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Inhalt
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Grußwort
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Vorwort
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Einführung
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1. Die Geliebte 2. Stilfragen 3. Der Praktikant 4. Der nackte Mensch 5. Die Bilanz 6. Das Nachspiel 7. Prinzenträume
266
Personenregister
298
Herkunft der Zitate
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Bildnachweis
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Impressum
304
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Ende November lernt Alma dann eine weitere Arbeit Olbrichs kennen – die von ihm ausgestattete Wohnung des Chemikers und Fotografen Friedrich Victor Spitzer¹⁹. Das Schlafzimmer ist weiß gehalten mit hellgrauen Applikationen, nach Almas Empfinden »für den Spitzer etwas zu jungfräulich, aber in seiner Art herrlich!«²⁰, Speisezimmer und Salon blau, ein »eigenthümlich einen verfolgendes Blau, wie ein Wagner-Motiv«²¹. Nach dem Essen nehmen Olbrich und Alma vor dem theatralisch geformten Klavier im Musikzimmer Platz: »O. saß neben mir, wir allein in diesem abgeschlossenen Raum. Er sah mich fortwährend an.«²² Schließlich singt Almas Mutter drei von Alma komponierte Lieder, darunter »Ich wandle unter Blumen«. Olbrich ist begeistert und äußert, dass Alma viel zu wenig Anerkennung finde. Und wieder verfällt sie in entfesselte erotische Schwärmerei: »Er hat wunderschöne Augen, und es kommt vor, 22
Gustav Klimt: »Beethovenfries«, Ausschnitt mit der figuralen Komposition »Die feindlichen Gewalten«, 1902
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dass sich unsre Blicke treffen und sich nicht wieder loszulassen vermögen. Ich hänge wie festgebannt an seiner Seele und er an der meinigen. […] Olbrich ist ein riesig interessanter Kerl. Mich erinnert er bei vielen Dingen an Wagner. Auch dieser maßlose Stolz, diese maßlose Eitelkeit, dieses maßlose Selbstbewußtsein. Auch dieses starre Festhalten und Verteidigen seiner Principien, mit Wort und Schrift.«²³ Die Ähnlichkeit, die Alma zwischen Wagner und Olbrich erblickt, ist jedoch nicht nur charakterlicher Natur. Am 1. Dezember erzählt sie Olbrich von ihrem Vergleich und setzt ihm dessen künstlerische Komponente auseinander: Ihr erscheine die Innen- und die Außenseite eines Hauses äquivalent mit der Musik und dem Dialog in der Oper. Die früheren Architekten hätten die Fassade gebaut, das Innere jedoch dem Geschmack und dem Können eines Tischlers überlassen. Die früheren 23
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Joseph Maria Olbrich, Emil Orlik, Koloman Moser und Gustav Klimt (v. l. n. r.), Wien, um 1900
Opernkomponisten hätten die Musik gemacht, den Text aber bei einem Librettisten in Auftrag gegeben. Wagner habe das Ganze dann harmonisiert, habe Musik und Text individuell selbst erarbeitet. Von Olbrich kenne sie bislang nur den Text, doch der sei so sanglich und groß, dass sie das schönste Musikdrama von ihm erwarte: einen Siegfried! einen Tristan! In ihrem Tagebuch hält Alma an diesem Tag fest, dass sie Olbrich liebt: »Beim Klimt hatte ich immer das Gefühl, nur einmal, einmal ihm physisch angehören. Bei Olbrich denke ich: mein ganzes Leben ihm psychisch angehören. Welche Liebe ist edler?«²⁴ Wenn Alma jetzt komponiert, denkt sie häufig an Olbrich. Nach dem Abend bei Spitzer schreibt sie innerhalb von zehn Minuten das Lied »Aus meiner Erinnerung erblühn«. Als Olbrich nach Darmstadt aufgebrochen ist, entsteht – noch ganz unter seinem Eindruck – der »Einsame Gang«, die Vertonung eines Gedichts
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von Leo Greiner, der knapp zwei Jahre später im Münchener Kabarett »Die Elf Scharfrichter«²⁵ unter dem Pseudonym Dionysius Tod auftreten wird. Das Gedicht endet mit den Zeilen: »Trink aus das stille, rätsellose Heute, dann schlafen alle Wünsche tief in dir wie überm Feld verklungenes Geläute.«²⁶ Am 6. Januar 1900 erscheint Olbrich zu Besuch bei Alma und schenkt ihr sein Buch »Ideen von Olbrich«. Alma ist außer sich vor Freude, sie bittet Olbrich um eine Widmung. Der holt einen Bleistift hervor, steckt ihn wieder ein und sagt: »Was soll ich Ihnen schreiben? Es ist alles nicht der Fall!«²⁷ Eine kaum verhohlene Anspielung darauf, dass er Almas Gefühle offenbar nicht erwidert. Alma sinniert in ihrem Tagebuch über Olbrichs Charakter, bemerkt, dass er sich gerne mit seinen eigenen Werken und Talenten brüstet und nicht immer aufrichtig ist: »Trotz alledem würde ich ihn auf der Stelle nehmen, denn alles andre an
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Als Bayer 1921 in Weimar eintrifft, begibt er sich zu Walter Gropius: »Es war in seinem Büro im van de Velde-Bauhaus-Gebäude in Weimar, als ich ihm zum erstenmal begegnete und ihm meine Arbeiten zeigte, um Bauhaus-Schüler zu werden. Über seinem Schreibtisch in dem großen, hohen Raum hing ein kubistischer Léger. Und da war auch eine mittelalterliche Bauzeichnung. Gropius trug eine schwarze Hose, ein weißes Hemd, eine schmale schwarze Fliege und eine kurze, helle Lederjacke, die bei jeder Bewegung ächzte. Sein kurzer Schnurrbart, seine schlanke Gestalt und seine flinken Bewegungen gaben ihm das Aussehen
eines Soldaten (der er auch bis vor kurzem gewesen war).«²² Die Vorstellung verläuft für Bayer äußerst positiv – aufgrund der vorgelegten eigenen Arbeiten kann er in das laufende Semester
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der Umgebung der Grosstädte die erschreckende Beobachtung machen, dass manchen Kreisen das sittliche Gefühl vollständig abhanden gekommen ist und dass ohne Scham Personen beiderlei Geschlechts entweder ganz unbekleidet oder nur wenig verhüllt an allgemein zugänglichen Plätzen sich tummeln. Jeder, der Gelegenheit hat, solche Gruppen zu betrachten, kann sich nur zu häufig aus dem Gebahren und den Gesprächen der Beteiligten überzeugen, dass es nicht sittliche Reinheit ist, was sie zusammenführt. Dabei muss ganz besonders auch auf die Gefahren der Homosexualität hingewiesen werden.«³⁵ Die in der Ausstellung »Der schöne Mensch in der neuen Kunst« thematisierte moderne Körperkultur hat ihre Wurzeln in der Lebensreformbewegung³⁶. Diese Bewegung, die sich zunächst in den Handlungsfeldern Vegetarismus, Naturheilkunde und Nacktkultur konkretisiert ³⁷, entsteht in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und speist sich aus einer Kritik an den negativen Folgen der Industrialisierung. Sie umfasst später auch den Landschafts-, Heimat- und Tierschutz, den Wandervogel, die Gartenstadtbewegung, Kleidungs- und Wohnreformer, die Hygienebewegung, die Reformpädagogik sowie diverse Formen neuer Religiosität und Spiritualität. Deren Anhänger streiten für eine natürliche Lebensweise und einen Gleichklang von Körper, Seele und Geist. Die Naturheilkundler Adolf Just und Friedrich Eduard Bilz formulieren dazu grundlegende Thesen. Just kommentiert: »Wer sagt den Naturmenschen in fernen Erdteilen, den Tieren unserer Wälder, wie sie baden sollen, was sie essen sollen, was sie in Krankheitsfällen thun sollen, und warum gehen die ungebildeten und ungeschulten Menschen, die wilden und vernunftlosen Geschöpfe in diesen Fragen, die uns so viel Schwierigkeiten machen, so sicher ? Allein die Stimmen der Natur, Instinkt und Sinnesorgane (Gehör, Geruchs- und Geschmackssinn u. s. w.), sind hier Leiter.«³⁸ Bilz veröffentlicht
Erich Borchert: »Mutter mit Kind«, 1929
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allerdings auf seine eigene Art – und leider am falschen Ort. In seinem differenzierten Lehrprogramm, in dem er neben vielen anderen Inhalten für eine Veränderung des Sehprozesses, die Wiederbesinnung auf die Elemente und die Bewusstwerdung des Symbolgehalts von Formen plädiert, tauchen auch die Punkte ›Geschäftsgebaren‹ und ›Entwerfer und Fabrikant‹ auf.⁶³ Das liegt mit darin begründet, dass Hecht ihn bezüglich der Plexiglasleuchten hintergeht. Er besitzt die Unverfrorenheit, eigene dürftige Leuchtenentwürfe aus Plexiglas unter ›HL-Leuchten‹ zu vermarkten. ›HL-Leuchten‹ steht jetzt für Hecht-Leuchten und nicht mehr für Hoffmann-Lederer. Daraufhin kommt es zum Bruch, und Hoffmann-Lederer findet mit der Firma Endemann einen neuen Hersteller, der diese und weitere Leuchten bis 1968 erfolgreich produziert. Für Endemann entwirft er auch eine neuartige Serie von Lupen aus Plexiglas, die 1957 auf der Triennale 224
in Mailand mit der Goldmedaille ausgezeichnet und auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel ausgestellt werden.⁶⁴ Im Sommersemester 1951, nachdem die von ihm und einigen Studierenden geforderte Fachklasse für Industrieform wegen fehlender Finanzierung und der Weigerung des Direktors nicht etabliert wird, richtet er eine eigene Meisterklasse mit vier Schülern ein.⁶⁵ Und zwar für Disziplinen, für die an der Werkkunstschule bisher keine Fachklassen bestehen; neben Bühnenbild und farbigplastischer Wandgestaltung ist dies die industrielle Formgebung. Dazu schreibt Hoffmann-Lederer: »In der Disziplin ›Industrielle Formgebung‹ können wir vor allem eine Fortsetzung unserer Darmstädter Tradition auf werkkünstlerischem Gebiet erblicken, indem sie über das Handwerk hinaus […] die Verbindung zur Industrie anstrebt, ja deren Erlösung aus der Mechanisierung, dadurch, daß […] für die neuen Herstellungsmethoden und Maschinen neue künstlerisch einwandfreie und zweckmäßige Formen gefunden werden.«⁶⁶ Anerkennend schreibt Kurt Beck, der als Student an die von Will Grohmann geleitete Hochschule der
Hanns Hoffmann-Lederers Mitarbeiterin Edeltraut Grimm bei der Entwicklung von Plexiglasleuchten, 1954
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Den Festvortrag hält der Architekt Frei Otto. Auch er kramt die Superlative hervor, erklärt, das Bauhaus »wirkte in Deutschland, erfand Neues, leistete Widerstand und hatte Welterfolg, wie zuvor noch nie eine aus Deutschland stammende Baukunst«⁴⁵. Den Mythos von der Wissenschaftlichkeit des Bauhauses spinnt Otto ebenfalls fort: »Die Ansprüche des Bauhauses und auch die der Schule in Ulm waren hoch. Man wollte naturwissenschaftlich vorgehen, aber mehr als ›nur‹ forschen, man wollte bis zur Synthese, bis zum gekonnten Können vorstoßen.«⁴⁶ Wenn man Unwahres nur oft genug wiederholt, wird es am Ende vielleicht geglaubt.
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