sagt er und macht sich bereits Gedanken dazu, wie sich das Problem lösen lässt. Diese Lust, Neues anzupacken, zeichnet Roos und Lienhart aus. Sie scheinen eine unversiegbare Quelle der Eigenmotivation gefunden zu haben. Was ist das Geheimnis dieser eifrigen und inspirierenden Lerner? Sie werden für ihren Einsatz belohnt – mit interessantem Wissen und anregenden sozialen Kontakten. Für sie persönlich gehe es auch um eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, sagt Isabelle Roos: Solange es einem gut gehe, habe man eine gewis-
se Pflicht, mit dem Leben und seinen Entwicklungen Schritt zu halten. «Schliesslich sind wir ein Teil davon, bis am Ende.»
Dr. Burcu Demiray, b.demiray@psychologie.uzh.ch www.oldschoolplatform.com
Wir und unsere digitalen Zwillinge DO SSIE R — Ges u n d ä l t e r w e r d e n
Künstliche Intelligenz (KI) revolutioniert auch die Medizin. So können in Zukunft digitale Zwillinge erschaffen werden, die imitieren, wie unser Körper funktioniert. Diese digitalen Doubles werden uns beraten und helfen, Krankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln. Text: Thomas Gull
S
ie werden uns besser kennen als wir selbst, die digitalen Zwillinge, denn sie verfügen über Daten zu unserem Körper, die ständig aktualisiert werden. Diese werden gesammelt, während wir unser Leben leben, arbeiten, Sport treiben, unser Feierabendbier trinken oder zum Arzt gehen. «Die digitalen Zwillinge werden unsere Partner sein, die uns begleiten und beraten», sagt Ärztin Claudia Witt dazu. Die UZH-Professorin und Co-Direktorin der Digital Society Initiative (DSI) hat mitgearbeitet an einem Strategieprojekt der DSI zur künstlichen Intelligenz in der Medizin. Darin werden Zukunftsszenarien entwickelt, wie KI künftig in der Medizin angewendet werden könnte. Eine dieser Anwendungen ist der Einsatz von digitalen Zwillingen. Am Konzept des digitalen Zwillings lassen sich «Kernfragen der künftigen Anwendung von KI in der Medizin festmachen», schreiben die Autor:innen dazu.
Ballaststoffe und Bewegung Digitale Zwillinge bringen zwei Errungenschaften der Digitalisierung der Medizin zusammen: die individuelle Erhebung von Daten und die Analyse grosser Daten-
mengen. Beide werden für den Zwilling genutzt. Der Zwilling ist ein Computermodell in dem die individuellen Informationen einer Person etwa zu Blutdruck und Herzfrequenz kombiniert werden mit Modellen dieser Körperfunktionen. Diese basieren auf den gesammelten Daten vieler Menschen. Die Modelle bilden die zentralen Lebensfunktionen ab wie Atmung, Kreislauf, Verdauung oder Stoffwechsel. Sie dienen dazu, zu simulieren, wie unser Körper auf äussere Einflüsse wie etwa Ernährung, Bewegung oder Medikamente reagieren würde. «Je umfassender die Daten sind, umso besser können die Modelle den Menschen nachahmen», erklärt Claudia Witt. Das gilt für die Körperfunktionen allgemein und auch für die der einzelnen Menschen, für die ein digitaler Zwilling erstellt wurde. Mit diesem Wissen kann der Zwilling Vorhersagen und Empfehlungen machen. «Wir könnten beispielsweise unser Essen fotografieren und der Zwilling rechnet die Kalorien aus und sagt uns, ob es genügend Ballaststoffe enthält», sagt Claudia Witt. Oder er stellt fest, dass wir den ganzen Tag im Büro gesessen haben, und empfiehlt uns deshalb Bewegung. Der Clou dabei ist, dass mein Zwilling weiss, welche Art von Bewegung ich mag und welche mir guttut. «Das ist der Vorteil des digitalen UZH magazin 3 /23
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