September 2026
Eine Publikation von
Ratgeber für die Schweiz von morgen
Tomorrow
ENERGIE
Woher kommt der Strom? 02
SMART BUILDINGS
Für mehr Effizienz und Komfort 08
Andreas Schierenbeck, CEO von Hitachi Energy:
«Ohne leistungsfähige Stromnetze gibt es keine KI»
DIGITALISIERUNG
Stärkung der Cyberabwehr 12
ARBEITSWELT
Upskilling als Zukunftslösung? 14
Lesen Sie das Interview auf S. 6
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02 Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen ENERGIE
Mehr Ökostrom für die Schweiz – eine Mammutaufgabe Die Schweiz steht vor grossen energiepoliti schen Herausforderungen: Bis zum Jahr 2050 muss die Energieversorgung klimaneutral sein. Zudem wird der Strombedarf steigen. Doch wie kann das funktionieren? TE X T: TOBIAS LEMSER
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b im privaten Umfeld beim Laden des Smartphones oder in Unternehmen bei der Herstellung von Bauteilen: Ohne Strom und eine damit verbundene sichere Energieversorgung funktioniert kaum etwas. Die Stromversorgung der Schweiz basiert zwar in erster Linie auf Wasserkraft, doch gewinnt Strom aus Solarenergie und anderen erneuerbaren Quellen zunehmend an Bedeutung. Laut Daten des Bundesamts für Energie lag die Stromproduktion in der Schweiz im Jahr 2025 bei 67,5 Terawattstunden. Davon stammten 55,5 Prozent aus Wasserkraftwerken, 27,2 Prozent aus Kernkraftwerken, 5,3 Prozent aus thermischer Erzeugung sowie 11,8 Prozent aus Photovoltaik und 0,2 Prozent aus Windkraft. STEIGENDER STROMBEDARF Zwar ist die Versorgung mit Strom grundsätzlich gesichert, dennoch sieht sich die Schweiz mit Blick auf die Zukunft einigen Unsicherheitsfaktoren gegenüber. Stichwort Klimaneutralität bis zum Jahr 2050. Das bedeutet: Es dürfen nur noch so viele Treibhausgase ausgestossen werden, wie durch natürliche oder technische Speicher wieder aufgenommen werden. Die Herausforderung: Soll die Energieversorgung der Schweiz bis zum Jahr 2050 CO2-neutral sein, müssen dafür der Verkehr, die Wärmeversorgung und die Industrie elektrifiziert werden. Damit geht jedoch einher, dass der heutige Strombedarf bis zum Jahr
Bis zum Jahr 2050 wird der hiesige Strombedarf von 56 auf 75 TWh ansteigen.
2050 auf rund 75 Terawattstunden (TWh) pro Jahr ansteigen wird. Gleichzeitig müssen 23 TWh Strom aus den Schweizer Kernkraftwerken ersetzt werden. WAS BRAUCHT ES ZUR ENERGIEWENDE? Laut dem im Jahr 2024 beschlossenen Stromgesetz soll die Schweiz bis zum Jahr 2050 rund 60 Prozent ihres Strombedarfs (45 TWh pro Jahr) mit erneuerbaren Energiequellen wie Photovoltaik, Windenergie oder Biomasse decken. Welche Herausforderungen auf dem Weg zur Energiewende noch zu bewältigen sind, zeigt ein Bericht des SweetKonsortiums EDGE, das sich aus mehreren Studien der ETH Zürich, der Universitäten Genf und Bern, der EPFL, der WSL und der ZHAW zusammensetzt. Erste Erkenntnis: Um das 45-TWh-Ziel zu erreichen, müssen sowohl die Photovoltaik als auch die Windenergie massiv ausgebaut werden. Im Durchschnitt müsste die Kapazität der in der Schweiz installierten Photovoltaikanlagen von heute 6,4 Gigawatt (GW) auf rund 26,8 GW im Jahr 2050 ansteigen, was einer Vervierfachung entspricht. Bei der Windenergie, die für die Stromproduktion im Winter entscheidend ist, wäre der nötige Ausbau deutlich grösser: Die Kapazität müsste von heute durchschnittlich 0,1 GW auf rund 8,4 GW im Jahr 2050 steigen, was auch finanziell eine Mammutaufgabe ist. «Dieser starke Zubau an Photovoltaik und Windenergie bis 2050 ist ohne griffige Subventionen kaum vorstellbar», betont Giovanni Sansavini, Professor für Reliability and Risk Engineering an der ETH Zürich. WIRTSCHAFTLICHE CHANCEN Doch auch ein funktionierender Stromhandel mit dem Ausland wird laut Ambra Van Liedekerke, Doktorandin in Sansavinis Gruppe, notwendig sein: «Unsere Ergebnisse belegen eindrücklich, wie wichtig es ist, dass die Schweiz einen reibungslosen Zugang zum europäischen Strommarkt hat. Ohne Integration wird sowohl die Stromversorgung insgesamt als auch der Strom selbst teurer.» Fest steht: Klimaschutz ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern ebenso ein Investitionsprogramm mit vielen Chancen für die Schweizer
Um das 45-TWh-Ziel zu erreichen, müssen sowohl die Photovoltaik als auch die Windenergie massiv ausgebaut werden. Wirtschaft. Wie die Schweizerische Bankiervereinigung in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group bereits im Jahr 2021 zeigte, werden erhebliche Investitionen in Gebäude, Verkehr, Energieinfrastruktur und industrielle Technologien notwendig sein. Der geschätzte Investitionsbedarf dürfte sich insgesamt auf rund 387 Milliarden Franken belaufen – Investitionen, die auch Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen. Beispielhaft hierfür sind Gebäudesanierungen, Wärmepumpen, Photovoltaiktechnik, Netzausbau und Elektromobilität. Gleichzeitig machen sie die Schweizer Wirtschaft weniger abhängig von fossilen Energieimporten und erhöhen langfristig die Wettbewerbsfähigkeit.
IMPRESSUM Projektleitung: Chi Lam Redaktionsleitung: Nadine Effert Redaktion: Helene Fuchs, Tobias Lemser, Frank Oberli Layout: Claudia Bachmann CEO: Erik Ulrich Bilder: Unsplash (Peter Wormstetter, Patrick Tomasso, Israel Andrade, Lidka Ratajczak) und von mitwirkenden Unternehmen Druck: DZZ Druckzentrum Zürich AG Trägermedium: SonntagsZeitung Die Inhalte von den Beiträgen der beteiligten Unternehmen geben die Meinung der Unternehmen wieder. Die Redaktion ist für die Richtigkeit der Inhalte nicht verantwortlich. Für weitere Informationen erreichen Sie uns unter: aurea media GmbH Torstr. 105–107, 10119 Berlin info@aureamedia.ch +41 (0)44 514 26 26 aureamedia.ch
Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen
03
PARTNERBEITR AG
Die Schweiz braucht eine zweite Batterie Die Stauseen halten das Stromnetz im Gleichgewicht. Im Juli waren sie so leer wie seit 20 Jahren nicht. Der Ersatz steht längst in Kellern und Garagen. Er muss nur zusammen geschaltet werden.
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ie grösste Batterie der Schweiz ist gar keine Batterie, sondern ein See. Die Speicherseen fassen knapp neun Terawattstunden, was gut einem Viertel des Schweizer Winterverbrauchs entspricht. Aus ihnen kommt bis heute der grösste Teil der Reserve, mit der das Stromnetz jederzeit im Gleichgewicht gehalten wird. Nur hängt diese Batterie von einer Bedingung ab, die niemand steuern kann: Es muss Wasser da sein. Nach einem der trockensten Frühlinge seit Messbeginn waren die Seen Mitte Juli zu 46 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand seit 20 Jahren. Und die schmelzenden Gletscher speisen sie heute noch, in 30 Jahren jedoch deutlich weniger. DER ERSATZ STEHT IM KELLER Wasser, das als Reserve bereitliegt, kann nicht gleichzeitig verkauft werden. Ist es knapp, wird die Reserve teuer. Ersatz gibt es längst, er ist nur klein und verteilt. Auf Schweizer Dächern liegen hunderttausende Solaranlagen, in den Kellern stehen Wärmepumpen und immer öfter Batteriespeicher, vor den Häusern Ladestationen. Die Solaranlage liefert Strom, wenn die Sonne scheint. Die Wärmepumpe zieht Strom, wenn es kalt ist. Das Auto lädt, wenn es heimkommt. Keine dieser Anlagen richtet sich nach dem Netz. Eine einzelne Batterie im Keller ändert daran nichts. Erst tausende zusammen ergeben ein Kraftwerk. AUS DATEN WIRD STEUERUNG Bei der Virtual Global Trading in Aarau arbeiten 36 Mitarbeitende an dieser Aufgabe. Ihre Plattform bindet Batteriespeicher, Solaranlagen, Wärmepumpen und Ladestationen an, unabhängig vom Hersteller. Jedes Gerät spricht seine eigene technische Sprache, die von der Plattform in eine gemeinsame übersetzt wird. Rund zwei Gigawatt Leistung sind heute so gebündelt. Aus den Anlagen gehen laufend Messwerte ein: Leistung, Ladezu-
stand, Temperatur. Die Netzfrequenz misst jede Anlage selbst, direkt vor Ort. Sackt sie ab, muss eine Batterie innert Sekunden reagieren. Für den Umweg über eine Cloud bleibt keine Zeit. Verkauft wird diese Leistung an Swissgrid, die sie als Reserve vorhält und am Markt beschafft. Die Gebote gehen Tage bis Wochen im Voraus ein. Vorher müssen die Daten zeigen, wie viel eine Anlage sicher zusagen kann, nachher müssen sie belegen, dass sie geliefert hat. Wer nicht liefert, verliert Geld und im Wiederholungsfall die Zulassung. Dieses Risiko trägt nicht die Betreiberin der Anlage, sondern das Aarauer Unternehmen. Die verschiedenen Erlösquellen schliessen sich dabei nicht aus. Zuerst kommt, was der Betrieb selbst braucht: mehr eigener Solarstrom, tiefere Lastspitzen. Was danach an Leistung frei bleibt, wird auf dem Markt angeboten. Hartnäckig hält sich das Missverständnis, dieser Markt sei den grossen Kraftwerken vorbehalten. Die oft zitierten fünf Megawatt sind jedoch keine Mindestgrösse für eine Anlage, sondern für ein Gebot. Wer bündelt, kommt auch mit hunderten kleinen Anlagen auf diese Menge. Swissgrid senkt die Schwelle nun auf ein Megawatt und öffnet den Markt damit weiter.
zum Zug kommt – die eigene oder die der Kundschaft. Nach aussen tritt ohnehin der Partner auf, das Energieversorgungsunternehmen oder der Fachbetrieb. Auftritt und Kundenbeziehung bleiben bei ihm, die Technik dahinter kommt aus Aarau. Handel, Risiko und den Aufwand gegenüber Netzbetreibern und Swissgrid trägt der Vermarkter. Der Einstieg ist bewusst einfach gehalten. Bei kleinen Anlagen meldet sich der Fachbetrieb auf www.vgt.energy an, trägt die Anlage ein und erhält ein vorkonfiguriertes Gerät per Post. Einstecken, Status prüfen, fertig. Zur Grössenordnung: Für ein Megawatt vermarktete Leistung liegen je nach Marktlage 100’000 bis 300’000 Franken im Jahr drin, vor Kosten und vor der Beteiligung des Vermarkters. Das lässt sich nachrechnen, denn Swissgrid veröffentlicht jede Ausschreibung. Seit Anfang Jahr ist zudem geklärt, wem die Flexibilität einer An lage gehört: dem Betrieb, der sie besitzt. Will ein Verteilnetzbetreiber sie nutzen, um sein Netz zu entlasten, muss er sie einkaufen und entschädigen. Eine Batterie am richtigen Ort bekommt damit einen zweiten Wert neben dem Marktwert.
DIE TECHNIK BLEIBT UNSICHTBAR Eigene Anlagen besitzt das Unternehmen keine. Wer kein eigenes Portfolio hält, muss sich nie entscheiden, welche Anlage zuerst
Füllungsgrad der Speicherseen in der Schweiz
Für Unternehmen stellt sich damit nicht mehr nur die Frage, ob eine Anlage gebaut wird, sondern auch wer die Daten dahinter organisiert und wer den Erlös daraus zieht. Die zweite Batterie der Schweiz ist längst da. Sie muss nur noch zusammengeschaltet werden.
AUTOR Michael Seeholzer CEO und Mitgründer Virtual Global Trading AG Obere Vorstadt 40 · 5000 Aarau +41 (0)62 521 21 21 info@vgt.energy www.vgt.energy
46 % war der Füllstand der Seen Mitte Juli – der niedrigste Stand seit 20 Jahren.
Quelle der Zahlen: https://www.uvek-gis.admin.ch/BFE/storymaps/ AP_FuellungsgradSpeicherseen/?lang=de
Die Batterien der Schweiz sind die Flüsse und Speicherseen. Fehlt Wasser, wird der Strom knapp.
04 Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen PARTNERBEITR AG
Die Zukunft hat keinen Projektplan Über ein Jahrzehnt wurde die Energiezentrale kenova geplant und gebaut. Für eine Zukunft, deren Bedingungen sich laufend verändern. Wie entsteht Infrastruktur, die heute und morgen funktioniert?
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nde August 2026 wurde die neue Energiezentrale der kenova in Zuchwil offiziell eingeweiht. Damit erreicht eine Projektgeschichte ihren Höhepunkt, die bereits vor mehr als einem Jahrzehnt begann. Die bisherige Anlage, die fast 50 Jahre lang ihren Dienst geleistet hatte, ist ausser Betrieb. An ihre Stelle tritt eine Energiezentrale, die jährlich rund 250‘000 Tonnen Abfall verarbeitet, daraus Strom und Fernwärme erzeugt und gleichzeitig wertvolle Rohstoffe zurückgewinnt. Tausende Besucherinnen und Besucher nutzten die Eröffnungstage, um die neue Anlage zu besichtigen. Dabei wird nicht nur moderne Technologie sichtbar, sondern auch die Antwort auf eine grundsätzliche Frage: Wie plant man Infrastruktur für die nächsten Generationen in einer Welt, die sich ständig verändert? EINE KLARE VISION Bereits 2013 entwickelte kenova die Vision für die neue Anlage. Seit 2015 planten und realisierten die Gesamtplaner von TBF + Partner gemeinsam mit dem Bauherrn dieses
Dominique Dietschweiler Stellvertretender Gesamtprojektleiter TBF + Partner
Bau der kenova
Generationenprojekt. Das Ziel war klar. Die bestehende Infrastruktur stiess an ihre Grenzen und sollte durch eine neue Generation von Anlagen ersetzt werden. Die Rahmenbedingungen hingegen blieben alles andere als konstant. «Als wir 2015 gestartet sind, wussten wir zwar, wohin die Reise gehen soll. Aber wir wussten noch nicht, welche Herausforderungen uns unterwegs begegnen würden», erinnert sich Dominique Dietschweiler, stellvertretender Gesamtprojektleiter von TBF + Partner. Mit einer globalen Pandemie, unterbrochenen Lieferketten, geopolitischen Spannungen oder dem Tempo, mit dem Digitalisierung und Dekarbonisierung neue Anforderungen schaffen würden, hatte damals niemand gerechnet. «Bei Projekten dieser Grössenordnung läuft nie alles nach Plan. Der Erfolg besteht nicht darin, am ersten Tag bereits alle Antworten zu kennen. Der Erfolg besteht darin, immer wieder neue Lösungen zu finden», sagt Dietschweiler. KOMPLEXITÄT GESTALTEN In vielen Bereichen gilt Komplexität als Problem, das reduziert werden muss. Bei grossen Infrastrukturprojekten ist das jedoch kaum möglich. Energieversorgung, Kreislaufwirtschaft, Umweltrecht, Digitalisierung, Wirtschaftlichkeit, Betriebssicherheit und politische Prozesse greifen unmittelbar inei-
Entscheidend ist nicht die Vereinfachung, sondern der bewusste Umgang mit Komplexität. nander. Jede Entscheidung beeinflusst zahlreiche weitere Bereiche. Entscheidend ist deshalb nicht die Vereinfachung, sondern der bewusste Umgang mit dieser Komplexität. Fachpersonen aus Verfahrenstechnik, Umweltwissenschaft, Bauingenieurwesen, Architektur und Digitalisierung arbeiteten gemeinsam mit dem Betriebspersonal während Jahren an denselben Fragestellungen. Hinzu kommen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie politische Vertreterinnen und Vertreter in den übergeordneten Gremien. Tragfähige und gute Lösungen entstehen dort, wo unterschiedliche Perspektiven sich verbinden. Eine prägende Entscheidung fiel bereits in einer frühen Projektphase. Aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse wurde der Kehrichtbunker um 90 Grad gedreht. Was zunächst wie ein technisches Detail klingt, veränderte die Organisation des gesamten Areals grundle-
Matthias Vescovi Oberbauleiter TBF + Partner
gend. Gleichzeitig entstanden neue Freiräume für künftige Erweiterungen und die nächste Anlagengeneration. Diese Anordnung ist in dieser Form schweizweit einzigartig. Ein weiterer einschneidender Moment war die Erkenntnis, dass die ursprünglich geplante Flusswasserkühlung aufgrund neuer Vorgaben im Gewässerschutz und den generell steigenden Wassertemperaturen zu Einschränkungen führen würde. Obwohl das Projekt bereits kurz vor der Baueingabe stand, wurden daraufhin Teile des Anlagenkonzepts neu gedacht. Gemeinsam entwickelte das Projektteam innert kurzer Zeit eine überzeugende Lösung mit Luftkühlung.
Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen
Janciga Peethamparam Bauleiterin TBF + Partner
Rückblickend erwies sich dieser Richtungswechsel als weitsichtig. Gerade im aktuellen Hitzesommer zeigt sich, wie wichtig diese Entscheidung für die Zukunftsfähigkeit der Anlage war. «Die wichtigsten Fortschritte entstanden oft genau dann, wenn wir gezwungen waren, bestehende Lösungen zu hinterfragen und neu zu denken», sagt Matthias Vescovi, Oberbauleiter von TBF + Partner. BAUEN FÜR EINE UNBEKANNTE ZUKUNFT Wer Infrastruktur für mehrere Jahrzehnte plant, trifft bewusst Entscheidungen für eine Zukunft,
die zum Zeitpunkt der Planung noch gar nicht absehbar ist. Ein Beispiel dafür ist Carbon Capture. Als das Projekt im Jahr 2015 begann, spielte die CO₂-Abscheidung noch eine untergeordnete Rolle. Heute gilt sie als wichtiger Baustein vieler Klima strategien. Die neue Energiezentrale wurde deshalb so konzipiert, dass eine spätere Integration entsprechender Technologien möglich ist. Dabei stand nicht die perfekte Vorhersage der Zukunft im Vordergrund, sondern die Schaffung von Handlungsspielraum. Anstatt jede Entwicklung detailliert vorauszuplanen, wurden Voraussetzungen geschaffen, damit sich neue Techno-
logien auch in Zukunft integrieren lassen, ohne die Anlage grundlegend umzubauen. Diese Herangehensweise ist die DNA des Projekts und macht exemplarisch sichtbar, wie wir zuversichtlich und mutig die Herausforderungen der Zukunft lösungsorientiert angehen können. Auch die Digitalisierung hat die Projektarbeit grundlegend verändert. Als TBF + Partner im Jahr 2015 vorschlug, die Anlage konsequent mittels Building Information Modeling (BIM) zu planen und umzusetzen, war dies in der Schweizer Bauwirtschaft noch weitgehend Neuland. Dieser Schritt verlangte Mut und Vertrauen seitens des Bauherrn. Als die Corona-Pandemie das Projekt später vor grosse Herausforderungen stellte, erwies sich die digitale Zusammenarbeit als wichtige Grundlage für Stabilität und Handlungsfähigkeit. Der Baustart erfolgte mitten im ersten Lockdown. Heute zählt digitale Planung bei Grossprojekten zum Standard. Damals war sie noch eine bewusste Investition in die Zukunft. DER MENSCH MACHT DEN UNTERSCHIED Trotz aller Technologie lag der wichtigste Erfolgsfaktor woanders. Bei langfristigen Projekten geht es nicht nur um Technik, Termine und Budgets. Es geht auch um den Umgang mit Veränderung, um Vertrauen, um die Fähigkeit, Konflikte kon struktiv zu lösen, und darum, die Kompetenzen aller Beteiligten optimal einzusetzen.
Janciga Peethamparam kam direkt nach ihrem Studium an der Berner Fachhochschule als Bauleiterin ins Projekt. «Ich konnte mich in den fast fünf Jahren hier enorm weiterentwickeln. An den entscheidenden Schnittstellen braucht es viel Austausch, Koordination und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren.» Für sie ist dies eine der wichtigsten Erfahrungen dieses Generationenprojekts: «Mit Offenheit und der engen Zusammenarbeit verschiedenster Fachdisziplinen kann man ein solches Projekt erfolgreich umsetzen.» FIT FÜR DIE NÄCHSTEN GENERATIONEN Heute steht die neue Energiezen trale am Zusammenfluss von Emme und Aare und sichert die nachhaltige Verwertung von Abfällen aus mehr als 170 Gemeinden. Mit ihrer markanten Architektur, einer der grössten PV-Fassadenanlagen der Welt und einem der grössten Kraftwerke für erneuerbare Energien der Schweiz setzt sie neue Massstäbe. Vor allem aber zeigt das Projekt, wie Infrastruktur in einer Zeit permanenter Veränderung entstehen kann. Digitale Werkzeuge, innovative Verfahren und neue Technologien waren dabei wichtige Hilfsmittel. Den entscheidenden Unterschied machten jedoch die Menschen und ihre Fähigkeit, gemeinsam auf neue Herausforderungen zu reagieren. Für Dominique Dietschweiler liegt darin die wichtigste Erkenntnis der vergangenen elf Jahre: «Der Erfolg eines Projekts hängt vor allem von der Kommunikation und der Kultur des Teams ab. Es braucht Offenheit, gegenseitigen Respekt und Vertrauen. Am Ende entsteht Projekterfolg durch Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen.» Die Zukunft folgt selten einem festen Projektplan. Erfolgreiche Infrastruktur entsteht deshalb nicht durch perfekte Vorhersagen, sondern durch die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Genau dafür steht die neue Energiezentrale kenova. Sie ist nicht nur ein Bauwerk für heute, sondern eine Plattform für die Anforderungen von morgen.
KONTAKT
kenova Eröffnungstage (© studio ikigai)
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TBF + Partner AG Beckenhofstrasse 35 8006 Zürich tbf@tbf.ch www.tbf.ch kenova.app.tbf.ch/de
06 Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen PARTNERBEITR AG – INTERVIE W
«Der Wettbewerb um KI entscheidet sich auch im Stromnetz» Andreas Schierenbeck, CEO von Hitachi Energy, über den grössten Infrastrukturumbau seit Generationen, den Stromhunger der Künst lichen Intelligenz (KI) und die Rolle Europas im Zeitalter der Elek trifizierung. Herr Schierenbeck, Europa steht vor tiefgreifenden wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen. Wird der Kontinent in 25 Jahren noch zu den führenden Industrieregionen der Welt gehören?
Ja, doch das ist kein Selbstläufer. Europa verfügt über hervorragende Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Ingenieurkompetenz. Gleichzeitig beobachten wir weltweit einen intensiven Wettbewerb um Investitionen, Technologien und industrielle Wertschöpfung. Ob Europa seine Position behaupten kann, hängt wesentlich davon ab, wie schnell wir unsere Energieinfrastruktur modernisieren und ausbauen. Die entscheidende Frage lautet: Sind wir schnell genug? Warum ist das so dringend?
Weil die Stromnachfrage in den kommenden Jahrzehnten massiv steigen wird. Wir elektrifizieren den Verkehr, Gebäude und industrielle Prozesse. Gleichzeitig entstehen neue Verbraucher, die es in dieser Grössenordnung bislang nicht gab: Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und digitale Infrastruktur benötigen enorme Mengen an Energie. Die Internationale Energieagentur erwartet einen deutlichen Anstieg des weltweiten Strombedarfs in den kommenden Jahren. Diese Entwicklung wird vielerorts noch unterschätzt. Ist KI tatsächlich ein so grosser Energiefaktor?
Absolut. Viele Menschen denken bei KI zuerst an Software oder Chips. Tatsächlich beginnt KI jedoch bei der Energieversorgung. Moderne Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Strom. Einige Anlagen verbrauchen inzwischen so viel Energie wie mittelgrosse
Städte. Deshalb sage ich oft: Ohne leistungsfähige Stromnetze gibt es keine KI. Gleichzeitig wird KI längst nicht mehr nur in Rechenzentren eingesetzt. Wir sehen ihren Einsatz zunehmend in industriellen Anwendungen – etwa im Maschinenbau, in der Fertigung, in der Logistik oder bei der Steuerung komplexer Produktionsprozesse. KI hilft dabei,
Anlagen effizienter zu betreiben, Wartungszyklen vorherzusagen oder den Energieverbrauch zu optimieren. Dadurch wird sie zu einem wichtigen Treiber der industriellen Transformation. Der globale Wettbewerb um KI wird deshalb nicht allein in Forschungslaboren entschieden. Er entscheidet sich ebenso in Fabriken, Produktionshallen und letzt-
lich beim Ausbau der Energieinfra struktur, die all das ermöglicht. Europa diskutiert derzeit vielerorts über den Bau neuer Rechenzentren. Mancherorts regt sich bereits Widerstand.
Das ist verständlich. Die Menschen sehen den steigenden Energieverbrauch und fragen sich, ob unsere Infrastruktur dafür ausreicht.
Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen
Hinzu kommen Fragen des Ressourcenverbrauchs, beispielsweise des Wasserbedarfs von Kühlungssystemen. Solche Fragen müssen ernst genommen werden. Unsere Antwort kann aber nicht darin bestehen, Innovation zu verhindern. Vielmehr müssen wir Infrastruktur und Nachhaltigkeit gemeinsam denken. Wenn Europa die Voraussetzungen nicht schafft, werden Investitionen künftig verstärkt in Regionen fliessen, die ihre Energie- und Netzkapazitäten konsequenter ausbauen. China, Indien und Teile der USA investieren bereits heute mit hohem Tempo. Droht Europa wirtschaftlich zurückzufallen?
Ja, diese Gefahr besteht. Wer heute keine ausreichenden Energie- und Netzkapazitäten bereitstellt, wird morgen keine neuen Industrien anziehen. Das betrifft KI ebenso wie Batteriefabriken, Rechenzentren oder Wasserstoffprojekte. Europa hat hervorragende Unternehmen und eine starke industrielle Basis. Entscheidend ist, ob daraus Investitionen entstehen. Unternehmen investieren dort, wo Energie verfügbar, bezahlbar und verlässlich ist. Die Energiepolitik entscheidet somit heute über technologische Führungsfähigkeit, Investitionen, Arbeitsplätze und Wohlstand. Wer diese Grundlagen stärkt, schafft die Voraussetzungen für Wachstum. Wer zu lange wartet, verliert an Attraktivität. Viele Menschen verbinden die Energiewende vor allem mit Windrädern und Solaranlagen. Reicht das?
Nein. Die Erzeugung von Energie ist nur die eine Seite. Strom muss auch transportiert, verteilt und gespeichert werden. Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung. Ein modernes Energiesystem benötigt leistungsfähige Netze, intelligente Steuerung und neue Speicherlösungen. Der Ausbau der Netzinfrastruktur – auch um die Stromversorgung resilienter zu machen – wird in den kommenden Jahren mindestens genauso wichtig sein wie der Ausbau der erneuerbaren Energien selbst. Wie gross ist dieser Umbau?
Historisch betrachtet ist er enorm. Unsere Stromnetze wurden ursprünglich für eine Welt gebaut, in der Strom überwiegend zentral erzeugt und anschliessend verteilt wurde. Heute entsteht Energie dezentral, beispielsweise durch Windund Solaranlagen. Gleichzeitig entstehen durch Elektromobilität, grosse Rechenzentren oder Wärmepumpen neue Lastzentren.
Für die Energiewende ist Zeit eine wichtige Ressource. Dadurch werden die Systeme deutlich komplexer. Wir sprechen über Millionen zusätzlicher Datenpunkte, neue Stromflüsse und eine wesentlich höhere Netzdynamik. Es ist einer der grössten Infrastrukturumbauten unserer Zeit. Was bedeutet das konkret für Unternehmen wie Hitachi Energy?
Unsere Aufgabe besteht darin, die Infrastruktur bereitzustellen, die diese Transformation ermöglicht. Dazu zählen Transformatoren, Schaltanlagen, HochspannungsGleichstrom-Übertragungssysteme, digitale Netzsteuerung, Batteriespeicher und viele weitere Technologien. Vereinfacht gesagt: Wir bauen die Verbindung zwischen der Energieerzeugung der Zukunft und den Verbrauchern von morgen. Infrastrukturprojekte gelten vielerorts als langwierig. Wird Europa schnell genug sein?
Europa hat erkannt, dass Geschwindigkeit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden ist. Dennoch dauern Genehmigungsund Planungsverfahren häufig noch zu lange. Während wir diskutieren, bauen andere Regionen bereits. Für die Energiewende ist Zeit inzwischen eine ebenso wichtige Ressource wie Kapital. Infrastruktur muss heute für den Bedarf von morgen geplant werden, nicht für den von gestern. Hitachi Energy hat kürzlich den Standort für einen neuen Campus in der Schweiz bekanntgegeben. Warum ist dieses Projekt für das Unternehmen so wichtig?
Die Schweiz ist seit mehr als 130 Jahren ein zentraler Innovationsstandort für unser Unternehmen. Viele Technologien, die unsere moderne Energiewirtschaft geprägt haben, wurden hier entwickelt. Mit dem neuen Campus investieren wir gezielt in die Zukunft: Forschung, Entwicklung, Produktion und Ingenieurkompetenz werden künftig noch enger zusammenarbeiten. Dies wird Innovationen beschleunigen und unsere Fähigkeit stärken, Kunden in Europa und weltweit bei der Modernisierung ihrer Energiesysteme zu unterstützen.
Der Campus ist deshalb weit mehr als ein neues Gebäude. Er ist ein klares Bekenntnis zum Standort Schweiz und zur nächsten Phase der globalen Elektrifizierung. Parallel dazu investieren Sie auch in den bestehenden Standort in Lenzburg. Welche Bedeutung hat dieser Ausbau?
Lenzburg ist einer der weltweit wichtigsten Halbleiterstandorte von Hitachi Energy. In den kommenden Jahren werden wir unsere Aktivitäten dort weiter ausbauen und zusätzliche Produktionskapazitäten schaffen. Damit reagieren wir auf die stark steigende Nachfrage unserer Kunden und stärken zugleich unsere industrielle Präsenz in der Schweiz. Sowohl Lenzburg als auch Otelfingen stehen für dieselbe langfristige Perspektive: Wir bereiten uns heute auf den weltweit wachsenden Strombedarf, die fortschreitende Elektrifizierung und die erheblichen Investitionen in die Energieinfrastruktur der kommenden Jahrzehnte vor. Zugleich bekennen wir uns klar zur Schweiz als Industrieund Innovationsstandort. Wir schaffen heute schon die Grundlagen für die Arbeitswelt von morgen. Gemäss unserem Leitspruch: «Today for us. Tomorrow for them».
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Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Geschwindigkeit zu gewinnen. Wenn Europa diese He rausforderung annimmt, können wir zu den Gewinnern dieses Jahrhunderts gehören. Wenn nicht, werden andere Regionen die industrielle und digitale Zukunft prägen. Aber – Sie haben mich ja gefragt: Ich bin und bleibe Optimist!
Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten – welcher wäre es?
Planbarkeit. Energieinfrastruktur entsteht nicht in Wahlperioden, sondern über Jahrzehnte hinweg. Unternehmen investieren Milliardenbeträge auf Basis langfristiger Entscheidungen. Wer Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz gleichzeitig erreichen will, braucht langen Atem und verlässliche Rahmenbedingungen. Ein enger Austausch zwischen Politik und Wirtschaft ist dabei entscheidend. Zum Schluss: Sind Sie optimistisch?
Ja. Die gute Nachricht lautet: Die entsprechenden Technologien existieren bereits. Wir wissen, wie klimafreundliche Energie erzeugt, transportiert und intelligent genutzt werden kann. In Abwandlung eines gängigen Slogans sage ich daher: »Let´s just do it!«
Unsere Aufgabe als Hitachi Energy ist es, die Infrastruktur für die Transformation bereitzustellen.
IM INTERVIEW Andreas Schierenbeck CEO Hitachi Energy www.hitachienergy.com
08 Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen SMART BUILDINGS
Ordentlich vernetzt in die Zukunft Sicher, komfortabel, effizient: Smart Buildings sind optimal auf die Be dürfnisse von Menschen ausgerichtet. Doch es gibt auch zahlreiche Herausforderungen – und laut einer ZHAW-Studie Handlungsbedarf bei dessen Management. TE X T: FR ANK OBERLI
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s hat 65 Stockwerke, ist circa 300 Meter hoch und rund 265‘000 Quadratmeter gross. Die Rede ist vom Luxus-Bürogebäude «The Spiral», das in prominenter Lage in Midtown Manhattan, New York, steht. Der imposante Wolkenkratzer punktet zudem mit einem High-EndGebäudeautomationssystem, das unter anderem Sicherheitslösungen und Technologien umfasst, welche den Komfort in der Gebäudenutzung erhöhen und die Energieeffizienz optimieren. Ein smartes Bewässerungssystem sorgt darüber hinaus dafür, dass die Pflanzen auf dem umlaufenden, kaskadenartigen Terrassenband zur richtigen Zeit ausreichend Wasser erhalten. ZAHLREICHE VORTEILE Fakt ist: In der heutigen Immobilienlandschaft gewinnen intelligente Gebäude – oder Smart Buildings – zunehmend an Bedeutung. Schliesslich bietet der Verbau intel-
Smart Buildings: Starkes Wachstum Aktuelle Prognosen deu ten darauf hin, dass der Markt für Smart Buildings stark wachsen wird, von 7,70 Milliarden US-Dollar (2025) auf 26,40 Milliar den US-Dollar bis 2032. Das steigende Bed ürfnis nach Nachhaltigkeit, Kos teneinsparungen und die optimale Nutzung von Ressourcen ist der Treiber.
ligenter Technologien, die zum Beispiel die Beleuchtung automatisch der Tageszeit anpassen, den Zugang zum Gebäude über biometrische Daten ermöglichen oder zu einem freien Parkplatz leiten, eine Reihe von Vorteilen. Ein Blick auf die Gebäudeautomation zeigt: Durch die Digitalisierung kann die Gebäudeautomation zuvor weitgehend autark agierende Gewerke zu einem vernetzten System zusammenführen. Ein kontinuierlicher Datenaustausch und optimierte Prozesse steigern den Komfort für die Nutzenden ebenso wie die Energieeffizienz. Laut einer Deloitte-Studie liegen die Betriebskosten durchschnittlich bis zu 26 Prozent niedriger als bei konventionellen Gebäuden. In der Praxis ist dieser integrale Ansatz allerdings noch mit gewissen Herausforderungen verbunden, gibt Turan Babuscu, Head of Automation bei Siemens Schweiz im Swissbau Blog zu Bedenken. «Die Abstimmung zwischen den Gewerken erfolgt oft zu spät in einem Bauprojekt.» Dies betrifft beispielsweise die Definition der Schnittstellen und das Klären von Verantwortlichkeiten. Solche Themen sollten möglichst früh in der Planungsphase diskutiert werden. «Nur wenn die integrale Zusammenarbeit von Anfang an klar festgelegt ist, kann die Digitalisierung ihr volles Potenzial entfalten.» HERAUSFORDERUNGEN IM BLICK Trotz des berechtigten Aufwinds sollten die Herausforderungen
zen und Grenzen von Smart-Building-Lösungen» erkennen zwar 78 Prozent der Befragten ein grosses Potenzial für Effizienzsteigerung und CO₂-Reduktion. Ein SBM wird jedoch erst in rund 35 Prozent der Gebäude systematisch genutzt. Auch der Reifegrad bleibt in vielen Organisationen niedrig: Insellösungen überwiegen, während datengetriebene, integrierte Ansätze die Ausnahme darstellen. Der neu entwickelte SBM Index Real Estate & Facility Management Schweiz 2025 liegt bei etwa 51 von 100 Punkten – ein klarer Hinweis auf bestehenden Handlungsbedarf. Die Befragten nennen vor allem hohe Investitionskosten, technische Komplexität und die Integration in bestehende Systeme als zentrale Hemmnisse. Zudem wird der Nutzen von Smart-Building-Lösungen häufig nicht systematisch gemessen. «Ohne klare Zielbilder, Messkonzepte und ausreichende Kompetenz bleibt der tatsächliche Mehrwert von Smart Building Management oft unsichtEin Smart Building bar», so González. «Unsere Ergebnisse zeigen deutlich: Management wird erst Je höher der Reifegrad der in rund 35 Prozent der Umsetzung, desto stärker Gebäude systematisch werden Energieeinsparungen, Effizienzgewinne und genutzt. regulatorische Ziele auch tatsächlich erreicht.» Fest steht: Smart Buildings bleiben ein HIER HERRSCHT AUFHOLBEDARF Wachstumsmarkt, doch ihr Erfolg Laut der Studie «Smart Building hängt davon ab, wie gut Betreibende Management 2025: Zukunft Ge- die Sicherheits-, Integrations- und bäudemanagement: Chancen, Nut- Betriebsrisiken beherrschen. nicht ausser Acht gelassen werden. Dazu gehören unter anderem Datenschutzbedenken, mangelnde Standards sowie die Interoperabilität zwischen verschiedenen IT-Komponenten und deren Integration in den Gebäudebetrieb. Daher gilt: Die erfolgreiche Implementierung von smarten Technologien braucht eine durchdachte Strategie und der Betrieb solcher Gebäude ein gutes Smart Building Management (SBM), um den grösstmöglichen Nutzen zu erzielen. «Smart Building Management ist in der Praxis angekommen, aber noch nicht dort, wo es sein könnte», sagt Prof. Dr. Andrea González, Leiterin der Kompetenzgruppe Smart Building Management an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. «Viele Organisationen nutzen einzelne digitale Lösungen, ohne diese systematisch zu verknüpfen oder strategisch zu steuern.»
Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen
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PARTNERBEITR AG
Gebäudetechnologie als Erfolgsfaktor von morgen Kühlung wird angesichts immer heisserer Sommer zum Grundbedürfnis. Ent scheidend ist, Gebäude so zu betreiben, dass Komfort, Gesundheit und Produktivität zunehmen, ohne den Energiever brauch zu erhöhen.
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limawandel, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und der demografische Wandel verändern die Anforderungen an Gebäude grundlegend. Sie müssen heute weit mehr leisten als nur Schutz vor Witterung. Gefragt sind Gebäude, die Energie effizient nutzen, sich flexibel an wechselnde Anforderungen anpassen sowie ein gesundes Raumklima schaffen. Damit rückt die Gebäudetechnik zunehmend ins Zentrum einer nachhaltigen und leistungsfähigen Gesellschaft. Besonders gross ist der Handlungsbedarf beim Energieverbrauch. Gebäude verursachen rund ein Drittel des weltweiten Energieverbrauchs, wobei etwa 40 Prozent davon auf Heizung, Lüftung und Klimatisierung entfallen. Gleichzeitig steigt der Kühlbedarf kontinuierlich an. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass sich der Energiebedarf für die Klimatisierung von Gebäuden bis 2050 mehr als verdreifachen wird. Wer die Klimaziele erreichen will, muss deshalb den bestehenden Gebäudebestand effizienter machen. In
Europa gibt die EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) die Richtung vor. Ihr Ziel ist ein hocheffizienter und CO2-freier Gebäudebestand bis 2050. ENORME EINSPARPOTENZIALE Nach Angaben der IEA gelten 97 Prozent der Gebäude in der EU als energieineffizient. Bereits mit einfachen, heute verfügbaren Lösungen sind Energieeinsparungen von bis zu 40 Prozent möglich. Oft genügen dafür gezielte Massnahmen wie variable Volumenstromregelung für Luft- und Wasserapplikationen. Dabei werden Luftmengen sowie Heiz- und Kühlwasserströme laufend dem Bedarf angepasst. So wird nur dort Energie eingesetzt, wo sie tatsächlich benötigt wird. Doch das Potenzial geht weit über einzelne technische Komponenten hinaus. Sensoren und vernetzte Geräte erfassen laufend Daten zur Gebäudenutzung und zu aktuellen Wetterbedingungen. Künstliche Intelligenz wertet diese Informationen in Echtzeit aus und steuert Heizung, Lüftung und Kühlung automatisch. So entsteht ein intelligentes Gebäude, das seinen Betrieb laufend optimiert, den Komfort erhöht und gleichzeitig deutlich weniger Energie verbraucht. HERAUSFORDERUNG SICHERHEIT Sich selbst steuernde Gebäude bestehen aus einer Vielzahl vernetzter Systeme und Endgeräte. Was früher rein mechanisch funktionierte, ist heute digital verbunden. Gebäudetechnik wird dadurch effizienter
Digitale Gebäudetechnik macht Energieflüsse sichtbar und optimierbar.
Mehr Effizienz ist nötig: Bis 2050 wird sich der Energiebedarf für die Klimatisierung von Gebäuden verdreifachen.
und transparenter, aber auch anfälliger für Cyberangriffe. Damit intelligente Gebäude sicher betrie ben werden können, braucht es gemeinsame Standards für die ge schützte Kommunikation zwischen den Systemen. Bereits eine einzelne Schwachstelle kann Angreifern Zugang zu wichtigen Funktionen verschaffen. Studien zeigen, dass 40 Prozent der Computer zur Verwaltung intelligenter Gebäude automationssysteme bereits von Cyberangriffen betroffen waren, was verschlüsselte Kommunikation und zertifikatsbasierte Authentifizierung immer wichtiger werden lässt. GESUNDE GEBÄUDE LEISTEN MEHR Neben Effizienz und Sicherheit steht der Mensch im Mittelpunkt. Extreme Wetterereignisse, zunehmende Hitze und höhere Anforderungen an den Brandschutz stellen Gebäude vor neue Aufgaben. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Bedeutung einer gesunden Innenraumumgebung. Gesunde Gebäude entwickeln sich deshalb vom Zusatznutzen zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor. Nachhaltigkeit und ESG-Ziele (Umwelt-, Sozial- und Governance-Ziele) rücken bei Unternehmen, Investoren und Immobilienbesitzern immer stärker in den Fokus. Gleichzeitig erwarten Investoren im Durchschnitt höhere
Mieteinnahmen von Gebäuden, die Gesundheit und Wohlbefinden gezielt fördern. So entstehen Räume, die nicht nur weniger Energie verbrauchen, sondern auch bessere Bedingungen zum Arbeiten, Lernen und Leben schaffen. Am Ende entscheidet die Qualität unserer Gebäude darüber, wie nachhaltig, gesund und produktiv wir künftig leben und arbeiten. Gebäudetechnologie entwickelt sich damit von einer technischen Infrastruktur zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für Gesellschaft, Wirtschaft und Klimaschutz. TRENDSTUDIE ZUR HLK-BRANCHE Dieser Artikel basiert auf der BelimoTrendstudie «Building Tomorrow», die die wichtigsten Entwicklungen und Herausforderungen der HLKBranche bis zum Jahr 2050 unter sucht. Die vollständige Studie finden Sie unter belimo.com/hvac2050.
KONTAKT Belimo Automation AG Brunnenbachstrasse 1 · 8340 Hinwil www.belimo.com
10 Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen FORSCHUNG
Energie- und Baustofflösungen der Zukunft Wie sieht die Energieversorgung von morgen aus? Schweizer Forschende arbeiten an neuen Ideen: Sie speichern Wärme tief im Berg, machen CO₂ zum Rohstoff, entwickeln schnell ladende Batterien und verbinden Abfall, Energie und Wasserstoff. Andere Forschungsteams tüfteln wiederum an Baustoffen, die künftig eine nachhaltige Alternative zu Standardmaterialien bieten könnten, und an Lösungen für eine effizientere Baulogistik – sechs Forschungsprojekte, die zeigen, wie Innovationen die Energie- und Bauwelt verändern könnten. TE X T: TOBIAS LEMSER
CO₂ wird zum Rohstoff Energie im Berg speichern Kann der Untergrund zur Batterie werden? Die ETH Zürich forscht am BedrettoLab, ob Wärme tief im Gestein gespeichert und später wieder genutzt werden kann. Wasser wird dabei durch Risse im heissen Fels geleitet. Die Forschenden untersuchen, wie sich die Wärme im Untergrund verteilt und wie sie effizient zurückgewonnen werden kann. Die Vision der Forschenden: Überschüs-
sige erneuerbare Energie könnte im Sommer in Form von Wärme gespeichert und im Winter wieder genutzt werden. So liesse sich die saisonale Lücke zwischen Sommer und Winter teilweise überbrücken. Stand: Forschungsprojekt bis 2027 Ort: Bedretto, Tessin https://duglab.ethz.ch/en/
Das Kraftwerk der Zukunft Was wäre, wenn Abfall, CO₂, Wärme und Wasserstoff zusammenspielen würden? In Horgen am Zürichsee wird ein ungewöhnliches Energiesystem getestet. Der Green Energy Hub verbindet eine Kehrichtverwertungsanlage mit Technologien zur Speicherung und Umwandlung von Energie. Die Idee dahinter: Energie und Rohstoffe sollen nicht isoliert betrachtet werden. Überschüssiger Strom kann beispielsweise zur Herstellung von Wasserstoff dienen, während CO₂ als Rohstoff genutzt werden könnte.
Was wäre, wenn Kohlendioxid plötzlich zum wichtigen Rohstoff würde? Die Empa, das interdisziplinäre Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung, verfolgt mit «Mining the Atmosphere» einen ungewöhnlichen Ansatz: CO₂ soll nicht nur reduziert oder gespeichert werden, sondern als Rohstoff dienen. Forschende untersuchen, wie Kohlenstoff aus der Atmosphäre gewonnen und anschliessend in langlebigen Materialien gebunden werden kann. Besonders interessant ist die Verwendung in der Bauwirtschaft. In Zukunft könnten so Materialien entstehen, die während ihrer Lebensdauer grosse Mengen Kohlenstoff speichern.
Die Vision der Forschenden: Wird die Keh-
Die Vision der Forschenden: Aus einem
richtverbrennung der Zukunft nicht nur Abfall entsorgen, sondern gleichzeitig Energie und Rohstoffe produzieren?
Klimaproblem wird ein Rohstoffkreislauf. Stand: Forschung und Demonstrations-
Ort: Horgen, Zürich
projekte Ort: Empa, Dübendorf
www.innosuisse.admin.ch/de/aktuelleflagships?
https://mining-the-atmosphere.empa.ch/
Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen
Baustoffe besser wiederverwenden Was wäre, wenn alte Baustoffe direkt wieder eingesetzt werden könnten? An der ZHAW wird untersucht, wie sich Lieferketten für Recyclingbaustoffe besser organisieren lassen. Ein aktuelles Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Abbruchstellen und Recyclinghubs digital miteinander verknüpfen lassen. Das Ziel ist, Rückbaumaterialien gezielter und effizienter für neue Bauprojekte einzusetzen. Das Problem: Beim Rückbau von Gebäuden fallen grosse Mengen an Materialien an, deren Verfügbarkeit oft schwer planbar ist. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Recyclingbaustoffen. Ein digitales Koordinationssystem könnte Angebot und Nachfrage besser zusammenbringen und damit Lagerung, Transporte und Materialverluste deutlich reduzieren. Die Vision der Forschenden: Baustoffe
Batterien laden in wenigen Minuten
Baustoffe aus Pflanzenresten
Ist das die nächste Generation des Energiespeichers?
Kann aus Abfällen der Land wirtschaft ein neuer Baustoff entstehen?
Was wäre, wenn sich eine Batterie nicht mehr in einer halben Stunde oder mehreren Stunden, sondern in wenigen Minuten laden liesse? Genau daran wird in der Schweiz geforscht. Das Empa-Spin-off BTRY entwickelt Festkörperbatterien. Statt eines flüssigen Elektrolyten kommt dabei ein fester Werkstoff zum Einsatz. Bei den Dünnschichtzellen wurden bereits sehr schnelle Lade- und Entladevorgänge demonstriert.
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An der Berner Fachhochschule wird im Forschungsprojekt «CIRCBUILT» untersucht, wie sich Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft sowie aus der Lebensmittelindustrie für das Bauen nutzen lassen.
Festkörperbatterien könnten künftig nicht nur schneller laden, sondern auch sicherer und leistungsfähiger sein. Bis zum Einsatz in grossen ElektroautoBatterien sind allerdings noch einige technische und wirtschaftliche Hürden zu überwinden.
Das Ziel: vollständig biobasierte Materialien entwickeln, die fossile Rohstoffe ersetzen und gleichzeitig die grauen Emissionen der Bauwirtschaft reduzieren. Das Projekt läuft von 2025 bis 2028 und wird von einem internationalen Forschungskonsortium getragen. Neben der Entwicklung neuer Werkstoffe geht es auch um deren Kreislauffähigkeit. Das Forschungsteam sucht nach Lösungen, mit denen Rohstoffe möglichst lange im Materialkreislauf bleiben und mehrfach genutzt werden können.
Die Vision der Forschenden: Ein Elektro-
Die Vision der Forschenden: Aus landwirt-
werden nicht mehr als Abfall betrachtet, sondern als Rohstoffe, die direkt in das nächste Gebäude einfliessen können.
auto, das wesentlich schneller geladen werden kann – oder kompaktere Speicher für Stromnetze und Geräte.
Stand: Machbarkeitsstudie seit 2026
Stand: Prototypen und industrielle
Ort: ZHAW, Winterthur
Entwicklung
https://www.zhaw.ch/de/forschung/projekt/ 80641
www.empa.ch/de/web/s604/btryerfolgreiche-finanzierungsrunde?
schaftlichen und industriellen Reststoffen entstehen Baustoffe für eine klimaverträglichere Bauwirtschaft. Stand: Forschungsprojekt bis 2028 Ort: Berner Fachhochschule, Biel www.bfh.ch/de/forschung/forschungsprojekte/ 2025-480-438-154/
12 Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen DIGITALISIERUNG
So stärken Unternehmen ihre Cyberabwehr Für KMU spitzt sich die Cyberbedrohungslage weiter zu. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung. Umso wichtiger ist es, einen Notfallplan bereit zuhalten, um bei einem Hackerangriff rasch gegenzusteuern.
bei den elementaren Schutzmassnahmen aufzeigt. Laut Deloitte sind die Defizite gerade bei modernen Authentifizierungsmethoden erkennbar. Die passwortlose Authentifizierung, etwa durch biometrische Verfahren, haben nur 45 Prozent der Unternehmen eingeführt. MultiFaktor-Authentifizierung ist mit 66 Prozent zwar häufiger anzutreffen, aber ebenfalls noch lange nicht flächendeckend etabliert.
TE X T: TOBIAS LEMSER
D
ie Meldungen über Cyberangriffe in der Schweiz reissen nicht ab. Immer wieder werden Unternehmen Opfer von Ransomware, Datendiebstahl oder PhishingAttacken – mit teils gravierenden Folgen. Denn gelangen Daten in falsche Hände oder fallen Systeme aus, steht schlimmstenfalls der gesamte Geschäftsbetrieb still. RANSOMWARE LEGT DEUTLICH ZU Allein im Juli 2026 verzeichneten Schweizer Unternehmen und Organisationen durchschnittlich 1‘489 Cyberangriffe pro Woche. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht dies einer Steigerung von 35 Prozent, wie das Unternehmen Check Point im aktuellsten Cyber Threat Report mitteilt. «Vor allem Phishing und Ransomware befinden sich unter den gängigsten Angriffstechniken. Unsere Daten zeigen, dass Cyberkriminelle es im Juli vor allem auf Behörden, Krankenhäuser, Medizintechnik- und Handelsunternehmen abgesehen hatten», erklärt Marco Pierro, Country Manager Schweiz bei Check Point. Was zusätzlich in der Untersuchung auffällt: Die deutlichste Veränderung im Juli betrifft Ransomware. Hier lag die Zahl
Nur 39 Prozent der IT-Dienstleister stufen ihre KMUKunden als sicher ein. weltweit gemeldeter Angriffe um 49 Prozent höher als im Vormonat und um 87 Prozent höher als im Vergleich zum Juli 2025. Die Tendenz ist stark steigend, vor allem weil Cyberangriffe zukünftig durch KI schneller und skalierbarer werden. KMU UNTERSCHÄTZEN GEFAHREN Umso erstaunlicher ist das Verhalten vieler Schweizer KMU: Wie eine im August veröffentlichte repräsen-
tative Befragung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte zur Cybersicherheit von Schweizer KMU zeigt, unterschätzen viele Firmen die Risiken und setzen grundlegende Schutzmassnahmen nicht konsequent um. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Wahrnehmungslücke zwischen erlebter Bedrohung und Risikowahrnehmung. 49 Prozent der befragten KMU-Mitarbeitenden haben in den letzten drei Monaten einen ernsten Cybervorfall bei ihrem Arbeitgeber erlebt, aber nur 22 Prozent schätzen das Cyberrisiko ihres Unternehmens als hoch ein. Besonders ausgeprägt ist dieses Wahrnehmungsdefizit bei Kleinstunternehmen mit ein bis neun Mitarbeitenden. Im Durchschnitt sind die abgefragten Sicherheitsmassnahmen nur zu 58 Prozent umgesetzt, was eine deutliche Lücke
KRISENPLAN FÜR DEN ERNSTFALL Das Problem: Da die Digitalisierung in Unternehmen immer weiter fortschreitet, wächst gleichermassen die Angriffsfläche. Cybersecurity wird zu einer zentralen Herausforderung für Schweizer Unternehmen – und zu einer Aufgabe, die längst nicht mehr allein bei der IT liegt. Was also tun? «Die Fähigkeit einer Organisation, Cyberangriffen zu widerstehen, beginnt mit den Grundlagen: Es braucht unter anderem starke Authentifizierung, restriktive Zugriffsrechte, regelmässige Mitarbeiterschulungen, getestete Back-ups sowie einen robusten Notfallplan», fordert Florian Widmer, Partner Cyber bei Deloitte Schweiz. Laut der Studie «KMU Cybersi cherheit 2025» verfügen nur 30 Pro zent der KMU über ein IT-Sicherheitskonzept, Schulungen oder einen Notfallkonzept. Nur mit einem solchen Plan ist sichergestellt, dass ein Unternehmen angemessen, schnell und wirksam auf IT-Notfälle rea giert. Im Idealfall sollte dieser Plan zentrale Elemente wie definierte Verantwortlichkeiten, Backups, Krisenkommunikation und eine Liste mit externen IT-Dienstleistern enthalten – für Fachleute eine nicht zu unterschätzende Massnahme, um Ausfallzeiten und finanzielle Schäden zu reduzieren.
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Seine Schweizer Herkunft in der digitalen Welt unterstreichen www.nic.swiss
Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen
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DIGITALE TRANSFORMATION
Wer heute nicht sichtbar ist, verliert morgen Kundschaft
Die Studie «KMU Digital Pulse 2025» von localsearch und der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt, dass Schweizer KMU grosses digitales Marktpotenzial verschenken. Es gibt einen tiefen Graben zwischen Kundenbedürfnissen und digitalem Angebot. Dabei treten zwei zentrale Lücken und ein Zukunftstreiber hervor.
Digitale Informationslücke
82 %
der Schweizer Bevölkerung möchte sich online über KMU-Dienstleistungen informieren. Doch nur 36 % der untersuchten KMU betreiben eine eigene Website.
Digitale Buchungslücke
77 %
der Bevölkerung wünschen sich eine Online-Terminbuchung bei KMU und für 56 % spielt die digitale Buchungsmöglichkeit eine zentrale Rolle für die Anbieterwahl – aber nur 3 % aller Schweizer KMU bieten diese Möglichkeit auf ihrer Website.
KI als Informationsquelle der Zukunft
Jede fünfte Person
nutzt bereits Künstliche Intelligenz (KI) wie ChatGPT oder Copilot zur Suche und Information über KMU-Dienst leistungen – künftig werden circa 50 % eine KI-Assistenz zur Suche und Information über Dienstleistungen von KMU nutzen.
Die Schweizer Bevölkerung ist digital bereit – KMU sind es oft noch nicht. Wer jetzt keine digitale Brücke zu seinen Kunden baut, bleibt zurück - und verliert an Vertrauen und Umsatz.– localsearch-CEO Stefano Santinelli
PARTNERBEITR AG
Attraktive Angebote für KMU Die rund 170 Mitglieder von Suissedigital adressieren mit ihren Angeboten zunehmend auch KMU. Im Vorder grund stehen dabei Dienstleistungen in den Bereichen Konnektivität, Kommunikation und Rechenzentren. Dank der Digitalisierung können KMU ihre Prozesse effizienter gestalten und potenzielle Kunden leichter erreichen. Voraussetzungen dafür sind eine leistungsfähige Anbindung ans Internet, intelligente Kommunikationslösungen, eine sichere Vernetzung von verschiedenen Unternehmensstandorten und ein zuverlässiger Kundendienst. All dies bieten die rund 170 lokal tätigen Suissedigital-Mitglieder.
EIGENE RECHENZENTREN VOR ORT Einzelne Suissedigital-Mitglieder bieten zudem Dienstleistungen in den Bereichen Colocation und Rechenzentren, von denen KMU prof itieren können. Dank Glasfa sera nbindung und erstklassigen Sicherheitsmassnahmen wie Brandschutz, Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Notstromanlagen und abschliessbaren Racks eignen sich diese Rechenzentren zur Speicherung sensibler Daten. CYBERSECURITY: ONLINE-TEST Mit zunehmender Digitalisierung steigt für die KMU das Risiko, Opfer von Cyberkriminalität zu werden. Aus diesem Grund hat Suissedigital unter www.suissedigital.ch einen Online-Test lanciert, der KMU für das Thema Cybersecurity sensibilisiert. Der Test ermöglicht eine Selbsteinstufung und im Laufe der Zeit einen Vergleich mit anderen KMU. SUISSEDIGITAL-DAY 2026 Möchten Sie mehr wissen zu den KMU-Angeboten der Suisse d i
An der Branchentagung SuissedigitalDay präsentieren 40 IT- und TelekomUnternehmen ihre Angebote.
gital-Mitglieder? Informieren Sie sich bei Ihrem lokalen Kommu nik at ionsunternehmen unter www.suissedigital.ch/kmu oder besuchen Sie den Suissedigital-Day, der am 19. November 2026 im Kursaal in Bern stattfindet. An diesem Anlass treffen sich rund 400 Vertreterinnen und Vertreter von Telekommunikations- und IT-Unternehmen mit KMU zu Networking und Austausch. Auf dem Programm stehen spannende Referate zu aktuellen Digitalisierungsthemen.
KONTAKT Suissedigital Informationen und Anmeldung: +41 (0)31 328 27 28 info@suissedigital.ch www.suissedigital.ch
14 Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen ARB E ITSWE LT
Skill Gaps schliessen Der Schweizer Arbeits markt befindet sich im Wandel. Auf welche Skills sollten Unternehmen bei ihren Mitarbeitenden jetzt setzen, um zukunftsfähig zu sein? TE X T: HELENE FUCHS
I
n einer sich durch Digitalisierung, Fachkräftemangel und kontinuierlichen Wandel rasant verändernden Arbeitswelt wird die Fähigkeit, relevante Kompetenzen im Unternehmen zu erkennen und gezielt aufzubauen, zum Schlüsselfaktor für nachhaltigen Erfolg. Wie das geht? Ein Ansatz ist Upskilling, also die gezielte Weiterentwicklung von Fähigkeiten und Kompetenzen bei Mitarbeitenden. Unternehmen, die auf Upskilling setzen, bleiben wettbewerbsfähig und innovativ. «In einer sich ständig wandelnden Welt wird kontinu-
ierliches Lernen zur Grundlage für erfolgreiche Transformationen», ist sich Stefan Peukert von masterplan.com überzeugt. Denn die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen hänge von den Zukunftsfähigkeiten ihrer Mitarbeitenden ab – und dazu zählten vor allem universelle Power Skills, wie Digitalkompetenz, Führung und Kommunikation. Laut der Masterplan-Studie «Upskilling für die Zukunft» sind 68 Prozent der befragten Führungskräfte und Professionals in
Unternehmen sollten verstärkt auf kompetenz basierte, flexible Anforderungsprofile achten.
DACH-Unternehmen besorgt, dass ihre Belegschaft schlecht bis mittelmässig auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet ist. FUTURE SKILLS Schweizer Unternehmen tun gut daran, stärker auf ganzheitliche Kompetenzprofile zu setzen – auch in Zukunft. Skills, die im Schweizer Arbeitsmarkt deutlich an Bedeutung zunehmen, sind laut Studien überfachliche Fähigkeiten wie Selbstmanagement, Teamarbeit und Lernbereitschaft – Kompetenzen, die unabhängig von Branche, Beruf und Hierarchiestufe breit eingesetzt werden können. Klassische Wissensanforderungen rücken in den Hintergrund. Zu diesem Schluss kommt der Adecco Group Swiss Job Market Index der Adecco Gruppe Schweiz und des Stellenmarkt-Monitors Schweiz der Universität Zürich. Die sich ändernde Nachfrage bei den Anforderungen sei dabei keine Folge der Künstlichen Intelligenz (KI), sondern Ausdruck eines breiten strukturellen Wandels.
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«Für die Matura ist es nie zu spät» Lebenslanges Lernen eröffnet neue berufliche Perspektiven. Claudio Darms, Prorektor der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene (KME) in Zürich, erklärt, wie flexible Wege zur universitären Hochschulreife mitten im Leben wie auch als Direktanschluss gelingen. Herr Darms, wer entscheidet sich heute für eine Matura auf dem zweiten Bildungsweg?
Unsere Studierenden sind mitten im Leben stehende Erwachsene mit ganz unterschiedlichen Biografien. Sie bringen wertvolle Berufserfahrung mit und verfolgen das ambitionierte Ziel, sich akademisch weiterzuentwickeln. Genauso sprechen wir aber junge Erwachsene an – etwa nach einer FMS oder Berufsmaturität –, die eine direkte, zielführende Anschlusslösung suchen, um den Sprung an die Universität zu schaffen. Der Wunsch nach vertieftem Wissen verbindet sie alle. Welche Bildungswege bietet die KME an, um Beruf und Ausbildung optimal zu vereinbaren?
Wir bieten erwachsenengerechte Rahmenbedingungen, die sich flexibel anpassen. Dazu gehört die gymnasiale Maturität, die man bei uns
IM INTERVIEW
einzigartig in der Deutschschweiz sowohl im berufsbegleitenden Teilzeit- als auch im Vollzeit-Bildungsgang absolvieren kann. Wer bereits eine Berufs- oder Fachmaturität besitzt, kann bei einem sehr guten Leistungsbild auch die einjährige Passerelle für den uneingeschränkten Hochschulzugang absolvieren. Zudem führen wir einen Vorkurs für die Pädagogische Hochschule Zürich.
Warum lohnt sich dieser Schritt für die berufliche Zukunft?
Bildung ist der Schlüssel für eine zukunftssichere Biografie. Ein Abschluss an der KME öffnet nicht nur Türen zu Universitäten und der ETH, sondern fördert die persönliche Reife enorm. Wir bieten eine ambitionierte Lernkultur auf Augenhöhe sowie optimale Unterstützung. Es ist eine Investition, die neue Horizonte eröffnet.
Claudio Darms Prorektor Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene (KME) Mühlebachstrasse 112 8008 Zürich +41 (0)44 266 14 14 · kme@kme.ch www.kme.ch
Tomorrow – Ratgeber für die Schweiz von morgen
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PARTNERBEITR AG
Wo die Arbeitswelt von morgen heute beginnt Bei DHL Express Schweiz stehen im Arbeitsalltag die Entwicklung, das Vertrauen und die Menschlichkeit im Mittelpunkt – und das aus gleich mehreren guten Gründen.
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ie Arbeitswelt von morgen beginnt nicht irgendwann. Sie zeigt sich heute schon dort, wo Menschen mit Tempo, Technologie, steigenden Erwartungen und unerwarteten Situationen umgehen müssen: im Kundenkontakt, in der Planung, in der Zusammenarbeit und im täglichen Entscheiden. Gerade im Expressgeschäft wird sichtbar, was moderne Arbeit braucht: Verantwortung, Flexibilität und die Fähigkeit, gemeinsam die beste Lösung zu finden. Bei DHL Express Schweiz wissen wir: Zukunft entsteht nicht allein durch neue Technologien, Prozesse oder Arbeitsmodelle. Sie entsteht dort, wo Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können, Vertrauen erhalten und sich weiterentwickeln. Tempo und Präzision prägen unser Geschäft. Dauerhaft hohe Qualität entsteht jedoch vor allem durch Zusammenarbeit, stetige Verbesserungen, klare Führung und ein Umfeld, in dem Menschen wirksam sein können. Die Zukunft der Arbeit entscheidet sich nicht in Strategiepapieren, sondern im täglichen Miteinander. GEMEINSAM ERFOLGREICH Das zeigt sich besonders in der Entwicklung junger Talente. Lernende starten bei uns nicht einfach in eine Funktion, sondern in eine Arbeitswelt, die sich laufend verändert. Sie bringen neue Perspektiven mit, stellen Fragen und lernen Schritt für Schritt, Verantwortung zu übernehmen. Damit aus einer Lehrstelle eine echte Entwicklungschance wird, braucht es Berufs- und Praxisausbildende, Kolleginnen, Kollegen und Führungskräfte, die begleiten, Feedback geben und Zutrauen schenken. Diese Haltung passt zu dem, was DHL Express mit BITE beschreibt: der Wille, gemeinsam erfolgreich zu sein, Chancen zu erkennen und unternehmerisch zu handeln. Für uns bedeutet das nicht um jeden Preis höher, schneller, weiter. Es geht darum, Verbesserungen anzustossen, Verantwortung zu übernehmen und über Bereichsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten – mit Leidenschaft, Tatkraft und Zusammenhalt. Auch Karrierewege werden vielfältiger. Entwicklung verläuft heute seltener geradlinig, sondern häufiger über neue Aufgaben, Projekte,
Je stärker Technologie die Arbeit verändert, desto wichtiger werden menschliche Fähigkeiten. Feedback, Zusammenarbeit oder Weiterbildung. Unternehmen stehen deshalb vor der Aufgabe, Lernen nicht nur anzubieten, sondern im Alltag möglich zu machen. Denn je stärker Technologie die Arbeit verändert, desto wichtiger werden menschliche Fähigkeiten: Orientierung geben, kritisch denken, Verantwortung übernehmen und gemeinsam gute Entscheidungen treffen. DIE RICHTIGE BALANCE Zur Arbeitswelt von morgen gehört ebenso die Frage, wie Leistung langfristig gesund gelingen kann. Für uns ist Work-Life-Balance kein Gegensatz zu Leistung, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Menschen motiviert, fokussiert und nachhaltig wirksam bleiben. Dazu gehören Wertschätzung, mentale Gesundheit und eine Kultur, in der Erwartungen klar kommuniziert werden und Unterstützung rechtzeitig angeboten wird.
Genau hier beginnt auch glaubwürdiges Employer Branding. Menschen entscheiden sich nicht nur für einen bekannten Namen oder ein starkes Netzwerk. Sie entscheiden sich für Erfahrungen, die sie im Alltag spüren: Entwicklungsmöglichkeiten, Vertrauen, Zugehörigkeit und das Gefühl, einen sinnvollen Beitrag zu leisten.
MIT WEITSICHT IN DIE ZUKUNFT DHL Express Schweiz versteht dies als langfristige Investition: in Kompetenzen, Führung, junge Talente und eine Kultur, die Menschen stärkt. Denn die Arbeitswelt von morgen wird nicht nur durch Systeme, Tools oder neue Modelle geprägt. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, voneinander lernen und gemeinsam wachsen. So wird Zukunft greifbar: wenn Technologie unterstützt, Führung Orientierung gibt und Menschlichkeit im Alltag spürbar bleibt. Denn die Arbeitswelt von morgen entsteht dort, wo Menschen ihr Potenzial entfalten können – und Unternehmen den Rahmen dafür schaffen.
AUTOR Thomas Erni HR Director DHL Express Schweiz AG www.dhl.com
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Die Zukunft beginnt jetzt