DOSSIER
Was uns den Atem verschlägt
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Die gute Nachricht vorweg: Die Luftqualität der Schweiz wird seit Mitte der 1980er-Jahre stetig besser. Das hat viel mit Regulierung und technischem Fortschritt zu tun: Neugestaltung der Städte, effizientere Motoren, strengere Treibstoffstandards, Katalysatoren und vorgeschriebene Partikelfilter. Können wir also im wahrsten Sinn des Wortes aufatmen? Leider nein. Zwar ist die Luftbelastung durch die Co vid-Pandemie gesunken, weil der Verkehr zurückgegangen ist und vielerorts die In dustrie gedrosselt wurde. Aber trotzdem ist die Luftqualität in der Schweiz noch lange nicht so gut wie sie sein sollte, wie der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) schreibt. So liegen die Messwerte vieler Schadstoffe auch im Jahr 2020 teilweise deutlich über den von der WHO empfoh lenen Grenzwerten. Doch was ist eigentlich gemeint, wenn wir von «Luftverschmutzung» sprechen? «Luftverschmutzung ist ein Gemisch aus gasförmigen und festen Teilchen, dem so genannten Feinstaub», erklärt Prof. Dr. Marloes Eeftens. Die Forscherin leitet am Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut in Basel eine Gruppe, die sich unter anderem mit den Auswirkun gen der Luftverschmutzung auf die Ge sundheit beschäftigt. Die gesundheitli chen Auswirkungen reichen von Husten, Atemnot, Bronchitis und Asthmaanfällen bei Kindern und Erwachsenen bis hin zu
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungen krebs und vorzeitigen Todesfällen. Ver antwortlich für die «dicke Luft» in der Schweiz sind vor allem der motorisierte Strassenverkehr, die Landwirtschaft, die Holzverbrennung und die Industrie. Da bei entstehen gasförmige Schadstoffe wie Stickstoffdioxid (NO2), Schwefeldioxid (SO2), Ozon (O3) und Kohlenmonoxid so wie kleinste Partikel mit verschiedensten Zusammensetzungen, die in der Luft schweben. «Welcher dieser Stoffe der Ge sundheit am meisten schadet, wissen wir (noch) nicht. Dazu wird viel geforscht», sagt Eeftens. Und wenn die Forschung Re sultate vorlegt, handelt irgendwann auch die Politik: Ein berühmtes Beispiel dafür war Tetraethylblei, das lange Zeit als An ti klopfmittel im Benzin enthalten war. «Untersuchungen aus den 1980er-Jahren zeigten, dass Blei zu einem frühen Tod führt», erklärt Eeftens. Daraufhin haben verschiedene Länder verbleites Benzin aus dem Verkehr gezogen. In der Schweiz wurde es im Jahr 2000 verboten, ein welt
Marloes Eeftens Prof. Dr. Marloes Eeftens ist Studien- und Gruppen leiterin am Schweizeri schen Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH) in Basel
eites Verbot wurde jedoch erst 2021 um w gesetzt. Auch heute gibt es Handlungsbedarf, wie Eeftens festhält. «Feinstaub, Stick stoffdioxid und Ozon können wir immer noch schwer unter Kontrolle bringen», sagt Eeftens. Jüngste Untersuchungen zei gen, dass die erlaubten Konzentrationen an Schadstoffen bereits gesundheitsschä digend sind. «Deshalb empfiehlt die WHO, noch strengere Massnahmen zu ergreifen, als es die Schweiz und die EU derzeit tun.» Kein Wunder, suchen viele Menschen ihr Heil in der Höhe – bereits Thomas Mann hat mit seinem «Zauberberg» der Höhenklinik Davos ein literarisches Denk
FRISCHE LUFT Strengere Richtlinien zur Luftreinhaltung sind auch im Bundeshaus in Bern immer wieder ein Thema.