

270 Jahre. 11 Generationen. And counting.
Es gibt Momente im Leben, in denen man innehält und sich bewusst wird, Teil von etwas Größerem zu sein. Ein solcher Moment ist das Jahr 2026. Elf Generationen, die das Feuer der Leidenschaft für Glas 270 Jahre lang weitergegeben haben. Eine Familiengeschichte, die untrennbar mit der Historie Europas verbunden ist und die mich jeden Tag aufs Neue inspiriert und herausfordert.
Gehe ich heute durch unsere Manufaktur in Kufstein, spüre ich meine Verbindung zu den Generationen vor mir. Ich höre die vertrauten Geräusche der Glashütte. Rieche den charakteristischen Duft von geschmolzenem Glas. Fühle die Hitze der Öfen. Genau wie mein Vater es tat, mein Großvater und all jene Riedels, die vor uns kamen. Und mir wird wieder mein Auftrag bewusst: die Glut zu bewahren und nicht die Asche zu hüten.
Über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Familienunternehmens zu sprechen, bedeutet auch: immer wieder zu den Wurzeln zurückzukehren. Nach Böhmen, wo im 18. Jahrhundert Johann Christoph Riedel den Grundstein legte. Wo das Isergebirge zum Reich des Glaskönigs wurde. Wo Generationen von Riedels ihre Visionen vorantrieben und verwirklichten, bevor der II. Weltkrieg alles veränderte. Diese Orte prägen uns bis heute – sie erinnern uns daran, woher wir kommen. Und dann ist da Kufstein, das Kernstück unseres heutigen Unternehmens. Hier in Tirol, wo mein Großvater Claus Josef nach dem Krieg den Neuanfang wagte, schlägt das Herz von RIEDEL. Hier entsteht Innovation. Hier wird aber auch Tradition gelebt. Dieses Buch, das Sie gerade in den Händen halten, ist meine Art, diese bewegte Geschichte zu erzählen – und gleichzeitig den Blick nach vorn zu richten.
The Wine Glass Company, das ist weit mehr als ein Slogan – es ist unsere DNA. Wir lieben Wein und verstehen uns als Werkzeugmacher für perfekten Weingenuss. Jedes Glas, das unsere Manufaktur oder unsere Produktionsstätten in Amberg und Weiden verlässt, ist ein präzises Instrument, entwickelt mit einem einzigen Ziel: den Geschmack, den Geruch und alle Aromen des Weins optimal zur Entfaltung zu bringen.
„Form follows Function“ – dieses zentrale Gestaltungsprinzip des Bauhauses wurde zum Leitsatz meines Großvaters Claus Josef Riedel und gilt heute ebenso wie damals. Jede Form, jede Wandstärke und ganz besonders jeder Mundranddurchmesser ist das Ergebnis von zahlreichen Workshops und Verkostungen. Jedes RIEDEL Glas ist auf die spezifischen Eigenschaften einer Rebsorte abgestimmt. Ob mundgeblasen in Kufstein oder mit modernster Technologie maschinell gefertigt in unseren bayerischen Werken: Die Funktion bestimmt die Form, nicht umgekehrt.
Ich liebe es, Neues zu entwickeln. Neue Gläser und innovative Dekanter zu entwerfen, die Grenzen des Machbaren auszuloten und dabei immer die Funktion im Blick zu haben. Gleichzeitig ist mir dabei der direkte Austausch mit Weinliebhabern weltweit wichtig. Ob über Social Media, wo ich täglich meine Begeisterung mit weit über einer halben Million Menschen teile, oder bei unseren „Wine Glass Experiences“ – Verkostungen, bei denen erlebbar wird, wie sehr die Form eines Glases den Weingenuss beeinflusst. Diese Momente des direkten Kontakts sind für mich unbezahlbar. Ich möchte den Zeitgeist mitbestimmen und die Weiterentwicklung der Marke RIEDEL gestalten.
Die Stärke von RIEDEL liegt seit jeher im Miteinander, im Familienverbund und in unserem großartigen Team. Mein Vater Georg Josef ist nach wie vor aktiv im Unternehmen und bringt seine jahrzehntelange Erfahrung und strategische Weitsicht ein. Meine Mutter Eva bereichert uns mit ihrer Kompetenz, ihren mitreißenden Ideen und ihrer Kreativität. Meine Schwester Laetizia leitet als Juristin unsere Legal Abteilung und schützt unser Erbe in einem zunehmend komplexen, internationalen Marktumfeld. Gemeinsam bilden wir ein starkes Fundament mit all unseren wertgeschätzten Mitarbeitern: von den Glasbläsermeistern in Kufstein über die Techniker in Amberg und Weiden bis hin zu allen, die weltweit für RIEDEL arbeiten. Sie alle tragen wesentlich dazu bei, dass aus der Vision Realität wird – und aus glühendem Glas ein perfektes Werkzeug für Weingenuss entsteht.
Dabei hat jede Generation die Verantwortung, die Fackel weiterzutragen – nicht als Last, sondern als Privileg. Wir stehen auf den Schultern von Giganten, von Visionären und Innovatoren, die in guten wie in schweren Zeiten niemals aufgegeben haben. Und während wir zurückblicken, wächst bereits die zwölfte Generation heran: Mein Sohn und meine Tochter, die drei Söhne meiner Schwester Laetizia – sie alle tragen das Potenzial in sich, das Erbe weiterzutragen und RIEDEL in die Zukunft zu führen. Dieses Buch lädt Sie ein, 270 Jahre RIEDEL zu entdecken. Die elf Generationen kennenzulernen, die diese außergewöhnliche Geschichte geprägt haben. Einen Blick hinter die Kulissen unserer Glasproduktion zu werfen – von der traditionellen Handarbeit bis zur High Tech Fertigung. Während Sie durch eine faszinierende Bildwelt alter und neuer Glaskunst blättern, erfahren Sie, wie RIEDEL zu einer internationalen Marke wurde. Und Sie tauchen ein in unsere Passion und unsere große Liebe zum Wein – und in die einzigartige Philosophie, die hinter unseren rebsortenspezifischen Weingläsern steht. Diese hat uns in den letzten rund 50 Jahren zum Weltmarktführer bei funktionalen Weingläsern gemacht. Es ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, voller Innovation und Tradition, voller Leidenschaft und Präzision. Eine Geschichte, die zeigt, dass wahre Größe nicht im Festhalten an der Vergangenheit liegt, sondern im mutigen Blick nach vorn – immer mit dem Respekt für das Erbe im Herzen.
Willkommen in der Welt von RIEDEL.
Maximilian Josef Riedel
Kufstein, 2026

Flakon, 6. Generation
Unterpolaun, um 1850, Abb. Nr. 144, Seite 100 des Landesmuseum Ferdinandeum Katalogs 1994. Grün gelbliches, leicht fluoreszierendes Uranglas – „Annagelb“ –, Eckenschliff, Höhe: 22 cm
Flacon, 6th Generation
Unterpolaun, approx. 1850, Ill. 144, page no. 100 listed in the 1994 Ferdinandeum state museum catalogue. Green yellow, slightly fluorescent uranium glass— “Annagelb.” Edge cut, height: 22 cm




Vase, 7. Generation
Unterpolaun, um 1925, grüngelbliches, leicht fluoreszierendes
Uranglas mit Eckenschliff, erweiterte Kuppa, Höhe: 11,5 cm, Durchmesser 13,7 cm
Vase, 7th Generation
Unterpolaun, approx. 1925, greenish yellow, slightly fluorescent uranium glass with edge cut, widened bowl, height: 11.5 cm, diameter: 13.7 cm

1 Anfänge der RIEDEL
Tiroler Glashütte
Beginnings of the Tyrolean Glassworks
2 Claus J. Riedel
Werksfahrer für PUCH Motorräder
Factory driver for PUCH motorcycles
3
Gar nicht zerbrechlich!
Einmal rund um die Welt –ein Glas geht auf Reisen und kommt heil zurück. Not fragile at all! A trip around the world— a glass goes on a journey and returns intact.




Claus J. Riedel
9., 8. und 10. Generation
Claus J., Walter und Georg J. Riedel
9th, 8th, 10th Generation
Claus J., Walter, and Georg J. Riedel

Sommeliers
Die Glasserie, die die Weinwelt revolutionierte
The glass series that revolutionized the wine world



„WINE SPECTATOR VERMITTELT DAS WISSEN, UM WEIN WIRKLICH ZU GENIESSEN.
DIE FAMILIE RIEDEL LIEFERT DAS PASSENDE WERKZEUG. GLÄSER VON RIEDEL SIND EIN
WICHTIGER BESTANDTEIL ALLER WINESPECTATOR-VERANSTALTUNGEN, UND DAS
KLIRREN VON KRISTALL IST MUSIK IN DEN OHREN VIELER WEINLIEBHABER.“
“WINE SPECTATOR GIVES PEOPLE THE KNOWLEDGE TO ENJOY WINE. THE RIEDEL FAMILY GIVES THEM THE TOOLS. GLASSWARE
BEARING THE NAME RIEDEL HAS BEEN FEATURED PROMINENTLY AT WINE SPECTATOR EVENTS AND THE CLINKING OF CRYSTAL IS MUSIC TO THE EARS OF MANY WINE LOVERS.”
Marvin R. Shanken
Wine Spectator

Entscheidender Schritt
Verschmelzung des Mundrands durch Hitze. Dies führt zu einem feuerpolierten Rand. Crucial Step
The top edge of the glass is fused by heat. This results in a fire polished rim.

Im Jahr 1996 ernannte das Magazin Decanter Georg Josef Riedel in Anerkennung seiner Arbeit und seines Einflusses in der Welt des Weins und Spirits zum Decanter Man of the Year. Er war der jüngste Preisträger und der erste deutschsprachige Gewinner dieser Auszeichnung. Seine Wahl begründete die Jury unter anderem mit:
and producers. Decanter Man of the Year 1996 Decanter Man of the Year 1996
Georg Josef Riedels bahnbrechender Entwicklung von rebsortenspezifischen Weingläsern.
Seiner Einführung von Blindverkostungen, um den Einfluss der Glasform auf Aroma und Geschmack zu demonstrieren. Und mit seinem nachhaltigen globalen Einfluss auf Fine Wine Service, Sommeliers und Produzenten.

In 1996, Georg Josef Riedel was honored as Decanter Man of the Year by Decanter magazine in recognition of his work and influence in the world of wine and spirits. He became both the youngest recipient and the first German speaking winner of this prestigious award. The jury’s reasons for choosing him included:
And his lasting global impact on fine

Georg Josef Riedel’s groundbreaking development of varietal specific wine glasses. His introduction of blind tastings to demonstrate the influence of glass shape on aroma and taste.
wine service, sommeliers,



RIEDEL Junmai Glas
Sake ist weit mehr als ein Getränk. Es ist ein Ritual, eine Kunstform, ein Stück japanischer Seele. Seit Jahrhunderten wird das Nationalgetränk aus kleinen Porzellanschälchen getrunken. Wie müsste ein Glas beschaffen sein, das dem feinen, aromatischen Daiginjo Sake gerecht wird? RIEDEL beantwortete diese Frage bereits 1997 und revolutionierte damit die Sake Kultur. In einer zweijährigen Entwicklungsphase, gemeinsam mit japanischen Brauereien, entstand das Daiginjo Glas: elegant, dünnwandig, mit der konvexen Form eines Weinglases. Sein feines Bouquet balanciert Süße, Säure und Bitterkeit perfekt aus.
Doch Sake ist nicht gleich Sake. Junmai Sake ist vielfältiger – er kann reichhaltig und erdig sein, ohne strenge Mindestanforderungen an den Poliergrad. Genau diese Vielfalt stellte Georg Josef Riedel vor eine Herausforderung: Zwischen 2015 und 2017 führte er in Japan über vierzig Workshops mit Sake Brauern und Experten durch. Das Ergebnis überrascht auf den ersten Blick.
Das Junmai-Glas erinnert mit seinem weiten Mundrand eher an ein Cocktailglas als an ein klassisches Sake Gefäß. Diese Form ist entscheidend, damit sich die reichhaltigen, holzigen und sherryartigen Aromen des Junmai gleichmäßig verteilen können. In einem Glas mit enger Öffnung wären die Noten zu dominant und zu konzentriert. Die rautenförmige Basis, inspiriert von der RIEDEL Extreme Kollektion, steuert die Fließrichtung des Sake präzise auf Zunge und Gaumen. So kommt die samtige Textur perfekt zur Geltung. Der lange Stiel schließlich hebt den Sake „auf Augenhöhe mit Wein“, wie Georg Josef Riedel augenzwinkernd formulierte. Exklusiv für den japanischen Markt entwickelt, ist das Junmai Glas ein Zeichen der großen Wertschätzung und des Respekts gegenüber der jahrhundertealten Tradition Japans.
„ Decanter freut sich über die enge Partnerschaft mit RIEDEL, die seit über 30 Jahren besteht. Ge meinsam sorgen wir dafür, dass überall dort, wo Wein trinker ein Glas in die Hand nehmen, größtmöglicher Genuss garantiert ist.“
Decanter Magazine
RIEDEL Junmai Glass
Sake represents more than just a beverage; it embodies ritual, art, and the Japanese spirit. Traditionally enjoyed from small porcelain cups for centuries, sake now inspires new questions: What kind of glass could honor the nuanced, aromatic Daiginjo style? In 1997, RIEDEL addressed this by working with Japanese breweries over two years to create the Daiginjo glass. The result is an elegant, thin walled glass, shaped like a wine glass, that enhances the sake’s bouquet, balancing sweetness, acidity, and bitterness.
Sake varieties differ greatly. Junmai sake, in particular, spans a wide range—often rich and earthy, it is not bound by strict polishing standards. This diversity posed a challenge for Georg Josef Riedel. Between 2015 and 2017, he organized more than forty workshops in Japan with sake brewers and experts. The outcome: a distinctive glass designed to meet these complex characteristics.
The Junmai glass features a wide rim to evenly distribute the sake’s rich, woody, and sherry like aromas— preventing any single note from dominating, as can happen with a narrow mouthed glass. Its diamondshaped base directs the sake to the tongue, highlighting its velvety texture. The glass’s long stem, inspired by the RIEDEL Extreme Collection, elevates the sake drinking experience to that of wine, as Georg Josef Riedel remarked with a twinkle in his eye.
Developed exclusively for the Japanese market, the Junmai glass symbolizes deep appreciation and respect for Japan’s centuries old tradition. Its thoughtful design demonstrates a commitment to improving sake enjoyment for both connoisseurs and casual drinkers alike.
“ Decanter is delighted to have a long standing relationship with RIEDEL, working in partnership for more than 30 years to help guarantee the best possible wine experience wherever we put glasses into hands.”
Decanter Magazine
Vinum Daiginjo
Extreme Junmai

Barossa Valley, Australia (Shiraz)
34° 32' S, 138° 57' E

„ES IST WIE DAS MARKENTYPISCHE
ROTE BAND, DAS SICH DURCH DAS ERLEBNIS DES GENUSSES VON COCA-COLA ZIEHT.
DIESE ART VON SPRITZIGKEIT, DIE MIT DER SÜSSE UND DER SÄURE NACHKLINGT. SOBALD MAN
DIESES SCHÖNE KITZELN DER SPRITZIGKEIT
SCHLUCKT, KLINGT ES LANGE AUF DEM GAUMEN NACH UND VERMITTELT DAS GEFÜHL EINER NIE ENDENDEN FRISCHE. ES WAR UNS WICHTIG, ALLE DIESE
FEINEN NUANCEN – SEI ES DIE ZITRUSFRUCHT ODER DAS KARAMELL – EINZUFANGEN. GENAU
DAS HABEN WIR MIT DER ENTWICKLUNG DES COCA-COLA GLASES ERREICHT.“
“IT’S LIKE THE BRAND’S SIGNATURE RED RIBBON, RUNNING THROUGH THE EXPERIENCE OF ENJOYING COCA-COLA. THAT KIND OF FIZZINESS, LINGERING WITH THE SWEETNESS AND THE ACIDITY. ONCE YOU SWALLOW THAT DELIGHTFUL TINGLE OF FIZZ, IT LINGERS ON THE PALATE, CONVEYING A FEELING OF NEVER-ENDING FRESHNESS. IT WAS IMPORTANT TO US TO CAPTURE ALL THESE SUBTLE NUANCES—WHETHER CITRUS OR CARAMEL. THAT’S EXACTLY WHAT WE ACHIEVED WITH THE DEVELOPMENT OF THE COCA-COLA GLASS.”



Impressum / Imprint
HEART OF GLASS RIEDEL and the Art of Taste
This book was conceived, edited, and designed by teNeues.
Text and preface by Maximilian Josef Riedel and Bianca Oeller
Editorial Management by Bettina Lorenzoni and Pit Pauen
Design by Daniel Fritz, stapelberg&fritz gmbh
Production by Vincent Illner
Printed in Germany by optimal media GmbH
Published by gestalten, Berlin 2026
ISBN 9783 96171 746 0
1st printing, 2026
© teNeues, an Imprint of Die Gestalten Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2026
All rights reserved. No part of this publication may be reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical, including photocopy or any storage and retrieval system, without permission in writing from the publisher. No part of this book may be used or reproduced in any manner for the purpose of training artificial intelligence technologies or systems. This work is reserved from text and data mining (Article 4(3) Directive (EU) 2019/790).
Respect copyrights, encourage creativity!
For more information and to order books, please visit www.teneues.com and www.gestalten.com
Die Gestalten Verlag GmbH & Co. KG Mariannenstrasse 9–10 10999 Berlin, Germany hello@gestalten.com
Krefeld Office Uerdinger Str. 265 / Villa Pattberg 47800 Krefeld, Germany verlag@teneues.com
teNeues Press Department press@gestalten.com
Bibliographic information published by the Deutsche Nationalbibliothek. The Deutsche Nationalbibliothek lists this publication in the Deutsche Nationalbibliografie; detailed bibliographic data is available online at www.dnb.de
https://instagram.com/teneuespublishing
www.teneues.com