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Der Handgeknüpfte Teppich

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DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH EIN UMFASSENDER AKTUELLER ÜBERBLICK ÜBER HANDGEMACHTE TEPPICHE FRITZ LANGAUER UND ERNST A. SWIETLY


TEIL 1

DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

1

2

TEIL ZWEI: TEPPICHFERTIGUNG

TEIL DREI: EINE WELT VOLLER TEPPICHE

TEIL VIER: KAUFEN, VERKAUFEN UND BEWAHREN

ANHANG

17

61

141

235

290

19

75

151

TEIL EINS: TEPPICHE IM KONTEXT

11

Vorwort

13

Über die Autoren

Einführung: Der Begriff „Teppich“

Der Pazyryk – Der älteste Teppich der Welt

25

Benennung von Teppichen

33

Merkmale, Funktionen und Bedeutung

45

Ästhetik, Schönheit und Kunst

49

Warum und wie man Teppichsammler wird

55

Religionen und Teppiche

Ursprünge des Teppichhandwerks

Werdegang eines Orientteppichs

93

Teppichwerkstoffe

97

Vom Schaf über die Wolle bis zum Färben

103

Knoten

109

Flachweben

121

Maschinenteppiche

125

Soziologie der Teppichproduktion

131

Neuentwicklungen auf dem Teppichmarkt

6

Teppiche im Kontext

3 4

Iran/Persien

Turkmenistan

157

Türkei/Anatolien

165

Der Kaukasus

173

Tibet und Nepal

189

Indien und Pakistan

201

China

Europa und die Westwanderung der Orientteppiche

249

Teppichdynastien

259

Verkaufsstrategien

265

Auktionen

269

Teppiche erkennen und bewerten

120 Jahre handgeknüpfte Teppiche – Rückschau und Ausblick

293

Teppichrekorde

294

Teppichmuseen der Welt

298

Bibliografie

301

Danksagung

275

Handhabung von Teppichen

286

Tipps für Käufer

211

Afghanistan

219

Nicht-orientalische Teppiche

7


TEIL 1

DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

1

2

TEIL ZWEI: TEPPICHFERTIGUNG

TEIL DREI: EINE WELT VOLLER TEPPICHE

TEIL VIER: KAUFEN, VERKAUFEN UND BEWAHREN

ANHANG

17

61

141

235

290

19

75

151

TEIL EINS: TEPPICHE IM KONTEXT

11

Vorwort

13

Über die Autoren

Einführung: Der Begriff „Teppich“

Der Pazyryk – Der älteste Teppich der Welt

25

Benennung von Teppichen

33

Merkmale, Funktionen und Bedeutung

45

Ästhetik, Schönheit und Kunst

49

Warum und wie man Teppichsammler wird

55

Religionen und Teppiche

Ursprünge des Teppichhandwerks

Werdegang eines Orientteppichs

93

Teppichwerkstoffe

97

Vom Schaf über die Wolle bis zum Färben

103

Knoten

109

Flachweben

121

Maschinenteppiche

125

Soziologie der Teppichproduktion

131

Neuentwicklungen auf dem Teppichmarkt

6

Teppiche im Kontext

3 4

Iran/Persien

Turkmenistan

157

Türkei/Anatolien

165

Der Kaukasus

173

Tibet und Nepal

189

Indien und Pakistan

201

China

Europa und die Westwanderung der Orientteppiche

249

Teppichdynastien

259

Verkaufsstrategien

265

Auktionen

269

Teppiche erkennen und bewerten

120 Jahre handgeknüpfte Teppiche – Rückschau und Ausblick

293

Teppichrekorde

294

Teppichmuseen der Welt

298

Bibliografie

301

Danksagung

275

Handhabung von Teppichen

286

Tipps für Käufer

211

Afghanistan

219

Nicht-orientalische Teppiche

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Dieses reich illustrierte Buch mit neu recherchierten Inhalten und Hintergrßnden soll allen Sammlern, Liebhabern und Käufern von Teppichen sowie allen an dieser Kunstform Interessierten als Handbuch zur Tapitologie dienen. Wien im November 2018

8

9


Dieses reich illustrierte Buch mit neu recherchierten Inhalten und Hintergrßnden soll allen Sammlern, Liebhabern und Käufern von Teppichen sowie allen an dieser Kunstform Interessierten als Handbuch zur Tapitologie dienen. Wien im November 2018

8

9


ÜBER DIE AUTOREN

ERNST A. SWIETLY

FRITZ LANGAUER

Ernst Anton Swietly, 1936 in Wien geboren, wuchs in einer Familie auf, die einen einzigen Teppich besaß. Dieser wurde einmal im Jahr ausgerollt und im „schönen Zimmer“ ausgelegt, um den geschmückten Weihnachtsbaum und die Geschenke feierlich zu umrahmen. Spätestens am 7. Januar wurde er wieder zusammengerollt und für das nächste Christfest hinter einem Kasten versteckt. Seither sind Teppiche für ihn ein Symbol für ein friedliches, prächtiges und wohliges Zusammensein.

Fritz Langauer, geboren 1937 in Wien, ist einer der beiden Söhne des Unternehmers Friedrich Langauer, der nach dem zweiten Weltkrieg mit seinem Cousin Adolf Böhm das Unternehmen Adil Besim gründete. Fritz Langauer trat 1957 in die Firma ein, die im Laufe der Jahre mit fünf Filialen, eigener Teppichwäscherei und Reparaturwerkstätte zu einem der größten Teppichfachgeschäfte Europas aufstieg.

Ernst A. Swietly ist seit 50 Jahren leidenschaftlicher Journalist und bereiste alle Teppichursprungsländer der Welt, um den Geheimnissen handgefertigter Webund Knüpfwerke nachzuspüren. Gemeinsam mit seiner Frau legte er eine bescheidene Sammlung feiner orientalischer Teppiche an und bemühte sich, sein Wissen über diese textilen Kunstwerke zu vervollkommnen.

03 „Azeri“, Anatolien um 1995 von „Woven Legends“, Foto: Oritop

12

Dabei traf er nicht ganz zufällig auf Fritz Langauer. Beide waren der Ansicht, dass es höchste Zeit für ein aktuelles Handbuch über die Teppichwelt des 21. Jahrhunderts sei. Gemeinsam wollen sie das stark veränderte handwerkliche, politische und wirtschaftliche Umfeld geknüpfter und gewebter Kunstwerke einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und zahlreiche Missverständnisse zwischen Ost und West, Nord und Süd, Christentum, Islam, Hinduismus und Judentum friedlich und verständnisvoll ausräumen. Diesem erstrebenswerten Ziel ist das vorliegende Buch gewidmet. Ernst ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Durch viele Einkaufsreisen in den Orient und umfassende Recherchen konnte er umfangreiche Kenntnisse über das gesamte Spektrum der Branche, neue und antike Teppiche sowie den Groß- und Kleinhandel erwerben. Neben Englisch ist ihm auch Farsi (Persisch) und etwas Türkisch geläufig. Er fungiert auch als gerichtlich vereidigter Sachverständiger für handgeknüpfte Teppiche und Tapisserien. Im Jahr 2000 beendeten die Familien Langauer und Böhm ihre Geschäftsverbindung freundschaftlich, wodurch Langauer die Tochterfirma Oritop GmbH erbte, die er 2007 von Zürich nach Wien verlegte. Das Unternehmen ist heute auf den Import und auf Sonderanfertigungen von Teppichen aus Afghanistan spezialisiert. Als Seniorpartner ist Fritz Langauer noch heute dort tätig. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sein Sohn Udo Langauer betreibt das Auktionsunternehmen Austria Auction Company in Wien, das neben antiken Teppichen auch andere Kunstwerke versteigert.

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ÜBER DIE AUTOREN

ERNST A. SWIETLY

FRITZ LANGAUER

Ernst Anton Swietly, 1936 in Wien geboren, wuchs in einer Familie auf, die einen einzigen Teppich besaß. Dieser wurde einmal im Jahr ausgerollt und im „schönen Zimmer“ ausgelegt, um den geschmückten Weihnachtsbaum und die Geschenke feierlich zu umrahmen. Spätestens am 7. Januar wurde er wieder zusammengerollt und für das nächste Christfest hinter einem Kasten versteckt. Seither sind Teppiche für ihn ein Symbol für ein friedliches, prächtiges und wohliges Zusammensein.

Fritz Langauer, geboren 1937 in Wien, ist einer der beiden Söhne des Unternehmers Friedrich Langauer, der nach dem zweiten Weltkrieg mit seinem Cousin Adolf Böhm das Unternehmen Adil Besim gründete. Fritz Langauer trat 1957 in die Firma ein, die im Laufe der Jahre mit fünf Filialen, eigener Teppichwäscherei und Reparaturwerkstätte zu einem der größten Teppichfachgeschäfte Europas aufstieg.

Ernst A. Swietly ist seit 50 Jahren leidenschaftlicher Journalist und bereiste alle Teppichursprungsländer der Welt, um den Geheimnissen handgefertigter Webund Knüpfwerke nachzuspüren. Gemeinsam mit seiner Frau legte er eine bescheidene Sammlung feiner orientalischer Teppiche an und bemühte sich, sein Wissen über diese textilen Kunstwerke zu vervollkommnen.

03 „Azeri“, Anatolien um 1995 von „Woven Legends“, Foto: Oritop

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Dabei traf er nicht ganz zufällig auf Fritz Langauer. Beide waren der Ansicht, dass es höchste Zeit für ein aktuelles Handbuch über die Teppichwelt des 21. Jahrhunderts sei. Gemeinsam wollen sie das stark veränderte handwerkliche, politische und wirtschaftliche Umfeld geknüpfter und gewebter Kunstwerke einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und zahlreiche Missverständnisse zwischen Ost und West, Nord und Süd, Christentum, Islam, Hinduismus und Judentum friedlich und verständnisvoll ausräumen. Diesem erstrebenswerten Ziel ist das vorliegende Buch gewidmet. Ernst ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Durch viele Einkaufsreisen in den Orient und umfassende Recherchen konnte er umfangreiche Kenntnisse über das gesamte Spektrum der Branche, neue und antike Teppiche sowie den Groß- und Kleinhandel erwerben. Neben Englisch ist ihm auch Farsi (Persisch) und etwas Türkisch geläufig. Er fungiert auch als gerichtlich vereidigter Sachverständiger für handgeknüpfte Teppiche und Tapisserien. Im Jahr 2000 beendeten die Familien Langauer und Böhm ihre Geschäftsverbindung freundschaftlich, wodurch Langauer die Tochterfirma Oritop GmbH erbte, die er 2007 von Zürich nach Wien verlegte. Das Unternehmen ist heute auf den Import und auf Sonderanfertigungen von Teppichen aus Afghanistan spezialisiert. Als Seniorpartner ist Fritz Langauer noch heute dort tätig. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sein Sohn Udo Langauer betreibt das Auktionsunternehmen Austria Auction Company in Wien, das neben antiken Teppichen auch andere Kunstwerke versteigert.

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DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

TEIL 3

Eine Welt voller Teppiche

IRAN/PERSIEN

140

Das ehemalige Persien liegt in Vorder- bzw. Westasien im Zentrum der einstigen und noch heute intensiv teppicherzeugenden Länder. Der Staat heißt seit 1936 Iran, seit 1979 offiziell Islamische Republik Iran. Das Land hat rund 75 Mio. Einwohner und eine Fläche von 1,63 Mio. km2, ist also etwa doppelt so groß wie die Türkei.

persischen Herrscher, der kulturelle Reichtum des Landes und seine landschaftliche Schönheit spielten eine wichtige Rolle bei der Verfeinerung der Teppichkunst und bei der gefühlvollen Vermischung von Mustern verschiedener orientalischer Kulturen. So kam die höfische Knüpfkunst hier zur Hochblüte.

Der einst gute Ruf und das hohe Ansehen des persischen Teppichs haben in den letzten Jahrzehnten gelitten. Dadurch sind die Produktion und der Export von „Persern“ spürbar zurückgegangen. Die Bezeichnung „Perser“ war lange Zeit und ist auch heute noch weltweit ein Synonym für hochqualitative orientalische Teppiche. Die Knüpfwerke der Region zählten und zählen, neben turkmenischen, zu den Meisterwerken der Textilkunst. Denn der persische Teppich ist ein dominierender Bestandteil der persischen Kultur. Forschungsergebnissen zufolge reicht die persische Teppicherzeugung bis in die Bronzezeit der Menschheit zurück, also etwa bis 1500 v. Chr.

Historiker und Archäologen sind davon überzeugt, dass die Perser eines der frühesten Völker waren, die Teppiche knüpften. Auch bei ihnen wird die Entstehung dieser Kunst durch das Schutzbedürfnis der Nomaden und Bauern vor Kälte, Wind und Feuchtigkeit in den rauhen, gebirgigen Regionen oder in den weiten Wüsten des Landes erklärt. Im persischen Heim ersetzte der Teppich in der Frühzeit all das, was im europäischen Haushalt Gebrauchsgegenstände wie Stühle, Kästen, Betten oder Wände waren. Die widrigen Bedingungen des äußeren Lebensraums haben den persischen Teppich so allmählich zum häuslichen Schmuckstück und zum Zeichen des Wohlstandes gemacht.

Der Name Persien wurde von der Region Fars abgeleitet, der Begriff Iran wiederum vom Volk der Arier, die zwischen Innerasien und Arabien, also zwischen Indien und Mesopotamien lebten. Der monarchische Repräsentationswille der

Dass heute nur noch wenige antike persische Teppiche erhalten sind, wird damit erklärt, dass sie aus einfachen Naturmaterialien aus der Umgebung gefertigt wurden. Die frühen Stücke haben sich daher wohl zersetzt oder ihre Farben

verloren. Die Existenz „antiker Perser“ wird durch Berichte aus der Sassanidenzeit zwischen 224 und 651 n. Chr. bezeugt. Die ältesten heute erhaltenen Stücke stammen allerdings aus der Safawiden-Dynastie (1501-1736). Rund ein Drittel aller auf der Erde erhaltenen antiken Teppiche stammt aus Persien.

DIE GESCHICHTE PERSISCHER TEPPICHE Der Iran ist ein Vielvölkerstaat. Im Nordwesten leben die turkstämmigen Azeri, im Westen die Kurden, im Süden die Lori, Gashgai, Araber, Afshari und Belutschen, im Zentrum und Osten die Iraner und Kurden und im Nordosten Turkmenen und auch hier Kurden. Die Landessprache heißt „Farsi“ und zählt zur indogermanischen Sprachfamilie. Daneben ist eine Reihe von anderen Sprachen und Dialekten gebräuchlich, wie Azeri, Türkisch, Kurdisch und Arabisch.

01 Dieser Gaschgai-Teppich zeigt Persepolis und Xerxes I. In der oberen Bordüre finden wir die Inschrift ‚Jan-i Khan im Jahr 1234 (1819 AD) im Auftrag von Fathi Ali Shah‘. Die spiegelverkehrte Inschrift unter dem Thron stammt allerdings von einer Lithographie späteren Datums, 1,41 × 2,03 m. Foto: Austria Auction Company

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DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

TEIL 3

Eine Welt voller Teppiche

IRAN/PERSIEN

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Das ehemalige Persien liegt in Vorder- bzw. Westasien im Zentrum der einstigen und noch heute intensiv teppicherzeugenden Länder. Der Staat heißt seit 1936 Iran, seit 1979 offiziell Islamische Republik Iran. Das Land hat rund 75 Mio. Einwohner und eine Fläche von 1,63 Mio. km2, ist also etwa doppelt so groß wie die Türkei.

persischen Herrscher, der kulturelle Reichtum des Landes und seine landschaftliche Schönheit spielten eine wichtige Rolle bei der Verfeinerung der Teppichkunst und bei der gefühlvollen Vermischung von Mustern verschiedener orientalischer Kulturen. So kam die höfische Knüpfkunst hier zur Hochblüte.

Der einst gute Ruf und das hohe Ansehen des persischen Teppichs haben in den letzten Jahrzehnten gelitten. Dadurch sind die Produktion und der Export von „Persern“ spürbar zurückgegangen. Die Bezeichnung „Perser“ war lange Zeit und ist auch heute noch weltweit ein Synonym für hochqualitative orientalische Teppiche. Die Knüpfwerke der Region zählten und zählen, neben turkmenischen, zu den Meisterwerken der Textilkunst. Denn der persische Teppich ist ein dominierender Bestandteil der persischen Kultur. Forschungsergebnissen zufolge reicht die persische Teppicherzeugung bis in die Bronzezeit der Menschheit zurück, also etwa bis 1500 v. Chr.

Historiker und Archäologen sind davon überzeugt, dass die Perser eines der frühesten Völker waren, die Teppiche knüpften. Auch bei ihnen wird die Entstehung dieser Kunst durch das Schutzbedürfnis der Nomaden und Bauern vor Kälte, Wind und Feuchtigkeit in den rauhen, gebirgigen Regionen oder in den weiten Wüsten des Landes erklärt. Im persischen Heim ersetzte der Teppich in der Frühzeit all das, was im europäischen Haushalt Gebrauchsgegenstände wie Stühle, Kästen, Betten oder Wände waren. Die widrigen Bedingungen des äußeren Lebensraums haben den persischen Teppich so allmählich zum häuslichen Schmuckstück und zum Zeichen des Wohlstandes gemacht.

Der Name Persien wurde von der Region Fars abgeleitet, der Begriff Iran wiederum vom Volk der Arier, die zwischen Innerasien und Arabien, also zwischen Indien und Mesopotamien lebten. Der monarchische Repräsentationswille der

Dass heute nur noch wenige antike persische Teppiche erhalten sind, wird damit erklärt, dass sie aus einfachen Naturmaterialien aus der Umgebung gefertigt wurden. Die frühen Stücke haben sich daher wohl zersetzt oder ihre Farben

verloren. Die Existenz „antiker Perser“ wird durch Berichte aus der Sassanidenzeit zwischen 224 und 651 n. Chr. bezeugt. Die ältesten heute erhaltenen Stücke stammen allerdings aus der Safawiden-Dynastie (1501-1736). Rund ein Drittel aller auf der Erde erhaltenen antiken Teppiche stammt aus Persien.

DIE GESCHICHTE PERSISCHER TEPPICHE Der Iran ist ein Vielvölkerstaat. Im Nordwesten leben die turkstämmigen Azeri, im Westen die Kurden, im Süden die Lori, Gashgai, Araber, Afshari und Belutschen, im Zentrum und Osten die Iraner und Kurden und im Nordosten Turkmenen und auch hier Kurden. Die Landessprache heißt „Farsi“ und zählt zur indogermanischen Sprachfamilie. Daneben ist eine Reihe von anderen Sprachen und Dialekten gebräuchlich, wie Azeri, Türkisch, Kurdisch und Arabisch.

01 Dieser Gaschgai-Teppich zeigt Persepolis und Xerxes I. In der oberen Bordüre finden wir die Inschrift ‚Jan-i Khan im Jahr 1234 (1819 AD) im Auftrag von Fathi Ali Shah‘. Die spiegelverkehrte Inschrift unter dem Thron stammt allerdings von einer Lithographie späteren Datums, 1,41 × 2,03 m. Foto: Austria Auction Company

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TEIL 3

DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

Hochburgen der persischen Teppichproduktion heute: Isfahan Abgesehen davon, dass Isfahan der zweitgrößte Platz der Welt für Knüpfprodukte war, steht die Stadt als Inbegriff für feine, höfische Teppiche. Seit der Zeit von Schah Abbas I. wurden hier beispiellos schöne Kunstwerke geknüpft. Einige der besten und weltberühmten lieferte die Familie Seirafian. Aus ihrer Manufaktur kommen auch heute noch unglaublich hochwertige Stücke. Allerdings wird der Name Seirafian oft auch in andere Teppiche hochwertiger Qualität eingeknüpft, die nicht von dort stammen. Auch das naheliegende Najafabad war besonders zu Beginn des 20. Jh. ein Ort feiner und eleganter Produktionen. Täbris Täbris ist sicherlich die Stadt, aus der die unterschiedlichsten Qualitätsstufen kommen. Auf der einen Seite gab und gibt es hier besonders hochwertige Teppiche mit Knotenanzahlen von mehr als 1 Mio. pro m2, andererseits wurden hier zwischen 1960 und 1990 besonders minderwertige Teppiche produziert, v. a. in Bezug auf die Wollqualität. Gehandelt werden hier auch Heris-Teppiche sowie eine Vielfalt von Teppichen und Kelims aus der Umgebung. Nain Der erste Nain-Teppich wurde erst um 1935 von Hadji Habibian im nahegelegenen Tudeschk geschaffen. Anfangs wies diese Teppichart hellblaue und zartlila Farben auf. Im Lauf der Zeit kamen aus Nain leicht zu erkennende Teppiche mit hellem Charakter. Bei guten Nains ist die Knüpfqualität in den letzten Jahrzehnten gleichgeblieben. Die Qualitäten werden unterteilt in: • 9 Lah bezeichnet gröbere und damit billigere Teppiche; die Kette besteht aus 3x3 Fäden;

05

05 Pfauen-Teppich aus der Ashkiyoun Sahara Kollektion, Seide und Wolle auf Seidengrund. Einige der feinsten Teppich im heutigen Iran werden von Ashkiyoun produziert. 10.870 Knoten/ dm2, insgesamt 1,495 Mio. Knoten. Foto: Ashkiyoun

144

06 Traditioneller Nain in Wolle und Seide. Foto: Rimex 07 Dieser Täbris-Teppich zeigt das Muster einer Moscheekuppel. Um das Jahr 2000 geknüpft. Foto: Carpet XL

• 6 Lah dies sind wirklich feine und gute Teppiche; hier sind in der Kette 3x2 Fäden; • 4 Lah hier besteht die Kette aus 2x2 Fäden; diese Teppiche sind noch feiner; der optische Unterschied zu 6-LahTeppichen ist allerdings gering.

Aufgrund der unveränderten Beliebtheit des Nain-Teppichs wird dieser keineswegs nur in der Stadt Nain geknüpft, wo die Produktion zusehends abnimmt, sondern in nahezu allen Städten des Irans. Aber echte Nains sind immer noch die besten und schönsten. Nains mit einer nachträglich eingeknüpften Signatur – meistens Habibian – sind keine Seltenheit. Leider werdem unter dem Namen „Nain“ auch grobe und minderwertige Teppiche verkauft, die oft aus dem Osten des Landes kommen, aus Tabas oder Kaschmir. Hier sieht man besonders deutlich, dass Teppichnamen nichts über die Qualität eines bestimmten Stücks aussagen. Kaschan Der Kaschan ist der Klassiker unter den Persern und wird es wohl immer bleiben. Die Qualitätsunterschiede sind dementsprechend enorm, auch wenn die Musterung relativ unverändert geblieben ist. So werden in Ardekan z. B. Kaschans mit klassischer Zeichnung geknüpft, die jedoch grob und unschön sind. Ghom-Seide In der heiligen Stadt Ghom wurden im letzten Jahrzehnt Teppiche von hervorragender Ausdruckskraft und Kunstfertigkeit geknüpft, die sowohl von orientalischen als auch modernen Designs geziert werden. Der Vielfalt der neuen Entwürfe scheinen keine Grenzen gesetzt. Dabei kommt es zu Knüpfleistungen von mehr als 1 Mio. Knoten pro m2. Daher erreichen diese Teppiche auch Preise, die in Europa kaum durchzusetzen sind. Von den als Ghom angebotenen Seidenteppichen gab es bis in jüngste Zeit drei Qualitätsstufen: Die besten kamen aus Ghom, die zweitbesten aus Zandschan und die minderen Qualitäten aus Maragha im Westen des Irans. Neuerdings werden Knüpfer in Maragha darin geschult, auch dort die feinsten und besten Ghoms herzustellen, weil die Arbeitskraft hier billiger ist als in Ghom. Ghom-Teppiche aus Wolle kommen schon immer aus dem nahegelegenen Saveh. Seit der Jahrtausendwende werden dort auch hochwertige Vollseidenteppiche geknüpft, die an Feinheit, Qualität der Seide sowie Muster- und Farbenvielfalt alle bisherigen übertreffen. Aufgrund ihres hohen Preises

Eine Welt voller Teppiche

gibt es für diese Teppiche in Europa nur einen begrenzten Markt; ihre Abnehmer kommen aus den arabischen Staaten und gelegentlich aus den Ländern Ostasiens. Maschhad In der bedeutenden Pilgerstadt Maschhad wurden stets hochwertige Teppiche für das Grabmal von Imam Reza geknüpft. Manufakturen wie Amoghli und Saber stellten vor allem große, luxuriöse Teppiche mit der für die Produkte dieser Gegend typischen Farbstimmung her, d. h. mit leicht violetten Tönen. Auch heute noch kommen diese hochwertigen Stücke immer wieder auf den Markt, wenn auch nur in kleinen Mengen. Beispielsweise spenden gläubige Pilger neue Teppiche und die alten kommen in den Handel. Daran erkennt man die unterschiedliche Haltung der Iraner und Europäer: Im Iran wird Neues dem Gebrauchten vorgezogen. Im Westen wird ein perfekt erhaltener, doch gebrauchter Teppich hochgeschätzt, weil ein Teppich mit der Zeit und durch die Lichteinstrahlung ein besseres Aussehen und mehr Charme erlangt. Neben den erwähnten Kostbarkeiten kommen aus Maschhad Teppiche im gleichen Stil, die aber meist größer als 300 x 200 cm sind und in der Qualität variieren, insbesondere was die verwendete Wolle betrifft.

06

Eine weitere bekannte Teppichgruppe sind die sogenannten Belutsch in meist kleinen Formaten, die aus den Dörfern der Umgebung stammen. Sie werden von Iranern geknüpft und nicht, wie man dem Namen nach annehmen würde, von den Baluchen im Nordwesten Pakistans. Nördlich von Maschhad, an der Grenze zu Turkmenistan, leben die Kurdi. Sie wurden vor mehr als 200 Jahren aus dem Westen des Irans in den Nordosten umgesiedelt, um die Grenze gegen einfallende Turkmenen zu verteidigen. Die aus Kurdistan mitgenommene Muster-, Farb- und Knüpftradition hat sich im Laufe der Zeit verändert und so ist eine neue Teppichart entstanden, die „Kurdi“. Gabbeh bzw. Loribaft Im letzten Jahrzehnt des 20. Jh. kam es durch Initiativen außerhalb der iranischen Teppichbranche zu einer Art Revolution.

07

Allen voran stand die Familie Zollanvari in Schiras als Trendsetter und Initiator. Der südpersische Gabbeh (niemand kennt den Ursprung dieses Wortes), grob und mit hohem Flor, früher von Nomaden als Schlafteppich genutzt, war der Ausgangspunkt dieser Renaissance, die den Ruf des Irans als Teppichland rettete.

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TEIL 3

DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

Hochburgen der persischen Teppichproduktion heute: Isfahan Abgesehen davon, dass Isfahan der zweitgrößte Platz der Welt für Knüpfprodukte war, steht die Stadt als Inbegriff für feine, höfische Teppiche. Seit der Zeit von Schah Abbas I. wurden hier beispiellos schöne Kunstwerke geknüpft. Einige der besten und weltberühmten lieferte die Familie Seirafian. Aus ihrer Manufaktur kommen auch heute noch unglaublich hochwertige Stücke. Allerdings wird der Name Seirafian oft auch in andere Teppiche hochwertiger Qualität eingeknüpft, die nicht von dort stammen. Auch das naheliegende Najafabad war besonders zu Beginn des 20. Jh. ein Ort feiner und eleganter Produktionen. Täbris Täbris ist sicherlich die Stadt, aus der die unterschiedlichsten Qualitätsstufen kommen. Auf der einen Seite gab und gibt es hier besonders hochwertige Teppiche mit Knotenanzahlen von mehr als 1 Mio. pro m2, andererseits wurden hier zwischen 1960 und 1990 besonders minderwertige Teppiche produziert, v. a. in Bezug auf die Wollqualität. Gehandelt werden hier auch Heris-Teppiche sowie eine Vielfalt von Teppichen und Kelims aus der Umgebung. Nain Der erste Nain-Teppich wurde erst um 1935 von Hadji Habibian im nahegelegenen Tudeschk geschaffen. Anfangs wies diese Teppichart hellblaue und zartlila Farben auf. Im Lauf der Zeit kamen aus Nain leicht zu erkennende Teppiche mit hellem Charakter. Bei guten Nains ist die Knüpfqualität in den letzten Jahrzehnten gleichgeblieben. Die Qualitäten werden unterteilt in: • 9 Lah bezeichnet gröbere und damit billigere Teppiche; die Kette besteht aus 3x3 Fäden;

05

05 Pfauen-Teppich aus der Ashkiyoun Sahara Kollektion, Seide und Wolle auf Seidengrund. Einige der feinsten Teppich im heutigen Iran werden von Ashkiyoun produziert. 10.870 Knoten/ dm2, insgesamt 1,495 Mio. Knoten. Foto: Ashkiyoun

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06 Traditioneller Nain in Wolle und Seide. Foto: Rimex 07 Dieser Täbris-Teppich zeigt das Muster einer Moscheekuppel. Um das Jahr 2000 geknüpft. Foto: Carpet XL

• 6 Lah dies sind wirklich feine und gute Teppiche; hier sind in der Kette 3x2 Fäden; • 4 Lah hier besteht die Kette aus 2x2 Fäden; diese Teppiche sind noch feiner; der optische Unterschied zu 6-LahTeppichen ist allerdings gering.

Aufgrund der unveränderten Beliebtheit des Nain-Teppichs wird dieser keineswegs nur in der Stadt Nain geknüpft, wo die Produktion zusehends abnimmt, sondern in nahezu allen Städten des Irans. Aber echte Nains sind immer noch die besten und schönsten. Nains mit einer nachträglich eingeknüpften Signatur – meistens Habibian – sind keine Seltenheit. Leider werdem unter dem Namen „Nain“ auch grobe und minderwertige Teppiche verkauft, die oft aus dem Osten des Landes kommen, aus Tabas oder Kaschmir. Hier sieht man besonders deutlich, dass Teppichnamen nichts über die Qualität eines bestimmten Stücks aussagen. Kaschan Der Kaschan ist der Klassiker unter den Persern und wird es wohl immer bleiben. Die Qualitätsunterschiede sind dementsprechend enorm, auch wenn die Musterung relativ unverändert geblieben ist. So werden in Ardekan z. B. Kaschans mit klassischer Zeichnung geknüpft, die jedoch grob und unschön sind. Ghom-Seide In der heiligen Stadt Ghom wurden im letzten Jahrzehnt Teppiche von hervorragender Ausdruckskraft und Kunstfertigkeit geknüpft, die sowohl von orientalischen als auch modernen Designs geziert werden. Der Vielfalt der neuen Entwürfe scheinen keine Grenzen gesetzt. Dabei kommt es zu Knüpfleistungen von mehr als 1 Mio. Knoten pro m2. Daher erreichen diese Teppiche auch Preise, die in Europa kaum durchzusetzen sind. Von den als Ghom angebotenen Seidenteppichen gab es bis in jüngste Zeit drei Qualitätsstufen: Die besten kamen aus Ghom, die zweitbesten aus Zandschan und die minderen Qualitäten aus Maragha im Westen des Irans. Neuerdings werden Knüpfer in Maragha darin geschult, auch dort die feinsten und besten Ghoms herzustellen, weil die Arbeitskraft hier billiger ist als in Ghom. Ghom-Teppiche aus Wolle kommen schon immer aus dem nahegelegenen Saveh. Seit der Jahrtausendwende werden dort auch hochwertige Vollseidenteppiche geknüpft, die an Feinheit, Qualität der Seide sowie Muster- und Farbenvielfalt alle bisherigen übertreffen. Aufgrund ihres hohen Preises

Eine Welt voller Teppiche

gibt es für diese Teppiche in Europa nur einen begrenzten Markt; ihre Abnehmer kommen aus den arabischen Staaten und gelegentlich aus den Ländern Ostasiens. Maschhad In der bedeutenden Pilgerstadt Maschhad wurden stets hochwertige Teppiche für das Grabmal von Imam Reza geknüpft. Manufakturen wie Amoghli und Saber stellten vor allem große, luxuriöse Teppiche mit der für die Produkte dieser Gegend typischen Farbstimmung her, d. h. mit leicht violetten Tönen. Auch heute noch kommen diese hochwertigen Stücke immer wieder auf den Markt, wenn auch nur in kleinen Mengen. Beispielsweise spenden gläubige Pilger neue Teppiche und die alten kommen in den Handel. Daran erkennt man die unterschiedliche Haltung der Iraner und Europäer: Im Iran wird Neues dem Gebrauchten vorgezogen. Im Westen wird ein perfekt erhaltener, doch gebrauchter Teppich hochgeschätzt, weil ein Teppich mit der Zeit und durch die Lichteinstrahlung ein besseres Aussehen und mehr Charme erlangt. Neben den erwähnten Kostbarkeiten kommen aus Maschhad Teppiche im gleichen Stil, die aber meist größer als 300 x 200 cm sind und in der Qualität variieren, insbesondere was die verwendete Wolle betrifft.

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Eine weitere bekannte Teppichgruppe sind die sogenannten Belutsch in meist kleinen Formaten, die aus den Dörfern der Umgebung stammen. Sie werden von Iranern geknüpft und nicht, wie man dem Namen nach annehmen würde, von den Baluchen im Nordwesten Pakistans. Nördlich von Maschhad, an der Grenze zu Turkmenistan, leben die Kurdi. Sie wurden vor mehr als 200 Jahren aus dem Westen des Irans in den Nordosten umgesiedelt, um die Grenze gegen einfallende Turkmenen zu verteidigen. Die aus Kurdistan mitgenommene Muster-, Farb- und Knüpftradition hat sich im Laufe der Zeit verändert und so ist eine neue Teppichart entstanden, die „Kurdi“. Gabbeh bzw. Loribaft Im letzten Jahrzehnt des 20. Jh. kam es durch Initiativen außerhalb der iranischen Teppichbranche zu einer Art Revolution.

07

Allen voran stand die Familie Zollanvari in Schiras als Trendsetter und Initiator. Der südpersische Gabbeh (niemand kennt den Ursprung dieses Wortes), grob und mit hohem Flor, früher von Nomaden als Schlafteppich genutzt, war der Ausgangspunkt dieser Renaissance, die den Ruf des Irans als Teppichland rettete.

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TEIL 4

DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

Kaufen, Verkaufen und Bewahren

Teppiche zurückgriffen. Die Teppiche wurden in Werkstätten in Anatolien geknüpft und waren herausragende Innovationen der Nachkriegszeit. Bei den „Azeris“ und „Rubia“ wurde den Knüpfern bei der Mustergestaltung viel freie Hand gelassen, wodurch individuelle Teppiche entstanden, die den lokalen Erzeugnissen gut hundert Jahre zuvor ähnelten. Geknüpft wurden sie in dörflichen Manufakturen in ganz Anatolien. George Jevremovic wollte neue Teppiche für Sammler antiker Stücke herstellen. Woven Legends beschäftigt in verschiedenen Dörfern Anatoliens viele Knüpfer, Spinner, Weber und Färber. Firmensitze von Woven Legends befinden sich in der Türkei, im ostanatolischen Malatya, und in Philadelphia in den USA.

TEPPICHPIONIERE

22

22 Teppiche, die von Woven Legends in der Türkei angefertigt wurden, darunter insbesondere die SardisCollection mit Mamluk-Motiven, wurden in einer Qualität gewoben, die sogar Sammler von antiken Teppichen anspricht. Das Ehepaar Jevremovic hat damit die Herstellung von modernen Teppichen in der Türkei revolutioniert

wo sie qualitativ hochwertige Teppiche in traditionellen Farben und Mustern herstellte und die althergebrachte Knüpfund Färbekunst wiederbelebte. Dazu wurde eine moderne Fabrik errichtet, die auch über eine Wollspinnerei und -färberei verfügte. Die eigenen Produkte und andere Teppiche, die über eine Großmanufaktur im nordpersischen Raum bezogen wurden, verkaufte man über ein breites Filialnetz in die USA und nach Europa. 1918 war die PETAG der einzige namhafte deutsche Direktimporteur persischer Teppiche. Je nach Feinheit und Dichte wurden die PETAG-Teppiche Pertovi, Hamajun, Teimuri, Rustem oder Cyrus genannt. 1945 verlegte Jacoby sein Unternehmen zunächst nach Heidelberg, 1952 nach Frankfurt am Main, wo Heiner Jacoby jun., der Sohn des Gründers, es einige Jahre später übernahm. Weitere westliche Initiativen zur Renaissance des Orientteppichs gingen zwischen 1910 und 1940 von

254

amerikanischen Händlern wie Ghazan, Tafshandjian und anderen aus. So entstanden Teppiche in Sarouk- und Kaschan-Qualität, die meist aus Manchester-Wolle gefertigt waren.

WOVEN LEGENDS In einer Übersicht von Teppichdynastien darf diese amerikanisch-türkische Firma nicht fehlen. Sie schloss an die von Böhmer und seine DOBAG-Initiative eingeleitete Renaissance der orientalischen Teppichtradition an und stellte in der Türkei unter dem Namen „Okzent“ besonders hochwertige Teppiche mit reinen Naturfarben und handversponnener Wolle her. Um 1979 begannen die Amerikaner George und Neslihan Jevremovic auf eigene Initiative hin, die ersten einschlägigen Stücke zu erzeugen, für die sie hochwertige türkische Wolle aus dem eigenen Färbeatelier verwendeten und auf die DNA antiker anatolischer

Darüber hinaus haben auch Einzelpersonen aus dem Okzident dem Orientteppich neues Profil und Ansehen verliehen; eine davon ist der oben genannte Deutsche Dr. Harald Böhmer. Er läutete mit dem Projekt DOBAG die Renaissance der Naturfarben in der weltweiten Teppichherstellung ein und diente damit der Erhaltung der originären Orientteppichkultur. Als studierter Chemiker kam Böhmer 1960 als Lehrer an die Deutsche Schule in Istanbul, wo er in den Museen hochwertige Teppiche sah. Er bewunderte die prachtvollen Farben und erkannte deren Wirkungsunterschied gegenüber modernen Chemiefarben. Böhmer beschäftigte sich in der Folge mit den Färbemethoden anatolischer Dorfteppiche. Seine Analysen basieren auf dem Dünnschicht-ChromatographieVerfahren. Gemeinsam mit seiner Frau Renate merkte er, dass anatolische Knüpfer meist kein Wissen über die Herkunft und den Einsatz alter Naturfarben hatten; durch die Dominanz moderner chemischer Farben waren die traditionellen Färbemethoden ihrer Vorfahren völlig verdrängt worden. Aufzeichnungen oder Färberezepte fehlten. Daraufhin rief Böhmer 1981 gemeinsam mit der Marmara-Universität in Istanbul

23

23 Antike Ziegler-Teppiche beeinflussten die Produktion neuer Stücke seit den 1980er-Jahren. Dieser alte Ziegler trägt die typische Bordüre und das offene Innenfeld, welches die ideale Kombination für den westlichen Markt darstellt. In Verbindung mit

gedämpften Farben wird es zu einem perfekten Stück für die besten Innenarchitekten unserer Zeit. Dieser Teppich lag viele Jahre lang auf dem Boden in Sigmund Freuds Praxis in London. Foto: Christie’s

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TEIL 4

DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

Kaufen, Verkaufen und Bewahren

Teppiche zurückgriffen. Die Teppiche wurden in Werkstätten in Anatolien geknüpft und waren herausragende Innovationen der Nachkriegszeit. Bei den „Azeris“ und „Rubia“ wurde den Knüpfern bei der Mustergestaltung viel freie Hand gelassen, wodurch individuelle Teppiche entstanden, die den lokalen Erzeugnissen gut hundert Jahre zuvor ähnelten. Geknüpft wurden sie in dörflichen Manufakturen in ganz Anatolien. George Jevremovic wollte neue Teppiche für Sammler antiker Stücke herstellen. Woven Legends beschäftigt in verschiedenen Dörfern Anatoliens viele Knüpfer, Spinner, Weber und Färber. Firmensitze von Woven Legends befinden sich in der Türkei, im ostanatolischen Malatya, und in Philadelphia in den USA.

TEPPICHPIONIERE

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22 Teppiche, die von Woven Legends in der Türkei angefertigt wurden, darunter insbesondere die SardisCollection mit Mamluk-Motiven, wurden in einer Qualität gewoben, die sogar Sammler von antiken Teppichen anspricht. Das Ehepaar Jevremovic hat damit die Herstellung von modernen Teppichen in der Türkei revolutioniert

wo sie qualitativ hochwertige Teppiche in traditionellen Farben und Mustern herstellte und die althergebrachte Knüpfund Färbekunst wiederbelebte. Dazu wurde eine moderne Fabrik errichtet, die auch über eine Wollspinnerei und -färberei verfügte. Die eigenen Produkte und andere Teppiche, die über eine Großmanufaktur im nordpersischen Raum bezogen wurden, verkaufte man über ein breites Filialnetz in die USA und nach Europa. 1918 war die PETAG der einzige namhafte deutsche Direktimporteur persischer Teppiche. Je nach Feinheit und Dichte wurden die PETAG-Teppiche Pertovi, Hamajun, Teimuri, Rustem oder Cyrus genannt. 1945 verlegte Jacoby sein Unternehmen zunächst nach Heidelberg, 1952 nach Frankfurt am Main, wo Heiner Jacoby jun., der Sohn des Gründers, es einige Jahre später übernahm. Weitere westliche Initiativen zur Renaissance des Orientteppichs gingen zwischen 1910 und 1940 von

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amerikanischen Händlern wie Ghazan, Tafshandjian und anderen aus. So entstanden Teppiche in Sarouk- und Kaschan-Qualität, die meist aus Manchester-Wolle gefertigt waren.

WOVEN LEGENDS In einer Übersicht von Teppichdynastien darf diese amerikanisch-türkische Firma nicht fehlen. Sie schloss an die von Böhmer und seine DOBAG-Initiative eingeleitete Renaissance der orientalischen Teppichtradition an und stellte in der Türkei unter dem Namen „Okzent“ besonders hochwertige Teppiche mit reinen Naturfarben und handversponnener Wolle her. Um 1979 begannen die Amerikaner George und Neslihan Jevremovic auf eigene Initiative hin, die ersten einschlägigen Stücke zu erzeugen, für die sie hochwertige türkische Wolle aus dem eigenen Färbeatelier verwendeten und auf die DNA antiker anatolischer

Darüber hinaus haben auch Einzelpersonen aus dem Okzident dem Orientteppich neues Profil und Ansehen verliehen; eine davon ist der oben genannte Deutsche Dr. Harald Böhmer. Er läutete mit dem Projekt DOBAG die Renaissance der Naturfarben in der weltweiten Teppichherstellung ein und diente damit der Erhaltung der originären Orientteppichkultur. Als studierter Chemiker kam Böhmer 1960 als Lehrer an die Deutsche Schule in Istanbul, wo er in den Museen hochwertige Teppiche sah. Er bewunderte die prachtvollen Farben und erkannte deren Wirkungsunterschied gegenüber modernen Chemiefarben. Böhmer beschäftigte sich in der Folge mit den Färbemethoden anatolischer Dorfteppiche. Seine Analysen basieren auf dem Dünnschicht-ChromatographieVerfahren. Gemeinsam mit seiner Frau Renate merkte er, dass anatolische Knüpfer meist kein Wissen über die Herkunft und den Einsatz alter Naturfarben hatten; durch die Dominanz moderner chemischer Farben waren die traditionellen Färbemethoden ihrer Vorfahren völlig verdrängt worden. Aufzeichnungen oder Färberezepte fehlten. Daraufhin rief Böhmer 1981 gemeinsam mit der Marmara-Universität in Istanbul

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23 Antike Ziegler-Teppiche beeinflussten die Produktion neuer Stücke seit den 1980er-Jahren. Dieser alte Ziegler trägt die typische Bordüre und das offene Innenfeld, welches die ideale Kombination für den westlichen Markt darstellt. In Verbindung mit

gedämpften Farben wird es zu einem perfekten Stück für die besten Innenarchitekten unserer Zeit. Dieser Teppich lag viele Jahre lang auf dem Boden in Sigmund Freuds Praxis in London. Foto: Christie’s

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DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

Kaufen, Verkaufen und Bewahren

Man lobte ihre solide Ausführung und den Vorteil, dass sie ideal zum modernen Wohnstil passten. Sie wurden in der von Ignaz Ginzkey (1818–1876) gegründeten Decken- und Teppichfabrik Maffersdorf mit Hilfe der Jacquard-Technik hergestellt. Es gelang ihm zudem, Wollabfälle zu recyceln. Maffersdorfer Teppiche wurden damals in hoher Zahl auch in Paris und London als „Bohemian carpets“ verkauft. Nicht zuletzt hat der österreichische Edeltextilhersteller Backhausen mit Stammhaus in Wien und Produktionsbetrieben in Hoheneich bei Gmünd und Pürbach bei Schrems im Waldviertel seit 1880 Teppichgeschichte geschrieben. Das Familienunternehmen produzierte bis 2012 neben hochwertigen Möbelstoffen auch handgeknüpfte Teppiche. Infolge der Finanzkrise 2007/08 sowie wegen Verschuldung schlitterte es in den Konkurs und wurde an die österreichische BHN-SILEO GmbH. verkauft, die zwar die Teppichproduktion einstellte, aber alle historischen Backhausen-Webmuster übernahm.

24

das Projekt DOBAG ins Leben. Viele Jahre lehrte er die Bevölkerung Westanatoliens u. a., dass die Krappwurzel, die Rottöne liefert, an vielen Wegrändern wächst und man auch gelbe und grüne Färbemittel aus regionalen Pflanzen gewinnen kann.

Teppichlandschaft grundlegend verändert und ihr jene Vielfalt, Fröhlichkeit und Farbharmonie zurückgegeben, die ihren einstmaligen Ruf begründete. Teppiche aus naturgefärbter Wolle haben dank Böhmer den gesamten Orient zurückerobert.

Böhmers Akribie und Engagement ist es zu verdanken, dass es nun immer mehr Teppiche gibt, die mit naturgefärbter Wolle geknüpft sind und das nicht nur in der Türkei, sondern auch im Iran und in Afghanistan. Heute wird Krapp in diesen Ländern wieder großflächig angebaut. Böhmers Initiativen haben die moderne

Zur Bekanntheit von Orientteppichen im Westen hat auch der Schweizer Großhändler Josef Iten-Maritz beigetragen. 1977 brachte er das umfassende Fachbuch „Enzyklopädie des Orientteppichs“ heraus. Mit Schweizer Kapital und mit geflohenen Tibetern in Kathmandu förderte er die Produktion von Nepal-Teppichen.

256

Auch österreichische Unternehmen finden sich unter den international bedeutenden Teppichmarkennamen: 1672 wurde in Linz die „älteste privilegierte Wollzeugfabrik“ gegründet, die auch orientalische Teppiche herstellte. Von 1897 an bot in Wien die alteingesessene Textilfirma C. Genersich und Orendi „Maffersdorfer Teppiche“ an. Dies war eine preiswerte neue Teppichart, die infolge einer gravierenden Erhöhung der Einfuhrzölle Österreichs als attraktive Alternative zu den teuer gewordenen Originalen produziert wurde. So schuf Orendi für den Westen einen neuen Zugang zu orientalischen Teppichen.

Auch im Orient waren österreichische Teppichunternehmen aktiv: In der Nähe von Uschak in der Türkei betrieb die österreichische Gesellschaft Keun & Co. Ende des 19. Jh. eine Teppichfabrik mit 80 Mitarbeitern und einer jährlichen Produktion von rund 12.000 m2 Teppich. Zugleich waren dort 15 kleine lokale türkische Teppicherzeuger tätig. Anfang des 20. Jh. war auch die Austro-Oriental Trading CO., Wien und Berlin, in Persien tätig und trat sogar mit dem riesigen englisch-amerikanisch-türkischen Teppichunternehmen OCM in Konkurrenz; am Ende wurde die Austro-Oriental an OCM verkauft, die so zur größten europäischen Teppichgesellschaft wurde. 25

MODERNE TEPPICHDYNASTIEN Solche Initiativen zur Innovation in der Herstellung orientalischer Teppiche, gab es nicht nur in der Vergangenheit. Für die heutigen Weiterentwicklungen der Sparte, siehe einschlägige Informationen im Kapitel „Neuentwicklungen auf dem Teppichmarkt“, S. 129.

24 Die Zollanvari-Familie ist wahrscheinlich die innovativste unter den iranischen Teppichherstellern. Ihre Fähigkeit, moderne und nomadische Eigenschaften in ihren Erzeugnissen zu vereinen, ist ihr Schlüssel zum Erfolg. Foto: Zollanvari

25 Dieses Stück aus der Flora-andFauna-Collection von Zollanvari benutzt die Gabbeh-Knüpfstruktur, für die die Firma bekannt ist, zur Interpretation einer Schlangenhaut. Foto: Zollanvari

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DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

Kaufen, Verkaufen und Bewahren

Teppiche zurückgriffen. Die Teppiche wurden in Werkstätten in Anatolien geknüpft und waren herausragende Innovationen der Nachkriegszeit. Bei den „Azeris“ und „Rubia“ wurde den Knüpfern bei der Mustergestaltung viel freie Hand gelassen, wodurch individuelle Teppiche entstanden, die den lokalen Erzeugnissen gut hundert Jahre zuvor ähnelten. Geknüpft wurden sie in dörflichen Manufakturen in ganz Anatolien. George Jevremovic wollte neue Teppiche für Sammler antiker Stücke herstellen. Woven Legends beschäftigt in verschiedenen Dörfern Anatoliens viele Knüpfer, Spinner, Weber und Färber. Firmensitze von Woven Legends befinden sich in der Türkei, im ostanatolischen Malatya, und in Philadelphia in den USA.

TEPPICHPIONIERE

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22 Teppiche, die von Woven Legends in der Türkei angefertigt wurden, darunter insbesondere die SardisCollection mit Mamluk-Motiven, wurden in einer Qualität gewoben, die sogar Sammler von antiken Teppichen anspricht. Das Ehepaar Jevremovic hat damit die Herstellung von modernen Teppichen in der Türkei revolutioniert

wo sie qualitativ hochwertige Teppiche in traditionellen Farben und Mustern herstellte und die althergebrachte Knüpfund Färbekunst wiederbelebte. Dazu wurde eine moderne Fabrik errichtet, die auch über eine Wollspinnerei und -färberei verfügte. Die eigenen Produkte und andere Teppiche, die über eine Großmanufaktur im nordpersischen Raum bezogen wurden, verkaufte man über ein breites Filialnetz in die USA und nach Europa. 1918 war die PETAG der einzige namhafte deutsche Direktimporteur persischer Teppiche. Je nach Feinheit und Dichte wurden die PETAG-Teppiche Pertovi, Hamajun, Teimuri, Rustem oder Cyrus genannt. 1945 verlegte Jacoby sein Unternehmen zunächst nach Heidelberg, 1952 nach Frankfurt am Main, wo Heiner Jacoby jun., der Sohn des Gründers, es einige Jahre später übernahm. Weitere westliche Initiativen zur Renaissance des Orientteppichs gingen zwischen 1910 und 1940 von

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amerikanischen Händlern wie Ghazan, Tafshandjian und anderen aus. So entstanden Teppiche in Sarouk- und Kaschan-Qualität, die meist aus Manchester-Wolle gefertigt waren.

WOVEN LEGENDS In einer Übersicht von Teppichdynastien darf diese amerikanisch-türkische Firma nicht fehlen. Sie schloss an die von Böhmer und seine DOBAG-Initiative eingeleitete Renaissance der orientalischen Teppichtradition an und stellte in der Türkei unter dem Namen „Okzent“ besonders hochwertige Teppiche mit reinen Naturfarben und handversponnener Wolle her. Um 1979 begannen die Amerikaner George und Neslihan Jevremovic auf eigene Initiative hin, die ersten einschlägigen Stücke zu erzeugen, für die sie hochwertige türkische Wolle aus dem eigenen Färbeatelier verwendeten und auf die DNA antiker anatolischer

Darüber hinaus haben auch Einzelpersonen aus dem Okzident dem Orientteppich neues Profil und Ansehen verliehen; eine davon ist der oben genannte Deutsche Dr. Harald Böhmer. Er läutete mit dem Projekt DOBAG die Renaissance der Naturfarben in der weltweiten Teppichherstellung ein und diente damit der Erhaltung der originären Orientteppichkultur. Als studierter Chemiker kam Böhmer 1960 als Lehrer an die Deutsche Schule in Istanbul, wo er in den Museen hochwertige Teppiche sah. Er bewunderte die prachtvollen Farben und erkannte deren Wirkungsunterschied gegenüber modernen Chemiefarben. Böhmer beschäftigte sich in der Folge mit den Färbemethoden anatolischer Dorfteppiche. Seine Analysen basieren auf dem Dünnschicht-ChromatographieVerfahren. Gemeinsam mit seiner Frau Renate merkte er, dass anatolische Knüpfer meist kein Wissen über die Herkunft und den Einsatz alter Naturfarben hatten; durch die Dominanz moderner chemischer Farben waren die traditionellen Färbemethoden ihrer Vorfahren völlig verdrängt worden. Aufzeichnungen oder Färberezepte fehlten. Daraufhin rief Böhmer 1981 gemeinsam mit der Marmara-Universität in Istanbul

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23 Antike Ziegler-Teppiche beeinflussten die Produktion neuer Stücke seit den 1980er-Jahren. Dieser alte Ziegler trägt die typische Bordüre und das offene Innenfeld, welches die ideale Kombination für den westlichen Markt darstellt. In Verbindung mit

gedämpften Farben wird es zu einem perfekten Stück für die besten Innenarchitekten unserer Zeit. Dieser Teppich lag viele Jahre lang auf dem Boden in Sigmund Freuds Praxis in London. Foto: Christie’s

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TEIL 4

DER HANDGEKNÜPFTE TEPPICH

Kaufen, Verkaufen und Bewahren

Man lobte ihre solide Ausführung und den Vorteil, dass sie ideal zum modernen Wohnstil passten. Sie wurden in der von Ignaz Ginzkey (1818–1876) gegründeten Decken- und Teppichfabrik Maffersdorf mit Hilfe der Jacquard-Technik hergestellt. Es gelang ihm zudem, Wollabfälle zu recyceln. Maffersdorfer Teppiche wurden damals in hoher Zahl auch in Paris und London als „Bohemian carpets“ verkauft. Nicht zuletzt hat der österreichische Edeltextilhersteller Backhausen mit Stammhaus in Wien und Produktionsbetrieben in Hoheneich bei Gmünd und Pürbach bei Schrems im Waldviertel seit 1880 Teppichgeschichte geschrieben. Das Familienunternehmen produzierte bis 2012 neben hochwertigen Möbelstoffen auch handgeknüpfte Teppiche. Infolge der Finanzkrise 2007/08 sowie wegen Verschuldung schlitterte es in den Konkurs und wurde an die österreichische BHN-SILEO GmbH. verkauft, die zwar die Teppichproduktion einstellte, aber alle historischen Backhausen-Webmuster übernahm.

24

das Projekt DOBAG ins Leben. Viele Jahre lehrte er die Bevölkerung Westanatoliens u. a., dass die Krappwurzel, die Rottöne liefert, an vielen Wegrändern wächst und man auch gelbe und grüne Färbemittel aus regionalen Pflanzen gewinnen kann.

Teppichlandschaft grundlegend verändert und ihr jene Vielfalt, Fröhlichkeit und Farbharmonie zurückgegeben, die ihren einstmaligen Ruf begründete. Teppiche aus naturgefärbter Wolle haben dank Böhmer den gesamten Orient zurückerobert.

Böhmers Akribie und Engagement ist es zu verdanken, dass es nun immer mehr Teppiche gibt, die mit naturgefärbter Wolle geknüpft sind und das nicht nur in der Türkei, sondern auch im Iran und in Afghanistan. Heute wird Krapp in diesen Ländern wieder großflächig angebaut. Böhmers Initiativen haben die moderne

Zur Bekanntheit von Orientteppichen im Westen hat auch der Schweizer Großhändler Josef Iten-Maritz beigetragen. 1977 brachte er das umfassende Fachbuch „Enzyklopädie des Orientteppichs“ heraus. Mit Schweizer Kapital und mit geflohenen Tibetern in Kathmandu förderte er die Produktion von Nepal-Teppichen.

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Auch österreichische Unternehmen finden sich unter den international bedeutenden Teppichmarkennamen: 1672 wurde in Linz die „älteste privilegierte Wollzeugfabrik“ gegründet, die auch orientalische Teppiche herstellte. Von 1897 an bot in Wien die alteingesessene Textilfirma C. Genersich und Orendi „Maffersdorfer Teppiche“ an. Dies war eine preiswerte neue Teppichart, die infolge einer gravierenden Erhöhung der Einfuhrzölle Österreichs als attraktive Alternative zu den teuer gewordenen Originalen produziert wurde. So schuf Orendi für den Westen einen neuen Zugang zu orientalischen Teppichen.

Auch im Orient waren österreichische Teppichunternehmen aktiv: In der Nähe von Uschak in der Türkei betrieb die österreichische Gesellschaft Keun & Co. Ende des 19. Jh. eine Teppichfabrik mit 80 Mitarbeitern und einer jährlichen Produktion von rund 12.000 m2 Teppich. Zugleich waren dort 15 kleine lokale türkische Teppicherzeuger tätig. Anfang des 20. Jh. war auch die Austro-Oriental Trading CO., Wien und Berlin, in Persien tätig und trat sogar mit dem riesigen englisch-amerikanisch-türkischen Teppichunternehmen OCM in Konkurrenz; am Ende wurde die Austro-Oriental an OCM verkauft, die so zur größten europäischen Teppichgesellschaft wurde. 25

MODERNE TEPPICHDYNASTIEN Solche Initiativen zur Innovation in der Herstellung orientalischer Teppiche, gab es nicht nur in der Vergangenheit. Für die heutigen Weiterentwicklungen der Sparte, siehe einschlägige Informationen im Kapitel „Neuentwicklungen auf dem Teppichmarkt“, S. 129.

24 Die Zollanvari-Familie ist wahrscheinlich die innovativste unter den iranischen Teppichherstellern. Ihre Fähigkeit, moderne und nomadische Eigenschaften in ihren Erzeugnissen zu vereinen, ist ihr Schlüssel zum Erfolg. Foto: Zollanvari

25 Dieses Stück aus der Flora-andFauna-Collection von Zollanvari benutzt die Gabbeh-Knüpfstruktur, für die die Firma bekannt ist, zur Interpretation einer Schlangenhaut. Foto: Zollanvari

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