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Documented Landscape

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N° 7

DOKUMENTIERTE LANDSCHAFT DOCUMENTED LANDSCAPE ETH-Bibliothek Scheidegger & Spiess


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Dokumentierte Landschaft

Pflanzen, Landschaften und Menschen Dem Ansatz der Geobotanik folgend, fotografierten die Forscher und Forscherinnen nicht nur Einzelpflanzen und Pflanzengesellschaften, sondern immer auch deren Umgebung. Durch das Interesse an den Standortbedingungen und den Einwirkungen durch Mensch und Tier rückten auch die Landschaft, die agrarische Bewirtschaftung, Siedlungsformen, Meliorationen und weitere Nutzungen und Verformungen der Landschaft wie Torfabbau oder Lawinenverbauungen in den Fokus. Zwei Aspekte stechen vor allem ins Auge: Die beiden Bestände dokumentieren eindrücklich die Veränderung der Landschaft in der Schweiz seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und sie sind Zeugen der alpinen und subalpinen Wirtschafts- und Lebensformen vor der Mechanisierung der Landwirtschaft. Das macht die Bilder zu Erinnerungsträgern und zu einem Kulturgut von internationaler Bedeutung. Rübels 1912 publizierte «Pflanzengeographische Eine Übersicht über die Bildinhalte ergibt folgende The- Eduard Karte des Berninagebietes» war ein Resultat der geobotanimen: Einzelpflanzen (Nahaufnahmen von Bäumen, Sträuchern, schen Studien, die er ab 1905 am Berninapass betrieb. Sie die geologischen und topografischen Bedingungen Stauden, Blumen), Pflanzengesellschaften (Moore, Wald, Wiesen), zeigt und die Verbreitung der Pflanzengesellschaften. / Eduard Pflanzen in ihrer Umgebung (Klimakammern, Ökosysteme), Land- Rübel’s “Pflanzengeographische Karte des Berninagebietes,” in 1912, was a result of his geobotanical mapschaften (Topografie, Vegetation, Gewässer), Siedlungen (Gebäude, published ping of the region, begun while on the Bernina Pass in 1905. Gärten, Infrastrukturbauten), landwirtschaftliche Nutzung (Be- It shows the geological and topographical conditions and wirtschaftung, Nutztiere, Geräte, Bevölkerung, Lebensformen, the spread of the plant communities. Bräuche). Hinzu kommen Fotos zur Dokumentation botanischer Forschungsanordnungen sowie Erinnerungsbilder an Exkursionen, Kollegen und Kolleginnen, Gastgeber und denkwürdige Ereignisse. Auf fast allen Bildern sind Pflanzen und ein Stück Umgebung zu sehen. Wie sie sich gegenseitig beeinflussen, ist manchmal offensichtlich oder mittlerweile allgemein bekannt. Doch manchmal wünschte man sich, man könnte den erklärenden Kommentar von Carl Schröter oder Eduard Rübel dazu hören. Deren Feldtagebücher, Exkursionsberichte und Vegetationskarten, die wissenschaftlichen Zeichnungen und farbigen Illustrationen für ihre Vorlesungen, Vorträge und Bücher sind nicht Teil der Fotobestände, aber zumindest teilweise im Hochschularchiv der ETH Zürich erhalten geblieben. Die bei der Feldarbeit angelegten umfangreichen Herbarien der ETH und des Geobotanischen Instituts wurden 1990 mit dem etwa gleich grossen Herbar der Universität Zürich zu den «Zürcher Herbarien», einem der fünfzehn grössten Herbarien der Welt, vereinigt.2

Die Fotografien in diesem Band stammen aus der Frühzeit der Ökosystem­ forschung. Sie wurden von Pionieren der Geobotanik aufgenommen und in den Nachlässen der Professur von Carl Schröter und des Geobotanischen Instituts Rübel im Bildarchiv der ETH-Bibliothek überliefert. Die Geobotanik entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Teilgebiet der Botanik. Sie verband Botanik und Geografie und fokussierte auf Ökosysteme (der Begriff existierte noch nicht) und deren Dynamik. Sie untersuchte, beschrieb und erklärte die räumliche Verbreitung von Pflanzen und Pflanzengesellschaften sowie evolutive Anpassungsleistungen von wilden und Nutzpflanzen an die Bedingungen unterschiedlicher Standorte. Dabei setzte sie das Wissen und die Methoden der bereits etablierten botanischen Teilgebiete ein, die sich selber auch laufend weiterentwickelten: die Klassifizierungen aus der Systematischen Botanik, das Wissen über Gestalt und inneren Aufbau der Pflanzen aus der Pflanzenmorphologie, Kenntnisse über den Stoffwechsel aus der Pflanzenphysiologie und Wissen über langfristige Anpassungsprozesse aus der Paläobotanik. In Zürich konnte die Geobotanik insbesondere von den Vorleistungen von Oswald Heer, Professor für Paläobotanik am Eidgenössischen Polytechnikum (seit 1911 ETH Zürich), und von Hans Schinz, Professor für Systematische Botanik an der Universität Zürich, profitieren. Die Geobotanik untersuchte – und untersucht bis heute – Pflanzen­ gesellschaften und Veränderungen ihrer Zusammensetzung (Pflanzen­ soziologie) sowie Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Klima, Boden und der Bewirtschaftung durch den Menschen (Pflanzenökologie). Indem sie auch die menschlichen Tätigkeiten einbezog (Rodung, Be- und Entwässerung, Beweidung, Düngung, Anbau von Nutzpflanzen, Abbau von Torf und Kies, Veränderungen von Mikroklimata durch Terrassierungen, Verbauungen, Aufforstungen, Hecken usw.), trug sie wiederum zur Weiterentwicklung der Pflanzenphysiologie bei (Ökophysiologie). Die Zürcher Geobotanik gewann bis heute gültige Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen der Besiedelung und Nutzung der Landschaft und der Entwicklung der Pflanzenwelt. Forschungsresultate waren zahlrei­che pflanzengeografische Gebietsmonografien, Handbücher zur Begrifflichkeit und zur Methodik der Geobotanik, Programme für die geobotanische Forschung, noch heute aktuelle Grundlagenwerke zur Schweizer Flora, Fach­ artikel zu den erforschten Zusammenhängen sowie populäre Publikationen zur Alpenflora. Die Weiterentwicklung der Geobotanik festigte den Rang Zürichs als wichtiger Standort der weltweiten botanischen Forschung.1 Sie war aber auch wegweisend für den Arten-, Natur- und Landschaftsschutz in der Schweiz, namentlich für die Gründung des Schweizerischen Nationalparks und vieler weiterer Naturschutzgebiete.

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Angaben zur Geobotanik aus: Rübel 1940, Rübel-Kolb 1970 sowie Art. «Botanik» in: Historisches Lexikon der Schweiz.

Erforschte Gegenden Neben Fotografien von weltweiten Forschungsreisen enthalten die beiden Bestände Aufnahmen aus fast allen Regionen der Schweiz, besonders viele aber aus den wichtigsten Forschungsgebieten der Zürcher Geobotanik:

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https://www.herbarien.uzh.ch (zuletzt aufgerufen 6.8.2019).


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Dokumentierte Landschaft

Pflanzen, Landschaften und Menschen Dem Ansatz der Geobotanik folgend, fotografierten die Forscher und Forscherinnen nicht nur Einzelpflanzen und Pflanzengesellschaften, sondern immer auch deren Umgebung. Durch das Interesse an den Standortbedingungen und den Einwirkungen durch Mensch und Tier rückten auch die Landschaft, die agrarische Bewirtschaftung, Siedlungsformen, Meliorationen und weitere Nutzungen und Verformungen der Landschaft wie Torfabbau oder Lawinenverbauungen in den Fokus. Zwei Aspekte stechen vor allem ins Auge: Die beiden Bestände dokumentieren eindrücklich die Veränderung der Landschaft in der Schweiz seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und sie sind Zeugen der alpinen und subalpinen Wirtschafts- und Lebensformen vor der Mechanisierung der Landwirtschaft. Das macht die Bilder zu Erinnerungsträgern und zu einem Kulturgut von internationaler Bedeutung. Rübels 1912 publizierte «Pflanzengeographische Eine Übersicht über die Bildinhalte ergibt folgende The- Eduard Karte des Berninagebietes» war ein Resultat der geobotanimen: Einzelpflanzen (Nahaufnahmen von Bäumen, Sträuchern, schen Studien, die er ab 1905 am Berninapass betrieb. Sie die geologischen und topografischen Bedingungen Stauden, Blumen), Pflanzengesellschaften (Moore, Wald, Wiesen), zeigt und die Verbreitung der Pflanzengesellschaften. / Eduard Pflanzen in ihrer Umgebung (Klimakammern, Ökosysteme), Land- Rübel’s “Pflanzengeographische Karte des Berninagebietes,” in 1912, was a result of his geobotanical mapschaften (Topografie, Vegetation, Gewässer), Siedlungen (Gebäude, published ping of the region, begun while on the Bernina Pass in 1905. Gärten, Infrastrukturbauten), landwirtschaftliche Nutzung (Be- It shows the geological and topographical conditions and wirtschaftung, Nutztiere, Geräte, Bevölkerung, Lebensformen, the spread of the plant communities. Bräuche). Hinzu kommen Fotos zur Dokumentation botanischer Forschungsanordnungen sowie Erinnerungsbilder an Exkursionen, Kollegen und Kolleginnen, Gastgeber und denkwürdige Ereignisse. Auf fast allen Bildern sind Pflanzen und ein Stück Umgebung zu sehen. Wie sie sich gegenseitig beeinflussen, ist manchmal offensichtlich oder mittlerweile allgemein bekannt. Doch manchmal wünschte man sich, man könnte den erklärenden Kommentar von Carl Schröter oder Eduard Rübel dazu hören. Deren Feldtagebücher, Exkursionsberichte und Vegetationskarten, die wissenschaftlichen Zeichnungen und farbigen Illustrationen für ihre Vorlesungen, Vorträge und Bücher sind nicht Teil der Fotobestände, aber zumindest teilweise im Hochschularchiv der ETH Zürich erhalten geblieben. Die bei der Feldarbeit angelegten umfangreichen Herbarien der ETH und des Geobotanischen Instituts wurden 1990 mit dem etwa gleich grossen Herbar der Universität Zürich zu den «Zürcher Herbarien», einem der fünfzehn grössten Herbarien der Welt, vereinigt.2

Die Fotografien in diesem Band stammen aus der Frühzeit der Ökosystem­ forschung. Sie wurden von Pionieren der Geobotanik aufgenommen und in den Nachlässen der Professur von Carl Schröter und des Geobotanischen Instituts Rübel im Bildarchiv der ETH-Bibliothek überliefert. Die Geobotanik entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Teilgebiet der Botanik. Sie verband Botanik und Geografie und fokussierte auf Ökosysteme (der Begriff existierte noch nicht) und deren Dynamik. Sie untersuchte, beschrieb und erklärte die räumliche Verbreitung von Pflanzen und Pflanzengesellschaften sowie evolutive Anpassungsleistungen von wilden und Nutzpflanzen an die Bedingungen unterschiedlicher Standorte. Dabei setzte sie das Wissen und die Methoden der bereits etablierten botanischen Teilgebiete ein, die sich selber auch laufend weiterentwickelten: die Klassifizierungen aus der Systematischen Botanik, das Wissen über Gestalt und inneren Aufbau der Pflanzen aus der Pflanzenmorphologie, Kenntnisse über den Stoffwechsel aus der Pflanzenphysiologie und Wissen über langfristige Anpassungsprozesse aus der Paläobotanik. In Zürich konnte die Geobotanik insbesondere von den Vorleistungen von Oswald Heer, Professor für Paläobotanik am Eidgenössischen Polytechnikum (seit 1911 ETH Zürich), und von Hans Schinz, Professor für Systematische Botanik an der Universität Zürich, profitieren. Die Geobotanik untersuchte – und untersucht bis heute – Pflanzen­ gesellschaften und Veränderungen ihrer Zusammensetzung (Pflanzen­ soziologie) sowie Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Klima, Boden und der Bewirtschaftung durch den Menschen (Pflanzenökologie). Indem sie auch die menschlichen Tätigkeiten einbezog (Rodung, Be- und Entwässerung, Beweidung, Düngung, Anbau von Nutzpflanzen, Abbau von Torf und Kies, Veränderungen von Mikroklimata durch Terrassierungen, Verbauungen, Aufforstungen, Hecken usw.), trug sie wiederum zur Weiterentwicklung der Pflanzenphysiologie bei (Ökophysiologie). Die Zürcher Geobotanik gewann bis heute gültige Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen der Besiedelung und Nutzung der Landschaft und der Entwicklung der Pflanzenwelt. Forschungsresultate waren zahlrei­che pflanzengeografische Gebietsmonografien, Handbücher zur Begrifflichkeit und zur Methodik der Geobotanik, Programme für die geobotanische Forschung, noch heute aktuelle Grundlagenwerke zur Schweizer Flora, Fach­ artikel zu den erforschten Zusammenhängen sowie populäre Publikationen zur Alpenflora. Die Weiterentwicklung der Geobotanik festigte den Rang Zürichs als wichtiger Standort der weltweiten botanischen Forschung.1 Sie war aber auch wegweisend für den Arten-, Natur- und Landschaftsschutz in der Schweiz, namentlich für die Gründung des Schweizerischen Nationalparks und vieler weiterer Naturschutzgebiete.

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Angaben zur Geobotanik aus: Rübel 1940, Rübel-Kolb 1970 sowie Art. «Botanik» in: Historisches Lexikon der Schweiz.

Erforschte Gegenden Neben Fotografien von weltweiten Forschungsreisen enthalten die beiden Bestände Aufnahmen aus fast allen Regionen der Schweiz, besonders viele aber aus den wichtigsten Forschungsgebieten der Zürcher Geobotanik:

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https://www.herbarien.uzh.ch (zuletzt aufgerufen 6.8.2019).


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den Alpen, dem Jura und von subalpinen Mooren. Zahlreiche Bilder wurden im Tessin, in Graubünden und im Wallis aufgenommen, wo die Dichte der Klimazonen und Mikroklimata besonders hoch und die Flora entsprechend vielfältig ist. Ebenfalls gut vertreten sind das Bodenseeufer, wo Carl Schröter forschte, das Einsiedler Moor, das von 1901 bis 1910 und dann nochmals 1939, vor seiner Überflutung durch den Sihlsee, intensiv untersucht wurde, das Berninagebiet, wo Schröter schon 1889 fotografierte und Eduard Rübel von 1905 bis 1909 die Grundlagen für seine richtungsweisende Gebietsmonografie3 sammelte, sowie die Teile Insubriens südlich der Schweizer Grenze, vor allem die botanischen Gärten auf den Inseln im Langensee.

Messapparaten. Die Aufnahmen wurden in der Lehre und in Publikationen sowie für Vorträge genutzt. Sie stammen von zahlreichen Personen, bei vie­len Aufnahmen weiss man nicht, wer sie gemacht hat. Von Carl Schröter ist bekannt, dass er ab etwa 1888 auf Reisen und Exkursionen in der Schweiz und im Ausland oft fotografierte und aus seinen Fotos Dias für Vorlesungen und Vorträge anfertigen liess. Eduard Rübel fotografierte ab etwa 1904. Vermutlich stammen beträchtliche Anteile von Schröter und Rübel, doch zeigen die teilweise vorhandenen Autorenvermerke, dass auch diverse Mitarbeitende an Schröters Professur und am Geobotanischen Institut fotografierten. Eine grössere Anzahl Bilder von diversen Exkursionen zwischen 1887 und 1892 stammt von Friedrich Gottlieb Stebler, der von 1876 bis 1901 am Polytechnikum in Zürich Privatdozent für Milchwirtschaft und Futterbau war und mit Schröter 1892 eine Studie über die Wiesentypen der Schweiz publizierte.4 Werner Lüdi, von 1931 bis 1958 Direktor des Geobotanischen Instituts, verwendete von 1939 bis 1957 farbige Kleinbild-Diafilme, von denen rund 650 Aufnahmen erhalten sind. Sein ältestes Schwarz-Weiss-Foto stammt aber von 1912. Kleinere Bildergruppen nahmen verschiedene Studenten Schröters auf, von denen ihm einige auch später Fotos aus ihrem Berufs­ leben schickten. So machte etwa Ernst Meyer 1902 und 1903 als «Stud. Forst.», 1904 als «Forstpraktikant» und von 1905 bis 1915 als «Forstinspector Langental» Aufnahmen von Bäumen. Verschiedene Kreis- und Oberförster steuerten teilweise ganze Bildserien bei. Dr. Karl Hager, ein Pater im Kloster Disentis, schickte von 1906 bis 1918 Fotos. Von vielen weiteren Studierenden, Exkur­ sionsteilnehmerinnen, Laien-Botanikern oder Fachleuten ist nur ein einziges oder eine Handvoll Bilder erhalten. Die drei Personen, die die beiden Fotobestände mit ihrer Sichtweise am stärksten geprägt haben, werden im Folgenden vorgestellt. Es sind Carl Schröter als Fotograf, Exkursionsleiter und Mentor vieler Forschungsarbeiten, Eduard Rübel als Forscher, Forschungsorganisator und Leiter seines Geo­ botanischen Instituts sowie Werner Lüdi als Fotograf und langjähriger Direktor des Geobotanischen Instituts. Schröter und Rübel waren ab etwa 1905 bis zu Schröters Tod 1939 freundschaftlich verbunden. Die Zusammenarbeit zwischen dem Lehrstuhl an der staatlichen Hochschule und dem privaten Institut war eng. Zwischen den beiden Fotobeständen gibt es daher viele Querverbindungen. In beiden sind Fotos von gemeinsamen Exkursionen oder von Forschungsprojekten der jeweils anderen Institution zu finden.

Forschungsmethoden Die Geobotanik gewann ihre Erkenntnisse durch Exkursionen, das Anlegen von Herbarien, Pflanzenlisten und Vegetationskarten, durch Langzeitstudien an ausgewählten Orten oder zu bestimmten Fragen, das (in Abständen wiederholte) Auszählen der Pflanzenindividuen auf abgesteckten Untersuchungsflächen, durch exaktes Messen von physikalischen Faktoren im Gelände, durch Pflanzen-, Boden- und Pollenanalysen im Labor, durch Experimente und durch den Vergleich mit Resultaten, die andernorts, früher oder in archäologischen Untersuchungen gewonnen wurden. Erfasst wurden nicht nur die an einem Ort vorkommenden Arten, sondern die Gesellschaften (Assoziationen) von Arten, die sich einen Standort teilten, und wie sich ihre Zusammensetzung mit der Zeit veränderte. Möglichst alle Einflussfaktoren – Klima, Wetter, Besonnung, Wasserversorgung sowie die im Boden vorhandenen oder laufend eingetragenen Nährstoffe – wurden gemessen und so der Stoffwechsel in den Pflanzen rekonstruiert. Dafür wurden zahlreiche Apparate entwickelt, Messstationen im Gelände installiert und Labors eingerichtet. Auch die Veränderung dieser Faktoren durch Bewirtschaftung, Beweidung, Verbauungen und Meliorationen und ihre Auswirkungen auf die Pflanzengesellschaften wurden untersucht. Die Fotografen und Fotografinnen Die Fotografie diente zur wissenschaftlichen Dokumentation von Belegpflanzen und Pflanzengesellschaften, der Umgebung einer untersuchten Assoziation sowie von Versuchsanlagen und

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Dia_282-0264. Methoden der Geobotanik: Eduard Rübel beim Schneeschaufeln im Berninagebiet. Rübel überwinterte 1905/06 im Bernina-Hospiz bei Pontresina, Graubünden. Er mass u. a. die durch den Schnee dringenden Lichtmengen und untersuchte Pflanzen, die unter der Schneedecke austreiben (Unbekannt, ca. 1905). / Geobotanical methods: Eduard Rübel shoveling snow in the Bernina region. Rübel spent the winter of 1905/06 at the Bernina Hospice near Pontresina, Graubünden. There, he measured the amount of light penetrating the snow and examined plants that produce new shoots even when blanketed in snow (Unknown photographer, ca. 1905). Dia_282-1727. Mikroklimatische Messtation mit Luft- und Boden-Thermometer, Hygrometer und Fotometer zur Messung der Lichtmenge (Werner Lüdi, Oktober 1932). / Microclimatic measuring station with air and soil ther­m o­ meters, hygrometer, and photometer for measuring light (Werner Lüdi, October 1932).

Rübel 1911.

Carl Schröter Carl Joseph Schröter (1855–1939) war von 1884 bis 1926 ordentlicher Professor für Spezielle Botanik am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Er gehört zu den Wissenschaftlern und Hochschullehrern, die vielen

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Schröter, Stebler 1892 sowie Art. «Stebler, Friedrich Gottlieb» in: Historisches Lexikon der Schweiz.


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den Alpen, dem Jura und von subalpinen Mooren. Zahlreiche Bilder wurden im Tessin, in Graubünden und im Wallis aufgenommen, wo die Dichte der Klimazonen und Mikroklimata besonders hoch und die Flora entsprechend vielfältig ist. Ebenfalls gut vertreten sind das Bodenseeufer, wo Carl Schröter forschte, das Einsiedler Moor, das von 1901 bis 1910 und dann nochmals 1939, vor seiner Überflutung durch den Sihlsee, intensiv untersucht wurde, das Berninagebiet, wo Schröter schon 1889 fotografierte und Eduard Rübel von 1905 bis 1909 die Grundlagen für seine richtungsweisende Gebietsmonografie3 sammelte, sowie die Teile Insubriens südlich der Schweizer Grenze, vor allem die botanischen Gärten auf den Inseln im Langensee.

Messapparaten. Die Aufnahmen wurden in der Lehre und in Publikationen sowie für Vorträge genutzt. Sie stammen von zahlreichen Personen, bei vie­len Aufnahmen weiss man nicht, wer sie gemacht hat. Von Carl Schröter ist bekannt, dass er ab etwa 1888 auf Reisen und Exkursionen in der Schweiz und im Ausland oft fotografierte und aus seinen Fotos Dias für Vorlesungen und Vorträge anfertigen liess. Eduard Rübel fotografierte ab etwa 1904. Vermutlich stammen beträchtliche Anteile von Schröter und Rübel, doch zeigen die teilweise vorhandenen Autorenvermerke, dass auch diverse Mitarbeitende an Schröters Professur und am Geobotanischen Institut fotografierten. Eine grössere Anzahl Bilder von diversen Exkursionen zwischen 1887 und 1892 stammt von Friedrich Gottlieb Stebler, der von 1876 bis 1901 am Polytechnikum in Zürich Privatdozent für Milchwirtschaft und Futterbau war und mit Schröter 1892 eine Studie über die Wiesentypen der Schweiz publizierte.4 Werner Lüdi, von 1931 bis 1958 Direktor des Geobotanischen Instituts, verwendete von 1939 bis 1957 farbige Kleinbild-Diafilme, von denen rund 650 Aufnahmen erhalten sind. Sein ältestes Schwarz-Weiss-Foto stammt aber von 1912. Kleinere Bildergruppen nahmen verschiedene Studenten Schröters auf, von denen ihm einige auch später Fotos aus ihrem Berufs­ leben schickten. So machte etwa Ernst Meyer 1902 und 1903 als «Stud. Forst.», 1904 als «Forstpraktikant» und von 1905 bis 1915 als «Forstinspector Langental» Aufnahmen von Bäumen. Verschiedene Kreis- und Oberförster steuerten teilweise ganze Bildserien bei. Dr. Karl Hager, ein Pater im Kloster Disentis, schickte von 1906 bis 1918 Fotos. Von vielen weiteren Studierenden, Exkur­ sionsteilnehmerinnen, Laien-Botanikern oder Fachleuten ist nur ein einziges oder eine Handvoll Bilder erhalten. Die drei Personen, die die beiden Fotobestände mit ihrer Sichtweise am stärksten geprägt haben, werden im Folgenden vorgestellt. Es sind Carl Schröter als Fotograf, Exkursionsleiter und Mentor vieler Forschungsarbeiten, Eduard Rübel als Forscher, Forschungsorganisator und Leiter seines Geo­ botanischen Instituts sowie Werner Lüdi als Fotograf und langjähriger Direktor des Geobotanischen Instituts. Schröter und Rübel waren ab etwa 1905 bis zu Schröters Tod 1939 freundschaftlich verbunden. Die Zusammenarbeit zwischen dem Lehrstuhl an der staatlichen Hochschule und dem privaten Institut war eng. Zwischen den beiden Fotobeständen gibt es daher viele Querverbindungen. In beiden sind Fotos von gemeinsamen Exkursionen oder von Forschungsprojekten der jeweils anderen Institution zu finden.

Forschungsmethoden Die Geobotanik gewann ihre Erkenntnisse durch Exkursionen, das Anlegen von Herbarien, Pflanzenlisten und Vegetationskarten, durch Langzeitstudien an ausgewählten Orten oder zu bestimmten Fragen, das (in Abständen wiederholte) Auszählen der Pflanzenindividuen auf abgesteckten Untersuchungsflächen, durch exaktes Messen von physikalischen Faktoren im Gelände, durch Pflanzen-, Boden- und Pollenanalysen im Labor, durch Experimente und durch den Vergleich mit Resultaten, die andernorts, früher oder in archäologischen Untersuchungen gewonnen wurden. Erfasst wurden nicht nur die an einem Ort vorkommenden Arten, sondern die Gesellschaften (Assoziationen) von Arten, die sich einen Standort teilten, und wie sich ihre Zusammensetzung mit der Zeit veränderte. Möglichst alle Einflussfaktoren – Klima, Wetter, Besonnung, Wasserversorgung sowie die im Boden vorhandenen oder laufend eingetragenen Nährstoffe – wurden gemessen und so der Stoffwechsel in den Pflanzen rekonstruiert. Dafür wurden zahlreiche Apparate entwickelt, Messstationen im Gelände installiert und Labors eingerichtet. Auch die Veränderung dieser Faktoren durch Bewirtschaftung, Beweidung, Verbauungen und Meliorationen und ihre Auswirkungen auf die Pflanzengesellschaften wurden untersucht. Die Fotografen und Fotografinnen Die Fotografie diente zur wissenschaftlichen Dokumentation von Belegpflanzen und Pflanzengesellschaften, der Umgebung einer untersuchten Assoziation sowie von Versuchsanlagen und

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Dia_282-0264. Methoden der Geobotanik: Eduard Rübel beim Schneeschaufeln im Berninagebiet. Rübel überwinterte 1905/06 im Bernina-Hospiz bei Pontresina, Graubünden. Er mass u. a. die durch den Schnee dringenden Lichtmengen und untersuchte Pflanzen, die unter der Schneedecke austreiben (Unbekannt, ca. 1905). / Geobotanical methods: Eduard Rübel shoveling snow in the Bernina region. Rübel spent the winter of 1905/06 at the Bernina Hospice near Pontresina, Graubünden. There, he measured the amount of light penetrating the snow and examined plants that produce new shoots even when blanketed in snow (Unknown photographer, ca. 1905). Dia_282-1727. Mikroklimatische Messtation mit Luft- und Boden-Thermometer, Hygrometer und Fotometer zur Messung der Lichtmenge (Werner Lüdi, Oktober 1932). / Microclimatic measuring station with air and soil ther­m o­ meters, hygrometer, and photometer for measuring light (Werner Lüdi, October 1932).

Rübel 1911.

Carl Schröter Carl Joseph Schröter (1855–1939) war von 1884 bis 1926 ordentlicher Professor für Spezielle Botanik am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Er gehört zu den Wissenschaftlern und Hochschullehrern, die vielen

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Schröter, Stebler 1892 sowie Art. «Stebler, Friedrich Gottlieb» in: Historisches Lexikon der Schweiz.


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lange im Gedächtnis bleiben. Zeitzeugen beschrieben ihn als aussergewöhnlich lebhaften, kontaktfreudigen, unternehmungslustigen und grosszügigen Menschen, der sein Umfeld motivierte. Zunächst erforschte er Moore und erstellte pflanzengeografische Gebietsmonografien. Besonders intensiv widmete er sich dem Alpengebiet. Auf unzähligen Exkursionen untersuchte er das Klima, den Boden, die Zusammensetzung der Vegetation und die Anpassungen der Pflanzen an ihre Standortbe­dingungen. Schröter begeisterte mehrere Generationen von angehenden Fachlehrerinnen und -lehrern und Studierenden aus allen Fächern, die in Zürich mit Botanik in Berührung kamen: Agronomie, Forstwesen, Pharmazie, Geologie, Zoologie, Biologie. Seine Exkursionen waren legendär, nicht nur wegen ihres wissenschaftlichen Gehalts und ihrer disziplinären Breite, sondern auch wegen der Begegnungen und geselligen Ereignisse, die bei Schröter – geplant oder spontan eingeschoben – zum Programm gehörten. Diesem Talent und seinen Vorlesungen und Publikationen zum Thema verdankte er den Übernamen «Alpenschröter». Schröter war Mitglied zahlreicher in- und ausländischer Portr_06453. Carl Schröter, Professor für Spezielle Botanik der ETH Zürich und Pionier der Geobotanik (Unbekannt, wissenschaftlicher Gesellschaften und wurde für seine Beiträge an ca. 1920). / Carl Schröter, Professor of Special Botany at ETH zur Entwicklung der Geobotanik international geachtet. 1890 Zurich and a pioneer of geobotany (Unknown photographer, gründete er die Schweizerische Botanische Gesellschaft mit und ca. 1920). engagierte sich von 1898 bis 1904 im Zentralvorstand der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (heute Akademie der Naturwissenschaften Schweiz).5 Daneben hatte er nachhaltigen Einfluss auf den Naturschutz und die Volks­bildung in der Schweiz. Er war Mitglied der 1906 eingerichteten Schweizerischen Naturschutzkommission, gehörte zu den Gründern des Schweizerischen Nationalparks (1914) und wurde 1920 erster Präsident der Volkshochschule des Kantons Zürich. Bis ins hohe Alter hielt er Tausende von Vorträgen, in denen er die Bevölkerung für die Artenvielfalt und ihren Schutz sensibilisierte. Geboren wurde Schröter in Esslingen (Deutschland), im Alter von zehn Jahren kam er nach Zürich. Sein Vater Moritz übernahm 1865 den Lehrstuhl für Maschinenbau und Maschinenkonstruktion am Polytechnikum, starb aber schon zwei Jahre später. Carls Mutter vermietete Pensionszimmer für den Familienunterhalt. Dank der Aufnahme ins Bürgerrecht der Stadt Zürich erhielten die Kinder städtische Schulstipendien. Nach Abschluss des Gymnasiums studierte Schröter am Polytechnikum Naturwissenschaften bei August Wilhelm Eichler (Systematik), Karl Cramer (Botanik), Johann Jakob Früh (Geografie), Oswald Heer (Paläontologie) und Albert Heim (Geolo­gie). Er schätzte vor allem Heim, mit dem er lebenslang befreundet blieb, und

Cramer, der im selben Haus wohnte und ihn für die Botanik begeisterte. Schröter wurde sein Assistent. 1879 erhielt er den Lehrauftrag für Spezielle Botanik am Polytechnikum. Seine Vorlesungen waren beliebt. Die Demonstrationstafeln, die er im Unterricht einsetzte, zeichnete sein noch jugendlicher Bruder Ludwig, der Illustrator wurde und zeitlebens wissenschaftliche Zeichnungen für ihn anfertigte. Im Wintersemester 1889/90 hielt Schröter erstmals seine Vorlesung «Flora und Vegetation der Alpen». Sie wird bis heute unter demselben Namen durchgeführt und ist damit wohl die älteste Spezialveranstaltung an der ETH Zürich. Mit 28 Jahren wurde Schröter ordentlicher Professor für Spezielle Botanik. Er heiratete seine Studienkollegin Margarete Middelberg aus Amsterdam, mit der er an der Merkurstrasse 70 in Zürich Hottingen wohnte und drei Kinder hatte. Schröter veröffentlichte über 200 Schriften.6 Zu seinen bekanntesten Schülerinnen und Schülern gehörten Heinrich und Marie Brockmann-Jerosch und Eduard Rübel. Eduard Rübel Eduard August Rübel (1876–1960) wuchs in Zürich als Eduard Rübel, Geobotaniker mit Privatinstitut Kind des deutsch-amerikanischen Seidenhändlers August Rübel Portr_12952. in Zürich (Unbekannt, ca. 1945). / Eduard Rübel, Geobotanist und von Rosalie Däniker auf, die aus einer alten Zürcher Familie with his own private research institute in Zurich (Unknown stammte.7 Die Familie wohnte im Platanenhof (auch Platanen- photographer, ca. 1945). güetli genannt), einem 1832 gebauten Landsitz an der Zürichbergstrasse, den der Vater gekauft hatte. Eduard besuchte die Schule in Zürich und Lausanne. Als er sechzehn war, starb überraschend sein Vater. Sein zehn Jahre älterer Bruder übernahm das Familiengeschäft und wurde Eduards Vormund. Vier Jahre später starb nach kurzer Krankheit auch die Mutter. Eduard studierte an der ETH Zürich Chemie, besuchte aber auch andere Vorlesungen, unter anderem bei Carl Schröter. Er promovierte 1901. Im Hinblick auf eine Laufbahn im Familienunternehmen vertiefte er sich dann in London und New York ins Banken- und Börsenwesen und in Berlin in den Bergbau und engagierte sich als Verwaltungsrat in den Maggi-Lebensmittelfabriken, die sein Vater mitgegründet hatte. Daneben frönte er seinen Leidenschaften Botanik und Familienforschung. Schröter überzeugte ihn, die Geobotanik zu seiner Hauptbeschäf­ tigung zu machen. 1905/06 überwinterte Rübel im Bernina-Hospiz und erarbeitete bis 1911 als freier Forscher eine pflanzengeografische Gebiets­ monografie über das Berninagebiet.8 Mit ihr setzte er neue Massstäbe in Sachen Methodik und Vollständigkeit und verbesserte die wissenschaftlichen Instrumente. Dieses methodische Wissen publizierte er in einem zusätzli-

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Rübel 1940, S. 43.

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Siehe Schröter in der Literaturliste. Ruoff 1961 sowie Art. «Rübel, Eduard August» in: Historisches Lexikon der Schweiz. 8 Rübel 1911.


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lange im Gedächtnis bleiben. Zeitzeugen beschrieben ihn als aussergewöhnlich lebhaften, kontaktfreudigen, unternehmungslustigen und grosszügigen Menschen, der sein Umfeld motivierte. Zunächst erforschte er Moore und erstellte pflanzengeografische Gebietsmonografien. Besonders intensiv widmete er sich dem Alpengebiet. Auf unzähligen Exkursionen untersuchte er das Klima, den Boden, die Zusammensetzung der Vegetation und die Anpassungen der Pflanzen an ihre Standortbe­dingungen. Schröter begeisterte mehrere Generationen von angehenden Fachlehrerinnen und -lehrern und Studierenden aus allen Fächern, die in Zürich mit Botanik in Berührung kamen: Agronomie, Forstwesen, Pharmazie, Geologie, Zoologie, Biologie. Seine Exkursionen waren legendär, nicht nur wegen ihres wissenschaftlichen Gehalts und ihrer disziplinären Breite, sondern auch wegen der Begegnungen und geselligen Ereignisse, die bei Schröter – geplant oder spontan eingeschoben – zum Programm gehörten. Diesem Talent und seinen Vorlesungen und Publikationen zum Thema verdankte er den Übernamen «Alpenschröter». Schröter war Mitglied zahlreicher in- und ausländischer Portr_06453. Carl Schröter, Professor für Spezielle Botanik der ETH Zürich und Pionier der Geobotanik (Unbekannt, wissenschaftlicher Gesellschaften und wurde für seine Beiträge an ca. 1920). / Carl Schröter, Professor of Special Botany at ETH zur Entwicklung der Geobotanik international geachtet. 1890 Zurich and a pioneer of geobotany (Unknown photographer, gründete er die Schweizerische Botanische Gesellschaft mit und ca. 1920). engagierte sich von 1898 bis 1904 im Zentralvorstand der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (heute Akademie der Naturwissenschaften Schweiz).5 Daneben hatte er nachhaltigen Einfluss auf den Naturschutz und die Volks­bildung in der Schweiz. Er war Mitglied der 1906 eingerichteten Schweizerischen Naturschutzkommission, gehörte zu den Gründern des Schweizerischen Nationalparks (1914) und wurde 1920 erster Präsident der Volkshochschule des Kantons Zürich. Bis ins hohe Alter hielt er Tausende von Vorträgen, in denen er die Bevölkerung für die Artenvielfalt und ihren Schutz sensibilisierte. Geboren wurde Schröter in Esslingen (Deutschland), im Alter von zehn Jahren kam er nach Zürich. Sein Vater Moritz übernahm 1865 den Lehrstuhl für Maschinenbau und Maschinenkonstruktion am Polytechnikum, starb aber schon zwei Jahre später. Carls Mutter vermietete Pensionszimmer für den Familienunterhalt. Dank der Aufnahme ins Bürgerrecht der Stadt Zürich erhielten die Kinder städtische Schulstipendien. Nach Abschluss des Gymnasiums studierte Schröter am Polytechnikum Naturwissenschaften bei August Wilhelm Eichler (Systematik), Karl Cramer (Botanik), Johann Jakob Früh (Geografie), Oswald Heer (Paläontologie) und Albert Heim (Geolo­gie). Er schätzte vor allem Heim, mit dem er lebenslang befreundet blieb, und

Cramer, der im selben Haus wohnte und ihn für die Botanik begeisterte. Schröter wurde sein Assistent. 1879 erhielt er den Lehrauftrag für Spezielle Botanik am Polytechnikum. Seine Vorlesungen waren beliebt. Die Demonstrationstafeln, die er im Unterricht einsetzte, zeichnete sein noch jugendlicher Bruder Ludwig, der Illustrator wurde und zeitlebens wissenschaftliche Zeichnungen für ihn anfertigte. Im Wintersemester 1889/90 hielt Schröter erstmals seine Vorlesung «Flora und Vegetation der Alpen». Sie wird bis heute unter demselben Namen durchgeführt und ist damit wohl die älteste Spezialveranstaltung an der ETH Zürich. Mit 28 Jahren wurde Schröter ordentlicher Professor für Spezielle Botanik. Er heiratete seine Studienkollegin Margarete Middelberg aus Amsterdam, mit der er an der Merkurstrasse 70 in Zürich Hottingen wohnte und drei Kinder hatte. Schröter veröffentlichte über 200 Schriften.6 Zu seinen bekanntesten Schülerinnen und Schülern gehörten Heinrich und Marie Brockmann-Jerosch und Eduard Rübel. Eduard Rübel Eduard August Rübel (1876–1960) wuchs in Zürich als Eduard Rübel, Geobotaniker mit Privatinstitut Kind des deutsch-amerikanischen Seidenhändlers August Rübel Portr_12952. in Zürich (Unbekannt, ca. 1945). / Eduard Rübel, Geobotanist und von Rosalie Däniker auf, die aus einer alten Zürcher Familie with his own private research institute in Zurich (Unknown stammte.7 Die Familie wohnte im Platanenhof (auch Platanen- photographer, ca. 1945). güetli genannt), einem 1832 gebauten Landsitz an der Zürichbergstrasse, den der Vater gekauft hatte. Eduard besuchte die Schule in Zürich und Lausanne. Als er sechzehn war, starb überraschend sein Vater. Sein zehn Jahre älterer Bruder übernahm das Familiengeschäft und wurde Eduards Vormund. Vier Jahre später starb nach kurzer Krankheit auch die Mutter. Eduard studierte an der ETH Zürich Chemie, besuchte aber auch andere Vorlesungen, unter anderem bei Carl Schröter. Er promovierte 1901. Im Hinblick auf eine Laufbahn im Familienunternehmen vertiefte er sich dann in London und New York ins Banken- und Börsenwesen und in Berlin in den Bergbau und engagierte sich als Verwaltungsrat in den Maggi-Lebensmittelfabriken, die sein Vater mitgegründet hatte. Daneben frönte er seinen Leidenschaften Botanik und Familienforschung. Schröter überzeugte ihn, die Geobotanik zu seiner Hauptbeschäf­ tigung zu machen. 1905/06 überwinterte Rübel im Bernina-Hospiz und erarbeitete bis 1911 als freier Forscher eine pflanzengeografische Gebiets­ monografie über das Berninagebiet.8 Mit ihr setzte er neue Massstäbe in Sachen Methodik und Vollständigkeit und verbesserte die wissenschaftlichen Instrumente. Dieses methodische Wissen publizierte er in einem zusätzli-

5

Rübel 1940, S. 43.

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Siehe Schröter in der Literaturliste. Ruoff 1961 sowie Art. «Rübel, Eduard August» in: Historisches Lexikon der Schweiz. 8 Rübel 1911.


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chen Handbuch.9 Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit wurden die Definition der Grundbegriffe der jungen Geobotanik sowie deren Entstehungsgeschichte.10 1917 habilitierte sich Rübel an der ETH Zürich, ab da war er Privatdozent, 1923 wurde er zum Titularprofessor ernannt. Er engagierte sich in der Zürcherischen Botanischen Gesellschaft (1906–1926 im Vorstand, 1920–1924 Präsident), in der Zürcherischen Naturforschenden Gesellschaft (1912–1928 im Vorstand, 1918–1920 Präsident) und von 1929 bis 1934 war er Präsident der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft.

fördern, übernahm das Institut von Anfang an das von Heinrich Brockmann lancierte Freie Geobotanische Kolloquium, das etwa sechsmal im Jahr stattfand. Es sollte nicht von einer bestimmten «Schule» geprägt sein, sondern als unabhängige internationale Plattform eine möglichst offene Diskussion von Problemen der Geobotanik ermöglichen. Es wurde bis 1998 fortgeführt. Im ersten Jahrzehnt war das Institut im obersten Stock von Rübels Wohnhaus untergebracht, das er um 1909 gegenüber seinem Elternhaus an der Zürichbergstrasse 34 für seine frisch gegründete Familie hatte bauen lassen. 1928 liess er mit Unterstützung seiner Schwestern Cécile und Helen Rübel an der Zürichbergstrasse 38 ein Institutsgebäude errichten. In dem vermutlich vom Architekten Richard von Muralt geplanten Haus gab es einen Vortragssaal, eine Bibliothek und ein grosses Herbarium, ein Labor, eine Dunkelkammer, Studierzimmer, dazu zwei Gastzimmer und eine Hauswartwohnung. Rübel leitete das Institut bis 1928. Josias Braun-Blanquet, der mit ihm den Winter 1905/06 im Bernina-Hospiz verbracht hatte und ihn seither unterstützte, wirkte bis 1926 als Assistent. Ab 1928 setzte Rübel Direktoren zur Leitung ein und betreute das Institut als Stiftungspräsident. Direktoren waren Heinrich Brockmann-Jerosch 1929–1931, Werner Lüdi 1931–1958, Heinz Ellenberg 1958–1966, Elias Landolt 1966–1993 und Peter Edwards 1993–2013. Mit etwa 60 Jahren zog sich Rübel aus der aktiven botanischen Forschung zurück und widmete sich seinem alten Steckenpferd, der Genea­logie. 1958, im Alter von 82 Jahren, übertrug er sein Institut der ETH Zürich. Seit­her ist es auch in die Lehrtätigkeit eingebunden. 1980 wurde ihm die Spezielle Botanik angegliedert. 2005 konnten die mittlerweile auf mehrere Bauten verteilten Forschungsgruppen im ehemaligen Chemiegebäude CHN der ETH Zürich zusammengefasst werden, die Institutsbibliothek wurde in die neue «Grüne Bib­liothek» der ETH-Bibliothek integriert. Seit 2006 bilden die beiden Professuren des Instituts (Pflanzenökologie und Ökologische Pflanzen­ genetik) einen Teil des neu geschaffenen Instituts für Integrative Biologie.14 Die heutige Forschung dieser Professuren betrifft den Klimawandel, die Erhaltung der Biodiversität, die Kontrolle invasiver Pflanzen, mathematische und experimentelle Pflanzenökologie und das Verständnis von Anpas­ sungsprozessen von Pflanzen und Pflanzengesellschaften mittels genomischer Analysen. Nach wie vor kommt dieses Wissen dem Naturschutz und der Öffentlichkeit zugute, und noch immer ist das Institut an der Schaffung und Pflege von Naturreservaten, an Renaturierungen und an Verzeichnissen von schützenswerten Pflanzen und Standorten beteiligt.

Das Geobotanische Institut Rübel Rübel war es ein Anliegen, den weltweiten Austausch zwischen Forschenden der Geobotanik zu fördern. Um seine wissenschaftliche Bibliothek mit rund 3'000 Schriften, sein Herbar mit etwa 50'000 Bogen, sein Bildarchiv und die Instrumentensammlung auch anderen, insbesondere Forschenden ausserhalb der Hochschulen, zugänglich zu machen, stiftete er 1918 aus seinem Vermögen das Geobotanische Institut Rübel. Ziel der gemeinliess Eduard Rübel an der Zürichbergstrasse 38 in Zürich nützigen Stiftung war die Förderung der Geobotanik und des 1928 ein Gebäude für sein Geobotanisches Institut errichten. freien Meinungsaustausches zwischen Instituten und freien Die Grundrisse zeigen die für die Forschung und Vermittlung eingerichteten Räume. Hinzu kamen im zweiten Forschenden aus allen involvierten Fächern. In die Präambel der praktisch Obergeschoss eine Hauswartwohnung und zwei Gäste­ Stiftungsurkunde schrieb er: «Das Institut soll der reinen For- zimmer (Berichte über das Geobotanische Forschungsinstitut in Zürich, Nr. 1, 1918–1928, S. 53f.). / Eduard Rübel had schung dienen. Die Wissenschaft ist sich Selbstzweck; sie hat die Rübel new premises for his Geobotanical Institute built at Zürich­ menschliche Erkenntnis zu fördern unbekümmert darum, ob so- bergstrasse 38 in Zurich in 1928. The floor plan shows furnished rooms for both research and teaching. fort ihre nützliche Anwendung möglich ist. […] Die Geobotanik practically The second floor also housed a janitor’s apartment and als reine Forschung betrieben, wird sicherlich doch die größten two guest rooms (Berichte über das Geobotanische Fornützlichen Einwirkungen haben auf Forst- und Landwirtschaft schungsinstitut Rübel in Zürich, no. 1, 1918–1928, pp. 53–54). im allgemeinen, aber auch auf andere Wissensgebiete, besonders geographische wie Volkskunde, Tiergeographie und -Ökologie, Bodenkunde, Klima­ kunde, Wirtschaftsgeographie, Geologie usw.»11 Das Institut baute eine umfassende geobotanische Bibliothek auf und stellte Arbeitsplätze für Promovierende zur Verfügung. Bis 2003 publizierte es jährlich Berichte über seine Tätigkeit; sie sind online abrufbar.12 In einer zweiten, ebenfalls online verfügbaren Schriftenreihe publizierte es von 1924 bis 2003 monografische Arbeiten.13 2003 wurden diese Reihen durch die neue Zeitschrift Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics abgelöst. Neben der Forschung organisierte das Institut Exkursionen und Kurse in Alpenbotanik. Es übernahm ab 1923 die Organisation der Internationalen Pflanzengeographischen Exkursionen. Um den internationalen Austausch zu

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Rübel 1922. Siehe Rübel in der Literaturliste. Rübel 1929, S. 44. Berichte über das Geobotanische Forschungsinstitut Rübel in Zürich. Veröffentlichungen des Geobotanischen Institutes.

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www.geobot.ethz.ch (zuletzt aufgerufen: 6.8.2019).


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chen Handbuch.9 Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit wurden die Definition der Grundbegriffe der jungen Geobotanik sowie deren Entstehungsgeschichte.10 1917 habilitierte sich Rübel an der ETH Zürich, ab da war er Privatdozent, 1923 wurde er zum Titularprofessor ernannt. Er engagierte sich in der Zürcherischen Botanischen Gesellschaft (1906–1926 im Vorstand, 1920–1924 Präsident), in der Zürcherischen Naturforschenden Gesellschaft (1912–1928 im Vorstand, 1918–1920 Präsident) und von 1929 bis 1934 war er Präsident der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft.

fördern, übernahm das Institut von Anfang an das von Heinrich Brockmann lancierte Freie Geobotanische Kolloquium, das etwa sechsmal im Jahr stattfand. Es sollte nicht von einer bestimmten «Schule» geprägt sein, sondern als unabhängige internationale Plattform eine möglichst offene Diskussion von Problemen der Geobotanik ermöglichen. Es wurde bis 1998 fortgeführt. Im ersten Jahrzehnt war das Institut im obersten Stock von Rübels Wohnhaus untergebracht, das er um 1909 gegenüber seinem Elternhaus an der Zürichbergstrasse 34 für seine frisch gegründete Familie hatte bauen lassen. 1928 liess er mit Unterstützung seiner Schwestern Cécile und Helen Rübel an der Zürichbergstrasse 38 ein Institutsgebäude errichten. In dem vermutlich vom Architekten Richard von Muralt geplanten Haus gab es einen Vortragssaal, eine Bibliothek und ein grosses Herbarium, ein Labor, eine Dunkelkammer, Studierzimmer, dazu zwei Gastzimmer und eine Hauswartwohnung. Rübel leitete das Institut bis 1928. Josias Braun-Blanquet, der mit ihm den Winter 1905/06 im Bernina-Hospiz verbracht hatte und ihn seither unterstützte, wirkte bis 1926 als Assistent. Ab 1928 setzte Rübel Direktoren zur Leitung ein und betreute das Institut als Stiftungspräsident. Direktoren waren Heinrich Brockmann-Jerosch 1929–1931, Werner Lüdi 1931–1958, Heinz Ellenberg 1958–1966, Elias Landolt 1966–1993 und Peter Edwards 1993–2013. Mit etwa 60 Jahren zog sich Rübel aus der aktiven botanischen Forschung zurück und widmete sich seinem alten Steckenpferd, der Genea­logie. 1958, im Alter von 82 Jahren, übertrug er sein Institut der ETH Zürich. Seit­her ist es auch in die Lehrtätigkeit eingebunden. 1980 wurde ihm die Spezielle Botanik angegliedert. 2005 konnten die mittlerweile auf mehrere Bauten verteilten Forschungsgruppen im ehemaligen Chemiegebäude CHN der ETH Zürich zusammengefasst werden, die Institutsbibliothek wurde in die neue «Grüne Bib­liothek» der ETH-Bibliothek integriert. Seit 2006 bilden die beiden Professuren des Instituts (Pflanzenökologie und Ökologische Pflanzen­ genetik) einen Teil des neu geschaffenen Instituts für Integrative Biologie.14 Die heutige Forschung dieser Professuren betrifft den Klimawandel, die Erhaltung der Biodiversität, die Kontrolle invasiver Pflanzen, mathematische und experimentelle Pflanzenökologie und das Verständnis von Anpas­ sungsprozessen von Pflanzen und Pflanzengesellschaften mittels genomischer Analysen. Nach wie vor kommt dieses Wissen dem Naturschutz und der Öffentlichkeit zugute, und noch immer ist das Institut an der Schaffung und Pflege von Naturreservaten, an Renaturierungen und an Verzeichnissen von schützenswerten Pflanzen und Standorten beteiligt.

Das Geobotanische Institut Rübel Rübel war es ein Anliegen, den weltweiten Austausch zwischen Forschenden der Geobotanik zu fördern. Um seine wissenschaftliche Bibliothek mit rund 3'000 Schriften, sein Herbar mit etwa 50'000 Bogen, sein Bildarchiv und die Instrumentensammlung auch anderen, insbesondere Forschenden ausserhalb der Hochschulen, zugänglich zu machen, stiftete er 1918 aus seinem Vermögen das Geobotanische Institut Rübel. Ziel der gemeinliess Eduard Rübel an der Zürichbergstrasse 38 in Zürich nützigen Stiftung war die Förderung der Geobotanik und des 1928 ein Gebäude für sein Geobotanisches Institut errichten. freien Meinungsaustausches zwischen Instituten und freien Die Grundrisse zeigen die für die Forschung und Vermittlung eingerichteten Räume. Hinzu kamen im zweiten Forschenden aus allen involvierten Fächern. In die Präambel der praktisch Obergeschoss eine Hauswartwohnung und zwei Gäste­ Stiftungsurkunde schrieb er: «Das Institut soll der reinen For- zimmer (Berichte über das Geobotanische Forschungsinstitut in Zürich, Nr. 1, 1918–1928, S. 53f.). / Eduard Rübel had schung dienen. Die Wissenschaft ist sich Selbstzweck; sie hat die Rübel new premises for his Geobotanical Institute built at Zürich­ menschliche Erkenntnis zu fördern unbekümmert darum, ob so- bergstrasse 38 in Zurich in 1928. The floor plan shows furnished rooms for both research and teaching. fort ihre nützliche Anwendung möglich ist. […] Die Geobotanik practically The second floor also housed a janitor’s apartment and als reine Forschung betrieben, wird sicherlich doch die größten two guest rooms (Berichte über das Geobotanische Fornützlichen Einwirkungen haben auf Forst- und Landwirtschaft schungsinstitut Rübel in Zürich, no. 1, 1918–1928, pp. 53–54). im allgemeinen, aber auch auf andere Wissensgebiete, besonders geographische wie Volkskunde, Tiergeographie und -Ökologie, Bodenkunde, Klima­ kunde, Wirtschaftsgeographie, Geologie usw.»11 Das Institut baute eine umfassende geobotanische Bibliothek auf und stellte Arbeitsplätze für Promovierende zur Verfügung. Bis 2003 publizierte es jährlich Berichte über seine Tätigkeit; sie sind online abrufbar.12 In einer zweiten, ebenfalls online verfügbaren Schriftenreihe publizierte es von 1924 bis 2003 monografische Arbeiten.13 2003 wurden diese Reihen durch die neue Zeitschrift Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics abgelöst. Neben der Forschung organisierte das Institut Exkursionen und Kurse in Alpenbotanik. Es übernahm ab 1923 die Organisation der Internationalen Pflanzengeographischen Exkursionen. Um den internationalen Austausch zu

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Rübel 1922. Siehe Rübel in der Literaturliste. Rübel 1929, S. 44. Berichte über das Geobotanische Forschungsinstitut Rübel in Zürich. Veröffentlichungen des Geobotanischen Institutes.

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Werner Lüdi Werner Lüdi (1888–1968) aus Münsingen war von 1908 bis 1911 Lehrer in Mürren und studierte dann Botanik an den Universitäten Bern und Montpellier. Er promovierte 1917, war bis 1931 Sekundarlehrer in Bern und von 1927 bis 1933 Privatdozent für Botanik an der Universität Bern. 1931 berief Eduard Rübel den Kenner der Alpenvegetation als Direktor des Geobotanischen Instituts, wo Lüdi bis 1958 blieb. Er forschte vor allem zur Pflanzensoziologie, zu experimenteller Pflanzenökologie und zur Vegetationsgeschichte. Anhand von Pollen, die in Mooren konserviert lagern, rekonstruierte er die Entwicklung von Klima und Vegetation seit der letzten Eiszeit. Er setzte sich auch wissenschaftlich mit Naturschutz auseinander. 1940 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt. In der Sukzessionsforschung und mit experimentellen Vegetationsstudien auf Dauerflächen vollbrachte Lüdi Pionierleistungen.15 Bekannt wurde sein Langzeitversuch auf der Schynigen Platte bei Interlaken. Durch verschiedene Formen von Düngen, Kalken und Mähen untersuchte er systematisch Methoden, um die magere Borstgrasweide produktiver zu machen. Er publizierte Hs_1360-2859-027-AL. Werner Lüdi auf der Dritten Inter­ die Resultate 1959 und schloss das Experiment ab. Die Auswir- nationalen Pflanzengeografischen Exkursion, 20. Juli bis 1923 (John W. Harshberger, 1923). / Werner Lüdi kungen blieben aber sichtbar und weckten das Interesse an weite- 13. August on the Third International Phytogeographical Excursion, ren Untersuchungen. Heute wird die «Lüdiweide» vom Institut für July 20 to August 13, 1923 (John W. Harshberger, 1923). Pflanzenwissenschaften der Universität Bern weiter untersucht.16 Dia_282-5014. «Waldrand bei Pfaffhausen, Pinus, Acer, Fagus, Buchen, Ahorn, Föhren und Fichten bei Pfaffhausen, Als Werner Lüdi am 25. September 1939, einem sonnigen, Picea»: Zürich, die älteste Farbfotografie des Geobotanischen Instietwas dunstigen, dafür aber windstillen Herbsttag, das Geobota- tuts Rübel (Werner Lüdi, 25.9.1939). / “Edge of the forest near Pinus, Acer, Fagus, Picea”: pine, maple, beech, nische Institut an der Zürichbergstrasse verliess, trug er zum ersten Pfaffhausen, and spruce near Pfaffhausen, Zurich, the oldest color Mal eine Kleinbildkamera mit sich, die mit einem Kodachrome- photograph by the Geobotanical Institute Rübel (Werner Diafilm geladen war und mit der er farbige Aufnahmen machen Lüdi, September 25, 1939). konnte. Dieser Moment lässt sich aufgrund der Bilder und der Metadaten im Archiv rekonstruieren. Zu Fuss ging Lüdi durch den Adlisbergwald nach Pfaffhausen hinauf. Hier entstand das erste Farbfoto: ein Waldrand mit Buchen, Ahorn, Föhren und Fichten. Es gelang ihm eine scharfe Aufnahme, allerdings sujetbedingt noch mit ausgesprochen wenig Farbkontrasten. Von diesem Tag sind elf Fotos überliefert: Nach drei weiteren Grün-in-Grün-Bildern von Waldrändern und einer Linde in Pfaffhausen wanderte Lüdi zum Greifensee hinab, wo er im Fällander Moor einen Tümpel mit Birken und die Schilfbestände am Ufer fotografierte. Einige Schilfbilder sind unscharf – wahrscheinlich war nun doch ein Lüftchen aufgekommen. Das Bild eines Fischers auf dem Wehr beim Ausfluss der Glatt, mit See und Schloss Greifensee im Hintergrund und dem Bachtel am Horizont, verrät Lüdis Sinn für Bildkomposition. Das

letzte Bild des Tages wurde schliesslich doch noch bunt: Die Herbstzeitlosen im Abendlicht sind das älteste nicht handkolorierte farbige Blumenbild im Bestand. Fortan begleitete die Kamera mit den Kodachromefilmen Lüdi auf seinen Exkursionen. Drei Wochen zuvor hatte der Zweite Weltkrieg begonnen, Auslandreisen waren für einige Jahre kaum mehr möglich. Diesem Umstand und Lüdis Fleiss verdanken wir rund 650 der frühesten Farbfotografien von Landschaften, Ortschaften und Menschen in der Schweiz.

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Siehe Lüdi in der Literaturliste. Art. «Lüdi, Werner» in: Historisches Lexikon der Schweiz.

Dia_282-5735. «Fagus-Niederwald oberhalb Sonvico (Curölgia)» lautet die Notiz zu dieser Aufnahme von Werner Lüdi. Zur Frau auf dem Bild gibt es keine Angaben, vermut­lich handelt es sich um Lüdis Ehefrau (Werner Lüdi, 1.5.1941). / This photo by Werner Lüdi is labeled “Beech coppice above Sonvico (Curölgia).” The woman in the picture is not identified; it could well be Lüdi’s wife (Werner Lüdi, May 1, 1941).

Und die Frauen? Auf vielen Gruppenfotos sind Frauen auszumachen. Einige waren Mitglieder von Bauern- und Gastgeberfamilien oder Hotelangestellte, andere Forscherinnen und Studentinnen. Ihre Namen sind meist unbekannt, denn die wenigsten Bilder sind mit detaillierten Legenden versehen. Nicht selten trägt eine Aufnahme mit einer Frau in der Bildmitte eine Legende wie: «Fagus-Niederwald oberhalb Sonvico» – das Hauptinteresse galt den Pflanzen. Zu einem von Bertha Stumpf-Brand aufgenommenen Bild lautet die Legende immerhin: «500jährige Stechpalme bei Affoltern Kt. Bern (mit Frl. Glory Stumpf)». Manchmal heisst es aber auch nur «Rübel, Gugelmann u. Frau». Auf die Exkursionen wurden oft Angehörige und Gäste mitgenommen. Schröters Frau war Botanikerin, auch Rübels Frau Anna Luise RübelBlass soll ab und zu teilgenommen haben.17 Doch wo die Bildlegenden keine Namen nennen, können höchstens ihre Nachkommen die Frauen auf den Fotos identifizieren. Zürich war nach Paris der zweite Ort in Europa, wo Frauen zum Hochschulstudium zugelassen wurden. Das 1855 gegründete Polytechnikum stand Frauen offen, doch erst 1871 schrieb sich die erste Studentin ein. Nicht formale, sondern gesellschaftliche Schranken standen im Weg. Die ersten Studentinnen kamen aus Russland, meist studierten sie Naturwissenschaften. Bis um 1950 blieb die Zahl der Studentinnen klein und noch heute sind Frauen an der ETH Zürich untervertreten.18 In der Botanik gab es aber schon im 19. Jahrhundert Studentinnen. Ähnlich wie sein Freund, der Geologe Albert Heim, der mit Marie Heim-Vögtlin, der ersten Schweizer Ärztin, verhei­ratet war und die Gleichstellung der Frauen befürwortete, scheint auch Carl Schröter Frauen keine Steine in den Weg gelegt zu haben. Er heiratete 1884 eine Studienkollegin, Margarete Middelberg aus Amsterdam, die dann allerdings nicht forschte, sondern den Haushalt und die Kinder betreute. Die auf den Fotografien der Exkursionen erkennbare Gruppenkultur wird klar von Männern dominiert. Diese haben aber offensichtlich nichts dagegen, dass Frauen mit von der Partie sind. Einige Aufnahmen zeugen von

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Rübel-Kolb 1970, S. 19. Müller 2005.


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Werner Lüdi Werner Lüdi (1888–1968) aus Münsingen war von 1908 bis 1911 Lehrer in Mürren und studierte dann Botanik an den Universitäten Bern und Montpellier. Er promovierte 1917, war bis 1931 Sekundarlehrer in Bern und von 1927 bis 1933 Privatdozent für Botanik an der Universität Bern. 1931 berief Eduard Rübel den Kenner der Alpenvegetation als Direktor des Geobotanischen Instituts, wo Lüdi bis 1958 blieb. Er forschte vor allem zur Pflanzensoziologie, zu experimenteller Pflanzenökologie und zur Vegetationsgeschichte. Anhand von Pollen, die in Mooren konserviert lagern, rekonstruierte er die Entwicklung von Klima und Vegetation seit der letzten Eiszeit. Er setzte sich auch wissenschaftlich mit Naturschutz auseinander. 1940 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt. In der Sukzessionsforschung und mit experimentellen Vegetationsstudien auf Dauerflächen vollbrachte Lüdi Pionierleistungen.15 Bekannt wurde sein Langzeitversuch auf der Schynigen Platte bei Interlaken. Durch verschiedene Formen von Düngen, Kalken und Mähen untersuchte er systematisch Methoden, um die magere Borstgrasweide produktiver zu machen. Er publizierte Hs_1360-2859-027-AL. Werner Lüdi auf der Dritten Inter­ die Resultate 1959 und schloss das Experiment ab. Die Auswir- nationalen Pflanzengeografischen Exkursion, 20. Juli bis 1923 (John W. Harshberger, 1923). / Werner Lüdi kungen blieben aber sichtbar und weckten das Interesse an weite- 13. August on the Third International Phytogeographical Excursion, ren Untersuchungen. Heute wird die «Lüdiweide» vom Institut für July 20 to August 13, 1923 (John W. Harshberger, 1923). Pflanzenwissenschaften der Universität Bern weiter untersucht.16 Dia_282-5014. «Waldrand bei Pfaffhausen, Pinus, Acer, Fagus, Buchen, Ahorn, Föhren und Fichten bei Pfaffhausen, Als Werner Lüdi am 25. September 1939, einem sonnigen, Picea»: Zürich, die älteste Farbfotografie des Geobotanischen Instietwas dunstigen, dafür aber windstillen Herbsttag, das Geobota- tuts Rübel (Werner Lüdi, 25.9.1939). / “Edge of the forest near Pinus, Acer, Fagus, Picea”: pine, maple, beech, nische Institut an der Zürichbergstrasse verliess, trug er zum ersten Pfaffhausen, and spruce near Pfaffhausen, Zurich, the oldest color Mal eine Kleinbildkamera mit sich, die mit einem Kodachrome- photograph by the Geobotanical Institute Rübel (Werner Diafilm geladen war und mit der er farbige Aufnahmen machen Lüdi, September 25, 1939). konnte. Dieser Moment lässt sich aufgrund der Bilder und der Metadaten im Archiv rekonstruieren. Zu Fuss ging Lüdi durch den Adlisbergwald nach Pfaffhausen hinauf. Hier entstand das erste Farbfoto: ein Waldrand mit Buchen, Ahorn, Föhren und Fichten. Es gelang ihm eine scharfe Aufnahme, allerdings sujetbedingt noch mit ausgesprochen wenig Farbkontrasten. Von diesem Tag sind elf Fotos überliefert: Nach drei weiteren Grün-in-Grün-Bildern von Waldrändern und einer Linde in Pfaffhausen wanderte Lüdi zum Greifensee hinab, wo er im Fällander Moor einen Tümpel mit Birken und die Schilfbestände am Ufer fotografierte. Einige Schilfbilder sind unscharf – wahrscheinlich war nun doch ein Lüftchen aufgekommen. Das Bild eines Fischers auf dem Wehr beim Ausfluss der Glatt, mit See und Schloss Greifensee im Hintergrund und dem Bachtel am Horizont, verrät Lüdis Sinn für Bildkomposition. Das

letzte Bild des Tages wurde schliesslich doch noch bunt: Die Herbstzeitlosen im Abendlicht sind das älteste nicht handkolorierte farbige Blumenbild im Bestand. Fortan begleitete die Kamera mit den Kodachromefilmen Lüdi auf seinen Exkursionen. Drei Wochen zuvor hatte der Zweite Weltkrieg begonnen, Auslandreisen waren für einige Jahre kaum mehr möglich. Diesem Umstand und Lüdis Fleiss verdanken wir rund 650 der frühesten Farbfotografien von Landschaften, Ortschaften und Menschen in der Schweiz.

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Siehe Lüdi in der Literaturliste. Art. «Lüdi, Werner» in: Historisches Lexikon der Schweiz.

Dia_282-5735. «Fagus-Niederwald oberhalb Sonvico (Curölgia)» lautet die Notiz zu dieser Aufnahme von Werner Lüdi. Zur Frau auf dem Bild gibt es keine Angaben, vermut­lich handelt es sich um Lüdis Ehefrau (Werner Lüdi, 1.5.1941). / This photo by Werner Lüdi is labeled “Beech coppice above Sonvico (Curölgia).” The woman in the picture is not identified; it could well be Lüdi’s wife (Werner Lüdi, May 1, 1941).

Und die Frauen? Auf vielen Gruppenfotos sind Frauen auszumachen. Einige waren Mitglieder von Bauern- und Gastgeberfamilien oder Hotelangestellte, andere Forscherinnen und Studentinnen. Ihre Namen sind meist unbekannt, denn die wenigsten Bilder sind mit detaillierten Legenden versehen. Nicht selten trägt eine Aufnahme mit einer Frau in der Bildmitte eine Legende wie: «Fagus-Niederwald oberhalb Sonvico» – das Hauptinteresse galt den Pflanzen. Zu einem von Bertha Stumpf-Brand aufgenommenen Bild lautet die Legende immerhin: «500jährige Stechpalme bei Affoltern Kt. Bern (mit Frl. Glory Stumpf)». Manchmal heisst es aber auch nur «Rübel, Gugelmann u. Frau». Auf die Exkursionen wurden oft Angehörige und Gäste mitgenommen. Schröters Frau war Botanikerin, auch Rübels Frau Anna Luise RübelBlass soll ab und zu teilgenommen haben.17 Doch wo die Bildlegenden keine Namen nennen, können höchstens ihre Nachkommen die Frauen auf den Fotos identifizieren. Zürich war nach Paris der zweite Ort in Europa, wo Frauen zum Hochschulstudium zugelassen wurden. Das 1855 gegründete Polytechnikum stand Frauen offen, doch erst 1871 schrieb sich die erste Studentin ein. Nicht formale, sondern gesellschaftliche Schranken standen im Weg. Die ersten Studentinnen kamen aus Russland, meist studierten sie Naturwissenschaften. Bis um 1950 blieb die Zahl der Studentinnen klein und noch heute sind Frauen an der ETH Zürich untervertreten.18 In der Botanik gab es aber schon im 19. Jahrhundert Studentinnen. Ähnlich wie sein Freund, der Geologe Albert Heim, der mit Marie Heim-Vögtlin, der ersten Schweizer Ärztin, verhei­ratet war und die Gleichstellung der Frauen befürwortete, scheint auch Carl Schröter Frauen keine Steine in den Weg gelegt zu haben. Er heiratete 1884 eine Studienkollegin, Margarete Middelberg aus Amsterdam, die dann allerdings nicht forschte, sondern den Haushalt und die Kinder betreute. Die auf den Fotografien der Exkursionen erkennbare Gruppenkultur wird klar von Männern dominiert. Diese haben aber offensichtlich nichts dagegen, dass Frauen mit von der Partie sind. Einige Aufnahmen zeugen von

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einem herzlichen Verhältnis. Was den Bezug zwischen den Geschlechtern angeht, sind die Bilder zumindest ambivalent; sie sind aber für sich allein schwierig zu interpretieren. Durch eine historische Recherche zur Haltung und zur gelebten Rollenverteilung der beteiligten Personen könnten sie noch beträchtlich an Aussagekraft gewinnen und als wertvolles Anschauungsmaterial zum Thema dienen. Die einzige Frau aus dem Kreis der damaligen Zürcher Geobotanik, die deutliche akademische Spuren hinterlassen hat, ist Marie Brockmann-Jerosch (1877–1952). Sie stammte aus Königsberg, studierte in Zürich Naturwissenschaften, war Assistentin von Albert Heim und promovierte in Geologie. Sie erinnerte sich später an eine «Atmosphäre des Wohlwollens und freundschaftlich kollegialer Hilfsbereitschaft, in die jede Neuankommende unvermerkt hineingeriet», an ihre Begeisterung für Carl Schröter und Albert Heim, aber auch daran, wie wichtig der Kontakt zu anderen Frauen in dieser Situation war.19 1905 heiratete sie Schröters Assistenten Heinrich Brockmann. Marie Brockmann-Jerosch machte sich international einen Namen durch ihre Übersichtsarbeiten zur eiszeitlichen Ge- Dia_282-0063. Wer waren die Frauen auf den Bildern von geobotanischen Exkursionen? Die Legenden nennen schichte der Alpenflora. Sie untersuchte, wo welche Alpenpflan- den ihre Namen nur selten. Gruppenbild auf der Wengernalp bei zen die Eiszeiten überdauerten und wie die Wiederbesiedlung der Wengen, Berner Oberland, während der Dritten InternatioPflanzengeografischen Exkursion, 20. Juli bis 13. August Alpen nach den Eiszeiten ablief. Ihre um 1900 formulierten Thesen nalen 1923 (Unbekannt, 1923). / Who are the women in the photos konnten hundert Jahre später dank genetischer Methoden über- of the geobotanical excursions? Only rarely do the captions them by name. Group photo taken at Wengernalp prüft werden. Es zeigte sich, dass sie fast in allen Punkten recht credit near Wengen, Bernese Oberland, during the Third Interna20 hatte. 1928 schrieb sie: «Seit meiner Verheiratung ist meine Mus­ tional Phytogeographical Excursion, July 20 to August 13, sezeit natürlich sehr knapp bemessen, und ich beschränke mich 1923 (Unknown photographer, 1923). Eine Frau und drei Männer schützen auf einen, für mich nichtsdestoweniger erfreulichen Hilfsdienst an Hs_1360-0453-005. sich gegenseitig vor Wind und Kälte auf einer botanischen der geographischen und pflanzengeographischen Forscherarbeit Exkursion auf dem Vereinapass auf 2600 m ü. M. Im Vorderdie typischen geobotanischen Utensilien: Botanisiermeines Mannes.»21 Mit ihm zusammen schrieb sie in Carl Schröters grund büchsen, Steinhammer und Pickel (Adolf Brutschy, 1906). / 1926 veröffentlichtem Grundlagenwerk Das Pflanzenleben der Al­ One woman and three men protecting each other against the and cold on a botanical excursion on the Vereina pen den Teil «Die Geschichte der Schweizerischen Alpenflora».22 wind Pass at 2,600 m above sea level. In the foreground, the tools Ausserdem publizierte sie über die Flora Jamaikas und zu volks- typically used by geobotanists: vascula for plant speciments, kundlichen Themen.23 Mit Helene und Arnold Heim schrieb sie a geological hammer and pick (Adolf Brutschy, 1906). eine Biografie über Albert Heim.24 Was hätte sie wohl sonst noch leisten können, wenn sie wie ihr Mann Heinrich Brockmann-Jerosch mit den Ressourcen einer Professur ausgestattet worden wäre? Nach dessen Tod 1939 übernahm sie seine Stelle als Kuratorin am Botanischen Institut Rübel.25 Die hier präsentierten Bestände enthalten nur zwei Fotos von Marie Brockmann-Jerosch. Eines zeigt sie 1913 auf Jamaika, das andere 1923 auf der Zweiten Internationalen Pflanzengeografischen Exkursion in der Schweiz –

angeschrieben mit «Mrs. Heinrich-Brockmann-Jerosch». Möglich, dass sie auf weiteren Fotos ohne Bildlegende abgebildet ist. In der ETH-Bibliothek sind ausserdem ein Porträt von 1901 und ein Foto von einer geologischen Exkursion im Jahr 1900 vorhanden. Als Fotografinnen sind bei den Schweiz-Bildern beider Bestände nur sechs Frauen identifizierbar, sie haben zusammen nur zwei Dutzend Fotografien aufgenommen.26 Es dürften aber noch weitere Bilder in den Beständen von Frauen stammen.

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Brockmann-Jerosch, Marie 1928, S. 74. Holderegger 2011 und 2018. Brockmann-Jerosch, Marie 1928, S. 79. Schröter 1926. Siehe Marie Jerosch und Marie Brockmann-Jerosch in der Literaturliste. 24 Brockmann-Jerosch, Heim, Heim 1952. 25 Rübel 1953.

Gelebte Interdisziplinarität Auf den Fotografien von Exkursionen und Langzeitprojekten sind oft viele Personen sichtbar. Es sind Professoren aus anderen Ländern und Disziplinen, wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Studierende diverser Fächer, Angehörige praktischer Berufe wie Förster oder Bauern, dazu Laien-Botaniker sowie Gastgeberfamilien, Fuhrleute, Träger und Bergführer. Geobotanik, so wie sie in Zürich praktiziert wurde, war eine höchst Portr_13847. Porträt von Marie Jerosch als noch ledige interdisziplinäre Wissenschaft. und Assistentin von Professor Albert Heim Publikationen waren oft Gemeinschaftswerke. Hinter Geologin (Johannes Meiner, 1901). / Portrait of Marie Jerosch, geol­ monografischen Arbeiten einzelner Autoren stand meist ein Team ogist and assistant to Professor Albert Heim (Johannes aus mithelfenden Wissenschaftlern und Laien, die wichtige Vor- Meiner, 1901). arbeiten und Assistenzdienste leisteten oder einzelne Kapitel ganz übernahmen. Im Vorwort seiner 1911 erschienenen pflanzengeografischen Mono­ grafie des Berninagebiets erwähnt Eduard Rübel unter anderen den Bündner Autodidakten Josias Braun, der für ihn Pflanzen sammelte und bestimmte, die meteorologische Station beim Bernina-Hospiz und das Herbar betreute und später selber ein berühmter Botaniker mit eigenem Institut in Montpellier wurde.27 Dem Wirt im Hospiz, bei dem er 1905/06 überwinterte und ein Labor betrieb, sowie dem Wirt im Kronenhof in Pontresina dankt er nicht nur für die Gastfreundschaft, sondern auch für «manche Angabe über Land und Leute». Dann verdankt Rübel fünf Wissenschaftler aus Zürich und Berlin, die Spezialkapitel über Flechten, parasitäre Pilze, Moose, Plankton und die Geologie beisteuerten, und nicht weniger als einundzwanzig etablierte Wissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, die als Spezialisten für einzelne Pflanzengattungen Rübels Entwurf prüften.28 Die Geobotaniker pflegten die Zusammenarbeit und Freundschaften mit anderen Forschenden in Geologie, Zoologie, Archäologie und weiteren Naturwissenschaften und förderten die weltweite Vernetzung. Dazu dienten der intensive Schriftenaustausch (über 800 Korrespondenzpartner bei Rübel) und internationale Kongresse, die meist mit Exkursionen verbunden waren.29 Auf einer von Carl Schröter geführten Alpenexkursion anlässlich des Botanik

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Bertha Stumpf-Brand, Bern (7 Bilder, 1910–1920), Anny Gradolph, Zürich (5, 1912), Greti Sarauw (7, 1912), Setty Blumer, Glarus (1, 1924), Emmy Urfer (3, 1951), Ursula Levi (2, 1958). 27 Josias Braun-Blanquet gründete 1930 die Station inter­ nationale de géobotanique méditerranéenne et alpine in Montpellier. 28 Rübel 1911, S. 2–3. 29 Rübel-Kolb 1970, S. 21f.


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einem herzlichen Verhältnis. Was den Bezug zwischen den Geschlechtern angeht, sind die Bilder zumindest ambivalent; sie sind aber für sich allein schwierig zu interpretieren. Durch eine historische Recherche zur Haltung und zur gelebten Rollenverteilung der beteiligten Personen könnten sie noch beträchtlich an Aussagekraft gewinnen und als wertvolles Anschauungsmaterial zum Thema dienen. Die einzige Frau aus dem Kreis der damaligen Zürcher Geobotanik, die deutliche akademische Spuren hinterlassen hat, ist Marie Brockmann-Jerosch (1877–1952). Sie stammte aus Königsberg, studierte in Zürich Naturwissenschaften, war Assistentin von Albert Heim und promovierte in Geologie. Sie erinnerte sich später an eine «Atmosphäre des Wohlwollens und freundschaftlich kollegialer Hilfsbereitschaft, in die jede Neuankommende unvermerkt hineingeriet», an ihre Begeisterung für Carl Schröter und Albert Heim, aber auch daran, wie wichtig der Kontakt zu anderen Frauen in dieser Situation war.19 1905 heiratete sie Schröters Assistenten Heinrich Brockmann. Marie Brockmann-Jerosch machte sich international einen Namen durch ihre Übersichtsarbeiten zur eiszeitlichen Ge- Dia_282-0063. Wer waren die Frauen auf den Bildern von geobotanischen Exkursionen? Die Legenden nennen schichte der Alpenflora. Sie untersuchte, wo welche Alpenpflan- den ihre Namen nur selten. Gruppenbild auf der Wengernalp bei zen die Eiszeiten überdauerten und wie die Wiederbesiedlung der Wengen, Berner Oberland, während der Dritten InternatioPflanzengeografischen Exkursion, 20. Juli bis 13. August Alpen nach den Eiszeiten ablief. Ihre um 1900 formulierten Thesen nalen 1923 (Unbekannt, 1923). / Who are the women in the photos konnten hundert Jahre später dank genetischer Methoden über- of the geobotanical excursions? Only rarely do the captions them by name. Group photo taken at Wengernalp prüft werden. Es zeigte sich, dass sie fast in allen Punkten recht credit near Wengen, Bernese Oberland, during the Third Interna20 hatte. 1928 schrieb sie: «Seit meiner Verheiratung ist meine Mus­ tional Phytogeographical Excursion, July 20 to August 13, sezeit natürlich sehr knapp bemessen, und ich beschränke mich 1923 (Unknown photographer, 1923). Eine Frau und drei Männer schützen auf einen, für mich nichtsdestoweniger erfreulichen Hilfsdienst an Hs_1360-0453-005. sich gegenseitig vor Wind und Kälte auf einer botanischen der geographischen und pflanzengeographischen Forscherarbeit Exkursion auf dem Vereinapass auf 2600 m ü. M. Im Vorderdie typischen geobotanischen Utensilien: Botanisiermeines Mannes.»21 Mit ihm zusammen schrieb sie in Carl Schröters grund büchsen, Steinhammer und Pickel (Adolf Brutschy, 1906). / 1926 veröffentlichtem Grundlagenwerk Das Pflanzenleben der Al­ One woman and three men protecting each other against the and cold on a botanical excursion on the Vereina pen den Teil «Die Geschichte der Schweizerischen Alpenflora».22 wind Pass at 2,600 m above sea level. In the foreground, the tools Ausserdem publizierte sie über die Flora Jamaikas und zu volks- typically used by geobotanists: vascula for plant speciments, kundlichen Themen.23 Mit Helene und Arnold Heim schrieb sie a geological hammer and pick (Adolf Brutschy, 1906). eine Biografie über Albert Heim.24 Was hätte sie wohl sonst noch leisten können, wenn sie wie ihr Mann Heinrich Brockmann-Jerosch mit den Ressourcen einer Professur ausgestattet worden wäre? Nach dessen Tod 1939 übernahm sie seine Stelle als Kuratorin am Botanischen Institut Rübel.25 Die hier präsentierten Bestände enthalten nur zwei Fotos von Marie Brockmann-Jerosch. Eines zeigt sie 1913 auf Jamaika, das andere 1923 auf der Zweiten Internationalen Pflanzengeografischen Exkursion in der Schweiz –

angeschrieben mit «Mrs. Heinrich-Brockmann-Jerosch». Möglich, dass sie auf weiteren Fotos ohne Bildlegende abgebildet ist. In der ETH-Bibliothek sind ausserdem ein Porträt von 1901 und ein Foto von einer geologischen Exkursion im Jahr 1900 vorhanden. Als Fotografinnen sind bei den Schweiz-Bildern beider Bestände nur sechs Frauen identifizierbar, sie haben zusammen nur zwei Dutzend Fotografien aufgenommen.26 Es dürften aber noch weitere Bilder in den Beständen von Frauen stammen.

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Brockmann-Jerosch, Marie 1928, S. 74. Holderegger 2011 und 2018. Brockmann-Jerosch, Marie 1928, S. 79. Schröter 1926. Siehe Marie Jerosch und Marie Brockmann-Jerosch in der Literaturliste. 24 Brockmann-Jerosch, Heim, Heim 1952. 25 Rübel 1953.

Gelebte Interdisziplinarität Auf den Fotografien von Exkursionen und Langzeitprojekten sind oft viele Personen sichtbar. Es sind Professoren aus anderen Ländern und Disziplinen, wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Studierende diverser Fächer, Angehörige praktischer Berufe wie Förster oder Bauern, dazu Laien-Botaniker sowie Gastgeberfamilien, Fuhrleute, Träger und Bergführer. Geobotanik, so wie sie in Zürich praktiziert wurde, war eine höchst Portr_13847. Porträt von Marie Jerosch als noch ledige interdisziplinäre Wissenschaft. und Assistentin von Professor Albert Heim Publikationen waren oft Gemeinschaftswerke. Hinter Geologin (Johannes Meiner, 1901). / Portrait of Marie Jerosch, geol­ monografischen Arbeiten einzelner Autoren stand meist ein Team ogist and assistant to Professor Albert Heim (Johannes aus mithelfenden Wissenschaftlern und Laien, die wichtige Vor- Meiner, 1901). arbeiten und Assistenzdienste leisteten oder einzelne Kapitel ganz übernahmen. Im Vorwort seiner 1911 erschienenen pflanzengeografischen Mono­ grafie des Berninagebiets erwähnt Eduard Rübel unter anderen den Bündner Autodidakten Josias Braun, der für ihn Pflanzen sammelte und bestimmte, die meteorologische Station beim Bernina-Hospiz und das Herbar betreute und später selber ein berühmter Botaniker mit eigenem Institut in Montpellier wurde.27 Dem Wirt im Hospiz, bei dem er 1905/06 überwinterte und ein Labor betrieb, sowie dem Wirt im Kronenhof in Pontresina dankt er nicht nur für die Gastfreundschaft, sondern auch für «manche Angabe über Land und Leute». Dann verdankt Rübel fünf Wissenschaftler aus Zürich und Berlin, die Spezialkapitel über Flechten, parasitäre Pilze, Moose, Plankton und die Geologie beisteuerten, und nicht weniger als einundzwanzig etablierte Wissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, die als Spezialisten für einzelne Pflanzengattungen Rübels Entwurf prüften.28 Die Geobotaniker pflegten die Zusammenarbeit und Freundschaften mit anderen Forschenden in Geologie, Zoologie, Archäologie und weiteren Naturwissenschaften und förderten die weltweite Vernetzung. Dazu dienten der intensive Schriftenaustausch (über 800 Korrespondenzpartner bei Rübel) und internationale Kongresse, die meist mit Exkursionen verbunden waren.29 Auf einer von Carl Schröter geführten Alpenexkursion anlässlich des Botanik

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Bertha Stumpf-Brand, Bern (7 Bilder, 1910–1920), Anny Gradolph, Zürich (5, 1912), Greti Sarauw (7, 1912), Setty Blumer, Glarus (1, 1924), Emmy Urfer (3, 1951), Ursula Levi (2, 1958). 27 Josias Braun-Blanquet gründete 1930 die Station inter­ nationale de géobotanique méditerranéenne et alpine in Montpellier. 28 Rübel 1911, S. 2–3. 29 Rübel-Kolb 1970, S. 21f.


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Hs_1360-0469-F. Der Arvenwald Tamangur im Val S-charl, Graubünden, mit der Hütte der Alp Tamangur Dadora und dem Piz Murtera. Der Fotograf Johann Feuerstein (1871–1946) führte ab 1912 in Schuls ein Fotogeschäft; der 1914 eingeweihte Schweizerische Nationalpark wurde zum Schwerpunkt seines Schaffens (vermutlich Johann Feuerstein, ca. 1906). / The Swiss stone pine woods of Tamangur in the Val S-charl, Graubünden, with the Alp Tamangur Dadora hut and the Piz Murtera. Johann Feuerstein (1871–1946) set up in business as a photographer in Schuls in 1912. The Swiss National Park, which opened in 1914, quickly became the main focus of his work (probably Johann Feuerstein, ca. 1906).

Hs_1360-0469-F


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Hs_1360-0469-F. Der Arvenwald Tamangur im Val S-charl, Graubünden, mit der Hütte der Alp Tamangur Dadora und dem Piz Murtera. Der Fotograf Johann Feuerstein (1871–1946) führte ab 1912 in Schuls ein Fotogeschäft; der 1914 eingeweihte Schweizerische Nationalpark wurde zum Schwerpunkt seines Schaffens (vermutlich Johann Feuerstein, ca. 1906). / The Swiss stone pine woods of Tamangur in the Val S-charl, Graubünden, with the Alp Tamangur Dadora hut and the Piz Murtera. Johann Feuerstein (1871–1946) set up in business as a photographer in Schuls in 1912. The Swiss National Park, which opened in 1914, quickly became the main focus of his work (probably Johann Feuerstein, ca. 1906).

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Hs_1360-0631 Hs_1360-0631. «Reiner Buchenbestand in vollem Lichtungszuwachs. Buchenverjüngung, mit vorwiegend Weisstannen» im Stadtwald von Biel im Berner Jura (Ernst Meyer, ca. 1904). / “Pure beech growing in a clearing. Beech rejuvenation, primarily with silver fir,” in the woods of Biel/Bienne in the Bernese Jura (Ernst Meyer, ca. 1904).

Dia_282-6547. Traubige Graslilie (Anthericum liliago) in Ronco di Bosco bei Locarno, Tessin (Werner Lüdi, 10.5.1948). / St. Bernhard’s Lily (Anthericum liliago) in Ronco di Bosco near Locarno, Ticino (Werner Lüdi, May 10, 1948).

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Hs_1360-0631 Hs_1360-0631. «Reiner Buchenbestand in vollem Lichtungszuwachs. Buchenverjüngung, mit vorwiegend Weisstannen» im Stadtwald von Biel im Berner Jura (Ernst Meyer, ca. 1904). / “Pure beech growing in a clearing. Beech rejuvenation, primarily with silver fir,” in the woods of Biel/Bienne in the Bernese Jura (Ernst Meyer, ca. 1904).

Dia_282-6547. Traubige Graslilie (Anthericum liliago) in Ronco di Bosco bei Locarno, Tessin (Werner Lüdi, 10.5.1948). / St. Bernhard’s Lily (Anthericum liliago) in Ronco di Bosco near Locarno, Ticino (Werner Lüdi, May 10, 1948).

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Seiten /Pages 142, 143 Dia_282-6560. Strauss-Steinbrech (Saxifraga cotyledon) am feuchten Fels zwischen Solduno und Ponte Brolla, Tessin (Werner Lüdi, 10.5.1948). / Pyramidal saxifrage (Saxifraga cotyledon) on damp rock between Solduno and Ponte Brolla, Ticino (Werner Lüdi, May 10, 1948). Seiten /Pages 144, 145 Hs_1360-0526-002. Trauerfichte – hochaufge­ schossene Fichten mit hängenden Ästen – im Bündner Oberland mit Mann zum Grössenvergleich (Karl Hager, 1900–1918). / Weeping Norway spruce— tall spruce with hanging branches—in the Bündner Oberland with unknown man for reasons of scale (Karl Hager, 1900–1918). Hs_1360-0615-003. Junge Stelzenfichte im Bleikiwald am Pilatus oberhalb von Brunni bei Hergiswil, Nidwalden. Stelzenfichten sind normale Fichten, die auf umgestürzten Baumstämmen keimen; wenn diese vermodert sind, bleibt die Stelzenform der Wurzeln erhalten (Zieren, 3.7.1910). / Young stilted spruce in the Bleikiwald on Mount Pilatus above Brunni near Hergiswil, Nidwalden. Stilted spruce are normal spruce which germinate on felled tree trunks and whose roots retain their stilt-like appearance even after these have rotted away (Zieren, July 3, 1910). Dia_282-1724. Auf dem Grat vor dem Oberberghorn bei der Schynigen Platte ob Wilderswil, Bern, liest Volkmar Vareschi die Daten einer mikroklimatischen Messtation ab. Im Gebiet liegt die «Lüdiweide», auf der Werner Lüdi Langzeitbeobachtungen durchführte. Vareschi war von 1931 bis 1935 Assistent am Geobotanischen Institut Rübel. Später forschte er in Venezuela und wurde Professor in Caracas (Werner Lüdi, August 1932). / Volkmar Vareschi collecting data from a microclimatic measuring station on the ridge in front of the Oberberghorn near the Schynigen Platte above Wilderswil, Canton Bern. The “Lüdi Meadow” where Werner Lüdi conducted his long-term observations is located in the same area. Vareschi was an assistant at the Geobotanical Institute Rübel from 1931 to 1935. He later did re­s earch in Venezuela and became a professor in Caracas (Werner Lüdi, August 1932).

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Seiten /Pages 142, 143 Dia_282-6560. Strauss-Steinbrech (Saxifraga cotyledon) am feuchten Fels zwischen Solduno und Ponte Brolla, Tessin (Werner Lüdi, 10.5.1948). / Pyramidal saxifrage (Saxifraga cotyledon) on damp rock between Solduno and Ponte Brolla, Ticino (Werner Lüdi, May 10, 1948). Seiten /Pages 144, 145 Hs_1360-0526-002. Trauerfichte – hochaufge­ schossene Fichten mit hängenden Ästen – im Bündner Oberland mit Mann zum Grössenvergleich (Karl Hager, 1900–1918). / Weeping Norway spruce— tall spruce with hanging branches—in the Bündner Oberland with unknown man for reasons of scale (Karl Hager, 1900–1918). Hs_1360-0615-003. Junge Stelzenfichte im Bleikiwald am Pilatus oberhalb von Brunni bei Hergiswil, Nidwalden. Stelzenfichten sind normale Fichten, die auf umgestürzten Baumstämmen keimen; wenn diese vermodert sind, bleibt die Stelzenform der Wurzeln erhalten (Zieren, 3.7.1910). / Young stilted spruce in the Bleikiwald on Mount Pilatus above Brunni near Hergiswil, Nidwalden. Stilted spruce are normal spruce which germinate on felled tree trunks and whose roots retain their stilt-like appearance even after these have rotted away (Zieren, July 3, 1910). Dia_282-1724. Auf dem Grat vor dem Oberberghorn bei der Schynigen Platte ob Wilderswil, Bern, liest Volkmar Vareschi die Daten einer mikroklimatischen Messtation ab. Im Gebiet liegt die «Lüdiweide», auf der Werner Lüdi Langzeitbeobachtungen durchführte. Vareschi war von 1931 bis 1935 Assistent am Geobotanischen Institut Rübel. Später forschte er in Venezuela und wurde Professor in Caracas (Werner Lüdi, August 1932). / Volkmar Vareschi collecting data from a microclimatic measuring station on the ridge in front of the Oberberghorn near the Schynigen Platte above Wilderswil, Canton Bern. The “Lüdi Meadow” where Werner Lüdi conducted his long-term observations is located in the same area. Vareschi was an assistant at the Geobotanical Institute Rübel from 1931 to 1935. He later did re­s earch in Venezuela and became a professor in Caracas (Werner Lüdi, August 1932).

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Dia_282-1611. Verschiedenblättrige Kratzdisteln (Cirsium heterophyllum) in einer Agrostis tenuisWiese, einer von Rotem Straussgras dominierten Pflanzengesellschaft (Werner Lüdi, 31.7.1919). / Melancholy thistle (Cirsium heterophyllum) in an Agrostis tenuis meadow—a plant community dominated by red bentgrass (Werner Lüdi, July 31, 1919).

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Dia_282-1611. Verschiedenblättrige Kratzdisteln (Cirsium heterophyllum) in einer Agrostis tenuisWiese, einer von Rotem Straussgras dominierten Pflanzengesellschaft (Werner Lüdi, 31.7.1919). / Melancholy thistle (Cirsium heterophyllum) in an Agrostis tenuis meadow—a plant community dominated by red bentgrass (Werner Lüdi, July 31, 1919).

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Dokumentierte Landschaft führt in die Pionierzeit der Ökosystemforschung zurück. Um 1880 begann Carl Schröter, Professor für Botanik an der ETH Zürich, Pflanzen samt ihrer Umgebung zu fotografieren. Er und sein Schüler Eduard Rübel, Gründer des gleichnamigen Geobotanischen In­stituts in Zürich, wollten alle Einflussfaktoren der Artenvielfalt erforschen. So dokumentierten sie mit der Alpenflora auch Landschaften, Siedlungen, die landwirtschaftliche Nutzung des Alpenraums und die dort lebenden Menschen. Die Bilder, darunter einige der ältesten Farbfotografien von Schweizer Landschaften, wirken auch heute in ihrer Thematik noch höchst aktuell. Gleichzeitig entführen sie den Betrachter in weitgehend verschwundene Welten. Documented Landscape takes the reader back to the pioneering days of ecosystem research in Switzerland. Around 1880, Carl Schröter, professor of Botany at ETH Zürich, began documenting plants and their environment in photographs. Together with his student Eduard Rübel—founder of the Geobotanical Institute in Zurich of the same name— their aim was to research all factors that influence the bio­diversity of the Alps. Along with the Alpine flora, they also documented landscapes and their agricultural use, as well as settlements and the people who live there. The resulting images, some of the oldest existing color photographs of Swiss landscapes among them, have as much currency today as they had back then. At the same time, they offer a fascinating insight into long-gone worlds.

ISBN 978-3-85881-637-5 Printed in Germany ISBN 978-3-85881-637-5

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783858 816375


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