„Es ist ja nicht alles, was ich den Bürgern sage, gelogen.“ Konrad Adenauer, Deutscher Bundeskanzler von 1949 bis 1963
für Langeweile; schließlich durfte man sich einen steirischen Landeshauptmann Christopher Drexler erwarten, der sein inhaltliches Profil schärft, indem er gegen die äußerst unbeliebte türkisgrüne Bundesregierung ins Feld zieht. Wer ihm – wegen dieses für einen steirischen Landeshauptmann völlig neuen Stils – mangelnden Einfluss auf die Bundes-ÖVP attestiert, dürfte jedoch völlig falsch liegen. Drexler ist sowohl mit Bundeskanzler Karl Nehammer als auch mit den meisten ÖVP-Regierungsmitgliedern bestens vernetzt. Es ist daher davon auszugehen, dass es keine bundespolitischen Initiativen – etwa beim Ausbau der Infrastruktur – mehr geben wird, bei denen die Steiermark benachteiligt wird.
Landeshauptmann Christopher Drexler hat seine Polemik weitgehend abgelegt und überrascht als Landeshauptmann neuen Stils. Drexler als Landeshauptmann neuen Stils Im letzten Jahr hat die Steiermark einen völlig neuen Christopher Drexler kennengelernt. Von Schützenhöfers ehemaligem »Mann fürs Grobe« durfte man sich eigentlich erwarten, dass er auch als Landeshauptmann keine Gelegenheit auslassen wird, sich am politischen Gegner zu reiben und sich am tagespolitischen Hickhack sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene zu beteiligen. Schließlich war Drexler lange Zeit damit betraut, seine politischen Gegner zu stellen und rhetorisch niederzustrecken. Seit er vor über einem Jahr an die Landesspitze trat, nimmt er sich diesbezüglich jedoch weitgehend aus dem 14 /// FAZIT AUGUST 2023
Spiel. So verweigert der steirische LH etwa die Teilnahme an den Fernseh-PolitTalkshows von ORF, Servus-TV bzw. der einschlägigen Krawallsender. Er reagiert auch meist bestenfalls auf Nachfrage auf die vielen polemischen und sehr oft auch populistischen Aussendungen der steirischen Oppositionsparteien. Stattdessen beschränkt Drexler sein politisches Handeln darauf, die Steiermark bestmöglich, aber jedenfalls unaufgeregt durch die vielen aktuellen Krisen zu führen und gleichzeitig so viele Termine wie möglich wahrzunehmen. In den Innenpolitikredaktionen sorgt diese biedere, aber wenig aufregende Politik mitunter bereits
Massiver Gegenwind aus Wien Dass es der Steirischen Volkspartei angesichts des Zustands der Bundes-ÖVP nicht gelingen wird, an ihr 2019er-Landtagswahlergebnis von über 36 Prozent anzuschließen, ist klar. Der ehemalige Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer verdankt diese Zahlen zwar auch auf seinem in viereinhalb Jahren mit großem persönlichen Einsatz aufgebauten Landeshauptmannbonus; einen mindestens ebenso großen Anteil am Erfolg hatte jedoch auch der Rückenwind durch Sebastian Kurz. Dieser konnte die Nationalratswahl im September 2019 – nur wenige Wochen vor der Steirischen Landtagswahl – mit 37,5 Prozent bekanntlich klar für sich entscheiden. Derzeit liegt die ÖVP auf Bundesebene deutlich hinter der FPÖ. Das gleiche gilt für die SPÖ. Der neue SPÖ-Chef Andreas Babler kommt aufgrund seiner kontroversiellen Äußerungen in den Umfragen kaum vom Fleck. Jedenfalls kann Babler nicht halten, was sich die SPÖ-Landesparteien
Fotos: Land Steiermark, Stefan Leitner
Ob und wie dieser neue Stil bei den Wählerinnen und Wählern ankommen wird, wird sich wohl erst im Landtagswahlkampf zeigen. Die anfangs ziemlich skeptische ÖVP-Basis konnte Drexler jedenfalls längst von sich überzeugen.