ALPE Sommer 2025
Seiser Alm Magazin
KASTELRUTH · SEIS AM SCHLERN · SEISER ALM · VÖLS AM SCHLERN · TIERS AM ROSENGARTEN
Schauplatz Highline Wenn Träume in den Himmel wachsen
Der Sonne entgegen Magischer Tagesanfang in den Bergen
Getreideanbau im Trend Ein Zimmermann im Kornfeld
DE
ENJOY THE MOMENT!
Foto: Luca Putzer · Komma Graphik
360° PHOTO POINT PUFLATSCH
Goller Kreuz Arnikahütte
8
Geotrail Pufels Gröden
Hexenbänke
Kastelruth
24 14
ERLEBNISTOUR AUF DEN PUFLATSCH ...
PU
2.104 m
14 Dibaita
Mit der Kabinenbahn Puflatsch zum 360° photo point „Engelrast“ und den schönsten Aussichtspunkten der Seiser Alm: Filln Kreuz, Hexenbänke, Goller Kreuz ... Täglich von 9:00–17:00 Uhr geöffnet.
Filln Kreuz
P U F L AT S C H
14 14
Seiser Alm Bahn Bergstation
Tschötsch Alm
14b
Restaurant Puflatsch
Puflatsch Kabinenbahn
Messner Schwaige 360° photo point Aussichtsplattform „Engelrast“
Foto: Helmuth Rier
Editorial & Inhalt
Liebe Leserinnen und Leser! Wie schnell die Zeit doch vergeht. Es fühlt sich an wie gestern, als wir im vergangenen Sommer die Ausweisung des ersten Naturparks in Südtirol vor 50 Jahren feierten. Im Naturpark SchlernRosengarten und in unserer schönen Dolomitenregion Seiser Alm insgesamt, tut sich dauernd was. So freuen wir uns, Ihnen wieder besondere Geschichten erzählen zu können. Als eine Tradition im Wandel präsentiert sich jeden Herbst der Almabtrieb, der das Ende des Almsommers markiert. Unsere Bergbauern sind stolz auf ihre Arbeit, ihre Tiere, ihr Brauchtum und die Schönheit der Landschaft – und wir sind es mit ihnen. Ein Kontrastprogramm dazu bietet eine Gruppe von jungen Menschen, die ihren Traum lebt. Ihre Passion ist die Slackline, jene an Bäumen oder Felsen fest gespannten Gurte, die die sportlichen „Highliner“ über schwindelerregende Höhen balancieren lässt. Etwas weniger spektakulär, aber doch auch atemberaubend war die Sonnenaufgangswanderung, die ein Teil des ALPE-Teams gemeinsam mit begeisterten Feriengästen auf die Rosszahnscharte auf 2.400 Metern führte. Das Glück im Namen trägt Felice Squeo. Im Porträt stellen wir
einen Mann vor, der in den 1960er-Jahren sein Glück in Kastelruth fand und sein südländisches Temperament mit Südtiroler Bodenständigkeit verbindet.
Seite 4
Seiser Alm Bahn: Den Notfall geprobt Seite 6
Auf der Highline: Extreme hoch oben Seite 10
Ihre starke Dorfgemeinschaft hält die Menschen in Völser Aicha zusammen. In der Fraktion von Völs am Schlern gibt es eine Menge Vereine, in der sich Jung und Alt ehrenamtlich einbringen. In unserer Serie zu interessanten Projekten einheimischer Architekten stellen wir in dieser Ausgabe Thomas Urthaler vor. Dem kunstbegeisterten Architekten ist mit dem Gatschhof ein besonderes Projekt gelungen. Als Zeugen der Vergangenheit thronen die Burgruinen Salegg und Hauenstein oberhalb von Seis am Schlern. Wir begeben uns auf eine Reise ins Mittelalter. Last but not least erzählen wir die Geschichte des Zimmermanns Klemens Villgrattner, der sich für den Anbau von Getreide begeistert. Bestens dazu passend, schließen wir mit einem leckeren Graupenrisotto (Orzotto) das Heft ab. Viel Spaß beim Schauen und Lesen! Es ist schön, dass Sie hier sind! Wir wünschen eine entspannte Zeit.
Almabtrieb: Tradition im Wandel Seite 16
Sonnenaufgang: Magische Wanderung Seite 20
Porträt: Felice, der Glückliche Seite 26
Völser Aicha: Eine starke Dorfgemeinschaft Seite 32
Getreide: Zimmermann im Kornfeld Seite 36
Mittelalter: Zeugen der Vergangenheit Seite 40
Architekt Thomas Urthaler: Projekt Gatschhof Seite 45
Rezept: Graupenrisotto (Orzotto) Seite 46
Highlights Sommer 2025 Seite 48
Helmut Mitterstieler Präsident Seiser Alm Marketing und im Namen der Tourismusvereine Kastelruth, Seis am Schlern, Seiser Alm, Völs am Schlern und Tiers am Rosengarten
Vorschau Winter 2025/26 Seite 50
Gesehen & gehört
Sommer | ALPE 3
Für den Notfall gerüstet Bei einer groß angelegten Zivilschutzübung der Seiser Alm Bahn wurde im November 2024 der Notfall simuliert. An der Talstation in Seis am Schlern, entlang der Strecke sowie an der Bergstation in Compatsch wurde der Ausfall der Seilbahn über einen längeren Zeitraum simuliert. Zahlreiche Fahrgäste wurden aus den Gondeln der Bahn evakuiert und andere in Compatsch auf Busse aufgeteilt, um geordnet ins Tal gebracht zu werden. Rund 1.600 Freiwillige beteiligten sich in Zusammenarbeit mit 450 Rettungskräften und Experten an dieser realitätsnahen Evakuierungssimulation.
Text: Elisabeth Augustin Foto: Harald Wisthaler
4 ALPE | Sommer
Sommer | ALPE 5
Luft unter den Füßen
Bei einer Slackline, die in bis zu 30 Metern Höhe verläuft, ist die Verwendung von entsprechend ausgelegtem, geprüftem Material unerlässlich.
Eine kleine Gruppe von Mitzwanzigern sitzt an einem sonnigen Herbstnachmittag auf einem Felsvorsprung in lichtem Laubwald. Aus einem komplizierten Aufbau von Gurten, Seilen, gebohrten Haken und Stöcken entspringt ein breites, flaches Seil, das auf die andere Seite des kleinen Tales führt und auf das alle Blicke gerichtet sind: In der Mitte balanciert mit geradezu katzenhafter Sicherheit ein junger Mann.
Das Waldstück in abschüssigem, buschigen Gelände liegt unweit des Konstantiner Weihers, durchzogen von Geländefalten und kleinen Schluchten. Darunter fällt der Blick tief hinunter ins Eisacktal. Zufällig verirrt sich hierher niemand – die Wanderwege verlaufen weiter oben, statt aufs Gipfelpanorama schaut man hier hinunter auf die Autobahn. Die jungen Leute, die allerlei Rucksäcke, Outdoor ausrüstung und andere Habseligkeiten im Wald verteilt haben, zieht es aus anderen Gründen her. Sie sind zum Slacklinen zusammengekommen, genauer gesagt: zum „Highlinen“, so der Fachbegriff für solche über größere Distanzen und Höhen gespannte, wenige Zentimeter breiten Gurte. Das Slacklinen hat seinen Ursprung in der amerikanischen Kletterszene der frühen 1980er-Jahre und hat inzwischen fast schon Breitensportcharakter. Auf vielen Spielplätzen findet man fest gespannte Gurte, auf denen auch Kinder sich im Balancieren üben können. Jeder kann es ausprobieren – die meisten stehen nicht einmal auf oder fallen umgehend wieder herunter, was bei einer Höhe von einem guten halben Meter kein Problem ist.
Text: Sabine Funk Fotos: Helmuth Rier
6 ALPE | Sommer
Hier in St. Konstantin wird für Franz und seine Freundinnen und Freunde ein Traum wahr. Schon lange ist in ihnen der Plan gereift, eine solche Linie einzurichten. Akribisch haben sie das Gelände rund um ihren Heimatort erkundet und verschiedene Orte auf die Machbarkeit ihres Vorhabens überprüft. Nun ist es endlich soweit. In wenigen Metern Abstand verlaufen zwei Highlines von etwa 70
und 100 Metern Länge in einer Höhe von 30 Metern über das in der Herbstsonne liegende kleine Tal. Die kollektive Freude über den gemeinsamen Erfolg ist förmlich greifbar.
Angefangen habe es in der Covid-Zeit, erzählt Franz, der ebenfalls ausgebildeter Skilehrer, Bergretter und versierter Alpinkletterer ist. Alles stand still und eine Gruppe von Freunden, allesamt im Berg- und Klettersport zuhause, suchte nach einer gemeinsamen sportlichen Beschäftigung, die unter den damals geltenden Regeln durchführbar war. Einer von ihnen, Manuel, hatte schon Erfahrung mit dem Handling und Spannen von Slacklines und führte die anderen in die „Basics“ ein. Am Anfang standen das Spannen und Training an konventionellen, bodennahen Slacklines. Mit der Zeit wollte man sprichwörtlich höher hinaus – und Seile über Geländeeinschnitte, Bäche, Flüsse und Schluchten spannen. Die sogenannten „Highlines“, die nur mit einem Klettergurt gesichert betreten werden sollten, erfordern bereits bei ihrer Konstruktion gewissenhafte Überlegungen und ein gewisses technisches Know-how. Schließlich werden Highlines nicht nur zwischen Bäumen gespannt, sondern verlangen eine solide Verankerung im Fels, etwa mit Bohrhaken. Da autodidaktisch und per Internet-Tutorial erworbenes Wissen an seine Grenzen stößt, machten die Freunde eine Fortbildung bei einem spezialisierten Anbieter im norditalienischen Brescia. „Ich komme vom Alpinklettern“, erzählt Franz, „meine Erfah-
Sommer | ALPE 7
die andere Seite gezogen. In der Folge wird das alles auf beiden Seiten solide abgesichert. In diesem Gelände hier wäre es verdammt schwierig gewesen, ohne Drohne eine Highline zu spannen.“ Aufgrund der relativ komplexen Lage rund um Haftungsfragen war es nicht einfach, einen Grundbesitzer zu finden, der diesem abenteuerlichen Vorhaben auf seinem Grundstück zustimmte. Neben dem passenden Gelände gilt es, auch im bürokratischen Dschungel den Überblick zu behalten. Noch sind Highlines ein relatives Novum, doch faktisch sind sie konstruktionsbedingt als Luftfahrthindernisse meldepflichtig, ähnlich wie Materialseilbahnen. Doch auch für die zuständigen Ämter und Behörden ist der Umgang mit der neuen Sportart Neuland. Manche Vorhaben werden eher aus einer gewissen Unsicherheit heraus abgelehnt. Dass hier in St. Konstantin alles zusammenkam, vom passenden Gelände über ausreichend soliden Fels für die Verankerung bis zu einem Eigentümer, der die jungen Leute durch seine Erlaubnis in ihrem Projekt unterstützte, war ein regelrechter Glücksfall.
Bei aller Outdoor-Romantik: Ohne moderne technische Mittel, wie eine Drohne, wäre es kaum möglich, ein solches Projekt zu realisieren.
„Unser Traum wäre, eine Highline in der Nähe der Hammerwand zu spannen“ schwärmt Franz. „Dadurch, dass das aber Teil des Naturparks SchlernRosengarten ist, ist die Situation noch einmal schwieriger. Wir hoffen dennoch, irgendwann eine Genehmigung zu bekommen. Selbst eine zwischen Santner und Euringer gespannte Highline wäre theoretisch möglich!“ Höher, länger, noch schönere Plätze, die Träume wachsen in den Himmel, „weil man weiß, dass es gehen würde“.
rungen sind mir hier eine große Hilfe. Auch beim Klettern muss man oft aus wenig viel machen, ein Gefühl für den Fels haben, dafür, wie man sichere Anker setzt.“
So urig und minimalistisch die Anlage daherkommt, am entscheidenden Punkt kam hier Hightech zum Einsatz: eine Drohne. Franz skizziert den Ablauf: „Als erstes haben wir auf beiden Seiten gesicherte Standplätze eingerichtet, also mit Schlagdübeln eingebohrt. Der Pilot mit der Drohne befindet sich dann auf einer Seite, gegenüber ist die Person mit der Slackline und einem etwa vier Millimeter starken Seil. Die Drohne fliegt mit einer Angelschnur hinüber und holt damit dieses etwas stärkere Seil – dann wird daran die eigentliche Slackline auf
8 ALPE | Sommer
Gibt es nicht den Punkt wo das Ganze einfach zu gefährlich wird? „Nein“, sind sich alle hier einig. Gefährlicher als etwa der Klettersport sei das Highlinen nicht, wenn man gewissenhaft vorgeht und keine Anwenderfehler macht, etwa bei der Sicherung. Man müsse eben die Verankerungen richtig setzen. Das verwendete Material sei normiert, geprüft und speziell für diese Zwecke ausgelegt. „Passiert ist nie etwas, das bei anderen Sportarten nicht auch eintreten könnte, wie etwa dass man sich irgendwo einklemmt und ein paar Schrammen holt“, erklärt Franz. Erstaunlich, wenn man beobachtet, wie schwierig die akrobatischen Übungen aussehen. Aber die Lernkurve verlaufe eben sehr unterschiedlich. „Manche gehen raus, haben keine Angst, stemmen sich hoch und geben alles. Aber es geht nicht nur um Kraft. Nach allem, was ich in den letz-
ten Jahren gesehen habe, habe ich den Eindruck, Frauen fällt es am Anfang oft sogar leichter. „Das Ziel ist das Gleichgewicht zwischen Anspannung und Lockerheit zu finden und das kann man nicht mit Gewalt erreichen“, erzählt Franz. Der Weg sei aber lang, man sei ständig am Beißen und Kämpfen – aufzustehen, überhaupt mal ein paar Schritte zu gehen, auf die andere Seite zu kommen. „Aber dieser Moment, auf der Highline zu stehen, hinunterzuschauen und dir bewusst zu werden: ich stehe hier auf meinen eigenen Füßen auf diesem zweieinhalb Zentimeter breiten Band – das ist einfach unbeschreiblich!“, schwärmt der Akrobat. So bemerkenswert die artistische Brillanz der fortgeschrittenen Highliner ist – nicht minder beeindruckend ist die warmherzige, innige Atmosphäre an diesem warmen Nachmittag. Vera, eine junge Norwegerin, die sich den Völser Slacklinern in Kroatien angeschlossen hat, unternimmt unverdrossen einen Versuch nach dem anderen, auf dem Gurtband aufzustehen, fällt immer wieder in ihren Klettergurt und beginnt von Neuem, sich mit geschmeidigen Bewegungen hinaufzuhangeln. Ihre intensiven, nur selten von Erfolg gekrönten Bemühungen lassen ahnen, wie anspruchsvoll dieser Balanceakt ist
und welch hohes Maß an Koordination, Kraft und Körperbeherrschung erforderlich ist. Doch alle, die am Rande auf den Felsen in der Sonne sitzen, sprechen Mut zu, loben jeden sich abzeichnenden Fortschritt, sind konzentriert dabei. Die Unterstützung der ganzen Gruppe richtet sich stets auf diejenigen, die gerade draußen auf dem Seil sind. „Jeder sollte das mal probieren“, sagt Vera. „You feel very light“, ganz leicht würde man sich fühlen.
Die Sonne steht irgendwann tiefer über dem Ritten, das Wochenende neigt sich dem Ende, die Ersten packen zusammen und wollen sich auf den Weg machen. „Halt!“, ruft ein erst später hinzugekommener junger Mann, der seine Ukulele mitgebracht hat. „Wir müssen doch noch was zusammen singen“. Energisch stimmt er das etwas aus der Zeit gefallen anmutende „Don’t worry be happy“ von Bobby McFerrin an und alle singen mit. Doch der im Lied mitschwingende Optimismus scheint passend zu diesem besonderen Sport, dessen Protagonisten neben allem Ehrgeiz so viel freundliche Gelassenheit ausstrahlen und deren Ansatz bei aller Dramatik so behutsam und minimalinvasiv ist. „Mir gefällt am besten der Moment am Ende des Wochenendes, wenn man alles abgebaut hat, alles leer ist und man überhaupt nicht sieht, dass wir da waren“, sagt Luca. <
Bereits das Hinaufhangeln in eine stehende Position ist ein langwieriger Lernprozess - die Anforderungen an Kraft und Koordination sind hoch!
Sommer | ALPE 9
10 ALPE | Sommer
Almabtrieb, eine Tradition im Wandel Frisch und klar ist dieser goldene Oktobermorgen auf der Seiser Alm. Wanderer brechen von der Bergstation der Seilbahn in verschiedene Richtungen auf, der herannahende Herbst liegt in der Luft. Der Tag des festlichen Almabtriebs ist gekommen!
Almabtriebe markieren überall im Alpenraum das Ende des Almsommers, also das Ende jener schönen Zeit, während derer das Vieh auf weitläufigen Hochweiden mit ihren aromatischen Kräuterwiesen grasen darf. Je nach klimatischen Bedingungen findet der Abtrieb zwischen Anfang September und Mitte Oktober statt – vom höher gelegenen Schlern etwa wird das Vieh bereits Anfang Mitte September herabgetrieben, der Abtrieb von der Seiser Alm findet hingegen sehr spät statt. Dies ist möglich, weil die meisten Almhütten dort über einen Stall verfügen und Kühe, Kälber und Pferde im Falle eines frühen Wintereinbruchs einen Unterstand finden. Auch wenn dieser erste Schnee nicht liegen bleibt, es ist keine Seltenheit, dass die Seiser Alm schon im September unter einer weißen Schneedecke erwacht. Zudem sind viele Bauern auf der Seiser Alm so genannte „Schwoagbauern“, also solche, die mit
dem Viehauftrieb ihren Lebensmittelpunkt an ihre Schwaige auf der Alm verlegen und erst im Herbst zurückkehren – ein Lebensmodell, welches auch in Südtirol heute Seltenheitswert hat. An der jenseits des Goldknopf Richtung Plattkofel gelegenen Almrosenhütte hat sich bereits früh eine Gruppe von Einheimischen versammelt, es herrscht reges Treiben. Die Alm gehört zum Mahlknechthof in St. Michael. Schon im frühen 15. Jahrhundert findet dieser Hof, der seit bald 120 Jahren im Besitz der Familie des heutigen Bauern Konrad Hofer ist, urkundliche Erwähnung. Doch heute sind hier nicht nur Familienmitglieder - Abtriebe erfordern viele junge und alte Helfer, vor allem schnelle Beine, die mit einem Hütestock oder der Goasl (eine lange Peitsche, die zum Peitschenknallen verwendet wird) gewappnet das Vieh beieinander halten. Bevor es losgeht gilt es einige besondere Rituale zu pflegen: Das Schmücken der Kühe, besonders der prächtigen Kranzkuh, die über viele Jahre hinweg
Text: Sabine Funk Fotos: Helmuth Rier
Sommer | ALPE 11
12 ALPE | Sommer
dieselbe ist und mit einem besonders aufwändigen Kopfschmuck vorausgeht. Die Tiere werden noch einmal gestriegelt, bevor sie ihre Gebinde aus Latschenzweigen und Almblumen aufgesetzt bekommen, die mächtigen Kronen gleichen.
Der Almabtrieb ist auch für die junge Generation ein großes Ereignis, nicht fehlen dürfen dabei die klassischen Kirchtagskrapfen.
Die Begeisterung der Vierbeiner über die ungewohnte Zier hält sich zunächst in Grenzen, vor allem wegen der gewaltigen Glocken, die sie auf ihrem Weg ins Tal tragen werden. Doch einmal auf dem Weg akzeptieren sie die ungewohnten Accessoires. Auch die menschlichen Protagonisten haben sich fein gemacht: Während die meisten der überwiegend männlichen Helfer bereits in der zu diesem Anlass obligatorischen Kombination aus derben Bergschuhen, der zur lokalen Tracht gehörenden Weste und einem blauen Schurz gekleidet sind, haben sich einige junge Mädchen für farbenfrohe, moderne Dirndlmode, gepaart mit verspiegelten Sonnenbrillen entschieden. Einzig der mit der Kranzkuh ringende Bauer Konrad trägt noch seinen Stalloverall. In der Stube der Almwirtschaft sind die Tische reich gedeckt mit Speck, Käse, Brot, Krapfen und den zu dieser Gelegenheit typischen „Tschottplatteln“, einer Spezialität aus ausgebackenem Topfenteig. Die gemeinsame Mahlzeit wird zwar genossen, doch spürt man, dass das hier nur der Auftakt ist. Dass der Almabtrieb hier heute so opulent gefeiert wird, geht auf eine bewusste Entscheidung von Bauer Konrad zurück. Erst vor 15 Jahren hat er selbst wieder an den Brauch angeknüpft, das prächtig geschmückte Vieh zu einem festgelegten Termin gemeinsam mit den Herden der umliegenden Almen hinunter zu den heimischen Höfen zu begleiten. Form und Ablauf des Almabtriebs haben sich auch auf der Seiser Alm über die Jahrzehnte gewandelt. Während noch Mitte des letzten Jahrhunderts der Auf- und Abtrieb zu Fuß schlicht alternativlos war, wurde es über die Jahrzehnte üblicher, die Tiere mit einem Viehtransporter auf die Alm zu fahren und wieder abzuholen und dabei auch spontan auf die Wetterbedingungen reagieren zu können. Auf der Seiser Alm liegen zudem auch die Weidegründe von Bauern aus Nachbargemeinden wie Völs am Schlern, wo es angesichts der Distanz und des Verkehrsaufkommens kaum praktikabel wäre, sich zu Fuß auf den Weg zu machen.
Sommer | ALPE 13
In Kastelruth werden die Bauern und das zu Tal ziehende Vieh bereits von zahlreichen Schaulustigen erwartet.
Doch gibt es einen harten Kern von Bauernhöfen, die den traditionellen Almabtrieb nie aufgegeben haben, wie etwa der Marmsolerhof in St. Valentin, der Oberlanziner oder der Fegerhof. Sie alle treiben am Rosari-Samstag, wie sie hier den Tag vor Erntedank nennen, ihr Vieh talwärts und durchlaufen von unterschiedlichen Bereichen der Seiser Alm kommend zeitlich gestaffelt Compatsch, bevor es auf der Seiser Alm Straße weiter Richtung Tal geht. Die zeitliche Taktung ist nicht einfach, denn wer schon mal dabei war weiß, dass die Tiere ihren eigenen Kopf und auch ein individuelles Tempo haben. Während die einen sich förmlich im Galopp auf den Weg zum heimischen Stall machen, erliegen andere den Versuchungen am Wegesrand liegender Weidemöglichkeiten. Doch ein Spektakel ist es allemal, wenn Hunderte von Kälbern und Kühen sich ihren Weg bahnen - auch wenn nur ein vergleichsweise kleiner Teil der fast 1500 den Sommer auf der Alm verbringenden Tiere an diesem Tag an den in Compatsch versammelten Schaulustigen vorüberzieht.
Emmerich Silbernagl, Bauer am Grafaier Hof in St. Michael, startet auch mit dem Tross an der Almrosenhütte und erzählt, wie die Dinge sich über die
14 ALPE | Sommer
Zeit entwickelt haben. Der Almabtrieb sei zwar heute eine touristische Attraktion, aber natürlich nicht als solche entstanden. Schon in alter Zeit war es üblich, das Vieh mit den Zweigen und Blüten und jener Pflanzen und Sträucher zu schmücken, die im Frühherbst noch grün waren. Heute würden viele Blumen und Gestecke vom Tal heraufgebracht. Doch vor allem die Wahrnehmung habe sich total verändert. Früher hätte man sich „fast geschämt“, mit seinen Tieren auf der Straße ins Tal zu gehen, heute würden da plötzlich überall Leute stehen, applaudieren und Fotos machen. Das sei schon verrückt. Aber ihm sei dieser Tag einfach persönlich wichtig, ein Herzensanliegen. „Das hier sind die echten Feiertage der Bauern, viel mehr als so manches Familienfest“. Dass an der Almrosenhütte der gesellige Almabtrieb in seiner jetzigen Form wieder ausgerichtet wird, entspringt eben dieser Passion für bäuerliche Traditionen, die den teilnehmenden Bauern einiges wert ist. Allein für die Anschaffung der großen Kuhglocken wurden schwindelerregende Summen aufgebracht. Es scheint eine neue Wertschätzung für diese Art des Brauchtums zu geben. Auch Konrads Vater, Altbauer
Ist das hier nun also Tradition oder Event? Die allerletzte Wahrheit zu den geschichtlichen Hintergründen des Almabtriebs auf der Seiser Alm sind nicht einfach zu ermitteln. Vielleicht ist die Frage nach der Authentizität auch falsch gestellt, wenn man bedenkt, dass Traditionen stets im Wandel sind und nur dann überleben, wenn ihre Trägerinnen und Träger sich für ihren Fortbestand begeistern, sie wieder aufzuleben zu lassen und lebendig in ihre Gegenwart einzuflechten vermögen. Allen, die an diesem Tag mit den ihnen anvertrauten Vierbeinern ins Tal ziehen, ist ein gewisser Stolz anzumerken. Stolz auf ihre Arbeit, ihre Tiere, ihr Brauchtum, die Schönheit der Landschaft und darauf, am Ende eines intensiven Almsommers, sich und den anderen für den geleisteten Einsatz Beifall zu spenden. Insofern ist der Almabtrieb sicher auch ein “Event“, im Sinne eines ganz besonderen Ereignisses – und war es vielleicht bereits vor 100 Jahren. <
Foto: SAM/Werner Dejori
Sepp, ist vor Ort, sein Schurz ist mit dem humorigen Satz „Bauer ohne Hof“ bestickt. Er erzählt davon, wie er schon als neunjähriger Bub auf der Alm zum Viehhüten eingesetzt wurde. Er habe seinem Vater damals vorgeschlagen, auch einmal „groß abzutreiben“, wie man zu einem prächtigen Almabtrieb sagte. Der Vater blieb ungerührt: „Mit so einem Blödsinn fangen wir gar nicht erst an.“ Der Pragmatismus überwog. Verständlich - der Weg zu den Hochweiden war damals eine beschwerliche, zeitintensive Angelegenheit und entsprechend gering die Motivation für „bunten Zauber“. Die Bauern von St. Michael trieben damals ihr Vieh über Pufels und Ritsch hinauf zum Goldknopf. Sieben Stunden habe man für diese Strecke mindestens gebraucht. Jüngere, schwächere Kälber hätte man gar unterwegs zum Rasten zurücklassen müssen. Und ab September hätte so manches Tier dann versucht, auf eigene Faust den Weg ins Tal und zum heimischen Stall zurück zu finden.
Unterwegs mit Hunden Wer mit Hund unterwegs ist, sollte im Wald und auf den Almen einige wichtige Regeln beachten, um Rücksicht auf die Natur und andere Naturgenießer zu nehmen.
Leinenpflicht beachten
Wenn der Hund auf eine Kuh trifft
Im Naturpark Schlern-Rosengarten besteht eine Leinenpflicht für Hunde. Diese Regelung dient dem Schutz der wild lebenden Tiere und der Natur. Es ist wichtig, dass Hundehalter diese Vorschrift einhalten, um die einzigartige Flora und Fauna des Parks zu bewahren.
Es ist wichtig, Hunde frühzeitig an verschiedene Nutztiere zu gewöhnen und ihnen beizubringen, sich ruhig und respektvoll zu verhalten. Begegnungen mit Rindern können gefährlich sein, da Rinder sich bedroht fühlen und aggressiv reagieren können.
Wussten Sie, dass Wildtiere sich in Lebensgefahr begeben, wenn sie gehetzt werden?
Hinterlassenschaften beseitigen Hundekot sollte immer entfernt werden, um Wald und Wiesen sauber zu halten. Es macht jedoch keinen Sinn, den Hundekot in Säckchen zu sammeln und die Säckchen dann in der Natur zu entsorgen. Wussten Sie, dass Weidetiere ernsthaft an Hundekot erkranken können?
Mit Hund sollte man mit möglichst großem Abstand an der Kuh oder Herde vorbeigehen, ruhig und unauffällig. Wenn der Hund an einer kurzen Leine gehalten wird, bleibt er unter Kontrolle und kann nicht auf die Kuh zulaufen. Hektische Bewegungen und lautes Rufen sind zu vermeiden. Hundebesitzer sollten ruhig bleiben, um den Hund nicht zusätzlich zu stressen. Wenn Kuh oder Herde auf einen zukommen, ist langsamer Rückzug, ohne plötzliche Bewegungen, angesagt. Wussten Sie, dass man der Kuh nicht direkt in die Augen schauen sollte, da sie dies als Bedrohung empfinden könnte?
Sommer | ALPE 15
16 ALPE | Sommer
Ob der Weg zur Rosszahnscharte von der Sonne belohnt wird, zeigt sich erst am Ziel.
Der Sonne entgegen Die Einladung zur „Sonnenaufgangswanderung“ klingt verlockend. Aber sie ist definitiv nichts für Faulpelze. Das romantische Date auf 2.499 Metern will erobert sein.
Es ist Samstag, der 21. September 2024. Der Kastelruther Bergführer Helmut Kostner wartet an der Talstation der Seiser Alm Bahn auf eine bunt zusammengewürfelte Gruppe. Kai, Sebastian und Heinz-Georg treffen einzeln gegen 4:20 Uhr pünktlich ein. Nur Timo und Franziska schaffen es nicht pünktlich zum Treffpunkt, weil sie sich im Tal verfahren haben. Für diesen Bericht mit von der Partie ist auch das ALPE-Team: Fotograf Helmuth, Autorin Elisabeth sowie Grafiker Markus. Nach einem kurzen Briefing drängt Helmut auf die Abfahrt nach Plan um 4:25 Uhr mit dem Taxi in Richtung Seiser Alm. Es ist tiefdunkle Nacht. Um diese Tageszeit steht die Seilbahn, die von Seis am Schlern auf die Alm führt, noch still. Auf der Fahrt mit Taxi Albert
tasten sich die Teilnehmer behutsam vor. Sie erzählen von früheren Bergtouren in den Dolomiten und von ihren Frauen, die dieses Mal nicht mitgekommen sind, weil sie einen gemächlichen Urlaubsmorgen der Bergtour vorzogen. Draußen werden + 8 Grad gemessen, es ist bewölkt und die Gruppe zweifelt, ob sie den Mond und später die aufgehende Sonne überhaupt sehen würde. Der um diese Zeit noch äußerst wortkarge Bergführer Helmut klärt mit Franziska und ihrem Freund Timo in einem kurzen Telefonat, dass sie später zu den anderen Abenteurern hinzustoßen würden. Auf der Seiser Alm angekommen, marschiert die kleine Gruppe schon mal los, von Helmut mit Stirnlampen ausgerüstet und mit der vagen Hoffnung, dass aus dem Sonnenaufgang trotz verhaltener Wetterprognose vielleicht doch was werden könnte.
Text: Elisabeth Augustin Fotos: Helmuth Rier
Sommer | ALPE 17
18 ALPE | Sommer
Schweigend überqueren die hochmotivierten Eroberer im Gänsemarsch, teils auf Holzstegen, das Ladinser Moos in Richtung Bergrücken. Zu hören ist nur das Rauschen von Bächlein und das Schellen einzelner Kuhglocken. Gegen 5:30 Uhr ist es schon ziemlich hell und die Stirnlampe könnte man eigentlich schon ausmachen. Am Fuße des RosszahnKammes in der Höhe des Goldknopfes führt nun ein schmaler Wanderweg in Serpentinen steil empor. Neun Tage zuvor hatte es schon recht ordentlich geschneit, sodass die Wanderer immer wieder durch Schnee stapfen, der liegen geblieben war. Nach dem heißen Sommer kam der Wintereinbruch doch überraschend. Es ist auf dieser Höhe keine Besonderheit, dass es in der warmen Jahreszeit auch mal ordentlich schneit.
sorgen die sonderbar klingenden Adverbien des Südtiroler Dialekts wie „oi“ für „hinunter“ und „aui“ für „hinauf“, während „enten“ ganz einfach „drüben“ bedeutet. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Glücklich über die bergauf geschafften 6,2 km und 662 Höhenmeter, vor allem aber dankbar, dass sich die Sonne gezeigt hat und das Bestaunen dieses magischen Moments des Sonnenaufgangs an diesem Tag überhaupt zuließ, machen sich die Abenteurer gemeinsam auf den Weg zurück an den Ausgangspunkt auf der Seiser Alm. Dort trennen sich kurz vor Mittag wieder die Wege. Schön war’s! <
Der Bergführer führt die Gruppe flotten Schrittes nach oben. Das Ziel, die Rosszahnscharte auf 2.499 Metern, ist schwitzend gegen 6:55 Uhr erreicht. Nun schweift der Blick über unzählige Bergspitzen in die Weite. Es dauert nicht mehr lange, bis die Sonne um 7:05 Uhr rechts der Bergstation am Pordoijoch, hervorstechen wird. Bei nur +1 Grad frieren die Finger am Mobiltelefon, das diesen magischen Moment festhalten soll. Andere Bergbegeisterte sind schon vor Helmuts Gruppe am Gipfel angekommen und verharren ebenso im Staunen. Die magische Lichtstimmung, die auf der Einladung von Seiser Alm Marketing angekündigt worden war, übertrifft nun doch alle Erwartungen. Dieser Moment, in dem die Sonne den Morgen küsst und die bizarren Felsformationen der Dolomiten von Tiefgrau in leuchtendes Orange taucht, könnte ewig andauern. Die Aussicht auf ein schönes Frühstück im nur 10 Fußminuten entfernten Schutzhaus Tierser Alpl lässt das Team Helmut schließlich weiterziehen. Dort wird es von Hüttenwirtin Judith freudig empfangen. Nun, wo das Ziel endgültig erreicht ist, löst sich die leichte Anspannung. Bei viel Kaffee, Schwarzbrot, hausgemachter Marmelade und Kuchen erzählen Sebastian, ein Automatisierungsingenieur aus Ostfriesland, der Dortmunder Architekt Heinz-Georg und Kai aus dem Siegerland von ihrer Liebe zu den Bergen. Viel Schwung haben Franziska aus Göttingen, die in Südtirol ein Auslandssemester absolviert, und ihr Hildesheimer Freund Timo mitgebracht. Helmut, der Bergführer, zeigt sich nun von seiner gesprächigen Seite und erzählt von den geschichtlichen und sprachlichen Besonderheiten Südtirols. Bei den Wanderern aus Deutschland für Staunen
Die Sonne taucht die Bergwelt der Dolomiten frühmorgens in ein warmes Licht. Da sind ausgiebiges Staunen und Freude aufs Frühstück in der Schutzhütte Tierser Alpl angesagt.
Sommer | ALPE 19
Felice, der Glückliche Felice Squeo jongliert geschickt zwischen den Welten. Er vereint in sich südländisches Temperament mit Südtiroler Bodenständigkeit.
Der italienische Begriff „felice“ bedeutet im Deutschen „glücklich“. Zugleich ist es in Italien ein männlicher Vorname – obschon er eher weiblich klingt. Es handelt sich um eine Variante von Felix und bedeutet „der Glückliche“, „der Erfolgreiche“ und „der vom Glück Begünstigte“. „Bei meiner Arbeit wurde ich immer Felix genannt. Und hier in meiner Wahlheimat Kastelruth bin ich der Felice“, erzählt Felice Squeo mit Begeisterung.
Text: Elisabeth Augustin Fotos: Helmuth Rier
Sein Name könnte zu Felice nicht besser passen. Am 9. Mai 1943 sei er aus Zufall in Tione di Trento geboren, sagt er. Vater Giacomo Squeo, ein Eisenbahner aus Apulien, wähnte seine Frau Pina Gottardi bei ihrer Mutter in ihrem Heimatdorf im Norden sicher, weil der Süden zu jener Zeit von Amerikanern und Engländern bombardiert wurde. Und weil der Krieg für viel Verwirrung sorgte, kehrte der kleine Felice
nach Kriegsende nicht mit seiner Mutter aus dem Trentino nach Bari zurück, sondern wurde von seiner besser stehenden Tante Agnese in Meran aufgenommen. Dort besuchte der Bub den deutschen Kindergarten. Er war fünfeinhalb Jahre alt, als er seinen Vater zum ersten Mal sah. 1948 zog Felice zu seinen Eltern nach Süditalien. Nur fünf Jahre später starb Vater Giacomo an Lungenkrebs. Die Arbeit als Eisenbahner habe ihn zugrunde gerichtet, ist Felice überzeugt. So stand Mutter Pina mit ihren drei Kindern Maria Antonietta, Felice Egidio und Ulderico plötzlich alleine da. Es folgten entbehrungsreiche Jahre für die Familie. Hilfe von außen war spärlich.
Seine gesamte Schulzeit verbrachte Felice in Bari. Er hat nicht besonders viele Erinnerungen daran, war er doch eher ein Außenseiter und fleißig am Lernen, um der Misere zu entrinnen. Im Jahr 1962, kaum
Felice Squeo in seinem Element: In Kastelruther Männertracht fungierte er im italienischen Fernsehen als Botschafter Südtirols.
20 ALPE | Sommer
Fit und voller Tatendrang: Felice Squeo
Sommer | ALPE 21
sein Diplom als Geometer in der Hand, übersiedelte Felice samt Mutter und Geschwistern nach Bozen. Hier wollte er endlich Geld verdienen und seiner Familie finanziell unter die Arme greifen. Felice wurde beim Planungsbüro “Crepazzi & Facchinelli“ als Ersatz für seinen späteren besten Freund Luciano Zago erfolgreich vorstellig. „Mein erstes Projekt war die Pension Brunelle auf der Seiser Alm“, erinnert er sich, „dies war auch mein erster Kontakt zu Kastelruth.“ Dann arbeitete der attraktive junge Mann in den Sommermonaten von 1963 bis 1966 als
Als begeisterter Freizeitmaler lässt sich Felice Squeo keine Ausstellung entgehen.
Oberbauleiter beim Bau des Vernagt-Stausees im Schnalstal und im Winter im Staatsbauamt. Am 1. Februar 1967 trat Felice in die Forstverwaltung ein. Diese lag damals noch in der Zuständigkeit der Region, sodass der junge Geometer nun jeden Tag zwischen Bozen und Trient pendelte.
Durch Luciano hatte Felice 1966 bei einem Fußballspiel in Kastelruth die hübsche Johanna kennengelernt. Zwischen Felice und der fünf Jahre jüngeren Hanni hat es schnell gefunkt, am 2. Dezember 1967 wurde geheiratet. „Zu jener Zeit habe ich das Wort ‚Walscher‘ zum ersten Mal gehört“, erinnert er sich. Dieser in Südtirol verwendete Begriff, der „Fremder“ bedeutet, bezieht sich auf Italiener, oft mit einer leicht abfälligen Konnotation. „Nun, Hannis Vater
22 ALPE | Sommer
war aus Stettin zugewandert - obwohl deutschsprachig im Prinzip auch ein Fremder - und der Rest der Familie und des Dorfes sprach sowieso nur deutsch. Ich konnte in Kastelruth niemandem böse sein, wenn er mich, den aus Bari Zugwanderten, etwas skeptisch beäugte“, erklärt Felice. Nach der Geburt von Tochter Katia 1968 lebte die junge Familie bis 1973 in Trient, wo Tochter Barbara 1969 das Glück vervollständigte. 1972 trat nach jahrelangem Einsatz der Südtiroler innen und Südtiroler für mehr Eigenständigkeit das 2. Autonomiestatut in Kraft. Dieses übertrug viele administrative und legislative Kompetenzen vom Staat und der Region an die Autonome Provinz Bozen – Südtirol und stärkte deren Autonomie. So war es nun Felices Aufgabe, das Verzeichnis aller Güter von Staat und Region, die an das Land übertragen worden waren, zu erstellen. „Dafür wurde bewusst ich als italienischsprachiger Mitarbeiter ausgewählt“, ist Felice überzeugt. „Ich war in ganz Südtirol unterwegs und habe unendlich viel dazugelernt.“ In jener Zeit füllten Arbeit und Familie Felices Leben völlig aus. Nur für den Fußball blieb in der Freizeit etwas Platz. „Gemeinsam mit Luciano gründete ich die erste Fußballmannschaft im Schlerngebiet“, sagt er mit Stolz.
Im Jahr 2002 trat Felice Squeo als Vizedirektor des Landesbetriebes für Forst- und Domänenverwaltung, wo ihn alle Felix nannten, in den Ruhestand. Nun begann sein „Leben danach“. Während seine Hanni noch als Friseurin arbeitete, begann Felice, die Südtiroler Kultur und Bräuche zu studieren und im Museumsverein Kastelruth mitzuarbeiten. Im Juli und August führt er noch immer als „Guida“ die italienischen Gäste durch das Trachtenmuseum und jeden Montag durchs Dorf. Bei besonderen Anlässen trägt Felice das „Lodene“, sprich die Kastelruther Männertracht, wohl das wichtigste Identitätszeichen der Einheimischen. Wenn italienische TV-Teams das schöne Kastelruth besuchen, ist Felice ein willkommener Gesprächspartner. Ein besonderer Höhepunkt in Felices TVKarriere war im Jahr 2018 die Zeremonie zur Ernennung von Kastelruth zu einem der „Borghi più belli d’Italia“. Voraussetzungen zur Aufnahme in den Verein, der „meist mittelalterliche Zentren Itali-
ens von herausragendem historischen und künstlerischen Interesse“ fördert, sind Kriterien wie die Integrität des städtischen Gefüges, architektonische Harmonie, Bewohnbarkeit des Ortes sowie die künstlerische und historische Qualität von öffentlichen und privaten Gebäuden. 2019 strahlte Felice gemeinsam mit Moderatorin Giulia Capocchi, beide in Kastelruther Tracht, für die beliebte Samstagabend-Sendung „Linea bianca“ auf RAI1 in die Kamera.
Die erstmalige Kandidatur des italienischsprachigen Kastelruthers auf der Liste der traditionsverbundenen Südtiroler Volkspartei im Jahr 2015 war bahnbrechend. Als Gemeinderat wollte und konnte Felice seiner Wahlheimat und den Menschen, die ihn vorbehaltlos aufgenommen hatten, viel Gutes zurückgeben. Als weltoffener, kritischer Zeitgeist tut der interessierte Kastelruther zu allen möglichen Themen noch immer auch gerne öffentlich, sprich in sozialen Medien und in der Gemeindezeitung, seine
Meinung kund. Felice Squeo war stets ein Vermittler zwischen dem deutschen und dem italienischen Südtirol, „Unsere Mehrsprachigkeit ist ein großer Reichtum“, sagt er.
Mit seiner Frau Hanni erkundet der 82-Jährige zu Fuß die Gegend um Kastelruth. Zudem geht das aktive Paar gerne auf Reisen.
Mit seiner Frau und den beiden Töchtern spricht er italienisch. Wenn Felice mit seinen Freizeitmalern oder bei Veranstaltungen unterwegs ist, kommuniziert er im Südtiroler Dialekt, den er sich im Laufe der Jahrzehnte aneignen konnte. „Italienische Freunde habe ich keine“, sagt er, „und zwar, weil es hier schlichtweg keine gibt. Und Freund Zago ist leider schon verstorben.“ Wenn Felice in der Kirche auf deutsch die Lesung liest, so ist das für ihn die natürlichste Sache der Welt. Weil der 82-Jährige einen Großteil seines Lebens in Südtirol verbracht hat, fühlt er sich von der deutschsprachigen Welt mehr angezogen als von der italienischen. „Heimat ist dort, wo du dich zu Hause fühlst“, sagt er. „Meine Heimat ist Kastelruth.“ <
Sommer | ALPE 23
Felices Lieblingsorte Von St. Michael nach Kastelruth „Es ist ein Glück, an diesem schönen Ort zu leben.“ Das denkt sich Felice jedes Mal, wenn er vom kleinen Weiler St. Michael in Richtung Kastelruth Dorf spaziert. An den grünen Wiesen und alten Höfen kann man sich gar nicht sattsehen. Und schon von weitem sichtbar ragt der Kastelruther Kirchturm mitten im Dorf in die Höhe.
Die Laechler-Galerie „Kunst unterm Schlern“ nennt sich der Verein der Freizeitmaler, in dem Felice mit voller Begeisterung mitmacht. Bei unzähligen Gemeinschaftsausstellungen war er schon federführend dabei. Die Werke der einheimischen Künstlerinnen und Künstler kommen bei Ausstellungen in der LaechlerGalerie besonders gut zur Geltung.
Die Marinzenalm Die Marinzenalm liegt auf etwa 1500 Metern Höhe, direkt oberhalb von Kastelruth. Felice genießt hier den herrlichen Panoramablick auf die Dolomiten. Die Alm, ein Naherholungsgebiet und beliebtes Ausflugsziel für Familien, ist sowohl zu Fuß als auch mit einer neuen Bergbahn erreichbar. Die Marinzenhütte lädt mit ihrer Sonnenterrasse zum Verweilen ein.
Nach Tisens oder Tagusens durch den Wald
24 ALPE | Sommer
Foto: Helmuth Rier
Beim Wandern mit Gattin Hanni genießt Felice die Natur und die schöne Landschaft. Unterhalb von Kastelruth fallen eine Häusergruppe und ein Kirchlein mit einem spitzen Turm auf. Dies ist die kleine Ortschaft Tisens (925 m). Von dort aus geht es über grüne Wiesen und Wälder weiter nach Tagusens, wo im Frühjahr und Sommer das „Schulmuseum“ besucht werden kann.
Komma Graphik - Foto: Helmuth Rier
bi-mCobailrd Cohom ut auto wit
r Alm Card Gold Seise out auto-mobil with
ertung. 7 Tage ab Erstentw vidimazione. Gültigkeitszeitraum: 7 giorni dalla prima Periodo di validità: after first use. Value period: 7 days
Your Na
me & Su
rname.
Card no
t trasfe
rable.
Your Name & Surnam
e. Card not trasfer
able.
BEQUEM UND NACHHALTIG INS WANDERPARADIES SEISER ALM Die Combi Card: Vorteilskarte für Bergsportler und Genießer Combi Card 3 in 7*
70,00 €
Combi Card 7*
90,00 €
Combi Card 14*
136,00 €
Innerhalb 7 Tagen (ab Erstentwertung)
7 aufeinanderfolgende Tage gültig (ab Erstentwertung)
14 aufeinanderfolgende Tage gültig (ab Erstentwertung)
> 3 mal auf die Seiser Alm und zurück, mit der Seiser Alm Bahn ODER dem Seiser Alm Express (Linie 10) > uneingeschränkte Nutzung der Shuttlebusse (Linie 2, 3, 3A, 5, 13, 15) und des Almbusses (Linie 11) > Aufpreis für Fahrrad: 29,50 € > Aufpreis für Hunde: 9,00 €
> uneingeschränkte Nutzung der Seiser Alm Bahn und des Seiser Alm Express (Linie 10) > uneingeschränkte Nutzung der Shuttlebusse (Linie 2, 3, 3A, 5, 13, 15) und des Almbusses (Linie 11) > Aufpreis für Fahrrad: 38,00 € > Aufpreis für Hunde: 21,00 €
> uneingeschränkte Nutzung der Seiser Alm Bahn und des Seiser Alm Express (Linie 10) > uneingeschränkte Nutzung der Shuttlebusse (Linie 2, 3, 3A, 5, 13, 15) und des Almbusses (Linie 11) > Aufpreis für Fahrrad: 57,50 € > Aufpreis für Hunde: 42,00 €
Seiser Alm Card Gold*
Combi Card Spezial 3 in 7* 70,00 € Meran 2000 & Seiser Alm Innerhalb 7 Tagen (ab Erstentwertung) > 2 mal auf die Seiser Alm und zurück, mit der Seiser Alm Bahn ODER dem Seiser Alm Express (Linie 10) und 1 mal mit der Bergbahn Meran 2000 oder der Umlaufbahn Falzeben ins Wandergebiet Meran 2000 > uneingeschränkte Nutzung der Shuttlebusse (Linie 2, 3, 3A, 5, 13, 15) und des Almbusses (Linie 11)
136,00 €
7 aufeinanderfolgende Tage gültig (ab Erstentwertung) | 07.06. > 12.10.2025 > uneingeschränkte Nutzung der Seiser Alm Bahn und des Seiser Alm Express (Linie 10) > uneingeschränkte Nutzung der Shuttlebusse (Linie 2, 3, 3A, 5, 13, 15) und des Almbusses (Linie 11) > uneingeschränkte Nutzung der Kabinenbahn Puflatsch, der Sessellifte Spitzbühl, Panorama, Florian (Seiser Alm) und Marinzen (Kastelruth) > Aufpreis für Hunde: 21,00 € > Fahrrad wird extra berechnet
Die Combi Card und die Seiser Alm Card Gold sind nicht übertragbar und sind bei den Kassen der Seiser Alm Bahn, bei den Tourismusvereinen Kastelruth, Seis am Schlern und Völs am Schlern sowie bei Ihrem Vermieter erhältlich. Kinder (geb. 2017-2021) und Rollstuhlfahrer fahren gratis. Junioren (geb. 2007-2016) zahlen die Hälfte des Preises. * Für Inhaber der Gästekarte „Südtirol Alto Adige Guest Pass“ der Dolomitenregion Seiser Alm ist eine Preisreduzierung bei der Combi Card vorgesehen. Dieser Guest Pass kann nicht käuflich erworben werden, sondern wird nur vom Gastgeber kostenlos an den Gast ausgehändigt.
Seis-Seiser Alm Bahn AG 39040 Seis am Schlern · Schlernstraße 39 Tel. +39 0471 704 270 · www.seiseralmbahn.it · info@seiseralmbahn.it
Völser Aicha ist seit vielen Jahrhunderten besiedelt. Es besticht durch seine sonnige, ruhige Lage und einen starken Gemeinschaftssinn.
Eine starke Dorfgemeinschaft Fernab des Hauptortes Völs hat sich in Völser Aicha eine recht eigenständige Dorfgemeinschaft entwickelt. Die „Oachnerinnen“ und „Oachner“ führen ein besonders reges Vereinsleben.
Die ursprüngliche Streusiedlung Völser Aicha erstreckt sich am Tierser Nordhang vom Talboden bis zur Prösler Hochebene und ist eine Fraktion der Gemeinde Völs am Schlern. Bei Auswärtigen und Urlaubern ist Völser Aicha besonders bekannt für seinen Rundwanderweg, den „Oachner Höfeweg“ („Oacha“ ist der dialektale Ausdruck für Aicha). Bäuerliche Lebensart und gut erhaltene Kunstund Kulturdenkmäler prägen diesen Weg, der von Schloss Prösels durch eine abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft vorbei an ursprünglichen Höfen und Buschenschänken zum Kirchlein St. Katharina führt und – in voller Länge begangen – rund vier bis fünf Stunden Gehzeit beansprucht. Am schönsten zu wandern ist es hier im Frühling und im Herbst.
Text: Rosa Maria Erlacher Fotos: Helmuth Rier
26 ALPE | Sommer
Geschichte. Völser Aicha wurde schon in der frühen Steinzeit besiedelt. Dies belegen Funde, die bei Grabungsarbeiten für eine Bewässerungsanlage im Jahr 1978 gemacht wurden. Das in Richtung Süden abfallende sonnenverwöhnte Gelände bot sich dank der flachen terrassenartigen Ausformungen für eine erfolgreiche Landwirtschaft an. Die ersten Siedler schufen kleine, von Trockenmauern gestützte Ackerflächen. Im umliegenden Gebiet konnten ihre Nutztiere weiden. Erst 1185 wurde Völser Aicha erstmals urkundlich erwähnt und später im 13. Jahrhundert, als die bestehenden Höfe von den Herren von Völs, die auf Schloss Prösels residierten, aufgefordert wurden, Lebensmittel abzugeben und Frondienste zu leisten.
Besonders in den unteren Lagen wird die Weinkultur gepflegt. Weiter oben bilden Viehwirtschaft und Obstanlagen die Grundlage bäuerlicher Existenz. Aber fast jeder Bauernbetrieb braucht einen Nebenerwerb, um über die Runden zu kommen. Die meisten Bauern üben einen Handwerksberuf aus. Andere schufen sich mit „Urlaub auf dem Bauernhof“ oder einem Buschenschank ein zusätzliches Standbein, um wirtschaftlich überleben zu können. Im „Dorf“, also in Oberaicha, sind Handwerksbetriebe angesiedelt. In den neu errichteten Wohnanlagen leben Familien, von denen meistens mindestens ein Elternteil in Völser Aicha aufgewachsen ist. Aber auch Auswärtige haben sich hier angesiedelt, weil Völser Aicha unmittelbar neben der Panoramastrasse liegt, die vom Eisacktal nach Tiers und weiter zum Karerpass führt und auch eine schnelle Anbindung in die Landeshauptstadt bzw. umliegende Dörfer bietet, in denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist gut ausgebaut. Im Dorf werden auch Ferienwohnungen vermietet. Oberhalb von Aicha ist mit einem Hotel eine Struktur vorhanden, von der aus man schöne Wanderungen ins Schlerngebiet unternehmen kann. Einziger Wermutstropfen für die Dorfgemeinschaft ist, dass seit Jahren das Dorfgasthaus geschlossen hat und man voller Hoffnung ist, dass es bald wieder zugänglich sei.
Enge Dorfgemeinschaft. Ein zusätzlicher Grund, wieso sich das Leben in Völser Aicha von der Gemeinde Völs am Schlern ziemlich abgekoppelt hat,
Text: Elisabeth Augustin Fotos: Helmuth Rier
Sommer | ALPE 27
28 ALPE | Sommer
besteht in der seit Ende des 20. Jahrhunderts anders ausgerichteten Bildungspolitik. Eine eigene Volksschule gab es seit jeher, seit einigen Jahrzehnten gehört sie allerdings zum Schulsprengel Karneid. Ebenso besuchen die Kinder aus Völser Aicha die Mittelschule in Blumau, während jene aus dem Hauptort Völs in die Mittelschule von Kastelruth gehen. Den Kindergarten besuchen nur ortsansässige Kinder. Also haben die Jugendlichen und später Erwachsenen von Kindheit an wenig Kontakt zu den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern der Gemeinde Völs am Schlern. Dadurch hat sich eine enge – wenngleich kleine – Dorfgemeinschaft gebildet, in der der Einsatz von Vereinen auf fruchtbaren Boden fällt. Wenn man in der Gemeinde Völs am Schlern nachfragt, wie viele Interessentschaften bzw. Vereine sie in Völser Aicha finanziell unterstützt, so sind es deren 18, vom Bodenverbesserungskonsortium über die Bauernjugend bis hin zum Viehversicherungsverein. Da gibt es beispielsweise auch die Ortsstelle des Alpenvereins, die Skitourenausflüge und anspruchsvolle Wanderungen in die umliegende Bergwelt organisiert. Das Dorf verfügt neben einem Vereinshaus über eine Bibliothek, eine Feuerwehrhalle mit angeschlossenem Musikprobelokal und über einen Festplatz mit Pavillon und Mehrzweckgebäude. Im Winter – wenn Minusgrade es zulassen – wird dieser Platz eingeeist und vom Eissportverein zum Eisstockschießen genutzt. Ein Fischereiverein angelt am Oachner Weiher, und die Heimatbühne Völser Aicha überrascht ihr Publikum einmal im Jahr mit einfallsreichen Aufführungen, die auch auswärtige Besucher anziehen und stets ausgebucht sind.
Kirche und Widum stehen zwar immer noch im Mittelpunkt des Dorfes, aber einen eigenen Pfarrer gibt es auch in Völser Aicha nicht mehr. Die Heilige Messe am Sonntag wird vom Pfarrer aus dem Hauptort Völs zelebriert und ist immer gut besucht. Zur Bereicherung der Messgestaltung trägt der gemischte Kirchenchor bei. Zum 19. März, dem Festtag des Heiligen Josef, bildet sich ein eigener Männerchor, der anschließend an die Messe das eine und andere Ständchen vorträgt. Für die Veranstaltung der Feste – weil eben die Oachner und Oachnerinnen gerne feiern – hat sich ein eigenes Festkomitee aus Vertretern von Musikka-
pelle, Freiwilliger Feuerwehr und Schützen gebildet. Eine herausragende Stellung im Vereinsleben nimmt die Musikkapelle ein, die 60 Mitglieder umfasst, davon 50 aktiv Spielende. „Das sind etwa zehn Prozent unserer Bevölkerung“, bestätigt Obmann Samuel Vieider. Seit über zehn Jahren gibt es auch eine Jugendkapelle für Kinder ab 10 Jahren bis ins Jugendalter. „Die Idee ist entstanden, weil die Kinder und Jugendlichen lieber gemeinsam proben als allein zuhause. Außerdem funktioniert die Jugendkapelle mit ihren etwa 20 Mitgliedern wie ein Laboratorium, in dem sie alles ausprobieren können, von trendigen Musikstücken bis hin zum Dirigieren. Und die Jugendkapelle hat bei Wettbewerben auch schon Preise gewonnen!“, freut sich Vieider. Musik verbindet, ist der Obmann der Musikkapelle überzeugt. So ist seine Kapelle auch sehr offen für auswärtige Mitglieder oder die Aufnahme neuer Dorfbewohner.
Ob Musikkapelle, Heimatbühne oder Schützen – die Oachnerinnen und Oachner halten zusammen und engagieren sich ehrenamtlich.
Die Freiwillige Feuerwehr zählt ebenfalls rund 60 Mitglieder. Die Einsatzgruppe springt stets ehrenamtlich ein, wenn Unheil droht, bei Hangrutschungen, Bränden, Überschwemmungen, Autobergungen usw. Jetzt kommen auch junge Frauen zur Feuerwehr. Die Schützen, etwa 30 an der Zahl, die sich der Traditionspflege und dem Heimatschutz verpflichtet fühlen, leisten auch viel für die Gemeinschaft. Sie sanieren Wegkreuze und Bildstöcke, haben eine Almhütte mit Stall wieder hergerichtet und betreuen erhaltenswürdige Projekte.
Sommer | ALPE 29
Am Nachmittag folgt das Kirchweihfest auf dem Festplatz mit Konzert der Musikkapelle und allerlei Kurzweil, währenddessen die Kinder im umliegenden Wald unbekümmert spielen können. Auch der Faschingsumzug in Völser Aicha ist seit vielen Jahren weit über die Grenzen des Dorfes bekannt. Nach der Prämierung der schönsten Faschingswagen geht das Fest mit DJ und Tanz bis in die späten Abendstunden weiter. Aber nicht genug damit: Am 27. Dezember feiert man in Völser Aicha noch einmal Kirchtag zu Ehren des St. Johannes der Evangelist. Nach einem kleinen Konzert auf dem Dorfplatz werden bei Glühwein und Keksen Neujahrswünsche ausgetauscht und es wird ein alter Brauch durchgeführt: das „Fochats-Drehen“, eine Art Glücksrad-Spiel, in dessen Mittelpunkt ein süßes Brotgebäck steht.
Glaube, Tradition und Brauchtum spielen im Leben der Dorfgemeinschaft eine große Rolle.
Feste in Völser Aicha. Der Kirchtag in Völser Aicha mit Hochamt und anschließender Prozession Ende Juni ist sicher der größte Festtag des Jahres. Er ist aber auch ein Zeichen der Überschneidung vieler Vereine. So sind natürlich der Kirchenchor, die Musikkapelle und teilweise die Schützen vollständig vertreten, die Feuerwehr kann nicht in voller Kompaniestärke antreten, weil viele bei der Musikkapelle spielen oder im Chor mitsingen und es auch Männer zum Tragen der Fahnen und Heiligenstatuen braucht. Dann ziehen die anderen Vereine geschlossen mit, und zum Schluss folgt ein Häufchen fromme Mitbeterinnen und -beter, die bei keinem Verein dabei sind.
30 ALPE | Sommer
Bäuerliche Vereine. Neben diesen Hauptakteu ren im Dorf gibt es noch verschiedene bäuerliche Vereine: Die Bäuerinnen organisieren Kurse und Ausflüge, die Bauernjugend ist u.a. für die HerzJesu-Feuer zuständig, die Ortsbauernstelle ist Ansprechpartner für bäuerliche Belange, der Seniorenverein des Südtiroler Bauernbundes veranstaltet Treffen und Ausflüge für die Älteren der Gemeinschaft, und alle zusammen organisieren Ende September das „Schnaggenfest“ mit Wortgottesdienst und Viehsegnung am Schnaggenkreuz und anschließendem Festbetrieb auf dem Festplatz Gostneregg. Wenn es den Titel denn gäbe, Völser Aicha wäre mit Sicherheit Vereinsweltmeister. <
Cabrio Seilbahn von Tiers ins Dolomiten Welterbe Rosengarten
Einzigartig in den Dolomiten Gültiges Ticket erforderlich.
Getreidefelder sind in Südtirol nach wie vor eine Seltenheit. Klemens Villgrattner wagt in Tiers am Rosengarten den Versuch.
Ein Zimmermann im Kornfeld Selber Brot backen liegt im Trend. Noch einen Schritt weiter geht ein junger Zimmermann und Nebenerwerbslandwirt aus Tiers am Rosengarten. Er baut seit 2020 Getreide an.
Früher hatte nahezu jeder Hof sein eigenes Getreidefeld, doch Roggen, Weizen & Co. wichen in Südtirol mehr und mehr den ertragreicheren Monokulturen um Obst und Wein. Ein aktueller Trend führt wieder hin zu lokalen Kreisläufen und einer stärkeren Vielfalt im Anbau. Einst wurde der Vinschgau die „Kornkammer Tirols“ genannt. Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs dort noch auf einer Fläche von 4.000 Hektar Korn. Im letzten Jahrhundert verschwanden nahezu alle Getreidefelder in Südtirol. Dank Initiativen wie „Regio korn“ gibt es in Südtirol seit dem Jahr 2011 eine Renaissance des Getreideanbaus. Knapp 60 Landwirte bauen im Rahmen dieses Projekts Getreide an, aber auch immer mehr Bauern und Bäuerinnen sähen wie Klemens Villgrattner Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer, Gerste oder Mais für den Eigengebrauch oder die Direktvermarktung.
Text: Katja Sanin Fotos: Helmuth Rier
32 ALPE | Sommer
Fasziniert von der Idee, aus lokal angebautem Getreide Brot zu backen, ist der Tierser Bäcker Johannes Tratter. Er war es, der an Klemens mit der Idee herantrat, in Tiers Getreide anzubauen. Diese Idee fiel auf fruchtbaren Boden, da der junge Nebenerwerbslandwirt es leid war, sein Feld immer mähen zu müssen und das überschüssige Heu zu verschenken, da seine Schafe nicht so viel benötigten. Nach einigen Versuchen, Fehlkäufen beim Saatgut, Missernten und zahlreichen Gesprächen mit Fachleuten war der Zimmermann und junge Vater mit der Ma-
terie so vertraut, dass er es gemeinsam mit seiner Partnerin Anna wagte, auf seinem Feld Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel, Hafer, Mais und Buchweizen anzubauen und in der Folge zu vermarkten. „Ich habe das Glück, eines der wenigen ebenen Stücke Land in Tiers zu besitzen und meine erste Anschaffung war ein uralter, grüner Mähdrescher aus den 1970er-Jahren“, erzählt der junge Nebenerwerbslandwirt. „Getreideanbau ist eigentlich nicht sehr zeitaufwendig. Wichtig sind ein guter Boden und die Fruchtfolge, denn wenn der Boden nicht bewirtschaftet wird und der Witterung ausgesetzt ist, gehen die Nährstoffe verloren“, erklärt Klemens. Es gibt Sommer- und Wintergetreide. Das Sommergetreide wird Anfang April gesät und Mitte August geerntet, während das Wintergetreide im Spätherbst gesät und Ende Juli geerntet wird. Das Wintergetreide wächst im Herbst bis zur Bestockung und dann ist es wichtig, dass der Boden friert, denn sonst frisst das Wild die Jungpflanzen. Die Zwischenfrucht dient als Gründüngung oder Futtermittel. Der jungen Familie ist es wichtig, möglichst naturnah anzubauen und so wenig Abfall wie möglich zu produzieren. Die Kleie, die beim Mahlen und Absieben zurückbleibt, dient als Futter für die Schafe und Hühner und so schließt sich der Kreislauf. „Der richtige Zeitpunkt
Für die Familie des Zimmermanns tut sich durch den Getreideanbau ein völlig neuer Geschäftsbereich auf.
Sommer | ALPE 33
Projekt Lokale Kreisläufe Immer öfter fragen sich Einheimische und Gäste woher die Produkte stammen. Lokale Qualität ist wieder gefragt. Den Ort und die Menschen kennen, die dahinterstehen. Startpunkt war die Initiative „Völser Produkte“. Damit wurde ein erster konkreter Schritt zur Stärkung der lokalen Kreisläufe gesetzt. Aufgrund der positiven Entwicklung in den letzten zwei Jahren, wurde die Initiative nun auf die Dolomitenregion Seiser Alm ausgeweitet. Die Dolomitenregion Seiser Alm hat großes Potenzial mit vielfältigen landwirtschaftlichen Produkten und kreativer Gastronomie, was einen wesentlichen Mehrwert für Einheimische und Gäste schafft. Damit verbunden sind auch soziale und öko logische Aspekte. Sie beinhalten die Gestaltung unseres Lebensraumes, die Stärkung von Wertschöpfung und Wertschätzung, sowie die Bewahrung unserer Traditionen.
Weitere Informationen finden Sie hier:
34 ALPE | Sommer
für die Ernte wird anhand eines Feuchtigkeitsmessgeräts festgestellt. Der einzige Arbeitsschritt, den ich auslagere, ist das Entsteinen und Putzen des Getreides“, erzählt der begeisterte Getreideanbauer.
Der Ernteertrag ist überschaubar und beläuft sich auf rund zwei bis drei Tonnen im Jahr. Die Bäckerei Tratter aus Tiers nimmt einen Großteil von Klemens‘ Ernte ab: Die Roggen- und Weizenkörner werden in der Bäckerei frisch gemahlen und täglich zu einem Bauernlaib und Tierser Laibchen sowie mittwochs und samstags zum Bergsteigerbrot, einem Roggen-Vollkorn-Kastenbrot, verarbeitet. „Geplant sind Mini-Hefeschnecken eigens für die Hotellerie, aber dafür gilt es noch, den Bedarf zu wecken“ erzählt der passionierte Bäcker. Es wurde eine eigene Marke „Von do“ ausgearbeitet, was „Von hier“ bedeutet, damit die Brotsorten aus lokalem Getreide eigens gekennzeichnet werden können. Begeistert von der gelungenen Zusammenarbeit mit dem Tierser Bäcker, hat der junge Zimmermann den alten Stadel auf seinem Hof gekonnt in einen schönen Arbeitsraum verwandelt: Die Mischung aus alten Elementen wie dem Boden und den Balken mit modernem Glas und stilvollen Lampen verleiht dem Raum eine besondere Atmosphäre. Wenn man den Raum betritt, spürt man die Leidenschaft, mit der Klemens dem alten Heustadel neues Leben eingehaucht hat. In den Regalen stehen Papiersäcke mit zu einem Kilo abgewogenem Mehl, auf der Theke leuchten aus schönen, runden Holzschüsseln goldgelbe Maiskörner und andere Getreidekörner. Mitten im Raum befindet sich eine Holzmühle, mit der je nach Einstellung Vollkorn- oder Auszugsmehl gemahlen werden kann. In der Ecke des Stadels befindet sich eine selbst gebaute, große Kiste mit Kammern, in der die verschiedenen Getreidesorten gelagert werden. Gemahlen wird immer frisch, da die Körner länger haltbar sind als das gemahlene Mehl.
Auch wenn der Getreideanbau wieder im Trend liegt, sind Getreidefelder in Südtirol mit seinen vielen Obstwiesen und Weinbergen nach wie vor eine seltene Schönheit. Weinberge, Obst- oder Almwiesen haben besonders in der Blütezeit ihren Reiz, doch Getreidefelder sind, vielleicht aufgrund ihrer
Die Roggen- und Weizenkörner werden in der Bäckerei frisch gemahlen und täglich zu herzhaften Laiben, Laibchen und Kastenbrot verarbeitet.
Seltenheit, einfach eine Augenweide: Wenn im Sommer die goldgelben Ähren mit ihren zarten Körnern in den Himmel ragen oder im Wind wehen, ist das ein faszinierender Anblick. Etwas von der Faszination Getreideanbau, nachhaltiger Landwirtschaft und lokalen Kreisläufen möchte der junge Landwirt den Bewohnern und Besuchern von Tiers weitergeben. Klemens Villgrattner plant, nach dem Umbau seiner Hofstelle einen Hofladen mit Schauraum einzurichten, wo Interessierte Einblicke in eine naturnahe Getreideproduktion erhalten. So leistet der Tierser im Kleinen einen großen Beitrag, Südtiroler Bauern verstärkt wieder für den Anbau von Getreide zu gewinnen. <
Sichtbar nachhaltig Am Nachhaltigkeitslabel Südtirol erkennst du die Ferienregionen, Unterkünfte und Gastronomiebetriebe, welche verantwortungsvolles Reisen tatkräftig mitgestalten. Lerne sie kennen und begleite Südtirol in eine nachhaltige Zukunft.
suedtirol.info/nachhaltiger-urlaub
36 ALPE | Sommer
Zeugen der Vergangenheit Oberhalb von Seis am Schlern thronend laden die beiden Burgruinen Salegg und Hauenstein auf eine Reise ins Mittelalter ein.
Seis am Schlern am Fuß der beiden Dolomitengipfel Santner- und Euringerspitze. Unter diesen erstreckt sich ein mächtiger Schutzwald, der sogenannte „Hauensteiner Forst“. Er ist Teil des großangelegten Naturparks Schlern-Rosengarten. Im Winter verschwindet die Sonne teilweise hinter den Berggipfeln und taucht den Wald in eine frostige Finsternis. Und genau in diese monatelange Dunkelheit bauten im 12. Jahrhundert zwei wohlhabende Ritterfamilien zwei Burgen: Burg Salegg war eine Lehenburg unter der Schirmherrschaft der Brixner Ministerialien und wurde von den Herren von Salegg bewohnt. Die einmal recht prunkvolle Burganlage Hauenstein hingegen gehörte den Herren von Hauenstein.
Schutzburgen. Aber warum wurden die Burgen gerade in einer so abgelegenen und unwirtlichen Gegend gebaut? Südtirol war im Mittelalter von strategischer Bedeutung als Durchzugsort über die Alpen. Nicht nur weltliche Fürsten erbauten hier mehr als 800 Burgen und Schlösser, sondern auch Bischöfe erhoben Machtansprüche und gründeten mächtige Klöster. So etwa übernahm Otto I. im 10. Jahrhundert nicht nur Ungarn, sondern das ostfränkische Reich und Bayern mit dem Königreich Italien und ernannte sich zum Kaiser des Römischen Reiches. Um die Pässe der Alpen und deren Überquerungswege zu sichern, übertrug er die Oberaufsicht an die Bischöfe von Trient und Brixen. Diese wiederum legten die Verantwortung der Sicherung in die Hände von Grafschaften.
1186 wurde die Höhenburg Hauenstein erstmals urkundlich erwähnt. Laut Nachforschungen errichteten sie die Ministerialen, das heißt die von ihnen eingesetzten Vögte des Bistums Brixen. Es war eine Burg, die sich fest an die Bergstürze des Schlern klammerte und eine weite Aussicht auf angreifende Truppen verfeindeter Familien bot. Etwa zur gleichen Zeit entstand die Burg Salegg, ebenfalls unter der Ägide der Ministerialien von Brixen. Den beiden Burgen wurden Einkünfte aus verschiedenen Lehenhöfen der Umgebung zugesprochen. Als erste Burgbesitzer galten die Herren von Hauenstein und die Herren von Kastelruth.
Ruinen der ehemaligen Schutzburgen Hauenstein und Salegg erinnern an längst vergangene Zeiten.
Legenden. Natürlich wucherten um die beiden unnahbaren Burgen bald einige Legenden. Eine davon erzählt von einem geheimen, unterirdischen Verbindungsgang zwischen den beiden Ruinen. Und dann und wann soll um Mitternacht aus der Ruine Hauenstein der schaurige Trauergesang einer Jungfrau mit wallendem goldenem Haar erklingen. Sie war beauftragt, auf die dort lagernden Gold- und Silberschätze aufzupassen. Trotz mancher Bemühungen der heimischen Bevölkerung wurden jedoch weder der Schatz noch der Verbindungsgang je gefunden. Doch Zahlungsschwierigkeiten machten beiden Burgbesitzern zu schaffen. Die Burg Salegg war als Ganerbenburg gebaut, eine Burganlage, die gleichzeitig von mehreren Familien bewohnt wurde. Dasselbe trifft wohl auch auf die Burg Hauenstein zu. Als Oswald von Wolkenstein (1377-1445) sein Erbteil beanspruchen wollte, musste er feststellen, dass zuerst einer seiner Brüder das gesamte Erbe für sich
Text: Rosa Maria Erlacher Fotos: Helmuth Rier
Sommer | ALPE 37
behalten und verwaltet hatte und darüber hinaus ein beträchtlicher Teil der Burganlage einer Familie Jäger zustand. Die langwierigen Erbstreitereien führten schließlich zur Festnahme von Oswald im Schloss Forst bei Meran. Nicht viel anders erging es den Besitzern der Burg Salegg, die nach zahlreichen Auseinandersetzungen schließlich dem stärksten Zweig, den Wolkensteinern, zufiel. Das 17. Jahrhundert bedeutete das Aus für beide Burgen. Sie wurden unbewohnbar und verfielen zu beklagenswerten Ruinen.
Symbiose: Der Stein der Ruine Salegg strahlt mit den Dolomitenzacken Santner und Euringer um die Wette.
38 ALPE | Sommer
Oswald von Wokenstein. Die Burgen wären wohl wie viele mittelalterliche Ruinen einfach in Vergessenheit geraten, hätte da nicht auf der Burg Hauenstein eine so schillernde Persönlichkeit wie Oswald von Wolkenstein gewohnt. Oft wird er als rechter Haudegen bezeichnet, weil er überall mit von der Partie sein wollte und vor keinerlei Konflikten zurückscheute. Oswald sehnte sich bereits in Jugendjahren nach der großen weiten Welt, die er später
auf Pilgerfahrten, Kriegszügen und Gesandtschaftsreisen auch selbst bereiste. Aber was ihn besonders auszeichnete, war sein außergewöhnliches Talent für Musik und Gesang sowie eine feinfühlende Hingabe für Poetik und Lyrik. So hat er sich als Minnesänger an zahlreichen Fürsten- und Königshöfen einen Namen gemacht. In zwei erhaltenen handschriftlichen Aufzeichnungen können seine teils autobiografischen Lieder heute noch interpretiert und nachempfunden werden. Natürlich behagte einem so weltgewandten Manne, wie Oswald es war, das zurückgezogene Leben auf Hauenstein nicht so sehr. Im Sommer 1417 heiratete Oswald die adelige Margareta von Schwangau. Margareta war bekannt für ihre Schönheit, ihre Fähigkeit zu lesen und zu schreiben sowie für ihren Gesang. Oswald von Wolkenstein widmete ihr mehrere Liebeslieder, die zu den schönsten des deutschen Mittelalters gehören. Mit seiner „Gret“, wie er sie liebevoll nannte, zog Oswald nach einigen Jahren zu
„seiner“ Burg im Hauensteiner Wald, auch um die Erbstreitigkeiten zu bereinigen und den Unterhalt seiner Familie zu sichern. Das Paar hatte sieben Kinder, aber das zurückgezogene Leben als Burgritter und Familienvater war nun wirklich nicht das Seine. So beklagte Oswald sich in einigen seiner Lieder über die Einsamkeit im dunklen Forst, über das anstrengende Familienleben und den Umgang mit den „rußigen“ Bauern. Und es wäre nicht Oswald gewesen, hätte er sich nicht in seiner zweiten Lebensphase zusammen mit seinen Brüdern auf eine Revolte des Tiroler Adels gegen den Landesfürsten Friedrich IV. eingelassen. Trotz einiger Widerstände konnten sich die Wolkensteiner – auch dank der guten Verbindungen von Oswald – gut schlagen und Besitz und Ansehen bewahren. Oswald von Wolkenstein bleibt bis heute unvergessen. Die Niederschriften seiner zahlreichen Balladen sind so wertvoll, dass er bis heute zu den bedeutendsten Sängern und Dichtern des deutschsprachigen Abendlandes gilt.
Der Verfall. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg Hauenstein noch erweitert, dann verfiel sie. Im Zuge von Restaurierungsarbeiten in den 1960er-Jahren wurden wertvolle Freskenteile freigelegt und andere mittelalterliche Gegenstände, darunter ein Bronzeschwert, aufgefunden. Auch die Burg Salegg wurde nach mehreren Besitzerwechseln im Laufe des 17. Jahrhunderts dem Verfall überlassen. Nach ihrem Verfall sollen die Glocke und der Altar in die MariaHilf-Kirche nach Seis am Schlern gebracht worden sein (das Kirchlein ist täglich für Besucher geöffnet). 2001 ließ die derzeitige Besitzerin, die Diözese Bozen-Brixen, das Mauerwerk beider Hinterlassenschaften sichern und die Anlagen renovieren. Beide Burgruinen sind absolut sehenswert und können jederzeit besichtigt werden. <
Der Themenweg Oswald von Wolkenstein Nahe der Talstation der Seiser Alm Bahn, in Seis am Schlern, führt ein Themenweg zu den beiden Ruinen. Er ist als kleine Familienwanderung (ohne Kinderwagen!) ausgelegt, etwa 5 Kilometer lang, mit einem Höhenunterschied von 280 Metern. Also kann man zwei Stunden einrechnen und in Bad Ratzes den Rückweg antreten. Der erlebnisreiche Rundweg mit seinen 15 Stationen führt durchwegs durch schattigen Wald und erzählt in kurzweiliger Weise Sagen und Geschichten aus dem Mittelalter. Auch für Naturliebhaber bietet dieser Weg viel Aufschlussreiches. Den Höhepunkt dieses sehr erlebnisreichen und kurzweiligen Wanderweges bilden zweifellos die beiden Ruinen, die einen wundervollen Ausblick über die Hochlandschaft unter dem Schlern-Gebirgsstock bieten. Sie sind gut abgesichert und problemlos erreichbar. Eine entsprechende Broschüre ist im Tourismusverein von Seis am Schlern erhältlich.
Der Oswald von Wolkenstein-Ritt Seit Jahrzehnten erinnert der weit über die Grenzen hinaus bekannte Oswald von Wolkenstein-Ritt im Frühsommer an den mächtigen Burgherren. Über drei Dutzend Südtiroler Reiterteams und ihre Pferde messen sich, ausgehend von der Trostburg, an vier Turnierorten und feiern schließlich den umjubelten Sieg auf Schloss Prösels bei Völs am Schlern. Der Ritt ist jedes Mal ein riesiges Spektakel, authentisch gekennzeichnet durch die Trachten der Reiterinnen und Reiter, die am Tag zuvor bei einem großen Volksfest zur Schau getragen werden. Der Oswald von Wolkenstein-Ritt findet dieses Jahr vom 13.–15. Juni mit Festbetrieb in Völs am Schlern statt. www.ovwritt.com
Sommer | ALPE 39
40 ALPE | Sommer
Thomas Urthaler, aufgewachsen auf der Seiser Alm, ist als Architekt spezialisiert auf Hotelbau, Innenarchitektur und Holzbau.
In Stein gemeißelt In der Dolomitenregion Seiser Alm leben und arbeiten gar einige Architekten, die mit besonderen Projekten und speziellen Sichtweisen auf sich aufmerksam machen. Zu diesen zählt auch Thomas Urthaler. Er erzählt ALPE von seinem Projekt Gatschhof in Völs am Schlern.
thaler. „Umgekehrt habe ich versucht, seine Ideen bestmöglich ins Projekt zu integrieren.“
Der Begriff Hof hat verschiedene Bedeutungen. In Südtirol wird damit in der Regel ein landwirtschaftlicher Betrieb bzw. dessen Wohn- und Wirtschaftsgebäude bezeichnet. Es könnte aber auch ein prunkvoller Sitz eines regierenden Herrschers sein. Der Gatschhof in Völs am Schlern war Ersteres – und ist nach einem Neubau nun Wohnhaus und Beherbergungsbetrieb mit einem Hauch von Zweiterem. Insbesondere wenn man die Stallanlage inklusive weitläufiger, in Porphyrgestein gehauener Kunstgalerie und Eventbereich betrachtet, in der Hausherr und Hotelier Stephan Pramstrahler seine Vollblutaraberzucht betreibt. Pramstrahlers Ausgangsidee für dieses außergewöhnliche Projekt war die Verbindung seiner Leidenschaft für Pferdezucht und Kunst mit modernen und besonderen Ferienwohnungen sowie einem Heim für die eigene Familie. Diese Vision in die Realität umgesetzt hat er schließlich mit Thomas Urthaler, ein Architekt, der in Seis am Schlern lebt „Unsere Zusammenarbeit war sehr spannend und bereichernd, was unter anderem damit zusammenhängt, dass der Bauherr sehr innovativ und experimentierfreudig ist. Er hat meine Vorschläge mitgetragen, auch wenn sie ungewöhnlicher waren oder die Umsetzung mitunter etwas komplexer war oder mehr Zeit in Anspruch genommen hat“, sagt Ur
Als zentrales und übergreifendes Thema habe man auf Stein gesetzt. „Der Fels ist vom Pferdestall bis hin zum obersten Geschoss sichtbar und spürbar mit dem Innenbereich verwoben“, führt der Architekt aus. Eine Besonderheit sind in diesem Zusammenhang die Säulen aus Porphyrgestein, die während der Aushubarbeiten für das Gebäude freigelegt wurden und nun Mitten im einige Meter hohen Stall stehen, der wie eine überdimensionale Höhle anmutet und zugleich als Kunstgalerie fungiert.
„ Eine Besonderheit sind die Säulen aus Porphyrgestein, die während der Aushubarbeiten für das Gebäude freigelegt wurden und nun Mitten im einige Meter hohen Stall stehen, der zugleich als Kunstgalerie fungiert.“ Thomas Urthaler
Dass neben wertvollen Werken international renommierter Kunstschaffender Pferdezucht betrieben wird, ist nicht allen Galeriebesucherinnen und -besuchern auf den ersten Blick klar. Das mag mit dem ausgeklügelten Beleuchtungskonzept und der hochklassigen Soundanlage, über die klassische Musik eingespielt wird, zusammenhängen. Liegt
Text: Simone Treibenreif Fotos: Helmuth Rier
Sommer | ALPE 41
42 ALPE | Sommer
Nach außen ist der Gatschhof an der traditionellen Bauweise der Region mit viel Holz und viel Stein orientiert (links), im Inneren findet sich der einige Meter hohe Pferdestall, der wie eine überdimensionale Höhle anmutet und zugleich als Kunstgalerie fungiert (rechts).
DAS PROJEKT VOM ANFANG BIS ZUM ENDE – WARUM THOMAS URTHALER DIE BAULEITUNG SPASS MACHT „An meinem Beruf gefällt mir all das am besten, wo es keine Behördengänge braucht bzw. keine Bürokratie gibt. Deshalb mag ich auch die Innenarchitektur und die Bauleitung besonders gern. Scherz beiseite: Die Innenarchitektur ist ein sehr wichtiger Teil der Architektur. Wer ein Haus baut, muss sich schließlich sehr gut überlegen, wie es innen aufgebaut und eingeteilt sein soll. Die Funktion eines Gebäudes ist das Wichtigste, nicht die Hülle. Deshalb arbeite ich nach dem Grundsatz: Ich muss mir als Architekt kein Denkmal bauen, sondern auf die Kundenwünsche eingehen. Zudem gefällt es mir, mich mit der Einrichtung auseinanderzusetzen, mich mit Details, Farben und Stoffen zu beschäftigen. Das hängt wohl auch mit meinem Interesse an Kunst zusammen. Großen Spaß bereitet mir zudem die Bauleitung. Einige meiner Architektenkollegen übergeben die Bauleitung der Projekte nach der Planung gerne an andere, ich dagegen mag es, meine Projekte vom Anfang bis zum Schluss zu betreuen. Es gefällt mir, wie diese sich entwickeln, wie sie wachsen, wie sie Schritt für Schritt vorankommen und schließlich fertig sind – und welche Freude sie den Bauherrinnen und -herren bereiten. Ich mag auch die Koordination der Arbeiten und die direkte Zusammenarbeit mit den verschiedenen Handwerkern. Und wenn es zu etwas Unvorhergesehenem oder Unerwartetem kommt, dann gefällt es mir, vor Ort praktische und umsetzbare Lösungen gemeinsam mit den Handwerkern zu finden. Welche Überraschungen ein Bauprozess auch bietet: Ich lasse mich davon nicht (schnell) aus dem Konzept bringen.“
aber wohl auch an einer „stalltechnischen“ Besonderheit. „Zur natürlichen Durchlüftung der Stallanlage gibt es zwei große Luftschächte. Zur Vermeidung einer Geruchsentwicklung im Stall und um das Gebäude wurde aber zudem eine automatisierte Mistabsaugung für jede Pferdebox eingerichtet“, erklärt Urthaler und ergänzt mit einem Schmunzeln. „Diese Anlage saugt den Mist mit hohem Unterdruck und einer Geschwindigkeit von etwa 30 Metern pro Sekunde 100 Meter weit vom Stall weg.“ Dadurch ist es problemlos möglich, im direkt an den Stall anschließenden Eventbereich Gourmetabende zu veranstalten. Dieser Raum ist ebenfalls direkt in den Felsen gehauen, sodass der Naturstein auch hier allgegenwärtig ist.
Oberhalb dieses Sockelgeschosses sind die beiden Wohngebäude positioniert: ein Haus zur privaten Nutzung und ein Ferienhaus mit vier exklusiven Wohnungen, die durch die Hanglage zum Teil ebenfalls direkt am Felsen angebaut sind. „Die Innenbereiche sind allesamt auf dem modernsten technischen Stand und mit maximalem Komfort gestaltet“, betont Urthaler. „Doch nach außen hin ist der Gatschhof an der traditionellen Bauweise der Region mit viel Holz und viel Stein orientiert, sodass sich der Gebäudekomplex fließend in die umliegende Landschaft einfügt.“ Dieser Eindruck soll durch die natürliche und weitläufige Gestaltung des Außenbereichs mit Badeteich und Felsgarten unterstützt werden.
Sommer | ALPE 43
DER ARCHITEKT Thomas Urthaler, Jahrgang 1978, ist auf der Seiser Alm aufgewachsen. Nach dem Besuch des Franziskanergymnasiums in Bozen entschied er sich für ein Architekturstudium an der Universität Innsbruck, das er 2004 abschloss. Anschließend war er für drei Jahre bei einem Nordtiroler Designstudio im Bereich Möbeldesign für verschiedenste Auftraggeber tätig. Dann schloss er sich mit zwei Studienkollegen zur Bürogemeinschaft SO ARCHITECTS mit Sitz in Bozen zusammen. Am Anfang seiner Selbstständigkeit entwarf und betreute Urthaler rund zehn Jahre lang vor allem touristische Projekte in Nordtirol, insbesondere im Zillertal. Mittlerweile hat sich sein Arbeitsmittelpunkt mehr ins Schlerngebiet verlagert, wo er auch lebt. Als seine Fachgebiete bezeichnet Urthaler den Hotelbau, die Innenarchitektur und den Holzbau. Letzteres ist ein Bereich, in dem er immer wieder mit seiner Ehefrau Astrid, einer Holzbauingenieurin, zusammenarbeitet. Holz beschäftigt Thomas Urthaler übrigens auch in seiner Freizeit: Zur Entspannung schnitzt er Holzfiguren in unterschiedlichsten Größen – wobei er sich meist vom Ausgangsmaterial zum Endprodukt leiten lässt und nicht bereits mit einer fixen Idee an das Bearbeiten eines Stück Holzes geht.
„Zur Vermeidung einer Geruchsentwicklung im Stall und um das Gebäude wurde eine automatisierte Mistabsaugung für jede Pferdebox eingerichtet. Diese Anlage saugt den Mist mit hohem Unterdruck und einer Geschwindigkeit von etwa 30 Metern pro Sekunde 100 Meter weit vom Stall weg.“ Thomas Urthaler
Das Wohnhaus ist in Massivholzbauweise konstruiert, das Haus mit den Ferienwohnungen mit Dämmziegeln. „Für die Fassadengestaltung und die Außenanlagen sind fast ausschließlich Baustoffe aus der direkten Umgebung zum Einsatz gekommen“, berichtet Architekt Urthaler. „Unmittelbare Bezüge und die Verwendung von natürlichen Materialien in ihrer ursprünglichen Form wurden bei der Realisierung des Projekts immer großgeschrieben.“ Auch auf einen sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen wurde geachtet, so sorgt beispielsweise eine Wärmepumpe mit Erdwärmetauscher für die Beheizung und das Regenwasser wird zentral gesammelt und vollständig wiederverwendet. In den Innenräumen wurde auf Materialien wie Holz, Stoff, Stahl und Glas gesetzt.
44 ALPE | Sommer
„Diese haben wir“, so Urthaler, „möglichst roh und auf sich selbst reduziert eingesetzt, weil sie dadurch wunderbar zum dahinter liegenden, sichtbaren und ursprünglich belassenen Felsen passen.“ Und nach außen hin bieten die großformatigen und rahmenlosen Fenster einen freien Blick in die umgebende Berglandschaft. „Damit“, unterstreicht der Architekt, „schließt sich der Kreis: innen Felsen, außen Felsen, rundum Felsen.“ <
Hier können Sie Teil 1, 2 und 3 der ALPEArchitekturserie nachlesen.
Graupenrisotto oder Orzotto Die Gerste wird im deutschsprachigen Raum auch Graupen genannt, im Italienischen bezeichnet man sie als Orzo. Die Gerstensuppe ist wohl eines der traditionellsten Südtiroler Gerichte und bei den Gästen sehr beliebt. Auch in der italienischen Küche findet die Gerste eine schmackhafte Verwendung. Sie wird wie ein klassischer italienischer Risotto gekocht und kommt als „Orzotto“ in vielen schmackhaften Variationen auch häufig in Südtirol auf den Tisch. Am besten kocht man den Orzotto mit dem Gemüse der Saison, im Winter zum Beispiel mit Radicchio und einem würzigen Blauschimmelkäse. Gerste ist sehr gesund, sie enthält wenige Fette dafür aber wichtige Nährstoffe.
ZUTATEN
ZUBEREITUNG
(für 4 Personen) 2 EL Olivenöl 1 Zwiebel 250 g Gerste 1/8 l Weißwein ca. 1 ½ l heißes Wasser 1 Karotte 1 Zucchini 1 gelbe und rote Paprika 1 Tomate Butter und Parmesan frische Kräuter
Die klein geschnittene Zwiebel andünsten, die Gerste dazugeben und gut unterrühren. Dann mit Weißwein löschen und die Flüssigkeit kurz einkochen lassen. Das klein geschnittene Gemüse hinzufügen. Mit heißem Wasser immer wieder aufgießen und köcheln lassen (ca. 40. Min.), bis die Körner weich sind. Immer wieder gut umrühren. Bevor der Orzotto serviert wird, ein Stück Butter und zum Schluss den Parmesan gut unterrühren. Frische Kräuter darüber streuen und sofort servieren.
Rezept: Barbara Pichler Foto: Helmuth Rier
Sommer | ALPE 45
Foto: SAM: Helmuth Rier
Foto: SAM/Armin Mayr
Foto: SAM/Armin Huber
Highlights Sommer 2025
5. Mai – 27. Juni 2025
Sommer 2025
13. – 15. Juni 2025
Juli – August 2025
SEISER ALM BALANCE
SCHLOSS PRÖSELS IM SOMMER
42. OSWALD VON WOLKENSTEIN-RITT
HEXENNÄCHTE IN SEIS UND KASTELRUTH
Vom 1. Mai bis 31. Oktober kann Schloss Prösels, der wohl bedeutendste Burgenbau Tirols aus maximilianischer Zeit, besucht werden. Die Schlossführungen beleuchten die Geschichte des Schlosses und jene der Herren von Völs, beide eng miteinander verwoben. In speziellen Kinderführungen unter der Leitung von „Hexe Martha“ tauchen Kinder in die Welt der Sagen ein und erfahren Wissenswertes über die Heilkunst in vergangenen Zeiten. Bei Kinderführungen mit Ritter Friedrich von Hauenstein eröffnet sich den Kindern die Welt der Ritter, Knappen und Edelfrauen. Konzerte, Lesungen und sonstige Veranstaltungen runden das Kulturprogramm des Schlosses ab. Auf Schloss Prösels gibt es zwei Outdoor-Escapes. Dort können Kinder (ab 9 Jahren) in Begleitung ihrer Eltern, Jugendliche und Erwachsene in Gruppen bis fünf Personen ihren Spürsinn, ihre Kreativität und Teamfähigkeit, ihr logisch-mathematisches Denken und vor allem ihre Lern- und Spaßfähigkeit unter Beweis stellen. Und während sich die Kinder auf dem Kinderspielplatz vergnügen, können sich die Eltern in der Schlossbar lokalen Genüssen hingeben. schloss-proesels.it
Drei Tage, vier Turnierorte und 36 Mannschaften: Zu Ehren des Ritters und Dichters Oswald von Wolkenstein veranstalten Kastelruth, Seis am Schlern und Völs am Schlern nun zum 42. Mal ein historisches Reitspektakel der Superlative. Am 13., 14. und 15. Juni 2025 können Besucher beim Oswald von Wolkenstein-Ritt in das 14. Jahrhundert eintauchen und mittelalterlichen Flair, meisterliche Reitkunst und Südtiroler Gastfreundschaft erleben. Keine andere Reitveranstaltung vermag Kultur, Tradition, Geschichte, Sport und Folklore derart stimmig miteinander zu verbinden. Die Eröffnungsfeierlichkeiten samt Festeinzug und Dorffest finden in Völs am Schlern statt. ovwritt.com
Erlebt magische Abende in den Dorfzentren von Kastelruth und Seis am Schlern, denn bei den Hexennächten wird viel geboten! Verschiedene Live Bands sorgen für tolle Stimmung, während Volkstanzgruppen und Schuhplattler ihr Können zeigen. Für die Kleinsten gibt es abwechslungsreiche Kinderanimation und als Highlight tanzen die Hexen am Dorfplatz.
Draußen sein, in Bewegung kommen und gleichzeitig Ruhe, Entspannung und Genuss in der Natur finden – darum geht’s bei Seiser Alm Balance. Eine Morgenwanderung zum Schutzhaus Tschafon, eine geführte Blumenwanderung auf der Seiser Alm, eine Führung am Bauernhof mit anschließendem Mittagessen, eine orthopädische Fußanalyse, Yoga auf dem Kastelruther Kofel, Kneippen in Ratzes, Töpfern oder Weidenflechten… Diese Erlebnisse bieten Bewegung, Entspannung und Wohlbefinden für Körper und Geist. seiseralm.it/balance 1. – 15. Juni 2025
SCHLERNGENUSS DOLOMITES „100% VON DO“ In diesem Zeitraum erwarten euch in allen teilnehmenden Gastronomiebetrieben köstliche Gerichte aus Zutaten, die zu 100 % aus der Dolomitenregion Seiser Alm (null km) stammen. Feinschmecker erhalten Einblick in die große Auswahl der lokalen Spezialitäten. Die Auftaktveranstaltung „Bergler Harass-Picknick unterm Rosengarten“ findet am 2. Juni um 12:00 Uhr in Tiers am Rosengarten statt. Ein weiteres Highlight ist die „Völser Dorfkuchl“ mit Schauküchen und gastronomischen Ständen in Völs am Schlern, die am 7. Juni ab 18:00 Uhr stattfindet. seiseralm.it/schlerngenuss
46 ALPE | Sommer
TERMINE > Mittwoch, 9. Juli, Seis > Dienstag, 15. Juli, Kastelruth > Mittwoch, 23. Juli, Seis > Dienstag, 29. Juli, Kastelruth > Mittwoch, 6. August, Seis > Dienstag, 12. August, Kastelruth > Montag, 18. August, Kastelruth 23. Juni – 8. September 2025
20./21. Juni 2025
OPEN AIR DER KASTELRUTHER SPATZEN Viele Tausende Fans kommen nach Seis am Schlern, um die herrliche Kulisse unter freiem Himmel zu genießen und die Spatzen live zu erleben. Seit über 30 Jahren steht die erfolgreichste Volksmusikgruppe Südtirols und eine der bedeutendsten im deutschsprachigen Raum auf der großen Bühne – das Kastelruther Spatzen Open Air ist neben dem Spatzen-Fest im Oktober und dem Weihnachtskonzert einer der drei Fixtermine im Kalenderjahr.
SUMMER CLASSICS IN SEIS AM SCHLERN Für Liebhaber klassischer Musik bietet Seis am Schlern eine außergewöhnliche Konzertreihe an. Künstler, die vorwiegend aus Italien stammen und auf internationale Erfahrung bauen, spielen Werke großer Komponisten. Die Konzerte finden montags um 21:00 Uhr statt. TERMINE > 23. und 30. Juni 2025 > 7. und 14. Juli 2025 > 18. und 25. August 2025 > 1. und 8. September 2025
Foto: SAM: Helmuth Rier
Foto: SAM/Armin Mayr
Foto: SAM: Helmuth Rier
30. Juni – 29. August 2025
6. Juli 2025
24. August 2025
1. – 31. Oktober 2025
SEISER ALM FAMILIENSOMMER
12. SEISER ALM HALBMARATHON
INTERNATIONALES ALPHORNBLÄSERTREFFEN
48. VÖLSER KUCHLKASTL
Im Sommer verwandelt sich die Seiser Alm in ein Familienparadies: Bei „Dolomiti Ranger“ erkunden kleine und große Spürnasen den Naturpark Schlern-Rosengarten. Familien lauern nachtaktiven Tieren auf, erkunden die Welt der Bienen und begeben sich auf Spurensuche im Naturpark. Wer das Leben auf dem Bauernhof erkunden möchte, auf den wartet das „Erlebnis Bauernhof“. Neben tierischen Erlebnissen mit Pferd und Schaf erfahren Familien auch den Weg von der Milch zum Käse. Auch im Brotbacken können sich die kleinen und großen Bäuerinnen und Bauern üben.
21 Kilometer, 601 Höhenmeter und und erstmals 900 Startplätze. Das sind die Kennzahlen des Seiser Alm Halbmarathons mit Start und Ziel in Compatsch. Eingebettet in das UNESCO Welterbe der Dolomiten bildet der Seiser Alm Halbmarathon ein einmaliges Naturerlebnis und sportliche Herausforderung für Freizeitsportler und Profis. Vorbei an den imposanten Gesteinsformationen von Schlern, Plattkofel, Langkofel und den Rosszähnen schlängelt sich die Wettkampfstrecke bis zum höchsten Punkt auf 2.050 Metern unterhalb des Goldknopfs. Von dort führt die Strecke zurück nach Compatsch. running.seiseralm.it
Das traditionelle internationale Treffen der Alphornbläser bietet Gelegenheit namhafte Alphornbläser aus der ganzen Welt zu hören und das beeindruckende Panorama der Seiser Alm zu genießen.
Seit 48 Jahren ist das Völser Kuchlkastl in Völs am Schlern der kulinarische Höhepunkt im Herbst. Feinschmecker und Liebhaber bodenständiger Kost kommen voll auf ihre Kosten, wenn die Völser Wirte vom 1. bis zum 31. Oktober zum „Gastronomischen Oktober“ laden. Die Völser Köche bereiten Originelles nach alten Rezepten auf verfeinerte Art zu. Ihr Motto: Alte Gerichte werden neu interpretiert und mit Liebe aufgetischt. voelserkuchlkastl.com
Vier Open-Air-Gourmetevents machen den Sommer rund um den Rosengarten und Schlern zum kulinarischen Erlebnis: Am 2. Juni lädt die Bergler Harass zu einem Picknick mit regionalen Produkten ein, die in eine Holzsteige („Harras“) gefüllt werden. Bei der „Völser Dorfkuchl“ am 7. Juni verwandeln kreative Schauküchen und Genussstände das Dorfzentrum in eine gastronomische Meile der ganz besonderen Art und am 13. Juli findet im Dorfzentrum das beliebte Bauernfrühstück statt. Am 17. Juli bietet die 100 m lange Berglertafel 170 Gästen ein 5-Gänge-Menü mit Panoramablick auf die Enrosadira am Rosengarten. seiseralm.it/kulinarischeerlebnisse
TRADITIONELLER ALMMARKT Jedes Jahr wird am 8. September der traditionelle Almmarkt in Compatsch veranstaltet. Begleitet von festlicher Live-Musik bieten Verkaufsstände verschiedene Waren und Spezialitäten feil. Herbst 2025
Sommer 2025
GENUSS-ERLEBNISSE UNTER FREIEM HIMMEL
8. September 2025
12. Juli 2025
ALMABTRIEBE
8. ROSENGARTEN SCHLERN SKY MARATHON
Nach der Sommersaison auf der Weide wird die Rückkehr des Viehs ins Tal gefeiert. Goaslschnolzer, Musik und typische Gerichte runden die Veranstaltungen ab. Der Almabtrieb von der Seiser Alm ins Tal findet am 4. Oktober statt, jener in Völs am Schlern und Tiers am Rosengarten am 5. Oktober 2025.
Eingebettet in die einmalige Kulisse des Dolomiten UNESCO Welterbes, findet in Tiers am Rosengarten ein Bergmarathon im alpinen Gelände mit einer Länge von 45 Kilometern und rund 3.000 Höhenmetern statt: der Rosengarten Schlern Sky Marathon. Der herausfordernde Berg lauf startet in St. Zyprian auf 1.136 Metern, umrundet das Rosengarten-Massiv und führt über Schlern und Tschafon zurück ins Dorfzentrum von Tiers. Der höchste Punkt des Sky Marathons liegt auf dem Grasleitenpass auf 2.630 Metern. skymarathontiers.it
10. – 12. Oktober 2025
KASTELRUTHERSPATZEN-FEST Feiern, gemeinsam schöne Abende verbringen, die Kastelruther Spatzen live erleben: Das Spatzen-Fest in Kastelruth ist ein Muss für jeden echten Fan. Umgeben von der einmaligen Kulisse der Dolomiten können sich alle von den „Helden der Volksmusik“ verzaubern lassen. Denn auch die Lieder der sieben Spatzen klingen „richtig gut nur daheim in Kastelruth“.
2. September – 31. Oktober 2025
HERBSTGENUSS AM BERG Im goldenen Herbst erwartet euch eine ganz besondere Stimmung in der Dolomitenregion Seiser Alm. Der Seiser Alm Bergherbst verbindet Outdoor-Erlebnisse mit einzigartiger Landschaft und genussvollen Momenten. Es werden Sonnenaufgangswanderungen auf die schönsten Gipfel unserer Dolomitenregion mit Frühstück in den Schutzhütten angeboten. Geführte Wanderungen, eine Genuss - E-MTB Tour, Kochkurse und Führungen bei lokalen Produzenten machen das Programm komplett. seiseralm.it/bergherbst
Sommer | ALPE 47
Foto: SAM/Fabian Dalpiaz
Foto: SAM/Helmuth Rier
Foto: SAM/Helmuth Rier
Vorschau Winter 2025/26
Dezember 2025
Winter 2025/26
Winter 2025/26
WEIHNACHTSZAUBER IN DER DOLOMITEN REGION SEISER ALM
SCHLOSS PRÖSELS IM WINTER
WINTER-ERLEBNISSE ABSEITS DER PISTE
Schloss Prösels kann auch im Winter besichtigt werden. Diese winterlichen Schlossbesuche erweisen sich in Kombination mit einer traumhaften Winterwanderung als abwechslungsreiche Alternative zum Skifahren. Jeden Donnerstag, vom 8. Januar bis 12. März 2026, erwacht Schloss Prösels aus seinem Winterschlaf und öffnet um 15:00 Uhr seine Tore. Im Rahmen einer einstündigen Führung erfahren die Besucher Wissenswertes über das Schloss und seine früheren Bewohner. Gleichzeitig können drei Bilderausstellungen und eine reichhaltige Waffensammlung besichtigt werden. An drei Tagen (27.12.2025, 02.01.2026 und 19.02.2026) finden um 15:00 Uhr „Winterliche GenussKulturtage“ auf Schloss Prösels statt. Dabei bietet sich den Gästen die Gelegenheit, im Anschluss an die Schlossführung typische lokale Produkte gratis zu verkosten, die von den Produzenten an Ständen im Schlosshof angeboten werden, begleitet mit Live-Musik. schloss-proesels.it
Die Natur mit allen Sinnen erleben! In Kastelruth gibt es eine mystische Vollmond-Nachtwanderung und eine Käsereiführung mit Verkostung. In Seis genießen wir die Dämmerstimmung, entdecken traditionelle Gerichte und backen Brot. Genießer in Völs erleben „In vino veritas“ und Kulturtage auf Schloss Prösels. In Tiers erkunden wir das verschneite Tschamintal mit Schneeschuhen und genießen Hüttenromantik mit Suppe und Ziehharmonika-Klängen. Auf der Seiser Alm locken Vollmond-Wanderungen mit Hüttenabendessen sowie Kaiserschmarrn- und Knödelkochkurse. seiseralm.it/winteradventure
Wenn der Duft von Lebkuchen, Zimt und Glühwein in der Luft liegt, dann ist wieder Adventszeit am Fuße des Schlern. In der Zeit vor Weihnachten geht es in der Dolomitenregion Seiser Alm recht besinnlich zu. Die Weihnachtsmärkte in den Dörfern Kastelruth, Seis, Völs und Tiers sind klein aber fein und stimmen Gäste und Einheimische, abseits des Trubels der Städte, auf die Weihnachtszeit ein. Mit traditionellem Handwerk, Spezialitäten der Südtiroler Küche und weihnachtlichen Klängen laden sie zum gemütlichen Beisammensein ein. TERMINE 18. Kastelruther Bergweihnacht > 5.–8. Dezember 2025 > 12.–14. Dezember 2025 > 13. Dezember 2025: Krampuslauf > 19.–21. Dezember 2025 > 19. Dezember 2025: Weihnachtskonzert der Kastelruther Spatzen > 24. Dezember 2025 > 26.–28. Dezember 2025 Christkindl wortn in Völs am Schlern > 6.–8. Dezember 2025 > 13.–14. Dezember 2025 > 20.–21. Dezember 2025 > 27.–28. Dezember 2025 > 3. Januar 2026
48 ALPE | Sommer
Bergler Winter in Tiers am Rosengarten Genuss mit einheimischen Produkten > 6. Dezember 2025 > 27. Dezember 2025 Seis on Ice Eislaufspaß mit abwechslungsreichem Unterhaltungsprogramm für Groß und Klein. > Anfang Dezember - Mitte Januar
Eine Anmeldung zu den Winterführungen per Mail an info@schloss-proesels.it bis zum Tag der Veranstaltung um 12:00 Uhr ist Voraussetzung.
Winter 2025/26
NATURPARKHAUS SCHLERN-ROSENGARTEN Während draußen die Natur ruht, gewährt das Naturparkhaus in Seis am Schlern Einblicke in die vielfältige und faszinierende Tier- und Pflanzenwelt des Naturparks Schlern-Rosengarten. Ein besonderer Fokus gilt in diesem Winter der Rückkehr des Wolfes und dem Umgang der Menschen mit ihm. Im Rahmen der Ausstellung «Der Wolf ist da» werden Personen, die sich von Berufs wegen mit diesem Tier befassen, von ihren Erfahrungen berichten. Das Naturparkhaus kann während der Öffnungszeiten kostenlos besichtigt werden. seiseralm.it/naturparkhaus
Foto: SAM/Fabian Dalpiaz
Foto: SAM/ASP Foto: SAM/Armin Mayr
Winter 2025/26
30. Januar 2026
März/April 2026
8. März 2026
DOLOMITI RANGER IM NATURPARK SCHLERN-ROSENGARTEN
SÜDTIROL MOONLIGHT CLASSIC SEISER ALM
EARLY BIRD SKIING MIT ALMFRÜHSTÜCK
DOLOMITES DIRNDL SKI DAY
Sportlicher Wettkampf im Fackelschein, Kräftemessen auf internationalem Niveau und Sportgenuss vor traumhafter Winterkulisse auf der größten Hochalm Europas: Auch 2026 lockt das Moonlight Classic Langlaufrennen wieder zahlreiche Sportler und Langlauffans zu einer ungewöhnlichen Zeit auf die nächtliche Seiser Alm. Für die Teilnehmer stehen zwei unterschiedliche Distanzen zur Auswahl – einmal mit 30 und einmal mit 15 Kilometern Länge. Die Rundloipen mit Start und Ziel in Compatsch sind ausschließlich im Diagonalstil zu befahren. Der Startschuss für das Langlaufspektakel fällt um 20:00 Uhr. Anmeldung erforderlich: moonlightclassic.info
Exklusives Skierlebnis für Frühaufsteher mit anschließendem Frühstück auf der Seiser Alm. Einmal in der Woche öffnet abwechselnd exklusiv ein Skilift bereits um 7:00 Uhr. Frühaufsteher können auf frisch präparierten, menschenleeren Pisten die erste Spur in den Schnee ziehen und die besondere Morgenstimmung auf der größten Hochalm Europas genießen, während sie von Skilehrern begleitet werden und wertvolle Tipps erhalten. Um 9:00 Uhr geht es zum gemeinsamen Frühstück in die Berghütte.
Am 8. März 2026, anlässlich des Weltfrauentags, findet der Dolomites Dirndl Day auf der Seiser Alm statt. Teilnehmen können an diesem lustigen Sportevent ausschließlich Frauen in Zweierteams (Freundinnen, Schwestern, Mütter/Töchter) ab 18 Jahren. Gestartet wird im Dirndl zu einem Parallel Slalom. Ein Teil des Erlöses kommt dem Verein „Frauen helfen Frauen“ zugute.
Eine Entdeckungsreise in die Winterwelt der Tiere und Hexen für die ganze Familie! Gemeinsam mit einem Ranger begeben wir uns beim Völser Weiher auf Spurensuche der Wildtiere. Dabei lernen wir, wie sie sich auf den Winter vorbereiten, entdecken die verschiedenen Winterphänomene und lernen wie sich die Tierwelt an die Kälte anpasst. Unter fachkundiger Führung untersuchen wir den Schnee und wandern durch den Winterwald bis zum Hexenstein. Dort lauschen wir Hexe Martha und ihren spannenden Sagen über Hexen und Hexenmeister. seiseralm.it/dolomiti-ranger 18. Januar 2026
DIE KASTELRUTHER BAUERNHOCHZEIT Mittlerweile ist sie schon zur Tradition geworden: die Kastelruther Bauernhochzeit. Dabei handelt es sich um die originalgetreue Nachstellung einer historischen Bauernhochzeit, wie sie am Fuße der Seiser Alm üblich war. Höhepunkt des Spektakels ist der Hochzeitsumzug von St. Valentin nach Kastelruth. Die Hochzeitsgesellschaft zieht in traditionellen Trachten gekleidet mit prächtig geschmückten Pferdeschlitten in das Zentrum von Kastelruth und nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert.
Februar 2026
TRADITIONELLES SKIJÖRING AUF DER SEISER ALM Faszinierende Kombination aus Ski und Pferdestärken! Beim Skijöring werden Skifahrer von Pferden über eine präparierte Strecke gezogen und liefern sich spannende Rennen. Ein spektakuläres Erlebnis für Teilnehmer und Zuschauer.
TERMINE > Mittwoch, 4. März 2026 > Mittwoch, 11. März 2026 > Mittwoch, 18. März 2026 > Mittwoch, 25. März 2026 > Mittwoch, 1. April 2026
März 2026
18. SWING ON SNOW WINTER MUSIC FESTIVAL Jazzmusik auf der Hütte, Soul auf der Piste oder traditionelle Takte abends im Restaurant: Bands aus dem Alpenraum in der Dolomitenregion Seiser Alm sorgen beim Swing on Snow Winter Music Festival von früh bis spät für gute Stimmung. Die Musikgruppen bringen Jung und Alt in Schwung und unterhalten Pistensportler sowie Musikliebhaber gleichermaßen. Die zeitgemäßen Interpretationen traditioneller Volksmusik gemischt mit Jazz, Soul und Pop spiegeln die musikalische Kultur des Alpenraumes wieder. Die Zuhörer können zu flotten Beats und Rhythmen swingen und die Abfahrten genießen, während die Musikanten auf Tuba, Bass, Hackbrett und Akkordeon ihr musikalisches Können zeigen. Gespielt wird vormittags bei der Talstation der Seiser Alm Bahn und auf den Pisten der Seiser Alm, mittags in den Hütten und abends in den Dörfern Kastelruth, Seis am Schlern, Völs am Schlern und Tiers am Rosengarten. swingonsnow.com
Sommer | ALPE 49
Foto: SAM/Helmuth Rier
Gesehen & gehört
Höher hinauf Am 1. Juni 2025 nimmt die neue Kabinenbahn Marinzen in Kastelruth ihren Betrieb auf. Diese ersetzt nach 40 Jahren den in die Jahre gekommenen Sessellift, der vom Dorf auf die Marinzen Alm führte. Die neue Aufstiegsanlage befördert die Fahrgäste sicher und bequem in einer der 28 10er-Kabinen und bewältigt einen Höhenunterschied von 428 Metern in wenigen Minuten. Es können auch mühelos Kinderwagen, Fahrräder und Hunde mittransportiert werden. Auf der idyllischen Marinzen Alm erwarten die Besucher*innen ein fantastischer Panoramablick, ein neuer Kinder-Erlebnis-Spielpark sowie eine urige Hütte mit großer Sonnenterrasse zum Einkehren. Die Alm ist auch ein idealer Ausgangspunkt für Spaziergänge und Wanderungen in den Dolomiten. Die Bahn fährt in der Sommer saison bis 2. November täglich von 9:00 bis 17:30 Uhr.
„Woodwalkers“, ein Fantasyfilm für die ganze Familie nach der gleichnamigen Romanreihe von Katja Brandis, feierte im Oktober 2024 Premiere. Der Film ist der erste Teil der Fantasy-Trilogie und wurde unter der Regie von Damian John Harper teilweise in Südtirol gedreht. Das Abenteuer von Carag zieht junge Zuschauer*innen mit seiner zeitgemäßen Thematik und großem Einfühlungsvermögen für die Teenagersorgen unserer Tage in den Bann. Dreharbeiten zum zweiten Teil fanden letzten Herbst auch am schmucken Gatschhof in Völs am Schlern statt.
Foto: IDM/Film Commission Südtirol
Renderin: Thomas Urthaler
Team Seiser Alm feiert sportliche Erfolge. Wir freuen uns mit dem Team Seiser Alm über die sportlichen Erfolge in der vergangenen Wintersaison 2024/25. Für den erfolgreichen Naturbahnrodler Patrick Pigneter war es leider die letzte Saison. Vor seinem Abschied aus dem Rennsport holte er sich noch WM-Bronze in Kühtai (Tirol). Im Doppelsitzerbewerb hingegen war Tobias Paur erfolgreich und wurde im Gesamt-Weltcup Dritter und holte bei der WM in Kühtai Bronze. Zwei EM-Bronzemedaillen nahm die Kunstbahnrodlerin Andrea Vötter aus Winterberg (Deutschland) mit nach Völs. Vötters Teamkollegin Sandra Robatscher belegte im Nationencup in der Gesamtwertung den 2. Platz. Leon Haselrieder sicherte sich im Kunstbahnrodeln in der Kategorie Junioren den 1. Platz im Gesamtweltcup. Der Telemarker Raphael Mahlknecht errang beim Weltcup in Pinzolo (Italien) den 2. Platz im Sprint. Maria Gasslitter war im Freeski Slopestyle und Big Air sehr erfolgreich und gewann überlegen die Gesamtwertung im Europacup. Der Snowboarder Aaron March holte vier Weltcup Podestplätze, darunter den Sieg im Parallel Slalom von Bad Gastein (Salzburg) und gewann zudem Bronze bei der WM in St. Moritz (Schweiz). Last but not least machte Tommy Rabanser von sich reden, er gewann überlegen die Europacup-Gesamtwertung und holte bei der Junioren WM in Zakopane (Polen) zweimal Silber im Parallel Slalom und im Parallel Giant Slalom. Herzliche Gratulation!
IMPRESSUM. ALPE: Registriert beim Gericht Bozen, Dekret Nr. 9/2002 R.St. Herausgeber: Seiser Alm Marketing, 39050 Völs am Schlern, Dorfstr. 15, Tel. +39 0471 709 600, Fax +39 0471 704 199, info@seiseralm.it, www.seiseralm.it; Presserechtlich verantwortlich: Elisabeth Augustin. Redaktionsteam: Elisabeth Augustin, Rosa Maria Erlacher, Sabine Funk, Annelies Stifter, Barbara Pichler, Katja Sanin, Simone Treibenreif. Übersetzungen: Bonetti & Peroni. Werbung: Sabine Demetz, Christoph Trocker. Fotos: Helmuth Rier. Grafik: Komma Graphik. Druck: Litopat.
50 ALPE | Sommer
für die Dolomitenregion Seiser Alm EIN WICHTIGES ETAPPENZIEL Die Auszeichnung bekräftigt die kontinuierlichen Bemühungen auf dem Weg zu einem nachhaltigen Tourismus, damit die Dolomitenregion auch in Zukunft eine lebenswerte Heimat für die Bewohner und ein begehrliches Urlaubsziel bleibt! WAS UNS AM HERZEN LIEGT · Wasser respektvoll nutzen · Einwegplastik reduzieren · Lokale Produkte genießen · Öffentliche Mobilität nutzen · Nachhaltige Unterkünfte wählen · Müll vermeiden · Natur sauber hinterlassen · Müll richtig entsorgen · Auf den ausgewiesenen Wegen bleiben · Blumen nur bewundern · Traditionen & Kultur bewahren · Region bewusst genießen · Wildtiere respektieren · Hunde an der Leine führen · Angebote & Erlebnisse vor Ort wählen · Dolomitenregion mit Respekt behandeln Helfen auch SIE uns, die Dolomitenregion nachhaltig zu bewahren und für zukünftige Generationen zu schützen! *GSTC - UNABHÄNGIGE INSTITUTION, DIE WELTWEIT EINEN DER ZUVERLÄSSIGSTEN ZERTIFIZIERBAREN UND SOMIT GLAUBWÜRDIGSTEN STANDARDS FÜR NACHHALTIGEN TOURISMUS UND NACHHALTIGES REISEN DEFINIERT UND ETABLIERT
Weitere Tipps, damit der Aufenthalt in der Dolomitenregion auf nachhaltige Weise unvergessen bleibt: www.seiseralm.it/sustainable
®
GSTC DGD230101
Foto: SAM/Werner Dejori
GSTC* AUSZEICHNUNG & NACHHALTIGKEITSLABEL SÜDTIROL
www.raiffeisen.it
Werbemitteilung mit Verkaufsabsicht.
Nähe gibt uns Sicherheit.