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16. März 2025
Unentdeckte Schätze für neugierige Reisende Gegenwart und Vergangenheit liegen in der Schweiz oft dichter beieinander, als man es im ersten Moment vermutet. Wer je im Schatten eines barocken Hospizes stand und nur einen Steinwurf entfernt die Spuren römischer Fundamente entdeckte, kennt dieses Gefühl: Mit jedem Schritt offenbaren sich neue, vielschichtige Kapitel eines bis heute lebendigen Geschichtsbüchleins. Hier setzt das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) an. Im Fokus stehen jene Siedlungen, Weiler und Städte, die trotz mancher Modernisierung ihre gewachsene Identität bewahrt haben und eine besonders reizvolle Kombination aus Landschaft, Baukunst und Historie bieten. Der folgende Streifzug stellt eine kleine Auswahl vor und soll Lust machen, diese Orte selbst zu entdecken.
FOTOS: SCHWEIZ TOURISMUS/JONATHAN DUCREST
Die Schweiz birgt noch immer stille Wunder: malerische Alpweiler, visionäre Wohnkomplexe und historische Grandhotels. Schweiz Tourismus stellt fünf Orte vor, an denen Architektur, Landschaft und Geschichte besonders schön miteinander verschmelzen.
Filigrane Eleganz am Rhein Wasserkraft wird kaum mit poetischer Leichtigkeit assoziiert. Das ändert sich schlagartig, sobald man das Kraftwerk Birsfelden im Kanton Basel-Landschaft erblickt hat: Der Architekt Hans Hofmann zeigte Anfang der 1950er Jahre, dass ein Kraftwerk nicht zwangsläufig wie ein wuchtiger Betonkörper den Fluss durchschneiden muss. Stattdessen erscheint die von ihm gebaute, 120 Meter lange und vollverglaste Maschinenhalle filigran und luftig. Wie eine feine Linie überquert sie den Rhein und lässt dank der Verglasung die Natur durch die Halle blicken. Einen stimmungsvollen Zugang bietet der Dreilandwanderweg, der sich über die Kraftwerksinsel zieht und entlang des Rheins bis nach Basel oder in die benachbarten Regionen führt. Wer hier schlendert, nimmt sich unweigerlich Zeit, die feinen Nuancen von Architektur und Natur zu entdecken.
Zeit entrückt in Taveyanne Ganz anders präsentiert sich der Weiler Taveyanne in den Waadtländer Alpen. Rund dreissig einheitliche Holzchalets mit Schindeldächern verteilen sich auf einer weiträumigen Weidefläche, die einst Bauern und Hirten als Sommerresidenz diente. Erste Hinweise auf diese Alp stammen aus dem Jahr 1270. Die heutigen Chalets sind nicht ganz so alt. Sie entstanden nach 1719, als die Siedlung durch einen Brand zerstört und wieder aufgebaut wurde. Einst wie heute gibt es hier für die zeitweisen Bewohnerinnen und Bewohner keinen Strom. Wer die Ursprünglichkeit hautnah erleben möchte, steigt in Gryon in die Gondel Richtung Les Chaux und spaziert von dort in etwa 40 Minuten hinab nach Taveyanne. Das lohnt sich ganz besonders am ersten Augustwochenende. Dann findet nämlich das Fest «Miété» statt, das bis heute die Mitte der Alpsaison markiert.
Visionäre Weite in Le Lignon Wer von alpinen Chalets auf eine monumentale Wohnsiedlung schaltet, erlebt einen Kultursprung. Le Lignon bei Genf wurde zwischen 1963 und 1971 errichtet, um der akuten Wohnungsnot in der Re-
Das Wasserkraftwerk in Brisfelden zeugt von filigraner Leichtigkeit.
Ursprünglich und authentisch: der Alpenweiler Taveyanne im Kanton Waadt.
gion zu begegnen. Über 6500 Menschen leben hier, verteilt auf zwei Wohntürmen und einen kilometerlangen Wohnriegel, der sich im Zickzack durch das Gelände schlängelt. Die Cité du Lignon wirkt aus der Ferne, als hätte man ein Stück moderne Kunst in den Horizont gezeichnet. Erst beim Flanieren auf dem Gelände offenbart sich die durchdachte Struktur: Spielplätze, Schulen, Parks, Einkaufsgelegenheiten – eine «Satellitenstadt» mit eigenem Pulsschlag. Den besten Blick auf das Bauwerk gibt es vom nahen Weiler Loëx aus. Mit dem Fluss im Vordergrund wird klar, dass auch ein Betonkoloss behutsam in die Landschaft eingebettet sein kann.
Grandhotel-Flair in Tarasp Eine Architektur, die nicht kontrastreicher sein könnte, befindet sich in Tarasp nahe Scuol. Man kann sich kaum vorstellen, dass Zaren und Könige einst den beschwerlichen Weg in dieses entlegene Hochtal auf sich nahmen. Doch ein Blick auf das Kurhaus genügt, um seine glanzvolle Vergangenheit zu erahnen. Erbaut im Jahr 1864 und inspiriert von höfischer Palastarchitektur, entführt einen das Hauptgebäude sofort in die goldene Ära der Grandhotels, als der europäische Adel hier Linderung und Luxus suchte. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs das Ensemble, und so gesellten sich 1875 die Trinkhalle «Büvetta» mit ihren eleganten Bogenfenstern und 1912 ein Badehaus hinzu.
Im Fokus stehen Orte, die trotz Modernisierung ihre Identität bewahrt haben.
Im ehemaligen Badehaus befindet sich heute die Kunsthalle Nairs. Wechselausstellungen feiern hier nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler – ein spannender Kontrast zum historischen Mauerwerk. Das Kurhaus Tarasp eröffnete Ende 2023 neu als Hotel Scuol Palace. Eine gute Adresse für alle, die die unverfälschte Bergidylle und den historischen Kurpark geniessen möchten.
Mittelalter pur in Neunkirch Ein Abstecher ins Schaffhauser Klettgau führt in das Städtchen Neunkirch, das mit seiner rechteckigen Grundrissstruktur eine mittelalterliche Planstadt in Reinform verkörpert. Fünf parallele Häuserzeilen durchziehen den Ort, des-
In Tarasp die Grand-Hotel-Ära erleben.
Ikonische Bauten in Lignon.
sen Bauten bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Auf den ersten Blick mögen die ordentlichen Fassaden, Gassen und Tore an eine Bühne erinnern, die auf den Vorhang wartet. Tatsächlich bühnt hier täglich das Leben: Die Vordergasse besticht durch repräsentative Bürgerhäuser, während hinter den Häuserzeilen noch die bäuerlichen Hinterhöfe an damalige Arbeitswelten erinnern. So erhält Neunkirch seinen dörflichen Charme im urbanen Kleid. Ganz nah locken Weinberge und Wanderwege im Regionalen Naturpark Schaffhausen. Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber können auf dem Pferderücken, mit dem Velo oder einfach zu Fuss das Klettgau erkunden und in einer der gemütlichen Landbeizen einkehren.
ISOS – ein Inventar für Wertvolles
Reisefieber und Staunen All diese Orte sind nur fünf von insgesamt 80 schützenswerten Ortsbildern in der Schweiz, die Schweiz Tourismus als Reiseziele ausgewählt und aufbereitet hat. Sie führen vor Augen, wie vielfältig die Schweiz ist und wie kreativ Menschen über Jahrhunderte mit ihrer Umwelt umgegangen sind. Geschichten von Aufbruch, Erneuerung und Bewahrung lassen sich im direkten Vergleich erleben – etwa, wenn man mit der Bahn von der Romandie ins Tessin reist oder sich auf der Grand Tour of Switzerland per Auto von einem Aha-Moment zum nächsten bewegt.
ISOS steht für das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung. Vom Bund ins Leben gerufen, erfasst und bewertet es rund 1200 Siedlungen – vom Winzling-Weiler bis zur Grossstadt. Das Inventar beleuchtet die jeweilige Lage, den Charakter der Siedlung und ihre architekturhistorischen Qualitäten. So wird sichtbar, wie wertvoll manche Ortsbilder sind, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Die Analysen helfen zudem Planenden und Behörden, diese Orte nachhaltig zu entwickeln und ihren historischen Wert zu bewahren. Schöne Dörfer und Städte sind für uns alle wichtig. Weitere Infos: MySwitzerland.com/isos
Dieser Inhalt wurde von NZZ Content Creation im Auftrag von Schweiz Tourismus erstellt.