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Fazit 196

Page 46

Erfolg

Managementserie braucht

Führung

I

ch habe ihn geliebt im heurigen Urlaub. Den Zustand, das Gefühl zu haben, nur mehr Mürbteig im Kopf zu verspüren. Nicht an gestern zu denken, nicht an morgen, nicht das nächste Buch zu schnappen, um den Geist weiterzuentwickeln. Auch keine strategischen Gedanken hegen, nix neu erfinden, nicht den Kalender bis Ende des Jahres geistig vor Augen durchscrollen. Einfach im Moment sein. Genießen, wahrnehmen, fühlen. Gefüttert habe ich diesen Zustand unter anderem mit köstlichem Südtiroler Apfelstrudel, der mit Mürbteig eingekleidet wird. Sehr inspiriert und erholt von dieser Verfassung, habe ich mich auf die Analyse gemacht, was dazu beigetragen hat, dass es so gut gelang, diesen »Mürbteig-Zustand« bei mir zu aktivieren.

Mürbteig im Kopf

Nichtstun positiv besetzen Gerade die Vorkriegsgeneration, die Generation der Babyboomer und Generation-X haben noch viele Glaubenssätze vermittelt bekommen, das Nichtstun negativ besetzt. Rückmeldungen wie: »Warst schon wieder zu faul, das und das zu tun …« waren gewohnte Phrasen, Abweichungen zu kommunizieren. Wer brav im Hamsterrad rannte und wenig auf die eigenen Bedürfnisse achtete, bekam viele positive Rückmeldungen. Entspannte Situationen wurden oft mit: »Ah, hast nix zu tun? Was hängt ihr schon wieder so faul herum« kommentiert. Fleißige Schüler waren gute Schüler. Jeder von uns kennt wahrscheinlich viele faule Kollegen, die heute sehr erfolgreich, gesund und glücklich sind, oder war vielleicht einer von ihnen. Daher müssen wir oft erst Nichtstun positiv besetzen oder an unserem schlechten Gewissen arbeiten. Hirnforscher bestätigen: Nichtstun beflügelt die Gedanken, schafft Raum für Inspiration und ist sogar sehr produktiv. Der amerikanische Neurowissenschaftler Marcus Raichle hat herausgefunden, dass es im Gehirn ein sogenanntes »default mode network« gibt, ein Ruhezustandnetzwerk, das verschiedene Gehirnregionen einbindet. Es ist gerade dann hochaktiv, wenn wir herumhängen, dösen, die Gedanken schweifen lassen. Es erlaubt uns aus der Vogelperspektive auf uns selbst zu schauen, eingefahrene Gedankenmuster zu durchbrechen und erfinderisch zu sein. Also: Bitte mehr Wertschätzung und innerliche Versöhnung für die Pause, das Aussteigen aus dem Alltag, das »NixTun«, das Faulsein.

Über die Kunst, nicht zu denken Carola Payer denkt intensiv darüber nach, ab und zu einmal nicht nachdenken zu müssen

Vitamin N nehmen »Vitamin N« nehmen, im Sinne von: Nein, ich beantworte keine Emails im Urlaub. Nein, ich scrolle jetzt nicht die Dokumente kurz mal durch. Nein, ich hebe nicht das Handy ab. Nein, ich höre nicht die Mailbox ab. Nein, ich bin kurzfristig nicht ganz schnell mal verfügbar. Nein, ich lass mich nicht hetzen. Nein, ich gehe jetzt nicht auf meine mich stressenden Gedanken, Bedingungen, Ängste im Kopf ein, sondern lass sie vorüberziehen. Nein, Nein, Nein – nicht zu anderen, sondern zu den eigenen Impulsen, zu glauben, so wichtig und bedeutend zu sein, dass man ohne einem selbst nicht auskommt. Fotos: Marija Kanizaj, Privat

Dr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

46 /// FAZIT OKTOBER 2023

»Bitte mehr Wertschätzung und innerliche Versöhnung für die Pause, das Nichtstun und auch das Faulsein.« CAROLA PAYER


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