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Rettungsdienst und kantonale Notrufzentrale, Bern Im Neubau arbeiten rund 150 Personen für den grössten Rettungsdienst im Kanton Bern. Er liegt verkehrstechnisch optimal am Stadtrand in der Nähe einer Autobahnausfahrt. Der alte Standort in der Berner Innenstadt war dagegen nur für 70 Personen konzipiert und zudem aufgrund seiner Lage hinsichtlich Ausund Zufahrten problematisch. Die Ästhetik des konsequenten Ingenieurholzbaus prägt den Ausdruck des Neubaus. Nach einem Architekturwettbewerb Anfang 2009 erfolgte Anfang 2011 die Kostenfreigabe, und die Baubewilligung wurde erteilt, damit der Neubau mit Fokus auf Funktionalität und Nachhaltigkeit ab Sommer 2011 erstellt werden konnte. Das Grundstück dazu ist ein schmales Dreieck zwischen Gleisfeld und Murtenstrasse. Mit seinem der Grundstücksform angepassten Erdgeschoss nutzt das neue Gebäude der Sanitätspolizei die Tiefe der Parzelle aus. Der darüberliegende, schmale Baukörper hat dank der Option einer Aufstockung auf insgesamt sechs Geschosse das Potential, einen adäquaten Auftakt zur anschliessenden Industrie- und Gewerbezone zu setzen. Die Fassade ist mit einer vorvergrauten Weisstannen-Schalung bekleidet. Das Fassadenbild ist durch eine feine Bänderung horizontal gegliedert. Die verschieden breiten Fenster im Norden, Osten und Westen rhythmisieren den dreigeschossigen Baukörper. Dieselbe Ästhetik des Ingenieurholzbaus zeigt sich in den Innenräumen, beispielsweise mit den Holz-Beton-Verbunddecken. Die Systemtrennung mit gut zugänglichen Installati-

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onsbereichen und teils sichtbaren Installationen trägt ebenfalls zum rationalen Look der Räumlichkeiten bei. Der Hohlboden und die Installationsbereiche zwischen den Holzbalken verleihen den Büros eine schlichte und ruhige Gesamtwirkung. Die Gebäudeerschliessung ist dreiseitig orientiert. Fahrzeugausfahrten beziehungsweise -zufahrten liegen auf der Westseite, Anlieferung und Wartung auf der Ostseite; der Haupt-Personenzugang liegt nordseitig und ist somit von der Murten­ strasse als Adresse erkennbar. Die klare räumliche Trennung von Einsatz und Anlieferung beziehungsweise Wartung garantiert den reibungslosen Betrieb. Die Ausrichtung von Einstellhalle und Tiefgaragenzufahrt zur Stichstrasse garantiert neben guter Sicht bei der Ausfahrt auch kürzestmögliche Wege für die Einsatzfahrzeuge. Die tiefe Vorzone erhöht die Übersichtlichkeit zusätzlich und dient als Aufstellfläche. Im östlichen Bereich der Parzelle liegen Anlieferung, Fahrzeugwartung und -reinigung. Der sich zunehmend verengende Rest der Parzelle wird für Parkfelder und den Unterstand für Zweiräder sowie für den Notstrom­ generator genutzt. Das Erdgeschoss fasst Nutzungen mit Aussenbezug oder mit direktem Bezug zur Fahrzeughalle wie beispielsweise die Werkstätten. Im Untergeschoss befindet sich die Einstellhalle für Fahrzeuge. Die Schlafräume im 1. und die Kursräume des 2. Obergeschoss liegen an der Südfassade, abgewandt vom Lärm der nordseitigen Murtenstrasse. Daneben beherbergt das 1. Obergeschoss den Garderobenbereich sowie Cafeteria, Aufenthaltsund Mannschaftsräume. Die Haupttreppe trennt

gezielt den aktiven Bereich und die Ruhezone. Zentral gelegene Rutschen garantieren den schnellen Zugang zu den Einsatzfahrzeugen. Im 2. Obergeschoss befinden sich die Räumlichkeiten für die Ausbildung, für das Kommando sowie für die Notrufzentrale. Die Verwendung von Beton wurde in dem auf ein Sprinklerkonzept ausgelegten Gebäude auf ein Minimum reduziert. Verbleibende Betonbauteile ab der Decke des Untergeschosses, insbesondere im Bereich der Erschliessungen, dienen der Stabilisierung des Gebäudes. Das Gebäuderaster basiert auf drei mal sieben Flächeneinheiten mit einem Rastermass von 7,56 m, was bei diesem Objekt statisch wie funktional ein Optimum ergab. Das Tragwerk ist in diesem Raster mit Trägern aus Brettschichtholz in Fichte/Tanne vom Querschnitt 440 x 880 mm sowie Stützen aus Brettschichtholz in Esche (GL48h) vom Querschnitt 440 x 440 mm aufgebaut, deren Knoten mit eingeklebten Gewindestangen ausgeführt sind. Zudem sind an einigen Stellen der Träger Schubverstärkungen aus Esche eingebracht. Vorgefertigte Elemente in Holzrahmenbauweise an den Fassaden sowie Holz-BetonVerbundelemente, entweder als Rippenplatten ausgeführt oder mit Brettstapeln, bilden die Decken und Dachflächen aus. Die auf den Brettstapeln aufbauenden Deckenelemente liessen sich vorfertigen und verkürzten so die Bauzeit. Die Rippendecken hingegen sind an den äusseren Raumschichten angeordnet, womit deren Beton auch von unten als Speichermasse für den sommerlichen Wärmeschutz genutzt werden kann.

Holzbulletin 113/2014  

Eiche, Buche, Esche, Föhre, Tanne

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