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Redaktion_1013_Redaktionsseiten 13.05.2013 12:31 Seite 38

MEINE PLATTE

1983: Vierzehn Marionetz – Für viele der Ausverkauf, für andere ein Meisterwerk das Pop-Punk. Sigi Hümmer und Konsorten waren auf „Jetzt knallt’s“ definitiv zwingender, dieses allerdings war vor unserer Zeit, nämlich 1981. 1984: Inwendig warm Konstantin Wecker – „Laß di foin in irgendan Arm, und mach dArm auf, wenn irgendwer foid. So halt ma uns inwendig warm, denn da draußn, da is oft so koid.“ Wie recht er doch hat ...

30 Jahre, 30 Platten Eine subjektive Auswahl von 30 Platten, von 30 Münchner Bands aus den letzten 30 Jahren

1997: Unterwegs mit Isar 12 Isar 12 – Achim Bogdahn und Andreas Konstantin mit einer charmanten, ja geradezu hinreißenden und für die damalige Zeit definitiv höchst innovativen ElektroPop-Variante, von der sich so manch einer heute noch gerne ein Scheibchen von abschneiden dürfte. Feat. Laetitia Sadier (Stereolab) und Thomas Meinecke (F.S.K.)

1985: Harbors And Fields The Mask – Vielleicht war der VÖ auch erst 86 ... denn merke, getreu Falco: „Wer sich an die 80er Jahre erinnern kann, hat sie nicht erlebt.“ In jedem Fall begeisterte das Trio um Sänger und Bassist Rainer „Gussie“ Germann (heute Cat Sun Flower, Jesper Munk) mit flirrendem Gitarren-Wave-Rock à la The Cure.

1998: Luna Rossa Quadro Nuevo – Mulo Francel, der Stan Getz aus Bayern, gründete gemeinsam mit Gitarrist Robert Wolf, der nach seinem tragischen Autounfall von Harfinistin Evelyn Huber ersetzt wurde, D.D. Lowka und Heinz-Ludger Jeromin, dem 2002 Andreas Hinterseher am Akkordeon folgte, eines der erfolgreichsten Weltmusik-Jazz-Ensembles Europas. „Luna Rossa“ war ihr Debüt, ein hochklassiges zudem.

1986: Hobo United Balls – Mitnichten ihr maßgeblichstes Album, aber „Pogo in Togo“ ist ebenfalls bereits 1981 erschienen, weswegen es hier – wie auch „Jetzt knallt’s“ von den Marionetz – leider nicht berücksichtigt werden konnte. 1987: Airs On A Shoestring (Compilation), Amon Düül – Laut Wikipedia gegründet in der Leopoldstraße, wurde aus ihnen eine der einflussreichsten Krautrock-Bands aller Zeiten.

1999: Invisible Documents Embryo – „They are doing interesting things. You know, man? They are creative, good musicians, just playing good shit“, sagte kein Geringerer als Miles Davis über Embryo-Chef Christian Burchard und seine ständig wechselnden Mitmusiker. Hier ein Mitschnitt eines Konzerts in der Hamburger Fabrik aus dem Jahr 1974.

1988: Thunder The Comics – Bluesig angehauchter Rebel-Rock’n’Roll aus Schwabings Straßen, von und mit Sänger/Gitarrist Michael Sailer und Konsorten: schnörkellos, unprätentiös und auf den Punkt. 1989: Hello ... Hello ... Sir Prize – Hatten damals bei einem japanischen Instrumenten-Hersteller einen Bandwettbewerb gewonnen und durften nach Tokio, wo sie angeblich in der Budo- großartig waren wie: „Ohne Dich ...“, kan-Halle spielten. Fanden alle gut, da- „Solang’ man Träume noch leben kann“ mals. oder „S.O.S.“. 1990: The Broken Colours The Broken 1993: Merricks in Schwierigkeiten Colours – Großartige, von Gitarren doMerricks – Die Herrschaften Hartwich, minierte Wave-Rock-Band um Sänger Oesterhelt, Gottschling, Salewski, Polta Thomas Löffler und die beiden Gitar- und Dimbath in absoluter Bestform: Earisten Wolfgang Pelz und Tommy Maria sy Pop-Listening der besonderen Art. Möldner. 1994: Mao Mak Maa Freaky Fukin 1991: 11 Outlined Epitaphs The Weirdoz – Fragt man PlattenfirmenWelcome Idiots – Irgendwo zwischen und Verlags-Menschen, Veranstalter, Power-Pop und Punk angesiedelt, imManager, mithin also Leute, die mit den mer aber höchst unterhaltsam. Freakys zusammenarbeiten mussten, 1992: Ihre größten Hits Münchner hört man oft ein Wort, das mit „A“ anFreiheit – Erst seit der Oberlehrer der fängt und auf ... Aber lassen wir das, Hamburger Schule, Ex-Blumfeld-Chef denn im Grunde waren Sänger/MC Jochen Distelmeyer, sich öffentlich als A.K.A., Gitarrist Rif Kif, Bassist/Rapper Fan outete, wagten sich auch andere Gringo und Schlagzeuger Marco vor alaus der Deckung. Objektiv betrachtet lem eines: bekifft. Und mit bekifft meilieferten Stefan Zauner und seine Band ne ich: randvoll. In ihrem Rausch aber Pophits am laufenden Fließband, die waren sie immer dann, wenn es nicht zwar zugegebenermaßen oft an der ums Business ging, höchst freundliche Schmalzgrenze entlang schrammten, Zeitgenossen, ja geradezu liebenswert diese regelmäßig auch deutlich über- und witzig, wenngleich eben bekifft. traten, oftmals aber einfach auch nur Und von all dem handelt auch ihr Cross-

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kommene, dennoch aber nimmermüde Rasselbande zu den erfolgreichsten Ska-Bands Deutschlands. Völlig zu Recht im Übrigen, wie sich hier deutlich nachhören lässt. Natürlich haben sie sich auf unsere Anfrage hin nicht lange betteln lassen und gratulieren uns am 17.5. beim „30 Jahre in-münchen“-Festival mit einem kleinen Geburtstagsset.

over-Meisterwerk das mit Songs wie „Sticky Weed“ , „Managa“, „Hit Me With Your Riddim Stick“ (feat. Nina Hagen) und „What Is It?“ Maßstäbe setzte und Bands wie die Guano Apes, Such A Surge und H-Blockx zum einen erst möglich gemacht hat, zum anderen aber gleichzeitig wie provinzielle Schülerbands wirken ließ. 1995: The Sound Of Music F.S.K. – Thomas Meinecke, seine Lebensgefährtin Michaela Melián und ihre Kapelle waren 1993 in Richmond, Virginia zu Gast, um gemeinsam mit Cracker/ Camper Van Beethoven-Mastermind David Lowery dieses Album aufzunehmen. Es ist ein rumpeliger, ein rauer, ein ungeschliffener Meilenstein, der damals unter dem Etikett „Radical Folk“ sowohl in Europa als auch in Amerika in höchsten Tönen gelobt wurde.

2000: So wie einst Real Madrid Sportfreunde Stiller – Es wurde gestritten, gebrüllt und angefeindet: „Der kann doch nicht singen, die können doch nicht spielen, das sind doch keine Songs“ maulten die einen, wohingegen die anderen immer vehement konterten: „Mag ja sein ist aber trotzdem schön, saugut spielen tun die das von Haus aus und die Songs sind sowieso der Hammer“. So ging das damals hin und her und her und hin. Daraus geworden ist letztendlich eine der erfolgreichsten Rockbands des deutschsprachigen Raums und zu verdanken haben Peter Brugger, Florian Weber und Rüdiger Linhof all das neben ihrem Manager Marc Liebscher vor allem natürlich ihrem ersten Album, das mir mit Songs wie „Fast wie von selbst“, „Heimatlied“, „Wunderbaren Jahren“ und „Wellenreiten“ heute noch regelmäßig Gänsehaut über den Rücken jagt.

1996: Ska-A-Gogo Bluekilla – Neben den Busters und Skaos gehören Ame- 2001: Eins A Blumentopf – Schon landeo Tortora aka Dr. Deadlock und sei- ge vor ihren ARD-Raportagen zur Fußne mittlerweile etwas in die Jahre ge- ball-WM 2006 enterten die Jungs aus