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Architecture of the 1950s to 1970s in the Ruhr Area

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ArchitekturfĂźhrer architectural guide

Architektur der 1950er- bis 1970er-Jahre im Ruhrgebiet Architecture of the 1950s to 1970s in the Ruhr Area

Als die Zukunft gebaut wurde When the future was built

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Editorial

Editorial Jede große Stadt hat ihr Wahrzeichen. Einen Triumphbogen, eine Kathedrale oder einen Funkturm. Im Ruhrgebiet ist das anders. Schon deshalb, weil das Ruhrgebiet nicht eine große Stadt ist, sondern eine Ballung von 53 Städten. Wenn es hier trotzdem so etwas wie ein Wahrzeichen gibt, dann ist es der Förderturm. Kein bestimmter Förderturm, sondern der Förderturm an sich, so wie er bis in die 1970er-Jahre noch vielerorts zum Stadtbild gehörte. Der Förderturm steht nicht für Glanz und Gloria, sondern für den Mythos von Kohle und Stahl. Er erzählt von endlosen Stollen, die tief in der Erde liegen, von Bergleuten mit geschwärzten Gesichtern, die mit Getöse in die Tiefe rauschen und unter Tage ihre Arbeit tun, und von der Kohle, die am Ende einer schweißtreibenden Schicht an die Erdoberfläche gefördert wird. Der Förderturm steht auch stellvertretend für zahllose andere Bauten, welche die Montanindustrie hinterlassen hat: Schornsteine, Hochöfen, Arbeitersiedlungen und viele mehr. Lange Zeit hat sich aber kaum jemand dafür interessiert. Geändert hat sich das erst durch die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park, die sich in den 1990er-Jahren dieses baulichen Erbes annahm. Sie war es, die aus Kohle und Stahl ein populäres Narrativ machte. Und sie war es auch, die schließlich den Förderturm (und andere Industriebauwerke) in den Stand des kulturellen Erbes erhob und ihn auf diese Weise

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vom altindustriellen Relikt zur Ikone der „Industriekultur“ verwandelte. Die „Industriekultur“ war ein Erfolgsprojekt im sonst so schmerzhaften Strukturwandel. Sie ist zu einem veritablen Wirtschaftszweig geworden, der von alten Geschichten, Bildern und Gebäuden lebt. Es liegt in der Logik dieses Wirtschaftszweiges, dass er den Mythos von Kohle und Stahl wieder und wieder reproduziert. Dies erklärt, warum es heute in der medialen Wahrnehmung des Ruhrgebietes so etwas wie einen blinden Fleck gibt. Einen blinden Fleck, der sich – historisch gesehen – in der Nachkriegszeit verorten lässt, in jener Zeit, als Kohle und Stahl bereits ihre konstitutive Bedeutung für den Industriestandort Ruhrgebiet eingebüßt hatten, aber noch nicht zum großen historischen Narrativ geworden waren. Es ist eine Zeit, in der das Suchraster der „Industriekultur“ nur wenige Funde liefert. Aber genau in dieser wenig beachteten Periode erlebte das Ruhrgebiet eine Blüte. Es war die Zeit nach dem Wiederaufbau, als die Montanindustrie das Ruhrgebiet zum Motor des deutschen Wirtschaftswunders machte. Diese kurze Periode, die etwa von Mitte der 1950er-Jahre bis Anfang der 1970er-Jahre dauerte, war mindestens genauso prägend für das Revier wie 150 Jahre Bergbau – zumindest was ihre baulichen Hinterlassenschaften betrifft. Denn zu keiner Zeit wurde so viel gebaut wie in dieser. Vollbeschäftigung, wirtschaftlicher Wohlstand und Bevölkerungswachstum verhalfen den Städten im Revier zu einem neuen Selbstbewusstsein, das sich in ehrgeizigen architektonischen und städtebaulichen Projekten ausdrückte. Es entstanden neue Wohnungen, Schulen, Rathäuser und Schwimmbäder, Universitäten, Kaufhäuser, Kirchen, Museen und Theater. Diese Bauwerke dokumentieren, wie sich das Ruhrgebiet, das bisher alle gesellschaftlichen Belange dem Primat der Industriearbeit unterworfen hatte, nun auf den Weg in eine moder-

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ne Zukunft machte. Einige dieser Bauwerke haben es zu großer Popularität gebracht. Von ihnen kann man zu Recht sagen, dass sie zu Wahrzeichen geworden sind: die Grugahalle in Essen → S. XX zum Beispiel, der Florianturm in Dortmund → S. XX oder das Musiktheater in Gelsenkirchen → S. XX. Auch die Ruhr-Universität in Bochum → S. XX zählt zweifellos zu diesen Bauwerken, wenngleich die meisten Menschen bis heute mit der rohen Architektur des Campus fremdeln. Aber als größte Universität der Region und als wichtigster Arbeitgeber der Stadt ist auch sie nicht mehr wegzudenken. Es gibt jedoch nur einige wenige dieser Bauwerke, die wie die Spitze eines Eisberges aus dem Meer der Alltagsarchitektur herausragen. Der große Rest findet keine Beachtung. Vielleicht liegt es an der schieren Masse von Bauwerken, dass sie so wenig auffallen. Bundesweit sind es rund 38 % des heutigen Bestandes, die in diesen Jahren (1949–1979) gebaut wurden. Vielleicht liegt es auch an dem Schmutz, der sich in den vergangenen Jahrzehnten auf vielen Fassaden abgelagert hat und die Qualität dieser Architektur verdeckt. Ganz sicher aber liegt es an dem mangelnden Wissen über diese Architektur, dass sie nicht die Wertschätzung genießt, die ihr zusteht. Und so regte sich bisher nur wenig Widerstand, wenn Zeugnisse aus dieser Zeit dem Abriss zum Opfer fielen. Auch dann nicht, wenn es sich augenscheinlich um außergewöhnlich gute Architektur handelte, wie das Hallenbad in Marl, oder wenn sie aus der Hand eines namhaften Architekten stammte, wie das Dortmunder Volkswohlbund-Hochhaus von Harald Deilmann. Aber es gibt Anlass zur Hoffnung, dass diese Architekturepoche an Wertschätzung gewinnt. In den vergangenen Jahren mehrten sich Publikationen, Ausstellungen und Internetplattformen, die sich geradezu euphorisch dieser Architektur widmeten. Und durch

das beherzte Engagement von Bürgern und Fachleuten konnte die Zukunft einiger Bauwerke gesichert werden: zum Beispiel das ehemalige Museum am Ostwall → (→ weitere Bauten) in Dortmund, das inzwischen zum Baukunstarchiv NRW umgenutzt wurde, oder die Scharounschule in Marl → S. XX, die zu einer Pilgerstätte für Architekten geworden ist. Auch viele Kirchen der Nachkriegszeit, wie die Liebfrauenkirche in Duisburg → S. XX oder Heilig Kreuz in Bottrop → S. XX, konnten durch großes Engagement einer neuen Nutzung zugeführt werden. Selbst die Immobilienwirtschaft hat erkannt, dass Architektur der 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre marktfähig sein kann, wie die Sanierung des ehemaligen Rheinstahl-Hochhauses in Essen (→ weitere Bauten) oder die Umnutzung der früheren WestLB in Dortmund → S. XX beweisen. Es war genau diese Euphorie, die in Bürgerinitiativen, Fachkreisen und sozialen Medien zu spüren war, die uns – die Landesinitiative StadtBauKultur NRW und die TU Dortmund –davon überzeugt hat, einen eigenen Beitrag zu leisten. Wir wollten die Euphorie in die Öffentlichkeit tragen und mehr Menschen für die Architektur der 1950er bis 1970er begeistern. Mit diesem Ziel haben wir 2018 im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres unsere Kampagne „Big Beautiful Buildings – Als die Zukunft gebaut wurde“ durchgeführt. Unser besonderer Dank gilt den Fördergebern, Sponsoren und Partnern, die dieses Projekt ermöglicht haben. Der vorliegende Architekturführer ist ein Produkt dieser Kampagne. Er möchte Fachleuten und interessierten Laien dabei helfen, eine vergessene Architekturepoche des Ruhrgebietes neu zu entdecken. 54 Objekte in 17 Städten werden mit kurzen Texten vorgestellt. Ergänzende Hinweise auf weitere Bauten laden zu Abstechern in der Region ein. Unter den ausgewählten Projekten sind einige bekannte, aber vor allem viele unbekannte und überraschende Bauwerke. Sie wurden

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Wohnen für alle

Wohnen für alle Die wichtigste Bauaufgabe der Nachkriegszeit bestand darin, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Der große Bedarf resultierte aus den dramatischen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und wurde durch den Zuzug von Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten noch verschärft. So verzeichneten die drei Westmächte 1946 einen Bedarf von 5,5 Millionen neuen Wohnungen. Die Bundesregierung reagierte, indem sie mit gesetzlichen und investiven Mitteln massiv in den Wohnungsmarkt intervenierte. Auf diese Weise gelang es zunächst, die große Wohnungsnot der frühen Nachkriegszeit zu beheben, aber durch den zunehmenden Wohlstand der Deutschen und die steigende Geburtenrate geriet der Wohnungsmarkt erneut unter Druck. In den 1960er-Jahren wuchs die Bevölkerung der Bundesrepublik um fast 10 Prozent. Zusätzlich stieg der Wohnflächenbedarf um mehr als 30 Prozent und lag 1972 bereits bei über 26 Quadratmetern pro Person. Um die große Nachfrage nach modernem und bezahlbarem Wohnraum decken zu können, wurden industrielle Fertigungsmethoden eingeführt: Gebäudetypen und Wohnungsgrundrisse wurden standardisiert, Bauteile wurden vorfabriziert und die Bauabläufe beschleunigt. Damit knüpfte der Wohnungsbau der Nachkriegszeit an eine zentrale Idee der Moderne an, die bis weit in die 1920er-Jahre zurückreicht: Die Idee, mithilfe industrieller Fertigungstechniken hochwertigen und bezahlbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten schaffen zu können.

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Auch städtebaulich griff der Wohnungsbau der Nachkriegszeit auf Konzepte zurück, die bereits vor dem Krieg entwickelt worden waren. Unter dem Schlagwort der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“ sollten Wohnsiedlungen entstehen, die ausreichend belichtet und belüftet sind und über großzügige Grünräume und eine effiziente Verkehrserschließung verfügen. In der frühen Nachkriegszeit entstanden im Ruhrgebiet zunächst zahlreiche Wohnsiedlungen, die auf einfachen Zeilenbauten in Massivbauweise basierten. Diese Siedlungen waren in Höhe und Ausdehnung eher klein und fügten sich in die ohnehin geringe Dichte der Ruhrgebietsstädte ein. Ab Mitte der 1960er-Jahre entstanden Siedlungen mit höherer Dichte und mehreren Tausend Einwohnern, wie die Hustadt (Bochum), Scharnhorst-Ost (Dortmund), Clarenberg (Dortmund) oder Hörsterfeld (Essen). Allerdings erreichten diese Projekte nie die Dimension der Großwohnsiedlungen in München, Köln, West-Berlin oder in den ostdeutschen Städten. Einzig die Neue Stadt Wulfen → S. XX sollte in ihrer ursprünglichen Planung eine Größe erreichen, dass sie genügend Nachfrage für ein differenziertes Angebot an Wohnungen, Einzelhandel, Schulen und Infrastrukturen erzeugen würde. Ab Ende der 1960er-Jahre schränkte die öffentliche Hand ihren Einfluss auf das Baugeschehen wieder merklich ein und überließ den Wohnungsbau zunehmend dem freien Markt. Damit ging eine Periode zu Ende, die sich durch eine historisch einmalige Bauintensität auszeichnete. Bis Mitte der 1950er-Jahre war die Fertigstellung neuer Wohnungen auf knapp 600.000 pro Jahr angestiegen, verblieb bis Mitte der 1970er-Jahre auf diesem hohen Niveau. Insgesamt entstanden in diesen zwei Jahrzehnten rund 12 Millionen Wohnungen, die heute noch einen Anteil von 39 Prozent am gesamten Wohnungsbestand in den alten

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Finnstadt, Dorsten

Finnstadt, Dorsten

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Housing for All

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Wohnen für alle

Toivo Korhonen, Lauri Sorainen

Finnstadt is one of the most successful and still extremely popular experimental housing projects of the 1960s and 1970s. Along with the Habiflex → P. 16 and the Metastadt, it is one of the “experimental and comparative buildings for new forms of housing” that were built with the support of the federal and state governments. Its name refers to the Finnish architects Korhonen and Sorainen, who designed the innovative building complex. It is based on five-story tall, cruciform stepped houses that are joined together in a net-like structure.

Planungs- und Bauzeit : 1969 – 1975 Adresse: Surick / Dimker Allee, 48286 Dorsten Architects: Toivo Korhonen, Lauri Sorainen Planning and construction period: 1969 – 1975 Address: Surick / Dimker Allee, 48286 Dorsten

The great success of the first two stepped buildings (“red Finnstadt”) was followed by two additional, similar buildings that were clad in dark natural slate (“black Finnstadt”). The buildings have different types of flats, from row houses to maisonettes and are enhanced by large terraces, gardens, and a diverse access system. Between the stepped houses are green spaces and a car-free network of paths. The unique character of the owner-occupied flats and the generous exterior spaces were intended to offer an alternative to the detached single-family house.

Finnstadt, Dorsten

Nach dem großen Erfolg der beiden ersten Terrassenhäuser („rote Finnstadt“) wurden zwei weitere mit dunklem Naturschiefer verkleidete Gebäude dieser Art errichtet („schwarze Finnstadt“). In den Gebäuden befinden sich unterschiedliche Wohnungstypen, vom Reihenhaus bis zur Maisonettewohnung, ergänzt um großflächige Terrassen, Gärten und ein vielfältiges Erschließungssystem. Zwischen den Terrassenhäusern erstrecken sich Grünräume und ein autofreies Wegenetz. Der individuelle Charakter der Eigentumswohnungen und die großzügigen Außenräume sollten eine Alternative zum freistehenden Einfamilienhaus bieten.

Architekten:

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Die Finnstadt zählt zu den gelungenen und bis heute äußerst beliebten Projekten des experimentellen Wohnungsbaus der 1960er- und 1970er-Jahre. Neben dem Habiflex → S. 16 und der Metastadt gehört sie zu den „Versuchs- und Vergleichsbauten für neue Wohnformen“, die mit Förderung von Bund und Land errichtet wurden. Ihr Name verweist auf die finnischen Architekten Korhonen und Sorainen, die den innovativen Gebäudekomplex entwarfen. Dieser basiert auf fünfgeschossigen, kreuzförmigen Terrassenhäusern, die in einer netzartigen Struktur aneinandergefügt wurden.

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The new Schauspielhaus (playhouse) was built on the foundations of the war-damaged Bochum Theatre according to a design by Gerhard Graubner from Hanover. The cubature is based on the preserved elements of the earlier building. The slightly curved main façade is clad with red clinker bricks. In the center, it recedes behind slender, steel pillars and opens invitingly to the city with a high glass wall. Graubner’s design for the auditorium was based on Greek theaters of antiquity, with steep, semicircular rows of seating, a semicircular tier and a few box seats. An innovation in theater technology made it possible to be closer to the audience: the “Iron Curtain,” which separates the stage from the auditorium, was installed here as a semicircular structure in front of the forestage for the first time. This also made it possible to perform in the forestage area, which could not previously be used for set design.

Art and culture

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The original interior is almost completely preserved, including furniture elements of the time, such as tulip lamps and kidney tables. Also according to Graubner’s plans, an extension for the Kammerspiele was built in 1966, which, like the original theater, was executed by the Bochum architect Heinz Jentsch.

Schauspielhaus, Bochum

Kunst und Kultur

24 Architekten :

Planning and construction period: 1951-1953 Address: Königsallee 15, 44789 Bochum

Schauspielhaus, Bochum

Den Zuschauerraum konzipierte Graubner nach dem Vorbild des antiken griechischen Theaters mit stark ansteigenden halbrunden Zuschauerreihen, einem halbrunden Rang und einigen wenigen Logen. Eine theatertechnische Neuerung ermöglichte eine größere Nähe zum Publikum: Der „Eiserne Vorhang“, der Bühnen und Zuschauerbereich trennt, wurde hier erstmalig halbrund und vor der Vorbühne angelegt. Dadurch wurde auch der bis dahin nicht dekorierbare Vorbühnenbereich bespielbar. Das ursprüngliche Interieur mit zeittypischen Ausstattungselementen wie Tulpenlampen und Nierentischen ist nahezu vollständig erhalten. Ebenfalls nach Graubners Plänen entstand 1966 ein Anbau für die Kammerspiele, der wie schon das Schauspielhaus von dem Bochumer Architekten Heinz Jentsch ausgeführt wurde.

Gerhard Graubner, Heinz Jentsch

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Auf den Fundamenten des kriegszerstörten Bochumer Theaters entstand das neue Schauspielhaus nach einem Entwurf des Hannoveraners Gerhard Graubner. Die Kubatur orientiert sich an den erhaltenen Elementen des Vorgängers. Die leicht geschwungene Hauptfassade ist mit roten Klinkern verkleidet. Mittig springt sie hinter schlanken Stahlpfeilern zurück und öffnet sich mit einer hohen gläsernen Wand einladend zur Stadt.

Architects:

Gerhard Graubner, Heinz Jentsch Planungs- und Bauzeit : 1951–1953 Adresse : Königsallee 15, 44789 Bochum

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Heinz-HilpertTheater, Lünen

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Heinz-Hilpert-Theater, Lünen

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Art and culture

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Kunst und Kultur

The distinct white cubature form with large glass surfaces characterizes the Heinz Hilpert Theater as a modern theater building. The theater opens towards the city center through the glazed main facade, emphasizing its intent to be an open municipal theater. The cubature form and color of the theater, and, in particular, the fully glazed, vertically structured main facade are clearly reminiscent of the music theater in Gelsenkirchen → P. 74, which was completed a year later.

Gerhard Graubner Planungs- und Bauzeit : 1955-1958 Adresse : Kurt-SchumacherStraße 39, 44532 Lünen Architect: Gerhard Graubner Planning and construction period: 1955-1958 Address: Kurt-SchumacherStraße 39, 44532 Lünen

The architect, Gerhard Graubner, also designed the interior as well as the balustrades and lamps. A skillful coordination of color, form, and material makes the theater an architectural Gesamtkunstwerk of the late 1950s. The furnishings are complemented by wall sculptures (Hermann Jünger, Kurt Mergenthal) and sculptures (Gerhard Marcks, Ferdinand W. Just). The Heinz Hilpert Theater was conceived as a guest-performance theater for all genres and can be used for concerts and film screenings. Expansions were planned for additional areas, but Graubner’s plans were never realized.

Heinz-Hilpert-Theater, Lünen

Der Architekt Gerhard Graubner entwarf auch das Interieur – vom Treppengeländer bis zu den Lampen. Durch die gekonnte Abstimmung von Farben, Formen und Materialien erscheint das Theater als architektonisches Gesamtkunstwerk der späten 1950er-Jahre. Ergänzt wird die Ausstattung durch Wandplastiken (Hermann Jünger, Kurt Mergenthal) und Skulpturen (Gerhard Marcks, Ferdinand W. Just). Das Heinz-Hilpert-Theater wurde als Gastspieltheater für alle Sparten konzipiert und kann für Konzerte und Filmvorführungen genutzt werden. Zwar sollte das Theater noch um weitere Bereiche ergänzt werden, aber diese Pläne Graubners wurden nie realisiert.

Architekt:

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Mit seiner klaren Kubatur, der weißen Farbgebung und den großen Glasflächen präsentiert sich das Heinz-Hilpert-Theater als moderner Theaterbau. Durch die verglaste Hauptfassade öffnet sich das Theater in Richtung Innenstadt und unterstreicht damit den Anspruch, ein offenes Stadttheater zu sein. Die Kubatur und Farbgebung des Theaters und insbesondere die vollflächig verglaste, vertikal gegliederte Hauptfassade erinnern deutlich an das ein Jahr später fertiggestellte Musiktheater in Gelsenkirchen → S. 74.

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Finanzamt, Bochum-Süd

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Finanzamt Bochum-Süd

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New working environments

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Neue Arbeitswelten

Gerhard Graubner, Clemens Korn, E. Topp Planungs- und Bauzeit : 1954-1957 Adresse :

Architects:

Königsallee 21, 44789 Bochum

Gerhard Graubner, Clemens Korn, E. Topp

The facade design is also emblematic. It is dominated by the clearly visible skeleton construction with light-colored stone slabs. The impression of weightlessness and openness is accentuated by large, filigree windows that Planning and stand out against the spacious, closed surfaces of redconstruction period: brown clinker brick. In the interior, original floor and wall 1954-1957 coverings, elegant staircases, parapet elements, and builtin furniture bear witness to the spirit of the late 1950s. Address: Originally constructed as the company headquarters for Königsallee 21, Ruhrstickstoff AG, the building has served as an office of 44789 Bochum revenue since 1984.

Finanzamt Bochum-Süd

Beispielhaft ist auch die Fassadengestaltung. Sie wird von der klar ablesbaren und mit hellen Steinplatten verblendeten Skelettbauweise dominiert. Der Eindruck von Leichtigkeit und Offenheit wird durch große und filigran gegliederte Fenster betont. Im Kontrast dazu stehen großzügig dimensionierte, geschlossene Flächen aus rotbraunem Klinker. Im Inneren zeugen noch originale Boden- und Wandbeläge, elegante Treppen, Brüstungselemente und Einbaumöbel vom Geist der späten 1950er-Jahre. Ursprünglich als Firmenzentrale für die Ruhrstickstoff AG erbaut, dient das Gebäude seit 1984 als Finanzamt.

The Finanzamt Bochum-Süd (Office of Revenue) is an outstanding example of an administrative building from the late 1950s. The building’s characteristic feature is its spacious urban arrangement: the slender, six-story administration building stands parallel to Königsallee, but clearly set back behind a large area of green. At right angles to this is a two-story low-rise building with a conference hall on the upper floor and an entrance hall below that faces Christstrasse.

Architekten:

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Das Finanzamt Bochum-Süd ist ein herausragendes Beispiel für einen Verwaltungsbau der späten 1950er-Jahre. Charakteristisch ist die lockere städtebauliche Einbettung der Baukörper: Parallel zur Königsallee, aber deutlich zurückversetzt hinter einer großen Grünfläche steht der schlanke, sechsgeschossige Verwaltungsbau. Im rechten Winkel dazu liegt ein zweigeschossiger Flachbau mit Sitzungssaal im Obergeschoss und einer darunterliegenden Eingangshalle, die zur Christstraße orientiert ist.

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Verwaltungs- und Sozialgebäude der Herta KG, Herten

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Verwaltungs-  und Sozialgebäude der Herta KG, Herten

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New working environments

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Architekt: Werner Ruhnau

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Planungs- und Bauzeit :

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1967–1971 Adresse : Westerholter Straße 750, 45701 Herten

Architect:

Despite the large floor space of approximately 6,000 square meters, architect Werner Ruhnau succeeded in creating a varied design by creating a striking roof landscape and by staggering the building structures. An open-plan office extends over the visitor areas and supply rooms on the ground floor of the reinforced concrete construction. Ruhnau based his design on the then innovative concept of the “office environment” creating terraced areas in favor of long, narrow corridors. Mobile wall elements allowed for flexible subdivisions.

Neue Arbeitswelten

Werner Ruhnau

Wie beim Gelsenkirchener Musiktheater → S. 74 verfolgte Ruhnau auch in Herten eine enge Verbindung von Architektur und Kunst. Der Mäzen Schweisfurth ließ in verschiedenen Bereichen des Gebäudes Werke bedeutender zeitgenössischer Künstler aufstellen, darunter die für den Pausenbereich des Betriebs konzipierte Installation Mit(H)ropa von Wolf Vostell, die sich mit industrieller Produktion von Fleischwaren auseinandersetzt.

As with the Musiktheater im Revier → P. 74 in Gelsen-

Planning and kirchen, Ruhnau also sought a close connection between construction period: art and architecture in Herten. The patron, Karl Ludwig 1967–1971 Address: Westerholter Straße 750, 45701 Herten

Schweisfurth, had works by important contemporary artists installed in various areas of the building, including the installation, “Mit(H)ropa,” conceived for the recreation area of the company by Wolf Vostell, which deals with the industrial production of meat products.

Verwaltungs- und Sozialgebäude der Herta KG, Herten

Aus einer kleinen Metzgerei machte Karl Ludwig Schweisfurth in der Nachkriegszeit einen europaweit agierenden Hersteller von Fleisch- und Wurstwaren, für den im Zuge der Expansion ein neues Verwaltungsgebäude entstand. Trotz der großen Grundfläche von rund 6.000 Quadratmetern gelang Architekt Werner Ruhnau durch Staffelung der Baukörper und durch die ausdrucksstarke Dachlandschaft eine differenzierte Gestaltung. Über den Besucherbereichen und Versorgungsräumen im Erdgeschoss des Stahlbetonbaus erstreckt sich ein Großraumbüro. Ruhnau orientierte sich an dem damals innovativen Konzept der „Bürolandschaft“ mit terrassierten Flächen und dem Verzicht auf lange, schmale Korridore. Mobile Wandelemente ermöglichen eine flexible Unterteilung.

In the period after the Second World War, Karl Ludwig Schweisfurth transformed a small butcher’s shop into a pan-European manufacturer of meat and sausage products, for which in the course of the expansion a new administration building was built.

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Modern Church Building

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Architekt: Gottfried Böhm Planungs- und Bauzeit :

Adresse : Meybuschhof 9, 45327 Essen

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Heilig Geist, Essen

1955-1957

Heilig Geist, Essen

Moderner Kirchenbau

Das zu den Schmalseiten schwungvoll abfallende Dach des Mittelschiffs überspannt den Kirchenraum wie ein Zelt. Es ist an zwei 15 Meter hohen Dreieckspylonen aus Stahlbeton aufgehängt. Große Glasflächen, die 1987 von dem Künstler Hans-Joachim Klos neu gestaltet wurden, bilden die Seitenwände des schmalen Baukörpers. Seine Stirnseiten sind mit Naturstein verkleidet. Seitlich wird das Mittelschiff von zwei flachen Bauten mit geschlossenen roten Ziegelwänden eingeklammert. Im Norden schließt sich ein kleiner quadratischer Anbau mit Sakristei und niedrigem Glockenturm an. Den schlichten Marmoraltar im Zentrum der Kirche sowie Beichtstuhl und Taufbecken entwarf Gottfried Böhm selbst. Die von Helmut Lang gestalteten Glasfenster in den Ziegelbauten mit der Darstellung des Kreuzwegs stammen noch aus der Bauzeit. Die Unterkirche, ein abgesenkter Bereich hinter dem Altar, wurde ursprünglich als Werktagskirche genutzt.

Architect: Gottfried Böhm Planning and construction period: 1955-1957 Address: Meybuschhof 9, 45327 Essen

The roof of the central nave slopes downward to the narrow sides and spans the church like a tent. It is suspended from two 15-meter-high triangular pylons of reinforced concrete. Large glass surfaces, newly designed in 1987 by the artist Hans-Joachim Klos, form the side walls of the narrow building. Its end walls are clad in natural stone. To the side, the central nave is bracketed by two flat buildings with closed red brick walls. To the north is a small square extension with a sacristy and a low bell tower. Gottfried Böhm also designed the simple marble altar in the center of the church, as well as the confessional and baptismal font. The glass windows designed by Helmut Lang in the brick buildings depicting the Way of the Cross date from the time of construction. The lower church, a recessed area behind the altar, was originally used as a weekday church.

Heilig Geist, Essen

Die katholische Kirche Heilig Geist zählt zu den frühen Werken von Gottfried Böhm, einem der bedeutendsten deutschen Architekten der Nachkriegsmoderne. Zu dem Ensemble gehören auch vier Backsteinbauten für Kindergarten, Pfarrhaus, Pfarrheim und Kaplanei.

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The Catholic Church Heilig Geist is one of the early works of Gottfried Böhm, one of the most important German architects of post-war modernism. The ensemble also includes four brick buildings for the kindergarten, parsonage, rectory, and chaplaincy.

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Grugabad

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Modern Church Building

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Other churches by Gottfried Böhm:

St. Albertus Magnus

St. Albertus Magnus

Planungs- und Bauzeit: 1960–1964

Planning and construction period: 1960–1964

Adresse: Königsallee 171, 44799 Bochum

Adress: Königsallee 171, 44799 Bochum

Pfarrzentrum St. Thomas Morus

Pfarrzentrum St. Thomas Morus (Parish center St. Thomas Morus)

Planungs- und Bauzeit: 1962–1966

Planning and construction period: 1962–1966

Adresse: Holtkamp 40, 45886 Gelsenkirchen

Address: Holtkamp 40, 45886 Gelsenkirchen

St. Joseph mit Roman Reiser

St. Joseph with Roman Reiser

Planungs- und Bauzeit: 1960–1963

Planning and construction period: 1960–1963

Adresse: Im Hagenacker 6A, 44805 Bochum

Adress: Im Hagenacker 6A, 44805 Bochum

Heilig Geist, Essen

Moderner Kirchenbau

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Weitere Kirchen von Gottfried Böhm:

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Architekt:

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Modern Church Building

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Ferdinand Keilmann Planungs- und Bauzeit : ca. 1969–1974 Adresse :

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Trauerhalle Ost, Bochum

Feldmark 107, 44803 Bochum

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Moderner Kirchenbau

Über einem weit auskragenden, vordachartigen Betonelement erhebt sich ein geschlossener Baukörper, dessen Grundriss ein quadriertes Kreuz bildet, das zum Unterbau um 45 Grad gedreht ist. Die gezackten Dachkanten schließen den Bau wie eine Krone ab. Die massiven Sichtbetonkörper bilden einen Kontrast zur kleinteiliger gestalteten, transparenten Sockelzone und scheinen fast zu schweben. Auch im Inneren des Einraumbaus wird der formale Gegensatz zwischen unten und oben fortgesetzt: vom roten Klinkerboden über die abnehmende Farbintensität der Fenster bis zu den hohen Betonwänden mit ihren deutlich sichtbaren Schalungsspuren.

Rising above a cantilevered, canopy-like concrete element, is a closed structure with a ground plan shaped Ferdinand Keilmann like a square cross, which is at a 45 degree angle to the substructure. The jagged facade and roof top comPlanning and pletes the building like a crown. This single, massive construction period: exposed concrete form almost seems to float above the colorful, small-pieced sheer base. The formal contrast approx. 1969-1974 between top and bottom is repeated in the interior of the single-room building, from the red brick floor to the Address: Feldmark 107, decreasing color intensity of the windows to the high 44803 Bochum concrete walls with their clearly visible formwork traces.

Trauerhalle Ost, Bochum

Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich der Bochumer Zentralfriedhof am Freigrafendamm immer weiter aus, sodass Stadtbaumeister Ferdinand Keilmann Ende der 1960er-Jahre mit dem Entwurf einer Friedhofshalle in der Nähe der neu angelegten Gräberfelder betraut wurde. Die brutalistische Trauerhalle Ost ist als skulpturaler Solitär ausgebildet. Der Sockel ist mit einer farbigen Bleiverglasung mit abstrakten Mustern versehen, die von grau gefassten Betonrahmen gehalten wird. Gestaltet wurde sie von dem Bochumer Glaskünstler und Architekten Egon Becker.

After the Second World War, the main cemetery at Freigrafendamm in Bochum continued to expand, so that at the end of the 1960s, city architect Ferdinand Keilmann was commissioned to design a hall near the newly planned cemeteries. The brutalist Trauerhalle Ost (east mourning hall) is designed as a solitary standing sculpture. The base, a structure made of colorful, lead-glazed abstract patterns secured by grey, concrete frames, was designed by Bochum glass artist and architect, Egon Becker.

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Trauerhalle Ost, Bochum

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