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Ganges kreuzfahrt guide 2016

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Vom Zauber Indiens DER GANGES

Magie und Mythen prägen die Ufer des heiligsten aller Ströme, den sie in Indien Ganga Mata nennen: die göttliche Mutter Ganges. 162

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Zu Landgängen muss die Rajmahal auch schon mal über Pontons verlassen werden. Solche Abenteuer wechseln sich mit Mußestunden auf dem Sonnendeck ab, das mit Korbsesseln möbliert ist.

Das Abenteuer Ganges

relle Sonne, Hitze, Chaos und Wunderwelten im Großstadt-Dschungel von Varanasi, der Stadt, die früher in Europa als Benares bekannt war. Der Weg zum Fluss führt durch alle Düfte, Geräusche, Gerüche, Farben und Bilder Indiens, so anziehend wie abstoßend, so anarchisch wie letztlich doch funktionierend. Pralle Lebenslust

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im Univiertel, Prunk und Protz im Hochzeitszug einer reichen Familie, der im aber im Verkehr stecken bleibt wie der Karren, den der zerlumpte Lastenträger zieht. Motorrikschas weichen dösenden Kühen aus, überladene Lastwagen scheuchen Radfahrer an die Seite, Filmmusik aus Bollywood überschallt einen Straßenmarkt, Krüppel schleppen sich von einer Ecke zur anderen; es ist laut, staubig und stinkend, es ist Indien, wie es 164

tobt, singt, lacht - und von Tag zu Tag überlebt, ewig schon. Ein paar Schritte weiter, an den Verbrennungsplätzen, lodern die Feuer der Scheiterhaufen, singen Priester ihre Mantras, waschen sich Tausende und Abertausende frommer Hindupilger im brackigen Wasser des göttlichen Flusses ihre Sünden von Leib und Seele, beten Junge, Alte, Kerngesunde und Sterbende im Angesicht dieses Ortes tiefster religiöser Vereh-

rung, so unbegreiflich wie faszinierend. Kein anderes Land bietet schärfere, schmerzhaftere Kontraste als Indien, dieser unfassbarere Subkontinent. Kein anderer Fluss auf der Welt mutet dem Reisenden mehr magische Momente zu, mehr Wechselbäder der Gefühle, als der große, heilige Ganges auf seiner 2.600 Kilometer Reise von den eisigen Höhen des Himalaya zum Delta am Golf von Bengalen. Und keine andere Reiseform stellt sich dieser Herausforderung an alle Sinne so direkt und zugleich so behutsam wie eine Reise mit einem Flussdampfer. Einstieg in Patna. Von hier führt die Route bis Kalkutta, der

Auch ein Beiboot bringt die Ausflügler an Land. Kapitän und Lotse im Nebel. Die Landgänger werden mit Erfrischungen begrüßt.

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vielfach verkannten Stadt, die heute offiziell Kolkata heißt. Im Fluss vor der wuseligen Metropole des Bundesstaates Bihar, im Altertum die historische Hauptstadt des mächtigen Maurya-Reiches, liegt unser Schiff vor Anker. Ein Beiboot, das uns in den nächsten Tagen zu Ausflügen an die lehmigen Ufer bringen wird, tuckert zwischen Sandbänken hindurch zum schwimmenden Königspalast, dies die Bedeutung des Schiffsnamens Rajmahal. Gracy und Song Song, zwei Schwestern aus dem fernen Nagaland, die wir in den nächsten Tagen als Kellnerinnen und gute Feen schätzen lernen, begrüßen uns mit gefalteten Händen. Mit schüchternem Lächeln reichen sie den Gästen


feuchte Tücher und einen frisch gepressten Mangosaft. Kunal Singh, Cruise Director und Chefreiseleiter, stellt am Nachmittag im Salon Schiff und Besatzung vor. Knapp dreißig gute Geister umsorgen achtsam und effizient die Passagiere, gerade mal zwanzig reisen diesmal mit. Von Kapitän Biswajit Sarkar über Abdul Aziz, den Lotsen, bis hin zu Moti und Pappu, den WäschereiJungen, strahlen sie allesamt Ruhe und Verlässlichkeit aus. Der Salon

erinnert an einen anglo-indischen Club aus der Kolonialzeit, wie man ihn aus vielen Indienfilmen kennt. Er ist, wie alle öffentlichen Räume und die Kabinen, mit historischen Bildmotiven dekoriert und mit Sesseln und Rattanstühlen nostalgisch möbliert. So angenehm das Ambiente, so familiär und sympathisch die Atmosphäre. Es ist ein hochgradig komfortables, aber kein luxuriöses Schiff. Dieser Stil gefällt einem interessierten, jedenfalls neugierigen

Publikum aus allen Teilen der Welt. Dazu passt der legere Dresscode zu allen Tageszeiten. Kunal Singh, der kluge Kopf, ein Herr und kein Diener – ein Gast nennt ihn Mr. Google, weil er keine Antwort schuldig bleibt –, organisiert mit leiser Stimme und ruhiger Hand die Aktivitäten an Bord und an Land. Zu den Mahlzeiten im hellen Restaurant, mit Fenstern zu beiden Seiten, finden sich schnell kleine Tischgruppen zusammen,

nach Herkunft, Interessen oder Sprachen besetzt. Auf dem Buffet dampfen und köcheln abwechselnd indische, chinesische, internationale Gerichte. Chefkoch Nantu spricht, wie einige andere Mitglieder der Crew, gutes Englisch, ansonsten lässt es sich mit Lächeln und freundlichen Gesten kommunizieren. Nachmittags auf dem Sonnendeck: Man döst in Korbstühlen vor sich hin, leiht sich von Zeit zu Zeit von Prabir ein Fernglas und schaut Störchen, Reihern, Eisvögeln oder einem Ibis hinterher. Prabir ist der Ranger vom Dienst, er kennt jedes Gefieder, jeden Busch. Auch der Fluss lebt: Männer staken Fähren von einem zum anderen Ufer. Kinder winken, Frauen waschen sich und ihre Wäsche, Ochsenkarren rumpeln Dörfern im Irgendwo entgegen. Die Teatime geht in die Blaue Stunde über, der Cocktail des Tages heißt Blue Hope, nach einem der legendärsten Diamanten aus diesem Land. Wir ankern vor einem Hindutempel, keine hundert Meter entfernt lodern Scheiterhaufen, die Flammen spiegeln sich im Ganges. Wir schauen über die Reling wie auf ein inszeniertes Spektakel. Ist das dekadent ? Nein, das ist Indien, die Menschen staunen zu uns herüber wie wir zu ihnen. Auch Kunal Singh beruhigt die Zweifler und versucht am Abend die Philosophie der Hin-

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Fromme Pilger und staunende Passagiere

dus zu erklären, ein schwieriges, genau genommen ein unmögliches Unterfangen. Gut 200 Flusskilometer östlich von Patna. Seit zwei Tagen wabert morgens dichter Nebel über den Strom. Er zwingt unseren schwimmenden Königspalast, bis gegen zehn Uhr morgens zum Stillstand. Und er schärft den Blick. Da schälen sich am Ufer plötzlich Frauen mit Lasten auf dem Kopf aus dem Grau. Und neben der Bordwand holen sich Delfine für ein paar Sekunden die notwendige Luft zum Atmen. Auch akustisch wird der Nebel 167

durchdrungen, von Tempeltrommeln, Kinderlachen, von geheimnisvollen Geräuschen aus der Stille und, je näher wir dem muslimisch geprägten Land der Bengalen kommen, von den Rufen der Muezzine. Szenen aus meinem Logbuch einer ebenso spannenden wie beruhigenden Flussfahrt: Morgens einen Sikh-Tempel besichtigt, freundlich aufgefordert, eine Zeremonie aus dem Hintergrund zu beobachten, in der Volksküche, die für Bedürftige aller Glaubensrichtungen offen ist, Pakoros, Ildis und andere typische Snacks pro-


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Bei Wanderungen durch die abgelegenen Dörfer des Bundesstaates Bihar war nicht immer klar, wer hier wen bestaunt. Die Passagiere wurden von der Landbevölkerung freundlich begrüßt.

Kompetent und humorvoll: Kunal Singh, Kreuzfahrt-Direktor und Reiseleiter (oben), Lächeln beim Service: Geschwisterpaar aus dem Nagaland (Mitte), Chefkoch Nanut erklärt indische Spezialitäten.

biert. Zurück an Bord: frischer Guavensaft, lächelnd von den Naga-Mädchen serviert. Zum Lunch gibt es Fisch aus dem Ganges, in Öl gebackene Auberginen, Gemüse-Curry und Limonen-Joghurt, serviert als BBQ auf einer Sandbank mitten im Fluss. Einmal ankern wir neben Booten, auf denen Männer über offenem Feuer ihr Essen kochen. Ein andermal droht das Programm wieder wegen Nebels aus den Fugen zu geraten. Aber ein paar Stunden später, die Sonne hat sich längst durchgekämpft, improvisiert Mr. Google mit dem Kapitän einen Stop vor einem Dorf, das auf keiner Karte verzeichnet ist. Ländliches Leben wie aus alten Büchern, jeder von uns Passagieren ist von mindestens zwanzig Kindern umringt. Nie zuvor war hier eine Reisegruppe, versichert Kunar, der uns behutsam durchs Gewimmel führt. Immer, so kommt es uns vor, sind wir weit weg vom Taj Mahal, von den touristischen Rennstrecken Rajasthans oder Mega-Städten wie Delhi oder Mumbai. Wer 168

hat denn zuvor schon von Mokameh oder Monghyr gehört, von Sultanganj oder Vikramshila...? Orte und Szenen wie aus dem Bilderbuch des alten Indiens, Begegnungen mit Heiligen, Tänzern in Trance, mit Fischern und Bauern. Kontrastprogramm an Bord: Gestern ein kritisch-aufschlussreicher Vortrag über Politik, Kastenwesen, heilige Kühe. Heute Kochkursus mit Nantu und Jatin, alles über Currys und Gewürze, es wird begeistert mitgeschnippelt und mitgeschrieben. Morgen: Wie binde ich sieben Meter Seide zu einem gut sitzenden Sari? Und am Abend eine traditionelle Musikergruppe, die sonst durch die Dörfer tingelt. Farewell-Dinner im Maharaja-Stil: ein Dutzend Teller auf dem Buffet, Fleisch, Fisch, Gemüse, 1001 Schälchen mit Würzsaucen, eingerahmt von Kerzen und Blüten. Und morgen früh fahren wir von Farakka mit dem Zug nach Kalkutta, den Kopf und den Fotospeicher voller verwirrend-bunter Bilder, im Gepäck mehr Fragen als es jemals Antworten geben kann. (bs)

Staunen am Strom, genießen an Bord

DESTINATION GANGES

Buchen In Deutschland werden Fahrten mit der Rajmahal auf dem Ganges und sein „Anhängsel“ Hugli zwischen der heiligen Stadt Varanasi und dem Delta, auch in Etappen, z.B. zwischen Patna und Kolkata u.a. über Comtour, Lernidee-Erlebnisreisen, Phoenix-Reise und Reisefieber angeboten. Weitere Fahrten auf dem heiligen Strom sind mit der wesentlich größeren Bengal Ganges buchbar.

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comtour.de lernidee.de phoenixreisen.com reisefieber.net

Die Rajmahal ist ebenso komfortabel wie gemütlich, wurde in Kalkutta gebaut und im Frühjahr 2014 in Dienst gestellt. Sie wird von drei Maschinen mit je 400 PS angetrieben. Die 22 Doppel-Kabinen (19 m2) auf zwei Deck sind geschmackvoll eingerichtet. Alle bieten französische Balkone, individuell regulierbare AC, Minibar und gut ausgestattete Bäder. Zu den Annehmlichkeiten gehören ein gemütlicher Salon mit Bibliothek, sowie das Panorama-Deck mit Bar und Ausstattung im Kolonialstil. Die Küche ist indisch-international, abwechslungsreich und gut verträglich. Die organisierten Ausflüge werden vom mitreisenden einheimischen Guide kompetent begleitet sowie vor- und nachbereitet. Die Bordsprache ist Englisch. Die Reederei Assam Bangal Navigation, ein indisch-britisches Joint Venture, entstand 2003 aus einem Unternehmen, das Dschungeltouren, Lodges und andere naturnahe Projekte betreibt. Flussfahrten werden auf dem Brahmaputra, dem Hugli und dem Ganges angeboten. Zur Flotte gehören die Charaidew, die Sukapha und seit 2014 die Rajmahal, das feinste Schiff dieses Trios. assambengalnavigation.com

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Ganges kreuzfahrt guide 2016 by Antara Phookan - Issuu