SKILLS SPECIAL
ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
„ MEIN JOB IST EIN HAMMER!“ Mit Kraft, Kreativität und viel Gefühl an die Spitze STEINMETZIN MELANIE SEIDL Ihr Werkzeug meistert sie mit lächelnder Lässigkeit.
ÖSTERREICH SEPTEMBER 2021
Das Magazin zur Europa- meisterschaft der Berufe
LEHRE STÄRKEN
#schaffenwir Und die smarteste Software. eurofunk Gruppe
Im Notfall zählt jeder Handgriff und jede Sekunde. Die Software der eurofunk Gruppe unterstützt Einsatzleitstellen der Feuerwehr, Polizei und Rettung genau dabei. Ein Unternehmen, das anderen hilft und dabei mit Lehrlingsförderung, Sport und Team-building-Projekten auch intern für viel Zustimmung sorgt. Wirtschaft sind wir alle. Alle, die was unternehmen.
Eine Initiative der
schaffenwir.wko.at
ED I TO RIAL
WILLKOMMEN
ALLES SCHAFFEN
CHRIS MAVRIČ
… ist Fotograf, Flaneur und Philanthrop. Der Steirer war also bestens geeignet, Handwerker perfekt in Szene zu setzen – und kurvte deshalb gleich für drei Storys durchs Land. Ab den Seiten 38/39, 58 bis 63 und 72 bis 77.
Andreas Gabalier blickt vergnügt auf das große Stück Kuchen auf seinem Teller und sagt: „In Wahrheit ist das die Antwort auf alle Fragen.“ – Das ist ein Scherz, aber das pas sende Ende unseres Gesprächs. Wir haben den Austro-Superstar am Wörthersee getroffen. Er ist Botschafter von EuroSkills, und er weiß, was es heißt, anzu packen. Also haben wir mit ihm über Arbeit, Handwerk und Erfolg gesprochen (ab Seite 52). Mit ihm und vielen anderen Menschen, die richtig gut in Andreas Gabalier ihrem Beruf sind. Weil sie stets genießt seinen ihr Bestes geben, weil sie so Kuchen. hart trainieren wie Spitzen athleten und weil sie wissen, dass sie alles schaffen können.
KONSTANTIN REYER (COVER), BERNHARD MÜLLER
NICOLAS MAHLER
Viel Inspiration mit dem Special von The Red Bulletin in Kooperation mit der WKÖ! Die Redaktion
54
Teilnehmer werden für Österreich bei EuroSkills an den Start gehen. Mehr Fakten zur Europameisterschaft der Berufe auf Seite 12.
Der renommierte Zeichner Nicolas Mahler zeigt, dass Wünsche wahr werden – auf Seite 98.
THE RED BULLETIN
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I N H A LT The Red Bulletin Skills Special
COVERSTORY
42 EINFACH HAMMER!
Steinmetzin Melanie Seidl, die Powerfrau aus dem Pongau: mit Kraft, Kreativität und viel Gefühl an die Spitze.
TEAMGEIST
58 GEMEINSAM STÄRKER
36 SÜSSER SIEG Weltmeisterin Eveline Wild machte dank WorldSkills-Gold Karriere.
Wenn der Beruf zum Spitzensport wird, ist vor allem eines gefragt: Zusammenarbeit.
DUETT
66 REINE KOPFSACHE PORTFOLIO
Haarartistin trifft Siebenkämpferin – was sie vereint, ist der Traum vom Sieg.
Bewegung festhalten – neun Fotografie-Newcomer lösten diese Aufgabe mit Bravour.
NEUSTART
KONDITORIN
Wie du Beruf und Berufung vereinst – fünf Beispiele, die zeigen, was möglich ist.
36 ERFOLG IST SÜSS
Nach ihrem Titel bei WorldSkills legte Eveline Wild eine Traumkarriere hin.
KFZ-TECHNIKER
38 N UR KEIN MITTELMASS Kfz-Techaniker Kevin Raith liebt es, wenn eine Aufgabe keine Fehler verzeiht.
72 SAG NIEMALS NIE
GUIDE
Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
84 SKILLS-STATIONEN. Shanghai, St. Peterburg und Lyon
Nur wer für seinen Beruf brennt, hat auch Erfolg, sagt Malerin Lisa Janisch.
85 GESCHICHTE. Anekdoten aus der weiten Skills-Welt
INTERVIEW
52 M EINE BOTSCHAFT
Andreas Gabalier ist das Gesicht von EuroSkills – das Gespräch zum Erfolg.
6 GALLERY 12 ZAHLEN, BITTE! 14 FUNDSTÜCK
4
FLOTTER FLITZER Im Wettkampf läuft Kfz-Techniker Kevin Raith zur Höchstform auf.
79 REISEN. Mit dem Skateboard durch Graz. Plus: Top-Tipps
MALERIN
40 FEUER GEFANGEN
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86 LESESTOFF. Vom Leben lernen – Biografien zum Nachlesen
CHRIS MAVRIČ, NORMAN KONRAD
20 M OMENT!
88 T IPPS & TRENDS. Mit besten Empfehlungen der Redaktion 92 KURZGESCHICHTE. Lesespaß von Cornelia Travnicek
16 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW 18 MEIN ERSTES MAL
96 IMPRESSUM 98 CARTOON
74 PERFEKTE PERSPEKTIVE Olga Vinakur erfand sich als Fotografin neu.
THE RED BULLETIN
58 THE RED BULLETIN
MIT VEREINTEN KRÄFTEN Die drei von der Baustelle lehren uns, wie Teamgeist zum Erfolg führt.
Trainer Thomas Prigl (links) mit Daniel Mühlbacher (Mitte) und Georg Engelbrecht
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FABIO WIBMER ÜBER MATTHIAS WAGNER
„Matze sorgt
„Für mich ist nicht nur das Team bei Canyon, das meine Bikes zusammenbaut, enorm wichtig, sondern auch Matthias, mein Mechaniker hier in Innsbruck. Schließlich muss das Material immer zu hundert Prozent passen, und da ist es wichtig, dass Matze, wie ich ihn nenne, sich immer um meine Bikes kümmert und sie vor jedem Videodreh perfekt für mich einstellt.“ leap-bikeshop.at
Fabio Wibmer, 26, Bike-Artist
Matthias Wagner, 33, Mechaniker
HANNES BERGER, KONSTANTIN REYER, PRIVAT
für perfektes Set-up!“
Wir danken euch! Vor den Vorhang: Bike-Artist Fabio Wibmer, MotoGP-Star Miguel Oliveira und die Flying Bulls sagen, warum das Know-how der Fachkräfte ihres Vertrauens für sie Gold wert ist.
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8
MIGUEL OLIVEIRA ÜBER LAURA STAMPFER
„Wir machen uns unsere Stars selbst“
KTM
„Laura ist im Programm KTM Young Professionals und wird – wie bei den KTM-Nachwuchs förderungen von uns Piloten – vom Red Bull Rookies Cup weg an den Leistungssport herangeführt. Sie unterstützt die Technik-Crew und lernt, an der Rennstrecke im Motorsport zu arbeiten. KTM macht sich seine Stars selbst – das gilt bei Facharbeiterinnen ebenso wie bei den Fahrern.“ ktm.com
Miguel Oliveira, 26, MotoGPFahrer
Laura Stampfer, 18, KTMTechnikerin
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MARTIN HINKEL ÜBER ENRICO SCHUSTER
JÖRG MITTER/RED BULL CONTENT POOL, ZAJCMASTER
„Enrico ist eine große Hoffnung“ „Enrico hat gerade mit sehr gutem Erfolg das zweite Lehrjahr abgeschlossen, er ist eine unserer Zukunfts hoffnungen. Wir bilden unsere Techniker selbst aus, um über das einzigartige Wissen zu verfügen, das es braucht, eine Flotte von historischen Flugzeugen zu betreiben.“ flyingbulls.at
Martin Hinkel, 59, Lehrlingsbeauftragter
Enrico Schuster, 17, Luftfahrzeug- technik-Lehrling
Z AH L EN, BI T T E!
EUROSKILLS 2021
Klasse-Treffen Unsere jungen Fachkräfte sind absolute Spitze – 111 Medaillen haben sie seit dem Start von EuroSkills im Jahr 2008 geholt, zuletzt war Österreich sogar das erfolgreichste EU-Land: eine (Zwischen-)Bilanz zum Staunen.
verschiedene Blumenarten werden für die Verarbeitung in den Bewerben bereitgestellt.
Traktoren, Mähmaschinen und Bagger werden im Bewerb sein.
197
Medaillen gewann das rotweißrote Team bei den EuroSkills 2018 in Budapest – davon 4 in Gold, 14 in Silber und 3 in Bronze. Österreich war damit erfolgreichster EU-Staat.
61
TeilnehmerInnen waren seit der ersten EuroSkills 2008 für Österreich am Start. Sie gewannen 111 Medaillen.
Kaffeemaschinen und Wasserspender werden am Eventgelände aufgestellt. Dazu sorgen vier Food-Trucks, ein Restaurant und zwei Cafés für leibliches Wohl.
700
von 800 Wertungspunkten sind nötig, um mit der Medallion of Excellence ausgezeichnet zu werden.
450
Berufe stehen in Graz im Rampenlicht – davon 38 offizielle Wettbewerbsberufe und 10 Präsentationsberufe, in denen ebenfalls Bewerbe ausgetragen werden.
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70.000
20
Kilometer Kabel und ein Kilometer Leitungen müssen im Vorfeld verlegt werden.
Quadratmeter Eventfläche stehen am Gelände des Schwarzl Freizeitzentrums zur Verfügung. 12
THE RED BULLETIN
CLAUDIA MEITERT
48
Teilnehmer werden für Österreich an den Start gehen. Das größte Kontingent mit 14 Aktiven stellt die Steiermark.
HANNES KROPIK
bis 500 Volunteers sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung.
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ist normalerweise das Höchstalter im Wettbewerb. Durch die Corona-bedingte Verschiebung aus dem Vorjahr wurde das Alterslimit jedoch auf 26 Jahre erhöht.
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WKÖ/SKILLSAUSTRIA
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100
LEHRE STÄRKEN
#schaffenwir Und robuste Möbel. Wohlfühltischlerei Knaus
Eine Lehrausbildung im Handwerk legt den Grundstein für eine abwechslungsreiche Karriere. Die Berufsmöglichkeiten sind dabei genauso vielfältig und spannend wie die unzähligen Handgriffe und Techniken, die es zu erlernen gilt. Demnach bietet eine Lehre im Handwerk die Gelegenheit, die eigene Zukunft selbstständig und erfolgreich zu gestalten. Denn Wirtschaft sind wir alle. Alle, die was unternehmen.
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F U ND ST Ü CK
BERGDRAMA
Kriminalrätsel um Ötzis Beil Das einzigartige Werkzeug des Gletschermannes birgt bis heute ein düsteres Geheimnis. Die Klinge besteht aus beinahe reinem Kupfer (99,7 Prozent), der 60 Zentimeter lange Schaft aus Eibenholz. Mit Birkenteer wurde die Klinge im Schlitz des sogenannten Knieholms fixiert und – zum besseren Halt – noch mit Lederstreifen umwickelt. Experten sind sich einig: ein unglaublich wertvolles Werkzeug für die damalige Zeit. Wie mittlerweile bekannt ist, wurde Ötzi ermordet. Wissenschaftler rätseln seither, warum der Täter das einzigartige Beil bei dem Toten zurückgelassen hat. Zu sehen ist es im Südtiroler Archäologiemuseum. iceman.it
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THE RED BULLETIN
SÜDTIROLER ARCHÄOLOGIEMUSEUM/HARALD WISTHALER, PICTUREDESK.COM
Vor rund 5300 Jahren wurde Ötzi im Süd tiroler Schnalstal er mordet. 1991 wurde die Gletschermumie zufällig entdeckt.
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GOETHE SAGT:
„Grübel nicht ewig rum, sondern tu was!“
the red bulletin: Herr Goethe, nach der Schule haben Sie Jura stu diert, dann aber als Schriftsteller Karriere gemacht. Ihr Erfolg führ te Sie nach Weimar, wo Sie als Minister dienten. Und dann waren Sie auch noch Naturforscher. Was davon war nun Ihre Berufung? goethe: Alles. Denn ich hatte nur eine Berufung: Goethe zu sein. Und das bin ich geworden, ohne dass ich Zu Ihrer Zeit war das leichter. mich groß gefragt hätte, was meine Heute gibt es so viele Möglich Berufung ist. Jurist wurde ich, weil „Noch wichtiger mein alter Herr partout wollte, dass als Glück ist der Mut, keiten. Wo soll man anfangen? Guter Punkt. Deshalb habe ich ich Jura studiere. Offen gestanden sich aufs Leben in meinem „Wilhelm Meister“ hatte ich überhaupt keinen Nerv dafür. Aber es gab mir die Chance, geschrieben, am besten sei es für einzulassen.“ von zu Hause wegzukommen. Und einen jungen Menschen, „wenn das war gut, denn in Leipzig hatte er von der Natur mit mäßigem, ich dann die Freiheit, zu tun, wonach mir der Sinn ruhigem Sinn begabt ist, um wederunverhältnismäßige Forderungen an die Welt zu machen, noch stand. Und das waren Kunst und Poesie. Das wurde auch von ihr sich bestimmen zu lassen“. Berufung ist mir in dieser Zeit erst richtig klar. das Ergebnis einer Wechselwirkung, wie bei einem Gespräch. Du fragst etwas, du bekommst Antwort. Wollen Sie damit sagen, dass es völlig okay ist, sich Du fragst etwas anderes … Und irgendwann hast nach Schulabschluss ein bisschen treiben zu lassen du’s verstanden. Dann hast du rausgefunden, was für und zu schauen, wohin es einen zieht? dich stimmt. Aber das geht nur, wenn du dich aufs Nicht ganz. Sich treiben zu lassen ist mir zu passiv. Sie Gespräch einlässt. Es macht nichts, sich zu verirren. müssen schon was unternehmen, sich ausprobieren. Solange du im Gespräch bleibst, gibt es keine verlorene Ich habe ja nicht in Frankfurt gesessen und vor mich Zeit. Der einzige Fehler, den du machen kannst, ist hin gegrübelt, was ich tun soll. Nein. Vater sagte: rumsitzen, nichts tun und auf die Erleuchtung warten. „Geh studieren!“ Ich hab’s gemacht, bin ausgezogen, habe es versucht und festgestellt, dass das nicht mein Weg war. Wenn Vater gesagt hätte: „Mach erst mal JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749–1832) gilt als be eine Ausbildung zum Tischler“, hätte ich es auch deutendster deutschsprachiger Dichter. Mit seinem Erstlings gemacht – zumindest wenn ich damit von zu Hause roman „Die Leiden des jungen Werther“ wurde er nicht nur weggekommen wäre. Was ich sagen will: Besser als europaweit zu einem der meistgelesenen Autoren, sondern rumhängen ist es, irgendetwas auszuprobieren. Und schuf auch eine Romanfigur, die ein neues Lebensgefühl ver wenn dir nichts einfällt, dann lass es dir von jemandem mittelte. Als Naturforscher, Künstler, Staatsmann und Welt sagen, der dich kennt und es gut mit dir meint. bürger ist Goethe für viele Menschen zum Vorbild geworden. Aber der Schuss kann doch nach hinten losgehen. Was, wenn ich etwas anfange, was nicht zu mir 16
CHRISTOPH QUARCH, 57, ist deutscher Philosoph, Zuletzt von ihm erschienen: „Kann ich? Darf ich? Soll ich? Philosophische Antworten auf alltägliche Fragen“, legenda Q, 2021. THE RED BULLETIN
BENE ROHLMANN
passt? Viele Ihrer Dichterkollegen sollten Pfarrer werden und haben schwer darunter gelitten. Hätte ich auch … (Lacht.) Ja, da hatte ich mehr Glück, das stimmt. Aber noch wichtiger ist der Mut, sich aufs Leben einzulassen. Ein Beispiel: Als mich der Fürst nach Weimar rief, dachte ich nicht daran, bei ihm Finanzminister zu werden. Ich dachte: Das wird ein nettes Stipendium, das mir die Freiheit zum Schreiben gibt – und zum Flirten (lacht). Na ja, und dann sollte ich mich um Geld und Bergbau kümmern. Ich hatte keine Ahnung, aber ich habe ja gesagt. Und das war gut. Ohne die Erfahrung als Politiker wäre ich nie Goethe geworden. Deshalb noch mal: Nimm die Angebote an, die dir das Leben macht! So findest du deine Berufung.
DR. CHRISTOPH QUARCH
Kaum ist die Schule geschafft, kommt schon die nächste Herausforderung: Berufswahl. Welche Ausbildung wähle ich? Welchen Weg schlage ich ein? Vor diesen Fragen standen auch die Großen der Vergangenheit. Johann Wolfgang von Goethe zum Beispiel. In unserem fiktiven Interview mit dem deutschen Philosophen Christoph Quarch verrät er, wie man seine Berufung finden kann.
LEHRE STÄRKEN
#schaffenwir Und attraktive Jobs im Handel. Blumenwerkstatt Rath Wien
Die Entscheidung für eine Lehrausbildung im Handel legt den Grundstein für eine lange Karriere. Dabei sind die Berufsmöglichkeiten genauso vielfältig und spannend wie die österreichischen Handelsunternehmen selbst. Und eine Lehre im Handel ist auch immer der Einstieg in eine erfolgreiche Zukunft. Denn Wirtschaft sind wir alle. Alle, die was unternehmen.
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schaffenwir.wko.at
M EIN ERST ES M A L
OTTO JAUS:
„Angst haben ist schlecht, nervös sein ist richtig“ Mit einer Mischung aus Schmäh und Musik hat es das Pop-Duo Pizzera & Jaus auf die ganz großen Bühnen geschafft. Hier erzählen die beiden, wo sie ihren ersten Lacher kassierten und warum auch Pointen harte Proben brauchen. Die beiden bündeln ihre Superkräfte. Paul ist ein Schmähbruder, der die Pointen nur so aus dem Ärmel schüttelt, Otto ein Vollblutmusiker, der schon als Bub bei den Wiener Sängerknaben geglänzt hat. Ihre Songs sind das Beste aus beiden Welten – gewitzte Melodien sozusagen. Seit 2015 singen Paul Pizzera, 33, und Otto Jaus, 38, über alles, was Herz und Hirn Freude macht. Bereits ihr dritter Song, „Jedermann“, wurde zum Mega-Hit. Hier erzählen die beiden über ihre ersten Lacher, die sie so richtig stolz gemacht haben.
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THE RED BULLETIN
WOLFGANG WIESER
paul pizzera: Das war in einem Chrysler im Death Valley in den USA, wo ich in jungen Jahren den „Bongo Boy“ von der EAV zum Besten gegeben hab. Ich glaube, das war die Initialzündung dafür, dass es mir taugt, wenn ich gelobt werde. Bei dir (zu Otto Jaus; Anm.) wird dieser Moment wahrscheinlich bei den „Talent ist schön Sängerknaben gewesen sein, Braucht witzig sein auch oder? Übung – oder reicht Talent? und gut – aber alles otto jaus: Ich weiß es nicht paul: Große Frage, halleluja! braucht Übung.“ genau, muss ich ehrlich sagen. Ich glaube, dass alles Übung Woran ich mich wirklich erinnern braucht, oder? Talent ist schön Paul Pizzera weiß, dass kann, ist, dass ich bei der Heimund gut, wenn man es hat – Hartnäckigkeit belohnt wird. fahrt von der Schule immer der dann funktioniert es durch Buskasperl war. Ich weiß nicht, Übung schneller. wie das funktioniert hat, aber otto: Hätten wir in den ver ich habe gelesen, was in einem Orangensaftpackerl gangenen fünfzehn Monaten nicht geübt, wäre ich drinnen ist. Und das habe ich kommentiert – frag psychisch nicht dort, wo ich jetzt bin. mich nicht, wie! Ich kann mich nur erinnern, dass die letzten drei Reihen gelacht haben. „MEIN ERSTES MAL“ IST DIE RED BULLETIN PODCAST-SERIE, paul: Lustig, dass es bei uns beiden Vehikel waren. in der Heldinnen und Helden über ihre Anfänge sprechen. Die Folge mit Pizzera & Jaus, in der sie Wir sind uns einig, dass jede und jeder, die bzw. der auch über ihren Donauinselfest-Gig sich auf die Bühne stellt, ein bisschen einen Schaden sprechen, gibt’s im Podcast-Kanal hat. Also, es ist wahrscheinlich ein Aufmerksamkeitsvon The Red Bulletin. drang. Ich finde es aber absolut legitim – wir bescheZu finden auf allen ren ja anderen Leuten eine gute Zeit. gängigen Plattformen otto: Die Erfahrung, die mir den Weg gewiesen hat, wie Spotify und auf redbulletin.com/podcast war meine Zeit bei den Sängerknaben, weil ich da das
PHILIPP CARL RIEDL/RED BULL CONTENT POOL
erste Mal gemerkt habe, wie es ist, auf der Bühne zu stehen. Ich war Solist bei den Sängerknaben, und der erste Soloauftritt war eine Katastrophe. Da haben sie mir das Solo wieder weggenommen. Ist aber eh wieder gekommen, und ich habe schon mitgekriegt: Das ist leiwand, die schauen alle auf dich, dann darfst du zeigen, was du kannst. Und du merkst: Angst haben ist ganz schlecht. Nervös sein ist richtig. Du denkst, lasst mich raus, ich will das! paul: Das kann ich unterschreiben. Nicht umsonst heißt es, dass ein Bogen gespannt sein muss, damit ein Pfeil weit fliegen kann. Wenn man nicht nervös ist, dann ist man seiner selbst zu sicher, wenn man auf die Bühne geht. Und wenn man Angst hat, kann 0:00 –48:06 man nicht so gut sein, wie man Pizzera & Jaus sein könnte. Ich freu mich wahnMein erstes Mal – der Podcast sinnig darauf, wieder nervös sein zu dürfen. Ist ja ein Privileg, wieder auf die Bühne zu gehen.
WELCHE FLÜÜÜGEL DÜRFEN’S SEIN?
P O RT FO L IO
Moment! Die Challenge: Bewegung festhalten. Am Start: neun Fotografie-Newcomer aus Österreich. Das Ziel: zeigen, was man kann. Das Ergebnis: sehenswert. Protokoll ISABEL FRAHNDL
Janik Nairz, 18 Neumarkt
In Anbetracht der Bilderflut, die uns tagtäglich via Instagram und Co überschwemmt, ist es nicht leicht, professionell auf der Bild fläche aufzutauchen. Wer sich heute dafür entscheidet, die Fotografie zu seinem Beruf zu machen, braucht nicht nur Talent und eine profunde Ausbildung, sondern auch eine ordentliche Portion Mut und Selbstbewusst sein. Und manchmal auch ein fach ein großes Schaufenster. Deshalb hat The Red Bulletin in Kooperation mit der Bundes innung der Berufsfotografen der WKÖ junge Fotografinnen und Fotografen aus ganz Österreich
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dazu eingeladen, uns ihre besten Bilder zu schicken. Leicht haben wir es ihnen nicht gemacht. Denn das Motto „Action“ gehört zu den absoluten Königsdisziplinen der Fotografie. Immerhin geht es darum, Be wegungen einzufrieren, ohne sie ihrer Dynamik zu berauben. Wenn das gelingt, wird der Druck auf den Auslöser der Kamera zum Auslöser von Emotionen und eine Momentaufnahme zur Essenz einer ganzen Geschichte. In diesem Sinne: Vorhang auf für neun ambitionierte Newcomer, bei denen es „Klick“ gemacht hat.
Das Foto heißt „In the Flow“. Die Körperhaltung formt Linien, die in einer Momentaufnahme den ganzen Bewegungs ablauf spürbar machen. Dynamik im Stillstand. Und wie sich der Haarzopf an die Choreografie dieser Bewegung an schmiegt, ist einfach richtig zauberhaft.
„Im Stillstand die Bewegung spürbar machen – das ist fast magisch.“ THE RED BULLETIN
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„Nichts ist spannender, als spekta kuläre Stunts fotografisch umzusetzen.“
Julian Artner, 22 Neumarkt
„Zero Gravity“ ist definitiv kein Schnappschuss: Julian Artner hat Stefanie Millinger über Instagram kennengelernt. Er ist ein aufstrebender Action-Fotograf, sie eine preisgekrönte Extrem-Artistin. Der Shoot vor der imposanten Kulisse der Allgäuer Alpen demonstriert, dass beide ihr Metier beherrschen.
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„Mit der Kamera kann ich Dinge einfangen, die für das freie Auge unsichtbar bleiben.“
Fatih Klavun, 32
Salzburg-Stadt Zwei Welten in einem Bild: Dieses Foto entstand 2017 für den Fotowett bewerb „Brauchtum Reloaded“. Fürs Brauchtum steht das traditionelle Braut straußwerfen nach der Hochzeit – die Frau, die ihn fängt, geht bekanntlich als Nächste den Bund der Ehe ein. Ob der Bagger Schicksal gespielt hat, wissen wir nicht.
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„Triathlon ist nicht bloß Schwimmen, Radfahren und Laufen, sondern eine emotionale Reise von Start bis Ziel.“
Marla Pilz, 18 Bad Vigaun
Via Überblendungs technik vereint das Bild nicht nur alle drei Disziplinen des Triathlons, sondern auch die Emotionen, die dahinterstehen. Als Titel für die Studioarbeit mit dem Athleten Manuel Hückl wählte Marla das ino∞zielle Motto der U.S. Navy SEALs: „The only easy day was yesterday.“
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Alexander Kaufmann, 25 Zirl
Auch ein Porträt kann Kraft und Dynamik ausdrücken: Durch die Bewegungs unschärfe wird der direkte Augenkontakt mit dem australi schen Model Rachel Heynes zu einem ebenso flüchtigen wie besonderen Moment, den man festhalten möchte – und genau das hat Alexander Kaufmann getan.
„Fotografieren zu lernen ist, wie einen neuen Sinn zu entdecken.“ THE RED BULLETIN
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P O RT FO L IO
„In diesem Moment gibt es nur dich und das Problem vor deinen Augen. Alles andere ist egal.“
Lisa Marie Lederer, 24 Kirchberg
Dieses Boulder-Bild aus dem Magic Wood im Schweizer Kanton Graubünden war ein Projekt von Lisa Maries Freund Niklas. Es zeigt ihn bei einem gewagten Sprung mitten in der Wand. Für ihn war es eine mentale und körper liche Herausforderung. Für Lisa Marie bestand die Herausforderung darin, diese sichtbar zu machen.
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„Bereits als Jugendlicher fotografierte ich Blätter, kleine Steine, meine Katze – einfach alles.“
Manuel Kokseder, 24 Inzing
Die Location vor dem Befreiungsdenkmal in Innsbruck ist kei neswegs zufällig ge wählt. Repräsentiert sein Foto für Manuel doch „den Ausbruch aus der Pandemie. Die Pfosten signalisieren ein Gefängnis, aus dem Nils durch seine Sportart ausbricht und somit die Um gebung klarer und mit mehr Farbe wahrnimmt.“
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„Faszinierend werden bewegte Momente, wenn sie auch bewegende Momente sind.“
Julian Quirchmair, 21 Innsbruck
„Egal ob man sich auf einem Sportevent oder einem Musik festival befindet – man spürt die Energie, die Freude, die Liebe und die Neugier. Diese perfekten Momente festzuhalten ist für mich pure Leiden schaft.“ Momente wie diesen, aufgenommen im Juli 2019 beim Ikarus Festival im bayerischen Memmingen.
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„Das Reizvolle an der Fotografie ist, durch eingefangene Momente Geschichten zu erzählen.“
Nathalie Hutter, 21 Zell am See
Das Bild mit dem T itel „Dazzling E≠ect“ zeigt den jungen Freestyler Luki Höller in einem Snowpark am Kitzsteinhorn. Der heimliche Star der Aufnahme ist aber die Sonne, die genau in dem Augenblick, als Nathalie den Auslöser drückt, als di≠use Scheibe übergroß durch die Wolken decke bricht.
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Konditorin
„Ich erhole mich bei der Arbeit“ Nach ihrem Titel bei WorldSkills hat KonditorWeltmeisterin Eveline Wild eine fast kitschige Traumkarriere hingelegt – und zu einer beneidenswerten Work-Life-Balance gefunden. Text KARIN CERNY Foto NORMAN KONRAD
Natürlich läuft nicht immer alles rund. Die Frage ist nur: Wie geht man mit Niederlagen um? Am zweiten Tag der WorldSkills in Seoul 2001 präsentierte der Konditornachwuchs ein Schaustück aus Schokolade. „Es gab zwei Teilnehmer, deren Kreationen filigraner waren als meine“, erinnert sich Eveline Wild, damals 21. „Klar hatte ich Selbstzweifel. Aber ich wusste: Beim Zuckerschaustück am nächsten Tag bin ich sehr stark.“ Die Tirolerin bewahrte einen kühlen Kopf – und gewann die Goldmedaille in ihrer Disziplin. „Kampfgeist ist wichtig“, sagt Wild, 40, heute im Rückblick. „Aber man sollte aufpassen, dass man nicht verbissen wird.“ Ihr Erfolgsrezept: „Ein Stück Gelassenheit gehört dazu. Man muss im richtigen Moment auf sein Können vertrauen.“ Wild hat jede Menge Power. Wenn sie lacht, dann wirkt das ziemlich ansteckend. Und nimmt den Stress raus – für sie, aber auch für andere. Kann man das lernen? „Keine Ahnung, ich weiß nur, dass es mir gelingt, auch in stressigen Situationen in mir zu ruhen.“
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Zweite Karriere im Fernsehen
Seit ihrem Weltmeistertitel ging es im Job steil bergauf. Heute gehört sie mit ihren kulinarischen Kunstwerken zu den führenden Köpfen in der Backwelt und ist auch im deutschsprachigen Fernsehen ein gern gesehener Gast in Sendungen wie „Frisch gekocht“ (ORF) oder als Jurorin an der Seite von Johann Lafer in dem ZDF-Format „Deutschlands bester Bäcker“. Drei Kochbücher hat die Patissière und Chocolatière auf den Markt gebracht. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem Drei-HaubenKoch Stefan Eder, führt sie das Wohlfühlhotel „Der wilde Eder“ in St. Kathrein am Offenegg im steirischen Almenland. Klingt nach straffem Karriere plan. „Vieles ist mir einfach passiert“, winkt Wild ab. „Ich bin nie zu Bewerbungsgesprächen gegangen. Meine Arbeit hat stets für sich gesprochen.“ Zum Fernsehen kam sie auf Empfehlung der Familie Reitbauer, in deren Wiener Gourmet tempel Steirereck (fünf Hauben) sie als Patissière gewirkt hat. „Mein Motto war immer: Wenn ich viel gebe, kommt auch viel zurück.“ Konkret bedeutet das aber auch sehr, sehr viel Einsatz. Zwei Kinder hat das Paar – und einen vollen Stundenplan. Wie man den Spagat zwischen Kinderzimmer, Küche und TV-Karriere hinlegt, dafür gibt es kein Patentrezept.
Geholfen hat der Konditor-Weltmeisterin aber sicher, dass sie als ältestes von vier Kindern auf einem Bauernhof in Tirol aufgewachsen ist. „Ich habe schon früh gesehen, dass Arbeit zum Leben gehört. Mir war klar, dass man fleißig sein muss, um etwas zu erreichen.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Ich setze Fleiß über Talent“, sagt sie. „Das Talent verkümmert oft, weil man zu faul ist oder keine Chance hat, es auszu leben. Man muss verantwortungsvoll damit umgehen – und lernen, seine eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen.“ Von WorldSkills hat sie vor allem den Teamgeist in Erinnerung, wie wichtig Zusammenhalt ist. Noch heute bezeichnet sie ihren Führungsstil als „familiär, ruhig, bestimmt und schlichtend“. Die Berufsweltmeisterschaft habe ihr gezeigt, wie wichtig struktu riertes Arbeiten ist.
Kraft tanken beim Backen
Aber wie ist sie überhaupt auf die Idee gekommen ist, eine Konditorlehre zu beginnen? „Meine Mutter saß beim Friseur, und ich staunte über das Windgebäck, die glasierten Petits Fours und meisterhaften Torten in der Auslage der Konditorei. Absolut kitschig, aber ich habe es geliebt. Und mir war klar: Das möchte ich auch können!“ Und wie schaltet sie ab, wenn ihr im Job alles zu viel wird? „Ich bin kein Frischluftfanatiker oder Sportfan“, entwarnt Wild. „Ich finde Kraft in der Kreativität beim Backen. Gerade bei monotonen Tätigkeiten wie dem Überziehen einer MaracujaPraline habe ich die besten Ideen für neue Kreationen. Da kommt man richtig in einen Flow.“ Sich bei der Arbeit erholen? Das muss man Eve line Wild erst einmal nachmachen. Mehr Süßes auf: der-wilde-eder.at
THE RED BULLETIN
„Man muss im richtigen Moment auf sein Können vertrauen.“ Eveline Wild, 40, mit ihrer Goldmedaille
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Kfz-Techniker
„Ich interessiere mich nicht fürs Mittelmaß“ Der steirische Kfz-Techniker Kevin Raith läuft im Wettkampfmodus zur Höchstform auf. Sein Credo: Zu einer echten Herausforderung wird eine Aufgabe erst dann, wenn sie keine Fehler verzeiht. Text LISA VESELY Foto CHRIS MAVRIČ
Sowohl in seinem Job als auch bei seiner privaten Leidenschaft, dem Rallye-Sport, geht es um höchstmögliche Präzision. Kevin Raith ist ein Perfektionist. Einer, der sich immer neue Herausforderungen sucht, berufliche wie auch sport liche. Oder beides gleichzeitig: 2015 qualifizierte sich der Steirer für WorldSkills, ein Jahr später ging er bei EuroSkills in Göteborg an den Start. Auch zu Hause übernahm der heute 27-Jährige mit der Leitung des Kfz-Technik-Meister betriebs Köck im Familienunter nehmen in Weiz bereits in jungen Jahren große Verantwortung. Und heuer bewies Kevin eindrucksvoll, dass er nicht nur in der Werkstatt mit Autos umzugehen weiß. Bei der Rallye-Weltmeisterschaft in Kroatien prügelte der Rookie seinen Ford Fiesta Mk II als zweitbester Öster reicher über die Ziellinie. the red bulletin: Erst World Skills, danach EuroSkills und jetzt die Rallye-WM. Du suchst die Herausforderung und den Wettbewerb. Warum? Kevin Raith: Na ja, wenn du von hunderten Mechanikerlehrlingen derjenige bist, der sein Land ver
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treten darf, ist das natürlich er hebend. Eine solche Chance stärkt die Motivation, mit der du deine Arbeit perfekt ausführen kannst. Ich schätze den Wettbewerb auch deshalb so, weil ich Aufgaben umso interessanter finde, je schwieriger und unerreichbarer sie scheinen. Legt sich im Wettkampfmodus der berühmte Schalter im Kopf um? Ich würde eher sagen: Die Fokussierung zündet einen Turbo. Und es ist natürlich eine höchst emotionale Sache. Wenn du dir zum Beispiel im Sport mit deinen früheren Idolen plötzlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferst, ist das schon berauschend. Im Wettkampf sieht man außerdem, dass sich der eigene Einsatz lohnt. Er ist eine Bestätigung, die das eigene Können sicht- und messbar macht. Man erlebt auf internatio nalen Veranstaltungen immer wieder großartige Momente. Aller dings auch weniger schöne. Bei WorldSkills bin ich dann nämlich krank geworden. Und danach? Absturz ins große Jammertal? Gar nicht, im Gegenteil. Um im Beruf und im Leben Ziele zu erreichen, muss man gute Nerven bewahren, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorstellt. Rückschläge muss
man einstecken können, um weiter machen und Erfolge feiern zu können. Sonst hätte ich mich im Jahr darauf nicht bei EuroSkills beweisen können. Man muss sich genauestens vorbereiten und sich auf Ungeplantes mental einstellen. Das gilt im Sport genauso wie im Handwerk. Genauigkeit und Flexibilität: War das auch das Geheimrezept für das tolle Ergebnis beim WM‑Debüt? Unter anderem. Es geht auch um einen konditionellen Fokus und darum, immer wieder konsequent im Rallye-Auto zu sitzen. Sowohl in der Vorbereitung als auch beim Rennen in Zagreb selbst hat dann wirklich alles perfekt funktioniert. Dieser Erfolg ist eine absolute Teamleistung. Im Rallye-Sport sind der Beifahrer und das gesamte Serviceteam genauso wichtig wie der Fahrer selbst. Das ist wie bei uns im Betrieb. Exzellente Arbeit und Erfolge liegen nie an einem allein: Die Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Du bist ein Perfektionist. Macht man sich als solcher das Leben nicht schwerer als notwendig? Das kommt darauf an, womit man sich im Leben zufriedengibt. Mich selbst hat der Durchschnitt nie interessiert. Ich habe auch immer gewusst, dass ich mein eigener Chef sein will. Darum habe ich mich früh selbständig gemacht. Damit trägst du aber auch hundert Prozent des Risikos und die volle Verantwortung. Es kommen jeden Tag neue Herausforderungen auf mich zu. Man weiß in der Früh nie, was einen erwartet. Das ist meistens schön, manchmal gruselig – und ab und zu will man auch einfach nur davonlaufen (lacht). Kevin bei der Arbeit: auto-koeck.at
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„Im Wettkampf sieht man, dass sich der eigene Einsatz lohnt.“ Kevin Raith, 27, Kfz-Techniker & Rallye-Pilot
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Malerin
Bei Lisa Janisch ist der Funke erst recht spät übergesprungen – dafür aber umso explosiver. Heute weiß die Europameisterin der Maler: Wer für sein Handwerk brennt, hat auch Erfolg. Text LISA VESELY
„Die Kosmetikerinnen sind wo anders.“ So wurde Lisa Janisch an ihrem ersten Tag in der Berufsschule begrüßt. „Als Frau wird man im Handwerksberuf auch heute noch oft auf die Optik oder darauf reduziert, die Tochter vom Chef zu sein“, sagt die 29-Jährige, die im Familien betrieb arbeitet. „Da wusste ich: Es war die richtige Entscheidung, ins Handwerk zu gehen. Weil ich be weisen wollte, dass gerade wir Frau en im Handwerk richtig sind. Wir haben ein feines Gespür. Und das braucht es für gutes Handwerk.“ Die Berufsschule hat die gebürtige Steirerin längst verlassen. Wenn auch noch nicht so lange, wie das bei vie len Kollegen ihres Alters der Fall ist. Denn Lisas Weg zur Meisterin (des Jahres, übrigens) der Maler- und Be schichtungstechnik war keineswegs frühzeitig vorgezeichnet. „Nach der Matura in der HLW in Weiz habe ich Bewerbungen für klassische Büro jobs geschrieben. Ich hab mir ge dacht, ich mach doch nicht Matura, um dann Farbkübel in der Gegend herumzuschleppen“, erinnert sie sich mit einem Lächeln. Die Begeisterung für das Maler handwerk entstand erst, „als ich während der Bewerbungsphase – widerwillig, aber doch – meinen Vater im Betrieb begleitet habe“, erzählt die junge Frau.
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Und sie erzählt es in einem un glaublich sympathischen Stoastei risch, an dessen Wiedergabe wir uns gar nicht erst versuchen. „Ich sprech nur im Dialekt. Als ich in Brüssel als EuroSkills-Botschafterin im Parla ment über meine Erfahrungen eine Rede halten sollte, hab ich mich für die englische Sprache entschieden. Weil in Steirisch versteht mich ja niemand, der Vorträge übersetzt. Mir ist aber wichtig, dass mein Herz blut fürs Handwerk bei den Leuten authentisch ankommt.“
„Unbändiges Feuer entfacht“
Diese Bodenständigkeit, gepaart mit unvergleichlichem Ehrgeiz, war es auch, mit der Lisa 2016 bei den EuroSkills in Göteborg in Schweden den Titel als Europameisterin der Maler holte. „Ein unglaublicher Mo ment, von dem ich heute noch Gansl haut kriege. Das war mein größter Traum, und ich wusste: Wenn ich dort hindarf, werde ich alles geben. Als feststand, dass ich teilnehmen kann, war das, als hätte jemand Benzin ausgegossen. Plötzlich wurde dieses unbändige Feuer entfacht!“ Ein Feuer, das ihr die Energie gab, der doppelten Belastung durch ihre Arbeit im Betrieb und die end losen Trainings für die EuroSkills standzuhalten. „Exzellenz ist Konse quenz: Es gibt da keine Ausreden. In der Trainingszeit wurde alles Private hintangestellt. Um ein Ziel zu errei
„Eigene Grenzen würdigen“
Ausschließlich an Perfektion zu arbeiten mache auf Dauer nämlich kaputt. „Wir Jungen reden oft da von, dass wir es anders als unsere dauerarbeitenden Eltern machen wollen. Aber dann ertappe ich mich dabei, dass auch ich weiterarbeite. Exzellenz heißt jedoch auch, eigene Grenzen zu würdigen. Vor allem die, die man noch gar nicht gekannt hat.“ Auch wenn Lisa bei ihren Prioritäten neuerdings auf einen gesunden Ausgleich zwischen Arbeit und Privatem setzt, hat sie im Hand werk dennoch weiterhin große Ziele: „Ich würde gerne noch eine Lehre starten. Herausragendes kommt nur zustande, wenn man nicht stillsteht. Zur Zeit ist für mich aber vorrangig, dass ich gut für unsere Firma da bin. Und im Besonderen liegen mir die Lehrlinge am Herzen. Ich möchte ihnen zeigen, wie viel man im Hand werk erreichen kann.“ Lisas buntes Leben: @lisajanisch_
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„Ich war eine Spätzünderin“
chen, muss man auch zurückstecken können. Visionen motivieren. Mit einer ‚Schau ma mal‘-Mentalität kommst du nicht weiter.“ „Schau ma mal“ gibt es bei Lisa Janisch weder im Trainingsmodus noch im Arbeitsalltag. Dafür sei ihr Anspruch viel zu hoch. „Auf Bau stellen und bei Kundschaften arbeite ich so, wie ich es selber gerne hätte.“ Wie sie es gerne hätte – darum darf es nach den intensiven Jahren zwischen EuroSkills und Meister prüfung jetzt auch endlich privat wieder einmal gehen. „Mein Freund und ich bauen gerade daheim (im steirischen Birkfeld; Anm.) aus. Ich hole jetzt nach, was so lange zurück gestellt war. Jetzt haben Partner schaft, Familie und Freunde wieder einen neuen Stellenwert.“
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„Um ein Ziel zu erreichen, muss man auch zurückstecken können.“ Lisa Janisch, 29, Maler-Europameisterin
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Einfach Hammer!
Sie passt in keine Schublade. Steinmetzin MELANIE SEIDL, 32, vereint in sich alle Fertigkeiten, die ihr Beruf verlangt: Kraft und Kreativität, Vorstellungsvermögen und Feinfühligkeit. Wir trafen die Powerfrau aus dem Pongau zum Interview – und bekamen eine Kostprobe ihrer Kunst. Text JANINA LEBISZCZAK
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Fotos KONSTANTIN REYER
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KRÄFTIG ZUSCHLAGEN
Zielgerichteter Blick, perfekte Körperspannung – man möchte jetzt kein Stein sein.
LUST AN DER ARBEIT
Man sieht, dass Melanie Seidl ihr Beruf Freude macht.
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in richtiger Setz hammer war nicht zur Hand. Aber der Vorschlag hammer tut es auch, immerhin geht es heute nicht darum, tat sächlich Werk stücke aus steiner ner Ewigkeit zu erschaffen, son dern die Kraft einer ganz besonderen Frau in Szene zu setzen. Inmitten der Red Rocks von Adnet stellt Melanie Seidl ihre Schlagfertigkeit unter Beweis. In den Rotkalk-Marmorsteinbrüchen treffen wir die 32-jährige Steinmetzin zum Shooting und zum Gespräch. Dafür ist sie aus dem nahen Werfenweng angereist. Auf den ersten Blick – eine Frau mit Wow-Effekt: beeindruckender Bizeps, ein offenes, humorbegabtes Gesicht und eine Aus strahlung, die jede noch so dunkle Nacht erhellen könnte. Ein echtes Naturmädel, möchte man denken – und das ist sie auch, aber eben: nicht nur. Seidl ist facettenreich wie ihr Beruf. Bereits als 22-Jährige gewann sie die Staatsmeister schaft für Steinmetze, vertrat Österreich als erste Frau bei der Berufs-Weltmeister schaft in London und holte sich 2012 den Titel bei EuroSkills. Seit 2018 gibt sie als Fachlehrerin ihr Wissen weiter. Der Nachwuchs, vor allem der weibliche, ist ihr wichtig. Das ist sie dem Beruf, der Berufung und natürlich dem Stein schul dig. Denn eine gewisse Durchsetzungs kraft muss man als Frau in einer Männer domäne mit sich bringen. Marmor, Stein und Eisen bricht – Melanie nicht. Ein Ge spräch über Gänsehautmomente, Geduld und Gleichberechtigung.
Ihr Strahlen könnte jede noch so dunkle Salzburger Nacht erhellen. THE RED BULLETIN
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„Das Geräusch von Metall auf Stein mag ich niemals mehr missen.“ Melanie setzt die Säge an, und die Welt um sie herum versinkt – symbolisch und in feinem Staub.
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Melanies Werkzeuge Auch moderne Steinmetze können nicht auf Hammer, Meißel und Klüpfel ver zichten. Allerdings gibt es heute eine Vielzahl moder ner Geräte, die die Arbeit erleichtern. Steinkreis sägen zerteilen massive Steinblöcke wie Butter, mit dem Presslufthammer kann die Oberfläche von Natursteinen bearbeitet werden. Unverzichtbar ist eine adäquate Schutzaus rüstung wie Gehörschutz, Handschuhe und Schutz brille. Location: MarmorIndustrie Kiefer GmbH
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the red bulletin: Das Talent zum Steinmetz – hat man das, oder ent wickelt man das erst? melanie seidl: Zu Beginn hat sich bei mir erst einmal ein großes Talent für alle möglichen Verletzungen entwickelt, das ging so dahin bis zu meinem 14. Lebens jahr, es wurden Unmengen Pflaster ver braucht. Als Kind war ich der Grund für viele mütterliche Sorgen. Aufgewachsen bin ich in den Bergen, meine Familie hat sommers wie winters eine Hütte bewirt schaftet. Ich war viel in der Natur, mein Vater hat oft mit Holz gearbeitet – also hab ich mich auch damit beschäftigt. Aber das hat mich nicht so tief beeindruckt wie meine Umgebung: riesige kompakte Kalkfelsen. Ich wusste schon sehr früh, dass ich mit meinen Händen arbeiten will. Entweder ich war draußen oder am Schnitzen, Basteln und Zeichnen. Gab es den einen magischen Moment, in dem dir klar wurde, was die Zu kunft bringen wird? Zuerst einmal ging’s an die Sporthaupt schule, denn der Bewegungsdrang war groß. Dann fuhr ich mit meiner großen Schwester zur Berufsinformationsmesse in Salzburg. Schon aus der Ferne habe ich so ein Klopfen gehört und dann nach der Quelle gesucht. Dort stand ein großer, starker Mann: Robert Singer, ein Lehrer von der Fachschule – ein Steinmetz, wie er im Buche steht. Er fragte mich, ob ich mal probieren will – und ab dem Moment war ich verzaubert. Dieses Geräusch von Metall auf Stein, das fesselt mich heute noch, und ich mag es nie wieder missen. In der Ausbildung durfte ich erstmals mit Hammer und Meißel arbeiten, mein erstes Werkstück wurde eine Eule, dazu gab’s natürlich auch jede Mengen Blasen an den Händen. Dann waren bald die Maschinen dran, da ist alles dabei vom Winkelschleifer bis hin zu den großen Brückenmaschinen. Aber auch Geschich te, Stil- und Gartenkunde gehören dazu. Mein Beruf ist facettenreich. Und auch wenn sich der Irrglaube immer noch hält: Wir gestalten mehr als Grabsteine. Und das wäre? Ich wirke an der Restaurierung von histo rischen Gebäuden und Denkmälern mit, gestalte Produkte für Bäder und Küchen oder ganze Stiegen, massive Designer tische aus ganzen Steinblöcken, jetzt THE RED BULLETIN
gerade ein Skulptur aus Wachauer Mar mor für meine Nachbarn. Von grober bis zu sehr feiner Arbeit ist alles dabei. Kaum ein Tag, kaum ein Auftrag gleicht dem anderen – und ich könnte auf der ganzen Welt einen Job und gleich dazu eine wun derbare, neidfreie Community finden, wenn das Heimweh nicht immer so groß wäre. Gerade habe ich mit dem Unter nehmen Raimund Fuchs 300 Stunden in Altar und Ambo einer „Stille Nacht“- Kirche in Arnsdorf investiert, mein wahr scheinlich größter Erfolg. Was ich da geschaffen habe, wird dort lange, lange stehen. Ein Stückchen Ewigkeit. Mit welchen Steinen arbeitest du am liebsten? Auf jeden Fall mit österreichischen Natursteinen. Nicht nur wegen des öko logischen Fußabdrucks: Einen Stein muss man angreifen, den muss man spüren und entdecken, am besten gleich mitten in der Natur – nicht nur im Kata log anschauen und bestellen. Unsere Steine halten auch unsere Tempera turen aus, die sind gesund, da bricht nichts, das hält. Am meisten Freude be reitet es mir, wenn jemand zum Beispiel beim Wandern einen Findling entdeckt, zu dem er sich hingezogen fühlt, und ich darf dann etwas draus machen, etwas
Melanie trägt Handschuhe, bei denen die Kuppen frei bleiben – auch die Schwerarbeit braucht viel Fingerspitzengefühl.
„Beim richtigen Stein werden wir alle weich.“ mit persönlicher Geschichte. Die ist auch bei der Fertigung von Grabsteinen be sonders wichtig – ich nenne sie ja lieber Gedenksteine. Vor einem halben Jahr erst bin ich mit einem Kunden kilometer weit gefahren, um einen grünen Stein für seineverstorbene Frau zu finden. Da ich die meisten Steinbrüche Österreichs gut kenne, sind wir zusammen los nach Ost tirol – und er wurde fündig. Ein wichtiger Teil der Trauerbewältigung. Beim rich tigen Stein werden wir alle weich. Wo holst du dir die Inspiration? Man muss sich nur umsehen: in der Natur. Das ist die größte Künstlerin von uns allen. Manchmal bearbeite ich den Stein nicht, ich veredle ihn nur – weil die Form schon so wundervoll gegeben ist. Davor habe ich tiefsten Respekt. Alles wird vergehen, der Stein bleibt, den gibt’s seit Tausenden von Jahren. Aber er ver zeiht keine Fehler. Man kann im Nach hinein nichts kleben und flicken, es braucht höchste Konzentration. Außer dem fasziniert es mich, wie die alten Meister gearbeitet haben, denen standen nicht die Mittel und Werkzeuge zur Verfügung, die wir heute haben. Aber eines hatten sie: Zeit. Zeit gibt Kraft. Deswegen bewirtschafte ich mit meiner Familie immer noch gerne unsere Alm samt Kühen und Schweindln. Da lebt man mit dem Tag in den Tag, isst und trinkt, was die Natur hergibt. Dort bin ich auch meiner Großmutter am nächs ten. Wir waren bis zu ihrem letzten Atemzug beste Freundinnen, und sie hat immer an mich geglaubt. War es schwer, im Beruf Fuß zu fassen? Nach einem Jahr an der Fachschule wollte ich nur mehr eines: arbeiten. Vierzigmal habe ich mich sicher beworben, immer wurde ich abgewiesen. Das sei nichts für ein Mädchen, man habe im Betrieb nicht einmal eine Toilette für Frauen, und 49
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überhaupt, wie soll das funktionieren … Das hat mir sogar einmal e ine Frau gesagt – der lächle ich heute noch gerne ins Ge sicht. Also ging’s zurück an die Schule und dort zu Georg Obererlacher, einem Lehrer, der mich sehr förderte – mit Engels geduld, denn ich war nicht immer ein fach. Er war es auch, der mich zum Stein metz-Festival nach Frankreich mitnahm, hunderte Leute klopfen da an giganti schen Blöcken herum, darunter vielleicht fünf Prozent Frauen. Steinmetzmeister Norbert Kienesberger hat mich dort an gesprochen, und vier Tage nach Schul abschluss bin ich nach Oberösterreich gezogen. Bei ihm habe ich viel gelernt, nicht nur was die Arbeit mit dem Mate rial betrifft, sondern auch jene mit den Menschen. Der Betrieb hat immerhin schon zwei Berufsweltmeister und einen -vizeweltmeister hervorgebracht … … und eine Europameisterin. Zuerst einmal ging es für mich zur Staats meisterschaft, die ich 2010 als erste weibliche Teilnehmerin gewonnen habe. Danach durfte ich Österreich bei den Berufsweltmeisterschaften WorldSkills 2011 in London vertreten. Was für eine Aufregung! Meine ganze Familie und viele Freunde sind mitgereist – ein richtiger Fanclub mit eigens bedruckten T-Shirts. Wenn ich an die Atmosphäre zurück denke, an die Nervosität, die Schlacht rufe, bekomme ich noch heute Gänsehaut. Wer einen solchen Bewerb noch nie ge sehen hat, weiß gar nicht, wie vielverspre chend unsere Jugend und somit auch die Zukunft der verschiedenen Handwerks berufe ist. Schlussendlich hat’s dann nur zum fünften Platz gereicht. Aber Euro Skills dann in Belgien im Jahr darauf, die habe ich richtig gerockt – und Gold geholt. Den Moment, in dem mein Name genannt wurde, vergesse ich nie.
„Die Mädels sind meistens die Klassen besten, die haben Biss.“ 50
Was war in Belgien anders? Die Konzentration, der Wille. In den Pausen habe ich es mit klassischer Musik probiert zum Entspannen – und manch mal auch mit Schlagern. Sich nicht ab lenken zu lassen, das ist eine Challenge bei so vielen Menschen. Insgesamt sind mehr 400 Teilnehmer um den Sieg angetreten. Seitdem bin ich bei den Meisterschaften fast immer dabei und juble mir die Seele aus dem Leib. Bei EuroSkills und bei AustrianSkills in Salz burg trete ich als Botschafterin auf – ob wohl ich mit meinen 32 eher zum alten Eisen gehöre. Vorbilder sind wichtig. Ich bin auch wahnsinnig gerne Lehrerin. Zu sehen, dass ich junge Leute inspiriere, ist das Größte. Wie steht es um den Nachwuchs? Noch sind Frauen in der Minderheit, aber es werden stetig mehr, und ich glaube, dass ich dazu auch einen Teil beigetragen habe. In der Ausbildung ist es für sie sicher wichtig, eine Mentorin zu haben. Die Mädels sind meistens die Klassenbesten, die haben Biss, die müssen sich doppelt anstrengen, um ernst genommen werden. Man braucht also nicht nur Können und breite Schul tern, sondern auch ordentlich Selbst bewusstsein. Mein Mundwerk hat mir dabei immer sehr geholfen, meine Titel natürlich auch. Und ich muss sagen, dass sich das Arbeitsklima positiv verändert, wenn eine Frau dabei ist. Das Miteinander wird besser, die Menschen agieren hilfs bereiter. Und die Frauenwitze verkrafte ich, und ich bin gut im Kontern. Aber im Großen und Ganzen merke ich, wie sich die Welt zur Chancengleichheit ver ändert. Auch die der Steinmetze. Und wer ist Melanie Seidl heute? Die hat viele Seiten, die putzt sich auch schon einmal ladylike raus, schmeißt sich in High Heels und kann damit tat sächlich gut laufen. Die ist gerne in der Natur. Dazu noch meine Freunde und Freundinnen, meine Familie, meine Tiere, meine Heimat. Mein Job erfüllt mich zutiefst. Ich brauche kein Fitnesscenter, kein Solarium und keinen Psychologen. Und das Geräusch von Metall auf Stein ist und bleibt die schönste Musik, die es gibt. Für immer. Harte Sachen auf Instagram: @hoamatstoa THE RED BULLETIN
EINE FRAU GEHT IHREN WEG
Melanie Seidl in den Red Rocks von Adnet
Ein Beruf als Welterbe Eine reiche, lebendige Tradition, umfangreiches Wissen, weitergegeben von Generation zu Generation, und auch die Weiterentwicklung mit modernsten Methoden: Das sind die Voraussetzungen, um als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO anerkannt zu werden. Das Steinmetzkunst- und -handwerk hat das im Vorjahr geschafft, die Ur kundenverleihung fand im Juli 2021 am Hallstätter
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See statt – unter dem Motto „Aus Stein werden Werke geschaffen, die Jahrtausende überdauern“. Der vierjährige Lehrberuf „Steinmetztechnik“ setzt auf den Erwerb der traditionellen Handwerks fertigkeiten, umfasst aber auch die computergesteuerte Steinbearbeitung mittels CAD-Zeichnungen und CNC-Programmen. In Österreich gibt es ak tuell 820 eingetragene Mitglieder. wko.at
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Interview
„Mich haben alle ausgelacht – das war der Moment, wo ich gesagt habe, jetzt will ich es wissen“ ANDREAS GABALIER, 36, ist Botschafter von EuroSkills. Im Interview spricht er über Gaudi und Geld, Ehrgeiz und Einsatz und seinen ganz persönlichen Weg zum Erfolg. Text WOLFGANG WIESER Fotos NORMAN KONRAD
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KEIN SOMMER WIE DAMALS
Früher hat er hier gejobbt, jetzt genießt Andreas Gabalier freie Tage in Velden.
Interview
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r trägt ein dunkelblaues T-Shirt, schwarze Pants und gute Laune. Wir vermeinen ihn vergnügt vor sich hin pfeifen zu hören, als er das Marina Lounge Café in Velden am Wörthersee betritt. Wie ein klassischer Botschafter wirkt Andreas Gabalier in diesem Moment nicht. Dennoch kommt er mit einer klaren Botschaft. Auf dem schwarzen Armband, das er am rechten Handgelenk trägt, steht „No Pain, No Gain“, auf gut Deutsch „Ohne Fleiß kein Preis“. Das ist kein Zufall. Ebenso wie die Location. Denn hier in Velden hat der Überflieger der heimischen Musikszene bereits als Dreizehnjähriger gelernt, dass einem im Leben nichts zufliegt. Und er hat gelernt, was es heißt, anzupacken. the red bulletin: Du hast bereits mit dreizehn Jahren hier in Velden ge arbeitet – ganz schön früh. Warum? andreas gabalier: Ich war eines von vier Kindern – aus relativ bescheidenen Verhältnissen. Traktorfahren mit dem Opa ist super, wenn du sieben bist, aber mit dreizehn? Taschengeld hat es auch nicht viel gegeben. Also habe ich meinen Papa gefragt, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gibt, Geld zu verdienen. Er hat mir dann hier in Velden einen Job bei einem Bootsvermieter organisiert – von neun in der Früh bis um neun am Abend, sieben Tage in der Woche. Klingt hart, aber da habe ich das erste Mal die Liebe zur Arbeit entdeckt. 54
Wie wichtig war das Geld? In erster Linie war es eine Gaudi und ein Abenteuer. Aber natürlich war es auch spannend, Geld zu verdienen. Ich hab damals einmal im Jahr von der Oma 500 Schilling (kaufkraftmäßig ca. 50 €, Anm.) zum Geburtstag gekriegt und das eigentlich aufs Sparbuch legen müssen. Und dann verdienst du auf einmal jeden Tag 300 Schilling, plus Trinkgeld. Was hast du mit dem Geld gemacht? Gebunkert oder ausgegeben? Großteils gebunkert, weil du mit dreizehn nicht wirklich was brauchst. Ich hab so viel Gewand von meinem großen Bruder, meinen Cousins und so weiter aufgetra gen – das war nicht wie heute, dass jeder alles neu kriegt und einfach einkaufen geht. Aber ich hab mir damals einen supercoolen Walkman geleistet. Mit Kas setten, die 90 Minuten Spielzeit hatten. Um Lieder aus dem Radio aufzunehmen – mit zwei Fingern gleichzeitig auf „Play“ und „Record“ drücken und dann mit Fine linern die Kassetten-Cover beschriften, ganz schön in Blockschrift natürlich. Hast du so die Musik für dich ent deckt? Nein, Musik war bei uns zu Hause schon immer allgegenwärtig, jedes Kind hat ein Instrument lernen müssen. Das war der Mama ein Anliegen. Was hast du gelernt? Klavier. Obwohl ich lieber am Fußball platz und am Eishockeyplatz war. Aber eine Stunde die Woche gab’s Klavier unterricht – der Willi hat Querflöte gespielt, die Elisabeth so wie ich Klavier und der Toni Schlagzeug. Hast du damals jeden Sommer gearbeitet? Ja, jeden Sommer. Hin meistens schon ein paar Tage vor dem Zeugnis, heim meistens drei, vier Tage nach Schulanfang – mit schwerem Herzen und heißen Tränen über die Pack retour nach Graz. Was hat dich traurig gemacht? Ich habe diese Sommer geliebt. Wenn sie vorbei waren, ist für mich jedes Mal eine kleine Welt zusammengebrochen, weil es so eine Gaudi war, ich einen Haufen Geld verdient habe und es am Wörthersee einfach schön war. Ab sech zehn habe ich dann gekellnert oder den Bademeister gespielt – es waren sehr turbulente, lebensfrohe Sommer. THE RED BULLETIN
GUT GELAUNT
Andreas Gabalier, wie wir ihn kennen: Funkeln in den Augen, verschmitztes Schmunzeln
Du hast aber nicht nur im Sommer gearbeitet? Nein. Später dann auch in Graz. Samstags und sonntags. Café Kirscherl hat das Wirtshaus geheißen, tagsüber war es ein Café, und am Abend ist die Post abgegangen. Und das ist dir nie auf die Nerven gegangen? Sicher war es manchmal zach. Aber wenn du zugesagt hast, ist überhaupt nicht zur Debatte gestanden, dass du wieder absagst. Das war nicht immer leicht, aber da hast du beißen gelernt. Es wäre mir nicht einmal im Traum eingefallen, nicht arbeiten zu gehen, nur weil ich vielleicht am Vorabend einmal zu lang unterwegs war. Woher diese Disziplin? Das war einfach so. Alles hinzuschmeißen, wenn dir was nicht passt, das hat es nicht gegeben. Bei der Suche nach einem Job hat es geheißen: Wenn du willst, gern, aber dir muss klar sein, dass du das auch durchziehen musst.
„Sicher war es manchmal zach. Aber wenn du zugesagt hast, ist überhaupt nicht zur Debatte gestanden, dass du wieder absagst.“ THE RED BULLETIN
Bist du deshalb das Gesicht von Euro Skills – weil es dir ein Anliegen ist, zu zeigen, wie wichtig der persönliche Einsatz ist? Ja, weil ich gesehen habe, was alles möglich ist im Leben, wenn man seine Talente erkennt, nutzt und auf die Straße bringt. Und wie schön es sein kann, wenn du eine Berufung findest. Es ist so wichtig, dass man im Leben etwas findet, was einem liegt, worin man aufgeht … Es muss nicht jeder reich oder Großunternehmer werden. In meinem Freundeskreis sind die meisten selbständig. Weil sie für sich etwas gefunden haben, was ihnen Freude macht. Und genau deswegen mache ich das gerne mit EuroSkills. Außerdem habe ich auch total schöne Erfahrungen gemacht, zum Beispiel mit der Lisa (Janisch, Malermeisterin, Porträt ab Seite 40). Ich habe gehört, du hast dich selber auch recht geschickt angestellt beim Malen und auch beim Tischlern. Als Kinder haben wir mit dem Opa viel geschnitzt. Die Mama und alle ihre Schwestern und Brüder haben einen richtig schönen handgemachten Bauernkasten gekriegt vom Opa. Und da haben wir als Kinder gerne mitgeholfen und uns so auch ein bisschen ein Geschick erarbeitet. 55
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Als Bub hat er beim Bootsverleih gearbeitet – deshalb haben wir den EuroSkills-Botschafter in der Bootswerft Schmalzl zum Käpt’n gekürt.
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„Der Fleiß macht einen erfolgreichen Handwerker aus, deshalb hängen Arnolds Erfolgsregeln seit Jahren auf meinem WC.“ Du bist sozusagen erblich vorbelastet. Ja, uns ist einfach sehr viel gezeigt worden. Du bist als Kind auf Augenhöhe behandelt und überallhin mitgenommen worden, auch wenn beim Traktor was zum Reparieren war, das war ein Abenteuer, das hat dir getaugt. Du hast eine blaue Kindermontur gekriegt oder irgendeine Jacke, wo die Ärmel fünfmal aufgekrempelt worden sind. Dann hast du den Schraubenzieher gereicht und die Lampe gehalten und das Öl gewechselt. Du warst dabei. Was macht einen guten Handwerker aus? Er muss einen Blick für die Sache haben. Man sieht das, ob wer ein Gespür hat oder nicht.
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Und was macht einen erfolgreichen Handwerker aus? Der Fleiß, deshalb rede ich immer von den Six Rules for Success vom Arnold Schwarzenegger, die mich so geprägt haben und die seit 25 Jahren auf meinem WC hängen. Die Kandidaten, die bei EuroSkills antreten, sind so etwas wie die Marcel Hirschers des Handwerks – wo jedes Detail Bedeutung hat. Abschreckend oder bewundernswert? Das bewundere ich, weil ich mir sage, man hat nur ein Leben, und es gilt, etwas daraus zu machen. Das war auch bei mir so. Ich habe mir gesagt, ich will ganz rauf. Am Anfang haben mich alle aus gelacht, als ich gesagt habe, ich will der erfolgreichste Musiker Österreichs wer den. Das nächste Mal haben sie gelacht, als ich gesagt habe, dass ich Konzerte spielen will wie der Grönemeyer. Das war der Moment, wo ich gesagt habe, jetzt will ich es wissen. Und dann war die Tour in wenigen Tagen ausverkauft. THE RED BULLETIN
Was Arnie und Andreas verbindet Die Steirische Eiche hat sechs Erfolgsregeln formuliert, die Andreas Gabalier bis heute beeindrucken. 1. Trust Yourself Vertrau auf dich. 2. Break Some Rules Brich ein paar Regeln. 3. Don’t Be Afraid to Fail Hab keine Angst zu versagen. 4. Ignore the Naysayers Ignoriere die Neinsager. 5. Work Your Butt off Reiß dir deinen A**** auf. 6. Give Something Back Gib etwas zurück. Wirklich überrascht kann dich das nicht haben – aber warum wolltest du überhaupt so groß werden? Nach dem Tod meines Vaters vor fünf zehn Jahren habe ich einfach keinen Kopf zum Lernen und keine Lust gehabt, auf der Uni irgendwas zu tun. Da war nur das Gefühl, ich muss jetzt was an deres machen. Ich habe mir gesagt, das Leben ist zu wertvoll, als dass du dich irgendwo durchquälst – ich möchte etwas machen, was mich erfüllt, und das war immer die Musik. Schon die erste Platte hat sich super verkauft. Weshalb hat das so gut funktioniert? Groß denken kann man schnell,
aber wieso setzt man sich dann auch durch? Weil ich mir das zweieinhalb Jahre lang auf Biegen und Brechen und mit un ermüdlichem Fleiß auf vier, fünf, sechs Zeltfesten die Woche, Stadtfesten und Radiofesten erspielt habe. Siehst du dich eigentlich als Hand werker oder als Künstler? Ich sehe mich als vielseitig einsetzbaren Menschen. Aber das ist noch keine Antwort. Handwerker oder Künstler? Ich sehe mich als Unternehmer, der sein Handwerk verstanden hat. Der verstanden hat, was die Leute wollen, und der von Beginn an das große Glück hatte, das machen zu können, was er machen möchte und was ihm Freude bereitet. Was ist das Beste, was du je mit deinen Händen geschaffen hast? Letzten Endes ist es Musik, die für mich eben auch emotionales Handwerk ist. Lieder, die einfach berührt haben, die bleiben. Wie „Amoi seg ma uns wieder“. Das Lied wird immer da sein, glaube ich, solange es mich geben wird – vielleicht auch darüber hinaus. Bei EuroSkills geht es auch um be sondere Fähigkeiten, besonderes Engagement. Was, würdest du sagen, kannst du besonders gut? Auf Menschen eingehen, egal wie, wo, was, egal welcher Herkunft, welcher Lebenseinstellung. Ich glaube, dass ich Leuten zuhören, auf sie eingehen kann – und daraus auch vieles für mich mit nehme. Was würdest du Menschen raten, die vor der Berufswahl steht? Alles zu tun, um zu entdecken, wo sie Erfüllung finden. Das zu suchen, wo sie sich vorstellen können, dass sie das freut. Und wenn sie nicht so recht wissen, was sie tun sollen: Wie lässt sich Leidenschaft finden? Das Schöne ist, dass man alles machen kann. Nachjustieren geht immer. Gewisse Dinge brauchen Zeit, man ist auch mit zwanzig nicht fertig. Bei weitem nicht … Mehr Gabalier in allen Lagen auf Instagram: @andreasgabalier_official
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IE „W MARCEL HIRSCHER VOR EINEM SLALOM“ Sie essen Algen, atmen den Stress weg oder stemmen einhändig 40 Kilo. Und sie verstehen einander blind. Wenn der Beruf zum Spitzensport wird, ist vor allem eines gefragt: absolutes Vertrauen ins eigene Team. Text HANNES KROPIK Fotos CHRIS MAVRIČ
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DIE STARKEN DANIEL MÜHLBACHER UND GEORG ENGELBRECHT MIT THOMAS PRIGL Georg ist die Urgewalt im Team: Dass er von David „chauffiert“ wird, ist eine Ausnahme, üblicherweise arbeiten die Betonbauer im Laufschritt. Trainer Thomas Prigl beobachtet die beiden mit Vergnügen.
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homas Prigl kennt seine Burschen ganz genau. Seit 2019 bereitet er die beiden Niederösterreicher Daniel Mühlbacher und Georg Engelbrecht, beide 25, auf EuroSkills vor: „Ich kann an ihrer Körper sprache erkennen, wie es ihnen geht.“ Überhaupt kommuniziert das Team der heimischen Betonbauer sehr gut auf nonverbaler Ebene, wie der Baumeister und Berufs schullehrer aus der Trainingspraxis weiß: „Wir sprechen in der Früh und am Abend miteinander. Die restliche Zeit beobachte ich nur und lasse sie ihre Probleme selbst lösen. Schließlich geht es bei uns stark um Eigenständigkeit.“ Das reibungslose Zusammenspiel als Team ist bei EuroSkills mindestens ebenso wichtig für den Erfolg wie hand werkliche Perfektion. Das weiß auch der gelernte Maurer und Schalungsbauer Daniel Mühlbacher, der wie sein Partner Georg Engelbrecht im Lehrbetrieb Leyrer+Graf Baugesellschaft m.b.H. ausgebildet wurde. „Wir starten den Tag mit einer Be sprechung und mit gemeinsamen Auf wärmübungen und motivieren uns, indem wir uns sagen, wie sehr wir uns gegenseitig vertrauen. Danach müssten wir eigentlich gar nichts mehr mitein ander reden, weil jeder weiß, was der andere tut.“ Die Aufgaben sind klar umrissen, wie Georg Engelbrecht erklärt: „Daniel ist für das Messen und genaue Zuschneiden der Platten zuständig, und ich stelle die Verschalungen auf.“ Die 2,70 Meter hohen Rahmen schalungen wiegen um die 40 Kilo pro Stück, mit einer Hand hält er sie waag recht, während er sie mit der anderen festklemmt: „Georg hat eine unglaubliche Rohkraft“, schwärmt Kollege Daniel, „der kommt dabei nicht einmal ins Schwitzen. Ich hingegen muss meine Schutzbrille jede halbe Stunde wechseln, weil ich nichts mehr sehe.“ Dass es sich bei dem dreitägigen Event um eine echte sportliche Heraus forderung handelt, ist Daniel nur allzu klar: „Weil man jeden Schritt, den man gehen kann, auch rennen kann, schaffen wir in 16 Stunden zu zweit ein Projekt, 60
für das auf der Baustelle vier Mann eine Woche brauchen würden.“ Eine der Hauptaufgaben von Coach Prigl liegt darin, seine beiden Schützlinge vor zu großem Erwartungsdruck zu be wahren. Denn Österreichs Betonbauer gewannen seit 2015 bei sämtlichen Euround WorldSkills. Allerdings: „Für die beiden ist es der erste internationale Wettkampf. Sie tragen also nicht die Last, persönlich als Titelverteidiger die großen Gejagten zu sein.“ In der Vorbereitung geht es nicht zuletzt darum, auf Probleme richtig zu reagieren. „Wir haben eine extrem hohe Fehlerkultur“, sagt Coach Prigl. „Auf der Baustelle kannst du Missgeschicke vielleicht verstecken. Wir aber müssen versuchen, sie das nächste Mal zu ver meiden.“ Bei Daniel Mühlbacher zeigt
„ Weil man jeden Schritt auch rennen kann, schaffen wir in 16 Stunden ein Programm, für das auf einer Baustelle vier Mann eine Woche brauchen würden.“ Daniel Mühlbacher, Betonbauer
Hand in Hand: Experte Thomas Prigl mit Georg Engelbrecht (links) und Daniel Mühlbacher THE RED BULLETIN
DIE KREATIVEN CHRISTINA STRAUSS UND LAURA TSCHILTSCH MIT ISABELLA LINDENBAUER Vorfreude: Die Modetechnikerinnen Christina (links) und Laura (rechts) nehmen mit Isabella Lindenbauer Maß.
„ Wir müssen effizient arbeiten, weil die Zeit knapp ist.“ Christina Strauß, Modetechnikerin
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DIE TÜFTLER STEFAN PRADER MIT THOMAS BENKÖ
„ In den ersten Minuten ist die Hektik am größten. Deshalb gehe ich die Arbeitsschritte im Kopf durch.“ Stefan Prader, Elektro- und Netzwerktechniker
das gemeinsame mentale Training (siehe Kasten rechte Seite) jedenfalls schon Erfolg: „Was ich tue, wenn ich mich verschneide? Macht doch nix! Her mit dem nächsten Brett, weiter geht’s!“
Im Wettkampf entscheiden Nerven über Sieg oder Niederlage
Im Team der Modetechnikerinnen bringt Trainerin Isabella Lindenbauer selbst wertvolle Wettkampferfahrung mit: Die erst 26-jährige Salzburgerin gewann bei EuroSkills 2016 die Bronzemedaille, bei der WM 2017 in Abu Dhabi wurde 62
sie mit der Medallion of Excellence ausgezeichnet. Seit 2019 betreut die Damen- und Herrenschneidermeisterin ihre Nach folgerinnen, die beiden Steirerinnen Laura Tschiltsch, 21, und Christina Strauß, 26. Wie es ihr an der Seitenlinie geht? „Es ist unglaublich nervenaufreibend. Aber ich habe großes Vertrauen in Laura und Christina. Die beiden passen perfekt zusammen.“ Anders als im Profisport (mit Aus nahme von Tennis) sind die Aktiven bei den Berufseuropameisterschaften auf sich
Souverän bei jeder Aufgabe: Elektrotechniker Stefan mit Gehrungssäge und sein Betreuer Thomas Benkö mit Spiralverlängerung
allein gestellt; Tipps und Anweisungen der jeweiligen Betreuer sind untersagt. Lediglich in zwei 15-minütigen „Open Communications“-Phasen können Be obachtungen geteilt, Fehler besprochen und die Taktik adaptiert werden. Auf höchstem Wettkampflevel entscheiden die Nerven über Sieg oder Niederlage. „Die Frage ist“, sagt Laura Tschiltsch, „wie man mit dem Stress umgeht, schnell und präzise arbeiten zu müssen. Ich selbst entwickle einen Tunnelblick und schalte alles um mich herum aus.“ Sie hat Österreich bereits bei der WM in Kasan vertreten (Medallion of Excellence) und kann ihrer Kollegin wichtige Tipps geben, etwa wenn es darum geht, sich die Zeit richtig einzuteilen. THE RED BULLETIN
„ Du kannst immer eine Lösung finden. Also verzweifle nichtan den Fehlern, sondern bleib positiv fokussiert.“
RENATE KATTENEDER, PRIVAT
Andreas Urich, Mentaltrainer
Laura und Christina haben die Mode schule in Graz absolviert, Laura hat da nach ein Semester am London College of Fashion studiert. Sie freut sich darauf, unter Druck Höchstleistungen zeigen zu dürfen: „Eines der Module wird sein, für eine bestimmte Zielgruppe zu einem bestimmten Event in einer bestimmten Saison vier Kleidungsstücke zu entwerfen – in eineinhalb Stunden. Das ist eine wirklich sportliche Herausforderung.“ „Laura und ich sind ein Team, in dem jede ihre Stärke einbringt. Wir haben viel Wettkampferfahrung gesammelt. Sie zeichnet gute Entwürfe, ich bin näh technisch stark. Wir sprechen uns bei allen Aufgaben ab und treffen alle Ent scheidungen gemeinsam“, betont Chris tina Strauß – die auch als selbständige Modedesignerin arbeitet – die gute Rollen aufteilung in einem geleichberechtigten Duo. Christina Strauß weiß, dass alle Teilnehmerinnen unter Stress stehen werden: „Wir müssen effizient arbeiten, weil die Zeit knapp ist. Wenn es wirklich hektisch wird, kann es mir zum Beispiel helfen, wenn ich bewusst atme.“ Von Expertin Isabella Lindenbauer kommen viele kleine, aber umso wich tigere Ratschläge, sagt Christina: „Wir wissen, dass wir bei EuroSkills einen Mantel nähen werden, und konnten das Design schon in der Vorbereitung entwickeln.“ Ein guter Insidertipp von Isabella war, dass der Verschluss nicht zu einfach, sondern spektakulär sein soll. Ein wichtiger Punkt ist weiters, dass der Mantel mit einer besonders außer gewöhnlichen Linienführung der Nähte besticht. „Die Jury b etrachtet uns auch als Gesamtpaket. Wir arbeiten nicht nur schnell, sondern sauber“, sagt Laura.
Steirische Teilnehmer sind besonders motiviert
Anders als bei den Betonbauern, Mode technikerinnen und anderen der ins gesamt 38 Wettbewerbsdisziplinen be THE RED BULLETIN
Teamgeist
steht das Team der Elektrotechniker nur aus einem Aktiven und einem Exper ten. Thomas Benkö, selbst begeisterter Triathlet und ausgebildeter TriathlonCoach, betreut seit 2018 den steirischen Elektro- und Netzwerktechniker Stefan Prader, dessen älterer Bruder Michael 2015 als Tischler bei WorldSkills in São Paulo in Brasilien am Start war. Er weiß, wie wichtig die richtige Ernährung für die Tagesform ist, und rät deshalb von Ballaststoffen ab, die dem Magen unnötig das Leben schwermachen. Im blinden Vertrauen auf seinen Coach isst Stefan Dinge, die ihm eigent lich überhaupt nicht schmecken, wie Thomas Benkö anerkennend anmerkt: „Wir müssen im Essensangebot beim Event jene Speisen definieren, die ihm am meisten helfen. Bei der WM in Russ land waren das ein Algensalat und eingelegter Ingwer. Das ist nicht jeder manns Sache, aber Stefan ist nicht nur fokussiert, sondern auch sehr diszipliniert.“ Ein wichtiges psychologisches Tool, auf das Stefan Prader auf Anraten seines Trainers zurückgreift, ist die Visuali sierung. „In den ersten Minuten ist die Hektik am größten. Bevor der Wett kampf losgeht, stelle ich mir deshalb alle möglichen Szenarien vor und gehe die Arbeitsschritte im Kopf durch. Ein bisschen so, wie Marcel Hirscher es vor einem Slalom getan hat.“ Um im Wett kampf selbst von unvorhergesehenen Problemen nicht zu sehr überrascht zu werden, galt in der Vorbereitung – Stefan Prader: „Heuer waren es rund 600 Stun den“ – ein klares Motto: „Störungen haben Vorrang“, erklärt Experte Thomas Benkö. „Fehler, die im Training passieren, sind gut und wichtig. Wir können sie auf arbeiten und daraus lernen.“ Neben Medaillen geht es für die 54 rotweißroten Aktiven bei EuroSkills auch um eine Medallion of Excellence. Diese Auszeichnung bekommt jeder Teilnehmer verliehen, der mindestens 700 von 800 möglichen Wertungspunk ten sammelt. „Das Ziel“, sagt Stefan Prader, „ist für jeden von uns der erste Platz. Aber wenn ein Mitbewerber eine bessere Leistung bringt, muss man sich auch über einen anderen Stockerlplatz freuen können.“
Mentaltrainer Andreas Urich (links) und Manfred Simonitsch
Kopfarbeit für Handwerker Warum mentale Vorbereitung für EuroSkills-Teilnehmer ein wichtiges Werkzeug ist. „Mit mentalem Training“, sagt Mag. Andreas Urich, „kann man über seine eigenen Leistungsgrenzen hinaus gehen.“ Gemeinsam mit seinem Kollegen Mag. Manfred Simonitsch betreut er das heimische Aufgebot für EuroSkills mit Gruppenseminaren und Einzel gesprächen. „Beeindruckt hat mich, wie leicht sie für die mentale Vorbe reitung zu begeistern waren.“ Zu den Werkzeugen, die der Psycho loge anbieten kann, zählt eine Atem technik, die prägnant 4/7/11 genannt wird: „Du atmest vier Sekunden ein, sie ben Sekunden aus – und das elf Minuten lang.“ Gewöhnt sich das Gehirn durch regelmäßiges Training an dieses Ritual, reicht es im Wettkampf, sich in Ruhe auf die Atmung zu konzentrieren und durch Ausatmen, das länger als das Einatmen dauert, den Stresslevel zu senken. Auch der Visualisierung wurde in der Vorbereitung viel Beachtung geschenkt: „Dabei werden dieselben Regionen im Hirn aktiviert, wie wenn man etwas tat sächlich tut. Ich stelle mir also vor, wie ich eine Aufgabe löse – aber immer mit positivem Ergebnis.“ Ein Gruppenseminar im Juli stand unter dem Motto „Finding Opportuni ties“: „Du kannst in problematischen Situationen immer eine Lösung finden. Also verzweifle nicht an Fehlern, son dern bleib positiv fokussiert.“ Großer Wert wird auf Gruppen dynamik und Teamspirit gelegt. Das Team Austria wird sich in Graz mit einem gemeinsamen Ritual pushen – ähnlich jenem „Huh!“, mit dem Islands Fußballer bei der EM 2016 zu begeistern wussten: „Dieser Mix aus Bewegung und körperlicher Akustik bringt gute Energie ins Team.“ 63
„TRY A SKILL“ – PROBIER’S EINFACH AUS!
SO
WIRST DU
SELBST
ZUM HELDEN Was macht dich zum Hero? „Try a Skill“ heißt der beeindruckendste Berufsorientierungs-Event des Jahres im Rahmen der EM der Berufe, EuroSkills 2021. Gemeint ist damit, dass die einzigartige Möglichkeit geboten wird, den besten Jungfachkräften aus ganz Europa in 48 Berufen bei ihrer Arbeit über die Schultern zu blicken, in den „Try a Skill“-Bereichen Berufe selbst ausprobieren und erleben zu können. Dafür werden zum Teil schwere Maschinen und HighEnd-Geräte nach Graz transportiert. Was produziert wird – sei es ein schmiedeeisernes Herz oder eine bunte Haarsträhne –, darf mit nach Hause genommen werden.
EuroSkills Botschafter von links: Fabian Gwiggner, Lisa Janisch, Melanie Seidl, Andreas Gabalier, Birgit Haberschrick, Manfred Zink Code scannen und direkt bei der „Try a Skill“-App landen. Damit bist du für eine Schnuppertour in Graz vorbereitet.
Lernen von Medaillenträgern Die Skills werden mit einem Augenzwinkern vermittelt, die Stationen selbst gehen aber thematisch in die Tiefe: Expertinnen und Experten informieren über die neuesten Trends und Zukunftspotenziale ihrer Branche. Für weitere Erfolgsgeschichten stehen EuroSkills-Helden zwischen den Stationen Rede und Antwort – eine tolle Gelegenheit, um erste Kontakte zu knüpfen. Mehr Fachkräfte braucht das Land Ziel von „Try a Skill“ ist es, Berufe für Jugendliche greifbar zu machen – und ihnen Talente und Leidenschaften
HEROES: MARIJA KANIZAJ/EUROSKILLS 2021 TRY A SKILL: FIRDA WINTER/GÖTEBORG
Bei den EuroSkills gibt es 48 verschiedene Berufe und Top-Jobs zu entdecken.
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Grafikdesigner und Hero: Fabian Gwiggner holte mit dem Computer Gold für Österreich.
Eine „Try a Skill“-Besucherin testet ihr eschick als Floristin. Meisterfloristin und G EuroSkills-Hero Birgit Haberschrick (li.) hat es bis zur Europameisterin 2014 geschafft.
Besucher, die Palatschinken unfallfrei wenden können, dürfen sie danach auch verputzen. Mahlzeit!
aufzuzeigen, von denen sie vielleicht noch gar nichts geahnt haben. „Damit wird die Berufs-EM in Kombination mit ‚Try a Skill‘ zu einem echten Turbo gegen den Fachkräftemangel“, sagt Josef Herk, Initiator von EuroSkills 2021. Dein Weg zur steilen Karriere „Try a Skill“ ist vor allem auf Schülerinnen und Schüler von der 5. bis zur 9. Schulstufe ausgerichtet – aber auch alle anderen Interessierten können testen, ob sie das Zeug zum Helden haben. Einen Besuch ist der Event auf jeden Fall wert!
Von 23. bis 25. September 2021 im Schwarzl Freizeitzentrum in Premstätten bei Graz, täglich von 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr Für den Besuch von EuroSkills ist eine OnlineAnmeldung notwendig. Sofern die maximale Besucheranzahl nicht erreicht ist, ist eine Registrierung jederzeit noch möglich.
Anmeldung unter: euroskills2021.com
Duett
Seda Türkoglu
Im Herbst tritt sie bei EuroSkills 2021 an, danach eröffnet sie ihren eigenen Salon: Ihr Werkzeuggürtel hat Seda schon weit gebracht.
Sarah Lagger
Reine Kopfsache Eine Haarartistin und eine Leichtathletin. Auf den ersten Blick liegen die Lebenswelten von SEDA TÜRKOGLU, 23, und SARAH LAGGER, 22, in verschiedenen Sphären. Dennoch drehen sich beide um den gleichen Fixstern: den Traum vom Gewinnen.
Die Sieben kämpferin hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Ihr nächstes Ziel: die Olympischen Spiele 2024 in Paris.
Mit 15 der erste Siebenkampf-Rekord, mit 21 die erste Hochsteckfrisur – die Sportlerin taucht heute in eine neue Welt ein.
Text ISABEL FRAHNDL Fotos MATO JOHANNIK
Feststecken, auf toupieren, fixieren – fast drei Stunden lang frisiert Seda an ihrer Blumenfrisur. THE RED BULLETIN
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Duett
Sportlicher Zopf statt Hocksteckfrisur: Sarah im Einsatz – beim Speerwurf, Hürdenlauf und Kugelstoßen.
H
Karriere an der Schere
Seit sie mit vierzehn ihre Friseurinnenlehre begonnen hat, meldete sich Seda immer wieder bei Wettbewerben an. Zuerst für Lehrlinge, dann auch für Profiwettkämpfe und Fernsehshows. Woher kommt dieser Wettbewerbsgeist? „Den ganzen Tag nur im Studio zu stehen war mir von Anfang an zu langweilig. Ich bin 68
schließlich für die Weltmeisterschaft der Berufe: WorldSkills 2019 in Russland. Dieses Jahr wird sie Österreich bei EuroSkills vertreten.
Hauptsache praktisch
jung, ich möchte nicht so schnell alt werden in dem Beruf.“ Sie lächelt. „Außerdem stehe ich gern im Mittelpunkt.“ Ihr Ehrgeiz macht sich bezahlt: Bei fast allen Wettbewerben, die sie bestreitet, holt sie auch eine Medaille. Mit der aufwendigen Blumenfrisur, die sie heute an Sarah modelliert, qualifizierte sie sich
„ Nur im Studio zu stehen war mir von Anfang an zu langweilig.“ Seda nahm schon als Lehrling an Wettbewerben teil.
„Was ist das?“, fragt Sarah Seda, zeigt auf den Friseurtisch und meint den Lockenstab. Neben der athletisch gebauten, 1,77 Meter großen Sarah wirkt die 20 Zentimeter kleinere Friseurin fast schmächtig. Die Siebenkämpferin füllt mit ihrer positiven Ausstrahlung den Raum, ihre Haltung verrät die Disziplin, mit der sie ihre Leidenschaft verfolgt. Mit fünfzehn stellt sie einen U18Weltrekord im Siebenkampf auf, seitdem hat sie sich zu einer Top-Athletin ent wickelt und ist mittlerweile auch beim Bundesheer als Leistungssportlerin an gestellt. Mit den offenen blonden Haaren und dem kaum geschminkten Gesicht steht sie in krassem Kontrast zu Seda, die topgestylt ist und ihre dunklen Haare in perfekten Locken trägt. Für den Hochsprung dreht Sarah ihre Haare sicherheitshalber zum Dutt hoch, weil sie ihr schon einmal im Wettkampf die Stange runtergepeitscht haben. Eine Hochsteckfrisur hat sie allerdings noch nie getragen.
Wettkämpfen will gelernt sein
Hinter dem Friseurstuhl wirkt Seda wie zu ihrer wahren Größe herangewachsen. Nur etwas mehr „Kampfgewicht“ hätte die 23-Jährige vielleicht gerne. Die Berufswettkämpfe ziehen sich über Stunden, wenn nicht sogar Tage, was der schmal gebauten Friseurin oft an die Substanz geht. „Am Abend bin ich bei den Nachbesprechungen manchmal einfach weggekippt.“ THE RED BULLETIN
GEPA IMAGES
eute stellt sich Seda keinen Timer. Sie nimmt sich Zeit, trennt hauchdünne Strähnen von Sarahs Haar und widmet sich jeder einzelnen mit dem Kreppeisen. Ihre zarten Finger mit dem hellrosa Nagellack scheinen ein Eigenleben zu haben, jeder Handgriff sitzt perfekt. Sarah zerreibt mit den Fingerspitzen das Volumenpuder, das ihr Seda zum Begutachten in die Handfläche geschüttet hat. „Fühlt sich ein bisschen an wie Magnesium“, meint sie mit einem Lächeln, in dem auch ein Hauch Unsicherheit steckt. Man merkt, das hier ist nicht ihre Welt. Immerhin hat die 22-jährige Leichtathletin noch nie eine Steckfrisur ge tragen, geschweige denn mehr Make-up als etwas Abdeckcreme und Wimpern tusche. „Kannst du dich eh noch anschauen?“, fragt Seda lachend, nachdem sie e inen dezenten Braunton auf Sarahs Lider gepinselt hat. Das Gespräch zu suchen fällt der Friseurin leicht. Ihre helle Stimme im lockeren Plauderton mit dem leicht zischenden S lässt die Innviertlerin sofort zugänglich wirken. Doch die Fragen, die sie Sarah stellt, sind kein Smalltalk. Es geht ums Gewinnen – und das hat im Leben von Seda Türkoglu genauso Priorität wie bei der professionellen Siebenkämpferin Sarah Lagger, deren Haar sie in den Händen hält.
„ Wenn man keinen Spaß hat, wird man nie richtig gut sein.“ Sarah hat etwas gefunden, wofür sie brennt – und das zeigt sich in ihrer Leistung.
Duett Sarah schmunzelt. „Wie wär’s mit e inem Deal: Du machst mir die Haare, und ich helf dir beim Aufbautraining?“ Seda klatscht ein. „Manches kann man trainieren. Für vieles gibt es aber kein Rezept.“ Was die Leichtathletin damit meint, versteht Seda ohne weitere Erklärung. Auch wenn beide professionelle und familiäre Unterstüt zung genießen, gibt es Kämpfe, die sie in ihrem eigenen Kopf ausfechten müssen. Vor allem der Leistungsdruck beschäf tigt die beiden jungen Wettkämpferinnen. „Eine schlechte Platzierung ist ein klei ner Weltuntergang für mich. Gott sei Dank ist mir das noch nicht oft passiert. Natürlich erkennt man im Nachhinein, was man da überhaupt geleistet hat, und auch die Gratulationen richten einen wieder auf – aber ich kann mit dem Ver lieren einfach nicht umgehen“, sagt Seda, während sie ein paar Strähnen über den Schwamm kämmt, den sie ge rade an Sarahs Hinterkopf festgesteckt hat. „Das ist eine kleine Sportlerkrank heit“, erwidert diese. Sarah nimmt seit fast zehn Jahren an Wettbewerben teil und hat seitdem
gelernt, etwas gnädiger mit sich selbst zu sein. „Ich bin bei den Europameister schaften Vierte geworden, was wirklich kein schlechter Platz ist – aber ich habe mich nicht gefreut. Noch dazu bekommt man als Viertplatzierte mehr Mitleid als Gratulationen. Aber ich muss auf mich selbst vertrauen können und darauf, dass ich in dem Moment alles gegeben habe. Hätte ich etwas anders machen können, hätte ich es getan.“ Seda nickt nachdenklich, fächert eine Strähne in Sarahs Nacken auseinander und fixiert sie mit Haarspray.
Ein Tag wie jeder andere
Würde Sarah heute nicht Seda treffen, würde sie trainieren. In der Kraftkammer an der Langhantel. Mehrere hundert Mal würde sie Medizinbälle werfen, um ihrem Körper die Techniken einzu prägen, die sie zum Kugelstoßen und Speerwerfen braucht. Zusammen mit Hoch- und Weitsprung und den drei Laufdisziplinen bleibt am Ende eines Trainingstages kaum ein Muskel übrig, der nicht trainiert wurde. Sie würde nach Hause gehen, wo alle schon wissen,
dass sie sie nicht ansprechen dürfen, bis sie etwas gegessen hat. Und dann mit ihren Eltern, zwei kleinen Geschwistern ihren Tag im Kärntner Brodbrenten ausklingen lassen, bevor sie sich vor dem Einschlafen vorstellt, auf eine Gold medaille zu beißen. Auch Seda wäre heute eigentlich zu Hause in Neukirchen an der Enknach geblieben, um zu trainieren. EuroSkills in Graz stehen unmittelbar bevor, und Seda übt jeden Tag stundenlang. Heute wartet noch eine Herrenkopfpuppe auf sie, an der sie einen Kurzhaarschnitt ohne Rasierapparat übt, nur mit Kamm und Schere. So eine Puppe kostet um die dreihundert Euro – einmal fertig ge schnitten, ist sie wertlos. Danach würde sie mit ihrer Schwester, einer Kosmetikmeisterin, weiter an der Gestaltung ihres gemeinsamen Salons feilen, den sie im Herbst eröffnen werden. Und auch auf sie würde zu Hause ihre Familie warten: Hier leben ihre Eltern, vier von fünf Geschwistern und ein Wellensittich, der sprechen kann. Eine Dauerschleife aus „Seda, Schatzi, lieber Vogel“ begleitet sie durch den Abend.
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Und auch Seda sieht sich vor dem Ein schlafen vor ihrem geistigen Auge auf dem Siegerpodest stehen.
und ich fange an zu schlafwandeln. An scheinend rede ich auch viel Blödsinn.“ Sie lacht, und Seda stimmt ein. „Ist bei mir genauso. Ich denke auch schon drei Monate vorher nur an den nächsten Wettkampf, überlege, was ich besser machen könnte, und träume dann da von. Meine Mutter sagt, ich rede dann im Schlaf andauernd vor mich hin.“
Mit Lampenfieber leben lernen
Die Abende und Nächte unter Leistungs druck verlaufen bei den beiden sehr ähnlich. Sowohl die Siebenkämpferin als auch die Wettbewerbsfriseurin haben einen Mentalcoach, der ihnen die geistige Vorbereitung auf den Wettkampf ver mittelt. Dazu zählt eben auch, sich am Abend bewusst vor dem Einschlafen die Zeit zu nehmen, um sich den perfekten Wettkampf vorzustellen – vom Ausblick am Siegerpodest bis hin zu den Emo tionen, die durch den Körper schießen. Gegen den Druck sollen Atem- und Meditationsübungen helfen. Trotzdem schlägt die Nervosität auf den Magen. „Und auf den Schlaf“, sagt Sarah und hustet durch den Haarspray nebel. Ihr Haar ist mittlerweile zu einem ver schlungenen Knoten gesteckt, nur noch die Krönung fehlt: die Haarblüten. „Die Nacht vor einem Siebenkampf und die zwei Nächte dazwischen sind sehr kurz –
Ein Kranz für Siegerinnen
„ So lange bin ich noch nie beim Friseur gesessen.“ Die letzten Handgri≠e – Sarah ist begeistert.
Beide junge Frauen haben ihr bisheriges Leben ihrer Leidenschaft gewidmet. Die Liebe zum Beruf entfacht den nötigen Ehrgeiz, um in den Disziplinen alles geben zu können. Nur heute scheut Sarah ihr Training. Denn als Seda ihre zu Blüten blättern geformten Haarspitzen in Gold staub taucht und sachte darauf bläst, um den Haarspray zu trocknen, weiß sie, dass sie in drei Stunden bereits wieder in der Kraftkammer stehen muss – und zwar ohne Haarskulptur. Bis dahin genießt sie noch das Gefühl der „schönsten Frisur, die ich jemals gehabt hab“ – und verinnerlicht das Gefühl vom Siegerkranz am Kopf für den nächsten Wettkampf.
cosa Kosmetik
füR moRgen Eine Initiative der
Neustart
Sag niemals nie
In den meisten Fällen bildet eine Lehre die Startrampe ins Berufsleben. Manchmal jedoch erweist sie sich auch als perfekte Alternative, um noch einmal voll durchzustarten. Fünf Beispiele, die zeigen, dass es nie zu spät ist, Beruf und Berufung zu vereinen. Text HANNES KROPIK Fotos CHRIS MAVRIČ
Freiheit auf zwei Rädern Maximilian Knechtel, 36, vom Kommunikationsexperten zum Fahrradmechatroniker Er betreute Kabarettisten wie Josef Hader oder Michael Mittermeier. Doch der Großteil von Maximilian Knechtels PR- und Öffentlichkeitsarbeit bestand darin, „in den Bildschirm zu schauen“. 72
Kein Vergleich zur neuen Auf gabe in der Cycle Factory in Baden bei Wien: „Wenn ich nicht gerade an Fahrrädern herum schraube, rede ich mit der Kund schaft über unsere gemeinsame Leidenschaft: Fahrräder.“ Das Rad ist dem heute 36-Jährigen früh zum bevor zugten Mittel der Mobilität ge worden: „Am Schulweg musste ich die Grenze zwischen dem Burgenland und der Steiermark überschreiten. Ich habe für 15 Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwei Stunden gebraucht. Aus eigener Kraft war ich wesentlich schneller.“ Nach der Matura studierte er in Wien Kommunikationswirt schaft. Die Liebe zum Bike blieb, Knechtel ist einer der Mitbegrün der der Wienerwaldtrails, einer Reihe von gepflegten Mountain bikestrecken rund um Wien.
Die Unzufriedenheit mit dem Bürojob kam schleichend. 2020 gipfelte sie in einem Jahr Bil dungskarenz – und letztendlich im beruflichen Umstieg: „Ich habe meine Kollegen unglaub lich gern gehabt, deshalb ist mir der Abschied schwer gefallen. Aber ich funktioniere nicht als Arbeitskraft, wenn ich den gan zen Tag sitzen muss.“ Den dreimonatigen Mecha troniker-Grundkurs am Wiener WIFI bezahlte Knechtel aus eigener Tasche, ein Aufbau kurs ist in Planung. Er radelt mit dem E-Bike zur Arbeit und beurteilt seine Zukunfts aussichten positiv: „Viel hängt von politischen Entscheidungen ab. Aber gerade in den Monaten der Pandemie ist das Fahrrad als Fortbewegungsmittel enorm populär geworden.“ cycle-factory.at THE RED BULLETIN
„Ich rede mit den Kunden über eine gemeinsame Leidenschaft: Fahrräder.“ Max Knechtel haucht Rädern neues Leben ein.
THE RED BULLETIN
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Für Olga Vinakur eröffnete sich eine neue (Berufs-)Perspektive.
„Ich brauche beides in meinem Leben, das Handwerk und die Kunst.“
Die Freude im Fokus Olga Vinakur, 27, von der Systemgastronomin zur Fotografin Die Absage der Kunstuniver sität Linz hat Olga Vinakur hart getroffen. Heute kann sie die Entscheidung nachvoll ziehen: „Ich wollte nach der Matura Grafikdesign und Foto grafie studieren. Wenn ich meine alte Bewerbungsmappe ansehe, verstehe ich, dass sie mich abgelehnt haben.“ 74
Die gebürtige Weißrussin, die als Kind mit ihren Eltern in Oberösterreich eine neue Heimat gefunden hat, musste einen beruflichen Umweg gehen, ehe sie ihren Traumberuf erlernen durfte. „Nach der Matura bin ich in der Systemgastronomie gelandet. Ich musste mein Leben einfach irgendwie finanzieren.“ Obwohl sie mit 21 Jahren schon Store-Managerin einer Burger-Kette war, blieb das Gefühl, fehl am Platz zu sein: „Ich hatte so viele Ideen, aber niemand hat sich darum gekümmert. Ich war sehr frustriert.“ Mit Wissen ihrer „sehr ent gegenkommenden“ Vorgesetzten suchte sie nach einer neuen Herausforderung und fand 2016 über die AMS-Jobbörse eine Lehrstelle als Fotografin. „Ich
bin Handwerkerin, die Kamera ist mein Werkzeug. Sein Handwerk zu beherrschen ist Grundlage der Kunst. Ich brauche beides in meinem Leben, das Handwerk und die Kunst.“ Nach einer auf zweieinhalb Jahre verkürzten Ausbildung wurde Olga Vinakur von ihrem Lehrmeister Martin Eder in dessen Linzer Fotostudio angestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits regelmäßig Preise gewonnen: „Auszeichnungen wie der Sieg beim Bundeslehrlingswettbewerb 2019 bedeuten mir sehr viel. Ich weiß aber, dass ich noch sehr viel lernen und mich weiterentwickeln muss.“ fotostudio-eder.at
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Neustart
Auf dem Holzweg ins Glück Franziska Brugger, 45, von der diplomierten Biologin zur Tischlerin Franziska Brugger stammt aus Matrei in Osttirol, der Vater war Landwirt, die Mutter führte ein Gasthaus: „Es gibt keinerlei familiäre Vorgeschichte im Handwerk; wir hatten nicht einmal die klassische Werkstatt in der Garage.“
Obwohl Franziska bereits nach der Hauptschule mit einer Tischlerlehre kokettierte, folgte sie dem elterlichen Rat, zuerst die Matura zu machen. „Ich wusste, eine Lehre kann ich später immer noch absolvieren.“ Aus später wurde viel später. Bevor es letztendlich mit 33 Jahren so weit war, studierte die heute 45-Jährige in Wien Biologie und arbeitete danach in einem wissenschaftlichen Fachverlag. „Die Büroarbeit war mir aber zu wenig greifbar. Mir hat das unmittelbare Erfolgserlebnis gefehlt“, sagt die Akademikerin. Sie begann eine Tischlerlehre – an der Seite von Burschen, die halb so alt waren wie sie: „Tatsächlich war die größte Her ausforderung, einen Draht zu meinen Mitschülern zu finden.“ Dank der Unterstützung des AMS, das die Ausbildung von Frauen in technischen und hand-
werklichen Berufen gezielt gefördert hat, „war es letztendlich kein Sprung ins kalte, sondern ins lauwarme Wasser. Ich konnte mir sogar leisten, auf eine Lehrzeitverkürzung von drei auf zwei Jahre zu verzichten. Ich wollte die Zeit nutzen, um möglichst viel Routine zu sammeln.“ Auch, wenn die Entscheidung von ihrem Umfeld – vorsichtig formuliert – unterschiedlich gut aufgenommen wurde, bereut Franziska Brugger den Schritt zur Lehre und in weiterer Folge zur Selbständigkeit keine Sekunde: „Die Arbeit mit Holz ist definitiv erfüllend.“ tischlerinwien.at
„Ich wollte die Zeit nutzen, um möglichst viel Routine zu sammeln.“
Franziska Brugger in ihrer Werkstatt – hier wird einem Sessel neuer Schliff verpasst.
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Talente verknüpfen Benjamin Müller, 17, Schüler und MechatronikLehrling Schulunterricht taugt ihm eigentlich nicht so sehr. Also wählt Benjamin Müller einen vielleicht komplizierten, aber zielorientierten Umweg: „Die HTL hätte fünf Jahre gedauert. Aber wenn ich die Mecha troniker-Lehre neben dem Gymnasium absolviere, werde ich in vier Jahren fertig.“ So verbringt der Schüler, der im Oktober seinen 18. Geburtstag feiert, seine Wochenenden weni ger auf Partys als in Werkstätten und Lehrsälen. Möglich macht diese duale Ausbildung ein 2010 gegrün detes Programm namens CAP. future; vier Jahre lang finden jedes zweite Wochenende praxisorientierte Kurse statt, am Ende steht der reguläre Lehr abschluss als Mechatroniker. Dieses Berufsfeld, erklärt der ebenso strukturierte wie eigenständige Linzer, bietet viel fältige Berufsmöglichkeiten: „Es handelt sich dabei um eine breitgefächerte Mischung aus Mechanik und Elektronik. Man kann später technische Anlagen planen oder warten.“ Schmunzelnder Nachsatz: „Man hört oft, dass Roboter uns die Arbeitsplätze wegnehmen wer den. D avor habe ich keine Angst, denn ich baue diese Roboter.“ Tatsächlich hat er andere Pläne: Im kommenden Jahr 76
Benjamin Müller weiß, wo er Hand anlegen muss.
„Ich habe keine Angst vor Robotern, ich baue sie.“ absolviert Benjamin Müller zuerst die Matura, dann die Lehrabschlussprüfung. Danach will er sich einer neuen Heraus forderung widmen. „Meine Leidenschaft ist der Animations film. Ich weiß noch nicht genau, wie ich meine Talente verknüpfe. Aber Mechatronik und Film über schneiden sich im Bereich der Kameras. Vielleicht finde ich einen Weg, wie ich meine Kame ras selbst optimieren kann.“ THE RED BULLETIN
Neustart
Goldenes Handwerk Stefanie Derhaschnig, 39, von der Betriebswirtin zur Goldschmiedin Die Realität, sagt Stefanie Derhaschnig, sei besser als die Fantasie ihres 17-jährigen Ichs. Damals, erinnert sich die heute 39-jährige Wienerin, hatte sie zum ersten Mal von einer Goldschmiedelehre geträumt: „Ich hatte nicht vorhergesehen, wie schön es tatsächlich ist, kreativ zu sein und mit eigenen Händen ein elegantes Schmuckstück zu erschaffen.“
Längst hat sie sich als Goldschmiedin etabliert und einen Stamm an Kunden ge schaffen, die ihren Stil und ihre Suche nach der Perfektion im Unperfekten schätzen. „Was man gerne tut, geht leichter von der Hand als eine Arbeit, bei der das Herzblut fehlt.“ obizzi.com
„Ich hatte nie Zweifel – ich wollte etwas mit den Händen schaffen.“
Ehe sie 2018 im Palais Obizzi in der Wiener Innenstadt ihre Gold smithery eröffnen konnte, folgte Stefanie Derhaschnigs Leben einem vorgezeichneten Karriere weg. „Ich habe in Brüssel und Barcelona Internationale Be triebswirtschaftslehre studiert und danach im Unternehmen meines Vaters mitgearbeitet.“ Mit der Geburt des zweiten Kindes erwachte in der damals 30-jährigen Frau der Drang zur Eigenständigkeit: „Ich habe beschlossen, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.“ Und so folgte sie ihrem Teenager traum und zog die zweijährige Ausbildung an der Wiener Gold schmiede-Akademie einer Über nahme des Familienbetriebs vor. Manchmal, gibt sie zu, sei sie unsicher gewesen. „Aber ich hatte nie Zweifel. Den Wunsch, etwas mit meinen Händen zu schaffen, hatte ich ja schon sehr lange. In dieser Phase habe ich gelernt: Sobald man einen Schritt setzt, folgen automatisch der zweite und der dritte.“
Stefanie Derhaschnig in ihrer Goldsmithery
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Spitz die Ohren The Red Bulletin gibt’s nun auch zum Anhören: inspirierende Interviews, scharfe Porträts, abenteuerliche Reportagen. Jeden Mittwoch – überall, wo es Podcasts gibt. Jetzt reinhören und gleich abonnieren.
Plus:
MICHAEL KÖHLMEIERS Kolumne Boulevard der Helden als Podcast-Serie
GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
ALLE AM BOARD
STEFAN LIND
Mit Filmemacher Markus Wohlkönig zu den angesagtesten Skatespots in Graz.
Tricks und Drinks: Skateboarden in Graz steht auch für ein entspanntes Miteinander – zum Beispiel beim Abhängen im Augarten.
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„Skateboarden in Graz ist keine Competition, es ist Community.“ Filmer Markus Wohlkönig, 26
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ch musste fast 10.000 Kilometer zurücklegen, um meine Liebe fürs Skateboarden wiederzuentdecken. Also bin ich, in Guatemala angekommen, erst einmal losgezogen und habe mir vor Ort ein Skateboard gekauft. Da war ich aber schon Jahre nicht mehr am Brett gestanden. Angefangen hatte ich relativ spät, erst mit zwölf. Und auch nur, weil ich zu der Zeit alles gemacht habe, was mein älterer Bruder gemacht hat. Er war ein Skateboarder, also war ich das auch. Dann waren aber lange andere Dinge wichtiger, die Schule, das Studium. Erst in Südamerika, wo ich als Zivildiener im Wohn- und Bildungsheim ASOL ausgeholfen habe, ist mir bewusst geworden, dass mir das Skaten schon die ganze Zeit fehlt. Im ASOL leben Kinder und Jugendliche aus ländlichen Gebieten, denen eine Ausbildung in Guatemala-Stadt ermöglicht werden soll. Meine Aufgabe war es, mich um sie zu kümmern: sie aufzuwecken, anzuziehen, zur Schule zu bringen und für sie zu kochen.
Hangout am Nachmittag Plötzlich war ich der große Bruder – und als solcher habe ich den Kids natürlich auch das Skateboarden beigebracht. Als ich heimgeflogen bin, ist mein südamerikanisches Skateboard deshalb auch bei ihnen geblieben. Was ich mir in Graz aber beibehalten habe: mir die Zeit zu nehmen, drei- bis viermal pro Woche zu skaten. Wobei Skateboarden in Graz mehr ist als Sport: Es ist ein Afterwork-Hangout. Klar geht es darum, wer den Sprung übers Schragerl steht und abgefeiert wird. Aber viel wichtiger ist der Austausch. In anderen Sportarten steht oft der Wettkampf im Vordergrund, beim Skaten nicht. Bekannte und Freunde treffen, ein oder zwei Biere trinken, reden. Skateboarden in Graz ist keine Compe tition, es ist Community. 80
Skate-Stopp: Auf öffentlichen Plätzen ist das Fahren mit dem Skateboard erlaubt, Sprünge wie hier am Lendplatz oder in der Inffeldgasse gehören nach Anrainerprotesten aber vorerst der Vergangenheit an.
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GUIDE Reisen
Graz entdecken
5 Lendplatz
Kunsthaus Graz
ESSEN 1 The Hungry Heart Fastfood vom Feinsten. Wer Hunger hat, wird hier schnell glücklich. Hotdogs, Sandwiches und dazu eine Flasche Craft Beer. Mariahilfer Straße 23, 8020 Graz thehungryheart.at 2 Freigeist Die wahrscheinlich besten Burger der Stadt. Auf jeden Fall aber die fotogensten Milkshakes. Klosterwiesgasse 2, 8010 Graz freigeist-burger.at 3 Café Erde Wer sagt eigentlich, dass veganes Essen fad und teuer sein muss? Im Café Erde sicher niemand. Ein Muss: von den Desserts naschen! Andreas-Hofer-Platz 3, 8010 Graz cafeerde.com
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Skatepark Volksgarten
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Mur
Zwischen Hauptbahnhof und Stadtpark: Wo die steirische Hauptstadt viel Spaß macht.
Schlossberg Uhrturm
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Murinsel
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KaiserJosef-Markt
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9 Skater-Hotspots
Sehenswürdigkeiten
Wer Graz erkunden will, hat’s leicht: Hier ist alles gut zu Fuß erreichbar.
SCHLAFEN 4 Hotel Daniel Liegt am Hauptbahnhof. Gut erkennbar am Loft Cube auf dem Dach. Wer es weniger extravagant mag, bucht am besten ein normales Zimmer. Europaplatz 1, 8020 Graz hoteldaniel.com 5 Lendhotel The Lend is near – und das ist auch gut so. Hippes Viertel, in dem richtig viel los ist. Sonst lässt es sich aber auch auf der Dachterrasse aushalten. Grüne Gasse 2, 8020 Graz lendhotel.at
STEFAN LIND, MARKUS WOHLKÖNIG, LUPI SPUMA, CAFE ERDE, PHILIPP BOHAR
Eine Tour zu den Hotspots Wer Geld damit verdienen will, geht nach Wien. Übrig bleiben diejenigen, für die es vor allem Spaß ist. Wahrscheinlich ist die Skaterszene in Graz deswegen so entspannt. Jeder kennt hier jeden, jeder hilft hier jedem. Du willst mit dem Skaten anfangen? Nice – dann komm einfach vorbei. Gerade am Anfang lernst du am meisten, wenn du zuschaust. Oder besser gesagt: dir alles abschaust. Am besten an den Hotspots. Kaiser-Josef-Markt: Am Kaiser sind viele junge Skater unterwegs, es werden übrigens auch immer mehr Mädels. Bist du noch neu, wirst du dort sofort auf genommen – egal wer du bist, woher du kommst. Es gibt einen Typ, der dort fährt, der ist fein gestriegelt, immer im Anzug. Kommt vom Büro, steigt direkt aufs Board und trinkt dann ein Bier mit den Studenten. Am Brett sind eben alle gleich. Das Einzige, was am Kaiser abschrecken könnte, ist das Publikum. Lauter hippe Grazer, die dich beobachten. Man be kommt das Gefühl, eigentlich geht’s nur um den Style – tut es aber nicht. THE RED BULLETIN
Partykathedrale: Tanzen im Grazer Dom im Berg.
6 NH Graz City Am Karmeliterplatz gelegen, ist es der ideale Ausgangspunkt für alles. Altstadt vor der Tür, Stadtpark nebenan, Schloßberg immer im Blick. Karmeliterplatz 4a/4b, 8010 Graz nh-hotels.de
FUN
Sushi-Sandwich mit Asia-Gurken salat: veganer Genuss im Café Erde.
Nächtliches Bier unter Bäumen: die Kombüse im Grazer Stadtpark.
7 Kombüse Hier trifft man sich auf einen Kaffee, später auch mal auf ein, zwei Bier und immer gern zum Tanzen (DJs!). Legendär: die Pommes. Erzherzog-Johann-Allee 2, 8010 Graz facebook.com/kombuese.graz 8 Dom im Berg Schlossberg geht immer. Vor allem wenn Konzerte und Partys im Inneren stattfinden. Ist davor Zeit, einmal die Schlossberg-Rutsche runter. Schlossbergsteig Graz, 8010 Graz spielstaetten.buehnen-graz.com 9 Augartenbucht Naherholungsgebiet mitten in der Stadt. Wer lieber Action mag, kann sich ein Stück die Mur runter auch Stand-up-Paddles ausleihen. Wielandgasse 43, 8010 Graz
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GUIDE Reisen
Lendplatz: Auch auf der anderen Seite der Mur trifft man beim Skaten auf alle sozialen Schichten. Der eine ist arbeitssuchend, der andere Tischler, irgendeiner macht immer etwas mit Medien. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied zum Kaiser: Die Leute am Lendplatz sind schon eher eine ge schlossene Gesellschaft. Schwer, aber nicht unmöglich, hier deinen Platz zu finden. Niemand wird dich wegschicken oder unfreundlich sein, aber es braucht seine Zeit, bis du wirklich einer von ihnen bist. Wo du hingegen sofort An schluss findest, quasi ums Eck, ist der Volksgarten. Volksgarten: Ein öffentlicher Skate park, bei dem man gleich merkt, dass hier Skateboarder mitgeplant haben. Er ist vor nicht allzu langer Zeit neu hergerichtet worden, das hat die Grazer Szene für sich genutzt. Nur: Für ab solute Anfänger ist der Skatepark im Volksgarten, unter anderem mit einer Bowl, wohl zu schwierig. Dann lieber zu erst am Kaiser oder Lendplatz bleiben. 82
„Das Schöne am Skaten: Auf dem Brett sind alle gleich.“ Markus Wohlkönig
Grünanger: Halfpipe, Rails, Ledges … Hier gibt es alles – sogar echte Profis, die ihr Können zeigen. Vor Corona war der Grünanger ein Austragungsort des internationalen Skate-Weltcups. Ich bin trotzdem zwiegespalten, was den Skatepark angeht. Die Stadt Graz hat echt viel Geld in die Hand genommen, um den neu zu gestalten, die Ausführung lässt sich aber noch verbessern. Die Rampen sind teilweise viel zu steil, selbst für Fort geschrittene stellen sie eine echte Her ausforderung dar. Wer auf anspruchs volle Anlagen steht, wird den Grünanger aber lieben. Augarten, Eustacchio-Gründe und Kirschenallee sind die drei anderen offiziellen Skateparks. Im Grunde sind die Spots in Graz also überschaubar. Auch deshalb weichen die Skater auf öffentliche Plätze wie den Kaiser-JosefPlatz oder den Lendplatz aus. Plus: Hier gibt’s abends eine Beleuchtung und seit den Umbauten viel freie Fläche und wirklich gute Obstacles. THE RED BULLETIN
STEFAN LIND, PRIVAT
Wo ein Wille, da ein Weg mit Hindernis – so wird die ganze Stadt zum Skatepark.
DAS JAHRESABO
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GUIDE Skills-Stationen
12.–17. Oktober 2022 WorldSkills
Shanghai
National Exhibition and Convention Center Die chinesische Metropole ist mit 6340 km² rund 50-mal so groß wie Graz und hat rund 28 Millionen Einwohner. Sie wird als „Tor zur Welt“, „Paris des Ostens“ und „Drachenkopf-Metropole“ bezeichnet. Dass die WorldSkills im Oktober stattfinden, ist ein Glück – die feuchtschwülen Sommer sind kaum erträglich. worldskills2022.com
Prägt das Stadtbild: der 632 Meter hohe Shanghai Tower
WO SKILLS GEFRAGT SIND
Neue Ziele
Unterwegs auf der ganzen Welt – die nächsten Stationen sind Shanghai, St. Petersburg und Lyon.
16.–20. August 2023 EuroSkills
St. Petersburg Graz Shanghai
Dass das Know-how der Handwerker auf der ganzen Welt geschätzt wird, zeigen auch die nächsten Skills-Schauplätze. Nach EuroSkills in Graz geht es nach Shanghai, St. Petersburg und Lyon. Was euch in diesen drei Städten erwartet, haben wir hier zusammengefasst. Eines steht: Alle drei sind eine Reise wert. worldskills.org
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Ein Segelschiff auf der Newa
10.–15. September 2024 WorldSkills
Lyon Feierabend an der Place du Gouvernement
Eurexpo Wer durch die Altstadt der fran zösischen Stadt flaniert, versteht sofort, was es heißt, sich wie Gott in Frankreich zu fühlen – ein Ort zum Wohlfühlen. worldskills-france.org THE RED BULLETIN
PICTUREDESK.COM, GETTY IMAGES
Lyon
Expoforum Eine Stadt zum Staunen: Im Zen trum der zweitgrößten russischen Metropole (nach Moskau) gibt es 2300 Paläste und Prunkbauten – seit 1991 ist sie Weltkulturerbe. worldskillseurope.org
WOLFGANG WIESER
St. Petersburg
GUIDE Geschichte
SCHMUNZEL-STORYS
Der ganz normale Wahnsinn
Skills-Teilnehmende im Einsatz – beim Schweißen und bei der Arbeit im Sand
EUROSKILLS 2021/KANIZAJ, COURTESY OF WORLDSKILLS INTERNATIONAL ANGEBEN
Wenn es in der Wüste keinen Sand gab, dann wunderte das Stefan Praschl nicht. Hier erzählt der Skills-Delegierte erstaunliche Geschichten. „Irgendetwas passiert immer. 2016 in Schweden zum Beispiel durften alle Teilnehmenden im Vorfeld die TischlerWerkstätten besichtigen und die Maschinen ausprobieren. Alle waren happy. Am nächsten Tag ging der Wettbewerb los. Und was fehlte? Das Holz! Lauter Tischler, aber kein Material zum Arbeiten. So etwas passiert öfter, als man denkt. Jedes Detail wird x-mal überprüft und kontrolliert, das Wesentliche aber oft vergessen – weil man es für selbstverständlich hält. Bei den Konditoren war es ähnlich: Da waren keine Eier da. Und in Abu Dhabi brauchten die Landschaftsgärtner Sand. Man sollte meinen, in einem Emirat, das hauptsächlich aus Wüste besteht, wäre das kein Problem. Aber die Ver anstalter waren nicht in der Lage, Sand aufzutreiben.
Betreuung fürs Team Solche skurrilen Situationen begleiten mich jetzt schon seit fast 20 Jahren. 2003 war ich das erste Mal in St. Gallen als technischer Delegierter bei WorldSkills. Jedes Land muss jemanden wie mich stellen, der dafür verantwortlich ist, dass die Teilnehmenden wissen, welches Werkzeug sie mitnehmen und wie sie sich vorbereiten müssen. THE RED BULLETIN
Vor Ort schaue ich, dass die Regeln eingehalten werden, und betreue das Team. Man darf nicht vergessen: Für viele ist es die erste große Reise. Wir hatten einmal einen Teilnehmer aus einem kleinen Dorf in Osttirol – ein gestande ner Typ, einen Meter neunzig groß –, der in einem Metall beruf tätig war. Beim Teamtreffen in Linz erzählte er aufgeregt: ‚Ich habe alle fünf Minuten den Schaffner gefragt, wann die Haltestelle kommt, dass ich sie ja nicht versäume.‘ Er war das erste Mal mit einem Zug gefahren.
Große Nervosität vor tausenden Zuschauern Beim Wettbewerb selbst liegen dann oft die Nerven blank. In London 2011 etwa stand ein österreichischer Metaller neben seinem japanischen Kollegen. Er konnte nicht fassen, was sein Kontrahent machte. Der hatte dem Tisch die Beine abgeschnitten, saß im Schneidersitz am Boden und schweißte. Der Öster reicher konnte sich nicht konzentrieren, weil er dauernd hinüberschauen musste. Wir sagen den Leuten immer: Kümmert euch nicht um die anderen. Es geht um euch, ihr müsst euer Ding durchziehen. Plötzlich sind sie mit tausenden Zuschauern konfrontiert,
freut, als er diese Schwachstelle entdeckt hatte, dass er es sofort seinem österreichischen Kollegen erzählte. Erst nachher dämmerte ihm: Was bin ich für ein Trottel, dass ich alles ausplaudere!
„Kümmert euch nicht um die anderen.“ Stefan Praschls wichtigster Tipp für die Teilnehmer
klar wird man da nervös. Das kann man im Vorfeld nicht simulieren. Manche vergessen, Wasser zu trinken, und kippen um. Es ist wie ein Flohhaufen, den unser Team hüten muss. Dazu ein Beispiel von einem Kollegen aus Deutschland: Bei den Kfz-Mechanikern wird ein Fehler eingebaut, den sie finden müssen. Der ist bei allen Teilnehmenden gleich. Ein Mechaniker aus einem anderen Land hat sich so ge-
Fatale Fehler In Belgien 2012 regnete es drei Tage lang durch. In den Workshops wurde trotzdem weitergearbeitet. In den Küchen wurde trotzdem weitergekocht. Und natürlich: Kaum war der Wettbewerb vorbei, schien die Sonne. In Rotterdam 2008 ging es darum, zu dritt ein Bad zu installieren. Das österreichische Team war zwei Stunden vor Ende des Wettbewerbs fertig. Nur die Erdung hatten sie nicht an geschlossen. Sie standen zu dritt ums Kabel herum und merkten den Fehler nicht. Aber so ist der Wettkampf nun einmal: Oft ist man so fokussiert, dass man die einfachsten Sachen nicht mehr sieht.“ 85
VOM LEBEN LERNEN
Königlicher Rat Horror-Großmeister Stephen King erklärt, wie man einen Roman verfasst. Und liefert damit gleichzeitig einen Ratgeber für ein spannendes Dasein. Text JAKOB HÜBNER
Ü
ber 400 Millionen verkaufte Bücher, rund 70 Kino- und TV-Ver filmungen, geschätzte 420 Millionen Dollar Privatvermögen – kein Zweifel, Stephen King ist einer der erfolgreichsten und reichsten Schriftsteller aller Zeiten. Da herrscht Einigkeit. Ganz anders sieht es hingegen bei der Frage aus, ob Stephen King auch ein guter Schriftsteller ist. Hier scheiden sich die Geister. Tatsächlich gibt es jede Menge nachweislich gebildete Menschen, die
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King für eine Art Hohepriester der trivialen Reißbrettliteratur halten. Wenn sie an deinem Billy-Regal entlangschlendern und darin mehrere King- Romane orten, lüpfen sie selbstgefällig eine Augenbraue und sagen: „Stephen King? Echt jetzt …?“ Diese Menschen verbinden meist drei Gemeinsamkeiten. Erstens: Sie haben noch nie ein Buch von Stephen King gelesen. Zweitens: Sie betrachten (zumindest in diesen Dimensionen) kommerziellen
Erfolg und künstlerische Integrität als unvereinbar. Und drittens: Sie irren sich. Was würde man über einen Leichtathleten sagen, der den 100-Meter-Sprint genauso souverän beherrscht wie die 1500 Meter, die 10.000-Meter- Langstrecke und die Marathon-Distanz? Vermutlich: Der Mann weiß, wie man läuft. Nun, Stephen King weiß, wie man schreibt. Präziser for muliert: Er weiß, wie man was schreibt – und diese instink tive Fähigkeit beschränkt sich keineswegs nur auf die an gestammten Jagdgründe des „Königs des Horrors“. Seine über 100 Kurzgeschichten und Novellen (beim Heyne Verlag in feine Sammelbände gepackt) zeichnen sich nicht nur durch einen geradezu THE RED BULLETIN
VINZ SCHWARZBAUER
GUIDE Lesestoff
Vorwort aus „Das Leben und das Schreiben“ Dies ist ein kurzes Buch, denn Bücher über das Schreiben sind voller Blödsinn. Belletristikautoren, ich eingeschlossen, haben keine große Ahnung davon, was sie eigentlich tun. Sie wissen nicht, warum etwas Gutes funktioniert und etwas Schlechtes nicht. Ich dachte mir: Je kürzer das Buch, desto weniger Blödsinn steht drin.
beängstigenden Ideenreich tum aus, sondern auch durch ihren perfekten Spannungs aufbau – was gerade auf der gern unterschätzten Kurz strecke eine besonders hohe Kunst ist. Angesichts der enormen Menge und Vielfalt dieser Suspense-Quickies drängt sich der Verdacht auf, dass King schlichtweg nicht in der Lage sei, eine Geschichte zu erzählen, die nicht furcht bar spannend ist. Wenn es ins Romanformat geht, wechselt King jedoch Stil und Tempo, öffnet Räume zwischen den Zeilen. Als schlauer Geschäftsmann (der er natürlich auch ist) weiß er, dass einem auf Sicht betrach tet die Leser abhandenkom men, wenn sie 500 Seiten lang den Atem anhalten. GenreMeilensteine wie „Carrie“, „Shining“, „Sie“, „Es“, „Die Arena“ und rund 30 weitere internationale Bestsellertitel spielen virtuos mit einem sub tilen Grauen, das gar nicht auf dem Papier, sondern in un serer DNA geschrieben steht. Und ganz nebenbei hat Stephen King mit „Der Dunkle Turm“ – womit wir beim Mara thon wären – innerhalb von dreißig (!) Jahren einen der irrsten und besten Romanzyk len der Fantastik geschrieben. Doch Vorsicht: Bevor man sich diesem verwegenen Cross over aus Fantasy-Dystopie und Italowestern nähert, das King selbst einmal als seinen „Jupiter“ bezeichnete, sollte man sicherheitshalber ein wenig Anlauf nehmen. Denn der grandiose erste Satz „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolver THE RED BULLETIN
mann folgte ihm“ eröffnet eine Reise, die erst nach rund 5600 Seiten endet. Und auf hören geht sehr, sehr schwer. Das vermutlich beste Buch, das der 1947 in Portland, Maine, geborene Stephen Edwin King (bisher) veröffent licht hat, kommt allerdings weder aus der Horrorkiste noch aus dem Fantasy-Uni versum. Es ist ein Ratgeber. In „Das Leben und das Schrei ben“, erschienen im Jahr 2000, gibt der Millionenautor – eingebettet in autobiografi sche Erinnerungen und Anek doten, die auch die dunklen Seiten seiner Karriere be leuchten – sehr persönliche Erfahrungen preis, wie man ein gutes Buch schreibt. Hoch gradig sympathisch, mitunter sehr lustig und durchgehend ungeheuer lehrreich – im wahrsten „Sinne des Wortes“. Ein wirklich großartiges Buch, das nicht nur jedem, der richtig schreiben will, nach drücklich ans Herz gelegt sei, sondern auch allen, die richtig lesen wollen. Stephen King? Echt jetzt!
STEPHEN KING „DAS LEBEN UND DAS SCHREIBEN“ Deutsch von Andrea Fischer. Ullstein (gebundene Ausgabe), Heyne (Taschenbuch)
LESETIPPS
Autobiografische Feinkost Vier ausgesuchte Bücher, die das Leben schrieb
GREGORY DAVID ROBERTS Der 1952 in Melbourne, Australien, geborene Roberts wurde nach mehreren bewaffneten Raubüberfällen zu einer 23-jährigen Haft strafe verurteilt. Nach zwei Jahren gelang ihm die Flucht, und er setzte sich nach Mumbai in Indien ab. Was nun auf über 1000 Seiten folgt, ist die wohl abenteuer lichste Lebensgeschichte, die je aufgeschrieben wurde. Wie wahr sie ist, weiß nur einer. Kult ist sie auf alle Fälle. „Shantaram“ (Goldmann)
ERNEST HEMINGWAY In seinem letzten, posthum veröffentlichten Buch skiz ziert Hemingway Erinnerun gen an seine Jahre in Paris (1921 bis 1926). Anlässlich seines 50. Todestags er schien 2011 eine Neuüberset zung der Urfassung, ediert von E nkel Seán Hemingway und großartig übersetzt von Werner Schmitz. Ein lite rarisches Kleinod vom Groß meister, nach dessen Lektüre man sich vor allem eines wünscht: eine Zeitmaschine. „Paris – Ein Fest fürs Leben“ (Rowohlt)
TOM ROBBINS Keiner trägt die Narrenkappe tiefer ins Gesicht gezogen als der 1932 geborene US-Autor. Auch wenn der Grandseigneur des literarischen Wahnwitzes (u. a. „Buntspecht“ „Pan Aroma“ oder „Salomes sieb ter Schleier“) seine Lebens geschichte als anekdotische Häppchen serviert, wartet hier ein üppiger Festschmaus: saukomisch, zutiefst klug und fabelhaft fabuliert. „Tibetischer Pfirsich strudel – Die wahre Geschichte eines fantastischen Lebens“ (Rowohlt)
TERRY GILLIAM Als Gründungsmitglied der legendären Monty-PythonTruppe und Regisseur von Filmjuwelen wie „Brazil“, „Fear and Loathing in Las Vegas“ oder „12 Monkeys“ hat der 1940 in Minnesota geborene Gilliam einiges zu erzählen. Und er tut es – Illustrationen inklusive – auf eine Art und Weise, die keinen Zweifel dar an lässt, dass auch ein Ameri kaner trockenen britischen Humor im Blut haben kann. „Gilliamesque – Meine Prä-posthumen Memoiren“ (Heyne)
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MIT LEICHTIGKEIT SERVIERT
DAS PERFEKTE AUGENMASS
LAZY BOWL
Handgemachte Brillen, die perfekt auf ihren Träger abgestimmt sind – nur eine Woche dauert es, bis jedes Modell aus der Brillenmacher-Tirol-Kollektion von Optik Hopffer exakt den Bedürfnissen seines Trägers entspricht. brillenmacher-tirol.at
BRILLENMACHER TIROL
Sechs Mädchen aus der BHAK Liezen haben die „Lazy Bowl“ erfunden und damit den Preis als drittbeste Junior Company Europas geholt. Basis ist ein selbst produziertes Frucht pulver aus gefriergetrockneten Früchten, das zum Beispiel in Joghurt eingerührt wird, dazu gibt es verschiedene Toppings. lazybowl.hak-liezen.at
MISCHUNG CHOC’O CLOCK Schoko- und Haferflocken, Banane, Mandelblättchen
Richtig gutes Zeug Auf die Schnelle frühstücken, Brillen mit Augenmaß tragen, das Klima retten – mit besten Empfehlungen der Redaktion. LASS DICH ÜBERRASCHEN! LIFESTYLE BOX
DIE BEIDEN GRÜNDER Chris Pollak (links) und Moritz Lechner
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THE RED BULLETIN
KLAUS ZETTLER, OPTIK HOPFFER, FREEBIEBOX, KARL LAGERFELD, POET AUDIO, ANDRE STURZEIS
Die Details werden nicht verraten, sonst wär’s ja keine Überraschung mehr. Fest steht, dass in der Lifestyle Box Premium- Produkte aus Fashion, Food und Fitness s tecken. lifestylebox.eu
GUIDE Tipps & Trends
WÜRFEL FINDET GEFALLEN POET-ZERO Ein Würfel (Kantenlänge: 22,4 cm), der so klingt, wie er aussieht – fantastisch. Entwickelt wurde der BluetoothLautsprecher von Toningenieuren und Musikern in Graz. Ihr Versprechen: authentischer Hi-Fi-Klang. poetsoundsystems.com
BUNTES TREIBEN Tote Bag aus der Kooperation von Lagerfeld und Ize
EINMAL SCHNELL DIE WELT RETTEN „OMA, WAS IST SCHNEE?“ Fünf Schüler der HTL Ungargasse in Wien haben ein zweisprachiges Kinderbuch entwickelt, in dem sie den Klimawandel thematisieren – inklusive Happy End: Ihre Heldin Clara rettet die Welt. salubriousclimate.at
HANDY MIT HALTUNG SMART-WOODY
MUT ZUR FARBE KARL LAGERFELD × KENNETH IZE
Kenneth Ize, Designer
Schöne bunte Modewelt – Kenneth Ize, nigerianischer Designer mit Ausbildung an der Wiener Angewandten, hat für das Label Karl Lagerfeld eine farbenfrohe, optimistische Kollektion entworfen. karl.com
THE RED BULLETIN
Wer seinem Handy eine gewisse Standfestigkeit wünscht, Haltung sozusagen, parkt es per Smart-Woody (20 × 10 × 70 mm). Der Ständer aus Holz passt in jede Hosentasche. Entwickelt und pro duzierte wurde er von acht Schülern der Wiener HTL TGM. holdon.jimdosite.com
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Auf einer virtuellen Reise haben Jugendliche die Möglichkeit, 80 verschiedene Berufe unmittelbar und hautnah zu erleben.
Schau den Bäckerinnen und Bäckern in der Honeder Naturbackstube in Engerwitzdorf über die Schulter.
Keine Brille? Kein Problem Okay, natürlich besitzen nur die allerwenigsten der Berufseinsteiger des Landes eine VR-Brille – aber das ist kein Hindernis. Die WKO hat 60 dieser High-TechBrillen auf Berufsinformationszentren in allen Bundesländern aufgeteilt. Und diese bringen Jugendliche – beim Beratungsgespräch genauso wie bei Vorträgen in Schulen – unmittelbar und hautnah in die Betriebe, die sie interessieren. Auch bei EuroSkills 2021 in Graz werden solche Brillen bei dem Berufsorientierungsprojekt „Try a Skill“ aufliegen. Wie im Kino Die Tour führt durch verschiedene virtuelle Räume. Im zentralen Menüraum sind die unterschiedlichen Berufsfelder angebracht. „Arbeiten in der Natur“ öffnet beispielsweise ein Spektrum an Berufen, das vom Floristen über den Rauchfangkehrer bis zum Tierpfleger reicht. Klickt man auf einen davon, öffnet sich eine 360-Grad-
GETTY, EUROSKILL, VRME.EU/MEDIASQUAD/WKÖ
SCHAU IN DEINE ZUKUNFT
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Dieser QR-Code ist die Eintritts karte zu einer Tour durch 80 Berufe. Sie ist wie eine Ausstellung gestaltet. Besuchen kannst du sie auf zwei Arten: entweder oldschool per Maus klick oder in modernster Virtual- Reality-Optik. Denn das Programm ist kompatibel mit VR-Brillen, die einen 360-Grad-Rundumblick ermöglichen – und damit die Tour zu einem un vergesslichen Erlebnis machen.
Kreative Grafiken und Texte sind das Metier der Agentur gobiq in Dornbirn. Bürohund Penelope ist mittendrin statt nur dabei.
Ausstellung. Was am Bildschirm als normales Bild er scheint, wirkt per VR wie eine Kinoleinwand. Zu sehen ist zum Beispiel das Bild eines Brautechnikers, der in einem Labor eine Phiole mit Bier verkostet. Dreht man sich ein Stück, kann man die Info zum Einstiegsgehalt lesen: ca. 2305 Euro brutto. Das bekommt ein Like! Und wird damit auf einer persönlichen Liste gespeichert. Mitten im Geschehen Manche Berufe sind nicht nur in einem Raum aus gestellt, sondern schicken dich auf eine Reise. Klickt man zum Beispiel auf „Koch“, stellt einen das Programm direkt in den Gasthof Hirschen, wo man im 360-GradView im Arbeitsalltag eines Restaurants Mäuschen spielen kann. Es wird geschnippelt, gebraten und serviert. Moderiert wird das Geschehen von einem Lehrling, der etwas über seine Erfahrungen in dem Betrieb erzählt.
MITMACHEN & SELBST ZUR VR-ATTRAKTION WERDEN Einen Betrieb direkt zu erleben ist bereits bei über einem Viertel der Berufe auf der virtuellen Tour möglich. Ziel ist, sämtliche Berufe vom Rauchfangkehrer bis zum Hörgeräteakustiker mit solchen Einblicken zu versehen. Betriebe, die Interesse daran haben, ihren Lehrberufen und Lehrlingen eine Plattform zu geben, erhalten bei der Abteilung für Bildungspolitik der WKÖ detaillierte Informationen. Einfach E-Mail senden: bp@wko.at
K U R ZGES CHICH T E
DEN JOB KÖNNTE EIN AFFE MACHEN
CORNELIA TRAVNICEK entdeckte während eines Aufenthalts in China eine ganz besondere Spezies, die ihr im Umgang mit (scheinbar) wichtigen Menschen bemerkenswerte Gelassenheit bescherte.
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THE RED BULLETIN
GINA MÜLLER CORNELIA TRAVNICEK
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PAUL FEUERSÄNGER
A
ls ich ein kleines Mädchen Leben manchmal Jobs, die wir uns war, wollte ich vieles nie hätten träumen lassen. werden: Erfinderin, Pony Geworden bin ich letzten Endes hofbesitzerin, später bisher auch so einiges: Schrift Roboterpsychologin – und stellerin, Informatikerin, Sino dazwischen auch mal Tierpflegerin. login. Und als Letztgenannte fiel An Letztgenanntes musste ich vor mir beim Durchsehen der Werbung kurzem wieder denken, als mir die etwas auf: nämlich dass in der CORNELIA TRAVNICEK hat eine HTL abgeschlossen Werbung für einen „Weißen Zoo“ Sammlung des Weißen Zoos eine und Sinologie und Informatik unterkam, also einen Tiergarten, mir gut bekannte Gattung gänzlich studiert. Heute ist sie in dem nur weiße Exemplare der fehlte: der Weiße Affe. Schriftstellerin und arbeitet jeweiligen Art ausgestellt werden: Der Weiße Affe ist eine Art, Teilzeit in einem Forschungsdie es bei uns in Österreich meines weiße Tiger, weiße Kamele und noch zentrum für Computergrafik. Wissens nicht gibt. Sein natürlicher einige andere minimalpigmentierte Ihr Roman „Chucks“ wurde 2015 verfilmt. Ihr aktuelles Spezies, die sich nicht davor retten Lebensraum ist China. Buch „Feenstaub“ war 2020 konnten. (Nur weiße Nashörner In der Familie der Weißen Affen für den Österreichischen nicht, weil diese sind seit dem Tod gibt es mehrere Unterarten, die Buchpreis nominiert. des letzten männlichen Exemplars sich voneinander in Aussehen und in diesem Jahr so gut wie ausgestor Verhalten grundsätzlich wenig ben, was natürlich kein Trost für das Nashorn ist.) unterscheiden, sie haben sich lediglich etwas Spätestens seit ich weiß, dass in Zoos hinter – an ihr jeweiliges Umfeld angepasst. oder auch vor – den Kulissen gerne mal die über as erste Mal konnte ich ein Exemplar be schüssigen Tiere aus dem einen Gehege an die im obachten, als ich noch eine Studentin war anderen verfüttert werden, trauere ich meinem und für einen Sprachkurs an eine Universität Kindheitstraumberuf nicht mehr nach. nach Südchina ging. In den späten Nullerjahren Die wenigsten von uns werden später einmal, war Chinas Ausgehkultur etwa da, wo sie in den wovon sie in frühen Jahren geträumt haben. USA in den 1980ern gewesen ist, und es öffneten Astronautinnen. Zugführer. Meeresbiologen. so einige neue Clubs, die ihr Bestes versuchten, Und wenn irgendjemand einen später mal fragt: sich gegenseitig die gerade frisch in der unteren Warum eigentlich nicht? bis mittleren Mittelschicht angekommene junge Dann ist man sich oft gar nicht sicher. Kundschaft streitig zu machen. Ja, warum eigentlich nicht? Ist so passiert. Dabei waren Eintritt und die Getränke in die Weshalb wir unsere Träume o ffenbar einfach sen Lokalen keineswegs günstig, auch nicht für gedankenlos irgendwo am Wegrand liegen lassen uns Österreicherinnen, ja, es war sogar ein hoher – ich weiß es nicht. Dafür finden uns später im
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KU RZG ES CHI CHT E
Grundpreis pro Tisch fällig. Je mehr der jeweilige Club auf sich hielt, desto teurer war es, einen Tisch dort zu bekommen. Jedes Wochenende ein- bis zweimal auszu gehen, das wäre auch für uns mehr als ordentlich ins Geld gegangen. Die Lösung für unsere Geldprobleme fand sich aber schneller, als wir dachten, und vor allem an ebenjenen Orten, die diese verursachten. Clubbesitzer traten an die damals noch sehr spärliche weiße Kundschaft heran und boten ihr (also uns) bares Geld dafür an, das jeweilige Lokal regelmäßig zu besuchen, dort an der Bar zu sitzen und ein paar Getränke zu konsumieren. Jawohl, wir sollten für das Fortgehen bezahlt werden. Die einzige Auflage war, eine gewisse Zeit zu bleiben, sichtbar eine Menge Spaß zu haben und jedem oder jeder der chinesischen Anwesenden auf seine oder ihre freundlichen Versuche, sich im Englischen zu üben, eine ebenso freundliche Antwort zu geben. Da ich nur für einen Sommerkurs gekommen war und nicht das Semester über bleiben konnte, musste ich das Jobangebot leider ausschlagen.
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eine zweite Sichtung des Weißen Affen ist nicht offiziell bestätigt, obwohl sie sogar als Videobeweis vorliegt. Eine Studienkollegin, ich nenne sie Karina, erzählte mir, dass sie während ihres China-Aufenthalts für einen Film gecastet wurde. Karina, eine sehr blonde, sehr resolute Kärntnerin mit der typischen schroffen Freundlichkeit dieses Bundeslandes, sollte allerdings keine Österreicherin spielen, sondern eine Russin. Eine rus
Eine resolute Kärntnerin sollte eine Russin spielen. Dass sie kein Wort Russisch sprach, war den Produzenten egal.
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sische Soldatin, um genau zu sein. Dass sie kein Wort Russisch konnte, war den Produzenten dieses Films ebenso egal wie das Fehlen jeglicher Vorerfahrung im Berufsfeld der Schauspielerei. Es ist nicht klar, ob es sich bei diesem Filmprojekt um die Umsetzung einer historischen Vorlage handelte und ob in dieser möglichen Vorlage tatsächlich eine russische Soldatin jene Rolle spielte, die Karina zugedacht war. Hauptsache, die blonde Ausländerin war auf der Leinwand.
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wei Jahre später begleitete ich höchstpersön lich ein männliches Exemplar des Weißen Affen in den kleinen, international nicht vollständig anerkannten und immer wieder von China für sich reklamierten Inselstaat Taiwan. Als wir miteinander im Flugzeug saßen, wusste ich allerdings noch nichts davon. Der großgewachsene junge Mann – sagen wir, er hieß Karsten – sollte nach dem Besuch eines vier wöchigen Sprachkurses gleich noch für ein Jahr als Auslandsstudent in Taiwan bleiben. Nachdem Karsten sich in diesem Jahr dort verliebt hatte (und das nicht nur einmal), beschloss er, länger auf der Insel zu leben, und sah sich nach einem Job um. Schnell stellte sich heraus, dass es als Aus länder denkbar einfach war, einen zu finden, denn es gab eine riesige Nachfrage nach Sprachlehrern. Wie? Wer will denn in Taiwan Deutsch lernen? Nun, die Menge an Taiwanerinnen und Taiwanern, die freiwillig versuchen, sich die Zunge an deutschen Wörtern zu brechen, war zwar überschaubar und der Bedarf an Deutschlehrern damit ebenso, aber der Bedarf an Englischlehrern war quasi unstillbar. Und bei den halboffiziellen Sprachschulen reichte das Vorzeigen eines ausländischen Passes vor dem Hintergrund der eigenen blassen Haut als Qualifikation für diese Stelle bereits aus. Es kümmerte niemanden, was die eigene Muttersprache war, auch nicht, ob man jemals Englischunterricht genossen hatte, und ganz besonders nicht, wie gut das eigene Englisch ausfiel – solange man das Bewerbungsgespräch auf Englisch führen konnte, stellten so einige dieser Schulen einen vom Fleck weg an. Es soll Leute geben, die so mehrere Jahre in Taiwan gut über die Runden kamen und dabei auch noch einiges an Freizeit genossen. Man sieht, der Weiße Affe ist keine seltene Art und auch noch nicht vom Aussterben bedroht. Wer sich länger in China und vor allem durch Chinas Wirtschafts- und Finanzwelt bewegt, wird früher oder später einem Weißen Affen begegnen.
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ie Weißen Affen sind erstaunlich vielseitig, sie scheinen eine große Zahl an unterschiedlichen Talenten mitzubringen. Sie spielen bei Firmenbanketts in „berühmten amerikanischen“ Bands, sie sind „sehr erfolgreiche“ Ärzte oder „offizielle Gesandte“ eines Landes. Eine erstaunlich hohe Prozentzahl an Weißen Affen arbeitet als CEOs kleiner, mittelständischer oder auch größerer chinesischer Firmen, wobei diese Chef-Jobs meist darin bestehen, Gruppen von anderen Unternehmen zu empfangen, mit diesen essen zu gehen oder einfach für diverse Fotoaufnahmen mit ihnen in der Gegend herumzustehen. Weil der Weiße Affe ein Weißer Affe ist, muss er nicht Chinesisch sprechen können, das ist sein Vorteil. Ob er es nicht sprechen kann, weil er weiß ist, oder ob er es nicht kann, weil er ein Affe ist, ist nicht die Frage. Der Weiße Affe muss oft genug gar nicht reden, er muss nur da sein. Der Weiße Affe erfüllt seine Aufgabe gut, solange er sichtbar präsent ist. Er muss sich nicht einmal auf die Brust trommeln, er muss sie nur stolz heraus recken. Je wichtiger der Weiße Affe aussieht, desto wichtiger ist er.
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or wenigen Jahren wurde dem Chef der Firma, in der ich arbeitete, von einem chinesischen Wirtschaftsdelegierten in Wien die Möglichkeit angeboten, ein Joint Venture in China zu gründen. Die chinesische Firma würde von uns Namen und Logos und dergleichen übernehmen, und er, der Wirtschaftsdelegierte, wäre der ausführende Geschäftsführer vor Ort, wir bräuchten uns um wenig zu kümmern, nur ein paar Verträge zu unterschreiben. Kurz darauf wurde mein Chef zum ersten Mal in seinem Leben nach China eingeladen. Als er zurückkam und uns die Fotos von seiner Reise zeigte, konnte ich auf ihnen den Weißen Affen sehen. Manchmal frage ich mich, ob den Chinesen der Weiße Affe auch sogleich ins Auge sticht. Ob er für sie so offensichtlich ist wie für mich. Was, wenn sich zum Beispiel zwei chinesische Firmen treffen, um eine geschäftliche Möglichkeit zu besprechen, und beide bringen, um die jeweils andere zu beeindrucken, ihre Weißen Affen mit? Beginnt ein Kräftemessen der Primaten? Ein ritueller Kampf? Oder ist es wie bei den Stein böcken und ihren überdimensionierten Hörnern, genügt ein Blick, und man weiß: Aha, unser Affe ist größer, er steht in der Rangordnung höher, wir
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Eine erstaunlich hohe Prozentzahl an Weißen Affen arbeitet als CEOs in chinesischen Firmen.
haben gewonnen! Und die Affen selbst? Gelten auch im Club der Weißen Affen ungeschriebene Regeln? Kennen sie einander vielleicht sogar zufällig auf anderen Wegen, müssen sie diesen Umstand dann verbergen? Treffen sie sich später auf der Toilette, sprechen sie dann miteinander? Wenn ja, in welcher Sprache und worüber? Vielleicht habe auch ich mich in meinem Leben schon zum Weißen Affen gemacht, ganz ohne es zu wissen. Denn vielleicht sieht man den Affen ja manchmal nur von außen, so als steckte man in einem dieser Ganzkörperkostüme, die einem selbst die Sicht beschränken. Und sehr wahrscheinlich hatte ich auch unrecht, als ich am Anfang in diesem Text schrieb, es gäbe den Weißen Affen in Österreich nicht, denn vor gar nicht allzu langer Zeit las ich in einem Magazin von einer Frau, die eine Firma gegründet hatte, aber zu geschäftlichen Gesprächen gerne einen eigens dafür engagierten weißen Mann vorschickte, der jedoch inhaltlich gar nichts zu sagen hatte, sondern rein für seine körperliche Anwesenheit bezahlt wurde.
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as Wissen um die Weißen Affen ist jedenfalls etwas, was durchaus einen praktischen Nutzen hat. Eine Freundin meinte einmal zu mir, sie finde es bemerkenswert, wie unbeeindruckt ich in der Gegenwart wichtiger Leute bleibe. Ich habe es ihr nicht gesagt, aber es liegt daran: Immer wenn ich sehe, wie jemand als die bedeutendste Person im Raum behandelt wird, frage ich mich insgeheim, ob derjenige nicht vielleicht einfach nur der größte Affe ist.
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IMPRESSUM Gesamtleitung Alexander Müller-Macheck, Sara Car-Varming (Stv.)
THE RED BULLETIN WELTWEIT
Aktuell erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. In unserer US-Ausgabe stellen wir Izzi Gomez vor – eine fünfmalige Standup-Paddling-Weltmeisterin und neuerdings Surferin. Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: redbulletin.com
Das Skills Special ist eine Kooperation mit der WKÖ.
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Chefredaktion Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.) Leitender Redakteur Wolfgang Wieser Creative Direction Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.) Art Direction Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson Textchef Jakob Hübner Projektmanagement Jennifer Silberschneider Grafik Martina de Carvalho -Hutter, Kevin Faustmann-Goll, Cornelia Gleichweit Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Marie-Maxime Dricot, Melissa Gordon, Lisa Hechenberger, Elena Rodriguez Angelina, Benjamin Sullivan Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Publishing Management Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Anna Wilczek Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger Projektmanagement Co-Publishing, B2B-Marketing & Communication Katrin Sigl (Ltg.), Mathias Blaha, Katrin Dollenz, Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B), Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner (Communication) Creative Services Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Management Co-Publishing Alexandra Ita Editorial Co-Publishing Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann, Mariella Reithoffer Executive Creative Director Markus Kietreiber Senior Manager Creative Elisabeth Kopanz Art Direction Commercial & Co-Publishing Peter Knehtl (Ltg.), Erwin Edtmayer, Simone Fischer, Martina Maier, Andreea Parvu, Carina Schaittenberger, Alexandra Schendl, Julia Schinzel, Florian Solly, Dominik Uhl, Sophie Weidinger, Stephan Zenz Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm, Nicole Glaser, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.), Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Klaus Pleninger MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler Operations Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Thomas Platzer Projekt Management Dominik Debriacher, Gabriela-Teresa Humer Assistant to General Management Sandra Artacker Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Am grünen Prater 3, A-1020 Wien Telefon +43 1 90221 -0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-LepperdingerStraße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber
THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Wolfgang Wieser Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy KirnbauerWalek, Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink Publishing Management Bernhard Schmied Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner, Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen WittmannSochor, Ute Wolker, Christian Wörndle, Sabine Zölß Sales Operations & Development Anna Schönauer (Ltg.), David Mühlbacher Abo Abopreis: 25,90 EUR, 12 Ausgaben/ Jahr, getredbulletin.com, abo@redbulletin.at Druck Quad/Graphics Europe Sp. z o. o., Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: redbull.com/im/de_AT Redaktionsadresse Am Grünen Prater 3, A-1020 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com
THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei Österreich Country Project Management Nina Hahn Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner, Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen WittmannSochor, Ute Wolker, Christian Wörndle, Sabine Zölß
THE RED BULLETIN Frankreich, ISSN 2225-4722 Länderredaktion Pierre-Henri Camy Country Coordinator Christine Vitel Country Project Management Alexis Bulteau
THE RED BULLETIN Großbritannien, ISSN 2308-5894 Länderredaktion Tom Guise (Ltg.), Lou Boyd Lektorat Davydd Chong (Ltg.), Nick Mee Publishing Management Ollie Stretton Media Sales Mark Bishop, mark.bishop@redbull.com Fabienne Peters, fabienne.peters@redbull.com
THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Stefania Telesca Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei Österreich Country Project Management Meike Koch Media Sales & Brand Partnerships Stefan Brütsch (Team Lead), stefan.bruetsch@redbull.com Marcel Bannwart, marcel.bannwart@redbull.com Christian Bürgi, christian.buergi@redbull.com Jessica Pünchera, jessica.puenchera@redbull.com Goldbach Publishing Marco Nicoli, marco.nicoli@goldbach.com
THE RED BULLETIN USA, ISSN 2308-586X Länderredaktion Peter Flax (Ltg.), Nora O’Donnell Lektorat David Caplan Publishing Management Branden Peters Media Network Communications & Marketing Manager Brandon Peters Media Sales Todd Peters, todd.peters@redbull.com Dave Szych, dave.szych@redbull.com Tanya Foster, tanya.foster@redbull.com
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Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 12. Oktober 2021.
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