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Between the Films

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ZWISCHEN DEN FILMEN

BETWEEN THE FILMS

VORWORT Im oft genussvoll zelebrierten, manchmal eher pflichtbewusst absolvierten Defilee über den roten Teppich, mit dem Posieren für die Fotografen und deren aufgeregten Zurufen, um die Aufmerksamkeit der Stars in ihre Richtung zu lenken, scheint ein Zentrum der Bildberichterstattung über Filmfestivals zu liegen. Zweifellos, hier entstehen Fotos, die „um die Welt“ gehen, die jedenfalls in die Hochglanzillustrierten eingehen. Dafür vor allem scheint dieser wohlinszenierte und im Ablauf dann doch auch unkalkulierbare Moment vor der Premiere im Festivalpalast geschaffen. Der Aufwand ist immens, Stars werfen sich in Schale, die Vorfahrt ist detailliert geplant, die Security präsent, die Fotografen sind postiert. Die Fotos erhaschen, was in der Inszenierung liegt oder ihr zum Trotz aufscheint. Doch gibt es viele andere Momente „zwischen den Filmen“, die Gelegenheiten für aufregende, interessante Aufnahmen bieten. Die Pressefotografen aller Jahrzehnte seit Gründung der Internationalen Filmfestspiele Berlin haben sie von Beginn an gesucht und genutzt. Der Enthusiasmus der Fans und ihre Anstrengungen, den Stars nahe zu kommen, deren Erkundungen von Westberlin – auf dem Kurfürstendamm promenierend, das neue Hansaviertel erkundend, später der Mauer, noch später der wieder offenen Grenze einen Besuch abstattend – gehören dazu. Ebenso die offiziellen Empfänge mit üppigen Büffets sowie Gelegenheiten für Small Talk und Kennenlernen, die mitunter temperamentvollen Pressekonferenzen und schließlich die seltenen Momente von Ruhe in der Betriebsamkeit dieser Tage. In allen Aufnahmen spiegelt sich die Geschichte der Berlinale, ihre Veränderungen über Jahre werden kenntlich; nicht nur an den wechselnden Orten vom Titania-Palast in Steglitz bis zum Berlinale Palast am Marlene-Dietrich-Platz. Der Wandel Berlins, die Veränderungen in der Filmindustrie und die Umbrüche des Festivals selbst in einer Zeitspanne von fast sieben Jahrzehnten werden sichtbar in der Gestaltung der Interieurs ebenso wie in der Wahl von Kleidung – und vielleicht mehr noch in den Haltungen der Fotografierten, auch in deren Einstellung zu den Bildreportern selbst. Zwischen den Filmen finden sie ihre Motive. Was sie aufnahmen, ist die Fotogeschichte der Berlinale geworden. — Rainer Rother

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FOREWORD The hub of photographic reporting on film festivals is often found in the joyfully celebrated, but sometimes rather dutifully exercised parade over the red carpet, in the posing for the photographers, and in voices calling out excitedly so that the stars might look in their direction. Undoubtedly, photos that are made here will go “around the world” and in any case will appear in high gloss magazines. It seems that these carefully staged moments that take place before the premiere in the Festival Palace – which, as events develop, are then unpredictable – were created for this very purpose. The effort and expense are immense. Stars dress to the nines, the sequence in which they appear is carefully planned, security guards are present, and the photographers are in position. The photos capture a glimpse of what has been staged or what appears despite this preparation. But there are many other moments “between the films” that offer opportunities for exciting, interesting photos. In every decade since the Berlin International Film Festival was founded, press photographers have always looked for these moments and taken advantage of them. The enthusiasm of the fans and their efforts to come close to the stars is part of this. So are ventures into West Berlin – strolling down the Kurfürstendamm, investigating the new Hansaviertel, later the Wall, and even later the reopened border that made a visit possible. The same holds true for the official receptions with their lavish buffets, as well as the opportunities for small talk and personal encounters, the sometimes spirited press conferences, and finally the rare moments of calm amidst the intense activity of these days. All of these photos reflect the history of the Berlinale, and its changes through the years can be recognized, and not only in the changing locations from the Titania-Palast in Steglitz to the Berlinale Palast on Marlene-Dietrich-Platz. The transformation of Berlin, the changes in the film industry, and the upheaval in the festival itself over the course of almost seven decades are revealed in the design of the interiors. The same holds true in the selection of clothing, perhaps even more so in the demeanor of those that are being photographed, and even in their attitude toward the photo reporters themselves. They discover their motifs between the films. What they shoot has become the photo history of the Berlinale. — Rainer Rother 7


50 FOTOS

50 PHOTOGRAPHS


ZWISCHEN DEN FILMEN PAARE

BETWEEN THE FILMS COUPLES

2007

REPRÄSENTATIV Auch von oben unverkennbar ist Berlinale-Direktor Dieter Kosslick auf diesem Foto von Ali Ghandtschi. Dies vor allem wegen seiner modischen Markenzeichen zu winterlichen Festivalzeiten: schwarzer, breitkrempiger Hut und Schal. Entstanden ist diese ungewöhnliche Draufsicht auf dem roten Teppich des Berlinale Palasts am Marlene-Dietrich-Platz. Kosslick wird begleitet von der britischen Schauspielerin Judi Dench, in diesem Jahr an der Seite von Cate Blanchett in Richard Eyres Drama Notes on a Scandal außer Konkurrenz im Wettbewerb zu sehen. Die Verfilmung eines Romans von Zoë Heller betont das lesbische, doch unausgesprochene Begehren der von Dench gespielten Lehrerin stärker als die literarische Vorlage; sie wurde mit dem Teddy Publikumspreis ausgezeichnet. Der jährlich vergebene Teddy Award für Filme mit queerem Hintergrund aus dem gesamten Berlinale-Programm gilt als der bedeutendste Filmpreis seiner Art. Er wurde 1987 von Manfred Salzgeber und Wieland Speck initiiert und ging aus dem Panorama hervor. Die Reihe der bisher Dekorierten reicht von Filmschaffenden wie Pedro Almodóvar, Gus Van Sant oder Ulrike Ottinger, Heiner Carow und Derek Jarman bis hin zu internationalen Schauspielgrößen wie Udo Kier, Helmut Berger, John Hurt und Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton. Auch der 1931 verstorbene Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau wurde geehrt – mit dem Spezial-Teddy 2003. — gs PRESTIGIOUS Even shot from above, Berlinale director Dieter Kosslick can’t be missed in this photo taken by Ali Ghandtschi. This is due especially to his fashion trademark for the winter festival dates: a black, wide-brimmed hat and a scarf. The unusual view from above was taken on the red carpet at the Berlinale Palast on Marlene-Dietrich-Platz. Kosslick is accompanied by British actress Judi Dench, in that year seen with Cate Blanchett in Richard Eyre’s drama Notes on a Scandal, out of competition in the festival. This filming of a novel by Zoë Heller places a greater emphasis on the unspoken lesbian desire on the part of the teacher played by Dench than does the literary source. It was recognized with the Teddy Audience Award. The Teddy Award, presented each year to films in the entire Berlinale program that have a queer background, is considered to be the most important film prize of this type. It was initiated in 1987 by Manfred Salzgeber and Wieland Speck and grew out of the Panorama section. The list of prizewinners up to now ranges from filmmakers like Pedro Almodóvar, Gus Van Sant, Ulrike Ottinger, Heiner Carow, and Derek Jarman to international acting luminaries like Udo Kier, Helmut Berger, John Hurt, and Oscar winner Tilda Swinton. Director Friedrich Wilhelm Murnau, who died in 1931, was also honored – with the Special Teddy Award in 2003. — gs 78


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ZWISCHEN DEN FILMEN STADT

HANSAVIERTEL Funktion,

BETWEEN THE FILMS CITY

Eleganz und Mobilität: Wie selbstverständlich ergänzen die drei Hauptelemente dieses Fotos einander – eine Aufnahme Mario Machs, die den ganzen Optimismus der Nachkriegsmoderne in sich vereint. Das „Schwedenhaus“ genannte zehngeschossige Wohngebäude im südlichen Hansaviertel war von den Architekten Fritz Jaenecke und Sten Samuelson zur Internationalen Bauausstellung 1957 realisiert worden. Die heruntergelassenen Markisen vor den Geschäften im Erdgeschoss verweisen auf das sommerliche Klima, dem das als Sommerpelz gehandelte HermelinCape, das die Schauspielerin Shirley MacLaine trägt, unbedingt entspricht. Ergänzt durch den engen Bleistift-Rock, die Pumps in mittlerer Höhe und vor allem die Schmetterlings-Sonnenbrille steht ihre Garderobe für eine Sorte Glamour, der, ähnlich wie die sie umgebenden Artefakte, auf der Höhe der Zeit ist. Denn auch das Auto, ein Opel Rekord, der in den Jahren 1957 bis 1960 gebaut wurde, steht für den Wirtschaftswunder-Aufbruchsgeist jener Jahre: Die zweifarbige Lackierung und die Weißwandreifen, die Panoramascheiben an Front und Heck erinnern an amerikanische Limousinen von Buick oder Chevrolet. Ein Aufsteigerauto. Unwahrscheinlich jedoch, dass dieses Fahrzeug zur Stadtrundfahrt, zu der die Berlinale Shirley MacLaine eingeladen hatte, verwendet wurde. Zu Repräsentations- HANSAVIERTEL Function, elegance, and mobility. The three zwecken war der Mittelklasse-Zweitürer, main components of this photo naturally complement one another der auf dem Foto beinahe sportlich wirkt, – a shot taken by Mario Mach that seems to represent the overall kaum geeignet. — ds optimism of postwar modernism. The “Schwedenhaus”, a ten-story residential building in the southern part of the Hansaviertel, was designed by architects Fritz Jaenecke and Sten Samuelson for the International Building Exhibition in 1957. Lowered awnings in front of the stores on the ground floor indicate the summery temperatures. The ermine cape, used like a summer fur, worn by actress Shirley MacLaine definitely confirms this. Complemented by the narrow pencil skirt, pumps in medium height, and especially the butterfly sunglasses, her attire stands for a kind of glamour that was in tune with the times, like the artifacts that surround her. The car, an Opel Rekord which was built between 1957 and 1960, also stands for the spirit of renewal linked with the economic miracle that was taking place in those years. The two-tone paintwork and white sidewall tires, as well as the wraparound windshield in the front and back, are reminiscent of the American sedans made by Buick or Chevrolet. A car for a social climber. But it is very unlikely that this vehicle was used for the tour of the city to which the Berlinale had invited Shirley MacLaine. For purposes of prestige, the mid-range, two-door model, which seems almost sporty in the photo, would hardly have been appropriate. — ds 80

1960


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ZWISCHEN DEN FILMEN STADT

BETWEEN THE FILMS CITY

ERNST-REUTER-PLATZ Eine der besten Aufnahmen des Fotografen Heinz Köster entstand bei den in den 1960er-Jahren während der Berlinale üblichen Stadtbesichtigungen für die Stars: Ganz selbstverständlich ergänzt der über 1,90 Meter große amerikanische Schauspieler James Stewart das horizontal ausgerichtete Ensemble aus Telefunken-Hochhaus, Fontäne und Laternenmast. Gleichzeitig scheint er ein wenig zu frösteln – obwohl die Filmfestspiele bis 1977 im Sommer stattfanden, sieht es hier nach einem trüben, kühlen Tag aus. Das 1960 fertiggestellte Telefunken-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz war 1962 noch das höchste Haus der Stadt, aber schon 1965 wurde es vom Europa-Center in der Tauentzienstraße übertroffen. Mit seinen ursprünglich 41 Fontänen sollte der Springbrunnen im stadtplanerischen Entwurf von 1955 von allen sechs Einfallstraßen aus sichtbar sein. Stolz führte man prominenten Gästen Berlins diese Gesamtgestaltung vor, ein Aushängeschild der Nachkriegsmoderne. Das Hochhaus gehört heute zur Technischen Universität und steht unter Denkmalschutz. James Stewart erhielt in diesem Jahr den Silbernen Bären als bester Schauspieler für seine Rolle in Henry Kosters Familienkomödie Mr. Hobbs Takes a Vacation, ein Film, der ganz und gar nicht modern wirkt, sondern noch den Geist der 1950er-Jahre atmet. Zwanzig Jahre später, 1982, konnte Stewart im Rahmen der Ber- ERNST-REUTER-PLATZ Among photographer Heinz linale-Hommage einen Ehrenbären entge- Köster’s best photos was this shot, taken during one of the city gennehmen und traf dabei auf seinen Fan tours that were normally provided for the stars in the 1960s. Rainer Werner Fassbinder, den Gewinner American actor James Stewart, 6’3” tall, is a natural addition to des Goldenen Bären für Die Sehnsucht the horizontal ensemble of the Telefunken Tower, fountains and der Veronika Voss. — ds lamppost. At the same time, he appears to be shivering a bit. Although the Film Festival took place in the summer until 1977, this seems to be a cool, cloudy day. The Telefunken Tower on Ernst-Reuter-Platz, completed in 1960, was still the highest building in the city in 1962. Only since 1965 has the Europa Center on Tauentzienstrasse soared above it. With its original 41 jets, according to the urban planning design of 1955, the fountain was to be visible from the distance from all six arterial roads. This overall layout was proudly shown to prominent guests in Berlin as a poster child of postwar modernism. Today it belongs to the Technical University and has been declared a historical monument. That year, James Stewart received the Silver Bear as the best actor for his role in Henry Koster’s family comedy, Mr. Hobbs Takes a Vacation, a film that doesn’t seem modern at all, but is still in the spirit of the 1950s. Twenty years later, in 1982, Stewart was presented with an Honorary Golden Bear as part of the Berlinale Homage, meeting his fan Rainer Werner Fassbinder, the winner of the Golden Bear for Die Sehnsucht der Veronika Voss. — ds 82

1962


Dank Acknowledgments

Autorinnen und Autoren

Authors

Unser besonderer Dank gilt allen Fotografinnen und Fotografen, die an dieser Ausstellung beteiligt sind. Wir bedanken uns außerdem bei Anne Marburger und André Grzeszyk von den Internationalen Filmfestspielen Berlin. Gedankt sei nicht zuletzt allen an diesem Vorhaben beteiligten Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Kinemathek – sowie ganz besonders Wolfgang Jacobsen, dem Historiker der Berlinale, der das Projekt mit seiner großen Sach- und Personenkenntnis unterstützt hat.

Rolf Aurich (RA), seit 1994 an der Deutschen Kinemathek tätig als Redakteur, Lektor und Autor.

Rolf Aurich (RA): Since 1994, editor, proofreader, and author at the Deutsche Kinemathek.

Franziska Latell (FL), Bereichsleiterin der Sammlungen der Deutschen Kinemathek, Doktorandin an der Universität der Künste Berlin.

Franziska Latell (FL): Division Manager of the collections of the Deutsche Kinemathek. Doctoral candidate at the Berlin University of the Arts.

Peter Mänz (PM), seit 1991 an der Deutschen Kinemathek, Leiter Sammlungen und Ausstellungen.

Peter Mänz (PM): Since 1991, at the Deutsche Kinemathek, Head of Collections and Exhibitions.

Our very special thanks goes to all of the photographers who are represented in this exhibition. We also thank Anne Marburger and André Grzeszyk from the Berlin International Film Festival. Last but not least, thank you to all the colleagues of the Deutsche Kinemathek involved in this project – especially Wolfgang Jacobsen, the historian of the Berlinale, who supported this project by contributing his great knowledge of the field and of persons involved.

Julia Riedel, Kunsthistorikerin, wissenschaftliche Dokumentarin und Fotoarchivarin in der Deutschen Kinemathek. Rainer Rother (RR), seit 2006 Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen und Leiter der Retrospektive der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Daniela Sannwald (DS), Filmhistorikerin, Autorin, Kuratorin, freie Mitarbeiterin der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen. Georg Simbeni (GS), Kameramann, Literaturwissenschaftler, Mitarbeiter der Sammlungen und Ausstellungen der Deutschen Kinemathek. Vera Thomas (VT), Filmwissenschaftlerin, Autorin, Übersetzerin; Ausstellungskoordinatorin an der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.

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Julia Riedel: Art historian, information specialist, and photo archivist at the Deutsche Kinemathek. Rainer Rother (RR): Since 2006, artistic director of the Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen and head of the Berlinale’s Retrospective. Daniela Sannwald (DS): Film historian, author, curator, freelance employee of the Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen. Georg Simbeni (GS): Cinematographer, literary scholar, staff member for collections and exhibitions at the Deutsche Kinemathek. Vera Thomas (VT): Film historian, author, translator. Exhibition coordinator at the Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.


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