BILD: PABLO WÜNSCH BLANCO
Leserbriefe «Man will mit allen Mitteln verhindern, dass sich Asylsuchende integrieren können.»
MENA KOST, REDAKTORIN
Editorial Monumental
Nr. 238: «Skihäsli ahoi! – Die Jagdsaison beginnt» Eine Schweinerei Ab dem 1. Januar 2011 ist es Asylsuchenden (Bewilligung N) im Kanton Basel-Landschaft nicht mehr erlaubt, Surprise zu verkaufen. Das ist eine verdammte Schweinerei! Dieser Beschluss der zuständigen kantonalen Behörden beruht jedoch durchaus auf einer inneren «Logik»: Es muss mit allen Mitteln verhindert werden, dass sich Asylsuchende möglicherweise sogar integrieren oder ein paar Franken verdienen könnten. So werden die Ausländerinnen und Ausländer vielleicht eher kriminell und können dann – ganz im Sinne der SVPAusschaffungsinitiative – umgehend ausgewiesen werden. Benedetto Rossetti, Oberwil
Chapeau! Wenn ich sehe, dass der Verkäufer vor dem Coop ein neues Surprise in der Hand hält, ist er mein erstes Ziel beim Einkauf. Surprise ist ein Heft, das Artikel zu Themen bringt, die gar nicht oder nur in verkürzter Form in anderen Medien erscheinen, deshalb lese ich dieses Magazin so gerne. Und ich kaufe Surprise den Verkäufern gerne ab, weil sie bereit sind, einen harten Job zu machen, besonders jetzt in der kalten Jahreszeit – Chapeau! Nicole Bissegger, Basel
Verdient der Erfinder der Antibabypille, der österreichisch-amerikanische Chemiker und Schriftsteller Paul Djerassi, ein Denkmal? Frauenrechtlerin Alice Schwarzer findet: Ja. Und zwar, weil die Pille ein Meilenstein in der Geschichte der Emanzipation sei. Schliesslich wurde den Frauen durch das Hormonpräparat die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft und ihren Folgen genommen. Ausserdem ermöglichte es die Antibabypille erstmals, dezidiert zwischen Fortpflanzung und Sexualität zu unterscheiden. Was das bedeutet? Dass Frauen ohne Angst vor Konsequenzen Sex haben konnten: mit wem sie wollten, wann sie wollten, so oft sie wollten. Tönt gut. In der Theorie. Die Realität vor 50 Jahren sah anders aus: Als die Antibabypille 1961 in der Schweiz auf den Markt kam, wurde sie in den ersten Jahren nur verheirateten Frauen verschrieben – zur Familienplanung und nur mit Einverständnis des Ehemannes. Das gesellschaftliche Klima, auf das die Pille traf, war alles andere als offen; Verhütung und Sexualität waren Tabuthemen. Wenn überhaupt, wurde nur im Privaten darüber gesprochen. Die wenigen Frauen, die in Leserbriefen dafür votierten, dass die Pille auch an Unverheiratete abgegeben werden sollte, argumentierten meist wie folgt: Die Pille sei gut, weil sie der Frau erlaube, die sexuellen Triebe des Mannes zu befriedigen – vom eigenen Interesse an der Sache kein Wort. Inwiefern die Antibabypille zur sexuellen Befreiung der Frauen beigetragen hat, erläutert Andrea Maihofer, Professorin für Geschlechterforschung an der Universität Basel, ab Seite 10. Auf alle Fälle dafür gekämpft, dass Frauen heute eine eigene Sexualität und eigene Lust zugesprochen wird, haben jene Frauen, die sich seit den 1960er-Jahren in der Politik, an den Universitäten, auf der Strasse und – nicht minder wichtig – im Privaten für Gleichberechtigung eingesetzt haben. Und wenn Carl Djerassi ein Denkmal verdient, dann gebührt all jenen Frauen ein Monument.
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SURPRISE 239/10