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ASMZ 08/24

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ALLGEMEINE SCHWEIZERISCHE MILITÄRZEITSCHRIFT Herausgeber: Schweizerische Offiziersgesellschaft 190. Jahrgang Nr. 8 – August 2024

F-35

LUFTWAFFE

FRIEDENSFÖRDERUNG

Israels Luftwaffe setzt modernsten Jet für Angriff und Abwehr ein

Lichtblicke und Turbulenzen in der 110-jährigen Geschichte

Vertrauensbildung wird für die Truppe zum Spagat

Seite 22

Seiten 6 bis 21

Seite 39


EINE ERFOLGREICHE KARRIERE BEGINNT MIT DER BERUFSWAHL

Unsere Lernenden sind die Fachkräfte von morgen

ruag.ch

Für souveräne Sicherheit.


ASMZ

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Subskriptionsangebot für die ASMZ ab 2025 Geschätzte Leserinnen und Leser der ASMZ An der diesjährigen Delegiertenversammlung der SOG ist beschlossen worden, das ASMZ-Pflicht-Abo für die Mitglieder der Deutschschweizer Sektionen auf Ende dieses Jahres abzuschaffen. Eigentlich hätte dieses ab 2025 30 Franken für das rein digitale Abonnement und 45 Franken für das Kombi-Abo (Printausgabe und digitaler Zugang) betragen sollen. Vergünstigungen über ein Kollektiv-Abo … Viele Sektionen baten uns nach dieser überraschenden Abkehr vom Pflicht-Abo-Modell, eine Alternative zum alten Pflicht-Abo anzubieten. Unsere Antwort nach Pfingsten war ein interessantes Angebot von 48 Franken für die digitale Ausgabe und 58 Franken für das KombiAbo pro Jahr mit elf Ausgaben. In der ASMZ-Ausgabe vom Juni 2024 informierten wir bereits über dieses neue geplante Kollektiv-Abo. Mit diesem Kollektiv-Abo können wir im Vergleich mit den fünf grossen militärischen Zeitschriften in der Schweiz (ASMZ, RMS, RMSI, Schweizer Soldat, NAM) den günstigsten Preis pro Ausgabe anbieten. Zahlreiche Offiziersgesellschaften haben sich bereits entschieden, dieses Kollektiv-Abo für ihre Mitglieder abzuschliessen. Eine Liste dieser Sektionen und Untersektionen wird auf unserer ASMZ-Webseite (www.asmz.ch) laufend aktualisiert. ... oder eine Subskription Mit diesem Schreiben stellen wir Ihnen nun unser Subskriptionsangebot für die ASMZ vor. Dieses richtet sich an alle Mitglieder einer Offiziersgesellschaft oder deren Sektion/Unter-Sektion, die sich entschieden haben, ihren Mitgliedern die ASMZ nicht im vergünstigten Kollektivabonnement anzubieten. Die individuelle Subskription kann über das Anmeldeformular auf unserer Webseite, den in dieser ASMZ in der Heftmitte sowie der September-Nummer beigehefteten Bestellkarte (per Post zu senden) oder per E-Mail (mit Angabe der auf dem Talon aufgeführten Punkte) beim Brunner Verlag (abo@bag.ch) vorgenommen werden.

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Je länger Sie die ASMZ nun persönlich abonnieren möchten, desto höher fällt der Rabatt aus und desto günstiger wird das Abonnement für Sie. Achtung: Die Subskription läuft bis zum 30. September. Für später abgeschlossene Abonnements wird der volle Preis verrechnet. Gewährleistet bleibt, dass jedem Abonnenten die günstigste Variante verrechnet wird. Wer also beispielsweise jetzt eine Subskription vornimmt und seine Sektion schliesst erst im November ein KollektivAbo ab, dem wird der Kollektiv-Preis verrechnet. Rechnungsstellung im Januar 2025 Alle unsere Leserinnen und Leser erhalten die Ausgabe 01–02/2025 nur noch, wenn sie ein Individual-Abo ab 1. Januar 2025 abgeschlossen haben (online oder via Talon), ein bereits laufendes Individual-Abo der ASMZ besitzen oder ihre Untersektion/Sektion sich für ein Kollektiv-Abo entschieden hat und der jeweilige Kontrollführer/Kassier die Mutationen (kein Abo, nur digitales Abo, Kombi-Abo) bis Weihnachten 2024 an den Verlag gemeldet hat. Die neuen Kollektiv-Abos und die Individual-Abos werden alle im Januar 2025 verrechnet. Die ASMZ-Kommission und das Redaktionsteam sind überzeugt, dass wir mit diesen Massnahmen und den notwendigen Preisanpassungen den zu erwartenden Leserschwund möglichst klein halten können und somit den mit dem Verlag vereinbarten Abonnentenumsatz (anstelle der 12 500 Pflicht-Abonnenten) erreichen werden. Das vorhandene, zweckgebundene Vermögen der ASMZ und die neue Gönner-Gemeinschaft «Freunde der ASMZ» (eine Einladung wird mittels persönlichem Brief nach den Sommerferien verschickt und auf der ASMZ-Homepage aufgeschaltet) werden in der Lage sein, ein allfälliges Defizit tragen zu können. Gleichzeitig soll auch das altbewährte Gratis-Abo an frisch brevetierte Leutnants wieder aufleben. Zudem sollen bereits Rückstellungen vorgenommen werden, um das 200-Jahr-Jubiläum der ASMZ Ende 2033 gebührend zu würdigen. Kameradschaftliche Grüsse Oberst i Gst Thomas K. Hauser Präsident der ASMZ-Kommission der Schweizerischen Offiziersgesellschaft thauser@sog.ch

Abo-Angebote ab 2025

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Subskription 1 Jahr (Print und digital)

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Normalpreis Inland (Print/digital, wie bisher)

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Subskription 1 Jahr (nur digital)

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Kollektiv (Print und digital, über Sektion)

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58.–

Kollektiv (nur digital, über Sektion)

48 %

48.–


INHALT

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EDITORIAL 3

Thomas K. Hauser Aufruf zur Subskription

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Christian Brändli Drei Jubiläen ohne Feiern

SICHERHEITSPOLITIK Peter Müller 30 Die regelbasierte Weltordnung steht unter Druck

EINSATZ UND AUSBILDUNG

LUFTWAFFE 6

Christian Brändli 110 Jahre vergehen im Fluge: vom Morane-Saulnier zum F-35A

Christian Brändli 10 Der Austausch mit ausländischen Luftwaffen ist für den Schweizer Luftwaffenkommandanten Peter Merz zentral

Hans Peter Gubler 33 Russland will mit technischen Innovationen den Schutz seiner Panzer verbessern

13

Der F-5 Tiger tritt bald die Heimreise an

Michael Arnold 35 Die Zeit diszipliniert auszuhalten und zu nutzen, ist für Führungskräfte entscheidend

Hans Tschirren 13 Der F-5 Tiger wird bald aus der Schweiz verschwinden

FORSCHUNG UND LEHRE

Christian Brändli 16 Patrouille Suisse und PC-7-Team: Präzision und Tempo am Himmel Peter Müller 18 Gibt es ein Déjà-vu bei der Beschaffung des neuen Luftverteidigungssystems mittlerer Reichweite? Hans Tschirren 20 Nur wenige schaffen es bis ins Cockpit eines Kampfjets

HÖHERE KADERAUSBILDUNG

Maximilian Stoller, Allard Duursma, Hubert Annen 39 Die militärische Friedensförderung steckt in der Krise

RUBRIKEN

24

Kein Dach über dem ukrainischen SU-27-Cockpit

12

Thomas Süssli Verteidigungsfähigkeit erklärt

Marc Ruef 23 Cyber Observer

Thomas Bachmann 22 Kein Land verfügt über so viel Kampferfahrung mit der F-35 wie Israel

Fritz Kälin 29 Aus dem Bundeshaus Pascal Kohler 41 Internationale Nachrichten

Thomas Bachmann 24 Über der Ukraine hat noch keine Seite die Luftüberlegenheit

Erdal Öztas 45 Veranstaltungen

SOG

Christian Brändli 46 Vermischtes

Dominik Knill 28 Die Verteidigungsbereitschaft in Österreich und der Schweiz

33

T-90M erhalten eine neue Reaktivpanzerung

Titelbild: Ein F/A-18-Hornet-Abfangjäger stösst über einem Bergtal ein Flare ab. Bild: Peter Lewis, VBS

Bruno Russi 50 Bücher


EDITORIAL

ASMZ

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IMP R E S S UM

Es gibt nichts zu feiern

Nr. 8 – August 2024 190. Jahrgang Präsident Kommission ASMZ Oberst i Gst Thomas K. Hauser

Liebe Leserin, lieber Leser Eigentlich sollte Ende August gleich ein dreifaches Jubiläum in Emmen steigen. Im Rahmen von «AirSpirit 24» hätte die Schweizer Luftwaffe ihr 110-jähriges Bestehen gefeiert. Dazu hätte die Patrouille Suisse demonstriert, dass sie auch mit 60 noch sehr rüstig ist und wilde Figuren in den Himmel zaubert. Und dessen etwas jüngeres – und langsameres – Pendant, das PC-7-Team, hätte zu seinem 35. Geburtstag mit den rot-weissen Propellermaschinen luftige Kapriolen vollführt. 80 000 Besucherin und Besucher hätten das Spektakel mitverfolgt. Hätten, denn wie bekannt zog die Armeeführung Ende Januar die Reissleine: zu wenig Finanzen und Fokus auf die Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit. Mit diesem Grounding kann nicht viel Geld eingespart werden. Doch es geht ja vor allem um den zweiten Teil der Botschaft: Die knappen personellen und finanziellen Ressourcen sollen gebündelt und auf das eine Ziel ausgerichtet werden. Der Patrouille Suisse dürfte es in diesen Tagen ohnehin nicht ums Feiern zumute sein. Ihr Tiger, auf dem sie seit 1995 fliegt, ist erlahmt. Es zeichnet sich ab, dass die Politik ihm kein weiteres Gnadenbrot zugesteht und er in gut zwei Jahren bei der Schweizer Luftwaffe ausgemustert wird. Auch hier: Das Geld fehlt, um Systeme weiterzubetreiben, die für die Erfüllung des Kernauftrages der Armee, die Verteidigung, obsolet geworden sind. Noch ist offen, wie es mit dem Paradevorführteam weitergehen wird. Wenn auch nicht feiern, so mindestens freuen kann sich die Luftwaffe dagegen über die baldige Einführung von zwei Systemen, die weltweit zu den modernsten und

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Chefredaktor Major a D Christian Brändli (cb) Redaktionssekretariat ASMZ c/o Brunner Medien AG Brunner Verlag Arsenalstrasse 24, CH-6010 Kriens Telefon +41 41 318 34 34 E-Mail: redaktion@asmz.ch abo@bag.ch

Christian Brändli, Chefredaktor christian.braendli@asmz.ch

besten zählen: Mit der F-35, die in westlichen Staaten zurzeit eine geradezu rasante Verbreitung findet, steht die Luftwaffe punkto Fähigkeiten vor einem Quantensprung. Und mit der Patriot wird die Schweiz über ein bodengestütztes Luftverteidigungssystem mit grosser Reichweite verfügen, das in der Ukraine sein Können tagtäglich unter Beweis stellt. Beides kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Luftverteidigung noch immer beträchtliche Lücken gibt. So ist der mittlere Luftraum nahezu ungeschützt. Und auch ganz unten bleibt fraglich, wie sich die Armee gegen die Drohnenschwärme wehren will, die über dem Gefechtsfeld schwirren werden. Zwar gibt es dieses Jahr kein grosses Fest der Luftwaffe. Die ASMZ nimmt die drei Jubiläen aber dennoch zum Anlass, nicht nur einen Blick auf die wechselvolle Geschichte dieser Teilstreitkraft zu legen. Darüber hinaus wird auch beleuchtet, vor welchen Herausforderungen sie steht und wie sie diesen begegnen will.

Stellvertretender Chefredaktor Fachof Fritz Kälin, Dr. phil. I (fk) Redaktion Oberst i Gst Michael Arnold, lic. phil. II (AM) Oblt Thomas Bachmann (tb) Oberst Dieter Kläy, Dr. phil. I (dk) Oberstlt Pascal Kohler (pk) Major i Gst Christoph Meier (cm) Major a D Peter Müller, Dr. rer. pol. (pm) Oblt Erdal Öztas (E. Ö.) Hptm Daniel Ritschard, lic. oec. HSG (DR) Oberst a D Bruno Russi (RSB) Oberstlt Hans Tschirren (HT) Redaktionelle Mitarbeiter Marc Ruef (mr) Herausgeber Schweizerische Offiziersgesellschaft Verlag Brunner Medien AG, Brunner Verlag Arsenalstrasse 24, CH-6010 Kriens Verlagsleiter Jürg Strebel Telefon +41 41 318 34 60 E-Mail: j.strebel@bag.ch Abonnemente Telefon +41 41 318 34 34 E-Mail: abo@bag.ch Layout Brunner Medien AG Inserateverkauf Brunner Medien AG, Brunner Verlag Martin Plazzer Telefon +41 41 318 34 74 E-Mail: m.plazzer@bag.ch Abo-Preis inkl. 2,6 % MwSt Kollektivabonnement SOG ermässigt Jahresabo Inland Fr. 92.–/Ausland Fr. 120.– App-Jahresabo Fr. 81.– Druck Brunner Medien AG CH-6010 Kriens Erscheinungsweise 11-mal pro Jahr © Copyright Nachdruck nur mit Bewilligung der Redaktion und Quellenangabe

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Member of the European Military Press Association (EMPA) ISSN 0002-5925


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Seit 110 Jahren mit viel Tempo unterwegs In ihrer Geschichte hat die Schweizer Luftwaffe schon einige Veränderungen erlebt. Nun steht wieder einmal ein ­Generationenwechsel an. Mit Air2030 werden am Himmel und am Boden neue Systeme beschafft. Christian Brändli

Der Fesselballon war in den Anfängen der Schweizer Militäraviatik das Gefährt, das auf der Höhe der damaligen Zeit stand. Tatsächlich versprach er eine lange Verweildauer hoch oben in der Luft. 1892 stiegen zwei Vertreter des Generalstabsbureaus mit dem berühmten Ballonfahrer Spelterini auf, um den militärischen Nutzen speziell von Fesselballons zur Beobachtung zu prüfen. Der Aufklärer hätte 500 Meter über der Erde Truppenbewegungen per Telefon bekanntgegeben. Das Parlament hatte aber im folgenden Jahr noch kein Gehör für den Beschaffungsantrag für einen Militärballon für 69 500 Franken. Zu teuer, hiess es. Ausserdem waren dem Parlament die Winde in der Schweiz zu unberechenbar. Offenbar scheinen die Böen ein paar Jahre darauf abgeflaut zu haben, denn 1897 wurden die nötigen Mittel gesprochen und 1900 rückten Freiwillige zur ersten LuftschifferRekrutenschule in Bern ein. Ballons mochten sich zwar lange in der Luft halten, ihre Zeit in der Armee war jedoch Mitte des Ersten Weltkrieges recht schnell abgelaufen.

sche Offiziersgesellschaft 1913 eine private Nationalspende, die bis 1914 ein Sammelresultat von 1,7 Mio. Franken zugunsten der Militäraviatik erzielte. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vereitelte jedoch den vorgesehenen Kauf von sechs Doppeldeckern. Am 31. Juli 1914 wurde der KavallerieInstruktor und Pilot Theodor Real mit der Aufstellung einer Fliegertruppe betraut. Er

Die Pioniere der Fliegertruppe 1914 auf dem Beundenfeld: Die zur Mobilmachung eingerückten Piloten der ersten Fliegertruppe der Schweiz posieren vor einem Morane-Saulnier-Eindecker, dem schnellsten der neun damals zur Verfügung stehenden Aeroplane. Bild: Archiv Luftwaffe

Start mit privaten Maschinen Noch gab es für die Fliegerei allerdings einige Rückschläge. Nachdem der Bundesrat 1910 eine Unterstützung für die Flugausbildung zu militärischen Zwecken verweigert hatte, organisierte die Schweizeri-

Die Häfeli DH-3 M IIIa wurde bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verwendet. Bild: Bildarchiv ETH-Bibliothek Zürich

 Vier Generationen Kampfjets in der Luft: An der Air14 zeigten sich Venom, Hunter, Mirage und Tiger nebeneinander. Bild: Yves Bachmann, VBS

beschlagnahmte drei an der Landesausstellung in Bern ausgestellte Flugzeuge. Die ersten zehn ausgebildeten schweizerischen Piloten, darunter acht Romands, rückten zum Teil mit ihren eigenen Flugzeugen und Mechanikern in Bern-Beundenfeld ein, wo bei der Kaserne auch schon eine Ballonhalle bestanden hatte. Sie bildeten die neu geschaffene Fliegertruppe – die offizielle Geburtsstunde der heutigen Schweizer Luftwaffe. Der Flugpionier Oskar Bider wurde zum Chefpiloten ernannt. Noch 1914 erfolgte die Verlegung nach Dübendorf. Die Kriegsjahre waren geprägt von einem Aufbau der Flugwaffe und einem regen Betrieb in Dübendorf und Thun, die der Schulung und Aufklärung dienten. Bei Kriegsende 1918 zählte die Luftwaffe 62 brevetierte Militärpiloten und 68 Flugzeuge, die alle in der Schweiz gebaut worden waren.

Schleppender Ausbau in der Zwischenkriegszeit Das Sparregime bei Militärausgaben nach 1919 sowie Fehlschläge bei der Entwicklung von Flugzeugen liessen in den 1920er-Jahren nur einen beschränkten Ausbau der Flugwaffe zu. Die allerersten Flugzeuge verblieben im Schnitt unter zehn Jahre in Dienst. Einzig die 1919 eingeführten Häfeli DH-3 M IIIa brachten es auf 20 Dienstjahre. In der Zwischenkriegszeit entstanden in Thun, Lausanne und Payerne neue Militärflugplätze sowie über das ganze Land ver-


Allgemeine Schweizer Militärzeitschrift

teilt Fliegerstützpunkte. Ab 1930 beschaffte die Luftwaffe zunehmend Kampfflugzeuge statt wie bis dahin nur Beobachtungsflugzeuge. In den Konstruktionswerkstätten in Thun und den Flugzeugwerken Altenrhein wurden Jagdflugzeuge Dewoitine D-27 und Fernaufklärer Fokker CV-E produziert. Angesichts der deutschen Aufrüstung wurde der Beobachter- und Kampfdoppeldecker C-35 eingeführt. Zudem wurde das franzö­ sische Jagdflugzeug Morane-Saulnier in Lizenz gebaut und es wurden die ersten ­ deutschen Messerschmitt-Jäger gekauft. 1934 wurde der Fliegerbeobachtungsund Meldedienst neu organisiert und zentralisiert. Erst 1936 erhielt die Flugwaffe den Status einer selbständigen Waffengattung mit eigenem Waffenchef, dem man auch die gleichzeitig geschaffenen Fliegerabwehrtruppen unterstellte.

Zu wenig Flugzeuge für alle Kompanien Wie Toni Bernhard und Henry Wydler im Historischen Lexikon schreiben, stand die Luftwaffe bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 erst vor dem Ausbau. An kriegstauglichen Maschinen waren gerade einmal 40 Jagdeinsitzer – 10 ME 109D, 28 ME 109E und 2 Morane – sowie 80 Mehrzweckzweisitzer C-35 einsatzbereit. Knapp 100 weitere Flugzeuge taugten bestenfalls für Erdkampfeinsätze. Von den 21 eingerückten Fliegerkompanien mussten fünf gleich wieder nach Hause geschickt werden, da es für sie keine Maschinen gab. Nur deren drei galten als kriegstüchtig. Nicht viel besser sah es bei den Flabkanonen aus. Ab Juli 1940 wurden 15 Kriegsflugplätze mit Hartbelagspisten, Splitterwehren, Betonunterständen und erste Kavernen gebaut, unter anderem 1940 in Emmen, Buochs, Meiringen und Interlaken, 1941 in Lodrino und Locarno und 1943 in Sitten. Während des deutschen Frankreichfeldzugs im Mai und Juni 1940 kam es zu rund 200 Grenzverletzungen durch fremde, vor allem deutsche Kampfflugzeuge. Flieger und Flab traten als einzige Waffengattungen der Armee in Aktion. Die Schweizer Piloten schossen deutsche Bomber ab, die die helvetischen Messerschmitts für eigene Flugzeuge hielten. Der deutsche Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, reagierte und schickte zwei kleinere Geschwader zur Strafaktion in den Jura. Die Schweizer schlugen sich prächtig: Im 40-tägigen «Krieg» gegen

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Krieg günstig erworbenen P-51 Mustang waren mit 131 Exemplaren von 1948 bis 1958 bei der Schweizer Luftwaffe im Einsatz.

Länger in Dienst und immer zahlreicher

Eine 20-mm-Flabkanone Oerlikon schützt während des Zweiten Weltkrieges die Reussbrücke in Mellingen. Bild: Wikipedia

Grossdeutschland schossen sie elf deutsche Flugzeuge ab. Die eigenen Verluste betrugen zwei Flugzeuge. Ausserdem sollten deutsche Saboteure vier Flugplätze lahmlegen. Doch sie wurden alle gefasst. Die Schweiz spielte aber mit dem Feuer. Auf weiteren Druck von Deutschland verbot General Henri Guisan am 20. Juni 1940 der Flugwaffe den Luftkampf über der Schweiz – dieses Verbot galt bis November 1943 – und überliess die Wahrung der schweizerischen Lufthoheit der Flab. Da diese gegen hoch fliegende Flugzeuge nur ihre 7,5-cm-Kanonen einsetzen konnte, stand dem Überflug des schweizerischen Luftraums durch deutsche und englische Flugzeuge, ab August 1943 auch durch amerikanische Bombengeschwader, nur wenig im Weg. Insgesamt wurde die Zahl der Flugzeuge und Flabgeschütze während des Kriegs vermehrt, aber kaum technisch verbessert. Ende August 1945 zählte die Flugwaffe 530 Flugzeuge, nämlich 328 Jagd- und 202 Mehrzweckzweisitzer, ausser den deutschen Messerschmitt alle aus schweizerischer Produktion. Die Flab verfügte über 2000 Kanonen der Kaliber 7,5 cm, 34 mm und 20 mm, ohne jene der Infanterie und der Festungen. Sie zählte 67 leichte und 43 schwere Batterien sowie 14 Scheinwerferkompanien. Hinzu kamen 12 leichte und 33 34-mm-Batterien der sogenannten Ortsflab. Während des Zweiten Weltkriegs kam es zu 6501 Grenzverletzungen, 198 fremde Flugzeuge landeten auf Schweizer Hoheitsgebiet, 56 stürzten ab. Die aus Occasionsbeständen der US-Luftwaffe nach dem

Während die Maschinen der Zwischenkriegszeit durchschnittlich rund 15 Jahre in Dienst standen, verlängerte sich die Verwendungsdauer mit dem Einzug der Düsenflugzeuge schlagartig. 30 Jahre waren bald das Minimum, 40 Jahre kamen häufig vor und sogar 50 Jahre waren möglich. Die Schweiz hatte nach dem Kriegsende den Anschluss an die neuen Techniken wie Strahl- oder Düsentriebwerke, Lenkwaffen, Radar und Elektronik gesucht. Schon 1946 erprobte sie vier Düsenflugzeuge des Typs Vampire Mark I. Der Jet überzeugte, weshalb eine erste Serie von 75 Vampires – hierzulande liebevoll «Vämpi» genannt – der verbesserten Version «Mark 6» beschafft wurde. Ab 1960 wurden Schleudersitze eingebaut. Bis zu jenem Zeitpunkt durften die Flugzeuge nur von unverheirateten Piloten geflogen werden. In den 1950er-Jahren erreichte der Kalte Krieg einen ersten Höhepunkt. Auch die Schweiz rüstete stark auf: Es wurden nie zuvor und auch nie nach dieser Periode so viele Kampfflugzeuge beschafft. Lieferant war ausschliesslich Grossbritannien: zuerst insgesamt 175 der bereits erwähnten Vam­ pires, dann fast ohne Unterbruch 250 De Havilland DH112 Venom. 350 Exemplare Vampire und Venom wurden in Lizenz im Inland produziert. 1956 waren alle Kampfstaffeln der schweizerischen Flugwaffe als erste der Welt ausschliesslich mit Düsenflugzeugen ausgerüstet. Für diese Maschinen musste ab den 1950er-Jahren die Infrastruktur der bestehenden Flugplätze angepasst werden. Es entstanden weitere Flugzeugkavernen und ab den 1960er-Jahren Notlandepisten auf Autobahnen. 1958 verzichtete das Eidgenössische Flugzeugwerk in Emmen nach Fehlschlägen mit dem N-20 sowie die Flugzeugwerke Altenrhein mit dem P-16 auf Eigenentwicklungen. Dafür wurden ab 1958 130 Jagdbomber Hunter in England beschafft, eines der damals fortschrittlichsten Jagdflugzeuge überhaupt. Mit zunehmendem Alter kam es allerdings auch zu mehr Unfällen. Bis zur Ausmusterung stürzten 25 Hunter ab. 1954 erhielt die Kleinkaliberflab neue, leistungsfähigere 20-mm-Kanonen mit einer Wirkungshöhe von 1500 Meter. In den 1960er-Jahren wurde die Flugwaffe weiter


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modernisiert. So wurde das zentrale Flugüberwachungssystem Florida eingeführt. Hinzu kamen die Boden-Luft-Lenkwaffen Bloodhound, die bis 1999 in Betrieb waren.

Es wird zu teuer Zu einem Debakel geriet die Anschaffung des französischen Abfangjägers Mirage. Die Kosten liefen völlig aus dem Ruder und führten zur «Mirage-Affäre». Das Beschaffungsprogramm wurde massiv reduziert, statt der geplanten 100 Maschinen in Lizenz wurden nur deren 59 gebaut. Die Diskussionen um die Entwicklung der Flugwaffe hielten an. 1972 verzichtete der Bundesrat auf den Kauf von 30 Jagdbombern für 1,5 Mrd. Franken. Das entfachte eine Grundsatzdebatte über das Luftkriegskonzept. Priorität erhielt der Raumschutz: Ab 1976 wurden 110 amerikanische Leichtjäger des Typs F-5 E Tiger beschafft. 1985 wurde die Flab durch ein mobiles Flablenkwaffensystem Rapier mit einer Wirkungshöhe von 3000 Meter zum Schutz vor mechanisierten Verbänden verstärkt. In den 1990er-Jahren wurden die «Zahnstocher», die alten Flabkanonen, durch die schultergestützte mobile Flab­lenkwaffe Stinger ersetzt. Diese hätte eigentlich auch schon wieder ersetzt werden sollen, sie wird aber nach dem Entscheid der Armeeführung vom letzten Jahr weiter eingesetzt. Im Ukraine-Krieg hat sie ihre weiterhin bestehende Wirkung demonstriert. Die Leichtfliegerstaffeln, die ab 1958 mit der Alouette II, ab 1964 mit der Alouette III und schliesslich ab 1987 mit dem Super Puma respektive Cougar-Helikopter und seit wenigen Jahren auch mit dem Eurocop-

Die Stationen auf dem Weg zum F/A-18-Piloten führen über den PC-7 Turbo Trainer (rechts) und den Pilatus PC-21. Bild: Alexander Kühni, VBS

Die heutigen Mittel der Luftverteidigung: eine F/A-18C Hornet und eine 35-mm-Fliegerabwehrkanone 63/12 auf dem Flugplatz Payerne. Bild: Donat Achermann, VBS

ter EC635 ausgestattet sind und über Flächenflugzeuge des Typs Pilatus-Porter verfügen, sind für Aufklärung und Verbindung, hauptsächlich aber Transporte zuständig. Seit 1945 sind immer wirkungsvollere Kampfflugzeuge eingeführt worden. Entsprechend sind ab Mitte der 1990er-Jahre deren Stückzahlen ständig reduziert worden. Nach dem Armeeleitbild von 1995 wurden elf Kriegsflugplätze aufgehoben, ein weiterer wurde dem Kanton Graubünden übergeben. Anlässlich des bis dahin grössten Rüstungsvorhabens der schweizerischen Flugwaffe – dem Kauf von 34 amerikanischen Kampfbombern F/A-18 Hornet für 3,5 Mrd. Franken – wurde aufgrund einer Volksinitiative erstmals das Volk befragt, das sich in der Abstimmung von 1993 für die Beschaffung aussprach.

waffe einen neuen Namen: Sie heisst seither Luftwaffe, eine Bezeichnung, wie sie international üblich ist. Erste Beschriftungen «Swiss Air Force» wurden auf den Verbindungsflugzeugen Learjet und King Air erstellt, danach erhielten die Super-Puma-Helikopter im Rahmen ihrer Einsätze im Kosovo ab 1999 auffällige Beschriftungen, die später bei allen Hubschraubern und Transportflugzeugen durch kleinere, permanente Beschriftungen ersetzt wurden. Ab 1998 wurde der Bambini-Code, die ehemalige Sprache der Piloten der Schweizer Luftwaffe, durch den Brevity Code der NATO ersetzt. 1977 nahmen Schweizer Kampfjets zum ersten Mal an Schiessversuchen in Schweden teil. Den Grundstein für den Ausbildungsaustausch mit befreundeten Ländern legte in den 1980er-Jahren das Protocole d’accord mit Frankreich für die Pilotenausbildung. Es folgten weitere Abkommen mit zahlreichen ausländischen Streitkräften. Ab 1985 konnten Schweizer Militärpiloten ein Luftkampftraining in tieferen Flughöhen von Sardinien aus durchführen; seit 1991 geschieht dies über der Nordsee.

Aus Flug- wird Luftwaffe Per 1. Januar 1996 erhielten die Flieger- und Fliegerabwehrtruppen inklusive der Flug-

F-35 statt Gripen

Ein Super Puma stösst Infrarot-Tauschkörper, sogenannte Flares, aus. Bild: Sina Guntern, VBS

Zu einem kräftigen Dämpfer für die Luftwaffe kam es am 18. Mai 2014, als die Stimmberechtigten mit 53,4 Prozent die von Bundesrat und Parlament beantragte Anschaffung eines neuen Kampfjets Saab Gripen an der Urne ablehnten. Gegen die Beschaffung hatten sich ein links-grünes Bündnis, aber auch eine bürgerlich-liberale Gruppierung gestellt. Grosse Opposition bildete sich ein paar Jahre darauf gegen die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge. Äusserst knapp mit 50,14 Prozent nahm das Schweizer Volk am 27.


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Beim Fliegerschiessen Axalp 2022 zeigte sich eine F-35A vor grossem Publikum. Bild: Alexander Kühni, VBS

September 2020 die entsprechende Vorlage über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge an. Höchstens 6 Mrd. Franken sind dafür vorgesehen. Kurze Zeit später gab das Aussenministerium der Vereinigten Staaten der Schweiz die Erlaubnis zum Kauf von F-35A und Patriot. Am 30. Juni 2021 entschied sich der Bundesrat für das Kampfflugzeug F-35A und das Lenkwaffensystem Patriot, beides Systeme,

die ins Konzept von Air2030 passen. Dieses sieht zum Schutz und zur Verteidigung des Luftraums eine Kombination aus Kampfflugzeugen und bodengestützter Luftverteidigung vor. Vor allem bei der bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite besteht seit der Ausserdienststellung der Bloodhound eine Lücke. Doch auch bei der mittleren Reichweite fehlt es an tauglichen Mitteln. Die neuen Systeme sind wiederum als eine

Investition für mindestens 30 Jahre geplant. Die Auslieferung der F-35A und von Patriot erfolgt voraussichtlich ab 2026 bis 2030.

Maj a D Christian Brändli Chefredaktor ASMZ christian.braendli@asmz.ch 8607 Seegräben

THE NEXT GENERATION TRAINER

pilatus-aircraft.com


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«Für mich als Kommandant der Luftwaffe ist natürlich ‹mehr davon› immer besser» In ihrer 110-jährigen Geschichte setzte die Schweizer Luftwaffe viel auf ausländische Technologie. Heute ist für Divisionär Peter Merz der Austausch mit ausländischen Luftwaffen zentral für die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten.

Interview Christian Brändli

Vor 110 Jahren wurde die Schweizer Luftwaffe – auch mit Privatflugzeugen – gegründet. Wie wichtig war dieser Schritt damals? Peter Merz: Das war ein historischer Moment für die Schweiz. Der Bundesrat verordnete am 3. August 1914 die erste schweizerische Fliegerabteilung. Diese war auf dem improvisierten Flugplatz Beundenfeld in der Berner Allmend stationiert und bestand aus zehn Piloten, acht Flugzeugen und einem Reservemotor. Fünf der Flugzeuge brachten die Piloten aus privatem Besitz mit. Einige Jahre später zügelte die Fliegerabteilung von Bern nach Dübendorf, wo kurz danach bereits die erste Pilotenschule gegründet wurde. Schon während des Ersten Weltkriegs wurde die Bedeutung von Luftüberlegenheit, Luftaufklärung und Erdkampf erkannt.

Divisionär Peter Merz ist seit Mitte 2021 Kommandant der Luftwaffe. Bild: Nique Nager, VBS

In den 1950er-Jahren war die Schweizer Flugwaffe auch im internationalen Vergleich top mit der Beschaffung von Hunderten von Jets. Heute sollen die gleichen Aufgaben von damals mit noch ein paar Dutzend Maschinen erledigt werden. Hat in der Luft wirklich die Klasse vor der Masse den Vorrang? Für mich als Kommandant der Luftwaffe ist natürlich «mehr davon» immer besser. Aber wie im Expertenbericht «Luftverteidigung der Zukunft» dargelegt, wird die Luftwaffe mit 36 F-35A in der Lage sein, den Schutz des Luftraums in allen Lagen zu erhalten und im Vergleich zu heute sogar zu erweitern, neue Fähigkeiten aufzubauen und sich auch gegen künftige Bedrohungen zu wappnen. Die Durchhaltefähigkeit bei der Wahrung der Lufthoheit lässt sich da­ mit während längerer Zeit sicherstellen. Mit dem neuen bodengestützten Luftverteidigungssystem grösserer Reichweite Patriot lassen sich zudem grosse Teile des Landes abdecken und neue Fähigkeiten zur Bekämpfung von Kleinzielen erlangen. Die Bedeutung der dritten Dimension für die Kriegführung hat stetig zugenommen. Ist die Einführung der F-35 für die Schweizer Luftwaffe ein Quantensprung? Ja, die Evaluation hat klar gezeigt, dass der F-35A aufgrund seines ausgeprägten technologischen Vorsprungs einen deutlichen Vorteil gegenüber Kampfflugzeugen der vierten Generation aufweist. Darauf basierend verfügt der F-35A über neuartige, sehr leistungsfähige und umfassend vernetzte Systeme zum Schutz des Luftraums und der Nachrichtenbeschaffung. Damit erreicht der F-35A die Informationsüberlegenheit und ermöglicht den Pilotinnen und Piloten ein überlegenes Situationsbewusstsein in allen Aufgabenbereichen. Dies gilt nicht zuletzt auch für den alltäglichen Luftpolizeidienst.

Bei Payerne hat die Luftwaffe vor Kurzem gezeigt, dass sie wieder in der Lage ist, Notlandepisten zu betreiben. Der logistische Aufwand dafür war beträchtlich. Was braucht es im Minimum, um einen solchen Ausweichplatz zu betreiben? Minimal werden ein genügend langes Stück Hartbelag, die Logistik zur Vorbereitung der Piste und Bereitstellung der Flugzeuge, die Führungsunterstützung und natürlich der Schutz des temporären Flugplatzes benötigt. Der Autobahnabschnitt in der Nähe des Flugplatzes Payerne wurde bereits bei der Planung so konzipiert, dass er möglichst einfach zu einer provisorischen Start- beziehungsweise Landebahn umfunktioniert werden kann. Details oder Kriterien kann ich aus Gründen des Informationsschutzes nicht veröffentlichen.

«Es ist finanzpolitisch nicht nötig, die Anzahl permanenter Flugplätze für Kampfflugzeuge zu erhöhen.» Div Peter Merz

Am Boden sind die Kampfjets am verletzlichsten. Meiringen ist heute noch der einzige aktive Kavernen-Flugplatz. Lassen sich weitere, mit der Armee­ reform XXI geschlossene Kavernen-Flugplätze im Ernstfall innert nützlicher Zeit reaktivieren? Es ist finanzpolitisch nicht realistisch und auch nicht nötig, die Anzahl permanenter Flugplätze für Kampfflugzeuge zu erhöhen. Hingegen müssen die Jets auch von dezen­ tra­len und unter Umständen improvisierten Standorten aus eingesetzt werden können. Neben zivilen Flugplätzen und Flugfeldern


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der Bündnisfall trainiert würde – wirklich umgesetzt werden müsste? Die Politik definiert die Rahmenbedingungen, die wir selbstverständlich einhalten. Wir würden wie bis anhin weiterhin an gemeinsamen Übungen teilnehmen, die nicht den NATOBündnisfall gemäss Artikel 5 betreffen. Die Kooperationsfähigkeit der Schweizer Armee ist zentral. Nach einem bewaffneten Angriff auf die Schweiz würden die neutralitätsrechtlichen Verpflichtungen hinfällig. Die politischen Behörden könnten dann für unsere Verteidigung die Zusammenarbeit mit anderen Staaten suchen. Aber um eine Kooperation wirksam umzusetzen, sind gemeinsame Trainings unerlässlich.

eigene Fähigkeit in diesem Bereich auf. Wir sind am Analysieren, in welchen Einsatzformen die Schweizer Armee künftig auf den Drohneneinsatz setzen wird, in Ergänzung zu den Kampfflugzeugen.

Die Schweizer Luftwaffe arbeitet intensiv mit ausländischen Luftwaffen zusammen. Wie wichtig ist dieser Austausch? Absolut zentral. Die militärische Koope­ ration dient dazu, unsere eigenen Fähigkeiten mit anderen Nationen zu vergleichen und weiterzuentwickeln, von den Partnern zu lernen sowie die Interoperabilität zu verbessern. Zudem finden wir im Ausland oft Trainingsbedingungen vor, die wir in Friedenszeiten in der Schweiz nicht haben. Jeglicher Erfahrungsaustausch unterstützt uns dabei, die Verteidigungsfähigkeit der Armee zu stärken.

In der Ukraine erleben wir eine rasante Bedeutungszunahme der Drohnenkriegführung. Lösen Drohnen schon bald bemannte Jets ab? Drohnen ergänzen bemannte Kampfflug­ zeuge, können sie aber nicht ersetzen. Drohnen dienen primär der Aufklärung und der Punktzielbekämpfung. Sie sind nicht so vielfältig einsetzbar wie Mehrzweckkampfflugzeuge und haben bei Weitem nicht das gleiche Leistungsspektrum. Beim Luftpolizeidienst ist die Präsenz eines Piloten vor Ort sogar unerlässlich, um situationsgerechte Entscheide zu treffen oder abgefangene Flugzeuge zur Landung zu zwingen. Die Bedeutung der Drohnen nimmt aber ständig zu, weshalb die Schweizer Armee eigens für den Drohneneinsatz und die Drohnenabwehr ein Kompetenzzentrum aufbaut.

«Das ADS 15 erlaubt uns, grosse Räume oder kritische Infrastrukturen auch über eine lange Zeitdauer zu über­wachen.»

Was würde es für die Luftwaffe bedeuten, wenn die kürzlich vom Nationalrat überwiesene Motion betreffend Teilnahmeverbot an NATO-Übungen – in welchen

Können Drohnen den Close Air Support für die Bodentruppen übernehmen? Mit dem Drohnen- und Robotik-Kompetenzzentrum baut die Schweizer Armee ihre

 Auf dem Flugplatz Meiringen werden mit Blick auf die Einführung der F-35 geschützte Unterstände erstellt. Visualisierung: VBS

sowie gewissen Strassenabschnitten eignen sich auch ehemalige Militärflugplätze dafür. Um die Dezentralisierung künftig vor allem mit der Bodencrew trainieren zu können, plant die Luftwaffe, insbesondere die ehemaligen Militärflugplätze St. Stephan, Mollis und Buochs wieder als temporäre Trainingsstandorte zu nutzen.

Ein Flugzeugschlepper zieht eine F/A-18 aus einer Kaverne. Bild: Mike Niederhauser, VBS

Die Schweiz hat sechs teure ADS 15 beschafft. Wann sind diese operationell? Aufgrund von Verzögerungen durch Covid, wegen des Krieges in Israel und aufgrund technischer Herausforderungen konnten die Projektziele nicht gemäss ursprünglichem Zeitplan erreicht werden. Ich bin zuversichtlich, dass die Einführung Ende 2026 abgeschlossen sein wird.

Div Peter Merz

Hat sich das Konzept von solchen sehr verletzlichen, grossen Aufklärungsdrohnen wie der ADS 15 nicht bereits überlebt? Nein, die neue Drohne stellt mit ihren hochqualitativen Sensoren und einer Flugdauer von bis zu 24 Stunden eine neue Dimension für die Schweizer Armee dar. Die neue Sensorkugel MX20 ist deutlich leistungsfähiger als die Sensoren des Vorgängermodells. Neu ist auch der im optischen und Infrarotbereich arbeitende Flächenscanner, mit welchem grosse Flächen abgesucht werden können. Das ADS 15 erlaubt uns, grosse Räume oder kritische Infrastrukturen auch über eine lange Zeitdauer zu überwachen, Ziele zu suchen, aufzuklären, zu überwachen oder zu verfolgen und dies risikoarm und kostengünstig. Damit können wir die eigenen Kräfte und Entscheidungsträger mit einem präzisen, umfassenden Lagebild versorgen. Nicht ganz so alt wie die Geschichte der Fliegertruppe ist jene der Flugabwehr. Erst 1936 fand die erste RS mit vier FlabGeschützen statt. Und während des Zweiten Weltkrieges war der Erfolg der Flab äusserst bescheiden. Wo stehen wir heute punkto bodengestützter Luftverteidigung?


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Die Dimensionen der ADS 15 sind gross.

VERTEIDIGUNGS­FÄHIGKEIT ERKLÄRT Thomas Süssli, CdA

Bild: VBS

Bodengestützte und luftgestützte Luftverteidigung ergänzen sich optimal. Mit der Beschaffung des neuen, mobilen bodengestützten Luftverteidigungssystem grösserer Reichweite Patriot wird die mit der Ausserdienststellung des FliegerabwehrLenkwaffensystem Bloodhound BL-64 entstandene Lücke geschlossen. Gleichzeitig erweitert die Luftwaffe damit die Wirkung gegen neue Bedrohungskategorien, insbesondere Marschflugkörper und ballistische Boden-Boden-Lenkwaffen kurzer bis mittlere Reichweite. Zudem hat Armasuisse am 30. April dieses Jahres die Offertanfrage für neue Systeme der bodengestützten Luftverteidigung mittlerer Reichweite, also Bodluv MR, für die Beschaffung gegen Ende dieses Jahrzehnts an die Herstellerfirmen übergeben. Und im Anschluss wird die zu beschaffende Bodluv kurzer Reichweite das Fähigkeitsspektrum abrunden. Weg von der Verteidigung, hin zur Werbung: Welche Bedeutung haben Display Teams im Kleinen wie mit Super Puma oder F/A-18 sowie PC-7-Team und Patrouille Suisse im Grossen für die Armee? Flug- und Sprungvorführungen dienen dazu, die Verbindung zwischen der Armee und der Bevölkerung zu stärken, was in einer auf dem Milizprinzip basierenden Armee besonders wichtig ist. Auch für die Nachwuchsgewinnung in der Aviatik - zivil

Das Luftverteidigungssystem Patriot wird schon bald auch den Himmel über der Schweiz schützen. Bild: Raytheon

wie militärisch - sind solche Vorführungen wertvoll. Flug- und Sprungvorführungen stellen eine der wenigen Möglichkeiten der Armee dar, der Öffentlichkeit auf eindrückliche und attraktive Weise die Leistungsfähigkeit des Personals und der Systeme ihrer Luftwaffe zu zeigen und Einblicke in die Einsätze der Piloten und Fallschirmspringer zu gewähren. Dabei werden Einsatzformen in Kombination mit Professionalität, Sicherheit, Präzision und Pünkt­lichkeit vorgeführt. Die zahlreichen Anfragen ziviler Veranstalter für Vorführungen der Schweizer Luftwaffe sowie der regelmässig grosse Publikumsaufmarsch im In- und Ausland zeigen, dass die Auftritte einem breiten Bedürfnis entsprechen. Der Zusatzaufwand für die bestehenden Vorführteams ist gering: Im Gegensatz zu den meisten ausländischen Teams haben unsere Piloten und Fallschirmspringer diese Funktion als Nebenaufgabe. Die Vorführungen gehen zulasten des ordentlichen Flug- und Sprungtrainings sowie Flugstundenbudgets. Für jede Flug- und Sprungvorführung analysiert ein Expertenteam die spezifischen Risiken und legt bei Bedarf weitere Risikominderungsmassnahmen fest. Maj a D Christian Brändli Chefredaktor ASMZ christian.braendli@asmz.ch 8607 Seegräben

Luftwaffe – ALPHA UNO In diesem Juni sind nach 30 Jahren im Rahmen der Fähigkeitsüberprüfung ALPHA UNO wieder Flugzeuge auf einer Autobahn gestartet und gelandet. Damit testet die Schweizer Armee ihre Fähigkeit, auch von improvisierten Standorten einen Einsatz zu leisten. Die vier Kampfflugzeuge des Typs F/A-18 landeten und starteten auf der Nationalstrasse A1 bei Payerne. Damit wurde die Dezentralisierungsfähigkeit der Luftwaffe geübt. Das ist notwendig, da heute alle Mittel auf drei Standorte (Payerne, Meiringen, Emmen) konzentriert sind. Das macht sie für gegnerische Wirkung verwundbar. Mit der Fähigkeit zur raschen Dezentralisierung und Verteilung der Mittel im ganzen Land will die Armee diese Risiken minimieren. Beeindruckt hat mich – neben den Landungen – die Arbeit der weiteren Angehörigen der Armee im Hintergrund: die Präparation der Piste mit dem Abbau der Leitplanken, die Reinigung der Landebahn, die Flugsicherung und das Sicherheitsdispositiv der Feuerwehr. Die Armee muss sich auf die veränderte Sicherheitslage und die Bedrohungen der Zukunft ausrichten. Die geopolitische Lage mit der Abwendung einzelner Staaten von der regelbasierten Sicherheitsordnung und damit verbunden der Rückkehr der Machtpolitik zeigen die Dringlichkeit dieser Massnahmen. Um ihren Auftrag zum Schutz von Land und Leuten weiterhin erfüllen zu können, muss die Armee ihre Verteidigungsfähigkeit in allen Einsatzräumen umfassend und konsequent stärken. Der Schutz des Luftraums ist dabei ein Schlüsselelement. Daher bin ich sehr zufrieden, wie die Angehörigen unserer Armee den Auftrag erfüllt haben.


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Der Tiger ist auf dem Abflug Der bewährte Raumschutzjäger wird nicht mehr lange am Schweizer Himmel zu sehen sein. Der F-5 Tiger II bekommt jedoch ein neues Leben in den USA. Hans Tschirren

Die Tiger-Flotte kostet die Schweizer Armee jedes Jahr rund 40 Millionen Franken. Für einen längeren Betrieb wären zusätzliche Millionen-Investitionen nötig. Darum will die Armee die Tiger-Jets bis 2027 ausmustern. Denn statt in ein altes System soll in die Zukunft investiert werden, wie Divisionär Peter Merz, der Kommandant der Schweizer Luftwaffe, klargemacht hat. Angesichts der klammen Finanzen und der Ausrichtung der Armee auf die Verteidigungsfähigkeit will sich der Nationalrat der Ausserdienststellung der F-5-Tiger-Flotte per Ende 2027 nicht mehr entgegenstellen. So lehnte er im Juni ein Postulat ab, das vom Bundesrat einen Bericht über eine mögliche Weiternutzung der Kampfflugzeuge forderte. Noch vor zwei Jahren hatten beide Räte die Ausserdienstellung der Tiger abgelehnt. Der Bundesrat wollte damals die Jets schon per Ende 2025 aus dem Bestand streichen. Aktuell hat die Armee noch 25 F-5 Tiger, wovon 18 eingesetzt werden. Die restlichen sieben Flugzeuge wurden aufgrund auf-

wendiger anstehender Instand­hal­tungs­ arbeiten stillgelegt, könnten aber wieder flugtauglich gemacht werden. Die Jets, die auch für die Patrouille Suisse verwendet werden, dienen heute der Zieldarstellung, zu Schulungs­zwecken, als Schleppflugzeug und für Testflüge – und entlasten damit die F/A-18.

Erstflug in den USA im Jahr 1963 Der Northrop F-5 Freedom Fighter und der daraus entwickelte F-5E Tiger II sind seit den 1950er-Jahren von Northrop in den Vereinigten Staaten entwickelte und gebaute zweistrahlige Jagdflugzeuge. Sie finden bis heute weltweite Verwendung, unter anderem bei den Kunstflug-Staffeln Patrouille Suisse und Turkish Stars. Der erste Flug fand am 31. Juli 1963 statt. Produziert wurde der Jet bis 1987. In der Schweiz startete die Beschaffungsphase 1973. Das Kommando der Flieger- und Flabtruppen kreierte den damals neuen Begriff «Raumschutz». Dies führte dann dazu, dass ein «Raumschutzjäger» gesucht wurde. In einer Vorevaluation standen der Harrier, die F-4 Phantom, die Mirage F-1, der F-5E Tiger II und der AJ/JA37 Viggen zur Diskussion. Der Senkrechtstarter Harrier war anspruchsvoll und schwierig. Während der Flugerprobung musste der Schweizer Testpilot in geringer Höhe das Flugzeug mit

Der F-5 Tiger verschwindet bald aus der Schweiz. Bild: Hptm Spitznagel

dem Schleudersitz verlassen und wurde dabei verletzt. Damit fiel dieser Jet aus dem Rennen. Die F-4 Phantom wurde nach eingehender Analyse nicht weiterverfolgt. Die Dassault Mirage F-1E fiel aus verschiedenen Gründen ebenfalls aus der Liste. Der Saab J37 Viggen wies hervorragende Flugeigenschaften auf, aber es mangelte ihm an bestimmten Fähigkeiten im Luftkampf. Somit fiel der Entscheid auf den F-5 II. Der Bundesrat begründete den Entscheid mit fünf Kernpunkten. Da war zunächst die Eignung für den Raumschutz, dann die Miliztauglichkeit und auch der Umstand, dass er in Kavernen und Unterstände passte. Hinzu kamen, dass die Flotte vor 1980 beschafft werden konnte und die Schweizer Industrie beteiligt wurde. Die Tiger-Kampfflugzeuge sind 1700 Kilometer pro Stunde schnell und verfügen mit einer Länge von knapp 15 Metern und einer Spannweite von gut acht Metern über ein schmales Profil.

Schweizer Fluglehrer in den USA ausgebildet Ein Teil des Beschaffungsprogramms war die Erstausbildung von fünf Fluglehrern in den USA. Die Gruppe reiste 1978 in die USA. Unter anderem gehörte auch Oberleutnant Markus Gygax – später Kommandant der Schweizer Luftwaffe – zu den Auserwählten. Er sagte dazu:


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30. Oktober 1979 auf dem Flugplatz Meiringen: Die erste operativen TigerPiloten präsentiert sich stolz in Reih und Glied. Bild: René Zürcher

«Wir fünf Schweizer Piloten gastierten bei der 425th Tactical Fighter Training Squadron mit den Northrop-Flugzeugen F-5B und F. Die Fluglehrer im Rang vom Hauptmann bis Oberstleutnant kamen fast alle aus einer F-4- oder A-7-Staffel und waren schon in Deutschland, Korea oder Vietnam im Einsatz. Major Brazelton zum Beispiel hatte sieben Jahre Kriegsgefangenschaft in Nord-Vietnam überstanden. Andere hatten Luftkämpfe über Vietnam gegen MiG-19 und MiG-21 erlebt. Wir hatten Präsenzzeiten von bis zu zwölf Stunden täglich. Auf dem F-5E lernten wir, schneller, aggressiver und koordinierter zu kämpfen.» (Zitat aus dem Buch «Ready to Fight» von Beat Neuenschwander) Ein erwähnenswertes Detail ist die wichtige Funktion der Flaps (Landklappen). Speziell im Kurvenkampf spielte das korrekte Bedienen der Klappen eine entscheidende Rolle. In einem Dogfight mussten die Klappen mehrmals ein- und ausgefahren werden. Das Justieren erfolgte mit dem linken Daumen am Leistungshebel. Dies führte zu einer extremen Abnutzung des linken Handschuhes - mit dem Resultat, dass die Piloten alle zwei Wochen neue Handschuhe brauchten. Erst ab 1986 war dieses Problem nach Anpassung der ersten Serie mit Autoflaps weitgehend gelöst.

Elf Jets durch Unfälle verloren Dank seiner zwei Triebwerke war und ist der Tiger F-5E ein sicheres Flugzeug. Es ist kein

Fall bekannt, in welchem gleich beide Maschinen ausgefallen wären. Dennoch verlor die Schweizer Luftwaffe von den 110 beschafften Tigern elf Flugzeuge. Dabei kam ein Pilot ums Leben. 1981 kam es gleich zweimal zu Kollisionen eines Tigers mit einer Mirage. 1982 und 1984 gab es je einen Verlust. 1987 stiessen beim bündnerischen Lumbrein zwei Tiger zusammen und im gleichen Jahr stürzte bei Bauma ein Jet nach einer Kollision mit Bäumen ab. 1996 erfolgte ein ungewollter Schleudersitzabschuss. In jüngerer Zeit kam es zu einer Kollision zwischen zwei Tigern der Patrouille Suisse 2016 im holländischen Leeuwarden, bei der eine Maschine verloren ging. 2021 konnte sich ein Pilot mit dem Schleudersitz retten. Ein spezieller Vorfall spielte sich am 31. Oktober 1994 ob der Axalp ab. Das Fahrwerk des Tigers liess sich wegen eines eingeklemmten Werkzeuges nicht ausfahren. Der Pilot verliess den Jet via Schleudersitz. Was er dabei erlebte, schilderte Oberst Rohrbach dem Autoren (er war damals im Stab Flpl Rgt2) in seinem gemütlichsten Berner Oberländer Dialekt: «Nachdem ich genug Moscht ausgeflogen hatte, steuerte ich den Tiger Richtung Felswand ob Axalp, dann verliess ich meinen Flieger und der Fallschirm öffnete sich. Da sah ich, wie mein Flieger alleine einen Vollkreis drehte, also quasi eine Ehrenrunde, um sich von mir zu verabschieden. Er flog unter mir durch und ich konnte von oben direkt in das leere Flugzeug hineinschauen. Instinktiv zog ich die

Beine ein. Dann zerschellte er etwas zu tief oberhalb des Dorfes Axalp.»

Die Tiger gehen zurück in ihre Heimat Die Schweiz beschaffte ursprünglich 98 Northrop F-5E und 12 F-5F-Fighter. Ein grosser Teil dieser F-5 Tiger, 44 Stück, wurde bereits wieder in die USA verkauft. In diesem Jahr hat die Schweizer Luftwaffe im März damit begonnen, weitere 22 ausgemusterte Maschinen an das US Marine Corps (USMC) und die US Navy (USN) zu übergeben. Nach Angaben der Marine wurde das Geschäft im Jahr 2020 mit einem Wert von 32,4 Millionen US-Dollar (rund 28,9 Millionen Franken oder rund 1,3 Millionen pro Jet) abgeschlossen. Sowohl das USMC als auch die USN setzen den alten zweistrahligen Jet als gegnerische Luftplattform ein. Nach Angaben des Naval Air Systems Command dienen die F-5-Flugzeuge zur Ausbildung von Angreifern und zur Simulation aktueller Bedrohungen im Jagdkampfmodus. Die neueren einsitzigen F-5N Tiger II werden neben den älteren zweisitzigen F-5F für die Luftkampfausbildung und die Erprobung von Piloten gegen gegnerische Taktiken eingesetzt. Mehr als 2600 der zweimotorigen Jets wurden produziert. Etwa zwei Drittel der ursprünglich produzierten F-5 sind noch in 26 Ländern im Einsatz. Obwohl Northrop noch immer die weltweite F-5-Flotte unterstützt, einschliesslich Verlängerung der Nutzungsdauer, wird das Flugzeug nicht


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Feierlich geschmückt präsentiert sich der neue Jäger der Schweizer Flugwaffe neben einer Ju-52. Bild: René Zürcher

Die ersten Tiger kommen in Emmen an und werden aus einer C-5 Galaxy ausgeladen. Bild: René Zürcher

mehr produziert, weshalb die Betreiber bei der Flottenerweiterung kreativ werden müssen. So ist es in diesem Jahr nicht das erste Mal, dass die USA F-5-Flugzeuge aus der Schweiz erwerben. Im Jahr 2006 kaufte die USN eine Reihe von F-5E/F mit wenigen Betriebsstunden aus Bern, um einige ältere Tiger-Flugzeuge zu ersetzen. Diese erste Tranche von Schweizer Tigern wurde nach Angaben der Marine auf den neueren F-5NStandard mit modernisierter Avionik und

Im März wird ein F-5-Rumpf in eine C-130 verladen und ausgeflogen. Bild: Ruag

anderen verbesserten Systemen gebracht. Die Schweizer Flugzeuge sind relativ neu und haben nur wenige Flugstunden, was sie für die USA zu einer attraktiven Anschaffung macht. Die von der US Navy und dem USMC eingesetzten Aggressor-Flugzeuge hingegen haben bereits einen umfangreichen Einsatz hinter sich und sind daher nicht mehr wirtschaftlich zu reparieren.

Ruag hilft bei Aufrüstung mit Als Subunternehmen führt die Ruag im Rahmen des Projekts «Artemis» (Avionics Reconfiguration and Tactical Enhancement/Modernization for Inventory Standardization) Unterhaltsleistungen an F5-Flugzeugen durch und überholt die

zugehörigen Triebwerke und ausgewählte Strukturarbeiten. Dies im Auftrag der US Navy. Die Ruag hofft darauf, neben dem Auftrag für den Endkunden US Navy auch F-5 von europäischen Luftwaffen unterhalten zu können. Rund hundert F-5-Flugzeuge stehen heute noch in 18 Ländern auf der ganzen Welt im Einsatz. Laut Ruag habe sich der Tiger als zuverlässiges Kampfflugzeug und als Plattform für kostengünstige Luftkampfausbildung sowie Zieldarstellung bewährt.

Oberstlt Hans Tschirren Redaktor ASMZ hans.tschirren@asmz.ch 3006 Bern


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Die Patrouille Suisse im Formationsflug an einer Vorführung im 2021.

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Bild: Oliver Rüesch, VBS

Wie weiter mit der Patrouille Suisse?

Patrouille Suisse: Die Geburt einer Legende

Was das absehbare Ende der Tiger in der Schweizer Luftwaffe auf Ende 2027 (siehe Hauptartikel) für die Kunstflugstaffel Patrouille Suisse heisst, ist noch offen. Wie Luftwaffenkommandant Peter Merz betont, bestehe die Absicht, auch nach 2027 Flugvorführungen zu machen. Allerdings werde die Patrouille Suisse dann nicht mehr auf einem Jet fliegen können. Eine Variante ist, dass in Zukunft bei Flugvorführungen auf das bestehende PC-7-Team mit Propellerflugzeugen gesetzt wird.

Ein PC-7-Team zum Geburtstag Der F-5E Tiger II steht seit 1995 bei der ­Patrouille Suisse im Einsatz. Im Gegensatz zu vielen anderen Vorführteams nutzt die vor 60 Jahren gegründete Patrouille Suisse ein Kampfflugzeug, das aktiv in der Luftwaffe eingesetzt wird. Die Maschinen wurden vollständig rot-weiss lackiert. Zum neuen Design war ein öffentlicher Wettbewerb durchgeführt worden. Die Flugzeuge erhielten eine Rauchanlage und übernahmen bei der Luftwaffe nach technischen Anpassungen gleichzeitig die Aufgabe als Zielschleppflugzeuge für das Boden-Luft-Schiessen. Die Idee, ein Vorführteam mit Berufspiloten aufzustellen, wurde 1959 geboren. Das damalige Überwachungsgeschwader hatte den Auftrag erhalten, eine aus vier Maschinen bestehende Doppelpatrouille für De­ mon­ strationszwecke zu trainieren. Ausgestattet wurden diese mit Flugzeugen des Typs Hawker Hunter Mk.58. Im Hinblick auf die Landesausstellung Expo 64 in Lausanne und die Feiern des 50-jährigen ­ Bestehens der Luftwaffe wurde das Formationsflugtraining mit der Hunter-Doppel­ patrouille intensiviert. Im ganzen Land fanden Jubiläumsvorstellungen vor einem Hunderttausende umfassenden Publikum statt. Spontan entstand – in Anlehnung an die französische Patrouille de France – der Name Patrouille Suisse.

Zuerst nur im Inland zu sehen Im damaligen Eidgenössischen Militärdepartement war man von der Publikumswirksamkeit des Formationsfluges überzeugt und beschloss deshalb, die Formation zum offiziellen nationalen Kunstflugteam zu ernennen. Die Patrouille Suisse wurde am

22. August 1964 gegründet mit dem Auftrag, die Leistungsfähigkeit, die Präzision und die Einsatzbereitschaft der Schweizer Luftwaffe im Inland zu demonstrieren. Vorführungen im Ausland waren erst ab 1978 erlaubt. Bis dahin galt auch für das Kunstflugteam wegen der strikten Neutralität ein Auslandverbot. Der Systemwechsel wurde erst möglich wegen des 25-Jahr-Jubiläums der Patrouille de France, zu dem die Patrouille Suisse eingeladen wurde. In Salon-de-Provence konnte nun erstmals eine Vorführung im Ausland geflogen werden – neu mit sechs Flugzeugen. Seither zeigte und zeigt die Patrouille Suisse ihr Können Jahr für Jahr an vielen Orten im In- und Ausland. Im 2024 war sie etwa schon offiziell in Arbon, Emmen, Lachen und in Portugal sowie am RIAT im englischen Fairford zu sehen. Weitere Shows stehen in Dittingen, Höchstetten, im österreichischen Zeltweg oder in Belgien an. Die Hunter wurden 1994 ausgemustert. Das brachte auch bei der Patrouille Suisse den Wechsel auf den Tiger mit sich. Am 9. Juni 2016 kam es zum ersten Zwischenfall seit Bestehen der Formation. Zwei Jets der Staffel berührten sich beim Training am Vortag zur Airshow in der Nähe des Militärflugplatzes Leeuwarden in der Luft. Die eine Maschine stürzte ab, wobei sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten konnte. Die zweite Maschine konnte mit beschädigtem Höhenleitwerk landen. Schon drei Jahre zuvor wurde erstmals das Ende des Vorführteams vom damaligen Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP) angekündigt. Seine Kritik: Das Team sei reine Folklore. Soweit kam es dann aber nicht, da die Beschaffung der Saab Gripen scheiterte. Der Tiger durfte weiterfliegen.

Das PC-7-Team wurde offiziell zum 75. Jubiläum der Schweizer Luftwaffe im Jahr 1989 gegründet. Das Team fliegt seit seiner Gründung den Pilatus PC-7 Turbo Trainer. Der erste grosse Formationsflug fand allerdings schon zwei Jahre zuvor über Dübendorf statt. Wie bei der Patrouille Suisse sitzen in den Cockpits Militärpiloten des Berufsfliegerkorps, die auf der F/A-18 Hornet fliegen. Seit 2014 sind auch die PC-7 mit einer Rauchanlage ausgerüstet. Zudem tragen sie eine eigene Bemalung. Das PC-7-Team fliegt an Airshows im In- und Ausland. An der Air14 auf dem Militärflugplatz Payerne präsentierte es sich gemeinsam mit der Patrouille Suisse mit ihren insgesamt 15 Flugzeugen. Auch über dem PC-7-Team schwebte schon einmal der Pleitegeier. 1998 wurde aus Spargründen ernsthaft über die Auflösung des Teams mit den neun Propellerflugzeugakrobaten diskutiert. Deren Fortbestand verdankt es vor allem alt Bundesrat Adolf Ogi (SVP), welcher sich vehement für dieses weltweit einmalige Team einsetzte. cb

Das PC-7-Team über den Alpen. Bild: VBS


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IRIS-T von Diehl Defence, hier ein SLStartgerät inklusive einem BodenLuft-Lenkflugkörper: Wird dies das neue Luftverteidigungssystem der Schweiz für die mittlere Reichweite? Bild: Diehl Defence GmbH & Co. KG

Bodluv mittlerer Reichweite: Wiederholt sich die Geschichte? Für die Beschaffung eines neuen Systems der bodengestützten Luftverteidigung mittlerer Reichweite wird bloss eine Offerte vorliegen. Erinnerungen an die Sistierung des gleichen Vorhabens vor acht Jahren werden wach. Es bedarf noch überzeugender Argumente, um den zweiten Anlauf zum Erfolg zu führen. Peter Müller

Am 22. März 2016 erfolgte ein in der Rüstungsbeschaffung seltener Paukenschlag: Der damalige Chef des VBS, Bundesrat Guy Parmelin, sistierte überraschend das Evaluationsprojekt für ein bodenge­ stütztes Luftverteidigungssystem mittle­ rer Reichweite (Bodluv MR). Die Gründe waren vielfältig, die Reaktionen kontrovers. Nun versucht das Bundesamt für Rüstung Armasuisse unter hohem Zeitdruck, ein solches System doch noch zu beschaffen. Es stellt sich die Frage, ob Lehren aus dem Jahr 2016 gezogen wurden oder ob sich die Geschichte wiederholt.

Gründe für das Scheitern Das Beschaffungsprojekt von 2016 musste nach der Ablehnung des Gripen-Fondsgesetzes Mitte 2014 ungeplant um zwei Jahre vorgezogen werden. Der zeitliche und personelle Druck führte zum bislang einmaligen Entscheid, die Beschaffungsvorbereitung an einen externen Generalunternehmer (Thales Schweiz) zu vergeben. Gleichzeitig wurde das ursprüngliche Gesamtprojekt unter dem Titel Bodluv 2020 in drei Teilprojekte unterteilt; eines davon betraf die mittlere Reichweite. Die Kosten schienen schon in der Evaluationsphase aus dem Ruder zu laufen: Ging das VBS anfänglich für das Gesamtprojekt von 500 Mio. Franken aus, so stiegen die erwarteten Gesamtkosten allein für das Teilprojekt Bodluv MR schrittweise auf 1,1

Mrd. Franken an. Empfohlen wurde bereits in der Evaluationsphase die Beschaffung von zwei verschiedenen Lenkwaffentypen, obwohl das deutsche Produkt bei der Allwettertauglichkeit und das britische Pro-

«Die Projektver­ antwortlichen haben den Departements­ vorsteher zu wenig aktiv auf (potenzielle) Probleme und Risiken hingewiesen.» Bericht der Geschäftsprüfungskommission der eidgenössischen Räte vom 26. Januar 2017 zum Projekt Bodluv 2020

dukt bei der Reichweite Mängel aufwiesen. Probleme mit Zeit, Kosten und Qualität sowie eine unglückliche Kommunikation führten Bundesrat Parmelin zu seinem Sistierungsentscheid.

Unterschiedliche Beurteilungen? Dieser überraschende Beschaffungsabbruch warf in der Öffentlichkeit und in der Politik hohe Wellen. Das VBS gab umgehend eine externe Administrativuntersuchung in Auftrag, welche ein halbes Jahr später vorlag. Sie bestätigte die oben genannten Schwachstellen und beurteilte den Entscheid als

«politisch nachvollziehbar». Gleichzeitig enthielt der Bericht verschiedene Empfehlungen. Parallel zur Administrativuntersuchung beugten sich die Geschäftsprüfungskommissionen der eidgenössischen Räte über die Sistierung des Projekts Bodluv MR. Im Bericht vom 26. Januar 2017 kamen sie zum Schluss, der Entscheid von Bundesrat Parmelin sei «weder sachlich noch politisch nachvollziehbar». Dieser offensichtliche Widerspruch zum Ergebnis der Administrativuntersuchung darf nicht überbewertet werden: Es ging den Parlamentsmitgliedern darum, dass die Evaluation möglicher Systeme kurz vor dem Abschluss gestanden habe. Der Departementsvorsteher hätte auf der Basis der Resultate aus der Evaluation «über die Weiterführung des Projekts oder dessen Abbruch entscheiden müssen». Die Schwachstellen blieben unwidersprochen.

Erneuter Zeitdruck Ende April 2024 übergab Armasuisse die Offertanfrage für Bodluv MR an drei Herstellerfirmen. Im Einladungsverfahren wurden Diehl Defence (Deutschland), Kongsberg/Raytheon (Norwegen/USA) und MBDA (Frankreich) begrüsst. Diese Auswahl beruhe gemäss Medienmitteilung des Bundesrats «auf einer aktuellen Marktbeobachtung» und «übergeordneten Kriterien in Abhängigkeit des Herstellerlandes», namentlich dem Kooperationspotenzial und dem Einbezug der Schweizer Industrie. Die Offerten waren innerhalb von zweieinhalb Monaten bis Mitte Juli einzureichen. Diese Frist ist unüblich kurz; Rüstungsfirmen sprechen von «unhöflich» und «noch nie dagewesen». Als Grund für die Hektik – im Synonym-Jargon spricht der Bundesrat von «rascher Abwicklung des Projekts» – wird «die Aufnahme der Beschaffung in die


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Armeebotschaft 2025» angegeben. Aufgrund eines Vorschlags der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerates wird gar diskutiert, die Beschaffung bereits dieses Jahr mit der Armeebotschaft 2024 abzuwickeln. Armasuisse will den Typenentscheid im dritten Quartal 2024 fällen. Man erkennt in diesem Vorgehen unschwer den plötzlich zen­tralen Ruf zur Wiedererlangung der Ver­ teidigungsfähigkeit.

Man könnte die Offertrunde auch abbrechen und neu ausschreiben. Diese Möglichkeit sieht das öffentliche Beschaffungsrecht dann vor, wenn «aufgrund veränderter Rahmenbedingungen vorteilhaftere Angebote zu erwarten sind» oder «wenn die eingereichten Angebote keine wirtschaftliche Beschaffung erlauben oder den Kostenrahmen deutlich überschreiten». Ein erneuter Abbruch während der Evaluationsphase oder das spätere Korrigieren des Preises während der Beschaffung sollten vermieden werden.

Plötzlich nur noch ein Anbieter Anfang Juli platzte dann eine kleine Bombe: In einer Medienmitteilung des Bundesrates wurde bekannt, dass der norwegische Rüs­ tungskonzern Kongsberg und der französische Rüstungskonzern MBDA keine Offerten einreichen und somit nicht mehr an der Ausschreibung teilnehmen werden. Der Bundesrat nennt keine Gründe für den Entscheid der beiden Firmen. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, dass primär die kurze Offertfrist ausschlaggebend war: Angesichts der zahlreichen verlangten Details könne man kein realistisches Preisschild abgeben. Ein Gesuch um Fristverlängerung wurde durch Armasuisse abgelehnt. Als Begründung wurde auf die verlangte rasche Abwicklung des Projekts verwiesen. Somit verbleibt als einzige Anbieterin die deutsche Firma Diehl Defence im Rennen. Interessantes Detail am Rande: Das damalige Produkt dieser Firma wurde 2016 beim sistierten Beschaffungsentscheid mit «ungenügender Allwettertauglichkeit» qualifiziert. Armasuisse lässt nach dem Rückzug der beiden Firmen über den Bundesrat ausrichten: «Der Evaluationsprozess läuft wie geplant weiter.» Das wirft Fragen auf.

Umgang mit Monopolisten De facto wird nun also in einem freihändigen Verfahren mit einem Monopolisten die Beschaffung vorangetrieben. Dieses Vorgehen ist nicht illegal; das öffentliche Beschaffungsrecht sieht eine solche Ausnahmesituation vor. Als Kontrollmöglichkeit gibt es die spätere Preisprüfung durch die Auftraggeberin, sofern dieses Recht vertraglich ausbedungen wird. Man muss dabei aber realistisch bleiben: Der Nachweis zu hoher Gewinnmargen oder unbegründeter Gemeinkostenzuschläge ist bei einem Grosskonzern sehr anspruchsvoll und arbiträr. Am ehesten käme dafür die Eidgenössische Finanzkontrolle in Frage.

Mehrere blinde Flecken 2016 ging man bei der Beschaffungsvorbereitung von einem Investitionsvolumen von rund 500 Mio. Franken aus. Gemäss dem damaligen Sparkonzept «Design to cost» wurde bloss eine Teilbefähigung angestrebt mit «sechs Räumen und sechs Objekten». Ohne die detaillierten Ausschreibungsunterlagen zu kennen, wird 2024 gemäss Insidern wieder von einer halben Milliarde ausgegangen. Klarheit wird erst die einzureichende Offerte bringen. Aber schon heute stellt sich die Frage nach der viel zitierten vollständigen Ausrüstung. Spitzen des VBS haben zuletzt immer wieder betont, angesichts des aktuellen «Bestellungsüberhangs» (um mal dieses Synonym zu verwenden) seien neue Beschaffungen erst ab 2028/29 wieder möglich. Der UkraineKrieg beschert uns deutlich längere Lieferfristen; es lohnt sich deshalb, frühzeitig zu bestellen. Selbst wenn die Auslieferungen und die hohen Kosten erst ab 2029 einsetzen, wären jetzt substanzielle Anzahlungen nötig. Woher stammen die nötigen Mittel und welche anderen Beschaffungen müssten dadurch redimensioniert werden?

Wie halten wir es mit der Kooperation? Anfang Juli hat der Bundesrat den Rüstungschef ermächtigt, das Aufnahmegesuch zur

Mittlere Fliegerabwehrkanone 63/90 ...

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European Sky Shield Initiative (ESSI) einzureichen. Die aktuell elf Unterzeichnerstaaten haben zwei Monate Zeit, sich zum Gesuch der Schweiz zu äussern. Ein Beitritt dürfte somit frühestens diesen Herbst möglich sein. Es wird immer wieder hervorgehoben, Hauptziel der ESSI sei «eine bessere Koordination von Beschaffungsvorhaben». Im gleichen Atemzug wird jeweils betont, die Schweiz bleibe auch nach dem Beitritt in ihren Beschaffungsentscheiden zu BodluvSystemen frei. Nun soll also offenbar im Schnellzugsverfahren ein solches System angeschafft werden, bevor die offizielle Beitrittserklärung unterzeichnet ist und bevor man überhaupt mit anderen Staaten mögliche gemeinsame Beschaffungen ausloten kann. Hauptinitiant von ESSI ist Deutschland; beschaffen will die Schweiz ein deutsches Bodluv-System mittlerer Reichweite. Braucht unser Land eine «Mitgift» zum Ebnen des Kooperationsterrains?

Das Parlament ist gefordert Die Departementsleitung VBS scheint das aktuelle Vorgehen zu billigen. So wird möglicherweise bald entschieden, ein System zu beschaffen, zu dem keine Konkurrenzofferten mit Leistungs- und Preisvergleichen vorliegen und auch die Truppenerprobung fehlt. Ist das beschaffungsreif? Die Eile des Parlaments in Ehren, um die Verteidigungsfähigkeit rasch wiederherzustellen und von eigenen Versäumnissen abzulenken. Aber es sollte doch klären, ob wirklich im Alleingang das effizienteste Bodluv-System MR mit einem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis zum richtigen Zeitpunkt bestellt würde. Maj a D Peter Müller Dr. rer. pol. Redaktor ASMZ peter.mueller@asmz.ch 3672 Oberdiessbach

… und Stinger-Lenkwaffe sollen durch ein neues System Bodluv MR ersetzt werden. Bilder: Mediathek VBS


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Der lange Weg vom Boden in die Luft

 Ein F/A-18-Pilot bereitet sich auf einen Flug vor. Bild: Philipp Schmidli, VBS

Rund 400 Männer und Frauen wollen pro Jahr Jet- oder Helipilot werden. Die allerwenigsten schaffen es. Mit der Einführung des F-35A werden die Pilotenschüler rund ein Fünftel weniger Flugstunden als mit dem F/A-18 haben. Hans Tschirren

«Kreisrunde Kondensstreifen vor dunkelblauem Himmel, kurz darauf dumpfes Grollen. Ergriffen, fasziniert, ein paar Härchen stellen sich auf und dieses Gefühl ist wieder da. Ich will das auch, ich will im Cockpit eines Kampfjets die Kontrolle über den Speed und diese Maschine haben. Ich muss alles daran setzen, dass ich eines Tages auch da oben sein kann.» So oder ähnlich dürfte es vielen jungen Leuten ergehen, wenn sie hoch am Himmel der Luftwaffe beim Training zugeschaut haben. Aber vom Träumen alleine wird man nicht Militärpilot. Es braucht den bedingungslosen Willen, die Hürden, die sich einen in den Weg stellen, zu meistern. Berufsmilitärpiloten und -pilotinnen der Schweizer Luftwaffe fliegen Kampfflugzeuge, Helikopter oder Transportflugzeuge. Neben dem Luftpolizeidienst finden Trainingsmissionen im In- und Ausland statt. Diese beinhalten Luftbetankung, Nachtflüge, Überschallflüge, Erdkampf und Übungen mit anderen Nationen.

Wie es beginnt Wie läuft der Prozess der Selektion zum Piloten ab? Die Entscheidung «ich will»

muss im Alter ab 17 bis spätestens 23 Jahren getroffen werden. In Ausnahmefällen ist es bereits ab 16 Jahren möglich, sich für die Selektion anzumelden. Sphair ist das Eingangsportal für künftige Militärpiloten, egal ob für Jets, Helikopter oder Drohnen sowie weitere Aviatikberufe. «Sphair» ist keine Abkürzung, sondern ein Kunstwort. Der Name soll an Sphäre und damit an Weite und Raum erinnern. Auf der Website von Sphair besteht die Möglichkeit, OnlineTests durchzuarbeiten. Sie dienen der individuellen Vorbereitung und sind ein guter Indikator dafür, was einen später erwartet. Sie sind aber nicht identisch mit den Tests am Screening und sie werden auch nicht laufend angepasst. Zum Screening melden sich pro Jahr durchschnittlich zwischen 350 bis 400 Kandidaten und Kandidatinnen an. Die meisten scheiden mangels Vorbereitung oder wegen zu wenig ausreichend kognitiver Fähigkeiten aus. Beim Screening im Fliegerärztlichen Institut in Dübendorf gilt es Tests in Englisch, Kopf- und schriftliches Rechnen, dem räumlichen Vorstellungsvermögen oder punkto Merkfähigkeit, Konzentrationsvermögen und technischem Verständnis zu bestehen. Hinzu wird die Wahrnehmung und die Persönlichkeit unter die Lupe genommen. Die Performance muss in allen Prüfungen ausgeglichen sein, konkret gilt es je

mindestens 70 Prozent zu erreichen. Ein Test, der nicht so gut lief, kann nicht mit einem überdurchschnittlichen Ergebnis in einem anderen Bereich kompensiert werden. Die Tests sind immer unter Zeitdruck zu absolvieren. Wer das Screening bestanden hat, kann sich bei einer Flugschule anmelden. Dabei handelt es sich um eine weitere Eignungsabklärung mit Praktikumscharakter. Diese umfasst elf Flüge mit einer Flugzeit von rund 8,5 Stunden und etwa 20 Landungen. Die geflogenen Stunden können einer auf privater Basis absolvierten Privatpilotenausbildung angerechnet werden. Zur Erlangung eines Privatpilotenlizenz gilt es, mindestens 45 Flugstunden bis zur Prüfung absolviert zu haben. Das Sphair-Pilotenpraktikum wird auf diversen einmotorigen Flugzeugen geflogen. Daraus resultiert schliesslich die Empfehlung der Sphair an die Luftwaffe oder auch für die Swiss. Erst danach folgt die Berufseignungsabklärung.

Ab in die Höhe Bei der Berufseignungsabklärung gibt es zunächst ein eintägiges Eignungsgespräch mit einem Psychologen des Fliegerärztlichen Instituts. Diesem folgt eine zweitägige flugpsychologische Abklärung mit einem aktiven Militärpiloten samt medizinischem Tauglichkeitstest. Am Simulator haben die Kandidaten dann vier Missionen in einem PC-7 zu bestehen. Diese Abklärung dauert fünf Tage und wird jeweils auf dem Militärflugplatz in Locarno im Sommer durchgeführt.


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Noch am Boden, aber bereits mit Himmelsgefühl: ein Flugschüler im PC-21-Simulator. Bild: VBS

Danach geht es wieder in die Luft. Bedingung zur Zulassung für die fliegerische Selektion auf dem PC-7 ist ein Offiziersgrad. Auch in dieser letzten Phase können Kandidaten immer noch ausscheiden. Die militärfliegerische Grundausbildung auf dem PC-7 dauert sechs Monate und umfasst rund 120 Flugstunden. Danach wird die Klasse entweder in Lufttransport oder Luftverteidigung aufgeteilt. Wer in einen Jet will, gelangt über den PC-21 schliesslich zum F/A-18. In zehn Monaten werden damit rund 80 Flugstunden absolviert. Pro Jahr werden sechs bis acht neue Jetpiloten brevetiert. Vorgängig erhalten aber alle noch die Ausbildung zum Linienpiloten bei der Lufthansa im Aviation Training Center. Die dabei erlangte Linzenz wird «eingefroren». Diese Ausbildung nimmt ein Jahr in Anspruch.

Was ändert sich mit dem F-35A? Die Pilotenausbildung wird mit Einführung der F-35A sehr ähnlich bleiben. Viele Verfahren und Übungen werden mehrheitlich in den F-35-Simulatoren erfolgen, denn dieser Jet bietet neue Fähigkeiten, die trainiert werden müssen. Der Austausch mit anderen Luftwaffen ist bereits intensiv. Um sich mit dem neuen Kampfflugzeug vertraut zu machen, wird ab 2027 eine Kerngruppe von

Flugbesatzungen und Unterhaltspersonal in den USA ausgebildet. Die weiteren Ausbildungen erfolgen anschliessend mit eigenen Mitteln in der Schweiz. Der Echteinsatz mit Lenkwaffen und Präzisionsmunition findet jeweils in den USA statt. Die Grundausbildung der Schweizer F-35A-Pilotinnen und -Piloten wird wie heute auf dem Pilatus PC-7 und PC-21 erfolgen. Vermutlich wird auf Letzterem mehr trainiert. Anschliessend erfolgt die Umschulung auf den F-35A. Der Umschulungskurs kombiniert das Simulatortraining mit Echtflügen. Der US-Ausbildungsplan für den einsitzigen F-35A hat sich bewährt. Auf dieser Grundlage wurden weltweit schon über 2200 Pilotinnen und Piloten ausgebildet. Diese Erfahrungen fliessen auch in die Ausbildung der Schweizer Luftwaffe ein, die so weit wie möglich dem bewährten Standard entsprechen wird. Zusätzlich werden die spezifischen schweizerischen Gegebenheiten, wie die steilen Anflüge auf den Gebirgsflugplatz Meiringen, bei der Ausbildung berücksichtigt werden. Der F-35A verfügt über ein modernes Ausbildungsmodul. Es bietet die Möglichkeit, im echten Flug gegnerische Flugzeuge virtuell darzustellen. Solche Simulationen am Boden oder in der Luft erlauben komplexe Trainingsszenarien ohne den teuren Einsatz von Zielflugzeugen, wie es in den

USA praktiziert wird. Dies ist mit ein Grund, weshalb der Tiger F-5 in der Schweiz dazu nicht mehr benötigt wird. Angehende F-35-Piloten werden rund 20 Prozent weniger Flugstunden benötigen, als dies beim F/A-18 Hornet noch notwendig ist. So ist die Systembedienung im F-35 einfacher. Für die Ausbildung werden untereinander vernetzte Simulatoren beschafft und in Payerne eingerichtet. Die Pilotenausrüstung ist ähnlich wie beim F/A-18 CD. Das Gurtsystem basiert jedoch auf der bisher eher bei europäischen Herstellern verwendeten Methode mit fest im Schleudersitz verbautem Gurten. So wird also nicht wie im heutigen F/A-18 bereits vor dem Einsteigen das persönliche Gurtzeug übergestreift. Das Helmvisier wird auch einen Restlichtverstärker und ein Infrarotbild projizieren können und ersetzt das Head-up-Display vollständig. Im Helm integriert ist auch die Möglichkeit der Sprachsteuerung direkt mit den Systemen.

Oberstlt Hans Tschirren Redaktor ASMZ hans.tschirren@asmz.ch 3006 Bern


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Israelische F-35 überzeugen in der Luftverteidigungsrolle

 Zwei F-35I Adir der 116. Staffel «Lions of the South»: Die israelischen F-35I sind das modernste Glied der leistungsstarken israelischen Luftwaffe. Bild: Israelische Luftwaffe

Kein Land verfügt über so viel Kampferfahrung mit der F-35 wie Israel. Auch wenn sich die Israeli traditionell bedeckt halten, was ihre Einsätze im benachbarten Ausland betrifft, glänzten diese Jets bei der Abwehr des iranischen Vergeltungsschlages vom 14. April. Thomas Bachmann

Die israelische Luftwaffe betreibt momentan mit zwei Einsatzstaffeln eine Flotte von rund 36 F-35I «Adir» – «der Mächtige» – wie dieser Kampfjet in Israel auf hebräisch genannt wird. Die Auslieferungen der ersten Tranche von 50 bestellten Maschinen dauert an und mit der Unterzeichnung einer zweiten Bestellung von 25 Exemplaren Anfang Juni wird die israelische Luftwaffe gegen Ende des Jahrzehnts über 75 F-35I verfügen, was dem Bestand dreier Staffeln entsprechen wird. Stationiert sind die israelischen F-35I auf der Nevatim Airbase in der Negev-Wüste. Als einziges Betreiberland fliegen die Israeli eine in vielen Bereichen nach eigenen Vorstellungen modifizierte Version der F-35A. Hierbei wurden israelische Systeme im Bereich der Avionik, elektronischen Kriegsführung und Bewaffnung integriert. Experimentiert wird zudem mit dem Einbau zusätzlicher Tankkapazitäten, um die Reichweite zu steigern, dies im Hinblick auf mögliche iranische Ziele, die mit dem Atomprogramm im Zusammenhang stehen. Seit 2017 waren die ersten Exemplare einsatzbereit. Der erste operative Kampfeinsatz fand 2018 gegen Einrichtungen der Islamischen Revolutionsgarden des Irans in Syrien statt, womit die israelische Luftwaffe als Erste weltweit Kampferfahrungen mit diesem «Stealth-Muster» sammelte. Die Einsätze geschahen meist im Luft-BodenEinsatz in einem anspruchsvollen Umfeld

über Syrien, das im Bereich der Flugabwehr auf russische Hardware und entsprechendes Know-how zählen konnte.

Premiere in der Luftverteidigungsrolle Der erste weltweit verzeichnete Einsatz als Abfangjäger wurde in der Nacht des 13. März 2022 verzeichnet, als sich zwei tieffliegende und langsame Drohnen des iranischen Typs Shahed 197 von Süden und Osten her dem israelischen Luftraum näherten, anschliessend von israelischen Frühwarnsystemen entdeckt und in der Folge noch ausserhalb des israelischen Luftraums von zwei F-35I der 116. und 140. Staffel abgeschossen wurden. Dabei dürften als Bewaffnung entweder die – auch hierzulande von den F/A-18C/D Hornet verwendeten – AIM-9X Sidewinder oder die AIM-120C Amraam eingesetzt worden sein, die ­ standardmässig die Luft-Luft-Bewaffnung der F-35 darstellen, und dies weltweit. Die Einrüstung eigener israelischer Luft-LuftLenkwaffen, neben anderen Luft-BodenWaffen, ist jedoch in Planung. Die Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit dieses Musters in der Zielerfassung und -bekämpfung gegen einfliegende Marschflugkörper bewiesen die F-35I erstmals anfangs November letzten Jahres, als ein von den Huthi-Rebellen gegen die israelische Stadt Eilat abgefeuerter Marschflugkörper

des Typs Quds abgeschossen wurde. Solche Cruise-Missiles sind meist iranischen Ursprungs, die sich ihrerseits auf das Model Kh-55 aus Sowjetzeiten stützen (NATO: AS-15 Kent), nur, dass diese für den BodenBoden-Einsatz modifiziert wurden.

Bewährungsprobe am 14. April In der Nacht des 14. April antwortete der Iran mit einem Vergeltungsschlag auf Israel, der rund 120 ballistische Mittelstreckenraketen, 30 Cruise-Missiles und 170 Shahed136-Drohnen umfasste. In derselben Nacht feuerten die Huthi-Rebellen aus dem Jemen mehrere Marschflugkörper und KamikazeDrohnen auf israelische Ziele ab, unterstützt von einer Barrage ungelenkter Raketen der Hisbollah aus dem Libanon. Da der Iran ihre regionalen Verbündeten 72 Stunden vor dem geplanten Schlag darüber informierte, waren die Israeli vorgewarnt und konnten mit Hilfe der Vereinigten Staaten und der Erlaubnis Jordaniens und SaudiArabiens ein vielschichtiges Abwehrdispositiv aufbauen, das neben allen Elementen der bodengestützten Flugabwehr – Arrow 2/3, David Sling, Patriot – auch Kampflugzeuge der US Air Force, der Royal Air Force, der französischen wie der jor­ danischen Luftwaffe umfasste. Zusätzlich kamen schiffsgestützte Abfangraketen der US Navy zum Einsatz.


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Eine iranische Shahed-197-Drohne im Fadenkreuz einer F-35I kurz vor dem Abschuss am 13. März 2022. Bild: Screenshot Youtube

Diesem Schutzschirm gelang es, die meisten der eindringenden Flugkörper noch ausserhalb des israelischen Territoriums zu neutralisieren. Dabei taten sich auf israelischer Seite neben den F-15 C/D Raam besonders auch die F-35I hervor, die im syrischen Luftraum operierten und sämtliche der einfliegenden Drohnen und Marschflugkörper abzuschiessen vermochten. Lediglich fünf ballistische Mittelstreckenraketen durchdrangen den dichten Ab-

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wehrschirm, vier davon trafen die Nevatim Airbase, richteten aber kaum nennenswerten Schaden an. Die eingesetzten F-35I der 140. Staffel «Golden Eagles» und der 116. Staffel «Lions of the South» konnten problemlos nach den Einsätzen auf ihre Stützpunkte zurückkehren. Diese konzentrierte und wohlkoordinierte Abwehraktion zeigte die Leistungsfähigkeit der israelischen und alliierten Flugabwehrkapazitäten eindrücklich auf und verdeutlichte zudem, wie wichtig es ist, eigene In­frastrukturen und Städte vor Bedrohungen aus der Luft mit einem vielschichtigen und qualitativ hochwertigen Abwehrdispositiv schützen zu können. Dies fehlt der Ukraine, wie der schwere russische Luftangriff mit Marschflugkörpern auf ­zivile Ziele in Kiew am 8. Juli bewies.

Oberleutnant a D Thomas Bachmann M.Sc., M.A. thomas.bachmann@asmz.ch 8132 Hinteregg

P O L E MIK UM F -3 5 -T R IE B W E R K «Kaum angekommen, muss das Triebwerk des brandneuen F-35 aufgemöbelt werden», war am 6. Juli in der Online-Ausgabe des Blicks zu lesen. Der reisserische Titel des Artikels, wonach der Kampfjet bei der Lieferung schon veraltet sein werde, bedarf einer nüchternen Einordnung. Der Vorwurf ist nicht neu. Schon im April ging diesem eine entsprechend mediale Berichterstattung voran («Brandneue F-35 benötigen verbesserte Turbinen»). Kern des Problems sei eine Turbine, die ein Auslaufmodell und erst noch unzuverlässig und pannenanfällig sei, so die mediale Berichterstattung, die auch jüngst zahlreiche Skeptiker und Politiker der Linken auf den Plan rief und dort für «Verwunderung» sorgte. Dies ist doch erstaunlich, da der Sachverhalt rund um das Triebwerk schon länger geklärt ist und entsprechend kommuniziert wurde, beispielsweise in der Armeebotschaft 2022 oder in den Antworten auf die Interpellationen der beiden Nationalräte Jean-Luc Addor und Fabien Fivaz. Folgendes gilt es hierbei gemäss Kaj-Gunnar Sievert, Leiter der Kommunikation der Armasuisse, festzuhalten: Die Einsatzbereitschaft der F-35A (Block 3) ist hoch. Die F-35A ist mit dem modernsten und schubstärksten Triebwerk aller westlichen Kampfflugzeuge ausgerüstet. Es funktioniert sehr zuverlässig. Bis Juni 2024 wurden damit weltweit über 876 000 Flugstunden absolviert. Als Vergleich: Dies entspricht einem Vielfachen der gesamten Stundenzahl der Schweizer F/A-18C/D. Wenn die Schweizer F-35A ab 2027 ausgeliefert werden, erhalten sie das zu diesem Zeitpunkt aktuelle Triebwerk. Die geplante Verbesserung des Triebwerks wird ab Mitte der 2030er-Jahre eingebaut, wenn eine grosse Wartung des betroffenen Triebwerkteiles ansteht. Zudem wird nicht das ganze Triebwerk ersetzt, sondern lediglich ein Teil davon. Die Beschaffungskosten betragen laut Sievert weiterhin sechs Milliarden Schweizer Franken. Die Kosten der verbesserten Triebwerke, deren Einbau in rund zehn Jahren ansteht, sind nicht Teil des Beschaffungsvertrags, sondern werden über den Wartungsvertrag abgedeckt.

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CYBER OBSERVER Marc Ruef Head of Research scip AG

Professionelle Webentwicklung bedeutet nicht selten Schmerz: Unterschiedliche Browser-Generationen, die all ihre Eigenheiten mitbringen, machen eine solche Aufgabe zu einem Spiessrutenlauf. Um sich nicht mit allen individuellen Eventualitäten auseinandersetzen zu müssen, werden sogenannte «Polyfills» eingesetzt. Diese Codeteile sind darum bemüht, die Eigenheiten abfangen und kompensieren zu können. Ein beliebtes Polyfill mit dem naheliegenden Namen polyfill.js wurde auf der Seite polyfill.io angeboten. So mancher Webentwickler hat direkt die dort bereitgestellte Version eingebunden und musste sich auch nicht mehr um das Hosting dieser Daten bemühen. Nun ist der Besitz der Domain ausgelaufen und ein chinesisches Unternehmen hat sich diese gekauft. Anstelle des legitimen Polyfills wurde dann plötzlich bösartiger Code ausgeliefert. Webprojekte, die diesen Code bis anhin eingebunden haben, sind unmittelbar kompromittiert worden und stellen eine Gefahr für ihre Nutzer dar. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Ich predige seit Jahren, dass man sich nicht in fremde Abhängigkeiten begeben soll. Und erst recht nicht in eine derartig vollumfängliche. Die Angreifer haben sich die Hände gerieben, als sie mit dermassen wenig Aufwand über 100 000 Projekte kompromittieren konnten. In Bezug auf die Skalierbarkeit des Angriffs eine Meisterleistung. Das Risiko von Supply-Chain-Angriffen schafft es zwar langsam in das Bewusstsein des Cybersecurity-Kollektivs. Doch nach wie vor werden Risiken übergangen oder abgetan. Es wird schon nichts passieren. Es wird uns schon nicht treffen. Wer so denkt, muss mit dem Schaden rechnen. Und darf sich dann über den Spott der Kolumnisten dieser Welt auch nicht ärgern.


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Auf der Suche nach der Luftüberlegenheit in der Ukraine: fünf Schlüsselerkenntnisse Mit ein Grund, weshalb die kurz angelegte russische «militärische Spezialoperation» in der Ukraine ein ausgewachsener konventioneller Krieg geworden ist, liegt daran, dass bis heute weder Russland noch die Ukraine die Luftüberlegenheit erlangen konnten.

 Noch sind die angejahrten Mig-29 das zahlreichste Muster der ukrainischen Luftstreitkräfte. Die baldige Unterstützung durch die F-16 (im Hintergrund) ist willkommen und wird für eine neue Dynamik am Himmel über der Ukraine sorgen. Bild: imageio

Thomas Bachmann

Trotz acht- bis zehnfacher Überlegenheit in der Luft gelang es der russischen Luftwaffe bis heute nicht, ihr ukrainisches Gegenüber zu neutralisieren, obwohl dessen Verluste an Maschinen und Piloten hoch waren und gemäss Oryx 93 Totalverluste umfassen. Weder gelang dies zu Kriegsbeginn, als sämtliche bekannten Flugplätze der Ukraine ins Fadenkreuz russischer Marschflugkörper gerieten, noch glückte dies den mit modernen Flugzeugen ausgestatteten Russen in den darauffolgenden Monaten in der Luft. Dies hat Gründe, die im Folgenden dargelegt werden.

fliegen oder in der Luft-Boden-Rolle aktiv zu werden. So ist der Standort der noch wenigen verfügbaren SU-24M, die aufwendig zum Tragen der britischen und französischen Marschflugkörper Storm Shadow/ Scalp modifiziert wurden, ein gutgehütetes Geheimnis. Dislozierung alleine bietet jedoch noch keinen Schutz, vor Ort sollten entsprechende Unterstände vorhanden sein, um die abgestellten Maschinen vor der Waffenwirkung wie auch Aufklärung zu schützen. Dies ist weder in der Ukraine noch in Russland konsequent der Fall. Beide Seiten setzen zu selten auf gehärtete Flugzeugunterstände, was

die ungeschützt im Freien abgestellten Maschinen umso verwundbarer gegen die Drohnenaufklärung im Verbund mit ballistischen Raketen oder Loitering Munitions macht. So gelang es beispielsweise der russischen Seite Anfang Juli, den Militärflugplatz Mirgorod in der Oblast Poltawa zu treffen. Je nach Angaben sollen dabei mindestens vier Su-27 beschädigt oder gar zerstört worden sein. Dies 160 Kilometer von der Frontlinie entfernt, als eine Iskander-Rakete, die mit Streumunition bestückt war, einschlug. Mehrmals gelang Ähnliches wiederholt den ukrainischen Streitkräften mit Drohnen, ATACMS oder Storm-Shadow-Marsch-

1. Dislozierung auf Ausweichflugplätze Von Beginn an setzte die ukrainische Luftwaffenführung neben den 20 grossen Luftwaffenstützpunkten auf ein weitverzweigtes Netz von über 40 Ausweich­flugplätzen und einer Handvoll Autobahnabschnitte, die zum Landen und Starten genutzt werden können. Mittlerweile gehört zur ukrainischen Einsatzdoktrin, dass Starts und Landungen nicht auf dem selben Flugplatz erfolgen. Diese Dislozierungsfähigkeit, die auch westliche Luftwaffen nach dem sogenannten ACE-Prinzip (ACE = Agile Combat Employment, siehe ASMZ 3/2022) vermehrt praktizieren, hat die ukrainische Luftwaffe dazu befähigt, weiterhin Einsätze im Bereich der Luftverteidigung gegen einfliegende Marsch­ flugkörper und Shaheed-136-Drohnen zu

Das Hawk-Raketenflugabwehrsystem ist mittlerweile zahlreich und erfolgreich in der Ukraine im Einsatz. Dieses System bildete in den 1980er- und 1990er-Jahren das Rückgrat der bodengestützten Luftverteidigung vieler NATO-Staaten. Bild: X PBS


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Bis zu 16 der unersetzlichen Su-27 «Flanker» gingen bisher verloren. Diese Verluste können nicht ausgeglichen werden, im Gegensatz zu den Mig-29, die beispielsweise aus Polen und der Slowakei geliefert wurden. Bild: ukrainische Luftwaffe

flugkörpern, wobei auch Militärflugplätze hunderte Kilometer hinter den Frontlinien ins Visier genommen wurden. Nachdem beide Seiten diese schmerzliche Erfahrung machen mussten, beginnt hier die Lernkurve selbst nach zwei Kriegsjahren erst langsam anzusteigen. Man darf gespannt sein, wie die sehnlichst erwarteten F-16 am Boden geschützt werden, zumal diese Ziele von allerhöchster Priorität für die russische Seite sein werden. Vor diesem Hintergrund dürfte auch der Einsatz von Scheinstellungen, Attrappen und anderen Täuschungsaktionen einen grossen Stellenwert geniessen.

2. BVR: Der Luftkampf findet nur noch aus der Distanz statt Dem klassischen Luftkampf auf kurze Entfernung oder auch «Dogfight» genannt – Jagdflugzeug gegen Jagdflugzeug – wird wo immer möglich ausgewichen, da die Mig-29 und Su-27 der Ukraine technologisch nicht in der Lage sind, den Luftkampf über grössere Entfernungen – BVR (= Beyond Visual Range) – zu führen. Aufgrund ihrer veralteten Radargeräte und den damit gelenkten Luft-Luft-Lenkwaffen wagen sich diese nicht mehr in die Nähe russischer Abfangjäger. Tatsächlich ist bisher kein einziger Abschuss eines russischen Jagdflugzeugs durch ukrainische Maschinen belegt, obwohl sich hier vor allem in den Anfangstagen des Krieges die ukrainischen Meldungen überschlagen haben.

Gleichzeitig zeigen sich die russischen SU-30, Mig-31 und Su-35, die mit modernen Radarsystemen und weitreichenden LuftLuft-Lenkwaffen von bis zu 200 Kilometer Reichweite ausgerüstet sind, deutlich überlegen. Auf das Konto dieser russischen Luftüberlegenheits- und Abfangjäger gehen nach verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen mindestens 20 Mig-29 und 12 Su-27, während inzwischen bis zu 20 Maschinen am Boden ausgeschaltet worden sein sollen. Auffällig ist die hohe Verlustrate von gegen 70 Prozent der Piloten der abgeschossenen ukrainischen Kampfflugzeuge. Diese Verluste konnten teils ausgeglichen werden, da sich kurz nach Kriegsbeginn viele ehemalige und erfahrene Piloten aus dem Ruhestand zurückgemeldet haben und seither im Einsatz stehen. Eine entsprechende Tiefe im Pilotenkader inklusive Reservisten ist im Kriegsfall unabdingbar, bedenkt man die lange Ausbildungszeit von Kampfpiloten. Mittlerweile durchlaufen angehende ukrainische Piloten ihre Grundausbildung etwa in Grossbritannien und Frankreich. Die Nachfrage nach Kampfpiloten wird zunehmen, wenn wie geplant mehr westliche Maschinen wie die F-16 oder Mirage-2000-5 der ukrainischen Luftwaffe zufliessen werden.

3. Die bodengestützte Luftverteidigung dominiert Die eigentliche Pattsituation in der Luft hat einiges mit der Leistungsfähigkeit der ein-

gesetzten bodengestützten Flugabwehrsystemen zu tun. Diese Situation kann mit der Situation im Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg verglichen werden – eine Art «Somme der Lüfte» –, weil es beide Seiten kaum noch wagen, in den gegnerischen Luftraum einzudringen oder über den Kontaktlinien zu agieren. Dies hat zur Folge, dass sowohl die ukrainische wie die russische Seite dies fast gänzlich an die zahlreichen OWA-Drohnen («One Way Attack») jeglicher Grösse und Loitering Munition wie die russische Lancet delegiert haben. Erdkampfflugzeuge wie die Su-25 «Frogfoot» und auch Kampfhubschrauber weisen aufgrund der weitverbreiteten schultergestützten Flugabwehrlenkwaffen, wie beispielsweise die Stinger, hohe Verlustraten auf und agieren beidseits der Kontaktlinien oft nur noch aus einigen Kilometern Distanz als fliegende Raketenartillerie. Spektakulär waren die Erfolge der Ukraine mit ihrem Patriot-System: wiederholt wurden hier russische Kampf- oder gar Frühwarnflugzeuge noch über russischem Territorium und über Distanzen von bis zu 200 Kilometern erfolgreich bekämpft. Doch die kostbaren Patriot in Frontnähe einzusetzen birgt ein grosses Risiko, wie die ukrainischen Streitkräfte aufs Schmerzlichste erfahren mussten: mindestens zwei PatriotWerfer wurden so ausgeschaltet. Zu Beginn des Krieges dominierten auf ukrainischer Seite das mobile Mittelstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensytem Buk-M1


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zeuge ASC-890, die auf der Saab 340 basieren, werden die Kapazitäten zur Erstellung eines Luftlagebildes nochmals beträchtlich erhöhen.

4. Stand-Off: Einsatz beider Luftwaffen primär im Luft-Boden-Modus

Die Grundausbildung ukrainischer Piloten erfolgt in Gross­ britannien … Bild: X PBS

oder die S-300V1. Da es aber mittlerweile schwierig ist, diese Systeme nach zweieinhalb Jahren Krieg mit neuen Lenkwaffen zu versorgen, ist hier eine Verschiebung hin zu westlichen Boden-Luft-Systemen zu beobachten. Mit hoher Priorität findet dieser Ausbau statt, wobei auch ältere westliche Systeme wie die US-amerikanische Hawk, die auch im jüngsten Hilfsprogramm der USA aufgelistet wurde, einen zweiten Frühling erleben und gegen Marschflugkörper und Drohnen durchaus noch nützlich sind.

… oder in Frankreich. Die ersten Mirage 2000-5 sollen noch dieses Jahr an die Ukraine übergeben werden. Bild: ukrainische Luftwaffe

Weniger glücklich zeigte sich die bodengestützte Flugabwehr hingegen bei der sogenannten Freund-Feind-Erkennung oder IFF (Identification Friend or Foe). Gerade in den ersten Kriegstagen und -wochen fielen einige der wertvollen Jagdflugzeuge der eigenen Flugabwehr zum Opfer. Fehlende Koordination, ein unklares Lagebild sowie die chaotischen Umstände nach Kriegsausbruch sind hierfür verantwortlich. Mittlerweile gehen Schätzungen davon aus, dass bis zu 30 Prozent der ukrainischen Verluste auf Friendly Fire zurückzuführen sind. Ähnliches gilt für die russische Seite, wobei hier verlässliche Zahlen nicht existieren. Inzwischen stützt sich die ukrainische Luftwaffe auf ein dicht gestaffeltes bodengestütztes Radarsystem, das aus einem Mix von sowjetischen, ukrainischen und mobilen westlichen Systemen besteht und gerade in der Bekämpfung der einfliegenden Marschflugkörper, Shahed-Drohnen und anderen Bedrohungen aus der Luft wiederholt ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Bis heute gelang es der russischen Luftwaffe nicht, das bodengestützte ukrainische Frühwarnpotenzial wirksam zu bekämpfen oder gar zu neutralisieren. Verstärkung erhält Letzteres noch aus Schweden: Die Lieferung zweier Frühwarnflug-

Es scheint, dass die ukrainische Luftwaffe die Bekämpfung gegnerischer Kampfflugzeuge, Drohnen und Marschflugkörper weitgehend der bodengestützten Flugabwehr überlassen hat. Die primäre Aufgabe der Luftwaffe liegt nun im Luft-Boden-Einsatz. Mittlerweile sind die von der Ukraine verwendeten Typen aus Sowjetzeiten alle in der Lage, westliche Munition aus grösserer Distanz einzusetzen, um sich so der russischen Flugabwehr zu entziehen. So agieren die ehemals als Luftüberlegenheitsjäger konzipierten Su-27 «Flanker» nun in der SEAD-/DEAD-Rolle (Supression/Destruction of Enemy Air Defense), indem diese US-amerikanische AGM-88B-Anti-Radarlenkwaffen einsetzen. Gleiches war auch für die Mig-29 «Fulcrum» zu beobachten. Letztere sind nun auch in der Lage, französische AASM-Lenkbomben, JDAM-ER, GBU-39/B Small Diameter-Bomb usw. präzise und aus über 50 Kilometer Distanz zur Wirkung zu bringen. Auf russischer Seite dominieren improvisierte Gleitbomben verschiedener Grösse, die zwar in Sachen Präzision nicht mit westlichen Pendants mithalten können, dafür aber mit ihrer grossen Sprengkraft die fehlende Genauigkeit wettmachen. Sehnlichst werden hier die F-16 erwartet, die das Geschehen in der Luft wieder ausgeglichener gestalten könnten, sofern diese mit weitreichenden Luft-Luft-Lenkwaffen wie der AIM-120C Amraam ausgestattet werden. Damit könnten bespielsweise die Trägersysteme dieser Gleitbomben – meist die Su-34 «Fullback» – zusätzlich auf Distanz gehalten oder gar bekämpft werden. Es versteht sich von selbst, dass solche Einsätze mit einem grossen Risiko verbunden sind. Aber trotzdem können die F-16 eine neue Dynamik in den umkämpften Luftraum bringen. Um den Einsatz der zugesagten 85 F-16 vorzubereiten, scheinen in den letzten Monaten gezielt russische Flugabwehrsysteme S-300 und S-400 auf der Krim mittels ATACMS-Raketen angegriffen worden zu sein, und dies sehr erfolgreich, schenkt man den in den sozialen Medien veröffentlichten Videos Glauben.


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5. MALE-Drohnen sind zu verwundbar Die anfangs auf ukrainischer Seite eingesetzte und entsprechend gehypte TB-2 «Bayraktar»-Drohne, die der sogenannten MALE-Klasse (Medium Altitude Long En­ durance) angehört, ist praktisch aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Diese grossen, langsamen, hochfliegenden und kaum über Selbstschutzmassnahmen verfügende Aufklärungs- und Kampfdrohnen mögen ihre Stärken im Kampf gegen irreguläre Einheiten haben, wie dies in Afghanistan, im Kampf gegen den IS oder im Jemen der Fall war. In einem «Peer-toPeer-Conflict» zeigen sich diese Systeme gegen moderne Flugabwehrsysteme aber als zu verwundbar. Die Bayraktar-Drohnen erwiesen sich gerade in den ersten Kriegstagen gegen die russischen Invasoren als effektiv. Kaum hatte sich die russische Flugabwehr auf diese neue Bedrohungsform eingestellt, schnellten die Verluste in die Höhe. Ähnliches war übrigens jüngst im Nahen Osten zu beobachten: Die israelische Luftwaffe büsste im Juni zwei ihrer Hermes-900-Drohnen – hierzulande als ADS 15 bekannt – über dem Südlibanon ein. Die Hisbollah, die offensichtlich über ein entsprechendes Flugabwehrpotenzial verfügt, zeigte sich für die beiden Abschüsse verantwortlich. Im Krieg in der Ukraine verwenden beide Seiten für Aufklärungszwecke als Konsequenz Drohnen, die ein maximales Startgewicht von 25 Kilogramm haben und über das taktisch beste Preis-LeistungsNiveau verfügen, denn die Verlustrate bei diesen Systemen ist enorm.

Konsequenzen für die Schweiz Welche Lehren können nun aus den zweieinhalb Jahren Krieg für die Schweizer Luftwaffe gezogen werden? Im Bereich der Dislozierungsfähigkeiten wurden die ersten wichtigen Schritte eingeleitet. Mit ALPHA UNO wurde bewiesen, dass «wir» es noch können. Vermehrt werden nun Übungen, die auch kleinere ehemalige Militär- und Kriegsflugplätze wie beispielsweise St. Stephan oder Mollis einbeziehen, in die Einsatzplanung aufgenommen werden. Im Gegensatz zu den ukrainischen oder russischen Flugplätzen sind genügend gehärtete Unterstände oder gar Kavernen verfügbar, die im Ernstfall die am Boden wehrlosen Kampfflugzeuge zu schützen vermögen.

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Noch ist dies Standard auf vielen ukrainischen Flugplätzen: Eine im Freien abgestellte Su-27 ist ein verlockendes Ziel für russische Aufklärungs- oder Kamikaze-Drohnen. Bild: ukrainische Luftwaffe

Mit der F/A-18C Hornet in Kombination mit der Luft-Luft-Lenkwaffe AIM-120C Amraam verfügt die Schweizer Luftwaffe momentan über ein Einsatzmittel, das den Luftkampf BVR zu führen vermag und alle Fähigkeiten mitbringt, den Luftraum – während allerdings einer beschränkten Zeitspanne – zu verteidigen. Mit der geplanten Einführung der F-35 Lightning II werden diese Fähigkeiten, vor allem im Bereich der Sensorik, nochmals erweitert werden. Nur stellt sich die Frage, ob die 36 bestellten Maschinen hierzu ausreichen werden. Die Beschaffung einer zweiten Tranche oder gar eines anderen Musters sollte mindestens in Erwägung gezogen werden. Dazu gehören auch aus- und weitreichende Bewaffnungsoptionen im Luft-Boden-Einsatz. Im Bereich der bodengestützten Flugabwehr grosser Reichweite wurden mit dem Beschaffungsentscheid zugunsten von Patriot (Bodluv GR) die ersten Weichen gestellt. Da jedoch der Ukraine seitens der Vereinigten Staaten im Bereich der Lieferung von PatriotRaketen eine hohe Priorität eingeräumt wird, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf die Schweiz. Auf die im Rüstungsprogramm 2023 bestellen PAC-3-MSE-Lenkwaffen muss nun länger zugewartet werden. Die erkannte Fähigkeitslücke im mittleren Bereich wird womöglich schon mit dem nächsten Rüstungsprogramm geschlossen. Die Evaluation eines entsprechenden Systems soll noch dieses Jahr abgeschlossen werden, wobei die deutsche Firma Diehl mit dem System Iris-T-SLM als einziger Hersteller eine Offerte einreichen dürfte. Im Bereich mittlere Flab drängt sich ein Ersatz oder mindestens ein Update der 35-mm-Geschütze angesichts der Drohnenbedrohung ebenso auf wie eine erneute Beschaffung weiterer schultergestützten Stinger-Raketen, deren Nachfrage geradezu explodiert, was auf lange Lieferfristen schliessen lässt. Nicht ausser Acht gelassen werden dürfen auch Aspekte der elek­ tronischen Kriegsführung, namentlich im Bereich der Drohnenabwehr. Hier waren innerhalb kürzester Zeit grosse Entwicklungssprünge im Krieg in der Ukraine festzustel-

len, die diesbezügliche Leistungsfähigkeit beider Kriegsparteien ist bemerkenswert. Im Bereich der bodengestützten Luftraumüberwachung wurde mit dem Rüstungsprogramm 2016 bereits beschlossen, die Radarsensoren der vier seit 2005 im Einsatz stehenden Systeme Florako zu modernisieren. Mittlerweile sind drei modernisierte Anlagen im Betrieb. Die vierte verbliebene Radarstation wird seit dem April dieses Jahres ebenfalls auf Vordermann gebracht. Weitere Anpassungen im Bereich der Führungssysteme (SkyView) wurden mit vergangenen Rüstungsprogrammen ebenfalls beschlossen. Weitere Modernisierungsschritte sind mit dem Programm Air2030 zu Beginn der 2030er-Jahre angedacht. Neben den Sensoren muss hier im Bereich der Mobilität nachgebessert werden, denn fixe Radarstationen – dies hat der Krieg in der Ukraine gezeigt – sind Hochwertziele. Und auch im unteren Bereich muss nachgebessert werden. So wurden mit dem Rüstungsprogramm 2024 teilmobile passive Sensoren bewilligt, die zur Ergänzung des Luftlagebildes herbeigezogen werden können. Grundsätzlich kann konstatiert werden, dass im Bereich der Luftverteidigung und aller hierzu gehörender Systeme mit Air2030 die richtigen Weichen gestellt wurden. Mit der geplanten Einführung der F-35, Bodluv GR und Bodluv MR wird die Schweiz mindestens auf dem Papier über leistungsfähige Wirkmittel verfügen. Fragezeichen bleiben bei der Durchhaltefähigkeit, denn der Verbrauch respektive die Abnutzung ist im Verteidigungsfall hoch und die schützenswerten Infrastrukturen sind hierzulande zahlreich. Letztlich wird der Finanzrahmen und der Gestaltungswille des Parlaments entscheiden, ob sämtlichen Bedrohungsszenarien – kinetisch, elektronisch oder im Cyberraum – begegnet werden kann.

Oberleutnant a D Thomas Bachmann M.Sc., M.A. thomas.bachmann@asmz.ch 8132 Hinteregg


SOG

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Ein Blick über die Grenze und zurück Wir sind versucht, Gemeinsamkeiten mit unserem Nachbar Österreich zu betonen, zum Beispiel bei der bewaffneten Neutralität, oder uns zu distanzieren, wenn es um die Verteidigungsbereitschaft geht. Interessant sind Umfragen zur Sicherheits- und Aussenpolitik in beiden Ländern. Fakten und Aussagen sprechen eher für Gemeinsamkeiten als für Gegensätze.

Oberst Dominik Knill, Präsident SOG

Ein Blick über die Grenze zeigt in einer Studie der Universität Innsbruck im April 2024 alarmierende Ergebnisse. Die jüngste Veröffentlichung gibt die vorherrschende Meinung zu Wehrhaftigkeit und Solidarität wieder. Unter Wehrhaftigkeit wird die Bereitschaft von Menschen verstanden, im Falle eines Angriffs zur Waffe zu greifen und das eigene Land zu verteidigen oder auch einen anderen militärischen Beitrag zur Verteidigung zu leisten. Etwas mehr als 25 Prozent der befragten Männer und 7 Prozent der befragten Frauen würden ihr Land im Falle eines bewaffneten Angriffs mit der Waffe verteidigen. Knapp 14 Prozent stimmen zu, dass Österreich im Falle eines bewaffneten Angriffs auf einen anderen EU-Mitgliedstaat diesem mit bewaffneten Truppen beistehen sollte. 72 Prozent der Befragten geben an, dass sie umgekehrt durchaus erwarten, dass andere EU-Staaten Österreich militärisch verteidigen. Die mangelnde Bereitschaft zur Landesverteidigung und zur militärischen Unterstützung von EU-Partnern erklärt die Projektleitung damit, dass die österreichische Bevölkerung lange Zeit nicht mit Fragen der Sicherheitspolitik und Solidarität konfrontiert war. Als neutraler Staat sei es so zu einer «sicherheitspoliti-

schen Entrückung» gekommen. Nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa sei man seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges davon ausgegangen, dass militärische Kriege der Vergangenheit angehörten. Im Falle Österreichs komme jedoch hinzu, dass es sich als Insel wahrgenommen habe, umgeben von NATO- und EU-Staaten. In der mentalen Geografie sah sich Österreich daher weit entfernt von sicherheitspolitischen Problemen. Nicht nur nach aussen, sondern auch nach innen mangelt es laut Umfrage an Solidarität. Denn obwohl nur ein geringer Teil der Befragten bereit ist, selbst zu den Waffen zu greifen, geben gleichzeitig 47 Prozent der Befragten an, dass sich Österreich im Falle eines Angriffs durchaus militärisch verteidigen sollte. Es wird daher argumentiert, dass die Umfrage eher auf Probleme in der politischen Bildung, der Kommunikation und der sicherheitspolitischen Debatte hinweist. Österreich hat sich in seiner Verfassung im Bereich der bewaffneten Landesverteidigung zu mehr verpflichtet, als es einzuhalten bereit ist. Österreich hat den Status eines formal neutralen Landes, das sich auf eine Neutralität beruft, die es politisch kaum überzeugend ausfüllt und schlecht verteidigen kann. Grundsätzlich wäre es Aufgabe der Politik, dies den Bürgern ehrlich zu sagen und nach Alternativen zu suchen. Immerhin spricht sich eine Mehrheit von 74 Prozent der Bevölkerung für die Beibehaltung der Neutralität aus; in der Schweiz sind es sogar eindrückliche 90 Prozent.

ETH-Studie «Sicherheit 2024» Nun wäre es zu einfach, mit dem Finger auf unsere Nachbarn zu zeigen und zu argumentieren, a) die Schweiz sei nicht in der EU, b) unsere Milizarmee sei nicht mit dem Bundesheer zu vergleichen und c) unsere Neutralität habe eine längere Tradition. Dieser Ansatz greift zu kurz. Die Ergebnisse der ETH-Studie «Sicherheit 2024» zeigen aufschlussreiche Trends in der aussen-, ­sicherheits- und verteidigungspolitischen Meinungsbildung auf, die auch nachdenklich stimmen. Erfreulich ist, dass 85 Prozent der Befragten die Schweizer Armee als unbedingt

oder eher notwendig erachten. 60 Prozent lehnen es ab, die allgemeine Wehrpflicht abzuschaffen und den Militärdienst Freiwilligen zu überlassen. Noch knapp 10 Prozent sind der Meinung, die Armee solle abgeschafft werden. Mit 60 Prozent ist das Vertrauen gross, dass die Milizarmee auch in Zukunft die Landesverteidigung sicherstellen kann. Nur gerade 34 Prozent wünschen sich eine Berufsarmee. Diese wäre in Friedenszeiten zu teuer und im Kriegsfall sowieso zu klein. 92 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Schweiz eine sehr gut ausgebildete Armee haben soll, und 79 Prozent wollen eine vollständig ausgerüstete Armee. Die Studie zeigt eine Unterstützung von 53 Prozent für eine Annäherung an die NATO, wobei Annäherung nicht spezifisch definiert wird. Rund 30 Prozent sprechen sich für eine NATO-Mitgliedschaft aus, und fast 40 Prozent wollen die nationale Autonomie bewahren und stärken.

Alarmierende Einschätzungen zum Verteidigungsbudget Die Zahlen zu den Verteidigungsausgaben sollten aufhorchen lassen. Denn 45 Prozent finden die Ausgaben gerade richtig, 30 Prozent finden sie zu hoch und nur magere 20 Prozent fordern noch mehr Geld. Diese Problematik zeigt sich in den schier endlosen Diskussionen um die Erhöhung des Verteidigungsbudgets und in der Schwierigkeit, einen tragfähigen Konsens respektive Kompromiss zu finden. Der Ukraine-Krieg scheint hier keinen nachhaltig positiven Einfluss auf die Armeefinanzierung zu haben. In dieser Kolumne geht es um Selbstwahrnehmung, Erwartungen und die Kluft, die sich auftut, wenn es um die eigene Leistungsbereitschaft geht. Was die Schweiz und Österreich zu verbinden scheint, ist die Tatsache, dass die Bevölkerung beider Länder die Kriegsgefahr nach wie vor als gering einschätzt. Sie geben sich Gedankenspielen hin, die von eigenen Leistungen für die militärische Verteidigung befreien. Die SOG hält an der bewaffneten Neu­ tralität fest, lehnt einen NATO-Beitritt ab und fordert eine rasche und substanzielle Aufstockung der Armeefinanzen.


AUS DEM BUNDESHAUS

ASMZ

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Der Aufwuchs gewinnt finanziell (und hörbar) an Priorität

AUS DEM BUNDESHAUS Dr. Fritz Kälin Bundeshausredaktor ASMZ fritz.kaelin@asmz.ch

Ausgesuchte Geschäfte, kurze Erläuterungen

Zuerst das Geld: Nachdem der Ständerat in der Sommersession bei der Armeebotschaft (24.025) vorgelegt hat, ist ihm auch die nationalrätliche Finanzkommission in der Absicht gefolgt, die Verteidigungsausgaben doch schon bis 2030 auf 1 Prozent des BIP anzuheben – und nicht erst bis 2035. Beim Weg ins Ziel macht die Finanzkommission in ihrem Mitbericht an die Sicherheitskommission des Nationalrates neue Vorschläge (siehe Tabelle). Als Nächstes folgte auch die nationalrätliche Sicherheitskommission dem Ständerat im Grundsatz, wird die konkreten Finanzierungsvarianten aber erst in ihrer August-Sitzung beraten. Diese finanzpolitische Ernsthaftigkeit fehlte 2022/2023 beim ersten Anlauf für den finanziellen Armeeaufwuchs. Im Parlament zeichnen sich Mehrheiten ab, den Armeeaufwuchs nicht durch Verschuldung, sondern über Kürzungen bei ande-

ren Ausgabenposten zu finanzieren – und allenfalls über Mehreinnahmen. Die Vertei­ digungsministerin Viola Amherd (Die Mitte) schlug dem Bundesrat vor dessen Sommerpause hingegen vor, der Armee durch einen Sonderfonds 10 Mrd. Franken an der Schuldenbremse vorbei zuzuführen. Laut Medienberichten reagierte das Bundesratskollegium überrascht und ablehnend, vertagte aber die Behandlung des Vorschlages. Die nationalrätliche Sicherheitskommission rang sich mit Stichentscheid ihrer Präsidentin (Priska Seiler Graf, SP, Zürich) dazu durch, ihren Änderungsvorschlag für das Kriegsmaterialgesetz (Pa.Iv. 23.403) in die Vernehmlassung zu geben. Die Absicht ist, die Nichtwiederausfuhrerklärung für an westliche Staaten gelieferte Schweizer Waffen unter bestimmten Voraussetzungen aufzuheben, um deren Weiterlieferung an die Ukraine zu ermöglichen. Für den

Fall des Inkrafttretens auch fünf Jahre rückwirkend für geltende Wiederausfuhrerklärungen. Zu den Voraussetzungen läuft bereits eine Vernehmlassung zur Motion 23.3585, die dem Bundesrat wieder eine Abweichungskompetenz bei der Bewilligung von Kriegsmaterialausfuhren geben wird. Die ständerätliche Sicherheitskommission reichte ein Postulat (24.3811) ein, das vom Bundesrat Auskunft verlangt, ob und wie die Lärmschutzverordnung für die Armee gelockert werden könnte. Das soll den Schiess- und Ausbildungsbetrieb im Dienst der Landesverteidigung erleichtern und der Armee teure Lärmschutzmassnahmen ersparen. Der Symbolgehalt ist beträchtlich, weil die Erfordernisse der Landesverteidigung im Zweifelsfall hörbaren Vorrang vor der ruhigen Schweizer Friedensidylle erhalten.

Entschluss → Nächste Instanz Finanzkommission des NR am 14. Juni

BR Geschäft 24.025s «Armeebotschaft 2024» (Mitbericht an die SiK-N)

Bundesbeschlüsse: Zustimmung zum Armeematerial (Minderheit beantragt um 10 % reduzierten Verpflichtungskredit). Rüstungsprogramm mit 17 zu 8 Stimmen gemäss SR um 660 Mio. CHF erhöhen, den Zahlungsrahmen gemäss SR um 4 Mrd. CHF. Mehrheit will Finanzierung ermöglichen durch geringeren Kantonsanteil bei der direkten Bundessteuer, Effizienzgewinne bei den Armeebetriebskosten, Sparen bei der internationalen Zusammenarbeit sowie beim Personalaufwand aller Departemente. Dazu kommen diverse Minderheitsanträge. → NR SiK-N am 17./18. Juni

BR Geschäft 24.025s «Armeebotschaft 2024»

Einstimmig eintreten auf alle 5 Bundesbeschlüsse; Eckwerte zur Ausrichtung der Armee bis 2035 bis Sitzung vom 12./13. August sistiert, grundsätzlich Variante 2 favorisiert; Zahlungsrahmen 2025–2028 gemäss SR um 4 Mrd. CHF erhöhen. Sistierung Art. 1a und 1b (Kompensation). → nächste Sitzung SiK-N

Pa.Iv. 23.403n «Änderung des Kriegsmaterialgesetzes»

In die Vernehmlassung geschickt mit Stichentscheid Präsidentin und 4 Enthaltungen. SiK-S am 24./25. Juni

BR Geschäft 24.043s «Bevölkerungsund Zivilschutzgesetz. Änderung»

Annahme mit 12 zu 1 Stimmen → SR

Po. 24.3811s «Überprüfung der Lärmschutzvorschriften für militärische Waffen-, Schiess- und Übungsplätze»

Am 25.06.2024 mit 11 zu 0 Stimmen bei 1 Enthaltung eingereicht. → SR

Abkürzungen: BR = Bundesrat; NR = Nationalrat; SR = Ständerat; SiK = Sicherheitspolitische Kommission; Mo.= Motion; Pa.Iv.= Parlamentarische Initiative; Po. = Postulat


SICHERHEITSPOLITIK

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Keynote-Referent Generalmajor Thomas Starlinger.

Abkehr von der regelbasierten Weltordnung? Der Ausbruch des Ukraine-Kriegs offenbarte einen geostrategischen Wendepunkt. Von nötigen neuen Strategien und Diversifikationen sowie der besseren Einbindung des Globalen Südens war am 17. FSS Security Talk die Rede. Angesichts der Doppelmoral des Westens herrschten jedoch Zweifel am politischen Willen. Peter Müller

Das Forum Sicherheit Schweiz (FSS) organisierte am 17. Juni in Bern einen weiteren Security Talk. Das Thema lautete «Die regelbasierte Weltordnung unter Druck – Herausforderungen für den Westen und die Schweiz». Die strategischen Interessen Russlands und Chinas seien immer klarer ersichtlich; im Fokus stehe das übergeordnete Ziel einer Ablösung der regelbasierten westlichen Weltordnung. Zwei Keynote-Referenten und drei weitere Teilnehmer an der Podiumsdiskussion leuchteten die Hintergründe sowie die sicherheitsund rüstungspolitischen Konsequenzen aus.

Drei Weltordnungen und drei Megatrends Generalmajor Thomas Starlinger eröffnete den Anlass mit der Erläuterung von drei Welt-

ordnungen, die zueinander in Konkurrenz stünden: Auf der einen Seite stehe der Globale Westen mit seiner multilateralen Weltordnung unter Führung der USA. Dessen ­fundamentale Prinzipien würden durch eine internationale Rechtsordnung geschützt. Auf der andern Seite befinde sich der Globale Osten mit Russland und der führenden Rolle Chinas. Diese Revisionisten versuchten, ein machtbasiertes multipolares Weltsystem zu implementieren. Zwischen diesen beiden Weltordnungen stehe der Globale Süden mit den Reformisten. Er denke da an Länder wie Indien, Südafrika, Brasilien, Argentinien, Saudi-Arabien oder gewisse afrikanische Staaten. Diese versuchten im internationalen System ihre Entwicklung und ihr Stimmengewicht zu reformieren, ohne an den globalen Machtkämpfen teilzunehmen. Zusätzliches Konfliktpotenzial entstehe durch drei Megatrends, welche die Krise verstärkten. Er nannte an erster Stelle die Abkehr von der Kooperation hin zum Kon-

kurrenzkampf. Beispiele der Diskfunktionalität des Multilateralismus seien die Lähmung der Vereinten Nationen, die Ungestraftheit militärischer Aktionen oder die wirtschaftliche Abhängigkeit als Waffe. Polarisierung und Fragmentierung seien ein zweiter Megatrend: Stichworte dazu seien die zunehmenden Zwistigkeiten zwischen den USA und China oder der sich verstärkende Widerstand der BRICS-Staaten gegen die G7. Der dritte Megatrend beziehe sich auf die Beschleunigung globaler Entwicklungen, seien dies nun Klimaveränderungen, neue disruptive Technologien oder das Fehlen internationaler Normen.

Offenen Auges in Krisen schlittern In Anlehnung an eine prägnante Aussage von Josep Borrell, Aussenbeauftragter der EU, zog Starlinger eine ernüchternde Bilanz: Unser Wohlstand beruhe zu einem grossen Teil auf billiger Energie aus Russland sowie


Allgemeine Schweizer Militärzeitschrift

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Keynote-Referent Staatssekretär Dr. Markus Mäder.

einem grossen Marktvolumen mit China. Und unsere Sicherheit hätten wir an die USA delegiert. Also hätten wir Wohlstand und Sicherheit entkoppelt. Krisenvorsorge, Resilienz und Klimamassnahmen seien gegenüber Just-in-time-Produktionen, Gewinnmaximierung und Wohlstand ins Hintertreffen geraten. Sein Fazit lautete: «Diese Krisen sind nicht überraschend aufgetreten; sie haben unsere Gesellschaft einfach nur überraschend getroffen.» Was wäre in dieser Situation nach Starlinger zu tun? An erster Stelle steht für ihn die Entwicklung von neuen Strategien, beispielsweise durch den Aufbau resilienter Lieferketten und diversifizierter Produktionsstandorte. Wir müssten wieder lernen, Risiken zu antizipieren und richtig einzuschätzen; diesbezüglich müsse Europa ehrlicher zu sich sein. Die eingesetzte Multipo­ larisierung unserer Gesellschaft dürfe nicht weiter voranschreiten, sonst würden wir «aus der Kurve fliegen».

Macht droht vor Recht zu treten Staatssekretär Markus Mäder rief in Erinnerung, dass es auf unterschiedlichsten staatlichen Ebenen schon immer Konflikte gegeben habe. Politische Philosophen bezeichneten den Urzustand des internationalen Systems als jenen der Anarchie. Deshalb seien gewisse Ordnungsprinzipien und dafür einstehende Mächte unerlässlich. Darüber bestünden unterschiedliche Auffassungen. Es fehle eine übergeordnete, supranationale Autorität, welche für die Durchsetzung der Regeln sorgen könne. Der «geopolitische Wendepunkt» des russi-

schen Angriffskriegs auf die Ukraine zeige: Die Hemmschwelle zur Ausübung militärischer Gewalt sei gesunken. Macht drohe vor Recht zu treten. Er teile die Einschätzung von Generalmajor Starlinger: Gerade die BürgenstockKonferenz habe den Mikrokosmos der geopolitischen Auseinandersetzungen bestätigt. Vereinfacht gesagt habe der Globale Westen teilgenommen und die Abschlusserklärung unterzeichnet. Der Globale Osten sei der

«Diese Krisen sind nicht überraschend aufgetreten; sie haben unsere Gesellschaften einfach nur überraschend getroffen.» Generalmajor Thomas Starlinger

Konferenz ferngeblieben oder habe bloss Beobachter entsandt. Und der Globale Süden habe sich bemüht, meist bündnisfrei die Beziehungen zu den geopolitischen Schwergewichten auszubalancieren. Wir stünden am Übergang zu einer geänderten Weltordnung mit zahlreichen Stürmen.

Die Möglichkeiten der Schweiz Mäder ist überzeugt, dass die kleine Schweiz durchaus gewisse Hebel besitze und der Erosion der internationalen Weltordnung nicht

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machtlos ausgeliefert sei: Wir müssten uns einbringen und auf den Veränderungsprozess einstellen! Dazu gehörten die Stärkung unserer Verteidigungsfähigkeit mit einem robusten Sicherheitsverbund und die vertiefte Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Zudem müssten wir uns ernsthaft um Reformen im Umgang mit dem Globalen Süden bemühen. Die Schweiz verfüge unbestritten über wenig Hard Power; aber wir seien stark in ausgewählten Bereichen der Soft oder Smart Power. Als Beispiele nannte Mäder unsere Handelsbeziehungen und unsere Innovationskraft, Forschung und Entwicklung, das internationale Finanzsystem sowie die Wirtschafts- und Entwicklungszusammenarbeit. Eine Grundvoraussetzung bleibe unverändert: Wir bräuchten weiterhin (internationale) Normen, wenn wir der Macht des Stärkeren trotzen wollen.

Den Umgang mit dem Globalen Süden neu denken Aus der angeregten Podiumsdiskussion können aus Platzgründen nur wenige Aspekte gestreift werden. Immer wieder genannt wurde der Globale Süden, nicht nur wegen dessen Bodenschätzen und Zugriffsrechten. Wir müssten unsere eurozentristische Perspektive und Doppelmoral ablegen. Dabei brauche es Geduld, Respekt und Vorausschau. Wir sollten akzeptieren, dass nicht nur der westliche Weg das Ziel sein könne; insbesondere afrikanische Staaten dürften auch eine andere Sicht haben, nachdem sie jahrhundertelang von westlichen Staaten ausgebeutet worden seien. Und wir müssten uns der Vielfalt bewusst sein: Es gebe nicht einen Globalen Süden mit einer Meinung. Zu diesem Aspekt gesellt sich ein weiterer Themenkreis: die aktuelle Dysfunktion wichtiger internationaler Akteure. Das heutige UNO-System brauche dringend eine Überarbeitung; das Vetorecht aus dem Zweiten Weltkrieg müsse ad acta gelegt werden. Eine zweite Baustelle seien die WTO und das GATT: Weil seit Jahren keine neuen Richter ernannt wurden, fielen Streitschlichtungen aus und die abschreckende Wirkung der WTO-Regeln falle weg. Bei den aktuellen Handelskriegen werde denn auch nicht mit der WTO, sondern mit Sicherheitsinteressen argumentiert. Gerade bei dieser Baustelle könnte sich die Schweiz durchaus einbringen.


SICHERHEITSPOLITIK

Wie halten wir es mit China und Taiwan? Im Ringen um eine neue Weltordnung spielt China eine dominierende Rolle mit einem ganz eigenen strategischen Gewicht. Das Dilemma für viele Länder ist: Die USA sind ihr Sicherheitspartner, China ihr Wirtschaftspartner. Sich für eine Seite zu entscheiden, fällt unter diesen Umständen schwer. Greift China Taiwan an, dann ist nicht nur die wichtige Seestrasse von Taiwan für den weltweiten Handel blockiert. Der fast vollständige Wegfall der Halbleiter- und Mikrochipproduktion würde die Welt ungleich härter treffen, mit massiven politischen Auswirkungen. Die Podiumsteilnehmer waren

«Macht droht wieder vor Recht zu treten, und die Hemmschwelle zur Anwendung militärischer Gewalt ist offensichtlich markant gesunken.» Staatssekretär Dr. Markus Mäder

sich einig: Dann käme ein grosser Tsunami auf uns zu; der Ukraine-Krieg wäre bloss ein Vorspiel. Die nötige vorausschauende Diversifikation wurde mehrfach betont. Die brutalen Auswirkungen eine Kriegs rief Wolfram Kuoni mit seinen hautnahen Erfahrungen in der Ukraine und ein paar eindrücklichen Zahlen in Erinnerung: Seine Ferrexpo ist verantwortlich für drei Prozent des Exports aus der Ukraine. Wenn zehn Prozent der Belegschaft in den Krieg eingezogen werden und wegen Flüchtlingen die

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17. F S S S E C UR I T Y TA L K Keynote-Referenten und Podiumsteilnehmer • Generalmajor Thomas Starlinger Militärischer Vertreter Österreichs bei der EU und der NATO • Staatssekretär Dr. Markus Mäder Chef Staatssekretariat für Sicherheitspolitik SEPOS • Dr. Marcel Berni Dozent an der Militärakademie der ETH Zürich • Dr. Wolfram Kuoni Verwaltungsratspräsident Ferrexpo AG • Dr. Urs Loher Direktor Bundesamt für Rüstung Armasuisse • Fredy Müller (Moderation) Geschäftsführer Forum Sicherheit Schweiz

Zahl der Angestellten um einen Fünftel auf noch 8000 fällt; wenn Odessa als Exporthafen schliessen muss und mühsam auf Umland mit viel kleineren Schiffen über die Donau auszuweichen ist; wenn dadurch das Exportvolumen um zwei Drittel einbricht und wenn die nationale Energieerzeugung von 55 GW auf noch rund 20 GW zusammenfällt: Dann werden die Folgen eines Kriegs auf Personal, Logistik und Energie eines Unternehmens erdrückend.

Wenn der politische Wille da wäre Die aktuellen weltpolitischen Verwerfungen haben auch Auswirkungen auf die Schweiz und deren Rüstungsindustrie. Waren beispielweise bisher zwei Jahre Lieferfrist für Lenkwaffen Usanz, so muss heute mit vier Jahren gerechnet werden; gleichzeitig sind die Kosten der Munition um 50 Prozent gestiegen. Die Hemmnisse einer rigorosen Neutralitätspolitik hat in früheren Jahren auch die österreichische Rüstungsindustrie schmerzhaft erfahren. Insbesondere im Bereich der Drohnen, der künstlichen Intelli-

genz und der Quantentechnologie sollten Schweizer Produkte international unverzichtbar werden. Sonst verschwinden wir rüstungsmässig vom Radar. Die Bewusstseinsbildung in der breiten Bevölkerung und in der Politik zum Stellenwert der Sicherheitsindustrie und der Verteidigungsfähigkeit wird durch die Podiumsteilnehmer als grosse Herausforderung eingestuft. Viele Leute kennten nur Frieden und Wohlstand, nicht aber den Krieg. Die wirtschaftliche Macht liege auf unserer Seite: Wenn der politische Wille vorhanden sei, wäre auch die wirtschaftliche Kraft verfügbar. Die Kernfrage blieb unbeantwortet: Wie bringen wir die Politik zum Handeln? Hoffentlich stehe die Schweiz nicht erst dann auf, wenn sie selbst angegriffen werde oder persönliche Nachteile erfahre. Bilder: Forum Sicherheit Schweiz

Podiumsteilnehmer (v. l. n. r.): Markus Mäder, Thomas Starlinger, Fredy Müller, Marcel Berni, Wolfram Kuoni, Urs Loher.

Maj a D Peter Müller Dr. rer. pol. Redaktor ASMZ peter.mueller@asmz.ch 3672 Oberdiessbach


EINSATZ UND AUSBILDUNG Allgemeine Schweizer Militärzeitschrift

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Russen verbessern den Schutz ihrer Kampfpanzer Beim Angriffskrieg gegen die Ukraine erlitten die russischen Panzertruppen bisher massive Verluste. Seit einigen Monaten ist Russland bemüht, mit technischen Innovationen den Schutz seiner Panzer laufend zu verbessern und den neuen Bedrohungen anzupassen. Hans Peter Gubler

Als Reaktion auf die neuen hybriden Bedrohungen im anhaltenden russisch-ukrainischen Konflikt ist Russland bemüht, den Schutz seiner Kampfpanzer zu verbessern, um den grossen Panzerverlusten auf dem Gefechtsfeld entgegenzuwirken. Eine bedeutende Bedrohung geht in der Ukraine weiterhin von modernen westlichen Panzerabwehrlenkwaffen (PAL) aus. Die Verbreitung der von NATO-Staaten an die Ukraine gelieferten leistungsfähigen PAL-Systeme sind für russische Panzer weiterhin eine erhebliche Bedrohung. Die Gefechtsköpfe dieser Lenkwaffen sind so konzipiert, dass sie selbst Verbund- oder Chobham-, aber auch Reaktivpanzerungen durchdringen können. Darüber hinaus stellt der zunehmende Einsatz von First-Person-View-Drohnen (FPV) und Kamikaze-Drohnen eine neue Dimension von Bedrohungen dar. Diese Drohnen können Panzer von oben anvisieren und auf weniger geschützte Bereiche wie das Turmdach und das Motorendeck treffen, wo die traditionelle Panzerung dünner ist. Die Fähigkeit von Drohnen, aus unkonventionellen Winkeln zuzuschlagen, macht sie besonders gefährlich. Der Krieg in der Ukraine hat deutlich aufgezeigt, dass sich die Art und Weise, wie Panzer eingesetzt werden,

und die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, wesentlich verändert haben. Gemäss dem russischen Verteidigungsministerium war nur ein kleiner Teil der bisherigen Panzerverluste auf gegnerische Panzer zurückzuführen. Dies zeige auch die schwindende Rolle traditioneller Panzer-gegen-PanzerGefechte und die zunehmende Bedeutung asymmetrischer Bedrohungen für die Panzertruppen.

Neue Drohnenabwehrsysteme Auf jüngsten Bildern aus dem Konfliktgebiet sind russische Kampfpanzer zu sehen, die mit einer Reihe neuer Schutzmassnahmen ausgerüstet sind. Dazu gehören moderne Tarnsysteme, neue Reaktivpanzerungen, Anti-Drohnen-Störsender und käfigartige Aufbauten, die die Gefechtsfahrzeuge vor den diversen Bedrohungen auf dem Schlachtfeld schützen sollen. Hauptgefahr sind heute die zunehmenden Drohnenangriffe, die diskret und mit hoher Präzision auf Schwachstellen eingesetzt werden oder auch Granaten in die Panzerluken abwerfen können. Diese Drohnen arbeiten in drei Phasen: Erkennung, Annäherung und Angriff. Folglich haben die Russen Gegenmassnahmen entwickelt, um diese drei Phasen zu verhindern oder zu

 Ein T-90M mit Drohnenstörgerät und dem Tarnsystem Nakidka. Bild: Army Recognition

stören und dadurch die Verluste ihrer veralteten Panzertypen zu verringern. Russland hatte auf dem letzten internationalen militärtechnischen Forum in der Nähe von Moskau diverse Drohnenabwehrsysteme zum Schutz von Panzern vorgestellt. Unterdessen sind Turmabdeckungen und elektronische Störsysteme auf russischen Panzern bereits weit verbreitet. Die Besonderheit von Drohnen besteht darin, dass sie Hochfrequenzkommunikation verwenden, was möglicherweise ihre einzige Schwachstelle darstellt. Russische Störsysteme werden daher an der Vorderseite des Turmes montiert. Diese Störsysteme sollen die Verbindung zwischen der Drohne und ihrem Bediener unterbrechen und gezielte Angriffe verunmöglichen.

Massnahmen an allen Panzertypen Letzte Bildauswertungen zeigen, dass der T-90M mit einer zusätzlichen Schicht Reak­ tivpanzerung (Explosive Reactive Armor – ERA) sowohl an der Vorderseite des Turmes als auch an der Wanne ausgestattet wird. Dabei handelt es sich um die neue ERA vom Typ Relikt, die einen guten Schutz gegen kinetische und auch leistungsfähige Hohlladungen bieten soll. Die neuen T-90M sollen künftig auch mit einem aktiven Schutz-


EINSATZ UND AUSBILDUNG

system (APS) ausgestattet werden, das ankommende Panzerabwehrraketen und Geschosse erkennen und neutralisieren kann. Diese Abwehrmassnahmen werden durch die Integration fortschrittlicher Elektronik und Gefechtsfeldmanagementsysteme ergänzt, um das Situationsbewusstsein und die Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern. Darüber hinaus verfügt der T-90M jetzt über eine Käfigpanzerung und ein Anti-Drohnen-Netz, die der wachsenden Bedrohung durch FPV-Drohnen und herumlungernden Munitionsangriffen entgegenwirken sollen. Kürzlich gab das russische Verteidigungsministerium bekannt, dass jetzt auch die in der Ukraine stationierten Kampfpanzer T-80BVM standardmässig mit fortschrittlichen Schutzsystemen ausgestattet werden. Dazu gehört die Integration eines Systems zur Unterdrückung von GPS-Kanälen und Drohnensteuerkanälen. Solche Systeme sind entscheidend, um dem weitverbreiteten Einsatz verschiedener Drohnentypen durch gegnerische Kräfte in Konfliktgebieten entgegenzuwirken. Im Weiteren werden die T-72B3M ebenfalls mit der neuen Reaktivpanzerung Relikt sowie mit Käfigpanzerungen ausgestattet.

Das neue Nakidka-Tarnsystem Das kürzlich erstmals an T-90M-Panzern erkannte Tarnsystem Nakidka soll die Wärmebild- und Radarsignaturen von Militärfahrzeugen, vor allem von Kampffahrzeugen, erheblich reduzieren. Das verwendete Material enthält eine fortschrittliche Mischung

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Dieser T-80BVM verfügt über fortschrittliche Schutzsysteme gegen Drohnenangriffe. Bild: Ria Novosti

aus radiowellenabsorbierendem und infrarotdämpfendem Gewebe, das die Erkennung durch Radar, Infrarot und Wärmebildsysteme reduzieren soll. Diese kombinierten Techniken bieten eine umfassende Verteidigung und schützen Panzer vor modernen Aufklärungs- und Waffensystemen, was für die Aufrechterhaltung der operativen Effektivität und der Überlebensfähigkeit der Fahrzeuge im Kampf von entscheidender Bedeutung ist.

Improvisierte Schildkrötenpanzer Russische Schildkröten- oder «Turtle»-Panzer sind in den letzten Wochen öfters auf dem Gefechtsfeld in der Ukraine erkannt worden. Es gibt dazu auch zahlreiche ukrainische Videoaufzeichnungen. Diese Fahrzeuge basieren auf dem Fahrgestell des Panzers T-72 und sind mit einer «Super-Käfigpanzerung» ausgestattet. Diese improvisierten Schutzausstattungen zielen darauf ab, diese Panzer gegen möglichst alle Bedrohungen, insbesondere aber gegen Drohnenangriffe, optimal zu schützen.

UK R A INE R S CHÜ T Z E N S I CH MI T 5 0 -F R A NK E N- GE R ÄT Die Ukrainer zeigen, dass effektvoller Schutz gegen feindliche Drohnen für wenig Geld zu haben ist. Entsprechend begehrt ist «Tsukorok», zu Deutsch «das Zückerchen». Der Detektor steckt in einer kleinen Plastikbox, die mit Bildschirm und Antennen ausgestattet ist. Das Gerät, das in der Ukraine für umgerechnet gerade einmal knapp 50 Franken zu haben ist, ist in der Lage, das gegnerische Steuersignal oder auch die Bildübermittlung der Drohne zu erkennen. Oft kann es auch gleich beide Frequenzen erfassen und ist in der Lage, die meisten russischen Drohnen voneinander zu unterscheiden. Gerade die für Infanteristen besonders bedrohlichen First-Person-View-Drohnen, die nur über einen relativ geringen Radius verfügen, bereiten allerdings Probleme. So können diese auf niedrigere Frequenzen umgeschaltet werden. Mit einer zusätzlichen Antenne und einem Spektrumanalysator könnte «Zückerchen» zwar auch diese detektieren. Dadurch müsste die Box aber viel grösser werden und wäre nicht mehr so handlich, passt das Gerät jetzt doch in jede Tasche. Die Bedienung des Geräts ist einfach und leicht verständlich. Wenn es piept, besteht akute Gefahr. Handelt es sich um eine Aufklärungsdrohne, gilt es sofort anzuhalten, um nicht durch die Bewegung entdeckt zu werden. Schwirrt eine Kamikaze-Drohne heran, gilt es das ungepanzerte Fahrzeug sofort zu verlassen und sich in Deckung zu bringen. cb

Ein russischer Schildkrötenpanzer mit integrierten Störsystemen rollt auf einem Feldweg. Bild: Army Recognition

Diese Modifikationen beeinträchtigen jedoch mehrere Schlüsselfunktionen des Panzers. Sie behindern die Beweglichkeit des Turms und beeinträchtigen die Kampffähigkeit. Laut ukrainischen Quellen sollen russische «Turtle Tanks» eine entscheidende Rolle bei Durchbruchsoperationen gespielt haben, insbesondere bei Minenräumungen und dem Durchdringen feindlicher Linien. Zudem sind in einem erbeuteten Schildkrötenpanzermodell Funkstörsender festgestellt worden, die gegen gegnerische Drohnen und gelenkte Angriffswaffen eingesetzt werden. All diese Verbesserungen und Anpassungen unterstreichen die eher provisorischen Schutzmassnahmen, um künftig die Verluste russischer Kampfpanzer möglichst zu begrenzen. Es gibt eine Kombination aus Hochtechnologie und Handwerkskunst, wodurch diese Verbesserungen spezifisch sind und unter zeitlichem Druck vorgenommen werden. Militäranalysten weisen darauf hin, dass diese Aufrüstung eine direkte Reaktion auf die sich entwickelnden Taktiken in der Ukraine ist, wo der Einsatz von Drohnen die Dynamik der Bodenkriegsführung erheblich verändert hat. Durch die Stärkung der Schutzmassnahmen an Kampffahrzeugen will Russland die Überlebensfähigkeit seiner gepanzerten Einheiten verbessern und seine operative Effektivität aufrechterhalten. Diese Entwicklung unterstreicht Russlands Engagement zur Anpassung seiner militärischen Bewaffnung und Ausrüstung als Reaktion auf die neuen Realitäten auf dem Gefechtsfeld. Während der Krieg in der Ukraine noch längere Zeit andauern dürfte, werden Innovationen wie diese eine entscheidende Rolle bei der künftigen Ausrichtung der gepanzerten Kriegsführung spielen. Oberstleutnant a D Hans Peter Gubler 3045 Meikirch


HÖHERE KADERAUSBILDUNG

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«Tempus fugit ...»: Wenn Führungskräften die Stunde schlägt Gutes «Zeitmanagement» ist ein Erfolgsfaktor militärischer Führung. Mit den anderen Faktoren Raum, Kraft und Information steht die Zeit in Wechselwirkung. Doch das Besondere ist: Eigengesetzlich ­ vergeht sie ohne unser Zutun – unwiederbringlich. Sie diszipliniert ­auszuhalten und gestaltend zu nutzen, ist für Führungskräfte e ­ ntscheidend.

Michael Arnold

«Tempus fugit – velut umbra» heisst das titelerwähnte lateinische Zitat in ganzer Länge. «Die Zeit vergeht wie der Schatten», wissen seit Langem die Sonnenuhren zu bedeuten. Wer den Sprachschatz nach zeitlichen Wendungen durchforscht, stösst auf Einsichten, die weit über die Inhalte militärischer Reglemente zum Zeitmanagement hinausgehen. Denn das Phänomen Zeit und der Umgang mit ihm beherrscht unser ganzes Leben, unser Wirken, unsere Haltung, unablässig. Ihr Lauf, so berechenbar er dank der Uhr ist, hat etwas Endgültiges, der Vergänglichkeit Geschuldetes. Dafür zu sorgen, überhaupt Zeit zu haben, oder vorzukehren, notfalls keine Zeit zu verlieren, oder zu spüren, wenn die Stunde der Entscheidung schlägt: Es sind Schlüsselfähigkeiten, die insbesondere ein militärischer Führer besitzen muss. Einige Überlegungen dazu sollen helfen, bewusster, umsichtiger und verantwortungsvoller mit der Zeit als Ressource um-

zugehen. Nicht um Zeit oder gegen die Uhr zu kämpfen gilt es. Vielmehr geht es darum, das Führen und Handeln auf die gegebenen Freiräume, seien sie kleiner oder grösser, bestmöglich abzustimmen – der Zeit also den unterstellten «Argwohn» zu nehmen.

Zeit als Ordnungsprinzip Neuralgischer Punkt. Ordnung, nicht als Selbstzweck verstanden, ist ein Schlüsselbegriff jeglicher Führung. Führungskräfte schaffen sie durch Vorbild oder erzwingen sie, weil die gegenteilige Unordnung meistens gefährliche Unsicherheit und Ineffizienz bedeutet und damit die Erfüllung der Aufgabe in Frage stellt. Zur disziplinierenden Ordnung gehört insbesondere der Umgang mit der Zeit. Sie gilt als neural­ gischer Punkt der Führung, weil ihre Verkennung unumkehrbare Folgen hat: Zuspätkommen und Verpassen. Die Regelung der Zeitverhältnisse ist auch deshalb so elementar, weil sie Anfang, Ende und Vorgehenstakt (Tempo) einer Aktion vorgibt.

Marinechronometer H-5 von John Harrison (1693–1776). Schlicht und schön. Ein früher Inbegriff genauer Zeitmessung: Mit einer Abweichung von nur einer Drittelsekunde pro Tag erfüllte er die notwendige Präzision für die Längengradberechnung zur Navigation auf See bei Weitem. Bild: Wikipedia, John Harrison Clockmaster

Sicherheit. Der zeitlich strukturierte Handlungsrahmen schafft Klarheit und Sicherheit als Voraussetzung für eine zeitgerechte Aufgabenbewältigung. Die entscheidende Frage ist dabei: Wann und wie lange muss die im Auftrag geforderte Wirkung erfolgen? Die Rückrechnung auf der Zeitachse, vom Endzustand in die Gegenwart, ist zwingend, keineswegs trivial und ohne letzte Sicherheit. Gewiss ist, dass die Zeit zwar konstant vergeht, aber so wenig wie die anderen Faktoren nach der erfolgten Lagebeurteilung eine «Konstante» bleibt. Wie kaum etwas anderes hat aber die Zeit das Potenzial, den berüchtigten «Strich durch die Rechnung» zu machen.

Zeit als «Tyrann» Zeitmacht. Die Entwicklung genauer Zeitmesser verbesserte einst die Navigation in der Schiffsführung entscheidend. Im Zuge der Industrialisierung, die Uhr war dabei wohl die wichtigste Maschine, bot sich die Möglichkeit, das Leben und Wirtschaften zeitlich durchgehend effizient einzuteilen, zu koordinieren – und immer mehr aus der Zeit herauszuholen. Seither kennen wir auch den Begriff «Zeit ist Geld» und Pünktlichkeit beziehungsweise Präzision als «Tugend». Tempo und Hetze stehen als Synonym für den fast allmächtigen Status der Uhr. Vorbei mit der früheren (vorindustriellen) Gleichgültigkeit gegenüber der Uhrzeit? Ja und nein: Ja, weil man das zunehmende Tempo, zum Beispiel auf dem Gefechtsfeld, nicht ohne verheerende Folgen ausblenden kann; nein, weil «Getriebensein» keine Option sein darf und die Initiative wiedererlangt werden muss. Aktivismus. In der Führung erwächst daraus ein Druck und die bange Feststellung, dass sich die Zeit nicht so managen lässt wie etwas anderes, vielleicht Materielles. Detaillierte Zeitpläne, knappe Termine


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Zur strategischen Führung gehört Realitätssinn, Voraussicht und Menschenkenntnis. Bundesrat Rudolf Minger kämpfte für die Landesverteidigung, einsam und ohne falsche Scheu; dem nachmaligen General Henri Guisan bedeutete er schon Anfang 1939, er solle sich bereithalten. Bild: mingerruedi.ch

und überfüllte Agenden beherrschen vielfach den Führungsalltag. Doch Pläne und Termine bleiben, was sie sind: unvollkommene Vorstellungen und Versuche, zu lösen und zu beherrschen, was als Problem erkannt wurde. Noch so beeindruckend volle Agenden können nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit «Aktivismus» nicht automatisch viel erreicht werden kann. Kann der «Tyrann» nicht in Grenzen gehalten werden, so frisst er immer mehr Ressourcen, ohne dass sich ein Resultat verbessern lässt.

Zeit als Ressource Investition. Zur militärischen Führungskompetenz gehört also auch der souveräne Umgang mit der Zeit. Nicht das sicher notwendige «Nacheinander» und «Miteinander» zu regeln, ist hier gemeint, sondern die kreative Nutzung der Zeit als Mittel. Der Akzent liegt nicht im Kampf gegen die einengenden Zwänge der Zeitverhältnisse beispielsweise im Einsatz, sondern auf der gezielten Mehrung eigener Optionen beziehungsweise der Schmälerung derjenigen auf der Gegenseite. Zeitliche Ressourcen investiert man, um Vorteile zu gewinnen oder Nachteile auszugleichen. Dazu braucht es auch eine Portion Mut, beispielsweise gegen das Vorurteil der Zeitverschwendung anzutreten.

«Erfolgreiche Führungskräfte sind diszipliniert. Sie halten Ordnung mit sich selber und mit ihren Tätigkeiten. Sie organisieren sich, ihre Agenda und ihr Umfeld so, dass sie nicht im Strudel der Tagesgeschäfte untergehen. Sie haben immer Zeit, weil sie sich immer wieder von Neuem Zeitreserven schaffen: Zeit für das (strategische) Nachund Vordenken und Zeit für andere Menschen.» Bindschedler / Frick / Zwygart (3)

Reserven. Der allgemeine Führungsgrundsatz der Schwerpunkt- und Reservebildung gilt auch für die Zeit. Alles braucht letztlich Zeit: Nachrichtenbeschaffung, Führungsprozesse (Lagebeurteilung, Entschlussfassung), Bereitschaft, Ausbildung, Teambildung, Vor- und Nachdenken. Die entsprechenden Standardprozesse regeln nur die (logischen) Abläufe, nicht aber das Tempo, nicht Anfang und Ende – und nicht, für was wie viel Zeit eingesetzt werden soll. Doch nie ist Zeit einfach so oder unbegrenzt verfügbar; auch nicht, wenn es darum geht, eine Reserve etwa für Unvorhergesehenes, Menschenführung oder Ausbildung zu schaffen. Chefsache ist es, die Nutzung der Zeit zu gestalten, im richtigen Moment.

Zeit als strategisches Gut Denkweise. Für die strategische Führung werden eine gewisse geistig-charakterliche Souveränität, übergeordnete «Flughöhe» und ein integrales Zeitverständnis vorausgesetzt. Kein Zweifel, dass diese nicht kraft der Ernennung oder Wahl einfach gegeben sind. Unter den hohen Anforderungen ragen die Voraus- und Umsicht sowie die Urteilsfähigkeit heraus. Die langfristigen Ziele der Strategie verlangen eine gesamtheitliche Denkweise bis weit in die Zukunft hinein und über das gesamte Umfeld hinaus. Die


Allgemeine Schweizer Militärzeitschrift

dazu notwendige Zeit zum Nachdenken und Überlegen wird in der Regel unterschätzt. Es braucht also zur strategischen Führung fähige Menschen und Zeit. Zeit, gepaart mit Urteilsfähigkeit, der wahrscheinlich wesentlichsten Führungseigenschaft überhaupt. Wenn an alle entscheidenden Faktoren auf einmal gedacht wird und diese in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit eingeschätzt werden, müsste auch der zeitkritische Pfad erkannt werden können. «Gouverner, c’est prévoir.» Und gute Voraussicht schafft Zeitund Personalreserven, die nie im Zuge einer «Vogel-Strauss-Politik» generiert werden können. Verlockungen. Doch die Fallgruben strategischer Führung sind nur zu bekannt und gar sprichwörtlich: «Kommt Zeit, kommt Rat» ... Darin offenbart sich nach Heinrich Oswald jenes Denken, das der Zeit den Entschluss zuschiebt, den man selbst nicht fassen kann oder will.1 Das Abwarten der Lageentwicklung geschieht oft in der irrigen oder bequemen Auffassung, mehr Informationen oder grössere Gewissheit zu erlangen. Zu spätes und meist überstürztes, ineffizientes Handeln ist die Folge. Das gilt auch für den häufigen Fall, dass vor dem Handeln noch mehr Ressourcen als «Sicherheit» gesucht werden. Jede Antizipation, jede Voraussicht, jedes Denken in Szenarien, das die Strategie eigentlich auszeichnet, wird – wenn überhaupt erfolgt – durch den fehlenden Willen und Mut zum Handeln zur Makulatur. Mit ernsthaften Folgen für die nachfolgenden Führungsstufen.

Zeit als operativ-taktischer Faktor Prozesse. Die militärische Führung kennt durchgehende, standardisierte Prozesse, von der militärstrategischen über die operative bis zur taktischen Stufe hinunter. Durch klare Abläufe, Schnittstellen, Produkte der Führung und die Mittel der Führungsunterstützung kann rational und zeitlich effizient gearbeitet werden. Die Führungsreglemente der Schweizer Armee (Stand 2017) betonen auch zu Recht die grosse Bedeutung der Zeit als Faktor der Lagebeurteilung. Einerseits als Bestandteil des zu erreichenden militärischen Ziels (Endzustand: Zeitpunkt, Dauer), anderseits als stetige Begleiterin der Führung (Prozess: Taktung, Koordination). Es wird auch verlangt, dass zeitlich und inhaltlich stufenüberschneidend, also teilweise parallel und nicht stur nacheinander gearbeitet wird. Ebenso liegt es im Ermessen

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GE B O T E F ÜR F ÜHRUNG S K R Ä F T E IM UMG A NG MI T DE R Z E I T 1 Zeit nicht beklagen, sondern bewusst als Ressource einsetzen 2 Permanent Zeitreserven schaffen 3 Zeitnot durch Gelassenheit entschärfen 4 Selbstdisziplin vorleben und Herr über die eigene Agenda bleiben 5 Vorausdenken und vorsorgliche Massnahmen treffen 6 Zeitkritische Wege permanent überwachen 7 Zeitgerecht denken und handeln statt zaudern 8 Schwerfällige Prozeduren notfalls verkürzen 9 Zeit für die Menschen im Einsatz nehmen 10 Die Ausbildung zeitlich möglichst ausdehnen Quelle: Autor

des Führers, Prozessschritte je nach Zeitverhältnissen und unter Beurteilung des Risikos abzukürzen, so dass zeitgerecht entschieden und gehandelt werden kann. Das kann im Extremfall auf unteren Stufen in Form von zeitraffenden, reflexartigen oder intuitiven Spontanentscheiden geschehen. Vorzuziehen sind aber in jedem Falle rationale Abläufe, zum Beispiel mit effizienten Kernstäben. Perfektion. Die gemäss vorherrschender Meinung anzustrebende, zeitaufwendige «Perfektion» ist zwar wünschbar, sollte aber nicht durch die Vernachlässigung eines eventuell fruchtbarer auszuwertenden «Zeitgewinns» erkauft werden. Der Faktor Zeit, das heisst die verfügbare Zeit, ist für die Qualität der Entscheidfindung punkto Gründlichkeit und Präzision mitbestimmend. Dabei müssen Führer in der Lage sein, zeitsparend Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und Entscheide zur richtigen Zeit zu fassen. Sie müssen zweifellos über den Mut verfügen, den Sprung ins Ungewisse zu wagen. Denn eines ist und bleibt eine unangenehme Tatsache: Selbst eine richtige Entscheidung wird zur falschen, wenn sie zu spät getroffen wird. Zeitplanung. Die Zeitplanung begleitet alle militärischen Führungstätigkeiten, ebenso wie die laufend zu treffenden Sofortmassnahmen. Es gilt auch die drei ­«Uhren» von Auftrag/Aktion, Stabsarbeit und Kommandantentätigkeit zu synchronisieren und die nötigen Valenzen zu gewinnen, den inhaltlich relevanten Faktor Zeit in der Lagebeurteilung als Teil des Entschlusses zu bearbeiten. Dessen zeitliche Zielsetzungen (Eckpunkte und Dauer der Aktion) korrespondieren wiederum mit Raum und Kraft. Bereitschaft und Durchhaltefähigkeit sind zudem elementare Voraussetzungen, die durch zeitlich vorangesetzte, vorsorgli-

che Massnahmen günstig beeinflusst werden können. Kluge Führung sorgt immer vor und generiert dadurch zeitliche Freiräume, vor allem für Unvorhergesehenes.

Zeit und Leadership Zeitempfinden. Das Zeitempfinden ist zwar weitgehend eine persönliche Sache, muss aber in der Führung den Bedürfnissen des Auftrags und der Geführten untergeordnet werden. Führer aller Stufen müssen ihre Verantwortung erkennen, eine hohe Selbstdisziplin an den Tag legen, sich organisieren können und ein verlässliches eigenes Zeitmanagement leben. Das ist wiederum eine Voraussetzung dazu, im Einsatz dem doppelt wirkenden Druck zu widerstehen: der stetigen Verknappung der verfügbaren Zeit und dem daraus entstehenden mentalen Stress. Die Gewissheit, dass die Zeit nicht anzuhalten ist, setzt die Führung unter Druck. Dieser ist aber nur zu oft selbst verschuldet. Zur Führungskompetenz gehört die Auseinandersetzung mit diesen unangenehmen, oft beängstigenden Zeitaspek­ ten, im Wissen, dass das «Prinzip Hoffnung» keine empfehlenswerte Methode ist. Zeitnot. Handeln in absoluter «Zeitnot» kommt viel seltener vor – und ist auch milder zu beurteilen –, als der fahrlässig durch bequemeres Ausblenden, opportunistisches Zögern oder krasses Falschbeurteilen entstandene Handlungsdruck mit erst recht unabsehbaren Folgen. Erfolgreiches Leadership erfordert das Aushalten des Zeitdrucks, versucht diesen wo immer möglich zu minimieren oder gar zu vermeiden. Eigene Gelassenheit verhindert Hektik, sachlich-methodische Vorgehensweise steigert Effizienz und Qualität, gelebte Auftragstaktik fördert Vertrauen, Mut zum Entscheiden und Handeln beflügelt die Beteiligten. Die persönliche Einflussnahme des Führers ist mitent-


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scheidend, indem er vorausdenkt, Vorsorge betreibt, rechtzeitig entscheidet und damit das «System» beruhigt und vor allem auch an kritischen Punkten der «Front» durch sein Erscheinen den Unterstellten Anteilnahme zeigt, unterstützt und Sicherheit gibt. Die Zeit dazu nimmt er sich aus den eigenen Reserven, die er durch Delegation von Unwichtigerem und Schwergewichtsbildung dauernd schafft. Gunst der Stunde. Den «Schlag der Stunde» hören meint, über die Sensibilität zu verfügen, den Zeitpunkt zu erkennen, wenn gehandelt werden muss. Richtig gesetztes Zupacken kann eine sich unerwartet ergebende Chance nutzen, eine Aktion entscheiden, die Initiative zurückgewinnen oder auch ein Unglück vermeiden. Die Gunst der Stunde wahrzunehmen, setzt Erfahrung, geistige Unabhängigkeit und Kaltblütigkeit voraus, ganz zu schweigen vom Mut. Es gibt dazu aber auch Killerkriterien wie Zögerlichkeit, mangelnde Vorstellungskraft und vorgefasste Meinungen. Das fatale, strikte Festhalten an vielleicht unklaren, verspäteten oder überholten Befehlen, trotz evidenten Hinweisen auf eine Lageveränderung, ist kriegsgeschichtlich nur zu bekannt. «Marcher au canon» würde bedeuten, die Anzeichen ernst zu nehmen, allenfalls zeitgerecht vom Auftrag abzuweichen und im Gesamtrahmen vielleicht entscheidend zu wirken.

Zeit in der Ausbildung Können. Dass eine solide Ausbildung Zeit braucht, bestreitet niemand. Dass sie viel mehr Zeit braucht, als in der Regel zur Verfügung steht, wird zu oft ausgeblendet. Der «beste Lehrer» ist zwar der Ernstfall, aber auch der zynischste, weil an Menschenleben

teuerste. Diesen zu verhüten, gehört ja gerade zum Zweck einer fitten, einsatzbereiten Streitkraft. Einsatzbereitschaft basiert auf vielen Voraussetzungen, die Zeit erfordern: Zeit, seine Funktion zu lernen, im Verband zu üben, weiter zu trainieren, Erfahrungen zu sammeln und auszuwerten, weiter zu trainieren. Viele Aktivitäten lassen sich durch Standardisierung und Drill zeitsparend umsetzen. Führungskräfte kennen den Ausbildungsstand ihrer Kader und Soldaten. Dem Ungenügen helfen sie so weit wie möglich ab, indem sie unablässig Zeit für die Ausbildung einsetzen, diese auch überprüfen, nachbessern – und auch Fortschritte belohnen. Verhalten. Die Erziehung zur Pünktlichkeit ist wohl die naheliegendste Verhaltensschulung, was die Zeit betrifft. Man sieht aber häufig, dass darauf übertrieben herumgeritten wird. Pünktlichkeit ist nur ein Gewand unter vielen, mit denen sich die Disziplin umgibt. Wichtiger ist, dass für zeitliche Verhältnisse in Führung und Einsatz überhaupt eine Vorstellung gewonnen wird. Das Verständnis fördert die Nachvollziehbarkeit von Zusammenhängen und somit das Mitdenken im Rahmen der Auftragstaktik. Auch falsche Zeitgewohnheiten können mit richtiger Erziehung abgestellt werden, so die weitverbreitete «Kopflosigkeit» in Zeitnot. Ein alter Slogan aus der militärischen Unfallverhütung lautete: «Pressiert’s, passiert’s.»Eine Mahnung mit der Konsequenz, notwendige Kontrollen und vorsichtige Verfahren nicht leichtfertig der Zeit zu opfern.

Zeitlose Einsichten

Menschen zur Zeit, der Umgang mit ihr, auch mit der eigenen Vergänglichkeit. Alles hat seine Zeit, kommt und vergeht also; aber auch alles braucht seine Zeit, nicht zuletzt die Bildung erfolgreicher Teams, seien es Soldaten, Kader oder Entscheidträger in Politik und Wirtschaft. Keine Zeit haben ist keine Option in der Führung, sie ist eine Flucht vor der Verantwortung. So wie das notorische Zaudern, Hinausschieben, dauernde Hinterfragen Schwächezeichen von Chefs sind, die sich vordergründig überlegen zu geben versuchen, in Wahrheit aber ausweichende Versager sind. Kommen diese verheerenden Zeitgewohnheiten, getarnt mit allerhand staatsmännischem Gehabe und legalistischem Beiwerk, in der aktuellen schweizerischen Sicherheits- und Militärpolitik nicht bekannt vor? Man kann in der Führung die Kräfte falsch einschätzen, raumbedingte Fehler begehen oder über ungenügendes Wissen verfügen: Doch nichts ist so unentschuldbar wie nicht zu denken und zu handeln, wenn man noch Zeit dazu hätte. «Sicherheitspolitik unter der Käseglocke», urteilte schon früher Bruno Lezzi. Heute müsste man betreten hinzufügen: Immer noch – wohl zeitlos wie der Vogel Strauss. 1 2 3

Oswald, Heinrich. Führen statt verwalten – ­Akzente der Unternehmensführung. Haupt Verlag, Bern 1967, S. 26. Levine, Robert. Eine Landkarte der Zeit – wie ­Kulturen mit Zeit umgehen. Pieper Verlag, ­München 1999, S. 120. Bindschedler, Georges. Frick, Bruno. Zwygart, ­Ulrich. Alexander – oder die Aufforderung an ­Führungskräfte, Grenzen zu überwinden. Haupt Verlag, Bern 1998, S. 21.

«Wie genau Uhren auch immer sein mögen, sie liefern nicht die Wahrheit über die Zeit», nach Robert Levine2. Im Verborgenen wirkungsmächtiger ist die Einstellung des

Oberst i Gst a D Michael Arnold lic. phil. II Redaktor ASMZ michael.arnold@asmz.ch 6006 Luzern

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Vertrauen im Einsatz: Zwischen «Show of Force» und «Show of Vulnerability» Die militärische Friedensförderung steckt in der Krise. Konflikte werden kaum weniger, Mandate komplexer und Ressourcen knapper. Friedenstruppen sind herausgefordert, ihre Aufgaben nachhaltig zu erfüllen. Vertrauensbildung mit der lokalen Bevölkerung wird zum erfolgskritischen Faktor und stellt zugleich einen Spagat dar. Maximilian Stoller, Allard Duursma, Hubert Annen

Wind und Regen. Angenehm ist es kaum in dieser Jahreszeit. Der Untergrund ist mehr Schlamm als Strasse. Die Lichter der weissen Fahrzeuge mit den prägnanten schwarzen Lettern – UN – reichen gerade so aus, um das nächste Fahrzeug zu erahnen. Eigentlich wäre es besser, in der Basis zu bleiben, um das eigene Risiko zu minimieren. Militärisch mögliche Szenarien wie ein Hinterhalt oder eine Geiselnahme sind hier immer ein Risiko, doch aktuell beschäftigt den Kommandanten der Einheit das Risiko eines Unfalls fast mehr. Bei diesem Wetter wäre logistische oder medizinische Unterstützung kaum schnell genug vorhanden. Trotzdem ist diese Fahrt wichtig – vielleicht gerade wegen all dieser Risiken. Die leicht bewaffnete Einheit erreicht nun das Dorf in den Bergen. Die Bewohner sind eine ethnische Minderheit, die immer wieder in die regionalen Konflikte hineingezogen wird. Sie fühlen sich vom Staat und auch den Vereinten Nationen allein gelassen, da ihre Anliegen keinen Stellenwert in den nationalen Verhandlungen haben. In den vergangenen Wochen hatte der Kommandant immer wieder Patrouillen in die entlegene Region angeordnet. Der Schutz von ethnischen Minderheiten ist Teil des Mandates. Die lokale Bevölkerung zeigt sich je-

doch verschlossen und teils feindselig, nicht selten wurden Steine auf die Fahrzeuge geworfen. Heute hat sich der Kommandant selbst auf den Weg gemacht, nachdem die Friedenstruppen informiert wurden, dass das Unwetter die NGOs daran hindert, Güter in die Berge zu bringen. Die drei Fahrzeuge sind gefüllt mit Essen und Medikamenten. Die Soldaten beginnen die Güter abzuladen und erste Dorfbewohner nähern sich bewaffnet und zögerlich den Fahrzeugen. Der Kommandant nimmt sich ein Stück Brot, watet durch den Regen zu einem älteren Mann und streckt ihm das Brot hin. Der Mann schaut ihn an und nickt. Die Dorfbewohner hängen ihre Waffen auf den Rücken, treten an die Fahrzeuge heran und beginnen die Güter gemeinsam mit den Soldaten in die Häuser zu schaffen. Der ältere Mann reicht dem Kommandanten die Hand und dieser zieht seinen durchnässten Handschuh aus und erwidert die Geste.

Bereitschaft zur Verletzbarkeit Welche Faktoren sind entscheidend für den Erfolg in der militärischen Friedensförderung? In der Forschung finden primär politische und strategische Aspekte Beachtung. Und in der Praxis der Friedensförderung zeigt sich, dass vor allem die klassischen militärischen Überlegungen im Zentrum stehen. Dies ist auch nicht weiter

verwunderlich, da aus militärischer Sicht Aspekte wie der Eigenschutz und das Erlangen von territorialer Kontrolle – nicht selten in Form von «Show of Force» – höchste Priorität geniessen. Auch für die Friedenstruppen sind diese militärischen Überlegungen relevant, aber in ihrem spezifischen Einsatzumfeld nicht ausreichend, denn Eigenschutz und territoriale Kontrolle geht oftmals mit der Abschottung gegenüber Zivilisten einher. In einem Konfliktgebiet, in dem die Friedenstruppen in geringer Zahl, inmitten und nicht selten auch zum Schutz der lokalen ethnisch diversen Bevölkerung eingesetzt werden, verhindert eine solche Abschottung die Vertrauensbildung. Dieses Vertrauen wäre jedoch nötig, um auf taktischer Ebene den Eigenschutz und auf strategischer Ebene die Erfüllung des Mandates längerfristig sicherstellen zu können. Vertrauen kann häufig nur über längere Zeit und in kleinen Schritten in einem dynamischen Interaktionsprozess aufgebaut werden. Der zentrale Faktor dabei ist, dass die Friedenstruppen eine Bereitschaft zur Verletzbarkeit – sozusagen eine «Show of Vulnerability» – zeigen. Denn wie im Beispiel zu Beginn aufgezeigt, führt gerade das Eingehen von Risiken dazu, dass das Gegenüber von den eigenen positiven Intentionen überzeugt werden kann. Sei dies schon nur durch das Senken der Waffe, wenn man auf jemanden zugeht, oder eine Patrouille zu Fuss anstatt im Fahrzeug durchzuführen. Solche Handlungen zur Vertrauensbildung müssen dabei vor allem von den Friedenstruppen ausgehen, da zwischen ihnen und der lokalen Bevölkerung allein schon durch die Bewaffnung der Soldaten ein Machtgefälle besteht.


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P OL I T IK W I S S E N S CH A F T L I CHE P E R S P E K T I V E V ON P R OF E S S OR DUUR S M A Vertrauen ist das Lebenselixier der Friedenssicherung. Fehlt es, wird die Fähigkeit untergraben, Zivilisten zu schützen und politische Lösungen zu fördern. Die im Juni 2023 beendete UN-Mission in Mali ist ein Beispiel für die Folgen von Vertrauensverlust. Mehrere Faktoren tragen zur Erosion des Vertrauens bei. UN-Friedensmissionen, die sich für Demokratisierung und Menschenrechte einsetzen, stossen oft auf den Widerstand lokaler Eliten, die Angst vor Machtverlust haben. Immer mehr Staaten bevorzugen alternative Sicherheitslösungen, was das traditionelle Modell der Friedenssicherung erschwert. So zog die malische Regierung beispielsweise die Wagner-Gruppe den UN-Friedenstruppen vor und bevorzugte Operationen ohne internationale Aufsicht. Darüber hinaus haben geopolitische Differenzen, insbesondere zwischen Russland und dem Westen seit 2014, Spannungen und Desinformationen geschürt, was die vertrauensbildende Aufgabe der Friedenstruppen erschwert. Um Vertrauen wieder aufzubauen, bemühen sich Friedenstruppen um Beziehungen zu lokalen Gemeinschaften und Behörden. Forschung zu Vertrauensbildung auf lokaler und zwischenmenschlicher Ebene im Einsatz ist deshalb heute nötiger denn je. Mit einem grösseren Mass an Vertrauen wären die Friedenstruppen wieder besser in der Lage, ihre Kernaufgabe zu erfüllen. Die Gründerväter der UNO hatten die Idee, militärische Kräfte zur Unterstützung politischer Prozesse einzusetzen. Diese unkonventionelle, aber einfache Idee kann nur mit Vertrauen funktionieren.

Zudem muss berücksichtigt werden, dass die lokale Bevölkerung in den Konflikten häufig unter der Willkür von uniformierten Personen gelitten hat. Uniformen stehen deshalb oftmals nicht für Sicherheit, sondern für Bedrohung, und ihnen wird mit Misstrauen begegnet. Damit erhöht sich die Unsicherheit, unter der die Soldaten ihre Aufgabe zu erfüllen haben. Speziell aus einer militärischen Perspektive wirkt es auf den ersten Blick paradox, dass zur langfristigen Stärkung der Kontrolle über eine Situation erst einmal ein Vertrauensvorschuss gewährt und damit ein bewusster Verlust der Kontrolle in Kauf genommen wird.1 2 3

Von der Resilienz über die Doktrin zum Mandat Solche Ideen können auch kritisch gesehen werden. Die Bereitschaft zur Verletzbarkeit bedeutet in der Praxis auch, eine unter Umständen taktisch ungünstige Position einnehmen zu müssen, eine Gelegenheit, das Heft an sich zu reissen, verstreichen zu lassen, oder ganz einfach das Leben seiner Unterstellten zusätzlich zu gefährden. Dennoch bleibt es eine Tatsache, dass gescheiterte Friedensförderungsmandate oft auf eine mangelhafte Vertrauensbasis zurückgeführt werden können.1 Wie kann also die Vertrauensbildung im Einsatz nachhaltig integriert werden, ohne die Soldaten zu überfordern, ihr Risiko grundlos zu erhöhen und sie dadurch bei ersten Anzeichen von Schwierigkeiten in klassisch militärische Verhaltensmuster zurückzudrängen? Ein wichtiger Ansatzpunkt, um mit dieser Herausforderung im Einsatz

umzugehen, wäre, die Resilienz der Soldaten zu stärken. Der Einsatz allein ist schon ein hoher Stressor, und wenn die Friedenstruppen auch noch angehalten sind, zugunsten der Vertrauensbildung ihre Bereitschaft zur Verletzbarkeit zu zeigen, dürfte sich der Stress zusätzlich erhöhen.4 Um in diesen herausfordernden Lagen bestehen zu können, müssen Soldaten erstens entsprechend ausgebildet werden und zweitens muss die Einsatzdoktrin eine solide Grundlage bilden, um klassische militärische Tätigkeiten mit sozial-psychologischen Massnahmen zur Vertrauensbildung zu vereinen. Dabei liegt der Fokus neben taktischen Überlegungen und sozialen Kompetenzen auch auf kulturellem Verständnis. Das Zusammenspiel der genannten Faktoren sowie die Bedeutung situationsabhängiger kognitiver und emotionaler Zustände5 für die dynamische Vertrauensbildung zwischen Soldaten und der lokalen Bevölkerung sind Gegenstand eines aktuellen Forschungsprojekts.6

Was am Ende bleibt Friedenstruppen müssen in immer komplexeren Einsätzen zunehmend mehr mediatorische und diplomatische Aufgaben wahrnehmen. Dies bedingt, dass die reine «Show of Force» der Friedensförderung nicht genügt und eine «Show of Vulnerability» ebenfalls ihren Platz haben muss. Diese zwei Denkansätze miteinander zu vereinen, ist eine zentrale Aufgabe der heutigen Friedenstruppen und erfordert ein Ausbrechen aus rein militärischem Denken. Denn Friedensförderung ist mehr als Eigenschutz und territoriale Kontrolle, es geht darum, ein Man-

dat zu erfüllen und damit zum nachhaltigen Friedensprozess beizutragen.7 8 Diese Weiterentwicklungen der Friedenstruppen dürfen wir trotz Rückschlägen und oftmals berechtigter Kritik an den Vereinten Nationen mit der Gewissheit angehen, dass nicht alles perfekt sein muss, um etwas Gutes zu tun. Wie der zweite Generalsekretär der Vereinten Nationen, Dag Hammarskjöld, 1954 zum Ausdruck gebracht hatte, seien die Vereinten Nationen nicht gegründet worden, um den Himmel auf Erden zu schaffen, sondern um uns vor der Hölle zu bewahren.9 Die Friedenstruppen sollen durch ihre Präsenz und ihr Handeln in den gefährlichsten Regionen dieser Welt mehr Vertrauen bei der lokalen Bevölkerung aufbauen und damit die Basis für den Erfolg der Mission schaffen. 1

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Autesserre, S. (2014). Peaceland: Conflict reso­ lution and the everyday politics of international intervention (3rd printing). Cambridge University Press. Ruffa, C. (2018). Military cultures in peace and ­stability operations: Afghanistan and Lebanon (1st edition). University of Pennsylvania Press. Singleton, S. & Holohan, A. (2017). The Case for ‘Trust Awareness’ as a Key Soft-Skill for Peace­ keepers. Journal of International Peacekeeping 21(3-4), 224–245. Zueger, R., Niederhauser, M., Utzinger, C., Annen, H., & Ehlert, U. (2023). Effects of resilience training on mental, emotional, and physical stress out­ comes in military officer cadets. Military Psychology 35(6), 566–576. Seu, I. B. (2022). States of Mind in Conflict: ­Enhancing a psychological understanding of peace mediation. Final Report. Dissertationsprojekt von Maximilian Stoller ­(MILAK/ ETH) in Zusammenarbeit mit Professor Allard Duursma (ETH), Professor Hubert Annen (MILAK), Professor David Curran (Coventry ­University) und Oberst Markus Schefer (Schweizer Armee, IB V). Curran, D. (2017). More than Fighting for Peace? Conflict Resolution, UN Peacekeeping, and the Role of Training Military Personnel. The Anthropocene: Politik-Economics-Society-Science: Vol. 8. Springer. Matthews, M. D. (2012). Cognitive and Non-Cog­ nitive Factors in Soldier Performance. Oxford ­University Press. Address by Secretary-General Dag Hammarskjöld at University of California Convocation, Berkeley, California, Thursday, May 13, 1954, at 10:00 a.m. (Pacific Coast Time)

Oblt Maximilian Stoller Wissenschaftlicher Assistent MILAK / Doktorand ETHZ ETH Zürich 8610 Uster Prof. Dr. Allard Duursma Assistant Professor in Conflict Management and International Relations ETH Zürich 8044 Zürich Oberst Hubert Annen Prof. Dr. Dozent Militär­psychologie und ­­ Militär­pädagogik, MILAK/ETHZ 6300 Zug


INTERNATIONALE NACHRICHTEN

NATO

Mark Rutte wird neuer Generalsekretär Die NATO hat entschieden: Der scheidende niederländische Ministerpräsident Mark Rutte wird ab Oktober neuer Generalsekretär des Verteidigungsbündnisses und damit Nachfolger von Jens Stoltenberg. Der 57-jährige Rutte bringt viel Erfahrung mit, war er doch der am längsten amtierende Regierungschef in der Geschichte der Niederlande. In seiner fast 13-jährigen Amtszeit hat er sich den Ruf eines geschickten Diplomaten und Konsensbildners erworben. Rutte übernimmt die Führung der NATO in einer Zeit grosser Herausforderungen. Der andauernde Krieg in der Ukraine und die zunehmenden geopolitischen Ambitionen Chinas werden ganz oben auf seiner Agenda stehen. Auch intern gilt es, die Einheit der Allianz zu wahren, angesichts des Er-

ITALIEN

Zoll beschlagnahmt illegale China-Drohnen für Libyen Italienische Behörden haben Anfang Juli eine illegale Waffenlieferung aus China nach Libyen aufgedeckt und beschlagnahmt. Bei einer Routinekontrolle im süditalienischen Hafen Gioia Tauro entdeckten Zollbeamte in sechs Containern Komponenten für zwei chinesische Militärdrohnen vom Typ Wing Loong II. Die Drohnenteile waren als Windturbinenausrüstung getarnt, um das von den Vereinten Nationen verhängte Waffenembargo gegen Libyen zu umgehen. Nach Angaben der italienischen Behörden sind die

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starkens nationalistischer und populistischer Strömungen in diversen Mitgliedsstaaten. Eine weitere Bewährungsprobe könnte bereits einen Monat nach seinem Amtsantritt mit der möglichen Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten auf ihn zukommen. Rutte bringt aber genau diejenigen Qualitäten mit, die es für diese Herausforderungen braucht. In den Niederlanden hat er wiederholt bewiesen, dass er in der Lage ist, tragfähige Koalitionen auch in schwierigen politischen Konstellationen zu schmieden. Auf internationalem Parkett hat er sich als Vermittler und «Dealmaker» einen Namen gemacht, etwa beim EU-TürkeiAbkommen zur Eindämmung der Flüchtlingskrise 2016. Auch im Umgang mit Trump könnte sich Ruttes Pragmatismus als wertvoll erweisen – immerhin soll ihn der Ex-Präsident einst als «Trump-Flüsterer» bezeichnet haben. Klar ist: von Rutte werden entschlossene Führung und klare Positionen erwartet. Als einer der heftigsten Kritiker

von Wladimir Putin wird er den Kurs der NATO gegenüber Russland zudem weiter verschärfen. Die Unterstützung für die Ukraine dürfte er mit Nachdruck vorantreiben, ebenso den Ausbau der Abschreckung an der NATO-Ostflanke. Auch die Lastenteilung innerhalb des Bündnisses und die Erfüllung des Zwei-Prozent-Ziels bei den Verteidigungsausgaben werden ein Thema bleiben, wenngleich per Ende 2024 die meisten Mitglieder das geforderte Soll erreichen werden. Den Zusammenhalt des Bündnisses muss er mit Fingerspitzengefühl an- und dabei gründlich auf die Befindlichkeiten der einzelnen Mitglieder eingehen. Gerade im Umgang mit Ländern wie Ungarn oder der Türkei wird seine Fähigkeit zur Moderation und Kompromissfindung gefragt sein. Auch die Kooperation mit der EU gilt es weiter auszubauen, ohne dabei die Nicht-EU-Mitglieder der NATO zu verprellen. Mit Rutte bekommt die Allianz einen erfahrenen Krisenmanager und überzeugten Transatlantiker

an der Spitze. Putins Russland wird in ihm einen entschlossenen Gegenspieler finden. Und sollte Trump zurück ins Weisse Haus einziehen, hätte die NATO immerhin jemanden, der weiss, wie man mit ihm umgehen muss. pk

Drohnen über 10 Meter lang, haben eine Flügelspannweite von etwa 20 Metern und wiegen jeweils mehr als drei Tonnen. Auf einer der Drohnen prangte sogar der irreführende Schriftzug «The energy saving world». Die Fracht war auf dem Containerschiff MSC Arina aus dem chinesischen Hafen Yantian auf dem Weg nach Bengasi, einer Hochburg von General Khalifa Haftar, dem mit der Regierung rivalisierenden ehemaligen Militäroffizier und nunmehr Warlord im Osten Libyens. Italienischen Medienberichten zufolge erfolgte der Zugriff nach einem Tipp des US-Geheimdienstes. Bereits im April hatten kanadische Ermittler zwei in Kanada lebende Libyer wegen des Verdachts festgenommen, den Kauf chinesischer Drohnen im Tausch gegen libysches Rohöl zu

organisieren. Die Beschuldigten sollen als Vermittler zwischen einem chinesischen Unternehmen und Haftars Vertretern gehandelt haben. Der Vorfall wirft auch Fragen zu den zunehmend engeren Beziehungen zwischen Haftar und Russland auf. Moskau nutzt den libyschen Hafen Tobruk seit Monaten, um Waffen und Truppen für russische Operationen in Afrika zu verlegen. Auch setzt Russland im Krieg gegen die Ukraine ver-

stärkt auf Söldner aus Libyen. Der Bürgerkrieg in Libyen dauert seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 an. Das Land ist zwischen rivalisierenden Regierungen im Osten und Westen gespalten. Die internationale Gemeinschaft bemüht sich um eine politische Lösung, doch illegale Waffenlieferungen, wie die nun aufgedeckten, untergraben den Friedensprozess. pk

Nach Amtsabgabe in Den Haag mit dem Velo nach Hause: der designierte NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Bild: Premierminister Dick Schoof via X

Keine Windturbine, sondern eine chinesische Drohne des Typs Wing Loong II. Bild: Guardia di Finanza


INTERNATIONALE NACHRICHTEN

RUSSLAND

Umbau des Verteidigungsministeriums Russlands Verteidigungsministerium befindet sich im Umbruch. Präsident Wladimir Putin hat im Zuge einer gross angelegten Umstrukturierung Anfang Juli vier stellvertretende Verteidigungsminister entlassen und eine Verwandte in eine der frei gewordenen Positionen berufen. Zu den Entlassenen gehören Nikolai Pankov, Ruslan Tsalikov, Tatiana Shevtsova und Pavel Popov. Die Entlassungen folgen auf Berichte über Be-

EUROPA

Ostgrenze wird zur EU-Verteidigungslinie Angesichts der anhaltenden Bedrohung durch Russland haben Polen und die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen die Europäische Union dazu aufgerufen, eine kollektiv finanzierte Verteidigungslinie entlang der östlichen EU-Aussengrenze zu errichten. In einem gemeinsamen Brief erklärten die vier Länder: «Es

stechung unter hochrangigen Beamten des Ministeriums im April. Eine der Neuernennungen ist Anna Tsivileva, eine Tochter von Putins verstorbenem Cousin. Sie soll sich auf die Verbesserung der sozialen Unterstützung und Unterbringung von Militärangehörigen konzentrieren. Leonid Gornin, ehemaliger erster stellvertretender Finanzminister, wurde zum neuen ersten stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt. Seine Hauptaufgaben sind die Verbesserung der finanziellen Transparenz und die effektive Nutzung der Haushaltsmittel. Unterdessen soll die ehemalige stellvertretende Verteidigungsministerin Tatiana Shevtsova

müssen aussergewöhnliche Massnahmen ergriffen werden, da die EU-Aussengrenze mit militärischen und zivilen Mitteln geschützt und verteidigt werden muss.» Die Initiative baut auf bestehenden Projekten wie «Shield East» und «Baltic Defence Line» auf, die in den letzten Jahren ins Leben gerufen wurden, um Verteidigungsanlagen und Infrastruktur an den Grenzen zu Russland und Belarus aufzubauen. Ziel ist es, die EU vor militärischen und hybriden Bedrohungen zu schützen, die sich aus einer Kombination aus militä-

Zaun an der Grenze Lettlands zu Weissrussland. Bild: lettisches Innenministerium

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In den Westen desertiert: Tatiana Shevtsova. Bild: Pressebüro des Präsidenten

mit Milliarden nach Frankreich geflohen sein. Sie war für die Finanzströme im Verteidigungsministerium verantwortlich und hatte im Laufe der Jahre teure Wohnungen, Grundstücke und Luxusautos erworben. Nach ihrer Entlassung entschied sie

sich offenbar, ihr Glück im Westen zu suchen, anstatt in Russland zur Rechenschaft gezogen zu werden. Die letzten vergleichbaren Veränderungen im Ministerium gab es nach der Invasion in die Ukraine im Februar 2022. pk

rischen und nichtmilitärischen Aktionen zusammensetzen, darunter Desinformation, Cyberangriffe, wirtschaftlicher Druck und die Instrumentalisierung von Migration. Der Umfang und die Kosten eines solchen gemeinsamen Vorhabens erfordern laut den vier Ländern ein entschlossenes Handeln der EU, um es politisch und finanziell zu unterstützen. EU-Diplomaten schätzen die Kosten für den Bau dieser Verteidigungslinie entlang der 700 Kilometer langen Grenze zu Russland und Belarus auf rund 2,5 Milliarden Euro. Der Aufruf folgt auf eine

frühere Initiative Polens und Griechenlands, die den Aufbau eines EU-Luftabwehrsystems nach dem Vorbild des israelischen Iron Dome gefordert hatten. Ziel war es, die derzeit getrennten Luftverteidigungssysteme der EU-Mitgliedstaaten zu koordinieren, um die EU besser vor militärischen Bedrohungen und anderen destruktiven Aktivitäten zu schützen. Hintergrund der Forderungen sind die sich verstärkenden hybriden Operationen Russlands gegen den Westen. Westliche Geheimdienste warnen zunehmend vor russischen Spionage- und Sabotagegefahren in ganz Europa. Auch Deutschland hat seine Bereitschaft signalisiert, Polen bei der Stärkung der Sicherheit an der östlichen EU-Aussengrenze zu unterstützen. Dies wurde bei den jüngsten deutsch-polnischen Regierungskonsultationen in Warschau deutlich. Premierminister Mateusz Morawiecki betonte, dass die effektive Sicherung der Grenze auch im Interesse Deutschlands liege. Beide Länder wollen zudem bei der Schaffung eines «Iron Dome» über dem polnischen Himmel zusammenarbeiten. pk


Allgemeine Schweizer Militärzeitschrift

SERBIEN

Belgrads Spagat nach Kiew Serbien, ein langjähriger Verbündeter Russlands, hat im Jahr 2024 eine bemerkenswerte Rolle in der Unterstützung der Ukraine gespielt, indem es Munition im Wert von etwa 800 Millionen Euro über Drittstaaten lieferte. Diese Lieferungen erfolgten trotz Serbiens offizieller Neutralität und der Weigerung, sich den westlichen Sanktionen gegen Russland anzuschliessen. Präsident Aleksandar Vucic bestätigte diese Praxis und betonte, dass die Exporte legal und im Rahmen von Verträgen mit verschiedenen westlichen Ländern stattfanden. Die ersten Berichte über diese Lieferungen in diesem Ausmass tauchten im Juni auf, als bekannt wurde, dass serbische Munition über Vermittler in die Ukraine gelangt war. Diese Enthüllungen sorgten für Aufsehen, da Serbien als enger Verbündeter Russlands gilt und traditionell eine prorussische Haltung einnimmt. Präsident Vucic erklärte jedoch, dass Serbien sowohl Freundschaften mit Kiew als auch mit Moskau

BELARUS

Chinesischbelarussische Militärübung «Eagle Assault 2024» Am 9. Juli 2024 begann in Belarus nahe der Grenze zu Polen die elftägige Militärübung «Eagle Assault 2024» zwischen chinesischen und belarussischen Truppen. Es ist das erste bilaterale Manöver dieser Art, nachdem beide Länder bereits 2022 an der russischen Übung «Vostok» teilgenommen hat-

ASMZ

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pflege und dass die Exporte Teil des wirtschaftlichen Wachstums des Landes seien. Bereits voriges Jahr wurde klar, dass die Ukraine nicht ohne Munitionslieferungen aus den ehemaligen Ostblockstaaten auskommen kann. Damals wurde bekannt, dass serbische Unternehmen wie Balkan Novoteh genau die Geschosse herstellen, die für Panzer der T-54/55-Familie und Feldkanonen M1944 (BS-3) aus den 1940er- und 1950er-Jahren entwickelt wurden, und diese auch an der Front in der Ukraine eingesetzt werden. Mit einer Reichweite von etwa 20 km und einem TNT-Sprengkopf von 1,5 kg haben diese M63P1Granaten eine beträchtliche Zerstörungskraft. Serbien verfolgt deshalb einen ähnlichen Ansatz wie Bulgarien, das zu Beginn des Krieges bis zu einem Drittel der benötigten Munition an die Ukraine lieferte: Trotz fehlender offizieller Unterstützung der Regierung können serbische Rüstungsunternehmen ihre Produkte frei an die Ukraine oder – was der präferierte Weg ist – westliche Vermittler verkaufen. Die Reaktion aus Moskau liess nicht lange auf sich warten. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kündigte an, das Thema mit den serbischen Partnern zu

besprechen, um die Situation zu klären. Diese diplomatische Zurückhaltung deutet darauf hin, dass Russland möglicherweise versucht, die Illusion aufrechtzuerhalten, dass Serbien trotz seiner Waffenlieferungen ein treuer Verbündeter bleibt. Prorussische Stimmen in Belgrad monieren aber, dass die serbische Regierung die Ukraine politisch und diplomatisch unterstütze, während sie sie indirekt mit Waffen versorge. Diese Doppelstrategie könnte die Spannungen in der Region weiter verschärfen, insbesondere da Serbien weder Mitglied der NATO noch der EU ist und seine Bevölkerung historisch eine prorussische Haltung einnimmt. Vucic betonte deshalb in mehreren Interviews, dass Serbien seine Munition legal exportiere und dass es nicht seine Verantwortung sei, was die Käufer letztendlich damit machten. Er erklärte, dass Serbien Verträge mit Ländern wie den USA, Spanien und Tschechien habe und dass diese Länder die Munition möglicherweise an die Ukraine weiterleiteten. Diese indirekten Lieferungen seien ein wichtiger Teil des wirtschaftlichen Aufschwungs Serbiens und unerlässlich für die heimischen Waffenfabriken. Diese

historische Verbindung und die aktuelle geopolitische Lage machen Serbien deshalb zu einem wichtigen, wenn auch inoffiziellen Akteur im Ukraine-Konflikt. Westliche Länder, insbesondere die USA, arbeiten deshalb intensiv daran, Serbien von Russland zu distanzieren. Ein nicht namentlich genannter (westlicher) Diplomat erklärte dazu, dass die Bemühungen des US-Botschafters in Belgrad, Christopher Hill, darauf abzielten, Belgrad von Moskau zu lösen. Diese Bemühungen scheinen teilweise erfolgreich gewesen zu sein, da Vucic seit Jahren nur noch spärlich Kontakt zu Präsident Putin hatte. pk

ten. Laut chinesischem Verteidigungsministerium dient die Übung der Verbesserung der Koordinationsfähigkeiten und der Vertiefung der praktischen Zusammenarbeit beider Armeen. Trainiert werden Anti-TerrorEinsätze wie Geiselbefreiungen. Belarus gab an, dass auch Luftlandeoperationen, Flussüberquerungen und Häuser- sowie Ortskampf geübt werden. Die Übung findet vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen dem Westen und Russland statt. Belarus ist ein enger Verbündeter Moskaus und unterstützt den Krieg in der Ukraine, indem es russischen

Truppen sein Territorium als Aufmarschgebiet zur Verfügung stellt. Gleichzeitig baut Belarus seine Beziehungen zu China aus. 2023 trat es der von China und Russland geführten Shanghai Cooperation Organisation bei. Die Militärübung mit China könnte deshalb ein Versuch von Machthaber Lukaschenko sein, die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren. Für Polen und die NATO ist die Präsenz chinesischer Truppen in Europa ein alarmierendes Signal. Es zeigt Pekings Bereitschaft, sich stärker in die Sicherheitslage auf dem Kontinent einzumischen. So hätte eine chinesisch-rus-

sische Militärallianz weitreichende Folgen für das strategische Gleichgewicht. pk

Ein ukrainischer Kanonier hält ein serbisches M63P1-Geschoss. Bild: War Noir/X

Einweisung für Chinesen auf der Airbase Baranovichi. Bild: Volkbefreiungsarmee


INTERNATIONALE NACHRICHTEN

DEUTSCHLAND

Klotzen für die Bundeswehr Die Bundeswehr steht vor einer umfassenden Modernisierung und Aufrüstung, die durch ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro ermöglicht wird. Verteidigungsminister Boris Pistorius zog Anfang Juli eine positive Halbjahresbilanz bei der Beschaffung: 42 sogenannte 25-Millionen-Euro-Vorlagen mit einem Volumen von 27 Milliarden Euro seien vom Parlament gebilligt worden. Diese Vorlagen sind ein zentrales Instrument der politischen Kontrolle über Rüstungsinvestitionen. Projekte mit einem Investitionsvolumen in diesem Rahmen oder mehr müssen vor Vertragsabschluss die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages erhalten. Der Ver-

AFGHANISTAN

UNO-Konferenz: Taliban diktieren Bedingungen Die Vereinten Nationen stehen vor einem Dilemma im Umgang mit den Taliban. Dies zeigte sich erneut bei der jüngsten UNOKonferenz zu Afghanistan in Doha, Katar. Zum ersten Mal

teidigungshaushalt 2024 ist mit 51,95 Milliarden Euro der höchste in der Geschichte der Bundeswehr. Zusätzlich stehen rund 19,8 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen zur Verfügung. Diese Mittel werden in Personal, Ausrüstung und Betrieb der Streitkräfte investiert. Ein zentrales Element dieser Bemühungen ist die Ausstattung der neuen Brigade in Litauen, die bis Ende 2027 voll einsatzfähig sein soll. Diese Brigade ist ein prägnantes Beispiel für die neuen strategischen Ausrichtungen der Bundeswehr. Diese wird aus drei Kampftruppenverbänden bestehen: dem Panzergrenadierbataillon 122 aus Bayern, dem Panzerbataillon 203 aus Nordrhein-Westfalen und der multinationalen NATOBattlegroup Litauen. Diese Einheiten werden durch Artillerie-, Aufklärungs-, Versorgungs- und Pioniertruppen sowie durch einen Brigadestab und weitere Unterstützungskräfte ergänzt.

seit ihrer Machtübernahme im August 2021 nahmen Vertreter der Taliban an einer solchen Konferenz teil. Doch die Bedingungen dafür diktierten die Islamisten: Afghanische Frauen waren von den Gesprächen ausgeschlossen. Menschenrechtsgruppen übten scharfe Kritik an diesem Vorgehen der UNO. Sie sehen darin einen Kniefall vor den Taliban, nur um überhaupt mit ihnen ins Gespräch zu kommen. UNO-Generalsekretär An-

Taliban an der UNO-Konferenz in Doha. Bild: Zabihulla Mujahid, Taliban-Sprecher

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Eines der 25-Millionen-Projekte: die Aufstockung von Stinger und Ergänzung mit Brimstone. Bild: Bundeswehr/Florian Sorge

Ziel ist es, eine schlagkräftige und einsatzbereite Truppe zu schaffen, die die NATO-Gipfelbeschlüsse von Madrid und Vilnius umsetzt und zur Vorneverteidigung beiträgt, also der NATO-Verpflichtung aus den 1980er-Jahren, ihr Gebiet so weit ostwärts wie möglich zu verteidigen. Die Bundesregierung hat bereits konkrete Massnahmen zur Beschleunigung der Rüstungsbegehren eingeleitet. So wurde beispielsweise die Beschaffung von Bekleidung und persönlicher Ausrüstung für die Soldaten im Wert von 2,4 Milliarden Euro vorgezogen und soll nun bereits ab Ende 2025 erfolgen. Auch die Bewaffnung

der Heron-TP-Drohnen wurde zügig vorangetrieben. Allerdings stellt die Stationierung in Litauen die Bundeswehr vor grössere logistische und finanzielle Herausforderungen. Denn der Aufbau der notwendigen Infrastruktur und die Verlegung der Truppen erfordern erhebliche Investitionen. Zudem muss sichergestellt werden, dass die Soldaten und ihre Familien angemessen versorgt werden. Der Heeresinspekteur Alfons Mais hat deshalb bereits darauf hingewiesen, dass die materielle Ausstattung der neuen Brigade bisher nicht vollständig in den Haushaltsplänen berücksichtigt ist. pk

tonio Guterres räumte ein, dass man in zentralen Fragen blockiert sei. Die Taliban denken aber nicht daran, von der Unterdrückung und Ausgrenzung der Frauen aus dem öffentlichen Leben abzurücken. Dabei ist die Not im Land gross. Über 20 Millionen Afghanen sind dringend auf Hilfe angewiesen. Doch um diese zu leisten, muss die UNO mit den Taliban kooperieren – und wertet sie damit international auf. Die Hoffnung, dass die Islamisten im Gegenzug Zugeständnisse bei den Menschenund Frauenrechten machen würden, hat sich bisher nicht erfüllt. Im Vorfeld der Konferenz hatten Deutschland und zehn weitere Länder in einem Brief an die UNO sogar mit einem Boykott des Treffens gedroht, sollten nicht auch Vertreter der afghanischen Zivilgesellschaft beteiligt werden. Doch die Taliban blieben hart. Sie wollen als alleinige legitime Vertreter

Afghanistans anerkannt werden. Seit ihrer Rückkehr an die Macht haben die Taliban die Rechte von Frauen und Mädchen massiv beschnitten. Sie dürfen nicht mehr zur Schule gehen und nicht mehr arbeiten, mit Ausnahme weniger Berufe im Gesundheitswesen. Zuletzt erliess das Regime ein Dekret, das die Gehälter von Frauen im Staatsdienst auf ein Minimum kürzt. Angesichts der katastrophalen Zustände im Land sehen viele keine Alternative dazu, um mit den Taliban im Gespräch zu bleiben. Anders sieht das Russlands Präsident Wladimir Putin: «Wir betrachten die Taliban als Verbündete im Kampf gegen den Terrorismus.» Der russische UNO-Botschafter deutete deshalb an, dass Moskau die Sanktionen gegen die Taliban aufheben könnte, um die wirtschaftliche Lage in Afghanistan zu verbessern. pk


SOG UND SEKTIONEN

ASMZ

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Der Veranstaltungskalender der Schweizer Offiziersgesellschaften Beiträge für die Oktober-Nummer bis SA, 7. September 2024, bei Oblt Erdal Öztas, Gönhardweg 4, 5000 Aarau. E-Mail: erdal.oeztas@asmz.ch / sog.und.sektionen@asmz.ch www.asmz.ch/sog-sektionen

AARGAU

Sa, 10. August, Aarau. Familienanlass: Bräteln bei der Friedenslinde. OG Aarau. Sa, 24. August, ganztägig. Sportanlass. OG Baden. Fr, 13. September, 18 Uhr, Spl Spittelberg. Pist/Stgw S. OG Zofingen. Sa, 21. September, Sempach. Marsch: SV-RKD-Marsch um den Sempachersee (ca. 21 km). OG Aarau. Do bis So, 26. bis 29. September, Aarau. MAG: Chässchnitte-Stand. OG Aarau. Fr, 27. September, 19 bis 23 Uhr, Cortis Schweizer Weine, Baden. Weindegustation. OG Baden. Sa, 28. September. Tagesausflug. OG Zofingen.

BASEL

Do, 29. August, ab 18 Uhr, Restaurant Schützenhaus, Basel. Stammtisch. OG beider Basel. Do, 26. September, ab 18 Uhr, Restaurant Schützenhaus, Basel. Stammtisch. OG beider Basel.

BERN

Sa, 3. August, 17 Uhr, Restaurant Schützen, Steffisburg. Stamm. OG Thun. Sa, 10. August, 13 bis 17 Uhr, Feldstand Wimmis-Spissi, Wimmis. KastlanSchiessen. OG Thun. Fr, 16. August. Sommeranlass OG Huttwil mit Familie, Vpf im Gelände/KP Ost Heinz Jordi. OG Huttwil und Umgebung. Sa, 31. August, ganzer Tag, Sasso San Gottardo. Exkursion: 150. Geburtstag General Henri Guisan, Anmeldung über www.ogb.ch. OG der Stadt Bern. Sa, 31. August, 8.30 bis 11.30 Uhr, Gewehrstand Wimmis-Brünnlisau, Wimmis. OG Gewehrschiessen. OG Thun. Fr, 6. September, 7 bis 17 Uhr. Herbstanlass mit UOV Thun und GMMB Sektion Oberland, Exkursion Festung Sasso San Gottardo. OG Thun. Sa, 7. September, 17 Uhr, Restaurant Schützen, Steffisburg. Stamm. OG Thun. Do, 12. September, 18.30 Uhr, Restaurant «Bay». Anlass für Neumitglieder sowie eingeteilte Offiziere, Anmeldung über www.ogb.ch. OG der Stadt Bern. Sa, 14. September, ab 7.45 Uhr, Spl Sand. «U COLT», traditionelles CombatSchiessen, Anmeldung über www.ogb.ch. OG der Stadt Bern. Sa, 14. September, Tertianum Residenz Bellevue-Park, Thun. OG-Ball 2024. OG Thun.

Do, 19. September, 18 bis 18.30 Uhr, Pistolenstand Huttwil 25-m-Anlage. OG Huttwil «Pistolen-Cup» mit UOV Huttwil: «OG-Stich». OG Huttwil und Umgebung. Do, 19. September, Waffenplatz Thun. Technischer Kurs Pz Abwehr «PUGNUS III». OG Thun. Mi, 25. September, 18.30 Uhr, Kongresszentrum Hotel Kreuz. Referat von Dr. Anita Noli-Kilchenmann und Dr. Martin Krummenacher: «Cognitive Warfare», Anmeldung über ww.ogb.ch. OG der Stadt Bern.

GRAUBÜNDEN

Sa, 14. September, 10 Uhr, Schiessanlage Rossboden, Chur. BOG@KULTUR: Combat-Schiessen mit anschliessender Grillade. Bündner OG. Do, 19. September, 20 Uhr, die Mobiliar, Theaterweg 11, 7000 Chur. BOG@WIRTSCHAFT: Referat von Christoph Scherer, Chef Cybercrime Dienste, Kantonspolizei Graubünden: «Nationale Cyberstrategie – die Rolle der Polizei». Bündner OG.

NIDWALDEN

Mi, 28. August. Stamm. OG Nidwalden. Fr, 13. September. Nachtpistolen­ schiessen. OG Nidwalden. Mi, 25. September. Stamm. OG Nidwalden.

SCHAFFHAUSEN

Mi, 28. August. Exkursion: Besichtigung Rheinmetall Air Defense. Kantonale OG Schaffhausen. Do, 12. September. Vortragsabend. Kantonale OG Schaffhausen.

SCHWYZ

Fr, 27. September. Herbstanlass «CYBER DEFENCE». OG Einsiedeln.

SOLOTHURN

Sa, 24. August, Rm Romandie. Vereinsausflug. OG Grenchen und Umgebung. Sa, 7. September, Spl Spittelberg. KU «Hausmarder». OG Grenchen und Umgebung. Sa, 21. September, Leuzigen. Pist Cup. OG Grenchen und Umgebung.

ST. GALLEN

Sa, 10. August, 16 Uhr, Hafen Hörnlibuck, Rorschacherberg. Familien-, Grill- und Badeplausch. OG Rorschach. So, 11. August, 10 bis 14 Uhr, Bettenauer Weiher, Oberuzwil. Apéroschiessen. OG Fürstenland. Sa, 17. August, 8 bis 12.30 Uhr, Spl Breitfeld, Gossau. Ausb Pist. OG Fürstenland. Sa, 17. August, Spl Breitfeld. Ausb Pist S. OG Toggenburg. Sa, 24. August, Bahnhofstrasse Buchs. Buchser Fest inkl. Stamm. OG Werdenberg.

So, 25. August. Aufräumen Buchserfest inkl. Helferessen. OG Werdenberg. Sa, 7. September, Burgruine Schellenberg. The Princaly Tattoo. OG Werdenberg. Di, 17. September, 12 Uhr, Linthebene. Truppenbesuch bei dem G Bat 23 an einer Grossübung. OG Werdenberg. Sa, 21. September, 8 bis 14 Uhr. Herbstanlass: Besichtigung. OG Fürstenland. Sa, 21. September, 9 Uhr, Spl St. Luzisteig. 2. Pist S Spez Programm KD Box, mit anschliessendem Grillevent, Mittagessen. OG Werdenberg. Sa, 21. September, Widnau. Internationales Vergleichsschiessen. Rheintalischer Offiziersverein. Do, 26. September. Old-Boys-Anlass. OG Rorschach.

ZÜRICH

Di, 20. August, Zunfthaus zur Schmiden, Zürich. AOG-Referat von Oberst i Gst Ludovic Monnerat, J5, Chef Bereich Weltraum: «Schweizer Armee – Aufbau von weltraumgeschützten Fähigkeiten». AOG Zürich und Umgebung. Do, 22. August, 17 bis 21 Uhr, Randenstrasse 34, 8200 Schaffhausen. Besichtigung Museum im Zeughaus mit Museumsführer Jürg Reist. OG Zürcher Unterland. Di, 27. August, Restaurant Oepfelchammer, Zürich. AOG-Stamm. AOG Zürich und Umgebung. Mi, 28. August. Generalversammlung mit Referat von Nationalrat Mauro Tuena. OG Zürichsee rechtes Ufer. Di, 3. September. Referat von Oberst Georg Häsler: «Information als Waffe». OG Zürcher Unterland. Mi, 4. September, ab 19 Uhr, Hotel Engel, Wädenswil. Stamm. OG Zürichsee linkes Ufer. So, 15. September, 10 bis 16 Uhr. Zürcher Unterland. Grenzbegehung. OG Zürcher Unterland. Mi, 18. September. «z Züri unterwegs» – «Vom Rheinland ins Niederdorf», kulturhistorische Führung durch Zürich. AOG Zürich und Umgebung. Di, 24. September, Restaurant Oepfelchammer, Zürich. AOG-Spezial-Stamm für Neumitglieder. AOG Zürich und Umgebung. Di, 24. September, 19 Uhr, Bar USTARIA, Uster. OGZO-Stamm. OG Zürcher Oberland. Fr, 27. September, Fehraltorf. Betriebs­ besichtigung bei der Schellenberg Textildruck AG. OG Zürcher Oberland.

Anmeldungen an silvan.maurer@hotmail.ch. AVIA Sektion Zürich. Mi, 21. August, ab 11.30 Uhr, Restaurant Holding, Fliegermuseum Dübendorf. AVIA Stamm, Anmeldungen via pstucky@ spiderweb.ch. AVIA Sektion Zürich. Do, 22. August, 19.30 Uhr. YoungsterStamm. SOLOG Sektion Zentralschweiz. Do bis Fr, 22. bis 23. August, Isone. Schiessleiterseminar. Kadervereinigung Spezialkräfte. Mo, 26. August, ab 18 Uhr. Besichtigung Artilleriewerk Faulensee, Mitgliederversammlung inkl. Imbiss. ABC Suisse Sektion Bern. Sa, 31. August, ganzer Tag, Sasso San Gottardo. Exkursion: 150. Geburtstag General Henri Guisan, Anmeldung über www.ogb.ch. AVIA Sektion Bern. Sa, 7. September, Bière. Generalversammlung und Herbsttagung 2024 mit Jubiläumsfeier «150 Jahre Waffenplatz Bière». Schweizerische Offiziersgesellschaft der Artillerie. Do, 12. September, 18.30 Uhr, Restaurant «Bay». Anlass für Neumitglieder sowie eingeteilte Offiziere, Anmeldung über www.ogb.ch. AVIA Sektion Bern. Sa, 14. September, ab 7.45 Uhr, Spl Sand. «U COLT», traditionelles CombatSchiessen, Anmeldung über www.ogb.ch. AVIA Sektion Bern. Sa, 14. September, 10 Uhr, Hergiswil NW. Herbstausflug: Alp Gschwänd inkl. Mittagessen. SOLOG Sektion Zentralschweiz. Sa, 14. September, Basel. Internationale Tagung: «Die Blauen am Rheinknie». Schweizerische Gesellschaft der Offiziere der Sanitätstruppen. Sa, 21. September, ganztags. Herbstanlass. AVIA Flab-Sektion Zentralschweiz. Sa, 21. September, Walenstadt. Taktische Notfallmedizin mit Festanlass zur 20. Durchführung. Kadervereinigung Spezialkräfte. Mo, 23. September, 19 Uhr, ABC-Zentrum Spiez. Vortrag von Oberstlt Christian Kaister: «Biologische Abwehr». ABC Suisse Sektion Bern. Mi, 25. September, 18.30 Uhr, Kongresszentrum Hotel Kreuz. Referat von Dr. Anita Noli-Kilchenmann und Dr. Martin Krummenacher: «Cognitive Warfare», Anmeldung über ww.ogb.ch. AVIA Sektion Bern. Sa, 28. September, Grand Resort Bad Ragaz. Jubiläumsball der HSG-Offiziere zugunsten des 25-jährigen Vereinsjubiläums. Alumniverein der Offiziere an der Universität St. Gallen (HSG)

FACHSEKTIONEN

Mi, 14. August, 18 Uhr, Hermitage Luzern. Ferienstamm am See, Pflege der Kameradschaft Zentralschweiz. SOLOG Sektion Zentralschweiz. Do, 15. August, ab 19 Uhr, Flugplatz Speck, Fehraltorf. AVIA Beer Call. AVIA Sektion Zürich. Sa, 17. August, 9 Uhr, Flugplatz Birrfeld. AVIA ZH Fly-Out nach Locarno.

Der Veranstaltungskalender erscheint in der gedruckten Ausgabe zwei­mo­nat­ lich. Aktuelles und Daten der Stäm­me finden Sie unter: www.asmz.ch, ­Rubrik «Agenda». Die Adressen der ­kantonalen OGs sowie aller Sektionen sind unter www.asmz.ch, Rubrik «SOG & Sektionen» zu finden.


VERMISCHTES

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Benedikt Roos wird Kommandant Heer

Übernehmen auf den 1. August neue Funktionen (von links): Br Benedikt Roos, Br Hans Schatzmann und Oberst i Gst Rolf Imoberdorf. Bilder: VBS

Brigadier Benedikt Roos, zurzeit Kommandant der Zentralschule, wird per 1. August 2024 Kommandant Heer. Gleichzeitig wird er zum Divisionär befördert. Der 59-jährige Roos trat 1997 als Berufsoffizier in das Instruktionskorps ein. Ab 1. Februar 2013 war er Chef Führungsorganisation Verteidigung / Chef Stabsgruppe Chef der Armee. Per Anfang 2018 wurde er als Kommandant Stellvertreter an der Zentralschule der Höheren Kaderausbildung der Armee eingesetzt. Auf den 1. Juli 2018 übernahm er das Kommando der Mech Br 11, ehe

er auf Anfang 2022 Chef Armeeplanung wurde und schliesslich zwei Jahre darauf Kommandant der Zentralschule. Roos’ Nachfolge als Kommandant Zentralschule wird Brigadier Hans Schatzmann, zurzeit Stabschef Chef der Armee. Der 61-Jährige war als ausserordentlicher Untersuchungsrichter, Rechtsanwalt und Notar tätig, ehe er auf Anfang 2014 zum Kommandanten der Inf Br 5, unter gleichzeitiger Beförderung zum Brigadier, ernannt wurde. Es folgte die Ernennung zum Kommandanten der Mili-

tärischen Sicherheit ab 1. Januar 2016. Seit 2022 ist Schatzmann Stabschef Chef der Armee. In dieser Funktion folgt ihm Oberst i Gst Rolf Imoberdorf, zurzeit Chef A7 / USC Ausbildung. Dieser wird zum Brigadier befördert. Der 50-Jährige studierte Architekt trat 2002 in das Instruktionskorps der Luftwaffe ein. Er wirkte als Lehrgangseinheitskommandant und Klassenlehrer im Zentralen Offizierslehrgang der Zentralschule bei der Höheren Kaderausbildung der Armee, als Kommandant ad interim des Kommandos Flieger

Verbandsausbildung und Offiziersschule 82 und als Gruppenchef an der Zentralschule der HKA sowie als zugeteilter Stabsoffizier des Chefs Kommando Operationen. Ab dem 1. Januar 2021 wurde er als Stellvertreter des Chefs Ausbildung der Luftwaffe eingesetzt und seit dem 1. Mai 2023 ist Imoberdorf Unterstabschef Ausbildung der Luftwaffe. VBS

8200 neue Rekrutinnen und Rekruten Verbesserung der polizeilichen Führungsausbildung Die zweite Rekrutenschule im 2024 hat am 1. Juli begonnen. Aufgeboten waren 7986 Rekruten und 231 Rekrutinnen. Die Eingerückten werden von 2181 Männern und 180 Frauen im Kader ausgebildet. Bei insgesamt 10 578 Rekrutinnen, Rekruten und Kadern, darunter 411 Frauen, ergibt sich ein Frauenanteil von 3,9 Prozent in den laufenden Rekrutenschulen. 34 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer reisten in die Schweiz, um ihre RS zu absolvieren. 1753 Angehörige der

Armee leisten ihren Dienst im Durchdienermodell. Aufgrund der Hochwasserlage im Wallis mussten die Angehörigen der Militärpolizei-Rekrutenschule in Sion erst einige Tage später einrücken. Die Ausbildung wird ab der Rekrutenschule auf die Abwehr eines militärischen Angriffs ausgerichtet. Um Soldatinnen und Soldaten die Armee als Gesamtsystem zu verdeutlichen, sollen auch wieder vermehrt gemeinsame Übungen verschiedener Truppengattungen durchgeführt werden. VBS

Das Schweizerische PolizeiInstitut und die Schweizerische Vereinigung für Führungsausbildung (SVF) haben eine Absichtserklärung für eine strategische Partnerschaft unterzeichnet. Diese zielt darauf ab, die Qualität und die Anerkennung der künftigen modularen Führungsausbildung für Polizistinnen und Polizisten in der Schweiz zu verbessern. Durch die Zusammenarbeit sollen die Ausbildungsprogramme optimiert und auf die formel-

len Anforderungen der SVF abgestimmt werden. Damit wird den Absolventinnen und Absolventen – die häufig über viel Führungserfahrung verfügen – eine qualifizierte und auch zivil anerkannte Führungsausbildung ermöglicht. Die Neugestaltung der Führungsausbildung soll die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit der polizeilichen Laufbahnen erhöhen. Die Umsetzung wird schrittweise ab 2027 erfolgen. PD


Allgemeine Schweizer Militärzeitschrift

Divisionär Guy Vallat muss gehen Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats fällt ein Divisionär durch die Personensicherheitsprüfung, wie verschiedene Medien berichtet haben. Guy Vallat, der Schweizer Verteidigungsattaché in Paris, musste per 15. Juli 2024 alle seine Aufgaben niederlegen. Im Rahmen einer ordentlich durchgeführten Personensicherheitsprüfung – diese müssen höhere Stabsoffiziere und hohe Beamte regelmässig durchlaufen – konnte Vallat «keine Sicherheitserklärung ausgestellt werden». Diese ist aber Voraussetzung für die Ausübung der Funktion des Verteidigungsattachés. Schon am 10. Juni war bekannt geworden, dass Divisionär Mathias Tüscher, bis dahin Kommandant der Ter Div 1 (siehe ASMZ 7/2024) seinen Posten räumte. Offiziell war der Abgang als Kündigung deklariert worden. «Blick» schrieb jedoch, dass ihm die Bundeskanzlei einen «Mangel an Integrität» sowie «Anfälligkeit für Erpressung» vorwerfe und ihn deshalb für ein Sicherheitsrisiko halte. Gemäss Medienberichten war bei Vallat offenbar der Grund für den Abgang, dass er gewisse Fragen während der Prüfung nicht beantwortete. Wegen dieser Antwortverweigerung konnte nicht geklärt werden, ob es ein Sicherheitsrisiko gibt. Nach dem Fall der beiden Divisionäre sorgen die Methoden der Profiler wie schon früher für Kritik. Vor allem wird die Verhältnismässigkeit angezweifelt. Verteidiger der beiden Militärs behaupten, die Überprüfung werde zu streng angewandt und habe inquisitorische Züge. So werden auch Antworten auf intimste Fragen zu Geld, Sex und Süchten verlangt. ASMZ

ASMZ

08/2024

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Höhere Kaderausbildung durch die NATO akkreditiert

Div Germaine Seewer unterstrich, dass der Fokus auf die Verteidigung an der HKA nichts Neues sei. Bild: HKA

Anlässlich des Jahresrapports der Höheren Kaderausbildung der Armee (HKA) lud Divisionär Germaine J. F. Seewer, Kommandant der HKA und stellvertretender Chef Kommando Ausbildung, am 13. Juni ins Armeelogistikcenter Hinwil. Seewer wies auf verschiedene Highlights im zurückliegenden Jahr hin, den Kommandoübergaben der Generalstabsschule sowie der Zentralschule, die Inauguration des Kommandos Führungsund Kommunikationsausbildung oder die Akkreditierung bei der NATO als militärische Ausbildungsinstitution. Damit erhalten die multinationalen

Lehrgänge der Schweizer Armee ein zusätzliches Qualitätssiegel. Dieser Schritt fügt sich in die Bestrebungen der Armee ein, die internationale Zusammenarbeit zu intensivieren. Zudem betonte Seewer, dass der Fokus auf die Verteidigung bei Übungen an der HKA nicht neu sei. Auch der technologische Fortschritt wird an der HKA aktiv genutzt, beispielsweise mit der Erprobung von VR- und AR-Brillen. Zudem wird die Interoperabilität ausgebaut, indem eigens dafür ein Kommando gebildet wird. Der Kommandant der BUSA schilderte den Weg in Richtung Höhere Fachschule sowie die

Ausrichtung der Ausbildung auf militärische Kompetenzen in der Verteidigung. Der MILAK-Kommandant fragte: «Können wir Krieg?» Die Reform der Ausbildung mit dem Umbau der Lehrgänge fokussiert zunehmend auf die Erlangung militärischer Fähigkeiten. Andreas Dambach, Chef des Armeelogistikcenters Hinwil, legte die Bedeutung der Kriegslogistik für die Armee dar. Seine Aufforderung, die Logistik vermehrt in die Ausbildung zu integrieren, entspricht der Ausrichtung auf die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und wurde von Divisionär Seewer als Auftrag an die Lehrgangskommandanten der HKA aufgenommen. Gastrednerin Luzia Tschirky schilderte eindrücklich ihre Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg. Die Hauptbotschaften der Journalistin waren, dass sich der Ernstfall nur bedingt trainieren lasse. Im Krieg müssten jeden Tag neue Wege gesucht werden, Flexibilität sei folglich eine wesentliche Kompetenz der Verteidigungsfähigkeit. Carolina F. Mösch

Bundesrat will neue sicherheitspolitische Strategie An seiner Sitzung vom 26. Juni hat der Bundesrat beschlossen, die Arbeiten zur sicherheitspolitischen Strategie des Bundesrats 2025 aufzunehmen. Der Bundesrat kommt mit der Strategie 2025 angesichts der markanten Veränderung des sicherheitspolitischen Umfelds dem erhöhten Bedarf nach, strategische Leitlinien für die Sicherheitspolitik festzulegen und das Zusammenwirken der sicherheitspolitischen Instrumente zu stärken. Die Strategie soll Ende 2025 verabschiedet werden. Der letzte Bericht des Bundesrates zur Sicherheitspolitik der Schweiz datiert vom November 2021 und wurde durch einen Zusatzbericht vom September 2022 über die Folgen des Krieges in der Ukraine er-

gänzt. Dieser sah eine Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und der internationalen Kooperation vor, an deren Umsetzung nun gearbeitet wird. Seither hat sich das sicherheitspolitische Umfeld der Schweiz in raschem Tempo weiter verändert. Zum Angriff Russlands auf die Ukraine kommen globale machtpolitische Rivalitäten, die Zunahme von bewaffneten Konflikten, die erschwerte multilaterale Zusammenarbeit, die Verschränkung wirtschaftlicher Mittel mit der Sicherheitspolitik, die Technologieentwicklung, die Zunahme der hybriden Konfliktführung und die Folgen des Klimawandels hinzu. Damit ist für den Bundesrat der Bedarf an strategischen Leitlinien und der Kohärenz sowie an Koordi-

nation der sicherheitspolitischen Instrumente zur Stärkung der Sicherheit der Schweiz gestiegen. In einem ersten Teil werden nun die grundlegende Ausrichtung der Sicherheitspolitik dargelegt und die Interessen und Ziele sowie strategische Schwerpunkte aufgezeigt. Der zweite Teil wird sich dem Zusammenwirken und den Abhängigkeiten der sicherheitspolitischen Instrumente widmen. Dabei wird aufgezeigt, wie ihre Fähigkeiten und Leistungen aufeinander abgestimmt werden, damit sie sich bestmöglich ergänzen. Das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik wird die Arbeiten leiten. Im Frühling/ Sommer 2025 ist eine Vernehmlassung geplant. VBS


VERMISCHTES

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«Wir leben in einer gefährlichen und volatilen Übergangszeit» Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 26. Juni 2024 den jährlichen Bericht zur Beurteilung der Bedrohungslage gutgeheissen. Darin hält er insbesondere fest, dass in Bezug auf die strategische Lage angesichts des stark polarisierten Umfelds mit wachsendem politischem und wirtschaftlichem Druck auf die Schweiz zu rechnen ist. Im Bereich Terrorismus hätten die Anfang 2024 vom «Islamischen Staat» international lancierte Propagandakampagne und mehrere medienwirksame Anschläge eine neue Dynamik in der dschihadistischen Bewegung entfaltet. Diese Propaganda hat laut Bundesrat die Entstehung von Netzwerken von Sympathisantinnen und Sympathisanten in der Schweiz begünstigt, verstärkt bei jungen Erwachsenen oder sogar Minderjährigen. Der Bundesrat stellt fest, dass

die Schweiz zwar immer noch relativ sicher ist, aber angesichts des stark polarisierten Umfelds mit Multikrisen und mit Waffengewalt ausgetragenen Konflikten in Europa und an Europas Peripherie deutlich weniger als vor 2022. So ist mit der russischen Aggression gegen die Ukraine der konventionelle Krieg nach Europa zurückgekehrt. Russland wird auf lange Zeit der bestimmende Unsicherheitsfaktor in Europa bleiben und dies in einem Umfeld, in dem die Vision einer von den USA und der NATO unabhängigen und strategisch autonomen EU auf absehbare Zeit unerreichbar bleibt. Der Kriegsschauplatz im Nahen Osten umfasst neben Gaza auch die Seewege um Jemen. Die Wahrscheinlichkeit einer militärischen Eskalation zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah steigt gemäss

Einschätzung des Bundesrates. Zudem kam es erstmals zu einem direkten militärischen Schlagabtausch zwischen Israel und dem Iran. «Wir leben in einer gefährlichen und volatilen Übergangszeit», stellt die Landesregierung fest. Allgemein verbindliche globale Ordnungsprinzipien erodieren. Auch angesichts des Trends zur bipolaren Sphärenbildung ist mit wachsendem politischem und wirtschaftlichem Druck auf die Schweiz zu rechnen. Gemäss dem Bundesrat dürften in der Konsequenz vermehrt Solidaritätsbeiträge und politische Positionierungen von der Schweiz gefordert werden. Im Bereich des gewalttätigen Extremismus erhöht sich in Europa und in der Schweiz das Risiko, dass gewalttätige linksextremistische Kreise gezielte Gewalt gegen Personen einsetzen oder sogar Terroranschläge verüben.

Die Bedrohung durch rechtsextremistisch motivierten Terror in Europa nimmt weiter zu. So gab es auch in der Schweiz mehrere Fälle sehr junger Personen, die bereit waren, einen Terrorakt zu begehen. Die Bedrohung der Schweiz durch Spionage ist gemäss dem Bericht nach wie vor hoch. Ein erheblicher Teil der Aktivitäten ausländischer Nachrichtendienste auf Schweizer Boden richtet sich in erster Linie gegen die jeweils eigenen Rivalen. Aber auch schweizerische Entitäten sind direkt von Spionageversuchen betroffen. Zu den ständigen Zielen gehört die Ausforschung von Bundesbehörden. Inhaltlich sind aktuell wahrscheinlich die Beschaffung von Rüstungstechnologien und die Beziehungen der Schweiz zur EU und zur NATO von Interesse. NDB

Vier F-35A werden in der Schweiz endmontiert

Vier der 36 F-35A, die die Schweiz gekauft hat, werden in der Schweiz endmontiert. Im Bild eine Maschine auf dem Flugplatz Emmen 2022. Bild: Sam Bossard, VBS

Am 5. Juni hat das Bundesamt für Rüstung Armasuisse das Offsetprojekt «Rigi» vorgenehmigt. Das ermöglicht es dem US-Hersteller Lockheed Martin, mit dem Schweizer Industriepartner Ruag den Transfer von Werkzeugen, Know-how und Ausbildung zu beginnen, der die

Teilendmontage von vier F-35AKampfflugzeugen bei der Ruag ermöglicht. Nach Abschluss der Teilendmontage werden die Flugzeuge zur Endabnahme in die von Leonardo betriebene F-35-Produktionsstätte in Cameri in Italien geflogen. Das Projekt liefert gemäss Armasuisse

praktische Erfahrungen, «die zu einer grösseren Autonomie im Betrieb der F-35A führen und damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der nationalen Sicherheit der Schweiz leisten». Konkret erhält die Ruag von Lockheed Martin Know-how, Datenpakete, Schulungen und

technische Unterstützung im Zusammenhang mit der Teilendmontage der F-35A. Dieses direkte Offset-Projekt hat einen Offset-Wert von fast 500 Millionen Franken. Die Ruag rechnet mit einem Bedarf von rund 100 Mitarbeitenden für die Umsetzung des Projekts. Der Rüstungsbetrieb hat sich verpflichtet, 40 Prozent des für dieses Offsetprojekt benötigten Personals aus der Romandie zu beziehen und bis 2034 in der Westschweiz eine Wertschöpfung und Investitionen in der Höhe von 20 Prozent des Offset-Wertes dieses Projektes – also 100 Millionen Franken – zu tätigen. Die insgesamt 36 Flugzeuge werden zwischen 2027 und 2030 ausgeliefert und ersetzen die heutige Flotte von F/A-18 Hornets und F-5 Tigers. Armasuisse


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ASMZ

08/2024

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Fähigkeitsanalyse zur Stärkung des Bevölkerungsschutzes in der Schweiz Am 26. Juni hat der Bundesrat den Bericht «Fähigkeiten zur Bewältigung von klimabedingten Naturgefahren» gutgeheissen. Die Analyse unterstreicht die Wichtigkeit der Resilienz des Schweizer Bevölkerungsschutzes angesichts zunehmender klimabedingter und technologischer Gefährdungen sowie machtpolitischer Bedrohungen. Während knapp drei Viertel der benötigten Fähigkeiten bereits heute gut abgedeckt sind, identifiziert der Bericht strategische Handlungsfelder zur Stärkung des Bevölkerungsschutzes. Basierend auf acht Szenarien der nationalen Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» wurden 150 Fähigkeiten identifiziert, von denen 70 Prozent bereits heute gut abgedeckt sind. Für die verbleibenden 30 Prozent wurden 15 Handlungsfelder definiert, die

Zivilschützer kontrollieren einen Schutzraum. Bild: Clemens Laub, VBS

eine gezielte Weiterentwicklung und Stärkung der Fähigkeiten ermöglichen. Dazu gehören unter anderem eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen zur optimierten Antizipation und Lageverfolgung. Zudem werden eine effizientere Mobilisierung

und Nutzung von Ressourcen bei Katastrophen angepeilt. Gemeinsame Übungen sollen zur Stärkung der Führungs- und Koordinationsfähigkeiten beitragen. Angepackt werden soll ein systematisches Management von Freiwilligen und Spontanhelfenden und auch eine Stär-

kung des Sanitätsdienstes mit einer Anpassung der Kapazitäten für Massenanfall von Patienten. Die Fähigkeitsanalyse wird als eine der Leitplanken für die Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes in der Schweiz dienen. BABS

Diskriminierung von Homosexuellen in der Armee wird aufgearbeitet Haben homosexuelle Personen in der Schweizer Armee in der Vergangenheit Unrecht erfahren? Diese Frage wirft ein 2022 vom Nationalrat angenommenes Postulat von Nationalrätin Priska Seiler Graf (SP) auf. Für den Bericht in Erfüllung dieses Postulats hat nun die Schweizer Armee einem Forschungsteam der Universität Bern das Mandat erteilt, das Thema in einem unabhängigen Forschungsbericht aufzuarbeiten. Es ist die erste offizielle Aufarbeitung der Diskriminierung homosexueller Menschen in der Schweiz. Es handelt sich um den ersten offiziellen Auftrag der Schweiz überhaupt zur Aufarbeitung der historischen Diskriminierung homosexueller Menschen in der Schweiz. «Mit dem Auftrag folgt die Schweiz zugleich internationalen Bestrebungen zur Aufarbeitung der Diskriminierung homosexueller Personen in

Streitkräften, etwa in Deutschland», sagt Soziologieprofessorin Michèle Amacker, CoLeiterin des interdisziplinären Zentrums für Geschlechterforschung und Gesamtverantwortliche des Forschungsprojekts. Das Forschungsteam untersucht in den kommenden vier Jahren, ob und inwiefern homosexuelle oder als homosexuell wahrgenommene Personen in der Schweizer Armee zwischen dem Zweiten Weltkrieg und heute Unrecht erfahren haben und welche Folgen dies für die Betroffenen hatte und hat. Die Studie soll sich auch mit der Frage beschäftigen, ob eine Wiedergutmachung angezeigt ist. Zudem soll der Bericht Empfehlungen zum künftigen Umgang der Armee mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt abgeben. Bisher ist wenig bekannt über den Umgang mit homosexuellen Menschen in der Schwei-

zer Armee. «Zum untersuchten Zeitraum gibt es kaum gesichertes Wissen», sagt Amacker. Was feststeht: Nach dem Schweizer Militärstrafgesetz waren homosexuelle Handlungen noch bis 1992 strafbar. Das Militärstrafgesetz befand sich damit im Widerspruch zum Zivilgesetzbuch, welches einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen gleichen Geschlechts bereits 1942 weitgehend legalisierte. «Es gibt Hinweise auf Mobbing und Belästigungen im militärischen Alltag, auf Ausmusterungen homosexueller Personen bei der Rekrutierung sowie auf mögliche Verhinderungen von militärischen Karrieren», meint Michèle Amacker. Weiter gebe es Anzeichen, dass es in der Vergangenheit phasenweise übliche Praxis war, gewisse Codes für Homosexualität anzuwenden. Diese wurden etwa als Be-

gründung für Untauglichkeit in das Dienstbüchlein eingetragen. Derartige administrative Vorgänge hätten sich auch negativ auf das Privatleben und die berufliche Laufbahn auswirken können, beispielsweise wenn das Dienstbüchlein bei Stellenbewerbungen vorgewiesen werden musste. Das interdisziplinäre Team will neben der Archivarbeit eine umfassende Befragung von Betroffenen vornehmen. «Nur wenn Betroffene bereit sind, uns von ihren Erfahrungen zu erzählen, können wir ein ganzheitliches Verständnis für das Geschehene entwickeln», meint Amacker. Es zählten Aussagen zu allen Arten von Vorfällen – von alltäglichen diskriminierenden Äusserungen bis hin zu Belästigung, Gewalt oder Diskriminierung bei der Rekrutierung oder Beförderungen. VBS


BÜCHER

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Andreas Renner

Nordostpassage Geschichte eines Seewegs

Die Zeiten der grossen Expeditionen in die entlegenen Gegenden der Welt sind schon lange vorbei. Die meisten geografischen Rätsel sind gelöst, spätestens seit der Erforschung der beiden Polregionen. Die Epen, Dramen und Schicksale rund um die Vorstösse in Arktis und Antarktis bleiben

aber im kollektiven Bewusstsein: wie zum Beispiel der Untergang der Scott-Expedition und parallel dazu der Exploit Amundsens am Südpol, Shackletons letztlich heroisch ausgegangenes Expeditions-Debakel, der Totalverlust der Franklin-Mission beim Versuch, die Nordwestpassage zu erkunden. Der Kontinent rund um den Südpol ist heute aufgrund des Antarktis-Vertrags politisch/wirtschaftlich neutralisiert. Anders liegen die Dinge am entgegengesetzten Pol: Die westliche Arktis inklusive der Nordwestpassage sind heute nicht nur wirtschaftlich und touristisch erschlossen, sondern werden von den NATO-Staaten seit dem Kalten Krieg militärisch genutzt. Russland anderseits verfügt mit den Marinebasen Murmansk und Archangelsk, einen Steinwurf von Norwegen und Finnland entfernt, über

einen direkten Zugang zu Arktis und Atlantik. Aufgrund des akut gewordenen Gegensatzes zwischen Russland und der NATO ist vor allem das Gebiet zwischen Grönland und der Barentssee verstärkt in den strategisch/militärischen Fokus geraten. Ein fast immer noch unbeschriebenes Blatt in den weiten Räumen der Arktis ist dagegen das Gebiet entlang der rund 6000 km langen Nordostpassage, deren mit Misserfolgen und Dramen gespickte Geschichte der Autor packend erzählt – und die im Gegensatz zur Antarktis kaum bekannt ist. Der Seeweg führt entlang der russisch/sibirischen Nordküste zwischen (grob) Nord-Norwegen und der Beringstrasse, umhüllt die russische Landmasse und verbindet auf direktem Weg Atlantik und Pazifik. Gleichwohl fristet die Nordostpassage seit Jahrzehnten ein Mauerblüm-

chendasein im Vergleich zu den im Süden verlaufenden Handelswegen zwischen Asien und Europa. Lange war der nördliche Seeweg wegen der klimatischen Bedingungen unsicher bis unpassierbar. Die in der Arktis relativ stark feststellbare Klimaveränderung verbessert zwar nach und nach die Schiffbarkeit. Ob die Nordostpassage aber je zu einem international genutzten, bedeutenden Seeweg werden wird, steht heute in den Sternen. Wer an maritimer Geschichte interessiert ist und sich ein Bild über diesen für die meisten von uns unvertrauten, strategisch dennoch wichtigen Raum machen will, darf und soll sich in dieses Buch vertiefen. Dr. Rolf Hartl

Hamburg, mareverlag 2024 ISBN 978-3-86648-684-3

Fritz Stoeckli

Espionnage russe depuis la Suisse 1914–1917 «Von Alters her ist es sowohl bei den Römern als auch auf der Seite der Perser Gesetz, auf Staatskosten Spione zu unterhalten …» (Geschichte der Kriege, Buch 1, Kapitel XXI). Die Worte Prokops von Caesarea (heute Israel) haben nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Das von Prokop geschilderte real existierende «Gesetz» (im griechischen Original «nomos») wird gelten bis zum jüngsten Tag. Allerdings handelt es sich bei Nachrichtendiensten um diskrete Institutionen. Ihre Tätigkeit ist vom Schleier des Geheimnisses um-

geben. Sie halten, meistens, die Gesetze des eigenen Gemeinwesens ein, höchst selten aber diejenigen anderer Staaten. Das Geheimnis wird in aller Regel zeitlich unbegrenzt gewahrt. So ist es ein Glücksfall, dass es dem klugen, sorgfältigen, erfahrenen und kenntnisreichen Brigadier und Professor Fritz Stoeckli gelungen ist, die russische Spionage aus der Schweiz heraus in den Jahren 1914 bis 1917 aufgrund der Quellen darzustellen. Wer Agent «Borisov» war, der – durch den Arbeitgeber kontrolliert oder nicht kontrol-

liert – aus dem Schweizer Generalstab meldete (S. 44), wer die anderen Agenten, welche, durch Eitelkeit, Rachsucht, Geldgier, Libido, Ideologie motiviert, ihre Vaterländer verrieten oder andere Vaterländer, ist von geringer Bedeutung. Interessanter ist Stoecklis Feststellung, dass es den Agenten gelegentlich an Gründlichkeit und Zuverlässigkeit fehlte (S. 112 ff.). Der Ertrag der russischen Spionage aus der Schweiz heraus war insgesamt eher gering. Daran trägt jedoch keineswegs der verantwortliche Militärattaché in Bern, Sergei


Allgemeine Schweizer Militärzeitschrift

ASMZ

08/2024

Josef D. Blotz

Denkmäler für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus Topographie einer deutschen Erinnerungslandschaft am Beispiel des 20. Juli 1944

Das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 jährt sich 2024 zum achtzigsten Mal. Zu diesem wichtigen Er­ eignis der neuern deutschen Geschichte liegen heute For­ schungsergebnisse und andere Veröffentlichungen in grosser Fülle vor – auch zur Rezeption des Widerstandes gegen das NSRegime nach 1945. Ergänzend zu dem kaum noch überschaubaren Schrifttum und den jährlichen Gedenkfeiern gibt es in Deutschland, in einigen Fällen auch im Ausland, zahlreiche «Denkmäler für den Widerstand

(Fortsetzung Rezension des Buches von Fritz Stoeckli) Golowan, die Schuld, er musste mit dem Material arbeiten, das vorhanden war. Unter den Umständen der Zeit: Golowan wurde nicht nur durch die schweizerische Spionageabwehr von Generalstabsmajor Jaques Simon überwacht (S. 63 ff.), und auch nicht nur vom Feind, den Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn, sondern auch von den mit Russland verbündeten Mächten Frankreich und Grossbritannien. Ein Höhepunkt

gegen den Nationalsozialismus», so der Titel des hier vorzustellenden Buches von Josef D. Blotz. Darin wird beschrieben, wie der Widerstand sichtbar gemacht wird. An 300 Orten im Bundesgebiet wurden im öffentlichen und privaten Raum, in Schulen, Kirchen und Kasernen rund 1130 Denkmäler, Gedenktafeln und andere sichtbare Formen der Erinnerung an Persönlichkeiten oder Ereignisse im Zusammenhang mit dem Widerstand errichtet, zumeist dort, wo es einen regionalen Bezug dazu gibt. Blotz untersucht die Vielfalt dieser Denkmäler und anderer Erinnerungsstätten, ihre Entstehungsgeschichte sowie deren sich im Laufe der Zeit ändernde Wahrnehmung. Die in seinem Buch erfassten Denkmäler sind räumlich im Bundesgebiet sehr ungleichmässig verteilt. Besonders viele befinden sich in Berlin, weil dort ein Schwerpunkt des Widerstandes war. Seit 1952 fanden die ersten Gedenkveranstaltungen im Bendlerblock statt. Ein Grossteil der Denk-

mäler befindet sich in Bayern und Baden-Württemberg, im Norden und Westen der Bundesrepublik deutlich weniger. In seinem Buch untersucht Blotz auch die Gründe für dieses regionale Ungleichgewicht. Da Kenntnis und Bedeutung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus heute vielfach in Vergessenheit geraten, können und sollen die in dem Buch beschriebenen Denkmäler auch Lernprozesse, insbesondere bei Jugendlichen, unterstützen. Ausser den von Blotz beschriebenen Denkmälern gibt es noch andere Formen der Erinnerung: Filme, Fernsehsendungen, Briefmarken, Symposien oder zwei IC-Züge der Deutschen Bahn. Das Buch leistet einen wichtigen Betrag zur Erinnerungskultur für einem wichtigen Abschnitt der neueren deutschen Geschichte. Der Verfasser untersucht auch die mit diesen Denkmälern verbundenen städtebaulichen und kunstgeschichtlichen Aspekte, wobei viele dieser Denkmäler nicht als

des in allen Teilen lesenswerten Buches ist die Schilderung der schweizerischen Oberstenaffäre durch ihren besten Kenner, Fritz Stoeckli. Ein brillanter schweizerischer Kryptograf, André Langie, entschlüsselte abgefangene russische und deutsche Depeschen für den schweizerischen Nachrichtendienst. Er stellte dabei fest, dass die Deutschen aus dem schweizerischen Generalstab heraus mit dechiffriertem russischem Material versorgt wurden. Langie informierte Bundesrat Camille Decoppet. Die verantwortlichen Schweizer

Offiziere Moritz von Wattenwyl und Karl Egli wurden disziplinarisch bestraft. Eine mögliche Erklärung für solche Milde mag im internationalen nachrichtendienstlichen Handel mit Informationen liegen. Auf diesem Schwarzmarkt muss sich auch der Kleinstaat, selbst in Zeiten der Five Eyes und der modernen Totalaufklärung des Cyberspace, von Zeit zu Zeit eindecken. Dazu benötigt er Austauschware. Fritz Stoeckli erlaubt seinen Lesern und Leserinnen einen andernorts kaum zu gewinnenden Blick hinter die Kulissen. Möge

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Kunstwerk, sondern zumeist als bescheidene Erinnerungs- und Mahnobjekte konzipiert sind, wie zum Beispiel die dem Widerstand gewidmeten Stolpersteine. Mit dem Buch erwirbt der Verfasser auch ein Stück Deutungshoheit über den bis heute noch zum Teil umstrittenen Widerstand gegen das NSRegime. Generalmajor a D Josef D. Blotz hat seine Arbeit zwei Jahre nach dem Eintritt in den Ruhe­ stand abgeschlossen, als Dissertation vorgelegt und wurde damit zum Dr. phil. promoviert. Dabei ist ein gut lesbares, reich bebildertes und materialreiches Buch entstanden. Die für die Darstellung der Erinnerungslandschaft erforderlichen Tabellen und Grafiken sind anschaulich und übersichtlich. Der als Datenbasis für Folgeuntersuchungen angelegte Katalog ist online verfügbar. Dem Verfasser und seinem Buch sind zu wünschen, dass damit die Erinnerung an den deutschen Widerstand auch im Bewusstsein der jüngeren Generation angemessene Anerkennung und Verbreitung findet Dr. Michael Vollert, Oberst a D

München, Verlag De Gruyter Oldenbourg, 2024 ISBN 978-3-11-138051-3

der wackere Neuenburger weiter forschen und uns an den künftigen Resultaten ebenso Anteil haben lassen, wie in diesem brillanten Buch. Eben: «Von Alters her ist es … Gesetz, auf Staatskosten Spione zu unterhalten …» Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg

Genève: Slatkine, 2023 ISBN 978-2-05-102936-0


RUBRIKTITEL

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SKYRANGER MARKTDURCHBRUCH FÜR MOBILE FLUGABWEHRLÖSUNGEN AUS DER SCHWEIZ Bereits vier europäische Staaten haben sich für Oerlikon Skyranger Flugabwehrsysteme des Schweizer Herstellers Rheinmetall Air Defence AG entschieden:

Dänemark

Deutschland

Österreich

Ungarn

Oerlikon Skyranger ist ein mobiles Flugabwehrsystem zum Schutz von mechanisierten Verbänden gegen Bedrohungen aus der Luft. Insbesondere steht dabei die Abwehr von Drohnen im Fokus.

Oerlikon Skyranger® Mobile Air Defence System


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