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MAGAZIN FüR reisen, lifestyle genuss | juni 2012 | CHF2010 6.50 | CHF 6.50 Kunst, Kultur, lifestyleundund reisemagazin | september  

Burma

Vor dem grossen Boom Namibia Im Land der stillen Weiten ISSN 1662-8551 ISSN 1662-8551

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Hurtigruten Die vielleicht schönste Seereise der Welt


URLAUB IM PARADIES

Malediven

Constance Halaveli Resort

1 Woche Pauschalarrangement:

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Ferien vom Feinsten

Im Pauschalarrangement inbegriffen: Flug mit Oman Air ab Zürich - Male (via Oman) in Economy Klasse, Transfer mit Wasserflugzeug Flughafen - Resort - Flughafen, 6 Übernachtungen in einer Wasservilla mit Halbpension im Constance Halaveli Resort oder 6 Übernachtungen in einer Strandvilla und „all inclusive“ im Constance Moofushi Resort. Gültigkeit: Preis gültig für Aufenthalte zwischen 01.06. und 13.12.12. Nicht inbegriffen: Annullations- und Rückreisekostenversicherung, Dossiergebühren vom Reisebüro. Flughafen- und Sicherheitstaxen, Treibstoffzuschlag (CHF 279.-). Kosten für Verlängerung des Aufenthaltes und Preis für Flug in Business Klasse auf Anfrage. Programm- und Preisänderungen vorbehalten. Unsere allgemeinen Vertrags- und Reisebedingungen kommen zur Anwendung.

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editorial

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Tourismus als Nabelschnur zur Aussenwelt von markus weber

Lange galten Reisen nach Burma als politisch unkorrekt. Nach der Wahl der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ins nationale Parlament Myanmars sind die Boykottaufrufe weltweit zurückgegangen. Endlich, ist man geneigt zu ­sagen. Denn die Sanktionen trafen die arme Bevölkerung am härtesten, sagt etwa Aung Myat Kyaw, Chairman des nichtstaatlichen Myanmar Marketing Committee (MMC). Die Mittelschicht sei ver-

Die Shwedagon-Pagode in Yangon.

schwunden, und eine riesige Lücke zwischen armen und reichen Menschen habe sich geöffnet. Die Sanktionen hätten das Gegenteil dessen gebracht, was sich deren Befürworter erhofft haben, bilanziert Aung Myat Kyaw ernüchtert. Der 15 Jahre dauernde Boykott war unter den vielen Gegnern des Militärregimes sehr umstritten. Oswald Iten, langjähriger Korres­ pondent der NZZ, sprach in Burma mit ­einem Hotelpionier, der zu den Gründern eines Zweigs der National League for Demo­cracy (NLD) im Shan-Staat gehört. Für den Oppositionellen seien die Tou­ risten wie eine Nabelschnur gewesen, die den Kontakt zur Aussenwelt und das ­Überleben der Familie sowie der Angestellten bedeuteten, während er als poli­ tischer Gefangener eingekerkert war. ­Ausserdem ermöglichten ihm diese Kontakte bis heute, mehrere medizinische ­Versorgungszentren zu betreiben. Nach dem Rückzug des Boykottaufrufs ist nun zu erwarten, dass die Zahl der Besucher Burmas rasant ansteigen wird. Das südostasiatische Land steht dem bevor­stehenden Boom erfreut, aber konzeptlos gegenüber, lautet die Einschätzung ­Oswald Itens. ­Lesen Sie seinen Artikel auf Seite 22. Wie gut sind die Schweizer FünfsterneHotels? Sind sie auf der Höhe der welt­ besten Spitzenhäuser? Ist es überhaupt sinnvoll, beispielsweise ein Giardino Ascona (Beitrag auf den Seiten 54 und 55) mit ­einem One&Only Reethi Rah (Seite 24) zu vergleichen, das von der Zeitschrift

­ ilanz zum besten Beach Resort der Welt B gekürt worden ist? Ein Inselresort auf den Male­diven und ein Hotel im Tessin haben ­unterschiedliche (Ferien-)Bedürfnisse zu befriedigen. Angesichts der unterschied­ lichen Produktionskosten (ein Kellner verdient auf den Malediven etwa zehn- bis fünfzehnmal weniger als in der Schweiz) scheint es zudem unfair, die Leistungen im Service und in der Küche miteinander zu vergleichen. Aber Hand aufs Herz: Dem Gast sind die Ausgaben des Hotels schlicht «wurst». Er will für sein Geld die best­mögliche Leistung erhalten. Ob in der Schweiz, auf den Malediven oder in Österreich spielt dabei eine untergeordnete ­Rolle. Der Service im Giardino sei ein­ deutig besser als im Six Senses auf Phuket, urteilte ein ­weitgereister Unternehmer aus Deutschland, den wir in Ascona getroffen haben. In der Tat: Die Professio­ nalität und die herzliche Gastfreundschaft im Giardino haben uns ebenfalls sehr ­beeindruckt. Hier wird ein Service vom Feinsten zelebriert, der auch im interna­ tionalen Vergleich s­pitze ist. Angesichts der hohen Kosten in der Schweiz sind die gebotenen Leistungen im Tessiner Haus eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Um dieses beachtliche Niveau zu erreichen und zu halten, braucht es offensichtlich Mäzene im Hintergrund. So gesehen werden in unserem Land wohlhabende Gäste sehr oft von noch wohl­habenderen «Investoren» subventioniert. Dagegen ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Wir bedanken uns dafür!


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inhalt

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L’Art de voyager Schiffsreisen Wenn hurtig langsam ist Auf Tuchfühlung

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Burma «Willkommen in Myanmar» 

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Malediven Einmal Paradies erster Klasse, bitte

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Griechenland Die vollkommene Art zu reisen 28

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Die vielleicht schönste Seereise der Welt Die Fangemeinde ist riesig: Die Fahrt auf einem der Schiffe von Hurtigruten ist für jeden «echten» Kreuzfahrer ein «Must».

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Malta Barocke Schönheit im Mittelmeer

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Tunesien Das neue Gesicht Tunesiens

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Namibia Im Land der stillen Weiten

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Im Land der stillen Weiten Aufgrund der trockenen Luft und der intensiven Farben gelingt in Nambia fast jedes Foto. Die aprikosefarbenen Sanddünnen sind das wohl meist fotografierte Sujet der früheren deutschen Kolonie.

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Burma Ein Land freut sich auf seine Besucher. Auch wenn es für den grossen Andrang nicht vorbereitet ist.


inhalt

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L’art de vivre

Falkenpower Der Südafrikaner Pete Bergh hat in Dubai eine erfolgreiche Falknerei aufgezogen.

Business Class Entspannt ankommen

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Deutschland Remstal: Tal der Künste

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Hotels Schweiz Giardino Ascona Giardino Lago, Minusio Frutt Lodge, Melchsee Frutt Nira Alpina, Silvaplana

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Porträt Ein Falkner in Dubai

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Heisser Sommer Monokinis im Trend

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Frauenpower in der Herrschaft Drei Winzerinnen im Vormarsch 62 Ökopower auf der Strasse Vernunft und Unvernunft harmonisch vereint

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Ökopower Wer die ungestüme Beschleunigung im elektrisch angetriebenen Roadster von Tesla «erfährt», will dessen 288 Pferde am liebsten auf einer Renn­strecke galoppieren lassen.

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Frauenpower Irene Grünenfelder, Annatina Pelizzatti und Carina Lipp-Kunz sorgen für zauberhafte Weine.

Impressum • Verlag und Herausgeber: Apalis GmbH, Cornel Merki, Markus Weber • Chefredaktor: Markus Weber, markus.weber@artundreise.ch • Redaktion: Corina Issler Baetschi, corina.issler@artundreise.ch, Manuela Burkhalter, manuela.burkhalter@artundreise.ch • Freie Mitarbeiter dieser Ausgabe: Stefanie Schnelli, Tina Bremer, Oswald Iten, Ernesto Scagnet, Alexandra Karle, Lucie Paska, Angela Pietzsch, Inge Jucker, Werner Knecht, Marie Dové, Reto E. Wild. • Layout: Karin Haslimann, Multicolor Print AG • Anzeigenverkauf: Marion Lehmann, Tel. 043 501 23 27, marion.lehmann@apalis.ch • Anzeigenverwaltung: info@apalis.ch • Aboservice: Tel. 043 501 23 23, abos@artundreise.ch • Verlags- und Redaktionsadresse: artundreise, Apalis GmbH, Seestrasse 49, 8820 Wädenswil, Tel. 043 501 23 23 • Redaktionsmail: redaktion@artundreise.ch • Produktion: Multicolor Print AG, Sihlbruggstrasse 105a, 6341 Baar • Titelbild: iStockphoto

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aktuell

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Pures Leben

Reizvolle Routen

Saftige Wiesen, bunte Blumen und mittendrin ein Himmelbett: Diese Übernachtungsmöglichkeit in Österreichs Südsteiermark ist nur einer von zahlreichen Höhepunkten, die sich Dietmar Silly für seine Gäste ausgedacht hat. Wer in einem seiner acht Ferien­ häuser übernachtet, die er unter dem Namen PURESLeben vermarktet, erlebt noch viel mehr: zum Beispiel die Picknick-Vespa oder die «g’standene Steierin», die auf Wunsch im Ferienhaus Hausmannskost zaubert oder sich auf der Holzterrasse des «100-Sterne-Restaurants» exklusiv um den einzigen Tisch kümmert. Oder man trifft sich mit Dietmar Silly auf einen Schluck vom hauseigenen Weingut? Der Wirt möchte seinen Gästen gerne die Schätze seiner Heimat zeigen. Und ihnen in den Ferienhäusern den Komfort bieten, den sie sonst nur aus der gehobenen Hotel­ lerie kennen. Bei PURESLeben gibt es die Privatsphäre gratis mit dazu.  www.puresleben.at

Die Twerenbold Reisen Gruppe expandiert. Seit Ende März ist das vierte Schiff der Excellence Flotte, die MS Excellence Coral, auf kleineren Flüssen Norddeutschlands unterwegs. Nach der ­Renovation in einer Werft nahe Berlin hat das kleine Flussschiff seine Inaugurationsfahrt mit Bravour bestanden. Taufpatin Nazly Twerenbold, die auch für die luxuriöse Innengestaltung verantwortlich ist, wünschte dem Schiff «immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel». Als eines von nur acht Schiffen kann die Coral kulturell und landschaftlich reizvolle Routen von Berlin bis zum offenen Meer und Rügen oder von Berlin nach Prag oder Breslau befahren. Dank ihren geringen Ausmassen sind niedrige Brücken, kleinere Schleusen und tiefere Pegelstände kein Hindernis. Den Kunden eröffnen sich dadurch Routen, die bisher als Geheimtipps der Flussfahrten galten. www.mittelthurgau.ch

Der ultimative Sommerjob Arbeiten kann Spass machen. Besonders in der Hike Society, die im Juni den ultimativen Sommerjob 2012 vergibt. Die ambitionierte Wander-Community zahlt 6000 Euro für ­Freiheit, Spass und Abenteuer. Gesucht wird ein Entdecker, der abseits ausgetretener Pfade zwei Monate lang durch acht europäische Bilderbuchlandschaften streift und seine geheimen Tipps und persönlichen Erlebnisse mit anderen online teilt – direkt und un­ verblümt. «Wir wollen echte Erfahrungsberichte», sagt Hike-Society-Präsident Stephan Köhl und beschreibt damit gleichzeitig das Anforderungsprofil an die Bewerber und das eigentliche Ziel der Aktion. «Wandern liegt längst wieder im Trend. Aber nur mit ­authentischen Schilderungen erreichen wir die junge Zielgruppe, die sich von weich­ gespülten Werbebotschaften längst nicht mehr beeindrucken lässt.» Wer also spannende Storys, tolle Tipps und nützliche Ratschläge zum Wandern sucht, ist bei der Hike Society genau richtig.  www.pure-wanderlust.de


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Seen zum Hinsehen Gehen und sehen ist eine Lust. Doch viele Menschen sind blind geworden für die ­schönen Dinge am Wegesrand. Sie stürmen ­voran und vorbei am Glück. Wieder sehen lernen, auf Entdeckungsreise gehen mit den Augen, sich Zeit nehmen, genau hin­ zuschauen – das ist für alle, die auf der ­Überholspur leben, eine ganz neue Er­ fahrung. Im Sehnsuchtsland Mecklenburg ­Vorpommern gibt es sie noch – die Zeit für Langsamkeit. Die Armbanduhren und auch die Handys bleiben zu Hause, wenn Förster Luttmann mit den Gästen von Burg Schlitz unterwegs ist. Auf seinen Streifzügen durch Wiesen und Wälder kann man viel lernen über sich und die Welt. Der riesige Land­ schaftspark von Burg Schlitz ist ein stilles Paradies, in dem die Lust am Gehen und ­Sehen fast wie von selbst erwacht. Und zu sehen gibt es mehr als genug. Zum Beispiel fünf Seen, bei denen sich das Hin­ sehen lohnt. www.burg-schlitz.de

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Mehr als Badeferien Beneidenswerte 800 Kilometer lang ist die Küste Apuliens. Obwohl das tiefblaue, klare Meer an den apulischen Stränden karibische Assoziationen weckt, ist die Region viel mehr als nur eine­ ­Badeferiendestination. Die Landschaften Apuliens mit ihren typischen silbernen Olivenhainen erinnern an ein Gemälde aus einer längst vergangenen Zeit: Sanftes, grünes Hügelland wechselt sich ab mit fruchtbaren Küstenebenen. Kleine Fischerorte geben hier den Anschein, als sei die Zeit stehen geblieben. Die be­lieb­ testen Unterkünfte in der unverkennbaren Region sind die Mas­serien. Um­gebaute Gutshöfe, versteckt in Olivenhainen, meist aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Einst Sitz adliger Grossgrundbesitzer ­haben sich einige Landhäuser dem Agri­ turismo geöffnet und zählen heute zu den stilvollsten Unterkünften Apuliens.

Wer sich diese perfekte Mischung aus Naturnähe und Ferienambiente gönnen möchte, erreicht die Region im Absatz Italiens täglich mit Helvetic-Flügen von Zürich nach Bari, zweimal pro Woche von Zürich nach Brindisi und einmal pro Woche von Bern nach Brindisi.  www.helvetic.com

Wie gemacht für Kreuzfahrten Südostasien schafft zunehmend Raum für Kreuzfahrten, auch aufgrund der natürli­ chen Attribute, die der Region ideale Vor­ aussetzungen schaffen. Sie bietet mehr als 25 000 Inseln, dazu sind das Klima und die Gewässer das gesamte Jahr hindurch ruhig und warm und diverse spannende Reisezie­ le sind über kurze Distanzen zu erreichen. Derzeit bestreitet Asien nur einen 9-prozen­ tigen Anteil des Umsatzes des weltweiten Kreuzfahrtmarktes – dabei besteht hier ein grosses Potenzial für eine weitere Entwick­ lung. Um dieses auszuschöpfen, rüstet sich der südostasiatische Stadtstaat Singapur mit wichtigen Infrastrukturprojekten wie dem Marina Bay Cruise Centre Singapore (MBCCS). Das neue Kreuzfahrt-Terminal befindet sich in der Marina Bay und zeichnet sich durch ein nautisch inspiriertes und Wellen nachempfundenes Design aus. Dank des MBCCS verdoppelt die Löwenstadt ihre Liegeplatz-Kapazität für Kreuzfahrtschiffe. Mit tiefem Gewässer, einem grossen Wende­ becken und keinerlei Höheneinschränkun­ gen kann das Terminal zudem die neueste Generation grosser Kreuzfahrtschiffe auf­ nehmen. www.your-singapore.de

Powersleeping Rund ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch im Bett. Für den Krallerhof im Salzburger Land ist das Grund genug, diesem Thema besondere Aufmerksamkeit zu schenken: Powersleeping heisst das Zauberwort! In den PowersleepingZimmern des Krallerhofs erfüllt ein spezielles Schlafsystem höchste medizinischorthopädische Anforderungen, speziell

abgeschirmte Kabel verhindern in den Zimmern elektromagnetische Strahlung, und Naturhölzer wie Zirbe und Eiche ­fördern den gesunden Schlaf. Der ZEO Schlafcoach – ein professionelles ­Schlafgerät – bewertet die nächtliche Schlafqualität des Gastes, der bei Ankunft das passende Kissen aus dem hauseigenen Kissenmenü wählt. Für Wohlgefühl am Tag ist ebenfalls gesorgt: Mit vier Relax-Guide-Lilien ausgezeichnet, erstreckt sich die Wellnessoase ­«Refugium» auf 2400 m². Der Krallerhof ist ein Haus der Superlative: Erlebniswelten vom Tal bis auf 1760 Meter Höhe, 365 Tage Freizeitprogramm und eine ­Exklusivität, wie sie auch Weitgereiste nur selten finden. www.krallerhof.com


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Zweifach preisgekrönt

Auf den Spuren des Steppenwolfes

Das Luxusresort Indigo Pearl in Phuket setzt auf Design. Mit ­seinem Coqoon Spa wurde das Haus im November 2011 bei den ­AsiaSpa Awards mit dem Titel «Spa Design of the Year» ausgezeichnet. Vor wenigen Wochen erhielt es bei den World Luxury Spa Awards die Bezeichnung Best Luxury Resort Spa. Und nun hat das Resort den grössten in sich abgeschlossenen Villenkomplex Phukets eröffnet: Auf einer Fläche so gross wie drei Handballfelder schuf Designer Bill Bensley einen idealen Rahmen für Familienferien, -feste und andere private Veranstaltungen. Alle drei Villen sind so miteinander verbunden, dass sie als eigenständiger Villenkomplex genutzt werden können. Dieser besitzt einen grossen Aussenbereich mit Swimming Pool und Teppanyaki Bar. Für ganzheitliche Entspannung sorgt der eigene Spa-Bereich mit Dampfduschen, Sauna und Massageliegen. Zusätzlich zum neuen Villen-Komplex werden im Laufe dieses Jahres vier separate PoolVillen fertiggestellt.  www.indigo-pearl.com

Anlässlich des fünfzigsten Todestages von Hermann Hesse hat das Hotel Eden Roc in Ascona ein Arrangement aufgelegt, mit dem die Gäste diesen Sommer Einblick in das Leben des bekannten Literaten erhalten. Hesse lebte 43 Jahre lang im Tessin und schrieb hier viele seiner grossen ­Werke. In seiner Wahlheimat Montagnola, einem Dörfchen oberhalb von Lugano, verfasste er Weltliteratur wie den «Steppenwolf» oder das «Glasperlenspiel». Wer den Spuren Hermann Hesses durch Ascona und Montagnola folgt, taucht ein in die Naturschönheit des Tessins, die der berühmte Literatur­nobelpreisträger in zahlreichen Erzählungen und Briefen festgehalten hat und die ihn nicht zuletzt auch zum Malen inspirierte. Mit dem Arrangement «Auf den Spuren von Hermann Hesse im Tessin» lädt das Hotel Eden Roc in Ascona dazu ein, die mediter­rane Seen- und Berglandschaft der italienischen Schweiz mit den Augen des berühmten Schriftstellers zu sehen.  www.edenroc.ch

Leinen los Am 19. August 2012 heisst es «Leinen los!» für das Sanctuary Sun Boat III. Es ist das ­erste Mal nach 16 Jahren, dass das Luxusschiff den Nil von Kairo nach Assuan passieren darf. Die Strecke zwischen der ägyptischen Hauptstadt und Luxor war für die Schifffahrt bis anhin gesperrt und wurde erst jetzt vom Tourismusamt wieder freigegeben. Der bisher unbekannte Teil des Nils ermöglicht Passagieren eine Reise durch ein authentisches Ägypten und gibt Einblick in eine unberührte Pflanzen- und Tierwelt. Während der elf­ tägigen Tour stehen Besichtigungen zahlreicher Sehenswürdigkeiten auf dem Programm, darunter die 2000 Jahre alten Felsengräber von Beni Hassan, der Friedhof von Tuna ­el-Gebel und der Tempel von Dedera. Das im Kolonialstil der 1930er-Jahre erbaute ­Sanctuary Sun Boat III umfasst 18 Kabinen und legt sowohl in Assuan als auch Luxor als einziger Veranstalter an privaten Anlegestellen an.  www.sanctuaryretreats.com


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Tierische Zugspitz-Region Welch ein Erlebnis: Auf Zuruf springen 250 lebendige Rasenmäher auf die Scheiben­ alm zu! Die Ziegen werden für den Abtrieb versammelt, der dieses Jahr am 8. Sep­ tember stattfindet. Der Weg führt von der Alm bis nach Mittenwald, wo zahlreiche ­Zuschauer warten sowie eine Jury die schönste «Goas» eruiert und kürt. Bei Bier und Blasmusik wird anschliessend aus­ giebig gefeiert. Und wenn man schon für tierische Erlebnisse in die Zugspitz-Region reist, lohnt sich auch eine Wanderung mit den Eseln von Anahid Klotz. Hier geben die Tiere das Tempo vor, und wer noch nicht entspannt ist, wird es nach der Eselwande­ rung bestimmt sein. Lollo, Walli und Lise, eine 350-kg-Poitou-Eselin, verbreiten im Nu Fröhlichkeit und Spass. Und Anahid sorgt nebenbei dafür, dass der Mensch auch etwas über Esel erfährt. www.zugspitz-region.de www.asinella.com

Lebensgefühl Aston Martin Ein Aston Martin weckt Träume von ­Luxus und Exklusivität. In der Eleganz des Interieurs manifestiert sich der roy­ ale Chic des traditionsreichen Briten. Unzählige Legenden ranken sich um die britische Sportwagenmanufaktur im ­Auftrag ihrer Majestät. Am 30. November 2012 lüftet cultimo den Schleier des Geheimnisvollen für eine exklusive Gruppe hartgesottener Aston-Martin-Fans. Eine Führung durch die heiligen Werkhallen durch erfahrene Techniker und die Testfahrt auf der hauseigenen Renn­ strecke sind nur die Eckdaten eines unvergesslichen Tages in Warwickshire. Wer die Karosserie mit seinen Fingern erfühlt, den Duft des Leders einatmet und dem Sound der Motoren lauscht,

In Gedanken schon im Paradies? Geniessen Sie die schönsten Badestrände in Apulien!

e­ rlebt die Einzigartigkeit mit all seinen Sinnen. Kuonis cultimo-Reisen ermöglichen Hintergrundwissen aus erster Hand und verbinden aussergewöhnliche Reise­ erlebnisse mit anregenden Begegnungen kultureller Art.  www.cultimo.ch

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Wenn hurtig langsam ist Auf einem Hurtigruten-Schiff der KĂźste Norwegens zu folgen, bedeutet Reisen in seiner entspannendsten Form. Text Stefanie schnelli  bilder Hurtigruten


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schiffsreisen

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ie Nordnorge überquert die ­unsichtbare Linie kurz nach ­sieben Uhr morgens. Nichts ­passiert. Die Luft bleibt gleich kalt und trocken, das Meer ist immer noch ruhig, die Berge am Ufer karg und schneebedeckt. Unbeirrt pflügt sich das Schiff im dunklen Wasser vorwärts. Die Motoren brummen gleichmässig, der Fahrtwind pfeift wie schon in all den Stunden vorher. Trotzdem ist dieser Moment für viele Passagiere an Bord ein Ereignis: Sie sind soeben über den nördlichen Polarkreis ­gefahren. Den Breitengrad 66° 33’ Nord auf der Erdkugel, über den es die Sonne im Winter nicht schafft und wo sie dafür im Sommer nicht mehr untergeht. Die Nord­ norge ist im Polargebiet angekommen. In der Region von Mitternachtssonne und Nordlicht, dem Gebiet der Arktis. Ein Hauch von Abenteuer liegt in der Luft. Eine unsichtbare Linie wird zum Erlebnis. Bis in die Arktis wird die Nordnorge ­allerdings nicht fahren. Sie folgt der Küste Norwegens und wird in Kirkenes an der Grenze zu Russland wenden. Die Nordnorge gehört zur Reederei Hurtigruten, deren Schiffe die gleichnamige Strecke zwischen Bergen im Süden und Kirkenes im Norden Norwegens bedienen. Hurtigruten ver­ bindet die beiden Städte mit einer Reise durch eine zauberhafte Fjordlandschaft, bei der Gedanken, Geschichten und Ideen den gleichen Platz einnehmen wie andernorts die grössten Museen und die verrück-

Zu Besuch bei den Samen im hohen Norden.

Bei Touristen und Einheimischen gleich beliebt: Die Schiffe der Hurtigruten-Reederei.

testen Einkaufsstrassen. Denn die Ruhe reist mit bei Hurtigruten.

Dabei lässt der Name allein auf etwas ganz anderes schliessen. Hurtigruten heisst auf Deutsch soviel wie «Schnellstrecke». Ein «Eilkurs», der mit einer Höchstgeschwindigkeit von 18 Knoten, also rund 33 Stundenkilometern, an der Landschaft vorbei zieht. Sechseinhalb Tage brauchen die Hurtigruten-Schiffe für die rund 2500 Kilometer nordwärts. Schnell ist anders. Doch in einer Küstenregion, die so zerklüftet ist, dass der Landweg lang und beschwerlich wird, ist ein Schiff praktisch. Schon 1893 wurde deshalb ein regelmässiger Schiffsliniendienst an der Küste Norwegens in Betrieb genommen. Der Handel mit getrocknetem Fisch sollte vor-

angetrieben sowie der Süden und der Norden des Landes näher zusammengeführt werden. Damals bedeutete die Verbindung für die Menschen in den entlegenen Regio­ nen eine Sensation. Briefe kamen schneller zu den Liebsten, Waren konnten transportiert werden, ein neues öffentliches Verkehrsmittel stand zur Verfügung. Bis heute sind die Hurtigruten Post-, Fracht- und Passagierschiffe. Vor allem aber sind sie auch eine Touristenattraktion: Auf keine andere Weise lässt sich die norwegische Küste so gut entdecken, der norwegische Geist so gut erleben. Jeden Tag verlässt ein Schiff den Hafen in Bergen und bricht auf in den Norden, um zwölf Tage später wieder zurückzukehren mit Reisenden an Bord, die ihren Stress scheinbar in einem der engen Fjorde abgestreift, To-do-Listen im tiefen Wasser versenkt

Der Fisch ist in Norwegen nicht wegzudenken.

Bergen bildet den hübschen Start der Reise.

To-do-Listen versenken


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Leuchttürme sind beliebte Fotomotive auf der Reise – Chancen zum Abdrücken gibt es viele.

­ aben und dafür um viele Eindrücke – und h Fotos – reicher sind. Auf der Nordnorge stehen auf dieser Reise jeden Tag Männer aus Deutschland, Italien und Holland mit Kameras in allen Grössen und Variationen an Deck und versuchen, Orte wie die Lofoten abzubilden, den Zauber des Trollfjordes und die Magie des Polarkreises einzufangen. Ältere Paare unterhalten sich, Frauen wärmen sich an diesen Frühlingstagen die klammen Finger an Tee- und Kaffeetassen. Nachmittage lang wird in das Wasser gestarrt in der Hoffnung, kleine Wale zu sichten. Mit etwas Glück und zur richtigen Jahreszeit ­lassen sich im Verlauf der Reise auch Schwertwale blicken. Die Chance, Seeadler und Papageientaucher beobachten zu können, ist aber wohl grösser.

Städte im Niemandsland Doch auch wenn solche Begegnungen mit Tieren besonders herbeigewünscht werden – die Landschaft, die sich zeigt, ist

nicht weniger beeindruckend. Nach Bergen noch eher lieblich und sanft, sind die Küstenstreifen je höher im Norden desto markanter und wilder. Felsen mit zerklüfteten Wänden, in denen sich im Frühling noch Schnee hält. Frühmorgens oder wenn Wolken am Himmel hängen, beschränken sich die Farben auf blaue, schwarze und weisse Töne, was das Markante unterstreicht und an ein melancholisches Gemälde erinnert. An einigen Stellen sind die senkrechten Wände zum Anfassen nahe. Wenn die Nordnorge sich durch den Geiranger-Fjord schlängelt zum Beispiel. Manchmal weitet sich der Blick für ein Panorama, das dem Begriff Weite eine neue Dimension verleiht. Einzelne Häuser auf Landzungen verschwinden trotz der typisch kräftigen Farben fast vor dieser ­Kulisse. Dann wieder tauchen überraschend Städte auf. Wenige Kilometer weiter erinnert nichts mehr an die Zivilisation. Schon möglich, dass hinter den Gipfeln, in einsamen Wäldern und Tälern, Trolle wohnen.

Warmes Wasser im hohen Norden Phantasie wechselt sich ab mit wissenschaftlichen Fakten. Auf ihrem Weg nach Norden folgen die Schiffe von Hurtigruten dem Golfstrom. Ohne seine warmen Wassermassen würde die norwegische Küste aussehen wie andere Gebiete auf gleichen Breitengraden: In Grönland, Labrador oder Nordkanada ist ein Leben wie in Norwegen nicht vorstellbar. Selbst im tiefsten Winter sind die Fjorde im höchsten Norden dank dem Golfstrom eisfrei. Das war nicht immer so. Geformt wurde diese einzigartige Landschaft durch sich zurückziehende Gletscher, die riesige Kluften und Täler in die Berge geschliffen haben. Diese Fjorde ziehen sich so weit ins Landesinnere, dass das Wasser oft eher an einen Fluss oder See erinnert als an den Ozean. Solche Szenen, die Natur und ihr Werk spielen die Hauptrolle auf Hurtigruten. Davon lenkt auch an Bord nichts ab. Anders als auf Kreuzfahrtschiffen gibt es kein ­Unterhaltungsprogramm, kein Kino oder


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LandAusflüge Die Ruhe an Bord in Ehren – Abwechslung bringen die Landausflüge von Hurtigruten. Die Auswahl reicht von Stadtbesichtigungen über den Besuch von Vogelfelsen und Kajaktouren bis zu Hundeschlittenfahrten und Gletscherbesichtigungen. Auch Übernachtungsstopps sind möglich: Die Hurtigruten-Reise kann im Baukastensystem zusammengestellt werden. Jeder Hafen wird täglich von einem der Schiffe angelaufen. Es wird empfohlen, die Ausflüge vor der Abreise zu buchen. Hilfe bei der Planung und Zusammenstellung Ihrer Reise erhalten Sie bei Spezialisten wie beispielsweise Glur Reisen. www.glur.ch www.hurtigruten.ch

eine Auswahl von Bars. Gegessen wird im ­immer gleichen Restaurant, die Kabinen sind schlicht und praktisch. Die geheizten Whirlpools auf Deck 6 der Nordnorge wirken in dieser Umgebung fast ein bisschen fremd. Lieber als im heissen Wasser sitzen die Gäste warm eingepackt auf einem

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­ iegestuhl an Deck oder in der PanoramaL Lounge. Dort werden dem Gefühl nach ganze Pullover gestrickt und Unmengen Kreuzworträtsel gelöst. Im Gang, im Café und der Lounge wird oft norwegisch gesprochen. Der grösste Teil des Personals kommt aus Norwegen. Davon zeugen so klingende Namen wie Geir A. Johannessen, Kirsten Eines Vinje und Asbjorn ­Dalan. Aber auch viele Passagiere sind Inland­ touristen. Eine Norwegerin ist mit ihrer erwachsenen Tochter unterwegs. Sie habe sich mit dieser Reise einen Traum ­erfüllt, sagt sie. «Wir wohnen im Norden Oslos, wo Wald und nicht das Meer vorherrscht.» Norwegerinnen, die ihre Heimat und deren Geschichte kennenlernen möchten. Die beiden Frauen freuen sich vor allem auf das bekannte Wikinger-Museum auf den Lofoten. Weiter angereist ist ein Paar aus Süd­ england. Sie ist in ihrem Sessel in ein Buch vertieft, er blickt, die Hände gefaltet, stumm und nachdenklich in die Berge, die sich vor dem Fenster präsentieren. Die

Lohnender Landgang: Die Stadt Ålesund gilt als Denkmal des Jugendstils in Norwegen.

Landschaft erinnere ihn an Schottland, sagt der feine Herr. Mit ausgewählten Worten erzählt er von seinem Leben, seinem Beruf als Zahnarzt, seiner Leidenschaft für Italien. Zeit ist keine Mangelware an Bord. Nur auf den Vergleich von Kreuzfahrten und Hurtigruten angesprochen, antwortet er direkt und unverblümt: «Ich hasse Kreuzfahrten. Das hier ist etwas ganz anderes, hier geht es nicht um billiges Sightseeing und Touristenmassen.»

Der schnellere Bus Tatsächlich sind die Touristen nur der kleinere Teil der Passagiere auf den Hurtig­ ruten-Schiffen. Die meisten Gäste nutzen die Schiffe als öffentliches Verkehrsmittel, um von ihrem Dorf zum nächsten Arzt zu kommen, Verwandte zu besuchen oder einzukaufen. An jedem der über dreissig Häfen, die ein Schiff auf der nordgehenden Route anfährt, werden Waren ein- und ausgeladen, steigen Passagiere ein und aus oder kommen Ortsansässige an Bord, um jemanden von der Besatzung zu grüssen.


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Foto: Andreas Mihartsch

Wind im Haar und Sonne im Gesicht: Sightseeing an Bord der Hurtigruten-Schiffe.

Foto: Horender

Hurtigruten die schönste Seereise der Welt

Buchung bei: Foto: Per Eide

Im Bauch des Kolosses verschwindet alles, was in den abgelegeneren Regionen des Landes nicht zu bekommen ist: Bestellte Möbel, Nahrungsmittel und HandwerksMaterial. Die Hafenaufenthalte werden von den Touristen gerne genutzt, um auch das ­Hinterland zu entdecken. Bei einem Stadtrundgang mit witzigen Stadtführern, Fischern auf einem Angelausflug oder einem Besuch bei den Samen können sie mehr über Norwegen und seine Bewohner er­ fahren. Die Samen übrigens nennen sich selbst die «Erstgeborenen» in Skandinavien und haben die jahrtausende alte Tradition des Nomadentums erhalten. Sie sind im nördlichsten Teil Norwegens zu Hause. Der Region, der sich die Nordnorge mit dem Überqueren des Polarkreises nähert. Die magische, unsichtbare Linie. ■

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R E I S E N

Glur Reisen AG I Spalenring 111 I CH-4009 Basel Tel. +41 61 205 94 94 I Fax +41 61 205 94 95 reisen@glur.ch I www.glur.ch


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rubrik

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Auf Tuchfühlung

Eine Reise mit der Sea Cloud, der berühmtesten Segeljacht der Welt, verspricht vor allem eins: ein Segelerlebnis wie zu vergangenen Zeiten. Ohne Hokuspokus, aber mit viel Historie. Text Tina Bremer  bilder Sea Cloud Cruises


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ufgeregt zupft der kleine Junge am Hemdsärmel seines Vaters. «Guarda, papà, guarda!», ruft er – schau, dort! – und streckt seinen Zeigefinger in die Höhe. Hin zum Masten, der so weit in den Himmel ragt, als würde er ihn kitzeln wollen. Und zu den hellen Segeln, die das Sonnenlicht einfangen. «Che bella», seufzt ein älterer Herr und verfolgt neidvoll, wie die Passagiere des Segelschiffs die Gangway heruntertrippeln. Rechts und links klicken die Fotoapparate. Ob in Palermo, Catania oder Syrakus – in jedem Hafen, in dem die Sea Cloud festmacht, die gleichen «Bräute»: Passanten, die mit glänzenden Augen am Kai stehen, die Köpfe tief in den Nacken gelegt, Sehnsucht im Blick. Das massige Containerschiff aus Russland? Der Kreuzfahrtdampfer mit dem bunten Schriftzug am Bug?

Ihre Kapitäne müssen tapfer sein, denn ihren Schiffen wird kein Blick gewidmet. Selbst den Schwergewichten stiehlt die filigrane alte Dame die Schau. Als die Sea Cloud vor achtzig Jahren unter dem Namen Hussar vom Stapel lief, war sie das letzte Viermastsegelschiff, das gebaut werden sollte. Eine Liebeserklärung des Börsentycoons Edward Francis Hutton an seine junge Ehefrau Marjorie Merri­weather Post, Erbin eines Frühstücks­ flocken-Imperiums und gewohnt zu zeigen, was man hat. Luxuriöser und schöner als alles Dagewesene sollte ihre Jacht sein, egal, wie viel Kopfzerbrechen die ehrgeizigen Pläne den Konstrukteuren bereiteten: Obwohl im Bauch des aus Kruppstahl gebauten Schiffes starke Elektro-Dieselmotoren ratterten, bestand Marjorie darauf, dass vier grosse Segelmasten den schlanken Rumpf der Sea Cloud zieren sollten.

Wer auf der Sea Cloud arbeitet, muss schwindelfrei sein!

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Der Viermaster lief vor 80 Jahren unter dem Namen «Hussar» vom Stapel.

Während des Zweiten Weltkrieges kreuzte die Sea Cloud als Wetterschiff vor den Azoren und Grönland, funkte alle vier Stunden Daten in die USA, bevor Marjorie sie 1955 schliesslich an den dominikanischen Diktator Rafael Trujillo verkaufte. Die Kosten für den Unterhalt und die fast 80-köpfige Mannschaft wuchsen selbst der Millionärin über den Kopf. Mit der Ermordung Trujillos begann auch der Verfall der


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Die Rundumsicht vom Lidodeck ist schlicht fantastisch.

Sea Cloud: Acht Jahre lang dümpelte das einstmals stolze Schiff im Hafen von Colon in Panama vor sich hin, starke Sonneneinstrahlung und hohe Luftfeuchtigkeit nagten am Holz, liessen es morsch werden und verrotten. Die Rettung nahte 1979: Der deutsche Kapitän Hartmut Paschburg entdeckte das marode Schiff und überredete Hamburger Kaufleute, es wieder seetüchtig zu machen. Seitdem segelt die Sea Cloud in alter Pracht als Passagierschiff durch die Weltmeere. Endlich hat Neptun ein Einsehen. Schaumkronen sitzen auf den Wellen und die Schiffsglocke läutet dreimal. Der helle Ton tanzt übers Deck, Musik in den Ohren der Passagiere! Nach zwei Tagen Windstille werden die Segel wieder gesetzt. «Der Anblick ist zu schön», sagt Felicitas, eine Künstlerin aus Berlin, und eilt zum LidoDeck, von wo aus man die beste Sicht auf

Seefahrerromantik erleben Gäste und Mitarbeiter gleichermassen.

das Spektakel hat. Zehn Matrosen mit ­tiefseeblauen Hosen und Turnschuhen klettern die Masten der Sea Cloud hinauf, die Karabinerhaken klicken ein. Wer hier arbeitet, muss schwindelfrei sein: Ganze 54 Meter geht es hinauf, höher und höher kraxeln die Männer, der Achtermast ist nur wenig kürzer als das Zürcher Grossmünster. Wie Zirkusartisten balancieren die «Deckhands» in der Takelage und lösen die Taue, mit denen die Segel befestigt sind. Fast 3000 Quadratmeter Tuch, in das der Wind greift und die Sea Cloud übers Mittelmeer trägt, von Hafen zu Hafen, von Erlebnis zu Erlebnis. «Bevor ich hier zu arbeiten begann, habe ich den Begriff Seefahrerromantik für Quatsch gehalten», sagt Pastry-Chef Marc Hetzler, «aber es ist wirklich etwas dran. Zuh Hause würde ich sechs Tage die ­Woche das Gleiche machen, hier ist

j­eder Tag ein kleines Abenteuer.» Der ­gelernte ­Konditor aus Giessen ist nicht nur für Croissants, Muffins, Vanille-Himbeer-Pannacotta und Mousse au Chocolat zuständig, sondern auch für den Nach­ mittagstee. Gegen 16 Uhr, nachdem der Tender, das kleine Beiboot, die letzten Gäste von ihrem Tagesausflug nach Lipari zurückgeschaukelt hat, serviert Marc auf dem Promenadendeck frisch gebackene Crêpes mit Caramelsauce und Walnusseis. Während der Teig auf der heissen Platte Blasen wirft und langsam goldbraun wird, stehen die Passagiere Schlange und plaudern miteinander. Ob man ebenfalls das Archäologiemuseum mit den Keramiken aus dem 5. Jahrhundert besichtigt oder der Enkelin eine Kette aus Lavastein mitgebracht habe? Trotz täglich wechselnder Sehens­ würdigkeiten, Schlemmereien und einem


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In den zehn Originalkabinen leben vergangene Zeiten wieder hoch.

­ ervice, der mit jedem 5-Sterne-Hotel S ­mithalten kann, ist die Sea Cloud kein schwimmendes Luxushotel und ihre Gäste keine Diven mit Hollywood-Allüren. Wer eine Schifffahrt auf diesem Windjammer bucht, sucht vor allem eins: die Romantik vergangener Zeiten und die Nähe zu den Elementen. Keine Animation mit Musical und Hokuspokus – das höchste der Gefühle sind die Shanty-Sänger, die später auf dem Lido-Deck auftreten sollen. Wenn das Wetter es denn zulässt. Eben noch strahlender Sonnenschein, jetzt greint der Himmel und der Wind bläst, als gelte es, eine Regatta zu gewinnen. Kapuzen werden über die Ohren gezogen, Zeitungen wehen über Bord, die Sea Cloud knarzt und ächzt. Die ersten Passagiere verziehen sich in ihre Kabinen, an Deck sammelt die Crew eilig die Polster von den Liege­ stühlen ein und zurrt alles fest, was nicht

niet- und nagelfest ist. Schiffsärztin Ellen verteilt vorsorglich Tabletten gegen Übelkeit. «Und immer eine Hand am Schiff!», mahnt sie die Vorüberwankenden. «Das ist doch gar nichts», sagt Bebot, der Barkeeper, und lacht. Seit 29 Jahren arbeitet der Filipino aus Manila auf der Sea Cloud, mehr als sein halbes Leben hat er zwischen Bug und Heck verbracht, seinem «Zuhause». «1984 lagen wir vor Bermuda und haben 16 Tage lang die Sonne nicht gesehen, weil es so sehr gestürmt hat.» Damals zerrissen neun Segel, das Klavier kippte um, Rotweingläser ­flogen in den Kamin und ein Gast fiel ­mitsamt seiner Matratze aus dem Bett. «Trotzdem habe ich keine einzige Sekunde Angst gehabt. Ich liebe dieses Schiff und vertraue ihm total.» Und schliesslich, erzählt Bebot im Flüsterton, habe die Sea Cloud etwas Magisches an sich. «Einmal

Infos zur sea cloud Im Sommer kreuzt die Sea Cloud im Mittelmeer, im Winter in der Karibik (diverse Routen). Fast jeden Tag wird in einem anderen Hafen angelegt. Es gibt 32 Kabinen. Eine achttägige Reise kostet ab CHF 2290.– inkl. Vollpension. Ausflüge sind extra zu buchen. In der Schweiz bietet der Reiseveranstalter MCCM Master Cruises die Kreuzfahrten mit der Sea Cloud an. Buchung und Information unter www.mccm.ch oder Tel. 044 211 30 00.

sass ich um drei Uhr nachts in der Lounge, als sich die Tür plötzlich wie von Geisterhand öffnete und ich das Gefühl hatte, dass mir jemand beruhigend über die Schulter streicht.»


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Der Windjammer ist luxuriöser und schöner als alles bisher Dagewesene.

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Am Abend findet die «Open-HouseParty» statt. Dann dürfen alle Gäste einen Blick in die zehn «Originalkabinen» werfen, die Marjorie selbst eingerichtet hatte. Hier zog sie ihre Tochter Dina gross (die immer noch regelmässig auf der Sea Cloud mitsegelt) und beherbergte die Haute­ volee. Die antiken Kommoden und Betten aus Mahagoni, die goldenen Wasserhähne in Schwanenform, die Kronleuchter, die begehbaren Kleiderschränke und die ­Kamine aus Carrara-Marmor sind noch weitestgehend in ihrem Originalzustand erhalten – nur in den Feuerstellen glitzern jetzt künstliche Kristalle, denn die Brandvorschriften sind streng. «Wir haben stark dafür kämpfen müssen, dass die Kabinen überhaupt so erhalten bleiben konnten», erzählt Hotel-Managerin Tina Kisten­ macher. Seit November 2010 gelten für historische Schiffe dieselben Sicherheitsvorschriften wie für moderne Kreuzfahrtschiffe. Ein halbes Jahr musste die Sea Cloud ins Trockendock nach Bremerhaven, um den neuen Bestimmungen angepasst zu werden. In den Kabinen und Salons wurde ­jedes einzelne Brett der Täfelung abgenommen, feuerfest beschichtet und wieder an seinem alten Platz eingefügt. Die Stahl­masten wurden teilweise erneuert, Fluchtwege, Lagerräume und die Kabinen der Crew neu gestaltet. «Früher gab es einen Schlafsaal für 18 Personen, jetzt gibt es nur noch Zweier- und Viererkabinen», erzählt Bebot. «Uns halten zwar alle für verrückt, denen wir es erzählen, aber wir vermissen den grossen Schlafsaal. Fast jeden Abend haben wir dort Gitarre gespielt und gesungen.» Für die Gäste ­jedoch ist keine Ver­ änderung sichtbar – das heisst, bis auf den kleinen weissen Laptop in der Lounge, mit dem man jetzt ins Internet gehen kann. Fernseher sind aber auch weiterhin tabu auf der Sea Cloud – man bleibt der Tradi­ tion verpflichtet. Am Vormittag wird bereits spekuliert: Wer heute wohl eine Einladung an den ­Kapitänstisch auf seinem Bett vorfinden wird? Um 20 Uhr findet das Farewell-­ Dinner mit Kapitän Vladimir Pushkarev


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Auch kulinarisch hat die Sea Cloud einiges zu bieten.

Wer wohl dieses Mal am Captain’s Table sitzen darf?

Die Nähe zu den Elementen ist hier bisweilen sehr stark spürbar.

statt. Der Russe mit den vier goldenen Streifen an der Uniform hat zu Enten­ bouillon mit Rosmarinschaum und Labskaus geladen. «Ich hoffe, es klingt nicht ­arrogant, aber bislang habe ich bei jeder Reise eine Einladung an den Captain’s ­Table erhalten», erzählt der schüchterne Ingenieur aus Berlin und schaut ein wenig

verlegen drein. Bloss nicht prahlen, das tun vielleicht die Passagiere von anderen Kreuzfahrtschiffen, auf der Sea Cloud sind Al­lüren verpönt. Ein bisschen Stolz schwingt trotzdem mit in seiner Stimme. Die erste Reise mit dem Luxussegler hat der Ber­liner sich zu seinem 50. Geburtstag gegönnt, damals hat er gemeinsam

mit anderen Passagieren den «Sea Cloud ­Lovers Club» gegründet. Es ist bereits die dritte Reise, zu der man sich verabredet hat. Und man ist sich immer noch einig, an diesem letzten Abend der Sizilienreise, der mit reichlich Champagner begossen wird: «Die Sea Cloud verdirbt einen für alle anderen Schiffe.» ■

Mein Geheimtipp Die beiden noch von Hand gesegelten Windjammer SEA CLOUD und SEA CLOUD II kreuzen in den besten Segelrevieren der Welt. Kleine Häfen und verschwiegene Buchten mit schneeweissen Stränden werden angesteuert. Malaga, Cadiz, Funchal. La Gomera, St. Tropez, Mykonos und ­Kusadasi sind nur ein paar Beispiele im Mittelmeer. Im ­Winter zieht es die Wind­jammer ­dorthin, wo sich auch die Sonne am liebsten aufhält: zu MayaStätten, Schnorchelparadiesen und berühmten Seglertreffs in den Kleinen Antillen, Kuba und Mittelamerika ­sowie weiter durch den Panama-Kanal nach Costa

Rica und Panama. Es ist ein unvergessliches Gefühl, wenn alle ­Segel gesetzt sind und die Jacht elegant durchs Meer gleitet. Was mich immer wieder begeistert, ist wie ruhig ein Grosssegler im Vergleich zu manch grossem Passagierschiff im Wasser liegt. Und wenn einmal Flaute herrscht oder der Wind von vorne bläst, sorgen starke Dieselmotoren ­dafür, dass die Destination trotzdem erreicht wird. Weitere Informationen: www.mccm.ch sowie im ­Kreuzfahrtenkatalog «Sea Cloud Cruises».

Kreuzfahrten-Spezialistin von Master Cruises Doris Müller MCCM Master Cruises, Christian Möhr AG Nüschelerstrasse 35 8022 Zürich Telefon 044 211 30 00 E-Mail: info@mccm.ch www.mccm.ch


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«Willkommen in Myanmar!» Das Ende des Tourismus-Boykotts macht Burma zum neuen Shangri-La. Text Oswald Iten  bilder Fotolia und Markus Weber

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ange galten Burma-Reisen als «politisch unkorrekt». Nach dem Rückzug des Boykottaufrufs stillen Touristen ihren Nachholbedarf. Das südostasiatische Land steht dem Boom erfreut, aber konzeptlos gegenüber. «Burma ist voll.» Das haben viele Inte­ ressenten in Reisebüros zu hören bekommen, als sie für die vergangene Haupt­ reisezeit (Oktober bis März) buchen wollten. Es war die erste Saison, in der es nicht mehr als «politisch inkorrekt» galt, nach Burma zu reisen. Die Kampagne gegen Reisen nach ­Burma hatte einen spürbaren Effekt. Die Militärregierung hatte das Jahr 1996 zum «Visit Myanmar Year» erklärt, ein Versuch, die internationale Isolation aufzubrechen. Die unter Hausarrest stehende Opposi­ tionsführerin Aung San Suu Kyi durchkreuzte dies mit einem Aufruf zum Boykott von Burma-Reisen. «Burma wird noch ­lange hier sein, also sagt euren Freunden,

besucht uns später»», schrieb sie. «Wenn ihr jetzt kommt, gleicht das einer Anerkennung des Regimes.» Die Forderung der ­Nobelpreisträgerin wurde weltweit multipliziert, etwa durch die Burma CampaignUK oder den Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung in der Schweiz.

Geld für die Militärs? Während in einigen Nachbarstaaten Burmas der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor wurde, dümpelten in der Folge die Besucherzahlen am Flughafen von Rangun vor sich hin. 2010 reisten 310 000 Touristen ein, zwei Drittel von ihnen stammten aus Asien, vor allem aus China. Während Burma in jenem Jahr 254 Millionen Dollar einnahm, erzielten Thailand im Reisesektor 18 Milliarden, Vietnam 3,6 Milliarden und Kambodscha 1,6 Milli­arden Dollar. Die ersten Tauzeichen der Regierung nach den Wahlen 2010 wurden im Jahr ­darauf von der National League for Demo-

cracy (NLD) zum Anlass genommen, die Aufhebung des Boykotts von Reisen nach Burma zu erklären. Allerdings mahnte sie, wenn immer möglich keine Dienstleis­ tungen, die von den Militärs oder deren Klüngel erbracht werden, in Anspruch zu nehmen. «Lonely Planet», der wichtigste Burma-Reiseführer, verwendet in seiner jüngsten Ausgabe mehrere Seiten darauf zu erklären, wie Touristen es vermeiden können, die Militärs profitieren zu lassen. So erhalten etwa Hotels mit einem Bezug zum Militär keine Empfehlung. Als Tourist um das Regime ganz herumzukommen, ist freilich unmöglich, denn es vergibt Lizenzen, verpachtet Grund­ stücke und lässt Fluglinien von Günst­ lingen betreiben, gibt ein Hotelmanager zu bedenken. Vielleicht sei gerade die Auslastung der touristischen Kapazitäten, die von «cronies» aufgebaut worden sind, einer der Gründe für die politischen Lockerungen gewesen.


burma

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Aung San Suu Kyi als Brosche Immer weniger scheren sich die einheimischen Reiseführer um die Regierungs­ direktive, «unnötigen Kontakt von Aus­ ländern zu Burmesen» zu unterbinden. Ein Besuch in einer Galerie in Rangun zur Ausstellung von politischen Karikaturen wie auch eine Stippvisite im Hauptquartier der NLD, wo mit Glück Suu Kyi anzutreffen ist, wäre vor ein paar Monaten noch aus Angst vor der Geheimpolizei kaum denkbar ­gewesen. Wer sich als Tourist mit T-Shirts der NLD oder Suu-Kyi-Abzeichen zeigt, spürt, dass die «Welcome to Myanmar»Banner, mit denen die Regierung Touristen willkommen heisst, auch von jenen Burmesen ernst gemeint sind, die ihr Land weiterhin Burma nennen. In der Sprachregelung der NLD gilt die Namensänderung durch die Militärs als nicht legitimiert. Der 15 Jahre dauernde Boykott stiess auch bei vielen Gegnern des Militärregimes auf Ablehnung. Ein Hotelpionier, der zu den Gründern eines NLD-Zweigs im Shan-Staat gehört, sagt, für ihn seien die Touristen wie eine Nabelschnur gewesen, die den Kontakt zur Aussenwelt und das Überleben der ­Familie sowie der Angestellten bedeuteten, während er als politischer Gefangener eingekerkert war. Ausserdem ermöglichten ihm diese Kontakte bis heute, mehrere ­Gesundheitsposten weiter zu betreiben. Manche Touranbieter reagieren auf das Bedürfnis von Kunden, einen sinnvollen Beitrag an besuchte Dörfer zu leisten. Wenn etwa die Passagiere der Paukan Cruises von ihrem alten Irrawaddy-Kreuzfahrtkahn aus das Dorf Yandabo besuchen, wo die Burmesen 1826 ihre Niederlage im ersten von drei Kriegen gegen die Briten konze­ dieren mussten, so lassen sich die Einwohner gerne beim Töpfern fotografieren. Die Schiffsleitung sammelt im Gegenzug Spenden ein, mit denen ein Gesundheitsposten gebaut werden soll, gleich neben der bereits dank der Touristen erstellten Schule.

Buddhas im Ausverkauf Andererseits mangelt es nicht an Touristen, die rücksichtslos gekleidet Pagoden betreten oder wertvolle Antiquitäten ein-

kaufen. In Rangun präsentiert ein Antiquitätenhändler auf mehreren Stockwerken Buddhafiguren, manche vergoldet oder als meterhohe Bronzen, und kostbare Lackund Silbergefässe. Völlig legal liefere er auch in die Schweiz, versichert der ge­ bürtige Inder. Die Stücke würden ihm in Oberburma von Klöstern geschenkt, als Dank für seine Spenden. Das Ministerium ­sanktioniere die Legalität seines Tuns mit ­Ausfuhrpapieren. Dass die höchstwahrscheinlich durch Korruption ermöglichte Plünderung der buddhistischen Stätten noch schneller vorangehen wird, ist unschwer vorherzusagen. Der Tourismus-Boom, der in der letzten Saison schätzungsweise ein Viertel bis ein Drittel mehr Besucher gebracht hat, bringt Burma an den Rand der Kapazi­täten. Im ganzen Land gibt es nur etwa 8000 Gästebetten. Manche Hotels beabsichtigen drastische Preiserhöhungen oder warten mit der Annahme von Reservationen zu, um im letzten Moment von der überbordenden Nachfrage profitieren zu können. Ein Hotelier am Ngapali Beach, dem begehrtesten Strand an der Andamanen-See, berichtet von ausländischen Rekognoszierungsteams, die auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten sind. In Rangun prüfen Ingenieure, wie in der Flaute aufgegebene Hotelbauten, nun halb ver­fallen, doch noch fertig erstellt werden könnten. Bereits hat eine grosse deutsche Charterflugfirma die Aufnahme von Rangun in ihren Katalog für den nächsten Herbst angekündigt.

Koffer voller Dollars Die Tourismusindustrie hofft, dass die ­Lockerung der Sanktionen rasch zum ­Anschluss an das internationale Finanzsystem führt. Noch sind Zahlungen per Kreditkarte, ausser in einer Handvoll Hotels, nicht möglich. Es muss alles bar mitgeführt werden, möglichst in neuen, ungefalteten Dollar-Noten. Glücklicherweise ist Burma kein Land, in dem die Kriminalität blüht. Trotzdem ist es für die Reisebüros stets ein Vabanquespiel, wenn sie Koffer voller Dollars an den Zöllnern am Flughafen Rangun vorbei schaffen müssen.

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Keine Cohiba – aber genauso gut.

Angesichts der Goldgräberstimmung ist zu befürchten, dass einige der in den Nachbarländern begangenen Fehler auch in Burma wiederholt werden könnten. Die NLD fordert in einem Papier, dass für touristische Projekte nicht mehr ganze Dorfbevölkerungen um ihr Land gebracht werden dürfen, wie dies erst kürzlich an den Stränden von Chaung Tha und Ngwe Saung der Fall war. In der Pagoden-Stadt Pagan steckt die Zwangsräumung der Altstadt von 1990 immer noch in den Knochen der Bürger. Dass die Regierung weiterhin gegen die Inte­ ressen des Landes vorgeht, zeigt sich im kürzlich inmitten der Pagoden-Landschaft erstellten Hochhaus des Regime-Günstlings und Milliardärs Tay Za. Da half auch der ­Protest der Unesco nicht, die im Vorgehen ei­nen weiteren Grund dafür sieht, der einma­ ligen Ansammlung von Tempeln und Stupas den Welterbe-Status zu verweigern. Die NLD hat sich Anfang Juni zum Konzept des Responsible Tourism bekannt, das von Harold Goodwin vom International Center for Responsible Tourism geprägt worden ist. Es scheint, dass nur Behörden und die Tourismusindustrie in dessen Ausarbeitung einbezogen wurden, nicht aber NGOs. Zu hoffen ist, dass die Umsetzung des Konzepts verhindern kann, dass die exponentiell steigende Zahl der Touristen nicht jenes Shangri-La zerstört, das sie vorzufinden hoffen. ■


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rubrik

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Einmal Paradies erster Klasse, bitte Palmen und Himmel, Sand und Meer, dazu eine Villa, ausgestattet mit jedem vorstellbaren Luxus. Loslassen, den Alltag vergessen. Mit dem Airtaxi über das sichelförmige Lhaviyani-Atoll fliegen, wobei die Inseln aus dem dunkelblauen Ozean wie ein Smaragdcollier leuchten. Das ist das Paradies. Text Ernesto Scagnet  bilder One&Only

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ie Jacht stand bereit, zehn Meter lang, vier Meter breit, Bad, Toilette, Schlafraum, Bar, Deck. Die Mannschaft, barfuss, trug weite, weisse Hemden und weisse Hosen. Die Maschine begann zu knurren und zu grollen, die Jacht zitterte wie ein Pferd vor dem Rennen, stürzte sich in die Wellen. Hemden, Hosen und Haare flatterten im Fahrtwind, das Boot war weiss, der Gischt

war weiss, und die Wolken, die am kobaltblauen Himmel segelten, waren weiss. Male, die Hauptstadt, verschwand am Horizont. Eigentlich hätte ich fliegen sollen auf die Insel mit den sechs Sternen. Sechs! Doch es kam die Jacht und sie trug mich über das unbeschreibliche Blau des Indischen Ozeans. Von Zeit zu Zeit tauchte eine Insel auf, Palmen, manchmal eine Dhoni,

ein maledivisches Boot, grün und blau gestrichen, der Schiffer aufrecht im Heck, wie ein Storch auf einem Bein, den zweiten Fuss so, wie sie es hier machen, auf dem Steuerruder. Zwei Bänder um die Inseln: türkishelles Wasser und weisser Sand, Bannkreise vielleicht, Schutz vor Eile, Mühsal, Trübsinn, Sorgen, vor dem Festhalten an irgendetwas unglaublich Wichtigem. Und wer im Innern der Kreise lebt, hat


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­ elernt, sich an den einfachen Dingen zu g erfreuen, Sonne und Wind, Himmel und Meer. Hat gelernt, sich anzuvertrauen, hat gelernt, loszulassen. Na ja. Könnte aber sein, nicht wahr? Abdullah knetet meine Füsse. Ein Ölbad, sagt er, das tut gut nach der langen Reise. Er knetet und knetet, fährt sanft mit einem glatten schwarzen Stein über die Fusssohlen. Ein Ritual, erfunden für Touristen. Nur, die schwarzen Steine hat man auf den Malediven schon immer zum Waschen gebraucht. Abdullah knetet und spricht dabei leise von den Dingen, die ich seiner Meinung nach wissen muss. Wie man den grossen Flachbildschirm bedient, oder den Internetanschluss, oder das Telefon, wie man ein Elektrowägelchen mit Chauffeur bestellt, wie man sich sein Essen ins Haus kommen lässt, wie man im arabischen, im asiatischen oder im mediterranen Restaurant einen Tisch reserviert, wie man sich für die Sun-Ritual-Massage anmeldet oder fürs Power Yoga oder fürs Schnorcheln oder fürs Sunset Sailing mit einem Dohni und für vieles mehr. Oder wie ich Abdullah rufe. Abdullah ist auf dieser Insel mein persönlicher Butler, zuständig für alles, was im Bungalow, den man hier mit gutem Recht Villa nennt, für mein Wohlergehen wichtig ist. Auch für den unwirklich weissen eigenen Strand vor der Villa ist er verantwortlich, für die zwischen Palmen aufgespannte Hängematte, für die Aussendusche mit den verschwenderisch vielen Frotteetüchern und vielleicht auch für den sanften, warmen Abendwind und die sachte anrollenden, türkisfarbenen Wellen. Es geht mir gut. Abdullah ist da, und das hier ist das Paradies. Hier lässt sich wirklich gut leben. Die Malediven sind in sechsundzwanzig geographische Atolle und in zwanzig Verwaltungsatolle gegliedert. Fast zwölfhundert Inseln – manche sagen zweitausend, aber dann werden die Sandbänke mitgezählt –, zweihundertzwanzig davon bewohnt, Inseln für Einheimische und Inseln für Touristen. Meine Insel liegt langgestreckt im nördlichen Male-Atoll. Als die Jacht langsam auf die Insel zufuhr, als die

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One&Only Reethi Rah Lap Pool.

Empfangscrew lächelnd am Landesteg stand, dachte ich: Schön. Nette Leute. Lange Strände. Viele Palmen. Gute Architektur. Eine maledivische Insel halt. Aber dann erfuhr ich bei einem Fruchtcocktail mit einem Schuss Curaçao, dass diese Luxusinsel kein Eiland von der Stange ist. Wer in den Malediven als Ausländer investieren will, braucht einen Vermittler mit einem maledivischen Pass. Er kauft nicht die Insel, er kauft nur das Nutzungsrecht für eine festgelegte Anzahl Jahre. Danach geht die Insel an den Vermittler zurück und bleibt so in maledivischer Hand. Die Investoren hatten die Insel sechs Mal so gross gemacht, wie sie ursprünglich war, hatten Steine herbeigeschleppt und Sand zwischen die Steine gepumpt, siebzehn­tausend ausgewachsene Kokospalmen hergefahren, Zehntausende von Pflanzen eingesetzt, Villen, Restaurants und ein Wellness-Zentrum gebaut. Die Arbeiten hatten lange gedauert und rund hundertfünfzig Millionen Dollar gekostet. Die Insel ist jetzt achtzehnhundert Meter lang und fünfhundert Meter breit, ein üp-

piges, sorgfältig organisiertes Luxus-Resort. Sie darf von den Investoren fünfunddreissig Jahre lang genutzt werden. Dann gehen die Rechte zurück, doch die Investoren werden ihr Geld ganz und gar nicht in den Sand gesetzt haben. Es ist alles phantastisch hier, der Service, das Essen, die Weine, tausend verschiedene Flaschen, eine besser als die andere, die hundertdreissig Villen mit den Ausmassen eines geräumigen Einfamilienhauses, ausgestattet mit jedem vorstellbaren Luxus, die Sport- und Spa-Angebote. Wenn das Resort ausgelastet ist, beherbergt es dreihundertfünfzig Gäste; sie werden von siebenhundert Angestellten betreut, Frauen und Männer aus dreissig Nationen, aus Australien, Neuseeland, Europa, Russland, Japan, Korea, Indien, Thailand, die besten Köche, fünfundsechzig an der Zahl, die besten Patissiers, der beste Sommelier. Alles, aber auch alles wird eingeführt, Abfall wird ausgeführt, Energie wird mit Diesel gewonnen, zweihundert- bis zweihundertfünfzigtausend Liter im Monat; das Abwasser wird in verschiedenen Stufen gesäubert und dann zum Giessen der Pflanzen gebraucht.


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malediven

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Auf den Malediven besonders beliebt: Die Wasser-Villen.

Es ist alles phantastisch – und die Preise sind es auch. Es ist eine Insel für Leute, die Geld haben, die es auch ausgeben und die dafür einen Gegenwert wollen: das Paradies. Sie werden nicht enttäuscht. Manche kamen zum dritten, vierten Mal, sagte der Manager, und sie werden wieder kommen. Sportgrössen wie Roger Federer und Michael Schumacher waren hier, und in der Weihnachtswoche gibt es Gäste, weltbekannte Milliardäre, die mit ihrem Clan und mit der eigenen Jacht aufkreuzen. Lautlos schwebt der Reiher auf die Terrasse des Restaurants. Nachdenklich äugt er in seine Speisekarte unter der Brüstung, zu den Fischschwärmen im grünen Wasser. Sanft zieht er den langen Hals ein, sanft streckt er ihn wieder, behutsam legt er den Kopf schräg. Es ist alles da, was er braucht. Er würde sich keine Gedanken machen, auch wenn er es könnte. Er ist vollkommen gelassen. Ein Graureiher. Erst in diesem Augenblick komme ich wirklich an auf der

Insel. Erst jetzt kann ich loslassen, den Alltag, den leisen Widerstand gegen inszenierte Wonnegärten, denn das Leben ist nicht so, Mann, da haben wir doch Erfahrung genug. Nur: so ist es eben auch. Der sanfte Vogel erinnert mich an Abudul Hakeem. Er schnitzt Andenken aus Kokosnussschalen und flechtet Tischsets aus Palmblättern. Er macht wenig Worte, erzählt mit weichen, ruhigen Gesten von seinem Leben. Man versteht die Sprache seiner Hände, weil er vollkommen in sich ruht. Lass zu, was dir zufliegt. Dazulernen, Mann. Das kleine Motorboot bockte wie verrückt übers Wasser. Der Steuermann machte sich einen Spass daraus, die Wellen im rechten Winkel anzufahren, durch die Luft zu fliegen und vor der nächsten Welle hart aufzusetzen. Nach jedem Hopser wandte er den Kopf und liess im dunklen Gesicht die weissen Zähne blitzen. Ich grinste zurück, auch wenn mir flau war. Bloss keine Schwäche zeigen. Es war ein Spiel, ein freund-

schaftlicher Wettkampf, Lebenslust auch – wir sind gut drauf, hiess dieses Grinsen, und wie schön das alles ist, das unendliche Meer, der unendliche Himmel. Wir waren unterwegs nach Hinnavaru. Hier taucht selten ein neugieriger Tourist auf; der Kontakt von Gästen mit Einheimischen wird auf den Malediven nicht gefördert. Auf Hinnavaru leben nur Einheimische, viertausendfünfhundert Menschen. Sie wohnen auf engem Raum, in schmalen Gassen und Häusern aus Korallen, Sand und Mörtel. Die Dächer sind flach, mit Ziegeln oder Wellblech gedeckt, nicht, wie auf den Ferieninseln, mit Palmzweigen. Es gibt eine Schule, eine Moschee, kleine Geschäfte mit bunt bemalten Schaufenstern, Lebensmittel, Haushaltwaren, westliche Kosmetikprodukte zu günstigen Preisen. Die Männer arbeiten als Fischer oder, auf Touristeninseln, als Gärtner, Butler, Boy. Frauen arbeiten in der Fischfabrik auf der Nachbarinsel Felivaru. Hier werden


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täglich fünfzig Tonnen Thunfisch verarbeitet in grossen, gekühlten Hallen. Draussen zeigte das Thermometer fünfunddreissig Grad, im Tiefkühlraum waren es minus zwanzig, und trotzdem gingen die Frauen in ihren leichten Uniformen und mit den weissen Schutzhäubchen lächelnd von draussen nach drinnen, allerdings nur für eine kurze Weile. Die Kapazität der Fabrik reicht für hundert Tonnen am Tag, doch so viel Fisch gibt es nicht. Der Fang wird mit eigenen Schiffen eingeholt und von lokalen Fischern angeliefert. Netzfischen ist in den Malediven verboten. Zwischen den Mauern von Hinnavaru wuchsen Kokospalmen, dieses Geschenk Allahs an die Malediven. Seit es Reiseberichte über den Archipel gibt, seit vielen hundert Jahren also, ist von den Palmen die Rede, von ihrer Schönheit, von ihrer Nützlichkeit, und vielleicht haben diese Erzählungen das Piktogramm des Paradieses mitgeformt: Palmen und Himmel, Sand und Meer. Araber, Portugiesen, Chinesen, Inder, Holländer, Franzosen, Briten haben die ­Inseln besucht, manchmal friedlich, oft krie­gerisch. Sie erkannten die strategische Bedeutung des Archipels an der wichtigen Seehandelsroute zwischen Westen und ­Osten. Und immer berichteten sie in ihren ­Geschichten vom unvorstellbaren Reichtum an Kaurimuscheln, dem beliebten ­Zahlungsmittel, und von den Kokospalmen. Alles an diesem Baum konnte verwendet werden, von der Blüte bis

zu den Wurzeln. Das Wasser der jungen Frucht, der Kurumba, besitzt dieselbe elek­ trolytische Balance wie Blut und ist ein ­Heilmittel für viele Beschwerden. Das Holz ist Baumaterial, mit Palmzweigen wurden Dächer eingedeckt, Kokosfaserseile wurden vor tausend Jahren schon gehandelt. Es gibt Kokosöl, Kokos­chutney, Kokoscrème, Kokoswein. Dieser Baum und das Meer waren die ­Le­bensgrundlage der Inselbewohner. Jetzt schmückt er das Hoheitszeichen der Malediven. Der Pilot kreist über dem LhaviyaniAtoll. Wenn ich den Daumen hebe, steigt er ein wenig, wenn ich ihn senke, sinkt er, wenn ich die Hand schräg halte, kippt er das Flugzeug. Ein Fotoflug, ein Flug im wahrhaftigen Paradies, denn etwas so unbeschreiblich Schönes habe ich aus der Luft noch nie gesehen. Sichelförmig breitet sich das Atoll aus, und die Inseln leuchten aus dem dunkelblauen Ozean wie ein Smaragdcollier. Es ist der Rand der Welt, denke ich, oder die Mitte, das Ende oder der Anfang. Es ist wie der erste Tag, so wunderbar, dass ich mir ausmale, wie Allah die Malediven schuf: Er nahm Gold- und Juwelenstaub und klatschte über dem Indischen Ozean in die Hände. Er hat nicht damit gerechnet, dass die Menschen sich selber aus dem Paradies vertreiben könnten. Die Inseln sind gefährdet; die meisten liegen nicht höher als einen Meter über dem Meeresspiegel,

One&Only Reethi Rah Water Villa Badezimmer.

und wenn das Wasser aufgrund des Klimawandels steigt, werden sie einfach verschwinden. Es war der letzte Abend. Ich war inzwischen zur nächsten Insel gefahren, einer ebenso luxuriösen, aber kleiner als die bisherige, man konnte sie in einer halben Stunde umrunden. Da sass ich nun in einem Restaurant an der Nordspitze der ­Insel und liess mich noch einmal ver­ wöhnen mit delikaten Gerichten und fabelhaften Weinen. Der Tisch stand am Ufer, die Füsse ruhten auf Sand, die Dämmerung brach herein, und ich erlebte zum letzten Mal das Wunder der Verschmelzung von Himmel und Meer, von Wolken und Wellen. Abschied vom Paradies. Vielleicht, wenn ich meine Hausaufgaben ­mache, wenn ich den Reiher nicht ver­ gesse und Abudul Hakeem nicht, darf ich ­wiederkommen. ■

Mein Geheimtipp Türkisfarbenes, kristallklares Wasser, eine Hängematte unter Palmen … mindestens einmal im Leben sollte man dem Paradies einen Besuch abstatten. Mein ganz privates Hideaway ist das Anantara Kihavah Villas – eine Insel mit wiegenden Palmen vor einem unendlichen Horizont. Traumhaft im Baa-Atoll gelegen und erst 2011 neu eröffnet, bieten die mit edlen Materialien ausgestatteten Villen Abgeschiedenheit und Luxus pur. Der private Pool lädt zum erfrischenden Bad, während das Anantara Spa

als idyllische Ruheoase für see­lisches und körperliches Wohlbefinden sorgt. Das vorgelagerte Riff ist das ­Zuhause vieler Meeresbewohner. Da lässt sich beim Schnorcheln oder Tauchen so manch spannende Begegnung machen. Wer es lieber etwas geruhsamer mag, geniesst die Korallenwelt vom Unterwasser-Restaurant und lässt sich gleichzeitig mit Köstlichkeiten verwöhnen. Und spätestens beim Abendspaziergang am Strand ist der Alltag ­daheim vergessen!

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Weitere Informationen: www.stohler.ch sowie im Malediven-Katalog von Stohler Tours.

Product Manager Malediven von Stohler Tours: Helene Strassmann Telefon 044 421 70 70 E-Mail: helene.strassmann@ stohler.com www.stohler.com


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juni 2012 | a rtundreise

DIE VOLLKOMMENE ART ZU REISEN Auch in wirtschaftlich turbulenten Zeiten zieht Griechenland seine Besucher in den Bann wie eh und je. Ernesto Scagnet ist einer von vielen, die regelmässig wiederkommen. Hier ist seine kurze ­Anleitung zum Reisen auf dem Wasser. Text Ernesto Scagnet  bilder Fotolia

S

ie hiess Aikaterini. Ihr Leib war breit, behaglich und betagt. Sie roch nach Teer, Diesel und Ferne, nach Fisch, Olivenöl, Tabak und Traum. Ihr Bauch war dunkel und lärmig, ihr Hintern schwankte gelassen und unverschämt. Mit ihr habe ich die Zärtlichkeit der Ägäis erfahren, vor vielen Jahren, zum ersten Mal. Jetzt werde ich ihr nicht mehr auf die Reling klopfen können, und sie wird längst keinen Schaumschleier mehr hinter sich herziehen, stolz wie ein altes Mädchen, das es doch noch geschafft hat, unter die Haube zu kommen; sie werden sie längst verschrottet haben mit all ihren Erinnerungen.

Der Zauber der Griechen Ich war ein unglaubliches Greenhorn und hatte Deckpassage gebucht für die Fahrt von Piräus nach Kos. Essen hatte ich keines mitgenommen, Wasser auch nicht. Die «Aikaterini», die «Katharina», fuhr mittags los. Die Sonne brannte, Schatten gab es nicht, Wasser gab es nicht, und Essen konnte man nicht kaufen. Erst um acht Uhr abends öffnete der Koch die Kombüse, und ich stellte mich halbverhungert an. Da wurde ich von freundlichen Händen gepackt und ganz nach vorn geschoben. «Erst du!» rief einer. Der Gast zuerst. Es waren alles Griechen in dem Raum. Der Koch war dick und verschwitzt und wuchtete grinsend ei-

nen gewaltigen Schlag Teigwaren auf meinen Teller. Jemand drückte mir ein Glas Retsina in die Hand. «Jammas!», zum Wohl, riefen sie alle. Erschöpft und gerührt hob ich das Glas und schaute in die lächelnden Gesichter. Ich liebte sie. Ich liebte die ­Aikaterini. Ich liebte die Ägäis. Ich liebte diese schrecklichen Teigwaren. Ich liebte die Russflocken, die mir unter dem Sternenhimmel das Gesicht schwärzten, denn die Nacht war kühl, und ich hatte mich beim warmen Kamin ausgestreckt. Ich ­liebte die Holzplanken, die meinen Rücken und meine Hüften folterten. Ich war jung und hingerissen und hatte auf diesem Schiff alles gefunden, wovon ich träumte.


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a rtundreise | juni 2012

Es war das Abenteuer. Es war die wunderbare, nie erfüllbare Sehnsucht. Ich war kein Tourist. Ich war Odysseus. Ich war Sindbad, Bartolomeu Dias, Vasco da Gama, Cabral, Vespucci, Colombo. Ich war Captain Cook. Ich war einer, der unterwegs ist zwischen Meer und Himmel zu einem Ziel, das er nicht kennt, müde, schmutzig, mit schmerzenden Gliedern. Oh, ich war der erste Mensch, der auf diesem Wasser fuhr, und es war der jungfräulichste Wind, der mir ins Gesicht blies. Ich war dabei, einen Teil der Welt zu entdecken. Seither bin ich immer wieder nach Griechenland gefahren, und natürlich hat sich meine Sicht der Dinge verändert. Ich hab mich ein paar Mal kräftig übers Ohr hauen und danach zu einem Glas Wein einladen lassen und eines Tages staunend festgestellt, dass ich nie einen dummen und kaum einen betrunkenen Griechen getroffen hatte; berauscht ja, betrunken nicht. Ich habe gesehen, wie Touristen das Land überfluteten und fleissig an seinen Schätzen nagten, Aussteiger, Familien, Senioren oder elende Romantiker wie ich. Ich habe gesehen, wie sich die Dörfer veränderten, wie ausserhalb der kleinen Städte Hotelsiedlungen aus dem Boden schossen, wie sich die Sitten wandelten; wie die ­Alten am Hergebrachten festhalten mit der unheimlichen Macht des griechischen

­ amilienverbandes, und wie arbeitslose F Jugendliche und Studenten ohne Studienplätze trotzdem ihren eigenen Weg gehen wollen; wie die Preise kletterten, wie die meisten Griechen sich noch immer einen Teufel um die Umwelt scheren und wie das alles die Kraft und den Zauber des Landes nicht wirklich hat brechen können.

Die Zeit auf dem Wasser Ich benutze die Fähre, so oft es geht. Es soll dauern. Wenn immer möglich werde ich nie auf eines dieser schnellen Schiffe klettern, die in zwanzig Stunden von Ancona nach Patras preschen. Dabei gewinne ich nichts. Ich verliere sechzehn Stunden; um so viel länger dauert gewöhnlich die Überfahrt. Ich steige in Venedig zu, um noch ein wenig mehr Zeit auf dem Wasser herauszuschinden; ich fahre langsam, behutsam am Canal Grande vorbei aus dem Lagunensystem und sehe die bröckelnde Stadt im goldenen Licht des Abends wie ein Gemälde von Tintoretto und den bestialischen Rauch von Mestre wie einen freundlichen Vorhang. Dann stelle ich mich an den Bug und starre ins Meer und sehe, wie das Wasser fliesst und fliesst, und es ist, als würde es durch mich hindurchfliessen, so, wie es das zu Hause schon immer getan hat, wenn ich mich auf der Holz­ brücke über den Bug des steinernen Pfei-

Zakynthos zählt zu den beliebtesten Ferieninseln Griechenlands.

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lers stelle und warte, bis die Brücke flussaufwärts fliesst, nach Süden. Der Wind bläst durch Kleider und Haar, und ich stehe so lange da, bis ich vollkommen durchgeblasen, durchflossen, durchfroren bin. Es ist wie ein Ritus. Dann erst ist die Zeit auf dem Land überwunden und die Zeit auf dem Wasser hat begonnen. Denn die Zeit auf dem Wasser ist anders; es ist eine Zeit der Langsamkeit, ein Stück ununterbrochener Zeit, und, wenn man Glück hat, eine Zeit der verhältnismässigen Ruhe, ­Luxusgüter, wirklicher Reichtum. Ja, das ist eine Anleitung zum Reisen auf dem Wasser. Man muss ein bisschen philosophisch sein, ein bisschen romantisch, ein wenig von gestern; oder vielleicht gehört man zur Avantgarde, wenn man sich Gemächlichkeit leistet. Eine Warnung ist es auch: man hat nicht immer Glück. Einmal erwachte ich mitten in der Nacht und sah, wie meine Hose am Haken beinahe waagrecht in der Luft stand, sich langsam senkte und wieder hob und wieder senkte. Ein Sturm hatte das Schiff ­gepackt und schleuderte es von Wellental zu Wellental. Ich kroch an Deck; die Passagiere flogen durcheinander und die Matrosen standen rauchend und amüsiert, als wären sie festgemacht an den glitschigen, schwankenden Planken. Ich stolperte auf das oberste Deck, ich wollte allein sein in meinem Elend und opferte wie alle andern Poseidon, bis ich nicht mehr konnte, und trotzdem sah ich, was für eine wundervolle Nacht es war: die hohen Wellen mit den Schaumkronen, die wirbelnden Gischtvorhänge, die funkelnden Sterne, der volle Mond, ein prächtiges Bühnenbild für ein tragikomisches Schauspiel. Doch die Fahrt im Sturm dauerte vierzehn Stunden. Auch dieses Schiff war alt und ziemlich klein, und ich verfluchte zum ersten Mal die ununterbrochene Zeit. Ein andermal flüchtete ich wieder aufs Oberdeck. Es war Herbst, und ein anderer Sturm war ausgebrochen: italienische und griechische Senioren hatten die Fähre in Besitz genommen, die Frauen voran auf der Suche nach dem besten Platz, dai, dai, Silvano, dai! Ihre Handtaschen schwangen


Kefalonia.

Die schöne Unbekannte.

Hotel Mareblue Apostolata Resort & Spa ****(*), Kefalonia Wunderschöne Badebuchten mit türkisfarbenem Wasser, imposante Steilküsten, einsame Berglandschaften und gemütliche Dörfer: ein abwechslungsreiches Naturparadies im Ionischen Meer. Das Luxushotel besticht durch eine hervorragende Infrastruktur und einem exzellentem Service – mit atemberaubendem Panorama. 8 Tage ab CHF 1117 pro Person, z. B. Reisedatum 19.8.2012 Inbegriffen: Direktflug Zürich – Kefalonia retour mit Hello in Economy-Class, Flughafen- und Sicherheitstaxen, 7 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Halbpension. Nicht inbegriffen: Privattransfer Flughafen – Hotel retour. Reisedaten: Jeden Sonntag ab Zürich bis 7.10.12.

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a rtundreise | juni 2012

sie so bedrohlich, dass sie dafür vielleicht einen Waffenschein benötigten, und wehe dem, der sich an den Tisch zu setzen wagte, den sie ansteuerten. Sie redeten, lachten und schrien mit erstaunlicher Ausdauer. Es war nichts mit der Ruhe. Dafür spielten sie ihren Part im uralten Schiffstheater mit Hingabe. Es gab den mit dem Feldstecher. Besorgt, es könnte ihm etwas entgehen, wanderte er pausenlos hin und her, blickte zum Himmel, starrte aufs Meer, sah nicht, was nah war, suchte die Nähe, die er brauchte, in der Ferne. Es gab den Junggebliebenen in knapper Badehose, durchtrainiert, verliebt in die eigenen Bauchmuskeln, stand da wie auf dem Laufsteg, keiner gab ihm seine Jahre; nur er selber litt erbärmlich unter dem Älterwerden. Es gab die Sonnenanbeterin mit dem knautsch-ledernen Teint. Es gab die Handysüchtigen, die mitten auf der ­Adria immer wieder versuchten, ans Netz zu kommen. Es gab die Glücklichen, denen es genügte, unterwegs zu sein zwischen Wind, Himmel und Meer; sie sassen am Heck und betrachteten die breite weisse Strasse aus Schaum, die das Schiff durch das blaugrüne Wasser zog. Es gab das Paar; allein und liebessüchtig stand es im Sonnenuntergang, als i signori passeggeri beim Nachtessen waren, so lange, bis der Mond aufging über den albanischen Bergen.

Die Aikaterinis von heute Dieses Schiff war neu. Es war eine dieser schwimmenden weissen Hotelanlagen mit Swimmingpool, Bars, Kino, Kasino, Nightclub, Konferenzräumen, Spielplätzen, Restaurants, Dutyfreeshops, Kabinen und ­Sälen mit Schlafsesseln für bis zu 1600 Passagiere und einem riesigen Bauch, in dem 600 Personenwagen und Dutzende von Lastwagen Platz finden. Sie heissen Blue Horizon, Blue Sky, Blue Island, Blue Galaxy; Super Fast 1 bis 6, Highspeed 1 bis 4, Flying Cat, Flying Dolphin. Manchmal, aber immer seltener, heissen sie auch Ikarus, Daedalus oder Erotokritos. Das ist nicht wichtig. Der Golf von Venedig, das Adria­ tische Meer, die Strasse von Otranto, das Ionische Meer, die Ägäis sind zwar weniger sauber, weniger fischreich und weniger einsam als in den Tagen von Odysseus oder der Ptolemäer, die den ganzen Mittelmeerraum beherrschten, oder zur Zeit der griechischen Kolonien in Unteritalien, Sizilien und Marsilia, dem heutigen Marseille, als die Kriegs- und Handelsschiffe zwischen Griechenland und den eroberten Gebieten kreuzten, und vielleicht sogar, seit die ­«Aikaterini» ihren runden Bauch über die Ägäis schob. An dem, was eine Schiffsreise ausmacht, hat sich nichts geändert. Noch immer gibt es die Illusion von Freiheit, diese Spanne zwischen dem

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­ blegen vom festen Land und dem An­ A legen an irgendeinem Ziel, das Wissen, ­abgefahren und noch nicht angekommen zu sein, losgelöst, befreit. Es gibt die ­Freude des Abschieds und die Wehmut der ­Ankunft; es gibt das Staunen über die Weite von Meer und Himmel, auch auf ­einem mit Elektronik vollgepackten Schiff, in dessen Salon die Abendnachrichten über den Bildschirm flimmern, verzerrt und kaum verständlich, als wäre die Zeit auf dem Wasser Schonzeit. Und es ist nicht wahr, dass es auf den Landkarten keine weissen Flecken mehr gibt. Auf meiner Landkarte ist noch vieles unentdeckt. Es liegt hinter dem nächsten Küstenstreifen, hinter dem nächsten Hügel, in der nächsten Stadt. Es wird mir auf einer Schiffsreise begegnen, ich werde es aufstöbern zwischen Venedig und Patras, zwischen Piräus und Heraklion. Ich werde es finden, weil ich ahne, wonach ich ­suche. So ist es immer. Das hat mich die Aikaterini gelehrt: man wird auf seiner Reise nicht finden, was man sucht, wenn man es nicht mit sich trägt. Danke, altes Mädchen. Es ist die vollkommene Art zu reisen. ■ Regelmässige Charterflüge nach Griechenland, darunter auch Zakynthos und ­Korfu, werden mit Helvetic Airways an­geboten. Weitere Informationen unter www.helvetic.com in der Rubrik «Charter».

Mein Geheimtipp Die pittoresken Kykladen-Inseln Santorini, Paros, Naxos und ­Mykonos sind ideal für ein Insel­ hüpfen. In Santorini lässt sich die atemberaubende Aussicht von der Terrasse des Hotels Avaton in Imerovigli geniessen. Die weissen Häuser des Ortes heben sich klar vom Blau des Himmels und des Meeres ab. Einen spekta­ kulären Sonnenuntergang erlebt man von der ehemaligen Festung. Weiter geht es per Fähre nach Paros, wo nebst schönen Wanderungen auch Windsurfen am Golden Beach hoch im Kurs ist. Als nächste Insel wartet ­Naxos. Hier sorgen die Nixian Collection Villas mit einem aus-

gezeichneten Service für Verwöhnung. Ein Highlight für DesignLiebhaber ist das Hotel Cavo Tagoo auf Mykonos. In den engen Gassen von Mykonos-Stadt ­locken unzählige Boutiquen zum Kauf von Geschenken für die Daheimgebliebenen. Auch ein Meze-­ Gericht in einer der zahlreichen Tavernen sollte man sich nicht entgehen lassen. Die herzliche Gastfreundschaft der Griechen lädt ein, sich zurückzulehnen und dem Alltag zu entfliehen! Weitere Informationen: www.travelhouse.ch und im Griechenland-Katalog von Sierramar.

Griechenland Spezialistin von Travelhouse – Sierramar: Karin Goetschi Telefon 026 672 39 90 karin.goetschi@travelhouse.ch www.travelhouse.ch


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juni 2012 | a rtundreise

Valletta – barocke Schönheit im Mittelmeer

Nach nur zwei Stunden Flugzeit landet man im mediterranen Malta und kann sich kaum sattsehen am gigantischen Naturhafen und den barocken Fassaden der Hauptstadt. Die ideale Destination für ein verlängertes Wochenende. Text und bilder alexandra Karle


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Das barocke Kirchenschiff der St. John’s Co-Cathedral mit Fresken von Mattia Preti.

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ine riesige Languste auf einem Bett von Auberginen, hausgemachte Pommes Frites und ein gemischter Salat, dazu ein frisch gezapftes Bier – das Tagesgericht im altehrwürdigen Café Cordina ist seinen Preis wert. Und diese Lage! Auf dem zentralen Platz in Vallettas Altstadt, eingerahmt vom Präsidentenpalast und der alten Bibliothek, beides von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt: Wo könnte man sich besser vom Stadtbummel erholen und den Puls dieser lebendigen und schönen Stadt spüren? Valletta ist ein Erlebnis, anders kann man es nicht beschreiben. Majestätisch gelegen auf einem Felsen zwischen den beiden Naturhäfen Marsamxett und Grand Harbour, gegenüber die drei Städte Vittoriosa, Senglea und Cospicua. Eine Mischung aus einem überdimensionalen Venedig und San Francisco, denn die engen Strassen sind mindestens genauso steil und spektakulär wie in der west-amerikanischen Küstenstadt. Dazu aber barocke

Sandsteinfassaden, bemalte Alkoven, verspielte Statuen und verträumte Gärten. Den besten Blick auf dieses grandiose ­Ensemble hat man von den wunderschön angelegten Barracca-Gärten, die früher in Privatbesitz waren, heute aber zum Glück für Besucher geöffnet sind.

Ritter und ein grosser Meister Valletta ist eine Stadt voller Paläste. Einer der schönsten ist der Grossmeisterpalast, in dem heute das Parlament tagt. Von aussen wirkt er schlicht, bis auf seine beiden imposanten Hauptportale im Barockstil, doch ein Besuch lohnt sich allein schon wegen der beiden Innenhöfe. Sie wirken wie verwunschene Oasen mit Palmen, Statuen, einem Brunnen und der berühmten Turmuhr von Pinto. Wer etwas maltesische Geschichte atmen will, sollte sich ­unbedingt die obere Etage anschauen. Im lang gestreckten Eingangsbereich stehen die Ritterrüstungen einiger Grossmeister ­Spalier, im Marmorboden eingelassen das

Staatswappen von Malta, die Decke reich verziert in Goldtönen. Das grösste Barock-Erlebnis wartet allerdings in der St. Johns Kathedrale. Auch hier verrät die strenge Aussenansicht nichts über den fulminanten Innenraum, in dem wirklich kein Fleckchen unverziert ist. 375 verschiedene Marmorplatten be­ decken den Boden, unter ihnen sind die Ritter des Johanniterordens beigesetzt. Ebenso faszinierend das Deckengewölbe, verziert mit Malereien, die 18 verschiedene Szenen aus dem Leben von Johannes dem Täufer zeigen. Dazu im vorderen Teil des Kirchenschiffs die prachtvolle, vergoldete Orgel. Im Ordinarium befindet sich auch das Meisterwerk des Malers Michel­ angelo da Caravaggio: die Enthauptung von Johannes dem Täufer.

Shoppen und geniessen Doch Valletta besuchen, das bedeutet auch, sich einfach durch die Gassen treiben zu lassen, in den wunderbaren Boutiquen und


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Dachterrasse des Castille Hotels.

Blick auf Mdina, die alte Hauptstadt von Malta.

Geschäften einzukaufen, hier und da einen Kaffee zu trinken, abends auf dem Dachgarten des kleinen charmanten Castille Hotels am Rande der Altstadt einen Apéro zu trinken und die Aussicht zu geniessen. Oder aber mit dem Boot nach Sliema überzusetzen, um dort über die Strandpromenade zu schlendern. Von dort aus hat man definitiv den besten Blick auf Valettas befestigte Altstadt. Abends lohnt ein Ausflug nach Spinola Bay in St. Julians – einer schönen Bucht mit guten Restaurants – oder nach Paceville, wo sich das Nacht­ leben Maltas abspielt.

Mischmasch der Kulturen 160 Jahre lang war Malta unter britischer Herrschaft, das hat das kleine Land der Europäischen Union natürlich geprägt, was nicht nur am Linksverkehr und den vielen Sprachschulen abzulesen ist. Die Inseln des maltesischen Archipels liegen an einer Art Kreuzung der maritimen Handelsrouten im Mittelmeer, knapp 100 Kilometer südlich von Sizilien und 290 nördlich von Nordafrika. Der Naturhafen von Valletta war schon immer von grosser strategischer Bedeutung, deshalb hat die Lage Mal­tas über 7000 Jahre lang die Geschichte

infos zu valletta www.visitvalletta.de / www.visitmalta.com

Flüge: Air Malta von Zürich und Genf, www.airmalta.com AirBerlin von Basel, www.airberlin.com

Restaurants und Hotels: Caffe Cordina, 244, Republic Street, ­Valletta, www.caffecordina.com Phoenicia Hotel Malta (5-Sterne-Luxus in Valletta), www.phoeniciamalta.com

Castille Hotel Malta (charmantes 3-Sterne in der Altstadt), www.hotelcastillemalta.com Osborne Hotel (3-Sterne, South Street, Valletta), www.osbornehotel.com Intercontinental Malta (5-Sterne, schöner Pool, in St. Julian’s), www.intercontinental.com

Tipp Barockfestival vom 9. bis 26.1.2013, www.vallettabaroquefestival.com.mt

des Landes bestimmt. Jede Zivilisation hat ihre Spuren hinterlassen, die ­Phönizier, die Römer, die Araber, die Ritter des Johanniterordens, die Franzosen und schliesslich die Briten. Das spiegelt sich nicht nur in der Sprache wieder, einer interessanten Mischung aus Arabisch, Ita­lienisch und Englisch, sondern eben auch in der Gesellschaft, in der Architektur und sogar in den Strassennamen. Das eingangs erwähnte Café Cordina von 1837 befindet sich beispielsweise auf der Piazza Regina, an der Ecke Republic Street und St. George’s Square, zwischen der Auberge Bavière und der Auberge de Castille. Natürlich kann man auf Malta noch viel mehr unternehmen, als durch die Hauptstadt zu streifen. Zum Beispiel einen Ausflug nach Mdina machen, der auf einem Hügel gelegenen, mittelalterlichen Zitadelle, die heute hauptsächlich von Touristen bevölkert wird. Oder am malerischen Hafen von Marsaxlokk frischen Fisch essen. Wer etwas mehr Zeit hat, sollte auf die ruhige und ländliche Nachbarinsel Gozo übersetzen und unterwegs eine Siesta an einem der schönen Strände halten. Trotzdem ist und bleibt Valletta aber die Hauptattraktion Maltas, die man auf jeden Fall einmal im Leben gesehen haben muss.  ■


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Das neue Gesicht Tunesiens Mit der Jasmin-Revolution haben die Tunesier vor anderthalb Jahren eine Entwicklung angestossen, die grosse Teile der arabischen Welt verändert hat. Jetzt braucht das Land Touristen. Es gibt viele Gründe, warum wir unsere nächsten Ferien dort verbringen sollten! Text und bilder alexandra karle

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s ist ein berauschendes Gefühl. Den Wind im Gesicht und das Brausen des Meeres im Ohr, fliegen wir im gestreckten Galopp über den schier endlosen Strand von Sidi Mehrez im Norden von Djerba. Schon lange haben wir die Hotels hinter uns gelassen, vor uns liegt nur noch weite und unberührte Dünenlandschaft.

Viel hat man schon gehört von den Berbern und ihren aussergewöhnlichen Pferden. Jetzt bekommen wir selbst eine leise Ahnung davon, wie geschmeidig und sensibel diese Tiere sind – und wie schnell! Aber selbst den etwas aus der Übung gekommenen Reitern gelingt es ohne Mühe, wieder in eine ruhigere ­Gangart zu wechseln. Die Hengste re­

agieren auf das kleinste Kommando, darauf ist ihr Besitzer besonders stolz. Zouhair, so heisst der kühn aussehende Berber, begleitet den Ausritt auf einem noch jungen und unerfahrenen Hengst. Bei ihm kann man genau beobachten, wieviel Geduld und Ausdauer es braucht, um ein Pferd so gut zuzureiten, dass es «touristentauglich» ist.


„Hier lächelt uns sogar die Sonne an.“

Nur 2 Flugstunden – und Sie finden alles, was einen tollen Familienurlaub ausmacht: traumhafte lange Strände mit feinstem Sand, kristallklares Wasser und eine wirklich kinderfreundliche Umgebung. Worauf warten Sie noch? Erleben Sie Ihren Traumurlaub in Tunesien.

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Viele Tuareg leben noch immer als Nomaden in der Sahara.

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Die Berber emp­ fangen Besucher mit grosser Freundlichkeit.

Alten Männern wird in Tunesien höchster Respekt entgegen­ gebracht.

Ob mit oder ohne Schleier – junge Mädchen geniessen die neue Freiheit.

Seelen-Massage

Ein Land im Aufbruch

Reiten ist nur eine der vielen Freizeitmöglichkeiten auf Djerba. Die meisten Besucher kommen hierher, um die Kombination aus Wärme, Wellness, Sonne und Strand zu geniessen. An der Nordküste der Insel nahe der Hauptstadt Houmt Souk liegen die schönsten Hotels des Landes, sagt man. Eines davon ist mit Sicherheit das Fünf-Sterne-Resort «Hasdrubal Thalassa & SPA». Auf 11 000 Quadratmetern kann man sich hier an Körper und Seele verwöhnen lassen, sei es bei einer Thalasso-Therapie, einer Behandlung mit Meerwasser, Algen und anderen Meeresprodukten oder einer Massage. Drei Indoor-Seewasser- und fünf in eine Lagune gebettete Aussenpools konkurrieren mit dem schönen Sandstrand. Jede der 219 Suiten hat eine grosse Terrasse mit Meerblick – da fällt es schwer, das Hotel auch einmal zu verlassen. Doch es lohnt sich! Nicht nur, um den nahegelegenen Golfplatz (27 Loch) zu besuchen, über den Markt von Houmt Souk zu schlendern oder am Hafen frisch zubereiteten Fisch zu probieren, sondern vor allem, um die Menschen dieses Landes kennenzulernen.

Immerhin waren es die mutigen Tunesier, die den arabischen Frühling vor anderthalb Jahren zum Erblühen gebracht haben. Während der Jasmin-Revolution haben sie den verhassten Despoten Ben Ali aus dem Land getrieben und die Diktatur beendet. Seitdem haben Wahlen stattgefunden und ohne viel Aufhebens lenkt inzwischen eine gemässigte Regierung unter Präsident Moncef Marzouki, einem ehemaligen Oppositionellen, die Geschicke des Landes. Auch wenn vieles noch nicht zur Zufriedenheit der Tunesier läuft, die Arbeitslosigkeit ist hoch und Lebensmittel sind teuer, sind doch alle froh über die wieder gewonnene Freiheit. Jetzt braucht das Land aber vor allem Investi­ tionen und Gäste aus Europa, denn der Tourismus ist Tunesiens wichtigste Einnahmequelle. Im vergangenen Jahr ist die Besucherzahl um 60 Prozent einge­ brochen. Zwar ist keinem Touristen je etwas zugestossen und die Sicherheitslage hat sich deutlich verbessert. Trotzdem sind die Europäer verunsichert. Wer die Revolutionäre von Tunesien aber unter-

stützen will, sollte seine nächsten Ferien dort planen.

Kultureller Reichtum Tunesien ist ein attraktives Reiseziel, nicht nur wegen seiner 1300 Kilometer langen Küste mit unzähligen schönen Sandstränden, sondern vor allem wegen seiner 5000 Jahre alten Kultur. Die UNESCO hat bereits acht historische Stätten zum Weltkulturerbe erklärt, das sind sogar mehr als im Nachbarland Ägypten. Die gut erhaltene Altstadt von Tunis aus dem 13. Jahrhundert gehört dazu, ebenso die Medina von Sousse und die von Kairouan. Ausserdem das Kolosseum von El Jem, natürlich die Ruinen von Karthago und die punische Stadt Kerkouan samt ihrer Totenstadt. Ganz im Norden des Landes noch der Ichkeul-Nationalpark sowie die Ruinen der antiken Stadt Dougga am Rande der Berge von Teboursouk. Aber als kulturelles Reiseziel ist Tune­ sien nicht wirklich bekannt. Familien zieht es bislang vor allem an die Badestrände von Hammamet und Sousse oder eben nach Djerba. Das ist verständlich, denn die


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Der Viehmarkt in Douz lockt auch viele Touristen an.

Tunesier sind nicht nur sehr kinderlieb, auch das Preis-Leistungs-Verhältnis der meisten Hotels ist bestechend. Aber es gibt in diesem Land so viel mehr zu entdecken als Strand und schönes Wetter.

Le Grand Sud Will man den «Grossen Süden» Tunesiens beschreiben, beginnt man am besten auf dem wöchentlichen Viehmarkt der Wüstenstadt Douz. In einem Palmenhain im Zentrum drängen sich Schaf- und Ziegenherden, Hühnerkäfige stapeln sich in un­ geahnte Höhen, Hasen werden gewogen, befühlt und wieder abgesetzt, dazwischen das eine oder andere Pferd. Überall feilschen Männer miteinander, mal laut, mal leise, streiten und versöhnen sich wieder, trinken Tee und gehen schliesslich zufrieden auseinander, ein oder mehrere Tiere hinter sich herziehend. Ein Bild, das an vergangene Zeiten erinnert. Douz ist damals wie heute ein Treffpunkt, ein Handelszentrum für die Nomaden und Bauern

der Region – und das Tor zur Wüste. Denn hinter Douz beginnt sie, die sagenum­ wobene Sahara. Auch wenn es auf den ersten Blick wie eine grosse Touristenfängerei wirkt: Jeder Besucher, den es hierhin verschlägt, sollte doch einmal auf dem ­Rücken eines Dromedars über die Sanddünen ­reiten. So kann man immerhin eine leise Ahnung vom Leben der Beduinen bekommen. Ob der Ausritt eine Stunde oder mehrere Tage dauert, hängt von der Abenteuerlust und dem Portemonnaie des Einzelnen ab, aber natürlich ist eine Übernachtung in der Wüste unter dem fun­kelnden Sternenhimmel ein einzigartiges ­Erlebnis.

Land der Palmen Verlässt man Douz in Richtung Tozeur, durchquert man zuerst den ausgetrock­ neten Salzsee Chott El Jerid, 150 Kilometer lang, 75 Kilometer breit und mit funkelnden Salzkristallen bedeckt. Dann, nach knapp zwei Stunden Fahrt, am Horizont eine leuchtende, grüne Insel. Aus über

200 Was­serquellen wird diese Oase gespeist, die weitläufigen Palmengärten sind im klas­sischen Drei-Stufen-Bau angelegt: Am ­Boden auf der «1. Stufe» wachsen Obst und Gemüse, in der Mitte auf der «2. Stufe» ­Bananenstauden, Orangen-, Feigen- und Grenadinenbäume und die «3. Stufe» bilden die Palmen. Die weiblichen tragen ­Datteln, aus den männlichen wird Palmensaft gewonnen. Die Gegend, in der sowohl ­Tozeur als auch die nicht weit entfernte Wüstenstadt Nefta liegen, heisst Jerid, und das bedeutet übersetzt soviel wie «Land der Palmen». Rund 150 verschiedene Dattelsorten gibt es alleine in Tozeur. Als beste weltweit gilt die «Deglet-Nour», der «Finger des Lichts». Datteln schmecken nicht nur gut, aus ihnen werden auch zahlreiche Produkte hergestellt wie Dattelzucker, Butter, Sirup, Konfitüre, sogar Schokolade, ausserdem Kosmetika und Medizin. All das kann man im Dattelmuseum «Eden Palm» lernen und die entsprechenden Produkte natürlich auch gleich probieren –


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und kaufen. Der perfekte Tag in der Oase endet für viele mit einem Candle-Light Dinner in einem Berberzelt unter Palmen und Sternen, zum ­Beispiel in der Residenz Dar Tozria.

Filmreife Kulisse Nicht nur wegen der Palmenhaine lohnt der Besuch von Tozeur, auch wegen der gut erhaltenen und noch von Einheimischen bewohnten Medina, die mit ihrer Lehmziegel-Architektur samt Reliefmustern wie ein Museum wirkt. Wären da nicht die Kinder, die in den frühen Abendstunden durch die Gassen toben und die Touristen necken. Bei einer Fahrt mit dem Geländewagen in die Berge, die schon die Ausläufer des Atlasgebirges sind, passiert man zahlreiche verlassene Berberdörfer und beeindruckende Bergoasen. In Chebika beispielsweise ergiesst sich ein kleiner

Wasserfall in einen Wadi, zahlreiche Tümpel und Palmengärten laden zu einem ­Picknick ein. Das alte Dorf Tamerza klebt am Hang eines gigantischen Canyons, von dem aus man eine hervorragende Sicht auf die weite Ebene bis hin zum grossen Salzsee hat. Auch die westlichste der drei Oasen, Midès, ragt in einen schwindel­ erregenden Canyon hinein. Kein Wunder, dass diese Landschaft immer wieder als Filmkulisse für Western und Abenteuer­ filme dient. «Tunesien – neu erleben» ist der Slogan des tunesischen Fremdenverkehrsamtes. Und tatsächlich, wenn man sich aufmacht, das Land abseits seiner Strände zu erkunden, überraschen die vielen Gesichter des Landes: die Vielfalt der grandiosen Landschaften, das reichhaltige kulturelle Erbe, vor allem aber die überbordende Gastfreundschaft der Tunesier.  ■

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tipps Tozeur Palm Beach Hotel, www.palm-beach-hotels-tunisia.com Diar-Abu-Habibi-Lodges, www.diarhabibi.com Dattelmuseum «Eden Palm», www.eden-palm.com Tamerza Hotel Palace Tamerza, www.tamerza-palace.com Djerba Hasdrubal Prestige Thalasso & Spa, www.hasdrubal-prestige.com Flüge ab Zürich Täglich mit Tunis Air zu verschiedenen Destinationen in Tunesien www.tunisair.com

Odysseus reiste länger, bis er die Insel Djerba und Tunesien erreichen und erleben durfte. Sie landen bereits nach 2 Flugstunden in Nordafrika. Und Xenotours führt Sie kompetent zu den kulturellen Höhepunkten, zu landschaftlichen Schönheiten, in Museen und auf bunte Märkte. Erlesene Privat-Rundreisen & Wüstentrekkings. Ab 2 Teilnehmer. u.a. Von Nord bis Süd; Auf den Spuren Karl May‘s; u.v.m.

Ob spektakuläre Canyons, Wüste oder Strand: Naturliebhaber kommen auf ihre Kosten.

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Im Land der stillen Weiten Menschenleer, doch hoch entwickelt, von Schwarzen regiert, doch deutsch geprägt – das ist Namibia, ein Kuriosum in Afrika. Text Lucie Paska   bilder wilderness safaris

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as Land besteht aus afrikanischen Landschaften wie Steppen, Wüsten und kahlen Gebirgen, doch die wenigen als Städte zu bezeichnenden Ortschaften wie die Hauptstadt Windhoek, Keetmanshoop im Süden und Swakopmund an der Atlantikküste haben einen durch und durch europäischen Charakter. Hier hat die rund hundertjährige koloniale Vergangenheit, als Namibia noch Deutsch-Südwest hiess, ihre tiefsten Spuren hinterlassen. Unverkennbar ist der deutsche Einfluss auch in der weissen Bevölkerung: In lupenreinem Hochdeutsch hört man sie über

ihre Vorfahren berichten, die um 1900 als Angehörige der deutschen Schutztruppen ins Land kamen. Verräterisch ist einzig das Wort «lecker», das sie für wohlschmeckend, aber auch für schön und angenehm verwenden. Ganz selbstverständlich be­ suchen ihre Kinder deutsche Internate. ­Tagesschulen sind in diesem dünn besiedelten Land die Ausnahme. Amtssprache ist Englisch. Die Verständigung ist somit kein Problem. Problemlos ist auch das Reisen an sich – ausser dem etwas gewöhnungs­ bedürftigen Linksverkehr. Die Strassen­ karten, das Strassennetz und die Aus-

schilderungen sind verlässlich und die Schotterpisten übersichtlich, breit und in der Regel in einem guten Zustand. Einzig die Einkäufe bedürfen einer gewissen ­Vorausplanung. Die Lebensmittelläden auf dem Land liegen nämlich oft Hunderte von Kilometern voneinander entfernt, und das Sortiment besteht auch dann vor ­allem aus Unverderblichem und Tiefgefrorenem. Die Supermärkte in den grös­ seren Städten hingegen bieten praktisch ­alles, was das Herz begehrt. Hat man sich dort also mit Vorräten eingedeckt, kann man sich getrost in die grossen Weiten wagen.


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Karge Landschaften und Herden wilder Tiere sorgen für unzählige Fotosujets.

Rostrote Sandwellen und schwarze Vulkankegel Weite gibt es hier tatsächlich zur Genüge. Namibia, das rund 20-mal so gross ist wie die Schweiz, hat nämlich nur knapp 2 Millionen Einwohner, womit weite Landstriche besonders im extrem trockenen Süden praktisch menschenleer sind. Die Piste zieht sich Hunderte von Kilo­ metern durch scheinbar unberührte Landschaften. Einzig die allgegenwärtigen Zäune und die Telefonmasten zeugen von menschlicher Präsenz. Auf der C 27, die von den berühmten grossen ­Dünen des Sossusvlei, des touristischen Epizentrums Namibias, südwärts führt, verläuft die Piste hart dem Wüstenrand entlang und teilt das Bild in zwei absolut gegensätzliche Landschaften: Links ziehen in rhythmischer Folge die rostroten Sandwellen dahin und laufen allmählich in die gelb schimmernde Ebene aus, rechts wechseln sich bizarre schwarze Vulkankegel mit grünen Tafelbergen und scharf gezeichneten geologischen Bruchkanten ab.

Bereits vor zwanzig Jahren war die Idee entstanden, in dieser einmalig schönen Landschaft ein Naturschutzreservat zu gründen. Die Regeneration der Landschaft und der Tierwelt scheint erfolgreich zu sein. In den zaunlosen Weiten der Namib Rand Nature Reserve erspäht man von der Strasse aus Herden von Zebras, wilden Straussen und eleganten grossen OryxAntilopen, dem Wappentier Namibias. Die wenigen Pisten, die von der Schotterstrasse abzweigen, sind privat und führen zu dem halben Dutzend sehr exklusiven Camps und Lodges oder dem kleinen privaten Flugplatz. Selbstredend muss, wer sich hier einige Tage der Ruhe gönnen will, tief in die Tasche greifen.

Schwindendes Raum- und Zeitgefühl Eine Tagesreise weiter südlich zweigt dann die landschaftlich schönste Route des Landes, die Pad 707, in südwestlicher Richtung ab. Hinter jeder Bodenwelle eröffnet sich ein neues Naturschauspiel: Gigantischen gezackten Dinosaurierrücken

gleich erheben sich kleinere und grössere schwarze Vulkanzüge aus der samtgelben Fläche. Ein paar Kilometer weiter häufen sich vor violetten sedimentgestreiften ­Plateaubergen orangefarbene Granitkugeln, wie durch eine Riesenhand zufällig hin­ geworfen. Auf Bildern sind solch traum­ hafte Ausblicke kaum festzuhalten, dazu bräuchte es mindestens eine Imax-Breitleinwand. Da ist nichts, was den Blick einengt oder ablenkt. Man kann nicht anders als aussteigen und die weiche, warme, bis

Praktisches Auf der Homepage der in Windhoek ­erscheinenden, deutschsprachigen ­«Allgemeinen Zeitung» (www.az.com.na) erhält man Einblick in das tagesaktuelle Geschehen und die neuesten Wetter­ informationen. Hitze, Wind und Staub ­gehören zur Wüste. Am besten wappnet man sich dagegen mit einer winddichten Sonnenbrille, einem fest sitzenden Sonnenhut und viel feuchtigkeitspendender Haut­crème. Empfehlenswert ist aus­ serdem eine staubsichere Fototasche.


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zum Horizont reichende rote Sandpiste ­unter die Füsse nehmen. Die reglose, stille Weite scheint einen zu verschlucken, Raum- und Zeitgefühl schwinden. Man hat das Gefühl abzuheben. Mitten aus dieser Urlandschaft ragt das Massiv der Tirasberge. Die Farmer in dieser unwirtlichen Gegend setzen, um ihre Einnahmen zu diversifizieren und zu verstetigen, seit einigen Jahren auch auf den Tourismus. Auf den meisten der riesengrossen Ländereien finden sich landschaftlich besonders reizvolle Winkel, die sich für eine touristische Nutzung gera­ dezu anbieten. Die Farmer gehen dabei ­ausgesprochen sorgfältig mit der Natur um. Die Eingriffe sind minim, die Bau­ materialien holt man direkt vor Ort. Das Resultat sind einfache, geschmackvolle Einrichtungen.

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Die Farm Koiimasis, zum Beispiel, dirigiert ihre Gäste in ein etwas vom Haupthaus entferntes malerisches Felsental. Neben den grosszügigen Campingplätzen, die über originelle, in die Felsen gebaute Duschen und WCs verfügen, liegen in ­gebührender Distanz Bungalows und ein Res­taurant. Beim Blick zurück aus dem Tal bleibt das Auge an riesigen ausladenden Kameldornbäumen hängen, zwischen denen am frühen Morgen friedlich die Pferde der Farm grasen. Dahinter öffnet sich das Panorama einer weiten Senke, die von ­einem gezackten Gebirgsgürtel umrahmt wird. Auf Koiimasis wird Straussenzucht betrieben. In riesigen Gehegen kann man die schreckhaften Vögel beobachten, wie sie in grossen Gruppen hin und her traben, immer darauf bedacht, den Abstand zu uns so gross wie möglich zu halten.

Im Zwiegespräch mit der Natur Zur Nachbarfarm sind es drei Fahrstunden, zum nächsten Tante-Emma-Laden in Helmerinhausen vier. Diese Abgeschiedenheit macht die Menschen sehr eigenständig und etwas knorrig. Das Geschäft mit den Touristen scheint noch nicht ganz ihre Welt zu sein. Man merkt ihnen an, dass sie das Zwiegespräch mit der Natur und den Tieren den flüchtigen Begegnungen mit den Besuchern bevorzugen. Doch vielerorts steht schon die nächste Generation, durch die langen Jugendjahre in den Städten diskussions- und innovationsfreudig geworden, bereit, um den elterlichen Betrieb weiterzuführen. Vielleicht findet sie eher Gefallen daran, bei Wanderungen, Ausritten oder Wildbeobachtungen die Schönheiten dieses Winkels von Namibia mit Reisenden zu teilen.  ■

Unterkünfte Am Namib-Wüsten-Rand: www.namibrand.com, www.gondwana-namib-park.com In den Tiras-Bergen: Straussenfarm Koiimasis, www.ranch-koiimasis.com Farm Landsberg: www.edennamibia.com, Telefon ++264 (0) 6386522

Schlafen mitten in der Wüste: Dunes Lodge von Wolwedans.

Am Rand der Dünen: Farm Gunsbewys, Telefon ++264 63 683 053, winzige Farm einer deutschen Rentnerin


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Auf Pirsch im Liegestuhl am Wasserloch Im Camper lässt sich – besonders mit Kindern – bequem durch Namibia reisen, auch wenn Staub ein unangenehmer und hartnäckiger Begleiter ist. Text Lucie Paska   bilder wilderness safaris

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s ist Abend, als wir in Okaukuejo, einem der Rastlager im namibischen Etosha-Nationalpark, eintreffen. Der Campingplatz ist ausgebucht. Trotzdem erlaubt man uns, unseren Camper irgendwo hinzustellen. So parkieren wir weit weg von den Toilettenund Duschanlagen und vom Gewimmel und Geschnatter, das sich ausbreitet, sobald einer der grossen Overlander-Reisebusse ankommt und 40 Leute, 20 Zelte sowie die ganze Ausrüstung entlädt. Wir lassen uns in Sichtweite eines Wasserlochs nieder. Und siehe da, bald schon tauchen aus der steinigen Ebene im Osten wie auf einen Befehl hin die ersten Tiere auf: Ein Elefantenbulle schreitet bedächtig bis zum Wasser, spritzt sich mit dem Rüssel über

den Rücken, fährt seinen meterlangen Penis aus, uriniert in den Tümpel und zieht von dannen. Rasch haben wir das Gefühl, nahe bei einer Arche Noah angelegt zu haben. Denn es folgen in lockerer Prozession Zebras, Gnus, Giraffen, Schakale, Antilopen und Vogelschwärme. Nach etwa zwei Stunden herrscht dann für eine Weile Ruhe, und das ist gut so. Denn Neugierde und Konzentration haben schon nachgelassen, das Fernglas wird zunehmend schwerer, und die Filmrollen sind bereits voll. Zudem ist das Fleisch auf dem Grill gar. Doch kaum ist das genüssliche Abendessen vorbei und unser Campingplatz in nächtliches Dunkel gehüllt, setzt erneut Betrieb ein beim Wasserloch, welches durch grosse Scheinwer-

fer ein unauffälliges, graugrünes Licht erhält. Fast gespenstisch weiss heben sich eine Nashornmutter und ihr Junges vom dunklen Hintergrund ab. Und aus der Ferne ertönt Löwengebrüll. Beruhigt schliessen wir die Tür des Campers, doch es beschleicht uns ein mulmiges Gefühl beim Gedanken an die Zeltbewohner. Zwar umgibt ein hoher Zaun das gesamte Rast­ lager, aber wie einige mutige Schakale ­zeigen, die nach dem Eindunkeln das Gelände nach Fressbarem absuchen, müssen Schlupflöcher vorhanden sein. Bevor wir am nächsten Tag die staubige Piste unter die Räder nehmen, machen wir einen Abstecher zum Swimmingpool, wo an diesem Vormittag ausser unserer Familie nur zwei Kinder planschen. Die


Namibia Unter 1001 Sternen

Bei solchen Nächten lohnt es sich auf den Schlaf zu verzichten und in den funkelnden Himmel zu schauen.

Unsere «Sternschnuppen» in Namibia Little Ongava***** Etosha Süd Ein Camp mit drei geräumigen Suiten auf einem Hügel erbaut – absolute Privatsphäre ist garantiert

Little Kulala***** Sossusvlei Riesige Fensterfronten bieten eine fantastische Weitsicht vom Bett direkt in die Wüste

Serra Cafema***** Kaokoveld Fliegen Sie in eines der abgeschiedensten Camps Afrikas und erobern Sie riesige Sanddünen mit dem Quadbike

Kulala Desert Lodge**** Sossusvlei

Unsere Namibia Expertinnen beraten Sie gerne persönlich

Übernachten Sie im Dachbett unter dem freien Himmel mitten in der Namib Wüste - Romantik pur Private Safaris Zürich, Tel 044 386 46 46, africa@privatesafaris.ch, www.privatesafaris.ch


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meisten anderen Touristen befinden sich bereits auf der Morgenpirsch. Wir hingegen brauchen nicht weit zu gehen, denn an unserem Wasserloch ist schon wieder viel los: Eine ganze Elefantenherde mit sechs Jungtieren hält Morgentoilette. Die Jungen planschen und tollen. Sie stampfen mit den Beinen übermütig ins Wasser, spritzen einander nass, schubsen sich, bis sie umfallen, und tauchen unter, wobei sie den Rüssel als Schnorchel benutzen. Dann folgt ein ausgiebiges Sandbad. Doch als sich die Leitkühe anschicken aufzubrechen, scheren die Kleinen aus und trotten nochmals ins Wasser. Triefend nass und scheinbar quietschvergnügt verlassen sie danach die Szene.

Gleich und Gleich gesellt sich gern Eigentlich wollten auch wir nach dem morgendlichen Schwimmen aufbrechen, doch statt rauszukommen und sich abzutrocknen, trotten auch unsere Kleinen nochmals ins Wasser. Denn endlich haben sie Freunde gefunden, und dazu noch Deutsch sprechende. Ausgehungert nach einer fast dreiwöchigen Namibia-Rundfahrt, wo sich die sozialen Kontakte und Konflikte meist auf den kleinen Familienkreis beschränkten, sind sie jetzt begreiflicherweise von ihresgleichen unzertrennlich.

So fällt die morgendliche Safari buchstäblich ins Wasser. Doch eigentlich haben auch wir das tagelange Herumfahren ein bisschen satt und verbringen den Rest des Tages gerne auf dem Liegestuhl zwischen dem Pool und dem Wasserloch, das nach Aussagen von Habitués ohnehin die wildreichste Tränke des Parks ist. Auch wenn sich die Raubkatzen rarmachen, können wir uns an den anderen Tieren sattsehen. Beim abendlichen Barbecue und einer Flasche südafrikanischen Weins schliessen

wir eine neue Freundschaft, und zwar mit waschechten Windhoekern. Die Selbstverständlichkeit, mit der so viele Einwohner Namibias Deutsch sprechen, mutet zuweilen komisch an, doch macht bewusst, wie stark das koloniale Erbe die Gegenwart noch prägt. Dadurch ist das Reisen in ­Namibia mit oder ohne Kinder auch äusserst unbeschwerlich.  ■

Es gibt wenige Orte auf der Welt, an denen man wilden Pferden begegnen kann. In Aus, im Süden von Namibia, hat man dazu noch ­Gelegenheit. Niemand weiss genau, woher die robusten Tiere stammen. Vermutlich sind es Nachkommen der Reittiere der deutschen Schutztruppe. Eine gute Chance, die Pferde zu sehen, hat man von Garub aus. Es gibt nichts Schöneres, als sich in der Nähe der Wasserstelle in den Sand zu setzen und die Pferde zu beobachten. Bei einem meiner Stopps hatte ich ein tolles Erlebnis mit einem neugierigen Fohlen. Ganz still sass ich da und es kam vorsichtig immer näher. Ich weiss nicht genau, wer von uns mehr Respekt hatte. Die Neugierde siegte und auf einmal waren wir nur noch einen Meter auseinander. Dann

galoppierte das Pferd plötzlich davon. Das war eine meiner schönsten Tierbegegnungen und ich rate jedem, der nach Lüderitz fährt, sich diesen unvergesslichen Zwischenhalt zu gönnen.

Für weitere Informationen und Buchung: www.privatesafaris.ch

Mein Geheimtipp

Weitere Informationen: www.privatesafaris.ch und im Katalog von Private Safaris Namibia-Spezialistin von Private Safaris Fabienne Berens Telefon 044 386 46 79 E-Mail: fabienne.berens@privatesafaris.ch www.privatesafaris.ch


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Das Swiss-Par adepferd text Werner Knecht Teppiche, Sitzbezüge, Vorhänge – all dies ist bei der Swiss «Swiss made». Mit dem neuartigen Luftkissen setzt der National Carrier in der Business Class der Langstreckenflotte neue Massstäbe.

Im Zusammenhang mit dem etwas heiklen Ankündigungsmarketing anlässlich der etappenweisen Einführung der neuen Business Class rutschte Swiss vor zwei Jahren in die Schlagzeilen. Doch das ist mittlerweile Geschichte: Seit Mitte 2011 verfügt die gesamte A340-300-Flotte über eine moderne Business-Class-Kabine. Damit verfügen nun alle Langstreckendestinationen über das neue Produkt, mit dem «unser»

National Carrier seine Rolle als BusinessAirline unter Beweis stellen will. Das einheitliche Kabinenprodukt ist Bestandteil eines umfangreichen Investitionsprogramms, das im Frühjahr 2009 mit der ­Inbetriebnahme des ersten von insgesamt 15 neuen Airbus A330-300 lanciert wurde. Ein zwei Meter langes, völlig flaches Luftkissenbett bildet das eigentliche Herzstück der Business Class. Zusätzlich zum

Der Business-Class-Sitz der Swiss kann völlig flach gestellt werden.

individuell regulierbaren Härtegrad des Sitzes soll die integrierte Massagefunktion zum Wohlbefinden beitragen. Zudem können dank cleverer Sitzanordnung acht von neun Plätzen direkt über den Gang erreicht werden. Das erwähnte Luftkissensystem stammt vom Langenthaler Produzenten Lantal. Swiss ist Erstkunde für das vollständige pneumatische Komfortsystem und ersetzt damit den herkömmlichen Schaumstoff in Flugzeugsitzen mit luftgefüllten Kammern. Der Reisende kann den Luftdruck nach persönlichen Präferenzen variieren – von hart bis weich zu jedem Zeitpunkt, sowohl im aufrechten Sitz wie auch in der vollständig flachen Liegepo­ sition. Die Bestuhlung (1-2-1/2-2-1) sowie die Sitzlänge von 200,6 Zentimetern und die Sitzbreite von 52,1 Zentimetern sorgen für eine angenehme Reise und eine ­Ankunft «in better shape». Zu nennen sind ferner die zusätzlichen Ablageflächen, der iPod-, der USB- wie auch der Strom­ anschluss (110 V). Die Geschäftsreisenden als BC-Hauptzielgruppe sind nicht nur «zentral für den geschäftlichen Erfolg», so Frank Maier, Head of Product & Services bei Swiss, sondern sie scheinen auch angetan zu sein. Folgerichtig konnte Swiss 2011 bei den World Travel Awards den ersten Platz in der Kategorie «Europe’s Leading Airline Business Class» belegen. An der Abstimmung über die Awards-Gewinner hatten sich an die 200 000 Fachleute der Reiseund Tourismusbranche beteiligt. www.swiss.com


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Singapore Airlines mit Swiss Touch text Werner Knecht Bei der Ausgestaltung des Kabinendesigns bezog Singapore Airlines ihre Kunden von Anfang an mit ein und konnte dadurch deren Wünschen und Anforderungen weitgehend Rechnung tragen. Teppiche und Vorhänge lieferte die Schweizer Textilfirma Lantal Langenthal.

Mit ihrem klaren Profil als Premium Airline lässt sich Singapore Airlines den Spitzenplatz im Imagegefüge auch etwas kosten. So werden Geschäftsreisende als Haupt­ zielgruppe der Business Class regelmässig in Kundenworkshops darum gebeten, ihre ­Ansprüche und Erwartungen zu formulieren und darzulegen, wie aus ihrer Sicht Flug­ reisen in fünf oder zehn Jahren aussehen

werden. Die Ideen werden anschliessend ­einer Arbeitsgruppe vorgelegt, der nebst Flugzeugkabinenspezialisten auch Designer aus der Modeindustrie und luxuriöser Automobile angehören. Sie haben den Auftrag, die Anregungen aus den Workshops in die Kabinengestaltung zu integrieren. Singapore Airlines holt zudem regelmässig Feedbacks der Kabinencrew und ande-

Schweizer Qualitätsarbeit in der Business Class der Singapore Airlines.

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Charmanter Service – ein unschlagbares «USP» der Singapore Airlines.

rer beteiligter Betriebssparten ein, um deren spezifische Wünsche aufzunehmen. Für den A380, der im März 2010 zu seinem Schweizer Erstflug von Zürich nach Singapur abhob, begann die Ausarbeitung des Designs bereits Anfang 2004. Anhand verschiedener Prototypen wurden die einzelnen Etappen visualisiert und damit sichergestellt, dass alle notwendigen Features, Funktionen und Aspekte der Ästhetik ins Endprodukt ein­ geflossen sind. Die realisierbaren Wünsche einmal umgesetzt, wurden die Kunden erneut gebeten, das Endprodukt in Augenschein zu nehmen und zu beurteilen. Be­ sondere Beachtung schenkte man den Sitz­flächen und Kissen, tragen sie doch ­wesentlich zum Reise- und Schlafkomfort bei. Dieser ist gerade bei Geschäftsreisenden ein wichtiges Entscheidungselement, wenn sie für einen Businesstrip zwischen mehreren Airlines wählen können. Weitere USP der Business Class von Singapore Airlines sind die extrabreiten Sitze (86 Zentimeter!), die Sitzlänge von 193 Zentimetern, die verstellbare Tisch­ höhe, intelligent geplante Stauräume, ein ­sitzintegrierter Stromanschluss sowie USB-Verbindungsmöglichkeiten. Auch bei Singapore Airlines fliegt übrigens die Schweiz mit, liefert doch das Schweizer Traditionsunternehmen Lantal Textiles bei den A380-Flugzeugen die Teppiche und Vorhänge – und dies für alle drei Klassen. Die Teppiche werden im oberaargauischen Melchnau fabriziert, während die Stoffe aus Langenthal stammen. www.singaporeair.com


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Drei Fragen an Toni Robertson, Executive Chef im Mandarin Oriental, New York

Asien liegt in der Luft text Angela Pietzsch Wer in Zukunft mit der neuen Boeing 747-8 der Lufthansa fliegt, geniesst

Was war bei der Kreation eines Flugzeug­ menüs die grösste Herausforderung? Daran zu denken, dass es möglich sein muss, jedes Menü überall auf der Welt herzustellen. Ich musste mit Zutaten kochen, die es eben nicht nur in New York oder an anderen bestimmten Orten gibt. Und ich musste alles abmessen – normalerweise messe ich die ­Zutaten für meine Gerichte nie ab! Wie lange haben Sie an den Menüs gearbeitet? 16 Monate. Aber es hätte auch länger dauern können, für einen Küchenchef ist ein Gericht schliesslich nie perfekt. Am Ende des Tages ist es jedoch die Beständigkeit, die zählt. Das Menü muss immer gleich schmecken.

Deutschland in der Business und First Class jeden Flugzeugtyps.

Was inspiriert Sie? Jahreszeiten, Wochenmärkte, Magazine, ­Gespräche mit Kollegen. In New York ist es sicherlich der Bauernmarkt auf dem Union Square, den ich mittwochs und samstags ­besuche.

Thunfisch-Carpaccio mit Sarachi Aioli zur Vorspeise, als Hauptgericht Kabeljau mit Miso-Glasur, Sobanudeln, Spargel­ bohnen und Ingwer-Soja-Dressing. Und als Abschluss New York Cheesecake mit ­Himbeerkompott. Klingt das nach einem ­Flugzeugmenü? Seit zehn Jahren arbeitet die Lufthansa mit Spitzenköchen zusammen und entwickelt für die Gäste ihrer Business und First Class alle zwei Monate neue Menüs. Noch bis Februar 2013 sind im zweimonatigen Wechsel die Küchenchefs der Mandarin Oriental Hotels San Francisco, Miami, New York und Washington an der Reihe. «Wir wollen den Koch in der Luft inszenieren», sagt Dr. Ingo Bülow, General Manager Board Service, Product Competence Center. Diese Inszenierung muss sich den Gegebenheiten an Bord anpassen, dennoch wollen die Experten der Lufthansa den Chefköchen zunächst sämtliche Freiheiten lassen. Später passt die Lufthansa die Rezeptideen entsprechend an, bevor es in die finale Runde mit dem Koch geht.

Toni Robertson, geboren in Burma, absol­ vierte das berühmte Culinary and Hospitality ­Institute of Chicago und war für Hotels wie das Ritz-Carlton in Chicago sowie das Four Seasons Beverly Hills tätig, bevor sie 2005 als Executive Chef ans Mandarin Oriental nach New York kam. Ihre Menüs werden das nächste Mal rund um Weihnachten auf der Speisekarte der Lufthansa Business und First Class stehen.

die neuen Sitze der Business Class, die sich in eine horizontale Liegefläche mit 1,98 Metern Länge verwandeln lassen. Die Menüs der Küchenchefs aus vier amerikanischen Mandarin Oriental Hotels gibt es auf Flügen von den USA nach

Bis zum endgültigen Rezept gibt es viele Hürden. Ernst Derenthal, Area Manager Americas and Africa, Product Design and Caterer Management, nennt nur ein Beispiel: «An Bord eines Flugzeugs sind unsere Geschmackssensoren gehemmt. So, als hätten wir Schnupfen.» Tests, welche die Lufthansa regelmässig mit dem deutschen Fraunhofer Institut durchführt, haben unter anderem ­ergeben: Bei frischen Kräutern muss 50 ­Prozent mehr Grünzeug ans Gericht. Salz, ­Pfeffer und Zucker sind ebenso wenig niederdruck­ stabil, hier braucht es 5 bis 15 Prozent ­Zugabe. Derenthal: «Wir versuchen deswegen, mit Gewürzölen und Seren sowie mit exotischen Gewürzen wie Zimt zu arbeiten, die sich stabiler verhalten.» Den Köchen aus den Mandarin Oriental Hotels dürfte dies entgegenkommen. Die Luxushotelkette stammt aus Südostasien, die Gerichte in den Hauptrestaurants der 5-Sterne-Häuser sind stets asiatisch inspiriert. Und in New York heisst das Restaurant gar Asiate. www.lufthansa.com


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Die Crew an Board der Oman Air ist international.

Fliegen wie ein Sultan text Alexandra Karle In den vergangenen zwei Jahren hat Oman Air im Schnitt eine internationale Auszeichnung pro Monat gewonnen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Business- vielmehr einer First-Class entspricht.

Es ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber schon das Necessaire in der BusinessKlasse von Oman Air löst – zumindest bei Frauen – helle Freude aus. Ein goldenes Schmink-Köfferchen mit Spiegel auf der Innenseite, gefüllt mit wunderbarsten Produkten der Luxusmarke «Amouage». Kein

Business Class mit First-Class-Qualität.

Wunder, dass Oman Air bei den «TravelPlus Airline Amenity Bag Awards 2011» dafür in London mit dem ersten Platz belohnt wurde. Überhaupt streicht die Airline aus dem Sultanat Oman in letzter Zeit einen Preis nach dem anderen ein. Von den rund

100 000 Lesern des britischen Magazins «BusinessDestinations» wurde die Business-Klasse gerade als beste im Mittleren Osten gekürt, für den Sitz gab es im vergangenen Jahr von Skytrax das Zertifikat «Best Business Class Seat in the World». Tatsächlich fühlt sich der Passagier eher wie in einer «First Class», wenn er bei Oman Air «Business» gebucht hat. Die ­Sitze sind in einer 1-2-1-Konfiguration ­angeordnet. Wer nebeneinander sitzen will, sollte also rechtzeitig reservieren. ­Dafür hat aber jeder Reisende direkten ­Zugang zum Gang. Per Knopfdruck kann der Sitz zu einem zwei Meter langen ­Flachbett ausgefahren werden. Das sollte man aber erst tun, wenn man sowohl das hervorragende Essen als auch das OnBoard-Entertainment auf dem 17-Zoll-­ Bildschirm genossen hat. www.omanair.com

Die Lounge in Muscat.


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Das Tal der Künste Vor Stuttgarts Toren, im Remstal, sind seit jeher Tüftler, Künstler und Weinbauern zu Hause. Text Inge Jucker   bilder Inge Jucker, Remstal-Route, fotolia

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s liegt zwar nicht gerade am Ende der Welt und dennoch ist das Remstal – zumindest in der Schweiz – nicht sehr bekannt. Nur 20 Autominuten von Stuttgart entfernt liegt Waiblingen, dessen historischer Altstadt unser erster Stopp gilt. Die gepflegten Fachwerkhäuser drängen sich dicht an

dicht, eines schöner als das andere. An vielen Häuserecken prangen sogenannte Neidköpfe. Einige sehen lustig aus, die meisten aber sind Fratzen, die von ihrer hohen Warte bedrohlich auf den Betrachter herunterschauen. Ihre Aufgabe ist es, vor dem «bösen Blick» zu schützen. Sie weisen aber auch auf einen gewissen Wohlstand

der Bauherren hin, die sich vor Neidern schützen wollten. Die Anzahl Neidköpfe legt den Verdacht nahe, dass Waiblingen eine wohlhabende Stadt ist. Im Kontrast zur mittelalterlichen Altstadt stehen die modernen Gebäude der Kunstschule Unteres Remstal und der Galerie Stihl. Die wechselnden Ausstellungen


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der Galerie drehen sich vor allem um «Arbeiten auf Papier». Diesen Sommer werden Japanische Farbholzschnitte von Kunisada und Kuniyoshi gezeigt.

Kunst im Weinberg Ganz in der Nähe von Waiblingen liegt Kernen mit dem Ortsteil Stetten, der mit einem wunderschönen Museumsweinberg aufwartet. Er zieht sich den Hang ­hinauf bis zur Yburg. In diesem Weinberg ist auch ein leicht teuflisch angehauchter Weingeist zu Hause: Die Bronzeplastik von Karl Ulrich Nuss sitzt auf einer Mauer und schaut versonnen ins Remstal hin­ unter. Wenn man den Künstler bzw. das Nuss-Museum und den Skulpturenpfad sehen will, führt kein Weg an Strümpfelbach vorbei. Der Ort wirkt wie eine Freilichtgalerie und es scheint, als seien die Plastiken dem Atelier entsprungen, um Wegränder und Zufahrten zu bevölkern. Vergänglich ist die Kunst, die am 4. August 2012 in Beutelsbach zu erleben sein wird: der leuchtende Weinberg. Feuershow und Feuerwerk, Wein und Kulinarisches werden an diesem Samstagabend geboten. Durch den Weinberg von Stand zu Stand ziehend hat man Gelegenheit, andere Weinliebhaber und Einheimische kennenzulernen.

Der Tüftler und ein Mops In Schorndorf wurde Gottlieb Daimler 1834 in schlechte Zeiten hineingeboren. Dennoch wurde Bäckerssohn Daimler Ingenieur und Konstrukteur. Er entwickelte den ersten schnelllaufenden Motor und das erste vierrädrige Kraftfahrzeug. In Daimlers Geburtshaus in Schorndorf ist ein Museum eingerichtet, und auch ein Denkmal weist auf den berühmten Bürger hin. Dass die Schorndorfer nicht nur Benzin im Blut haben, zeigt sich spätestens am Weinmarkt, der vom 31. August bis 2. September 2012 stattfindet. Wie kommt es nur, dass eine ganze Stadt auf den Mops gekommen ist? Es hat jedenfalls nichts damit zu tun, dass diese Hunderasse im Moment gerade en vogue ist. Der Mops kam in Winnenden bereits

Waiblingens Turm mit dem historischen Stadttor.

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In Waiblingen gibt es viele Neidköpfe zu bewundern. Sie sollen den «bösen

Bildhauer Karl Ulrich Nuss in seinem Atelier in Strümpfelbach.

Blick» abwehren.

im Jahre 1717 zu Ehren: Während des Kampfgetümmels in der Schlacht um Belgrad haben sich Mops und Herrchen ­Herzog Karl Alexander von Württemberg aus den Augen verloren. Der Legende nach lief der Hund elf Tage lang nach Hause ins Schloss Winnental, wo man ihn herzlich empfing und ihm schliesslich ein Denkmal widmete. Es steht heute noch vor dem Schloss. Zum Einverleiben gibt es

den Mops in Ulli’s Confiserie als SchokoMöpsle und auf dem Weingut Häusser als Mops-Wein. Dass auch die Winnender gut im Feiern sind, beweist das Mädelesfescht, das am 7./8. Juli 2012 stattfindet. Der grosse Marktplatz wird von einem mittelalter­ lichen Markt erfüllt sein, mit Gauklern, historischem Handwerk und Bühnenprogramm. In Winnenden ist eigentlich im-

mer etwas los. Hier wird gewohnt, gelebt, geshoppt und das eine oder andere Viertele Wein geschlotzt, wie der Schwabe das nennt. Als Schweizer versteht man die Schwaben recht gut – nur wenn sie ihren Dialekt in Reinform sprechen, wird es ­etwas schwieriger. Ein Viertele Wein – selbstverständlich ein Remstaler Wein – soll aber gut gegen Ver­ständigungs­ probleme wirken. ■


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infos zum Remstal Anreise Mit dem Auto oder per Bahn via Stuttgart.

Unterkunft Zentral in der Altstadt von Schorndorf ­gelegen, überzeugt das Hotel Pfauen mit Design-Zimmern, empfehlenswerter ­Küche und herzlicher Gastfreundschaft. www.pfauen-schorndorf.de

Restaurants Traditionelle schwäbische Küche bietet der bekannte Gasthof zum Ochsen in ­Kernen-Stetten. www.ochsen-kernen.de Schwäbische Spezialitäten werden auch im Restaurant Fuggerei in SchwäbischGmünd aufgetischt. www.restaurant-fuggerei.de Mediterran inspirierte Regionalküche wird im Restaurant Lamm in Hebsack serviert. www.lamm-hebsack.de

Museum Das Geburtshaus von Gottlieb Daimler befindet sich in der Höllgasse 7 in Schorndorf und ist heute ein Museum.

Kunst Alles über das Weinbergfest: www.leuchtender-weinberg.de Infos zu Kunstgenuss mit Nuss: www.karl-ulrich-nuss.de Galerie Stihl, Waiblingen: www.galerie-stihl-waiblingen.de

Infos Tourismusverein Remstal-Route Endersbacher Bahnhof D-71384 Weinstadt, Tel. +49 7151 270 457 www.remstalroute.de

Dieser «Dessous-Mops» steht in Winnenden.

Im Geburtshaus von Gottlieb Daimler in Schorndorf befindet sich das Daimler-Museum.

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Giardino Ascona

Von der Leichtigkeit des Seins Unvergleichlichen Lifestyle und Genuss versprechen Daniela und Philippe Frutiger, CEOs der Giardino Hotel Group. Wir haben zwei der drei Hotels des schnell wachsenden Unternehmens besucht. Unsere Erkenntnis: Sie haben recht, die Frutigers. Text Markus Weber

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as einem toskanischen Landsitz nachempfundene Giardino Ascona steht seit seiner Er­ öffnung 1986 für südländische Leichtigkeit und zurückhaltende Eleganz. «A place with style to remember» lautet denn auch der Anspruch der Hotelleitung. Dieser Massstab wird seit diesem Jahr auch in Minusio (Giardino Lago) und Champfèr (Giardino Mountain) angelegt. Die Flückigers haben ihre Formel «un po’ di più» auf Wachstumskurs getrimmt, die Giardino Lounge e Ristorante im Herzen Asconas eröffnet, das ehemalige Ausflugslokal Navegna in Minusio sowie die Chesa Guardalej in Champfèr übernommen. Ohne dabei das Stammhaus in Ascona zu vernachlässigen, wie wir uns bei einem Besuch im Tessin überzeugen konnten.

Auch 26 Jahre nach seiner Eröffnung hat das Giardino Ascona nichts an seinen lustvollen und verführerischen Qualitäten eingebüsst. Im Gegenteil. Die Leichtigkeit des Seins erfasst den Gast unmittelbar bei seiner Ankunft. Der Blick auf den mediterranen Garten lässt Ferienstimmung aufkommen. Die prominent platzierte weisse Statue der Aphrodite strahlt Sinnlichkeit und Entspannung aus. Wer hier als gestresster «homo oeconomicus» ankommt, wird von der Göttin der Schönheit und der Liebe sanft an die wesentlichen Dinge des Lebens erinnert. Und das ist gut so. Als langjähriger Weggefährte von Daniela und Philippe Frutiger setzt Wolfram Merkert die Philosophie des Hauses perfekt um. Der sympathische Resident Manager war bereits vor der Übernahme der Hotelfüh-

rung als Sous Chef im Hotel Giardino tätig. ­Zuvor arbeitete er im Lenkerhof als F&BManager. Ebenfalls an der Seite des da­ maligen Direktions-Ehepaares Philippe und Daniela Frutiger. Seit ihrer gemein­ samen Rückkehr nach Ascona hat das ­Hotel Giardino einen ­umfassenden Umbau erfahren. Besonders ­gefallen haben uns die hellen und mutig kombinierten Farb­ töne in den neu gestalteten Zimmern. Und für Zigarren-Aficionados in einer Welt der zunehmenden Rauchverbote besonders interessant: Die Zimmer verfügen über ­einen grosszügigen, gedeckten Balkon mit bequemen Sesseln. Seit der Eröffnung des Hotels im Jahr 1986 spielt die Gastronomie im Giardino Ascona eine zentrale Rolle. Unvergessen etwa ist die Kochlegende Angelo Conti


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Rossini. Der liebenswürdige Tessiner aus Brissago war nicht nur herausragender Koch, sondern ebenso leidenschaftlicher Kommunist. Dies hinderte ihn aber nicht daran, seine lukullischen Künste Bankern, Unternehmern und anderen gestandenen Kapitalisten vorzuführen. Für die gastronomischen Höhenflüge ist heute Rolf ­Fliegauf verantwortlich. Der vor Kreativität sprühende Koch ist erst 31 Jahre alt und von Michelin bereits mit zwei Sternen aus­gezeichnet worden. Fliegauf hat seine Sporen bei verschiedenen europäischen Spitzenköchen abverdient. Auch im Noma Kopenhagen, dem besten Restaurant der Welt, hat er schon gearbeitet. Im Sommer führt Fliegauf das Ristorante Ecco im ­Giardino Ascona. Von Mitte Dezember bis ­Mitte März verwöhnt er die Gäste im Ristorante Ecco on Snow im Giardino Mountain Champfèr. Was der Mann auf den ­Teller zaubert, ist grandios. Bisweilen auch rustikal und mutig. Rolf Fliegauf ist es ­jedenfalls gelungen, uns bei unserem Besuch auf eine kulinarische Entdeckungsreise zu entführen. Die Kombination von Speck, Trüffel, Eigelbschaum und grünen Spargeln beispielsweise war ebenso über­raschend wie köstlich. Die als Amuse ­Bouche servierte Kreation läutete

einen grossartigen Abend ein und überzeugte auch die kritischen Gaumen am Tisch, welche die Geschmacksintensität von Trüffel und Speck als unvereinbar bezeichnet hätten. Sogar die Gänseleber liess ­Fliegauf mit Speck einheimischer ­Eichelmastschweine und Zwiebeln servieren. Eine ebenso unerwartete wie gelungene Kombination. Die «Glacé-­Variante» der Gänseleber hat uns bei diesem Gang besonders begeistert. Dass ­Fliegauf nicht nur ein zaubernder Alchimist ist, sondern auch klassischere Menüs perfekt zube­ reiten kann, bewies er bei der Präsen­­ tation eines Kalbfilets vom Simmental. So viel wurde klar: Der Mann hat seinen Stil gefunden. Und ebenso eindeutig: Das ­Giardino lebt seine grosse Gourmet-Tradition weiter.

Rolf Fliegauf, Küchenchef im Restaurant Ecco im Giardino Ascona.

Giardino Lago in Minusio.

Ein Koch und ein Infrafrot-Ofen im Fokus des Giardino Lago Cristina Hollenstein, die charmante Tessiner Gastgeberin im Giardino Lago in Minusio, bringt es auf den Punkt: «Eigentlich sind wir ein Restaurant mit 15 Zimmern.» Nur folgerichtig also, dass der Gastronomie im Ende des letzten Jahres neu eröffneten Hotel ebenfalls eine grosse Bedeutung zukommt. Auch hier überzeugt ein

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junger Küchenchef am Herd. Joel Schmutz, das Nachwuchstalent, ist erst 26. Fast genauso wichtig wie der ambitionierte Koch scheint aber das Prunkstück der Küchenausstattung, ein 800-Grad-Infrarotofen, zu sein. Das darin zubereitete Fleisch wird in der Tat wunderbar zart und saftig. Neben den Gar-Spezialitäten bilden Tessiner Köstlichkeiten und Tapas den Schwerpunkt der attraktiven Karte. Auch das regional stark geprägte Weinangebot lässt sich sehen. Im Restaurant des Giardino Lago wird aber nicht nur der Gaumen der Gäste verwöhnt, sondern das Auge kommt dank dem fantastischen Blick auf den Lago Maggiore ebenfalls auf seine Kosten. Die Lage des Hauses, direkt am Wasser, ist schlicht einmalig, die Aussicht von fast überall der Hammer. «Hier bleiben wir», ist man geneigt zu sagen. Die Gästezimmer sind zwar auch nach dem Totalumbau noch immer etwas klein. Seesicht, stilvolle Einrichtung und fancy Technik mit iPod- und iPhone-Anschlüssen sowie klangvollen ­Boxen, welche auch die Ansprüche der Apple-Generation zu überzeugen vermögen, kompensieren das eher bescheidene Raumangebot jedoch bei Weitem.  ■ www.giardino.ch


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Frutt Lodge & Spa

Den Sternen nah text Marion Lehmann Rechtzeitig auf die Feiertage Ende 2011 wurde auf der Melchsee-Frutt das 4-Sterne-Hotel frutt LODGE & SPA eröffnet. Der Neubau steht direkt am Melchsee, am gleichen Standort wie das frühere Kurhaus Frutt. Entstanden ist eine stilvolle und moderne Lodge zum Wohlfühlen und Geniessen.

Rund 40 Millionen Franken kostete der Bau der neuen Lodge auf der Melchsee-Frutt. Sie gesellt sich damit zu den grossen ­Tourismusprojekten, die derzeit in der ­Zentralschweiz zwischen Andermatt und ­Luzern, zwischen Rigi und Bürgenstock ­realisiert werden und die Tourismusorte in neue Dimensionen bringen sollen. Um das finanzielle Risiko abzufedern, ging die Generalunternehmung Eberli mit einem besonderen Finanzierungsmodell neue Wege: Miteigentum heisst das Zauberwort – eine Idee, die sich in der Schweiz im Bereich Resorts, Hotelindustrie und Wohnüberbauungen auch andernorts durchsetzt.

Ilze und Ralph Treuhardt, die Gastgeber.

Auf der Melchsee-Frutt wurde nach den Plänen des Luzerner Architekturbüros Lussi+Halter ein modernes, grosszügiges Gebäude in die spektakuläre Hochgebirgslandschaft gestellt, wobei einheimisches Holz und althergebrachte Ornamente wesentliche Akzente setzen. Stilvolle Gemütlichkeit wird hier grossgeschrieben und der rote Faden zieht sich durchs ganze Haus: Massive Eichenholzdielen, hochwertige Holzverkleidungen, schwarze Plattenböden und unterschiedliche Textilien in warmen Farben strahlen eine angenehme Geborgenheit aus. Der grösste Teil des Mobiliars wurde eigens für dieses Projekt entworfen. Die Beleuchtung hebt die Plastizität der Räume und Materialien hervor und unterstützt in jedem Raum die Stimmung. Die 58 Hotelzimmer und drei Suiten sind entweder auf die Berge oder den See ausgerichtet. Dadurch wird die atemberaubende Natur, die das höchstgelegene Viersternehaus Europas umgibt, auch im Hausinnern spür- und erlebbar. Wie auf einer «Berginsel» sollen sich die Gäste der Lodge fühlen, die auch kulinarisch auf ihre Kosten kom-

men. Die öffentlichen Räume befinden sich im Erdgeschoss, wobei der Gast die Möglichkeit hat, in zwei verschiedenen Res­ taurants zu speisen. Das «Titschli» ist den ganzen Tag geöffnet und bietet eine internationale ­Küche, leicht und modern. Gourmet-Gerichte findet man im «Stübli», gekocht wird hier traditionell und authentisch. Beide Restaurants setzen auf Frische, Natürlichkeit und wenn möglich auf regionale Produkte. Seeseitig bezaubert die Lodge mit einer grossen Terrasse und einem traumhaften Blick über das Hochplateau und den See. Stilvolle Holzbänke mit Lammfellen und kuscheligen Wolldecken laden selbst im Winter zum Verweilen ein. Wer es noch etwas gemütlicher mag, mietet sich einen Liegestuhl auf der Terrasse und lässt sich das Essen liegend servieren. Auch im hoteleigenen Frutt Spa steht alles im Zeichen der Natur, viel Holz strahlt Wärme und Behaglichkeit aus. Auf 900 m2 erschliessen sich dem Besucher finnische Sauna, Sanarium, Dampfbad, Kneippbecken, Gletscherspalte, Erlebnisduschen, Ruhe- und Behandlungsräume sowie eine Spa-Suite mit Dampfbad, Sauna, Dusche, Sprudelbad und Ruhefläche. In dieser Wohlfühloase fällt es niemandem schwer, den stressigen Alltag abzulegen. Und wer abends im Zimmer die Vorhänge offen lässt, der geniesst bei klarem Wetter einen fantastischen Blick in den Nachthimmel wie im Planetarium. Ganz nach dem Motto des Hauses: ... den Sternen so nah! www.fruttlodge.ch

Bilder: fruttlodge.ch

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Nira Alpina

Made for Originals text Angela Pietzsch Glamour, Prunk und alter Charme: Wer an Hotels im Engadin denkt, sieht Grand Hotels mit Hunderten von Betten vor sich. Das Nira Alpina Switzerland in Silvaplana-Surlej beweist, dass es auch anders geht. Das LuxusBoutiquehotel ist stylisch, gemütlich und auch kulinarisch eine Entdeckung.

Die Dame ist tätowiert. Von oben bis unten. Und sie räkelt sich leicht bekleidet auf dem Sofa. Zwar nicht in Lebensgrösse, aber immerhin auf einem recht grossen Bild. Während vor den Panoramafenstern einer dieser unvergesslichen Engadiner Sonnenuntergänge stattfindet, bleibt der Blick an dem Foto von Frank Dursthoff hängen, dessen Arbeiten die Zimmer und Suiten des Nira Alpina Switzerland zieren. Lifestyle, Kunst und Design in entspannter Atmosphäre – all dies möchte das zur vergangenen Wintersaison eröff­ nete Boutique-Hotel unter einen Hut bringen. Die öffentlich zugänglichen Räume

Nira Alpina Spa – Jungbrunnen für Körper und Geist.

schmücken momentan Fotos von Amedeo Turello, alles Werke aus seinem Buch «10 Years Celebrating Women». Gegenüber der Rezeption leuchtet ein mannshohes Pferd mit Lampenschirm auf dem Kopf den Gästen den Weg, und Schaf- sowie Kuh­ felle, Hirschgeweihe und viel Holz verzaubern mit ebenso heimeligem wie modernem Schweizer Chaletcharme.

Einziges Design Hotel™ im Engadin Kein Wunder, das Nira Alpina ist Mitglied bei Design Hotels™. «Das ist der einzige Zusammenschluss, der für uns sinnvoll ist», sagt Stefanie Fischer, die in Silvaplana für Marketing und Presse zuständig ist. Der Verbund nimmt Hotels auf, die «Made by Originals» sind, also von risikobereiten Ästheten eröffnet wurden. Bei dem einzigen Engadiner Mitglied ist es Manvinder Puri, der als CEO von Nira Hotels & Resorts hinter dem Schweizer Projekt steht. Als Nira Hotels & Resorts das Haus am Fusse des Corvatsch 2011 übernommen hat, waren es die Details, die Manvinder Puri ergänzt hat.

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So ziert jetzt ein holzvertäfelter Kühlschrank die hauseigene Bäckerei und an den Wänden sind Regale installiert, die mit allerlei Krimskrams Lust aufs Backen machen. Die Stühle im Restaurant Stars bekamen neue Bezüge, und das eine oder andere leicht provokante Werk fand seinen Weg in die ­Bibliothek. Ausserdem entstand die Idee der Fotoausstellungen. Mit diesen Details will sich das Nira Alpina abheben von den grossen Grand Hotels des Engadins, möchte eine andere Gästeklientel ins Tal locken.

Sterne für das Stars Auch beim Essen geht Nira im Engadin neue Wege. Hierfür zeichnet Chefkoch Marek Wildenhain verantwortlich, der zuvor im Hotel Castell in Zuoz bewiesen hat, wie inspirierend Kunst und Lifestyle auf einen Koch wirken können. Im Nira Alpina vereint er traditionelle europäische Küche mit asiatischen Einflüssen. Das Ergebnis: zum Beispiel Schweinebauch mit Süssholz und Zitronengras oder Reh-Tataki mit Blaubeeren und Soja-Rosmarin-Sauce. Exquisite Alkoholika oder Tees von der Chiemgauer Teemanufaktur Bioteaque nimmt man später in der Bar und Lounge The Bar at Stars zu sich. Wenn sich hier die Sonne vom Tag verabschiedet, bleibt die Zeit plötzlich stehen. Vergessen sind die tätowierten Damen, die anstrengende Biketour und auch das leckere Essen. Während das Kaminfeuer prasselt und sich das Schaffell sanft an den Rücken kuschelt, zählt nur noch der Augenblick. www.niraalpina.ch


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rubrik

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Die Weisen der Wüste Was man in Europa von mittelalterlichen Burgen kennt, hat auch in der Wüste des Mittleren Ostens eine lange Tradition: die Arbeit mit Greifvögeln. Der Südafrikaner Pete Bergh hat mit seiner Falknerei in Dubai ein erfolgreiches Business aufgezogen. Text Angela Pietzsch  bilder Fotolia, Royal Shaheen Events

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ie riesigen, orangenen Augen blicken entspannt. Doch in Wahrheit ist Ollie hochkonzentriert. In wenigen Minuten hat der Wüstenuhu seinen grossen Auftritt. Als Ollie losfliegt, bekommen die Augen von Pete Berghs Gästen ungefähr die Grösse der Eulenaugen. Die Faszination Falknerei steht dem Publikum buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

«Die arabische Halbinsel ist sozusagen die Welthauptstadt der Falknerei», sagt Bergh. Die Araber halten seit 2500 Jahren Greifvögel, aber für sie ist «Falknerei kein Job, sondern ein genussvolles Hobby, bei dem man sich perfekt erholen kann». Vielleicht ist es diese Einstellung der Einheimischen, die die Falknerei des Ausländers, die den Namen Shaheen Xtreme trägt, so erfolgreich macht.

Vom Job zur Leidenschaft Bergh bezeichnet sich selbst als «animal man». Schon zu Schulzeiten spielt der Südafrikaner aus Pietermaritzburg in der Nähe von Durban Polo. Sechs Tage nach seinem Schulabschluss verlässt er seine Heimat und geht nach Simbabwe, um dort ein Jahr lang für einen wohlhabenden Farmer zu ­arbeiten. Es werden fünf Jahre daraus. 2000 kommt er nach Dubai – und bleibt.


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Pete Bergh, seit 12 Jahren in Dubai.

Im Luxushotel Al Maha Desert Resort and Spa organisiert er für die Gäste Ausritte und lernt auch die Falknerei besser kennen. «Es hat mich sofort gepackt», sagt Bergh heute. «Die Pferde haben mich nach und nach immer weniger interessiert.» Die Arbeit mit Greifvögeln kennt der 34-Jährige aus Südafrika: «Freunde von mir hatten Vögel, aber ich habe selbst nie einen auf dem Arm gehalten.» Ausserdem schrecken ihn damals der enorme Zeitaufwand und die Regulierungen, die sein Heimatland den Falknern auferlegt, ab. In Dubai hingegen lernt Bergh das Handwerk von der Pike auf. Er wechselt den Job und steigt ins Vogelabwehr-Business eines Bekannten ein. Mit Falken und anderen Greifvögeln vertreiben sie unliebsame Tauben aus der Innenstadt von Dubai. «Ich bin damals mit den Vögeln auf dem Arm durch die Stadt gelaufen», erzählt Bergh. «Und alle paar Meter hat mich ein Tourist angesprochen.» Schnell ist ihm klar: «Die Leute wollten die Tiere sehen.» Damals gibt es in Dubai keine Möglichkeit, Greifvögel aus nächster Nähe zu betrachten, eine Falknerei mit regelmässigen Vorführungen klingt nach einer guten Geschäftsidee. Der erfahrene Partner hat kein Interesse, weshalb Bergh sich alleine daran macht, seinen Traum umzusetzen.

Erfolg durch Mut zum Risiko Der erste Geschäftsversuch schlägt fehl, Bergh meldet Insolvenz an. Das zweite Mal geht alles gut, heute zeigt die vierköpfige Crew von Shaheen Xtreme ihre Vögel zum Beispiel im Dubai Desert Conservation Reserve, dem ersten Nationalpark der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Shows ­ziehen hier momentan 200 bis 600 Touristen täglich in ihren Bann, manchmal sind Gruppen mit bis zu 1000 Besuchern vor Ort. Darüber hinaus gibt es Shows im ­Banyantree Al Wadi Resort in Ras Al Khaimah. Dies ist auch die einzige Falknerei im Mittleren Osten, in der Gäste einen zweitägigen Falknerei-Kurs belegen können. Auf Sir Baniyas Island, die zum Abu Dhabi Emirat gehört, kümmert sich Shaheen ­Xtreme zudem um die Vogelabwehr. Obwohl Bergh plant, in naher Zukunft in Dubai zu expandieren, soll das Business im Mittleren Osten in erster Linie eine andere Idee finanzieren. Eines Tages möchte der Falkner seine Vögel doch noch in Afrika fliegen lassen: Er träumt von einer exklusiven, afrikanischen Falken-Safari unter höchst professionellen und realistischen Bedingungen, bei der die Vögel eben keinen künstlichen Ködern hinterherjagen. Doch bis dahin gehört der grosse Auftritt Ollie, dem Wüstenuhu. Ebenso galant, wie er in den arabischen Abendhimmel geflo-

gen ist, landet er wieder auf Berghs Arm. Dabei macht er kaum ein Geräusch, weil der Wind durch seine Federn streichen kann. Und einen Augenblick lang scheint es, als könne er wissend in die Zukunft schauen. ■

Infos zu Dubai Anreise Zum Beispiel mit Emirates zweimal ­täglich ab Zürich und einmal täglich ab Genf mit Maschinen des Typs Boeing 777 nach Dubai. www.emirates.com

Veranstalter Hotels und Infos zu Gruppenreisen nach Dubai und in die gesamten Vereinigten Arabischen Emirate. www.holidaymaker.ch Stop-Over können auch direkt über ­Emirates gebucht werden. Passagiere profitieren von vergünstigten Hotelraten sowie Rabatten bei vielen Attraktionen. Buchung unter Telefon 0844 111 555

Falknerei Infos über die Falknerei von Pete Bergh www.shaheenxtreme.com


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leben

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Heisser Favorit Er ist die andere Möglichkeit, am Strand und im Wasser eine gute Figur zu machen: der Monokini. Dem exzentrischen Textil und aktuellen Liebling der Stars steht ein grosser Sommer bevor. Text Marie Dové  bilder Fotolia

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r ist ein Zwitterwesen, ein modischer Hybrid: Weder zweigeteilt offen wie der Bikini noch aus ­einem Stück geschlossen wie der Badeanzug. Er ist die dritte Option für den stilvollen Auftritt am Strand und in der Badi. Und seit ein paar Jahren jeden Frühling der Geheimfavorit für den kommenden Sommertrend. Doch dieses Jahr sieht es so gut aus wie noch nie für ein eigentliches Comeback des Monokinis. Modebeobachter haben ihn in den letzten Wochen in einer nie dagewesenen Häufigkeit an prominenter Anatomie gesichtet – was darauf schlies-

sen lässt, dass das exzentrische Textil mit Beginn der Badesaison auch viele nicht berühmte Körper zieren wird. «Frauen, vergesst den Bikini!», schreibt die OnlinePlattform Sodahead – «Der Bademodetrend 2012 heisst: Monokini.» Gewährsfrauen dafür sind unter anderen die Berühmt­ heiten Rihanna, Kim Kardashain, Sarah Hyland und Paris Hilton, die kürzlich auf ­Hawaii oder an Karibikdestinationen entsprechend bekleidet von Paparazzi abgelichtet worden sind. Im Rahmen dieses Trendphänomens erweist sich insbesondere Sängerin ­Rihanna als leidenschaftliche Anhängerin, als

­ entorin gewissermassen, des eleganten M Bade­kleides. Von einem Yachtausflug nach Hawaii twitterte sie selbstgeschossene Bilder an ihre 12 Millionen Followers, die sie in einem silberfarbenen Monokini ­zeigen, von vorne wie von ­hinten. Kein Wunder, schaffte es der Monokini mit ­dieser Social-Media-Promo­tionsbombe im Nu in die Trendblogs des Netzes.

Formenvielfalt, unbestrittene ästhetische Qualität Man mag von Celebrity-Trends halten, was man will – die ästhetische Qualität des Monokinis und seine Bedeutung in der


leben

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Modegeschichte sind unbestritten. Und ein Liebling der Designer ist der Monokini, auch Cut-out-Badeanzug genannt, ohnehin: wegen seiner Formenvielfalt, die mal die Hüfte, mal den Bauch, mal den Rücken, mal das Décolleté der Frau ins Blickfeld rückt. Natürlich hat der Monokini auch Feinde, Leute, die geistig zu wenig beweglich sind, um seine Designvarianz schätzen zu können. Oder Leute, die ihm vorwerfen, eine regelmässige Bräune zu verunmöglichen, so geschehen in der Stilsek­ tion der «NZZ am Sonntag» Mitte April. Was soll man dazu sagen? Womöglich: Es lohnt sich nicht, mit Leuten zu diskutieren, die sich der Bräunung wegen an die Sonne l­egen.

Ein gescheiterter Sozialrevolutionär Erfunden wurde der Monokini Mitte der 1960er-Jahre vom Österreicher Rudi Gernreich. 1963 prognostizierte Gernreich in ­einem Interview mit der Modezeitschrift

«Woman’s Wear Daily» kühn, dass die Amerikanerinnen in den nächsten fünf Jahren im Zuge der allgemeinen gesellschaftlichen Liberalisierung auf ihr Bikinioberteil verzichten würden, dass sich bei den Frauen der Oben-ohne-Trend durchsetzen würde. 1964 präsentierte Gernreich zum ersten Mal einen Monokini, das Textil zu seiner Theorie; einen Ur-Monokini, der den Blick auf den Busen der Trägerin freigab. Die Kreation war bloss als PR-Gag gedacht, doch über Nacht erhielt Gernreich 1000 Bestellungen und gab den Monokini zur Produktion frei. Als Topless-Stück konnte sich der ­Monokini nicht etablieren, ausser – wir ­sehen ihn vor unserem geistigen Auge – beim Komiker Sacha Baron Cohen. Die massentaugliche, moderne Variante entstand in den Siebzigern. Sie bedeckt die Brüste der Frau und ironischerweise ­verhüllt der Monokini in seiner heutigen Form mit Oberteil mehr als die meisten ­Bikinis. Aber gerade deshalb wird

Die ästhetische Qualität des Monokinis ist unumstritten.

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der ­gescheiterte und zurückgebundene ­Sozialrevolutionär von vielen Frauen geschätzt: weil er im Gegensatz zum Bikini das eine oder andere Problemzönchen ­diskret v­ ersteckt. ■

Mehr Artikel finden Sie unter www.clack.ch


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genuss

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FRAUENZAUBER AUS DER BÜNDNER HERRSCHAFT Annatina Pelizzatti und Irene Grünenfelder aus Jenins sowie Carina Lipp-Kunz aus Maienfeld sorgen für zauberhafte Weine. Die drei Winzerinnen haben in der einstigen Männerdomäne eines gemeinsam: Sie sind Quereinsteigerinnen; das Schicksal hat sie zum Weinbau gebracht. Text RETO E. WILD 

Irene Grünenfelder: «Frauenweine werden als feiner, gradliniger, harmonischer und sinnlicher erkannt.»

A

nnatina Pelizzatti (39) absolvierte eine Berufslehre bei der Post. Es war nicht ihr Wunsch, Winzerin zu werden. Doch 1997 verunglückte ihr Mann tödlich, und sie übernahm den elterlichen Betrieb. Carina Lipp-Kunz (34) ist in einer Winzerfamilie im Heididorf Maienfeld aufgewachsen, bildete sich aber nach der KV-Lehre zur Tourismusfachfrau in Samedan weiter.

Nach zwei Schicksalsschlägen musste Carina Lipp-Kunz die Verantwortung im Betrieb über Nacht übernehmen.

2002 verunglückte ihr jüngerer Bruder in den Bergen. Er liebte alles, was mit Reben und Wein zu tun hatte. Geplant war, dass sie an der Seite ihres Vaters langsam in die neue Aufgabe hineinwachsen sollte. Doch im Herbst 2005, zwei Wochen vor der Ernte, folgte der zweite Schicksalsschlag: Der Vater von Carina verunfallte und lag auf der Intensivstation. Nun musste sie von ­einem Tag auf den anderen

die gesamte Verantwortung im Wein- und Destillate­betrieb übernehmen.

Von der Dôle-Blanche-Trinkerin zur Vorzeigewinzerin Auch Irene Grünenfelder (48) hatte anfangs kaum einen Bezug zum Wein. Die Familie ihres Ehemanns besass zwar Land. Das war aber nicht bepflanzt und bestand nur aus einem alten, leeren Stall. Sie studierte in


genuss

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Bern und Zürich neuere Geschichte und Politologie und wurde Primarlehrerin. Eines Tages genoss sie, die sich selbst als frühere Dôle-Blanche-Trinkerin bezeichnet, im Burgund einen Wein. Dieser beeindruckte sie so sehr, dass sie sich sagte: «Das will ich auch machen.» 1993 setzte sie die ersten Reben, 1995 produzierte die Vorzeigewin­ zerin ihren ersten gelungenen Wein und musste sich dabei das Handwerk von Grund auf aneignen. Dabei machte sie auch Fehler. Ihr Grösster: Sie leerte versehentlich 1000 Liter Maische, die Arbeit eines ganzen Jahres, auf dem Boden aus. Heute keltert sie auf 5 Hektar jährlich rund 20 000 Flaschen. 85 Prozent davon stellen ihre grad­ linigen, filigranen Pinot Noirs, der Rest Sauvignon Blanc und seit 2008 Chardonnay. Annatina Pelizzatti, die mit ihren beiden Töchtern im alten Dorfteil von Jenins in einem ehemaligen Bauernhaus lebt, produziert ähnliche Mengen: auf 3 Hektar gegen 20 000 Flaschen, wobei die Reben im Schnitt 30-jährig sind. 80 Prozent bestehen aus Blauburgunder, der Rest aus Char­ donnay, Weissburgunder und Merlot. Ihre ­Philosophie: «Im Rebberg gut arbeiten, die Trauben gesund nach Hause nehmen und im Keller die Trauben so belassen, wie sie sind und nicht mit Gärmethoden verändern.» So entstehen Weine mit Charakter, mit Ecken und Kanten. Carina Lipp-Kunz produziert auf 2 Hektar rund 10 000 Flaschen, ebenfalls vor allem Pinot Noir, wenig Chardonnay und alle zwei, drei Jahre einen Schaumwein. «Davon kann man nicht leben. Aber wir haben zudem eine Brennerei mit Destillaten von 40 verschiedenen Produkten aus Graubünden», sagt sie, die am 2. Februar 2012 ­Mutter von Gian-Marco wurde. Auf jeder ­Weinflasche markiert sie ihre Handschrift. So steht auf dem «Sélection 2010» (siehe Kästchen) «Zeit. Lebensfreude. Liebe.» «Ich habe damit 10 000mal die Chance, dem Weintrinker eine Botschaft mitzu­ geben», begründet die Maienfelder Winzerin. Ihr Barriquewein stammt vom Saft 40-jähriger Reben, «die meine Nana gepflanzt hat. Zwei Generationen später kann ich die Trauben auf ihrem Höhepunkt

nutzen». Wie Pelizzatti vinifiziert Carina Lipp-Kunz möglichst mit wenigen Ein­ griffen. «Vielleicht ist das auch weiblich, wenn ich mich gegen eine Computer gesteuerte Gärkühlung entscheide. Ich arbeite lieber von Hand. Dann bin ich näher bei der Materie», sagt die Mutter, die Mitglied bei «Junge Schweiz – neue Winzer» ist.

Frauenweine sind sinnlicher und harmonischer Sind Frauen die besseren Winzer? Dieser Frage ist Irene Grünenfelder, nunmehr Absolventin der berühmten Weinakadamie Rust am Neusiedlersee, nachgegangen. Sie liess fünf Weine aus dem Burgund und fünf aus Graubünden – darunter Tropfen von mehreren Winzerinnen – blind verkosten. Die Testpersonen mussten sagen, welches die Frauenweine sind. «Diese wurden erkannt. Frauenweine wurden als feiner, gradliniger, harmonischer, sinnlicher, fehlerfreier und weniger tanninhaltig beurteilt», bilanziert Grünenfelder, die selbst fordernde, lebendige Weine mit Finessen liebt – und auch solche produziert. Deswegen zu behaupten, die Frauen seien die besseren Winzer, sei jedoch falsch. «Dass wir drei Winzerinnen wurden, ist purer ­Zufall. Niemand von uns absolvierte eine klassische Winzerlehre.» Annatina Pelizzatti, die sich mit Irene Grünenfelder auch privat sehr gut versteht, teilt deren Meinung: «Frauen sind nicht einfach die besseren Winzer. Viele Männer arbeiten mithilfe von Frauen und umgekehrt.» Ihre Pinot-Noir-Reben werden älter und nur besser, ist sie überzeugt. Auf diese ­Rebensorte möchte sie sich auch in Zukunft konzentrieren – genauso wie Irene Grünenfelder. «Ich möchte für noch mehr Authentizität und Komplexität sorgen. In Blinddegustationen können wir meist noch nicht erkennen, dass unsere Weine aus ­Jenins sind», räumt sie ein. Die Zukunft ihres Weinguts Eichholz scheint gesichert: Ihr 18-jähriger Sohn Johannes befindet sich im zweiten Winzerlehrjahr. Seine Mutter prognostiziert: «Bis er den Betrieb übernimmt, wird es jedoch noch ein paar Jahre gehen. So schnell gebe ich nicht auf …»■

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WEINE AUS DER BÜNDNER HERRSCHAFT ZU SPARGELN, FRÜHLINGSROLLEN ODER POULET

Die Dörfer Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans bilden die Bündner Herrschaft, die mit 400 Hektar das grösste Weinbaugebiet Graubündens stellt. Das teilen sich ganze 300 Weinproduzenten. Nur 60 davon leben vom Weinbau. Die Herrschaft zählt zu den wärmsten Weinregionen der Deutschschweiz. Das milde Klima, der Föhn und die kalkreichen Böden behagen den Rebstöcken. Wir haben folgende ­Weine degustiert: Edel Weiss 2011 von Carina Lipp-Kunz aus Maienfeld, 13,5% ­Alkohol (mit Kunststoffkorken), 18 Franken/Bewertung 15 Punkte: Weiss­ wein, zu 100 Prozent aus Blauburgundersaft, mit hellem Lachsrot, zurückhaltender Duft, spritzig, frisch, mit einer leicht rauchigen Note, dezente Säure. Leichter Wein zum Apéro oder um den Sommerabend ausklingen zu lassen. Warum nicht auch zu Poulet oder Bratwurst? Sélection 2010 von Carina Lipp-Kunz aus Maienfeld, 13% Alkohol, 25 Franken/16,5 Punkte: 100% Pinot Noir, während zehn Monaten im Barrique gereift, mitteldunkles Rubinrot, wirkt jugendlich, fruchtig, leichtfüssig und hat die für den Pinot typischen Beerenaromen. Passt wunderbar zu Bündnerfleisch, Wildgerichten oder Käse. www.kunz-keller.ch

Sauvignon 2011 von Irene Grünenfelder aus Jenins: 13,5% Alkohol, 28 Franken/17 Punkte: Hellgelber, kräftiger Sauvignon Blanc mit erfrischenden Cassis- und Holunderblütenaromen. Idealer Begleiter für ­lauwarme Spargel an einer Vinaigrette oder Fisch. Frühlingsrollen, Krevetten oder Meersfrüchte sorgen für einen ­exotischen Mix. Eichholz 2010 von Irene Grünenfelder aus Jenins: 13,5% Alkohol, 45 Franken/18 Punkte: 100% Pinot Noir, mitteldunkles Rubinrot, elegant und doch kräftig, fleischig, ­Himbeernote, leicht mineralisch, über­ raschend langer Abgang. Stellt so manchen Burgunder in den Schatten. Perfekt zu rotem Fleisch oder Käseplatten. info@weinguteichholz.ch


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Vernunft und Unvernunft harmonisch vereint Clooney fährt einen, Di Caprio ebenso, und auch Justin Bieber ist überzeugt, mit dem Kauf eines Tesla einen Beitrag zur Verbesserung der (Um-)Welt geleistet zu haben. Ein Supersport­wagen für umweltbewusste Menschen? Geht das zusammen? Text Markus Weber  bilder Tesla

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ine typisch europäische Frage!», würden die TeslaIngenieure aus Palo Alto wohl sagen. Freude, Unbeschwertheit, Genuss und Spass am ­Autofahren gehören schliesslich genauso zum kalifornischen Lebensgefühl wie die Luft zum Atmen. Und da zählen die vom Bundesstaat Kalifornien geförderten Bemühungen um den Klima- und Umweltschutz ganz natürlich dazu. Dass aber ausgerechnet amerikanische Ingenieure einen absolut fahrtauglichen

Roadster mit 100 Prozent elektrischem ­Antrieb auf den Markt bringen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, haben sich die USA bis anhin doch nicht gerade wegen ihres umweltschonenden Umgangs mit Res­sourcen profiliert. Freilich, Silicon ­Valley steht nicht für ganz Amerika. Und wo ­Apple und Microsoft zu Hause sind, ­gehören inno­vative Produkte schon fast zur Tages­ordnung. Tesla rechnet ein für alle Mal ab mit dem Image der hässlichen Elektro-Klapperkisten, die über Jahrzehnte hinweg an

überdachte Rollstühle statt an moderne Fahrzeuge erinnert haben. Die Ingenieure in Palo Alto haben begriffen, dass ein Auto in erster Linie schön sein muss, damit es gekauft wird. Den kalifornischen Cracks hat es jedenfalls nicht genügt, «nur» den Beweis zu erbringen, dass sie technisch in der Lage sind, ein strassentaugliches Elektroauto zu bauen. Im Blick auf die nötige Aufmerksamkeit und die erfolgreiche Vermarktung war ihnen nur das aufregendste Design gut genug. Einen Supersportwagen mit Elektromotor hätten wir von den


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klimabewussten Ingenieuren aber dennoch nicht erwartet. Das Resultat ist atemberaubend. In Zusammenarbeit mit Lotus ist ein Wurf gelungen, der Roadster-Fans in Entzücken versetzt.

Rennwagen-Qualitäten Atemberaubend ist aber nicht nur das ­Design. Die Fahrleistungen sind es ebenso. Die Porsches und Ferraris dieser Welt ­können einem direkt leidtun. Der Tesla Roadster beschleunigt in nur 3,7 Sekunden von 0 auf 97 km/h und lässt damit die meisten Konkurrenten locker hinter sich. Beim sagenhaften Drehmoment des Elektro­ motors (400 Nm) wird die höhere Effi­zienz im Vergleich mit Verbrennungs­motoren besonders deutlich spürbar. Der Wirkungsgrad beträgt beim Elektromotor 80 gegenüber 30 Prozent bei einem herkömmlichen Antrieb. Allein darin liegt schon ein erhebliches Sparpotential. Wer mit einem Tesla unterwegs ist, denkt aber wohl erst in zweiter Linie ans Sparen. Die Wucht der Beschleunigung, die Strassenlage in engen Kurven, das gesamte Fahrverhalten lassen den Wunsch aufkommen, die ­verfügbaren 288 Pferde auf einer Rennstrecke galoppieren zu lassen. Wenn der Tesla kein Rennauto ist, was sonst? Und dazu noch ein absolut umweltfreundliches!

Der Einstieg in das tief liegende Auto ist eine Herausforderung.

Der Tesla in Zürich: Für Aufmerksamkeit ist gesorgt.

Auf die Stromerzeugung kommt es an Freilich. Auch der Tesla Roadster ist kein Zero-Emission-Auto. Für die Bilanz der Treibhausgasemissionen ist die Quelle des «getankten» Stroms entscheidend. Im Gegensatz zu Deutschland beispielsweise, wo der Einsatz von Steinkohle zur Stromerzeugung dafür verantwortlich ist, dass die Nutzung von Elektro- gegenüber Verbrennungsmotoren eher zu einer Steigerung des CO2-Ausstosses führt, ist es in der Schweiz dank der relativ CO2-armen Stromproduktion durchaus sinnvoll, auf Elektromotoren zu setzen. Der Roadster von Tesla hat in der Schweiz denn auch bereits eine erstaunlich grosse Zahl an Anhängern gefunden. Schon 130 Exemplare sind auf einheimischen Strassen unterwegs. Dies bedeutet die weltweit grösste Dichte an Tesla-Fahrzeugen. Von den bisher 2500 gebauten Fahrzeugen wurden bereits über 90 Prozent verkauft. Im nächsten Jahr wird das Modell S auf den Markt kommen. Im Design dem Audi A5 sowie dem Jaguar XF nicht unähnlich und preislich im Gegensatz zum Roadster hochattraktiv, wird es den Elektrofahrzeug-Markt noch einmal kräftig aufmischen. ■

Tesla Roadster Motor Luftgekühlter 375-VoltWechselstrom-­Induktionsmotor Gewicht: 50 kg 288 PS, 400 Nm Drehmoment Max. 14 000 U/min. Batterie Lithium-Ionen-Zellen-Batterie mit einer Speicherkapazität von 56 kWh. Die Batterie kann an jeder 120- oder 240-Volt-Steckdose aufgeladen werden. Reichweite: 340 Kilometer. Fahrleistungen Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h 0 bis 97 km/h in 3,7 Sekunden Verbrauch/Kosten Verbrauch: 15 bis 20 kWh pro 100 Kilometer. Die kWh kostet in der Schweiz zwischen 12 und 17 Rappen, je nach Tageszeit und Strommix. Eine Vollladung kostet ­damit um die 10–12 Franken (also 2–3 Franken pro 100 km). Preis des Fahrzeuges Base: CHF 118 300.– Sport: CHF 142 200.–


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kolumne

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ich packe meinen koffer … «artundreise» fragt Roland Zeller

Auf was ich in meinen Ferien gut verzichten kann: Nach Möglichkeit verzichte ich komplett auf eine Uhr… nur so entsteht ein zeit­ loses Gefühl der Erholung. Auf was ich in meinen Ferien auf keinen Fall verzichten kann: Ein gutes Buch, gutes Essen, spannende Diskussionen und planlose Tage, die meist für viele Überraschungen gut sind.

Den Sommer verbringe ich am liebsten … Obschon ich den Süden im Frühling und Herbst sehr mag, zieht es mich im Sommer seit Jahren in den Norden. Schweden, Finnland oder auch das Bal­ tikum mit seinen ewig langen, hellen ­Sommerabenden sind einfach herrlich! Den Winter verbringe ich am ­liebsten … Thailand oder Argentinien sind hier erste Wahl … aber auch ein Weekend in unseren schönen Schweizer Bergen ist nicht zu verachten. Wohin geht Ihre nächste Ferienreise? Nachdem ich letztes Jahr zwei Monate in den baltischen Staaten verbracht habe, steht in diesem Jahr eine gemütliche Südschweden-Reise an … Aber leider nur eine Woche! Ihr liebstes Reiseland? Wenn man mit offenen Augen durch die Welt läuft, gibt es viel zu entdecken … was eigentlich überall sein kann! Am meisten mag ich eine Mischung von ­Kultur, Menschen, Entdeckungen, Kuli­ narik und Dolce-far-niente!

Was war Ihre weiteste Reise? Von den Kilometern her sicher Aus­tralien. Vom Gefühl her in der kanadischen ­Wildnis, weit entfernt von Handyempfang und Zivilisation. Wo ich schon immer mal hin wollte: Südafrika und Namibia stehen bei mir schon seit Jahren auf der Liste, aber ich habe es leider bisher noch nicht dorthin geschafft. Was ist für Sie ein gutes Hotel? Zwangloser «Understatement-Luxus», wo das Personal den kleinen, aber feinen Unterschied macht.

Roland Zeller ist Managing Director des Reise­ portals travel.ch, welches er vom Einmann­betrieb zum international tätigen Unternehmen mit fünfzig Mitarbeitern und Büros in Zürich, Wien, Stockholm und Berlin ausgebaut hat. ­Roland Zeller lebte während anderthalb Jahren in Schweden und ist ein grosser Nordland-­Liebhaber. Er reist sehr gerne, mag Rock-­Konzerte und ist ein leiden­ schaftlicher YB-Fan. Er wohnt seit 20 Jahren in ­Zürich und ist Vater von einer 16-jährigen Tochter sowie einem 17-jährigen Sohn.

Würden Sie auch campen? Warum nicht? Wenn das Wetter stimmt, kann das sehr schön sein! Wie reisen Sie am liebsten? Per Flugzeug, Auto, Bahn, zu Fuss oder mit dem Schiff? Jede Fortbewegungsart hat seinen Reiz. Am besten gefallen mir Kombina­ tionen, wie während einer kürzlichen ­Reise nach Norwegen, wo wir sämtliche Reisemittel in einer Woche benutzt ­haben.

Als Urlaubslektüre empfehle ich: Am liebsten mag ich Romane mit einem Bezug zum Reiseland. Zu meinen ­Favoriten gehören zum Beispiel die ­«Maria-Kallio-Krimis», die in Helsinki spielen. Liest man diese vor Ort, im Hafen der finnischen Hauptstadt, ist man nicht nur dabei, sondern mittendrin!


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nden Von überwältige der Gefühlen und nd Gefahr, den Versta zu verlieren

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Uhr 23.3.2012 15:17:27

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artundreise Juni 2012  

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