invest
02 2020
Ihre Anlageperspektiven
Nachhaltige Ernährung
Wie Anleger von einem veränderten Speiseplan profitieren
«Zugegeben, mein Wagen säuft eine Menge… aber Ihre kalifornischen Spargeln brauchen auch 5 Liter das Kilo!»
Geschätzte Leserin, geschätzter Leser Die bewegte Zeit, in der sich unsere Gesellschaft seit Anfang März 2020 neu zu orientieren versucht, verdrängt unterschiedlichste Themen aus dem öffentlichen Interesse. Dies wird nicht ewig andauern. Unser Scheinwerfer richtet sich auf ein Grundbedürfnis, welches erstaunlicherweise auch in harmonischen Zeiten kaum mit dem medialen Spektakel um technische Innovationen mithalten kann. Zu Unrecht, da nicht zuletzt auch der soziale Frieden davon abhängt. Sie werden mit nüchternen Fakten ebenso konfrontiert wie auch mit Skizzen und Ansätzen zur Entwicklung der Nahrungsmittelindustrie. Als Teil einer umfassenden Anlagestrategie eignet sich die verstärkt von Innovation und Wachstum angetriebene Nahrungsmittelindustrie bestens, um ein diversifiziertes Portfolio robust und zukunftsorientiert auszugestalten. Lassen Sie sich mit dem einen oder anderen Augenzwinkern darlegen, wohin die Reise der Nahrungsmittelindustrie gehen könnte und wie Sie daraus einen Nutzen ziehen können.
Freundlich grüsst Sie
Sandro Schibli Bereichsleiter Private Banking
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Nachhaltige Ernährung
«To beef or not to beef» Wir stehen am Scheideweg unserer Nahrungsmittelversorgung. Wird es uns gelingen, unser Lebensmittelsystem so zu gestalten, dass wir im Jahr 2050 10 Milliarden Menschen ressourcenschonend und gesund ernähren können? Eine Analyse, wo wir uns auf dieser Reise aktuell befinden, kombiniert mit einem Menüvorschlag für eine nachhaltige Zukunft.
von Raphael Wirth
Nicht viel deutete im Jahr 1798 darauf hin, dass der Essay des britischen Ökonomen Thomas Malthus «An Essay on the Principle of Population» 200 Jahre später wiederum so aktuell wird. Der Geistliche warnte, dass unser überbevölkerter Planet nur durch Krieg, Seuchen, Epidemien und Pest eine gigantische Hungersnot vermeiden könne. Der Essay mag in vielen Aspekten überzeichnet sein, jedoch hat der britische Ökonom bereits vor 200 Jahren die gigantische Herausforderung der heutigen Menschheit kommen sehen. Dabei steht nicht etwa die jüngste Pandemie des Coronavirus im Vordergrund, sondern die Grundsatzfrage, wie es uns gelingt, mit einem ressourcenschonenden Umgang immer mehr Münder zu füttern. Das Bevölkerungswachstum hat sich in den letzten Jahren zwar verlangsamt, jedoch kommen weltweit pro Sekunde nach wie vor 2,6 Erdenbürger dazu. Laut Vorhersage der Vereinten Nationen (UNO) werden wir im Jahr 2050 den 10-milliardsten Menschen auf der Welt begrüssen dürfen, was auf heutiger Basis einen Anstieg von rund 30 % darstellt. Auch die Schweiz wird 2050 voraussichtlich 1,1 Millionen Menschen mehr verzeichnen als heute. Das Bevölkerungswachstum wird dabei nicht die einzige Herausforderung bleiben. Aufgrund einer stetig grösseren Mittelschicht in den aufstrebenden Ländern steigt auch der Appetit nach tierischer Nahrung an. Das Beratungsunternehmen McKinsey schätzt, dass allein in China und Indien zwischen 2005 und 2025 mehr als 1 Milliarde Menschen in die Mittelschicht aufsteigen werden. Auf Basis des Konsums im Jahr 2010 prognostiziert die US-Denkfabrik World Resources Institute gesamthaft einen Nachfrageanstieg nach tierischer Nahrung um 68 % bis im Jahr 2050. Die Nachfrage nach Produkten von Rind, Schaf und Ziege soll dabei gar um 88 % steigen. Ist ein solches Bevölkerungswachstum für unseren Planeten überhaupt verkraftbar, im Bewusstsein, dass die Treibhausgasemissionen zurückgehen müssen, das Süsswasser knapp wird und kein weiterer Boden in Agrarland umgewandelt werden darf? Wo befinden wir uns auf der Reise hin zu einer gesicherten Ernährung für unsere Erdenbürger? Das vorliegende invest-Magazin bietet einen Menüvorschlag für eine nachhaltige Nahrungsmittelzukunft, denn dieser ist gefragter denn je.
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Ressourcen gehen schon im Mai zur Neige Um eine Aussage treffen zu kĂśnnen, ob das vorhin geschilderte Wachstumsszenario von BevĂślkerung und Nahrungsmittelkonsum Ăźberhaupt tragbar wäre, genĂźgt ein Blick auf den heutigen Ressourcenkonsum. Ă„usserst populär ist dabei das Konzept des Overshoot Day vom britischen Ă–konomen Andrew Simms. Dabei wird der Verbrauch an natĂźrlichen Ressourcen mit der Biokapazität, sprich mit der Oberfläche von biologisch produktivem Land oder Wasser, die sich innerhalb einer bestimmten Zeit regenerieren lässt, verglichen. Seit Beginn dieser Kalkulation im Jahr 1971 ist der Tag, an dem mehr natĂźrliche Ressourcen verbraucht werden, als das Ă–kosystem reproduzieren kann, um fĂźnf Monate nach vorne gerĂźckt, und zwar auf den 29. Juli. Wer denkt, die Schweiz stehe im internationalen Verbrauch gut da, der irrt. Im Gegenteil: Bereits am 7. Mai hat die Schweiz sämtliche Ressourcen aufgebraucht. Mit anderen Worten: Wenn alle den gleichen Lebensstandard wie die Schweiz hätten, bräuchte man rund drei Erden, um den Verbrauch zu decken. Wie die Grafik 1 illustriert, leben wir Schweizer und die anderen Industrienationen auf Kosten der ärmeren Länder. Diese konsumieren aufgrund ihres tieferen LebensÂstandards weniger. Das Erbe dieses kaum nachhaltigen Konsumverhaltens tragen am Schluss jedoch die nachkommenden Generationen.
Industrienationen leben auf Kosten der ärmeren Länder.
Grafik 1: Je hĂśher der Lebensstandard, desto grĂśsser der Ăśkologische Fussabdruck
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Quelle: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, Global Footprint Network, acrevis Investment Center.
Woher rßhrt nun eigentlich die Umweltbelastung der Schweizer BevÜlkerung? Mit rund 28 % der Umweltbelastungen rangieren die Bereitstellung und der Konsum von Nahrungsmitteln auf Rang eins, gefolgt von Wohnen (24 %) und privater Mobilität (12 %). Die Detailanalyse des Nahrungsmittelkonsums zeigt, dass rund die Hälfte der ernährungsbedingten Umweltbelastung auf tierische Produkte zurßckzufßhren ist. Dies ist nicht weiter verwunderlich, wenn man die Belastung der Nahrungsmittelproduktion im Quervergleich anschaut (siehe Grafik 2).
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Nachhaltige Ernährung
Grafik 2: Tierbasierte Nahrung ist ressourcenintensiver als pflanzenbasierte Nahrung 4GUUQWTEGPXGTDTCWEJ RTQ 6QPPG 2TQVGKPG JC
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Quelle: GlobAgri-Modell, Mekonnen und Hoekstra (2011, 2012), Waite et al. (2014), acrevis Investment Center.
Die Studie vergleicht den Ressourcenaufwand der einzelnen Nahrungsmittel in Bezug auf benÜtigte Anbaufläche, Wasserbedarf sowie Treibhausgasemissionen. Im Allgemeinen lässt sich festhalten, dass pflanzliche Nahrungsmittel wie Weizen, Reis und Hßlsenfrßchte deutlich umweltschonender produziert werden kÜnnen als tierische Nahrungsmittel. Zudem ist erkennbar, dass das Rindfleisch mit Abstand am meisten Ressourcen benÜtigt. Umgerechnet auf einen Hamburger mit 113 Gramm konventionellem Rindfleisch ergibt sich folgende Umweltbilanz: 1'800 Liter Wasser, 6'120 Gramm Futter, 25 Quadratmeter Fläche, 45 Gramm Treibhausgase. Der grÜsste Treiber des immensen Ressourcenverbrauches ist das Zufßhren von Mastfutter wie Weizen, Mais und Soja.
Die Fleischproduktion ist ressourcenintensiv.
Fleischkonsum divergiert stark Betrachtet man den Fleischkonsum pro Land anhand der Grafik 3, ergeben sich frappante Unterschiede: Weltweit am wenigsten Fleisch konsumiert die indische BevÜlkerung. Ihr reichen durchschnittlich 3,5 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Dieser Konsum ist seit 1990 kaum angestiegen. In Indien hat die vegetarische Lebensweise tiefe kulturelle und religiÜse Wurzeln. Viele Hindus, aber auch die Jains und Buddhisten verzichten aus religiÜsen Grßnden auf den Verzehr von Fleisch. Auf der anderen Seite der Skala befinden sich die USA. Die Amerikaner verzehren Jahr fßr Jahr rund 100 Kilogramm Fleisch, wovon die Hälfte Geflßgelfleisch ist. Zwar sank der Konsum von Rindfleisch seit 1990 um 4 Kilogramm pro Person, jedoch stieg der Verzehr von Geflßgelfleisch im selben Zeitraum um 15 Kilogramm. Die Nachfrage nach Fleisch im Land, wo die industrielle Mast ihren Anfang hatte, ist ungebrochen hoch.
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Und in der Schweiz? Bei Herrn und Frau Schweizer landen Jahr für Jahr 52 Kilogramm Fleisch auf dem Teller. Der Löwenanteil macht dabei das Schweinefleisch mit 22 Kilogramm aus, gefolgt von je 13 Kilogramm Rind- und Geflügelfleisch.
Grafik 3: Fleischkonsum pro Person in Kilogramm *OEJFO
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Quelle: OECD, acrevis Investment Center.
Länderübergreifend zeichnen sich zwei Narrative ab: Sowohl Europa als auch Nordamerika verzeichnen eine rückläufige Wachstumsrate des Fleischkonsums. In den Schwellen- und Entwicklungsländern hingegen ersetzen Fleisch- und Tierprodukte rasch andere Nahrungsmittel, da die wachsende Mittelschicht sich nun die einst unerschwinglichen Nahrungsmittel leisten kann. So konsumieren die Chinesen inzwischen rund die Hälfte des globalen Schweinefleisches. Dies ist der Regierung angesichts der steigenden Zahl von Krankheitsfällen, wie der afrikanischen Schweinepest oder dem Coronavirus, ein Dorn im Auge. Sie proklamiert deshalb eine Halbierung des Fleischkonsums bis 2030.
Eine fleischlose Ernährung ist im Trend.
Was sind die Treiber des Konsumverhaltens? Nebst den Traditionen und Werten wird die Esspräferenz eines Individuums durch den Bildungsgrad, das Alter sowie das Geschlecht beeinflusst. Wie eine Schweizer Umfrage vom Markt forschungsinstitut DemoSCOPE aufzeigt, ist der Anteil der Frauen mit vegetarischer oder fleischrespektive fischarmer Ernährung mehr als doppelt so hoch wie derjenige der Männer. Zudem verzichten jüngere und höher gebildete Personen häufiger auf Fleisch. Insgesamt ernähren sich 3 % der Schweizer vegan, 11 % vegetarisch, 17 % sind Flexitarier und 69 % sind Fleischesser. Die Flexitarier ernähren sich hauptsächlich vegetarisch – dies aber mit Ausnahmen. Interessant zu sehen ist der jüngste Anstieg der Veganer. So veränderten mehr als die Hälfte aller Veganer ihre Essgewohnheit erst in den letzten zwei Jahren, davon ist eine Vielzahl 15 bis 34 Jahre alt. Insgesamt ist der Anteil der Personen, die sich fleischfrei oder -arm ernähren, in den letzten Jahren angestiegen. Die Bevölkerung scheint ein erhöhtes Bewusstsein für eine fleischlose Ernährung zu zeigen – dies zugunsten der Umwelt und der eigenen Gesundheit. Verschiedene Studien deuten unterdessen darauf hin, dass Personen mit einem regelmässigen Fleischkonsum häufiger an Diabetes, Krebs sowie Herz-Kreislauf-Störungen erkranken als solche ohne Fleischkonsum.
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Fleischersatz aus dem Labor bald auf dem Teller?
Nachhaltige Ernährung
Mut zum Ausprobieren Die vom deutschen Chemiker Justus von Liebig im 19. Jahrhundert aufgestellte These, dass die menschliche Muskelkraft auf tierischen Proteinen basiere und demzufolge Vegetarier im Nachteil seien, hat nicht nur die industrielle Mast begründet. Sie hält sich mancherorts noch hartnäckig in den Köpfen unserer Gesellschaft. Diese These wurde in der Zwischenzeit jedoch widerlegt. Nicht nur das: Forscher der Universität Wien und Bern haben bei Knochenanalysen von Gladiatoren aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus herausgefunden, dass sich unsere stärksten Vorfahren überwiegend mit Bohnen und Getreide – also vegetarisch – ernährt hatten. Die vegetarische Küche geniesst insbesondere in Afrika sowie Asien einen traditionell hohen Stellenwert. So hat beispielsweise in China und Südkorea der Verzehr von Tofu, Wurzeln, Blättern und Algen eine lange Tradition und somit auch die Industrialisierung des Fleisches überdauert. So prägt gerade die Alge die koreanische Küche, welche gemeinhin als eine der gesündesten weltweit gilt. Das Seegras bildet den Hauptbestandteil der Seetangsuppe und ist aus dem Speiseplan nicht mehr wegzudenken. Die Suppe gilt als Art Zaubertrank. In Europa verfügt interessanterweise Wales mit dem «Laverbread» über eine ähnliche Tradition beim Verzehr von Algen. Wichtig scheint in diesem Zusammenhang, dass wir die Offenheit haben, solch ungewöhnliche Proteinquellen auszuprobieren und so unseren Menüplan zu erweitern. Dies soll aber jederzeit im Einklang mit den regionalen Gegebenheiten und dem altersspezifischen Bedarf stehen. Es gibt Alternativen Wem Algen und Co. zu wagemutig erscheinen und wer trotz allem noch etwas Fleischähnliches auf dem Teller haben möchte, kann zu pflanzlichen Fleischersatzprodukten greifen. Hierbei werden Hülsenfrüchte wie Erbsen dampferhitzt und mit Druck durch Extruder gejagt, um am Ende ein Fleisch zu erhalten, das nie Tier war. Erbsen? Ja, die Idee ist keinesfalls neu. Stammt sie doch bereits aus dem Jahr 1833. Wie der Autor Georg Büchner im Drama «Woyzeck» protokollierte, experimentierte das deutsche Heer aus Kostengründen schon damals mit Erbsenbrei als Fleisch ersatz. Das Experiment ging jedoch gründlich schief. Die Soldaten erlitten Halluzinationen und verloren die Kontrolle über ihre Muskeln. Denn es war zu jener Zeit noch nicht bekannt, dass die Aminosäure dieser Erbse ein Nervengift produziert. Da sind Unternehmen wie Beyond Meat und Nestlé heute einige Schritte weiter. Es wird keinerlei Aufwand gescheut, um in Bezug auf Konsistenz, Geschmack, Proteingehalt sowie Optik dem Original so nahe wie möglich zu kommen. So simuliert beispielsweise der Randensaftextrakt das Bluten des Fleisches und Apfelextrakte helfen, die Farbe des Plätzli beim Braten von Rot zu Braun zu ändern. Für Furore sorgte Mitte 2019 die Lancierung des Pseudopoulets von Planted. Das ETH-Spin-off kann dabei auf Starthilfe der illustren Investorengruppe um Vegi-Papst Rolf Hiltl zählen. Das vegane Poulet aus Erbsenfasern, Rapsöl und Wasser gibt es seither in über 200 Coop-Filialen zu kaufen, dazu verarbeiten mehrere Dutzend Restaurants bereits Planted-Produkte. Laborfleisch lässt noch auf sich warten Im Gegensatz zum vegetarischen Burger befindet sich das Fleisch aus dem Labor – auch In-vitroFleisch genannt – noch in der Forschungsphase, wobei das niederländische Start-up Mosa Meat ein marktfähiges Produkt für 2021 in Aussicht gestellt hat. Für die Herstellung des Laborfleischs entnimmt man dem lebenden Tier Stammzellen, die anschliessend in einer Lösung auf pflanzlicher Basis kultiviert und vermehrt werden. Die grösste Herausforderung in der Forschung besteht aktuell darin, eine solche Lösung möglichst kostengünstig herzustellen. Dazu hat Mosa Meat eine Mixtur aus Aminosäuren, Zucker und Mineralien entwickelt. Dadurch sollen die Herstellungskosten markant gesenkt werden. Der von Sergey Brin, dem Mitgründer von Google, finanzierte Prototyp-Burger kostete im Jahr 2013 sage und schreibe 250’000 Franken. Ziel soll es sein, nächs-
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Lebensmittelverluste sind immens.
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tes Jahr den Burger bei 10 Franken lancieren zu kÜnnen. Auch die beiden grÜssten Schweizer Detailhändler sind unterdessen an der Forschung beteiligt. So hat sich die Coop-Tochter Bell im Jahr 2018 an Mosa Meat beteiligt. Ein Jahr später folgte die Beteiligung des orangen Riesen an dem israelischen Start-up Aleph Farms. Gemeinsam haben die täuschend echt wirkenden Alternativprodukte, dass diese deutlich ressourcenschonender sind als ihre Originale. Beyond Meat zum Beispiel wirbt damit, 99 % weniger Wasser, 93 % weniger Land und 46 % weniger Energie zu verbrauchen als das Original. Zudem sollen die Alternativen dank tieferem Fettanteil und zusätzlichen Nährstoffen gesßnder sein. Die Alternativen richten sich im Vergleich zu bisherigen Fleischersatzprodukten – Quornschnitzel, Gemßsepatties, Tofuburger – an einen weitaus grÜsseren Markt als Vegetarier und Veganer: nämlich an die Flexitarier und Fleischesser, welche gemäss Impossible Foods 95 % der Kundschaft ausmachen. Bleibt zu hoffen, dass die Unternehmen in Zukunft auch andere Darreichungsformen als Hackfleisch simulieren kÜnnen sowie die Kosten dank Skaleneffekten bei der Produktion sinken werden. Weiter sind zusätzliche Forschungsarbeiten nÜtig, um sicherzustellen, dass das hochgezßchtete In-vitro-Fleisch keine unerwßnschten Nebenwirkungen aufweist. Denn beispielsweise fehlt diesem bei der Kultivierung im Labor der natßrliche Zellverbund. Nachhaltiger Umgang mit den Nahrungsmitteln Einen grossen Einfluss auf die zukßnftige Nahrungsmittelsicherheit hat nicht der Konsum per se, sondern auch die Art und Weise, wie wir mit den Nahrungsmitteln umgehen. Weltweit gehen mit 1,3 Milliarden Tonnen rund ein Drittel aller Lebensmittel verloren, wovon 95 % auf der Deponie landen. Lebensmittelabfälle stellen nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen und Energie dar, sondern sind aufgrund der Vergärung mit 10 % der CO2-Emissionen auch eine Hauptquelle fßr Treibhausgase. Das Problem des Nahrungsmittelverlustes ist nicht mit einer einzigen Aktion zu lÜsen. Wie in Grafik 4 visualisiert wird, entsteht der Verlust entlang der gesamten Lieferkette zwischen Anbau und Konsum.
Grafik 4: Nahrungsmittelverlust entlang der Lieferkette fĂźr Europa
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Quelle: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), acrevis Investment Center.
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Nachhaltige Ernährung
Wie sieht die Situation in der Schweiz aus? Durch den Lebensmittelkonsum in der Schweiz fallen jährlich rund 2,6 Millionen Tonnen Abfall an. Allein am Ende der Lieferkette – in den Haushalten – geht die Hälfte davon verloren. Die UNO-Mitgliedstaaten haben das Problem des Nahrungsmittelverlustes erkannt und Nachhaltigkeitsziele für 2030 definiert. Diese sehen die Halbierung der vermeidbaren Lebensmittelverluste im Detailhandel, der Gastronomie und in den Haushalten vor. Auch die Schweiz hat die Nachhaltigkeitsziele unterzeichnet. Sensibilisierung steht an erster Stelle Um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sind Massnahmen auf sämtlichen Stufen der Lebensmittelkette wichtig. Weil die Umweltbelastung der Lebensmittelverluste am Schluss der Nahrungsmittelkette grösser als am Anfang ist, sind Massnahmen in Haushalten, der Gastronomie und im Detailhandel besonders wirksam. Ein ressourcenschonender Umgang mit den Nahrungsmitteln bedarf einer erhöhten Sensibilisierung seitens der Konsumenten. Dabei können einfache Massnahmen bereits viel bewirken. Unternehmen wie Emmi, Hug und Nestlé haben auf ihren Produkten kenntlich gemacht, dass diese auch über das Haltbarkeitsdatum hinaus verzehrt werden können. Dank dem technologischen Fortschritt ist in der Gastronomie eine Sensibilisierung im Umgang mit Nahrungsmittelabfällen jetzt schon möglich. Der Abfalleimer «Kitro» des gleichnamigen Start-ups aus Lausanne ist dank künstlicher Intelligenz in der Lage, die Menge und Anteile verschiedener Arten von Lebensmittelabfällen zu bestimmen und benutzerfreundlich zu visualisieren. Die Kantinenbetreiberin SV Group konnte dank «Kitro» den Abfall um mehr als 30 % reduzieren. Digitale Anwendungen ermöglichen auch eine einfache Kommunikation zwischen der Gastronomie beziehungsweise dem Detailhandel auf der einen Seite und dem Konsumenten auf der anderen. Das Konzept der Handy-Applikation «Too Good to Go» aus Dänemark ist bestechend einfach: Von Restaurants und Detailhandelsbetrieben können die App-Nutzer Esswaren zu stark reduzierten Preisen beziehen, welche ansonsten weggeworfen werden. Doch die App ist nicht unumstritten, denn die beteiligten Unternehmen müssen nicht nachweisen, dass dadurch weniger Nahrungsmittel weggeworfen werden. Weiter dürften gemeinnützige Organisationen wie «Tischlein, deck dich» den Aufstieg von «Too Good to Go» aufmerksam verfolgen, denn die Unternehmen haben mit der App einen neuen Vertriebskanal erschlossen.
Abfalleimer reduziert dank künstlicher Intelligenz Foodwaste.
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen Der Ostschweizer Technologiekonzern Bühler versucht sprichwörtlich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Zum einen soll der Nahrungsmittelabfall nachhaltig wiederverwertet werden, sodass eine Kreislaufwirtschaft entsteht. Zum anderen soll das Tierfutter nachhaltiger werden. Aktuell werden nämlich drei Viertel des weltweit produzierten Sojas als Proteinquelle für die Tierfütterung gebraucht und stehen somit in unmittelbarer Konkurrenz zur direkten Verarbeitung als Essware. Die Verfütterung macht auch aus Effizienzüberlegungen wenig Sinn. Vom Anbau des Sojas bis zum Verzehr des Fleisches beim Konsumenten gehen enorm viele Proteine und Nährstoffe verloren. Für den niederländischen Insektenhersteller Protix baute Bühler nun letztes Jahr die weltgrösste Anlage zur industriellen Aufzucht von Insekten. Auf einer Fläche von zwei Fussballfeldern werden innerhalb von 6 bis 12 Tagen 2 Milliarden Larven der schwarzen Soldatenfliege gezüchtet. Die schwarzen Soldatenfliegen bieten sich geradezu für die industrielle Aufzucht an, denn sie verwerten bis zu 70 % der Proteine aus einem breiten Spektrum an trockenen und feuchten Nahrungsmittelabfällen. Weiter haben die Soldatenfliegen einen sehr schnellen Lebenszyklus und sind daneben reich an Proteinen, Ölen und Mineralien. Die ausgewachsenen Larven werden anschliessend zu Protein-
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mehl und Lipiden – sprich Fette – fĂźr die Nutztierhaltung weiterverarbeitet. Die Ăœberreste der Larven haben einen hohen Â? V Nährwert und sind als DĂźnger einsetzbar. .CPFYKTVUEJCHV &Ă˜PIGOKVVGN Weiter gibt es bereits erste Anwendun gen in den Bereichen Haustierfutter, 2TQVGKPTĂ˜EM IGYKPPWPI Kosmetika und Reinigungsmittel. Die Insektenaufzucht hat unterdessen die 2TQVGKPOGJN WPF .KRKFG Phase der Marktreife erreicht, denn die Hochskalierung wurde mit dem Bau der 0WV\VKGTJCNVWPI +PUGMVGPHCDTKM Â? V .GDGPUOKVVGN KPFWUVTKG ersten industriellen Anlage unter Beweis /KNNKQPGP V ,CJT gestellt. Um preislich mit dem konventi 5EJYGK\ onellen Futtermehl mithalten zu kĂśnnen, 8GTMCWH -QPUWOGPV sind allerdings weitere Bestrebungen Â? V Â? Â? V notwendig. Positiv stimmt die Erkennt1TICPKUEJG #DHĂ€NNG nis, dass Insekten nicht nur ressourcenschonend enorm wertvolle Nährstoffe liefern, sondern auch die NahrungsmitQuelle: BĂźhler AG, acrevis Investment Center. telabfälle nachhaltig wiederverwertet werden kĂśnnen. So entsteht, wie in Grafik 5 ersichtlich, eine Kreislaufwirtschaft. Grafik 5: Insektenaufzucht fĂźhrt zu Kreislaufwirtschaft
KÜnnen wir uns zu einem gesßnderen Planeten essen? Eines der grossen Ziele der Menschheit fßr 2050 heisst, 10 Milliarden Menschen gesund und nachhaltig zu ernähren. Experten sind der Ansicht, dass dieses Ziel erreichbar ist. Die Menschheit wird allerdings nicht darum herumkommen, die Essgewohnheiten zu verändern, die Lebensmittelproduktion effizienter zu gestalten und Lebensmittelabfälle zu reduzieren. So rechnen Experten vor, dass sich der Verzehr von pflanzlichen Nahrungsmitteln weltweit verdoppeln und sich der Konsum von rotem Fleisch um mehr als 50 % reduzieren muss. Es ist nun an uns Individuen, ein alternatives Menß zusammenzustellen, das unseren Kindern einen intakten Planeten hinterlässt und uns zudem gesund erhält. Die Dringlichkeit zur Erreichung der Nahrungsmittelsicherheit macht das Thema Essen zu einem der bedeutendsten Themen unseres Jahrhunderts. Dabei ist eine verstärkte Vernetzung der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft essenziell. Auf politischer Seite sind Konzepte wie der europäische Green Deal mit dem CO2-Zoll salonfähig geworden. So werden am Zoll die kalifornischen Spargeln beispielsweise mit einer Abgabe belastet, die sich nach deren CO2-Bilanz richtet. Die Dringlichkeit ist auch in der Wissenschaft und Wirtschaft angelangt. Positiv stimmt dabei die hohe Kadenz an neuen Forschungsstudien sowie Produkte- und Applikationenlancierungen. Und diese Dynamik wird sich noch weiter akzentuieren: Laut Analysten wächst der Markt fßr Nahrungsmittelinnovationen jährlich um rund 15 % auf CHF 700 Milliarden im Jahr 2030. Allein der Bereich der pflanzlichen Fleischersatzprodukte soll von aktuell CHF 4,6 auf 85 Milliarden ansteigen. Dies entspricht einem jährlichen Wachstumspotenzial von 28 %. Was bedeutet diese Entwicklung nun fßr die Anleger? Die Landwirtschaftsindustrie steht unbestritten vor einem der grÜssten Wandel ihrer Geschichte, wodurch sich auch hÜchst interessante Opportunitäten erÜffnen. Als Anleger profitieren Sie von einem stark wachsenden Markt, welcher in Zukunft noch mehr ins Scheinwerferlicht geraten wird. Welche Unternehmen besonders innovativ sind und den Wandel hin zu einem nachhaltigen Ernährungsplan unterstßtzen, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.
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Nachhaltige Ernährung
Umsetzungsideen Nachfolgend stellen wir Ihnen Unternehmen vor, die entlang der abgebildeten Wertschöpfungskette zwischen der Landwirtschaft und dem Nahrungsmittel tätig sind, die Kriterien der bewährten «acrevis spektrum»-Methodik erfüllen sowie Innovationsführer sind. Umsetzungsideen Aktien Landwirtschaft
Logistik
DSM
SIG Combibloc
Valor
2’542’581
Währung EUR Branche
Valor
Einschätzung
Währung CHF
acrevis spektrum
Branche
Grundstoffe
Kurs
113.20
KGV
21.09
Dividendenrendite
2.09 %
43’537’795
Kurs
16.47
KGV
18.12
Verhaltensbezogen 1 ➙
Dividendenrendite
Altman Z-Score
4.94
Altman Z-Score Technisch 3 ➚
ROIC / KK
0.84
Gesamteinschätzung 7 ➚
Der niederländische Chemiekonzern DSM ist der weltweit führende Anbieter von Nähr- und Zusatzstoffen für die Nahrungsmittelindustrie. So generiert DSM mit Tierernährungslösungen wie Enzymen und Vitaminen 30 % des Konzernumsatzes. Der Konzern verfügt über zahlreiche zukunftsträchtige Produktinnovationen. Dazu zählen das Joint-Venture mit Evonik zur Produktion von Fischfutter auf Algenbasis, schadstofffreie Pflanzenschutzmittel oder ein Futterzusatz für Rinder, welcher deren Methangasausstoss um mehr als 30 % senken soll. Mit diesem Futterzusatz hilft DSM, die Ökobilanz der Landwirtschaft nachhaltig zu verbessern. DSM baut zudem das Geschäft mit pflanzenbasierten Zusatzstoffen wie Aromastoffen stetig aus.
ROIC / KK
acrevis spektrum
Grundstoffe
Fundamental 3 ➚
Rating
Einschätzung
2.75 %
Rating
Fundamental 2 ➚ Verhaltensbezogen 1 ➙
2.06
Technisch 3 ➚
0.82
Gesamteinschätzung 6 ➚
SIG Combibloc ist der zweitgrösste Verpackungsspezialist der Welt. Dabei verfügt das Unternehmen über Kern kompetenzen im Bereich der sterilen Kartonverpackungssysteme und -lösungen für die Nahrungsmittelindustrie. SIG profitiert vom zunehmenden Umweltbewusstsein der Konsumenten. Die keimfreien Kartonverpackungen stellen eine bis zu 70 % ökologischere Alternative zu Plastikverpackungen dar, da Karton eine Haltbarkeit von bis zu 12 Monaten ermöglicht. Das Schaffhauser Unternehmen profitiert weiter von der verstärkten Nachfrage nach höherwertigen pflanzenbasierten Getränken (z.B. Sojamilch, Reismilch). Das Unternehmen ist Innovationsführer und hat beispielsweise erst kürzlich eine Verpackung lanciert, welche mikrowellentauglich ist.
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invest 02 · 2020
Umsetzungsidee Kollektivanlage
Pictet – Nutrition Fonds Valor
4’253’484
Währung EUR Kurs
228.34
TER
1.17 %
Fondsdomizil Luxemburg Performance p.a.
4.28 %
Volatilität p.a.
9.01 %
Der Fonds investiert in ein konzentriertes Portfolio von rund 50 Unternehmen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Ernährungssektors tätig sind. Dies fängt bei Herstellern von landwirtschaftlichen Ausrüstungen an, geht weiter über klassische Nahrungsmittelproduzenten bis hin zu Logistikunternehmen. Seit der Fondslancierung im Jahr 2009 liegt das Augenmerk auf Unternehmen, die die Qualität, den Zugang zur und die Nachhaltigkeit der Lebensmittelproduktion verbessern. Der Fonds eignet sich als Beimischung (Satellitenanlage) für langfristig orientierte Investoren.
Nahrungsmittel
Veolia Environnement
Givaudan
Valor 1’098’758
Einschätzung
Währung EUR
acrevis spektrum
Einschätzung
Währung CHF
acrevis spektrum
Branche Grundstoffe
Branche Versorger Kurs 18.70
Valor 1’064’593
Rating
Kurs 3’262
Rating
KGV 12.42
Fundamental 1 ➙
KGV 30.82
Fundamental 2 ➚
Dividendenrendite
Verhaltensbezogen 2 ➚
Dividendenrendite
Verhaltensbezogen 1 ➙
4.77 %
Altman Z-Score
1.02
Altman Z-Score Technisch 2 ➚
ROIC / KK
0.91
Gesamteinschätzung 5 ➚
Veolia ist Marktführer bei der Bereitstellung von Umweltlösungen für die Lebensmittelbranche. Zu den Dienstleistungen des französischen Unternehmens gehören die Wasserversorgung, die Behandlung und Rückgewinnung von Industrieabwasser sowie die Sammlung, Verarbeitung und die Wiederverwertung von Abfällen. Veolia unterstützt die Lebensmittelproduzenten dabei, ihre Produktionsprozesse effizienter und nachhaltiger zu gestalten und wo möglich eine Kreislaufwirtschaft einzurichten. Beispielsweise konnte der Lebensmittelproduzent Danone dank der Beratung von Veolia die Rezyklierungsrate seiner Verpackungen massiv erhöhen. Im Bereich der Energiegewinnung hilft Veolia zahlreichen Nahrungsmittelproduzenten, die Energieprozesse nachhaltiger zu gestalten.
ROIC / KK
1.94 % 5.65
Technisch 3 ➚
1.74
Gesamteinschätzung 6 ➚
Givaudan ist der globale Marktführer in der Aroma- und Riechstoffindustrie. Einen Grossteil des Umsatzes generiert das Genfer Unternehmen mit den grossen Nahrungsmittelkonzernen wie Nestlé und Danone. In enger Zusammenarbeit mit diesen entwickelt das Unternehmen Aromen und Düfte, die die Konsumenten in aller Welt begeistern. Givaudan hilft etwa ihren Kunden, deren Alternativfleisch bezüglich Geschmack möglichst nahe an das Original kommen zu lassen. Folglich profitiert Givaudan von der steigenden Nachfrage nach Alternativfleisch und vom Aufkommen pflanzlicher Proteine. Zusammen mit dem Technologiekonzern Bühler arbeitet Givaudan an neuartigen Anwendungen für pflanzenbasierte Lebensmittel.
Die Zahlen entsprechen dem Stand vom 27. April 2020.
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Makro und Märkte
Schwere Kost – auch für eingefleischte Anleger Mit dem ersten Covid-19-Todesfall in Europa Mitte Februar wurde den Finanzmarktteilnehmern zum ersten Mal die Tragweite des Virus bewusst. Die von Angst getriebenen Anleger versetzten die Märkte in eine Stresssituation, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Innerhalb weniger Tage kippte der Schalter von Expansion auf Kontraktion. Als Gegenreaktion traten die Regierungen und die Notenbanken auf den Plan. Mit gigantischen Hilfsprogrammen konnte die Panikphase vorerst gestoppt werden.
von Alessandro Poletti
Mit der Ausbreitung des Coronavirus in Europa wurde eine regelrechte Verkaufswelle an den Finanzmärkten ausgelöst. Die Tagesverwerfungen waren von historischem Ausmass und liessen die Volatilität auf neue Höchststände klettern. Verunsicherung, Angst und Panik beherrschten die Märkte. Die Reaktion der Währungshüter und Staatslenker rund um den Globus liess aber nicht lange auf sich warten. Gigantische, noch nie dagewesene Auffangnetze wurden gespannt, um die Situation zu beruhigen. Dies gelang auch vorerst. Seit den Tiefständen dieses Jahres verzeichnen wir bei diversen Aktienindizes bereits wieder deutliche Kurserholungen. Ob die jüngsten Kursgewinne nachhaltig sind oder sich die Anleger bereits zu optimistisch positioniert haben, ist schwer abzuschätzen. Natürlich hängt die Beantwortung dieser Frage grösstenteils davon ab, ob und wann die Realwirtschaft wieder zur alten Stärke zurückfindet. Eines ist jedoch klar: Die Regierungen und Notenbanken stehen mit noch nie dagewesenen Hilfsprogrammen zur Seite. Nimmt man die Geschichte der Finanzmärkte zu Hilfe, folgt vielfach noch eine zweite Korrektur und erst im Anschluss eine nachhaltige Erholung. Gewinneinbrüche bei Unternehmen, ansteigende Konkurszahlen und die anstehende globale Rezession sprechen für dieses Szenario. Doch es gibt durchaus auch Argumente, die für steigende Kurse sprechen: Dazu gehören die sinkende Zahl der weltweiten Neuerkrankungen, die beispiellose Unterstützung der Notenbanken und Staaten oder die Annahme, dass die Märkte die negativen Vorzeichen bereits beim Ausverkauf im März eingepreist haben. Anleger, die in diesen stürmischen Zeiten auf ein robustes Portfolio mit diversifizierenden Bausteinen wie Gold und Immobilien zurückgreifen konnten, stehen heute solide da. Zukünftig ist sowohl im Aktien- als auch im Obligationenbereich der Titelselektion grosse Wichtigkeit beizumessen. Wir sind überzeugt, dass Unternehmen mit einem innovativen Geschäftsmodell und einer robusten Bilanz gestärkt aus der Krise zurückkehren werden.
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invest 02 · 2020
Autoren
Sandro Schibli Bereichsleiter Private Banking
Alessandro Poletti Leiter Research & Advisory
Raphael Wirth Research & Advisory
Sandro Schibli bringt über dreissig Jahre Erfahrung in der Anlageberatung mit. Als ausgewiesener Fachmann im Asset Management ist er Mitglied des Anlagekomitees. Sandro Schibli ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter.
Alessandro Poletti leitet bei acrevis die Abteilung Research & Advisory. Er verfügt über einen Bachelor der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Betriebsökonomie und ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter (CIIA). Alessandro Poletti ist Mitglied des Anlagekomitees.
Raphael Wirth ist bei acrevis in der Abteilung Research & Advisory tätig. Er verfügt über einen Bachelor der Fachhochschule St. Gallen in Betriebsökonomie sowie einen konsekutiven Master der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Banking & Finance.
Die Inhalte dieser Publikation entsprechen dem Stand vom 27. April 2020.
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