FER N E R KU N D U N G
Das Blätterorakel Zwei Forscherinnen der UZH gewinnen aus der Lichtreflexion von Blättern Erkenntnisse zu Artenvielfalt und Eigenschaften von Pflanzen. Die Auswertung solcher Spektraldaten revolutioniert nicht nur die Art, wie wir Ökosysteme untersuchen, sondern ermöglicht es auch, diese besser zu schützen.
Biodiversität von oben: Blick auf den bewaldeten Höhenzug der Lägern in der Nähe der Stadt Zürich. Text: Stéphanie Hegelbach
D
as gelappte Blatt einer Eiche. Gelb verfärbt. Gesprenkelt mit dunklen Flecken. Beinahe unbewusst lesen wir die Informationen von den Laubblättern auf dem Waldspaziergang. Die Forschenden der UZH Remote Sensing Labo ratories können jedoch noch viel mehr: Mit einem Spektrometer messen sie das von den Blättern re flektierte Licht, das ihnen Rückschlüsse auf che mische und strukturelle Eigenschaften der Pflan ze erlaubt – und dies sogar aus dem All. «Das Spektrum ist wie ein Fingerabdruck und einzigar tig bei jeder Pflanze», sagt Meredith Schuman, Professorin für Spatial Genetics am Departement
20
UZH magazin 4 / 22
für Geografie. Die Beobachtung von Pflanzen mit Hilfe von Satelliten, Flugzeugen und Drohnen – sogenanntes Remote Sensing – könnte ein wichti ges Werkzeug in der Biodiversitätskrise werden. Die Artenzusammensetzung sowie die Gesundheit der Ökosysteme liessen sich fast in Echtzeit global überwachen. Regierungen würden so schützens werte Gebiete frühzeitig erkennen und erhielten direktes Feedback zu ihren Massnahmen.
Abgleichung mit Feldmessungen «Wir sind dabei, herauszufinden, welche Aspekte pflanzlicher Diversität mit Fernerkundung messbar sind», erklärt Anna Schweiger, Forscherin am Re mote Sensing Lab der UZH. Damit die Forscherin