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UZH Magazin 4/22

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lösen. Wenn gute Gefühle reichen, um Investoren nachhaltige Produkte zu verkaufen, besteht die Gefahr, dass ihnen gewiefte Verkäufer pseudogrüne Produkte andrehen und die nachhaltige Wirkung auf der Strecke bleibt. Angesichts des weltweiten Billionenmarktes für nachhaltige Anlagen keine erfreuliche Perspektive. Die Wegleitung der Nachhaltigkeitsexperten vom CSP soll das Investorenwissen über die Wirkungen nachhaltiger Investitionen stärken. In der Finanzindustrie bewegten sich unterschiedliche Menschen, manche hätten sich mit Leib und Seele der Nachhaltigkeit verschrieben, andere weniger, sagt Falko Paetzold dazu. «Doch es werden immer mehr. Wir haben einen Wen-

depunkt erreicht.» Für die Zukunft ist der Ökonom durchaus optimistisch: «Nachhaltige Anlagen können die Welt verbessern. Wir leben im Kapitalismus und Kapital ist nun mal der entscheidende Hebel, um etwas zu verändern.»

Umweltdebatten wirken

den, ob sie mit fair hergestellten teuren oder schädlicheren, aber billigeren Produkten handeln. Der Gewinn wird ihnen am Schluss bar ausbezahlt und widerspiegelt ihr sozialverantwortliches Verhalten: Wer faire Entscheidungen trifft, geht mit weniger Geld nach Hause, bürdet dafür aber niemand anderem einen finanziellen Verlust auf.

Wie wir fairer werden

Menschen handeln oft nicht nur eigennützig, sondern auch fair. Das zeigt etwa die Bereitschaft, für faire und nachhaltige Produkte mehr zu bezahlen. Ob sie das tun, hängt jedoch stark von ihrem Bewusstsein ab. Text: Stefan Stöcklin

Konsumentinnen und Konsumenten müssen tagtäglich entscheiden, ob sie fair gehandelte Bananen oder Bioprodukte kaufen, auch wenn ihr Preis gegenüber herkömmlichen Produkten höher ist. Auch bei Kleidern und vielen Konsumgütern besteht oft die Möglichkeit, zwischen lokal hergestellten ökologischen oder importierten Billigprodukten zu wählen. Der Verhaltensökonom Björn Bartling erforscht unser Kaufverhalten in simulierten Märkten. Aufgrund seiner Laborstudien kommt er zu einem optimistischen Fazit: «Die Leute sind durchaus bereit, für fair hergestellte Produkte mehr zu bezahlen. Das heisst, es gibt eine Bereitschaft, sich freiwillig so­zial zu verhalten.» Dieses Ergebnis widerspricht dem klassischen Bild des rationalen «Homo oeconomicus», der nur aus Eigennutz handelt und seine Entscheide am maximalen Profit orientiert. Bartlings Erkenntnisse basieren auf Experimenten, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit virtuellen Gütern handeln und je nach Kaufentscheid mehr oder weniger Gewinn erzielen oder gar einen Verlust hinnehmen müssen. Dabei können sie frei entschei-

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Dr. Falko Paetzold, falko.paetzold@bf.uzh.ch

Kulturelle Unterschiede Die Probanden sind Studierende. Wäre Eigennutz alles­ entscheidend, würden sich die unfairen Produkte in diesen Versuchen zu 100 Prozent durchsetzen. Der Studienleiter misst aber regelmässig einen konstanten und relativ hohen Anteil von rund 50 Prozent fairer Produkte. Natürlich, relativiert Bartling im Gespräch, gehe es bei diesen Laborexperimenten nicht um grosse Geldbeträge, aber es sage schon was aus, wenn jemand zugunsten der Umwelt oder fairer Arbeitsbedingungen auf Geld verzichte. In der realen Welt, so der Verhaltensökonom, bestätigten sich die Ergebnisse näherungsweise, auch wenn der Anteil der fairen oder sozial verantwortlichen Produkte nicht ganz so hoch sei. Eine Rolle spielt natürlich auch die Preisdifferenz zwischen dem fairen und dem unfairen Produkt. Bartling: «Je teurer es wird, sich sozial verantwortlich zu verhalten, desto weniger Leute tun dies.» Neben dem Preissignal stellen die Verhaltensökonomen auch kulturelle Unter-

Fair sein ist nicht gratis DIE HER AUSFORDERUNG :

Nachhaltig und fair produzierte Produkte sind meist teurer.

WAS GETAN WERDEN K ANN :

Wenn wir wissen, wie schädlich der Konsum nicht nachhaltiger Produkte ist, sind wir eher bereit, mehr für faire Produkte zu bezahlen. Öffentliche Debatten verändern deshalb unser Konsumverhalten.


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