WIE ERLEBE ICH EIN HELPER’S HIGH? Mit ehrenamtlichem Engagement tun wir nicht nur anderen Menschen etwas Gutes. Warum das so ist, erklärt Psychologie-Professorin Judith Mangelsdorf.
PROF. DR. JUDITH MANGELSDORF … … ist Co-Gründerin der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie und leitet einen Masterstudiengang in diesem Bereich. Mit Hochgefühlen der Begeisterung kennt Sie sich aus.
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ine gute Stunde joggen – und plötzlich werden die Beine leichter, die Schmerzen weniger. Es fühlt sich an, als könne man ewig weiterlaufen. Euphorie. Dieses Phänomen ist unter Läufer:innen als „Runner’s High“ bekannt und kann sich bei intensivem Training einstellen. Weniger bekannt ist ein ähnlich rauschartiger Zustand, den wir auch ohne Seitenstiche und Schweißband erreichen können: das s ogenannte „Helper’s High“. „Das ist ein gut erforschtes Phänomen“, sagt Judith Mangelsdorf, Professorin für Positive Psychologie an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport. „Ein Hochgefühl der Begeisterung, der gesteigerten Energie und positiven Emotionalität.“ Das Helper’s High kann entstehen, wenn man anderen geholfen
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hat. Auf das emotionale Hoch folgt eine zweite Phase, ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit. „Das Gehirn schüttet dann Hormone wie Oxytocin aus, die unter anderem den S tresshormonspiegel senken“, erläutert Mangelsdorf. Jedoch wird nicht jeder Akt des Helfens neurobiologisch belohnt. Drei Faktoren beeinflussen, wie wahrscheinlich und intensiv ein Helper’s High ist. Der wichtigste ist die Autonomie des Helfens. Wer sich aktiv entschließt zu helfen und sich nicht dazu gezwungen fühlt, hat eine bessere Chance auf das Hochgefühl. Gesteigert wird es, so Professorin Mangelsdorf, „wenn ich die positiven Auswirkungen und den Dank der Empfänger:innen
»Es macht uns glücklicher, daran zu arbeiten, andere glücklich zu machen, als zu versuchen, uns selbst glücklich zu machen.« Judith Mangelsdorf direkt erlebe.“ Eine Geldspende per App löst weniger Emotionen aus als einer Freundin beim Umzug zu helfen. Der dritte Faktor ist Verantwortung. Wer vor allem hilft, weil man die missliche Situation einer anderen Person herbeigeführt hat, wird das Helper’s High eher nicht erleben.
Helfen hilft nicht nur den Hilfe Empfangenden – das gilt auch und insbesondere langfristig. „Wir wissen, dass ehrenamtliches Engagement sehr viele positive Auswirkungen auf die Helfenden hat“, sagt Mangelsdorf. Dazu zählen Vorteile für die psychische und physische Gesundheit, eine höhere Lebenszufriedenheit und das Erleben von Sinnhaftigkeit. Eine Studie der University of California hat gezeigt, dass das Ausüben von Ehrenämtern sogar die Sterblichkeit senken kann. Grundlage für diese positiven Effekte des Helfens ist eine evolutionspsychologische Veranlagung des Menschen: Soziales Verhalten hat über Jahrtausende unser Überleben gesichert. Füreinander da zu sein ist auch heute noch von großem Wert, individuell und gesellschaftlich. „Es macht uns glücklicher, daran zu arbeiten, andere glücklich zu machen“, sagt Mangelsdorf, „als zu versuchen, uns selbst glücklich zu machen.“ Glück erreichen zu können, indem man direkt danach strebt, das ist laut der Positiven Psychologie ein großes Missverständnis. Glück ist danach kein Selbstzweck, sondern das Nebenprodukt eines guten, erfüllten Lebens. Eines, in dem man versucht, einen Beitrag zu leisten und etwas zu bewegen in der Welt. Auch hier gilt die Parallele zum Laufen: Das High stellt sich auf dem Weg ein – nicht bei Durchquerung des Ziels.
© Jammin; Illustration: Anna Parini
Von PHILIPP NAGELS