Ganz heiße Eisen Eine Mainzer Gießerei baut systematisch ein Start-up auf, um neue Märkte zu erschließen. Warum sich der Mittelstand an das »CompanyBuilding« wagt – und worauf es dabei ankommt VON MAN UEL HEC KEL
Solche tonnenschweren Metallteile stellt Römheld & Moelle her
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So ganz zufrieden ist Rudi Riedel noch nicht mit dem Platz in der Fabrikhalle, den sein Team für die Zukunft reserviert hat. Riedel ist Chef von Römheld & Moelle, einer fast 160 Jahre alten Eisengießerei in Mainz, man denkt da eher an Tradition als an Innovation. Doch nun eilt der 57-Jährige durch die Halle und zeigt auf zwei turmhohe Silos voller Sand und Schläuche, durch die Harz und Härtemittel laufen. Und zwar in zwei 3-D-Drucker, jeder so groß wie ein Kleinlaster. Manche Röhren liegen im Weg, manche Behälter müssen immer wieder hinund hergeschoben werden. »Richtig optimal sind die Abläufe mit der aktuellen Aufstellung hier noch nicht«, sagt Riedel, »aber wir wollten schnell ins Machen kommen.« Eigentlich gießen die rund 150 Mitarbeiter von Römheld & Moelle gigantische Maschinenteile oder die Pressformen, die dann in der Autoindustrie Karosserien formen. »Bisher fühlen wir uns wohl so ab einer Tonne bis 38 Tonnen«, sagt Riedel. Doch die Branche steht unter Druck, die Energiekosten sind hoch, die Aufträge aus der Autoindustrie stocken, einige deutsche Gie ße reien mussten schon aufgeben. Römheld & Moelle wurde 2014 von einem PrivateEquity-Unternehmen übernommen, weil die Inhaberfamilien keine Nachfolge fanden. Seit 2020 führt Rudi Riedel mit einem Kollegen die Geschäfte und muss die Gießerei mehr oder minder neu erfinden. Riedel zog erst mal das Standardprogramm durch: Abläufe effizienter machen, den Vertrieb intensivieren, Prozesse digitalisieren. Auf der Website der Gießerei können Kunden jetzt verfolgen, in welcher Phase sich ihr Auftrag befindet. Die Gießerei setzt nun auf Ökostrom und weist den ökologischen Fußabdruck ihrer Produkte aus, auch das soll im Wettbewerb helfen. Dazu kam ein Sparkurs: Von 2020 bis Ende 2022 gab es einen »Zukunftssicherungstarifvertrag« zwischen Geschäftsführung und Belegschaft, der schmerzhafte Gehaltseinschnitte vorsah, dafür aber betriebsbedingte Kündigungen ausschloss. Zu Jahresbeginn 2023 verkündete Riedel: »Jetzt ist Schluss mit Krise«. Und es ist Zeit für die Zukunft. Riedel schaffte vor zwei Jahren einen ersten 3-D-Drucker an, um mit der neuen Techno-
Foto: Römheld & Moelle
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