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Future of Healthcare
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Oktober ’26
Annette Luther
Die Präsidentin von scienceindustries spricht im Interview über die Wichtigkeit der Innovation für die Schweizer Life-Sciences-Industrie.
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fokus.swiss
Editorial
Anne-Geneviève Bütikofer
«Spitäler und Kliniken gestalten die Gesundheitsversorgung von morgen»
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Gesundheitsdossier (E-GD) und den entsprechenden gesetzlichen Grundlagen ändern. Damit die Digitalisierung wirkt, braucht es drei Grundlagen. Erstens gemeinsame Standards: Mit dem Programm DigiSanté schafft der Bund die Grundlage für einen vernetzten Datenraum Gesundheit. Doch das Programm braucht die notwendigen finanziellen Mittel, die durch Sparübungen des Bundes bereits wieder in Frage gestellt werden.
mmer mehr Menschen brauchen medizinische Versorgung, gleichzeitig stehen immer weniger Fachkräfte dafür bereit. Die Schweizer Spitäler und Kliniken gestalten ihre Versorgung deshalb neu: stationär, ambulant und vernetzt. Als zentrale Pfeiler der regionalen Grundversorgung entwickeln sie neue Versorgungsmodelle, nutzen digitale Möglichkeiten und arbeiten über Institutions- und Kantonsgrenzen hinweg. Damit dieser Umbau gelingt, müssen Finanzierung, Planung und Regulierung mitziehen.
Wer in einem Schweizer Spital behandelt wird, erlebt Medizin auf Spitzenniveau. Damit dieses Niveau gehalten werden kann, muss sich die Spitallandschaft weiterentwickeln. Das Spital von heute ist längst mehr als ein Gebäude für stationäre Behandlungen: Es versorgt Menschen ambulant und stationär, koordiniert Behandlungspfade und verbindet verschiedene Leistungserbringer in der Region. Die Spitäler und Kliniken treiben diesen Umbau bereits voran. Die gesundheitspolitischen Debatten in der Schweiz drehen sich seit Jahren um die gleiche Frage: Was kostet das alles? Diese Frage ist berechtigt, doch sie greift zu kurz. Die grundlegendere Frage lautet: Wie lässt sich eine gute Versorgung für eine Bevölkerung sichern, die älter wird – wenn gleichzeitig die Fachkräfte knapper werden? Die Antwort darauf entscheidet auch, wie diese Versorgung finanziert wird. Die demografische Schere öffnet sich Die Schweiz altert. Laut Bundesamt für Statistik wird sich die Zahl der über 80-Jährigen bis 2050 mehr als verdoppeln. Mit dem Alter steigt die Zahl chronischer Krankheiten und viele Patientinnen und Patienten leiden gleichzeitig an mehreren Erkrankungen. Sie brauchen also eine individuell abgestimmte, kontinuierliche Behandlung und Pflege. Gleichzeitig verabschiedet sich die Generation der Babyboomer in den Ruhestand und geburtenschwächere Jahrgänge können die entstehenden Lücken nicht füllen. Schon jetzt bleiben in vielen Spitälern Stellen lange unbesetzt. Zudem verlassen viele Fachkräfte frühzeitig den Beruf, was die Situation weiter verschärft. Die Nachfrage wächst, das Angebot an qualifiziertem Personal schrumpft. Diese Entwicklung wird sich weiter verschärfen und nicht von selbst lösen. Mit den Strukturen von gestern lässt sich die Versorgung von morgen nicht sichern. Die Spitäler gestalten den Wandel Die gute Nachricht lautet: Die Spitäler warten nicht ab. In allen Landesteilen entstehen neue Modelle der Zusammenarbeit: Im Tessin rücken öffentliche und private Anbieter näher zusammen. In Graubünden wachsen regionale Spitalnetzwerke. In der Westschweiz entstanden in den letzten Jahren Netzwerke wie das Réseau de l'Arc, das Réseau Bleu oder das Réseau Béluga, in denen integrierter Versorgung oder überkantonale Zusammenarbeit aktiv gelebt wird. Spitäler
bündeln Kompetenzen, konzentrieren hochspezialisierte Eingriffe und verlagern Behandlungen dorthin, wo sie medizinisch sinnvoll und am effizientesten vorgenommen werden können. Insbesondere die Ambulantisierung ist bei dieser Entwicklung entscheidend: Wer nach einem Eingriff am Abend wieder nach Hause kann, braucht kein Spitalbett für die Nacht. Damit verändert sich auch die Arbeitsweise des Personals und es stehen beispielsweise weniger Nachtschichten an. Diese Veränderung wird nicht von oben verordnet. Sie entsteht dort, wo täglich Verantwortung für Patientinnen und Patienten übernommen wird, bei den Fachkräften, in den Spitälern und Kliniken und in ihren regionalen Netzwerken. Doch Planung und Finanzierung orientieren sich vielerorts nach wie vor an der Situation von gestern. Die Versorgung wird entlang von Kantonsgrenzen und einzelnen Leistungsaufträgen organisiert, obwohl Patientinnen und Patienten diese Grenzen längst überschreiten. Kooperationen werden erwartet, ihr Aufbau aber kaum unterstützt. Und viele ambulante Leistungen sind nicht kostendeckend vergütet, ausgerechnet jene Behandlungsform, die Politik und Fachwelt fördern wollen. Digitalisierung schafft Zeit für Medizin und Pflege Eine Pflegefachfrau, die ihre Arbeit dreimal erfassen muss, fehlt in dieser Zeit am Krankenbett. Ein Arzt, der Befunde per Fax anfordert, verliert Zeit, die seinen Patientinnen und Patienten fehlt. Genau hier liegt das grosse Potenzial der Digitalisierung: Sie kann den ohnehin knappen und stark belasteten Fachkräften Zeit für die Pflege der Patientinnen und Patienten zurückgeben. Technologisch sind entsprechende Hilfsmittel bereit. Digitale Patientenpfade könnten Hausarztpraxis, Spital, Rehabilitation und Spitex verbinden. Spracherkennung und künstliche Intelligenz können Berichte vorbereiten und die Dokumentation entlasten. Vernetzte und gemeinsam nutzbare Daten helfen, Engpässe früher zu erkennen und Behandlungen besser abzustimmen. Doch die Schweiz nutzt dieses Potenzial bisher nur zögerlich. Im internationalen Vergleich hinkt sie bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens hinterher. Das elektronische Patientendossier (EPD) hat die Erwartungen bislang nicht erfüllt. Bis heute laufen viele Systeme nebeneinanderher, ohne die nötigen Schnittstellen. Das liegt vor allem an den Rahmenbedingungen, die zu viel Spielraum bei der Ausgestaltung des EPD liessen. Dies soll sich nun mit dem neuen
Zweitens eine faire Finanzierung: Wenn der Bund einen Systemwechsel beschliesst, etwa vom elektronischen Patientendossier zum elektronischen Gesundheitsdossier, dürfen die Implementierungskosten nicht einseitig bei den Spitälern anfallen. Nötige Investitionen in die digitale Infrastruktur müssen durch die Tarife finanziert werden. Drittens weniger Bürokratie: Die Digitalisierung verfehlt ihr Ziel, wenn bestehende Prozesse lediglich digital abgebildet werden. Unnötige Formulare, Register und Doppelspurigkeiten müssen abgeschafft werden, um das Personal wirksam zu entlasten. Was es jetzt braucht Die Spitäler und Kliniken haben den Weg hin zur Spitallandschaft der Zukunft eingeschlagen. Damit die stationäre, ambulante und vernetzte Versorgung ihr Potenzial entfalten kann, braucht es nun politische Entscheidungen, die diese Entwicklung ermöglichen und beschleunigen. Zentral ist dabei der Wandel von Verwaltungsgrenzen hin zu Versorgungsräumen. Die Spitalplanung muss sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren, nicht an Kantonsgrenzen. Und sie muss die Spitäler von Beginn an als Partner einbeziehen. Wer die Versorgung von morgen plant, kann dies nicht über die Köpfe jener hinweg tun, die sie täglich sicherstellen. Um die finanzielle Gesundheit der Spitäler zu sichern, braucht es Tarife, welche die tatsächlichen Kosten decken, die Ambulantisierung fördern und Kooperation belohnen. Nur finanziell gesunde Spitäler können dauerhaft in Personal, Infrastruktur und Digitalisierung investieren.Nicht zuletzt muss die Attraktivität der Berufe im Gesundheitswesen gesteigert werden: praxisnahe Ausbildungen, neue Berufsprofile und Arbeitsbedingungen, die Fachleute im Beruf halten, etwa weil sie mehr Zeit für Patientinnen und Patienten und weniger für unnötige Administration aufwenden. H+ als führende Stimme der Schweizer Spitalbranche begleitet diesen Wandel aktiv und macht die Transformation gemeinsam mit den Mitgliedern sichtbar. Damit dieser Wandel gelingt, braucht es nun Rahmenbedingungen, die ihn ermöglichen, statt ihn auszubremsen. Die Zukunft der Gesundheitsversorgung entsteht nicht am Reissbrett. Sie entsteht dort, wo Menschen jeden Tag Verantwortung für andere Menschen übernehmen.
Lesen Sie mehr. 04 Digital Health & KI 08 Future of Life Sciences 10 Interview: Annette Luther 12 Gastbeitrag: Galenica 14 Medtech und Robotik Fokus Future of Healthcare. Projektleitung Nicole Hardegger CEO Carl-Henrik Hagelberg Creative Director DACH Franziska Bredehorn Text Christian Kolb, Vanessa Bulliard, Julia Butz, Katja Deutsch, SMA Titelbild zVg Distributionskanal Finanz und Wirtschaft Druckerei DZZ Druckzentrum AG
Smart Media Agency. Gerbergasse 5, 8001 Zürich, Schweiz Tel +41 44 258 86 00 info@smartmediaagency.ch redaktion@smartmediaagency.ch fokus.swiss
Viel Spass beim Lesen! Text Anne-Geneviève Bütikofer Direktorin H+
Nicole Hardegger Project Manager
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HDI Global • Brandreport
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»Mit KI und Digitalisierung verändern sich Risikoprofile und werden in vielen Bereichen komplexer« Bild GettyImages
Die Life-Science-Branche befindet sich im Wandel: KI, Digitalisierung und personalisierte Medizin verändern die Haftungs- und Risikolandschaft. Darüber, welche neuen Herausforderungen und Chancen damit einhergehen und was das für Unternehmen bedeutet, spricht die Versicherungsexpertin Katja Stuker.
Katja Stuker Versicherungsexpertin
Katja Stuker, die Life-Science-Branche verändert sich rasant. Welche Entwicklungen beschäftigen Sie als Versicherer derzeit besonders? KI kommt in immer mehr Bereichen zum Einsatz, teilweise ohne dass wir es überhaupt wissen. Unsere Kundinnen und Kunden kommen vermehrt mit Fragen dazu auf uns zu. In einer HDI-Health-Study mit rund 360 Akteur:innen aus der Life-ScienceIndustrie waren KI, Precision Medicine und Digitalisierung zentrale Themen. Für uns verändert sich dadurch vor allem die Risikobetrachtung. Wir haben nicht mehr die eine Kundin oder den einen Kunden und ein klar umrissenes Risiko. Sondern? Die Risikobetrachtung ist viel breiter geworden. Wir müssen beispielsweise wissen, von wem eine Software stammt, auf welche Daten sie sich stützt und welche Leistungen Drittanbieter erbringen. Entscheidend sind zudem die vertraglichen Vereinbarungen: Wer hat was zugesichert, wer haftet wofür und wie ist diese Haftung begrenzt? Diese Fragen sollten bereits bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden. Wird das Risikomanagement etwa durch KI auch unberechenbarer? KI erweitert die Risikobetrachtung um zusätzliche Fragestellungen und mögliche Haftungsszenarien. Bei einem Pharma- oder Medtech-Unternehmen können Personenschäden, Rückrufe oder Klagewellen entstehen. Kommt KI als Komponente hinzu, stellen sich zusätzliche Fragen: Was passiert, wenn ein System eine falsche Entscheidung unterstützt? Und wer trägt dann die Verantwortung? Gleichzeitig bietet KI aber auch Chancen. Wenn sie bereits in der präklinischen Phase eingesetzt wird, können bestimmte Wahrscheinlichkeiten prognostiziert und klinische Versuche gezielter aufgebaut werden. Das kann Kosten sparen und zugleich Risiken reduzieren. Sie haben es angesprochen, beim Einsatz von KI treffen oft verschiedene Akteur:innen aufeinander. Wie lässt sich die Verantwortung im Schadenfall bestimmen? Hier gibt es eine klassisch juristische Antwort: Es kommt darauf an. Und zwar darauf, was vertraglich zugesichert wurde. Bei einem Plattformbetreiber einer KI-Lösung würde ich beispielsweise fragen: Was sichert er zu? Wer trifft am Ende die Entscheidung? In welchem Umfang überprüft die Ärztin oder der Arzt die Empfehlung des Systems? Und was verspricht wiederum der KI-Anbieter?
Was bedeutet das für Unternehmen? Sie müssen die eigene Leistung und die eigenen Haftungsgrenzen möglichst klar definieren. Das gilt auch für Zulieferer. Wenn ein Schaden auf ein fehlerhaftes Zulieferteil zurückgeht, muss der Hersteller einen entsprechenden Rückgriff haben. Solche Punkte gehören ins Risk Management. Sind Startups, die oft keine eigene Rechtsabteilung haben, dabei besonders gefährdet? Grundsätzlich ja, wenn sie nicht die richtigen Fachpersonen beiziehen können. Ein Schaden kann die Stabilität eines Startups unmittelbar gefährden, weil ihm häufig die finanziellen und personellen Reserven fehlen. Ein grosses Unternehmen hat eine andere Ausgangslage. Allerdings sind viele Startups im Hintergrund einer Wertschöpfungskette tätig. Ein Softwareanbieter oder ein Unternehmen aus Pharma, Biotech oder Medtech ist Patientinnen und Patienten oft gar nicht bekannt. Auf dem Produkt steht vielmehr der Zulassungsinhaber, der sogenannte Marketing Authorization Holder. Das kann für junge Unternehmen eine gewisse Absicherung darstellen.
könnte passieren? Welche Schäden könnten entstehen? Welche Kosten wären damit verbunden? Wie muss ich mich absichern? Das betrifft nicht nur das eigene Produkt. Auch Zulieferer und Distributoren müssen in die Betrachtung einbezogen werden. Gerade vertragliche Details können später entscheidend sein. Welche Bedeutung haben Cyberrisiken? Mit der Digitalisierung entstehen neue Schnittstellen. Life-Science-Unternehmen verarbeiten hochsensible persönliche Daten und müssen deshalb prüfen, wie diese Daten abgesichert sind, woher sie stammen und wie vertrauenswürdig sie sind. Bei Plattformen stellt sich zudem die Frage, ob Patientendaten ausreichend anonymisiert wurden. Cyberrisiken sind dabei ein eigener Versicherungsbereich. Entscheidend ist, dass Unternehmen ihr Setup insgesamt betrachten und nicht nur einzelne Risiken isoliert.
Wie hat sich die Arbeit von HDI Global als Versicherer angesichts dieser Dynamik verändert? Unser partnerschaftlicher Ansatz ist nicht neu. Wir arbeiten mit spezialisierten Underwritern, Risk Engineers und Expert:innen in der Schadenabteilung. Entscheidend ist der transparente Dialog. Der Kunde kennt sein Produkt am besten, wir bringen unsere Erfahrung aus Schadenfällen und der Risikobeurteilung ein. Unser Vorgehen hat sich also nicht grundlegend verändert. Die Themen sind aber komplexer geworden.
Sie beobachten die Entwicklung des neuen EU-Produkthaftungsrechts. Was kommt auf Unternehmen zu? Die neue Regelung erweitert die Perspektive unter anderem dadurch, dass auch Daten stärker im haftungsrechtlichen Kontext betrachtet werden können. Es geht damit nicht mehr nur um Personen- oder Sachschäden. Wenn also Daten missbräuchlich verwendet, gelöscht oder anderweitig geschädigt werden, kann das entsprechende Haftungsfragen auslösen. Gleichzeitig wird die Beweislast stärker in Richtung Hersteller verschoben. Auch die Haftung über die Lieferkette gewinnt an Bedeutung. Für Life-Science-Unternehmen bedeutet dies höhere Anforderungen an Dokumentation, Sicherheit und unter anderem eben auch Cybersecurity. Die höheren Anforderungen könnten zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit Haftungs- und Schadenfragen führen. Für die Unternehmen wird die Umsetzung strenger, teurer und zeitaufwendiger.
Wo kann KI konkret zur Risikoreduktion beitragen? Ein Beispiel sind klinische Versuche. Wenn ein Pharma-Produkt für eine Indikation zugelassen ist und sich Hinweise auf einen positiven Effekt bei einer anderen Indikation ergeben, müssen diese Erkenntnisse zunächst klinisch geprüft werden. Erfahrungen etwa mit Dosierungen können helfen, den nächsten Versuch gezielter aufzusetzen. Auch nach der Markteinführung kann KI unterstützen.
Was bedeutet das für die Schweiz als Life-Science-Standort? Die Schweiz steht bei regulatorischen Entwicklungen immer vor der Frage, wie eng sie sich an die EU anschliesst. Im Medtech-Bereich hat man gesehen, welche Folgen unterschiedliche Standards haben können: Schweizer Hersteller mussten nach Anpassungen in der EU zusätzliche Zulassungen durchlaufen. Das kostet Zeit und Geld und kann den Standort schwächen.
Unternehmen müssen im Rahmen der Post-Market Surveillance Reklamationen und Beschwerden beobachten. KI kann bei der Auswertung grosser Datenmengen helfen und Muster erkennen. Dabei geht es nicht nur um Produktfehler, sondern beispielsweise auch um Misuse – also die Verwendung eines Produkts für eine nicht zugelassene Anwendung.
Für Unternehmen wäre es deshalb grundsätzlich hilfreich, wenn sie nicht mit unterschiedlichen Standards arbeiten müssten. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass die neuen europäischen Regeln selbst höhere Anforderungen und mehr Dokumentation mit sich bringen.
Welche Risiken werden derzeit noch häufig unterschätzt? Das Bewusstsein für die neuen Herausforderungen ist bei den Unternehmen grundsätzlich vorhanden, aber es gibt viel Unsicherheit. Deshalb sollte ein Unternehmen früh Expert:innen an die Seite holen und bereits bei der Entwicklung eines neuen Produkts fragen: Was
Und mit Blick auf die USA: Werden die Haftungsrisiken dort zunehmend zum Problem für Schweizer Unternehmen? Ja. Die sogenannten Nuclear Verdicts – aussergewöhnlich hohe Schadenersatzurteile – nehmen in den USA an Bedeutung zu. Hinzu kommen sogenannte Punitive Damages, also Schadenersatzzahlungen mit Straf- und Abschreckungsfunktion, die über
die reine Kompensation des entstandenen Schadens hinausgehen. Für ein Startup oder einen mittelständischen Anbieter, der in die USA expandieren will, muss deshalb das Verhältnis zwischen Geschäft und Risiko stimmen. Wer Waren im Wert von einer halben Million Franken in die USA exportiert, sollte sich genau überlegen, welchem Haftungsrisiko er sich damit aussetzt. Die USA sind in dieser Hinsicht ein ganz anderer Risikomarkt als Europa. Entsprechend sollten Unternehmen genau prüfen, welche Haftungsrisiken mit einem Markteintritt verbunden sind. Weitere Informationen unter: www.hdi.global Über die Expertin Katja Stuker, lic. iur., ist seit Ende 2021 bei HDI Global in Zürich tätig, zunächst als Senior Underwriter Liability. Im April 2026 hat sie die Funktion als Team Lead Underwriting Life Science Liability übernommen. Sie verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in der Industrieversicherung mit Schwerpunkt Haftpflicht und Life Science. Zuvor war sie bei anderen Versicherungsunternehmen in unterschiedlichen Underwriting-Funktionen tätig, unter anderem als Life Science Practice Leader Switzerland. Zusätzlich beriet sie Life‑Science‑Unternehmen im Risk Management mit Fokus auf Produkthaftung.
HDI Global HDI Global deckt als Corporate- & Specialtyversicherer den Bedarf an individuellen Versicherungslösungen von Mittelständlern, grösseren Unternehmen und Konzernen ab. Die Gesellschaft mit Präsenz auf dem deutschen und europäischen Markt hat darüber hinaus Zugang zum eigenen weltweiten HDI Global Network. Über Auslandsniederlassungen, Tochter- und Schwestergesellschaften sowie Netzwerkpartner ermöglicht dieses Netzwerk Aktivitäten in mehr als 200 Ländern und Territorien. Als bevorzugter Partner in Transformation führt HDI Global rund 5400 multinationale Programme und unterstützt international tätige Kunden mit weltweit konformen Versicherungslösungen. In der Schweiz ist HDI Global lokal verankert und verbindet persönliche Nähe, hohe Servicequalität und fundierte Marktkenntnis mit internationaler Versicherungsexpertise.
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Digital Health und KI
Bild iStockphoto/AndreyPopov
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KI im medizinischen Alltag: Wo sie bereits funktioniert und wo die Technologie noch hinkt KI hält zunehmend Einzug ins Gesundheitswesen, von der Diagnostik bis zu administrativen Aufgaben. Doch noch nicht überall ist die Technologie ausgereift.
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rüher war es der Hausarzt, dann kam Dr. Google und heute lassen sich immer mehr Menschen zuallererst von der künstlichen Intelligenz in Sachen Gesundheit und Krankheit beraten. Aber auch wer eine Praxis oder eine Klinik aufsucht, wird in irgendeiner Form mit KI in Berührung kommen, auch wenn vielleicht nur im Hintergrund. KI ist im Gesundheitswesen angekommen und gilt etwa in Sachen Effizienz als grosser Vorteil. Sie soll dabei nicht nur den Patient:innen zu besserer Versorgung verhelfen, sondern auch ökonomisch sein: Laut einer Studie von PwC könnte der Einsatz von KI die Gesundheitskosten in Europa in den kommenden zehn Jahren um einen dreistelligen Milliardenbetrag senken. Das hat viele Gründe: KI ermöglicht es, in Sekundenschnelle Daten zu analysieren, mit bestehenden Informationen abzugleichen und daraus mögliche Behandlungsempfehlungen abzuleiten. In der Diagnose hilft sie, Röntgenbilder systematisch auszuwerten oder bei der Früherkennung Erkrankungen wie Hautkrebs, Brustkrebs oder Augenerkrankungen zu unterstützen. Die KI kann umfassende Datenmengen in einer Geschwindigkeit verarbeiten, die für Menschen nicht erreichbar wäre. Dadurch können Zusammenhänge erkannt werden, die ohne diese technische Unterstützung möglicherweise übersehen würden. Der Mensch bleibt entscheidend KI ist inzwischen in vielen Bereichen des medizinischen Alltags angekommen, wenn auch teilweise nur ergänzend oder noch in der Testphase. Die Schweizerische Gesellschaft für Radiologie (SGR) zum Beispiel beschreibt in einem Positionspapier zur KI: «Es gibt weitreichende
Zukunftsszenarien und mitunter hoch gesteckte Erwartungen in Bezug auf das Gesundheitswesen, sei dies bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten, in der Vor- und Nachsorge von Patientinnen und Patienten oder im Datenmanagement.» Die SGR betont auch, dass KI-unterstützte Anwendungen bislang zur Diagnostik nicht ausgereift genug sind, um im klinischen Alltag der Radiologie mit ausreichender Genauigkeit eingesetzt werden zu können. Derzeit seien die Anwendungen primär Hilfsanwendungen für Einzelaspekte in der Diagnostik, etwa in der Detektion von Lungenknoten. Der Mensch bleibt dabei entscheidend und die erste Instanz: «Durch KI kann in Einzelbereichen eine Qualitätssteigerung möglich sein, wenn radiologische Bilder zusätzlich zu den Radiologen von KI-gestützten Softwarelösungen analysiert werden», schreibt die SGR weiter. Studien zeigen Möglichkeiten auf Auch am Inselspital Bern wird zum Thema KI und Medizin geforscht und jüngst wurden Ergebnisse präsentiert. Dabei haben Forschende der Universitätsklinik für Kardiologie in zwei internationalen Studien gezeigt, dass sich der Krankheitsverlauf bei zwei sehr unterschiedlichen Herzerkrankungen mithilfe künstlicher Intelligenz präziser vorhersagen lässt als mit bisherigen Risikomodellen. Die KI-Modelle verknüpfen dabei zahlreiche klinische Informationen, die im Behandlungsalltag ohnehin erhoben werden, und erkennen daraus Muster, die eine genauere Prognose ermöglichen. «Obwohl sich die beiden Studien mit unterschiedlichen Herzerkrankungen befassen, kommen sie zum gleichen Schluss: KI kann Ärzt:innen dabei unterstützen, Patient:innen je nach persönlichem Risiko gezielter zu betreuen», schreibt das Inselspital Bern auf
seiner Webseite. «Die Modelle liefern nachvollziehbare Vorhersagen und zeigen zugleich, welche Faktoren für die Risikoeinschätzung besonders wichtig sind.» Auch im administrativen Alltag zeigt sich, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht mehr nur Zukunftsmusik ist. Laut der KPMG-Studie «Clarity on Healthcare 2026», die auf einer Analyse der Geschäftsberichte von 50 Schweizer Spitälern sowie Rehabilitations- und Psychiatriekliniken für das Geschäftsjahr 2025 basiert, erwarten rund 63 Prozent der befragten CIOs und CTOs, dass KI den administrativen Aufwand künftig reduziert. Das deckt sich mit dem allgemeinen Befund der Studie: Die wirtschaftliche Lage vieler Schweizer Spitäler hat sich 2025 verbessert, während gleichzeitig der Transformationsdruck durch Digitalisierung, Fachkräftemangel und neue regulatorische Vorgaben hoch bleibt. Beim Datenaustausch hinkt die Schweiz hinterher Doch so weit die Fortschritte bei KI und Automatisierung auch reichen, sie funktioniert noch nicht überall. Etwa beim übergreifenden Datenaustausch zwischen Spitälern, Praxen, Apotheken und Pflegeorganisationen steht die Schweiz noch am Anfang. Das elektronische Patientendossier (EPD), seit Jahren als Schlüsselprojekt der Schweizer Gesundheitsdigitalisierung vorangetrieben, konnte sich bislang nur zögerlich durchsetzen: Nur etwas mehr als 130 000 Dossiers wurden bisher eröffnet, wie das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) bekannt gegeben hat. Das entspricht 1,4 Prozent der Bevölkerung. Die Gründe liegen unter anderem in der komplexen Struktur mit verschiedenen Stammgemeinschaften
und Anbietern, unterschiedlichen IT-Systemen und einem aufwendigen Eröffnungsprozess. Derzeit wird das System grundlegend reformiert. Der Bundesrat gab im November 2025 bekannt, dass er die Digitalisierung im Gesundheitswesen mit einem neuen Gesetzesentwurf zum elektronischen Gesundheitsdossier E-GD neu ausrichten wolle. Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz soll dabei automatisch und kostenlos ein E-GD erhalten. Die Nutzung soll aber freiwillig bleiben und es kann der Eröffnung widersprochen werden. Die Vorlage wird derzeit vom Parlament beraten, das neue System ist noch nicht in Kraft. Der sichere Datenaustausch fehlt Doch laut der Denkfabrik Avenir Suisse ist nicht das EPD das eigentliche Problem, sondern der fehlende Datenaustausch zwischen den Leistungserbringern. «Die Defizite im elektronischen Austausch zeigen, dass nicht das fehlende elektronische Dossier der Digitalisierung im Weg steht, sondern die Fähigkeit der Informationssysteme, Gesundheitsdaten sicher auszutauschen», schreibt die Avenir Suisse in einer Analyse Anfang September. KI im Gesundheitswesen ist auf dem Vormarsch. In der Diagnostik und bei administrativen Anwendungen kommt die Digitalisierung bereits spürbar voran. Ausgereift ist die Technologie aber noch nicht überall. Gerade beim koordinierten Austausch von Gesundheitsdaten über Institutionsgrenzen hinweg besteht weiterhin Nachholbedarf. Text SMA
Brandreport • MPAssist AG
Eine KI für die Arztpraxis der Zukunft In den letzten Jahren sind im Gesundheitssystem sowohl die Kosten als auch die Belastung für die Mitarbeitenden gestiegen. Parallel sind die administrativen Anforderungen gestiegen, sodass Ärztinnen, Ärzte sowie medizinische Praxisassistentinnen und -assistenten immer weniger Zeit für den Patientenkontakt haben. Personal zur Verfügung steht. Deshalb müssen wir bestehende Ressourcen besser einsetzen und Arbeitsabläufe gezielt vereinfachen.
Michelle Plüss CEO und Gründerin der MPAssist AG
K
I-Tools können zum Beispiel bei der zeitaufwendigen Transkription oder der Zusammenfassung von umfangreichen Patientenakten entlasten. Im Interview berichtet Michelle Plüss, CEO & Founder der MPAssist AG, was heute schon möglich ist. Vor welchen Herausforderungen steht das Gesundheitswesen aktuell? Der Fachkräftemangel ist eine der grössten Herausforderungen. Gleichzeitig steigen die administrativen Anforderungen und damit der Druck auf Ärztinnen, Ärzte und Praxisteams. Hochqualifizierte Fachpersonen verbringen zu viel Zeit mit Dokumentation statt mit Patientinnen und Patienten. Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass künftig genügend zusätzliches
Wie kann KI das Gesundheitswesen besser machen? Künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsmusik mehr. Sie ist da, sie bleibt und sie wird den medizinischen Alltag nachhaltig verändern. Bei MPAssist erleben wir diesen Wandel bereits heute: Unsere Tools werden im medizinischen Alltag eingesetzt. Sie unterstützen Fachpersonen insbesondere bei zeitaufwendiger Dokumentation. Entscheidend ist nicht, möglichst viel KI einzusetzen, sondern dort zu entlasten, wo sie tatsächlich einen Nutzen bringt. Die medizinische Verantwortung bleibt beim Menschen. Was bedeutet das im Alltag für die Patientinnen und Patienten? Im besten Fall bedeutet es vor allem eines: mehr Aufmerksamkeit. Wenn Ärztinnen und Ärzte weniger Zeit für das Festhalten und Aufbereiten von Informationen benötigen, bleibt mehr Raum für das Gespräch, für Fragen und für eine persönliche Betreuung. Patientinnen und Patienten sollen nicht das Gefühl haben, mit einer Maschine zu sprechen. Im Gegenteil: Gute Technologie arbeitet im Hintergrund und ermöglicht mehr menschlichen Kontakt.
Was bedeutet es für die Arztpraxis bzw. die Klinik? Für unsere Kunden ist KI kein theoretisches Versprechen, sondern ein Werkzeug, das bereits genutzt wird. MPAssist unterstützt bei der medizinischen Dokumentation und hilft, administrative Abläufe zu vereinfachen. Das ist gerade angesichts knapper personeller Ressourcen relevant. Wir verstehen uns nicht als Ersatz für Fachpersonen, sondern als Unterstützung im Arbeitsalltag. Wichtig sind dabei einfache Bedienbarkeit, ein verantwortungsvoller Umgang mit sensiblen Daten und die Kontrolle der Ergebnisse durch medizinische Fachpersonen. Wie funktioniert der Einstieg in Ihr Tool MPAssist? Unser Anspruch ist, dass der Einstieg möglichst unkompliziert ist. Eine KI-Lösung bringt nur dann etwas, wenn sie im hektischen Praxisalltag tatsächlich genutzt wird. Deshalb steht bei MPAssist die konkrete Anwendung im Vordergrund: Teams sollen rasch erkennen können, bei welchen Dokumentationsaufgaben sie entlastet werden. Wir setzen auf praxisnahe Lösungen statt auf zusätzliche Komplexität. Welche Funktionen sinnvoll sind, hängt von den Abläufen und Bedürfnissen der jeweiligen Einrichtung ab.
Was ist Ihre Vision für das Gesundheitssystem der Zukunft? Ich wünsche mir ein Gesundheitswesen, in dem medizinische Fachpersonen ihre Zeit wieder stärker für Menschen einsetzen können. KI wird dabei so selbstverständlich werden wie andere digitale Arbeitsmittel. Die Frage ist längst nicht mehr, ob sie kommt, sondern wie wir sie sinnvoll und verantwortungsvoll gestalten. Mit MPAssist sind wir Teil dieser Entwicklung – nicht erst irgendwann, sondern bereits heute. Unsere Vision ist keine Praxis ohne Menschen, sondern eine Praxis, in der Technologie den Menschen den Rücken freihält. Weitere Informationen unter www.mpassist.ai
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Bild Unsplash+/Vitaly Gariev
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Inselgruppe Bern • Brandreport
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»Aus den Daten vieler wird passgenaue Medizin für Einzelne« Prof. Dr. med. Martin Fiedler ist ärztlicher Direktor der Inselgruppe Bern und spricht im Interview über KI, Robotik, die Frage, wie sich Medizin durch Daten verändern wird und welche Rolle sie für den Erhalt unserer Gesundheit spielen können.
Prof. Dr. med. Martin Fiedler Ärztlicher Direktor der Inselgruppe Bern
Herr Fiedler, wagen Sie einen Blick in die Zukunft. Wie stark wird sich die Medizin, wie wir sie kennen, verändern? Es gibt drei grosse Bereiche, in denen sich die Medizin derzeit rasant verändert. Erstens werden wir Krankheiten früher erkennen und präziser behandeln können. Seit der Veröffentlichung des menschlichen Genoms 2001 hat sich die molekulare Diagnostik enorm entwickelt. Bei immer mehr Erkrankungen verstehen wir heute die zugrunde liegenden Mechanismen. Dieses Wissen hilft uns, Behandlungen gezielter durchzuführen und besser auf einzelne Patient:innen abzustimmen. Darin liegt das Potenzial der Präzisionsmedizin. Ein zweiter Bereich ist die Robotik. In unserem Labor übernimmt ein neuer Roboter wiederkehrende Arbeitsschritte. Das schafft für unsere Mitarbeitenden Raum für komplexe Analysen und die medizinische Beurteilung. Auch im OP unterstützt Robotik zunehmend präzise, minimalinvasive Eingriffe. Und der dritte Bereich? Die dritte Veränderung treibt der demografische Wandel. Immer mehr Menschen leben lange mit mehreren Erkrankungen zugleich. Deshalb müssen wir den Blick von der reinen Reparaturmedizin stärker auf die Erhaltung von Gesundheit richten. Gesundheit entsteht aus dem Zusammenspiel biologischer Systeme. Gesundheitsdaten, auch Verlaufsdaten aus Wearables, helfen uns zukünftig, dieses Zusammenspiel und individuelle Entwicklungen besser zu verstehen. Dafür müssen wir die heutigen Datensilos überwinden und relevante Informationen sicher miteinander verknüpfen. Dies hilft auch, Behandlungen besser zu koordinieren und eine integrierte Versorgung zu realisieren, die näher am Alltag der Menschen erfolgt, etwa durch Telemedizin. Was läuft heute noch nicht optimal? Wir betreiben im Grunde Reparaturmedizin. Wir handeln, wenn jemand krank ist, und betrachten die Erkrankung oft aus der Perspektive eines einzelnen Organs. Entsprechend ist die Medizin nach Fachgebieten organisiert: Pneumologie, Kardiologie und so weiter. Künftig werden wir stärker auf grundlegende Krankheitsmechanismen schauen, die Erkrankungen verschiedener Organe zugrunde liegen können, etwa Entzündungsprozesse. Dieser systembiologische Ansatz eröffnet einen umfassenderen Blick auf den Menschen. Dafür müssen grosse Datenmengen gesammelt werden. Genau. Wir müssen früher erkennen, wann Gesundheit
in Krankheit übergeht. Die Frage lautet dann nicht nur: Was macht diesen Menschen krank? Sondern auch: Was hält ihn gesund? Wenn wir individuelle Verläufe besser verstehen, können wir früher und gezielter eingreifen und Gesundheit länger erhalten. Dafür brauchen wir grosse und komplexe Datenmengen. Künstliche Intelligenz kann helfen, darin Zusammenhänge zu erkennen, die wir sonst kaum erfassen können. Schlussendlich ermöglichen die Daten vieler die passgenaue Medizin für Einzelne. Wo liegen heute die grössten Schwierigkeiten beim Austausch medizinischer Daten? Zunächst sind medizinische Informationen oft unstrukturiert und werden unterschiedlich bezeichnet. Nehmen wir eine gesicherte Lungenkrebsdiagnose: In einem Bericht steht »Lungenkarzinom«, in einem anderen »Bronchialkarzinom«. Für uns ist klar, was gemeint ist. Für die Verarbeitung von Daten kann diese unterschiedliche Terminologie aber ein Problem sein. Wir müssen uns deshalb auf eine gemeinsame, standardisierte Sprache einigen. Das zweite Problem ist die Organisation: Das Gesundheitswesen besteht aus vielen Silos. Auch Spitäler sind heute oft in zahlreiche Bereiche mit unterschiedlichen Systemen und Arbeitsweisen gegliedert. Dazu kommen zum Beispiel Hausarztpraxen, Apotheken und Rehabilitationsspitäler. Wie kann der Datenaustausch zwischen allen Akteuren gelingen? Wir brauchen gemeinsame Standards und eine Infrastruktur mit verlässlichen, standardisierten Schnittstellen, über die Gesundheitsdaten sicher ausgetauscht werden können. Relevante Informationen aus der Hausarztpraxis sollten im Spital verfügbar sein und umgekehrt. Im Idealfall stehen den an der Behandlung Beteiligten genau die Informationen zur Verfügung, die sie für eine gut abgestimmte und sichere Versorgung benötigen. Das elektronische Patientendossier hat genau das versucht. Warum reicht es nicht? Das elektronische Patientendossier ist ein wichtiger erster Schritt. Ein elektronisch abgelegter Befundbericht ist aber noch kein Datensatz, den andere Systeme direkt auswerten können. Für eine datenbasierte Medizin müssen relevante Informationen möglichst schon strukturiert erfasst und sicher ausgetauscht werden. Universitätsspitäler arbeiten bereits daran, sich besser zu vernetzen. Entscheidend wird sein, dass das gesamte Gesundheitssystem zusammenarbeitet. Wo sehen Sie KI schon heute konkret im klinischen Alltag? KI kann Informationen zusammenführen, medizinische Entscheidungen unterstützen und Prozesse steuern. Ein Beispiel ist die KI-basierte Risikoprognose bei Herzerkrankungen (siehe Infokasten). Wir testen derzeit auch »Ambient Listening«, eine KI-gestützte Gesprächsdokumentation. Mit Einverständnis der Beteiligten wird das Gespräch aufgezeichnet. Die KI erstellt daraus einen strukturierten Entwurf für die Dokumentation. So kann sich die Ärztin oder der Arzt
auf das Gespräch konzentrieren und wichtige Informationen können zuverlässiger festgehalten werden. Was könnte dank KI im Alltag von Ärzt:innen wegfallen? Zum Beispiel ein Teil der Dokumentationsarbeit. Komplexe Informationen, die im Verlauf einer Behandlung entstehen, könnten zu prägnanten, medizinisch relevanten Zusammenfassungen verdichtet werden. KI kann auch helfen, Abläufe besser zu verstehen. Wenn man etwa betrachtet, wie ein OP über ein Jahr genutzt wird, lassen sich saisonale Schwankungen und andere Muster erkennen. Daraus könnte man die Planung eines Spitals verbessern. Meine grosse Hoffnung ist, dass KI uns von einem grossen Teil der administrativen Arbeit entlastet. Wenn das gelingt, bleibt mehr Zeit für das, was eigentlich unsere Aufgabe ist: Patient:innen durch eine zunehmend komplexe Medizin zu begleiten und sie persönlich zu beraten. Wie gross ist die Bereitschaft der Patient:innen für digitale Anwendungen? Ich bin überzeugt, dass sie gut angenommen werden, wenn die Menschen einen konkreten Nutzen sehen. Wir erleben das bei unserem Patientenportal. Patient:innen können über eine App ihre Termine organisieren und ihre Befunde einsehen. Inzwischen nutzen rund 90 000 Menschen dieses Angebot. Auch bei unserem Pilotprojekt mit »Ambient Listening« sehen wir eine hohe Akzeptanz. Mehr als 80 Prozent der angesprochenen Patient:innen stimmen der Nutzung zu. Wenn sie erleben, dass sich ihre Ärztin oder ihr Arzt auf das Gespräch konzentrieren kann und die wichtigen Inhalte sorgfältig dokumentiert werden, stärkt dies das Vertrauen in die Technologie. Der Datenschutz bleibt aber dennoch ein entscheidender Faktor? Natürlich, Datenschutz ist unverzichtbar. Die Abwägung kann sich aber verändern, wenn jemand mit einer schweren, seltenen Erkrankung im Spital liegt. Stellen Sie sich vor, wir könnten mit dem Einverständnis der betroffenen Person weltweit nach vergleichbaren Fällen suchen und dadurch Hinweise für eine geeignete Behandlung erhalten. Damit Menschen ihre Daten für einen solchen Zweck teilen, brauchen sie Vertrauen und müssen selbst mitentscheiden können. Digitalisierung ist auch ein kultureller Wandel. Was bedeutet das? Wir sprechen oft über Digitalisierung, als wäre sie vor allem eine technische Frage. Sie ist mehr als das. Entscheidend ist auch unsere Haltung gegenüber diesem Wandel. Spitäler dürfen nicht bei der Technologie stehen bleiben. Statt in fachlichen Silos zu denken, sollten wir die Digitalisierung nutzen, um die Versorgung auch über die Spitalgrenzen hinaus aus Sicht der Patient:innen zu gestalten und so ihre Qualität zu verbessern. Sie haben die Forschung zu KI und Herzerkrankungen angesprochen. Was verändert sich durch solche Arbeiten? Heute richten wir die Behandlung vor allem nach den
Beschwerden und dem aktuellen Befund aus. Wenn wir mithilfe von Daten auch besser abschätzen können, wie sich eine bestehende Erkrankung entwickeln wird, erweitert das unsere Möglichkeiten. Bei Menschen mit derselben Herzerkrankung kann das Risiko für Komplikationen sehr unterschiedlich sein. Der Blick in die Zukunft kann so die Behandlung im Hier und Jetzt verändern. Bei einer Person könnten engmaschigere Kontrollen und eine intensivere Betreuung sinnvoll sein. Einer anderen könnten unnötige Untersuchungen erspart bleiben, wenn ihr Risiko gering ist. Werden gesunde Menschen künftig stärker präventiv untersucht werden? Davon bin ich überzeugt. Die Medizin durchläuft einen fundamentalen Wandel – weg von der reaktiven Behandlung hin zu einer vermehrt präventiven, datenbasierten und personalisierten Medizin. Ein praxisnahes Beispiel sind Wearables zur Erfassung des Blutdruckverlaufes über 24 Stunden. Ein längerfristiges persönliches Profil könnte helfen, Veränderungen früh zu erkennen und medizinisch einzuordnen. Genau diesen Übergang vom Gesunden ins Krankhafte wollen wir besser verstehen, um rechtzeitig und gezielt handeln zu können. Wenn uns das gelingt, können wir Menschen länger gesund halten und auch das Gesundheitssystem entlasten.
KI sagt Verlauf von Herzerkrankungen genauer voraus Zwei internationale Studien unter Leitung des Inselspitals und der Universität Bern zeigen, dass KI den Verlauf bestimmter Herzerkrankungen genauer vorhersagen kann als bisherige Risikomodelle. In der ersten Studie wurden knapp 3000 Patient:innen nach einem TAVI-Eingriff untersucht; das KI-Modell verbesserte die Prognosegenauigkeit um rund 10 bis 15 Prozent. Die zweite Studie betraf 850 Menschen mit Herzamyloidose. Hier lag die Verbesserung je nach Vergleichsmodell bei mehreren Prozent bis knapp 20 Prozent. Die Modelle könnten künftig helfen, Nachsorge und Behandlung stärker am individuellen Risiko auszurichten. Sie müssen dafür noch im klinischen Alltag weiter geprüft werden.
Weitere Informationen unter: inselgruppe.ch/de/
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Brandreport • mylife Diabetes Care AG
Bild Unsplash / Diana Light
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Freiheit trotz Diabetes genießen
Innovation stand bei der heutigen mylife Diabetes Care AG schon immer im Mittelpunkt. Gegründet wurde das Unternehmen mit der Vision, die kleinste Insulinpumpe der Welt zu entwickeln. Später setzte die Einführung einer der weltweit ersten mikroprozessorgesteuerten Insulinpumpen neue Maßstäbe in Präzision und Zuverlässigkeit. Heute fokussiert man sich auf die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb hochwertiger Medizintechnikprodukte im Bereich Insulinpumpentherapie und digitaler Diabeteslösungen wie einem smartphonebasierten, adaptiven AID-System. Im Interview erklärt Sébastien Delarive, Chief Executive Officer bei der mylife Diabetes Care AG, worauf es ankommt, um das Leben von Menschen mit Diabetes zu verbessern.
Sébastian Delarive CEO von mylife Diabetes Care AG
Was bedeutet die Diagnose Diabetes im Alltag? Diabetes macht keine Pause. Das kann bedeuten, vor einem Meeting den Blutzucker zu messen, ein Essen mit Freunden zu planen, am Esstisch Insulin zu spritzen oder nachts aufzuwachen, um auf einen Alarm zu reagieren. Hinter alltäglichen Aktivitäten stehen Entscheidungen und Sorgen, die andere oft gar nicht wahrnehmen. Familien und nahestehende Menschen tragen diese Belastung häufig mit. Außerdem erhöht Diabetes langfristig das Risiko für Folgeerkrankungen wie Retinopathie, Amputationen sowie Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie kann modernste Technik den Alltag von Menschen mit Diabetes erleichtern? Moderne Systeme können wiederkehrende Aufgaben vereinfachen und zusätzliche Unterstützung geben. Ein automatisiertes Insulinabgabesystem (AID) umfasst eine Insulinpumpe, ein kontinuierliches Glukosemesssystem (CGM) und einen Algorithmus. Die Insulinabgabe wird basierend auf den Glukosewerten laufend angepasst. So muss die Person nicht jede Anpassung selbst vornehmen. Dies verbessert zudem die glykämische Kontrolle und trägt dadurch dazu bei, langfristige diabetesbedingte Folgeerkrankungen zu verringern. Welche Lösungen bietet Ihr Unternehmen aktuell? Im Zentrum steht myLoop, das automatisierte Insulinabgabesystem bestehend aus der YpsoPump, der CamAPS FX App und einem kompatiblen CGM-Sensor. myLoop übernimmt einen Teil der fehlenden Funktionen der Bauchspeicheldrüse. Das System verändert das Leben von Menschen mit Diabetes: Es ermöglicht ihnen eine bessere Lebensqualität und zugleich eine bessere Kontrolle ihrer Erkrankung. Unsere Mission ist es, das Leben von Menschen mit Diabetes weiter zu verbessern. Wie können Digitalisierung und KI das Leben mit Diabetes erleichtern? Digital vernetzte Systeme verbinden Glukosesensoren, Insulinpumpen und Apps. Sie helfen Menschen mit Diabetes, ihren Alltag mit weniger Aufwand
Für uns zeigt sich der Wert jeder Technologie daran, welchen konkreten Unterschied sie im Leben der Menschen macht. zu bewältigen. In unserem myLoop-System nutzt beispielsweise der adaptive Algorithmus in der CamAPS FX App die Glukosewerte, um die Insulinabgabe automatisch anzupassen. Vernetzte Technologien erleichtern außerdem den Austausch von Informationen mit dem Behandlungsteam und Gespräche über die Therapie. KI eröffnet weitere Möglichkeiten, die Versorgung individueller zu gestalten und die tägliche Belastung durch Diabetes zu verringern. Für uns zeigt sich der Wert jeder Technologie daran, welchen konkreten Unterschied sie im Leben der Menschen macht. Sie muss sicher sein, sorgfältig geprüft und verantwortungsvoll entwickelt werden. Wir arbeiten auch an einer kleineren Insulinpumpe, die sich noch komfortabler tragen und bedienen lässt. Bei allem, was wir entwickeln, verfolgen wir dieselbe Ambition: Wir meistern Komplexität, um Menschen mit Diabetes den Alltag einfacher zu machen. Wie ist Ihr Unternehmen im Markt positioniert? Wir sind stolz darauf, der einzige globale Marktführer für innovative Insulinabgabesysteme mit Sitz in der Schweiz zu sein. Unsere Wurzeln liegen in Burgdorf,
und wir sind mit eigenen Teams in mehr als 20 Ländern vertreten. Wir haben uns rasch eine führende Position erarbeitet, indem wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: ein herausragendes Alltagserlebnis für Menschen mit Diabetes und eine engagierte Unterstützung für medizinisches Fachpersonal. Da unsere wichtigsten Wettbewerber alle in den USA ansässig sind, bieten wir zudem eine starke Schweizer und europäische Alternative. Damit bringen wir mehr Wahlfreiheit, Unabhängigkeit und Souveränität in die Diabetesversorgung. Was für ein Unternehmen ist mylife Diabetes Care? Wir sind ein internationales Unternehmen mit starken Wurzeln in der Schweiz. Derzeit unterstützen wir 120 000 Menschen mit Diabetes in mehr als 20 Ländern weltweit. Jedes Jahr entscheiden sich über 30 000 weitere Menschen für unsere Systeme. Unsere Teams vereinen 47 Nationalitäten. Englisch ist unsere gemeinsame Arbeitssprache. Frauen stellen 55 Prozent unserer Belegschaft und die Hälfte der Mitglieder unserer Geschäftsleitung. Diese Vielfalt bringt unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Ideen zusammen und hilft uns, die Menschen, für die wir arbeiten, besser zu verstehen.
Wenn wir das Leben von Menschen mit Diabetes spürbar verbessern, stellt sich Wachstum ganz natürlich ein.
Wir legen Wert darauf, agil zu bleiben und innovative Ideen in konkrete Verbesserungen umzusetzen, die den Alltag mit Diabetes erleichtern. Wir sind überzeugt, dass der Erfolg unseres Unternehmens auf diesem Fokus beruht: Wenn wir das Leben von Menschen mit Diabetes spürbar verbessern, stellt sich Wachstum ganz natürlich ein. Disclaimer mylife, myLoop und YpsoPump sind eingetragene Marken der mylife Diabetes Care AG oder ihrer Tochtergesellschaften. // CamAPS ist eine eingetragene Marke von CamDiab Ltd. // Andere Handelsmarken sind Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber. // CamDiab Ltd. ist der rechtliche Hersteller von CamAPS. CamAPS wird mit der YpsoPump verwendet, deren rechtlicher Hersteller die mylife Diabetes Care AG ist.
Über mylife Diabetes Care mylife Diabetes Care ist ein weltweit tätiges Diabetesunternehmen mit Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen setzt sich dafür ein, das Leben von Menschen mit Diabetes zu verbessern und ihnen durch eine bessere Kontrolle mehr Freiheit zu ermöglichen. Der Schwerpunkt liegt auf modernen Lösungen zur automatisierten Insulinabgabe (AID), die für Menschen mit Diabetes entwickelt werden. Möglich wird dies durch die enge Zusammenarbeit mit medizinischem Fachpersonal und Kostenträgern weltweit.
Weitere Informationen unter: mylife-diabetescare.com
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Computer Vision AG • Brandreport
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Mehr Zeit für Diagnostik: Wie KI die Radiologie entlastet
Die Zahl der MRT-Untersuchungen in der Schweiz steigt, während es an Radiologinnen und Radiologen mangelt. Die Folge: Immer mehr Untersuchungen müssen von immer weniger Fachkräften beurteilt werden. Dabei bindet die wiederkehrende Routinearbeit wertvolle Zeit, die für komplexe Fälle und die Betreuung der Patientinnen und Patienten fehlt. Im Interview erklärt René Balzano, Gründer und CEO der Computer Vision AG, wie die neue KISoftware Emeralgo Radiologinnen und Radiologen im Arbeitsalltag entlasten und einen konkreten Mehrwert für die Radiologie schaffen kann.
René Balzano Gründer und CEO der Computer Vision AG
Herr Balzano, inwiefern kann die KI-Software Emeralgo der Computer Vision AG die Radiologie unterstützen? Emeralgo läuft im Hintergrund der bestehenden Radiologiesoftware und übernimmt die repetitive Messarbeit bei MRT-Untersuchungen des Bewegungsapparats. Damit liegt beim Öffnen eines Falls bereits ein strukturierter Bericht vor. So müssen Radiologinnen und Radiologen nicht mehr von Grund auf befunden, sondern prüfen und ergänzen lediglich die vorbereiteten Resultate. Das spart Zeit. Wie stellen Sie sicher, dass die KI die Qualität der Diagnostik wirklich verbessert? Behalten die Radiologinnen und Radiologen die Kontrolle – oder geben sie diese zunehmend ab? Unsere KI wurde im vergangenen Jahr von der US-amerikanischen FDA zugelassen. In mehreren wissenschaftlichen Studien wurde ihre Leistungsfähigkeit mit der von erfahrenen Radiologinnen und Radiologen verglichen. Hochwertige KI-Trainingsdaten
Wir möchten die Radiologie gezielt entlasten, nicht Verantwortung abnehmen. und die enge Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Fachärztinnen und Fachärzten aus der Schweiz und den USA sichern die Qualität unserer Software. Wir möchten die Radiologie gezielt entlasten, nicht Verantwortung abnehmen. Während die Ärztinnen und Ärzte die Krankengeschichte und den individuellen Kontext ihrer Patientinnen und Patienten berücksichtigen, übernimmt unsere KI standardisierte Messungen schnell und präzise. So bleibt mehr Zeit für komplexe Fälle und die klinische Beurteilung. Wie lässt sich der Erfolg durch den Einsatz Ihrer Software messen? Den Erfolg messen wir konkret an der eingesparten Zeit. In wissenschaftlichen Studien erfassen wir, wie lange Radiologinnen und Radiologen für die Befundung mit und ohne KI benötigen. Für das Interpretieren eines MRT-Scans der Lendenwirbelsäule eines
Patienten rechnen Radiologinnen und Radiologen mit einem Aufwand von 15 bis 20 Minuten. Mit Emeralgo im Hintergrund liegt bereits ein vorformulierter Bericht vor, den sie nicht mehr diktieren, sondern nur noch prüfen, bestätigen oder anpassen. Es geht darum, die richtigen Informationen zu liefern, damit die Radiologinnen und Radiologen nicht mehr selbst formulieren, sondern nur noch kontrollieren müssen.
wird unser Unternehmen derzeit nach dem branchenüblichen ISO-13485-Standard zertifiziert. Unser Ziel ist ein One-Stop Shop für die Radiologie. Wir müssen für die weiteren Module nichts mehr von Grund auf neu entwickeln, da die bestehende KI von Emeralgo die wichtigsten Grundkenntnisse bereits erlernt hat. Damit können wir unser Produkt effektiv auf weitere Anatomien und Krankheitsbilder ausweiten. Dieses Potenzial sehen wir auch über den Bewegungsapparat hinaus. Und ja, wir arbeiten bereits an Prototypen für die Neurologie und die Kardiologie. In beiden Gebieten kann Emeralgo ebenfalls wertvolle Unterstützung für Radiologinnen und Radiologen leisten. Weitere Informationen unter: emeralgo.com
Emeralgo wurde in Studien an Schweizer Universitäten untersucht. Es verfügt für das Modul Lendenwirbelsäule über die US-FDA510(k)-Clearance. Im kommenden Jahr sollen Module für Knie, Schulter und Hüfte folgen. Was ist dazu noch alles erforderlich? Und könnte man Ihre Technologie auch auf Neuro- und Kardiologie ausweiten? Jedes Modul durchläuft die klinische Validierung und Marktzulassung für die USA und Europa. Zusätzlich
Numab Therapeutics • Brandreport
Gleich mehrere Ziele im Visier: Multispezifische Antikörper eröffnen neue Therapieoptionen.
Antikörper zählen heute zu den wichtigsten biologischen Arzneimitteln. Sie erkennen eine bestimmte Zielstruktur im Körper, sei es ein Zelloberflächenprotein oder ein Entzündungsbotenstoff, und binden daran. Bei komplexen Erkrankungen wie chronisch-entzündlichen und Autoimmunerkrankungen sind jedoch häufig mehrere biologische Vorgänge gleichzeitig beteiligt. Ein Wirkstoff, der nur einen davon kontrolliert, kann die Erkrankung deshalb nicht immer ausreichend behandeln. Zudem sprechen nicht alle Patienten auf die verfügbaren Antikörpertherapien an, auch wenn diese bereits grosse Fortschritte ermöglicht haben. zunehmend für die Identifizierung und Optimierung geeigneter Wirkstoffkandidaten einzusetzen.
Barbara Angehrn CEO von Numab Therapeutics
Stefan Warmuth CTO von Numab Therapeutics
M
ultispezifische Antikörper eröffnen neue Möglichkeiten: Sie können so konstruiert werden, dass ein einziges Molekül mehrere biologische Zielstrukturen erkennt und bindet. Dadurch lassen sich potenziell mehrere krankheitsrelevante Mechanismen gleichzeitig adressieren. Ob daraus gegenüber Antikörpern, die nur eine Zielstruktur erkennen, ein therapeutischer Vorteil entsteht, muss jedoch für jeden Wirkstoffkandidaten geprüft werden. Gerade diese Möglichkeit macht multispezifische Antikörper für die Forschung besonders interessant. Die Herausforderung besteht darin, ihre verschiedenen Aktivitäten so aufeinander abzustimmen, dass nicht nur ein wissenschaftlich interessantes Molekül, sondern ein gut entwickelbares Medikament entsteht. «Es geht darum, komplexe biologische Zusammenhänge in präzise und entwicklungsfähige Arzneimittel zu
Es geht darum, komplexe biologische Zusammenhänge in präzise und entwicklungsfähige Arzneimittel zu übersetzen. übersetzen», sagt Barbara Angehrn, CEO bei Numab Therapeutics. Das Schweizer Biotechnologieunternehmen ist auf multispezifische Antikörpertherapeutika spezialisiert und arbeitet an einer der zentralen Herausforderungen der modernen Medizin: der gezielten Behandlung komplexer Erkrankungen, bei denen mehrere biologische Mechanismen gleichzeitig eine Rolle spielen. Grundlage dafür sind eine proprietäre Forschungs- und Entwicklungsplattform für fortschrittliche Antikörpertechnologien sowie computergestützte Methoden. Ergänzend arbeitet Numab in verschiedenen Partnerschaften mit internationalen Pharmaunternehmen zusammen. Neue Perspektiven bei chronisch-entzündlichen und autoimmunvermittelten Erkrankungen. Numabs Entwicklungsplattform ermöglicht es, unterschiedliche Antikörperbausteine zu stabilisieren und flexibel miteinander zu kombinieren. NM81 beispielsweise ist ein trispezifischer Antikörperkandidat für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Er kombiniert drei Wirkmechanismen, die jeweils bereits klinisch validiert sind, um eine höhere therapeutische Wirksamkeit zu erzielen, als durch die Blockade einzelner Mechanismen. Ein weiteres Programm im Bereich Immunologie ist ND060. Es richtet sich gegen B-Zellen, die an mehreren Autoimmunerkrankungen beteiligt sein können. Ziel ist es, die Erkrankungen langfristig
wirksam zu behandeln und dabei möglichst wenige Nebenwirkungen zu verursachen. Beide Wirkstoffkandidaten befinden sich derzeit in der Entwicklung. Für ein bestimmtes Ziel im Körper gibt es zahlreiche mögliche Antikörperkandidaten. Numab nutzt Screening-Verfahren, um geeignete Kandidaten zu entdecken. Die Forschenden untersuchen, wie gut ein Antikörper sein Ziel erkennt, wie stark er daran bindet und welche biologische Wirkung er auslöst. Ein Antikörper muss aber mehr können als wirken: Er sollte bei der Lagerung stabil bleiben, lange im Körper wirksam sein und sich zuverlässig herstellen lassen. Zudem sollte er Eigenschaften mitbringen, die eine einfache Verabreichung ermöglichen – etwa mit einem Autoinjektor. Numabs Technologie ermöglicht es, bei der Suche nach geeigneten Antikörpern mehr als zehn Millionen Kandidaten pro Zielstruktur zu berücksichtigen. Mithilfe von Hochdurchsatzanalyseverfahren und computergestützten Analysen werden daraus diejenigen ausgewählt, die sich aufgrund ihrer biologischen und pharmazeutischen Eigenschaften besonders für die weitere Arzneimittelentwicklung eignen. Durch die Integration von Screening, experimenteller Charakterisierung und computergestützter Analyse schafft Numab zudem eine qualitativ hochwertige Datengrundlage und damit die Voraussetzungen, um KI
Wie Daten und KI die Wirkstoffentwicklung voranbringen können. Wenn KI-Systeme aus grossen Mengen experimenteller Ergebnisse lernen und Muster sowie Zusammenhänge erkennen, können vielversprechende Antikörper schneller identifiziert werden. So liesse sich die Zahl der Kandidaten eingrenzen, die anschliessend aufwendig im Labor charakterisiert werden müssen. Numab kann dabei auf seine etablierte Forschungs- und Entwicklungsplattform sowie auf eine Fülle experimenteller Daten zurückgreifen, die über mehrere Jahre hinweg erhoben wurden. «KI allein führt nicht zu besseren Medikamenten. Ihr wahres Potenzial entfaltet sie erst im Zusammenspiel mit hochwertigen experimentellen Daten und einer leistungsfähigen Entwicklungsplattform», sagt Numabs CTO Stefan Warmuth. Barbara Angehrn ergänzt: «Diese technologischen Innovationen sind für uns wichtig. Sie helfen uns, konsequent potenziell wirksamere Arzneimittel zu entwickeln und neue Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit schweren chronisch-entzündlichen und autoimmunvermittelten Erkrankungen zu schaffen, für die weiterhin ein hoher medizinischer Bedarf besteht.» Weitere Informationen unter: numab.com
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Future of Life Sciences
Von der Forschung in die Praxis: Wie Gesundheitsinnovationen erfolgreich werden Innovative Ideen bringen die Gesundheitsversorgung voran. Doch von der Idee bis zum marktreifen Produkt ist der Weg lang und herausfordernd. Förderprogramme können einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg leisten.
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ine gute Idee ist entscheidend, doch sie allein verändert noch kein Gesundheitssystem. Zwischen einer wissenschaftlichen Erkenntnis, einem funktionierenden Prototyp und einer Innovation, die tatsächlich bei Patient:innen ankommt, liegen zahlreiche Hürden. Gerade im Gesundheitswesen ist der Weg von der Forschung in die Versorgung lang: Technologien müssen klinisch validiert werden, regulatorische Anforderungen erfüllen und sich in bestehende Abläufe integrieren lassen. Gleichzeitig brauchen junge Unternehmen Zugang zu Kapital, Fachwissen und den richtigen Partnern. Die Schweiz bringt für diesen Prozess gute Voraussetzungen mit. Von der ETH Zürich und der EPFL bis zu den Universitäten Zürich, Basel, Bern und Lausanne verfügt die Schweiz über eine dichte Forschungslandschaft in Medizin, Life-Sciences und Technologie. Hinzukommen eine starke Life-SciencesIndustrie, innovative Spitäler und ein leistungsfähiger Gesundheitssektor. Dennoch gelingt es nicht immer, aus wissenschaftlichem Know-how auch erfolgreiche Produkte und Anwendungen für den Versorgungsalltag zu machen. Eine der entscheidenden Fragen für die Zukunft lautet deshalb: Wie lässt sich die Lücke zwischen Innovation und Umsetzung schliessen? Vom Forschungsergebnis zur klinischen Anwendung Der erste Schritt einer Gesundheitsinnovation entsteht häufig in der Forschung. Neue Erkenntnisse über Krankheiten, Diagnostik oder Therapie bilden die Grundlage für Technologien, die eines Tages die Versorgung verbessern könnten. Eine Technologie muss aber nicht nur funktionieren, sondern auch einen nachweisbaren Nutzen für die Gesundheitsversorgung bieten. Dafür braucht es klinische Daten und Evidenz. Gleichzeitig müssen Datenschutz, Medizinprodukterecht und weitere regulatorische Vorgaben berücksichtigt werden. Hinzu
Der erste Schritt einer Gesundheitsinnovation entsteht häufig in der Forschung. kommt die Frage, wie sich eine neue Lösung in die bestehenden Prozesse von Spitälern, Arztpraxen oder anderen Leistungserbringern integrieren lässt. Für Start-ups ist das eine besondere Herausforderung. Sie verfügen häufig über technologische Kompetenz und innovative Ideen, aber nicht über die Ressourcen und Netzwerke etablierter Unternehmen. Und die sind fast unvermeidbar, denn eine grundsätzlich funktionierende Idee ist eine Sache, aber daraus ein marktreifes Produkt zu entwickeln, eine andere. Die schwierigste Phase beginnt oft nach dem Prototyp Gerade die sogenannte Skalierungsphase kann für junge Healthtech-Unternehmen zum kritischen Punkt werden. Einer der Gründe dafür ist die Finanzierung. Die Entwicklung medizinischer Technologien ist kapitalintensiv und dauert oft länger als in anderen Branchen. Investitionen müssen über Jahre getragen werden, bevor sich ein Produkt am Markt etabliert. Gleichzeitig benötigen Start-ups Zugang zu klinischem Know-how, Testumgebungen und Partnern, die ihre Lösungen unter realen Bedingungen erproben können. Auch der Marktzugang ist komplex. Im Gesundheitswesen entscheiden nicht nur die Patient:innen über die Nutzung einer Innovation. Je nach Anwendung sind Ärzt:innen, Spitäler, Versicherer, Behörden und weitere Akteure beteiligt. Was technisch möglich ist, muss deshalb auch organisatorisch, wirtschaftlich und regulatorisch funktionieren.
Wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten neuer Technologien sind, zeigen aktuelle Entwicklungen. Künstliche Intelligenz wird beispielsweise eingesetzt, um medizinische Bilddaten zusätzlich auszuwerten. Algorithmen können dabei Informationen erkennen, die bei einer herkömmlichen Auswertung möglicherweise nicht im Fokus stehen. Andere digitale Anwendungen setzen bei der Therapie an und versuchen, Verhaltensänderungen oder den Umgang mit chronischen Beschwerden zu unterstützen. Innovation entsteht nicht im Alleingang Damit aus solchen Ansätzen funktionierende Anwendungen werden, braucht es ein Ökosystem. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt der Zusammenarbeit. Wenn unterschiedliche Akteure erst dann zusammenkommen, wenn ein Produkt bereits fertig entwickelt ist, können wichtige Anforderungen übersehen worden sein. Erfolgversprechender ist es, potenzielle Anwender und weitere Partner früh in den Entwicklungsprozess einzubeziehen. Fördermodelle können dabei eine entscheidende Funktion übernehmen. Sie können jungen Unternehmen nicht nur finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, sondern Zugang zu einem breiten Netzwerk aus Expert:innen, Forschung, Versorgung und Wirtschaft ermöglichen. Gerade für Start-ups, die sich an der Schnittstelle zwischen Technologie und Gesundheitswesen bewegen, kann dieser Zugang entscheidend sein. Die Schweiz braucht mehr als gute Forschung Für die Schweiz ergibt sich daraus eine doppelte
Aufgabe. Zum einen gilt es, die bestehenden Stärken in Forschung und Life-Sciences zu erhalten und weiter auszubauen. Zum anderen müssen die Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen besser funktionieren. Dazu gehören geeignete Finanzierungsmodelle und Förderprogramme wie der Future Health Grant, ebenso wie klare regulatorische Rahmenbedingungen, Zugang zu klinischen Daten und Testumgebungen sowie bessere Möglichkeiten für Kooperationen. Die Geschwindigkeit technologischer Entwicklung macht diese Aufgaben dringlicher. Künstliche Intelligenz, personalisierte Medizin, digitale Diagnostik und neue datenbasierte Therapien verändern bereits heute die Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung. Entscheidend wird jedoch nicht sein, wie viele Innovationen die Schweiz hervorbringt, sondern wie viele davon den Weg aus dem Labor in die Praxis schaffen. Text SMA Der Future of Health Grant verbindet Innovation mit einer erfolgreichen Umsetzung in der Praxis. Das Förderprogramm für Start-ups im Bereich der digitalen Gesundheit wird von der CSS und dem EPFL Innovation Park unterstützt. Das Programm hat kürzlich seine Pilot Factory gestartet. Sie organisiert Pilotprojekte mit Partnern aus dem Gesundheitswesen. Dabei untersucht sie die Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten, das Pflegepersonal und die Kosten. Ausserdem prüft sie, ob die Projekte später in grösserem Umfang umgesetzt werden können. Das Messinstrument der Pilot Factory, einzigartig in der Schweiz, erstellt einen Score, der eine Entscheidungshilfe für Spitäler, Kantone, Investoren und Versicherer bildet. future-of-health.org
Brandreport • Swiss Rockets AG
Der Wandel hin zur Prävention
Was wäre, wenn sich Krankheiten erkennen und behandeln liessen, bevor sie überhaupt ausbrechen? Was nach Science-Fiction klingt, ist bereits möglich.
Dr. Vladimir Cmiljanović Founder & CEO, Swiss Rockets AG
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wiss-Rockets-Gründer und CEO Dr. Vladimir Cmiljanović erklärt, wie biologische Daten zu konkreten Therapien führen und weshalb die Medizin den Wandel von der Reaktion zur Prävention schaffen muss. Sie bezeichnen «Genomic Prevention» als Wendepunkt für die Medizin. Was bedeutet das konkret und welche Risiken lassen sich früh erkennen? Jahrzehntelang wartete die Medizin auf Symptome, stellte eine Diagnose und griff dann ein. Genomische Tests helfen uns, dieses Modell umzukehren: Wenn wir die Biologie eines Menschen frühzeitig lesen, können wir individuelle Risiken einschätzen, Vorsorgeuntersuchungen gezielt anpassen und eingreifen, bevor eine Krankheit lebensbedrohlich wird. Das bedeutet frühere Diagnosen, wirksamere Behandlungen und im besten Fall mehr gesunde Lebensjahre. Krebs ist ein besonders deutliches Beispiel. Er kann
über Jahre entstehen, bevor er klinisch nachweisbar ist. Hochsensitive Sequenzierung kann zirkulierende Tumor-DNA im Blut bereits lange vor den ersten Symptomen erkennen. Die Herausforderung liegt heute weniger in der Datengewinnung als in ihrer Interpretation – und darin, die Sequenzierung so zugänglich und kostengünstig zu machen, dass sie zur Routine wird. Was muss sich ändern, damit Prävention im Gesundheitssystem einen festen Platz erhält? Prävention darf nicht länger als optionale Ergänzung gelten. So wie Bildgebung und Labordiagnostik zu Grundpfeilern der Medizin wurden, muss auch die Genomsequenzierung Teil der Kerninfrastruktur des Gesundheitswesens werden. Dafür müssen Ressourcen stärker in die Früherkennung fliessen. Das kann langfristig Behandlungskosten senken und zugleich die Ergebnisse verbessern. Die integrierte Plattform: Swiss Rockets verbindet Genomsequenzierung, KI-gestützte Multiomics und Therapieentwicklung. Wie greifen diese Bereiche ineinander? Die meisten Unternehmen decken nur einen Teil der Wertschöpfungskette ab: Sie generieren Daten, analysieren sie oder entwickeln Therapien. Swiss Rockets vereint alle drei Bereiche. Die Sequenzierung liefert die Daten, unsere KI macht daraus biologische Erkenntnisse und unsere Therapieunternehmen setzen diese in konkrete Behandlungen um – von Impfstoffen der nächsten Generation über Radioligandentherapien
bis zu zielgerichteten Krebstherapien. Der Engpass liegt heute nicht mehr in der Gewinnung biologischer Daten, sondern in ihrer Interpretation. Unsere KI-gestützte Analytik kombiniert DNA-, RNA- und weitere Multiomics-Daten. So erfasst sie sowohl die genetische Veranlagung als auch die aktuelle biologische Aktivität. Daraus lassen sich Biomarker für die Therapiewahl und Krankheitsüberwachung ableiten – Erkenntnisse, die Ärztinnen, Ärzten und Arzneimittelentwickler:innen konkrete Anhaltspunkte liefern. Was zeichnet Ihre Sequenziertechnologie aus und wie wird aus einem biologischen Signal eine Behandlung? Die CoolMPS-Technologie von Complete Genomics liefert längere und präzisere Sequenzierdaten. Eine aktuelle Studie zeigt, dass KI-trainierte Modelle die Analysefehler gegenüber branchenüblichen Verfahren um bis zu 73 Prozent reduzieren können. Zu Beginn des Humangenomprojekts kostete die Sequenzierung eines Genoms Milliarden von Dollar und dauerte Jahre. Heute kostet sie weniger als 100 US-Dollar. Unser Ziel ist es, den Preis auf unter 50 US-Dollar zu senken und Genomik so vom Forschungsinstrument zur Routineversorgung zu machen. Wie ein biologisches Signal zur Behandlung führen kann, zeigt Prostatakrebs: Tumorzellen tragen ein Protein namens PSMA, das anzeigt, wo sich der Krebs befindet. Die Radioligandentherapie von Torpedo nutzt dieses Signal als Adresse und bringt Strahlung gezielt zu den Krebszellen, während gesundes
Gewebe geschont wird. Das Signal, das die Krankheit sichtbar macht, leitet so auch ihre Behandlung. Vom Fortschritt zur Anwendung: Wo steht Swiss Rockets heute und wie könnte sich ein Arztbesuch in zehn Jahren verändern? Die Technologie von Complete Genomics wird bereits von über 3300 Kund:innen in 100 Ländern genutzt und bildet die Grundlage für mehr als 11 700 wissenschaftliche Fachpublikationen. Mit dem erwarteten Abschluss der Übernahme wollen wir hochwertige Sequenzierung in grossem Massstab anbieten. Unsere nächsten Prioritäten: Genomik so erschwinglich zu machen, dass sie Teil der routinemässigen Vorsorge wird, und sie mit unseren Therapien zu verbinden. Die Plattform bleibt dabei offen für Partner. In Zukunft beginnt der Arztbesuch vielleicht vor der Diagnose. Statt Menschen nach Bevölkerungsdurchschnitten zu behandeln, können Ärztinnen und Ärzte den biologischen Fingerabdruck jeder einzelnen Person über die Zeit verfolgen, Risiken früh erkennen und Vorsorge und Behandlung gezielt anpassen. Die Grenzen zwischen Diagnose, Prävention und Behandlung verschwimmen. Unser Ziel ist einfach: dem Leben mehr Jahre geben – und den Jahren mehr Leben. Weitere Informationen unter swissrockets.com
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Bild Unsplash/Joachim Schnürle
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Adipositas
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Adipositas neu verstehen – und besser versorgen Die Zahl der Menschen mit Adipositas steigt. Gleichzeitig verändert sich die Versorgung: Neue Therapieoptionen und ein tieferes Verständnis der Erkrankung ermöglichen eine individuellere, gesamtheitlichere Begleitung. Doch der Zugang bleibt ungleich – und das hat System.
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as Thema Adipositas ist derzeit allgegenwärtig. Zugleich hält sich das Stigma, stark übergewichtige Menschen müssten sich nur besser disziplinieren. Diese Sichtweise verkennt die medizinische Realität. Adipositas lässt sich nicht mit mangelnder Willenskraft erklären – sie ist eine chronische Erkrankung mit vielen Ursachen. Genetische und biologische Voraussetzungen können ebenso eine Rolle spielen wie hormonelle Prozesse, psychische Belastungen, Schlafmangel, Stress, das soziale Umfeld und die wirtschaftliche Lebenssituation der Betroffenen. Der Anteil der Erwachsenen mit Adipositas nimmt seit Jahren zu. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik stieg er in der Schweiz von fünf Prozent im Jahr 1992 auf zwölf Prozent im Jahr 2022. Rund eine Million Menschen in der Schweiz leben heute mit Adipositas. Der Adipositasbarometer 2026 – eine repräsentative Schweizer Studie – zeigt dabei eine bezeichnende Spannung: 79 Prozent der Bevölkerung erkennen Adipositas als medizinisch behandlungsbedürftige Erkrankung an. Gleichzeitig nehmen 82 Prozent eine starke Stigmatisierung von Betroffenen im Alltag wahr.
Diese Diskrepanz hat direkte Folgen: 72 Prozent der Betroffenen geben an, dass Scham sie davon abhält, überhaupt medizinische Hilfe zu suchen. Von der Diagnose zur Therapie Die erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. Dort wird nicht nur auf das Körpergewicht geschaut: Für die medizinische Einschätzung zählen Beschwerden, Medikamente, frühere Therapieversuche und Begleiterkrankungen ebenso wie Schlaf und psychische Belastungen. Der BodyMass-Index bietet eine erste Orientierung, reicht für die Beurteilung allein aber nicht aus. Die kürzlich veröffentlichten Leitlinien der European Association for the Study of Obesity (EASO) unterstreichen: Eine zeitgemässe Diagnostik muss die Komplexität der Erkrankung in ihrer ganzen Breite erfassen. Die Behandlung stützt sich auf mehrere Säulen: Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung bilden das Fundament. Eine Ernährungsberatung hilft, Gewohnheiten zu erkennen und neue Routinen zu entwickeln. Verhaltenstherapeutische Methoden unterstützen dabei, Auslöser und eingeübte Muster zu verändern. Jahrelange
Stigmatisierung hinterlässt Spuren – nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Für viele Betroffene ist professionelle psychologische Begleitung deshalb ein wichtiger Schritt, um mit einer neuen Perspektive auf die eigene Gesundheit anzufangen. Welche Behandlungsformen infrage kommen, hängt von der individuellen gesundheitlichen Situation ab. Neben Ernährung, Bewegung und verhaltenstherapeutischer Unterstützung können nach ärztlicher Abklärung auch medikamentöse Behandlungen oder operative Eingriffe berücksichtigt werden. Dabei sind der mögliche Nutzen, Risiken und Anwendungseinschränkungen individuell abzuwägen. Entscheidend sind eine sorgfältige Auswahl und eine langfristige Begleitung. Eine Versorgungslücke mit System Trotz verfügbarer Therapieoptionen erhalten in der Schweiz nur wenige Menschen mit Adipositas eine leitliniengerechte Behandlung. Der Adipositasbarometer 2026 zeigt: 75 Prozent der Ärztinnen und Ärzte bemängeln fehlende strukturierte interdisziplinäre Angebote. Die heutigen Behandlungsstrukturen erreichen
die Patientinnen und Patienten nicht dort, wo sie sind – und werden den vielfältigen Bedürfnissen Betroffener nicht gerecht. Was es braucht, ist ein Umdenken: weg von einer episodischen Behandlungslogik, hin zu einer langfristigen, gesamtheitlichen Begleitung – interdisziplinär, niedrigschwellig und auf die individuelle Lebenssituation abgestimmt. Dafür braucht es klare Behandlungspfade, ausreichend spezialisierte Fachkräfte und ein Gesundheitssystem, das chronische Erkrankungen strukturell anders begleitet als akute. Ein Blick nach vorne Heute wissen wir mehr darüber, was hinter der Erkrankung steckt – biologisch, psychologisch und gesellschaftlich. Dieses Wissen muss sich nun auch in der Versorgungsrealität widerspiegeln. Eine Gesellschaft, die Adipositas wirklich ernst nimmt, investiert in Prävention, in Entstigmatisierung und in Behandlungsangebote, die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Denn gute Versorgung endet nicht an der Praxistür – sie beginnt dort, wo der Alltag weitergeht. Text Iris Soltau
Novo Nordisk Pharma AG • Brandreport
Adipositas in der Schweiz: Zwischen Stigma, Versorgungslücken und Innovation Anne Mette Wiis Vogelsang leitet Novo Schweiz seit drei Jahren. Im Gespräch erklärt sie, warum die Schweiz beim Zugang zu innovativen Therapien handeln muss – und was Novo über die Medikamentenentwicklung hinaus leistet.
entwickeln. Denn wenn Menschen sich schämen, Hilfe zu suchen, hilft die beste Therapie nicht.
Anne Mette Wiis Vogelsang General Manager, Novo Switzerland
Frau Vogelsang, wie engagiert sich Novo Nordisk jenseits der Medikamentenentwicklung? Novo sieht seine Verantwortung weit über den finanziellen Erfolg hinaus. Wir sind im Besitz einer Stiftung mit langfristigen philanthropischen Zielen – und das gibt uns die Freiheit, nach dem Triple-Bottom-Line-Prinzip zu handeln: Wir messen unseren Erfolg gleichermassen an finanziellen, gesellschaftlichen und ökologischen Beiträgen. Konkret in der Schweiz bedeutet das: Wir finanzieren Forschungs- und Präventionsprojekte, unterstützen ein nationales Register sowie die Aus- und Weiterbildung von Gesundheitsfachpersonen. In Dänemark ist es selbstverständlich, dass Unternehmen der Gesellschaft etwas zurückgeben – das ist unsere DNA. Die Schweiz gilt als führender LifeScience-Standort. Gleichzeitig fällt sie beim Patientenzugang zurück. Wie passt das zusammen? Das ist der Widerspruch, den wir dringend auflösen müssen. Die Schweiz war einst unter den Ländern mit dem schnellsten Zugang zu innovativen Therapien. Heute liegt sie im Mittelfeld. Die mediane Zeit von Zulassung bis zur Erstattung beträgt 189 Tage – das Ziel wäre 60 Tage. Schweizer Patientinnen und Patienten
Die Schweiz hat vieles selbst in der Hand – sie muss jetzt die richtigen Weichen stellen. haben heute Zugang zu rund der Hälfte der Therapien, die in Deutschland Standard sind. Die neue Most-Favoured-Nation-Politik der USA verstärkt diesen Druck: Seit die USA die Schweiz als Referenzland heranziehen, haben Pharmaunternehmen rund ein Drittel ihrer neuen innovativen Medikamente nicht mehr für die Vergütung durch Schweizer Krankenkassen eingereicht. Das gefährdet nicht nur den Patientenzugang – es gefährdet die Attraktivität der Schweiz als Life-Science-Standort insgesamt. Was muss sich ändern, damit die Schweiz ihren Spitzenplatz zurückgewinnt? Wir brauchen ein modernes, nutzenorientiertes Preisbildungssystem – eines, das den langfristigen Wert einer Innovation für die Gesellschaft berücksichtigt, nicht nur die kurzfristigen Kosten. Dazu gehören verlässliche Rahmenbedingungen und effiziente Verfahren, die den Zugang zu medizinischen Innovationen unterstützen. In der Schweiz leben rund eine Million Menschen mit Adipositas — dennoch erhalten nur wenige eine leitliniengerechte Behandlung. Woran liegt das?
Die heutigen Behandlungsangebote erreichen die Patientinnen und Patienten nicht dort, wo sie sind – und werden den vielfältigen und unterschiedlichen Bedürfnissen nicht gerecht. Es fehlt an klaren Behandlungsstrukturen und interdisziplinären Angeboten. 75 % der Ärztinnen und Ärzte bestätigen das in unserem Adipositasbarometer 2026. Hinzu kommt: 72 % der Betroffenen sagen, Scham hält sie davon ab, überhaupt Hilfe zu suchen. Adipositas braucht langfristige, gesamtheitliche Begleitung mit kontinuierlicher Betreuung und Unterstützung im Alltag.
Was ist Ihre persönliche Motivation? Ich bin Dänin – und in Dänemark ist es selbstverständlich, dass Unternehmen der Gesellschaft etwas zurückgeben. Mir ist wichtig, dass wir als Unternehmen einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung leisten. Das gelingt nur gemeinsam – mit Ärztinnen und Ärzten, mit der Politik, mit Patientenorganisationen und mit der Gesellschaft als Ganzes. Weitere Informationen unter: novonordisk.ch
meingewichtverstehen.ch
Adipositas ist eine stark stigmatisierte Erkrankung. Was kann die Industrie konkret dagegen tun? Entstigmatisierung ist kein Kommunikationsprojekt – sie ist gesellschaftliche Verantwortung. Wir haben gemeinsam mit gfs.bern den Adipositasbarometer lanciert, um eine gemeinsame Faktenbasis zu schaffen. Wir arbeiten mit der Migros-Gesundheitsplattform iMpuls zusammen, um Gesundheitskompetenz in der Breite aufzubauen. Und wir sind im Dialog mit dem Bundesamt für Gesundheit, um holistische Lösungen zu
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Interview • Annette Luther
Annette Luther
«Unsere grösste Stärke ist die enorme Dichte an Kompetenzen auf kleinem Raum» Annette Luther hat in biomedizinischen Wissenschaften promoviert und ist Präsidentin von scienceindustries, dem Schweizer Branchenverband der Chemie-, Pharma- und Life-Sciences-Industrie, sowie Head of External Affairs Switzerland bei Roche. Im Interview spricht sie darüber, was die Schweiz als Life-Sciences-Standort auszeichnet, wo sie Aufholbedarf hat und welche Rolle KI spielt. Interview SMA
Bild zVg
Frau Luther, Sie sind die Präsidentin von scienceindustries. Wo sehen Sie den Schweizer Life-Sciences-Standort heute im internationalen Vergleich? Die Schweiz ist seit über 100 Jahren ein führender Standort für innovative Unternehmen im LifeSciences-Bereich. Aber unser Spitzenplatz ist kein Besitzstand. Wenn wir die Innovationsrankings der letzten Jahre anschauen, ist die Schweiz zwar weiterhin vorne dabei, aber sie rutscht ab. Besonders bei Innovation und Technologieführerschaft haben wir unseren Vorsprung verloren. Wir haben hervorragende Voraussetzungen, aber andere Länder entscheiden schneller und investieren offensiver.
unterbrochen wird? Neben den Kosten spielt die Widerstandsfähigkeit heute eine wichtigere Rolle als früher. Viele Unternehmen haben kritische Materialien neu bewertet, zusätzliche Bezugsquellen aufgebaut, Sicherheitsbestände angepasst, Lieferanten enger geprüft und Krisenszenarien professionalisiert. Soll und kann die Schweiz gewisse Produktionsschritte wieder ins Land zurückholen oder reicht es, die Lieferketten breiter zu diversifizieren? Bei einzelnen strategisch wichtigen Produkten oder Fähigkeiten kann ein Reshoring sinnvoll sein. Aber die Schweiz kann unmöglich alles selbst produzieren. Entscheidend ist, dass wir wichtige Forschungs- und Produktionskompetenzen im Land behalten. Parallel müssen wir, wenn möglich, mehrere verlässliche Bezugsquellen haben. Versorgungssicherheit bedeutet, auch in einer Krise handlungsfähig zu bleiben.
Wo steht er in fünf Jahren, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern? Ein Innovationsstandort verliert seine Stärke nicht über Nacht, sondern Investitionsentscheid für Investitionsentscheid. Heute geht vielleicht eine klinische Studie ins Ausland, morgen eine Produktionslinie. Nach einigen Jahren fehlen nicht nur einzelne Investitionen, sondern auch Zulieferer, Fachkräfte und neue Unternehmen. Die Schweiz mag auch in fünf Jahren noch ein wichtiger LifeSciences-Standort sein. Die Frage ist: Entsteht die nächste Generation von Innovation noch hier?
Wie resilient sind die Lieferketten der Branche heute und wo bestehen weiterhin Abhängigkeiten, die nicht optimal sind? Die Schweizer Chemie- und Pharmaindustrie bezieht viele Rohstoffe, Vorprodukte und Wirkstoffe aus dem Ausland. Entscheidend ist deshalb, dass wir kritische Abhängigkeiten kennen und Alternativen haben. Ein Risiko entsteht zum Beispiel, wenn ein wichtiger Wirkstoff nur von wenigen Herstellern produziert wird oder ein zentraler Transportweg ausfällt. Wir können uns nicht gegen jedes Risiko absichern, aber bei den grössten müssen wir vorsorgen.
Was macht den Life-Sciences-Standort Schweiz aktuell noch einzigartig und welche Vorteile drohen zu erodieren? Unsere grösste Stärke ist die enorme Dichte an Kompetenzen auf kleinem Raum: Spitzenforschung, Universitäten, Start-ups, globale Unternehmen, spezialisierte Zulieferer und moderne Produktion, die einander ergänzen und verstärken. Eine Idee kann in der Schweiz schneller als anderswo den Weg aus dem Labor in die Anwendung finden. Andere Standorte haben das verstanden und investieren gezielt in Innovation. Sie fördern schnellere Verfahren, verfügen über besser nutzbare Gesundheitsdaten, effizientere Netzwerke und verlässlichere Rahmenbedingungen. Das ist eine grosse Konkurrenz für den Standort Schweiz. Welche Länder beobachten Sie derzeit am genauesten als Konkurrenz in Forschung, Entwicklung und Produktion? Die USA und China streben beide nach der Vorherrschaft in den innovativen Life-Sciences, wobei die USA schon immer stark waren und China schnelle Fortschritte macht. Die USA punkten mit Innovation und Kapital. China investiert massiv und ist bei der Forschung und klinischen Studien sehr schnell geworden. Mit Dänemark zeigt aber auch ein kleines Land, wie man mit guten Rahmenbedingungen erfolgreich ist. Alle drei Länder verbindet ein hoher Grad an Digitalisierung und schnelle Entscheidungen – da muss die Schweiz aufholen. Welche politischen und regulatorischen Weichenstellungen wären aus Ihrer Sicht am dringendsten, um die Innovationskraft der Schweiz zu sichern? Innovation muss sich in der Schweiz wieder mehr lohnen. Dazu gehört unter anderem die faire Honorierung neuer Medikamente und Therapien. Wer jahrelang forscht, hohe Risiken trägt und das Leben von kranken Menschen verbessert, braucht die Aussicht auf eine angemessene Vergütung. Gleichzeitig müssen die regulatorischen Prozesse schneller werden. Ist die Schweiz bei Bewilligungen, Zulassungen und Vergütung zu langsam, leiden darunter am Schluss die Patientinnen und Patienten. Ebenfalls ist es nötig, dass Gesundheitsdaten besser nutzbar und geistiges Eigentum zuverlässig geschützt werden. Die Schweiz muss ein Land sein, in dem die Innovation, die hier entsteht, auch bei den Menschen hier ankommt. Welches Potenzial sehen Sie konkret in KI und Gesundheitsdaten für die Schweizer Life-Sciences-Branche in der Forschung und in der Produktion? Die KI wird die Life-Sciences-Branche revolutionieren. Man kann sich die Entwicklung eines Medikaments als Suche unter Millionen möglicher Wege vorstellen. KI kann helfen, viel früher zu erkennen, welche Wege erfolgversprechend sind und welche in einer Sackgasse enden. In der Produktion kann
Sie haben die Aus- und Weiterbildung angesprochen. Wie akut ist der Fachkräftemangel in der Schweizer Life-Sciences-Branche aktuell? Unsere Branchen spüren den Fachkräftemangel vor allem in technischen und wissenschaftlichen Berufen. Besonders gesucht sind Laborantinnen und Laboranten sowie Fachkräfte für die Produktion. Auch für die Automatisierung und Anwendung der KI brauchen wir Menschen, die Prozesse verstehen und Technologie richtig einsetzen können. Wir müssen deshalb mehr eigene Fachkräfte ausbilden, Quereinstiege erleichtern und gleichzeitig für internationale Talente offenbleiben.
Eine Idee kann in der Schweiz schneller als anderswo den Weg aus dem Labor in die Anwendung finden.
– Annette Luther
KI Prozesse überwachen, Fehler früher erkennen und Ressourcen sparen. Das kann Entwicklung schneller und Produktion effizienter machen. Aber KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeitet. Und hier hat die Schweiz ein Defizit. Wo steht die Schweiz beim Thema Gesundheitsdaten im internationalen Vergleich und was bremst die Nutzung dieser Daten hierzulande? Es ist paradox: Wir haben hervorragende Forschungskompetenzen und hochwertige Gesundheitsdaten. Aber der Zugang zu den Daten ist kompliziert, langsam und unklar geregelt. Im internationalen Vergleich hinken wir darum bei der Nutzbarkeit dieser Daten deutlich hinterher. Wir brauchen nun klare Standards und Regeln sowie sichere Prozesse für den Zugang, die jederzeit den Datenschutz gewährleisten. Nur so können wir Gesundheitsdaten für die Forschung und eine bessere Versorgung nutzen.
Automatisierung verändert auch die Produktion. Welche Chancen und Risiken sehen Sie für Schweizer Produktionsstandorte? In der Schweiz sind die Löhne und Produktionskosten hoch. Automatisierung hilft unseren Branchen, trotzdem wettbewerbsfähig zu produzieren. So können wir anspruchsvolle Produkte mit hoher Qualität effizient herstellen. Der Einsatz von Robotern in der Produktion ist in vielen Industrien etabliert und diese Entwicklung wird sich, in Verbindung mit KI, fortsetzen. Gleichzeitig verändern die Automatisierung und Robotisierung Berufe. Da müssen Ausbildung und Weiterbildung Schritt halten. Die Pandemie hat Schwachstellen in globalen Lieferketten offengelegt. Was hat sich seither in der Schweizer LifeSciences-Industrie konkret verändert? Heute fragen Unternehmen viel eher: Was passiert, wenn ein Lieferant ausfällt oder ein Transportweg
Welche Kompetenzprofile werden in Zukunft gefragt sein, die heute in der Ausbildung noch zu kurz kommen? Menschen, die Naturwissenschaft, Technologie und Daten verbinden können. Nicht jede Laborantin muss programmieren können. Aber sie sollte verstehen, was KI kann, wie man ihre Ergebnisse beurteilt und wo ihre Grenzen liegen. Daneben bleiben höchst menschliche Aspekte wichtig: Urteilskraft, Kreativität, Verantwortung und Zusammenarbeit. Was tut scienceindustries konkret, um Fachkräfte für die Branche zu gewinnen und zu halten? Mit unserer Stiftung SimplyScience wollen wir schon bei Kindern und Jugendlichen spielerisch das Interesse an Naturwissenschaften wecken. Mit «Talents in Science» zeigen wir ihnen konkret, welche Berufe unsere Branche bietet. Und wir entwickeln die Lehrberufe zusammen mit den Unternehmen weiter. Wir wollen Jugendliche – und vor allem auch junge Frauen – für die Naturwissenschaften begeistern, damit sie die Erfolgsgeschichte der Schweiz im Bereich Life-Sciences weiterschreiben können. Wenn Sie einen Wunsch an die Schweizer Politik frei hätten, um den Life-SciencesStandort zu stärken – welcher wäre das? Derzeit erarbeitet eine von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider und Bundesrat Guy Parmelin eingesetzte Arbeitsgruppe eine Life-Sciences-Standort-Strategie für die Schweiz. Sie soll die zentralen Handlungsfelder abdecken. Mein grösster Wunsch aber ist einfach: eine innovationsfreundliche Politik! Die Schweiz als kleines Hochpreisland kann nicht mit Masse und tiefen Preisen punkten. Unsere Stärke war es schon immer, bessere Produkte zu machen als andere und diese in die ganze Welt zu bringen. Dieses Modell gilt es zu beschützen: Innovation muss sich weiterhin lohnen.
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medmix Group AG • Brandreport
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Die unsichtbare Technologie hinter der modernen Gesundheitsversorgung Hidden Champions sind die Diamanten einer Volkswirtschaft. Mit ihren Lösungen und Produkten in klar fokussierten Bereichen setzen sie globale Standards, schaffen Werte und Arbeitsplätze und sorgen für Innovationen. Die medmix Group AG ist mit rund 2700 Mitarbeitenden, 900 aktiven Patenten und mehr als 2,4 Milliarden verkauften Produkten ein solcher Hidden Champion, ein führender Technologie-Pionier im Verborgenen, der für seine Kundschaft anspruchsvolle Herausforderungen beim Mischen, Dosieren und der Präzisionsapplikation löst.
Charity Kufaas CSO and Head of Healthcare
Die Fähigkeit zum Technologietransfer ist fester Bestandteil des Innovationsmodells von medmix.
Francisco Faoro Chief Technology Officer
In der Medizin ist Präzision für die Patientinnen und Patienten oft unsichtbar Eine Zahnkrone muss sicher fixiert werden. Ein neues Medikament muss exakt in der richtigen Dosis verabreicht werden. Chirurgisches Biomaterial muss zuverlässig gemischt und appliziert werden. So unterschiedlich diese Anwendungen auch sind, haben sie doch eine gemeinsame technologische Herausforderung: Materialien und Medikamente müssen präzise und zuverlässig gemischt, kontrolliert und verabreicht werden – und sind doch für Patientinnen und Patienten nahezu unsichtbar. Expertise in Fluidmechanik, Mischen, Dosier- und Applikationstechnologien Genau in diesem Bereich hat medmix seine Expertise aufgebaut. Das Unternehmen ist ein globaler Technologieführer in den Bereichen Fluidmechanik, statisches Mischen, Dosier- und Applikationstechnologien und verknüpft diese Kompetenzen mit Polymerwissenschaften, Gerätetechnik und Hochpräzisionsfertigung. Seit Firmengründung arbeitet medmix eng mit Endanwendern zusammen und verbindet seine technische Fachexpertise mit den Einblicken der Kundinnen und Kunden in die Umsetzbarkeit bei der Anwendung in der Praxis. Dank ihrer Kompetenzen ist medmix in der Lage, anspruchsvolle Herausforderungen im Fluidmanagement zu bewältigen. Dental, Drug Delivery und Surgery Im Healthcare-Bereich nutzt medmix diese Expertise in drei Kernsegmenten: Dental, Drug Delivery und Surgery. Obwohl sich diese Anwendungen auf den ersten Blick deutlich unterscheiden, sind viele der zugrunde liegenden technologischen Anforderungen identisch. Über Jahrzehnte hinweg angesammeltes Fachwissen lässt sich daher problemlos zwischen den Bereichen und auf andere Produkte, Anwendungen und Branchen übertragen. Diese Fähigkeit gewinnt im Zuge des medizinischen Fortschritts zunehmend an Relevanz. Neue Biomaterialien, ausgefeiltere Therapien und die steigende Zahl von Behandlungen durch Patientinnen und Patienten in Eigenregie machen die zuverlässige Vorbereitung und Verabreichung anspruchsvoller. Branchenübergreifende Expertise im Gesundheitswesen Über alle Healthcare-Aktivitäten von medmix hinweg ist die Fähigkeit, das Verhalten von Flüssigkeiten und Materialien zu verstehen und deren Lagerung, Vorbereitung, Mischung und Abgabe zu kontrollieren, das verbindende Element. Doch was heisst das in der Praxis? Es kann bedeuten, zwei Komponenten im exakt richtigen Verhältnis zu mischen, extrem kleine Mengen präzise zu dosieren oder eine hochviskose Formulierung zuverlässig durch ein medizinisches Gerät zu leiten. Die zugrundeliegende Fragestellung ist simpel: Wie lässt sich Material, das von Natur aus nicht fliessen möchte, präzise kontrollieren und applizieren? Um welche Mengen es geht Die beteiligten Volumen können dabei stark variieren. In der Endodontie, also der Wurzelbehandlung, sind medmix-Technologien in der Lage, Flüssigkeitsmengen abzugeben, die mit der Speichelmenge
vergleichbar sind, die eine Stechmücke bei einem Stich injiziert. Am anderen Ende des Spektrums erfordert die Herstellung von Zahnkronen die kontrollierte Applikation grösserer Mengen Kompositmaterial – auch in schwer zugänglichen Molaren- und Backenzahnbereichen. Präzision ist dort am wichtigsten, wo es kaum Spielraum für Fehler gibt. Die Kombination von Kompetenzen ist entscheidend, da das Material, das Gerät und der Herstellungsprozess als ein einziges integriertes System funktionieren müssen. Wer vom Angebot von medmix profitiert medmix arbeitet mit einem breiten Spektrum an Kundinnen und Kunden im Healthcare-Bereich zusammen – von führenden globalen MedTech-, Pharma- und Dentalunternehmen bis hin zu innovativen Start-ups und Biotech-Firmen. Diese so gewonnene Expertise versetzt das Unternehmen in die Lage, spezifische Kundenanforderungen über den gesamten Gesundheitssektor hinweg zu adressieren: sei es die Reduzierung von Materialabfall, die Vereinfachung von Arbeitsabläufen, die Unterstützung bei der Entwicklung kritischer Therapien oder die Ermöglichung von sicheren Heimbehandlungen für Patientinnen und Patienten. Dental-Technologie in Marktchancen ummünzen Zahnmedizinische Eingriffe veranschaulichen, wie kleine ingenieurtechnische Verbesserungen einen spürbaren Unterschied machen können. Materialien müssen in einer anspruchsvollen klinischen Umgebung oft schnell und gleichmässig dosiert, gemischt und aufgetragen werden. medmix konzentriert sich dabei nicht nur auf das Material selbst, sondern ebenso auf dessen Vorbereitung und Applikation. Mit CliX™ arbeitet medmix an einer Lösung zum Dosieren und Applizieren von Dentalmaterialien, die den Praxisalltag von Zahnärzten durch vereinfachte Handhabung schneller und effizienter gestalten soll. PiccoMix™ ist eine kompakte Mischkanüle, die auf das zentrale Bedürfnis der Abfallreduzierung abzielt. Verglichen mit dem
Vorgängermodell sinken der Verschnitt an Dentalmaterial um 52 Prozent und der Plastikmüll um 33 Prozent. Für Zahnärztinnen und Zahnärzte bedeutet dies eine einfachere, konstantere Anwendung bei geringerem Materialverlust in der Mischspitze. Medikamentenverabreichung wird immer anspruchsvoller Seit über 100 Jahren entwickelt und produziert der Geschäftsbereich «Drug Delivery» von medmix innovative Applikationsgeräte, die Patientinnen und Patienten den Erhalt lebenswichtiger Medikamente erleichtern. Da sich Behandlungen zunehmend in das häusliche Umfeld verlagern, müssen Verabreichungsgeräte eine zuverlässige Leistung mit intuitiver Benutzerfreundlichkeit verbinden. PiccoJect™ ist die neueste Autoinjektor-Plattform von medmix. Sie ist in der Lage, ein breites Spektrum an Formulierungen – einschliesslich hochviskoser Medikamente – zu verabreichen und gleichzeitig eine komfortable Selbstinjektion durch die Patientinnen und Patienten zu unterstützen. Zero-Tolerance in der Chirurgie medmix-Lösungen kommen bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten bei über hundert verschiedenen chirurgischen Eingriffen zum Einsatz. Die Vorrichtungen des Unternehmens versetzen Kundinnen und Kunden in die Lage, Biomaterialien für Anwendungen von der Gelenkrekonstruktion bis zur Blutstillung sicher vorzubereiten und zu applizieren. Dazu gehören Orthobiologika für Gelenkoperationen sowie Hämostatika zur Verlangsamung von Blutungen und zum Verschluss von Blutgefässen. Sobald Komponenten vermischt werden, kann eine chemische Reaktion einsetzen, wodurch beim Mischen und Auftragen kaum Toleranz für Fehler bleibt. Vom Spezialisten zum ganzheitlichen Full-Service-Anbieter Kundinnen und Kunden streben zunehmend danach, Schnittstellen in ihren Lieferketten zu reduzieren und mit Partnerinnen und Partnern
Die Produkte und Komponenten agieren zwar grösstenteils im Hintergrund, ihre Wirkung ist jedoch spürbar – in der Verlässlichkeit, Genauigkeit und Handhabbarkeit, die Patientinnen und Patienten sowie medizinisches Fachpersonal im Alltag erleben.
zusammenzuarbeiten, die ganzheitlichere Lösungen anbieten können. Daher verfolgt medmix das Ziel, sich von der Lieferung einzelner Komponenten zu einem Full-Service-Anbieter zu entwickeln und das Produktportfolio um Dienstleistungen wie Testverfahren, Konfektionierung und künftig auch sterile Produkte zu ergänzen. Durch die Abdeckung eines grösseren Teils des Kunden-Workflows trägt medmix dazu bei, die Komplexität für Abnehmerinnen und Abnehmer zu verringern und gleichzeitig die eigene Position in der Wertschöpfungskette zu vertiefen. Innovation über einzelne Produkte hinaus medmix kann in einem Bereich gewonnenes Know-how zur Lösung von Problemen in einem anderen Bereich einsetzen. Ob es um das Verkleben eines Treibstofftanks im Flugzeugflügel, einer Zahnkrone oder von Gewebe und Blutgefässen bei chirurgischen Eingriffen geht: In allen Fällen müssen die Komponenten im korrekten Verhältnis dosiert, über eine sehr kurze Strecke homogen gemischt und präzise appliziert werden. Der kleine statische Mischer fungiert hierbei effektiv als miniaturisiertes chemisches Reaktionsgefäss. Von der Mascara-Bürste zum Medizinprodukt Ein weiteres anschauliches Beispiel verbindet die Mascara-Bürste mit einem Medizinprodukt. Die im Beauty-Geschäft entwickelte Applikatortechnologie schuf das fundamentale Know-how in Bezug auf Materialien, Geometrien und präzise Applikation im Kleinstformat. Dieses Wissen trug später massgeblich zur Entwicklung des ersten «zero-flox»-Applikators für den Gesundheitssektor bei. Dieser vermeidet Faser- oder Borstenverlust. Die Fähigkeit zum Technologietransfer ist fester Bestandteil des Innovationsmodells von medmix. Oft besteht das übergeordnete Ziel darin, eine Anwendung im Sinne der Medizinerinnen und Mediziner sowie ihrer Patientinnen und Patienten einfacher, konsistenter oder effizienter zu gestalten. Wo medmix weiteres Potenzial sieht Innovationen im Gesundheitswesen erhöhen die Anforderungen an Misch-, Dosier- und Verabreichungssysteme kontinuierlich. Neue Materialien lassen sich oft schwieriger vorbereiten und applizieren. Höher konzentrierte Formulierungen sind schwerer zu injizieren. Die zunehmende Selbstmedikation durch Patientinnen und Patienten steigert die Erwartungen an die Zuverlässigkeit und Bedienbarkeit der Geräte. All diese Trends machen genau die Kompetenzen wertvoll, die medmix über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat. Unsichtbare Technologie, sichtbare Wirkung medmix hat Millionen von Injektionspens für Kinderwunschbehandlungen produziert und damit weltweit zum Behandlungserfolg von Familien beigetragen. Ein solcher Pen mag auf den ersten Blick wie ein relativ simples Gerät wirken, doch für Patientinnen und Patienten sind dessen Zuverlässigkeit, Präzision und einfache Handhabung Teil einer sehr persönlichen Erfahrung. Dies unterstreicht eine grundlegende Eigenschaft von medmix: Die Produkte und Komponenten agieren zwar grösstenteils im Hintergrund, ihre Wirkung ist jedoch spürbar – in der Verlässlichkeit, Genauigkeit und Handhabbarkeit, die Patientinnen und Patienten sowie medizinisches Fachpersonal im Alltag erleben. medmix liefert Technologie, die genau dies möglich macht. Weitere Informationen unter: medmix.swiss
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Gastbeitrag • Galenica
Apotheken als Chance für die Gesundheitsversorgung Alternde Bevölkerung, überlastete Hausarztpraxen und Notfallstationen sowie steigende Gesundheitskosten: Apotheken spielen in der Grundversorgung eine immer wichtigere Rolle.
W
Blutdruckwerte zu stark ab, verweist die Apotheke die Patientin oder den Patienten zur Abklärung an eine Arztpraxis. Auch für andere chronische Krankheiten können Apotheken eine wichtige Anlaufstelle sein.
er an eine Apotheke denkt, denkt oft zuerst an Medikamente. Dabei hat sich die Rolle der Apotheke in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Ob Blasenentzündungen, Allergien, Hautbeschwerden, Erkältungen oder Magen-Darm-Probleme: Viele gesundheitliche Anliegen können heute direkt in der Apotheke beurteilt und häufig abschliessend behandelt werden.
Ebenso können Apotheken Präventionsaufgaben wie Darmkrebs-Screenings oder HPV-Impfungen übernehmen und damit Hausarztpraxen und Notfälle entlasten. Je mehr Kompetenzen Apotheken erhalten, umso besser können sie zu einer funktionierenden Grundversorgung beitragen.
Die Nachfrage danach steigt, wie Zahlen der Galenica Gruppe zeigen, die mit Amavita, Sun Store und Coop Vitality das grösste Apothekennetz betreibt. So wurden im vergangenen Jahr in den 384 Galenica Apotheken 368 000 Beratungs- und Gesundheitsdienstleistungen erbracht und damit rund ein Drittel mehr als noch im Vorjahr.
Mit dem Kostendämpfungspaket 2 hat der Bund die Grundlagen für solche Leistungen geschaffen. Die interprofessionellen Angebote müssen nun ausgearbeitet werden, damit die Krankenversicherungen sie auch übernehmen. Dazu ist Zusammenarbeit gefragt.
Das Potenzial gezielt nutzen Apotheken könnten eine noch grössere Rolle übernehmen. In einer vom Schweizerischen Apothekerverband pharmaSuisse in Auftrag gegebenen Umfrage gaben zwei Drittel der Befragten an, sie würden eine medizinische Triage in der Apotheke nutzen. Mit rund 1800 Apotheken verfügt die Schweiz über ein flächendeckendes Versorgungsnetz, das grosse Chancen für die Gesundheitsversorgung der Zukunft bietet. Apothekerinnen und Apotheker sind dank ihrer akademischen Ausbildung und ihres pharmazeutischen Fachwissens bestens qualifiziert, noch stärker zur Gesundheitsversorgung beizutragen.
Apothekenleistungen werden anerkannt Die wichtige Rolle der Apotheken im Gesundheitssystem zeigt sich auch im Bereich der Kostenübernahme durch die Krankenversicherung. Beim Thema «Impfen» konnte ein grosser Meilenstein erreicht werden. Ab dem 1. Januar 2027 ist vorgesehen, dass die Grundversicherung Impfung und Impfstoff in der Apotheke für Personen ab 16 Jahren vergütet, sofern die Impfung im Schweizerischen Impfplan empfohlen ist. Das BAG geht davon aus, dass sich die Durchimpfungsrate bei Erwachsenen dadurch verbessern lässt, etwa bei Grippe oder FSME und weiteren Indikationen.
Im September hat der Nationalrat das EGD angenommen, nun berät der Ständerat. Noch fehlt es weniger an digitalen Anwendungen als an gemeinsamen Standards für den Datenaustausch. Der geplante Gesundheitsdatenraum soll Teil der neuen Dateninfrastruktur werden. Bild Galenica
Gleichzeitig belasten Apotheken die Grundversicherung kaum. Auf den Apothekenkanal entfallen laut Verband drei Prozent der Kosten. Auch die Gesundheitspolitik hat dies erkannt. Mit der «Agenda Grundversorgung» will der Bund die Versorgung breiter abstützen. Dazu gehören Grundlagen, damit Menschen mit akuten Beschwerden und dringenden Fragen auch ausserhalb der Hausarztpraxis Beratung finden. Apotheken werden dabei ausdrücklich als wichtiger Bestandteil einer zukunftsfähigen Grundversorgung betrachtet.
Zusammenarbeit erfordert Digitalisierung Eine bessere Vernetzung im gesamten System ist entscheidend. Viele Lösungsansätze scheitern häufig nicht am Nutzen für Patientinnen und Patienten, sondern an fehlender Koordination zwischen den verschiedenen Akteuren. Digitalisierung ist ein wichtiger Hebel – auch wenn sie heute im Schweizer Gesundheitswesen noch schleppend vorangeht. Will eine Apothekerin wissen, welche Medikamente eine Patientin sonst noch einnimmt, muss sie heute oft in der Hausarztpraxis nachfragen. Mit dem elektronischen Gesundheitsdossier (EGD) sähe sie es selbst. Das spart Zeit und Kosten und schützt die Patientin, denn gefährliche Wechselwirkungen fallen früher auf.
Auch bei anderen Themen kann die Apotheke die Grundversorgung stärken. Mehr als drei Viertel der Befragten der vorher genannten Studie finden, dass auch die Erstversorgung einfacher gesundheitlicher Anliegen sowie die Triage in Apotheken von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen werden sollten. Wichtiger Hebel für Prävention und Therapietreue Einen grossen Hebel haben Apotheken bei der
Prävention und Einhaltung von Therapien. Etwa jede vierte erwachsene Person in der Schweiz hat einen erhöhten Blutdruck. Regelmässige Kontrollen von Blutdruck und Medikation entscheiden mit über Therapieerfolg und Therapietreue. Auch diese Aufgabe kann die Apotheke niederschwellig übernehmen. Die Patientinnen und Patienten kommen regelmässig für ihre Medikamente in die Apotheke. Diese Nähe ermöglicht es, Therapien zu begleiten und Probleme frühzeitig zu erkennen. Weichen die
Vorhandene Ressourcen nutzen Der Druck auf ein leistungsfähiges und finanzierbares Gesundheitssystem wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Die Bevölkerung wächst bis 2040 auf rund 10 Millionen und altert: Die Zahl der Menschen ab 65 steigt bis 2035 von 1,8 auf 2,2 Millionen. Umso wichtiger ist es, vorhandene Ressourcen gezielt zu nutzen und die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure zu stärken. Die Apotheke kann und will dabei als niederschwellige erste Ansprechpartnerin eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung übernehmen. Text Marc Werner, CEO Galenica
Brandreport • Beyond Diagnostics
Der blinde Fleck der modernen Medizin: Wie wirksam sind unsere Medikamente wirklich? Die Medizin wird immer präziser. Wir überwachen Gesundheitsdaten in Echtzeit und entwickeln hochkomplexe Medikamente. Doch eine entscheidende Frage bleibt häufig unbeantwortet: Ist das Medikament, das wir täglich verwenden, noch genauso wirksam wie erwartet? Das Schweizer Deep-Tech-Start-up Beyond Diagnostics entwickelt eine Technologie, die genau das künftig messbar macht. Wirksamkeit von Insulin unter unterschiedlichen Bedingungen verändert. Die Forschung zeigte: Nicht nur Hitze, sondern auch andere Einflüsse können Insulin beeinträchtigen – und das häufiger und stärker als bisher angenommen. Dr. Maren Schinz Biochemikerin, Gründerin und CEO von Beyond Diagnostics
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edikamente durchlaufen strenge Qualitätskontrollen, bevor sie auf den Markt kommen. Doch was passiert danach? Hitze, Transport und Lagerung können die Stabilität empfindlicher Wirkstoffe beeinflussen. Ob ein Medikament dadurch tatsächlich an Wirksamkeit verloren hat, lässt sich im Alltag kaum überprüfen. Gerade bei lebenswichtigen Medikamenten wie Insulin kann diese Unsicherheit erhebliche Folgen haben. Aus Schweizer Forschung wird eine Innovation Am Diabetes Center Berne erforschten Dr. Maren Schinz und Dr. Stefanie Dobitz gemeinsam mit ihrem Team, wie sich die
Aus dieser Forschung entstand Anfang 2026 Beyond Diagnostics. Mit Daniel Tobler als Mitgründer und CTO ergänzt das Unternehmen seine wissenschaftliche Expertise um technologische Entwicklungskompetenz und digitale Innovation und entwickelt mit LUMIQ einen Schnelltest, der künftig innerhalb weniger Minuten eine Einschätzung der Insulinqualität ermöglicht – ohne aufwendige Laboranalysen. «Wir überwachen heute nahezu jeden Aspekt einer Diabetesbehandlung, doch ausgerechnet die Qualität des Insulins selbst können wir zum Zeitpunkt der Anwendung nicht überprüfen», erklärt Dr. Maren Schinz, Biochemikerin, Gründerin und CEO von Beyond Diagnostics. Ein neuer Markt zwischen Pharma und Diagnostik Die Vision reicht weit über Diabetes hinaus. Immer mehr moderne Arzneimittel, darunter Biologika und Peptidtherapeutika, sind auf eine sorgfältige
Handhabung angewiesen. Gleichzeitig stellen steigende Temperaturen, häufigere Hitzewellen und die zunehmende Anwendung von Medikamenten im häuslichen Umfeld und unterwegs neue Anforderungen an den sicheren Umgang mit temperaturempfindlichen Arzneimitteln – insbesondere im Alltag der Patientinnen und Patienten. Beyond Diagnostics möchte eine bislang fehlende Möglichkeit schaffen: Medikamentenqualität direkt am Ort der Anwendung überprüfen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das mehr Sicherheit. Für Pharmaunternehmen, Gesundheitseinrichtungen und Versicherer entstehen neue Möglichkeiten, Arzneimittelqualität besser zu verstehen, unnötigen Abfall zu vermeiden und Therapieentscheidungen auf zusätzliche Daten zu stützen. Vom INSEL CAMPUS BERN in den globalen Gesundheitsmarkt Mit Insulin als erster Anwendung und den USA als einem der zentralen Zielmärkte verfolgt Beyond Diagnostics eine internationale Strategie. Die Technologie befindet sich in der Entwicklung und Validierung. Langfristig soll aus dem ersten Schnelltest LUMIQ eine erweiterbare Plattform für die Qualitätsanalyse unterschiedlicher Medikamente entstehen.
Für die nächste Entwicklungsphase setzt das Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, Gesundheitsorganisationen, Industriepartnern und langfristig orientierten Investoren. Die Vision ist dabei grösser als ein einzelner Test: Medikamentenqualität soll künftig nicht nur im Labor überprüfbar sein, sondern auch dort, wo sie am wichtigsten ist – unmittelbar vor der Anwendung. Weitere Informationen unter beyond-diagnostics.com
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easylearn • Brandreport
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Wissen, das im Klinikalltag ankommt Spitäler und Gesundheitseinrichtungen müssen Mitarbeitende laufend schulen – trotz Schichtbetrieb, Zeitdruck und knappen Ressourcen. Digitale Lernlösungen helfen, Wissen zu vermitteln, Schulungen zu organisieren und Qualifikationen nachvollziehbar zu dokumentieren. Wie das in der Praxis gelingt, zeigen Beispiele aus dem Schweizer Gesundheitswesen.
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m Klinikalltag ist fundiertes Wissen eine wichtige Voraussetzung für die Qualität der Versorgung und die Sicherheit von Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig müssen Spitäler und Kliniken neue Mitarbeitende einarbeiten, Vorgaben vermitteln und Teams auf neue Prozesse oder IT-Systeme vorbereiten. Der Alltag lässt dafür oft wenig Spielraum: Mitarbeitende arbeiten in Schichten, sind an unterschiedlichen Standorten tätig und können nicht jederzeit gemeinsam an Präsenzschulungen teilnehmen. Hinzu kommen Fachkräftemangel, Fluktuation und administrativer Aufwand. Damit Weiterbildung unter diesen Bedingungen funktioniert, braucht es mehr als einzelne Onlinekurse. Gefragt ist ein Lernsystem, das Inhalte bereitstellt, Schulungen organisiert, Lernfortschritte sichtbar macht und Nachweise dokumentiert. Mit seinem Learning Management System (LMS) bündelt easylearn dafür verschiedene Funktionen – von E-Learning-Kursen über interne Lerninhalte bis zur Planung von Präsenzveranstaltungen. Tausende Schulungen in kurzer Zeit koordinieren Wie wichtig eine strukturierte Lernorganisation bei grossen Veränderungsprojekten ist, zeigte sich 2024 bei der Insel Gruppe. Das Spitalnetzwerk führte ein neues klinisches Informations- und Steuerungssystem (KISS) ein. Die Mitarbeitenden sollten vor dem Go-live mit der neuen Software vertraut sein; entsprechend musste die Schulung in kurzer Zeit organisiert werden. Die Lernplattform von easylearn war bei der Insel Gruppe bereits seit rund 20 Jahren im Einsatz. Innerhalb von zwei Monaten wurden mit Unterstützung des easylearn-Kompetenzcenters nahezu 2000 Veranstaltungen in 175 Kursformaten geplant und administriert. Die Auswertungen verzeichneten rund 35 000 Bildungsnachweise und 51 000 Logins. Fünf Administratorinnen und Administratoren koordinierten die Veranstaltungen. Zusätzlich wurde ein Assessment-Modul eingeführt, mit dem sich Wissensstände überprüfen und dokumentieren liessen. Das Beispiel zeigt, wie eine bestehende Lernplattform ein grosses Veränderungsprojekt organisatorisch unterstützen kann. Schulungen lassen sich koordinieren, unterschiedliche Formate abbilden und Fortschritte nachvollziehen. Zugleich greifen die zuständigen Teams bei der Umsetzung auf Unterstützung zurück. Lernen passend zum Arbeitsalltag organisieren Im Klinikbetrieb müssen Lernangebote nicht nur verfügbar sein, sondern sich auch in den Arbeitsalltag integrieren lassen. E-Learning ermöglicht es, theoretische Grundlagen zeit- und ortsunabhängig zu bearbeiten. Präsenzveranstaltungen können dort eingesetzt werden, wo praktische Übungen, Austausch oder persönliche Anleitung gefragt sind. Die Kombination
Zu einem gesunden Qualitätsmanagement gehören Mitarbeitende, die mit Begeisterung nachhaltig lernen. aus digitalen und klassischen Lernformaten – sogenanntes Blended Learning – verbindet flexibles Lernen mit praktischen Übungen und persönlichem Austausch. Auch die Inhalte müssen zum jeweiligen Betrieb passen. Standardisierte Kurse decken Themen wie Datenschutz und IT-Sicherheit ab. Ergänzend erstellen Gesundheitseinrichtungen eigene Lerninhalte, etwa zu internen Abläufen, spezifischen Geräten oder neuen Systemen. So lassen sich allgemeine Grundlagen und organisationsspezifisches Wissen zusammenführen. Bei der Insel Gruppe werden rund 97 Prozent der E-Learning-Kurse intern von Autorinnen und Autoren aus Fachbereichen und Direktionen erstellt. Dadurch können Inhalte eng an den Anforderungen der jeweiligen Bereiche ausgerichtet werden. Die Lernplattform dient somit nicht nur dazu, Kurse zu absolvieren, sondern auch dazu, Wissen aus den Fachbereichen für Mitarbeitende zugänglich zu machen. Weniger Administration, mehr Überblick Neben der Vermittlung von Wissen ist die Organisation der Weiterbildung ein wesentlicher Faktor. Kursangebote müssen ausgeschrieben, Teilnehmende eingeteilt, Termine koordiniert und absolvierte Schulungen dokumentiert werden. Eine manuelle Verwaltung oder die Nutzung verschiedener Systeme kann den Aufwand erhöhen und den Überblick über den Ausbildungsstand erschweren. Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) setzt seit 2006 auf easylearn. Die Einrichtung wollte ihre Bildungsorganisation vereinfachen und Schulungsnachweise verlässlich verfügbar machen. Zum Einsatz kommen E-Learning, ein Wiki für Wissensinhalte, ein Autorentool und seit 2018 auch das Veranstaltungsmanagement. Damit lassen sich digitale Lernangebote und Präsenzschulungen gemeinsam organisieren; Nachweise können für Qualitätsprozesse und Überprüfungen rasch ausgewertet werden. Linda Gamboni vom GZF sagt: «Zu einem gesunden Qualitätsmanagement gehören Mitarbeitende, die mit
Begeisterung nachhaltig lernen.» Weiterbildung ist damit nicht allein eine Frage des Kursangebots. Sie braucht auch eine Organisation, die Inhalte zugänglich macht, Lernaktivitäten dokumentiert und Verantwortliche bei wiederkehrenden Aufgaben entlastet. Wie sich Lernorganisation und bestehende IT-Systeme verbinden lassen, zeigt die Klinik Schützen in Rheinfelden. Eine eigens entwickelte Schnittstelle importiert gebuchte Termine aus dem klinischen Informationssystem Polypoint und trägt sie in die Kalender der Mitarbeitenden ein. Das reduziert manuelle Arbeitsschritte und hilft, Überschneidungen zu vermeiden. «Dank der entwickelten TerminImport-Schnittstelle hat sich der administrative Aufwand unseres Veranstaltungsmanagements enorm reduziert», sagt Christine Brogli, Leiterin Klinikadministration und Mitglied der Klinikleitung. Solche Schnittstellen können doppelte Dateneingaben verringern und relevante Informationen zwischen Systemen verfügbar machen. Mitarbeitende erhalten einen Überblick über ihre Veranstaltungen, während Verantwortliche Schulungsangebote und Teilnahme besser koordinieren können. Pflichtschulungen und Sicherheitswissen im Blick behalten Ein weiterer Anwendungsbereich sind Pflicht- und Sicherheitsschulungen. Hygiene, Datenschutz, Arbeitssicherheit und der Umgang mit Geräten oder Gefahrstoffen gehören in vielen Einrichtungen zum regelmässigen Schulungsbedarf. Neue Mitarbeitende benötigen die relevanten Grundlagen; bestehende Teams müssen bei veränderten Regeln oder Abläufen informiert werden. Wichtig ist deshalb, nicht nur Kurse zuzuweisen, sondern auch nachvollziehen zu können, ob sie absolviert wurden. Ein Beispiel aus der Forschung liefert das Biozentrum der Universität Basel. Im Zusammenhang mit dem Bezug eines neuen Gebäudes mussten rund 600 Mitarbeitende auf veränderte Standorte, Abläufe und Sicherheitsanforderungen vorbereitet
werden. Die vorbereitenden Schulungen wickelte das Biozentrum über easylearn ab. Darüber hinaus, nutzt das Institut das LMS auch für Inhalte zu Laser- und Chemikaliensicherheit, Biosicherheit, Brandschutz und Verhalten im Notfall. Sicherheitsverantwortliche erstellen E-Learning-Inhalte selbst und können Kurse über das System zuweisen und deren Abschluss nachverfolgen. Über ein Wiki bleiben Informationen auch nach der Schulung zugänglich. Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich je nach Einrichtung. Gemeinsam ist ihnen der Bedarf, relevantes Wissen gezielt zu vermitteln, falls notwendig, aufzufrischen und im Arbeitsalltag wiederauffindbar zu halten. Eine zentrale Lernplattform kann dabei helfen, Inhalte und Nachweise zu bündeln. Ein Lernökosystem statt einzelner Kurse Die Beispiele zeigen, dass digitales Lernen im Gesundheitswesen mehrere Aufgaben erfüllen muss. Es soll flexibel nutzbar sein und sich mit den betrieblichen Abläufen vereinbaren lassen. Gleichzeitig benötigen Bildungs- und Fachverantwortliche Werkzeuge, um Kurse zu erstellen, Veranstaltungen zu planen, Lernfortschritte auszuwerten und Qualifikationen zu dokumentieren. easylearn bündelt dafür verschiedene Funktionen: Lernplattform, Autorentool, E-Learning-Inhalte, Wiki, Veranstaltungsmanagement, Assesment- und UmfrageFunktionen. Damit lassen sich standardisierte Inhalte mit betriebsspezifischen Kursen verbinden und digitale Lernangebote mit Präsenzschulungen ergänzen. Auswertungen geben den Verantwortlichen Einblick in absolvierte Lernangebote und den Schulungsstand. Eine solche Lösung ersetzt nicht die fachliche Verantwortung der jeweiligen Organisation. Sie schafft jedoch eine gemeinsame Grundlage, um Weiterbildung systematisch zu planen und umzusetzen. In einem Umfeld, in dem Prozesse, Technologien und Anforderungen laufend im Wandel sind, ist es wichtig, Wissen nicht nur einmal zu vermitteln, sondern verfügbar zu halten und regelmässig zu aktualisieren. Weitere Informationen unter: easylearn.ch
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Medtech und Robotik
Medtech und Robotik: Wenn Maschinen im Spital mitarbeiten Roboter operieren, unterstützen die Rehabilitation und übernehmen repetitive Abläufe im Labor. In der Schweiz sind viele dieser Anwendungen bereits klinische Realität. Ihr weiterer Einsatz hängt jedoch von Evidenz, Finanzierung, Fachwissen und der Fähigkeit der Spitäler ab, neue Technologien in bestehende Abläufe zu integrieren.
B
ei vielen Operationen steht der Chirurg oder die Chirurgin nicht mehr direkt am OP-Tisch, sondern hinter einer Steuereinheit eines Operationsroboters. Von dort aus kann die Fachperson die Instrumente steuern, während eine hochauflösende Kamera das Operationsfeld vergrössert und dreidimensional darstellt. Der Roboter ersetzt also nicht die Person, die den Eingriff plant und durchführt, aber er überträgt die Bewegungen der ärztlichen Fachperson exakt auf Instrumente, die über schlüssellochgrosse Schnitte in den Körper eingebracht werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Operationsroboter DaVinci, der präzise und gewebeschonende Operationen ermöglicht. Viele Schweizer Spitäler setzen diese Technologie seit vielen Jahren ein, unter anderem bei Operationen an Prostata, Niere und Blase. Inzwischen kommen roboterassistierte Systeme auch in weiteren chirurgischen Fachgebieten zum Einsatz: Am Universitätsspital Basel (USB) etwa wurde im März 2026 erstmals in der Schweiz eine roboterassistierte DIEP-Brustrekonstruktion durchgeführt. «Im Zentrum des neuen Verfahrens steht die Verringerung der sogenannten Hebemorbidität, also die Belastung an der Stelle, an der das Gewebe entnommen wird», schreibt das USB in einer Mitteilung. «Studien zeigen für die robotergestützte Technik signifikant weniger postoperative Schmerzen, eine kürzere Hospitalisationszeit sowie ein geringeres Risiko für Bauchwandschwäche und Hernien.» Robotik beschränkt sich dabei nicht auf den Operationssaal. Eine aktuelle Publikation von Spectaris, dem deutschen Industrieverband für Medizintechnik, und der Messe Düsseldorf beschreibt Anwendungen von robotergestützten Biopsien und Endoskopie über Exoskelette bis zur automatisierten Laborlogistik. Entlastung und menschliche Betreuung Der technologische Schub kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Schweizer Gesundheitswesen unter Druck steht. Das Bundesamt für Gesundheit bezeichnet den Fachkräftemangel in der Gesundheitsversorgung im «Forschungskonzept Gesundheit 2025–2028» als «zentrale Herausforderung der nächsten Jahre». Gleichzeitig steigt mit der Alterung der Bevölkerung der Bedarf an Gesundheitsleistungen und die Gesundheitskosten nehmen weiter zu. Automatisierung kann an mehreren
109 Hersteller von Robotern. Mehr als die Hälfte dieser Firmen sind Spin-offs von Schweizer Hochschulen. Rund 7000 Arbeitsplätze hängen direkt mit diesen Unternehmen zusammen.
Doch mit der Anschaffung eines Roboters ist es nicht getan. Stellen ansetzen. Ein Roboter, der Medikamente oder Material durch ein Spital transportiert, übernimmt eine wiederkehrende Aufgabe. Ein automatisierter Laborprozess reduziert manuelle Arbeitsschritte, digitale Systeme können Dokumentations- und Verwaltungsprozesse beschleunigen. Und in der Rehabilitation können robotische Systeme Bewegungen wiederholen und Patient:innen beim Training unterstützen. Das Ziel ist die gewonnene Arbeitszeit: Fachpersonen sollen ihre Kompetenzen dort einsetzen können, wo menschliche Beurteilung, Kommunikation und Verantwortung gefragt sind. Eine aktuelle Analyse von Raiffeisen Economic Research zeigt allerdings, wie begrenzt das Potenzial der Robotik gerade dort ist, wo Fachkräfte fehlen: Unter den Berufen mit erhöhtem Fachkräftemangel weisen lediglich 17 Prozent zugleich eine überdurchschnittlich hohe Robotikexposition auf.
Die Schweiz hat eine starke Ausgangslage Auch wirtschaftlich ist das Thema für die Schweiz relevant. Die Medtech-Branche zählt rund 1400 Unternehmen und beschäftigt fast 72 000 Personen. In den vergangenen zwei Jahren wuchs ihr Umsatz jährlich um durchschnittlich 5,5 Prozent. Gleichzeitig gerät der Standort unter Druck: Laut der aktuellen Branchenstudie von Swiss Medtech planen 43 Prozent der Unternehmen derzeit keine Investitionen und die Beschäftigung wuchs zuletzt nur noch um rund 200 Stellen. Als grösste Herausforderung nennt die Branche den Kostendruck. Als wichtigstes Zukunftsfeld gelten künstliche Intelligenz und Digitalisierung. Die Robotik ist Teil dieser Entwicklung. Laut der Raiffeisen-Auswertung gibt es in der Schweiz 217 Unternehmen mit Bezug zur Robotik, darunter
Das Ziel ist die gewonnene Arbeitszeit: Fachpersonen sollen ihre Kompetenzen dort einsetzen können, wo menschliche Beurteilung, Kommunikation und Verantwortung gefragt sind.
Die ETH Zürich und die EPFL spielen bei der Finanzierung von Robotik-Spin-offs eine wichtige Rolle. Für das Gesundheitswesen bedeutet diese Forschungs- und Unternehmenslandschaft einen potenziellen Standortvorteil. Gleichzeitig reicht technisches Know-how allein nicht aus. Entscheidend ist, ob neue Systeme im klinischen Alltag einen nachgewiesenen Nutzen bringen und sich wirtschaftlich betreiben lassen. Evidenz vor Routine Gerade bei chirurgischen Robotern ist die Datenlage je nach Anwendung unterschiedlich. Swiss Medtech weist darauf hin, dass roboterassistierte Systeme in der Schweiz bei bestimmten Eingriffen bereits breit eingesetzt werden. Bei radikalen Prostatektomien etwa ist die Mehrheit der Eingriffe robotergestützt. Bei anderen Anwendungen ist die Evidenz weniger eindeutig. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Systeme und Indikationen nur schwer miteinander vergleichbar sind. Damit stellt sich eine praktische Frage: Wo verbessert Robotik tatsächlich die Behandlung? Präzision kann ein Vorteil sein, ebenso minimalinvasive Zugänge, standardisierte Bewegungen oder eine bessere Sicht auf schwer zugängliche Körperregionen. Gleichzeitig verursachen solche Systeme hohe Anschaffungs- und Betriebskosten. Technologie braucht Infrastruktur Doch mit der Anschaffung eines Roboters ist es nicht getan. Ärzt:innen müssen geschult werden, Abläufe im Operationssaal müssen angepasst und Wartung sowie technische Betreuung sichergestellt werden. Hinzu kommen Datenschutz, IT-Sicherheit und Haftungsfragen. Je stärker Robotik mit digitalen Systemen, Bildgebung, künstlicher Intelligenz und Patientendaten verbunden wird, desto wichtiger wird eine sichere technische Infrastruktur. Swiss Medtech nennt Datenschutz, Datensicherheit und Haftung ausdrücklich als zentrale Fragen beim Ausbau roboterassistierter Chirurgie. Text SMA
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#fokusfutureofhealthcare
RoboMat AG • Brandreport
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«Unsere Kund:innen wollen eine passende Maschine, aber keinen Prototyp» Mehr Produktvarianten, kleinere Serien und häufigere Wechsel stellen die Pharmaproduktion vor neue Herausforderungen. Wie lassen sich solche Anforderungen automatisieren, ohne bei jeder Anlage von vorne anzufangen? Raphael Huber, Geschäftsführer der RoboMat AG, erklärt, weshalb individuelle Lösungen und bewährte Technik zusammengehören. steht sie jedes Mal still. Bei kleinen Serien fällt das natürlich viel stärker ins Gewicht. Man könnte für jedes Format eine eigene Maschine hinstellen.
Raphael Huber Geschäftsführer, RoboMat AG
Herr Huber, wie verändern spezialisierte Therapien und eine grössere Produktvielfalt die Anforderungen an die Pharmaproduktion? Medikamente werden heute immer gezielter für bestimmte Krankheiten und Patientengruppen entwickelt. Das merken wir auch in der Produktion. In bestimmten Bereichen müssen kleinere Mengen wirtschaftlich hergestellt werden. Die Grossserie verschwindet deswegen aber nicht; beides läuft nebeneinander. Dazu kommt, dass es immer mehr Formate gibt. Spritzen und Autoinjektoren gibt es in unterschiedlichen Grössen, Formen und Aufbauten. Trotzdem möchten Kund:innen möglichst alles auf derselben Anlage verarbeiten. Früher war die erste Frage meistens, wie viele Teile pro Minute die Maschine schafft. Heute wollen unsere Kund:innen genauso wissen, wie lange ein Formatwechsel dauert und wann die Linie danach wieder stabil läuft. Was macht es für Hersteller so anspruchsvoll, kleinere Mengen und unterschiedliche Produktformate wirtschaftlich auf einer Anlage zu produzieren? Eine Anlage, die nur ein Format verarbeitet, kann sehr effizient sein. Muss man aber häufig wechseln,
Das bindet aber Kapital und Produktionsfläche. Und wenn die Mengen tiefer ausfallen als geplant, sind diese Maschinen möglicherweise nicht ausreichend ausgelastet. Deshalb muss man das Ganze anschauen. Am Schluss geht es darum, wie viele gute Teile ich für das eingesetzte Kapital bekomme. Dazu gehören die Laufleistung, die Wechselzeiten und ein sauberer Wiederanlauf. Die Geschwindigkeit allein sagt da wenig aus. Eine individuell entwickelte Maschine klingt nach der passenden Antwort. Weshalb stehen Kund:innen solchen Neuentwicklungen dennoch oft kritisch gegenüber? Ich höre oft den Satz: «Ich will keinen Prototyp kaufen». Das kann ich gut verstehen. Die Kund:innen wollen eine Maschine, die genau zu ihren Produkten und ihren Prozessen passt. Gleichzeitig wollen sie wissen, worauf sie sich einlassen. Wenn wichtige Funktionen erst noch entwickelt werden müssen, kommen sofort Fragen. Funktioniert das im Betrieb? Erreichen wir die Leistung? Wie lange dauert der Hochlauf ? Gerade bei neuen Medikamenten ist Time-to-Market wichtig, und jede Verzögerung kostet Geld. Unsere Aufgabe ist es also, auf die individuellen Anforderungen einzugehen und die Umsetzung trotzdem berechenbar zu halten. Wie verbindet RoboMat kundenspezifische Lösungen mit der Sicherheit bewährter Technik? Wir fangen nicht jedes Mal bei null an. RoboMat hat rund 50 Jahre Erfahrung, und vieles, was Kund:innen heute brauchen, haben wir in ähnlicher Form schon
gebaut und betreuen es bis heute. Man kann sich das wie einen Baukasten vorstellen. Wir nehmen erprobte Elemente, kombinieren sie und passen sie an Format, Prozess und Platzverhältnisse an. So gibt es viel weniger Unbekannte, sei es in der Konstruktion, bei der Inbetriebnahme oder im Hochlauf. Das hilft auch später im Betrieb. Wir kennen diese Module, wissen, wie man sie wartet und wo es klemmen kann. Können Sie an einem konkreten Beispiel erklären, wie das funktioniert und welchen Vorteil die Kund:innen im Produktionsalltag haben? Nehmen wir das Etikettieren von Autoinjektoren. Die Aufgabe ist immer dieselbe, aber jedes Format muss etwas anders aufgenommen, geführt und etikettiert werden. Deshalb legen wir die Anlage von Anfang an auf die vereinbarten Formate aus. Je nach Ausführung geht der Wechsel ohne Werkzeug oder automatisch, bei Robotern zum Beispiel mit einem automatischen Greiferwechsel. Ausserdem konstruieren wir unsere Maschinen von Beginn an so, dass die Line Clearance möglichst einfach geht. Das ist in der Pharma ein ganz wichtiger Punkt. Beim Be- und Entladen von Trays oder bei der Zuführung in Verpackungslinien ist es ähnlich. Für die Kundschaft bedeutet das weniger Handgriffe, kürzere Unterbrüche und kompakte Anlagen, die in die bestehende Produktion passen.
man heute braucht und welche realistischerweise dazukommen. Oft kann man das zum Projektstart nicht abschliessend sagen. Dann muss sich die Anlage später anpassen lassen. Alles Denkbare schon zu Beginn einzubauen, macht sie nur komplex und teuer. Bei uns kommt es oft vor, dass wir eine Maschine Jahre später auf neue Formate erweitern. Dann würde ich mir den Formatwechsel genau anschauen. Was muss ich dafür tun, brauche ich Werkzeug oder Spezialist:innen, und wie schnell läuft die Linie danach wieder stabil? Das ist genauso wichtig wie die Stückzahl pro Minute. Und vom Lieferanten würde ich Transparenz erwarten. Was ist bewährt und wo wird neu entwickelt? Das ist auch unser Ansatz bei RoboMat. Wir automatisieren flexibel, bauen dabei aber auf Technik, die sich bereits bewährt hat. Weitere Informationen unter: robomat.ch
Worauf sollten Pharmaunternehmen heute bei der Investition in eine neue Anlage achten, damit diese auch zukünftige Anforderungen erfüllt? Als Erstes sollte man sich überlegen, welche Formate
Procon AG • Brandreport
Messtechnik macht Qualität sichtbar
Von der Pharmaindustrie bis zur Umwelttechnik sind präzise Messwerte für die Qualitäts- und Prozesssicherung entscheidend. Dafür braucht es durchdachte Abläufe und Praxiserfahrung – von der Geräteauswahl bis zur Störungsbehebung. Demian Urban und Simon Schafer aus der Geschäftsleitung der Procon AG erklären, worauf es ankommt.
Demian Urban Head of Service & Technology und Geschäftsleitung bei Procon AG
Simon Schafer Key Account Manager und Geschäftsleitung bei Procon AG
Warum ist Messtechnik so wichtig für Unternehmen? «Messwerte sind für technische Systeme das, was Sinneseindrücke für uns sind: Sie zeigen, was gerade geschieht, und liefern Warnsignale, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät.» Sie bilden die Grundlage, um Prozesse zu steuern und Qualität nachzuweisen. Bei Arzneimitteln und Medizinprodukten ist zuverlässige Prozessüberwachung eine wesentliche Voraussetzung für Produktqualität und Patientensicherheit. Sowohl eine Qualitätsabweichung als auch ein Messproblem können einen Produktionsstillstand auslösen. Rasche Abklärung erfordert geschultes Personal, geeignete Prüfmittel und einsatzbereite Ersatzgeräte. Unternehmen müssen diese Einsatzbereitschaft intern sicherstellen oder einen spezialisierten Dienstleister wie die Procon AG einbinden.
Wer bestimmt, welche Messwerte gebraucht werden? Das ergibt sich aus dem Produktionsprozess, dem Produkt, den geltenden Qualitätsanforderungen und den individuellen Kundenansprüchen. Eine wichtige Grundlage bilden die sogenannten Arzneibücher: Sie beschreiben Anforderungen und Prüfmethoden für Arzneimittel und beispielsweise auch für das in der Herstellung verwendete Wasser. Je nach Produkt und Zielmarkt sind etwa das Europäische Arzneibuch (Ph. Eur.), das amerikanische (USP) oder das japanische ( JP) zu berücksichtigen. Müssen mehrere erfüllt werden, entstehen anspruchsvolle Fragen, da ihre Vorgaben nicht durchgehend identisch sind. Wir unterstützen Kundinnen und Kunden dabei, diese Anforderungen abzugleichen und spezifisch auf ihre Anwendung zu übertragen. Kaufen Kundinnen und Kunden ein Gerät oder die Messdienstleistung? Formell kaufen unsere Kundinnen und Kunden ein Gerät. Ihr Ziel sind jedoch verlässliche Messwerte, um Prozesse zu steuern und Qualität zu beurteilen. Auch modernste Messtechnik erfüllt diesen Zweck erst durch passende Auswahl, korrekte Einbindung und langfristige Betreuung. Zur Beschaffung gehören deshalb auch Fragen wie: Wer übernimmt Inbetriebnahme und Qualifizierung? Wie werden Wartung und Kalibrierung organisiert? Welche Unterstützung steht bei einem Ausfall bereit? «Guter Service ist wie ein Sicherheitsnetz: Es muss vorbereitet sein, bevor man es braucht.» Das Gerät ist das Werkzeug. Fachwissen, durchdachte Abläufe und zuverlässige Betreuung machen daraus eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Auch beim Gerätetausch während laufender Produktion muss die Qualitätsüberwachung durchgehend erhalten bleiben. Wie kann man anhand der Messwerte erkennen, wo der Fehler liegt? Ein auffälliger Wert allein erklärt seine Ursache
noch nicht. Wir betrachten Messparameter, Prozess- und Betriebsbedingungen sowie den Gerätezustand im Zusammenhang. Erst das Gesamtbild und ergänzende Vergleichsmessungen helfen, zwischen einer Qualitätsabweichung und einem Gerätefehler zu unterscheiden. Gibt es Besonderheiten in einem GMP-regulierten Umfeld? GMP steht für «Good Manufacturing Practice», also gute Herstellungspraxis. Sie umfasst Anforderungen an die kontrollierte Herstellung von Arzneimitteln: geschultes Personal, qualifizierte Geräte und geregelte, nachvollziehbar dokumentierte Abläufe. «Im regulierten Umfeld hat guter Service zwei Ergebnisse: ein zuverlässig arbeitendes Gerät und nachvollziehbare Belege dafür.» Wartung dient hier sowohl der technischen Zuverlässigkeit als auch dem dokumentierten Funktionsnachweis. Prüfungen und Kalibrierungen belegen, ob das Gerät die festgelegten Anforderungen erfüllt, und bilden eine Grundlage für die Beurteilung des weiteren Einsatzes. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen der Procon AG und ihren Kundinnen und Kunden aus? Wir unterstützen technisch und beratend, erarbeiten gemeinsam abgestimmte Abläufe für Wartung, Prüfungen und Interventionen und begleiten deren Umsetzung. «Wir verstehen uns als erweiterter Arm der Qualitätssicherung: Unsere Kundschaft kann auf Fachwissen und Ressourcen zurückgreifen, welche bei Bedarf bereitstehen.» Mehrere Technikerinnen und Techniker kennen die betreuten Anlagen und erfüllen die erforderlichen Schulungs- und Zutrittsvoraussetzungen. Aktuelle Unterlagen, Prüfmittel und Material ermöglichen gezielte Einsätze. Für alle betreuten Geräte stellen
wir typgleiche kalibrierte Ersatzgeräte bereit. Für lange Fehlersuchen vor Ort bleibt meist wenig Zeit. Wir überbrücken technische Ausfälle mit Ersatzgeräten und verlagern die Untersuchung in unser eigenes Testlabor mit Reinstwasser-Loop. Dort können wir Fehler und Prozessereignisse nachstellen und für Herstellerinnen und Hersteller sowie für Endkundinnen und -kunden definierte Standards im Durchflussverfahren erzeugen. So untersuchen wir Ursachen und das Verhalten von Anlagen und Messgeräten und leiten gemeinsam mit unserer Kundschaft Anpassungen an Wartung oder Betriebsbedingungen ab, um Wiederholungen möglichst zu vermeiden. «Wenn die Produktion wieder läuft, geht unsere Arbeit im Hintergrund weiter.» Verlässlicher Partner – Procon AG Die Procon AG aus Burgdorf bietet Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Food & Beverage und Umwelttechnik massgeschneiderte Lösungen für analytische Messtechnik zur Qualitäts- und Prozessüberwachung. Das Angebot reicht von der Geräteauswahl über Inbetriebnahme und Qualifizierung bis zu Wartung und Kalibrierung. Ein eigenes Testlabor, kalibrierte Ersatzgeräte und persönlicher Service runden die umfassende Betreuung über den gesamten Lebenszyklus ab.
Weitere Informationen unter: proconag.ch
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Brandreport • Aquilana
Digitaler Service, persönliche Nähe Wer eine Krankenversicherung kontaktiert, möchte rasch verständliche Antworten erhalten und vieles unkompliziert online erledigen können. Gleichzeitig bleibt persönliche Beratung wichtig – gerade bei komplexen Fragen rund um die eigene Gesundheit. Für Krankenversicherungen bedeutet das, digitale Angebote auszubauen, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren. Gefragt sind Dienstleistungen, die den Alltag erleichtern und bei individuellen Anliegen weiterhelfen.
Ertan Karahan Leiter Marketing und Verkauf bei Aquilana
Was Versicherte heute erwarten Viele Versicherte möchten Rechnungen digital einreichen, Dokumente jederzeit abrufen oder persönliche Daten online aktualisieren. Andere bevorzugen den direkten Kontakt, telefonisch, schriftlich oder im persönlichen Gespräch. Hinzu kommen der Wunsch nach transparenten Informationen, verlässlichen Leistungen und einem sorgfältigen Umgang mit persönlichen Daten. Welche Kontaktform am besten passt, hängt von der Person, dem Anliegen und der Lebensphase ab. Aquilana greift diese unterschiedlichen Bedürfnisse auf, indem sie digitale Dienstleistungen ausbaut und zugleich persönliche Beratung ermöglicht. Die 1892 gegründete Schweizer Krankenversicherung mit Sitz in Baden entwickelt ihre Angebote und Abläufe so weiter, dass Versicherte ihre Anliegen möglichst unkompliziert erledigen können – online ebenso wie im direkten Austausch. Dabei orientiert sie sich an ihrem Leitgedanken «Gesundheit für Generationen». Die Erwartungen verändern sich – Aquilana entwickelt sich mit. Diese Leitidee prägt die laufende Weiterentwicklung der Angebote und Dienstleistungen im Einklang mit den Bedürfnissen der Versicherten. Entscheidend ist nicht allein, welche technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Digitale Angebote müssen einfach zu bedienen sein und im Alltag einen konkreten Nutzen bieten. Versicherte sollen Informationen finden, Anliegen selbstständig erledigen und bei Bedarf Unterstützung erhalten können. Schritt für Schritt digitaler Wie sich diese Entwicklung zeigt, lässt sich an mehreren Etappen zwischen 2021 und 2026 ablesen. Im Juni 2021 führte Aquilana die virtuelle Versichertenkarte in der App ein und baute die elektronische Abwicklung von Kostengutsprachen mit Spitälern aus. 2022 folgte die Erneuerung des Internetauftritts, des Prämienrechners sowie der myAquilana App und des Kundenportals. 2023 optimierte Aquilana mit AQuiZONE die Offert- und Antragsprozesse sowie den Online-Franchisewechsel. Im Jahr darauf kamen ein erneuerter Onlineabschluss für die Ferien- und Reiseversicherung und der digitale Kündigungsprozess für die Grundversicherung hinzu. Seit Januar 2025 steht bestimmten Zusatzversicherten ohne Grundversicherung eine physische und virtuelle Versichertenkarte zur Verfügung. Auch die Kundenkorrespondenz wurde modernisiert:
Für uns bedeutet Digitalisierung nicht, den persönlichen Kontakt zu ersetzen. Sie soll unseren Versicherten den Alltag erleichtern und uns mehr Raum für die Beratung geben, wenn diese wirklich gefragt ist. Aquilana führte rund 240 Standardbriefe zu 120 interaktiven Vorlagen zusammen und vereinheitlichte weitere Dokumente. Seit Februar 2026 ergänzt der digitale AQTUELL-Newsletter die Kundeninformation. Über myAquilana können Versicherte Rechnungen und Dokumente einreichen, Nachrichten austauschen, persönliche Angaben anpassen und Unterlagen papierlos erhalten. Die Nutzung der digitalen Angebote ist gestiegen: Im Februar 2022 lag die publizierte Digitalisierungsquote bei 30 Prozent. Gemäss einer internen Kennzahl von Oktober 2026 liegt sie bei rund 65 Prozent der Versicherten, die zur Registrierung berechtigt sind. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass digitale Dienstleistungen für viele Kundinnen und Kunden zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Kommunikation mit ihrer Krankenversicherung geworden sind. Digitale Angebote, verständliche Leistungen Die Weiterentwicklung beschränkt sich nicht nur auf technische Lösungen. 2023 baute Aquilana Leistungen verschiedener Zusatzversicherungen aus und führte das Grundversicherungsmodell SMARTMED ein. Es verbindet einen digitalen medizinischen Erstkontakt über Medgate mit der Suche nach geeigneten Spezialistinnen und Spezialisten durch BetterDoc. Zur Kundenorientierung gehören ebenso verständliche Informationen und einfache administrative Abläufe. Gerade bei Versicherungsfragen ist es wichtig, dass Kundinnen und Kunden nachvollziehen können, welche Leistungen versichert sind, welche Kostenbeteiligungen anfallen und welche Schritte für ein Anliegen notwendig sind. Digitale Prozesse sind dann hilfreich, wenn Versicherte sie verstehen und im Alltag nutzen können. Dazu zählen klare Informationen zu Leistungen und Kosten ebenso wie unkomplizierte Möglichkeiten, Verträge anzupassen oder Unterlagen einzureichen. Auch die Vereinheitlichung der Kundenkorrespondenz trägt dazu bei, Informationen übersichtlicher und verständlicher aufzubereiten. Digital erreichbar, persönlich nah Trotz des Ausbaus digitaler Dienstleistungen bleibt der persönliche Kontakt wichtig. Neben App und Kundenportal bietet Aquilana weiterhin telefonische und
schriftliche Kontaktmöglichkeiten an. Zudem können Versicherte die persönliche Beratung in der 2023 eröffneten Kundenzone am Hauptsitz in Baden nutzen. Ob es um eine Police, die Kostenbeteiligung oder eine Leistungsabrechnung geht: Nicht alle Anliegen lassen sich auf dieselbe Weise klären. Während manche Fragen online rasch erledigt sind, ist bei anderen der direkte Austausch sinnvoll. Entscheidend ist, dass Anliegen kompetent und nachvollziehbar bearbeitet werden. Digitale und persönliche Kontaktwege ergänzen sich damit und ermöglichen es, unterschiedliche Bedürfnisse zu berücksichtigen. Auch organisatorisch entwickelt sich Aquilana weiter. Anfang 2026 nahm eine neu formierte Geschäftsleitung ihre Arbeit auf. Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf transparente Kundeninformation und die Stärkung der Gesundheitskompetenz. Verständliche Kommunikation hilft Versicherten, Informationen einzuordnen, passende Angebote zu finden und Entscheidungen zu ihrer Versicherung zu treffen. Rückmeldungen als Wegweiser Wie Versicherte die Angebote wahrnehmen, zeigen unabhängige Studien und eigene Kundenumfragen. In der «IFZ Digital Insurance Experience» der Hochschule Luzern erzielte Aquilana wiederholt erste Plätze in den Kategorien Website und Cyber Security. Gerade für einen eigenständigen KMU-Krankenversicherer sind diese Platzierungen im Vergleich mit deutlich grösseren Versicherungsunternehmen bemerkenswert. Sie unterstreichen, dass sich mit schlanken Strukturen, gezieltem Ressourceneinsatz und einem verantwortungsvollen Umgang mit den anvertrauten Prämiengeldern eine hohe digitale Leistungsfähigkeit und Servicequalität erreichen lassen. Auch im Krankenversicherungstracking von AmPuls erreichte das Unternehmen 2025 Spitzenplatzierungen bei Image, Kundenzufriedenheit, Angeboten und Rechnungsbearbeitung. Bei bonus.ch und Comparis erhielt Aquilana 2026 ebenfalls positive Bewertungen. Die Untersuchungen beleuchten unterschiedliche Aspekte der Servicequalität und liefern Hinweise darauf, wie Versicherte die Angebote und
Kontaktmöglichkeiten von Aquilana wahrnehmen. Ergänzend dazu führt Aquilana regelmässig eigene Kundenumfragen durch. Die Befragung von 2026 zeigt, wie sich die Kommunikationspräferenzen verändern: Erstmals bevorzugten mehr Befragte die Kommunikation via App (42 Prozent) als per Telefon (37 Prozent). 2022 lag das Telefon mit 48 Prozent noch vor der App mit 26 Prozent. E-Mail bleibt mit 60 Prozent der meistgenannte bevorzugte Kommunikationsweg. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, unterschiedliche Kontaktmöglichkeiten anzubieten und laufend weiterzuentwickeln. Auch bei der Bewertung der Rechnungsbearbeitung, der Geschwindigkeit der Leistungsrückzahlungen und des Datenschutzes zeigten sich 2026 gegenüber 2024 positive Entwicklungen. Die Rückmeldungen bilden eine wichtige Grundlage, um die Dienstleistungen an den Bedürfnissen der Versicherten auszurichten. Weiterentwicklung bleibt ein Dialog Die Anforderungen an Krankenversicherungen verändern sich laufend. Steigende Gesundheitskosten, hohe Anforderungen an die Datensicherheit und neue digitale Möglichkeiten prägen die Branche. Gleichzeitig müssen digitale Angebote auch für Menschen zugänglich bleiben, die weniger routiniert mit Apps und Onlineportalen umgehen. Eine gute Lösung muss nicht nur technisch funktionieren, sondern für unterschiedliche Nutzerinnen und Nutzer verständlich und praktisch sein. Die Erwartungen der Versicherten verändern sich – Aquilana entwickelt ihre digitalen Dienstleistungen und internen Abläufe deshalb laufend weiter, ohne die persönliche Betreuung aus dem Blick zu verlieren. Als eigenständige Schweizer KMU-Krankenversicherung setzt das Unternehmen auf kurze Entscheidungswege, den Dialog mit den Versicherten und einen verantwortungsvollen Umgang mit den anvertrauten Prämiengeldern. Rückmeldungen helfen dabei, bestehende Angebote zu überprüfen und Dienstleistungen gezielt weiterzuentwickeln. Weitere Informationen unter: aquilana.ch
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Swiss Ablation • Brandreport
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Die Zukunft der Herzmedizin ist ambulant Was vor wenigen Jahren noch mehrere Spitaltage bedeutete, ist heute oft nach wenigen Stunden erledigt: Eingriffe am Herzen, etwa bei Vorhofflimmern, lassen sich zunehmend ambulant durchführen. International zieht die Gesundheitspolitik nach – und mit der einheitlichen Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen (EFAS) schafft die Schweiz ab 2028 die Grundlage dafür, dass sich die bessere Lösung auch finanziell durchsetzt. an Qualität und Sicherheit orientieren – nicht an historisch gewachsenen Spitalstrukturen.
Prof. Dr. med. Sacha P. Salzberg Herzchirurg und Gründer von Swiss Ablation
Dr. med. Thomas Zerm Elektrophysiologe und Gründer von Swiss Ablation
Vorhofflimmern: eine Volkskrankheit, die neue Antworten braucht Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und betrifft in der Schweiz weit über hunderttausend Menschen – mit steigender Tendenz, weil die Bevölkerung älter wird. Unbehandelt erhöht es das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche deutlich. Die Ablation, also das gezielte Veröden der Auslöser im Herzen, hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Neue Energieformen wie die Pulsed-Field-Ablation machen die Eingriffe kürzer, sicherer und besser planbar. «Diese Fortschritte verändern nicht nur die Medizin, sondern auch den Ort, an dem sie stattfindet», sagt Prof. Dr. med. Sacha P. Salzberg, Herzchirurg und CEO von Swiss Ablation in Zürich. «Viele Patientinnen und Patienten können heute am Morgen behandelt werden und am Abend wieder zu Hause sein.» Swiss Ablation: das erste ambulante Zentrum seiner Art Swiss Ablation wurde im November 2022 in Zürich von Herzchirurg Prof. Dr. med. Sacha P. Salzberg und dem Elektrophysiologen Dr. med. Thomas Zerm als schweizweit erstes spezialisiertes ambulantes Zentrum für Elektrophysiologie und Herzmedizin im Allgemeinen gegründet. Die beiden teilten die Vision eines eigenen, unabhängigen Zentrums, in der moderne Herzmedizin ohne Spitalaufenthalt möglich ist. Zerm, ein Pionier der ambulanten Rhythmologie, führt seit rund 20 Jahren Ablationen bei Vorhofflimmern ambulant durch – eine Erfahrung, die zeigt, dass das Konzept nicht Zukunftsmusik, sondern längst erprobte Praxis ist. «Entscheidend für die Sicherheit ist nicht das Spitalbett, sondern ein eingespieltes Team, standardisierte Abläufe und viel Erfahrung», sagt Zerm. Im Zentrum an der Giessereistrasse werden die Eingriffe kathetergestützt in einem modernen, voll
Entscheidend für die Sicherheit ist nicht das Spitalbett, sondern ein eingespieltes Team, standardisierte Abläufe und viel Erfahrung. ausgestatteten Hybrid-Labor durchgeführt. Neben Katheterablationen gehören Herzkatheteruntersuchungen und Koronarinterventionen (PCI), der Verschluss des linken Vorhofohrs und eines offenen Foramen ovale (PFO) zur Schlaganfallprävention sowie Schrittmacher-Implantationen zum Angebot. Heute, im vierten Betriebsjahr, liegen die Behandlungsergebnisse deutlich über dem Schweizer Benchmark. Das zeigt die Statistik der Schweizerischen Stiftung für Rhythmologie, an deren nationales Ablationsregister (CH-PACE) alle Schweizer Ablationszentren ihre Eingriffe melden. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet das: kurze Wartezeiten, ein eingespieltes, spezialisiertes Team, kein Spitalaufenthalt und eine schnelle Rückkehr in den Alltag. Für das Gesundheitssystem bedeutet es: tiefere Kosten bei gleicher oder besserer Qualität. Alle Leistungen werden über die Grundversicherung finanziert – der Zugang hängt nicht von der Versicherungsklasse ab. Dass Kardiologinnen und Kardiologen ambulant arbeiten, ist an sich nicht neu: Die Abklärung vom EKG bis zum Herzultraschall findet seit jeher in der niedergelassenen Praxis statt. Neu ist, dass nun auch die Spitzenmedizin – Ablationen von Vorhofflimmern, Herzkatheter, Vorhofohr- und PFO-Verschlüsse oder Schrittmacher-Implantationen – den Weg aus dem Spital in spezialisierte ambulante Zentren findet. Was vielerorts noch als Zukunftsvision gilt, ist bei Swiss Ablation seit bald vier Jahren Realität. Der internationale Trend ist eindeutig In den USA hat die Gesundheitsbehörde CMS die Katheterablation per 2026 in die Liste der Eingriffe aufgenommen, die in ambulanten chirurgischen Zentren (Ambulatory Surgical Centers, ASC) vergütet werden. Fachgesellschaften werteten dies als Anerkennung dafür, wie sicher die Elektrophysiologie geworden ist. Ebenfalls neu auf der Liste stehen perkutane Koronarinterventionen. Gleichzeitig baut CMS die Liste der Eingriffe, die zwingend stationär erfolgen müssen, schrittweise ab. In Deutschland fördert der Gesetzgeber die Ambulantisierung über sogenannte Hybrid-DRG
– Fallpauschalen, die unabhängig davon gelten, ob ein Eingriff ambulant oder stationär erbracht wird. Eingeführt 2024, wurde der Katalog 2026 auf 69 Hybrid-DRG und rund eine Million Fälle ausgeweitet, darunter erstmals auch kardiologische Eingriffe wie die Implantation von Defibrillatoren und Schrittmachersystemen. Ob in Washington oder Berlin: Die Botschaft ist dieselbe. Was medizinisch ambulant sicher möglich ist, soll auch ambulant erfolgen – und die Vergütung muss das abbilden. EFAS: Die Schweiz korrigiert einen Fehlanreiz Genau hier lag in der Schweiz lange das Problem. Stationäre Behandlungen werden von Kantonen und Krankenversicherern gemeinsam bezahlt, ambulante bisher allein über die Prämien. Ein und dieselbe Leistung wurde so je nach Setting unterschiedlich finanziert – ein klarer Fehlanreiz gegen die Ambulantisierung. Mit EFAS, die die Stimmbevölkerung im November 2024 angenommen hat, ändert sich das ab dem 1. Januar 2028. Dann gilt für alle Leistungen derselbe Verteilschlüssel. «EFAS ist der wichtigste gesundheitspolitische Schritt seit Jahren», sagt Salzberg. «Entscheidend wird sein, dass die ambulanten Tarife kostendeckend sind – sonst bleibt der Systemwechsel auf halbem Weg stehen.» Was es jetzt braucht Damit die Schweiz beim Wandel zur ambulanten Medizin nicht hinter Deutschland und die USA zurückfällt, braucht es vier Dinge: •
Kostendeckende ambulante Tarife. Ambulante Pauschalen müssen die realen Kosten moderner Verfahren abbilden – inklusive teurer Einwegmaterialien wie Ablationskatheter. Sonst werden Eingriffe, die ambulant sicher möglich wären, weiterhin aus finanziellen Gründen stationär durchgeführt.
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Klare Rahmenbedingungen für spezialisierte Zentren. Ambulante Zentren brauchen verlässliche Bewilligungs- und Zulassungsregeln, die sich
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Qualität messen statt Strukturen vergleichen. Entscheidend ist das Ergebnis für die Patientin und den Patienten: Komplikationsraten, Rhythmuserfolg, Lebensqualität. Transparente Qualitätsdaten schaffen Vertrauen – bei Zuweisenden, Versicherern und Patienten.
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Zusatzversicherungen neu denken. Heute sind Zusatzversicherungen fast ausschliesslich auf den Spitalaufenthalt ausgerichtet. Wenn sich die Medizin ins ambulante Setting verlagert, verlieren Halbprivat- und Privatversicherte genau dort ihren Mehrwert. Gefragt sind ambulante Zusatzleistungen mit echtem Nutzen: freie Arztwahl, kurze Wartezeiten, persönliche Betreuung und Komfort – auch ohne Spitalbett.
Ausblick Ambulant heisst nicht weniger Medizin, sondern fokussiertere Medizin: spezialisierte Zentren, standardisierte Abläufe, hohe Fallzahlen und damit hohe Qualität. Entscheidend ist dabei nicht, dass Spitäler ihre Eingriffe in die eigene Tagesklinik verlagern – mit denselben Strukturen und Kosten. Die grösste Wirkung entfalten eigenständige, spezialisierte Institutionen wie Swiss Ablation: schlank organisiert, auf wenige Eingriffe fokussiert und mit einem Team, das täglich nichts anderes macht. Genau dieses Modell fördern die USA mit ihren Ambulatory Surgical Centers. Die Spitäler bleiben unverzichtbar – für Herzinfarkte und andere Notfälle, für Transplantationen und komplexe Operationen. Gerade deshalb ist die Ambulantisierung auch für sie ein Gewinn: Jeder planbare Eingriff, der ambulant erfolgt, schafft im Spital Platz, Personal und Betten für die schweren Fälle. Aber für planbare Eingriffe wie die Ablation oder die Schrittmacher-Implantation gehört die Zukunft den spezialisierten ambulanten Zentren. Swiss Ablation zeigt, dass das in der Schweiz schon heute funktioniert. Weitere Informationen unter: swiss-ablation.com
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A R T M ED I A
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ZWEI PERSPEKTIVEN, EIN ZIEL Versorgungssicherheit gewährleisten Equey: Deshalb betrachten wir Lösungen über ihren gesamten Lebenszyklus. Hüsser: Offene Standards und souveräne Plattformen setzen hier an. Die National Healthcare Cloud der HINT verbindet Technologien mit den Anforderungen an Sicherheit, Verfügbarkeit und Compliance. Pascal Hüsser, Chief Information Security Officer
Dominique Equey, Chief Revenue Officer
Die grösste Gefahr ist nicht der Cyberangriff. Die grösste Gefahr ist, dass die Versorgung darunter leidet.
ist eine Kultur, in der Fehler offen gemeldet werden können. Ein Fehlklick kann überall passieren. Entscheidend ist, wie schnell reagiert wird.
Ob Spital, Pflegeheim oder Arztpraxis: Kaum eine Gesundheitsorganisation kann ihre Leistungen heute ohne digitale Systeme erbringen. Patientendaten müssen verfügbar sein. Medikationsinformationen müssen abrufbar bleiben. Termine, Befunde und Kommunikationswege greifen ineinander wie Zahnräder. Fällt eines davon aus, betrifft dies längst nicht mehr nur die IT. Es betrifft Mitarbeitende, Prozesse und im schlimmsten Fall die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob eine Organisation von einem Cyberangriff betroffen sein wird. Die Frage lautet: Wie gut ist sie vorbereitet?
Equey: Sicherheit muss sich am Menschen orientieren...
Darüber sprechen Pascal Hüsser und Dominique Equey, Geschäftsleitungsmitglieder bei HINT AG. 1 Nicht die Systeme sind entscheidend, sondern die Versorgung. Equey: Viele Organisationen stehen aus Security-Sicht unter Druck. Die Risiken steigen, aber Ressourcen bleiben begrenzt. Wo sollte man beginnen? Hüsser: Bei der Versorgung, nicht bei der Technologie. Welche Leistungen müssen auch dann funktionieren, wenn kritische Systeme ausfallen? Können Patientinnen und Patienten weiter betreut werden? Sind wichtige Informationen verfügbar? Funktionieren Pflege-, Behandlungs- und Medikationsprozesse? Wer diese Abläufe versteht, erkennt auch, welche Systeme und Partner tatsächlich kritisch sind. Equey: Für Geschäftsleitungen von Leistungserbringern sollte primär die Auswirkung auf den Betrieb zählen, nicht die technische Schwachstelle selbst. Hüsser: Genau! Cybersicherheit bedeutet nicht, jedes Risiko zu eliminieren. Es geht darum, jene Risiken zu verstehen, welche die Versorgung gefährden. 2 Cybersecurity ist Chefsache Equey: Viele sehen Cybersecurity noch immer als IT-Thema. Hüsser: Im Ernstfall geht es nicht mehr um Technik, sondern um Entscheidungen: Welche Leistungen haben Priorität? Wer kommuniziert nach innen und aussen? Welche Prozesse müssen weiterlaufen? Cybersecurity ist eine Führungsaufgabe. Equey: Sie gehört auf dieselbe Ebene wie Finanzen, Qualität oder Personal. Die Geschäftsleitung muss Risiken verstehen, Lösungen priorisieren und Schwachstellen beheben. Hüsser: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine einzige Krisenübung genügt, um diese Erkenntnis in den Köpfen zu verankern. Nach wenigen Stunden Systemausfall spricht niemand mehr von einem reinen IT-Thema. 3 Die wichtigste Sicherheitsinstanz ist der Mensch Equey: Viele Vorfälle beginnen beim Menschen. Wie machen wir Mitarbeitende zu Verbündeten? Hüsser: Indem wir ihre Realität verstehen. Ärzte, Pflegefachpersonen und Mitarbeitende in der Administration arbeiten unter hohem Zeitdruck. Sicherheitsmassnahmen müssen praktikabel sein und den Alltag unterstützen. Ebenso wichtig
Hüsser: ... denn Technologie allein schafft keine Resilienz. 4 Zugang zu Expertise statt Aufbau um jeden Preis Equey: Viele kleinere Gesundheitsorganisationen verfügen weder über eigene Security-Teams noch über einen CISO, wie du einer bist. Hüsser: Nicht jede Organisation braucht einen eigenen CISO. Aber jede Organisation braucht Zugang zu entsprechender Kompetenz. Risiken bewerten, Prioritäten setzen, die Geschäftsleitung beraten und Krisen begleiten: Diese Aufgaben müssen professionell wahrgenommen werden. «CISO as a Service» schafft Zugang zu spezialisiertem Know-how, ohne eigene Strukturen aufbauen zu müssen. Equey: Für viele Organisationen ist dies ein pragmatischer und kostenoptimierter Weg, der bei uns immer mehr nachgefragt wird. 5 Digitale Souveränität beginnt mit den richtigen Entscheidungen Equey: Die Cloud wird oft emotional diskutiert. Zu Recht? Hüsser: Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Cloud genutzt wird, sondern wie. Wo werden Daten gespeichert? Wer hat Zugriff? Welche Abhängigkeiten entstehen? Wie bleibt die Organisation langfristig handlungsfähig? Digitale Souveränität bedeutet nicht Verzicht auf Innovation. Sie bedeutet Kontrolle über die eigenen Handlungsmöglichkeiten.
zeigt sich, ob Partner die Organisation verstehen und Verantwortung übernehmen. Technologie, Prozesse und Betrieb müssen als Ganzes betrachtet werden und örtliche Nähe hilft trotz aller Virtualisierung. 8 Versorgungssicherheit ist Führungsaufgabe
6 Vernetzung schafft Resilienz
Equey: Wenn du einer Geschäftsleitung nur eine Frage stellen dürftest, wie würde die lauten?
Equey: Gesundheitsversorgung endet nicht an Organisationsgrenzen. Welche Rolle spielt das Secure Swiss Health Network (SSHN)?
Hüsser: Können Sie Ihre Patientinnen und Patienten weiterhin versorgen, wenn Ihre wichtigsten IT-Systeme morgen ausfallen?
Hüsser: Das SSHN basiert auf der SCION-Technologie und schafft eine geschützte Kommunikationsgrundlage – vergleichbar mit einem separaten, kontrollierten Internet für das Gesundheitswesen. Gesundheitsorganisationen müssen nicht jede Verbindung einzeln aufbauen und absichern. Das Prinzip lautet: «Connect once, reach all.»
Equey: Wenn die Antwort «Nein» lautet, muss die Geschäftsleitung handeln. Entscheidend ist, heute die richtigen Massnahmen zu ergreifen, damit die Versorgung auch im Krisenfall gewährleistet bleibt.
Equey: Weniger Komplexität, mehr Sicherheit – Standards, die in anderen Branchen schon gelten. Hüsser: Das SSHN ersetzt keine Sicherheitsmassnahmen innerhalb der Organisation, schafft aber eine resiliente Grundlage für sichere Kommunikation. 7 Gute Partnerschaften zeigen sich im Ernstfall Equey: Im Alltag sprechen wir oft über Technologien. Im Krisenfall entscheidet die Zusammenarbeit zwischen Menschen. Hüsser: Wenn Systeme ausfallen, bleibt keine Zeit, Zuständigkeiten zu klären. Dann
Hüsser: Dafür braucht es Transparenz über Risiken und Abhängigkeiten. Gemeinsames Fazit Cybersecurity ist heute keine isolierte IT-Aufgabe mehr. Sie ist eine zentrale Voraussetzung für eine sichere Gesundheitsversorgung. Wer Risiken versteht, Verantwortung übernimmt, die eigene Resilienz regelmässig überprüft und auf starke Partner setzt, stärkt nicht nur seine Sicherheit, sondern die Handlungsfähigkeit seiner gesamten Organisation. Versorgungssicherheit beginnt nicht bei der Technologie. Sie beginnt bei den richtigen Entscheidungen.
HINT in Kürze Digitale Gesundheit beginnt mit Vertrauen.
Die HINT AG ist ein auf das Gesundheitswesen spezialisierter ICT-Provider mit Sitz in Lenzburg. Als One-Stop-Shop orchestrieren wir komplexe ICT-Umgebungen – von souveränen CloudLösungen in Schweizer Rechenzentren über digitale Arbeitsplätze und Gesundheitsapplikationen bis zum umfassenden IT-Outsourcing. Wir verbinden Branchenwissen mit verlässlichem Betrieb und koordinieren das Zusammenspiel verschiedener Anbieter basierend auf der National Healthcare Cloud. So entlasten wir Spitäler, Kliniken und Pflegeeinrichtungen im Alltag und unterstützen sie dabei, die Digitalisierung und den Einsatz von KI sicher und zielgerichtet voranzutreiben. www.hintag.ch