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Fazit 186

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Der Euro fällt, der Groschen nicht! Michel von Tell, Schweizer Kabarettist

Fotos: U.S. Embassy Vienna, Kanizaj, Jörgler, Luef

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat keine Lust, im Wahlkampf mit seinen Herausforderern zu diskutieren. Präsidentschaftswahl – Noch keine Gefahr für Van der Bellen Insgesamt sieben Kandidaten treten bei der Bundespräsidentenwahl am 9. Oktober an. Daran, dass Amtsinhaber Alexander Van der Bellen wiedergewählt wird, gibt es außer dem Zweckoptimismus der Herausforderer überhaupt keine Zweifel. Neben den Grünen haben sich auch zahlreiche Politiker von ÖVP, SPÖ und Neos zur Wahl Van der Bellens bekannt. Aber gerade die ÖVP dürfte es inzwischen bereuen, die Chance auf einen eigenen Kandidaten vertan zu haben, den sie nicht nur zur Mobilisierung, sondern durch dessen Präsenz auch als Sprachrohr zur Abwehr der umfangreichen Korruptionsvorwürfe hätte nützen können. Außerdem wäre es dem Wahlkampfteam von Alexander van der Bellen wohl wesentlich schwerer gefallen, einem ÖVP-Kandidaten die Diskussion zu verweigern als den derzeitigen Herausforderern, unter denen sich mit Domi12 /// FAZIT OKTOBER 2022

nik Wlažny alias Marco Pogo und Gerald Grosz tatsächlich zwei ausgesprochene Spaßkandidaten befinden. Dass der FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz an den Erfolg von Norbert Hofer anknüpfen kann, scheint vollkommen ausgeschlossen. Und auch der Kandidat der Impfgegner, Michael Brunner, hat ebenso wenig das Potenzial zum Bundespräsidenten wie der Waldviertler Schuhhersteller Heini Staudinger. Beeindruckend war hingegen, dass Kronenzeitung-Kolumnist Tassilo Wallentin mit einem einzigen Inserat in der Sonntagskrone 18.000 Unterstützungserklärungen erreichte. Dass der amtierende Bundespräsident keine Lust hat, im Wahlkampf mit seinen Herausforderern zu diskutieren, ist nachvollziehbar. Aus demokratiepolitischen Gründen hätten ihm das aber weder der ORF noch die Privatsender durchgehen lassen dürfen. Aber womöglich trägt Van der Bellen mit seiner Haltung ja selbst zur Demobilisierung seiner Anhänger bei. Daher könnten es die Herausforderer zumindest schaffen, ihn in eine Stichwahl zu zwingen. Und wenn die Krone ihrem Starkolumnisten an den verbleibenden Sonntagen wieder mehrere Seiten auf dem Farbmantel zur Verfügung stellt, könnte der Gegner bei dieser Stichwahl aber durchaus Tassilo Walentin und nicht Walter Rosenkranz heißen.

98 Prozent – Spitzenergebnis für Drexler Mit der Äußerung »An seiner Beliebtheit müssen wir noch arbeiten« hat Altlandeshauptmann Hermann Schützenhöfer seinem Nachfolger Christopher Drexler vielleicht doch keinen so schlechten Dienst erwiesen. Schließlich hat er damit die Latte für den liberalen, humanistisch gebildeten Juristen extra tief gelegt. Dabei wäre das gar nicht notwendig gewesen. Denn der neue steirische Landeshauptmann überzeugte beim Parteitag genau jene VP-Funktionäre, von denen ihn viele wegen seiner angeblichen Abgehobenheit lange Zeit

nicht an der Spitze sehen wollten. 98,03 Prozent sind ein eindrucksvoller Beweis für die Fähigkeit Drexlers, die Partei hinter sich zu einen. Natürlich wurde von der Steirischen ÖVP alles aufgeboten, um die Delegierten von ihrem neuen Parteichef zu überzeugen. So wurde der Parteitag auf zwei Tage ausgedehnt, um Altlandeshauptmann Hermann Schützenhöfer gleich mehrfach die Gelegenheit zu launigen Reden zu geben, in denen er kräftig die Werbetrommel für seinen Nachfolger rührte und auch die Einheit der Partei beschwor. Der erste Tag endete zudem in einer großen weißgrünen Party mit »Egon 7« und zahlreichen kulinarischen Genüssen, die Drexler intensiv zum Smalltalk mit den feiernden Delegierten nützte. Drexler punktet mit seiner Bewerbungsrede Die einzigen Parteitagsbesucher, die sich nicht von der Jubelstimmung anstecken ließen, waren wohl die anwesenden Journalisten. Aber auch von denen trauten in einem internen »Wahltoto« dem Landeshauptmann fast alle ein Ergebnis jenseits der 95 Prozent zu. Dass es dann doch über 98 Prozent wurden, wunderte aber auch keinen. Man war sich einig, dass sich Drexler die restlichen Prozentpunkte mit seiner hervorragenden Bewerbungsrede geholt hatte. Dabei wäre alles über 90 Prozent bereits ein Erfolg für den 51-jährigen in Passail lebenden Grazer gewesen – ein Ziel, das etwa LH-Vize Anton Lang beim SPÖParteitag vor zwei Jahren klar verfehlte. In seiner Rede unterstrich Drexler, dass er »Landeshauptmann kann«. Er formulierte seine Klimaschutz-Vision und dass er die Steiermark mit den technischen Entwicklungen des Greentech-Clusters und dem Ausbau der erneuerbaren Energien innerhalb von zehn Jahren zur ökologischen Musterregion machen wolle. In der Folge ging Drexler auf die großen Unsicherheiten ein, die er angesichts des Ukraine-Kriegs, der Energiepreise und der großen Teuerung bei vielen Begegnungen mit der Bevölkerung gespürt habe. Daher


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