Winter 2002
Horizonte Einblicke (China 01/02) – Ein neues Kürzel im AFS
Schwerpunkt 50 Jahre Austausschüler in Deutschland
AFS Damals Rückblick
Lokal & Global „Das eigene fremde Andere – der Islam und Europa“
Tellerrand Tausend Gesichter, eine Herzlichkeit – als Austauschstudentin in Argentinien
AFS ist eine gemeinnützige, politisch und religiös unabhängige Ehrenamtlichenorganisation, die langfristigen weltweiten Jugendaustausch ermöglicht.
www.afser.de/Horizonte www.afs.de/Horizonte
Inhalt
etwas von der Vielfalt unserer interkulturellen Begegnungen einzufangen, ein Bindeglied zu sein für alle, die sich mit dem AFS und seiner Arbeit verbunden fühlen. Das Horizonte-Team wünscht Euch frohe Feiertage und einen guten Rutsch. Im Namen der Redaktion
Die HorizonteRedaktion
Neue Impulse für die Ehrenamtlichen-Arbeit schöpfen – diesmal war die MK ein ganz besonderer Höhepunkt und begeisterte alle Teilnehmer! Um den wachsenden Zahlen gerecht zu werden, müssen neue Formen der organisatorischen Unterstützung gefunden werden – Baden-Württemberger Komitees gehen innovativ voran.
AFSer zieht es immer wieder hinaus: zu ihren Gastfamilien und zurück in die Gastländer, zum Studium anderer Kontinente. Kosovo und Argentinien – Ehemalige berichten.
Julia Kayser
Jeder AFS-Jahrgang hat seine eigenen Erinnerungen: wichtige Mitarbeiterkonferenzen, Delegiertenversammlungen, Arbeitsgruppen. Auch dieses Jahr blicken wir in Zehn-Jahres-Schritten zurück.
Barbara Müller-Heiden
Generationen, unnötig auf dem Weg zu einer Dienstleistungsgesellschaft, an der auch AFS immer stärkeren Anteil hat? Dürfen wir doch ob unserer Begeisterung für interkulturelle Erfahrungen nicht den Zusammenhalt innerhalb unserer deutschen Organisation vernachlässigen. Unser Beitrag dazu: Auf zweimal 24 Seiten jährlich versuchen wir,
Rebekka Drobbe
das Komitee. Innerhalb eines halben Jahrhunderts ist ein bewunderswerter Zusammenhalt verschiedener Generationen mit unterschiedlichsten Kulturerfahrungen während ihres AFS-Jahres entstanden. Was müssen wir tun, damit dieser Wert erhalten bleiben? Ist er gar überflüssig für neu heranwachsende AFS-
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Tausend Gesichter, eine Herzlichkeit: Als Austauschstudentin in Argentinien................................. 21
Lokal & Global AFS Damals Rückblick auf die Jahre 1952, 1962, 1972, 1982, 1992 .................................... 14
Bekenntnisse eines Entführers ...... 16 Viel Neues im „Wilden Süden“ Pioneers go east............................ 17 Europa, ganz groß ......................... 18
Jubiläum in Berlin – Der Verein Berliner Austauschschüler feiert ................. 15
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Projektgruppe PTW Brasilien ........ 22
„Das eigene fremde Andere – der Islam und Europa“................... 19
Forum Persönliches Suchen & Finden Gewonnen & Gewinnen Impressum..................................... 23
André Seifert
„Es geht um eine gemeinsame Zukunft“ ................... 20
Florian Aue
Tellerrand
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Inhalt
A a c h e n ·A n h a l t·A u g s b u r g Bayreuth·Berlin·Bochum·Bonn das zu Ende gehende Jahr 2002 das Programmjahr 2002/2003 Liebe Freunde, hat bei vielen älteren AFSern gefunden werden! Ein herzliches B r a u n s c hwe i g·B r a n d e n b u rg Erinnerungen an die Frühzeit des Dankeschön geht an die Familien, AFS wach werden lassen: 50 Jahre die bereit sind, ihren Alltag mit B r e m e n · B r e m e r h a v e n Aufnahmeprogramm/Hosting einem jungen Menschen für in Deutschland – ein Grund ein Jahr zu teilen sowie an alle B a y e r i s c h - U n t e r m a i n zum Feiern! Was damals mit der am Programmablauf beteiligten Initiative der ersten AmerikaEhrenamtlichen. C e l l e · C h e m n i t z Rückkehrer im norddeutschen Wenn auch AFS sehr individuelle Raum begann, findet heute seine Erfahrung bietet, so haben daran C o b u r g· C o t t b u s·D a r m s t a d t Fortsetzung in 82 Komitees. Über immer sehr viele Menschen teil 400 Gastfamilien konnten für – Familien, Freunde, Mitschüler, Dortmund·Dresden·Düsseldorf Erlangen·Essen·Frank fur t /O. Frank fur t·Freiburg· Friedrichshafen·Gießen Die Geschichte von AFS ist untrennAFS-Arbeit in Deutschland findet G ö t t i n g e n · G r e i f s w a l d heute in mittlerweile 82 Komitees bar verbunden mit Helga von Hoffmann, die von 1952 bis 1991 im statt. Ländervielfalt beherrscht das H a l l e · H a m b u r g Bild der Programme. Die ersten vier deutschen AFS-Büro arbeitete. deutschen Schüler sind aus China H a n n o v e r · H e i d e l b e r g zurück, in Bosnien-Herzegovina Inge Rauschning zieht Bilanz über entsteht ein erstes Komitee. Grunddas Hosting – ist Familiensuche H a m b u r g - E l b e - N o r d s e e lage dafür: die Unterstützung durch doch eine große Herausforderung ehemalige Programmteilnehmer. für jeden Aktiven. H a r b u rg - S ü d e re l b e·I l m e n a u Karlsruhe·Kassel·Kiel·Koblenz Kö l n·Ko nsta n z·Le i n e b e r l a n d L i n k e r N i e d e r r h e i n· L ö r r a c h Leipzig·Lübeck·Ludwigsburg Lüneburg·Magdeburg M ü n c h e n · M ü n s t e r· NordfrieslandFlensburgSchleswig Nördliches Brandenburg Neustrelitz·Nürnber Oldenburg·Osnabrück Titelfoto Ostfriesland·Ostwestfalen-Lippe Schnell viele liebe Einblicke Grüße an Mum· und Passau Potsdam · Regensburg Dad. Deutschland (China 01/02) – finden Betty und Rechter Niederrhein·Rostock Ein neues Kürzel im AFS ................. 4 Schwerpunkt Jeane im übrigen „In Deutschland S a a rfabelhaft. b r ü c k e n · S a l z w e d e l Die AFS Mission: haben wir Helga…“ ......................... 7 Foto: Archiv AFS 50 Jahre alt und immer S c h w a r z w a l d - B a a r·S te n d a l wieder neu! ...................................... 5 Rückseite Die nächste Ausgabe der Helga = AFS Deutschland ............... 9 „Horizonte“ erscheint am Das aktuelle Komitee Zagreb in Sicht!............... 12 Schwäbisch-Hall·Siegen · Stuttgart 1. Juni 2003. Über eure Hosting – Freude und Hostingplakat Zuschriften uns!r i e r Herausforderung ........................... 10 AFSer helfen AFSern ..................... 13 S ü d pdes f aAFSl z · S c h wfreuen e r iwir n ·T Tübingen·Ulm·Wangen·Weimar· Wiesbaden · Wuppertal · Würzburg
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Einblicke
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Die AFS Mission: 50 Jahre alt und immer wieder neu! Ihr lieben AFSer in Nah und Fern!
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ieses Heft erreicht zum Jahreswechsel mittlerweile über 7000 ehemalige Teilnehmer, deren Familien, Freunde und Förderer. Am Ende des Jahres 2002 lest ihr auf diesen Seiten von den Anfängen des AFS Deutschland. Da wird berichtet von den 54 Gastschülern, die 1952 zum ersten Mal nach Deutschland kamen. Ihr lest davon, wie Helga von Hoffmann das erste ‚Overseas Office’, das die Gründer von AFS außerhalb der USA gestartet haben, in die Hand nahm und schnell zu einer lebendigen Organisation ausbaute. Aber es bleibt auf diesen Seiten nicht bei Nostalgie und Erinnerung. Der Beitrag einer Schülerin, die in diesem Sommer von ihrem AFSJahr in China zurückkehrte, ist ein Symbol dafür, wie zukunftsorientiert sich AFS nach 50 Jahren Geschichte in Deutschland zeigt. Für mich sind diese Erlebnisse das Aufregendste, was es zu berichten gibt. Ich war vor gut anderthalb Jahren auf der Auswahl dieser vier Teilnehmer. Und als ich die Spannung und die Fragezeichen in den Köpfen und Herzen dieser Schüler sah bei der Frage ‚Was erwartet uns in China?’, da habe ich ein bisschen von dem
begriffen, was das AFS Jahr vor 50 Jahren für die Schüler bedeutet haben muss, die zum ersten Mal den Schritt über den ‚großen Teich’ machten. China: Ein Land, dessen politischer Umbruch, dessen Wirtschaftswachstum, dessen Kultur, dessen politische Rolle die ganze Welt in den nächsten 50 Jahren mehr beschäftigen wird als bisher. Als ich vor drei Jahren Fred Balderston, AFS-Krankenwagenfahrer, Gründer und Mitglied auf Lebenszeit im internationalen Vorstand, in Peking traf und ihn fragte, ob er sich in seinen kühnsten Träumen 1946 hätte vorstellen können, dass AFS eines Tages China erreicht, sagte er: „Nein. Und ich kann es auch heute manchmal noch gar nicht glauben, was aus AFS geworden ist. Das ist mehr als ein Traum“. AFS in der Gegenwart, das geht über USA, Deutschland und China hinaus. Mit Hilfe von Förderern bauen wir die Programme von und nach Osteuropa aus. Wir wollen das weitergeben, was Jugendliche in Deutschland in den 50er Jahren mit dem Austausch in die USA erfahren haben: Das Erlebnis einer gesellschaftlichen Realität, in der die Begriffe Menschenrechte und persönliche Freiheit im Mittelpunkt der sozialen Ordnung stehen. Mit neuen Programmformaten, welche Schüler aus den USA, Deutschland
und Ländern des Nahen Osten zusammenbringen, versuchen wir, die Herausforderung der interkulturellen Begegnung mit der muslimischen Welt zu stemmen. Wir wollen eine für den AFS passende Antwort auf die aktuellen Terrorgeschehnisse in der Welt finden. Und immer geht es um den einzelnen Menschen. Es geht uns darum, die Herzen und Köpfe zu erreichen, ihnen zu zeigen, dass es ein Miteinander auf der Welt geben kann, wenn die Begegnung vom Respekt vor der Andersartigkeit geprägt ist und das Verstehen der Unterschiede entwickelt und ausgebaut wird. Angesichts der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen, angesichts der Geisteshaltung, welche die aktuelle Außenpolitik der einzigen Weltmacht im Weißen Haus zu bestimmen scheint, ein – wie ich finde – sehr wichtiges bildungspolitisches Ziel. Diejenigen unter uns, die tagtäglich aktive ehren- und hauptamtliche Arbeit im AFS leisten, sorgen dafür, dass die ‚Pferdestärken’, die in unserer Mission schlummern, auch geweckt und ‚auf die Strasse gebracht’ werden. Die Mitglieder, Freunde und Förderer, die eher still im Hintergrund mit ihren Beiträgen und auch mal einem anerkennenden Wort die Arbeit der Aktiven würdigen, sorgen dafür, dass das Engagement Teil einer größeren Bewegung wird und weiterentwickelt werden kann. Euch allen ein großes Danke für den Einsatz! Wenn wir es richtig anpacken, können schon in ein paar Jahren mindestens 7000 AFSer in China zum Jahreswechsel eine dortige Version der ‚AFS-Weihnachtshorizonte’ erhalten. Wir haben noch viel vor!
Foto: Tara Hoffmann
Ich wünsche Euch einen erholsamen Jahreswechsel! Herzliche Grüße Nils Bauer (USA 87/88) Vorstandsvorsitzender
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Besuch der Chinesischen Mauer mit AFS-Driver Fred Balderston 1999
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Siehe auch Schwerpunkt „Horizonte“ Frühjahr 2000 und „Deutsche Schü-
Einblicke
(China 01/02) – Ein neues Kürzel im AFS
ler erstmals nach Winter 2001
(o.l., u.r.) Die Schule hatte speziellen Chinesisch-Unterricht für uns organisiert. (o.r.) Die Mädchen vom Teezeremoniekurs waren alle jünger als ich und auch kleiner. Wenn unsere Lehrerin mit uns übte, musste ich aufpassen, dass ich nicht so krumm dastehe, da die Möbel so niedrig waren. In der Freizeit lernte ich Er-Hu, ein traditionelles Saiteninstrument
Eigentlich war Josephine Jungandreas (China 01/02)im Rahmen eines Sprachkurses schon mal in China. Es hatte ihr dort gefallen: Das Essen, die Großstadt, die Tempel, die Menschen – sie wollte wiederkommen. AFS bot ihr diese Möglichkeit. Sie war eine der ersten vier deutschen Schüler, die ihr AFS-Jahr in China verbrachten. Für die „Horizonte“ schildert sie einige ihrer noch frischen Eindrücke.
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chon nach der 10. Klasse wollte ich eigentlich nach China, aber keine Austauschorganisation hatte China im Programm. Ein Jahr später, als ich schon gar nicht mehr daran glaubte, fand ich AFS – oder AFS fand mich. Meine Freundin, die von der Faszination wusste, welche China für mich hatte, kam eines Tages mit einem Artikel über AFS an und so bewarb ich mich für das neue Programm. Am 16. August 2001 bin ich nach China gereist. Meine Gastfamilie sowie AFS China nahmen mich in Empfang. Im AFS-Office tranken wir zusammen Tee und waren stark damit beschäftigt, verlegen zu sein. Würde ich möglicherweise mehr als die berüchtigten drei Monate brauchen, um Chinesisch verstehen zu können? Danach trennten wir uns von unseren Gastfamilien und fuhren zum Vorbereitungscamp, das eine Woche dauern sollte. Die Familie bestand aus Vater Peng Aiguo, Mutter He Sui, Schwester Peng He und der Großmutter, die wir alle nur Oma nannten. Die Nachnamen stehen im Chinesischen zuerst und Eheleute behalten ihre eigenen Namen.
Morgenappell Der Unterricht dauerte von morgens 7.30 Uhr bis nachmittags 16.30 Uhr. Die Schulart, die ich besuchte, hieß „Zhongxue“, das bedeutet Mittelschule, tatsächlich entspricht sie mit ihren zwölf Klassen einem Gymnasium. Pro Jahrgang gab es sechs 50-köpfige Klassen. Der Morgenappell glich kollektiver Gymnastik. Montags war Fahnenappell, dabei wurden wichtige Themen angesprochen und die Nationalhymne gesungen. Bei beiden Appellen hatten die Klassen
in Reih und Glied zu stehen. Der erste Morgenappell, an dem ich teilnahm, dauerte zwei Stunden, in denen wir auf dem staubigen Boden des Schulhofes saßen. Danach trafen wir drei Austauschschüler (Nathan aus USA, Jan aus Bremen, und ich) den Schulleiter. Der Schwerpunkt des chinesischen Schulsystems liegt auf den Naturwissenschaften. Dabei wird meiner Meinung nach großer Wert darauf gelegt, die besten Schüler zu selektieren. Nicht die Förderung des Einzelnen steht im Vordergrund, sondern die Erziehung durch extremen Prüfungsdruck. Dabei scheint eigenständiges Denken nicht gefragt zu sein – und trotzdem fand ich, dass die Lehrer es manchmal besser verstanden, Stoff zu vermitteln, als ich es hier in Deutschland kenne. Die Schüler-Lehrer-Beziehung ist trotz des immensen Drucks der Prüfungen viel enger. Die Schüler zeigen ihre Dankbarkeit dem Lehrer stärker – das ist Tradition sowie Respekt vor dem Alter. Die Erziehung der Kinder obliegt der Schule und den Lehrern stärker als in Deutschland. Dabei sind „Standpauken“ auch häufiger. Während meine Mitschüler alle die sehr schweren Prüfungen schreiben und Berge von Hausaufgaben machen mussten, hatte ich Freizeit. In
dieser Zeit erlernte ich das Spiel auf der chinesischen Kniegeige Er-Hu sowie die langsamen festgesetzten Kampfbewegungen des Tai Ji. Und mit ein paar Mädels aus der 8. und 9. Klasse übte ich mich in der Teezeremonie.
ManManlai Ein solches Jahr bietet nicht nur die Gelegenheit viel zu lernen, es ist eine Erfahrung, die bereichert, vorausgesetzt, man ist offen genug um dazu zu lernen. Was ich für mich selber mitgebracht habe? Besseres Chinesisch, einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Chinesen und – was die Schule betrifft – die Einsicht: Wir haben es sehr gut! Daran, dass die Läden länger offen sind und üblicherweise um Preisnachlass gehandelt wird, gewöhnt man sich sehr schnell. Und von der Lebenseinstellung können wir hier in Deutschland auch sehr viel lernen: ManManlai – immer mit der Ruhe, bloß kein Stress oder im weiteren Sinne: Mach dir nicht unnötig Sorgen. Fotos: Josephine Jungandreas
China!“ „Horizonte“
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Schwerpunkt
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„In Deutschland haben wir Helga…“ Im Herbst 1952, vor genau 50 Jahren, eröffnete Helga von Hoffmann ein AFS-Büro in Düsseldorf. Sie war damit die erste hauptamtliche AFS-Mitarbeiterin außerhalb der USA. Ihr Ziel war es, das im Sommer 1952 begonnene deutsche Sommerprogramm für amerikanische Gastschüler fortzuführen und auszubauen. Über die Anfangsjahre des AFS in Deutschland berichtete sie Dagmar Bethkowsky.
überlegt: Wir machen so was auch. Wir versuchen Familien zu finden oder nehmen selber jemanden auf. 1952 hatte ich zwei in Düsseldorf bei Mitschülerinnen untergebracht. Das waren Mary Grace Heller und Sheila Ensminger, mit denen stehe ich heute noch in regelmäßigem Kontakt. Bei uns selber ging das nicht, weil wir zu beengt lebten und gerade erst umgezogen waren, in ein völlig zerbombtes Haus.
Fotos: Alexander von Hoffmann
Das erste Gastschüler-Programm wurde noch aus den USA organisiert. Im Herbst 1952 hat Mr. Galatti dir vorgeschlagen, ein deutsches Büro aufzumachen. Wie kam er denn auf dich? Du, AFS kannte mich ja. Sie kannten mich wahrscheinlich etwas besser, weil am Ende meines USAJahres meine geliebte 14-jährige Gastschwester bei einem Segelunfall ums Leben kam. Mr. Galatti kam damals eigens nach Washington, um mich zu überzeugen, trotzdem mit auf den Bustrip zu gehen. Ich durfte ein paar Tage länger bei meiner Familie bleiben. Und dann haben sie mich, was unbeschreiblich war, nach Colorado geflogen, um dort den Bus zu treffen. Stephen Galatti wurde dann dein Chef. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm? Fantastisch! Er war so ein beeindruckender Mensch. Er war auch sehr stur und wollte, dass die Dinge nach seinen Vorstellungen laufen. Aber so war ich auch und wir haben oft gestritten. Dann haben mich die anderen gefragt „Na Helga, das war aber laut. Hast du ihn klein gekriegt?“ Und meistens hatte ich das. Aber wir haben uns sehr geschätzt. Er hat so viel bewegt und das ganze Austauschprogramm aus sich heraus aufgebaut.
Horizonte Winter 2002
Und wie hast du dann angefangen? Ich habe das Büro im Spätherbst 1952 eröffnet – das war ein Raum im Obergeschoss eines Restaurants in Düsseldorf. Ein renommiertes altes Restaurant! Zuerst habe ich mit kümmerlichsten Mitteln Second-Hand-Möbel gekauft: einen scheußlichen Schreibtisch, einen unbequemen Stuhl, eine gebrauchte Reiseschreibmaschine und eine Hektografiermaschine. Dieses Ding! Da musste man hinterher ein Vollbad nehmen, weil man so dreckig war. Dann habe ich Kontakte aufgebaut, zum amerikanischen Konsulat, zur amerikanischen Vertretung in Bonn, zum Kultusministerium. Die waren alle wunderbar hilfsbereit. Sie sahen ja auch, dass die jungen Leute als Verfechter der Demokratie aus den USA zurückkamen. Der Generalkonsul hat mich zum Gartenfest am 4. Juli eingeladen. Da war alles, was in Düsseldorf Rang und Namen hatte, und er und seine Frau haben mich an der Hand genommen und allen vorgestellt. Das sei die tolle junge Frau, die jetzt dieses Programm mache und die brauche Hilfe. Und das hat mir die Türen geöffnet! Und dann habt ihr Familien für die Schüler gesucht? Ja, inzwischen hatten wir zwölf Komitees zwischen Flensburg und Passau. Die habe ich im Januar 1953 alle besucht. Und als ich kam, hatten die schon Familien über Familien! Im Sommer 1953 hatten wir 198 AFSer in Deutschland. Das Programm ist schnell gewachsen... Wir haben auch ganz dezidiert Publicity gemacht. Es wurde über Jahre jede Zeitung angeschrieben, wo AFSer hinkamen. Die Adressen
(o.) Helga am Schreibtisch (m.) Im Wohnzimmer der Familie von Hoffmann werden die Schüler ihren Gastfamilien zugeordnet (u.) Im New Yorker AFS-Büro mit Stephen Galatti (m.)
Schwerpunkt
Helga, du warst 1950/51 in den USA. Wie war es, damals ins Ausland zu gehen? Das Aufregendste war erst einmal, dass mein Schiff von Cannes abfuhr. Die französische Riviera – weiter dachte man gar nicht. Niemand, den ich kannte, war je aus Deutschland rausgekommen. Und wenn du dann mit dem Schiff in New York ankommst und hier kommst du aus Trümmern... Wir waren damals in erster Linie dankbar. Vielleicht nicht immer glücklich, aber das war halt so. Zu Hause war alles noch so kümmerlich. Und dann kommst du dahin, und das Haus ist hell und warm, heißes Wasser, Badewanne und ein Eisschrank, der war breit, tief und voll!
50 Jahre Austauschschüler in Deutschland
Wie war es, als Deutsche in den USA zu sein, so kurz nach dem Krieg? Der Taxifahrer, der mich nach der Ankunft zum Busbahnhof gebracht hat, wollte kein Geld von mir. Das war sein Beitrag zu meinem Jahr in seinem Land. Da habe ich beinahe geheult und alle meine Ängste hatten sich aufgelöst. So fing das an. Mir lag während des ganzen Jahres viel daran, das „andere Deutschland“ zu vertreten. Einmal war ich bei deutschen Emigranten eingeladen, Juden, er war Professor in Washington. Die wollten wissen, wie es jetzt in Deutschland war, und mal wieder deutsch reden. Sie hatten noch den Slang der dreißiger Jahre drauf, das war so rührend. Und auf meinem Bustrip am Ende des Jahres waren jüdische AFSer aus anderen Ländern, die durch die Nazis Familienangehörige verloren hatten. Ich hab da Freundschaften für’s Leben geschlossen, das war etwas ganz Besonderes. Es gab damals einen ungeheuren Drive, eine neue Welt zu bauen. Alle sollen sich kennen, verstehen und schätzen lernen, auf diese Weise können wir Kriege verhindern. Das war unter jungen Leuten generell ein ganz großes Bedürfnis. Nie wieder Krieg. Auf der Rückfahrt aus den USA habt ihr beschlossen, Gastschüler nach Deutschland zu holen. Ja. Wir haben uns auf dem Schiffsdeck zusammengesetzt und
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Foto: AFS-Archiv
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Schwerpunkt Thema
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Helga = AFS Deutschland
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ir ahnten ja nicht, auf was wir uns da eingelassen hatten, als wir auf Bärbel Helmers’ Anregung hin uns bereit erklärten, alle Beiträge zum Jubiläum des AFS-Büros in Deutschland in Empfang zu nehmen und zu einem Album für Helga von Hoffmann (USA 51) zusammen zu stellen! Hatten wir doch seit Jahren kaum noch Kontakt zum AFS und stehen nur noch mit wenigen Freunden aus der alten Zeit in Verbindung. Zwar waren wir 1988 und 1998 bei den großen Jubiläumstreffen in Frankfurt dabei und haben dort viele alte AFSer unserer Jahrgänge wieder gesehen. Aber was da nach dem Brief an alle Ehemaligen der Jahrgänge 1950 bis 1955 auf uns zukam, hat alles bisherige an Nostalgie übertroffen! In fast 60 Briefen berichteten uns bekannte und unbekannte Returnees von ihren Erlebnissen aus der Pionierzeit des AFS in Deutschland. Sie schickten Fotos von Chairmen-Meetings, Summer Camps oder Ausflügen mit Summer Students. Da gab es lustige und tragische Geschichten von der langen Überfahrt mit der Seven Seas oder Arosa Kulm. Wir wurden immer wieder an unsere eigenen Erfahrungen bei der Suche nach Gastfamilien erinnert, die wir mühsam zu Fuß oder mit dem Fahrrad unternahmen. Da kamen Kopien von „scrap books“, schriftliche Unterlagen des Sommerprogramms 1954, das Protokoll des „ersten Treffen der deutschen AFSIS Chairmen 1953“ in Essen und immer wieder Originalbriefe von und an Helga aus den Anfangsjahren des Büros in Düsseldorf. Zwei Zitate aus den vielen Beiträgen mögen den Tenor des Helga von Hoffmann gewidmeten Albums erläutern. Alexander Longolius (USA 53) schreibt unter anderem: „Helga hat etwas bewegt, Ideen, Ideale, Menschen. Vor allem: Sie hat diese Bewegung organisiert. Der gute Wille ohne die Tat ermöglicht kein Gespräch, schleppt keinen Sandsack, verhindert keinen Krieg. 50 Jahre AFS Deutschland sind ohne Helga nicht vorstellbar.“
Und Walter Wölkers (USA 55) Erinnerungen enden: „Der AFS-Idee, die uns irgendwie alle geformt hat, wurde 1952 auch ein „Heim“ in Deutschland gegeben. Helga hat dieses Heim ausgebaut, organisiert, sie hat getrommelt und zu neuen Programmen angeregt, Probleme gelöst und für AFS geworben, Öffentlichkeitsarbeit betrieben und Gelder gesammelt, Komitees aus der Taufe gehoben und uns immer wieder ermutigt, ein Stück von dem, was wir durch AFS erhalten hatten, auch weiterzugeben. Natürlich mag sie die Bezeichnung „Vorbild“ nicht, aber ich könnte mir ein Bild vorstellen, in dem heute Helga am Kai von New York auf Stephen Galatti zugeht in seinem zerknitterten hellblauen Anzug, der nur mühsam mit einem letzten Knopf zusammengehalten wird. Mit strahlendem und gütigem Gesicht, samt lustiger Warze und stoppeligem Kinn, würde er die in die Seiten gestemmten Arme ausbreiten und Helga mit den Worten umarmen: „Du warst uns allen ein toller Wegweiser in schwierigen Zeiten! Ich danke Dir!“ Am 30. September – einen Tag vor dem eigentlichen Jubiläum – haben wir Helga das Album und den Anhang mit sämtlichen eingegangenen Unterlagen persönlich überreichen können. Zusammen mit ihrem Mann, dem uns allen bekannten Alexander von Hoffmann, ihren beiden Töchtern, Bärbel Helmers (USA 54), Hildegard Mulert (Zanssen) (USA 53) und Ruth Meyer ter Vehn (Schulten) (USA 52) haben wir das Ereignis dann gebührend gefeiert. Ihre Freude und Dankbarkeit drückt Helga unter anderem in folgendem Brief an uns aus: „… habe ich die ganze Nacht gelesen und mich in die Bilder versenkt, überwältigt von dieser einzigartigen Zeit in unser aller Leben und von Eurer beglückenden Dankbarkeit noch nach fünf Jahrzehnten für meinen Beitrag. Eine tolle Nacht voll Nostalgie und Tränen seliger Sentimentalität…“ Rolf und Ruth Meyer ter Vehn (USA 52)
Fotos: Alexander von Hoffmann
(l.) Sekt zum Jubiläum: Bärbel Helmers (USA 54), Ruth (Schulten), Meyer ter Vehn (USA 52), Hildegard (Zanssen) Mulert, USA 53, im Vordergrund Helga (Cramer) von Hoffmann USA 51. (r.) Eine Nacht voll Nostalgie…
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sehr besorgt war, weil sie Juden waren. Und Mr. Galatti sagte ihr „Sie müssen keine Sorgen haben. In Deutschland haben wir Helga.“ Das hat mich sehr berührt.
(u.l.) Gastschüler (o.r.) Stephen Galatti in Deutschland (u.m.) Das Willkommensplakat für die Gastschüler wird gemalt (u.r.) Abreise der Gastschüler
habe ich mir von einem Adressverlag kommen lassen, und jeder, der des Wegs kam, musste Adressen schreiben. In einem Jahr hatten wir über 500 ausgesuchte Familien fürs Sommerprogramm. Und New York konnte nicht liefern. Wir haben dann 335 Gastschüler bekommen. Da habe ich die Losung ausgegeben, dass auf gar keinen Fall irgendwelche PR im Radio gemacht werden durfte. Denn das brachte uferlos Familien… Damals war eine ungeheure Gastfreundschaft. Viele Familien waren dankbar für Care-Pakete und andere Hilfe und wollten etwas zurückgeben. Und sie waren selig, dass ihre Kinder Auslandskontakte bekamen, weil es völlig undenkbar war, dass sie selbst reisten. Zum Teil haben sie im Wohnzimmer auf der Couch geschlafen oder die leiblichen Kinder sind aus ihrem Kinderzimmer ausgezogen, damit der amerikanische Gast ein Zimmer hatte. Es war doch recht mutig von den amerikanischen Eltern, ihre Kinder nach Deutschland zu schicken. Ja, und es waren auch jüdische Eltern dabei. Auf einer PR-Reise durch die USA traf ich eine Frau, deren Tochter in Deutschland war. Sie erzählte mir, dass sie zuerst
Ihr wart damals auch alle sehr jung. Ja, und damals hatten junge Leute gar nichts zu sagen. Viele örtliche Komitee-Chairmen erzählten, dass sie bei Behörden mit der unbekannten „Frau von Hoffmann“ in Düsseldorf winkten, die eine echte Erwachsene zu sein schien. Das war richtig witzig. Es war eine tolle Zeit. In vieler
Hinsicht natürlich auch beängstigend, weil wir alles von Beginn an lernen mussten. Und derweil sind zwei Kinder geboren worden und wuselten herum... Das ging alles nur, weil mein Mann abends bei einer Tageszeitung arbeitete und sich tagsüber um die Kinder gekümmert hat. Was war für dich das Schönste in dieser Zeit? Das Wunderbarste in all den Jahren war die Zusammenarbeit mit den anderen. Das waren ja sooo nette, engagierte, tolle AFSer. Das hat einen solchen Spaß gemacht!
Helga von Hoffmann, geb. Cramer; 1933 geboren, USA 1950/51 Bethesda Chevy Chase Highschool, Maryland; Hauptamtliche AFS-Angestellte von 1952 bis 1960 und von 1967 bis 1991; Gastmutter von Lori 1969/70 Entsendemutter von Emi 1970/71 und Lexi 1972/73. Dagmar Bethkowsky war bis Mai 2002 PR-Referentin im AFS-Büro Hamburg.
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Fotos: Alexander von Hoffmann
(o. l.) Ankunft der Gastschüler in Deutschland
Ging auch mal etwas schief? Natürlich ging einiges schief! Ich war 19, kam direkt von der Schule und hatte keinerlei Erfahrung mit Büro, mit Administrativem – nur guten Willen und Spaß an der Sache. Und alles, was passierte, passierte zum ersten Mal. Einmal hatten wir einen Sonderzug der Bundesbahn von Düsseldorf zum Schiff. In dem Zug haben die Gastschüler alle Schilder – wie „nicht hinauslehnen...“ usw. - abmontiert, als Souvenirs. Insgesamt 350 Schilder! Die Bahn drohte, alle Geschäftsbeziehungen zu AFS abzubrechen. Ich habe ein teures Telegramm nach New York geschickt, die Schilder wurden auf dem Schiff eingesammelt und per Luftpost zurückgeschickt. In dem Paket waren unendlich viele Schilder: nicht nur aus dem Zug, auch von Hydranten, Straßennamen... Ich habe eine Auswahl getroffen und an die Bahn geschickt, dann war der Friede wieder hergestellt. Eins habe ich als Andenken behalten. Das sind so Sachen, die erlebst du das erste Mal, dann weißt du’s aber auch. Und es war ja auch so komisch, dass du oft nur noch wimmertest vor Lachen.
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uch wenn wir die Zahlen auf dem gegenwärtigen Niveau einfrören, sehe ich weiterhin große Schwierigkeiten, die gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei gibt es doch eigentlich eine recht einfache Rechnung: Für jeden AFSer hat sich einmal eine Familie geöffnet und ihn, einen ihr unbekannten jungen Menschen mit seinen Schwächen und Pubertätsproblemen, in ihren Kreis aufgenommen. Oft war es eine zweite und manchmal eine dritte. Wenn nun jeder AFSer, aber wirklich jeder, ein einziges Mal in seinem Leben eine Gastfamilie gewinnt – sei es die, in der er aufwächst, oder die, die er gründet, seien es Freunde, Kollegen, Bekannte – dann hätte AFS in diesem Bereich keine Probleme und könnte seine Energien voll in die Qualitätssteigerung der Programme, die bessere finanzielle Ausstattung, etc. stecken.
Austausschüler nehmen Abschied. Diese Szene war immer wieder ein beliebtes Plakatmotiv.
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as AFS-Jahr hat uns alle entscheidend geprägt und in unserer persönlichen Entwicklung weitergebracht, ganz abgesehen von beruflichem Nutzen. Das Aufnahmejubiläum ist Anlass zu Freude und sollte uns auch veranlassen, einmal mehr etwas von dem weiterzugeben, was wir bekommen haben. Aufnahmebereitschaft und Gastfreundschaft gehören für mich allemal dazu.
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eutschland ist nach den USA immer das stärkste Aufnahmeland im AFS gewesen. AFS
Fotos: AFS-Archiv, Inge Rauschning
Inge Rauschning (Hoppe) (USA 52), Galatti Award Winner 1993, zu Besuch im AFS West Regional Center in Portland, Oregon am 26. Juli 2002. Inge überbrachte Grüße von AFS Deutschland und tauschte Erfahrungen bei der wechselseitigen Durchführung der Programme aus. Sie fand eine hohe Wertschätzung der Arbeit von AFS Deutschland und eine starke Motivation und Problembewusstsein bei den dortigen Mitarbeitern.
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Deutschland hat auch Pionierarbeit beim Öffnen neuer Länder geleistet. So war AFS als erste Schüleraustauschorganisation in China. Auch deutsche Jugendliche sind dabei, und chinesische Jugendliche finden bei uns Aufnahme. Wir bauen die Programme mit Osteuropa weiter aus. Die ersten sechs Schüler aus Bosnien und Herzegowina sind in diesem Jahr in Deutschland.
Anlass der Reise war die Reunion ihrer Class of ’52 an der Lincoln High School in Portland, Oregon. Dazu Inge: „Es ist immer wieder beglückend, nach so langer Zeit und obgleich man ja nur ein Jahr dort Mitschülerin war, noch ganz dazu zu gehören. Ein Teil des Geheimnisses ist, dass man als Austauschschüler keine Sonderrolle spielt, sondern eine der Ihren wird, das heißt die Schule ernst nimmt und alle Arbeiten mitschreibt, wie sie es ja auch tun müssen, sich am Schulleben beteiligt und Freundschaften pflegt.“
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FS Deutschland hat in 50 Jahren die Aufnahme von 54 Sommer-AFSern auf 578 Langzeit-AFSer aus 40 Ländern mehr als verzehnfacht! Wir sollten mit neuem Elan in das nächste halbe Jahrhundert gehen. Inge Rauschning (USA 52)
Von rechts nach links: Sara Vandepeute (Regional Field Coordinator), Joanne Yokoyama (Regional Director Western Region), Inge Rauschning
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Hosting – Freude und Herausforderung Das Jubiläum „50 Jahre Austauschschüler in Deutschland“ bietet Gelegenheit für den Blick auf eine beeindruckende Bilanz. Doch für uneingeschränkten Jubel gibt es keinen Grund. n diesem Jahr kann AFS Deutschland auf 50 Jahre Aufnahme von Gastschülern zurückblicken. Es begann 1952 mit dem Sommerprogramm für 54 US-amerikanische Austauschschüler. Bereits 1957 kam ein Halbjahresprogramm hinzu, das sich schnell zum Jahresprogramm entwickelte. In den 70er Jahren wurde das Aufnahme- (wie auch das Entsendeprogramm) multinational. 50 Jahre lang haben deutsche AFS-Ehrenamtliche für ausländische Jugendliche Gastfamilien gefunden. Diese Leistung ist ein Grund zur Freude.
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Typische AFS-Bahnhofsszene – hier vor 40 Jahren auf dem Bahnhof Osnabrück
napp 14.000 in diesem Zeitraum aufgenommenen AFSern stehen knapp 17.000 entsandte gegenüber. Bis zum Ende der 80er Jahre wurden alljährlich mehr Schüler aufgenommen als herausgeschickt. Das lag an dem starken Kontingent der Sommerprogramm-AFSer. Seither ist es aber umgekehrt. So sind im AFS-Jahr 2002/03 578 AFSer in Deutschland, aber 978 deutsche Schüler im Ausland. Jeweils rund
100 AFSer aus beiden Gruppen mit Winter-Ankunft und -Abreise.
zu Hause und tat schlimmstenfalls etwas „Wasser in die Suppe“.
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rotz der beeindruckend hohen Zahl von AFS-Ehemaligen gelingt es nur mit immer größeren Anstrengungen, rechtzeitig die notwendige Zahl von Gastfamilien zu finden, um die Jugendlichen unterzubringen, zu deren Aufnahme wir uns gegenüber unseren Partnern im Ausland verpflichtet haben. So müssen im September um die 10% der Ankommenden erst einmal übergangsweise in Vier-WochenFamilien untergebracht werden, was ihren Start ins AFS-Jahr erheblich erschwert und für Ehrenamtliche und Büro viel Extra-Arbeit bedeutet. Während die Suche weitergeht, gesellen sich schon die ersten Wechsler dazu – davon gab es in den Anfangsjahren deutlich weniger –, und bald kommen die Bewerbungspapiere der Ankömmlinge für Anfang Februar an. Die Zeiten, wo es im Büro einen Pool von Wechselfamilien gab, sind leider längst vorbei. Für jeden Wechsler muss die Anschlussfamilie mühsam gesucht werden.
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it diesen Schwierigkeiten steht AFS Deutschland nicht allein. Sie sind eine große Herausforderung für den Kernbereich der AFS-Tätigkeit weltweit. Der gesellschaftliche Wandel, besonders in den reichen Industrienationen, führt nicht zu größerer Aufnahmefreundlichkeit. In der Kleinfamilie, in der beide Eltern berufstätig sind, ist oft – auch ideell – kein Platz für ein neues Familienmitglied. Die zunehmende Zahl Alleinerziehender hat es meist schon schwer genug, die eigenen Kinder zu versorgen.
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eider sind es heute auch potentielle Gastgeschwister, die nicht teilen und Verantwortung übernehmen wollen. Früher in der Großfamilie war manches unkomplizierter, die Betreuung des neuen Familienmitgliedes verteilte sich auf mehrere. Mutter war sowieso
eute sind die Erwartungen auf allen Seiten gewachsen. Das Zimmer zu teilen ist bei uns doch schon fast undenkbar. Familien haben höhere Ansprüche an Freizeit und Lebensqualität. Gastgeschwister sehen es manchmal schon als störend, wenn der AFSer einen anderen Musikgeschmack hat. Und die Austauschschüler selbst? Auch sie haben teilweise unrealistische Erwartungen und sind nicht immer so ausgewählt und vorbereitet, dass sie sich selbst um die Überwindung von Schwierigkeiten bemühen oder sich auch als „Botschafter“ ihres Landes fühlen. Vor allem viel Spaß und wenig Anstrengung scheint oft die Devise zu sein.
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ennoch – wir alle sind uns wohl einig in der Überzeugung, dass die Aufnahme von ausländischen Jugendlichen unverzichtbarer Bestandteil unseres AFS ist. Die hauptamtlichen Mitarbeiter arbeiten ständig daran, bei unseren Partnern im Ausland das Verständnis für die Anforderungen zu vertiefen, die ein Schuljahr in Deutschland an die jungen Menschen stellt. Was die Gastfamiliensituation hier angeht, denke ich, wir im AFS haben es selbst in der Hand, die Schwierigkeiten zu meistern. Meiner Meinung nach dürfen wir die Zahlen nur noch sehr behutsam ansteigen lassen, damit wir Schülern und Gastfamilien die notwendige persönliche Hilfestellung für ein gedeihliches Zusammenleben gewährleisten können. Natürlich ist das Verhältnis zwischen dem Teilnehmer bzw. seinen Eltern und der Organisation auch ein juristisch-formales, aber dass das AFS-Jahr viel mehr ist und nur durch menschlichen, ehren- und hauptamtlichen Einsatz vieler möglich gemacht wird, das müssen wir alle durch viel Zuwendung immer wieder zeigen.
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Foto: AFS-Archiv
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Einblicke Thema
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AFSer unterstützen AFSer Stipendien für Betroffene der Flut von Donau und Elbe Im Sommer erreichten uns viele Anfragen, ob AFS ein Spendenkonto für die Familien der Flutkatastrophe einrichten könnte. Leider mussten wir ablehnen und an die großen spendensammelnden Organisationen verweisen. AFS ist nicht berechtigt, eingehende Spenden für Hochwasserschäden entgegen zu nehmen, sie weiterzuleiten und Spendenbescheinigungen auszustellen. Die Gemeinnützigkeit und der Vereinszweck des AFS sind im Sinne der Völkerverständigung zu verstehen. Dennoch möchten und können wir helfen! Viele Familien in den vom Hochwasser betroffenen Komitees stehen vor dem wirtschaftlichen und fi nanziellen Aus. Selbst bei „kleineren“ Schäden kommen Ausgaben auf sie zu, die nicht eingeplant waren. In dieser Situation ist für viele Jugendliche der Wunsch nach einem Austauschjahr in unerreichbare Ferne gerückt. Hier können wir dank eurer Hilfe mit Stipendien aus dem AFS-Stipen-
dienfonds helfen. Seit September gingen Spenden ein, die es uns ermöglichen, zwei Stipendien speziell für Familien aus den betroffenen Regionen zu vergeben.
Fundraising-Dinner in Hamburg „Der Austausch mit unseren östlichen Nachbarn steht noch am Anfang und es bedarf vieler persönlicher Begegnungen, um die Menschen erneut einander näher zu bringen. Mit der Vergabe von Stipendien wollen wir den Austausch fördern und geeigneten Jugendlichen ein AFS-Jahr ermöglichen.“ In diesem Sinne luden AFS-Kurator Volker Putz (USA 64) und Dr. Jürgen Blankenburg (USA 53) AFSer und Freunde im Juni zu einem Dinnerabend in Hamburg ein. Der Vereins- und Westbank verdankten wir den festlichen Rahmen. Ein Höhepunkt des Abends war die Talkrunde mit Frau Dr. Dana Horáková, Kultursenatorin der Stadt Hamburg, Harish Shankar, Gastschüler aus Malaysia, Anne-Marie Wenthe, Lettland 00 und Henrike Bartram, die im Rahmen des European Voluntary Service sechs
Monate in Kroatien verbrachte. In dem Interview mit der ntv-Moderatorin Kerstin Straub sprach Frau Horáková über ihren Werdegang, ihre persönlichen interkulturellen Erfahrungen als Studentin in den USA Ende der 60er Jahre und ihren Neubeginn in Deutschland nach der Ausweisung aus der damaligen Tschechoslowakei. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass fünf Teilstipendien für Jugendliche von und nach Osteuropa bereit stehen. Barbara Ditze
Frau Kultursenatorin Dana Horáková interviewt von Moderatorin Kerstin Straub (o.) und im Gespräch mit AnneMaria Wenthe (Lettland 00), Henni Bartram (EVS Kroatien) und Harish Shankar, Gastschüler aus Malaysia (u.)
Fotos: AFS-Landesbüro Baden-Württemberg
Der AFS-Stipendienfonds S eit über 20 Jahren hilft der AFS-Stipendienfonds Jugendlichen und ihren Familien, deren finanzieller Hintergrund es nicht ermöglicht, den vollen Teilnahmebeitrag für ein Austauschjahr aufzubringen. Der Stipendienfonds lebt von der Unterstützung der AFSer: Der ehemaligen Schüler, Eltern, Lehrer und aller, die sich für die Idee des interkulturellen Lernens einsetzen. Die Spende fließt direkt in einen Fonds, der für die nächsten AFS-Jahrgänge bereit gestellt wird. Je mehr Spendengelder eingehen, desto mehr Teilstipendien können vergeben werden.
Nach den Auswahlen der Jugendlichen im Juni und November für das nächste Programmjahr können die Eltern einen Antrag auf Unterstützung stellen. Damit die Gelder sinnvoll und zweckgebunden verteilt werden, berät der ehrenamtliche Stipendienausschuss zweimal jährlich individuell über jeden der eingegan-
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genen Anträge. Der Ausschuss besteht aus drei ehrenamtlichen Mitgliedern und einem hauptamtlichen Mitglied. Alle verfügen über langjährige Erfahrung im AFS. Um möglichst vielen Familien zu helfen, werden Teilstipendien von 500 Euro bis 2500 Euro vergeben. Ausschlaggebend für die Verteilung der Gelder ist ausschließlich der finanzielle Hintergrund der Familie. Weder das gewünschte Gastland noch die Schulnoten werden bei der Bewilligung berücksichtigt. Dadurch wollen wir dem Grundsatz des AFS, keinen Schüler aufgrund seiner finanziellen Mittel von den AFS-Programmen auszuschließen, gerecht werden. Jede einzelne Spende, ob groß oder klein, hilft. Vielen Dank! Kontakt: Barbara Ditze AFS-Büro Hamburg, Tel. 040/399 222-22
AFSSpendenkonto: AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. Vereins- und Westbank, BLZ 200 300 00, Konto 1 460 302
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Thema Einblicke
Komitee Zagreb in Sicht! Bosnien-Herzegovina und Kroatien waren bis vor einiger Zeit weiße Flecken auf der Weltkarte des AFS. Durch das persönliche Engagement deutscher AFSer in Sarajevo und Zagreb konnten Kontakte in diese Länder aufgebaut werden. In diesem Jahr verbringen sechs bosnische Schüler ihr AFS-Jahr in Deutschland. Zu Gesprächen über zukünftige gemeinsame Aktivitäten, insbesondere im Rahmen der Landesstiftung Baden-Württemberg, besuchte Geschäftsführer Mick Petersmann die kleinen Ehrenamtlichengruppen in Sarajevo und Zagreb. Henni Bartram war bei dieser Reise dabei.
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Bartram „Hilfe für die Helfer“ in „Horizonte“ Sommer 2002
In der kroatischen Hauptstadt Zagreb trafen wir die engagierten Ehrenamtlichen der jungen Organisation „Globus“, die es kaum erwarten können, endlich „richtige AFS-Jahre“ durchzuführen: Bisher hatten sie AFS-Erfahrungen mit den dreimonatigen ESSSE-Programmen gesammelt. Ehemalige und zukünftige ESSSE-Schüler sind teils mit ihren Eltern in das kleine Café in der Zagreber Innenstadt gekommen, um Mick und mich kennenzulernen. Viele Aktivitäten müssen geplant werden und die erste offizielle Komiteegründung steht auch bevor. Die Ehrenamtlichen in Sarajevo und Zagreb haben mich persönlich sehr beeindruckt: Mit viel Liebe und Einsatz kümmern sie sich mit nur wenigen Leuten um viele Dinge gleichzeitig. In Sarajevo freut man sich bereits auf die Rückkehr von Lejla und den anderen, „denn dann sind wir viel mehr und können viel mehr machen.“. Es ist den kleinen Teams dort zu wünschen, dass sie weiter wachsen, um die Idee des AFS im ehemaligen Jugoslawien zu verbreiten. Nur wenn viele Jugendliche eine interkulturelle Erfahrung erleben können, können sie diese an ihr Umfeld weitergeben. Diesen Beitrag zur Friedenssicherung kann der AFS leisten. Mit einer kleinen Spende kann man diesen Ansatz unterstützen. Henni Bartram (Chile 95 und EVS Kroatien 2001/02)
Nach wie vor sind die wenigstens Familien in Bosnien und Kroatien in der Lage, die Programmkosten aufzubringen. Stipendien sind weiterhin dringend nötig: Deswegen bitten wir weiterhin um Spenden, um auch im nächsten Jahr Jugendlichen aus diesen Ländern ein Austauschjahr in Deutschland zu ermöglichen.
AFS-Austauschschüler füllten Sandsäcke Ganz im Gegensatz zur Region um Dresden hat uns das Hochwasser der Elbe im nördlichen Sachsen-Anhalt nicht ganz so sehr überrascht. Einige Tage gingen ins Land, in denen viel getan werden konnte, um das Allerschlimmste zu verhindern. Schnell war auch allen Ehrenamtlichen, ob KoVo, SteKoVo,
Schülerbetreuer oder Gastfamilien im Komitee Stendal klar, das hier wirklich jede Hand an einer Schippe gebraucht werden konnte. Täglich traf man sich im Kieswerk Hindenburg, um fleißig hunderte Sandsäcke zu füllen. Und es kam nicht von ungefähr – bisher hatten wir alle viel für unsere vier Gastschüler der Winteranreise getan – jetzt war es für sie eine Selbstverständlichkeit, bei unseren „Sandsäcke-Schipp-Einsätzen“ kräftig zu helfen. In all unserem Eifer dachte
doch kein Mensch von uns daran, dass das hier nicht alltäglich ist und ein Fotoapparat bestimmt einmalige Bilder festhalten könnte. Gut, dass wenigstens die Verantwortlichen im Kieswerk Hindenburg mitdachten und ein paar Fotos (u. a. von unserer KoVo Heike und ihrem Mann) von den Menschenmengen, den Millionen Sandsäcken und der manchmal „Straßenfest“ artigen Stimmung festgehalten haben. Komitee Stendal
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Foto: Kieswerk Hindenburg
Siehe auch Henni
ei meinem dreitägigen Aufenthalt in Sarajevo lebte ich in einer Gastfamilie, die sich rührend um mich kümmerte. Selbstverständlich sei das, entgegnet Frau Hasanovic auf meinen Dank hin: „Eine Familie hat meine Tochter ja sogar für ein Jahr aufgenommen.“ Sie zeigt mir das Bad: Der freie Handtuchhaken sei meiner, sagt sie. Über dem Haken steht der Name Lejla. Lejla ist eine von sechs Jugendlichen aus Sarajevo, die ein AFS-Jahr in Deutschland verbringen. Möglich wurde die Teilnahme am Programm für Lejla und die anderen nicht zuletzt durch bereitwillige Spenden vieler Horizonteleser, aus denen Stipendien finanziert werden konnten. Lejla lebt nun im Komitee Darmstadt. Besonders von der Schule ist sie ganz begeistert, erzählt sie mir in einem Telefonat. „Die Lehrer sind alle soo nett, es macht richtig Spaß, in die Schule zu gehen“, schwärmt sie. Lejlas Familie ist sehr stolz, dass ihre Tochter dabei ist: Sehr viele Jugendliche hatten sich auf die wenigen Stipendiatenplätze beworben, die Auswahl fiel dem kleinen Team in Sarajevo nicht leicht. Während die ersten bosnischen Schüler ihre AFSErfahrung schon erleben, bereiten sich ehemalige AFSer in Kroatien darauf vor, im nächsten Sommer erstmals Schüler nach Deutschland zu schicken und deutsche Schüler aufzunehmen.
AFS Damals
1982 Seit 1979 gibt es nun den Verein „AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.“ mit demokratischen Strukturen. Die Satzung sieht auch ein Kuratorium vor, das „den Vorstand bei der Verwirklichung des Vereinszwecks unterstützt“. Die Satzung sagt nicht, wie das zu geschehen habe. Über die „Sinnhaftigkeit“ eines solchen Gremiums wird aus-
giebig gestritten. Viele der jungen Aktiven fürchten einen unangemessenen Einfluss Älterer auf die Vereinsgeschicke und sind skeptisch. Dem Vorstand gelingt es, namhafte Persönlichkeiten unter den ehemaligen AFSern, aber auch außerhalb unseres Kreises – so Hanna-Renate Laurien, Berliner Kultursenatorin – für die Mitarbeit zu gewinnen. 1982 tritt das Kuratorium zu seiner ersten Sitzung zusammen.
1992 Seit einer Reihe von Jahren war die Dezentralisierung von AFS betrieben worden. Zuerst entstand ein eigenständiges AFS-USA, dann wurden nach und nach andere AFS-Länder in die Selbständigkeit – unter dem Dach von AFS International – entlassen. Zum 1. Januar 1992 wird AFS
Interkulturelle Begegnungen e.V. „Full Partner“ im internationalen AFS-Verbund. Der Verein löst AFS International als Träger der Programme in Deutschland und als Anstellungskörperschaft für die hauptamtlichen Mitarbeiter ab. Er übernimmt die alleinige finanzielle und programmatische Verantwortung in Deutschland. Der Vorsitzende, Gottfried Beer, und dessen Schatzmeister, Gunnar Helm, unterzeichnen für AFS interkulturelle Begegnungen e. V. den Vertrag, für AFS International ist es Sandy Mitchell. Dr. Hanna-Beate Schöpp-Schilling, AFS 58/59, wird Geschäftsführerin.
2002 Die ersten vier deutschen Jahresschüler kehren von ihrem AFS-Aufenthalt in China zurück.
Jubiläum in Berlin
Foto: AFS-Archiv
Sonnabend, 16. November 2002: Der Verein Berliner Austauschschüler feiert! 1952 schlossen sich Berliner Returnees der damaligen deutsch-amerikanischen Austauschprogramme in der Berlin Student Returnee Group (BSRG) zusammen, um gemeinsam die zukünftigen Austauschschüler auf ihren Aufenthalt vorzubereiten. Daraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit den Organisationen AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. (AFS) und Deutsches YOUTH FOR UNDERSTANDING Komitee e.V. (YFU) in Berlin. 1983 wandelte sich die BSRG in den rechtsfähigen Verein Berliner Austauschschüler e. V. um. Der VBA ist ein gemeinnütziger und ausschließlich ehrenamtlicher tätiger Verein. Die meisten unserer Mitarbeiter sind ehemalige Programmteilnehmer (als Austauschschüler oder als Gastfamilie). Seit vielen Jahren kümmert sich
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der VBA um die Vorbereitung und Beratung zukünftiger Austauschschüler, die Betreuung internationaler Austauschschüler, die Suche und Betreuung Berliner Gastfamilien und seit einigen Jahren auch um die Vermittlung von Plätzen des „Anderen Dienst im Ausland“ (ADiA) im Rahmen des Zivildienstgesetzes. Als kompetenter Ansprechpartner für interkulturellen Schüleraustausch genießt der VBA einen exzellenten Ruf. Der VBA ist gleichzeitig das Komitee Berlin im AFS
www.austausch-berlin.de Die Festschrift zum 16. November: Eine Würdigung internationaler Begegnungen
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(o.) Die Gründung des Kuratoriums war der „Frankfurter Rundschau“ vom 22. Februar 1982 eine Meldung wert. (u.) Prominentes Kuratoriumsmitglied und von Anfang an dabei: Alfred Biolek (USA 51/52), hier auf der 50-Jahr-Feier in der Jahrhunderthalle Frankfurt-Hoechst
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AFS Damals
Rückblick Das Jahr 2002 neigt sich dem Ende zu. Was war vor 10, 20, 30, 40, 50 Jahren im AFS? Bärbel Helmers (USA 53/54) erinnert sich.
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Angefangen hatte es auf dem Schiff: 1951, auf der Rückreise von ihrem USA-Aufenthalt, hatte die erste große deutsche AFS-Gruppe beschlossen, die Gastfreundschaft zu erwidern und deutsche Gastfamilien für amerikanische AFSer zu finden. Dass dann wirklich im Sommer darauf amerikanische Jungen und Mädchen nach Deutschland kommen konnten, hatte damals außer Stephen Galatti, dem charismatischen Leiter des AFS, und den idealistischen AFSEhemaligen niemand für möglich gehalten. Zu groß schienen die Hemmnisse im zerbombten Nachkriegsdeutschland. Die 54 AFSer der ersten Stunde waren in 23 verschiedenen Orten in allen Gegenden der damaligen Bundesrepublik untergebracht, den Keimzellen heutiger Komitees.
Am 28. Juli wird der „Verein der Freunde und Förderer des AFS e.V.“ ins Hamburger Vereinsregister eingetragen. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erfolgt wenig später. Nun können Anträge auf öffentliche Mittel für Aktivitäten mit unseren amerikanischen Jugendlichen mit Erfolg gestellt werden. Wir werden „Träger förderungswürdiger Maßnahmen“, richten u. a. Berlinreisen für unsere Schulprogramm-AFSer und für deutsche Jugendliche zur Vorbereitung auf den USA-Aufenthalt aus. Mitgliedsbeiträge und Spenden fließen dem Verein zu, ein Vereinsleben entwickelt dieser Verein nach dem Verständnis seiner Gründer und seiner Förderer nicht. Er dient lediglich als Vehikel für die Beschaffung der Mittel, die für die Finanzierung der Aktivitäten amerikanischer AFSer benötigt werden – z. B. Anschaffung von Schulbüchern, Monatskarten für den Schulbesuch, Zuschüsse zu Deutschstunden und Klassenreisen.
Ende Januar wird das Büro des AFS, mittlerweile am Mittelweg, durch Löschwasser zerstört. Es hatte im Stockwerk darüber einen Kabelbrand gegeben. Alle erreichbaren Mitarbeiterinnen und viele Helfer aus dem Hamburger Komitee waren an diesem Sonnabend bei klirrender Kälte zur Stelle, um Papiere und Schreibmaschinen zu retten. Die Unterlagen aller deutschen Bewerber waren, weil der große Arbeitstisch für anderes gebraucht wurde, UNTER ihm gestapelt worden. Deshalb blieben sie unversehrt. (Besagten Tisch gibt es übrigens im Sekretariat noch heute). Karteikarten trocknen wir in Kastenkuchen-Formen im Backofen. Das Büro zieht vorübergehend wieder in die Grindelallee, später dann in die St.-Benedict-Straße.
Berlin hatte mit 8 Jugendlichen die größte Gruppe, (mit amerikanischen Militärmaschinen mussten sie ein- und ausgeflogen werden). Die „Berlin Student Returnee Group“, der spätere „Verein Berliner Austauschschüler“, fand sich zusammen und kümmerte sich um ihre Betreuung.
Der „Verein der Freunde und Förderer des AFS e.V.“ wird als Einsatzstelle für Zivildienstleistende anerkannt. Ralf Dost (USA 68/69) tritt als erster „Zivi“ an.
Der grandiose Erfolg dieses Sommers machte zweierlei deutlich: in Deutschland schien es ein großes Potential an Gastfamilien zu geben. Und es würde nicht ein zweites Mal gelingen, ein solches Programm nur auf der Basis ehrenamtlicher Arbeit (mit gewisser administrativer Unterstützung durch amerikanische Behörden in Deutschland) durchzuführen. So stellte Stephen Galatti Helga von Hoffmann (USA 50/51) (damals noch Fräulein Cramer) als erste hauptamtliche AFS-Mitarbeiterin außerhalb von New York ein. Am 1. Oktober 1952 nimmt sie die gebrauchte Reiseschreibmaschine in Betrieb und beantragt einen Telefonanschluss.
Foto: AFS-Archiv
So sah der Stand der Godesberger Women’s Group bei der Jahrestagung amerikanischer Frauenverbände in Europa im Herbst 1962 in Berchtesgaden über AFS aus. Am Mikrophon: Maja Swetschin (USA 62)
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Viel Neues im „Wilden Süden“ Wachstum kommt nicht von allein, Organisation ist notwendiger denn je. In Stuttgart eröffnete das erste AFS-Landesbüro.
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m 21. September wurde es ganz offiziell und mit einem großen Fest eröffnet: Das erste Regionalbüro im AFS: das Landesbüro Baden-Württemberg. Über 100 AFSer und Freunde des AFS aus Baden-Württemberg hatten viel Spaß bei guten Gesprächen, italienischem Essen und einer sensationellen „Talent Show“ der Austauschschüler aus der Region Stuttgart.
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Fotos: AFS-Landesbüro Baden-Württemberg
as neue Landesbüro soll insbesondere ein regionales DienstIeistungsangebot für die baden-württembergischen Komitees und Ehrenamtlichen sein. Hier bekommen die Komitees alle Informationen und Material, das sie brauchen, können über das Landesbüro ihre Veranstaltungen mit anderen Komitees koordinieren und vieles mehr. Das Landesbüro soll aber auch Informationsschnittstelle für Schüler, Eltern und Multiplikatoren in der interkulturellen Arbeit sein, die sich für die AFS Programme interessieren. Insbesondere ist das Landesbüro für die
(o.) Talentshow der Austauschschüler zur Eröffnung des Landesbüros (o.r.) Jana Lohmann, die 1. Vorsitzende des Landesjungendverbandes (u.) Blick ins neue Büro
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Umsetzung des Stipendienprogramms der Landesstiftung Baden-Württemberg nach Osteuropa zuständig.
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as Landesbüro ist Untermieter beim Stadtjugendring Stuttgart, wo AFS auch beispielsweise Seminarräume mitnutzen kann, die auch gerne von AFSern außerhalb BadenWürttembergs geordert werden können.
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ber nicht nur das neue Landesbüro zeigt die Aktivitäten im AFS Baden-Württemberg. Aus der Idee der regionalen KoVos, die von Baden-Württemberg ausging, ist nun der Landesjugendverband Baden-Württemberg entstanden, der die regionalen Strukturen im AFS stärken und auch nach außen den AFS als Landesjugendverband repräsentieren soll. Zur Vorsitzenden wurde Jana Lohmann (Komitee Stuttgart) gewählt. Der AFS-Vorstand hat den Landesjugendverband Baden-Württemberg anerkannt.
Pioneers go east Das Stipendienprogramm der Landesstiftung Baden-Württemberg
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un ist es ganz offizieIl: Mit dem Stipendienprogramm der Landesstiftung Baden-Württemberg können im nächsten Jahr bis zu 40 Schüler aus BadenWürttemberg nach Europa, insbesondere nach Süd- und Osteuropa, fahren und bis zu 40 Schüler aus diesen Destinationen mit einem Hostingstipendium für ein Schuljahr nach Baden-Württemberg kommen. Zum Schuljahresbeginn wurde die Sending-Kampagne des Stipendienprogramms gestartet. Die Informationsbroschüre und das Plakat des Stipendienprogramms wurden an alle baden-württembergischen Schulen versendet und bis zum Bewerbungsschluss des Stipendienprogramms am 15. Dezember werden die badenwürttembergischen Komitees und das AFS Landesbüro noch viele Informations- und Multiplikatorenveranstaltungen etc. durchführen, um genügend Bewerber für das Programm zu finden. Mit dem Stipendienprogramm nach Osteuropa setzt sich der AFS Deutschland einen neuen Schwerpunkt. Die AFS-WeIt wird größer und östlicher: Wir wollen das Stipendienprogramm auch dazu nutzen, den Aufbau von AFS-Strukturen in Osteuropa mit zu unterstützen und den Austausch von Ehrenamtlichen in Osteuropa über „Volunteer Exchange Programme“ zu fördern. Kontakt: AFS Landesbüro Baden-Württemberg Junghansstraße 5, 70469 Stuttgart Tel. 07 11 / 2 37 26 81, Fax 07 11/ 2 37 26 81 E-Mail bw@afs.de
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Thema& Global Lokal
Bekenntnisse eines Entführers Die Mitgliederkonferenz 2002 im Nirgendwo vom 13. bis 15. September auf einem Zeltplatz bei Dahlenrode/Göttingen
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(o.) Das Horn mahnt zur Nachtruhe – doch die MKTeilnehmer denken nicht dran. (m.) “Morning has broken…” Noch ist Ruhe über dem Gelände. (u.r.) Der Tag danach. Chill out für die Organisatoren. (u.) Ankunft im Nirgendwo…
atort München, MK 2001. Vor den Stufen zum Audimax der TU, die Luft bier- und ideenschwanger. Ein kleines Grüppchen Ehrenamtlicher (Osnabrücker, Freunde, Ahnungslose) kommt auf die Schnapsidee, die nächste MK auszurichten – und zwar in Zelten. „Stellt Euch die Gesichter vor, wenn in der Einladung steht ’Bitte eigenes Besteck mitbringen’...“ – noch lachen wir (mit Annette Domhan – als Büro-Verantwortliche für AFS-Großveranstaltungen wurde sie unser einziger, lebender Kontakt zur „Außenwelt“). Der Plan wird also gefasst.
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icht nur der nächste Morgen bringt ein wenig Ernüchterung. Die To-Do-Liste auf dem ersten richtigen Treffen im Dezember läßt uns erbleichen: Zelte organisieren, einen Campingplatz finden, wie soll gekocht werden, was machen wir bei Regen, wo finden die Schulungen statt – und vor allem: wie halten wir all das geheim? Ein Besuch in Dahlenrode macht uns mit einem ausgezeichneten Zeltplatz – der „Stolle“ – bekannt. Wir sind begeistert und buchen ihn.
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ie Geschichte mit der Entführung und dem Tonband auf der DV in Warnemünde, ebenso der Geschenkkorb mit deutschem Allerlei, dient der Verwirrung. Die Reaktion: Ein paar Hartgesottene gründen die „SoKo Ariadne“ und heften sich an unsere Fersen. Der Rest wundert sich und fängt an zu spekulieren. Etwa auf einem Schiff, oder doch Komitee Ilmenau? Die Homepage mit einem ersten Kontakt geht im Mai online. Auch IT-Spezialisten kommen nicht auf unsere Spur, da von den Detektiven offen auf dem Komitee-Vorsitzenden-Treffen in Frankfurt die Vorgehensweise geplant wird – wir natürlich dabei und gute Ratschläge gebend... Hinter den Vorhängen läuft die Organisation mit Buffet, Festzelt und Bullis weiter auf Hochtouren. Dann eine ernste Krise im August. Die Flutkatastrophe läßt unsere Zeltplanung untergehen, denn die Katastrophen-Hilfskräfte aus Göttingen und Umgebung ziehen uns ihre zugesagten Zelte für die Hochwassergebiete ab. Doch auch dies klärt
sich dann – die Schulungszelte sind gerettet. Zwar wird der Autor dieser Zeilen enttarnt, weil ein irregeleiteter Brief an ihn im Sekretariat geöffnet wird. Dennoch ist am Ankunftsfreitag die Überraschung groß, als gutgläubige MK-Besucher die Organisatoren plötzlich in ihren roten Helfer-T-Shirts erspähen: „Du also auch dabei...?“
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ie Kälte ist wahrscheinlich die größte Herausforderung, ansonsten laufen Workshops und Schulungen, Vorstands-Frühschoppen und Mittelebenenzelt hervorragend. Die Stimmung im Festzelt am SamstagAbend ist ausgelassen und die Aufmerksamkeit bei der Podiumsdiskussion am Sonntag – Thema Nachhaltigkeit – groß. Die Seminar-Zelte können wir am Tag danach schon blitzgeschwind abbauen – viel schneller übrigens als unsere Helfer vom THW...
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ag eins nach MK: Mehr als zehn Organisatoren und ebenso viel freiwillige Helfer strecken ihre müden Glieder aus. Aus und vorbei, es hat sich gelohnt! Ein herzliches Dankeschön an Euch alle!“ Im Namen aller „MK-Räuber“ Florian Aue Geschichte, weitere Informationen und Materialien zu den Workshops, außerdem viele, viele Bilder finden sich im Internet: www.afser.de/mk2002/
Fotos: Florian Aue
a stehen wir also auf der nassen Wiese, das Gras vom Morgentau noch völlig durchtränkt. Die Sonne scheint noch recht warm an diesem kühlen Septembernachmittag. Vor uns liegen die Einzelteile eines 3 m hohen und 30 qm großen Zeltes und noch die Erfahrungen, dieses Ungetüm und etwa zehn weitere ohne Plan oder Ikea-Anleitung aufzubauen. Irgendwie ist die Stunde der Wahrheit nun fast da. Ich verfluche mich innerlich ein wenig, bei dieser Idee eingewilligt zu haben, gemeinschaftlich eine MK heimlich zu organisieren und auf einem Campingplatz irgendwo in Deutschland wieder auftauchen zu lassen. Wie es dazu gekommen ist?
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„Das eigene fremde Andere – der Islam und Europa“ Bereits auf der MK 2001 in München wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der islamischen Welt eine wichtige Herausforderung für den AFS darstellt. Ein Seminar der Nord-Süd-AG in Königswinter half, Antworten auf Fragen über diese Religion zu finden.
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ch weiß, dass ich nichts weiß, und darum weiß ich mehr, als andere wissen.‘ Sokrates kluger Satz stand den 15 Teilnehmern ins Gesicht geschrieben, als sie nach zweieinhalb Tagen das Arbeitnehmerzentrum Königswinter (AZK) verließen. So lange hatten sie dort beim Seminar der Nord-Süd-AG „Das eigene fremde Andere – der Islam und Europa“ zusammen gesessen, um das eigene Halbwissen über die islamische Welt zu ergänzen und zu einem kompakten Islambild formen. Auf dieser Grundlage sollten mittelfristig AFS-Austauschprogramme zwischen Deutschland und der islamischen Welt auf den Weg gebracht werden.
Fotos: Angelika Postolache
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m Ende war klar: So einfach geht es nicht! Es gibt keine einheitliche islamische Welt. Wer schon mal versucht hat, den christlichen Kulturraum mit wenigen Sätzen verständlich zu erklären, kennt das Problem: Polen und die USA als gemeinsamer Kulturraum? Das geht nur, wenn man sich auf die Grundwerte beschränkt. Ähnliches gilt für Pakistan, Jordanien oder Marokko. Gemeinsam sind auch hier die Grundbegriffe. Dass der Imam der religiöse Vorbeter ist, dass Islam auf dem Alten Testament, dem Neuen Testament und dem Koran beruht, dass es nach dem Koran einen Gott gibt und dass Mohammed sein Prophet ist, das sollte unter dem Titel ‚Islam von A bis Z‘ zu Beginn des Seminars erklärt werden. Imam und Islam zum Anschauen gab es beim Besuch der Moschee in Königswinter. Dort gab der Imam bereitwillig Auskunft zu Gottesdienst und Gemeindeleben.
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ie unterschiedlich die Regeln des Islam abseits von Gebet und Moschee angewendet werden,
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zeigte der Vortrag von Mohammed Koita. Der Mann aus dem afrikanischen Mali verdeutlichte seinen Vortrag über interkulturelles Lernen immer wieder mit den liberalen Interpretationen des Koran in seinem Land. Kopftücher sind dort unnötig, der Gebetsrhythmus wird eher locker genommen. Überhaupt überwiegt schwarzafrikanische Kultur, die durch die Religion nur ergänzt wird. Anders die Länder Marokko und Ägypten: Kurzreferate zeigten, dass beide auf unterschiedliche Art und Weise stark vom Islam geprägt sind.
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ür den AFS bedeutet das: Weg vom Begriff ‚Islamische Welt‘. Für die Programmplanung ist er untauglich. Für Austauschprogramme müssen statt dessen einzelne Länder gesucht werden, einigten sich die Teilnehmer. Die müssen interessant sein und es müssen sich dort Partner und Gastfamilien finden lassen. Dabei könnte sich der AFS auf problematische Erfahrungen anderer Organisationen stützen: Frank Mischo von der Kindernothilfe berichtete am Beispiel Afghanistan über Feindbilder insbesondere bei Muslimen. Um Hilfe leisten zu können, müssten die christlichen Hilfsorganisationen teilweise muslimische Partnerorganisationen finden, um die Herkunft der Hilfe zu vertuschen. Für Austauschprogramme sind deshalb vielleicht weniger exotische Partnerländer vorzuziehen, auch mit Rücksicht auf das Teilnehmerinteresse in Deutschland. In den kommenden Monaten soll eine Strategie für den Austausch mit islamischen Ländern entwickelt werden. Gleichzeitig wird es dort konkret: Welche Partnerländer kommen in Frage und wie könnte ein Programm aussehen?
AFS und Islam – wie soll es weiter gehen?
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FS will durch interkulturelle Begegnungen Verständnis von Kulturen füreinander wecken, wo es daran mangelt. Auf dem Seminar ‚Das eigene fremde Andere – der Islam und Europa‘ bestand deshalb Einigkeit darüber, dass mittelfristig Austauschprogramme zwischen westlicher und islamischer Welt entwickelt und vorgeschlagen werden sollen. Dafür soll in den nächsten Monaten eine Strategie entwickelt werden und es müssen mögliche Partnerländer gefunden werden, die attraktiv sind und eine funktionierende Struktur anbieten können. Auf der MK hat es bereits einen Folgeworkshop zum Thema gegeben. Weitere Veranstaltungen sollen stattfinden. Henning Hinze Kontakt: Hinze@uni-mannheim.de
(o.) Auskunft aus erster Hand: Fragen an den Imam (u.) Besuch in der Moschee Königswinter
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Lokal & Global
EFILs XL-Projekt vernetzt europäische Komitees und lässt sie mit eigenen Projekten wachsen
Europa, ganz groß Vom 28. August bis zum 4. September 2002 fand in Brüssel das Kickoff-Meeting für das „Large Scale Training Project“ statt. Organisiert von EFIL, dem Dachverband der europäischen AFS-Organisationen, ermöglicht dieses zweijährige Pilotprojekt 20 Komitees aus acht Ländern Training, Zusammenarbeit untereinander und Lernen im interkulturellen Kontext. Aus Deutschland nehmen die Komitees Berlin, München und Saarbrücken teil.
(u.l.) Das Selbstversorgerhaus “De Waterman” in Brüssel beherbergte 50 AFSer. (u.r.) Selbstversorgung extra large: Die Köchinnen bei der Inventur.
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rgerlich, aber wahr: die OnlineBestellung der Lebensmittel ist nicht in die Werkhuizenstraat gegangen, sondern in einen anderen Stadtteil von Brüssel. Wovon sollten nun die circa 50 Teilnehmer des Kick-Off-Meetings die nächsten fünf Tage leben? Ein Anruf beim Händler klärte es auf: ein paar hektische Wortwechsel auf Französisch genügten, und Pascal Hildebert, Trainingsverantwortlicher bei EFIL, hatte das Abendessen im Jugendhostel „De Waterman“ gerettet.
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icht nur die kulinarischen Künste der ehrenamtlichen Kochgruppe wurden auf die Probe gestellt. (Noch nie gab es so leckere Bifteck à la Cornflakes, die Maisflocken waren im Überfluss vorhanden und mussten kreativ verarbeitet werden). Auch viele Erwartungen und Hoffnungen der Komiteemitarbeiter aus 20 europäischen Komitees, von Tschechien bis Island, wurden zurückgesteckt, neu definiert und in neue Projektepläne gegossen. Der Lernprozess war oft mühsam, Englisch doch nicht so einfach, wie es immer schien und man musste öfters mal nachfragen, was gemeint war. Keine leichte Aufgabe also für alle Beteiligten, die Komitees mit unterschiedlichen Startvoraussetzungen, aus verschiedenen Kulturen und mit einem abweichenden Verständnis von Komiteearbeit für die anstehenden Aufgaben fit zu machen. Und die sind zum Teil sehr herausfordernd. Nach den ersten Tagen mit Schulungen in Teamarbeit und Projektmanagement, in Mitarbeiterfindung, Fundraising, Kommunikation und PR wurden klare Projektziele formuliert, möglichst
spezifisch, messbar, erreichbar und zeitlich festgesetzt. Dabei wurden nicht nur strukturschwache Komitees ausgewählt. In drei Themengruppen, „Komiteemitarbeit und Programme“, „Strukturen und Kommunikation“ sowie „Kooperation und Projekte“ , teilten sich die Komitees auf, und konnten sich entsprechend ihren Bedürfnissen beraten und schulen lassen.
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ita und Maria aus Barcelona zum Beispiel wollen mehr für die Bekanntheit ihres Komitees und die Finanzierbarkeit von AFSProgrammen tun: Ziel soll sein, eine bestimmte Anzahl von Presseund sogar Fernsehberichten zu veröffentlichen. Außerdem soll am Projektende ein Firmenstipendium organisiert sein. Jurgen und Nele aus dem 18plusChapter in Flandern planen eine Tour durch viele Schulen, um die Bekanntheit der 18plus Programme zu fördern. Außerdem wollen sie eine bessere und intensivere Vernetzung aller 18plus-Gruppen in Europa erreichen.
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icht zuletzt fangen die Komitees untereinander an, Mitarbeiter und Know-how auszutauschen. Fast alle Infos fließen elektronisch per E-Mail, EFIL stellt darüber hinaus ein Internet-Portal mit wichtigen Informationen zur Verfügung. Eine Art Nachbarschaftshilfe zwischen allen Beteiligten scheint in Gang zu kommen, ein europäisches Netzwerk von Komitees könnte der langfristige Effekt dieses Projekts sein. Midt-Troms aus Norwegen hilf
TurBo aus Tschechien. Die einen vermitteln Erfahrungen aus jahrelanger Komiteearbeit, die anderen Ideen, um endlich jüngere Mitarbeiter zu finden.
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rei deutsche Komitees verfolgen seit Anfang September ebenfalls eifrig ihre „Action Plans“: Saarbrücken, München und Berlin. Beraten und unterstützt werden alle Komitees von der „Support-Group“, einem sechsköpfigen Ehrenamtlichenteam aus Finnland, Deutschland, Österreich, Tschechien und der Türkei. Ausgestattet mit mehr als 130.000 Euro von der Europäischen Kommission, wurde die Projektidee von Claudia Rausch vor über einem Jahr aus der Taufe gehoben. Bis Mitte 2003 sollen einzelne XL-Projekte laufen, Nachfolgeprojekte bei Erfolg sind erwünscht und nicht auszuschließen. Am Ende steht natürlich die Erfahrung, und die soll dann als Handbuch der „Best Practices“ allen anderen zugänglich gemacht und weitergegeben werden. Florian Aue Informationen zu den Komitees und den einzelnen Projekten: efil.afs.org/xl-project/
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Fotos: Florian Aue
(o.) Projektmanagement zum Anfassen: Claudia Rausch vom EFIL Sekretariat führt in die Thematik ein.
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Tausend Gesichter, eine Herzlichkeit: Als Austauschstudentin in Argentinien Politische Instabilität und Wirtschaftskrise beuteln das Land, das in anderer Hinsicht reich ist – an Herzlichkeit, an Interesse, an Landschaften. Julia Kayser hat gerade dieses zweite Argentinien, ausgehend von Córdoba im nördlichen Zentrum, als Ziel für ihr Auslandsstudium gewählt.
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ine der Hauptverkehrsstraßen der Stadt, sechsspurig, um 4 Uhr nachmittags: Außer dem Hupkonzert geht nichts mehr, Taxis, Remis, Colectivos und Autos stecken fest, die einzigen, die in einem selbstmörderischen Akt noch vorwärts kommen, sind Radler und Motorräder, mit denen man aber in dieser Abgashölle auch nicht tauschen möchte. Eine halbe Stunde später ist die Straße wie verwandelt: Fußgänger überqueren im normalen Tempo die Spuren, der Verkehr ist durch Colectivos, die quer vor den Zufahrten stehen, vollständig abgeriegelt. Mal wieder paro – Streik.
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ie Stadt, die ebenso wie das ganze gigantische Land so viele Gesicht hat, ist für ein knappes Jahr mein Zuhause – für zehn Monate studiere ich an der Universidad Católica de Córdoba. Vieles erinnert mich an mein AFS-Jahr in den USA – und doch ist hier alles anders. Zum einen wird vollkommene Anpassung nicht
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zenenwechsel. Ein Montagabend um 21 Uhr, ein Sommerabend vor der Kathedrale, die in ihrem Stilmix individuell, aber dennoch, nun angestrahlt, sehr herrlich wirkt. Die Plaza San Martin, der zentrale Platz der Stadt, wird neben einer ständig steigenden Zahl von Menschen durch Hunde bevölkert, die alle gleichermaßen entspannt der Musik lauschen, die eine Gruppe Musiker hier gratis zum besten gibt – jeden Abend eine andere. Im kompakten, kolonialen Stadtkern fällt es schwer, sich in einer Millionenstadt zu wähnen, deren Vororte sich über Kilometer hinziehen.
gefordert, häufig auch nicht gewollt – die Neugier der Menschen hier auf das Andere ist allgegenwärtig – Europa spielt im Selbstbildnis der Argentinier immer noch eine wesentliche Rolle, nicht umsonst streitet man sich seit Jahrzehnten mit Chile um den Platz des europäischsten lateinamerikanischen Landes. Aber nicht nur die Vergangenheit, auch die Zukunft vieler Menschen hier, insbesondere der jungen, bedeutet Europa. Man kann eine gegenläufige Immigrationsbewegung ausmachen – nach dem Universitätsabschluss zieht es viele, trotz generell schlechter
(o.l.) Doña Margerita mit einem ihrer Schützlinge. Sie lebt alleine mit Lamas und Guanacos zwei Fußstunden vom nächsten Haus entfernt.
Sprachkenntnisse, ins gelobte EuroLand, hat doch die große Mehrheit zwei Staatsangehörigkeiten, meist die italienische, aber auch die spanische, englische oder deutsche. Die schlechte wirtschaftliche Situation, bedingt und verschärft durch die hohe Auslandsverschuldung, die Mitte März 2001 zum Rücktritt fast des gesamten Kabinetts und enormen Straßenprotesten geführt hat, lässt viele an einer rosigen Zukunft in diesem Land zweifeln. Die Ereignisse im Dezember und Januar 2002 haben sie in ihrer Einschätzung bestätigt.
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ndererseits jedoch ist die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Land sehr ausgeprägt, was sich nicht nur daran messen lässt, dass zu Geburtstagen von Freunden, die wie die Mehrheit hier aus anderen Provinzen des Landes kommen, wie selbstverständlich
(o.r.) Die Puente del Inca in der Cordillere kurz vor der Grenze zu Chile – die heißen Quellen unter der natürlichen Brücke lassen einen die kalten Winde schnell vergessen. (unten, v.l.n.r.) Tauben füttern vor dem Cabildo, dem Rathaus aus der Kolonialzeit: Die Plaza San Martín ist wie in jeder argentinischen Stadt der Treffpunkt. Die Jurafakultät der Universidad Nacional de Córdoba (gegründet 1647) – ein Haus mit langer Geschichte. Iguazú, die Großen Wasser: Ein Naturspektakel, das nicht mit Worten zu beschreiben ist (außer: „poor Niagara“).
Fotos: Julia Kayser
Die Legislative der Provinz Córdoba – in den Augen vieler sind die Politiker für die Misere des Landes allein verantwortlich.
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„Es geht um eine gemeinsame Zukunft“ Sommeruniversität in Prishtinë leistet interkulturelle Aufbauarbeit
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(o.) Gebaut, unbenutzt, bewacht. Nach dem Anschlag vor drei Jahren bleibt die Kirche Sveti Spasa das Symbol der unbewältigten Vergangenheit und Gegenwart.
ie ein Mal aus längst vergangener Zeit steht sie da, die serbisch-orthodoxe Kirche Sveti Spasa. Trotzig leuchtet ihr goldenes Kreuz auf den Betonkuppeln. Nur der umringende Stacheldraht bezeugt, dass diese Kirche noch nicht Geschichte ist. Weil seit ihrem Baubeginn 1994 niemals ein Gottesdienst in ihren Räumen stattfand, nennen sie die muslimischen Kosovaren “die politische Kirche”. Am Fuße des Gotteshauses wacht ein britischer KFOR-Soldat. “Was wollt Ihr denn in Prishtinë?” fragt er verständnislos die Kamera bewaffneten Studenten vor ihm.
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icht aus Vergnügungssucht, sondern aus akademischen Interesse sind diesen Sommer über 150 internationale Studenten zu den 450 lokalen Studenten gestoßen. Drei Wochen lang studierten sie in 28 Kursen der hiesigen Sommeruniversität. Das Kurzprogramm wurde bereits zum zweiten Mal angeboten und deckt alle Fachrichtungen ab. Organisator auf Non-profitBasis ist die Academic Training Association (www.ac ademictraining.org), finanzielle Unterstützung kommt von der niederländischen Regierung und der European University Association.
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onumente wie Sveti Spasa entdeckt man in allen Teilen der Stadt, und alle erzählen sie Geschichten. Statuen von Skanderbeu, dem Nationalhelden, und dem ersten gefallenen UÇK-Kämpfer dominieren das Zentrum. Sozialistische Plattenbauten und jüngste Architekturen – beides prägt das Stadtbild. Prishtinë hat keine wirklichen Sehenswürdigkeiten außer der alten Moschee.
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(u.l.) Fußball verbindet. Kinder in Kosova sind immer für ein Spiel zu haben, ebenso Jewgenie (Estland), Robert (Niederlanden) und Jordy (Kanada).
s gibt viele Probleme, aber wir blicken ehrgeizig in die Zukunft,” sagt Pleurat Kabashi von der hiesigen Studentenorganisation. Es sei wichtig, sich für andere Kulturen zu öffnen, damit sich Kosovaren nicht in überzogenem Nationalismus verlören. Für viele der lokalen Studenten ist die Sommeruniversität die einzige Möglichkeit, im eigenen Land das Ausland und andere Ansichten zu erleben, da sie nur schwierig von anderen Ländern Visa bekommen.
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n den offenen Foren der Sommeruniversität spürt man, wie wichtig es für die Studenten ist, als Vorreiter an der Identität eines künftigen Staat mitzuwirken. Die Fragerunde zum Thema „Medien in Kosova“ wird bald vom der Unterschied zwischen albanischem und kosovarischen Dialekt dominiert. Später hört man serbische Studenten mit kosovarischen auf Englisch scherzen. Nach wie vor leben Serben in international bewachten Dörfern auf dem Boden des Gebietes, das einmal ein unabhängiges Kosova werden soll. Identitätsfindung und Vergangenheitsbewältigung zur gleichen Zeit sind ein schwieriger Spagat, da jeder der Studenten direkt vom Krieg betroffen war. „Nicht jeder ist gleich kriminell, weil er serbisch ist,“ meint Albina Dronçilla aus Prishtinë. „Wir suchen eine gemeinsame Zukunft.“ Und die ist ohne internationale Berührungspunkte nicht vorstellbar. Christopher Stolzenberg (Canada 94/95, Jordanien 99)
Fotos: Christopher Stolzenberg
(u.r.) Gegenhalten. Unweit des Konfliktsymbols fragt die KFOR: „Wie kann man erkennen, welches Baby albanisch und welches serbisch ist?“
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Forum
Erfahrungen gesucht!
Persönliches Wir gratulieren zur Hochzeit: Julia Clemens, geb. Ehrenreich (AFS FR 91/92). Am 26. Oktober 2002 heirateten Christa Couturier (ARG 93/94) und Michael Ring. Christa war außerdem Gastschwester von Tip aus Thailand (94/95). Geheiratet haben auch Kay Ole Johannes (ARG 86, ehemaliger HorizonteRedakteur) und Michaela Lang im Januar 2002. Maike Krug (USA 90), ehem. Vorstandsmitglied, hat geheiratet und heisst jetzt Maike Denk.
Prof. Dr.
Michael Eisentraut (USA 88) heiratete Ende Oktober seine Frau Claudia. Sheile Heslin und Klaus Tilmes (USA 76/77) freuen sich über die Geburt ihres dritten Kindes Margaret Rose im März des Jahres. Die Familie wohnt in Maryland, USA. Jutta und Dr. Rolf Tilmes (USA 81/82) freuen sich über die Geburt von Philipp Maximilian. AFS und die Redaktion der „Horizonte“ gratulieren herzlich!
Willi Paul Adams Herr Professor Adams wurde am 1.11.2002 beerdigt. Er ist ein AFSer des Jahrgangs 1957/58, Geburtsjahrgang 1940. Professor Adams war einer der führenden Vertreter der deutschen Historiker bezüglich der amerikanischen Geschichte. Sein Werk über die amerikanische Revolution, veröffentlicht vor 30 Jahren, ist heute noch ein Standardwerk. Darüber hinaus vieles andere. Professor Adams wurde entscheidend durch sein AFSJahr in seinem persönlichen und beruflichen Lebensweg geprägt.
Der Verein
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Die AFS-Stiftung
Der Schwerpunkt der letzten Ausgabe der „Horizonte“ befasste sich mit AFS und Schule. Wir möchten an diesem Thema dranbleiben und brauchen dazu eure Mithilfe: Welche Erfahrungen gibt es bislang mit der Kooperation zwischen eurem Komitee und Schulen? Lassen sich Schulen so einfach „betreuen“? Welche Rolle spielen Gastschüler in ihren Klassen? Bitte schreibt oder mailt uns dazu eure Berichte und Geschichten. Julia Kayser Zinngießergasse 4, 94032 Passau, E-Mail julia.kayser@web.de
Suchen & Finden Der MNP-Jahrgang 88/89 sucht seine verschollenen Mitglieder! Wir wollen uns an Pfingsten 2003 (7.–9. Juni 2003) zum 15-jährigen Jubiläum treffen. Bitte meldet euch bei Anke Willrett, awillrett@web.de, damit wir euch eine Einladung schicken können.
Gewonnen & Gewinnen Die Siegerin des Preisrätsels der letzten Ausgabe ist Nancy Grochol. Sie erkannte zwei Schulen ihrer Heimatstadt Magdeburg wieder. Die Redaktion gratuliert! Die neue Frage: Wie viele Schüler hat euer Komitee im Laufe seines Bestehens gehostet? Schreibt oder mailt bis zum 9. März 2003 einen Kurzbericht an die Redaktion oder an andre.seifert@planet-interkom.de. Die ersten drei Einsender gewinnen AFS-Tassen, Taschenmesser oder T-Shirt (nach Verfügbarkeit). Mitglieder der Redaktion sind ausgeschlossen.
Impressum
gegründet 1998 Der Verein AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. umfasst derzeit über 7.000 Mitglieder. 1.800 ehrenamtliche Mitarbeiter sind in 82 Komitees tätig, die AFS-ldee umzusetzen. Geschäftsführender Vorstand: Nils-Joachim Bauer, Vorsitzender Oliver Hartmann, stellvertr. Vorsitzender W. Andreas Beischall, Schatzmeister Mick Petersmann, Geschaftsführer Geschäftsstelle: Friedensallee 48, 22765 Hamburg Delegierte aller Komitees treffen sich einmal jährlich zur Kontrolle und Beschlussfassung über Programme und Programminhalte sowie zur Wahl des ehrenamtlichen Vorstands. Das Kuratorium unterstützt den Vorstand bei der Verwirklichung des Vereinszwecks.
Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit regelmäßigen Zuwendungen aus den Zinsen des Stiftungskapitals die Aktivitäten des AFS zu unterstützen und durch die Vergabe von Stipendien den internationalen Jugendaustausch zu intensivieren. Stiftungsrat: Dr. Helmut Schlotke, AFS USA 52/53 Jan Pörksen, AFS USA 80/81 Ein Vertreter des Stifterverbandes Bankverbindung: Bank: Dresdner Bank, Essen Konto: 404 10 94 33 BLZ: 360 800 80 Empfänger: Stifterverband für die deutsche Wissenschaft e. V. Verwendungszweck: AFS-Stiftung (Zustiftung)
Herausgeber: AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. Friedensallee 48, 22765 Hamburg Postfach 50 01 42, 22701 Hamburg Tel. 040/399 222-0 Fax 040/399 222-99 E-Mail: info@afs.de, Internet: http://www.afs.de Bankverbindung: Vereins- und Westbank Hamburg Kto: 143 18 81 BLZ 200 300 00 V.i.S.d.P./Redaktionsanschrift: Barbara Müller-Heiden, Lichterfelder Allee 106, 14513 Teltow Tel./Fax: 0 33 28- 3316 96, E-Mail: mueller-heiden@web.de Redaktion: Florian Aue, Rebekka Drobbe, Julia Kayser, André Seifert Gestaltung: André Seifert (Print), Florian Aue (Horizonte Online) www.afser.de/horizonte Druck: RESET GmbH, Virchowstraße 8, 22767 Hamburg Die Redaktion behält sich vor, Beiträge zu kürzen.
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(o.) Mate, ein ständiger Begleiter für jeden Argentinier. Wo man sich trifft, darf die Thermoskanne und die Yerba nicht fehlen. (u.l.) Die Einsamkeit in den Anden am Länderdreieck Argentinien – Bolivien – Chile wird nur durch den wöchentlichen Frachtzug unterbrochen.
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Folklore neben Pop gespielt wird. Häufig erreicht die schlechte Lage des Landes, die Argentinien unter fast allen lateinamerikanischen Ländern hervortreten lässt, nicht das Selbstbewusstsein der Menschen, deren Tagesablauf sich, außer durch ein paar hitzige Diskussionen gewürzt, auch beim Generalstreik nur wenig ändert. Nicht umsonst sagt man, ein Argentinier mit Selbstmordabsicht könnte sich ohne Probleme von seinem Ego herabstürzen und würde dabei den sicheren Tod finden. Vielleicht ist es dieses Ruhen in sich selbst, das mir hier durch die ausgeprägte Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft viele Türen geöffnet hat – angefangen mit geliehen Büchern, damit man sich nicht gleich mit dem Kauf eines einfachen Gesetzesbuches (US $ 50.-) ruiniert, bis hin zu spontanen
Einladungen nach Hause. Und dass die Hilfsbereitschaft auch soweit geht, dass jemand, der keine Ahnung hat, wonach man ihn fragt, dir trotzdem eine Antwort gibt, bin ich gerne bereit einzukalkulieren.
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iese Eindrücke habe ich nun schon vor einiger Zeit gesammelt. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland hat sich die Lage in dem Land dramatisch verschlechtert, zu den bereits bekannten Generalstreiks kam nun die Sperrung der Konten dazu, die verhindern sollte, dass das nicht vorhandene Kapital nicht auch noch Argentinien verlässt und im Januar 2002 wurde endlich, viel zu spät, die Parität des Peso zum Dollar aufgehoben. Was für die einen Grund zur Freude (Chilenen und Brasilianer entdecken das vielseitige Argentinien wieder als Reiseland, weil sie nicht mehr für eine Übernachtung einen ganzen Monatslohn zahlen müssen), ist für die anderen nur noch Grund zur Verzweiflung: Überall im Land,
(u.r.) Santa Catalina, eine von vielen Estancias Jesuíticas in der Provinz: Von diesen Farmen aus haben die Jesuiten die argentinische Urbevölkerung missioniert und unterstützt.
das einst zu den wirtschaftlichen Vorreitern Lateinamerikas gehörte, haben sich Tauschmärkte etabliert, auf denen das ohnehin jeden Tag an Wert verlierende Geld nicht mehr als Währung anerkannt ist: Teilnehmen am Tausch darf nur, wer Selbstgemachtes oder eine Dienstleistung anbietet. Da schneidet der Friseur dem Anwalt die Haare, der ihm daraufhin die Klageschrift für die Freigabe seiner Dollarersparnisse aufsetzt. Andere verlassen wiederum das Land, um in der Ferne ihr Glück zu suchen – viele von ihnen kehren nach nur wenigen Wochen oder Monaten entmutigt zurück: Die Arbeitssuche im Ausland gestaltet sich meist nicht so einfach und für viele kann auch die schlechteste wirtschaftliche Situation nicht das Ende ihrer engen Verbundenheit zu ihrer Heimat bedeuten. Argentinien ist am Ende, aber dennoch sieht man überall kleine, noch unscheinbare Anfänge, die auch wieder Mut machen. Julia Kayser
Mittelebene
Projektgruppe PTW Brasilien PJ PTW BRA? Was ist das eigentlich? Nun, eine Projektgruppe Partnertwinning Brasilien. Und was heißt das nun? AFS Brasilien und AFS Deutschland haben sich zusammengetan, um sich gegenseitig zu helfen, ihre Arbeit zu verbessern. Brasilien hat sich dabei auf die Fahnen geschrieben, das Bewerber/ Hopee-Verhältnis auf 3:1 zu bringen und ihre Komitees zu stärken. AFS Deutschland will vor allem die Zahl der Hopees, die Brasilien auf dem Länder-Präferenzbogen auf Platz
eins oder zwei haben, erhöhen. Wir wollen ein besseres Verständnis für die kulturellen Unterschiede erreichen. Dazu gehören vor allem bessere Vorbereitungen und eine bessere Betreuung der Austauschschüler auf beiden Seiten während des gesamten Jahres. Bis Ende November sind zwei Ehrenamtliche vom AFS Brasilien in Deutschland, um unsere Arbeit kennenzulernen und auf Infoabenden und Auswahlen Werbung für Brasilien zu machen. Von Mai bis Juli 2003
werden zwei bis vier Ehrenamtliche von uns durch Brasilien reisen, um dort Deutschland als Aufenthaltsort für ein Austauschjahr populär zu machen. Es werden immer noch Leute gesucht und gebraucht, die Lust haben, sich in dieser Projektgruppe zu engagieren. Rebekka Drobbe Kontakt: moritz.jacobshagen@gmx.net
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