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Herausgegeben von Inez Florschütz in Zusammenarbeit mit Maureen Ogrocki und Leonie Wiegand

Schuh.Design im Wandel


Herausgegeben von Inez Florschütz in Zusammenarbeit mit Maureen Ogrocki und Leonie Wiegand

Schuh.Design im Wandel


Hinter-/Fersenkappe Innenfutter

Spann/Rist/Fußrücken Innenfutter Spann/Rist/Fußrücken

Vorderblatt

Lasche/ Zunge

Hinter-/ Fersenkappe

Brand-/Innensohle

Schnürung Querkappennaht Absatz

Absatz Vorderblatt

Ober-/Lauffleck

Vorder-/ Zehenkappe

Absatzflecken Rahmen Ober-/Lauffleck

Vorder-/Zehenkappe

Laufsohle

Schaft/Oberteil Laufsohle

Schaft/Oberteil

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Hinter-/Fersenkappe Innenfutter

Spann/Rist/Fußrücken Innenfutter Spann/Rist/Fußrücken

Vorderblatt

Lasche/ Zunge

Hinter-/ Fersenkappe

Brand-/Innensohle

Schnürung Querkappennaht Absatz

Absatz Vorderblatt

Ober-/Lauffleck

Vorder-/ Zehenkappe

Absatzflecken Rahmen Ober-/Lauffleck

Vorder-/Zehenkappe

Laufsohle

Schaft/Oberteil Laufsohle

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Grundformen der Schuhe Die Sandale

Die Sandale zählt zu den ältesten Schuhformen und be­ruht auf einer simplen Grundidee: Eine flache, feste Sohle wird mithilfe von Riemen oder Schnüren am Fuß befes­tigt. Der Flip-Flop 1 etwa blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück; Zehenstegsandalen wurden bereits im Alten Ägypten getragen.2 Wie dieses Paar 1 verdeutlicht, waren sie mitunter aufwendig geflochtene Sandalen und im Vergleich zu den heutigen massenproduzierten KunststoffVarianten ästhetische Objekte hoher Handwerkskunst.3     Japanische Zōris, jahrhundertelang aus Reisstroh ge­fertigt, wurden ab den 1950er-Jahren günstig aus Gummi herge­stellt und verkörpern gleichsam die erste Generation von Flip-Flops. Als Bade- und Strandschuhe erfuhren sie 2 6 ab Mitte des 20. Jahrhunderts zunächst in der Surf-Szene Australiens, Neuseelands und Kaliforniens, bald aber auch global großen Zuspruch.4 Neben den Flip-Flops bildeten sich weitere Sandalen­ typen heraus. Unterschiedliche Bindetechniken und Be­fes­-­ tigungen, bei denen die Bänder um die Ferse, die Knöchel, kreuzweise über den Rist oder zwischen den Zehen durchge­ führt werden, wurden entwickelt. Bänderlose Varianten wer­ den durch kleine Pflöcke – zwischen die Zehen geklemmt – am Fuß gehalten 5 . Die Sohlen können aus verschiedensten

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Die Bezeichnung Flip-Flop®, die auf das Geräusch des Gehens in dieser Art von Schuhen zurückgeht, ließ der deutsche Hersteller flip*flop als geschützten Markennamen eintragen. Im englischsprachigen Raum hat sich der Name als Sammelbezeichnung für Zehenstegsandalen aus Gummi und Kunststoff durchgesetzt. Fortan wird für die bessere Leserlichkeit des Textes auf die Kennzeichnung ® verzichtet. 2 Sandalendarstellungen in Wandmalereien und Reliefs in Grabstätten geben Aufschluss über das Tragen von Sandalen, damit verbundenen Bräuchen sowie über Sandalenformen. Eine der frühesten Quellen stellt die Prunkpalette des Pharaos Narmer I dar, der um 3000 v. Chr. regierte. Vgl. DLM 1980, 6.70. Habraken wirft anhand von Fossilfunden in den USA die These auf, dass bereits vor 420 Mio. Jahren Zivilisationen sandalenartiges Schuhwerk ge­­tra-­ gen haben. Siehe Habraken 2012, S. 20 ff. 3 Grabfundstücke geben Auskunft über die vielfältige Gestaltung von Sandalen, die aus Palmblättern, Papyrus, Leder oder Holz gefertigt wurden. Sandalen für Pharaon*innen waren teilweise mit Gold, Edelsteinen und Bemalungen ver ­ziert. Ebenso sind verschiedene Bindetechniken bekannt, neben der Y-Bin- dung war vor allem die T-Bindung weit verbreitet. Für das Leben im Jenseits war neben anderen Gegenständen und Nahrungsmitteln die Grabbeigabe von Sandalen im Alten Ägypten üblich. Siehe hierzu DeMello 2009, S. 67 f. und DLM 1980, 6.70 sowie S. 212 dieser Publikation. 4 Vgl. Semmelhack 2017, S. 64 ff. sowie DeMello 2009, S. 131.


Grundformen der Schuhe Die Sandale

Die Sandale zählt zu den ältesten Schuhformen und be­ruht auf einer simplen Grundidee: Eine flache, feste Sohle wird mithilfe von Riemen oder Schnüren am Fuß befes­tigt. Der Flip-Flop 1 etwa blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück; Zehenstegsandalen wurden bereits im Alten Ägypten getragen.2 Wie dieses Paar 1 verdeutlicht, waren sie mitunter aufwendig geflochtene Sandalen und im Vergleich zu den heutigen massenproduzierten KunststoffVarianten ästhetische Objekte hoher Handwerkskunst.3     Japanische Zōris, jahrhundertelang aus Reisstroh ge­fertigt, wurden ab den 1950er-Jahren günstig aus Gummi herge­stellt und verkörpern gleichsam die erste Generation von Flip-Flops. Als Bade- und Strandschuhe erfuhren sie 2 6 ab Mitte des 20. Jahrhunderts zunächst in der Surf-Szene Australiens, Neuseelands und Kaliforniens, bald aber auch global großen Zuspruch.4 Neben den Flip-Flops bildeten sich weitere Sandalen­ typen heraus. Unterschiedliche Bindetechniken und Be­fes­-­ tigungen, bei denen die Bänder um die Ferse, die Knöchel, kreuzweise über den Rist oder zwischen den Zehen durchge­ führt werden, wurden entwickelt. Bänderlose Varianten wer­ den durch kleine Pflöcke – zwischen die Zehen geklemmt – am Fuß gehalten 5 . Die Sohlen können aus verschiedensten

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Die Bezeichnung Flip-Flop®, die auf das Geräusch des Gehens in dieser Art von Schuhen zurückgeht, ließ der deutsche Hersteller flip*flop als geschützten Markennamen eintragen. Im englischsprachigen Raum hat sich der Name als Sammelbezeichnung für Zehenstegsandalen aus Gummi und Kunststoff durchgesetzt. Fortan wird für die bessere Leserlichkeit des Textes auf die Kennzeichnung ® verzichtet. 2 Sandalendarstellungen in Wandmalereien und Reliefs in Grabstätten geben Aufschluss über das Tragen von Sandalen, damit verbundenen Bräuchen sowie über Sandalenformen. Eine der frühesten Quellen stellt die Prunkpalette des Pharaos Narmer I dar, der um 3000 v. Chr. regierte. Vgl. DLM 1980, 6.70. Habraken wirft anhand von Fossilfunden in den USA die These auf, dass bereits vor 420 Mio. Jahren Zivilisationen sandalenartiges Schuhwerk ge­­tra-­ gen haben. Siehe Habraken 2012, S. 20 ff. 3 Grabfundstücke geben Auskunft über die vielfältige Gestaltung von Sandalen, die aus Palmblättern, Papyrus, Leder oder Holz gefertigt wurden. Sandalen für Pharaon*innen waren teilweise mit Gold, Edelsteinen und Bemalungen ver ­ziert. Ebenso sind verschiedene Bindetechniken bekannt, neben der Y-Bin- dung war vor allem die T-Bindung weit verbreitet. Für das Leben im Jenseits war neben anderen Gegenständen und Nahrungsmitteln die Grabbeigabe von Sandalen im Alten Ägypten üblich. Siehe hierzu DeMello 2009, S. 67 f. und DLM 1980, 6.70 sowie S. 212 dieser Publikation. 4 Vgl. Semmelhack 2017, S. 64 ff. sowie DeMello 2009, S. 131.


Padukas, Indien, 19. Jh.  Zehenstegsandalen mit Y-Bindung, Aquatic Peek, Indien, 2005

Sommerliche Badesandalen für Kinder gibt es in vielen Farben und Mustern. Während bei den meisten Modellen die Oberseite der Sohle mit Motiven bedruckt ist, zeichnet bei diesem auch die Form der Schaumgummi-Sohle die Um­ riss­linien eines Seepferdchens nach. In ihrer Machart, der motivischen Formgebung der Sohle, referieren die Sandalen auf in­­d ische fischförmige Padukas. Auch der Hersteller bezeichnet das Modell als solche. Obermaterial: Kunststoff, Sohle: Schaumstoff  L. 22 cm, B. 1 1,5 cm, H. 4 cm  Inv.Nr. 19966, Spende: Kerstin BuSSmann, 2005. 6

Padukas haben in Indien eine jahrhundertealte Tradition, aber auch im Nahen Osten und in Teilen Afrikas ist die Sandalenform zu finden. In ihrer einfachsten Ausführung wird eine Holzscheibe als Sohle mithilfe eines Pflocks am Fuß ge­h al­ ten. Bei aufwendigeren Designs werden zusätzlich Edelhölzer, Elfenbein oder Metalle wie Silber und Messing als Intarsien verwendet. Die stilisierte Fischform dieser Paduka-Sohle ist aus einem Stück Holz geschnitzt. Kunstvolle Einlegearbeiten mit Messingdraht deuten Schuppen und Flossen des Fisches an. Der Zehenpflock, der zwischen die große und zweite Zehe geklemmt wird, verkörpert das Auge des Tiers. Niedrige Stel­zen an Spitze und Ferse erheben die Träger*innen über den Boden. Fische gelten in Indien als traditionelles Symbol für Frucht­ barkeit. Holz, Metall  L. 24,2 cm, B. 9,5 cm, H. 10,5 cm, SH. 3 cm  Inv.Nr. 7143, Provenienz: Julius Konietzko, Hamburg 1939. 5

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Padukas, Indien, 19. Jh.  Zehenstegsandalen mit Y-Bindung, Aquatic Peek, Indien, 2005

Sommerliche Badesandalen für Kinder gibt es in vielen Farben und Mustern. Während bei den meisten Modellen die Oberseite der Sohle mit Motiven bedruckt ist, zeichnet bei diesem auch die Form der Schaumgummi-Sohle die Um­ riss­linien eines Seepferdchens nach. In ihrer Machart, der motivischen Formgebung der Sohle, referieren die Sandalen auf in­­d ische fischförmige Padukas. Auch der Hersteller bezeichnet das Modell als solche. Obermaterial: Kunststoff, Sohle: Schaumstoff  L. 22 cm, B. 1 1,5 cm, H. 4 cm  Inv.Nr. 19966, Spende: Kerstin BuSSmann, 2005. 6

Padukas haben in Indien eine jahrhundertealte Tradition, aber auch im Nahen Osten und in Teilen Afrikas ist die Sandalenform zu finden. In ihrer einfachsten Ausführung wird eine Holzscheibe als Sohle mithilfe eines Pflocks am Fuß ge­h al­ ten. Bei aufwendigeren Designs werden zusätzlich Edelhölzer, Elfenbein oder Metalle wie Silber und Messing als Intarsien verwendet. Die stilisierte Fischform dieser Paduka-Sohle ist aus einem Stück Holz geschnitzt. Kunstvolle Einlegearbeiten mit Messingdraht deuten Schuppen und Flossen des Fisches an. Der Zehenpflock, der zwischen die große und zweite Zehe geklemmt wird, verkörpert das Auge des Tiers. Niedrige Stel­zen an Spitze und Ferse erheben die Träger*innen über den Boden. Fische gelten in Indien als traditionelles Symbol für Frucht­ barkeit. Holz, Metall  L. 24,2 cm, B. 9,5 cm, H. 10,5 cm, SH. 3 cm  Inv.Nr. 7143, Provenienz: Julius Konietzko, Hamburg 1939. 5

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Ursprünglich als wasserunempfindliche Duschsandale für Sportler*innen 1972 entwickelt, besitzt die ikonische blau-weiße Badesandale mit dem Dreiblatt von adidas heutzutage Kultstatus. Das vorgeformte Fußbett, das breite Ristband und die rutschfeste Sohle bieten den Träger*innen der Unisex-Pantolette auf nassen Böden guten Halt. War das Aufkommen der Adilette anfangs auf Sport­ umkleidekabinen und Schwimmbäder beschränkt, etablierte sie sich in den letzten Jahren erfolgreich als einer der Sommerschuhe. An die Beliebtheit des Klassikers knüpfen mittlerweile auch die großen internationalen Modehäuser an, die eigene Interpretationen des Sandalentyps anbieten. Kunststoff  L. 24 cm, B. 9,5 cm, H. 6,5 cm  Inv.Nr. 21371, Ankauf 2019. 10

Stelzsandalen, Damaskus, Syrien, 19. Jh.  Querriemensandalen, Adilette, adidas, Herzogenaurach, 2019

Im Osmanischen Reich war der Besuch des Hammams (arabisch) oder Hamams (türkisch) fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Hölzerne Badeschuhe Qabâqib (arabisch) oder Nalin (türkisch) wurden sowohl von Frauen als auch Männern in den öffentlichen Badehäusern getragen, um die Füße über den heißen und rutschigen Boden zu erheben und sie zu schützen. Während die Modelle der Männer eher schlicht und niedrig gehalten waren, zeichneten sich die Sandalen der Frauen durch reiche Verzierung und teilweise extreme Höhe aus. Die 14 cm hohen Qabâqib stammen aus Damaskus. Über die Höhe der Sandale und die Fülle der Dekorationen mit Perlmutt-, Elfenbein- oder Edelhölzerintarsien wurden der Status und der Reichtum der Familie der Träger*innen demonstriert. Obermaterial: Seide, Metallfaden, Leder, Sohle und Stelze: Holz, Perlmutt  L. 22,8 cm, B. 9 cm, H. 19 cm, SH. 12,5 cm  Inv.Nr. 8072, Provenienz: Martha Günther, München 1940. 9


Ursprünglich als wasserunempfindliche Duschsandale für Sportler*innen 1972 entwickelt, besitzt die ikonische blau-weiße Badesandale mit dem Dreiblatt von adidas heutzutage Kultstatus. Das vorgeformte Fußbett, das breite Ristband und die rutschfeste Sohle bieten den Träger*innen der Unisex-Pantolette auf nassen Böden guten Halt. War das Aufkommen der Adilette anfangs auf Sport­ umkleidekabinen und Schwimmbäder beschränkt, etablierte sie sich in den letzten Jahren erfolgreich als einer der Sommerschuhe. An die Beliebtheit des Klassikers knüpfen mittlerweile auch die großen internationalen Modehäuser an, die eigene Interpretationen des Sandalentyps anbieten. Kunststoff  L. 24 cm, B. 9,5 cm, H. 6,5 cm  Inv.Nr. 21371, Ankauf 2019. 10

Stelzsandalen, Damaskus, Syrien, 19. Jh.  Querriemensandalen, Adilette, adidas, Herzogenaurach, 2019

Im Osmanischen Reich war der Besuch des Hammams (arabisch) oder Hamams (türkisch) fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Hölzerne Badeschuhe Qabâqib (arabisch) oder Nalin (türkisch) wurden sowohl von Frauen als auch Männern in den öffentlichen Badehäusern getragen, um die Füße über den heißen und rutschigen Boden zu erheben und sie zu schützen. Während die Modelle der Männer eher schlicht und niedrig gehalten waren, zeichneten sich die Sandalen der Frauen durch reiche Verzierung und teilweise extreme Höhe aus. Die 14 cm hohen Qabâqib stammen aus Damaskus. Über die Höhe der Sandale und die Fülle der Dekorationen mit Perlmutt-, Elfenbein- oder Edelhölzerintarsien wurden der Status und der Reichtum der Familie der Träger*innen demonstriert. Obermaterial: Seide, Metallfaden, Leder, Sohle und Stelze: Holz, Perlmutt  L. 22,8 cm, B. 9 cm, H. 19 cm, SH. 12,5 cm  Inv.Nr. 8072, Provenienz: Martha Günther, München 1940. 9


Dieses Paar Pumps verbindet zwei hochrangige Namen miteinander: Roger Vivier (1907–1998) entwarf um 1962 das Modell für das Pariser Modehaus Christian Dior. Das Obermaterial der Schuhe besteht aus hochwertigem Seiden­damast. Diese Webtechnik fand bereits in Zeiten des Barocks und Rokokos in Heimtextilien und Kleidung Verwendung. Viviers florales Design erinnert an luxuriöse Tapisserien, die barocke Innenräume dekorierten. Die Pumps entstanden in einer für den Designer wichtigen Zeit. 1963 verließ Vivier das Haus Dior und eröffnete seine eigene Boutique in der Rue Francois 1er. Pumps gehören, da ihr geschlossener Schaft bis unter den Fesselknöchel reicht, zu der Kategorie der Halbschuhe. Je nach Absatzart und -höhe variieren ihre vielfältigen Bezeichnungen. Obermaterial: Seide, Innenfutter: Ziegenleder, Veloursleder, Sohle: Leder  L. 24 cm, B. 8 cm, H. 12,5 cm, AH. 7,5 cm  Inv.Nr. 16860, Ankauf Förder­ kreis DLM 1996.

Der Sportartikelhersteller Nike brachte 1987 das erste Air Max Sneaker- Modell auf den Markt, das heute als eines seiner bekanntesten Produkte gilt. Das innovative Dämpfungssystem der Sohle revolutionierte die Basketballwelt. Der hausinterne Schuhdesigner Tinker Hatfield (*1952) ließ sich für das transparente Sichtfeld in der Sohle von der technoiden Architektur des Pariser Centre Georges Pompidou, dem Museum für Moderne und Zeit­g enössische Kunst, ins­p irieren. Gleich der Museumsarchitektur, bei der die Gebäudetechnik an der Fassade ablesbar ist, wird die Funktionalität der Sohle sichtbar. Das Modell Paris ist eines von sechs der Ultra-City-Kollektion, die im Titel die Namen internatio­ naler Metropolen tragen und zum Weltfrauentag am 8. März 2015 lanciert wurden. Obermaterial: Leder, Innenfutter: Kunstfaser, Sohle: Gummi mit Luft­ kammersystem  L. 25,5 cm, B. 10 cm, H. 10 cm  Inv.Nr. 21377, Ankauf 2019.

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Pumps, Roger Vivier für Christian Dior, Paris, Frankreich, um 1962  Sneaker, Air Max 1 Ultra CITY “Paris”, Nike, USA, 2015

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Dieses Paar Pumps verbindet zwei hochrangige Namen miteinander: Roger Vivier (1907–1998) entwarf um 1962 das Modell für das Pariser Modehaus Christian Dior. Das Obermaterial der Schuhe besteht aus hochwertigem Seiden­damast. Diese Webtechnik fand bereits in Zeiten des Barocks und Rokokos in Heimtextilien und Kleidung Verwendung. Viviers florales Design erinnert an luxuriöse Tapisserien, die barocke Innenräume dekorierten. Die Pumps entstanden in einer für den Designer wichtigen Zeit. 1963 verließ Vivier das Haus Dior und eröffnete seine eigene Boutique in der Rue Francois 1er. Pumps gehören, da ihr geschlossener Schaft bis unter den Fesselknöchel reicht, zu der Kategorie der Halbschuhe. Je nach Absatzart und -höhe variieren ihre vielfältigen Bezeichnungen. Obermaterial: Seide, Innenfutter: Ziegenleder, Veloursleder, Sohle: Leder  L. 24 cm, B. 8 cm, H. 12,5 cm, AH. 7,5 cm  Inv.Nr. 16860, Ankauf Förder­ kreis DLM 1996.

Der Sportartikelhersteller Nike brachte 1987 das erste Air Max Sneaker- Modell auf den Markt, das heute als eines seiner bekanntesten Produkte gilt. Das innovative Dämpfungssystem der Sohle revolutionierte die Basketballwelt. Der hausinterne Schuhdesigner Tinker Hatfield (*1952) ließ sich für das transparente Sichtfeld in der Sohle von der technoiden Architektur des Pariser Centre Georges Pompidou, dem Museum für Moderne und Zeit­g enössische Kunst, ins­p irieren. Gleich der Museumsarchitektur, bei der die Gebäudetechnik an der Fassade ablesbar ist, wird die Funktionalität der Sohle sichtbar. Das Modell Paris ist eines von sechs der Ultra-City-Kollektion, die im Titel die Namen internatio­ naler Metropolen tragen und zum Weltfrauentag am 8. März 2015 lanciert wurden. Obermaterial: Leder, Innenfutter: Kunstfaser, Sohle: Gummi mit Luft­ kammersystem  L. 25,5 cm, B. 10 cm, H. 10 cm  Inv.Nr. 21377, Ankauf 2019.

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Pumps, Roger Vivier für Christian Dior, Paris, Frankreich, um 1962  Sneaker, Air Max 1 Ultra CITY “Paris”, Nike, USA, 2015

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Die Knöpfchenstiefeletten stellen in ihrer Form eine Variante der Damenstiefel des 19. Jahrhunderts dar. Diese entwickelten sich im 18. Jahrhundert im Zuge der Pedes­ trianismus-Bewegung, die Spa­zierengehen als Sportart aufgriff. Auf­fällig ist der Stoff des Obermaterials mit dem sogenannten Pepita-Muster – ein schwarz-weißes karoartiges, flächenfüllendes Design, das sich aus der Webform des Stoffes ergibt. Bei diesem Modell wurde das Design aufgedruckt und nicht gewebt. Stoff­d rucke sind in Europa bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Das Innenfutter der Stiefelette ist aus violetter Seide, die Knöpfchen bestehen aus lackiertem Metall. Zum Öffnen und Schließen der Stiefelette war ein Knopfhaken nötig, was sich als umständlich in der Handhabung erwies. Diese Stiefel­form engte die Füße stark ein und war oftmals einleistig gefertigt. Obermaterial: Seide, Baumwolle, Metall, Lackleder, Innenfutter: Baumwolle, Sohle: Leder  L. 23 cm, B. 6,5 cm, H. 25,2 cm, AH. 6 cm  Inv.Nr 7182, Provenienz: S. Wolf, Mainz 1939. 52

Knöpfchenstiefeletten, S. Wolf, Mainz, 1870−1900 Reitstiefel, Ungarn, 2. Hälfte des 19. Jh.

Reitstiefel waren mitunter die wichtigsten Stiefel­for­men innerhalb des Militärs. Aus ihnen entwickelten sich eine Vielzahl heutiger Stiefeltypen, wie etwa der Gummi­s tiefel. Un­g arische Czismen galten im 19. Jahrhundert als be­s onders kunst­voll und luxuriös, obwohl sie eng am Bein anlagen und aufgrund ihrer schmalen, den Fuß einengenden Form keine Fle­xi­b ilität beim Reiten boten. Ähnlich wie hessische Reitstie­fel des 19. Jahrhunderts waren sie aufgrund ihrer eleganten Optik begehrt. Die goldfarbenen Sporen dieses Stiefelpaares sind mit Langschlitzschrauben befestigt. Das Design ist schlicht, das Leder ist de­korativ mit Ornamenten bestickt, und zentral am Stiefelschacht befindet sich ein Schmuckelement. Bei dem Stiefelpaar handelt es sich vermutlich um ein auf der Wiener Welt­ ausstellung 1873 ausgestelltes Modell. Obermaterial: Metallkordel, Leder, Textilfaden, Innen­ futter und Sohle: Leder, Sporen: Metall  L. 30,5 cm, B. 7,7 cm, H. 40 cm, AH. 3,7 cm  Inv.Nr. 7325, Provenienz: Sammlung Ludwig Schmid, Wien 1939. 51

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Die Knöpfchenstiefeletten stellen in ihrer Form eine Variante der Damenstiefel des 19. Jahrhunderts dar. Diese entwickelten sich im 18. Jahrhundert im Zuge der Pedes­ trianismus-Bewegung, die Spa­zierengehen als Sportart aufgriff. Auf­fällig ist der Stoff des Obermaterials mit dem sogenannten Pepita-Muster – ein schwarz-weißes karoartiges, flächenfüllendes Design, das sich aus der Webform des Stoffes ergibt. Bei diesem Modell wurde das Design aufgedruckt und nicht gewebt. Stoff­d rucke sind in Europa bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Das Innenfutter der Stiefelette ist aus violetter Seide, die Knöpfchen bestehen aus lackiertem Metall. Zum Öffnen und Schließen der Stiefelette war ein Knopfhaken nötig, was sich als umständlich in der Handhabung erwies. Diese Stiefel­form engte die Füße stark ein und war oftmals einleistig gefertigt. Obermaterial: Seide, Baumwolle, Metall, Lackleder, Innenfutter: Baumwolle, Sohle: Leder  L. 23 cm, B. 6,5 cm, H. 25,2 cm, AH. 6 cm  Inv.Nr 7182, Provenienz: S. Wolf, Mainz 1939. 52

Knöpfchenstiefeletten, S. Wolf, Mainz, 1870−1900 Reitstiefel, Ungarn, 2. Hälfte des 19. Jh.

Reitstiefel waren mitunter die wichtigsten Stiefel­for­men innerhalb des Militärs. Aus ihnen entwickelten sich eine Vielzahl heutiger Stiefeltypen, wie etwa der Gummi­s tiefel. Un­g arische Czismen galten im 19. Jahrhundert als be­s onders kunst­voll und luxuriös, obwohl sie eng am Bein anlagen und aufgrund ihrer schmalen, den Fuß einengenden Form keine Fle­xi­b ilität beim Reiten boten. Ähnlich wie hessische Reitstie­fel des 19. Jahrhunderts waren sie aufgrund ihrer eleganten Optik begehrt. Die goldfarbenen Sporen dieses Stiefelpaares sind mit Langschlitzschrauben befestigt. Das Design ist schlicht, das Leder ist de­korativ mit Ornamenten bestickt, und zentral am Stiefelschacht befindet sich ein Schmuckelement. Bei dem Stiefelpaar handelt es sich vermutlich um ein auf der Wiener Welt­ ausstellung 1873 ausgestelltes Modell. Obermaterial: Metallkordel, Leder, Textilfaden, Innen­ futter und Sohle: Leder, Sporen: Metall  L. 30,5 cm, B. 7,7 cm, H. 40 cm, AH. 3,7 cm  Inv.Nr. 7325, Provenienz: Sammlung Ludwig Schmid, Wien 1939. 51

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Langschaftstiefel, Sibirien, Anfang 20. Jh.

In den Wintermonaten herrscht in Sibirien extreme Kälte mit bis zu 70 Minusgraden. Um sich davor zu schützen, nutzen die indigenen Ge­mein­schaften der Polarregionen, wie die der Nenzen, Tierfelle und Häute, die Körper­wärme speichern. Diese Langschaftstiefel zeigen die meisterliche Hand­w erks­k unst ihrer Herstellung. Sie sind aus senkrechten bräunlichen und hellb­raunen Fellstreifen zusammengesetzt, die eine Musterung ergeben. Die Nähte der Schuhvorderseiten sind mit roter Wollverzierung abgesetzt und oberhalb des Fußrückens waagerecht gestreift mit Wollfäden dekoriert. Die Sohle besitzt keine aufgenähte feste Fläche, doch wurden die Hufe des Tieres als Haltgeber darin verarbeitet. Rentierfell ist, im Vergleich etwa zu Lammfell, ein stark haarendes Material, was an der hohlen Beschaffenheit der Haare liegt. Rentierpelz, Wolle  L. 26,5 cm, B. 13 cm, H. 78,5 cm  Inv.Nr. 3162, Pro­venienz: Julius Konietzko, Hamburg 1924. 53

Stiefel, Moon Boots Classic Nylon, TECNICA, Italien, 2019 Stiefel, Classic Short II, UGG, USA, 2019 Stiefel mit einem wärmenden Innenfutter sind in klimatisch kalten Zonen geschätztes Schuhwerk. Ursprünglich vor allem von Hirt*innen in Australien und Neuseeland seit den 1920erJahren getragen, avancierten Uggs (Kurzform für engl. „ugly boots“), die allgemein Stiefel mit Schaf- oder Lammfell bezeichnen, in den 1960er-Jahren zu beliebten Schuhen in der australischen Surfkultur, um die Füße nach dem Aufenthalt im kalten Wasser zu wärmen. 1978 gründete Brian Smith (*ca. 1949) in Kalifornien die Firma UGG australia, die zunächst ihre Stiefel in amerikanischen Surfshops ver­ kaufte. Diese standen mit der schlichten Silhouette für einen entspannten Lebensstil, bevor sie in den 2000er-Jahren modisch wurden. Heute sieht man sie überall und in zahlreichen Ausführungen, etwa als Luxusmodelle aus Kooperationen mit Designlabels wie Jimmy Choo. Obermaterial: Veloursleder, Nylon, Innenfutter: Schaffell, Sohle: Treadlite by UGG™ (Gummi)  L. 27 cm, B. 10,5 cm, H. 20,3 cm  Inv.Nr. 21375, Ankauf 2019. 54

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Inspiriert von dem Schuhwerk der Apollo-11-Besatzung bei der Mond-­ landung 1969 designte Giancarlo Zanatta (*1938) basierend auf der Formgebung der Weltraumschuhe die ersten Moon Boots, die ab 1970 auf den Markt kamen. Die Popularität der Schuhe zeugt ebenso wie etwa André Courrèges’ (1923–2016) Space-Age-Stiefel von der allgemeinen Faszination für die Raumfahrt in diesen Jahren. Der futuristische Charakter der Stiefel äußert sich hier in der Verwendung synthetischer, isolierender und wasserabweisender Materialien. Wie bei den Vorbildern wird ferner nicht zwischen rechtem und linkem Schuh unterschieden. Als praktische und modische Après-Ski-Accessoires fanden die Moon Boots, deren Markenname prominent in der Typografie des Beatles-Albums „Yellow Submarine“ (1969) die Stiefel ziert, in europäischen Ski-Resorts schnell Anklang. Obermaterial: Cordura™ (Kunststoffgewebe), Innenfutter: Schaumstoff, Sohle: Gummi  L. 24,5 cm, B. 12 cm, H. 33,5 cm  Inv.Nr. 21376, Ankauf 2019. 55

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Langschaftstiefel, Sibirien, Anfang 20. Jh.

In den Wintermonaten herrscht in Sibirien extreme Kälte mit bis zu 70 Minusgraden. Um sich davor zu schützen, nutzen die indigenen Ge­mein­schaften der Polarregionen, wie die der Nenzen, Tierfelle und Häute, die Körper­wärme speichern. Diese Langschaftstiefel zeigen die meisterliche Hand­w erks­k unst ihrer Herstellung. Sie sind aus senkrechten bräunlichen und hellb­raunen Fellstreifen zusammengesetzt, die eine Musterung ergeben. Die Nähte der Schuhvorderseiten sind mit roter Wollverzierung abgesetzt und oberhalb des Fußrückens waagerecht gestreift mit Wollfäden dekoriert. Die Sohle besitzt keine aufgenähte feste Fläche, doch wurden die Hufe des Tieres als Haltgeber darin verarbeitet. Rentierfell ist, im Vergleich etwa zu Lammfell, ein stark haarendes Material, was an der hohlen Beschaffenheit der Haare liegt. Rentierpelz, Wolle  L. 26,5 cm, B. 13 cm, H. 78,5 cm  Inv.Nr. 3162, Pro­venienz: Julius Konietzko, Hamburg 1924. 53

Stiefel, Moon Boots Classic Nylon, TECNICA, Italien, 2019 Stiefel, Classic Short II, UGG, USA, 2019 Stiefel mit einem wärmenden Innenfutter sind in klimatisch kalten Zonen geschätztes Schuhwerk. Ursprünglich vor allem von Hirt*innen in Australien und Neuseeland seit den 1920erJahren getragen, avancierten Uggs (Kurzform für engl. „ugly boots“), die allgemein Stiefel mit Schaf- oder Lammfell bezeichnen, in den 1960er-Jahren zu beliebten Schuhen in der australischen Surfkultur, um die Füße nach dem Aufenthalt im kalten Wasser zu wärmen. 1978 gründete Brian Smith (*ca. 1949) in Kalifornien die Firma UGG australia, die zunächst ihre Stiefel in amerikanischen Surfshops ver­ kaufte. Diese standen mit der schlichten Silhouette für einen entspannten Lebensstil, bevor sie in den 2000er-Jahren modisch wurden. Heute sieht man sie überall und in zahlreichen Ausführungen, etwa als Luxusmodelle aus Kooperationen mit Designlabels wie Jimmy Choo. Obermaterial: Veloursleder, Nylon, Innenfutter: Schaffell, Sohle: Treadlite by UGG™ (Gummi)  L. 27 cm, B. 10,5 cm, H. 20,3 cm  Inv.Nr. 21375, Ankauf 2019. 54

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Inspiriert von dem Schuhwerk der Apollo-11-Besatzung bei der Mond-­ landung 1969 designte Giancarlo Zanatta (*1938) basierend auf der Formgebung der Weltraumschuhe die ersten Moon Boots, die ab 1970 auf den Markt kamen. Die Popularität der Schuhe zeugt ebenso wie etwa André Courrèges’ (1923–2016) Space-Age-Stiefel von der allgemeinen Faszination für die Raumfahrt in diesen Jahren. Der futuristische Charakter der Stiefel äußert sich hier in der Verwendung synthetischer, isolierender und wasserabweisender Materialien. Wie bei den Vorbildern wird ferner nicht zwischen rechtem und linkem Schuh unterschieden. Als praktische und modische Après-Ski-Accessoires fanden die Moon Boots, deren Markenname prominent in der Typografie des Beatles-Albums „Yellow Submarine“ (1969) die Stiefel ziert, in europäischen Ski-Resorts schnell Anklang. Obermaterial: Cordura™ (Kunststoffgewebe), Innenfutter: Schaumstoff, Sohle: Gummi  L. 24,5 cm, B. 12 cm, H. 33,5 cm  Inv.Nr. 21376, Ankauf 2019. 55

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1907 meldete der Erfinder und Konstrukteur Max Mannesmann (1857–1915) beim Kaiserlichen Patentamt des Deutschen Reiches sein „Schuhwerk mit mehreren Zehenkammern“ an. Es versprach durch einzelne Verbindungswände zwischen dem Schuhoberteil und der Brandsohle sicheren Halt der Füße und einen natürlichen wie gesunden Gang. Dieses Schuhdesign setzte die vor­ herrschenden Lebensreformen, die Alltag und Gesellschaft zur Natur und mehr Körperbewusstsein restituieren sollten, auf die Schuhmode um. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Fußgesundheit aufgrund fehlender Rechts-links-Unterscheidung der Schuhe gänzlich ignoriert und einleistige, zu schmale Schuhe waren üblich. Trotz seiner fußfördernden Funktion setzte sich der Zehenkammerschuh – wohl auch wegen seiner unmodischen Gestalt – nicht durch. Kalbleder, Metall, Strumpf: Baumwolle, Leisten: Holz   L. 27 cm, B. 9,5 cm, H. 7 cm, AH. 1,5 cm  Dauerleihgabe: Mannesmann-Archiv, Mühlheim an der Ruhr 1988. 56

Barfußschuhe greifen das Konzept der historischen Zehenkammerschuhe auf und verfolgen dasselbe Ziel: natürliches, gesundes und optimiertes Gehen. Durch das Stretchgewebe ist dieser Schuh besonders leicht und anpassungsfähig, was ihn als Freizeit- sowie Sportschuh auszeichnet. Ein der natür­ lichen Beschaffenheit des Fußes angepasstes Laufverhalten soll orthopädische Beschwerden vermeiden. Die Architektur des Schuhs erlaubt eine barfüßige Mobilität. Die Sensibilität, Muskeln, Gelenke und Knochen (26 insgesamt) sollen trainiert und gestärkt werden. Das vielfältige Angebot von Barfußschuhen zeugt davon, dass die Diskussionen um fußgerechtes Schuhwerk – wie zu Zeiten Mannesmanns – noch immer Bestand haben. Obermaterial: Stretchgewebe, Sohle: Gummi  L. 24 cm, B. 9,5 cm, H. 6 cm  Inv.Nr. 21367, Ankauf 2019. 57

Zehenkammersandale mit Strumpf und Leisten, Max Mannesmann, Remscheid, 1909  Barfußschuhe, ALITZA LOOP, FiveFingers, VIBRAM, München, 2019


1907 meldete der Erfinder und Konstrukteur Max Mannesmann (1857–1915) beim Kaiserlichen Patentamt des Deutschen Reiches sein „Schuhwerk mit mehreren Zehenkammern“ an. Es versprach durch einzelne Verbindungswände zwischen dem Schuhoberteil und der Brandsohle sicheren Halt der Füße und einen natürlichen wie gesunden Gang. Dieses Schuhdesign setzte die vor­ herrschenden Lebensreformen, die Alltag und Gesellschaft zur Natur und mehr Körperbewusstsein restituieren sollten, auf die Schuhmode um. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Fußgesundheit aufgrund fehlender Rechts-links-Unterscheidung der Schuhe gänzlich ignoriert und einleistige, zu schmale Schuhe waren üblich. Trotz seiner fußfördernden Funktion setzte sich der Zehenkammerschuh – wohl auch wegen seiner unmodischen Gestalt – nicht durch. Kalbleder, Metall, Strumpf: Baumwolle, Leisten: Holz   L. 27 cm, B. 9,5 cm, H. 7 cm, AH. 1,5 cm  Dauerleihgabe: Mannesmann-Archiv, Mühlheim an der Ruhr 1988. 56

Barfußschuhe greifen das Konzept der historischen Zehenkammerschuhe auf und verfolgen dasselbe Ziel: natürliches, gesundes und optimiertes Gehen. Durch das Stretchgewebe ist dieser Schuh besonders leicht und anpassungsfähig, was ihn als Freizeit- sowie Sportschuh auszeichnet. Ein der natür­ lichen Beschaffenheit des Fußes angepasstes Laufverhalten soll orthopädische Beschwerden vermeiden. Die Architektur des Schuhs erlaubt eine barfüßige Mobilität. Die Sensibilität, Muskeln, Gelenke und Knochen (26 insgesamt) sollen trainiert und gestärkt werden. Das vielfältige Angebot von Barfußschuhen zeugt davon, dass die Diskussionen um fußgerechtes Schuhwerk – wie zu Zeiten Mannesmanns – noch immer Bestand haben. Obermaterial: Stretchgewebe, Sohle: Gummi  L. 24 cm, B. 9,5 cm, H. 6 cm  Inv.Nr. 21367, Ankauf 2019. 57

Zehenkammersandale mit Strumpf und Leisten, Max Mannesmann, Remscheid, 1909  Barfußschuhe, ALITZA LOOP, FiveFingers, VIBRAM, München, 2019


Schnürstiefel, Originals, Dr. Martens, Großbritannien, um 2000 Stiefel, China, o. J.

Der als ein Prinzenstiefel in der Sammlung des DLM verzeichnete Stiefel aus China zeigt das Antlitz eines Drachens. Er ist aufwendig und detailreich mit Schmucksteinen und Metallfäden auf Seide verziert. Drachen gelten in China als Urahnen der Menschen und Herrscher des Wassers, wofür sie ganzjährig verehrt werden. Sie sind zudem Glücks- sowie Heilbringer und symbolisieren Stärke und Reichtum. Ähnliche Modelle werden in der wissenschaftlichen Literatur als Stiefel für Frauen ausgewiesen. Gleichwohl verrät sein Dekor den hohen gesellschaftlichen Status der*des Träger*in und versinnbildlicht, wie dieser durch die Verwendung von luxuriösen Materialien und Dekorationen überall auf der Welt und zu allen Zeiten repräsentiert wurde und wird. Obermaterial: Seide, Metall, Glas, Metallfaden, Innenfutter: Textil, Sohle: Schweinsleder  L. 22 cm, B. 7,5 cm, H. 23,5 cm  Inv.Nr. 2015, Provenienz: Louis Extreens, Brüssel 1918. 114

Kaum ein anderer Schuh steht mehr in Verbindung mit politischen Jugend- und Subkulturen wie der alternativen Rock-, Ska- und Punkszene wie der Originals-Stiefel von Dr. Martens. Ursprünglich konzipierte der deutsche Arzt Klaus Märtens (n.b.) die Schuhform der heute ikonischen Schürstiefel. In den 1960er-Jahren übernahm der Brite Bill Griggs (n.b.) für sein Traditionsunterneh­men in Großbritannien das Design der Arbeitsstiefel. Vor allem bei Polizist*innen und Fabrikarbeiter*innen waren die robusten Schuhe aufgrund des hohen Tragekomforts begehrt. Der Stiefel steht synonym für Widerstand und Zusammenhalt. Mitglieder etwa der Frauenrechtsbewegungen ebenso wie politische Gruppen der internationalen Skinhead-Szene wählen den Schuh als Dresscode ihrer Gemeinschaft sowie zur Demonstration ihrer Werte. Obermaterial: Leder, Baumwolle, Metall, Innenfutter: Veloursleder, Sohle: Gummi  L. 27 cm, B. 10,5 cm, H. 18 cm  Inv.Nr. 20226, Spende: Sandra Steininger, Schweinfurth 2007. 113

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Schnürstiefel, Originals, Dr. Martens, Großbritannien, um 2000 Stiefel, China, o. J.

Der als ein Prinzenstiefel in der Sammlung des DLM verzeichnete Stiefel aus China zeigt das Antlitz eines Drachens. Er ist aufwendig und detailreich mit Schmucksteinen und Metallfäden auf Seide verziert. Drachen gelten in China als Urahnen der Menschen und Herrscher des Wassers, wofür sie ganzjährig verehrt werden. Sie sind zudem Glücks- sowie Heilbringer und symbolisieren Stärke und Reichtum. Ähnliche Modelle werden in der wissenschaftlichen Literatur als Stiefel für Frauen ausgewiesen. Gleichwohl verrät sein Dekor den hohen gesellschaftlichen Status der*des Träger*in und versinnbildlicht, wie dieser durch die Verwendung von luxuriösen Materialien und Dekorationen überall auf der Welt und zu allen Zeiten repräsentiert wurde und wird. Obermaterial: Seide, Metall, Glas, Metallfaden, Innenfutter: Textil, Sohle: Schweinsleder  L. 22 cm, B. 7,5 cm, H. 23,5 cm  Inv.Nr. 2015, Provenienz: Louis Extreens, Brüssel 1918. 114

Kaum ein anderer Schuh steht mehr in Verbindung mit politischen Jugend- und Subkulturen wie der alternativen Rock-, Ska- und Punkszene wie der Originals-Stiefel von Dr. Martens. Ursprünglich konzipierte der deutsche Arzt Klaus Märtens (n.b.) die Schuhform der heute ikonischen Schürstiefel. In den 1960er-Jahren übernahm der Brite Bill Griggs (n.b.) für sein Traditionsunterneh­men in Großbritannien das Design der Arbeitsstiefel. Vor allem bei Polizist*innen und Fabrikarbeiter*innen waren die robusten Schuhe aufgrund des hohen Tragekomforts begehrt. Der Stiefel steht synonym für Widerstand und Zusammenhalt. Mitglieder etwa der Frauenrechtsbewegungen ebenso wie politische Gruppen der internationalen Skinhead-Szene wählen den Schuh als Dresscode ihrer Gemeinschaft sowie zur Demonstration ihrer Werte. Obermaterial: Leder, Baumwolle, Metall, Innenfutter: Veloursleder, Sohle: Gummi  L. 27 cm, B. 10,5 cm, H. 18 cm  Inv.Nr. 20226, Spende: Sandra Steininger, Schweinfurth 2007. 113

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Die Stelzschuhe der Mandschu-Frauen Chinas unterscheiden sich in ihrer Optik gänzlich von den berühmten Lotus- oder Gin-Lien-Schuhen der Han-Chines*innen. Am kaiserlichen Hof waren sie zum einen dafür vorgesehen, die Zugehörigkeit zu ihrer Gruppe zu veranschaulichen, um sich von anderen abzugrenzen, und zum anderen, um den hohen Status der Träger*innen darzustellen. Das Laufen in dem Schuhwerk war lediglich unter Stütze von Diener*innen möglich; die Höhe verriet den Rang der Damen und ihrer Familien. Sie sind mit ver­z ier­ ter Seide verkleidet und oftmals mit Edelsteinen und Stickereien besetzt. Die hohen Stelzen wecken den Eindruck eines zierlichen Fußes, ebenfalls das trippelnde, langsame Gehen, das mit Eleganz und Attraktivität assoziiert wurde. Obermaterial: Seide, Innenfutter: Leinen, Sohle und Stelze: Leinen, Holz  L. 21 cm, B. 11 cm, H. 17 cm, PH. 11,5 cm  Inv.Nr. 6225, Provenienz: Sammlung Graf Kuno von Hardenberg, 1938. 115

Samuraistiefel, Kegutsu, Japan, 19. Jh.

Stelzschuhe, China, Anfang 19. Jh.

Mehr als 700 Jahre war der Shogun, das Oberhaupt des Kriegeradels, das wichtigste Organ Japans. Er befehligte Millionen von Kämpfer*innen, die Samurai, die zur politischen Elite des Landes gehörten. Ihre Rüstungen waren mit besonderer Handwerkskunst gefertigt und fungierten als Statussymbole ihrer Würdenträger*innen. Vorrangig diente die Kleidung als wirkungsvoller Schutzpanzer, der im Kampf über Leben und Tod entschied. Mythologische Wesen, Dämonen und Raubtiere dienten zur Abschreckung der Gegner*innen und symbolisierten die Fähigkeiten wie Stärke und Mut. Dieser Kegutsu ist traditionell aus Bärenfell gefertigt und verfügt über einen weiten Schaft. Die Schnürung um das Fußgelenk garantiert festen Halt in den Schuhen. Die Sohle ist mittig golden überzogen und von zwei Goldherzen flankiert. Solch filigrane Details sollten den Samurais als Glücksbringer dienen. Obermaterial: Bärenfell, Seide, Metallfaden, Wolle, Innenfutter: Leinen, Sohle: Leder  L. 31 cm, B. 16 cm, H. 19 cm  Inv.Nr. 11259, Provenienz: Victor Guillen, Paris 1962. 116

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Die Stelzschuhe der Mandschu-Frauen Chinas unterscheiden sich in ihrer Optik gänzlich von den berühmten Lotus- oder Gin-Lien-Schuhen der Han-Chines*innen. Am kaiserlichen Hof waren sie zum einen dafür vorgesehen, die Zugehörigkeit zu ihrer Gruppe zu veranschaulichen, um sich von anderen abzugrenzen, und zum anderen, um den hohen Status der Träger*innen darzustellen. Das Laufen in dem Schuhwerk war lediglich unter Stütze von Diener*innen möglich; die Höhe verriet den Rang der Damen und ihrer Familien. Sie sind mit ver­z ier­ ter Seide verkleidet und oftmals mit Edelsteinen und Stickereien besetzt. Die hohen Stelzen wecken den Eindruck eines zierlichen Fußes, ebenfalls das trippelnde, langsame Gehen, das mit Eleganz und Attraktivität assoziiert wurde. Obermaterial: Seide, Innenfutter: Leinen, Sohle und Stelze: Leinen, Holz  L. 21 cm, B. 11 cm, H. 17 cm, PH. 11,5 cm  Inv.Nr. 6225, Provenienz: Sammlung Graf Kuno von Hardenberg, 1938. 115

Samuraistiefel, Kegutsu, Japan, 19. Jh.

Stelzschuhe, China, Anfang 19. Jh.

Mehr als 700 Jahre war der Shogun, das Oberhaupt des Kriegeradels, das wichtigste Organ Japans. Er befehligte Millionen von Kämpfer*innen, die Samurai, die zur politischen Elite des Landes gehörten. Ihre Rüstungen waren mit besonderer Handwerkskunst gefertigt und fungierten als Statussymbole ihrer Würdenträger*innen. Vorrangig diente die Kleidung als wirkungsvoller Schutzpanzer, der im Kampf über Leben und Tod entschied. Mythologische Wesen, Dämonen und Raubtiere dienten zur Abschreckung der Gegner*innen und symbolisierten die Fähigkeiten wie Stärke und Mut. Dieser Kegutsu ist traditionell aus Bärenfell gefertigt und verfügt über einen weiten Schaft. Die Schnürung um das Fußgelenk garantiert festen Halt in den Schuhen. Die Sohle ist mittig golden überzogen und von zwei Goldherzen flankiert. Solch filigrane Details sollten den Samurais als Glücksbringer dienen. Obermaterial: Bärenfell, Seide, Metallfaden, Wolle, Innenfutter: Leinen, Sohle: Leder  L. 31 cm, B. 16 cm, H. 19 cm  Inv.Nr. 11259, Provenienz: Victor Guillen, Paris 1962. 116

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Dass Plateauschuhe keine Erfindung des 20. Jahrhunderts sind, verdeutlicht diese venezianische Chopine mit ihrer über 10 cm hohen Plateausohle. Die mit weißem Leder bezogene und einer Hohlkehle versehene Holzstelze ist schmucklos; einzig an der Vorderkappe des Pantoffels ist eine rote Unterlegung des in das Oberleder geschnittenen Musters zu erkennen. In Venedig waren die zulässigen Schuhhöhen durch Gesetze geregelt; bei Nichtbeachtung konnten Geldstrafen sowohl gegen die Träger*innen als auch die Schuh­m acher­* innen verhängt werden. Obermaterial: Leder, Plateau und Sohle: Leder, Holz  L. 18 cm, B. 14 cm, H. 15,5 cm, PH. 11 cm  Inv.Nr. 6292, Provenienz: Sammlung Graf Kuno von Hardenberg, Darmstadt 1938. 131

Chopine, Venedig, Italien, um 1600  Plateauschuhe, Towers, Buffalo, Wiesbaden, 1996

Innerhalb der Plateaumode der 1990er-Jahre avancierte der Name der Firma Buffalo zu einem Synonym für den Plateauschuh. Buffalos wurden in der Techno-Clubszene als Raverboots getragen und erlangten vor allem durch ihre berühmten Träger*innen der Girlband Spice Girls große Popularität; so be­fand sich etwa auch dieses Modell in den Schuhschränken von Mel B und Ginger Spice. Die Kultschuhe feiern derzeit ein Comeback, Klassiker wie die Towers mit besonders hohen Plateaus von 10 cm sowie die Schuhe mit der charakteristischen Wolkensohle erobern erneut Clubs und Street Fashion. Obermaterial: Veloursleder, Kunstfaser, Plateau und Sohle: Kunststoff  L. 26 cm, B. 10 cm, H. 24,5 cm, PH. 10 cm  Inv.Nr. 16944, Ankauf 1996. 132


Dass Plateauschuhe keine Erfindung des 20. Jahrhunderts sind, verdeutlicht diese venezianische Chopine mit ihrer über 10 cm hohen Plateausohle. Die mit weißem Leder bezogene und einer Hohlkehle versehene Holzstelze ist schmucklos; einzig an der Vorderkappe des Pantoffels ist eine rote Unterlegung des in das Oberleder geschnittenen Musters zu erkennen. In Venedig waren die zulässigen Schuhhöhen durch Gesetze geregelt; bei Nichtbeachtung konnten Geldstrafen sowohl gegen die Träger*innen als auch die Schuh­m acher­* innen verhängt werden. Obermaterial: Leder, Plateau und Sohle: Leder, Holz  L. 18 cm, B. 14 cm, H. 15,5 cm, PH. 11 cm  Inv.Nr. 6292, Provenienz: Sammlung Graf Kuno von Hardenberg, Darmstadt 1938. 131

Chopine, Venedig, Italien, um 1600  Plateauschuhe, Towers, Buffalo, Wiesbaden, 1996

Innerhalb der Plateaumode der 1990er-Jahre avancierte der Name der Firma Buffalo zu einem Synonym für den Plateauschuh. Buffalos wurden in der Techno-Clubszene als Raverboots getragen und erlangten vor allem durch ihre berühmten Träger*innen der Girlband Spice Girls große Popularität; so be­fand sich etwa auch dieses Modell in den Schuhschränken von Mel B und Ginger Spice. Die Kultschuhe feiern derzeit ein Comeback, Klassiker wie die Towers mit besonders hohen Plateaus von 10 cm sowie die Schuhe mit der charakteristischen Wolkensohle erobern erneut Clubs und Street Fashion. Obermaterial: Veloursleder, Kunstfaser, Plateau und Sohle: Kunststoff  L. 26 cm, B. 10 cm, H. 24,5 cm, PH. 10 cm  Inv.Nr. 16944, Ankauf 1996. 132


Zur Zeit der Weltkriege, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, waren Luxusgüter wie die hier gezeigten extravaganten, mit Federn besetzten Slingpumps vorwiegend in Filmproduktionen zu sehen und wurden von Schönheitsikonen wie Greta Garbo (1905–1990) getragen. Auf den unter Sol­d at*­i nnen begehrten Pin-up-Kalendern zierten Pumps die Füße von leicht be­kleideten oder nackten jungen Frauen. Sie regten die sexuellen Fantasien an und kon­s truierten ein weibliches Geschlechterbild, das sich im Laufe des Jahrhunderts verfestigen und die Frau als Sexsymbol stigmatisieren sollte. Die Realität der zu Hause gebliebenen, arbeitenden Frauen sah größtenteils gegenteilig aus – praktische, feste und flache Schuhe erleichterten ihnen den Alltag und die kör­p erliche Arbeit. Obermaterial: Maribufedern, Seide, Innenfutter: Seide, Sohle: Kalb­leder, Leder  L. 23,5 cm, B. 14 cm, H. 12 cm, AH. 3 cm  Inv.Nr. 9939, Spende: BallySchuhmuseum, Schönenwerd 1952. 146

Slingpumps, Bally, Schönenwerd, Schweiz, 1938

Plateau-Pumps, o. O., 1975

Die sexuelle Begierde gilt im Schuhfetischismus dem Schuh an den Träger*innen oder dem getragenen Schuh als einzelnem, leblosem Objekt. Das Tragen von Schuhen als persönliches sexuelles Vergnügen – mit oder ohne Partner*in – stellt eine weitere Variante des Fetischs dar. Diese Plateau-Pumps mit dekorativen Fußgelenkschnallen, die an Fesseln erinnern, wurden für einen Herren angefertigt, der letztere Variante des Fetischspiels bevorzugte. Schuhwie Fußfetischismus sind feste Bestandteile der BDSM-Szene und stehen meist konträr zur Idealvorstellung der romantischen Liebe. Lackleder sowie Fesselund Schnürelemente gehören zur codierten Formensprache von Kleidung ver­ schie­d ener erotischer Szenen. Obermaterial: Lackleder, Metall, Kunstfaser, Innenfutter: Leder  L. 23 cm, B. 9 cm, H. 46,5 cm, AH. 46,5 cm, ph. 31 cm  Inv.Nr. 1−15−75, Dauer­ leihgabe: ANWR. 145

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Zur Zeit der Weltkriege, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, waren Luxusgüter wie die hier gezeigten extravaganten, mit Federn besetzten Slingpumps vorwiegend in Filmproduktionen zu sehen und wurden von Schönheitsikonen wie Greta Garbo (1905–1990) getragen. Auf den unter Sol­d at*­i nnen begehrten Pin-up-Kalendern zierten Pumps die Füße von leicht be­kleideten oder nackten jungen Frauen. Sie regten die sexuellen Fantasien an und kon­s truierten ein weibliches Geschlechterbild, das sich im Laufe des Jahrhunderts verfestigen und die Frau als Sexsymbol stigmatisieren sollte. Die Realität der zu Hause gebliebenen, arbeitenden Frauen sah größtenteils gegenteilig aus – praktische, feste und flache Schuhe erleichterten ihnen den Alltag und die kör­p erliche Arbeit. Obermaterial: Maribufedern, Seide, Innenfutter: Seide, Sohle: Kalb­leder, Leder  L. 23,5 cm, B. 14 cm, H. 12 cm, AH. 3 cm  Inv.Nr. 9939, Spende: BallySchuhmuseum, Schönenwerd 1952. 146

Slingpumps, Bally, Schönenwerd, Schweiz, 1938

Plateau-Pumps, o. O., 1975

Die sexuelle Begierde gilt im Schuhfetischismus dem Schuh an den Träger*innen oder dem getragenen Schuh als einzelnem, leblosem Objekt. Das Tragen von Schuhen als persönliches sexuelles Vergnügen – mit oder ohne Partner*in – stellt eine weitere Variante des Fetischs dar. Diese Plateau-Pumps mit dekorativen Fußgelenkschnallen, die an Fesseln erinnern, wurden für einen Herren angefertigt, der letztere Variante des Fetischspiels bevorzugte. Schuhwie Fußfetischismus sind feste Bestandteile der BDSM-Szene und stehen meist konträr zur Idealvorstellung der romantischen Liebe. Lackleder sowie Fesselund Schnürelemente gehören zur codierten Formensprache von Kleidung ver­ schie­d ener erotischer Szenen. Obermaterial: Lackleder, Metall, Kunstfaser, Innenfutter: Leder  L. 23 cm, B. 9 cm, H. 46,5 cm, AH. 46,5 cm, ph. 31 cm  Inv.Nr. 1−15−75, Dauer­ leihgabe: ANWR. 145

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Gin-Lien-Schuhe, China, Ende 19.  /  Anfang 20. Jh.

Gin-Lien-Schuhe, auch Lotus-Schuhe genannt, kleideten über Jahrtausende hinweg die in China verbreiteten Lotus-Füße. Hierfür wurden Mädchen die Zehen unter die Füße gebunden, um sie während des Wachstums zu verformen und einen winzigen Fuß zu erzielen. Zierliche Füße galten als weib­ liches Schönheitsmerkmal, was heute noch in vielen Ländern Bestand hat. Der abgebundene Fuß schränkte die Mobilität und den Wirkungskreis der Frauen immens ein. Trotzdem hielt die Tradi­tion des Fußbindens bis in das 20. Jahrhundert an. Es entstanden vielfältige Formen des Bindens und der Schuhmodelle. Sie waren aufwendig dekoriert und bestanden aus kostbaren Materialien, vor allem aus der in China heimischen Seide. Das Dekor und die Schuhform waren an zeremonielle Funktionen und Werte geknüpft und wurden nach Bedarf und Anlass gewechselt. Zunächst dem Adel vorbehalten, breitete sich der Brauch bald in allen Gesellschaftsschichten aus. 147

Doppelseite  Obermaterial: Seide, Metallfaden, Innenfut­ ter: Seide, Textil, Sohle: Seide  L. 8,5 cm, B. 3,5 cm, H. 8,5 cm, AH. 3,7 cm  Inv.Nr. 4837, Provenienz: Umlauff, Hamburg 1934. Oben  Obermaterial: Seide, Metallfaden, Innenfutter: Leder, Textil, Sohle: Textil  L. 15,5 cm, B. 4 cm, H. 8 cm  Inv.Nr. 6916, Provenienz: Sammlung Graf Kuno von Harden­ berg, Darmstadt 1939. Unten  Obermaterial: Seide, Innenfutter: Leinen, Sohle: Seide, Leder  L. 19 cm, B. 5,5 cm, H. 9 cm  Inv.Nr. 11794, Spende: Aug. Lang, Frankfurt am Main 1967.


Gin-Lien-Schuhe, China, Ende 19.  /  Anfang 20. Jh.

Gin-Lien-Schuhe, auch Lotus-Schuhe genannt, kleideten über Jahrtausende hinweg die in China verbreiteten Lotus-Füße. Hierfür wurden Mädchen die Zehen unter die Füße gebunden, um sie während des Wachstums zu verformen und einen winzigen Fuß zu erzielen. Zierliche Füße galten als weib­ liches Schönheitsmerkmal, was heute noch in vielen Ländern Bestand hat. Der abgebundene Fuß schränkte die Mobilität und den Wirkungskreis der Frauen immens ein. Trotzdem hielt die Tradi­tion des Fußbindens bis in das 20. Jahrhundert an. Es entstanden vielfältige Formen des Bindens und der Schuhmodelle. Sie waren aufwendig dekoriert und bestanden aus kostbaren Materialien, vor allem aus der in China heimischen Seide. Das Dekor und die Schuhform waren an zeremonielle Funktionen und Werte geknüpft und wurden nach Bedarf und Anlass gewechselt. Zunächst dem Adel vorbehalten, breitete sich der Brauch bald in allen Gesellschaftsschichten aus. 147

Doppelseite  Obermaterial: Seide, Metallfaden, Innenfut­ ter: Seide, Textil, Sohle: Seide  L. 8,5 cm, B. 3,5 cm, H. 8,5 cm, AH. 3,7 cm  Inv.Nr. 4837, Provenienz: Umlauff, Hamburg 1934. Oben  Obermaterial: Seide, Metallfaden, Innenfutter: Leder, Textil, Sohle: Textil  L. 15,5 cm, B. 4 cm, H. 8 cm  Inv.Nr. 6916, Provenienz: Sammlung Graf Kuno von Harden­ berg, Darmstadt 1939. Unten  Obermaterial: Seide, Innenfutter: Leinen, Sohle: Seide, Leder  L. 19 cm, B. 5,5 cm, H. 9 cm  Inv.Nr. 11794, Spende: Aug. Lang, Frankfurt am Main 1967.


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