öffentlich erschossen und zur Abschreckung auf dem Platz liegen gelassen. Nach Kriegsende wurde der Ort deshalb vorübergehend in Piazza dei Quindici Martiri umbenannt, bevor er später wieder seinen heutigen Namen erhielt. Seine historische Tragweite kulminiert dann am 29. April 1945. In den frühen Morgenstunden wurden am selben Ort die Leichen von Benito Mussolini, Clara Petacci sowie weiterer führender Vertreter des zusammenbrechenden Regimes öffentlich ausgestellt und an der Konstruktion einer Tankstelle aufgehängt. Die Wahl des Piazzale Loreto war dabei bewusst symbolisch: Der Platz, an dem wenige Monate zuvor fünfzehn Widerstandskämpfer ermordet worden waren, wurde nun zum Ort, der öffentlichen Demütigung und des endgültigen Zusammenbruchs der Diktatur. Der Platz fungiert heute primär als frequentierter Verkehrsknoten zwischen Corso Buenos Aires, Viale Monza und Via Padova. Von seiner historischen Bedeutung ist im alltäglichen Stadtraum – abgesehen von einer kleinen Gedenktafel – kaum mehr unmittelbar etwas ablesbar. Besonders eindrücklich zeigt sich diese Überlagerung von Geschichte und Gegenwart an der Stelle der ehemaligen Tankstelle: Dort befindet sich heute eine Filiale von McDonald’s. Ein Ort von enormer historischer Tragweite ist damit zu einem Raum des Konsums, der Mobilität und des urbanen Durchgangs geworden.
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MILANO, PIAZZALE LORETO Zentraler Erinnerungsort des italienischen Widerstands. Am 29. April 1945 wurden hier die Leichname Benito Mussolinis öffentlich ausgestellt. 333
MILANO, CORSO VITTORIO EMANUELE, CA. 1945 Kriegszerstörungen und Baulücken im historischen Stadtgefüge nach den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg. 334
NACH DEM STURZ
Nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 und dem Waffenstillstand mit den Alliierten im September desselben Jahres zerfiel die staatliche Ordnung. Während der Süden schrittweise unter alliierte Kontrolle gelangte, wurde Norditalien von deutschen Truppen besetzt. In den folgenden zwanzig Monaten entwickelte sich ein blutiger Bürgerkrieg zwischen der von Deutschland gestützten Italienischen Sozialrepublik, den Besatzungstruppen und den verschiedenen Widerstandsbewegungen. Der Konflikt wurde nicht nur zwischen Armeen ausgetragen, sondern spaltete Familien, Dörfer und ganze Regionen. Auf der einen Seite standen Anhänger der Republik von Salò und deutsche Einheiten, auf der anderen kommunistische, sozialistische, katholische, liberale und monarchistische Widerstandsgruppen, die trotz ihrer politischen Unterschiede zunehmend zusammenarbeiteten. Die Resistenza entwickelte sich rasch zu einer landesweiten Bewegung. In den Alpen und im Apennin entstanden Partisanengebiete, in denen zeitweise ganze Täler und Bergregionen der Kontrolle der Besatzungsmacht entzogen wurden. Gleichzeitig operierten in den Städten geheime Netzwerke, die Informationen beschafften, Sabotageakte organisierten, Verfolgte versteckten und den alliierten Vormarsch unterstützten. Die Widerstandsbewegung bestand dabei keineswegs nur aus bewaffneten Kämpfern. Zehntausende Frauen übernahmen als sogenannte Staffette lebensgefährliche Kurierdienste zwischen den einzelnen Verbänden, transportierten Waffen, Nachrichten und Lebensmittel und hielten die Kommunikation zwischen den Partisanengruppen aufrecht. Arbeiter, Bauern, Geistliche und Studenten beteiligten sich in unterschiedlicher Form am Widerstand oder unterstützten ihn logistisch. Besonders in den grossen Industriestädten Norditaliens gewann die Resistenza zunehmend an Bedeutung. Die Streiks in Turin und Mailand im Jahr 1943 erschütterten die verbliebenen Machtstrukturen und zeigten erstmals offen den schwindenden Rückhalt des Regimes. Gegen Kriegsende umfasste die Widerstandsbewegung mehr als 250’000 aktive Kämpferinnen und Kämpfer. Regionen wie das Piemont, die Emilia-Romagna, Ligurien und die Lombardei 335
entwickelten sich zu Zentren des Widerstands und verzeichneten zugleich die höchsten Opferzahlen. Auf Anschläge, Sabotageakte und Partisanenaktionen reagierten deutsche Truppen und ihre Verbündeten mit Massenverhaftungen, Geiselerschiessungen und Vergeltungsmassakern gegen die Zivilbevölkerung. Im Frühjahr 1945 brach die deutsche Front endgültig zusammen. Noch vor dem Eintreffen der Alliierten erhoben sich zahlreiche Städte Norditaliens zum allgemeinen Aufstand. In Mailand, Turin und Genua übernahmen Partisanen die Kontrolle über Bahnhöfe, Fabriken, Verwaltungen und öffentliche Einrichtungen. Der Aufstand vom April 1945 führte zur Befreiung grosser Teile Norditaliens und markierte den politischen Höhepunkt der Resistenza. Mit der Gefangennahme und Tötung Mussolinis am 28. April 1945 sowie der Kapitulation der deutschen Truppen wenige Tage später endete der Krieg auf italienischem Boden. Die Bedeutung der Resistenza reichte weit über ihren militärischen Beitrag hinaus. Für die junge Republik wurde sie zum zentralen Gründungsmythos und zum Symbol des demokratischen Neubeginns. Die Erinnerung an den Widerstand schuf eine gemeinsame historische Erzählung, die Kommunisten, Sozialisten, Liberale, Katholiken und Monarchisten trotz ihrer politischen Unterschiede miteinander verband. Viele Grundwerte der Nachkriegsrepublik – Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Ablehnung autoritärer Herrschaft – leiteten ihre Legitimation aus den Erfahrungen von Besatzung, Bürgerkrieg und Befreiung ab. In einem Referendum vom 2. Juni 1946 entschied sich die Bevölkerung schliesslich für die Abschaffung der Monarchie und die Gründung der Italienischen Republik. Die Erfahrungen von Widerstand und Befreiung prägten auch den Umgang mit der Architektur der Jahre 1922 bis 1943. Viele Bauwerke verloren ihre politische Bedeutung oder wurden neu interpretiert. Im Mittelpunkt der öffentlichen Erinnerung standen die Opfer des Krieges, die Partisanen und der demokratische Neubeginn.
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MILANO, APRIL 1945. PARTISANEN DER RESISTENZA NEHMEN EINE ANHÄNGERIN DES REGIMES GEFANGEN. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Resistenza bereits mehr als 250’000 Kämpferinnen und Kämpfer. 337
GLOSSAR
Allied Control Commission (ACC) – Alliierte Kontrollbehörde, die nach der Befreiung Italiens 1943 die Verwaltung der von den Alliierten besetzten Gebiete koordinierte. Sie überwachte den Wiederaufbau staatlicher Strukturen und begleitete den politischen Übergang nach dem Ende der Diktatur. Architettura fascista – Architektur der italienischen Diktaturzeit (1922–1943). Sie umfasst unterschiedliche Strömungen vom Razionalismo bis zum Monumentalklassizismus und diente sowohl funktionalen als auch repräsentativen Zwecken. Kennzeichnend sind monumentale Massstäbe, klare Kompositionen und die symbolische Bezugnahme auf das antike Rom als Ausdruck nationaler Identität und staatlicher Kontinuität. Ardeatinische Höhlen (Fosse Ardeatine) – Ort eines Massakers bei Rom am 24. März 1944. Als Vergeltungsmassnahme für einen Partisanenanschlag ermordeten deutsche Besatzungstruppen 335 Zivilisten und politische Gefangene. Die Fosse Ardeatine gelten heute als einer der wichtigsten Erinnerungsorte der italienischen Resistenza. Aufstände von 1945 (Insurrezione del 1945) – Volksaufstände und bewaffnete Erhebungen der Resistenza im Frühjahr 1945, insbesondere in Norditalien. Sie führten zur Befreiung zahlreicher Städte noch vor dem Eintreffen der alliierten Truppen und markierten das Ende der Repubblica Sociale Italiana. Balilla – Bezeichnung der italienischen Jugendorganisation des frühen 20. Jahrhunderts. Im architektonischen Kontext bezeichnet der Begriff vor allem Schul-, Sport- und Versammlungsbauten für Kinder und Jugendliche. Banco di Brescia – Historische Bankinstitution und zugleich Bezeichnung repräsentativer Bank- und Verwaltungsgebäude. Banco di Napoli – Bedeutende italienische Bankinstitution, deren Gebäude häufig eine repräsentative Verwaltungsarchitektur mit klassischer Fassadenordnung aufweisen.
Cardo – Nord-Süd-Hauptachse des antiken römischen Stadtgrundrisses. Zusammen mit dem Decumanus bildet sie das grundlegende Ordnungssystem der Stadtplanung. Casa del Balilla – Gebäudetyp für Jugend- und Sporteinrichtungen. Siehe auch: Balilla Casa del Fascio – Typologie lokaler politischer Verwaltungsgebäude der Diktaturzeit. Charakteristisch sind klare geometrische Volumen, symmetrische Fassadenordnung und repräsentative Präsenz im Stadtraum. Casa della GIL – Gebäudetyp für Jugend-, Sport- und Ausbildungseinrichtungen. Siehe auch: GIL Casabella – Bedeutende italienische Architekturzeitschrift des 20. Jahrhunderts. Sie prägte die Debatten zur Moderne, zum Razionalismo und zur Nachkriegsarchitektur und förderte den Austausch theoretischer sowie internationaler Positionen. Case del Mutilato – Gebäudetyp für Kriegsversehrte und Veteranenorganisationen. Häufig verbinden diese Bauten Verwaltungs-, Versammlungs- und memoriale Funktionen. Casino Nobile (Villa Torlonia, Rom) – 1802–1806 von Giuseppe Valadier als Hauptgebäude der Villa Torlonia errichtet. Von 1925 bis 1943 Wohnsitz Benito Mussolinis. Die neoklassizistische Architektur der Villa verweist auf jene Antikenrezeption und Monumentalität, die später auch die staatliche Architektur der Zwischenkriegszeit beeinflussten. Castrum-Prinzip – Antikes römisches Stadtplanungsschema auf orthogonalem Raster. Charakteristisch sind rechtwinklige Strassenachsen und eine klare hierarchische Ordnung des Stadtraums. Die Anlage basiert auf der Kreuzung von Cardo und Decumanus und prägte zahlreiche Stadtgründungen bis in die Neuzeit.
Barock – Architektur des 17. und 18. Jahrhunderts, geprägt durch dynamische Rauminszenierung, starke Plastizität, dekorative Fülle und monumentale Wirkung. Charakteristisch sind bewegte Fassaden, Achsen-bezüge und eine theatralische Raumwirkung.
Cerchia dei Navigli – Ehemaliger innerer Kanalring Mailands, der bis ins 20. Jahrhundert das historische Stadtzentrum umschloss. Die meisten Kanalabschnitte wurden zwischen den 1920er- und 1930erJahren überdeckt oder verfüllt, prägen jedoch bis heute die Stadtstruktur.
Bildungsarchitektur – Bildungsarchitektur umfasst Schulen, Universitäten, Kindergärten und weitere Einrichtungen des Lernens. Im frühen 20. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt von repräsentativen Schulbauten hin zu funktional organisierten Gebäuden mit klarer Raumstruktur, guter Belichtung und hygienischen Standards.
Città di fondazione – Planmässig gegründete Städte der 1920er- und 1930er-Jahre, die meist auf zuvor unbebauten Flächen entstanden. Sie dienten der landwirtschaftlichen Erschliessung, der Besiedlung neuer Gebiete und der Demonstration staatlicher Handlungsfähigkeit. Bekannte Beispiele sind Littoria (heute Latina), Sabaudia und Pontinia.
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Decumanus – Ost-West-Hauptachse des römischen Stadtgrundrisses. Gemeinsam mit dem Cardo strukturiert sie das urbane Raster. Dux – Lateinisch für «Führer»/«Anführer». Während der Diktatur häufig verwendete Bezeichnung für Benito Mussolini; erscheint auf zahlreichen Inschriften und Monumenten der Zeit. Età Umbertina – Städtebauliche und architektonische Epoche unter König Umberto I. im späten 19. Jahrhundert. Charakteristisch sind grossmassstäbliche Stadterweiterungen, historistische Fassaden und repräsentative Wohn- und Verwaltungsbauten. Fiat – 1899 in Turin gegründeter Automobil- und Industriekonzern. Das Unternehmen entwickelte sich zum wichtigsten Motor der italienischen Industrialisierung und prägte die Stadtentwicklung Turins nachhaltig. Fraktur – Gebrochene Schriftart, die sich im deutschsprachigen Raum seit dem späten Mittelalter entwickelte und bis ins 20. Jahrhundert weit verbreitet war. Nachdem sie zunächst als «deutsche Schrift» gefördert worden war, wurde ihre Verwendung 1941 von den Nationalsozialisten verboten und durch die Antiqua ersetzt: aA, bB, cC, dD, eE, fF, gG, hH, iI, jJ, kK, lL, mM, nN, oO, … Futurismo – Avantgardistische Kunst-/Architekturbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen Dynamik, Geschwindigkeit, Technik und urbane Modernität. Die Bewegung war zugleich von einem radikalen Nationalismus und einer Verherrlichung von Krieg, Gewalt und militärischer Stärke geprägt und beeinflusste damit das politische Denken im Italien der Zeit und insbesondere Benito Mussolini. Genio Militare – Militärische Ingenieur- und Bauverwaltung. Zuständig für Infrastruktur, Kasernen, Brücken und militärische Verwaltungsbauten. Gotik – Mittelalterliche Architektur mit Spitzbogen, vertikaler Raumwirkung und grossen Fensteröffnungen. Charakteristisch sind Gewölbe, Strebewerk sowie die Betonung von Höhe und Licht, die den Innenraum feierlich prägen. Innenraum sakral und feierlich inszeniert. Gruppo 7 – 1926 gegründete Gruppe italienischer Architekten und Wegbereiter des Razionalismo. Sie forderte eine moderne, funktionale und konstruktiv begründete Architektur. Historismus – Architektur des 19. Jahrhunderts mit bewusster Rückgriffnahme auf frühere Stilformen wie Renaissance, Gotik oder Barock. Vergangene Architektursprache wurde neu interpretiert und häufig miteinander kombiniert.
Industriearchitektur – Architektur von Fabriken, Werkhallen und Produktionsanlagen. Funktion, Logistik und Materialfluss bestimmen die Raumstruktur. Kalter Krieg – Bezeichnung für den politischen, ideologischen und militärischen Gegensatz zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie ihren jeweiligen Bündnissystemen von etwa 1947 bis 1991. Klassizismus – Stilrichtung mit Bezug auf antike Proportionen, Symmetrie und klare geometrische Ordnung. Kulturarchitektur – Architektur für Theater, Kinos, Museen und Ausstellungshallen. Lateranverträge – 1929 geschlossene Abkommen zwischen dem Königreich Italien und dem Heiligen Stuhl. Sie beendeten die sogenannte Römische Frage und begründeten die Souveränität der Vatikanstadt. Liberty – Italienische Variante des Jugendstils. Charakteristisch sind organische Linien, florale Ornamente und plastisch ausgearbeitete Fassaden. L.O.V.E. (Libertà – Odio – Vendetta – Eternità ; oft einfach Il Dito genannt – Monumentale Marmorskulptur 2010 von Maurizio Cattelan auf der Piazza degli Affari in Milano vor dem Palazzo Mezzanotte, dem Sitz der italienischen Börse. Die Arbeit zeigt eine Hand, deren Finger bis auf den Mittelfinger entfernt wurden. Sie gilt als provokanter Kommentar zu Macht, Autorität und Finanzwelt. Magistrale – Historische Bezeichnung für Lehrerseminare bzw. höhere Ausbildungsstätten für Lehrerinnen und Lehrer. Zahlreiche Gebäude dieser Art entstanden im Zuge des Ausbaus des staatlichen Bildungswesens in der Zwischenkriegszeit. McDonald’s – 1955 in den USA gegründete Fast-Food-Kette und weltweit eines der bekanntesten Symbole der amerikanischen Konsumkultur. In Italien wurden McDonald’s-Filialen wiederholt zum Gegenstand von Debatten über Globalisierung, Kommerzialisierung und den Umgang mit historischen Stadträumen. Die erste Filiale in Rom konnte nach langjährigen Protesten erst 1986 an der Piazza di Spagna eröffnet werden und wurde zu einem Symbol der Auseinandersetzung zwischen amerikanischer Massenkultur und italienischer Tradition.
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Memorialarchitektur – Architektur des Gedenkens, etwa Denkmäler, Mausoleen und Erinnerungsorte. Symbolik und stadträumliche Wirkung stehen im Vordergrund. Monumentalklassizismus – Architektonische Strömung der Zwischenkriegszeit, die vereinfachte klassische Formen, Symmetrie und monumentale Massstäbe mit modernen Konstruktionen verband. Sie prägte zahlreiche Staats-, Verwaltungs- und Kulturbaute. Monumentalrationalismus – Verbindung geometrischer Klarheit und funktionaler Ordnung mit monumentalen Proportionen. Mutilato – Historischer Begriff für Kriegsversehrte. Nachkriegsmoderne – Architektur nach 1945, geprägt durch Wiederaufbau, funktionale Klarheit und neue Materialien. Napoleonische Zeit – Architekturepoche in Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts mit klassizistischer Formensprache und imperialer Symbolik. Navigli-System – Historisches Netz von Kanälen in Mailand, das seit dem Mittelalter der Schifffahrt, Bewässerung und Güterversorgung diente. Siehe auch: Cherchia dei Navigli Neo- +Stil – Historistische Wiederaufnahme eines Baustils im 19. / 20. Jahrhundert. Zum Beispiel: Neoklassizismus Novecento – Strömung zwischen klassischer Tradition und moderner Baukörperkomposition. Operationszone Alpenvorland – Von Deutschland nach 1943 eingerichtetes Verwaltungsgebiet in Südtirol, Trentino und Belluno. Obwohl formell Teil Italiens, wurde die Region faktisch von deutschen Behörden kontrolliert. Ortigia – Historischer Stadtkern von Siracusa auf einer vorgelagerten Insel. Das Gebiet bildet seit der Antike das kulturelle und politische Zentrum der Stadt. Palatul Parlamentului – Monumentaler Regierungsbau in Bukarest, errichtet ab 1984 unter Nicolae Ceaușescu als zentrales Symbol staatlicher Macht und Kontrolle. Der Bau ist mit 4,1 Millionen Tonnen das schwerste Gebäude der Welt. Partisanen – Angehörige bewaffneter Widerstandsgruppen, die während des Zweiten Weltkriegs gegen die deutsche Besatzung und die Italienische Sozialrepublik kämpften. Die Partisanen bildeten den militärischen Kern der Resistenza und spielten eine entscheidende Rolle bei der Befreiung Norditaliens.
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Piazza – Italienischer Begriff für Platz: Öffentlicher Stadtplatz als zentraler sozialer und räumlicher Bezugspunkt. Piazza dei Quindici Martiri (Platz der fünfzehn Märtyrer) – Bezeichnet einen öffentlichen Platz, dessen Name an fünfzehn getötete Widerstandskämpfer oder Opfer politischer Gewalt erinnert. Pluralismus – Nebeneinander verschiedener architektonischer Stile und Ausdrucksformen innerhalb einer Epoche. Pontinische Sümpfe (Agro Pontino) – Ehemaliges Sumpfgebiet südlich von Rom, das in den 1930er-Jahren trockengelegt wurde. Die Urbarmachung ermöglichte die Gründung mehrerer Città di fondazione und gilt als eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der Epoche. Questura – Polizeipräsidium oder Hauptsitz staatlicher Sicherheitsbehörden. Typischer Verwaltungsbau mit repräsentativer Wirkung. Razionalismo / Rationalismus – Zentrale Strömung der italienischen Moderne. Architektur wird aus Funktion, Konstruktion und geometrischer Ordnung entwickelt. Rebecchino – Dicht bebauter mittelalterlicher Häuserkomplex unmittelbar südlich des Mailänder Doms, der zwischen 1875 und 1878 im Zuge der Neugestaltung und Erweiterung der Piazza del Duomo abgebrochen wurde. Rede Mussolinis vom 31. Dezember 1925 – Programmatische Rede Benito Mussolinis zur zukünftigen Entwicklung Roms. Darin formulierte er die Vision eines «dritten Rom» (Terza Roma), das die Grösse des antiken Imperiums mit den Ansprüchen der Moderne verbinden sollte: «In fünf Jahren muss Rom allen Völkern der Welt wunderbar erscheinen: gross, geordnet und mächtig, wie zur Zeit des ersten Kaiserreichs des Augustus.» (…) «Ihr werdet weiterhin den Stamm der grossen Eiche von allem befreien, was ihn noch einengt.» (…) «Die jahrtausendealten Monumente unserer Geschichte müssen in der ihnen gebührenden Einsamkeit emporragen.» (…) «So wird sich das Dritte Rom über weitere Hügel, entlang der Ufer des heiligen Flusses bis zu den Stränden des Tyrrhenischen Meeres ausdehnen.» Referendum vom 2. Juni 1946 – Volksabstimmung, in der die italienische Bevölkerung über die Staatsform entschied. Mit einer Mehrheit für die Republik endete die Monarchie der Savoyer. Renaissance – Architektur der frühen Neuzeit mit Orientierung an antiken Vorbildern. Charakteristisch sind Symmetrie, klare Baukörper sowie ausgewogene Proportionen und Raumverhältnisse.
Republik von Salò (Repubblica Sociale Italiana) – Von Deutschland abhängiger Reststaat unter Benito Mussolini, der nach dessen Befreiung 1943 in Norditalien errichtet wurde. Regierungssitz war Salò am Gardasee. Die Republik bestand bis zum Frühjahr 1945.
Staffette – Meist weibliche Kuriere der Resistenza. Sie transportierten Nachrichten, Waffen und Versorgungsgüter zwischen den Widerstandsgruppen und spielten eine entscheidende Rolle für deren Organisation.
Resistenza – Sammelbegriff für den italienischen Widerstand gegen deutsche Besatzung und Italienische Sozialrepublik zwischen 1943 und 1945. Die Bewegung vereinte unterschiedliche politische Strömungen und wurde zum Gründungsmythos der Nachkriegsrepublik.
Stile Littorio – Pluralistischer Architekturbegriff der 1930er-Jahre, geprägt durch monumentale Massstäbe, axiale Ordnung und vereinfachte klassische Formen in Verbindung mit moderner Bauweise und klaren geometrischen Volumen.
Roche (La Roche) – Schweizer Pharmaunternehmen, gegründet 1896 und mit Hauptsitz in Basel. Romanik – Mittelalterliche Architektur mit massiven Mauern und Rundbogen. Romanità – Bezug auf das antike Rom als kulturelles und architektonisches Leitbild. Sakralarchitektur – Architektur religiöser Bauten wie Kirchen, Kapellen und Klöster. San Berillo – Historisches Stadtviertel von Catania. Weite Teile wurden in den 1950er-Jahren im Zuge grossangelegter Stadterneuerungen abgebrochen, wodurch sich die soziale und städtebauliche Struktur des Quartiers grundlegend veränderte. Scuola Romana – Architekturströmung zwischen Moderne, Monumentalität und historischer Referenz, besonders in Rom. Septemberkonvention – Die Septemberkonvention von 1864 war ein Abkommen zwischen dem Königreich Italien und Frankreich unter Napoleon III. Frankreich erklärte sich bereit, seine Truppen schrittweise aus Rom abzuziehen, während Italien zusicherte, Rom vorerst nicht militärisch anzugreifen und seine Hauptstadt von Turin nach Florenz zu verlegen. Die Vereinbarung war ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur späteren Annexion Roms im Jahr 1870 und zur territorialen Vollendung der italienischen Einigung. Skelettbau – Tragwerkssystem, bei dem Konstruktion und Fassade getrennt sind. Das Lastabtragen erfolgt über ein inneres Gerüst aus Stahl /Stahlbeton, wodurch flexible Grundrisse, grosse Spannweiten und grosszügige Fensterflächen ermöglicht werden. Spina di Borgo – Historisches Quartier zwischen Engelsburg und Petersplatz, das in den 1930er-Jahren für die Anlage der Via della Conciliazione abgebrochen wurde.
Südtirolkonflikt – Der Südtirolkonflikt bezeichnet die politischen Spannungen zwischen dem italienischen Staat und Teilen der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols nach der Annexion des Gebiets durch Italien. Im Zentrum standen Fragen nach kultureller Identität, Sprachrechten und politischer Autonomie. Sventramento – Wörtlich «Ausweidung». Bezeichnet grossflächige städtebauliche Eingriffe, bei denen historische Quartiere durch Abriss für neue Strassen, Plätze oder Verwaltungsbauten geöffnet wurden. Unterkommission für Denkmäler, Kunstwerke und Archive – SubCommission for Monuments, Fine Arts and Archives (MFAA) – Alliierte Fachkommission zum Schutz von Kulturgütern während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Aufgabe war es, bedeutende Denkmäler, Kunstwerke, Archive und andere Kulturgüter zu erfassen, vor Zerstörung und Plünderung zu schützen sowie deren Rückführung zu organisieren. Vertrag von Saint-Germain (1919) – Friedensvertrag zwischen den Alliierten und Österreich nach dem Ersten Weltkrieg. Italien erhielt unter anderem Südtirol, das Trentino, Istrien und weitere Gebiete der ehemaligen Habsburgermonarchie. Vier Tage von Neapel – Volksaufstand der neapolitanischen Bevölkerung gegen die deutsche Besatzung vom 27. bis 30. September 1943. Die Stadt befreite sich noch vor dem Eintreffen der alliierten Truppen selbst. Viktorianische Epoche – Regierungszeit der britischen Königin Victoria (1837–1901). Die Epoche war geprägt von Industrialisierung, Kolonialismus und wirtschaftlichem Aufschwung und brachte zahlreiche historistische Architektur- und Infrastrukturprojekte hervor. Villaggio della Rivoluzione (Bologna) – 1938 errichtete Wohnsiedlung am Stadtrand von Bologna. Das Quartier entstand als Modellprojekt für modernen Wohnungsbau und verband rationalistische Architektur mit sozialpolitischen Zielsetzungen der Zeit.
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