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Drogistenstern Oktober/November 2022

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DOSSIER

Was uns den Atem verschlägt

matho – stock.adobe.com, zVg

Die gute Nachricht vorweg: Die Luftqualität der Schweiz wird seit Mitte der 1980er-Jahre stetig besser. Das hat viel mit Regulierung und technischem Fortschritt zu tun: Neugestaltung der Städte, effizientere Motoren, strengere Treibstoffstandards, Katalysatoren und vorgeschriebene Partikelfilter. Können wir also im wahrsten Sinn des Wortes aufatmen? Leider nein. Zwar ist die Luftbelastung durch die Co­ vid-Pandemie gesunken, weil der Verkehr zurückgegangen ist und vielerorts die In­­­ dustrie gedrosselt wurde. Aber trotzdem ist die Luftqualität in der Schweiz noch lange nicht so gut wie sie sein sollte, wie der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) schreibt. So liegen die Messwerte vieler Schadstoffe auch im Jahr 2020 teilweise deutlich über den von der WHO empfoh­ lenen Grenzwerten. Doch was ist eigentlich gemeint, wenn wir von «Luftverschmutzung» sprechen? «Luftverschmutzung ist ein Gemisch aus gasförmigen und festen Teilchen, dem so­ genannten Feinstaub», erklärt Prof. Dr. Marloes Eeftens. Die Forscherin leitet am Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut in Basel eine Gruppe, die sich unter anderem mit den Auswirkun­ gen der Luftverschmutzung auf die Ge­ sundheit beschäftigt. Die gesundheitli­ chen Auswirkungen reichen von Husten, Atemnot, Bronchitis und Asthmaanfällen bei Kindern und Erwachsenen bis hin zu

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungen­ krebs und vorzeitigen Todesfällen. Ver­ ant­wortlich für die «dicke Luft» in der Schweiz sind vor allem der motorisierte Strassenverkehr, die Landwirtschaft, die Holzverbrennung und die Industrie. Da­ bei entstehen gasförmige Schadstoffe wie Stickstoffdioxid (NO2), Schwefeldioxid (SO2), Ozon (O3) und Kohlenmonoxid so­ wie kleinste Partikel mit verschiedensten Zusammensetzungen, die in der Luft schweben. «Welcher dieser Stoffe der Ge­ sundheit am meisten schadet, wissen wir (noch) nicht. Dazu wird viel geforscht», sagt Eeftens. Und wenn die Forschung Re­ sultate vorlegt, handelt irgendwann auch die Politik: Ein berühmtes Beispiel dafür war Tetraethylblei, das lange Zeit als An­ ti­ klopfmittel im Benzin enthalten war. «Untersuchungen aus den 1980er-­Jahren zeigten, dass Blei zu einem frühen Tod führt», erklärt Eeftens. Dar­auf­hin haben verschiedene Länder verbleites Benzin aus dem Verkehr gezogen. In der Schweiz wurde es im Jahr 2000 verboten, ein welt­

Marloes Eeftens Prof. Dr. Marloes Eeftens ist Studien- und Gruppen­ leiterin am Schwei­ze­ri­ schen Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH) in Basel

­ eites Verbot wurde jedoch erst 2021 um­ w gesetzt. Auch heute gibt es Handlungsbedarf, wie Eeftens festhält. «Feinstaub, Stick­ stoff­dioxid und Ozon können wir immer noch schwer unter Kontrolle bringen», sagt Eeftens. Jüngste Untersuchungen zei­ gen, dass die erlaubten Konzentra­tionen an Schadstoffen bereits gesundheitsschä­ digend sind. «Deshalb empfiehlt die WHO, noch strengere Massnahmen zu ergreifen, als es die Schweiz und die EU derzeit tun.» Kein Wunder, suchen viele Menschen ihr Heil in der Höhe – bereits Thomas Mann hat mit seinem «Zauberberg» der Höhenklinik Davos ein literarisches Denk­

FRISCHE LUFT Strengere Richtlinien zur Luftreinhaltung sind auch im Bundeshaus in Bern immer wieder ein Thema.


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