N° 03
AF
T WIR T
APRIL 2022 | P.B.B. VERLAGSPOSTAMT 6020 INNSBRUCK | ZNR. GZ 02Z030672 M | EURO 3.00
IRTSCH
A F H T C S S
FW
S L I A E U R K
WARUM WIR WIEDER MEHR IM KREIS LAUFEN SOLLTEN.
URBAN MINING: Die gebaute Umwelt als Rohstofflager TOURISMUS: Nachhaltiger Sprung aus dem Teufelskreis GREEN INVESTMENTS: Gutes tun beim Geldverdienen GRÜN KOCHEN: So gut schmeckt Gemüse
FORTY, INNSBRUCK-IGLS PURE WOHNQUALITÄT IM GRÜNEN Das Beste aus dem Innsbrucker Stadtleben und dem dörflichen Charme von Igls.
Unsere Kleinwohnanlage, welche Sie direkt am Ortsanfang von Igls begrüßt, befindet sich an der Iglerstraße 40. Die Lage vereint die drei wichtigsten Wohlfühlfaktoren: Die Nähe zur Stadt Innsbruck, die Lage am Fuße des Hausberges Patscherkofel und das herrlich entspannte Wald- und Wiesenflair.
Grundrisse Haus A: umgebaute 2-Zimmer Dachgeschosswohnung Haus B & C: 4-Zimmer Garten- und Terrassenwohnungen
Wohnlage Direkt neben dem Gsetzbichlpark und nahe Innsbruck Stadt
ZIMA Wohn- und Projektmanagement GmbH Ihr Kontakt: Thomas Jäger| +43 512 348178 230 | thomas.jaeger@zima.at | www.zima.at
#ÜBERFLIEGER
© BLICKFANG PHOTOGRAPHIE
eco.edit
P E R S O N A L S E R V I C E
eco.nova-Herausgeber Sandra Nardin (re.) und Christoph Loreck mit Chefredakteurin Marina Bernardi
RUNDUM GEDACHT Wenn man im Kreis läuft, bedeutet das in der Regel, dass man nicht vorankommt. In der Wirtschaft ist das nicht zwangsläufig der Fall. In der Natur schon gar nicht.
Q
uasi unser gesamtes Dasein ist bestimmten Zyklen unterworfen, also einer in sich geschlossenen Folge. So gibt es Dinge, die sind irgendwann endgültig zu Ende betrachtet, gedacht und gemacht und andere, die im Kreis laufen. Was nicht heißt, dass sich Letztere deshalb nicht weiterentwickeln, sie tun es eben nur nicht linear. Vieles, was als ganz klitzekleiner Kreis angefangen hat, kann mit der Zeit zu einem riesengroßen Rund werden. Eine Entwicklung von innen heraus mit starker Zentrifugalkraft ist meist sogar nachhaltiger, weil sie um ebendiese Zusammenhänge weiß, die Wirtschaft letztlich ausmachen. Wir sind alle miteinander verflochten. Stockt ein Rädchen, stockt der ganze Motor, was wir während der vergangenen Monate und mittlerweile Jahre eindrucksvoll bewiesen bekommen haben. Wirtschaft ist ein ständiger Kreislauf, in ganz vielerlei Hinsicht. Kreisläufe gelten jedoch nicht nur für das (globale) Wirtschaftsgefüge an sich, sondern auch für sämtliche darin befindlichen Ökosysteme. Das Thema Kreislaufwirtschaft ist ein allumfassendes und betrifft in irgendeiner Form jeden Bereich des Wirtschaftens. Von (Produkt-)Anfang bis Ende und wieder zurück. Der Clou dabei ist, dieses Ende möglichst lange hinauszuzögern und aus dem letzten Rest im besten Fall etwas Neues entstehen zu lassen. Denn so ist das mit Zyklen: Jedes Ende macht den Weg frei für Neues, birgt neue Chancen und Möglichkeiten und es hat gleichzeitig reichlich Erfahrungsschätze mit im Gepäck, dass man es in der nächsten Runde gegebenfalls anders, auf jeden Fall aber besser machen kann. Gerade weil das Thema ein sehr breites ist, haben wir uns für diese Ausgabe vier Teilbereiche herausgepickt und Energie, Land- und Bauwirtschaft sowie das Prinzip des Urban Mining näher angeschaut. Im Geldbereich haben wir der nachhaltigen Veranlagung nachgespürt und sind draufgekommen: Es gibt sie, die Versöhnung von Klima und Kapital. Wir hoffen, bei Ihnen läuftʼs rund! Ihre Redaktion der eco.nova
Weiter fliegen als alle anderen, mit uns! let‘s work together
3
Zentrale Tirol Bundesstraße 25 6063 Rum
Niederlassung Salzburg Teisenberggasse 29 5020 Salzburg
Niederlassung Wien ICON Tower Gertrude-Fröhlich-Sandner-Str. 2 1100 Wien
interwork.co.at
eco.inhalt
14 18
38
110
4
44
120
FOTOS: MARIAN KRÖLL, ANDREAS FRIEDLE, TOM BAUSE, ONIRIQ, JÜRGEN SCHMÜCKLING
54
eco.inhalt
E C O .T I T E L
ALTERNATIVE ENERGIEN
Nichts zu tun ist keine Alternative mehr.
32
NATURNAH (LAND)WIRTSCHAFTEN
Warum es ohne Änderung des Lebensstils nicht gehen wird.
38
NACHHALTIG BAUEN
Am nachhaltigsten ist, was am längsten genutzt wird.
E C O .W I R T S C H A F T
44
GRÜNE LINIE ALS ROTER FADEN
Die letzten beiden Jahre haben der Outdoormarke Kohla zum großen Aufschwung verholfen.
48
HILFE ZUR SELBSTHILFE
Die Befähigung von Menschen hin zu Kleinstunternehmern als kleine Revolution von innen.
ECO.ZUKUNFT
54
SPRUNG AUS DEM TEUFELSKREIS
Mit dem im Juni 2021 präsentierten neuen „Tiroler Weg“ werden die klimatisch teils durchaus teuflischen Kreisläufe des Tiroler Tourismus ins Visier genommen. Wie Tourismus nachhaltig funktionieren kann.
64
IDEEN ZUM WACHSEN BRINGEN
Wie schafft man es, Lehrlinge im eigenen Betrieb zu entwickeln und sie für nachhaltige Ideen und Lösungen zu engagieren? Der Verein Growinʼ zeigt es vor.
102
AUS LIEBE ZUM AUTO
Andreas Resch übers Autofahren und die (auto)mobile Zukunft.
106
MOBILE ZUKUNFTSVISION
2010 gründete BMW seine Submarke BMW i. Mit dem iX gehtʼs nun elektrisch ins Gelände.
110
POLE-POSITION
Das Aushängeschild von Polestar präsentiert sich im athletischen Design.
112
ALTER SCHWEDE!
Sportlich und elegant zeigt sich das neueste rein elektrische Mitglied der Volvo-Familie, das SUV-Coupé XC40.
114
STERNDERL SCHAUEN
Die neue C-Klasse von Mercedes ist der Inbegriff des sportlichen Luxus.
ECO.LIFE
118
STIMMUNGEN MALEN
Wie hält es die Kunst mit der Natur?
120
FRÜHLINGSERWACHEN
Frühling ist, wenn die Seele wieder bunt denkt – auch am Teller. Feines aus dem Oniriq. 03 EDITORIAL 06 KOMMENTAR 08 11¾ FRAGEN 84 ECO.STEUERN 92 ECO.RECHT 128 IM.GESPRÄCH
GRUNDLEGENDE RICHT UNG:
ostern auf den punkt.
Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Wellness, Steuern, Recht, Kulinarium und Lifes tyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE S ABO: EUR 29,00 (13 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BE Z AHLTE ANZEIGEN!
UNTERNEHMENS GEGENS TAND:
das grander +43 (0) 52 24 52 6 26 info@das-grander.at das-grander.at
& MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, Christiane Fasching, DI Caterina Molzer-Sauper // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Michael Kordovsky // eco.mobil: Felix Kasseroler // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Ümmü Yüksek ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Matteo Loreck, Daniel Christleth L AYOUT: Tom Binder LEK TOR AT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH HER AUSGEBER
komposition erdbeere | vanille
26
osterkitz | sellerie | frühlingsgemüse
Wenn die gebaute Umwelt zum Rohstofflager wird.
UMWELTFREUNDLICH
Ist Elektromobilität tatsächlich nachhaltig?
sauerampfersorbet
URBAN MINING
ECO.MOBIL
100
saibling | bachkresse | beurre blanc
18
NACHHALTIG VERANLAGEN
Die Versöhnung von Kapital und Umwelt.
bärlauchschaumsuppe | blätterteigstangerl
Die Kreislaufwirtschaft bringt nachhaltig neuen Schwung in unseren tatsächlich eher linearen Wirtschaftskreislauf.
ECO.GELD 74
spargel-rhabarbersalat | osterschinken
WEG MIT DER WEGWERFGESELLSCHAFT
ostermenü von 11. bis 16. april | € 75
14
eco.mmentar
ESKALATION Dieses Frühjahr hat es in sich. Wir sind vom Corona-Regen in die Ukraine-Traufe gekommen. Im Moment munitionieren beide Seiten auf – mit Waffen, mit Taten und mit Worten. Irgendwie müssen wir aus dieser Eskalationsspirale wieder raus.
6
S
pätestens jetzt müssten renitente Corona-Demonstranten in Grund und Boden versinken. Haben sie uns doch zwei Jahre lang mit trotziger Empörung erzählen wollen, dass in Österreich eine Diktatur herrsche, sie ihrer Meinungsfreiheit beraubt würden und sie mindestens so arm wie die in der NS-Zeit verfolgten Juden seien. Angesichts der „richtigen“ Diktatur in Russland, angesichts der massiven Unterdrückung jeder kritischen Meinung durch Putin und dem Bombenhagel auf ukrainische Zivilisten wird deutlich, wie weit diese Wortwahl daneben war. Wer in den letzten Jahren dachte, wir hätten ein Problem, dem wird jetzt drastisch vor Augen geführt, was eine echte Krise ist. Doch Putin hat sich offenkundig verrechnet: Damit, dass er in ein paar Tagen über einen schwachen ukrainischen Widerstand drübermarschieren könne; damit, dass der Westen ohnehin nur eine Ansammlung unsolidarischer Selbstdarsteller sei und sich nie und nimmer auf schmerzhafte Sanktionen einigen werde; damit, dass alle vor seiner Ankündigung, Gas in Rubel zu bezahlen, in die Knie gehen würden. Aber es nützt uns allen leider herzlich wenig, dass Wladimir Putin den Blick auf die Realität verloren hat. Weil er nicht einfach so wieder abziehen und den Russen erklären kann, er habe sich geirrt. Deswegen muss der Westen höllisch aufpassen, dass er nicht selbst in die Eskalationsspirale gerät. Wir sollten das nicht aus Rücksicht auf Putin machen, sondern aus Rücksicht auf uns selbst. Zum Glück schließt die Nato die so harmlos klingende „Flugsicherungszone“ aus, mit der ein direktes Aufeinandertreffen West-Ost verbunden wäre, das wir uns alle nicht vorstellen wollen. Leider ist deeskalieren in der öffentlichen Wirkung undankbarer, als Öl ins Feuer zu gießen. Es sieht auf den ersten Blick feig, ungerecht und egoistisch aus. Aber es gibt keine Alternative. Der ehema-
V O N K L A U S S C H E B E S TA
lige US-Außenminister Henry Kissinger ist sicher kein best friend von Putin. Aber er schrieb bereits 2014 in einem Artikel in der Washington Post, dass die Ukraine selbstverständlich souverän, aber „nicht der Vorposten der einen Seite gegen die andere sein solle – sie sollte als Brücke zwischen beiden Seiten fungieren“. Ansonsten werde sich „das Abdriften in Richtung Konfrontation beschleunigen“. Jetzt sind alle Brücken abgebrochen und wir sind genau dort, wovor Kissinger gewarnt hatte. Wenn wir – hoffentlich – in absehbarer Zeit das Schlimmste abgewendet und wieder halbwegs tragfähige Brücken errichtet haben, stehen noch einige haushohe Aufgaben vor uns. Allem voran: Die westlichen Staaten müssen ihre Budgets sanieren. Corona und die nahtlos anschließende Ukrainekrise haben zur Folge, dass alle Schulden machen, als ob das Geld geschenkt wäre. Das hält das Finanzsystem auf Dauer nicht aus. Die Nullzinsen müssen wieder einem gesunden Verhältnis weichen, damit uns die Inflation nicht davongaloppiert. Dann sollten wir noch das Klima retten, wobei Putin selbst einen unfreiwilligen Impuls gesetzt hat, da wir fieberhaft nach Alternativen zu seinem Gas suchen. Und, ach ja, fast hätte ich es vergessen: Zu guter Letzt müssen wir Corona mit halbwegs rationalen Entscheidungen einfangen. Wenn mehr als zwei Jahre Erfahrung nicht langsam dafür ausreichen, ist der Bundesregierung nicht mehr zu helfen. Noch sind wir aber nicht so weit. Daher noch ein Wort zum Ukrainekrieg: Es soll ja außerhalb Russlands immer noch Menschen geben, die Wladimir Putin für seine fragwürdige One-Man-Show bewundern. Es ist aber wesentlich heldenhafter, sich seinen Kritikern im demokratischen Dialog zu stellen, anstatt sie zu vergiften, einzusperren oder zu erschießen. Selbst wenn der Westen Russland aufgrund der offensiven Osterweiterung in die Enge getrieben hat – der Überfall auf ein souveränes Land ist keine Antwort, das ist menschenverachtend und grenzenlos schwach.
Polestar — Innsbruck Autopark, Langer Weg 12
Scannen und Probefahrt buchen
eco.porträt
11¾ FRAGEN AN
ANDREAS ALTMANN
8
eco.porträt
1. Wer sind Sie? Jemand, der Menschen mag, Freude an persönlicher Begegnung und Austausch empfindet, es liebt, neue Wege zu beschreiten und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Eine eigenartige Mischung aus Kindskopf, Träumer, Gestalter, Spinner und Illusionist.
2. Warum, glauben Sie, haben wir Ihnen geschrieben? Vermutlich, weil viel interessantere Personen abgesagt haben. 3. Wie lautet Ihr Lebensmotto? Mein Gott, ich habe eine ganze Reihe davon: • „GEWINNEN, ohne dass andere verlieren müssen.“ • „WAS MAN nicht versucht, kann man nicht erreichen.“ • „VERSUCHE, Dich mit tüchtigeren und gescheiteren Menschen zu umgeben, als Du es bist.“ • „VERMEIDE Jasager. Es gibt nichts Nervigeres.“ • „WIR MÜSSEN uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ (Albert Camus) • „DAS LEBEN ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.“ • „WENN Selbstmitleid helfen würde, könnte man darüber nachdenken. Ich kenne aber niemanden, dem es je geholfen hätte.“
4. Was macht Sie stolz? Stolz versuche ich möglichst zu vermeiden. Freude und Zufriedenheit empfinde ich, wenn ich Gelegenheit habe, Dinge quer zu denken und neues kennenzulernen. Glücksgefühle bereitet es mir, zu sehen, welche großartige Entwicklung unsere Studierenden und Alumni nehmen.
Was bedeutet für Sie Luxus? Zu sehen, dass das, was man tut, Sinn ergibt und zu Ergebnissen führt. Zeit auch mal für mich zu haben und etwas Inspirierendes zu lesen. In den Tag hineinzuträumen und die Fantasie schweifen zu lassen.
5.
6. Mit welcher historischen Persönlichkeit würden Sie gerne einen Abend verbringen? MARK TWAIN: Weil er ein begnadeter Literat und Weltreisender war, von dem man viel über die sozialen Verhältnisse im amerikanischen Süden und anderen Regionen lernen konnte. GRAF VON STAUFFENBERG: Eine unglaublich beeindruckende Persönlichkeit, die im Ringen zwischen erlernter Pflichterfüllung und persönlichen Wertvorstellungen eine folgenschwere Entscheidung getroffen hat. WALT DISNEY: Einer der genialsten Filmschaffenden, der Träume wecken und Fantasien in den Köpfen zum Leben bringen konnte. WINSTON CHURCHILL: Eine überaus geistreiche Führungspersönlichkeit, die Europas Geschichte gestaltet hat und der wir zu verdanken haben, dass wir heute in Freiheit und Rechtsstaatlichkeit leben dürfen. 7. Was ist das ungewöhnlichste Thema, über das Sie richtig viel wissen? Traktor fahren, Kühe melken, Stall ausmisten und spontane Schüttelreime erfinden.
Ihr Leben in Büchern: Wenn Sie den größten Meilensteinen in Ihrem Leben je ein Buch zuordnen müssten, welche wären das? • DAS NICHT vielen Menschen vergönnte Geschenk, in einer glücklichen Familie und einem schönen Land leben zu dürfen: La Famiglia (Ettore Scola) sowie La dolce vita (Federico Fellini) • REALISIERUNG des MCI Campus: Die Leiden des jungen Werther (Johann Wolfgang von Goethe) sowie Mich wundert, dass ich so fröhlich bin (Johannes Mario Simmel) 8.
Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit? Nicht nur reden, sondern auch tun.
9.
10. Was sollen Studierende aus Ihrer Zeit am MCI abgesehen von fachlichem Wissen mitnehmen? Neugier, Zuversicht, Leidenschaft, Freude am Gestalten, ein internationales Netzwerk, viele positive Erinnerungen und eine starke emotionale Bindung an die Hochschule. 11. Welche (nachhaltigen) Impulse erwarten Sie sich
vom MCI-Neubau? „Good vibrations“: ein Campus, an dem man sich 24/7 aufhält, weil man dort die besten Köpfe, die spannendsten Themen und die coolsten Arbeitsbedingungen findet, den besten Espresso bekommt und bei Sonnenuntergang auf der Dachterrasse ein gutes Glas Wein in inspirierender Gesellschaft genießen kann.
11¾ :
W E L C H E F R A G E W O L LT E N S I E S C H O N
I M M E R B E A N T W O R T E N , N U R H AT S I E N O C H N I E J E M A N D G E S T E L LT ?
ALTMANN: Worauf achten Sie, wenn Sie Menschen für wichtige Aufgaben einstellen oder aus sonstigen Gründen beurteilen müssen? Wie sie gehen, wie sie sich bewegen und wie sie sprechen. Ob es ihnen darum geht, ihre Organisation nach vorne zu bringen oder sich in einer Organisation nach vorne zu bringen.
ZUR PERSON
Andreas Altmann wurde 1963 in Obertrum am See (Salzburg) geboren. Studium der Betriebsund Volkswirtschaftslehre in Linz und Innsbruck sowie International Relations in Bologna. Promotion und wissenschaftliche Mitarbeit an den Instituten für Finanzwissenschaft und Unternehmensführung der Universität Innsbruck. 1994 Berufung zum Gründungsgeschäftsführer des Trägervereins Management Zentrum Tirol und 1997 zum Gründungsgeschäftsführer des Management Center Innsbruck. 2012 Ernennung zum Rektor des MCI und 2013 zum Honorarprofessor an der Universität Innsbruck. Mitglied in mehreren Hochschulräten, Aufsichtsräten und akademischen Vereinigungen im In- und Ausland.
9
WIRTSCHAF
10
wirtschaft & unternehmen Das Team um JADE besteht aus vier Wissenschaftlerinnen: Professorin Julia Brandl (li.) sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Petra Eggenhofer-Rehart (Mi.), Martina Kohlberger (re.) und Katharina Pernkopf (nicht im Bild).
Mehr Chancengleichheit und Diversität Stereotype Sprachformulierungen etwa zu Geschlecht oder Alter in Stelleninseraten mindern nicht nur die Chancengleichheit für benachteiligte Gruppen wie Berufseinsteiger*innen, Frauen oder ältere Arbeitsuchende, sondern sie verringern auch den Pool an Bewerber*innen für Unternehmen. Wissenschaftlerinnen im Arbeitsbereich Human Resource Management and Employment Relations der Universität Innsbruck haben gemeinsam mit der Arbeiterkammer Wien den Job Ad Decoder JADE entwickelt. Ziel des digitalen Tools ist es, Stelleninserate so zu formulieren, dass Frauen, Männer, Berufseinsteiger*innen oder ältere Menschen gleichermaßen zu einer Bewerbung motiviert werden. Nachdem Nutzer*innen sich registriert haben, können die Textbausteine eines Inserats wie der Jobtitel, die Arbeitgeber- und Tätigkeitsbeschreibung sowie das Anforderungsprofil und das Angebot des Unternehmens in JADE eingegeben werden. Das digitale Tool zeigt dann kritische Wörter, die einem diversen Bewerber*innenpool im Wege stehen können und bietet gleichzeitig Alternativen an. Die Beschreibung „Global Player“ spricht beispielsweise vor allem junge Männer an. Ersetzt man sie durch „weltweit tätig“, adressiert man eine breitere Gruppe an Bewerber*innen. Die Grundlage für die Bewertung der Sprachcodes bietet eine repräsentative Befragung von über 700 in Österreich lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter. Auf dieser Basis haben die Wissenschaftlerinnen ein Wörterbuch für JADE erstellt. In einer Pilotphase von April bis Oktober 2021 hatten das AMS Tirol, die ÖBB, Plansee, die Innsbrucker Verkehrsbetriebe und STIHL Österreich JADE bereits in Verwendung und haben das Tool sowie die Begleitung durch die Universität Innsbruck sehr positiv bewertet. Ab sofort können JADE alle Interessierten nutzen, was langfristig für mehr Chancengleichheit und Diversität in der Arbeitswelt sorgen soll. www.jade.or.at
© BLICKFANG PHOTOGRAPHIE
eco.wirtschaft
eco.mmentar
Marina Bernardi, Chefredaktion
VOR DEN VORHANG Kürzlich zeichnte das Land Tirol wieder die familienfreundlichsten Betriebe des Landes aus. Insgesamt folgten 55 Tiroler Unternehmen dem Aufruf zur Teilnahme und wurden von einer Jury in den Bereichen Arbeitszeit und -ort, familienfreundliche Maßnahmen, Weiterbildung, familiäre Betreuungs- und Pflegeaufgaben, Karenz und Wiedereinstieg sowie Informationspolitik und Unternehmenskultur bewertet. Die Sieger: • Private Wirtschaftsunternehmen bis 20 Mitarbeiter*innen 1. Platz: AV-Comparatives / ITSEC GmbH • 2. Platz: Tiroler Gemüsekiste OG 3. Platz: Raiffeisenbank Längenfeld eGen • Private Wirtschaftsunternehmen mit 21 bis 100 Mitarbeiter*innen 1. Platz: Wildschönauer Backstube GmbH • 2. Platz: Dr. Gernot Walder GmbH Hygiene und medizinische Mikrobiologie • 3. Platz: Josef Recheis Eierteigwarenfabrik und Walzmühle GmbH • Private Wirtschaftsunternehmen ab 101 Mitarbeiter*innen 1. Platz: HOFER KG • 2. Platz: SPAR Österreich Warenhandels AG 3. Platz: Raiffeisen-Landesbank Tirol AG • Öffentlich-rechtliche Unternehmen/Institutionen 1. Platz: Universität Innsbruck • 2. Platz: Hypo Tirol Bank AG 3. Platz: Gemeinde Reith im Alpbachtal • Non-Profit-Organisationen 1. Platz: Lebenshilfe Tirol gem. GesmbH • 2. Platz: Energie Tirol
FRAUENPOWER Seit 1. April 2022 ergänzen Kerstin Neumayer (li.) und Martina Dutzler die derzeitigen MPREIS-Geschäftsführer David und Peter Paul Mölk. Die neuen Geschäftsführerinnen bringen eine Menge Branchenerfahrung in das Tiroler Traditionsunternehmen ein. Neumayer war Vorstandsvorsitzende und Marketingdirektorin im REWE-Konzern sowie bei der Ottakringer Brauerei als Leiterin für Markting und Produktentwicklung tätig, Dutzler Prokuristin der HOFER KG und Finanzdirektorin in der Management- und Finanzholding der Aldi-Süd-Gruppe.
Danke, gut Vermutlich war zu keiner Zeit die Frage „Wie geht es dir?“ so ernst gemeint wie heute. Wie oft fragt man Menschen, wie es ihnen geht? Genau: oft. Meist ist es eine Floskel, ähnlich der Frage nach dem Wetter. Weil es sich eben so gehört. Wirklich wissen will man es eigentlich nicht. Und weil das mittlerweile zum gesellschaftlichen Konsens gehört, antwortet man in der Regel mit: Danke, gut. Zum einen, weil man weiß, dass es das Gegenüber ohnehin nicht interessiert, zum anderen, weil es immer noch irgendwie part of the (Arbeits-)Lebens ist, zu funktionieren. Ich verrate Ihnen etwas: Es geht mir nicht gut. Nicht ständig und Gott sei Dank nicht in einem Ausmaß, dass es zu einem dauerhaft gröberen Problem wird, aber dennoch. Mit dem gesamten Pandemiegedöns konnte ich noch ganz gut umgehen, zugegebenermaßen war es mir teilweise sogar eine sehr willkommene Ausrede, um bestimmten gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht nachkommen zu müssen (was an sich schon traurig genug ist), doch dieser Krieg in der Ukraine nimmt mich mit. So richtig. Noch nie hatte ich Schlafprobleme, jetzt wache ich allnächtens auf. Manchmal ist mir mitten am Tag zum Weinen und ich bin dazu übergegangen, in mein Trainingsprogramm Kickbox-Elemente einzubauen, weil ich eine solche Wut in mir habe, die raus muss. Wut, Ohnmachtsgefühle und eine Form der Hilf- und Ratlosigkeit, die ich bis dato nicht kannte. Als Kind konnte ich manchmal nicht einschlafen, weil ich Angst hatte, dass über Nacht ein Krieg ausbricht. Keine Ahnung, woher diese kam, jedenfalls konnten meine Eltern mich jedes Mal einigermaßen beruhigen, und auch heute hilft es, das nächtliche ruhige Atmen meines Mannes neben mir zu hören. Dennoch ist da diese diffuse Angst, was wohl kommen wird. Umso mehr bin ich froh um meine Familie, Freunde und Arbeit samt allen unmittelbar damit verbundenen Menschen. Nicht auszumalen, wie es ohne sie wäre. Ich wünsche Ihnen allen, auch solche Menschen in Ihrem Leben zu haben, mit denen letztlich doch noch alles gut wird. Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at
11
eco.mmentar
RINGELSPIEL Stellen Sie sich vor, jedes Produkt und jede Verpackung muss vom produzierenden Unternehmen nach dem Konsum wieder zurückgenommen werden. Was würde das für das Design, den Materialeinsatz und das Nutzungsverhalten bedeuten? Kreislaufwirtschaft ist das neue Zauberwort. Doch wie viel Zauber ist wirklich darin enthalten?
12
K
reislaufwirtschaft funktioniert regenerativ. Abfallproduktion, Ressourceneinsatz, Emissionen und Energieverschwendung sollen durch das Verlangsamen, Verringern und Schließen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert werden. Die Wege, das zu erreichen, sind mannigfaltig. Daraus ergeben sich neue Wirtschaftszweige und Berufe, die für neue Wertschöpfung sorgen können.
VON ALEXANDER M. SCHMID
NORDSTERNE
Der Bekleidungshersteller Patagonia etwa ist seit Längerem ein Nordstern auf dem Gebiet der Kreislaufwirtschaft. In den USA wird Energie seit 2020 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen bezogen, in den internationalen Standorten liegt die Quote bei 76 Prozent. Bei ihren Produkten setzt die Marke auf großzügige Garantieregelungen sowie ein entsprechendes Reparaturangebot bei Verschleiß. Die aktuell verwendeten Stoffe sind 2022 zu 68 Prozent aus recycelten Materialien. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Autohersteller Polestar mit seinem neuen Prototyp O2. Abgesehen vom reinen Aluminiumchassis soll der Innenraum aus einem Monomaterial gestaltet werden. Der Vorteil gegenüber Mischmaterialien ist die einfachere Wiederverwendung, da das müsame Auftrennen mehrerer Materialien entfällt und der Prozess daher rascher und verlustfreier gestaltet werden kann.
AUFBAUEND
Da die Bauwirtschaft in Österreich einen wesentlichen wirtschaftlichen Faktor darstellt, ist auch sie ein Kandidat für kreislaufwirtschaftliches Denken. Letztes Jahr wurde in Wien begonnen, das in die Jahre gekommene Ferry-Dusika-Radstadion abzureißen. Statt mit großem Gerät anzurücken, hat man sich entschlossen, daraus ein Urban-Mining-Projekt zu machen. Tausende Meter verwertbare Kupferkabel, Rohre, alte Sitzmöbel und das Holz der Radrennbahn wurden sorg-
sam entfernt und der Weiterverwendung zugeführt. Dabei setzte man auf eine Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice, das handwerklich geschickte Langzeitarbeitslose mit der Ausführung beschäftigte. In der Kreislaufwirtschaft geht es neben der klassischen Ressourcenschonung nämlich auch um soziale Aspekte. Funktionierende Wirtschaft bedeutet auch, dass möglichst viele Menschen davon ihr Leben bestreiten können.
NATÜRLICHES GLEICHGEWICHT
Nicht von ungefähr nimmt sich die Kreislaufwirtschaft ein Vorbild am Stoffkreislauf der Natur. Wir müssen uns endlich bewusst machen, dass die Ressourcen auf unserem Planeten genauso sind: nämlich endlich. Je rascher wir das begreifen und unser Verhalten entsprechend ändern, umso länger wird unsere Erde derart bewohn- und bewirtschaftbar bleiben, wie wir das die letzten Jahrzehnte gewohnt waren. Ich selbst habe meine Großeltern oft belächelt, wenn sie das Sonntagsgewand wirklich nur für besondere Anlässe herausgeholt haben. Die ihnen geschenkten Produkte wurden für später aufgehoben, weil das alte ja noch gut ist. Auch wenn ihre Kriegserlebnisse dieses Verhalten geprägt haben, war der Denkansatz der richtige. Heute haben wir das Knowhow, Ähnliches zu tun, dabei trotzdem stylisch zu sein und mit State-of-the-art-Geräten unseren Konsum zu planen und mit anderen zu teilen. Oder wie Patagonia es formuliert: „Reparieren ist das neue Neu.“ Und zu reparieren gibt es wahrlich genug.
ZUR PERSON
Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über sieben Jahren mit Vereinfachung in Unternehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at FOTO: © WIENER STADTWERKE / MICHÈLE PAUTY
SO BLEIBEN SIE LÄNGER FRISCH Entdecken Sie unsere Fastenangebote. Denn Fasten ist viel mehr, als einfach nur wenig zu essen.
Gratis
Storno
Zimmerbeispiel
bis zum Vorabend der Anreise.*
Basenfastenwoche
Heilsames Intervallfasten
Lebervitalisierung
gegen Übersäuerung: Bringen Sie Ihre Verdauung dank basischer Ernährung ins Gleichgewicht und erleben Sie den genussvollen Weg zu mehr Gesundheit.
8 Stunden essen, 16 Stunden fasten: Wir führen Sie in die 16:8-Methode ein und verhelfen Ihnen zu einem gesünderen Lebensstil.
in Bad Eisenkappel, Bad Goisern und Bad Schönau Zur Quelle
in Bad Bleiberg, Bad Goisern, Bad Schönau Zum Landsknecht und Umhausen im Ötztal
nach Hildegard von Bingen: Wussten Sie, dass Ihre Leber Unglaubliches leistet? Bei uns lernen Sie, das Entgiftungsorgan zu entlasten und Ihren Stoffwechsel anzukurbeln.
Exklusiv in Bad Häring
7 Nächte inkl. Vollpension
7 Nächte inkl. Vollpension
7 Nächte inkl. Vollpension
ab € 881,-
ab € 881,-
ab € 831,-
>> Bitte beachten Sie die unterschiedlichen Preise in unseren Hotels. << Preise pro Person, zzgl. Ortstaxe; sie variieren je nach Hotel, Saison (Sparwochen) und Zimmerkategorie. *Gratis Storno bis 18.00 Uhr am Vorabend der Anreise, gültig bis 24.04.2022 (letzter Abreisetag)
Bad Bleiberg 04244 90500 Bad Eisenkappel 04238 90500 Bad Goisern 06135 20400 Bad Häring 05332 90500 Bad Schönau Zur Quelle 02646 90500-2501 Bad Schönau Zum Landsknecht 02646 90500-1501 Bad Traunstein 02878 25050 Bad Vöslau 02252 90600 Umhausen im Ötztal 05255 50160
vivea-hotels.com
Unsere Fastenangebote
eco.titel
WEG MIT DER WEGWERFWIRTSCHAFT In mehrerlei Hinsicht stehen wir an einer Zeitenwende. In ökonomischer Hinsicht haben sich die europäischen Volkswirtschaften den Abschied von der linearen Durchflusswirtschaft hin zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft auf die Fahnen geheftet. Das ist nicht einfach, aber vermutlich zahlt es sich aus, im Kreis zu wirtschaften. TEXT: MARIAN KRÖLL
14
ie westliche liberale Gesellschaftsordnung ist an einer Zeitenwende angelangt, nach der sie selbst nicht gefragt hat. Geopolitische Gewissheiten, die nach dem Kalten Krieg irrtümlicherweise als gegeben angenommen wurden, beginnen sich mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine in Luft aufzulösen. Es dürfte auf eine neue Weltordnung hinauslaufen, die sehr wahrscheinlich instabiler und ungemütlicher ist als jene, die sie ablöst. In jeder Krise steckt auch eine Chance, lautet eine Binsenweisheit, die nicht falsch ist. Die Globalisierung hat der Welt zweifellos Wohlstand gebracht, der zwar nicht gerecht verteilt ist, aber doch den Lebensstandard der Weltbevölkerung insgesamt signifikant erhöht hat. Doch sind durch sie Abhängigkeitsverhältnisse entstanden, die nun nicht so einfach abgestreift werden können. Der Kontinent ist abhängig von Öl und Gas nicht nur aus Russland, sondern auch aus anderen Weltgegenden, die mit dem westlichen Wertefundament nur schwer zu vereinbaren sind, sowie von Lieferketten aus Fernost. Die Fragilität dieser Abhängigkeitsverhältnisse wurde der Gesellschaft binnen weniger Jahre gleich mehrmals eindrücklich vor Augen geführt. Der Druck, den der Mensch auf die Ökosysteme ausübt, in die er unweigerlich eingebettet ist, nimmt immer weiter zu. Das führt unweigerlich zu Problemen, wie etwa anhand der Pandemie und – einer weiteren und potenziell verheerenden Herausforderung – des Klimawandels zu besichtigen ist.
RESILIENZ ALS GEBOT DER STUNDE
Europa ist von Rohstoffimporten abhängig, will es den digitalen und grünen Wandel bewerkstelligen. Daher scheint es an der Zeit, sich nicht länger nur theoretisch
näher mit Stoffkreisläufen zu befassen. Das derzeitige ökonomische Paradigma, das lange Zeit unhinterfragt Geltung beanspruchen durfte, ist die lineare Durchflusswirtschaft, die davon lebt, dass immer wieder frische Rohstoffe, sogenannte Primärrohstoffe – im europäischen Fall gleich in zweifacher Hinsicht von außen – in den Wirtschaftskreislauf eingebracht werden müssen. Diese sind von Natur aus begrenzt und können durch Sekundärrohstoffe zumindest teilweise substituiert werden. Diese können je nach Energieaufwand, technischem Verfahren und Beschaffenheit unterschiedlich oft wiederaufbereitet werden. Hier setzt die sogenannte Kreis-
eco.titel
laufwirtschaft an. Sie ist ein Modell, bei dem bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden. Auf diese Weise wird der Lebenszyklus der Produkte verlängert und Abfälle auf ein Minimum reduziert. Nachdem ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat, verbleiben die Ressourcen und Materialien so weit wie möglich in der Wirtschaft. Sie werden also immer wieder produktiv weiterverwendet, um weiterhin Wertschöpfung zu generieren. Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit, könnte man noch bis vor kurzem gesagt haben. Das liegt daran, dass es bis dato immer noch billiger war, der Wirtschaft neue Primärrohstoffe zuzuführen. Das dürfte sich ändern, bedingt durch die geopolitischen Verhältnisse und die konstante Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Die Kreislaufwirtschaft steht weit oben auf der politischen Agenda der Europäischen Union, und auch Österreich und Tirol sind keineswegs untätig. Das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie hat mit Stakeholdern den Entwurf einer Strategie zur Diskussion gestellt. Die Transformation in Richtung Kreislaufwirtschaft hält man darin für „alternativlos, um innerhalb der ökologischen Grenzen des Planeten zu bleiben“. Tirol hat 2021 die Strategie „Leben mit Zukunft“ beschlossen und eine Plattform Klima, Energie und Kreislaufwirtschaft installiert, in der das Land, die Standortagentur Tirol, Energie Tirol und das Klimabündnis Tirol gemeinsame Sache machen.
WIEDERVERWENDUNG MIT UPS AND DOWNS
Um der Kreislaufwirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen, wird sich nicht nur das Nutzungsverhalten von Konsumenten, sondern auch das Geschäftsmodell vieler Unternehmen ändern müssen. Geht es nach der Politik, sollen Produkte künftig wesentlich langlebiger werden. Der Einbau von Schwachstellen bzw. das planmäßige Veralten von Produkten, wie das bekannte Schlagwort der „geplanten Obsoleszenz“ insinuiert, soll Gütern weichen, die haltbarer sind und die man besser reparieren kann. Ökodesign heißt der systematische und umfassende Gestaltungsansatz für Produkte, um durch verbessertes Produktdesign Umweltbelastungen über den gesamten Lebensweg zu minimieren. Die Rezyklierung wird zukünftig einen noch größeren Stellenwert einnehmen, allerdings ist sie in der Kreislaufwirtschaft gar nicht das präferierte Ziel, sondern lediglich einer der letzten Schritte von mehreren. Vor dem Recycling kommen nämlich noch die Prinzipien Refuse, Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture und Repurpose zum Tragen. Im Idealfall kann beim Recycling die Qualität des Recyclates sogar erhöht werden. Das nennt sich dann Upcycling. Abfall ist nicht gleich Müll, sondern ein Rohstoff, der sich in der Circular Economy gut und gerne in einem höherwertigen Produkt wiederfinden kann. Doch auch sie kann die Grenzen der Physik nicht überwinden und
Kreislaufwirtschaft ist ein Modell, bei dem bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden. Auf diese Weise wird der Lebenszyklus der Produkte verlängert und Abfälle auf ein Minimum reduziert.
wird nie so etwas wie ein Perpetuum mobile sein. Zudem lässt auch die Effizienz heutiger Recyclingprozesse noch deutlich zu wünschen übrig. Die Nutzungsrate wiederverwendbarer Stoffe (Circular Material Use Rate) in Österreich lag im Jahr 2020 laut Eurostat bei zwölf Prozent und damit leicht unter dem EU-Durchschnitt von 12,8 Prozent. Das heißt, zwölf Prozent der hierzulande in der Wirtschaft eingesetzten Materialien und Ressourcen wurden durch eine kreislauforientierte Rückführung und Wiederverwendung von Materialien gewonnen. Es gibt also viel Luft nach oben. Generell wirft die zumindest am Papier ambitionierte Hinwendung von EU & Co. zur Kreislaufwirtschaft die Frage auf, ob sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum auch in der Praxis miteinander verbinden lassen. Mit Recycling und Wiederverwertung allein wird das wahrscheinlich nicht funktionieren, da Rohstoffe in Gütern akkumuliert werden und dadurch dem Kreislauf entzogen sind. Der Materialkreislauf lässt sich daher aus heutiger Sicht (noch) nicht schließen. Dennoch wäre es fahrlässig, keine Anstrengungen in diese Richtung zu unternehmen. Ein Übergang zur Kreislaufwirtschaft trägt dazu bei, den Druck auf die Umwelt zu verringern, gleichzeitig die Rohstoffversorgungssicherheit zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Zudem kann dadurch ein innovationsfreundliches Klima entstehen, das Wirtschaftswachstum und steigende Beschäftigung verheißt. Im Idealfall profitieren Verbraucher von langlebigeren und innovativeren Produkten, die längerfristig gesehen zu Kosteneinsparungen führen können. Kreislaufwirtschaft betrifft alle Mitglieder einer Gesellschaft, in ihrer Rolle als Konsumenten und/oder Produzent. Selbstverständlich ist dieser Paradigmenwechsel keine Frage einiger weniger Jahre, sondern ein Prozess, der länger dauern wird und dessen Erfolg ungewiss ist. Die globale Situation und die missliche Lage, in die Europa geraten ist, werden wahrscheinlich dazu beitragen, die angestrebte und auch subventionierte ökonomische Transformation hin zur Circular Economy zu beschleunigen. Die Zeitenwende ist da, nun will sie so gestaltet werden, dass sie Ökologie, Ökonomie und der Gesellschaft zum Vorteil gereicht.
15
eco.titel
16
„KREISLAUFWIRTSCHAFT BEDEUTET RESSOURCENEINSPARUNG“ Julika Knapp forscht als Expertin für Ressourcenmanagement und Abfallbehandlung an der Universität Innsbruck. Eine Idee, die sich ökonomisch rechnet, ist in unserem Wirtschaftssystem normalerweise nicht aufzuhalten. Es deutet einiges darauf hin, dass durch die Kreislaufwirtschaft nachhaltig neuer Schwung in unseren tatsächlich eher linearen Wirtschaftskreislauf kommen könnte. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL
eco.titel
ECO.NOVA: Stehen wir an der Schwelle eines Paradigmenwechsels, weg von einer linearen Durchflusswirtschaft hin zu einer tatsächlichen Kreislaufwirtschaft? JULIKA KNAPP: Ist man hoffnungsvoll, könnte man sagen, es zeichnet sich langsam ab. Im Aktionsplan der EU geht es darum, das Konzept zu verbreiten. Es gibt einige Wegbereiter, aber jetzt soll die Kreislaufwirtschaft in der allgemeinen Wirtschaft ankommen. Wie schnell das geht, wird sich zeigen. Der Klimawandel ist mittlerweile auch in der Gesellschaft immer präsenter, und die Kreislaufwirtschaft spielt da auch mit hinein. Eine solche Transformation würde sich vorteilhaft auf das Klima auswirken.
Sehen Sie die Dekarbonisierung, also das Ziel der Schaffung einer kohlenstofffreien Wirtschaft, in einem engeren Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft? Kreislaufwirtschaft bedeutet allgemein Ressourceneinsparung, und da gehören die fossilen Energieträger dazu. Kreislaufwirtschaft will die Ressourcennutzung optimieren, Abfall vermeiden und das Recycling – das man oft direkt mit der Kreislaufwirtschaft assoziiert – ist eigentlich nur der letzte Schritt in einer langen Kette von Maßnahmen. Es geht jetzt darum, die Schritte vor dem Recycling umzusetzen, zu überlegen, welche Ressourcen überhaupt gebraucht werden, wie die benötigten Dinge mit dem geringsten Einsatz von Rohstoffen und Energie erzeugt werden können. Sollen diese Maßnahmen zu einer höheren Ressourcenproduktivität führen? Ja. Wirtschaftswachstum kann derart vom Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. Ziel muss es sein, die erzeugten Produkte im Wirtschaftskreislauf zu halten, sie auch länger zu nutzen. Da wird man sich auch das Phänomen der geplanten Obsoleszenz ansehen müssen.
Brauchen wir wieder bessere Produkte im Sinne einer leichteren Reparierbarkeit? Ist ein technisches Gerät wie ein Laptop, Tablet oder Fernseher kaputt, ist das heute meist ein wirtschaftlicher Totalschaden, weil niemand diese Geräte mit vertretbarem Aufwand reparieren kann und das auch von den Herstellern nicht gewünscht wird. Derzeit rechnet es sich ökonomisch, dass die Menschen ein Neugerät anschaffen, anstatt das alte instand setzen zu lassen. Die Geräte müssten von vornherein länger nutzbar sein und
„Es geht jetzt darum, zu überlegen, welche Ressourcen überhaupt gebraucht werden, wie die benötigten Dinge mit dem geringsten Einsatz von Rohstoffen und Energie erzeugt werden können.“ JULIKA KNAPP
dann, wenn sie kaputt gehen, viel besser reparierbar bzw. einem Refurbishment zugänglich sein. Was braucht es an Voraussetzungen für eine funktionierende Circular Economy und was davon gibt es schon? Ich sehe sowohl im technologischen Bereich als auch auf der regulatorischen Seite durchaus noch einigen Bedarf. Es stellt sich dabei die Grundsatzfrage, was man den Marktkräften überlässt und was man gesetzlich regelt. Nach meiner Erfahrung braucht es da und dort den Gesetzgeber, der vor allem in Bezug auf ökologische Fragestellungen gewisse Dinge festzurrt, etwa was den Mindestanteil an Sekundärrohstoffen betrifft. Die Compliance in der Wirtschaft ist dann in der Regel hoch. Klare Regeln sorgen auch für Investitionssicherheit. Die Transformationsschwerpunkte für Österreichs Wirtschaft sind auch in einer aktuellen Strategie des Bundes zu finden und betreffen Bauwirtschaft, Mobilität, Abfallmanagement, Biomasse, Textilien und Bekleidung, Kunststoffe und Verpackungen sowie Elektro- und Elektronikgeräte. Die Kreislaufwirtschaft bekommt merklich einen höheren Stellenwert auf der politischen Agenda.
So wie es derzeit aussieht, müssen wir uns kollektiv schneller als ursprünglich geplant aus unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus dubiosen Quellen befreien. Hat dadurch die Kreislaufwirtschaft eine neue Dringlichkeit bekommen? Das spielt sicher auch eine Rolle, aber ich glaube, die Dringlichkeit ergibt sich allein schon aus Klimaschutzüberlegungen. Die Umsetzungsgeschwindigkeit wird sich wohl auch danach richten, was die Politik
und die verschiedenen Interessengruppen aus der Wirtschaft ausverhandeln.
Kann man als Konsument die Transformation der Wirtschaft beschleunigen? Es gibt einige praktische Tipps, die sich gut für den Alltag eignen. Dazu gehört es, Dinge wiederzuverwenden statt wegzuwerfen, Second-Hand-Kleidung zu kaufen – Fast Fashion ist ein globales Problem –, Güter gemeinsam zu nutzen und zu tauschen und in einem letzten Schritt den anfallenden Müll sorgfältig zu trennen. Der große Umschwung hängt aber nicht primär vom Verhalten des Bürgers ab. Man kann als Bürger definitiv einen Beitrag leisten, aber ich würde die Verantwortung für die Entwicklung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft keinesfalls nur beim Konsumenten sehen. Man kann es natürlich als Gesetzgeber den Bürgern leichter oder schwerer machen, einen Beitrag zu leisten. Je besser Bürger, Politik und Wirtschaft zusammenarbeiten, desto schneller geht es.
Second Hand und Sharing Economy wirken derzeit noch eher wie ein Minderheitenprogramm, in weiten gesellschaftlichen Kreisen dürfte dagegen Konsum und Besitz noch mit Status assoziiert werden. Ich habe das Gefühl, dass sich gerade bei der jüngeren Generation etwas ändert und nicht mehr der Wunsch vorherrscht, alles selbst besitzen zu müssen. Das Auto ist ein gutes Beispiel dafür. In welchem Bereich ließe sich der effektivste Fortschritt hin zur Circular Economy erzielen? Bei den Elektro- und Elektronikgeräten. Darin sind wertvolle Ressourcen verbaut, die man allein schon aus strategischen Überlegungen nicht verschrotten, sondern in Europa zirkulieren lassen sollte. In einer Tonne Smartphones ist die Konzentration wertvoller Metalle viel höher als beim Abbau in der Natur.
Es wird der Öffentlichkeit wohl erst langsam bewusst, dass Kreislaufwirtschaft nicht etwa ein Eitelkeitsprojekt von Gutmenschen ist, sondern sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll. Braucht die zirkuläre Wirtschaft ein anderes Geschäftsmodell als die lineare? Wenn Strategien wie eine geplante Obsoleszenz bisher tatsächlich Teil des Geschäftsmodells waren, braucht es auf jeden Fall ein anderes. Kreislaufwirtschaft beginnt aber insgesamt immer mehr, sich auch ökonomisch zu rechnen.
17
eco.titel
„DIE GEBAUTE UMWELT ALS ROHSTOFFLAGER BETRACHTEN“
18
ECO.NOVA: Worum geht es beim Konzept des Urban Mining? ANKE BOCKREIS: Beim Urban Mining geht es darum, die Rohstoffe, die in unserer Umwelt – sei es in Gebäuden oder unserer Infrastruktur – verbaut sind, als Sekundärrohstoffe*) wieder nutzbar zu machen und dem System nicht immer neue Primärrohstoffe*) zuführen zu müssen. Es ist gerade angesichts der Knappheit gewisser Rohstoffe sinnvoll, die verbaute Umwelt als Rohstofflager zu betrachten. Die ersten Konzepte in diese Richtung gab es schon in den 1980er-Jahren. Eine Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch das sogenannte Landfill Mining, das sich mit der Rückgewinnung von Rohstoffen aus Deponien beschäftigt. Beide Bereiche sind derzeit immer wieder in der Diskussion und es gibt erste Ansätze, das systematisch in einem ganzen Land zu betreiben.
Warum hat sich in den letzten vierzig Jahren seit Aufkommen dieser Konzepte praktisch so wenig getan? Das hatte hauptsächlich ökonomische Gründe. Die Rohstoffpreise haben noch nicht dem Wert entsprochen, damit sich das gerechnet hätte. Bei den derzeitigen Preisen wird Urban und Landfill Mining wirtschaftlich interessanter. Es gibt in verschiedenen Ländern Bestrebungen, zumindest neue Gebäude in einem Kataster zu erfassen, um später die Rohstoffpotenziale und notwendigen Behandlungsverfahren beim Rückbau besser einschätzen zu können. Was heute gebaut wird, kann so zukünftig besser genutzt werden. Beim Bestand ist es schwierig, die Datengrundlage nachträglich zu erheben. Wir haben noch keine ausgewachsene Energiekrise, dürften aber eine bekommen. Die Produktion und der Bezug von
*) Primärrohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie sind abgesehen von den Schritten, die nötig sind, um sie zu gewinnen, unbearbeitet. Sekundärrohstoffe stammen dagegen nicht unmittelbar aus natürlichen Quellen, sondern werden durch Wiederaufbereitung der Primärrohstoffe gewonnen.
Anke Bockreis, Professorin für Abfallbehandlung und Ressourcenmanagement in Innsbruck, erläutert, warum in der gebauten Umwelt und in Deponien die Rohstoffschätze der Zukunft zu heben sein werden und unter welchen Voraussetzungen Urban Mining am besten funktionieren kann. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL
Primärrohstoffe dürften sich signifikant verteuern. Wird dadurch Urban Mining zur Selbstverständlichkeit? Ich glaube aus mehreren Gründen, dass es in diese Richtung gehen wird. Die Energiekrise steht uns erst noch bevor. Es wird deutlich lukrativer, Bauabfälle und Aushubmaterial wiederzuverwenden. Außerdem werden die Deponiestandorte knapp, was für die Bauwirtschaft die Kosten zusätzlich erhöht. Das wird all jene Konzepte befeuern, die Bestehendes besser nutzen können. In den letzten Jahren wurde in Bezug auf Urban Mining in Tirol schon einiges versucht, beispielsweise beim Rückbau des RAIQA, wo auch sozialökonomische Betriebe mit eingebunden wurden. Momentan fehlt generell noch der Markt, der die rückgebauten Dinge abnimmt. Da wird sich sehr viel tun müssen.
Regelt der Markt die Durchsetzung von Urban Mining oder braucht es zusätzlich Anschub von der öffentlichen Hand? Die Rohstoff- und Energiepreise werden derart steigen, dass sich Urban Mining für die Privatwirtschat rentieren wird. Funktioniert das wider Erwarten nicht, sollte es auch Initiativen geben, um die Strukturen aufzubauen, damit Materialien wiederverwendet bzw. woanders eingebaut werden können. Der einflussreichste Faktor ist sicher die Preisentwicklung und insofern wird sich alles in erster Linie über die Ökonomie regeln.
Sehen Sie in der Bauwirtschaft bereits ein Bewusstsein und auch die Kompetenz, Sekundärrohstoffe aus den urbanen „Minen“ zu extrahieren und zur Wiederverwendung aufzubereiten? Man muss unterscheiden zwischen Dingen, die im Gebäude drin sind, etwa Mobiliar. Da muss man nicht immer alles wegwerfen, sondern könnte einiges wiederverwenden, ohne es vorher aufbereiten zu müssen. Da geht es vor allem darum, Märkte zu etablieren, zum Beispiel als Tauschmarkt. Man weiß heute, wie Beton zu recyceln ist, um daraus Zuschlagstoffe für neuen Beton herzustellen, dass Stahl und Glas eingeschmolzen werden können. Die meisten dafür notwendigen Technologien sind vorhanden. Probleme gibt es noch bei den meisten Dämmstoffen, weil die Materialien oft miteinander verklebt sind. In diesem Bereich passiert einiges, es gibt vielversprechende Ansätze, aber in großtechnischem Maßstab ist das noch nicht umgesetzt. Es stellt sich zudem die Frage nach der Akzeptanz von Recyclingprodukten, qualitativ gibt es damit sicher keine Probleme.
© ANDREAS FRIEDLE
eco.titel
„Wir dürften noch nicht verstanden haben, dass wir dringend etwas ändern müssen.“ ANKE BOCKREIS
19 In Städten sind riesige Mengen von Beton eingebaut und die Zementherstellung ist einer der global größten CO2-Verursacher. Wird eine CO2-Bepreisung die Wiederverwertung von Beton beschleunigen? Das wird sicher einen Einfluss haben. Es muss CO2 eingespart werden, die Klimakrise verschwindet nicht wegen Corona oder wegen des Kriegs in der Ukraine. Meines Erachtens ist die CO2-Steuer zu niedrig angesetzt. Wir dürften noch nicht verstanden haben, dass wir dringend etwas ändern müssen. Muss man in der Allgemeinheit stärker um Akzeptanz für Urban Mining werben? Wir müssen insgesamt Bewusstseinsbildung betreiben, weil jeder von uns Abfall produziert, aber niemand eine Abfallbehandlungsanlage in der Nähe haben möchte. Daher glaube ich, dass wir insgesamt erkennen müssen, welche Rohstoffe im Abfall liegen, den wir täglich wegwerfen. Es täte gut, dahingehend Akzeptanz zu schaffen.
Sehen Sie die Unternehmen aus der Bauoder der Abfallwirtschaft in der Poleposition, um Urban Mining wirtschaftlich zu betreiben? Ich sehe das in Kombination. Die Bauwirtschaft kann das unmittelbar machen, weil sie – theoretisch – die Rohstoffe nach deren Verarbeitung quasi an Ort und Stelle
in einem neuen Gebäude wieder einbauen könnte. Doch auch die Abfallentsorgungsunternehmen werden eine Rolle spielen.
Was muss getan werden, damit am Ende des Lebenszyklus eines Gebäudes verlässlich ein geordneter Rückbau stattfindet und nicht die Abrissbirne zum Einsatz kommt? Wenn wir es jetzt schaffen, für alle neu gebauten Gebäude zu dokumentieren, was wo wie verbaut ist, wäre das vollkommen ausreichend. Sinnvoll wäre folglich eine Plattform, auf der man sich austauschen könnte, damit gebrauchte Teile – zum Beispiel Stahlträger und dergleichen – erneut verbaut werden können, ohne sie vorher energieintensiv einschmelzen zu müssen. Was ist aus Ihrer Sicht das Faszinosum am Konzept des Urban Mining? Wollen wir den Klimawandel in den Griff bekommen, müssen die Treibhausgasemissionen radikal reduziert werden. Die Bauwirtschaft ist einer der größten Verursacher und mit Urban Mining gibt es ein Konzept, das helfen kann, diesen Ausstoß signifikant zu reduzieren. Die Abfälle von heute sind die Rohstoffe von morgen. Mich faszinieren die Stoffströme und das, was man daraus machen kann. Dieses Bewusstsein gilt es allgemein zu schärfen.
eco.titel
„Probleme kann man nie mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ ALBERT EINSTEIN
SCHROTTREIF?
STEP BY STEP
Im vergangenen Jahr hat Höpperger Umweltschutz aus Pfaffenhofen konsequente Schritte in Richtung Digitalisierung der Verwaltung mit mehr papierlosen Arbeitsabläufen und der Ausrichtung auf umweltfreundliches und nachhaltiges Wirtschaften gelegt – unter anderem mit der Ausweitung seiner E-Auto-Flotte. Außerdem hat das Unternehmen mit der Realisierung einer der größten Photovoltaikanlagen im Tiroler Oberland begonnen. Dachflächen von drei Betriebsgebäuden mit insgesamt 4.000 Quadratmetern wurden mit entsprechenden Modulen ausgestattet, die Investitionssumme liegt bei 500.000 Euro. Bereits heuer werden damit 30 Prozent des Gesamtenergiebedarfs erzeugt. Die Planung des Projektes erfolgte durch das Mötzer Ingenieurbüro ehoch2, für die Umsetzung sorgte die Firma Conversio aus Inzing. www.hoepperger.at
ZUM ANFANG GEDACHT
Die neue Photovoltaikanlage von Höpperger Umweltschutz zählt zu den größten Anlagen im Tiroler Oberland. © HÖPPERGER UMWELTSCHUTZ
20
In allem Alten liegt der Beginn für etwas Neues. Das gilt für viele Bereiche des Lebens – auch für Schrott, der so zum Rohstoff der Zukunft wird. Produktion, Konsum und Wiederverwertung bilden einen Kreislauf, den es nicht erst seit den Tagen des umweltbewussten Recyclings gibt. Die Firma Ragg aus Hall kennt sich mit dem Sammeln und Aufbereiten von Altstoffen aus und leistet so ihren ganz persönlichen Beitrag zur Rückführung wertvoller Rohstoffe in den Produktionskreislauf, die ansonsten für die neuerliche Nutzung verloren wären. Den Grundstein für das Unternehmen legte Robert Ragg mit einem kleinen Schrotthandel in Fulpmes 1947, 1974 kaufte dessen Tochter, die das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Jahre führte (sie übernahm die Leitung als erst 17-Jährige, nachdem Robert Ragg tödlich verunglückte!), das heutige Firmenareal in Hall, ein Jahr darauf folgte der Ankauf einer 1.250 PS starken Metall-Schredderanlage, was Recycling zu einer der wesentlichen Dienstleistungen macht. Seitdem hat sich das Unternehmen durch laufende Investitionen kontinuierlich entwickelt. 2018 hat Ragg unter anderem den Trigos Award in der Kategorie „Vorbildliche Projekte“ gewonnen, eine Auszeichnung für Corporate Social Responsibility (CSR). www.ragg.at
Cradle to Cradle (engl. von Wiege zu Wiege, also sinngemäß „vom Ursprung zum Ursprung“) ist ein Ansatz für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft. Der hat sich auch der heimische Haymon Verlag verschrieben und druckt alle seine Literatur- und SachbuchNovitäten, die im Hardcover seit Feber erscheinen, nach diesem Nachhaltigkeitsprinzip und höchstem ökologischen Standard – also ausschließlich mit Substanzen, die wieder in den biologischen Kreislauf rückgeführt werden können, klimapositiv, auf Papier, das in Österreich produziert wird, und ohne Plastikfolie, die das neue Lieblingsbuch einhüllt. Der Schwesternverlag Löwenzahn hat bereit 2019 angefangen, die gesamten Neuerscheinungen Cradle to Cradle zu drucken, und hat dafür viel Zuspruch geerntet. www.haymonverlag.at
eco.titel
© AREA 47 / JENS KLATT
Premiere in der AREA 47: 2022 werden die ersten Clean Up Days veranstaltet, bei denen Flüsse und Mountainbikestrecken von weggeworfenem Abfall befreit werden. Ein zweitägiges Package enthält für umweltbewusste Gäste gleichermaßen Action und einen nachhaltigen Beitrag für die umliegende Natur.
N A C H H A LT I G K E I T S S T R A T E G I E
Im Mai 2010 wurde die AREA 47 im Ötztal eröffnet. Von Beginn an arbeitet man im Actionpark im Einklang mit der Natur, Initiativen in Sachen Natur- und Umweltbewusstsein sind fester Bestandteil. Durch den Einsatz von E-Shuttles für den Besucher*innentransport am Gelände, autofreie Zonen oder optimierte Routenplanung werden bereits jetzt knapp 16,5 Tonnen CO2 pro Saison eingespart. Die Unterkünfte wurden in Holzbauweise errichtet, in der Gastro achtet man auf regionale Produkte. Darauf aufbauend entwickelten Studierende des Masterstudiums Nachhaltige Regional- und Destinationsentwicklung in Landeck eine Strategie für die Zukunft mit konkreten Vorschlägen. Erste Projekte daraus kommen schon in dieser Saison zum Tragen – etwa bei der Premiere der Clean Up Days Ende April. Neu in der Saison 2022 sind außerdem Sitzpolster aus Ötztaler Schafwolle vom Schafwollzentrum Umhausen, ein neues Mülltrennungssystem von Höpperger sowie Upcycling-Projekte, bei denen etwa Holz von alten Tipibetten als Zäune nachgenutzt wird. Potenzial orten die Studierenden noch in Sachen umweltfreundlicher Anreise per Bahn und mit Angeboten wie unterschiedlichen Portionsgrößen oder der Möglichkeit eines Nachschlags ließen sich in der Gastronomie Lebensmittelabfälle vermeiden. www.area47.at
JETZT BEWERBEN
Im Jahr 2022 hat das Land Tirol den Vorsitz der Arge Alp inne, einem Bündnis von insgesamt zehn Alpenländern, die sich gemeinsam um Lösungen zu Fragen rund um ökonomische, umweltbezogene und gesellschaftliche Entwicklungen bemühen. Heuer feiert die Arge Alp ihren 50. Geburtstag und hat den Klimaschutz als übergeordnetes Thema des Jubiläumsjahres gewählt, denn die Klimakrise sowie deren Bewältigung sind besondere Herausforderungen, denen wir uns – gerade im Alpenraum – stellen müssen. Einen Beitrag dazu soll auch der diesjährige Arge-AlpKlimaschutzpreis leisten. Dessen Ziel ist es, für den Klimaschutz zukunftsweisende Großprojekte, Start-ups sowie Grassroots-Projekte in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaschutz vor den Vorhang zu holen. Die Einreichfrist läuft bis 15. Juni 2022, Richtlinien sowie das Einreich- und Datenschutzformular finden Sie auf www.argealp.org.
VÖLLIG BANANE
Mit den Fasern der Banane, Bienenwachs und jeder Menge Hirnschmalz stellt QWSTION Rucksäcke und Taschen her, die nach ihrer Lebensdauer kompostiert werden können. Nachhaltiges Wirtschaften ist dem Unternehmen ein echtes Anliegen, das hier konsequent und glaubwürdig vertreten wird. Als EU-Zentrale hat man Reith bei Seefeld ausgewählt und dort – der Unternehmensphilosophie folgend – ein nachhaltiges Holzgebäude errichtet, das ebenso ausgezeichnet wurde wie das außergewöhnliche Material. So wurde QWSTION für ihr Bananatex® kürzlich die Cradle-to-Cradle-Goldzertifizierung verliehen, mittlerweile wird das Material auch an Dritte verkauft. So hat etwa H&M bereits Schuhe damit produziert, im Frühjahr kommt eine weitere Kollektion in den Handel. Zudem ist QWSTION Mitbegründer der Fibral Alliance (www.fibral. org), eine Art Materialallianz von Einzelpersonen und Unternehmen, um Innovationen im Bereich der Pflanzenfasern voranzutreiben. www.qwstion.com
21
eco.titel
Die DAKA-Unternehmensfamilie feiert heuer ihren 50. Geburtstag. Schon damals fuhr die Flotte in unübersehbarem Orange durchs Land.
H A P P Y B I RT H DAY
ONLINE- CONTAINERSHOP
22
Freudenthaler aus Inzing ist einer der führenden Ressourcenmanager des Landes und analysiert und verwertet Abfallströme, um den maximalen Mehrwert aus den verschiedensten Abfällen zu sichern. Am Standort in Inzing werden dabei pro Jahr rund 60.000 Tonnen Abfälle übernommen – auch gefährliche Chemikalien, Gewerbeabfälle oder Problemstoffe und selbst knifflige Lithiumakkus, die nach wie vor oft im Restmüll landen. Toll finden wir den vor rund zwei Jahren eingerichteten Online-Containershop für (private) Bau-, Renovierungs- oder Entrümpelungsvorhaben. Der Bestellvorgang richtet sich ganz einfach nach Abfallart und Menge. Von der kleinen Mulde bis zum 40-Kubikmeter-XXXL-Container ist alles dabei, bezahlt wird ein Pauschalpreis oder pro Kilo. Im Preis inkludiert sind der Transport, Entsorgung und sieben Tage Miete. Lieferzeitraum und Adresse gibt man einfach im Internet ein. Infos unter www. freudenthaler.at (Button: Container Shop).
Die DAKA-Unternehmensgruppe feiert heuer ihr 50-jähriges Jubiläum und ist schon allein durch ihr Tun quasi der Inbegriff der Kreislaufwirtschaft und des Umweltschutzes. Die DAKA GmbH wurde 1972 von Josef Danler und Herbert Kandler in Schwaz gegründet. Danler war ein Multitalent gewesen, Landwirt und findiger Unternehmergeist. Allein die Geschichte, wie es zur Gründung der DAKA kam, ist bezeichnend: „Josef Danler ist damals mit seinem Freund Herbert Kandler die Schwazer Felder runterspaziert. Bei der Kläranlage der Stadt Schwaz sahen sie, dass ein Unternehmen aus Linz die Kanäle reinigte, und sie sagten, wenn der von Linz rauffährt, 290 Kilometer weit, dann muss es ein Geschäft sein. Das war das Businessmodell. So wurde mit der DAKA begonnen“, erzählte Martin Klingler in einem vergangenen Interview. Aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen entstand DAKA, Kanalreinigung wurde zum Geschäft. Nach dem Tod Danlers im Jahr 1984 wurde seine Tochter Barbara Zitterbart Chefin des Entsorgungsunternehmens. Von den Anfängen ist eigentlich nur noch die Firmenfarbe Orange übrig. Im Urgeschäft – der Kanalreinigung – ist die DAKA nicht mehr tätig, zur Unternehmensgruppe zählen heute zahlreiche Töchter und Beteiligungen, deren Fokus auf Entsorgung und Recycling von Abfällen liegt. Anfang der 2000er-Jahre kam auch die „klassische“ Müllabfuhr hinzu. Heuer feiert das Unternehmen seinen 50. Geburtstag. Wir feiern mit!
N A C H H A LT I G W I R T S C H A F T E N
Im Jahr 2008/2009 hat hollu aus Zirl erstmals eine neue Unternehmensstrategie im großen Stil ausgearbeitet, die den künftigen Entwicklungsweg und im Zuge dessen die sozialökonomische Verantwortung fokussiert. Deshalb hat der Hygienespezialist auch die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, kurz SDG (Sustainable Development Goals), ins tägliche Arbeiten integriert. Ein großes Thema ist unter anderem jenes des Wassersparens. Etwa 8.500 Kubikmeter Wasser benötigt hollu pro Jahr zur Herstellung von Reinigungsmitteln: reinstes Wasser, sogenanntes Osmosewasser, das mit Druck gefiltert wird. Das so ausgesonderte Produktionswasser fängt hollu in Tanks auf und verwendet es mehrfach zur Reinigung, bevor es als Abwasser in der Kläranlage landet. „Wir wollen gemeinsam dazu beitragen, dass unser Planet auch für die nächsten Generationen lebenswert bleibt. Wasser sparen ist nur eine Maßnahme von vielen“, so Geschäftsführer Simon Meinschad. verantwortung.hollu.com
HÖPPERGER
BEST PRACTICE DER KREISLAUFWIRTSCHAFT © HÖPPERGER UMWELTSCHUTZ
Höpperger Umweltschutz gehört landesweit zu den innovativsten Entsorgungsbetrieben. Mit regelmäßigen Investitionen sichert das Familienunternehmen einen stabilen Recyclingprozess 95 PROZENT WIEDERVERWERTUNG FÜR ELEKTRO - KLEINGERÄTE Die Elektro-Kleingeräteaufbereitungsanlage von Höpperger ist auch heute noch Österreichs größte private Anlage. Mit einem ausgeklügelten System erfolgt die optimale Wertstoffrückgewinnung aus Elektronik-Kleingeräten aller Art. Es bleiben reine Wertstoffe übrig, die zur Gänze wiederverwertet werden.
PRODUKTION VON HUMUS UND BIOSUBSTRAT
Die Geschäftsführer Stefan, Harald und Thomas Höpperger (v. l.) führen das Familienunternehmen mit Standorten in Pfaffenhofen und Rietz.
E
rst vor zwei Jahren wurde die Firmenzentrale als energieautarkes Innovationszentrum in Pfaffenhofen realisiert. Seit kurzem deckt eine Photovoltaikanlage (4.000 m² Dachfläche) 30 Prozent des Gesamtenergiebedarfs. Der vielfältige Tätigkeitsbereich des zertifizierten Entsorgungsfachbetriebs sichert mehr als 160 systemrelevante Arbeitsplätze in der Region. Als „Best-Practice-Beispiel einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft“ bezeichnete kürzlich Bundesministerin Margarete Schramböck bei einem persönlichen Besuch das Kaffeekapsel-Recycling von Höpperger. Der Oberländer Entsorgungsbetrieb bereitet seit mehr als 10 Jahren Kapseln verschiedenster Anbieter aus ganz Österreich auf. Das daraus gewonnene Aluminium wird anschließend für neue Produkte verwendet und der Kaffeesud zu Biogas verarbeitet.
gesammelten Leichtverpackungen (gelbe Tonne oder gelber Sack). „Die zentrale Aufbereitung in Pfaffenhofen trägt einen wesentlichen Teil zur CO2-Einsparung bei. Außerdem ergeben sich wertvolle Ressourcen für die Wirtschaft“, erklären die beiden Geschäftsführer Harald und Thomas Höpperger.
Ein weiterer Beitrag zur Stärkung der heimischen Kreislaufwirtschaft ist die Aufbereitung von organischen Abfällen der Region. Die moderne Kompostieranlage verarbeitet die gesammelten biogenen Abfälle zu wertvollem Humus für die heimische Landwirtschaft. Zudem werden verpackte Lebensmittel sowie Speisereste in einer Hammermühle von Verpackungen getrennt, zerkleinert und in dafür vorgesehene Zwischenlagertanks gepumpt. Das Ziel ist die Produktion von Biosubstrat, welches in Biogas- oder Kläranlagen zur Gewinnung von Energie genützt wird. Weitere Informationen unter: www.hoepperger.at
PR
Harald Höpperger (li.) führte Bundesministerin Margarete Schramböck und den Geschäftsführer von Nespresso Österreich, Alessandro Piccinini, durch die Aufbereitungsanlage.
MODERNSTE KUNSTSTOFF SORTIERANLAGE ÖSTERREICHS
Der kundennahe Komplettanbieter betreibt die modernste Kunststoffsortieranlage Österreichs zur Verwertung nahezu aller in Tirol
Biogene Abfälle werden bei Höpperger zu wertvollem Humus für die Landwirtschaft.
23
© SELINA PHOTOVOLTAIC GMBH
IV TIROL
Die 851-kWp-PV-Anlage für Tiroler Rohre wurde vom Generalunternehmer und PV-Spezialisten Selina Photovoltaic GmbH geplant und errichtet. Die Anlage erzeugt rund 910 MWh sauberen Sonnenstrom jährlich, der zur Gänze vor Ort verbraucht wird.
DIE TIROLER INDUSTRIE LEBT NACHHALTIGKEIT
24
Eine Umfrage der Industriellenvereinigung Tirol zeigt eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit in der Tiroler Industrie einen großen Stellenwert einnimmt. Ganz wichtig ist den Unternehmen dabei, dass die Dimensionen der Nachhaltigkeit gleichwertig gesehen werden. Sozialen Ausgleich und ökologische Weiterentwicklung gibt es schließlich nur, wenn die Unternehmen Rahmenbedingungen vorfinden, die wirtschaftlichen Erfolg zulassen.
B
isher ist diese Balance meistens gelungen und die Industrie konnte sich in Tirol zum Wirtschaftsbereich mit dem höchsten Anteil an der Wertschöpfung entwickeln. Auf dem Weg zur Klimaneutralität wird es daher entscheidend sein, einen vernünftigen Ausgleich zwischen Wirtschaft und Ökologie zu schaffen, damit die Dekarbonisierung nicht zur Deindustrialisierung führt.
VORREITER IN DER ENERGIEEFFIZIENZ
Die Industrie ist in Tirol bereits jetzt Vorreiter bei der Energieeffizienz. Der Endenergieeinsatz im Produktionsbereich war – laut Energiemonitoring des Landes Tirol – im Jahr 2019 um 3,9 Prozent geringer als im Jahr 2005. Das bedeutet eine Einspa-
rung von insgesamt 246 Gigawattstunden (GWh). Die Entkoppelung des Wachstums vom Energieeinsatz ist damit in der Tiroler Industrie eindrucksvoll gelungen. Die Bruttowertschöpfung ist nämlich im Produktionsbereich in diesen 14 Jahren um über 20 Prozent gestiegen. Diese enorme Steigerung der Energieeffizienz war nur durch den Einsatz von Technik am jeweils letzten Stand, verbunden mit hohen Investitionen, möglich. Die Entwicklung in der Industrie ist besonders hervorzuheben, weil der Gesamtenergieeinsatz in Tirol gegenüber 2005 um 1,7 Prozent gestiegen ist.
ENERGIEFRAGE ENTSCHEIDET DIE ZUKUNFT DER INDUSTRIE
Die Tiroler Industrieunternehmen bekennen sich zu den Klimazielen der EU und
werden alles unternehmen, um diese auch zu erreichen. Entscheidend dabei ist aber die Verfügbarkeit klimaneutraler Energie zu konkurrenzfähigen Preisen. Hier erwartet sich die Industrie den weiteren entschlossenen Ausbau der Wasserkraft im Land und auch die konsequente Nutzung anderer, erneuerbarer Energiequellen, wie die Photovoltaik. Die Verfahren müssten beschleunigt und die Unternehmen bei ihrem Weg zur Klimaneutralität wirksam unterstützt werden, fordert die Industriellenvereinigung. PR
IV TIROL
TIROLER UNTERNEHMEN SETZEN MASSSTÄBE FÜR PRAKTIZIERTEN UMWELTSCHUTZ: iDM ENERGIESYSTEME REDUZIERT FLÄCHENVERBRAUCH
© MONTANWERKE BRIXLEGG
iDM Energiesysteme reduziert am Standort Matrei in Osttirol allein durch das Hochregallager den Flächenverbrauch um den Faktor 4,25. Damit wird nur 1.334 anstatt 5.700 Quadratmeter Fläche für eine konventionelle Lagerhalle verbaut. Auch das Parkhaus reduziert die verparkte Fläche um 18.800 Quadratmeter, wodurch der Flächenverbrauch im Ausmaß von vier Fußballfeldern verkleinert wird. Das Osttiroler Unternehmen erzeugt zudem im Endausbau grünen Strom aus über 3.500 Photovoltaikmodulen mit einem Megawatt.
© ADLER / MARKUS SCHIETSCH ARCHITEKTEN, ANDREAS BUSCHMANN
Ohne Kupfer ist der Transfer zur klimaneutralen Gesellschaft und Industrie nicht möglich. Egal, ob Elektromotoren, Smartphones oder einfach Kabel. Darüber hinaus ist Kupfer unendlich recycling- und upcyclingfähig. Die Montanwerke Brixlegg AG leben das Prinzip der Kreislaufwirtschaft schon lange und sind damit Vorreiter in Europa. Mit 0,739 kg CO2e/kg Kupfer setzen die Montanwerke einen globalen Benchmark. Zum Vergleich: Die ICA schätzt den globalen Durchschnitt bei 4,1 kg CO2e/kg Kupfer.
© iDM ENERGIESYSTEME
D A S W E LT W E I T KLIMAFREUNDLICHSTE KUPFER
25
KREISLAUFWIRTSCHAFT: NESPRESSO & HÖPPERGER
Ein Leuchtturmprojekt setzen Nespresso Österreich und das Tiroler Familienunternehmen Höpperger um: Sie halten das Aluminium gebrauchter Kaffeekapseln im Kreislauf, damit daraus neue Gegenstände entstehen können. Der Kaffeesud wird zu Biogas und damit erneuerbarer Energie weiterverarbeitet. „Aluminium ist sehr recyclingfähig: Es kann beinahe unendlich oft wiederverwertet werden und so sind 75 Prozent des weltweit produzierten Aluminiums immer noch in Gebrauch“, so Geschäftsführer Harald Höpperger.
ADLER gilt seit jeher als Topadresse, wenn es um umweltfreundliche Beschichtungen für Fenster und Möbel, Fassaden und Innenwände geht. Mit dem hochwertigen green-Sortiment setzt ADLER neue Maßstäbe für nachhaltige Beschichtungen rund ums ganze Haus. Sämtliche Produkte zeichnen sich durch ihre hervorragende Ökobilanz aus – bis zu 4 kg CO2 pro Liter können mit den nachhaltigen Beschichtungen eingespart werden. Dazu kommen ein hoher Anteil nachwachsender Rohstoffe, ein niedriger VOC-Gehalt, der Verzicht auf Schwermetalle, Aromaten, Weichmacher und andere für Umwelt und Gesundheit schädliche Materialien für ein schadstoffreduziertes Wohnklima.
© HÖPPERGER
N A C H H A LT I G E S BESCHICHTUNGSSORTIMENT
Erfolgreiches Kapsel-Recycling (v. l.): Harald Höpperger, BM Margarete Schramböck, Nespresso-GF Alessandro Piccinini
eco.titel
26
„NICHTS ZU TUN IST KEINE ALTERNATIVE MEHR“ Mit Wolfgang Streicher, Vizerektor für Infrastruktur der Universität Innsbruck und Experte für energieeffizientes Bauen mit spezieller Berücksichtigung des Einsatzes erneuerbarer Energien, haben wir über energietechnischen Pragmatismus, eine enorme Kraftanstrengung namens Energiewende und darüber gesprochen, warum wir uns schlechte Wirkungsgrade kollektiv nicht mehr leisten können. INTERVIEW & FOTOS: MARIAN KRÖLL
eco.titel
„Das Energiesystem in Zukunft wird eher auf der direkten Nutzung von Strom basieren. Die Technologien heißen beispielsweise E-Fahrzeuge, Wärmepumpen und die Umstellung von Industrieprozessen Richtung Strom.“ WOLFGANG STREICHER
ECO.NOVA: Durch die aktuellen Ereignisse in Europa besteht in Sachen Energiepolitik eine neue Dringlichkeit. Ist jetzt die Zeit für Energie-Realpolitik, die von Pragmatismus geleitet ist, oder für die rapide Beschleunigung der Energiewende, den großen Wurf, koste er was er wolle? WOLFGANG STREICHER: Es ist keine Entweder-oder-Frage. Durch den Krieg, aber auch den Wirtschaftsaufschwung „nach“ Corona steigen die Energiepreise sehr stark. Kurzfristig muss die Energieversorgung sichergestellt werden, und dafür gibt es – wenn man von Russland unabhängig sein möchte – nicht allzu viele Optionen. Gas kann übergangsweise aus den USA oder den Golfstaaten als LPG (liquified petroleum gas / Flüssiggas) bezogen werden, das wird allerdings wesentlich teurer sein als in der Vergangenheit. Wir müssen uns von unserem Wunsch nach billigem Gas verabschieden, nachdem wir jahrelang verdrängt haben, was in Russland geschieht. Die Abhängigkeiten waren klar erkennbar. Die Kohlekraftwerke werden vermutlich länger laufen, genauso wie die Atomkraftwerke, damit wir momentan den Strom zur Verfügung haben, den wir brauchen, damit nicht alles zusammenbricht. Die steigenden Energiepreise werden uns aber marktwirtschaftlich auch dazu bringen, die Erneuerbaren auszubauen, die jetzt relativ günstiger werden. Kernenergie ist hoch subventioniert. Würde man die Kosten von Abbau von AKW und Endlagerung über 10.000 Jahre mitrechnen, wären wir preislich ganz woanders. Es ist ein Märchen, dass Kernenergie billig ist. Die Erneuerbaren werden weiter in den Vordergrund rücken, selbst wenn man kurzfristig mit den bestehenden Erneuerbaren sowie Fossilen und der Kernenergie das Auslangen finden wird müssen.
Wie schnell kann diese Transformation, auch Energiewende geheißen, in Tirol gehen? Das kann man nicht isoliert betrachten. Photovoltaikmodule werden nicht hier produziert, genauso wenig Windkraftanlagen. Wärmepumpen werden zwar teils hier produziert, die Rohstoffe kommen aber auch
Länder müssen politisch stabilisiert werden. Meine ketzerische These lautet: Wollen wir im arabischen Raum Strom produzieren, müssen wir diese Länder in die sozial sehr stabile Europäische Union holen, damit sie Teil eines größeren Ganzen sind. Das klingt jetzt vielleicht sehr utopisch, aber uns fehlen die Alternativen.
nicht aus Tirol. Rechnet man die Szenarien für ein fossilfreies Tirol 2050 auf Österreich hoch, müsste beispielsweise die Produktion von Wärmepumpen in Österreich verfünffacht werden. Ähnlich ist es in der Photovoltaik. Dort, wie auch bei Wärmepumpen, ist aufgrund der hohen Nachfrage die Verfügbarkeit eingeschränkt. Es stellt sich auch die Frage, wie Europa von seinen diesbezüglichen Abhängigkeiten bei vielen Produkten für erneuerbare Energieträger von China wieder loskommt. Europa bemüht sich um eine eigene Batterieproduktion, die Photovoltaik versucht man einstweilen noch nicht zurückzuholen. In Europa wurde relativ viel verschlafen. Es braucht langfristig bessere Randbedingungen. Das wäre aber auch unabhängig von Russland notwendig geworden. Wenn man keine Güter bekommt, nützen auch Subventionen nichts. Außerdem muss ein Umdenken stattfinden und es müssen auch unpopuläre Maßnahmen ergriffen werden.
Was kann in Tirol unmittelbar getan werden? Was ist das ökonomisch vernünftigste Szenario? Die Wasserkraft ist eines der billigsten und ökologischsten Möglichkeiten. Natürlich gibt es lokale Auswirkungen, Beeinträchtigungen der Landschaft und Fischgewässer. Die Wasserkraft hat auch im Lebenszyklus wesentlich geringere CO2-Emissionen als Photovoltaik und Windenergie, die wiederum allesamt viel günstiger sind als alles Fossile. Technologisch ist das alles schon heute in den Griff zu kriegen, ohne dass man auf irgendeine kommende Wundertechnologie angewiesen wäre.
Lässt sich denn der Landschaftsschutz mit dem Klimaschutz versöhnen? Im Endeffekt ist Klimaschutz auch Landschaftsschutz. Wenn es hier drei Grad wärmer ist, wird sich die Landschaft sehr stark verändern. Das ist noch nicht wirklich in der Breite angekommen. Nehmen wir die Energiewende ernst, müssen wir entweder bei uns in Österreich oder woanders zubauen, wo es viel Energie gibt. Da bietet sich die Sahara an. In Europa werden wir keinen Stromüberschuss bekommen, den wir importieren könnten, weil jedes Land vor denselben Problemen steht. Investments, die in fernen Weltgegenden getätigt werden, müssen langfristig abgesichert und damit etwa Bürgerkriege ausgeschlossen werden. Diese
Meinen Sie damit synthetische Kraftstoffe? Synthetic Fuels benötigen eine hohe Stromproduktion für ihre Erzeugung. Gehe ich auf Wasserstoff, liegt der Wirkungsgrad immerhin bei 50 Prozent. Stecke ich diesen Wasserstoff beispielsweise in die Zillertalbahn, hat die Brennstoffzelle wieder einen
Inwiefern? In Tirol muss die Wasserkraft ausgebaut werden. Die Windenergie darf nicht tabu bleiben. Wir sind hier in der Schere Landschaftsschutz versus Klimaschutz. Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt werden, sonst wird eine Energiewende nicht zu schaffen sein.
Es wird suggeriert, dass alles technologisch und ohne Verhaltensänderung gelöst werden könne. Ist das eine ehrliche Analyse? Jede Verhaltensänderung hilft. Es ist allerdings nicht ganz so einfach, wie immer gesagt wird. Der Umstieg vom Verbrennungsmotor – der mit einem Wirkungsgrad von 15 bis 20 Prozent unterwegs ist – auf E-Mobilität erhöht den Wirkungsgrad auf 60 bis 70 Prozent. Damit ist die Verbesserung durch den Umstieg von E-Mobilität auf öffentlichen Verkehr geringer als beim Umstieg vom Verbrennungsmotor. Das Schlimmste, was man machen kann, ist, aus Strom aus Erneuerbaren Treibstoff zu erzeugen und diesen in einen Verbrennungsmotor zu geben. Da wird der Wirkungsgrad lächerlich gering.
27
eco.titel
„Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt werden, sonst wird eine Energiewende nicht zu schaffen sein.“ WOLFGANG STREICHER
28 Wirkungsgrad von 50 Prozent. Das heißt, ich muss viermal so viel Strom investieren, wie ich letztlich auf die Schiene bringe. Wird die Zillertalbahn dagegen elektrifiziert, ist der Stromeinsatz wesentlich geringer. Ein Nachteil von Wasserstoff ist, dass die komplette Infrastruktur neu aufgebaut werden muss. Daher wird oft die Weiterverarbeitung von Wasserstoff zu Methan als synthetischer Kraftstoff ins Treffen geführt. Hierfür muss der Kohlenstoff für das Methan mangels fossiler Energieträger zu einem großen Teil aus dem CO2 der Luft extrahiert werden. Damit wird der Wirkungsgrad im Vergleich zu Wasserstoff noch etwas geringer, aber die Infrastruktur und Technologie der Gasspeicherung, Verteilung und Nutzung wäre vorhanden. Aufgrund des geringen Wirkungsgrades – und damit höherem Strombedarf als Ausgangsenergieträger – sollten aber alle synthetischen Kraftstoffe nur so gering wie möglich eingesetzt werden. Daher wird das Energiesystem in Zukunft eher auf der direkten Nutzung von Strom basieren. Die Technologien heißen beispielsweise E-Fahrzeuge, Wärmepumpen und die Umstellung von Industrieprozessen Richtung Strom. Wie ist die Speicherung erneuerbarer Energien zu bewerkstelligen, ohne auf Power-to-Gas*) zu setzen? Power-to-Gas
wird eine gewisse Rolle spielen, allerdings eine sehr viel geringere als heute angenommen. Wir können uns das schlicht nicht leisten. In unseren Arbeiten zur Energiestrategie Tirol 2050 war der effizienteste Weg der Ausbau der Wasserkraft um 50 Prozent, alle geeigneten Dachflächen voll mit Photovoltaikmodulen und mindestens 50 Windräder in Tirol, die Nutzung aller möglichen anderen erneuerbaren Energieträger sowie die höchstmögliche Energieeffizienz, dann ginge sich die Energieautonomie gerade so aus. Müssten wir noch mehr erzeugen, weil wir irgendwo in der Kette schlechte Wirkungsgrade haben, bleiben nur noch Photovoltaik-Freiflächen – oder eben der Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion in der Sahara. Unsere Szenarien für Tirol zeigen, dass wir im dort zweitschlechtesten Szenario Power-to-Gas – alle Haushalte, die heute am Gasnetz hängen, heizen weiter mit erneuerbarem Gas sowie die Industrie nutzt eher Gas als Strom – 40 Fußballfelder mit Photovoltaik brauchen. Nicht insgesamt, sondern pro Tiroler Gemeinde. Schlechte Wirkungsgrade können wir uns zukünftig nicht mehr erlauben. Das klingt nach einer Herkulesaufgabe. Niemand hat gesagt, dass es leicht sein würde. Aber ein Klimawandel ist auch nicht
lustig. Schaffen wir es nicht, den Klimawandel auf unter 2 °C zu begrenzen, setzen sich global Milliarden von Menschen in Bewegung und das wird ganz anders ablaufen, als wir es uns heute vorstellen können. Nichts zu tun ist keine Alternative mehr. Im Endeffekt ist die Energiewende aber nicht teuer. Es braucht – das haben Kollegen vom Wegener Center in Graz in einem gemeinsamen Projekt für Österreich sowie ähnliche Studien in Deutschland und weltweit ausgerechnet – Investitionen von einem bis eineinhalb Prozent des BIP pro Jahr. Das ist finanzierbar, kommt der Industrie zugute und schafft Arbeitsplätze. Die Energiewende hat sicher „Gewinner“ und „Verlierer“ – wir müssen jetzt die Gewinner motivieren, das so zu sehen und die Energiewende proaktiv zu unterstützen, und den Verlierern Perspektiven zur Veränderung bieten.
Sie haben ausgeführt, woher die Energie zukünftig kommen kann. Wir sollten aber auch darüber reden, wo denn Energie sinnvoll eingespart werden kann. Wo sind da die großen Schätze zu heben? Bei allen alten Gebäuden. Ein Gebäude aus den 1970er-Jahren braucht ungefähr zwischen 120 und 200 kWh/m² pro Jahr zum Heizen. Beim Niedrigstenergiehaus – es muss noch nicht einmal Passivstandard sein – komme ich etwa auf ein Zehntel davon. Das reduziert allerdings noch nicht den Energiebedarf für das Warmwasser und den Haushaltsstrom. Da arbeiten wir derzeit an Dingen wie Duschwasser-Wärmerückgewinnung. Bei den Elektrogeräten hoffe ich, dass nicht mit der besseren Effizienz die Zahl der Geräte stark zunimmt. Der größte energetische Schatz ist allerdings in der Mobilität zu heben, ohne auf ein eigenes Fahrzeug verzichten zu müssen und zwar durch den Umstieg auf Elektromobilität. Noch besser ist natürlich der Umstieg auf öffentlichen oder nichtmotorisierten Verkehr. Ich sehe auch die Raumplanung gefordert, diese Effizienzen zu heben, etwa durch gezielte Ortskernverdichtung. Am effizientesten wohnt man aber nach wie vor in der Stadt. Das Passivhaus am Land nützt zwar, wenn allerdings drei Autos verwendet werden, weil man sonst nirgendwo hinkommt, wird das wieder konterkariert. *) Power-to-Gas beschreibt das Verfahren, bei dem Wasser (H2O) mithilfe von Strom per Elektrolyse in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) aufgespalten wird. Der dadurch gewonnene Wasserstoff kann entweder direkt genutzt oder zu anderen gasförmigen bzw. flüssigen Energieträgern (Methan, Methanol, synthetischer Diesel …) weiterverarbeitet werden.
INNIO JENBACHER
In jeder Hinsicht klimafit unterwegs
Außen und innen grün – Jenbacher Werk von INNIO
BEI INNIO GLÄNZT NACHHALTIGKEIT GOLDEN Die Jenbacher Unternehmenszentrale von INNIO wurde von EcoVadis mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Damit bestätigt die weltweit renommierte Nachhaltigkeitsbewertungsplattform das umfassende Engagement von INNIO für seine über alle Unternehmensbereiche hinweg gelebte Nachhaltigkeit. 29
D
as Jahr 2022 hat für den Klimaschutzpionier und Wasserstoffspezialisten INNIO glänzend begonnen: Im Jänner vermeldete die Unternehmenszentrale in Jenbach, dass sie von EcoVadis bei der jährlichen Bewertung von Nachhaltigkeitsleistungen mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Damit zählt die Tiroler Green-Tech Company zu den besten ein Prozent der bewerteten Unternehmen ihrer Branche. Die Hochstufung von Silber auf Gold innerhalb weniger Monate würdigt die Verbesserungen und Beiträge zu nachhaltigem Wachstum des innovativen Weltmarktführers im vergangenen Jahr.
STRENGE RECHNUNG, AUSGEZEICHNETES ERGEBNIS
Bei seiner Bewertung konzentriert sich EcoVadis auf 21 Aspekte, die in den vier Hauptbereichen Umwelt, Arbeit & Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung zusammengefasst sind. Diese Kriterien beruhen auf internationalen Nachhaltigkeitsstandards, einschließlich der Prinzipien des UN Global Compact, der Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI). Das Upgrade auf eine Goldmedaille spiegelt die
GRÜNE DNA
Grüne Energiezentrale für grüne Technologie
Integration und Intensivierung der Nachhaltigkeitsbemühungen von INNIO im Jahr 2021 wider. Neben der Verankerung des Engagements für Menschenrechte und Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion in Unternehmensrichtlinien und Schulungen zählen dazu auch das Festschreiben einer Reihe von Themen und Kennzahlen, die sich an den maßgeblichen internationalen Rahmenwerken orientieren, und die Implementierung von Maßnahmen, Leitlinien, Strategien und Initiativen zur Stärkung von Transparenz und nachhaltigem Wachstum in der Lieferkette von INNIO. Zudem wurde 2021 der erste Nachhaltigkeitsbericht mit dem Titel „Together for a Sustainable Future“ veröffentlicht.
W W W. L I N K E D I N . C O M / C O M P A N Y / I N N I O - G R O U P
Nachhaltigkeit ist Teil der DNA von INNIO. Seine Verantwortung für einen positiven Wandel erfüllt das Unternehmen nicht nur mit seinen Produkten, Services und digitalen Lösungen für Netto-Null-Emissionen, sondern auch im wertschätzenden und vorausschauenden Umgang mit seinen Mitarbeiter*innen und der Gesellschaft insgesamt. Als globaler Anbieter von innovativen, nachhaltigen Energielösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und Gestalter einer kohlenstoffarmen Wirtschaft legt INNIO schon seit jeher großes Gewicht auf die kontinuierliche Verbesserung seiner Nachhaltigkeitsperformance. „Um sicherzustellen, dass unsere Produkte, Dienstleistungen und Prozesse die strengsten Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, lassen wir uns freiwillig von führenden Ratingorganisationen bewerten“, erklärt Olaf Berlien, President und CEO von INNIO, und ergänzt: „Dass uns EcoVadis innerhalb von weniger als einem Jahr eine Goldmedaille verliehen hat, bestätigt unsere Nachhaltigkeitsstrategie.“ www.innio.com PR
TWITTER.COM/INNIO_GROUP
W W W. I N N I O . C O M / Y O U T U B E
eco.titel
„Die Welt verändert sich durch dein Vorbild, nicht durch deine Meinung.“ PAULO COELHO
30
Ja, sagt Gutmann und erklärt: Holz-Pellets bestehen zu 100 Prozent aus Restholz, also aus Sägespänen und Sägeresteholz, werden nachhaltig produziert, sind ein effizienter Brennstoff und CO2-neutral. Alle Pelletslieferanten von Gutmann tragen außerdem das PEFC-Siegel, das die Herkunft aus sorgfältig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen sicherstellt. „Wir arbeiten mit Tiroler Produzenten wie den Firmen Pfeifer oder Binder zusammen“, sagt Johann Schipflinger, Pellets-Verkaufsleiter bei Gutmann. Seit 2020 verfügt Gutmann in Hall über einen eigenen Speicher, in dem 10.000 Tonnen Speicherpellets Platz finden. Dafür wurde ein bestehendes Gebäudesilo aus dem Jahr 1978 in ein Umschlagzentrum für Holzpellets mit neuer und erweiterter Nutzung transformiert. Für die Architektur zeichnet obermoser + partner architekten in Kooperation mit Hanno Schlögl verantwortlich. www.gutmann.cc
© DAVID SCHREYER
P E L L E T S A L S N A C H H A LT I G E R BRENNSTOFF?
WUSSTEN SIE, DASS …
der Sillpark ein eigenes Wasserkraftwerk hat, das das Einkaufszentrum mit Strom versorgt?
U M W E LT E N E R G I E
SYSTEME BEGREIFEN
Die H. Stocker GmbH wurde 1994 aus einer Vision gegründet, Kaminsysteme umweltfreundlicher zu machen und neue Technologien in diesem Bereich voranzutreiben. Heute zählt das Unternehmen rund 30 Mitarbeiter und verfügt über ein stetig gewachsenes Portfolio. Im vergangenen Jahr hat die H. Stocker GmbH ihren neuen Standort in Kematen bezogen, dafür dort zwei rund 20 Jahre alte Bestandsgebäude adaptiert und zusätzlich eine neue Halle angebaut, die einen innovativen Heiz-Schauraum beherbergt. Im Schauheizkraftwerk lassen sich Technologien im wahrsten Sinne begreifen und damit besser verstehen lernen. Deshalb wurde auch ein eigener Schulungsbereich integriert, der Kunden, Partnerbetrieben, Auszubildenden und Interessierten die Möglichkeit gibt, die Funktionsweisen verschiedener technischer Anlagen vor Ort kennenzulernen. www.stocker-kaminsysteme.at
Unter Umweltwärme oder Umweltenergie versteht man jene (thermische) Energie, die in der Luft, dem Erdreich oder dem Wasser gespeichert ist. Hauptsächlich stammt diese Energie aus der Sonne, die täglich Unmengen von Energie in Form elektromagnetischer Wellen zur Erde sendet. Sonnenenergie wird zum Beispiel mit Hilfe von Solarzellen in Photovoltaikanlagen in elektrische Energie umgewandelt und damit zum Verbrauch zur Verfügung gestellt. Um die gespeicherte Umweltwärme unmittelbar zum Heizen zu nutzen, sind Luft, Wasser und Böden in der Regel zu kalt. Es braucht also eine technische Lösung, um das Temperaturniveau der Umweltenergiequellen auf Heizwassertemperatur zu bringen. Diese Aufgabe übernehmen Wärmepumpen, die es je nach Bedarf in verschiedenen Ausführungen gibt. Die Elemente Wasser, Sonne, Erde und Luft liefern der Wärmepumpe Energie zum Heizen, aber auch zum Kühlen oder zur Warmwasseraufbereitung. Österreichs größter Hersteller von Heizungswärmepumpen befindet sich dabei in Osttirol. iDM Wärmepumpen liegt im Nationalpark Hohe Tauern und zählt aktuell rund 600 Mitarbeiter. www.idm-energie.at
eco.titel
Auf dem MPREIS-Firmengelände in Völs ging Europas größte SingleStack-Elektrolyseanlage in Betrieb. In der firmeneigenen WasserstoffTankstelle werden noch im ersten Halbjahr 2022 die ersten WasserstoffLKW betankt werden. MPREIS plant seine LKW-Flotte in den nächsten Jahren komplett auf wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen-Fahrzeuge umzurüsten, die CO2-neutral und emissionsfrei ausliefern.
* ILF CONSULTING ENGINEERS
ILF ist ein international tätiges Ingenieurund Beratungsunternehmen, das Kunden bei der Identifizierung, Vorbereitung und Realisierung von technisch anspruchsvollen Energie-, Industrieund Infrastrukturprojekten unterstützt. Ein Geschäftsfeld beschäftigt sich dabei mit dem Themenkomplex „Energie & Klimaschutz“, im Zuge dessen der Wasserstoff und die damit einhergehende Umsetzung von Wasserstofftankstellen eine wesentliche Rolle spielt. Ob der steigenden Anzahl an einschlägigen Projekten sieht ILF vor allem für grünen Wasserstoff hohes Zukunftspotenzial: „Um die Klimaziele des Übereinkommens von Paris 2015 zu erreichen, nämlich die weitere Reduzierung der CO2-Emissionen, ist es notwendig, den Anteil an erneuerbaren Energien im Energiemix zu erhöhen und die fossilen Brennstoffe nach und nach zu ersetzen. Wasserstoff bietet den großen Vorteil, dass er nicht nur als langfristiges Speichermedium für elektrische Energie genutzt werden kann, sondern auch als Energierohstoff für die Industrie oder als Treibstoff für Mobilität.“ ILF deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette im Wasserstoffbereich ab und bietet Lösungen für ein breites Spektrum an Projekten mit Wasserstoffbezug. www.ilf.com
Seit 2016 wird bei MPREIS ein Projekt mit der Zielsetzung der Produktion von grünem Wasserstoff vorangetrieben. Dafür ist mit der MPREIS Sustainable Energy Solutions (SES) eine eigene Division unter der Leitung von Projektentwickler Ewald Perwög entstanden. Seitdem wurde geforscht und entwickelt, um Bewilligungen und Förderungen angesucht, ehe man im März 2020 den Spatenstich zur Errichtung von Europas größter Single-Stack-Elektrolyseanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff in Völs als ersten großen Meilenstein vornehmen konnte. Das Investitionsvolumen der Anlage beträgt 13 Millionen Euro. Finanzielle Unterstützung kommt von der Europäischen Kommission sowie der österreichischen und der Schweizer Bundesregierung. Auch das Land Tirol unterstützt MPREIS im Rahmen der Initiative, Tirol als österreichweites Zentrum für Wasserstofftechnologie zu etablieren. Im Frühjahr 2022 geht die Anlage am MPREIS-Produktionsstandort in Völs in Betrieb. Zentrale Aufgabe von MPREIS SES wird die Energieversorgung des eigenen Fuhrparks sein, der langfristig komplett auf wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen-Fahrzeuge umgerüstet werden soll. Für das Projekt arbeitet MPREIS mit Partner*innen aus der Region zusammen: Strategie und Projektentwicklung erfolgen in Kooperation mit dem Tiroler EU-Projektpartner FEN Systems im Green Energy Center in Innsbruck, für den Stromeinkauf und das Stromnetz wird mit der TIWAG/TINETZ kooperiert. Für die technische Umsetzung wurde das Unternehmen ILF*) aus Rum hinzugezogen, die Elektrolysetechnologie stammt von Sunfire Switzerland. Ein weiterer Meilenstein im Verlauf des Wasserstoffprojektes des Lebensmittelhändlers ist die Bereitstellung umweltfreundlicher Energie für die Öfen der eigenen Bäckerei Therese Mölk. Im Feber wurde dafür im Kesselhaus der Bäckerei in Völs ein Zweistoffbrenner installiert. Dieser kann sowohl mit Wasserstoff als auch mit Erdgas betrieben werden und während des Betriebes zwischen den beiden Energieträgern umschalten. Dadurch wird eine konstante Wärmeversorgung für den Thermalöl-Kreislauf der Bäckerei sichergestellt, der die Backöfen mit Backwärme versorgt. Der Zweistoffbrenner ist eine Innovation und wurde vom deutsch-französischen Unternehmen Fives Pillard eigens für das Projekt „MPREIS Wasserstoff“ entworfen und gebaut. Ziel des Wasserstoffprojekts von MPREIS sind massive Einsparungen von CO2, die damit verbundene Dekarbonisierung des Unternehmens sowie eine nachhaltige Entlastung der Umwelt.
Schon mit dem Projekt „Flasche. Statt. Tonne.“ Hat MPREIS gezeigt, dass Nachhaltigkeit im Unternehmen nicht nur ein Wort, sondern gelebter Unternehmensalltag ist. So hat man bereits im Jahr 2015 damit begonnen, aus Brot vom Vortag Spirituosen zu brennen. Mittlerweile gibt es dafür sogar eine eigene Brennerei.
© MPREIS / PROMEDIA
WA S S E R S T O F F
31
eco.titel
„WIR WERDEN DEN LEBENSSTIL ÄNDERN MÜSSEN“ Agrarsoziologe Markus Schermer befürchtet, dass der Krieg in der Ukraine die Hinwendung zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft gefährdet, warnt vor unseriösen Versprechungen und betont, dass es für die globale Nahrungsmittelsicherheit einen anderen Lebensstil brauchen wird und dass Ernährungssouveränität das Ziel sein muss. INTERVIEW & FOTOS: MARIAN KRÖLL
32
ECO.NOVA: Wie wird sich der Krieg in der Ukraine auf die Idee einer nachhaltigeren Landwirtschaft auswirken? MARKUS SCHERMER: Russland und die Ukraine sind zweifellos wichtige Produzenten. Ich sehe aber die Gefahr, dass die Situation von der Agrarlobby benutzt wird, um die Nachhaltigkeit und den Green Deal in Europa in Frage zu stellen und die intensive Landwirtschaft als alternativlos darzustellen.
Kann nachhaltige Landwirtschaft im Sinne von Bio die Welt ernähren? Das ist eine zwiespältige Frage, insofern nicht genau abschätzbar ist, wie sich die Weltbevölkerung längerfristig entwickelt. Da kommt häufig die Ansage, dass es sich mit Bio nicht spielen werde, Milliarden von Menschen zu ernähren. Das hängt aber auch sehr stark von unseren Konsumgewohnheiten ab. Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, geht davon aus, dass global bis 2050 70 Prozent mehr Lebensmittel als heute benötigt werden. Die Bevölkerung wird aber nicht um 70 Prozent wachsen. Wie kommt man also auf diese Zahlen? Das hängt damit zusammen, dass sich die Konsumgewohnheiten einander annähern, sprich die Menschen in Indien und China westliche Konsummuster übernehmen. Würde die Weltbevölkerung weniger Fleisch essen, sähe die Situation völlig anders aus. Man könnte nun steuernd eingreifen und auch beim Konsum etwas verändern, nicht nur in der Produktion. Oder alles läuft weiter wie bisher und die Landwirtschaft muss noch effizienter werden. Effizienz versus
„Bei lebensnotwendigen Gütern kann sich der Staat nicht heraushalten.“ MARKUS SCHERMER
Suffizienz sind die zwei Strategien, die in jeder Nachhaltigkeitsdiskussion üblicherweise gegeneinander ausgespielt werden.
Sind das zwei unversöhnliche Gegensätze? Ich glaube, es braucht beides. Es wird aber politisch suggeriert, dass niemand seine Lebensgewohnheiten ändern müsse und wir trotzdem nachhaltig leben könnten. Wir wissen aber, dass ein solches Versprechen unseriös und Unsinn ist. Wir werden sicher den Lebensstil ändern müssen, weil es nicht reichen wird, nur die Effizienz zu erhöhen. Muss eine Lebensstiländerung immer mit Verzicht verbunden sein? Nein. Essen wir in Österreich wieder so viel Fleisch, wie durchschnittlich in den 1950er-Jahren gegessen wurde, ist das wahrscheinlich sogar gesünder. Es gibt positive Effekte, die damit verbunden sind.
Warum wird es als zivilisatorischer Fortschritt begriffen, massenhaft „billiges“ Industriefleisch zu essen? Das ist ein Relikt aus der Moderne. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Hunger, mit dem Wirtschafts-
aufschwung konnte man es sich leisten, viel Fleisch zu essen. Das galt als gut und richtig. Dass Lebensmittel billig sein mussten, hatte auch einen sozialpolitischen Hintergrund. Man hat damals Sozialpolitik auf dem Rücken der Landwirtschaft gemacht. Diese hat in der Nachkriegszeit einen hohen Faktorbeitrag zum Wirtschaftswachstum geleistet und massiv Arbeitskräfte für die Industrie freigesetzt, die dringend benötigt wurden. Das hatte einen Effizienzschub zufolge, es konnten durch Mechanisierung und Chemieeinsatz die Lebensmittel billig produziert werden. Das hatte aber auch Qualitätsverluste mit sich gebracht.
Wie ist es heute um die Kostenwahrheit in der Landwirtschaft bestellt? Preist man sämtliche Externalitäten ein, würde die Rechnung völlig anders aussehen. Der Transport ist zu billig, deshalb kann man Lebensmittel weltweit herumschicken. In weiten Teilen der Welt werden Arbeitskräfte und Natur ausgebeutet, Biodiversität geht verloren. Würde man das einpreisen, hätten wir ein ganz anderes System.
Ist eine Trendwende in Sicht, vor allem in Hinblick auf die zukünftige CO2-Bepreisung? Ja, aber ich weiß nicht, ob der Preis hoch genug ist. Es geht vieles in die richtige Richtung, aber wahrscheinlich nicht schnell genug. Green Deal & Co. sind nicht blöd. Andererseits wird man Konzepte der Regionalisierung und Ernährungssouveränität – das ist mehr als Autarkie – forcieren müssen.
33
eco.titel
„Es geht gerade in Tirol auch darum, dass wir unsere Umwelt über die Nahrungsmittelproduktion gestalten und unsere Landschaft über eine Produktionsfunktion erhalten und nicht nur als Disneyland.“ MARKUS SCHERMER
Was ist der Unterschied? Ernährungsautarkie heißt, genug Nahrungsmittel für die Bevölkerung zu haben. Ernährungssouveränität bedeutet, dass die Menschen demokratisch mitbestimmen können, wie die Ernährung organisiert wird. Da ist ein politischer Aspekt dabei. Da werden auch Dinge wie die Kreislaufwirtschaft eine Rolle spielen.
34
Braucht es dafür eine andere Art Konsument? Ja, aber man hat immer nur zum Teil mündige Menschen, die sich engagieren. Ob das nun bei der Klimapolitik oder bei der Ernährung ist. Viel mehr als ein Drittel lässt sich nicht zum Mittun bewegen.
Das ist aber in einem demokratischen System, das von Mehrheiten abhängig ist, reichlich wenig. Man darf nicht darauf warten, bis alle Menschen bewusst einen nachhaltigen Lebensstil pflegen. Es müssen die Strukturen dahingehend so geändert werden, dass ein solcher Lebensstil attraktiv wird.
Wie könnte eine nachhaltige Landwirtschaft bei uns aussehen, wie weit weicht der Status quo vom Idealzustand ab? Das Idealbild einer nachhaltigen Ernährung würde ich so sehen, dass geschaut wird, dass die Grundnahrungsmittel möglichst im eigenen Land bedeckt werden können, und zwar so, dass unser Konsum- und Ernährungsverhalten sich innerhalb der ökologischen Grenzen abspielt. Nachhaltigkeit würde ich als Schalenmodell begreifen, ähnlich einer Zwiebel. Die innerste Schale ist die Wirtschaft, die nächste die Gesellschaft und die äußerste die Umwelt. Die Wirtschaft darf nicht über die Grenzen der Gesellschaft gehen und die Gesellschaft nicht über jene der Umwelt. Auf die Ernährung umgelegt heißt das, dass die Wirtschaft das produziert, was die Gesellschaft braucht, und wir nichts konsumieren, was die Umwelt nicht dauerhaft verträgt. Man kann durchaus manchmal ein Produkt aus Übersee genießen, alltäglich sollte das
aber nicht sein. Bei Spargel aus Peru im März in unseren Supermärkten zieht’s mir die Ganslhaut auf.
In Europa werden massive Nahrungsmittelüberschüsse erzielt, von denen niemand etwas hat. Heißt das, dass es vernünftiger wäre, punktuell weniger zu produzieren? Wir haben ein riesiges Verteilungsproblem, weil es ungefähr so viele überernährte Menschen gibt wie unterernährte. Das ließe sich lösen, wenn man sich bei Grundnahrungsmitteln nicht auf globale Austauschbeziehungen fokussieren würde. Warum sollten wir 160 Prozent der Milch produzieren, die in Österreich nachgefragt wird? Um sie nach China und Vietnam zu exportieren? Nichts gegen Ökonomen wie Ricardo und Smith, aber die Austauschbeziehungen dürfen sich nicht auf die Ernährungsgrundlagen beziehen. Wir sehen derzeit und haben in der Pandemie gesehen, dass das sicherheits- und versorgungspolitisch nicht besonders klug ist. Die Preisbildung für global gehandelte Produkte findet auch auf den globalen Märkten statt. Bei der Milch werden circa zehn Prozent transnational gehandelt, die dann aber auf der Börse den Weltmarktpreis bestimmen und sich auch auf unsere Preise auswirken. Oder nehmen wir den Weizen: Der an der Börse gehandelte Weizen existiert nur zu einem kleinen Teil auch tatsächlich. Die Menge wird über Termingeschäfte und Preisspekulationen über das Reale hinaus gewaltig aufgeblasen. Die Börsen, die an sich dazu da wären, die Preise zu stabilisieren, schlagen in eine völlig andere Richtung aus. Das sorgt dafür, dass es dort, wo die Grundnahrungsmittelpreise einen großen Teil des Einkommens ausmachen, zu politischer Instabilität kommt. Der arabische Frühling war eine Ernährungskrise. Was passiert wohl, wenn sich Brotkulturen wie etwa Ägypten das dafür notwendige Getreide nicht mehr leisten können?
Es ist derart viel Geld im System, dass sich Investoren in die Spekulation mit Nahrungsmitteln begeben. Halten Sie es deshalb für legitim oder sogar geboten, wenn sich die Staaten in die Preisbildung einmischen? Bei basalen, lebensnotwendigen Gütern kann sich der Staat nicht heraushalten. Die neoliberale Ansage, dass der Staat ein schlechter Wirtschafter sei, mag für Luxusgüter Anwendung finden, aber nicht für grundlegende Güter. Da muss der Staat lenkend eingreifen, auch was die Produktion betrifft. Noch einmal zur Milch: Wir können diesen Milchüberschuss nicht aus eigenen Ressourcen erzielen, sondern müssen sehr viel Futtermittel importieren. Wir verschwenden zudem riesige genetische Ressourcen, weil die Kühe immer weniger Laktationsperioden haben.
Wann ist dieses System derart entgleist? Global gesehen brachte die Grüne Revolution – bei uns in den 1960er-Jahren – sehr große Produktivitätssteigerungen, auch angetrieben durch Hybridzüchtungen und später Gentechnologie. Das hatte viele positive Effekte, hat aber auch große ökologische Schäden verursacht, die vor allem in den 1970er-Jahren sichtbar geworden sind. Man hat damals beispielsweise in der Muttermilch das Insektizid DDT nachgewiesen. In den 1980er-Jahren mussten die holländischen Schweinemastbetriebe mit Güllebuchführung beginnen. Und sobald der Mist zum Abfallprodukt wird und nicht mehr ein wertvoller Dünger ist, dann ist etwas gekippt. Oder wenn es den Boden nur noch dazu braucht, dass sich dort die Wurzeln halten können, aber alles andere von außen zugeführt wird, wie das etwa in den Glashauskulturen ist. Ich halte es nicht für erstrebenswert, Nahrungsmittel nur noch in solchen Systemen zu produzieren. Das ist nicht natürlich. Es geht gerade in Tirol auch darum, dass wir unsere Umwelt über die Nahrungsmittelproduktion gestalten und unsere Landschaft über eine Produktionsfunktion erhalten und nicht nur als Disneyland.
eco.titel
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst.“ M A H AT M A G A NDHI
© AMTIROL/THOMAS STEINLECHNER
AUS TIROL FÜR TIROL
Gütesiegel gibt es mittlerweile viele. Eines auf das man sich wirklich verlassen kann, ist „Qualität Tirol“. Das steht für Produkte, die in Tirol gewachsen und veredelt sind, und damit für das Herkunftsland Tirol und dessen qualitativ hochwertige Produkte. Deren Mehrwert liegt in der regionalen und kleinbäuerlichen Erzeugung, erkennbar sind sie an ihrem markanten Ranzen auf der Verpackung. So viel Wunderbares machen sich auch die Gastronomiebetriebe des Landes zunutze, die in Tirol richtig aus dem Vollen schöpfen können. Um jene Gastronomen und Hoteliers hervorzuheben, die vermehrt auf heimische Lebensmittel setzen, hat die Agrarmarketing Tirol vor über zehn Jahren die Initiative „Bewusst Tirol“ ins Leben gerufen, die schon im Namen trägt, worum es dabei geht: Das Land bewusst zu erleben und seine Vielfalt bewusst zu machen. Eine Liste der Betriebe gibt’s nebst vielen weiteren Infos unter qualität.tirol.
36 GANZHEITSKULINARIK
MOR- GÄÄÄHN
Nichts geht über einen gesunden Start in den Tag. biologon aus Hochfilzen geht mit seinen Müslis & Co. dabei einen ganz besonders nachhaltigen Weg. Die Kernkompetenz des Tiroler Familienbetriebs liegt auf schonend von Hand zusammengestellten Müslimischungen und traditionell im Stikkenofen gebackenen Crunchys. Hergestellt werden die Produkte in aufwendiger Manufakturarbeit aus Biolebensmitteln höchster Qualität, die im Einklang mit der Natur produziert werden. Dazu gibt’s Granola, Porridge, Cerealien, Nüsse und Trockenfrüchte/-beeren. Bestellbar unter www.biolifestyle.at, einen Offline-Store finden Sie direkt in Hochfilzen, wo es noch allerhand mehr rund ums Frühstücken gibt.
In Tirol gibt es eine Vielzahl kleinstrukturierter Landwirte, doch sie alle tun sich immer schwerer im Kampf gegen Billigprodukte. Die Folge: Immer mehr Metzgereien (aber auch Bäckereien oder Konditoreien) verschwinden aus den Ortsbildern, was zur Folge hat, dass auch die Landwirte immer weniger Abnehmer für ihre Produkte finden. Nicht jeder hat die Option oder Zeit, direkt zu den landwirtschaftlichen Betrieben vor Ort zu fahren, deshalb hat die Rinderzucht Tirol mit ehrlich.tirol eine unkomplizierte Möglichkeit geschaffen, die heimischen Landwirte direkt mit den Konsumenten zu vernetzen. Diese produzieren hochwertiges Rind-, Kalbund Lammfleisch, das unter shop.ehrlich.tirol bestellt werden kann. Nebst Braten, Gulasch, Schnitzel & Co. gibt es Mischpakete zwischen fünf und zehn Kilo, die auch Stücke abseits der Edelteile enthalten und somit dem gesamten Tier Respekt zollen. Wann auch immer das Fleisch geliefert wird, ist es nie älter als ein paar Stunden. Denn die Tiere werden erst dann geschlachtet, sobald ausreichend Bestellungen eingegangen sind, also auch wirklich das ganze Tier Verwendung findet. www.ehrlich.tirol
STANDORTAGENTUR TIROL
HOHES POTENTIAL FÜR COWORKATION IM ALPENRAUM
L
aut der Studie können sich 60 Prozent der befragten Arbeitnehmer:innen vorstellen, eine Coworkation zu machen. Die Hauptmotive der Berufstätigen dafür sind in erster Linie Austausch und Inspiration, sowie das Ausbrechen aus dem Alltag und eine Steigerung der Motivation.
© TIROL WERBUNG/JENS SCHWARZ
Coworkation – die Kombination aus Gemeinschaft (Community), Arbeit (Working) und Urlaub (Vacation) – ist ein zukunftsfähiges New-Work-Konzept für den Alpenraum. Dies geht aus der ersten alpenweiten Studie zum Potenzial für Coworkation hervor.
VORAUSSETZUNGEN FÜR COWORKATION
Die bisherigen Erfahrungen der Befragten mit der Kombination aus Urlaub und gemeinsamem Arbeiten sind überwiegend positiv. Voraussetzung für das Angebot von Coworkation sind aus Unternehmensperspektive eine funktionierende technische Infrastruktur vor Ort sowie die arbeitsrechtliche Absicherung und die klare Absprache zwischen Arbeitgeber:innen und Mitarbeitenden. Einer Verbindung von klassischen Geschäftsreisen und MICE-Angeboten mit einer Coworkation stehen die Unternehmen und Arbeitnehmer:innen grundsätzlich offen gegenüber, rund 80 Prozent können sich die Verknüpfung vorstellen. Um weitere Potentiale zu aktivieren, bedarf es noch mehr Aufklärungsarbeit – besonders hinsichtlich der (arbeits-)rechtlichen Absicherung von Coworkations.
NACHHALTIGE ENTWICKLUNG FÜR LÄNDLICHE REGIONEN
Coworkation bietet neben Abwechslung im Arbeitsalltag und der Integration von New Work hohes Potential für den Alpenraum. Vor allem Gebiete mit der Möglichkeit, Zeit in der Natur zu verbringen, sind sehr gefragt. 90 Prozent der Arbeitnehmer:innen und 86 Prozent der Unternehmen würden den Alpenraum als Zieldestination für Coworkation auswählen. So können leerstehende Gebäude, insbesondere in ländlichen
37
Regionen, effizient genutzt werden und Tourismusbetriebe ihre Räumlichkeiten auch in der Nebensaison anbieten. Der Verein CoworkationALPS dient dabei als Plattform zur Vernetzung von Anbietern, Unternehmen und Arbeitnehmer:innen. „Wir wollen als Verein vermitteln, wie Coworkation in der Arbeitswelt und im Tourismus erfolgreich umgesetzt werden kann und zeigen, dass es auch eine mögliche Lösung zur Leerstandsthematik in den Gemeinden bietet“, sagt Veronika Engel, Vorsitzende von CoworkationALPS. „Tourismusanbieter rivalisieren um ein begrenztes Zeitbudget pro Jahr. Coworkation hingegen ist ganzjährig möglich. Coworkationists spüren eine stärkere Verortung. Es geht ihnen mehr um Gemeinschaft, also weg vom schnellen Konsum von Freizeiträumen hin zu integrativeren Formen temporären Zusammenlebens“, ergänzt Georg Gasteiger, Inhaber des
Mesnerhof-C in Steinberg in Tirol und Mitglied von CoworkationALPS. PR
CoworkationALPS
Die Standortagentur Tirol ist Teil des Vereins CoworkationALPS, der Ansprechpartner, Experte, Kommunikationsplattform, Berater und Vermittler zum Thema Coworkation ist. Das Interreg-Projekt „CoworkationALPS“ ist mit Fördermitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Projektgebiet Österreich-Bayern kofinanziert und hat das Ziel, Entwicklungspotenziale durch neue Formen der Arbeit in ländlichen Regionen voranzutreiben.
eco.titel
38
„AM NACHHALTIGSTEN IST DAS, WAS AM LÄNGSTEN GENUTZT WIRD“ Wir haben mit dem Tiroler Bauinnungsmeister Anton Rieder die Nachhaltigkeitsdimension der heimischen Bauwirtschaft vermessen, über Produktivitätsprobleme geredet, Gebäude als Energieproduzenten und eine Abkehr von der vom absoluten Sicherheitsdenken bestimmten Ressourcenverschwendung. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL
eco.titel
ECO.NOVA: Derzeit findet in der Bauwirtschaft eine
Preisrallye statt, die eng mit stark ansteigenden Rohstoffpreisen und Energiekosten verknüpft ist. Wie lange kann das noch so weitergehen? ANTON RIEDER: Momentan sieht es nicht so aus, als ob sich die Situation bald verbessern würde. Erst unlängst hat sich ein Kollege aus der Bauwirtschaft darüber beklagt, dass es ihm momentan nicht gut geht, weil weitere Preiserhöhungen kommen werden und er Fixpreise veranschlagt hat. Alle haben viel Arbeit und dennoch sind wir in Sorge, ob wir das am Ende ergebnismäßig auf den Boden bringen. Die Beschaffung macht uns derzeit große Schwierigkeiten; sei es bei den Rohstoffen, bei den Subunternehmen und auch – wenn man das so nennen möchte – beim Personal. Aus der Außensicht möchte man annehmen, dass in der Bauwirtschaft alles ganz gut läuft und damit auch genug Gewinn liegen bleibt. Das ist leider nicht immer der Fall. Erwarten Sie durch galoppierende Kosten, die sich ab einem gewissen Zeitpunkt wohl nicht mehr auf den Endverbraucher überwälzen lassen, einen Dämpfer für die Baukonjunktur? Wir bauen grundsätzlich keine Commodities und keine Verbrauchsgüter, sondern Infrastruktur oder Gebäude. Wenn diese gebraucht werden, wird man dafür zahlen müssen, was sie kosten. Wir erzeugen Güter, die menschliche Grundbedürfnisse decken. Zu einer Dämpfung der Konjunktur kann es dennoch kommen.
Aktuell wird viel über das Thema Nachhaltigkeit gesprochen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft. Bekanntermaßen herrscht mittlerweile sogar eine weltweite Sandknappheit, die der globalen Bauwirtschaft zu schaffen macht. Wie nachhaltig ist die Bauwirtschaft in Tirol heute aufgestellt? Beginnen wir bei den Dingen, wo die Bau- und Immobilienbranche weitergekommen und besser sind als viele andere Branchen. Bei der Energieeffizienz der Gebäude ist in den vergangenen Jahren sehr viel passiert, zugegebenermaßen auch durch engagierte gesetzliche Regelungen wie die Einführung des Energieausweises. Man konnte den Energiebedarf von Gebäuden durch Maßnahmen wie bessere Dämmung, Lüftungen, kompaktere Bauweise und bessere Fenster auf ein Zehntel dessen reduzieren, was noch vor 30, 40 Jahren Standard war. Beim Gebäudestandard sind wir im Neubau mittlerweile schon relativ an der oberen Kante des wirtschaftlich vernünftig Machbaren angelangt. Man muss mittlerweile zumindest im Niedrigstenergiestandard bauen. Das ist jedenfalls eine positive Entwicklung. Die Materialien sind besser und damit die Energieverbräuche niedriger geworden. Wird mittlerweile mit Blick auf das Ende des Lebenszyklus eines Gebäudes auch schon recyclinggerecht gebaut? Das ist eine zweitrangige Überlegung. Wichtiger war es, die Gebäude auf einen guten energetischen Standard
I M M O T I O N E N proudly presented by
Who else?
47°2‘48.397“N / 10°37‘29.903“E – Appartement-Haus in idyllischer Lage, SERFAUS, Grundstücksfläche ca. 953 m², Wohnnutzfläche ca. 600 m², großes Appartement zur Eigennutzung, Rest: touristische Vermietung, Keller / Garage / AAP / Balkon / Garten / Terrasse, HWB 136 kWh/m2a, KP 1.695.000 Euro
39
2 Villen in INNSBRUCK-ARZL, Cabane Bambou, Nutzfläche ca. 130 m² / 135 m², Keller / EG / OG / DG, Garten ca. 161,97 m² / 242,21 m², 2 Carports, HWB 43,57 kWh/m2a, KP 1.137.000 Euro / 1.228.000 Euro
47°15‘40.424“N / 11°22‘36.743“E – schöne 4-Zimmer-Wohnung Familientraum, Wohnnutzfläche ca. 116 m², 4 Zimmer, Baujahr 1962, Keller / Balkon, HWB 61,65 kWh/m2a, KP 730.000 Euro
IMMOBILIENMANAGEMENT JENEWEIN GmbH Eduard-Bodem-Gasse 8, 6020 Innsbruck Tel.: 0512-26 82 82 E-Mail: office@immobilien-jenewein.at www.immobilien-jenewein.at
eco.titel
zu bringen. Darüber, wie man das tut und ob das auch nachhaltig ist, hat man sich weniger Gedanken gemacht. Ich würde aber nicht alles verteufeln, weil ich an die technologische Entwicklung glaube. Nehmen wir das Thema Wärmedämmverbundsysteme, zum Beispiel das berühmte Styropor mit dem Putz drauf. Schon als man begonnen hat, damit zu dämmen, wurden wir gewarnt, dass dieses System erstens nur 20 Jahre halten würde und zweitens Sondermüll sei. Heute wissen wir aus Erfahrung, dass es mindestens doppelt so lange hält und dass das Ganze sogar in einem Upcycling-Verfahren wiederverwendet werden kann. In Holland gibt es dafür die erste industrielle Anlage, in Österreich soll eine gebaut werden. Wir testen außerdem gerade eine kleberlose Wärmedämmverbundfassade. Es mag sein, dass manches, was früher gemacht wurde, nicht optimal ist, aber dafür hat es auch weniger gekostet. Man muss Kompromisse machen und kann nicht immer warten, bis alles optimal gelöst ist.
40
Was darf die Bauwirtschaft in der Nachhaltigkeitsfrage sonst noch für sich verbuchen? Wir beginnen zunehmend, Gebäude als Energieproduzenten und -speicher zu verwenden – in der Vergangenheit vor allem durch Bauteilaktivierung, zukünftig auch ergänzt durch Batteriesysteme. Energie kann am Gebäude mit Photovoltaik und Solarthermie erzeugt werden. Da könnte man sicher noch wesentlich mehr tun. Da sehe ich aber auch den Staat bzw. die Länder in der Pflicht. In der steirischen Bauordnung hat man festgelegt, dass jeder Neubau mit PV-Anlage ausgerüstet werden muss. Der Landesenergieversorger verfügt aber nicht über die notwendige Netzkapazität zur Einspeisung. Wenn also alle eine PV-Anlage bauen, ist das Netz überlastet. Es gibt jedenfalls im Energiebereich große Möglichkeiten, die man unbestritten stärker nutzen sollte. Ich sehe die Bauwirtschaft aber in dieser Hinsicht als Problemlöser und nicht -verursacher. Ein anderer Aspekt ist, dass der Pro-Kopf-Flächenverbrauch heutzutage doppelt so groß ist wie vor 40 Jahren. Das ist vor allem dem Komfort geschuldet und das müssen wir so zur Kenntnis nehmen. In welchen Bereichen sehen Sie noch Handlungsbedarf? Im Ressourcenverbrauch und der Wiederverwertung von Ressourcen. Da gibt es aber einen wichtigen Grundsatz, den man nicht vergessen darf: Am nachhaltigsten ist das, was am längsten genutzt werden kann.
„Aus der Außensicht möchte man annehmen, dass in der Bauwirtschaft alles ganz gut läuft und damit auch genug Gewinn liegen bleibt. Das ist leider nicht immer der Fall.“ ANTON RIEDER
Wenn ein Gebäude auf einen sehr langen Nutzungszeitraum gerechnet werden kann, ist es nicht ganz so dramatisch, wenn es in der Herstellungsphase einen gewissen CO2-Ausstoß verursacht hat. Die Bestandsdauer ist ein ganz wesentlicher Aspekt. Aber wer kann heute schon garantieren, dass das, was man heute einbaut, in 30, 50, 80 Jahren auch noch funktionieren wird? Lebenszykluskostenrechnungen sind deshalb schwierig, weil man Zeiträume anlegt, die man seriöserweise nicht einschätzen kann. Alle Erfahrungswerte stammen aus der Rückbetrachtung und man weiß nicht zuverlässig, ob die auch für die Vorwärtsbetrachtung stimmen. Ein weiterer wichtiger Aspekt neben dem Ressourcenverbrauch ist die Umnutzbarkeit von Gebäuden. Ist es so gebaut, dass aus einer Wohnung ein Büro werden kann oder umgekehrt? Diese Aspekte müssten eigentlich eine weit größere Rolle spielen, nicht nur der CO2-Verbrauch des Baustoffs. Sie plädieren also für eine ganzheitlichere Betrachtung, die nicht den Treibhausgasausstoß ins Kalkül zieht? Absolut. Wobei eine gesamthafte Betrachtung nicht bedeutet, dass wir plötzlich wieder Festungswände bauen, die Jahrhunderte überdauern können. Es kann auch in die entgegengesetzte Richtung gehen, dass man Gebäude möglichst einfach und mit geringem Ressourcenbedarf errichtet, die man vielleicht schon in 20 Jahren neu macht. Die vielen Fachmarkt- und Ein-
eco.titel
kaufszentren waren rein raumordnerisch sicher ein Fehler, sind aber so gebaut, dass sie ohnehin nicht viel länger als 20 Jahre halten. Man bekommt so gesehen die Chance, dort irgendwann das zu bauen, was man sich heute vorstellt.
Wie kann die Bauwirtschaft bei den Baustoffen und der Bauweise effizienter werden? Die höchste Effizienz haben wiederum Ressourcen, die erst gar nicht benötigt werden. Wir müssen uns wieder stärker mit Naturwissenschaft befassen, das haben wir in der Bauwirtschaft kollektiv verlernt. Als ich vor dreißig Jahren in die Branche eingestiegen bin, haben wir pro Kubikmeter Beton halb so viel an Bewehrung eingesetzt wie heute. Die damals gebauten Gebäude stehen alle noch und sind denselben Lasten ausgesetzt wie die Gebäude, die wir heutzutage bauen.
„Ich hege die Hoffnung, dass uns eine Ressourcenknappheit wieder auf den Boden der Vernunft und Wissenschaft zurückbringt und uns zwingt, uns auf das Notwendige zu beschränken.“ ANTON RIEDER
Wie konnte es dazu kommen, dass heute so verschwenderisch mit den Ressourcen umgegangen wird? Das hat unterschiedliche Gründe, einer davon ist der industrielle Lobbyismus. Die Stahlindustrie reklamiert mehr Bewehrung hinein und auch die Betonindustrie will höherwertige Betone einbauen, die stärker bewehrt werden müssen. Lobbyismus spielt also eine große Rolle. Der zweite wesentliche Faktor ist die Angst. Wir sind eine Angstgesellschaft ohne Eigenverantwor-
tung. Das spiegelt sich auch in den technischen Normen wider. In Normengremien sitzen vor allem die Angsthasen, die, obwohl es exakte Berechnungen gibt, einen beträchtlichen Sicherheitsfaktor anlegen, der gewissermaßen „ausgedealt“ und permanent erhöht wird. Heute haben wir wesentlich bessere Berechnungsmethoden und deutlich bessere Baustoffe. Und dennoch wird der Sicherheitsfaktor immer weiter erhöht. Das ist Irrsinn!
Wie lässt sich dieser Irrsinn, auch mit Blick auf mehr Nachhaltigkeit, beheben? Aus meiner Sicht durch eine vernünftige Mischung aus Naturwissenschaft, Pragmatismus und Erfahrung. Unser Streben nach absoluter Sicherheit verbraucht extrem viel Ressourcen. Wir können von unseren Vorgängergenerationen etwas lernen,
41
SONNENSCHUTZ bei Dolenz Gollner! Ihr Partner für Sonnenschutzlösungen in Tirol Ihr Wohnzimmer des Sommers
Das aufrollbare Sonnensegel
Alles für den Außenbereich
Große Auswahl an Gartenmöbel
Alles für die Innengestaltung
Innsbruck, Grabenweg 12 (hinter Media Markt) Tel 0512/2402, www.dolenzgollner-wagner.at
eco.titel
kann. Es gibt Ideen, um mit modernen Methoden und der Rückbesinnung auf alte dorthin zu kommen, wo wir – ausgelöst durch Materialknappheit – schon einmal waren. Man müsste dazu wieder einen Ideenwettbewerb zulassen. Die derzeitigen starren Vergaberichtlinien sind eigentlich innovationsfeindlich. Das hat man zu wenig bedacht. Wir müssen wieder mehr zulassen. Sie haben gesagt, die effizienteste Ressource sei die, die nicht gebraucht wird. Wie müssen die Ressourcen beschaffen sein, die man braucht? Diese Ressourcen müssen möglichst klimaneutral erstellt werden und zu einem späteren Zeitpunkt möglichst gut in einem Kreislaufsystem wiederverwendet werden können.
Recycelter Beton wird derzeit meist nur als Schüttung verwendet. Genau, derzeit macht man meistens Downcycling. Das ist sicher nicht optimal, aber immerhin besser als Abfall. Und auch da gibt es ein regulatorisches Hemmnis, weil der Gesetzgeber als Schüttung teils Naturbaustoffe vorschreibt, aus Angst davor, dass ein Recyclingbaustoff das Grundwasser verunreinigen könnte. Besser ist es, Beton wieder als Beton zu verwenden. Dafür gibt es verschiedene Methoden. Die Baustoffindustrie ist extrem gefordert, etwas zu tun. Ich bin aber optimistisch, dass es auch dafür bald eine gute Lösung geben wird. Bis jetzt war es sicher günstiger, mit neuen Rohstoffen zu arbeiten als sich mit Recyclingbaustoffen zu befassen. Baustoffrecycling macht ökonomisch jedenfalls dort Sinn, wo Großverbraucher sind, also in urbanen Ballungsräumen. Dogmatik und Zwang halte ich da nicht für angebracht.
42
weil denen diese Ressourcen nicht im heutigen Ausmaß zur Verfügung standen. Und sie werden uns auch in Zukunft nicht mehr so zur Verfügung stehen. Die Regularien spielen dabei eine Schlüsselrolle, aber es traut sich niemand mehr irgendetwas. Ich hege die Hoffnung, dass uns eine Ressourcenknappheit wieder auf den Boden der Vernunft und Wissenschaft zurückbringt und uns zwingt, uns auf das Notwendige zu beschränken.
Es zeichnet sich bei unverdrossen wachsender Weltbevölkerung eine globale Roh- und in der Folge Baustoffknappheit ab. Muss die Prämisse für die Zukunft „Build for more with less“ lauten? Ja. Entscheidend ist es, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Es gibt bereits einige tolle Ansätze dazu. An der ETH Zürich werden Deckensysteme anhand der Stützlinientheorie entwickelt, die sich durch einen wesentlich geringeren Betonverbrauch auszeichnen. Ein Vorarlberger Kollege will Betonhohlkörper drucken, die er in die Decke einlegen
Österreich hat einen verhältnismäßig hohen Flächenverbrauch, der wohl gebremst werden muss. Sehen Sie in der Sanierung des Baubestands großes Potenzial für die Zukunft? Ich sage bewusst Jein. Das hängt sehr von der Lage ab. Sanierung macht nur dort Sinn, wo ein sanierungswürdiges Objekt besteht. Es muss im Einzelfall entschieden werden, ob eine Sanierung oder ein Rückbau mit Neuerrichtung der bessere Weg ist. Es gibt bei uns nicht so viel gute Bausubstanz, wo eine Sanierung wirklich lohnt. Oft haben wir sehr kleine Häuser auf großen Grundstücken, da ist eine Verdichtung meist sinnvoller. Man kann also nicht pauschal sagen, dass das Sanieren die Zukunft ist.
„Es mag sein, dass manches, was früher gemacht wurde, nicht optimal ist, aber dafür hat es auch weniger gekostet. Man muss Kompromisse machen und kann nicht immer warten, bis alles optimal gelöst ist.“ ANTON RIEDER
Außerweg 61b T +43/(0)5273/64 34 info@schafferer.at
Foto: Adolf Bereuter/Schafferer Holzbau GmbH, Architekt: Torsten Herrmann
ALL-IN-ONE Foto: Schafferer Holzbau GmbH
Foto: Schafferer Holzbau GmbH
Wir bieten die Komplettlösung: Alles aus einer Hand – durch unser All-in-One-Paket erfüllen wir Ihren Wohntraum – stressfrei und zum Fixpreis. Durch unsere jahrelange Erfahrung als Komplettanbieter verwirklichen wir Ihr Bauvorhaben in kürzester Zeit und zum Fixpreis. Ob ein SCHAFFERERnatürlichMassivHolzHaus, Gewerbebauten oder Wohnbauprojekte. In jedem Fall bieten wir Ihnen ein umfassendes Service und eine professionelle Beratung durch unser engagiertes „All-in-One“-Team. Unser seit 1958 als Familienbetrieb geführtes Traditionsunternehmen mit hunderten realisierten Projekten bietet Ihnen Sicherheit und Gewährleistung für Ihr persönliches Bauprojekt. Vereinbaren Sie gleich Ihren Beratungstermin und erleben Sie die Zukunft des Bauens hautnah in unserem SCHAFFERERnatürlichMassivHolzHaus-Musterhaus im Musterhauspark Innsbruck (Ausfahrt DEZ)!
Foto: eli, zweiraum.eu/Schafferer Holzbau GmbH
Terminvereinbarung: info@schafferer.at / 05273-6434-260 Öffnungszeiten: Mo-Fr: 10.00 - 17.00 Uhr (Terminvereinbarung erbeten) Samstag: nach Terminvereinbarung Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Foto: eli, zweiraum.eu/Schafferer Holzbau GmbH
www.schafferer.at
SCHAFFERERnatürlichMassivHolzHaus
A-6145 Navis
eco.wirtschaft
44
GRÜNE LINIE ALS ROTER FADEN Die letzten beiden Jahre haben der Outdoormarke Kohla zum großen Aufschwung verholfen. Der Grundstein dafür wurde indes schon früher gelegt. TEXT: MARINA BERNARDI
eco.wirtschaft
Im Bereich Tourenskifelle ist Kohla mit 200.000 produzierten Paaren pro Jahr Weltmarktführer. In technologischer Hinsicht war man das erste Tiroler Unternehmen, das einen ISPO-Award bekam.
„Nachhaltigkeit wird bei uns ehrlich und authentisch gelebt. Wir wissen von jedem einzelnen Bestandteil unserer Produkte, woher es kommt.“ THOMAS SPAN
eplant war dieses rasante Wachstum nicht, sagt Thomas Span, der Kohla gemeinsam mit Alexandra Span in der zweiten Generation führt: „Natürlich haben wir eine Strategie, wo wir mit unserem Unternehmen hinwollen. Der Erfolg der letzten Jahre hat uns dann aber doch überrascht. Wir wissen, dass wir ein sehr gutes Produkt haben und Mitarbeiter, die in allen Bereichen höchst professionell arbeiten. Die letzten beiden Jahre waren die Initialzündung, die es gebraucht hat, um endgültig am Markt zu landen.“ Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr, sondern ist das Ergebnis harter Arbeit.
Kohla wurde 1932 von Max Kohla in Innsbruck gegründet. Schon damals konzentrierte man sich auf Bergsportartikel made in Tirol. Nach dem Konkurs der Max Kohla KG im Jahr 1999 wurden die Markenrechte sowie der Standort in der Rossaugasse von den Gebrüdern Span aus dem Stubaital übernommen. Die Firma Ibex wurde gegründet und das Produktportfolio verkleinert. Auch einige ehemalige Kohla-Mitarbeiter wurden reaktiviert. Durch ein umfassendes Produktmanagement und eine internationale Ausrichtung mit lokaler Wertschöpfung sowie den massiven Ausbau der Vertriebsstrukturen ist die Marke Kohla mittlerweile zum Weltmarktführer im Bereich Steigfelle geworden. Im Jahr 2021 hat Kohla 220.000 Felle produziert. Die ersten Teleskopstöcke aus Aluminium und Rucksäcke aus Nylonstoffen wurden weltweit als Revolution angesehen und bescherten der Marke zahlreiche (Innovations-)Preise. Weltweit führende Ski- und Snowboardfirmen vertrauen nunmehr seit Jahren auf Kohla-Produkte. Aus anfänglich drei Mitarbeitern wurden bis heute über 30.
AM MARKT ANGEKOMMEN
Der Outdoorboom der vergangenen Jahre spielt der Marke sozusagen naturgemäß in die Hände. Ein Selbstläufer ist das dennoch nicht, denn wie so viele Unternehmen wurde auch Ibex von der Pandemie samt Lockdown überrollt, hatte jedoch einen entscheidenden Vorteil: gefüllte Lager und eine Produktion
vor Ort. Thomas Span: „Als der erste Lockdown kam, wussten wir nicht genau, wie wir damit umgehen sollten und was auf uns zukommt. Doch es hat nicht lange gedauert, bis wir von Kundenanfragen fast überrannt wurden. Die Zahlen sind durch die Decke gegangen. Die Bestellmengen sind um fünfzig Prozent gestiegen. Hier hat sich unsere Aufbauarbeit aus der Vergangenheit bezahlt gemacht. Ibex ist ein kapital- und finanzkräftiges Unternehmen, wir verfügen über eine topmoderne Produktionsstätte mit hohem Output und auch wenn wir durch diesen Aufschwung aktuell ein wenig unter Platzmangel leiden, so haben wir auch eine tolle Lagerhaltung. Das alles hat dazu geführt, das wir eines der ganz wenigen Unternehmen waren, das die letzten Winter hindurch durchgehend lieferfähig war, und wir unsere Kunden vollumfänglich bedienen konnten.“ Die anfallenden Zusatzmengen konnten zu 100 Prozent abgedeckt werden. Diese Verlässlichkeit kommt an am Markt. „Wer liefern kann, ist derzeit Kaiser“, sagt Span.
BRUTAL REGIONAL
Als Outdoorspezialist liegt Ibex nachhaltiges Wirtschaften, der Schutz der alpinen Natur und Ressourcenschonung wohl schon in der DNA. Vor fünf Jahren hat man begonnen, das Thema der Nachhaltigkeit in ein Konzept zu gießen, und kooperierte dafür mit den Universitäten Innsbruck und Dornbirn sowie verschiedenen heimischen Betrieben.
45
„Wir machen sehr viele Dinge, die gut funktionieren.“ THOMAS SPAN
Rucksäcke gehören seit jeher zum Standardrepertoire des Unternehmens. Seit einigen Jahren bietet Kohla diese auch personalisiert an. Institutionen wie Tourismusverbände und zahlreiche Firmen ordern die Rucksäcke für ihre Kunden, Gäste und Mitarbeiter. Die Produktpalette umfasst Rucksäcke für nahezu jeden sportiven Einsatz.
46
Das Konzept steht dabei auf drei Säulen: dem Produkt an sich, dem Packaging und der Einführung des „Brutal local“-Labels im Jahr 2020. Die Lieferketten für sämtliche Materialien sind für alle Produkte bis ins Detail nachvollziehbar. Mit der Einführung von besagtem „Brutal local“ geht man indes noch einen Schritt weiter. Produkte mit diesem Label garantieren eine 90-prozentige Wertschöpfung in Österreich, tatsächlich werden 80 Prozent aller Kohla-Produkte in Tirol produziert. „Wir haben in diesem Zusammenhang auch unsere Verpackungen auf recycelten Naturkarton umgestellt und zum Beispiel für die Fellboxen die Abmessungen dafür auf ein Minimum zusammengefahren, um ein möglichst geringes Packmaß zu haben und noch ressourcenschonender zu sein.“ Für sein Engagement wurde das Unternehmen im letzten Jahr mit dem Tirol Change Award ausgezeichnet, mit dem die Lebensraum Tirol Holding in Zusammenarbeit mit ihren Tochterunternehmen (Tirol Werbung, Standortagentur Tirol und Agrarmarketing Tirol) besondere Unternehmen, Projekte, Initiativen und Personen vor den Vorhang holt, die eine Vorreiterrolle und eine besondere Vorbildwirkung für Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Wirtschaften einnehmen.
NACHHALTIG NACH VORNE GEHEN
Nach einer dreijährigen Forschungsphase wurde mit der green line außerdem eine
nachhaltige Fellpflegelinie aus biologisch abbaubaren Stoffen lanciert – entwickelt und produziert in Tirol. Hinsichtlich der Performance ist die green line mit herkömmlichen Produkten nahezu ident und darüber hinaus unbedenklich für die Umwelt. Die Serie besteht aktuell aus fünf Produkten: dem bei Kunden extrem beliebten Imprägnierspray, der für eine verringerte Wasseraufnahme der Felle sorgt und folglich für verbesserte Gleiteigenschaften, einem universellen Reiniger, einem Wachs sowie einer Variante „to go“ als Begleiter auf Skitouren und einem innovativen Anti-Snow-Spray, der die Schneehaftung auf Skiern, Bindung und Schuhen verringert. Ein Mitarbeiter ist bei Ibex in einer Vollzeitstelle quasi ausschließlich für die Produktentwicklung zuständig und hat reichlich zu tun. „Der Markt erwartet im Schnitt alle zwei Jahre Neuerungen und Verbesserungen, deshalb gilt es hier laufend zu investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Unser Anspruch als Marktführer ist es, diesen Zyklus auf ein Jahr zu drosseln und damit jährlich Innovationen zu bringen – sei es bei den Kollektionen, in der Technologie, im Verpackungswesen oder den Designs“, so Span. Investiert wird derzeit auch in einen neuen Standort in Mieders. Baubeginn soll im Sommer sein, die Fertigstellung ist für das kommende Jahr geplant. Fast selbstredend, dass es sich dabei um ein Gebäude
in nachhaltiger Bauweise handelt, das den „Kohla-Spirit wiederspiegelt“, wie es Span nennt: „Es sind große Schritte, die wir in näherer Zukunft vorhaben, die aber notwendig sind, wenn wir weiterhin konkurrenzfähig bleiben wollen. Wir haben am derzeitigen Standort aufgrund des massiven Wachstums ein veritables Platzproblem, das neue Firmengebäude soll vor allem dafür sorgen, den Workflow zu verbessern. Derzeit haben wir drei verschiedene Lagerplätze, auch die sollen an einem Ort übersichtlich und zentral zusammengefasst werden.“ In einem Art Penthouse soll außerdem eine Eventlocation entstehen, die von Partnern kostenlos genutzt werden kann und in der künftig auch Seminare zu unterschiedlichen Themen abgehalten werden sollen. „Wir möchten Kohla wieder zu einer Marke mit Strahlkraft machen, das verlangt auch nach einem entsprechenden Außenauftritt“, erklärt Span. Die Produktionskapazität kann am neuen Standort um rund 50 Prozent erweitert werden, vorrangiges Ziel ist das aber nicht. Außerdem finden bis zu 15 zusätzliche Mitarbeiter Platz. „Aufgrund der Auftragslage könnten wir bereits jetzt weitere Mitarbeiter einstellen, doch es fehlt uns schlichtweg an Platz“, so Span. „Wir möchten mit dem neuen Gebäude einen Ort schaffen, an dem sich alle Mitarbeiter wohl fühlen, der uns Platz gibt und Räume für Neues und Innovatives ermöglicht.
IN IST OUT! -50% INNSBRUCK Fallmerayerstraße 3 Tel. +43 512 58 47 12
INNSBRUCK Meinhardstraße 3 Tel. +43 512 58 04 69
AUF DEINE OPTISCHEN SONNENBRILLENGLÄSER *
*AKTION GÜLTIG IM APRIL UND MAI 2022
TELFS Bahnhofstraße 2 Tel. +43 5262 634 96
SEEFELD Klosterstraße 43 Tel. +43 5212 28 85
info@isser.at www.isser.at
HANDLE-CREATIV.AT, FOTOS: SHUTTERSTOCK.COM
#ALLESÖFFNET
SPARKASSE TIROL
Nathalie Tumler und Veronica Summer haben gemeinsam Hestia gegründet.
GUTE GRÜNDE ZUM GRÜNDEN
48
Mit der Initiative „Tirolstarter“ unterstützen die Sparkassen in Tirol Jungunternehmer*innen bei der Umsetzung ihrer Ideen zur Gründung eines eigenen Unternehmens. In einer originellen Kampagne holen die Sparkassen erfolgreiche Gründer*innen vor den Vorhang und zeigen, wie innovativ und kreativ die Tiroler*innen sind.
D
abei sein, vom Anfang bis zum Erfolg, ist die Devise der Sparkassen. Klar, das eine Erfolgsrezept gibt es nicht. Aber es gibt einen Werkzeugkoffer voll mit vielen nützlichen Tools zur Gründung eines Unternehmens. Genau hier setzen die Sparkassen mit ihren vielseitigen Services und kompetenter Beratung an, denn sie wissen: „Für den Durchbruch braucht es oft nur etwas Mut, den Willen, etwas bewegen zu wollen, und einen Partner, der an dich glaubt“, so die Start-up-Expert*innen der Sparkasse. „Gerade am Beginn der Selbstständigkeit ist es wichtig, einen erfahrenen Partner an der Seite zu haben, der mit Know-how und den richtigen Werkzeugen unterstützt“, führen die Betreuer*innen für Unterehmensgründungen in den Sparkassen weiter aus. Das
extra für Jungunternehmer*innen entwickelte Programm bietet Starthilfen, Checklisten und besondere Services für einen erfolgreichen und reibungslosen Gründungsprozess. Es geht darüber hinaus auch darum, zu vermitteln, dass man an die Unternehmen von morgen glaubt. In den Sparkassen ist man überzeugt: „Wir müssen wieder verstärkt mit Mut und Optimismus in die Zukunft blicken. Diese Überzeugung brauchen nicht nur die Tirolstarter, sondern alle Unternehmer*innen – gerade in schwierigen Zeiten wie diesen“, sind sich die Start-up-Expert*innen einig. Viel öfter als man denkt mischen hierzulande junge Unternehmer*innen mit ihren Ideen den Markt neu auf. Das beweisen die jungen Unternehmen Hestia und Gronda,
die in eingefahrene Branchen neue Wege eingeschlagen haben. HESTIA: KLEIDUNG, DIE SINN MACHT
Veronica Summer und Nathalie Tumler haben sich ihren Traum vom eigenen Unternehmen in einem Rekordtempo wahr gemacht, und das in einer Branche, die mehr als dicht besetzt ist. Sie haben ein Modelabel gegründet, das an sein Produkt die allerhöchsten Ansprüche stellt: Die Kollektion soll ausschließlich nachhaltige Rohstoffe ohne schädliche Belastung für Mensch und Umwelt verarbeiten und Mode zu einem fairen Preis bieten. Diese muss zudem funktionell, schön und komfortabel zugleich sein.
SPARKASSE TIROL
Valentin Schütz, Gründer der Gastroplattform Gronda
Und das alles „Made in Tyrol and Europe“. Klingt natürlich viel einfacher, als es ist. Dass zwischen der ersten Idee und der fertigen Kollektion im Handel gerade mal ein halbes Jahr lag, verblüfft auch Business-Expert*innen.
MIT VOLLEM TEMPO ZUM NÄCHSTEN LEVEL
Dieses Tempo halten Nathalie und Veronica auch nach dem erfolgreichen Start ihres Businesses. Nach der Eröffnung des eigenen Onlineshops folgte im Herbst ein Pop-upStore im Kaufhaus Tyrol. Im Frühling ist die lässige Loungeware auf Zalando erhältlich. Im Sommer folgen Breuninger und die B2B-Plattform „Faire“. Mit derselben Professionalität entwickeln sie ihre Kollektionen weiter. Die Farbpalette wurde ebenso erweitert wie die Auswahl der Schnitte und Materialien. Der vegane und nachhaltige Bambusstoff wird um Kaschmir und Bambus-Kaschmir-Mix ergänzt. Das ist perfekt für die extraschönen Leggings und Jumpsuits, die Kund*innen in den heurigen Kollektionen erwarten. Und wer jetzt fragt, ob die erfolgreichen Unternehmerinnen nicht doch etwas übersehen haben? Nein. Selbst bei der Produktion und Logistik haben sie auf Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit geachtet. Mit der Produktion ihrer eigenen Stoffe in Portugal können sie kurze Lieferzeiten garantieren. Das regionale
Lager in Hall ermöglicht zudem kurze Lieferwege an Partner*innen und Kund*innen. behestia.com
GRONDA: GASTRONOMISCHES WISSEN
Wie findet man Mitarbeiter*innen, die besser sind als man selbst? Und das auch noch in der Gastronomie-Branche? Vor diesem Problem stand auch die Familie von Valentin Schütz, der Gronda gemeinsam mit Tobias Zetzsche und Juan Vicci gegründet hat. Denn wenn es das, was man sucht, nicht gibt, dann muss man es ganz einfach selber erfinden: Eine Plattform, die nicht nur Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer*innen in der Gastronomie und Hotellerie zusammenbringt, sondern diese auch untereinander dauerhaft vernetzt. Das Unternehmen mit Sitz in Wattens ist mit seiner Idee längst über alle Berge. Mittlerweile liegt der Hauptfokus des Unternehmens darauf Köch*innen zu helfen, ihre Rezepte mit der Welt zu teilen und mit diesen Geld zu verdienen. Dabei nutzen nicht nur Gastronomen ihre App sondern auch ganz normale Foodies. Denn die lässige und professionelle Art ihrer Online-Plattform, wo sich Hospitality-Profis mit Top-Arbeitgeber*innen verbinden, begeistert mittlerweile eine Million User rund um die Welt, wobei die USA mittlerweile der Hauptmarkt sind.
ERFOLGSREZEPT MIT BLICK ÜBER DEN TELLERRAND Das Geheimnis des Erfolges liegt sicher in der außergewöhnlichen Art, wie bei Gronda Content kreiert und produziert wird. Mitarbeiter*innen weltweit schauen den besten Köch*innen über die Schulter, die zeigen, was sie alles drauf haben. Ein cooles Tool ist auch die eigene Creator-Plattform, auf der Spitzenköch*innen ihre Rezepte untereinander austauschen. Aber auch jene Unternehmen, die genau solche Profis suchen, dürfen sich präsentieren. Und schon beginnt das Werben um die Besten für die Besten. Gronda, so sagen User, trifft mit seinem jungen, frischen Auftritt den Nerv der Zeit und ermöglicht dadurch modernes Recruiting in der Tophotellerie. gronda.eu PR
Jetzt in deine eigene berufliche Zukunft starten:
tirolstarter.at
49
eco.wirtschaft
50
UNTERNEHMEN, UM ZU HELFEN Jürgen Hofer ist einer, der unternimmt, und das im besten Sinne des Wortes. Im Mai fährt er mit dem Fahrrad um Europa. Aus guten Gründen. TEXT: MARINA BERNARDI
E
r sei ein Mensch der Wirtschaft, sagt Jürgen Hofer. Der 46-jährige Innsbrucker und jetzige Wahl-Stuttgarter war rund 20 Jahre in einer Bank tätig und ist noch immer ein Verfechter des Unternehmertums. „Ich bin der Überzeugung, dass es die Unternehmerinnen und Unternehmer sind, die das Rückgrat des europäischen Wohlstandes bilden und die gemeinsam mit ihren Mitarbeitern die Basis für eine gesunde Gesellschaft schaffen. Natürlich braucht ein Staat weit mehr, um zu funktionieren, doch um zu prosperieren, braucht es Menschen, die mehr oder andere Dinge schaffen, als sie selbst brauchen. Das ist die Grundlage des Unternehmertums und mein
Verständnis von Wirtschaft.“ In der westlichen Welt funktioniert dieser Ansatz in der Breite ganz gut, anderswo nicht, obwohl das Prinzip des „Unternehmens“ eigentlich weltumspannend ist. Oder sein könnte.
BLEIBENDE WERTE
Vor einigen Jahren kam Jürgen Hofer zur Stiftung Stay. Diese geht seit 2006 neue Wege in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit – vorrangig in Afrika. Es geht um Entwicklung von innen statt um Bevormundung von außen. Ein Ansatz, der Hofer auf Anhieb gefiel: „Wie wollen nicht einer hungernden Hand heute Brot geben und morgen hat sie wieder Hunger. Es geht nicht um
Nothilfe, wir möchten langfristige Perspektiven schaffen.“ Mit der Kraft des Unternehmertums nämlich, indem man Menschen dazu befähigt, künftig für sich selbst sorgen und davon nachhaltig leben zu können. Viele Projekte haben sich in der Vergangenheit bereits mit der Armutsbekämpfung in Afrika auseinandergesetzt, sind mit dem hehren Ziel zu helfen auf den Kontinent gekommen und hatten dafür zahlreiche Ideen im Gepäck. Das Problem ist: Strategien, die in Europa funktionieren, tun das selten auch in Afrika. Man ist mit Plänen und Geld nach Afrika gereist und hat den Menschen erklärt, was sie zu tun hätten, damit es ihnen besser gehe. Die wenigsten Menschen mögen es al-
eco.wirtschaft
STIFTUNG STAY
Die Stuttgarter Stiftung fördert unternehmerische Initiativen in Uganda, Ruanda und Kenia für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände der ärmsten Familien. Die Entwicklungsarbeit soll für messbaren, bleibenden Fortschritt sorgen.
www.stay-stiftung.org
Unter stay-stiftung.org/stayrider gibt’s Infos und Spendenmöglichkeiten zu Jürgen Hofers Radrundfahrt um Europa.
Jürgen Hofer ist ein Mann der Wirtschaft und seit vielen Jahren begeisterter Radsportler. Für die Stiftung Stay radelt er um Europa.
„Wir wollen mit der Befähigung von Menschen hin zu Kleinstunternehmern eine Art Revolution von innen heraus schaffen.“ JÜRGEN HOFER
lerdings, wenn man ihnen sagt, was sie zu tun haben. Stay geht deshalb einen anderen Weg, setzt auf Kooperation auf Augenhöhe mit afrikanischen Sozialunternehmen und unterstützt deren eigene Projekte gegen Armut in ihrer Heimat. „Ich denke, dass diese Entwicklung von innen große Kraft hat. Die Idee mag nicht für alle funktionieren, für die sie aber funktioniert, tut sie es sehr gut“, so Hofer. Mit vielen Ehrenamtlichen, Praktikanten und einem kleinen Team fester Mitarbeiter hat Stay Netzwerke in Uganda, Ruanda und Kenia aufgebaut und bisher rund 100 Sozialunternehmen vernetzt. Mittlerweile gibt es Projekte zur Imkerei-Ausbildung, zum Anbau von Biogetreide, zur Aufforstung oder Bildung für Jugendliche. Unterstützt wird unter anderem mit Anschubfinanzie-
rungen, ein strenges Controlling sorgt für die notwendige Transparenz. Hofer: „Wenn jemand in die Stiftung investiert, soll er genau wissen, was mit seinen Geldern passiert und welche Wirkung sie tatsächlich haben.“ Durch die Einkommensprogramme konnte schon mehreren tausend Menschen geholfen werden, laut Hofer sei es das Ziel, bis 2026 einer Million Menschen aus der Armut zu helfen: „Schön wäre es, wenn sich unser Modell auch auf andere Regionen der Welt im Sinne eines Social Franchise skalieren ließe.“
KILOMETERGELD
„Wir leisten mit der Stiftung einen wertvollen Beitrag zur Armutsbekämpfung, nun ist es in der Wirtschaft jedoch so, dass das beste Produkt nichts nützt, wenn es keiner kennt“, sagt Jürgen Hofer. Damit hat er zweifelsoh-
ne Recht und auch gleich eine Lösung dafür. Und liefert damit auch den Grund, warum er um Europa radelt: „Mit meiner Tour will ich auf unsere Vision für Afrika aufmerksam machen und darauf, dass unternehmerische Kraft der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung sein kann.“ Am 30. April macht er sich also auf den Weg. Gestartet wird in Stuttgart, seine Route führt ihn zunächst nach Innsbruck (1. Mai), dann über die Alpen um ganz Italien, entlang der Côte d’Azur, durch Spanien, Portugal, Frankreich und durch Norddeutschland nach Polen. Von dort sollte es weiter durch Osteuropa zum Schwarzen Meer gehen, wie die Route genau aussehen wird, wird sich ob der aktuellen Umstände noch zeigen. Entlang der Adria geht es voraussichtlich über Slowenien, Ungarn, die Slowakei und Tschechien wieder retour. Insgesamt sind rund 15.000 Kilometer und 175.000 Höhenmeter zu bewältigen. Der viermalige Ironman-Teilnehmer will die Tour in acht Wochen schaffen. Das sind im Schnitt 250 Kilometer und über 2.500 Höhenmeter täglich. Hofer möchte die Strecke allein – abschnittsweise mit verschiedenen Projektunterstützern – auf seinem Crossbike mit Straßenbereifung zurücklegen. Das verlangt nach leichtem Gepäck. Nicht mal Musik soll laut eigenen Angaben dabei sein. Plan ist, jeden gefahrenen Kilometer in eine Spende von 10 Euro umzuwandeln, macht also 150.000 Euro, die damit lukriert werden sollen. Jeder erradelte Euro geht zu hundert Prozent in die Stiftung, „sämtliche Kosten, die für die Tour anfallen, übernehme ich selbst“, verspricht Hofer. Zehn Kilometer finanzieren in etwa einen Imker, 20 Kilometer einen Getreidebauer, 30 Kilometer ermöglichen einem Jugendlichen eine Ausbildung und mit 50 Kilometern bringt man Bäume zum Wachsen. Begleitet wird Jürgen Hofer auf verschiedenen Social-Media-Kanälen und der Homepage der Stiftung. Stay tuned!
51
eco.wirtschaft
KLEINE PERLEN DER HOFFNUNG Moldau ist das ärmste Land Europas. Rund 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes kommen über Gelder zustande, die Moldauer*innen, die im Ausland arbeiten, nach Hause an ihre Familien überweisen. Schon vor dem Ukrainekrieg stand das Land vor großen Herausforderungen. Ein Walnussprojekt gibt ein kleines bisschen Hoffnung.
52
D
ie Republik Moldau hat es wahrlich nicht leicht. Im kleinen Staat treffen täglich tausende ukrainische Flüchtlinge ein. Gemessen an der eigenen Bevölkerungszahl hat kein Land mehr Vertriebene aufgenommen und das, obwohl das Land zu den ärmsten Europas gehört. Eine Person in Moldau hat im Schnitt 1,30 Euro pro Tag zur Verfügung, entsprechend schlecht steht es um die Versorgung von Kindern, um Bildung und das Gesundheitswesen. Und all das nur eine Flugstunde von Wien entfernt. Die Eltern arbeiten vielfach im Ausland, sodass die Kinder oft verwahrlosen und verarmen, ohne Aussicht auf eine positive Zukunft. 2011 haben Figen und Markus Webhofer das Projekt „Fernuci“ gegründet und gemeinsam mit Freunden aus Österreich und Moldau einen Walnussgarten im Dorf Ciuciulea ins Leben gerufen. Mit dem Sozialprojekt soll ein Fundament geschaffen werden, das den Menschen vor Ort hilft, ein Alltagsleben mit ihrer Familie zu führen und ein regelmäßiges Arbeitseinkommen zu generieren. Der Gedanke ist also ein ähnlicher wie jener von Stay von der Seite zuvor. „Wir haben Schritt für Schritt begonnen, den Walnussgarten und eine Verarbeitungsanlage
für Walnusskerne aufzubauen. Das ist heute die Grundlage für ein stabiles soziales Leben im Dorf“, schildert Figen Webhofer. Heute arbeiten rund 80 Menschen im Walnussgarten. Nach zehn Jahren ist es sogar gelungen, im vergangenen Herbst eine zweite Volksschule zu eröffnen, denn erfreulicherweise gibt es dank des Projektes heute auch wieder mehr Kinder im Dorf. Webhofer: „Es ist mehr als erfreulich, auf diese Weise Sinn stiften zu können. Mit dem Projekt fördern wir außerdem junge Talente im Bereich der Malerei und Literatur. Auch die gegründeten Fußballclubs aus Ciuciulea schlagen sich wacker – insbesondere das Frauenteam.“
Bäume wachsen auf von Hand aufbereiteten Böden, deren Humuserde zu 100 Prozent ökologisch behandelt wird. Das sorgt für eine rundum gesunde Ernte.
GESUND HELFEN
Unterstützen kann man das Projekt ganz einfach, indem man die dortigen Walnüsse kauft. Unter www.wanu.at lassen sich verschieden große Boxen bestellen. Und das Gute daran: Walnüsse sind richtig gesund. Eine tägliche Handvoll Walnusskerne mit ihrem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, den Vitaminen A, B und C, Mineralstoffen wie Zink, Kalium, Magnesium, Phosphor und Eisen wirken tatsächlich Wunder. Dazu stärken sie das Immunsystem und die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Die
WALNUSSBOX
Eine Box enthält handgeschälte BioWalnüsse in feinster Qualität, deren Kauf einen wertvollen Beitrag zum Sozialprojekt leistet. Gleichzeitig tut man sich auch selbst Gutes, weil Walnusskerne ein echtes Superfood sind. Erhältlich sind Boxen mit Walnusshälften sowie kleineren Stücken für Müslis, Salate & Co zu 1, 5 und 10 Kilo ab 32 Euro, auf Wunsch auch mit Geschenkverpackung.
www.wanu.at
WEIL IHRE GESUNDHEIT NUR DIE BESTE VERSORGUNG VERDIENT.
Frauensache ist Vertrauenssache.
Wir freuen uns, Sie in unserer Wohlfühlordination willkommen zu heißen. Weil es sich von Frau zu Frau einfach immer leichter spricht.
Dr. Anouk Gaber-Wagener Kontakt
Höchste medizinische Kompetenz und achtsame Betreuung auf Augenhöhe haben ein neues Zuhause: Im Herzen von Innsbruck ist das Team rund um Fachärztin und Allgemeinmedizinerin Anouk Gaber-Wagener mit viel Einfühlungsvermögen für Sie da. Von der ersten Vorsorgeuntersuchung im Rahmen der Mädchensprechstunde über Kinderwunschberatung und Schwangerenbetreuung bis hin zur einfühlsamen Begleitung während der Menopause.
Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Ärztin für Allgemeinmedizin Meranerstraße 3 6020 Innsbruck Austria T +43 512 55 98 00 F +43 512 55 98 00 10 praxis@dr-gaber.at www.dr-gaber.at
CURA
„UNSER PLANET IST UNSER ZUHAUSE, UNSERE ZUKUNFT“
54
Die CURA COSMETICS GROUP begegnet nicht nur seinen Mitmenschen mit Respekt sondern auch der Umwelt. Eine Philosophie, die sich in allen Facetten des Unternehmens widerspiegelt.
D
as Tiroler Kosmetikunternehmen CURA COSMETICS GROUP mit Sitz in Innsbruck wurde 1999 gegründet und begeistert seit jeher Kund*innen mit innovativen und individuellen Produkten. Dabei achtet das Unternehmen stark auf einen verantwortungsbewussten Umgang, vor allem und besonders gegenüber der Natur. Seit dem 1. August 2020 gibt es in der CURA COSMETICS GROUP einen eigenen Nachhaltigkeitsmanager, der aktuell die Schwerpunkte ökologische Nachhaltigkeit sowie soziale Nachhaltigkeit betreut. Die erste Maßnahme war die Ermittlung des CO2-Company-Footprints. Eine regelmäßige Evaluierung des CO2- Fußabdruckes ist dabei Grundlage für Maßnahmen, die der Reduktion dieses Fußabdruckes bis zur vollkommenen CO2-Neutralität dienen. Aktuell wird CURA bei der Bestimmung des CO2-Footprint von Climate Partner unterstützt. „Die Cura setzt sich zum Ziel, den CO2Footprint jährlich festzustellen und dafür
Ein eigenes Sustainability-Projektteam arbeitet interdisziplinär an der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens.
zu sorgen, den CO2-Ausstoß kontinuierlich zu senken“, erklärt Gerhard Kaiser, einer der Geschäftsführer des Kosmetikunternehmens. Gebäudebezogene Maßnahmen zur Reduktion seien hier relativ kurzfristig umsetzbar. Der Zeitrahmen für die vollkommene CO2-Neutralität ist aktuell aber noch nicht absehbar. Zudem steht die CURA COSMETICS GROUP im Rahmen der sozialen
Nachhaltigkeit regelmäßig mit dem Verband Amfori in Kontakt. Über diesen Verband, bei dem CURA auch Mitglied ist, wird die soziale Nachhaltigkeit entlang der gesamten Supply-Chain sichergestellt. Im Dezember 2021 wurde außerdem das Projektteam Sustainability ins Leben gerufen, das sich aus Mitarbeitenden aus verschiedensten Abteilungen wie Produktmanagement, Forschung und Entwicklung, Einkauf und Marketing zusammensetzt. Dieses interdisziplinäre Team entwickelt zusammen die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens. Hier zeigt sich, welche vielfältigen Bereiche durch das Thema Nachhaltigkeit betroffen sind. „Für die Cura ist es von vordringlicher Bedeutung, Nachhaltigkeit auch im strategischen Konzept der Firmengruppe zu verankern und damit unmittelbar an die allgemeine Unternehmensstrategie anzuknüpfen. Nachhaltigkeit passt hervorragend zum Wertesystem der CURA Gruppe“, so Kaiser.
CURA
NACHHALTIGES FIRMENGEBÄUDE Auch bei der Errichtung der Headquarters in Innsbruck hat die CURA COSMETICS GROUP auf eine nachhaltige Bauweise geachtet. Der Bau des Bürogebäudes wurde an den Passivhausstandard angepasst errichtet. Das Gebäude wurde in isolierter Ziegelbauweise nach dem Modell eines Stadthauses geplant, um direkte Sonneneinstrahlung zu minimieren. Gearbeitet wurde mit einem aktiven Raumlüftungskonzept, über das auch geheizt und gekühlt wird. Am Dach des Bürogebäudes sowie der Lagerhalle befindet sich jeweils eine Photovoltaikanlage, die im Sommer bis zu 100 Prozent der benötigten Energie erzeugt. Zusätzlicher Energiebedarf wird ebenfalls aus ausschließlich nachhaltigen Quellen über die Innsbrucker Kommunalbetriebe bezogen. Regionalität spielt beim Nachhaltigkeitskonzept von CURA ebenso eine große Rolle. Als stark exportorientiertes Unternehmen spiegelt sich diese vor allem in der Beschaffung der Rohstoffe und Pack- sowie Werbemittel wider. Beispielsweise wurde das Hochregallager als massiver Holzbau aus nachhaltigem Tiroler Lärchenholz ausgeführt. „Wir sind regional sehr gut verankert und beschaffen nahezu 100 Prozent der Drucksorten, Kartonagen und Etiketten in der näheren Umgebung bzw. bei österreichischen Firmen“, erläutert Kaiser. Je nach Verfügbarkeit gibt es bei bestimmten Rohstoffen Kooperationen mit heimischen Anbietern. Auch in der Forschung ist CURA stark regional verankert, so bestehen Kooperationen mit der Universität Innsbruck im Bereich der Grundlagenforschung. Die Mitarbeiter*innen haben außerdem die Möglichkeit, am Dach des Logistikgebäudes im Rahmen eines Urban-Gardening-Projektes selbst Kräuter und Gemüse anzubauen. Fortbildungen zu biologischem Anbau werden ebenfalls organisiert. Kooperiert wird hier mit dem Sozialprojekt Emmaus, das ehemalige Suchtkranke bei der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben unterstützt.
PERSONENVERKEHR
Der Fuhrpark an Firmenfahrzeugen wird sukzessive auf Elektro- bzw. Hybridautos umgestellt. Dazu gibt es bereits fünf E-Tankstellen am Firmengelände. Eine Erweiterung ist in Planung. Die Anzahl von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb steigt nahezu monatlich. Mitarbeiter*innen haben darüber hinaus die Möglichkeit, gratis E- Bikes auszuleihen und auch die private Anschaffung von Fahrrädern und E-Bikes wird finanziell
Die CURA-Geschäftsführer Gerhard Kaiser, Manuel Reinalter und Hannes Kohl mit Mehrheitsgesellschafterin Judith Williams.
und steuerlich gefördert. Über das Jobticket der Innsbrucker Verkehrsbetriebe wird auch die Öffinutzung der Mitarbeiter*innen finanziell unterstützt.
GRÜN UMHÜLLT
Im Bereich der Verpackungen arbeitet die CURA COSMETICS GROUP laufend an Sortimentsoptimierungen nach dem Prinzip „Reduce / Re-use / Re place / Re-cycle“. Seit Anfang 2021 sind die ersten CO2-neutralen Produkte der CURA-Beautylabels am Markt. Aktuell werden zum Beispiel die Spirit Eau de Parfums umgestellt: Anstatt der Plastikeinlagen wird die Ware dann nur mehr in Karton-Faltschachteln mit Flakonhalterungen ausgeliefert. Der Versand von Paketen aus dem CURA-Backoffice erfolgt seit letztem Jahr völlig kunststofffrei.
REZEPTUREN
Hier spielen die Solids eine wesentliche Rolle. Es geht dabei vor allem um die Vermeidung von CO2 durch Gewichtsreduktion (Verzicht auf Wasser) im Transport. Darüber Am Dach des Bürogebäudes befindet sich eine Photovoltaikanlage, die im Sommer bis zu 100 Prozent der benötigten Energie erzeugt.
hinaus liegt enormes Potential im Upcycling von Rohstoffen. Hier wird auch aktiv an neuen Ansätzen geforscht (z. B. wie wertvolle Wachse für Kosmetik aus Apfel-Pressrückständen gewonnen werden können). PR
CURA COSMETICS GROUP ist ein internationales Unternehmen im Bereich der Kosmetik seit 1999 • Hauptgeschäftsfelder: Markenentwicklung und -vertrieb, Private Label, Start-up-Business, Forschung & Entwicklung • Vertriebskanäle: Einzelhandel, Teleshopping, Online • MitarbeiterInnen: 180 • Frauenanteil: 80 % • Umsatz: 60.000.000 Euro • Geschäftsführung: Gerhard Kaiser, Hannes Kohl, Manuel Reinalter
CURA MARKETING GMBH Doktor-Franz-Werner-Straße 19 6020 Innsbruck Tel.: 0512 262676 E-Mail: office@cura.co.at
www.curacosmeticsgroup.com
55
ZUKUNF
bildung & innovation
56
Neue Pflege-Wege Community Nursing, aus dem Englischen so viel wie „Gemeindepflege“, ist eine Pflege, die außerhalb etablierter Einrichtungen stattfindet. Community Nurses sollen niederschwellig, bedarfsorientiert und bevölkerungsnah auf Gemeindeebene tätig sein. Das Angebot richtet sich an ältere zu Hause lebende Menschen, mit be(vor)stehendem Informations-, Beratungs-, Pflege- und/oder Unterstützungsbedarf sowie deren pflegende und betreuende Angehörige und Familien. Ziel ist es laut Bundesministerium, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken, das Wohlbefinden zu verbessern sowie den Verbleib von älteren Menschen im eigenen Zuhause nicht zuletzt durch Stärkung der Selbsthilfe von Betroffenen zu ermöglichen. Derzeit ist man dabei, dazu rund 150 Pilotprojekte in Österreich zu etablieren, eines davon wurde vor Kurzem in Hall von der Europäischen Union genehmigt. Mit dem Projekt „Community Nursing Hall“ werden in den kommenden drei Jahren zwei Community Nurses inklusive einem E-Auto und einem E-Bike mit 356.650 Euro finanziert. Hall ist damit eine der wenigen Kommunen in Tirol, die eine Förderzusage erhalten haben. Die Pilotprojekte werden im Rahmen des österreichischen Aufbau- und Resilienzplanes umgesetzt und von der EU über den Wiederaufbaufonds NextGenerationEU finanziert. Die Community Nurses werden auch im Sinne der aufsuchenden Beratung vor Ort tätig sein und über gesundheitsfördernde, nichtmedizinische Angebote im wohnortnahen Umfeld informieren. Zudem wird die Zusammenarbeit von Hausärzten und Versorgungsanbietern mit dem Entlassungsmanagement des Landeskrankenhauses Hall und der örtlichen Privatuniversität UMIT TIROL gestärkt werden. Langfristig soll damit eine standardisierte Koordination von Pflege- und Betreuungsangeboten innerhalb der Stadt Hall etabliert werden. Das Projekt wird zunächst mit einem Fokus auf die Stadtteile Schönegg und die Haller Altstadt starten und den Aktionsradius sukzessive auf das weitere Stadtgebiet ausdehnen. Mögen noch viele weitere Projekte folgen.
eco.expertentipp
Dr. Stefan Waldhof, Unfallchirurg und Sporttraumatologe bei medalp
HALLUX GUT, ALLES GUT
D I G I TA L I S I E R U N G I M GESUNDHEITSWESEN Die Medizinische Informatik treibt die Entwicklung der Gesundheitsversorgung maßgeblich voran. Im Masterstudium Medizinische Informatik der UMIT TIROL werden Expert*innen ausgebildet, die die Digitalisierung im Gesundheitswesen mitgestalten können. Das Studium setzt inhaltlich auf die Schwerpunkte Klinische Informationssysteme, Gesundheitsvernetzung und eHealth, Health Data und Decision Science sowie Biomedizinische Technik. Während des Studiums profitieren die Studierenden von einem breiten Netzwerk von Kooperationspartnern aus Industrie, Gesundheits- und Forschungseinrichtungen und von Absolventen der UMIT TIROL, die national und international in Toppositionen tätig sind. Das didaktische Konzept ermöglicht dabei auch eine gute Vereinbarkeit mit dem Beruf. www.umit-tirol.at
Kompetente und individuelle Rundumbetreuung bei medalp
B
eim sogenannten Hallux valgus oder Ballenfuß handelt es sich um Fehlstellungen der Großzehen. Sie entstehen bei etwa einem Viertel der Bevölkerung und können sehr schmerzhaft werden. Breites Schuhwerk und Fußtraining können zwar als vorbeugende Maßnahmen dienen, allerdings lässt sich ein operativer Eingriff nicht immer vermeiden.
EXPERTENMEINUNG
Unfallchirurg und Sporttraumatologe Dr. Stefan Waldhof ist auf die operative Behandlung des Hallux valgus spezialisiert. „Wer schon einmal dauerhafte Schmerzen bei jedem Schritt hatte, weiß, wie sehr der Alltag dadurch beeinträchtigt werden kann“, erklärt er. „Da hilft es, wenn möglichst schnell eine professionelle Abklärung, gefolgt von einer operativen Behandlung inklusive erfahrener Nachbehandlung aus einer Hand angeboten werden können.“
PATIENTENORIENTIERT
Ivo Graziadei, Primar der Abteilung für Innere Medizin, und Walter Mark, Primar der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Landeskrankenhaus Hall
HIGHTECH-BLICK INS INNERE Jedes Jahr kommen im Landeskrankenhaus (LKH) Hall rund 7.000 Patient*innen zu einer Endoskopie-Untersuchung, mit der die Organe im Inneren des Körpers begutachtet werden können. Seit Februar sind fünf neue Endoskopie-Geräte auf dem technisch letzten Stand im Einsatz, vier davon im Ambulanzbetrieb und einer im OP-Bereich. Die Investition betrug 1,2 Millionen Euro. Die Geräte arbeiten auch mit künstlicher Intelligenz und leisten damit einen wichtigen Beitrag für eine optimale Krebsvorsorge. Die Abteilung für Innere Medizin hat seit über 20 Jahren einen Schwerpunkt für Leber- und Darmerkrankungen, die gerade in der Vorsorgemedizin eine wichtige Rolle spielen.
Wenn möglich, werden Eingriffe minimalinvasiv durchgeführt. Das ermöglicht in der Regel einen rascheren Heilungsverlauf und eine schnellere Regeneration. Dadurch können auch Komplikationen deutlich reduziert werden. „Ziel der Hallux-valgus-Behandlung ist es, dass unsere Patienten zum idealen Zeitpunkt operiert werden und nach dem Eingriff so schnell wie möglich wieder mobil werden“, erläutert Dr. Waldhof, der einige Hundert Eingriffe pro Jahr durchführt und somit über die entsprechende Expertise verfügt. PR
MEDALP - FAKTENCHECK • • • • • • • •
Hervorragende Expertise durch 3.300 OPs pro Jahr Modernste Technologie und top ausgebildetes Personal Schnelle und professionelle Betreuung noch am selben Tag 5 Standorte in Tirol Diagnostik: MRT, CT, Röntgen Unfallchirurgie, Orthopädie, Sportmedizin Physiotherapie und spezielle Unterwasserbehandlungen Erfolgreiches back2sport-Programm und Trainingsbetreuung
KONTAKT: medalp – Zentrum für ambulante Chirurgie Betriebs GmbH Medalp-Platz 1, A-6460 Imst, Tel.: +43 5418 51100 E-Mail: info@medalp.com, www.medalp.com
57
eco.zukunft
58
eco.zukunft
D
ieser Stern ist so etwas wie der Polarstern für die touristische Orientierung des Landes. Seine Leuchtkraft zieht jene nach Obsteig, die es ernst meinen mit dem großen ökologischen Wandel und auch die Dynamik erleben wollen, die in ihm steckt. Sie ist prickelnd. 2012 war das Landhotel Stern in Obsteig das einzige klimaneutrale Hotel Österreichs, 2020 wurde es mit dem Trigos ausgezeichnet, der renommiertesten Auszeichnung für verantwortungsvolles Wirtschaften, und 2021 war es der Tirol Change Award der Lebensraum Tirol Holding, den der regionale Wegbereiter empfangen durfte. In den Preisen steckt viel Anerkennung für unzählige Schritte, die der Stern seit über zehn Jahren unter den Vorzeichen der ganzheitlichen Verantwortung gegangen ist. Und weiter geht. Gerade wird im Haus beispielsweise das erste Ökohallenbad fertiggestellt. Mit ihm zeigen Stern-Chef René Föger und sein Team, dass es mit zielgerichteter Cleverness sogar möglich ist, die ökologische Wildsau Hallenbad im Sinne der Nachhaltigkeit zu zähmen. Das Bad stellt wieder ein Highlight im nie endenden Prozess dar. Der eindrucksvollste Effekt des konsequent durchgezogenen ökologischen, ökonomischen und sozialen Engagements zeigt sich brandaktuell aber in der Resilienz des Hauses. Während landauf, landab gastgebende Unternehmen unter dem Mangel an Mitarbeiter*innen, dem Ersatz russischer Käfigeier, der hohen Inflation oder den extrem gestiegenen Energiepreisen ächzen und massiv gefordert sind, die Häuser ganz praktisch und bilanztechnisch am Laufen zu halten, leuchtet der Stern. „Wir sind da natürlich viel besser gewappnet. Wir haben das Problem mit den Mitarbeiter*innen nicht, weil wir damit schon immer anders umgehen mussten. Wir haben das Problem mit den Lebensmitteln nicht, weil wir eh nur regionale Lebensmittel verwenden. Wir haben das Problem mit den Energiepreisen nicht so, weil wir schon lange auf nachhaltig gesetzt haben. Die Resilienz
SPRUNG AUS DEM TEUFELSKREIS Mit dem im Juni 2021 präsentierten neuen und vor allem nachhaltigen „Tiroler Weg“ werden die klimatisch teils durchaus teuflischen Kreisläufe des Tiroler Tourismus ins Visier genommen. Um sie zu durchbrechen und das Tourismusland in jeder Hinsicht freundlich zu gestalten, muss von extrem vielen an extrem vielen Stellschrauben gedreht werden. Der Wandelwille ist da. Die wieder geweckte satte Gemütlichkeit aber auch. TEXT: ALEXANDRA KELLER
„Veränderungen sind anstrengend und kosten Energie. Warum solltest du das tun, wenn’s dir eh gut geht. Und doch wäre es so notwendig, dass viele diesen Weg gehen.“ RENÉ FÖGER, LANDHOTEL STERN
59
ist da einfach eine andere“, sagt Föger und betont: „Wir sind den Weg aber nicht wegen der Resilienz gegangen, sondern weil wir andere Überzeugungen haben. Als ich das Hotel vor 15 Jahren übernommen habe, habe ich aus der Not eine Tugend gemacht.“
EINE TUGEND
Der recht angestaubte Begriff wird kaum noch verwendet. Vielleicht, weil die Ausdrücke, mit denen er im bürgerlichen Sinn in Verbindung gebracht wird, echt wenig Sexappeal haben und mit erhobenem Zeigefinger verwendet werden: Ordentlichkeit, Sparsamkeit, Fleiß, Reinlichkeit und Pünktlichkeit. Tja. Im Vergleich weit heroischer haben die Wikinger und die alten Germanen Tugend in Ehre, Treue, Mut, Wahrheit, Gastfreundschaft, Selbständigkeit, Disziplin, Fleiß und Ausdauer entdeckt. Das passt schon besser zu den Eigenschaften, die nötig sind, um den Tiroler Tourismus unter den Vorzeichen der Klimaneutralität respektive der Rettung der Welt neu zu denken. Die Not der Welt ist nicht zu unterschätzen und um ihr zu begegnen ist der Spruch „In der Not isst der Bauer die Wurst auch ohne Brot“ wenig hilfreich. „Not macht erfinderisch“ ist das schon eher und „aus der Not eine Tugend machen“ noch viel mehr. Diese positive Dynamik ist es, die den Stern in Obsteig zu seiner nachhaltigen Reise animierte, doch für den breiten touristischen Wandel versteckt sich darin auch eine fast logische Bremse. René Föger beschreibt sie so: „Regionen, die zu kämpfen
FOTOS STERN: © WWW.HOTELSTERN.AT/IN THE HEADROOM
eco.zukunft
Mit seinem Ökohallenbad zeigt das Landhotel Stern, dass es sogar möglich ist, die ökologische Wildsau Hallenbad im Sinne der Nachhaltigkeit zu zähmen.
60
haben, machen sich Gedanken und engagieren sich. Veränderungen sind anstrengend und sie kosten Energie. Warum solltest du das tun, wenn’s dir eh gut geht. Das ist etwas Urmenschliches. Und doch wäre es so notwendig, dass viele diesen Weg gehen.“ Die Notwendigkeit, von der Föger spricht, wurde vom Land Tirol in der neuen Tourismusstrategie „Tiroler Weg“ festgehalten. Im Mai 2021 wurde sie präsentiert, in einer Zeit also, in der die von den pandemiebedingten Lockdowns befeuerte Not des Tiroler Tourismus ziemlich groß war. Das umfangreiche, in Zusammenarbeit mit zahlreichen Stakeholdern und Experten erarbeitete Strategiepapier enthält nicht nur Wachstumsgrenzen, sondern auch die Ausrichtung auf Umwelt und Nachhaltigkeit. Das Wachstum steht mit all seinen Facetten schon lange in der Kritik. Bis zu 45 Millionen Nächtigungen in derzeit 330.000 Urlauberbetten stellen die Wucht dar, mit der das Tourismusland seine ökonomische Kraft zu zeigen vermag. In diesen Zahlen stecken aber zwingend auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen des Wirtschaftszweiges, weil die Masse teils eben massive Zugeständnisse fordert. Von der Umwelt selbstverständlich, die ihren CO2-Tribut von der Anreise bis zur Abreise und all dem energieintensiven Angebot dazwischen fordert. Eine Fortsetzung des „Höher, weiter, mehr“ ist kaum bis gar nicht mehr zu rechtfertigen. Die Massen fordern schließlich auch Zugeständnisse der Tiroler*innen, deren ehrliche Liebe zum Gastgebertum in den 1970er-Jahren weit höher war als heute. Nicht zuletzt ist der Klimawandel eine Zäsur, die ihre vielleicht bizarrste Seite darin zeigt, dass auch in Gletscherskigebieten beschneit wird und die dafür notwendigen Speicherteiche in immer luftigeren Höhen gebaut werden müssen. Dies alles findet beispielsweise im neuen Tourismus-Index Niederschlag, der Teil der Tourismusstrategie ist. Mitarbeiter*innenzufriedenheit und Wiederbesuchsabsichten der Gäste schlagen sich darin genauso nieder wie CO2-Reduktionen oder der Anteil regenera-
tiver Energien. „Wir wollen ein Besser statt ein Mehr, Qualität statt Quantität“, fasste Landeshauptmann und Tourismusverantwortlicher Günther Platter das Ziel in eine wohlklingende Kampfansage, die raumordnungstechnisch etwa mit der Bettenobergrenze von 300 pro Hotel umgesetzt werden soll. In dem Zusammenhang sind die Handlungsmöglichkeiten des Landes beziehungsweise der Behörden klar und recht einfach umzusetzen. In anderen Bereichen, wie der Stärkung der regionalen Kreisläufe oder der zu steigernden Wertschätzung der Bevölkerung gegenüber dem Tourismus, ist das schon kniffliger. Noch und trotz der Pandemie kann im Tiroler Tourimus relativ leicht ziemlich viel Geld verdient werden und mit entsprechender Rücksichtslosigkeit gegenüber den Mitarbeiter*innen und den Lebensmittel- oder Energiewegen noch viel mehr. Investorenkonstrukte oder GmbH-Modelle sind in den touristischen Hochburgen so berüchtigt wie mächtig, weswegen das Bekenntnis des Landes zu kleinteiligen Familienstrukturen vor allem angesichts der Tatsache, dass tirolweit 2.600 Tourismusbetriebe vor der Übergabe stehen, noch viel mehr Umsetzungsdämpfe braucht. Nicht zuletzt, weil den Familien an der Spitze von Familienbetrieben die regionalen Kreisläufe am ehesten am Herzen liegen und die Zukunft ebenso. Laut Platter will Tirol jedenfalls „Vorbild der Nachhaltigkeit“ werden. Da hat Tirol richtig viel vor.
MENSCH, WIRTSCHAFT, NATUR
Nachhaltigkeit im Tourismus rein durch die ökologische Brille zu betrachten beziehungsweise in aller Konsequenz umzusetzen, würde dem Tourismus wohl den Garaus machen und schon deswegen nicht mehr nachhaltig sein, weil die damit verbundenen wirtschaftlichen und sozialen Folgen einschneidend bis verheerend wären. Um Nachhaltigkeit für den Tourismus zu definieren, wird deswegen gerne auf das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung zurückgegriffen. Dieses Konzept geht von der Vorstellung aus, dass nachhaltige Entwicklung nur durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen erreicht werden kann. „Als tragende Säule sichert der Tourismus Existenzen und Wohlstand in den Alpen. Gleichzeitig sind die Alpen ein wertvoller Naturraum. Wirtschaftliche Perspektiven auf der einen Seite, sensibles Ökosystem auf der anderen – aktuell prägen verschiedene Konflikte das Meinungsklima. Zum Nachteil für die Menschen, die in den Alpen leben und wirtschaften“, hielt der Tiroler Seilbahnexperte Hannes Parth im Zuge der Gründung des Vereins Vitalpin fest. Im April 2019 wurde diese internationale Interessengemeinschaft ins Leben gerufen, die sich als neue Bewegung für Menschen und Unternehmen in den Alpen versteht, die von und mit dem Tourismus leben. Vitalpin möchte – so die Eigendefinition – im Dialog die Tourismusgesinnung positiv beeinflussen, damit auch in Zukunft touristische Projekte umgesetzt und damit Chancen für die Menschen in den Alpen geschaffen werden. „Ohne wirtschaftliche Infrastruktur keine
eco.zukunft
Seit Generationen übernimmt „Der Stern“ in Obsteig Verantwortung für Natur, Region und Menschen und ist um nachhaltiges Wirtschaften bemüht – bis in die Küche, wo konsequent gekocht wird, was die Natur hergibt und die Bauern und Produzenten aus der Umgebung liefern können.
61 Lebensgrundlage in den Alpen. Ohne Innovation keine Entwicklung in den Alpen. Ohne intakte Natur keine Lebensqualität in den Alpen. Ohne lebendige Kultur keine Seele in den Alpen. Ohne gleichwertige Berücksichtigung der Bereiche Mensch, Wirtschaft und Natur keine ausgewogene Sichtweise auf die Zukunft in den Alpen“, lauten die Kernbotschaften des Vereins. Wieder ist es das Drei-Säulen-Modell für nachhaltige Entwicklung, das ins Auge sticht. Wieder sind es Mensch, Wirtschaft und Natur. Diese Dreifaltigkeit bestimmt die Zukunft. Seit Gründung des Vereins Vitalpin ist viel passiert. Auch die Pandemie. Ja, vor allem die. „Wir haben vor allem anfangs gemerkt, dass die Unsicherheit zu einer Schockstarre geführt hat. Die Pandemie hat dann im weiteren Verlauf aber auch gezeigt, dass tiefe und ehrliche Nachdenkprozesse bei den Unternehmern initiiert wurden und viele wirklich etwas ändern möchten. Sobald diese Erkenntnis da ist, kommen unsere Mitglieder meist auf uns zu und gemeinsam besprechen wir dann, was konkret wir angehen können“, erklärt Vitalpin-Geschäftsführerin Theresa Haid. Die Pandemie hat das Wachstum des Vereins zwar eingebremst, doch werden aktuell rund 130 Mitgliedsorganisationen gezählt. Und die Unternehmen, die sich an den Verein wenden, verbindet ein roter Faden. „Ja, der rote Faden ist, dass fast alle unsere Mitglieder in puncto Nachhaltigkeit auf uns zukommen und sich Orientierung und Mithilfe bei der Erarbeitung von Nachhaltigkeitsstrategien wünschen. Oft ist der erste Schritt der, dass sie sich einfach mal informieren lassen und fragen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt und was wir empfehlen:
Allein die Begrifflichkeiten, Angebote und Zertifikate, die es mittlerweile im Bereich der Nachhaltigkeit gibt, sind erschlagend für unsere kleinstrukturierten Unternehmen und da hilft Vitalpin dann gerne“, sagt Haid. Sie kann zahlreiche Role Models nennen – von Mobilitätsprojekten wie dem „Uber für Destinationen“ in Bad Hindelang über innovative Nachhaltigkeitskonzepte in der Hotellerie, wie der Nose-to-Tail-Verwertung im Falkensteiner Ehrenbürger Hof oder dem Gemeinwohlprinzip im Hotel Südtiroler Drumlerhof, bis hin zur Mobilitätsapp der Region Wilder Kaiser und den CO2-minimierenden Projekten von Skigebieten. Je mehr, desto besser, und die Projekte zeigen, dass zwischen den hehren Zielen und dem ganz konkreten, die Kreislaufwirtschaft in all ihren Facetten berücksichtigenden Umbau eines Hotels, eines Tourismusunternehmens oder des Angebotes einer Destination ein steiniger Weg liegt. Als ersten Dominostein nennt Theresa Haid die Erstellung von CO2-Bilanzen. „Sie geben eine sehr gute erste Orientierung über die größtmöglichen Hebel eines jeden Unternehmens“, sagt sie und erklärt: „Events sind in der Regel die größten CO2-Verursacher in den Bilanzen der Destinationen. Hier haben wir gemeinsam mit Climate Partner Eventrechner entwickelt, mit denen die Tourismusverbände selbst und unkompliziert den CO2-Fußabdruck von Veranstaltungen berechnen können. Dies ist insbesondere auch hilfreich für Veranstaltungen, die die TVBs finanziell unterstützen sollen. Mit Hilfe des Rechners kann schnell herausgefunden werden, ob ein Event den Nachhaltigkeitskriterien des TVB entspricht und somit unterstützt wird oder eben
© FRANZ OSS
eco.zukunft
62
nicht. Dies gibt den Destinationen nachvollziehbare Argumentationen für das Eventsponsoring an die Hand.“ Derart lenkende Instrumente sind es, mit denen das Thema angeheizt werden soll. In die richtige Richtung lenkende Projekte sollen das auch. Von der Lebensraum Tirol Holding wurde beispielsweise das Projekt „Clean Alpine Region (CLAR)“ als Pilotprojekt im Bereich Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Energie ins Leben gerufen – für Tourismusregionen, wie der Name schon verrät. In einem ersten Schritt wurden vier Pilotregionen ausgewählt, die von der Standortagentur Tirol, der Tirol Werbung und dem Land Tirol unterstützt und deren Maßnahmen aus EU-Mitteln des Programms IWB EFRE Österreich mit bis zu 200.000 Euro je Region finanziert werden. Neben dem Kufsteinerland, der Region St. Johann in Tirol und dem Kaunertal zählt das Pitztal dazu. Dort ist Nachhaltigkeitsmanager Michael Metzler auch für die Dynamik des CLAR-Projektes zuständig. Gegenüber eco.nova sagt er zu seiner Rolle im TVB Pitztal: „Im neuen Tiroler Weg wird zukünftig eine Personalie für Nachhaltigkeit verlangt, es ist aber noch unklar, ob hauptberuflich oder anders. Die Personalie des hauptberuflichen Nachhaltigkeitsmanagers wird aber unabhängig vom Tiroler Weg und auch unabhängig von der Weiterführung oder Einstellung des CLAR-Projekts als Personalie im TVB erhalten bleiben.“ Mit Metzler scheint im November 2020 das Thema Nachhaltigkeit ins Pitztal gekommen zu sein, um zu bleiben – und kein Greenwashing zu betreiben. In der relativ kurzen und von der Pandemie gezeichneten Zeit wurde beispielsweise eine Mobilitätsstudie durchgeführt, deren Lösungsansätze mit Fokus auf Last Mile und Micro-ÖV kommendes Jahr auch in Workshops präsentiert werden. 2021 wurde der Gletschermarathon als Green Event durchgeführt und das wird auch so green bleiben. Noch 2022 wird sich die Region für das österreichische Umweltzeichen bewerben, die Erstellung der CO2-Bilanzen und die Maßnahmenkataloge
„Die Pandemie hat gezeigt, dass tiefe und ehrliche Nachdenkprozesse bei den Unternehmern initiiert wurden und viele wirklich etwas ändern möchten.“ T HERE S A H A ID, V EREIN V I TA L P IN
sollen Stück um Stück alle Betriebe in diese Richtung führen. Viel Arbeit für Metzler also, der feststellt: „Das Bewusstsein steigt stetig. Das merkt man auch im Alltag sehr. Das Bewusstsein und der Wandelwille müssen aber trotzdem noch weiter angekickt werden. Wir sind noch nicht am Ziel und haben auch noch nicht die kritische Masse erreicht, wo das Pendel in die andere Richtung umschwingt und das Nachhaltige zur Normalität wird. Im Tourismus mit den Betrieben glaube ich da an den Weg der Willigen. Sprich, es nützt nichts, wenn ich mich mit Leuten, die an dem Thema kein Interesse haben, in stundenlange Diskussionen verstricke. Das ist verlorene Energie und Liebesmühe. Es macht mehr Sinn, sich interessierte Betriebe zu schnappen und aktiv Hilfe zu leisten. Der eine oder andere Betrieb, der das bei dem Nachbarn sieht, wird dann auch interessiert sein an dem Thema und will nacheifern.“ Mit einer interessierten und zum Nacheifern bereiten Pitztaler Truppe ist Metzler auch nach Obsteig gefahren. Zum Stern, wo nichts geheim gehalten wird. „Wir machen auch Wissenstransfer für die Branche und werden alles, auch die Zahlen, in einem Handbuch zur Verfügung stellen und diesen Knowledge-Transfer forcieren“, sagt René Föger, der es echt zu genießen scheint, ständig kreativ zu sein und diese Kreativität auch zu teilen. Und mit dem Stern weiterhin der Polarstern für die touristische Entwicklung des Landes zu sein.
RIND FLEISCH
LAMM FLEISCH
ehrlich. direkt.
KALB FLEISCH
VERSANDKOSTENFREIE ZUSTELLUNG IN GANZ ÖSTERREICH! GANZ BEQUEM ONLINE BESTELLEN & CO2-NEUTRAL NACHHAUSE GELIEFERT BEKOMMEN.
BESTE QUALITÄT ehrlich.tirol bietet küchenfertiges & vakuumiertes Fleisch bester Qualität vom heimischen Rind, Kalb oder Lamm in Mischpaketen. Wir arbeiten mit Sorgfalt für beste Güte und Geschmack. REGIONAL Die Bäuerinnen und Bauern stehen mit ganzem Herzen hinter ihren Lebensmitteln. Der Bauernhof ist am Etikett angeführt – du weißt immer, woher das Fleisch kommt.
EHRLICH Die ehrlich.tirol Mischpakete ermöglichen den Bauern eine ganzheitliche Abnahme und regionale Wertschöpfung und Wertschätzung.
TIERWOHL Tierfreundliche Haltung mit saisonaler Weide und Alm, bestes Futter und Vollmilch für die Kälber - die Bäuerinnen und Bauern schauen auf ihre Tiere.
DIREKT Die Transportwege sind für die Tiere so kurz wie möglich - CO2-neutrale Zustellung des Fleischs in der Isolierbox mit der Post direkt nach Hause.
Jetzt bestellen unter www.ehrlich.tirol RINDERZUCHT TIROL EGEN
Brixner Straße 1 · 6020 Innsbruck
Unsere Bauern, Rezept-Ideen & Shop ehrlich.tirol
eco.zukunft
„Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn retten wird.“ ROBER T S WAN
N A C H H A LT I G M O B I L I M U R L A U B
© TOMI VADÁSZ / UNSPLASH
64
Beim vergangenen Europäischen Forum Alpbach, quasi der Paradeveranstaltung des Congress Centrum Alpbach (CCA), wurde ebendiesem sowie 13 weiteren Tourismusbetrieben aus der Region das Österreichische Umweltzeichen verliehen. Dieses unterstützt seit 30 Jahren Unternehmer*innen dabei, ihre Produkte und ganze Unternehmen umweltfreundlicher zu gestalten. „Insbesondere das Congress Centrum hat sich in den letzten Jahren als regionaler und internationaler Vorreiter der Tourismusentwicklung erwiesen. Gemeinsam mit ambitionierten Tourismusbetrieben zeigt das Alpbachtal, wie auf die Herausforderungen der Klimakrise zukunftsorientiert reagiert werden kann“, sagte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler im Rahmen der Verleihung. Bereits seit 2010 verfolgt das CCA nachhaltige Grundsätze. Mit dem Erweiterungsbau im Jahr 2016 wurden auch beim Gebäude neue Maßstäbe gesetzt. Die hohe Energieeffizienz sowie der sparsame Stromverbrauch, der zudem zu hundert Prozent aus Wasserkraft stammt, sind nur einzelne Maßnahmen von einer langen Liste, die erfüllt werden. Dafür, und auch für das nachhaltige Eventmanagement, erhielt das CCA Alpbach zudem erneut die Auszeichnung als „Green Location“. Die Auszeichnung des Europäischen Forums Alpbach mit dem Green-Meeting-Zertifikat für die Veranstaltung 2021 zeigt, dass selbst Großveranstaltungen wie das Forum mit nachhaltigem Engagement umgesetzt werden können.
© NORBERT FREUDENTHALER
GREEN-MEETING-VORREITER
Klimawandel und Bewegungsmangel sind Entwicklungen, die Verhaltensänderungen des Menschen notwendig machen. An dieser Schnittstelle setzt eine Stiftungsprofessur für Aktive Mobilität der Universität Innsbruck an: Ausgehend von einem sportwissenschaftlich-gesundheitsorientierten Schwerpunkt und in enger Kooperation mit Fachleuten aus Verkehrsplanung, Ökonomie, Management und Psychologie werden an der Universität Innsbruck Konzepte erarbeitet, die eine nachhaltige Veränderung des Mobilitätsverhaltens bewirken können. „Aktive Mobilität genießt in Tirol einen hohen Stellenwert“, sagt Markus Mailer, Professor für Verkehrsplanung. „Das zeigt sich etwa daran, dass wir beim Anteil der zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege österreichweit im Spitzenfeld liegen.“ Und Martin Schnitzer, Professor für Sportökonomie, ergänzt: „Auch der Tourismus in Tirol ist auf Aktivität und Gesundheit ausgerichtet. Daher erscheint uns die Förderung von aktiver Mobilität speziell in der Verbindung von Bewegung in Alltag und Freizeit besonders vielversprechend.“ Durch die Einbindung mehrerer Fakultäten und Kompetenzbereiche der Universität Innsbruck können zusätzlich zur aktiven Mobilität im Alltag die Besonderheiten des Tourismus und des alpinen Raumes berücksichtigt werden. Dabei werden nachhaltige Ideen für die Anreise der Gäste in den Tourismuskonzepten der Zukunft ein wesentlicher Aspekt sein. Aktive Mobilität im Urlaub kann darüber hinaus als Impuls zu Verhaltensänderungen im Alltag dienen. Finanziert wird die Professur für fünf Jahre von Klimaschutzministerium, Land Tirol und zahlreichen Partnern aus der Region.
eco.wirtschaft
© DAVID SCHREYER
NACHHALTIGKEITS ASSESSMENT
G D S - I N D E X- B E N C H M A R K I N G
Das Convention Bureau Tirol (CBT) hat in einem kollaborativen Prozess unter öffentlicher Konsultation und begleitet durch Expert*innen der Tourismus- und Meetingbranche sowie externe Stakeholder eine Nachhaltigkeitsstrategie für das Kongress- und Tagungsland Tirol entwickelt. Die Strategie mit dem Titel „ReGeneration NOW“ beinhaltet unter anderem einen umfassenden Maßnahmenplan mit konkreten Zielen, die auf den Sustainable Development Goals (SDGs), den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, fußen. Um diese nachhaltige Entwicklung messbar zu machen, hat sich das CBT einem umfangreichen, internationalen Destinations-Benchmarking-Prozess des Global Destination Sustainability Index (GDS-Index) unterzogen, bei dem über 80 Leistungskriterien in den Bereichen Umwelt, Soziales, Lieferanten sowie Destinationsmanagement gemessen werden. Die Meetingdestination Tirol hat sich bei ihrer ersten Teilnahme direkt unter die weltweit nachhaltigsten Kongressdestinationen katapultiert. Besonders gute Ergebnisse wurden dabei in den Bereichen Umwelt, Soziales und Destinationsmanagement erzielt. Luft nach oben gibt es derzeit noch im Bereich Wertschöpfungskette. Dazu zählen etwa die Zertifizierungen einzelner Betriebe, Anreisemöglichkeiten und Impact Management. Die entsprechenden Schritte finden sich schon im Maßnahmenkatalog des Convention Bureau Tirol. convention.tirol
Eine nachhaltige Wirtschaftsweise bietet Unternehmen zahlreiche Vorteile und macht sie zukunftsfähig. Durch die Analyse und Optimierung von Geschäftsprozessen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ergeben sich wertvolle Chancen. Das Enterprise Europe Network (EEN) der Standortagentur Tirol unterstützt bei der nachhaltigen Unternehmensentwicklung. Ein spezielles NachhaltigkeitsAssessment richtet sich an Unternehmen aus Tirol und Vorarlberg und befasst sich mit den 17 Sustainability-Zielen der UN, die bis 2030 erreicht werden sollen. Nach einem Vorabgespräch, bei dem die Erwartungshaltungen abgeklärt werden und ein kurzer Fragebogen ausgefüllt wird, werden im Zuge des Nachhaltigkeits-Assessments zusammen mit Vertretern des jeweiligen Unternehmens verschiedene Themenbereiche durchgegangen. In einem FeedbackWorkshop werden die Ergebnisse diskutiert und gemeinsam Maßnahmen erarbeitet. Die Pletzer Resorts sind dabei das erste touristische Unternehmen Tirols, das an diesem NachhaltigkeitsAssessment teilgenommen hat.
S E I T 17 0 7
ALTE MEISTER GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS ANTIQUITÄTEN Auktionswoche 5. – 12. Mai
Palais Dorotheum, Wien +43-1-515 60-570 www.dorotheum.com
Emil Jakob Schindler (1842–1892), Regenlandschaft, Öl auf Leinwand, 65 x 102 cm, € 60.000 – 90.000, Auktion 10. Mai
AW1-ECO_EcoNova_01.04.indd 1
15.03.22 09:37
65
© YVONNE LESEWA
eco.zukunft
66
NACHHALTIGKEIT AM BERG Wohl kaum irgendwo erfährt man die Natur unmittelbarer als am Berg. Um diese Schönheit zu bewahren, beschäftigt sich ein Interreg-Projekt der Universität Innsbruck mit alpiner Nachhaltigkeit auf Hütten. TEXT: MARINA BERNARDI
T
irol ist stark mit seiner Naturlandschaft verbunden. Nicht nur Einheimische sind immer öfter und gerne auf den Bergen unterwegs, auch für Touristen ist die intakte Natur samt frischer Luft und klarem Wasser eines der Hauptargumente für einen Tirol-Urlaub. Es liegt also im Interesse vieler, diese Werte dauerhaft und nachhaltig zu erhalten. Eine Arbeitsgruppe der Universität Innsbruck, bestehend aus Martin Coy, Jutta Kister, Yvonne Lesewa und David Segat, beschäftigt sich gemeinsam mit dem Deutschen Alpenverein – Sektion München im Rahmen des Interreg-Programms Österreich-Bayern 2014–2020 in ihrem Projekt ANAH mit
alpiner Nachhaltigkeit auf Hütten. Und die Herausforderungen sind vielfältig. Bereits 2018 hat die Sektion München gemeinsam mit der Universität ein Pilotprojekt am Taschachhaus im Pitztal initiiert, um Nachhaltigkeitsindikatoren zu identifizieren, Methoden zur Messbarkeit zu entwickeln und erste Maßnahmen abzuleiten. Das Nachhaltigkeitsprojekt ANAH knüpft an diese Erkenntnisse und Ergebnisse an. Ziel ist es, die bisherigen Untersuchungsverfahren zu verbessern und zu erweitern – vor allem um den Faktor Mensch. Bisherige Studien konzentrierten sich vorrangig auf eine sektorale Betrachtungsweise wie Energiesparmaßnahmen und Ge-
bäudesanierungen. ANAH nimmt nun auch den Menschen mit. So werden neben ökonomischen auch soziale und ökologische Aspekte wie die Einbindung lokaler und regionaler Akteure, das Reiseverhalten der Gäste oder die Hütte als Arbeitsplatz betrachtet und mit quantitativen wie qualitativen Methoden analysiert. „Die Alpenvereinshütten sind alle sehr unterschiedlich, liegen auf verschiedenen Höhen, sind unterschiedlich einfach zu erreichen, manche sind an das Kanalisations- und Stromnetz angeschlossen, andere laufen im Inselbetrieb. Es funktioniert also nicht, ausgehend von einer Hütte einen Handlungsrahmen für alle abzuleiten, also haben wir begonnen,
eco.zukunft
das Projekt größer zu denken und es auf mehrere ausgewählte Hütten auszuweiten. Unabhängig von ihrem Standort stehen die meisten nämlich vor denselben global-lokalen Herausforderungen“, so Jutta Kister. Klimawandel, der Erhalt von Trinkwasserkreisläufen, der sauberen Luft oder der Artenvielfalt sind übergeordnete Themen, die im Grunde den gesamten Tourismus betreffen, Hütten aber in ganz besonderem Maße, weil sie letztlich von einer intakten Natur und dem Naturerlebnis leben. „Man muss darüber nachdenken, was der eigene Beitrag sein kann, um den negativen Entwicklungen entgegenzuwirken. Deshalb haben wir ausgehend vom Pilotprojekt unser Forschungsfeld erweitert, weil es eine gesamtheitlichere Betrachtung des Thema Nachhaltigkeit braucht.“ Für das Projekt wurden eine Reihe von Hüttenstandorten mit unterschiedlichen Eigenschaften ausgewählt – Sommer- und Winterbetrieb, Höhenlage, Infrastrukturanschluss … –, um die unterschiedlichen Rahmenbedingungen, in denen Hüttenbetrieb real stattfindet, abzubilden. Aus diesen Analysen lassen sich standortbezogene Maßnahmenfelder ableiten und entsprechende Konzepte für die Zukunft erarbeiten.
FAKTOR MENSCH
Eine wesentliche Erkenntnis: Neben den Hard-Facts ist es vor allem der Mensch, der mit seinem Verhalten das Seine dazu beitragen muss, dass Nachhaltigkeit funktioniert. Dabei steht zuvorderst der Pächter, der sich um den Betrieb kümmert. Doch er ist mit seiner Verantwortung nicht alleine. Die Hütten stehen im Eigentum der Alpenvereinssektionen, die sohin ebenso gefordert sind, wie jedes einzelne Mitglied, das den Verein letztlich ausmacht, und natürlich der Gast an sich. Dessen Ansprüche sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, vor allem was die Speisenvielfalt mit entsprechendem vegetarischen Angebot betrifft oder den Komfort bei der Übernachtung. Während die Kulinarik ein Bereich ist, in dem sich Hütten laufend anpassen und weiterentwickeln und zum Beispiel durch Kooperationen mit nahegelegenen Landwirten auch regionale Kreisläufe stärken, geht es beim Thema Komfort eher um die Sensibilisierung und Information der Gäste. Manchen Menschen ist der Bezug für den Berg und die Natur abhanden gekommen, vielfach dadurch, weil man es selbst nie bis kaum erlebt hat. Dass der Betrieb einer alpinen Hütte anders funktioniert als ein Hotel
„Für mehr Nachhaltigkeit am Berg braucht es vor allem eine Sensibilisierung der Menschen für die Natur und den Hüttenbetrieb.“ J U T TA K I S T ER
im Tal, ist vielen nicht bewusst. Einer der erarbeiteten Nachhaltigkeitsindikatoren beschäftigt sich deshalb intensiv mit dem Thema Gästekommunikation, im Zuge dessen man den Gast sanft zu mehr Achtsamkeit „erzieht“. Ein Knackpunkt dabei ist oft das Smartphone, das auf Hütten aufgeladen werden will. Debatten gibt es auch immer wieder über das Laden von E-Bikes. Vereinzelt mag das hinhauen, doch es gibt Hütten, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind und ihren Bedarf über eigene Photovoltaikanlagen oder kleine Wasserkraftanlagen decken. Dann reicht der Strom gerade für die Versorgung der Hütte, wollen sämtliche Gäste ihre elektronischen Geräte laden, wird’s eng. „Vielfach hilft es, den Gästen bewusst zu machen, an welchem Ort sie sich hier befinden und dass am Berg in manchen Bereichen andere Regeln gelten“, so Kister. „Plötzlich kommt es bei ihnen zu einem Aha-Erlebnis und sie können sich besser und intensiver auf das Bergerlebnis einlassen. Damit steigt auch die Aufenthaltsqualität enorm, weil man sich bewusster ist, was man hier gerade erlebt und wie besonders das eigentlich
ist.“ Denn letztlich definiert sich Lebensqualität auch dadurch, sich am Moment zu erfreuen und nicht zu viel zu (ver)brauchen. Das wiederum verlangt nach zukunftsfähigen Konzepten und Angeboten seitens der Hüttenbetreiber, um Gäste behutsam an das Weniger-ist-mehr heranzuführen, und geht letztlich zurück bis zum Anfang: Einer umweltfreundlichen Anreise per Bahn zum Beispiel, die jedoch in der Breite nur genutzt wird, wenn sie unkompliziert funktioniert und auch die letzte Meile vom Bahnhof zum Urlaubsort mitgedacht ist. Am Berg geht es um Lenkungsmaßnahmen, damit nicht zu viele Menschen am selben Ort unterwegs sind, es geht um Sensibilisierung über winterliche Ruhezonen für Tiere und darum, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, Natur zu erleben und zu genießen – unterm Strich also um Information in der Breite. ANAH läuft noch bis Juni, nach Abschluss des Projektes sind die Ergebnisse unter www.uibk.ac.at/geographie/agef/ projects/anah/ sowie www.alpenvereinmuenchen-oberland.de (Natur & Umwelt / Nachhaltigkeit auf Hütten) abrufbar.
67
eco.zukunft
68
ie Idee kam Helene Stanger schon während ihrer Schulzeit. Es fiel ihr auf, dass es für Schüler und Studenten diverse Projektangebote gibt, nicht aber für Lehrlinge. „Dabei würde es doch für Lehrlinge, die schon im Berufsleben stehen, viel mehr Sinn machen“, dachte sie sich. So hatte die Kitzbühelerin vor zwei Jahren begonnen, das Projekt „keepgrowin“ zu entwickeln, und ist damit an den Rotary Club Kitzbühel herangetreten. Unter dem Motto „Human Being – Human Doing“ legt der Rotary Club Kitzbühel besonderes Augenmerk auf soziales Engagement in verschiedenen Bereichen und griff die Idee als Pilotprojekt im Jahr 2020 erstmals auf. Ausgangspunkt ihres Schaffens war es, einerseits Lehrlinge aufzuwerten und ihnen andererseits auch ein Werkzeug in die Hand zu geben, in ihrem Lehrbetrieb aktiv mitzuwirken. Als Geburtshelfer der ersten Stunde ist Michael Rosendorfer als inhaltlicher Leiter des nachhaltigen Lehrlingsprojektes dabei, das bereits im zweiten Jahr knapp 100 Teilnehmer aus 29 Betrieben lukrierte. „Lehrlinge entwickeln in Teams eine innovative, unternehmerische Idee, die die Nachhaltigkeit im eigenen Lehrbetrieb in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht fördert“, erklärt Stanger das Ziel der Initiative. In zwei Workshopreihen zu je zwei Tagen tüfteln die Teilnehmenden mit Unterstützung durch hochkarätige Coaches sowie Mentorinnen und Mentoren aus dem Rotary Club an ihrer Idee und entwickeln dabei unternehmerisches Denken, Innovationskraft sowie ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmenskontext. „Dabei gilt es, den Lehrlingen vorerst näherzubringen, was Nachhaltigkeit überhaupt ist. Und was
© ANDREAS FRIEDLE
NACHHALTIGES EMPOWERMENT FÜR LEHRLINGE
Wie schafft man es, Lehrlinge im eigenen Betrieb zu entwickeln und sie für nachhaltige Ideen und Lösungen zu engagieren? Die Initiative „Growin’“ des Rotary Clubs Kitzbühel zeigt es vor. T E X T : D O R I S H E LW E G
man im eigenen Unternehmen verbessern könnte. Und das aus dem Blickwinkel der Grassroot-Ebene heraus“, so Stanger. Dabei ist der Name bereits Programm: „grow im Sinne von Wachsen steht für Persönlichkeitsentwicklung. Die Teilnehmenden erhalten die Chance, unternehmerische Kompetenz zu entwickeln, Teamfähigkeit, Innovationskraft und Leadership zu trainieren. win, also gewinnen, steht dafür, dass auch der Lehrbetrieb, der seinen Lehrlingen die Teilnahme ermöglicht, von Growin’ profitiert. Das Unternehmen erhält eine hausgemachte, innovative Projektidee im Bereich Nachhaltigkeit, die folglich auch im Betrieb umgesetzt werden kann. Zudem wird ein Lehrling, der vom Unternehmen gefördert und wahrgenommen wird, auch mehr Loyalität und Engagement in seinen Betrieb einbringen“, betont Helene Stanger.
GROWIN’ 2.0
Im Herbst 2021 startete der zweite Durchlauf des Projektes in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Bayern. Mit je zwei Blockveranstaltungen mit Übernachtung und Rahmenprogramm werden die jungen Auszubildenden zumeist in Gruppen am Tag eins an das Thema Nachhaltigkeit herangeführt und angeregt, eventuelle Probleme im eigenen Betrieb zu identifizieren. Das Ziel von Tag zwei lautet, die gewonnenen Eindrücke zu filtern und in weiterer Folge im Betrieb mit den Verantwortlichen zu besprechen und zu evaluieren. Nach wenigen Wochen erfolgt die zweite Blockveranstaltung, bei der es wiederum unter Begleitung qualifizierter Coaches in die Umsetzungsphase geht. „Das können Prototypen sein, die gebastelt werden, oder Rollenspiele, jedenfalls wird auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung erstellt“, erklärt Stanger. Am vierten Tag erfolgt ein Präsentationscoaching: „Die Teams lernen, wie sie ihre Idee pitchen können und wie man ein Projekt erfolgreich verkauft. Dabei wird ein zweiminütiges Video eingereicht. Aus allen eingereichten Videos werden acht Finalistenteams ausgewählt, die dann zu einem Grand Final in Kitzbühel eingeladen werden.“
DAS GROSSE FINALE
Im Grand Final, das kürzlich in Kitzbühel stattfand, präsentieren die nominierten acht Lehrlingsteams ihre Projekte einer fünfköpfigen Jury. „Dabei hatte jedes Team fünf Minuten Zeit, um die Idee und den Ablauf vom Zeitpunkt der Ideenfindung über die Umsetzung bis hin zum Impact auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu erklären“, so
© FLOBEE.AT
eco.zukunft
Bereits im zweiten Durchgang von Growin’ nahmen knapp hundert Lehrlinge teil und erarbeiteten Konzepte für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen. Einige davon werden schon erfolgreich umgesetzt. Drei Teams wurden außerdem mit Städtereisen samt Taschengeld für ihre Ideen belohnt.
Win-winSituation für Betrieb & Lehrling: Auszubildende wachsen an der Teilnahme des Projektes Growin’ und Betriebe gewinnen eine nachhaltige Umsetzung und engagierte Lehrlinge. Stanger. In die Bewertung der Jury flossen Parameter ein wie Verständlichkeit und Qualität der Präsentation, Nachhaltigkeits-Impact der vorgestellten Idee, Machbarkeit und Commitment dazu von den Lehrlingen sowie die Beantwortung der Fragen und das Teaming. Prämiert wurden die Siegerteams mit Städtereisen nach Prag, Berlin und Budapest und dem dazugehörigen Taschengeld in Form eines Schecks in Höhe von 3.000 Euro für die Erstplatzierten, 2.000 Euro und 1.000 Euro für die Zweit- und Drittplatzierten. Neben der Prämierung der Preisträger wurden im Rahmen des Grand Final auch sogenannte special awards in den Kategorien Ka’tching, Courage, Impact und Rook-
ie mit einem Scheck von jeweils 500 Euro vergeben.
ERFREULICHE ENTWICKLUNG
Dass das Projekt so gut angenommen wird, überrascht selbst Initiatorin Helene Stanger positiv. „Das Projekt verbindet zwei sehr aktuelle Themen. Zum einen werden Ideen für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb gesammelt und umgesetzt, zum anderen wird das Image der Lehre dadurch verbessert. Es ist tatsächlich erstaunlich, wie kreativ die teilnehmenden Lehrlinge sind, denn im Vergleich zu Schülern und Studenten haben sie schon praktische Erfahrung und somit bessere Einblicke, wo die Problemstellungen liegen und was auch umsetzbar ist. Denn was nützen hochtrabende Ideen, die im jeweiligen Unternehmen nicht umsetzbar sind?“, erzählt die Projektmanagerin, die derzeit noch Non-Profit-Management studiert und sich in Richtung soziales Unternehmertum entwickeln will. Die Verantwortlichen freut aber auch der rege Zuspruch der Unternehmen, wie die tirol kliniken, Energie AG, Engel Austria, diverse Bergbahnen und viele mehr. „Die Unternehmen bezahlen einen einmaligen Beitrag von 300 Euro pro Teilnehmer und stellen die Lehrlinge für die jeweiligen Blockveranstaltungen frei. Es ist uns sehr wichtig, dass die Unternehmen dahinterstehen. Wir möchten auch in der Zeit danach das Angebot des begleitenden Mentorings weiterlaufen lassen“, führt Stanger noch über künftige Pläne weiter aus. www.keepgrowin.at
69
IKB
70
DATEN, DAS GOLD DER DIGITALISIERUNG Smartphones, Tablets und Computer nehmen in unserem Leben immer mehr Platz ein. Arbeit und Alltag wären ohne sie kaum mehr denkbar. Für Unternehmen sind damit in gleichem Maße Rechenzentren sozusagen zum täglichen Gebrauchsgegenstand geworden. Sind Daten das Gold der Digitalisierung, ist das Rechenzentrum ihr Tresor.
S
chätzungen zufolge werden bis zum Jahr 2025 weltweit mehr als 90 Prozent der Rechenleistung sowie Daten von Unternehmen in Rechenzentren gebündelt sein. Sie sind damit ein wichtiger Motor der fortschreitenden Digitalisierung. Die IKB ist mit ihrem umfangreichen Angebot maßgeblich an der Stärkung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Tirol beteiligt. Neben Energie, Abfall, Wasser & Abwasser sowie Bäder ist der Bereich Internet & IT eine der tragenden Säulen des Unternehmens. Als lokaler und verlässlicher Experte für Energie
und Telekommunikation waren die Installation und der Betrieb eigener Rechenzentren ein logischer Schritt, um die Digitalisierung in der Region voranzutreiben und zu stützen.
KOHLENSTOFFARMES RECHENZENTRUM DANK GRUNDWASSERKÜHLUNG
Die IKB-Rechenzentren verfügen über modernste technische Ausstattung. Dazu gehören auch eine sichere Datenanbindung und Stromversorgung. Der größte Teil des Stroms wird in einem Rechenzentrum durch
das Kühlsystem verbraucht, denn die Geräte müssen entsprechend auf Temperatur gehalten werden, um Serverüberhitzungen und in weiterer Folge -ausfällen vorzubeugen. Die IKB war deshalb auf der Suche nach einer umweltgerechten Lösung, um auch in diesem Bereich möglichst ressourcen- und klimaschonend zu agieren. Für die Gebäudekühlung der IKB-Rechenzentren wird folglich die natürliche Kälte des Wassers genutzt. Das konstant neun Grad kalte Grundwasser wird dabei über zwei Unterwasserpumpen zu einem
IKB
4.000-Liter-Hochbehälter geleitet und von dort für die Kühlung eingesetzt. „Das innovative Kühlsystem mit Grundwasser vermeidet fast vollständig CO2-Emissionen und trägt so erheblich zum Klimaschutz bei. Zudem braucht es 80 Prozent weniger Strom. Die restlichen 20 Prozent werden für den Betrieb der Anlage samt Pumpen benötigt“, erklärt Ing. Mag. Thomas Stotter, IKB-Geschäftsbereichsleiter Telekommunikation
24 STUNDEN SICHERHEIT
Wesentlich für eine Nonstop-Sicherheit sind entsprechende Redundanzen und die Einhaltung von Normvorgaben. Sämtliche Infrastrukturen sind in den IKB-Rechenzentren mehrfach abgesichert. So übernehmen in einem Blackout-Fall simultan mehrere Batterieanlagen sowie Dieselaggregate die Stromversorgung. Damit kann auch bei langen Ausfallzeiten eine unterbrechungsfreie Stromzufuhr garantiert werden. Gleiches gilt für die Klimatisierung und die Datenanbindung. Für alle Eventualitäten eines Ausfalls werden entsprechende Vorkehrungen getroffen und größtmögliche Sicherheitsstandards für die Kunden geschaffen. Datensicherheit auf höchstem Niveau ist und bleibt ein Grundpfeiler der IKB.
NORMEN UND ZERTIFIZIERUNGEN
Mit ihren Services möchte die IKB den Wirtschaftsraum umfassend stärken, lokale Datensouveränität bieten und die Abhängigkeit von großen Cloud-Anbietern minimieren. Viele Unternehmen setzen heutzutage auf Cloud-Lösungen, die im Regelfall von nichteuropäischen Großanbietern wie Amazon, Google oder Microsoft platziert werden. „Daten sind das Gold der Zukunft oder vielleicht auch schon von heute“, so Thomas Stotter. „Niemand würde sein Gold einfach irgendwo einlegen. Man trägt es dort hin, wo man weiß, wer es verwaltet.“ Mit dieser Aussage betont er die Wichtigkeit der Daten und die damit einhergehende Sensibilität. Die IKB bietet ihren Kunden eine Alternative zu internationalen Cloud-Anbietern und gewährleistet gleichzeitig Qualität in allen Bereichen. Mittlerweile ist die IKB mit zwei Zertifizierungen ausgezeichnet. Die ISO 27 001 – die anerkannteste internationale Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme – gewährleistet, dass die Mitarbeiter über das notwendige Know-how verfügen und strengste Sicherheitsrichtlinien einhalten. Zutritt zu den Rechenzentren hat nur ausgewähltes Personal, das strengsten Geheimhaltungsvereinbarungen unter-
Ing. Mag. Thomas Stotter, IKB-Geschäftsbereichsleiter Telekommunikation
71 liegt. Mit der ISO 27 701-Datenschutzzertifizierung wird zudem ein sorgsamer Umgang mit Daten garantiert. Die IKB ist dabei das erste privatwirtschaftliche Unternehmen Österreichs, das diese Norm erreicht hat.
SICHERE DATEN, ZUFRIEDENE KUNDEN
Schon seit Längerem sind Unternehmen gesetzlich verpflichtet, ihre Daten und jene ihrer Kunden DSGVO-konform zu speichern. In der Konsequenz hat in den letzten Jahren Datensicherheit „made in Austria“ zunehmend an Bedeutung gewonnen. Deshalb sind lokale Partner und Dienstleister essentiell. Wie die Datenverarbeitung genau vorgenommen werden muss, wird zunächst mit dem Kunden analysiert und individuell abgestimmt. IKB-Kunden wollen schließlich auch die Daten ihrer eigenen Kunden schützen. Datenschutz trifft auf Datenschutz. Als lokaler Dienstleister bietet die IKB vor allem einen wesentlichen Vorteil: Sämtliche Daten werden lokal gespeichert. Das heißt, die Kunden wissen genau, wo ihre Daten liegen, wo sie bei Bedarf jederzeit – auch physisch – wieder geholt werden und an wen sie sich bei Fragen wenden können. Zu wissen, dass die Daten immer in sicheren Händen sind, bringt eine beruhigende Gewissheit. Und genau das liegt der IKB besonders am Herzen. PR
IKB -SERVERHOUSING • Zweifach zertifizierter, lokaler Partner • 24 Stunden Sicherheitsüberwachung • Zutritt zum Serverraum rund um die Uhr • Redundante Infrastruktur für höchste Ausfallsicherheit • hohe Verfügbarkeit und Übertragungsgeschwindigkeit der Internetanbindung durch Glasfaser
www.ikb.at
GEL
finanzieren & versichern
72
Vorsorgeboom Die Coronapandemie hat neben gesundheitlichen Folgen auch Auswirkungen auf die finanzielle Situation vieler Menschen. Dennoch oder gerade deshalb wollen viele vermehrt fürs Alter vorsorgen. Das ergab eine Umfrage von IMAS International im Auftrag von Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische. Demnach sagen 84 Prozent der Tiroler*innen: Finanzielle Vorsorge ist für mich wichtig, mehr als die Hälfte sprechen sich dabei klar für eine nachhaltige Veranlagung aus. Der durchschnittliche Betrag für private Pensions- und Gesundheitsvorsorge ist außerdem auf 226 Euro gestiegen (2020: 161 Euro). 25 Prozent der Befragten in Tirol geben zudem an, dass sich ihre Vorsorgestrategie durch Corona verändert habe. Der Großteil von ihnen möchte künftig noch mehr für die Vorsorge ausgeben. „Auf die Frage nach den Top-Vorsorgethemen der Tiroler*innen, also jenen Lebensbereichen, für die man jedenfalls gerne bereit ist, privat ergänzend vorzusorgen, fällt das Ergebnis eindeutig aus: Klar auf Platz eins mit 72 Prozent wird die Pension genannt. Mit 69 bzw. 66 Prozent folgen die Gesundheit sowie die finanzielle Reserve für Krisenfälle. Erst danach mit 61 Prozent kommt die Familie“, so Hans Unterdorfer, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Sparkasse. Nach wie vor liegt bei den Produkten das Sparbuch vor der Lebensversicherung und dem Bausparer, danach folgen Immobilien, Wertpapiere sowie Fondssparpläne und Gold/Edelmetalle.
© THOMAS SCHROTT
eco.expertentipp
BUCHTIPP
CASH AUS COINS
Katja Eckardt, Matthias Reder FinanzbuchVerlag 176 Seiten, EUR 12,– Kryptowährungen werden für immer mehr Menschen zur Investitionsalternative und auch wenn wir keine Freunde davon sind, zu hochspekulativen Veranlagungen zu raten, so bietet das Krypto 1x1 doch einen ganz guten Einstieg ins Thema. Trotzdem sollte man sich vor einem Investment mit einem zertifizierten Finanzberater darüber unterhalten, vor allem, was Art und Höhe des Investments oder dessen steuerliche Behandlung betrifft.
Michael Perger, Geschäftsführer der BTV Leasing GmbH
LEASING MIT SICHERHEITSNETZ? Ja, das gibt es!
D G R Ü N E T R A N S F O R M AT I O N Um dem Klimawandel vorzubeugen, müssen Sektoren wie Energie, Verkehr und Industrie auf nachhaltige Technologien umgestellt werden. Diese grüne Transformation erfordert erhebliche Investitionen, die sowohl von der Privatwirtschaft als auch vom öffentlichen Sektor aufgebracht werden müssen. Die Europäische Kommission schätzt, dass die geplante Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent (im Vergleich zu 1990) ein Investitionsvolumen von 360 Milliarden Euro pro Jahr erfordert. Die Finanzierung der grünen Transformation stellt dabei auch den Finanzsektor vor neue Herausforderungen. Um die benötigten Mittel für die steigende Investitionsnachfrage bereitstellen zu können, müssen neue Pfade beschritten werden. Gerade die Finanzierung von grünen Innovationen wie neuen Technologien zur Energiegewinnung oder für die Industrie erfordert oft alternative Finanzierungsformen jenseits von Krediten, da es sich dabei um riskantere Projekte handelt. Industrieunternehmen, Verkehrsbetriebe und Energieproduzenten stehen vor der Herausforderung, sich rechtzeitig auf die neuen Technologien umzustellen, um nicht bei künftigen Finanzierungen auf Grund ihrer Abhängigkeit von fossilen Energien mit höheren Kosten konfrontiert zu werden. Es bleibt spannend ...
ie vergangenen Monate haben eindrücklich gezeigt, wie schnell sich die globale Wirtschaft wandelt. Besonders die starken Konjunkturschwankungen stellen zahlreiche Unternehmer*innen vor enorme Herausforderungen. Eine entscheidende Auswirkung kann eine angespannte Liquiditätssituation sein. Für unsere Kund*innen musste eine Lösung gefunden werden, um diesem Effekt entgegenzuwirken. Unsere Idee: einen klassischen Leasingvertrag mit einer Ratenreduktion bei einem Konjunkturrückgang zu kombinieren. Das Konjunkturleasing® war geboren. Dieses Sondermodell ist für jede Branche geeignet und sehr einfach in der Abwicklung. Bei Vertragsabschluss vereinbaren wir mit unseren Kund*innen einen Indexwert. Fällt dieser unter ein definiertes Niveau, kann die Leasingrate für maximal zwölf Monate auf bis zu zehn Prozent reduziert werden. Der Nutzen liegt auf der Hand: Unternehmer*innen schaffen sich somit Luft und sind nach einer möglichen Tiefphase mit einer guten Bilanz besser gerüstet, um weiterhin Wareneinkäufe und Forderungen abzudecken.
FREIE LIQUIDITÄT DURCH LEASING
Leasing ist mehr als die Finanzierung eines Objekts. Es bietet Unternehmer*innen erhebliche Mehrwerte wie die Steuerung der Bilanz und GuV, das Heben oder die Bildung stiller Reserven, die Optimierung der Finanzierungsstruktur oder die Auslagerung von Anlagevermögen bei geplanten Betriebsübergaben. PR
BTV LEASING GMBH
6020 Innsbruck, Stadtforum 1 Tel.: 0505 333 − 2028 E-Mail: info@btv-leasing.com
www.btv.at
73
eco.geld
DIE VERSÖHNUNG VON KAPITAL UND UMWELT Es ist nicht alles grün, was ein Strickjäckchen trägt, andererseits ist Nachhaltigkeit nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Das gilt im Allgemeinen, bei der Geldanlage noch viel mehr. TEXT: MARINA BERNARDI
N
achhaltigkeit und Ökologie sind seit längerer Zeit wiederkehrende Schlagworte und haben in Form von „Green Investments“ auch die Finanzbranche erreicht. Berater müssen seit letztem Jahr private Anleger explizit darauf hinweisen, welche Anlagemöglichkeiten den Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. Welche das konkret sind, ist indes nach wie vor nicht gänzlich klar, in der Regel hält man sich an die gängigen ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance – also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). „Bei nachhaltiger Veranlagung geht es nicht nur um Umweltthemen – ‚Environment‘. Auch die Kriterien ‚S‘ocial und ‚G‘overnance gewinnen unserer Erfahrung nach stark an Bedeutung. Dazu zählen Themen wie Female Leadership, Diversität, Chancengleichheit bei Bildung sowie Gesundheit und Wohlbefinden“, erklärt
Desiree Marie Holjevac, Leiterin des Private Banking in der Tiroler Sparkasse. Mittlerweile hat auch die EU-Kommission mit einer eigenen Verordnung einen ersten Schritt zur Festlegung, was wirklich als nachhaltige Geldanlage zu klassifizieren ist, gesetzt. Doch auch diese lässt noch Raum für Interpretationen, gibt aber zumindest eine konkrete Orientierung. RLB-Vorstandsvorsitzender Reinhard Mayr: „Die EU-Taxonomie und die EU-Offenlegungsverordnung geben Betrieben vor, wie eine transparente integrierte und auch effiziente Berichterstattung zu ökologisch nachhaltigen Geschäftsaktivitäten zu erfolgen hat.“ Ab kommendem Jahr sind übrigens auch Banken selbst dazu verpflichtet, in Form eines Nachhaltigkeitsberichtes so genannte nichtfinanzielle Informationen über das eigene Unternehmen offenzulegen (mehr dazu auf Seite 86).
ES WIRD GRÜN(ER) Seit der Klimaschutz vor einigen Jahren vermehrt in den Fokus gerückt ist, entdecken auch immer mehr Unternehmen, Unternehmer, Institutionen, Politiker, Bürger und Konsumenten das Thema für sich. Was durchaus etwas Gutes ist. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die Nachhaltigkeit bei Frau und Herr Anleger ankommt. Selbst wenn es unter ihnen sicher Menschen gibt, die aus tiefster Überzeugung und bewusst zu nachhaltigen Produkten greifen und dafür gegebenenfalls sogar auf Rendite verzichteten, so geht es unterm Strich oft doch auch ums Geld. „Grün“ wird dann zum zusätzlichen Nice to have. Wobei: Nachhaltig zu investieren heißt nicht zwingend, auf Rendite verzichten zu müssen. Im Gegenteil. Schaut man sich Beispiele während der Coronapandemie an, sind nachhaltige Invest-
eco.geld
ments in vielen Fällen besser durch die Krise gekommen. „Dies hängt vor allem damit zusammen, dass derartige Investments viele Sektoren, die in der Krise besonders getroffen wurden, wie Öl und Gas, die Schwerindustrie oder Fluggesellschaften, entweder zur Gänze aussparen oder zumindest nur wenig gewichten. All diese Sektoren weisen einen hohen CO2-Ausstoß auf und landen daher selten in nachhaltigen Portfolien“, so Rafaela Hosp, Nachhaltigkeitsbeauftragte in der Hypo Tirol. Werte zu schaffen und Wert zu schätzen ist folglich kein Widerspruch. Nachhaltigkeit ist zunehmend ein Erfolgsfaktor für die private Geldanlage, denn sie liefert einen zusätzlichen Risikoblick auf Unternehmen und Staaten. „Nachhaltige Investmentkriterien ergänzen die harten Zahlen um zusätzliche Faktoren. So entsteht ein Gesamtbild, das als Basis eines optimierten Risikomanagements dient. Damit erhöht sich die Transparenz in Bezug auf potenzielle Anlagerisiken und reduziert diese für die Anleger, was langfristig ein Mehr an Rendite bedeutet“, so Volksbank-Regionaldirektor Josef Tratter.
GUTES FÖRDERN, BÖSES AUSSCHLIESSEN Nachhaltige Investments orientieren sich in der Regel an verschiedenen Ausschlusskriterien, nehmen also bestimmte Unternehmen oder ganze Branchen aus der Betrachtung aus, die den ESG-Kriterien nicht entsprechen. Einen Schritt weiter geht das so genannte Impact Investing, im Zuge dessen man ganz konkret in Unternehmen oder Projekte investiert, die nachweislich einen positiven Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft haben. Robert Wiesner, Teamleiter BTV Asset Management: „Unsere Kund*innen haben ganz unterschiedliche Wünsche oder Vorstellungen. Einige möchten auf gewisse Branchen/Geschäftsfelder verzichten, aber sich im Investmentuniversum dennoch nicht zu stark einschränken. Andere wollen mit ihrer Geldanlage ganz bewusst ein Statement setzen: Mit meinem Vermögen unterstütze ich Unternehmen, die das Thema Nachhaltigkeit vorantreiben.“ Wir haben die wichtigsten Fragen rund ums Investieren mit gutem Gewissen zusammengetragen.
T G Ä R G T N T U T O R NTWOR VERA
I n sie ENERAL shalb möchte G R E D BEI , de FONDS en am Herzen ng nachhaltig n E G I T L e A u NACHH gt Ihren Kund ensversicher u das. Sprech lie eb na Umwelt uch bei ihrer L können sie ge ondspalette, a eF ali ihr Geld Mit der Gener re nachhaltig Interessen ? r en nse anl e g e n i t u n s ü b e r u pas s e n d z u ih u tm Si e j e t z K u n d e n g e na hr e d ami t I . en vorsorg m erali.co L n O e R I g T @ t T .tirol.a NDIENS KUNDE 5926 0, of fice 12 T +4 3 5
IE S M U ’S T H E G UNS
75
MAG. (FH) MCI D E S I R E E M A R I E H O L J E VA C L E I T E R I N P R I VAT E B A N K I N G , T I R O L E R S PA R K A S S E
76 ECO.NOVA: Private Anleger müssen mittlerweile explizit darauf hingewiesen werden, welche Anlagemöglichkeiten den Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. Fragen Ihre Kunden auch aktiv nach nachhaltigen Veranlagungsmöglichkeiten? Ja, absolut. Nachhaltigkeit ist das New Normal der Kapitalanlage. Spannend ist aber, dass es vor drei oder vier Jahren überwiegend jüngere und vor allem weibliche Kund*innen waren, die „grün“ veranlagen wollten. Mittlerweile ist die Nachfrage quer über alle Alters-, Gender-, Berufs- und Einkommensgruppen verteilt. In den letzten Jahren, aber auch Tagen und Wochen wurde uns zudem sehr schmerzlich bewusst, wie wichtig eine Energiewende ist, die in erster Linie durch nachhaltige Energiegewinnung mit Wind oder Wasser erreicht werden kann. Nachhaltigkeit kann noch viel mehr – am Beispiel von Mikrofinanz sehen wir, dass mit der Vergabe von Kleinkrediten vielen Menschen in Entwicklungsländern der Zugang zu Kapital zum Aufbau einer Existenz ermöglicht wird, was dann auch wieder den Anleger*innen zugutekommt.
Wie entwickelt sich das Marktvolumen nachhaltiger Investments gemessen am Gesamtmarkt sowie am eigenen Portfolio? In der Tiroler Sparkasse liegen unter den Top Acht der Veranlagungen in Fonds allein fünf nachhaltige Fonds, auf den Plätzen eins bis drei ausschließlich nachhaltige Fonds. Das zeigt aus meiner Sicht zweierlei: Mit der Entscheidung für nachhaltige grüne Fonds beweisen die Tiroler*innen, dass ihnen bewusst ist, dass sie mit der Wahl ihrer
Veranlagung einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft und Umwelt leisten und damit über ihre Zukunft mitentscheiden wollen. Zum anderen steuern bereits über ein Fünftel der Tiroler*innen mit ihrem Spar- und Anlageverhalten den niedrigen Zinsen und der Inflation entgegen.
Fast jedes Unternehmen heftet sich heute das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen. Vielfach verkommt das Wort zum reinen Marketingsprech. Wie „grün“ können grüne Anlagen tatsächlich sein (wie tief geht man quasi in die Unternehmensverflechtungen) und wie erkennt man Mogelpackungen bzw. wie verhindert man Green- bzw. Impact-Washing? Wird der Begriff Nachhaltigkeit weiterführend in zehn Jahren in Verruf geraten sein oder Mainstream in der Geldanlage? Wir als Tiroler Sparkasse bedienen uns der Kompetenz der Erste Group Bank AG und der Investmentgesellschaft Erste Asset Management, die bereits im Jahr 2001 den ersten nachhaltigen Investmentfonds aufgelegt hat. Um zu beurteilen, wie „grün“ ein Unternehmen tatsächlich ist, kümmert sich ein Responsible Investment Team, das für die tiefgehende Analyse verantwortlich ist. Ergänzend zur eigenen Expertise kann das Team auf eine Vielzahl an externen Partnern und Ressourcen zurückgreifen. Externe Partner sind bespielsweise MSCI ESG Research, Institutional Shareholder Services (ISS) ESG oder Sustainalytics. Verantwortung und Rendite sind also kein Widerspruch und auch keine Mogelpackung. Wir gehen davon aus, dass das Interesse weiter steigen wird. FOTO: © NADJA FRÖHLICH
eco.geld
M M A G . R E I N H A R D M AY R
DR. ROBERT WIESNER
V O R S TA N D S V O R S I T Z E N D E R ,
T E A M L E I T E R A S S E T M A N A G E M E N T,
RAIFFEISEN LANDESBANK TIROL
BANK FÜR TIROL UND VORARLBERG / BTV
ECO.NOVA: Würden Ihre Kunden zugunsten von Nach-
ECO.NOVA: Würden Ihre Kunden zugunsten von Nach-
haltigkeit gegebenenfalls auf Rendite verzichten? Rendite spielt selbstverständlich weiterhin eine wichtige Rolle in der Veranlagungsentscheidung unserer Kund*innen. Trotzdem erkennt man, dass diese durchaus bereit wären, auf einen Teil der Rendite zu verzichten, um sinnvoll und mit ökologischem oder sozialem Mehrwert zu investieren. Da wir bereits seit einiger Zeit nachhaltige Produkte in unserem Angebot haben, wissen wir aber aus Erfahrung, dass ein nachhaltiges Investment keinesfalls mit einem Renditeverzicht zusammenhängen muss bzw. eine zumindest gleichwertige Performance erzielt werden kann.
Orientieren sich Ihre Kunden bei Investments vermehrt an Negativkriterien (schließen also bestimmte Branchen oder Unternehmen aus) oder gehen sie eher den Weg des so genannten Impact Investing? Ließe sich mit Letzterem theoretisch überhaupt ein solides Grundinvestment abdecken? Die Kund*innen orientieren sich derzeit an einem Ausschluss von Negativkriterien, die sich etwa auf Geschäftspraktiken von Unternehmen, Verstöße gegen anerkannte Menschenrechte oder auf Staaten beziehen können, in denen Korruption besonders weit verbreitet ist. Das hat auch damit zu tun, dass die Kriterien für das Impact Investment derzeit noch sehr unklar sind und es hier noch genauerer Kriterien bedarf. Dies macht auch ein solides Grundinvestment nicht möglich. Wer sind die Treiber des Wachstums nachhaltiger Anlageprodukte? Bei den institutionellen Kund*innen sehen wir derzeit eine erhöhte Tendenz zu nachhaltigen Produkten, diese treiben somit das Wachstum voran. Aber auch im privaten Bereich nimmt dieses Thema immer mehr Fahrt auf. Insgesamt konnte das Volumen unserer vier wichtigsten Nachhaltigkeitsfonds im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent gesteigert werden.
FOTOS: © BERNADETTE OTTER, FRANZ OSS
haltigkeit gegebenenfalls auf Rendite verzichten? Je nachdem, wie wichtig einem/r Kunden*in das Thema Nachhaltigkeit ist, gibt es tatsächlich Investoren*innen, die bereit wären, auf einen Teil der Rendite zu verzichten. Das müssen sie aber nicht. Denn ökologisches und soziales Wirtschaften wirkt sich durchaus positiv auf den Unternehmenserfolg aus und reduziert gleichzeitig Umwelt- oder Reputationsrisiken inklusive möglicher Sanktionen.
Im Zuge des „Green Deals“ soll unter anderem die Finanzwirtschaft als Treiber notwendiger Investitionen in Umwelt- und Klimaschutz dienen. Das ist prinzipiell natürlich etwas Gutes, hebelt dieser Fördermechanismus aber nicht auch ein Stück weit die freie Marktwirtschaft aus oder ist das in diesem Fall sogar geboten? Oder anders: Braucht es im Sinne des Umweltgedankens mehr nachhaltige Investments oder generell strengere Gesetze? Tatsächlich ist der Green Deal auch ein starker Eingriff in den Finanzmarkt, der zu Veränderungen in den Unternehmenszielen führt, Anleger*inneninteressen verschiebt und neue Marktgleichgewichte schafft. Dieser Weg wurde von der EU gewählt, weil der Hebel über den Finanzmarkt groß ist und das Thema Nachhaltigkeit dadurch schnell und effektiv vorangetrieben werden kann. Kann sich ein Unternehmen nur noch zu schlechten Bedingungen refinanzieren bzw. halten sich die Investoren zurück, muss ein gewisses Umdenken stattfinden, um mittel- bis langfristig neben den anderen Anbietern bestehen zu können. Das bedeutet aus Sicht der BTV, dass strenge Gesetze zwar nötig sind, diese müssen allerdings auch gut durchdacht sein und langfristig bestehen können.
Wird man es sich in Zukunft andererseits überhaupt noch leisten können, die ESG-Kriterien außen vor zu lassen? Das Thema Nachhaltigkeit wird nicht mehr von der Bildfläche verschwinden und weiterhin eines der wichtigsten Themen sein, die uns in Politik und Wirtschaft beschäftigen. Damit ist Nachhaltigkeit auch in der Anlagestrategie nicht mehr wegzudenken und sollte in eine vollständige Fundamentalanalyse miteinbezogen werden.
77
eco.geld
P R O K . J O S E F T R AT T E R
M A G . R A FA E L A H O S P
R E G I O N A L D I R E K T O R F Ü R S C H WA Z
N A C H H A LT I G K E I T S B E A U F T R A G T E ,
U N D D A S Z I L L E R TA L , V O L K S B A N K T I R O L
HYPO TIROL
ECO.NOVA: Lässt sich aus Ihrer Erfahrung ableiten, ob sich nachhaltiges Arbeiten unmittelbar auf den Unternehmenserfolg auswirkt? Unternehmen, deren Führung sich verantwortungsbewusst an nachhaltigen Standards orientiert, reduzieren nachweislich Ereignisrisiken (Beispiel Dieselskandal), Klags- und Reputationsrisiken. Zudem bieten nachhaltig orientierte Unternehmen messbare Erfolgsfaktoren, wie ein besseres Image, ressourcenschonende Strategien, stärker motivierte Mitarbeiter und somit gute Ausgangspositionen für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg.
78
Viele Fonds arbeiten nach dem „Best in class“-Prinzip, investieren also vereinfacht gesagt in das beste Unternehmen seiner Branche. Das könnte theoretisch auch der am wenigsten schmutzige Kohlekraftwerksbetreiber sein. Geht es bei nachhaltigen Investments generell eher darum, Fortschritte zu belohnen oder reine Ökounternehmen zu unterstützen? Der Investmentprozess unseres Kooperationspartners Union Investment ist ein mehrstufiges Verfahren, das die hauseigene Nachhaltigkeitsanalyse mit einem klassischen Investmentprozess kombiniert. Dabei sind positive Renditeaussichten eines Titels genauso wichtig wie seine Nachhaltigkeitsbewertung. Dabei kommt auch ein spezielles Transformations-Rating zur Anwendung. Dieses Transformations-Rating gibt Auskunft darüber, wie ambitioniert und glaubhaft sich ein Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit wandeln möchte. Die ermittelte Kennzahl bewertet das Potenzial eines Unternehmens, sein Geschäftsmodell nachhaltig zu transformieren bzw. auszurichten. Das Fondsmanagement prüft, ob das Unternehmen nicht nur nachhaltigen, sondern auch wirtschaftlichen Anforderungen genügt und ein positiver Nutzen für die Investoren zu erwarten ist. Nur wenn alle Bewertungen positiv ausfallen, ist eine Investition möglich. Unternehmen, die kontroversen Geschäftspraktiken nachgehen, werden ausgeschlossen. Hierbei orientieren wir uns an den Prinzipien des UN Global Compact, die eine internationale Norm darstellen. Ein Verstoß (z. B. Missachtung von Arbeits- und Sozialnormen, Umweltzerstörung oder Korruption) führt zum Ausschluss aus dem Anlageuniversum.
ECO.NOVA: Private Anleger müssen mittlerweile explizit darauf hingewiesen werden, welche Anlagemöglichkeiten den Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. Fragen Ihre Kunden auch aktiv nach nachhaltigen Veranlagungsmöglichkeiten? Das Bewusstsein hin zur Nachhaltigkeit ist in vielen Bereichen präsent und so auch in der Veranlagung. Unsere Stakeholderanalyse 2020/2021 unter unseren Kundinnen und Kunden ergab ein hohes Interesse an nachhaltigen Fonds sowie nachhaltigen Finanzierungen. Besonders nachhaltige Bankprodukte im Sinne der Umwelt verzeichnen hohen Zuspruch, wiewohl sich auch mittlerweile der Fokus auf nachhaltige Bankprodukte im sozialen Sinne zu erweitern beginnt. Ein nachhaltiger Schwerpunkt bei ihren Veranlagungen ist den Kunden wichtig, das ist definitiv spürbar.
Spielt das Thema Nachhaltigkeit neben der Investorenseite auch für heimische Unternehmen eine Rolle, also in Form von expliziten Green Bonds oder Green Loans? Grundsätzlich ist bei Unternehmen durchaus Interesse für das Thema Nachhaltigkeit zu beobachten, allerdings ist sowohl auf Investitions- als auch auf Finanzierungsseite die Nachfrage nach speziellen „grünen“ Lösungen noch sehr verhalten. Es ist aber davon auszugehen, dass auch gerade in Zusammenhang mit den verschiedenen Regulatorien und den daraus resultierenden Anforderungen (z. B. Taxonomieverordnung oder CSRD-Richtlinie) diese Bereiche an Fahrt aufnehmen werden.
Von regulatorischer Seite gibt es noch keine Eingriffe in die Kreditvergabe. Gibt es in Ihrem Haus intern Ausschlusskriterien für Kredite? Die Hypo Tirol hat durch ihre Ausrichtung auf Regionalität und ihre starke Verbundenheit mit dem Land Tirol und seiner Bevölkerung bereits einen nachhaltigen Weg beschritten. Wir konzentrieren uns auf Finanzierungen in unserem Kernmarkt. Unser ethischer Standpunkt in den Kreditgrundsätzen verbietet die Finanzierung der Herstellung von Waffen, Glücksspiel, Bordellbetrieben, Prostitution und Pornografie, Kernenergie, Kohlebergbau oder Fracking. Ebenso wenig werden Kredite zur Spekulation in Finanzprodukte gewährt. Die Nachhaltigkeitskriterien in den Kreditgrundsätzen entfalten als geschäftsstrategische Vorgabe die höchste Verbindlichkeit. Das Engagement in der nachhaltigen Kreditvergabe wird weiter verstärkt.
GESTALTE DIE ENERGIEZUKUNFT MIT und werde Teil unseres Teams.
– Schweißer:in bzw. Rohrschweißer:in – auch Quereinsteiger willkommen (m/w/d) – Maschinenbautechniker:in / Motormonteur:in (m/w/d) – CNC-Facharbeiter:in (m/w/d) – Experte Produktionsund Beschaffungsplaner:in (m/w/d)
– Elektriker:in, Prüfstandelektriker:in, Instandhaltungstechniker:in im Bereich Elektrik (m/w/d) – Mitarbeiter:in in Finanz- und Rechnungswesen (m/w/d) – Lehrlinge in technischen Berufen 2022 (m/w/d)
INTERESSIERT?
KONTAKT
Mehr Informationen sowie aktuelle Jobs unter
INNIO.Recruiting@innio.com
www.innio.com/karriere www.innio.com/lehre
+43 5244 600 3257
RAIFFEISEN
NACHHALTIGER ALS SIE DENKEN Die Tiroler Raiffeisenbanken bringen wirksame Initiativen auf den Weg.
80
B
ei Raiffeisen ist Nachhaltigkeit ein wesentlicher Eckpfeiler sowohl des Wertesystems als auch der Unternehmensstrategie. „Wir haben schon immer Verantwortung für die Gesellschaft und eine nachhaltige Entwicklung der Region, in der wir leben, übernommen. Entsprechend forcieren wir nicht nur nachhaltige Finanzierungen und Veranlagungen, sondern arbeiten auch laufend daran, unseren eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Zudem sind wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein attraktiver und fördernder Arbeitgeber und unterstützen Initiativen, die den nach-
„W I R H A B E N S C H O N I M M E R V E R A N T WORTUNG FÜR DIE GESELL SCHAF T U N D E I N E N A C H H A LT I G E E N T W I C K L U N G D E R R E G I O N Ü B E R N O M M E N .“ R E INH A R D M AY R , S P R E C HE R D E R RAIFFEISEN-BANKENGRUPPE TIROL
haltigen Schutz und die Förderung unserer Regionen sowie unseres Lebensraums zum Ziel haben“, so MMag. Reinhard Mayr.
RAIFFEISEN
N A C H H A LT I G I N V E S T I E R E N
Nicht Anonymität, sondern Persönlichkeit, nicht das Bestreben, alles zu vereinheitlichen, sondern das Eingehen auf die Menschen mit ihren spezifischen und vielfach auch regionsbedingten Bedürfnissen prägen das nachhaltige Denken von Raiffeisen. Nachhaltigkeit bei der Geldanlage bedeutet dabei, in Unternehmen zu investieren, die besonders verantwortungsvoll mit den ökologischen und ökonomischen Ressourcen, aber auch mit ihren Mitarbeiter*innen umgehen. Denn nachhaltig Verantwortung zu übernehmen, bedeutet nicht, auf Kosten künftiger Generationen zu wirtschaften. Mit nachhaltigen Investments kann man nicht nur guten Gewissens an den Kapitalmärkten teilnehmen, sondern auch noch in eine lebenswerte Zukunft investieren. In ganz Tirol ist Nachhaltigkeitsmanager Martin Stolz unterwegs. Er fährt in der Social-Media-Reihe „Der Finanzradler“ nicht nur zu den Raiffeisenbanken und spricht mit Kolleg*innen über Möglichkeiten und Hintergründe zum nachhaltigen Investieren, sondern stellt auch Initiativen vor, die sich in besonderer Weise dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben haben.
81 Z U K U N F T G E S TA LT E N
Das RAIQA in Innsbruck und das Markthaus in Telfs: zwei Bauprojekte in der Region, die den Nachhaltigkeitsgedanken von Raiffeisen ganz deutlich zeigen.
Die Philosophie von Raiffeisen ist es, die Zukunft mit Ideen, Kompetenz und Weitblick zu gestalten. Dafür stehen sinnbildlich zwei aktuelle zukunftsweisende Projekte von Raiffeisen in der Region: das RAIQA in Innsbruck und das Markthaus in Telfs. Hier entstehen nicht einfach nur Banken, sondern multipel nutzbare, innovative Begegnungsräume mit Eventlocations und Co-Working-Spaces, die auch Shops und Gastronomie beherbergen werden. Der Aspekt der Nachhaltigkeit steht dabei an oberster Stelle und zeigt sich in vielen Facetten – beim RAIQA beispielsweise schon beim Rückbau. Hier wurde das größte Social-Urban-Mining-Projekt im Westen Österreichs umgesetzt, also ein verwertungsorienterter Rückbau nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft, für den sozialökonomische Betriebe beauftragt wurden. Damit hat Raiffeisen nicht nur Pionierarbeit für Westösterreich geleistet, sondern ein CO2-Äquivalent von 141,9 Tonnen eingespart. Das entspricht dem Ausstoß eines Kleinwagens über eine Autobahnwegstrecke von 830.000 Kilometern. Damit könnte der Wagen also 20 Mal um die Welt fahren. Beim Markthaus in Telfs stehen Ressourcenschonung etwa beim Baugrund und der Bauweise, Energieeffizienz durch Grundwasserpumpe und Photovoltaik sowie die Verwendung ökologischer Materialien im Vordergrund. Zudem wird eine Zertifizierung nach Klima Aktiv Gold angestrebt.
RAIFFEISEN
© DIE FOTOGRAFEN
R E G I O N A L I TÄ T
82
Die RLB Tirol und die Raiffeisenbank Längenfeld sind vom Land Tirol soeben als eine der familienfreundlichsten Betriebe Tirols 2021 ausgezeichnet worden. vlnr: Dipl. BW Harald Löhner (Geschäftsleiter Raiffeisenbank Längenfeld), Carolin Czermak (HR Business Partner, RLB Tirol) und Wirtschaftslandesrat Anton Mattle (Tiroler Landesregierung).
Mit Blick auf die Förderung der Ökologie haben die RLB Tirol und die Tiroler Raiffeisenbanken im Jahr 2021 erstmals den #beeraiffeisenAWARD verliehen. Ausgezeichnet wurden Projekte, die in Tirol in besonders engagierter und fundierter Weise die Artenvielfalt fördern. Als Gewinner aus 58 Einreichungen in den Kategorien Privatperson, Bildungsinstitution sowie Unternehmen & Kommunen gingen die Projekte „Sonnenschlössl“, „Dein Nachbar Lohbach“ und „Going Artenreich“ hervor. Sie freuten sich über Preisgeld und handgefertigte Nisthilfen mit Platz für je 1.000 Wildbienen. Auch in diesem Jahr ist der Award wieder ausgeschrieben. Einreichungen können ab dem 1. April 2022 gemacht werden. Ziel der Initiative ist nicht nur die Prämierung von herausragenden Projekten, Raiffeisen will damit jede und jeden Einzelnen im Land motivieren, wertvollen Lebensraum zu erhalten und zu verbessern und damit ein „bienen- und insektenfreundlicheres“ Klima zu schaffen – etwa durch kleine Wildblumen-Jausenstationen am Balkon oder am Fensterbrett, das Anlegen von Blühstreifen oder die Gestaltung von naturnahen Gärten.
PA R T N E R S C H A F T L I C H K E I T
„Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele“ hat seinen Ursprung im Solidaritätsgedanken und der genossenschaftlichen Organisationsform. Nachhaltige Partnerschaftlichkeit funktioniert nur, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet – wertschätzend und zum gegenseitigen Nutzen, fair und verlässlich, durch Höhen und Tiefen des Lebens begleitend. Das gilt nicht nur für den Umgang mit den Kund*innen, sondern auch in hohem Maße mit den Mitarbeiter*innen. Entsprechend übernehmen die RLB Tirol und die Tiroler Raiffeisenbanken Verantwortung für wichtige Themen und Werte ihrer Mitarbeiter*innen wie die Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Familie und Karriere, berufliche und persönliche Entwicklung, Gesundheit oder Gleichstellung.
Reinhard Mayr, Vorstandsvorsitzender der RLB Tirol und Sprecher der Raiffeisen-Bankengruppe Tirol (li.), überreichte gemeinsam mit Christine Hofer, Geschäftsführerin der Raiffeisen Werbung Tirol (re.), die ersten drei #beeraiffeisenAWARDs an die Preisträger Stefan Stoll, Direktor der Allgemeinen Sonderschule Wipptal, Maria Schmidt aus Going und Michael Kugler von Carisma.
INTERWORK
ÜBERFLIEGER ÜBERFLIEGER DER WEG ZUM ERFOLG DER WEG ZUM ERFOLG
Starkes istmaßgebender ein maßgebender Faktor für StarkesDurchhaltevermögen Durchhaltevermögen ist ein Faktor für den Erfolg - den Erfolg sowohl für Unternehmer in der Wirtschaft, als auch für Sportler im Wettkampf. sowohl für Unternehmer in der Wirtschaft, als auch für Sportler im Wettkampf.
MANUEL FETTNER powered by
P E R S O N A L S E R V I C E
D
MANUEL FETTNER
Durchhaltevermögen, ie InterWork Personal- oder nachlassen niemals eine Option. Auch im Sport ist Talent nur die Silber-, als auch eine service GmbHpowered ist tirolweit by bereits ein bekannter Name, halbe Miete. Das weiß auch der nach Hause zu holen. wenn es um das Thema österreichische Skispringer Manuel P E R S O N A L S E R V I C E Personalbeschaffung geht. Dies war Fettner. Lange musste der heutige Erfolg ist nichts, das jedoch nicht immer so und hierhin zu Olympionike auf die entscheidenden morgen einfach vorh kommen, nicht immer einfach. Um mit Erfolge seiner Karriere warten und ist das Produkt aus dem Fortschritt der Wirtschaft und viele Kämpfe allein bestreiten. etwas Großartiges sowohl K iePersonalservice InterWork Personaloder nachlassen niemals eine Option. lem niemals endendes Durchhaltevermögen, nterWork GmbH ist tirolter Rainer Arbeit, Durchhaltevermögen, zuverlässigem seines dem Rückhalt notwendigen der Konkurrenz mithalten zu können, InterWork-Geschäftsführer erklärt InterWork-Geschäftsführer Rainer weit bereits ein bekannter Name, wenn Sponsors und vor allem dank seinem unSilber-, auch eine Goldmed service GmbH ist tirolweit Körber Auch imhat Sport das ist Talent nur die des derals Kraft immer we erfordert es tägliche Höchstleistungen Potenzial Um heute den Markt anführen es um das Thema ein Personalbeschaff so wohl einach Hause zu holen. bereits bekannter ung Name,Körber. halbe Miete. Dasmitweiß auchbändigen der Durchhaltevermögen, erfolgreich und vorgeht.allem niemals endendes aberoder dennoch erkannt und zu36-Jährigen können, war aufgeben nachlassen Dies war jedochesnicht und ne Silber-, als auchDass eine Goldmedaille nach zu s wenn umimmer dasso Thema österreichische Skispringer Manuel niemals eine Option. Auch im Sport ist Tahierhin zu kommen, nicht immer einfach. Hause zu holen. möglich ist,heute zei Durchhaltevermögen, ihmLange nun seit demdervergangenen ist nichts, das von Personalbeschaffung geht.erklärt Dies war steht Fettner. musste heutige Erfolgwohl lent nur die halbe Miete. Das weiß auch der Um mit dem Fortschritt der Wirtschaft und Erfolg ist nichts, das von heute auf morGeschichte des Person InterWork-Geschäftsführer Jahr als neuerauf Kopfsponsor tatkräftig morgen einfach vorhanden ist jedoch nicht immer so undRainer hierhin zuösterreichische Olympionike die entscheidenden Skispringer Manuel Fettner. der Konkurrenz mithalten zu können, erforgen einfach vorhanden ist. Es ist das Proist Willen das Produkt aus zu dem di W nicht immerMarkt einfach. Um Erfolge Karriere undaus dem InterWork als auch Körber. kommen, Um heute den mit zur Seite.derseiner Esheutige ist nicht nurwarten die musste Olympionike auf finanzielle dert es tägliche Höchstleistungen und vor al- mitLange dukt etwas Großartiges etwas Großartiges zu erreic dem Fortschritt der Wirtschaft und viele Kämpfe allein bestreiten. die entscheidenden Erfolge seiner Karriere erreichen, dem notwendigen Knowhow und anführen zu können, war aufgeben Unterstützung, sondern gerade auch Olympiasiegers Manuel dem weiterzumachen. notwendigenDassKnowhow der Konkurrenz mithalten zu können,warten und viele Kämpfe allein bestreiten. Rainer der Kraft immer ergut! dieInterWork-Geschäftsführer mentale. Unzählige Gespräche InterWork-Geschäftsführer Rainer Körber folgreich zu sein aber sehr wohl möglich ist, erfordert es tägliche Höchstleistungen Körber hat das Potenzial des der Kraft immer weiterzumac und viel gemeinsame Zeit haben das hat das Potenzial des 36-Jährigen aber denzeigt sowohl die Geschichte des Personalund vor allem niemals endendes 36-Jährigen aber dennoch erkannt und Dass erfolgreich zu sein aber erkannt und nun steht ihm nun seitvergangenen dem InterWork als auch des sowohl Band zwischen Sponsor und bereitstellers Sportler wohl möglich ist, die zeigt steht ihm seit dem Durchhaltevermögen, erklärtnoch vergangenen Jahr als neuer Kopfsponsor heutigen Olympiasiegers Manuel Fettner InterWork-Geschäftsführer Rainer intensiviert Jahr als neuer tatkräftig Geschichte des Personalbereitste undKopfsponsor wachsen lassen.
I D
tatkräftig zur Seite. Es ist nicht nur die fi
nur zu gut!
PR
als auch GmbH die des heut Körber. Um heute den Markt mit zur Seite. Es ist nicht nur die finanzielle InterWork INTERWORK nanzielle Unterstützung, sondern gerade Olympiasiegers Manuel Fettner nu Unterstützung, sondern gerade auch anführen zu können, war aufgebenauch Unzählige GesprächeWinterspielen und Bundesstraße 25 Beidie mentale. den Olympischen gut! die mentale. Unzählige Gespräche INTERWORK GMBH viel gemeinsame Zeit haben zwi6063 Rum 2022 viel gelang esdas Band Manuel gemeinsame Zeitund haben Fettner das Bundesstraße 25 schenund Sponsor und Sportler intensiviert 6063 Rum Tel.: +43 (0)501 789 dank harter zuverlässigem Band zwischen Arbeit, Sponsor und Sportler wachsen lassen. Tel.: +43 (0)501 789 Bei den Olympischen Winterspielen intensiviertseines und wachsen lassen. undE-Mail: E-Mail: office@interwor Rückhalt Sponsors voroffi ce@interwork.co.at www.interwork.co.at INTERWORK GmbH www.interwork.co.at unbändigen
2022 gelang es Manuel Fettner dank har-
allem
dank
seinem
Bei den Olympischen Winterspielen 2022 gelang es Manuel Fettner dank harter Arbeit, zuverlässigem
Bundesstraße 25 6063 Rum Tel.: +43 (0)501 789
eco.steuern
HILFE FÜR DIE UKRAINE Steuern sparen und dafür doppelt so viel spenden. TEXT: VERENA MARIA ERIAN, RAIMUND ELLER
84
eco.steuern
S
penden sind in Österreich mehrfach steuerbegünstigt. Neben werbewirksamen Spenden zur Katastrophenhilfe und freigiebigen Zuwendungen für begünstigte Zwecke an begünstigte Einrichtungen gibt es auch eine Umsatzsteuerbefreiung für Hilfsgüterlieferungen in die Ukraine. Je nach Grenzsteuersatz kann so durch den Hebel der Steuerersparnis bis zum Doppelten der individuellen Leistungsbereitschaft beigetragen werden. Zudem verdoppelt Österreich alle Spenden für die Ukraine, die bis Ostern an Nachbar in Not geleistet werden. Schnelle Hilfe wirkt immer doppelt. Wer hier jetzt schnell hilft, hilft nicht nur doppelt, sondern doppelt doppelt.
BEGÜNSTIGTE SPENDEN FÜR JEDERMANN
Bestimmte Spenden sind bei Unternehmen als Betriebsausgaben und bei Privatpersonen als Sonderausgaben bis zu zehn Prozent vom Gewinn bzw. vom Gesamtbetrag der Einkünfte steuerlich absetzbar. Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist, dass es sich entweder um eine im Gesetz explizit genannte Einrichtung (z. B. Universitäten, die Österreichische Nationalbibliothek, bestimmte Museen etc.) oder um Organisationen handelt, die zum Zeitpunkt der Spende über einen gültigen Spendenbegünstigungsbescheid verfügen. Diese Einrichtungen sind in einer Liste auf der Website des Bundesministeriums für Finanzen ersichtlich. In Hinblick auf die Ukraine sind das etwa Nachbar in Not, Rote Nasen Clowndoctors, Ärzte ohne Grenzen, SOS-Kinderdorf, Jugend eine Welt, UNICEF, Caritas und viele mehr. Private Spenden an begünstigte Einrichtungen können nur dann steuerlich in Ansatz gebracht werden, wenn diese mittels elektronischer Datenübermittlung von der Spendenorganisation an die Finanz übermittelt werden. In diesem Fall erfolgt eine automatische Berücksichtigung als Sonderausgaben.
TIPP: Achten Sie bei privaten Spenden darauf, dass Ihr Name und Geburtsdatum bei der empfangenden Stelle korrekt erfasst wird, damit eine reibungslose Datenübermittlung gelingen kann. Sie können die vollständige Übermittlung via Finanzonline in der Rubrik Datenübermittlungen überprüfen. Falls etwas fehlen sollte, können Sie auch im Nachhinein eine Sanierung mittels Nachmeldung durch die Spendenorganisation bewirken.
Die Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian und StB Raimund Eller
WERBEWIRKSAME „SPENDEN“ ZUR KATASTROPHENHILFE Unternehmer haben die Möglichkeit, Geldoder Sachwerte im Zusammenhang mit akuten Katastrophen im In- und Ausland werbewirksam zur Verfügung zu stellen und so steuerlich abzuschreiben. Als Katastrophenfall kommen unter anderem auch kriegerische Ereignisse und Terroranschläge sowie Flüchtlingskatastrophen in Betracht. Für die steuerliche Abzugsfähigkeit gibt es hier keine Betragsgrenze und keine Bindung an bestimmte Empfänger. Einzige Voraussetzung ist die Werbewirksamkeit, was zum Beispiel über mediale Berichterstattung, Kundenrundschreiben, Plakate, sichtbare Aufkleber in Geschäftsräumen und auf Firmenfahrzeugen, in Auslagen oder auf der Homepage erfolgen kann.
UMSATZSTEUERFREIE HILFSGÜTERLIEFERUNGEN
Erfolgen diese im Rahmen nationaler oder internationaler Hilfsprogramme, so gelten diese in Notstandsfällen kraft eigener Verordnung (BGBl. Nr. 787/1992 idgF) als nicht steuerbare Umsätze. Damit entfällt unter folgenden Voraussetzungen die Verpflichtung zur Entrichtung einer Umsatzsteuer: • Der Bestimmungsort der Hilfsgüter liegt in einem in der Verordnung genannten Staat (z. B. Ukraine). • Es wird ein Nachweis der widmungsgemäßen Verbringung in den begünstigten Staat erbracht.
• Es erfolgt im Vorfeld eine Anzeige bzw. Erklärung an das Finanzamt, dass dem Abnehmer keine Umsatzsteuer angelastet wird. Die Erklärung hat Art und Menge der Hilfsgüter sowie die genaue Bezeichnung und Anschrift des Abnehmers zu enthalten.
Bei einer entgeltlichen Lieferung gilt dies nur dann, wenn die Lieferung an eine Körperschaft des öffentlichen Rechts oder an eine Körperschaft, Personenvereinigung oder Vermögensmasse, die gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgt (§§ 34 bis 47 BAO), erbracht wird, die ihrerseits keinen Vorsteuerabzug geltend machen kann. Typischerweise wird bei Lieferungen und Sachspenden an inländische karitative Organisationen ein inländisches Hilfsprogramm im Sinne der Spezialverordnung vorliegen. Mit der Übergabe der Hilfsgüter an diese Organisationen für die entsprechenden Zwecke zur Hilfe vor Ort (z. B. Ukraine-Hilfe) ist davon auszugehen, dass eine widmungsgemäße Verbringung ins Bestimmungsland gegeben ist.
INFO
Weitere Details finden Sie unter www.usp.gv.at (Themen / Umwelt & Verkehr / Katastrophenfälle / Steuerrechtliche Behandlung von Hilfen)
85
eco.steuern
PARADIGMENWECHSEL IN DER UNTERNEHMERISCHEN BERICHTERSTATTUNG
86
Am 21. April 2021 veröffentlichte die EU-Kommission ihren Vorschlag zur Überarbeitung der Non-Financial-Information (NFI)-Richtlinie (2014/95/EU), welche die Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichte im EU-Raum präzisieren und zum Teil auch neu definieren soll. Dieser Vorschlag, die sogenannte Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), kündigt tiefgreifende und umfassende Änderungen hinsichtlich der Berichterstattungsanforderungen sowie des Umfanges der berichtspflichtigen Unternehmen an und unterstreicht die Ambitionen der EUKommission, eine nachhaltige europäische Wirtschaft zu schaffen. TEXT: MARTIN GANSTERER
D
ie aktuell gültige NFI-Richtlinie, die in Österreich als Nachhaltigkeitsund Diversitätsverbesserungsgesetz umgesetzt worden ist, verpflichtet seit dem Jahr 2017 alle Unternehmen öffentlichen Interesses, die im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Arbeitnehmer*innen be-
schäftigten, einen separaten nichtfinanziellen Bericht oder eine nichtfinanzielle Erklärung im Lagebericht aufzunehmen. Knapp 100 Unternehmen in Österreich, welche die Kriterien erfüllen, haben gemäß Unternehmensgesetzbuch/UGB nichtfinanzielle Informationen offenzulegen, die für das Verständnis des Ge-
schäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage der Gesellschaft sowie der Auswirkungen ihrer Tätigkeit erforderlich sind und die sich zumindest auf Umwelt-, Mitarbeiter*innen- und Sozialbelange, die Achtung der Menschenrechte sowie auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung beziehen.
eco.steuern
Die ersten Jahre der verpflichtenden Berichterstattung zu nichtfinanziellen Informationen haben jedoch sehr schnell erkennen lassen, dass der Spielraum, den die gesetzlichen Rahmenbedingungen den Unternehmen geben, zu groß geraten ist. Dies hat zu einem äußerst heterogenen Bild der nichtfinanziellen Berichterstattung in Österreich, aber auch in den restlichen EU-Mitgliedsstaaten geführt. Ein fehlender Berichterstattungsstandard sowie die fehlende Verpflichtung, einen etablierten Standard wie jenen der Global Reporting Initiative (GRI) zu verwenden, führte dazu, dass die offengelegten, nichtfinanziellen Informationen nicht vollständig und selbst bei Unternehmen derselben Branche kaum vergleichbar waren. Außerdem führte eine fehlende Prüfpflicht dazu, dass die offengelegten nichtfinanziellen Informationen zum Teil nicht sehr zuverlässig waren. Zu guter Letzt zeigen sich gravierende Lücken zu jüngeren Regelungen, die seitens der EU-Kommissionen im Nachhaltigkeitsbereich zum Beispiel betreffen die Offenlegungsverordnung, die sich an die Finanzmarkteilnehmer*innen richtet, oder die Taxonomieverordnung, die ökologisch nachhaltige Tätigkeiten definiert und von allen Unternehmen, die unter die NFI-Richtlinie fallen, erstmals für den Berichtszeitraum 2021 zu berücksichtigen ist, erlassen wurden. Diese Kritikpunkte an der aktuellen NFI-Richtlinie wurden übereinstimmend von allen Stakeholdern im Zuge einer Konsultation geäußert. Zudem wurde die Einschränkung der verpflichtenden Berichterstattung auf Unternehmen öffentlichen Interesses mit mehr als 500 Mitarbeiter*innen im Jahresdurchschnitt kritisiert, da die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens auf Nachhaltigkeitsbelange unabhängig von der Gesellschaftsform auftreten. Aus dem erhaltenen Feedback der Stakeholder sowie den Ergebnissen der Konsultationen erarbeitete die EU-Kommission einen Vorschlag zur Überarbeitung der NFI-Richtlinie, und zwar die erwähnte CSRD.
INHALT DER CSRD
Die erste Klarstellung der CSRD betrifft die Benennung der Berichterstattung als Nachhaltigkeitsbericht. Damit möchte die EU-Kommission dem möglichen Fehlschluss, den die Bezeichnung „nichtfinanzielle Berichterstattung“ bewirken kann, und zwar, dass Nachhaltigkeit keine Auswirkungen auf die Finanzlage von Unternehmen hat, einen Riegel vorschieben. Diese kleine
Mag. Martin Gansterer, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Director Audit & Assurance bei Deloitte Tirol
Änderung sowie der äußerst ambitionierte Zeitplan der Umsetzung zeigen aber bereits sehr deutlich, dass es der EU-Kommission ein besonderes Anliegen ist, nachhaltige Unternehmen und eine nachhaltige europäische Wirtschaft zu schaffen.
BETROFFENE UNTERNEHMEN UND STANDARDSETZUNG
Der wohl wichtigste Aspekt der CSRD für viele Unternehmen im EU-Raum ist die massive Ausweitung des Umfangs an Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen sollen: • Alle großen Kapitalgesellschaften (Umsatz > 40 Millionen, Bilanzsumme > 20 Millionen und Anzahl der Mitarbeiter*innen > 250, wobei zwei von drei Merkmalen erfüllt sein müssen) • Alle großen Banken und Versicherungen jedweder Rechtsform • Kapitalmarktorientiere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) • Ausländische Unternehmen, die an geregelten Kapitalmärkten in der EU notieren Für Österreich bedeutet diese Regelung, dass ab dem Jahr 2023 der Umfang der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen müssen, von knapp 100 auf über 2.000 steigen wird, wobei eine stufenweise Einführung von 2024 bis 2026 aus heutiger Sicht wahrscheinlich ist. Diese recht kurze Zeit bis zum Inkrafttreten hat aber bereits zu Widerstand geführt, sodass die EU-Kommission in einem Kompromiss mittlerweile eine stufenweise Einführung der CSRD vorsieht: 2024 für Unternehmen öffentlichen Interesses, 2025 für alle wei-
teren von der CSRD umfassten Unternehmen. In Anbetracht der Erarbeitung eines EU-Berichterstattungsstandards, mit dem die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) beauftragt wurde und der erst mit Oktober 2022 vorliegen soll, ist eine Verschiebung der verpflichtenden Berichterstattung um ein bzw. zwei Jahre durchaus sinnvoll, um Unternehmen die notwendige Zeit zur Umsetzung der neuen Berichtspflichten entsprechend dem EU-Standard zu geben. Dieser EU-Berichterstattungsstandard ist eine weitere wesentliche Änderung durch die CSRD. Er wird verpflichtend anzuwenden sein und zielt darauf ab, die offengelegten Nachhaltigkeitsinformationen vergleichbar zu machen, den Interpretationsspielraum hinsichtlich dessen, was zu berichten ist, zu reglementieren, um so für Stakeholder verlässliche, korrekte und vor allem vergleichbare Informationen zu generieren. Die Notwendigkeit von verpflichtend anzuwendenden Standards hat auch die IFRS Foundation erkannt und veranlasst, ebenfalls an einem Standard zur Nachhaltigkeitsberichterstattung zu arbeiten, wobei dieser mehr auf die Interessen der Investoren ausgerichtet sein wird, wohingegen der Standard der EFRAG die Informationsinteressen aller Stakeholder bedienen soll. Es besteht daher die Befürchtung, dass es letztlich zwei Standards mit unterschiedlichen Zielsetzungen geben wird. Mittlerweile hat man sich jedoch bei der Erstellung der Standards geeinigt, sich miteinander auszutauschen, damit es zu keinen gravierenden unterschiedlichen Auffassungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung kommt.
87
eco.steuern
88 PRÜFPFLICHT Um die Verlässlichkeit weiter zu erhöhen, werden die Nachhaltigkeitsinformationen im Lagebericht zu veröffentlichen sein, und die CSRD sieht erstmals auch eine Prüfpflicht des Nachhaltigkeitsberichtes vor. In einem ersten Schritt wird es eine verpflichtende Prüfung mit begrenzter Sicherheit (Plausibilitätsprüfung der veröffentlichten Informationen und Daten) sein. Nach einer kurzen Evaluierungsphase ist dann von einer Prüfung mit hinreichender Sicherheit auszugehen, wodurch das Prüfniveau der Nachhaltigkeitsinformationen jenes der Finanzinformationen erreicht. Die Anforderungen, die im Rahmen der Prüfung an die Nachhaltigkeitsinformationen gestellt werden, sind damit auf dem Niveau der Finanzinformationen. Es bedarf daher dokumentierter Prozesse, implementierter Kontrollen und eines entsprechenden Kontrollsystems, klarer Verantwortlichkeiten und festgelegter Strukturen, um die Richtigkeit der Informationen und Daten gewährleisten zu können. Für Unternehmen, die bisher noch keinen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht haben, ist es empfehlenswert, ehestmöglich mit dem Aufbau entsprechender Strukturen zu beginnen, um unliebsame Überraschungen bei der Prüfung des Nachhaltigkeitsberichtes durch den Wirtschaftsprüfer zu vermeiden.
INHALTLICHE ANFORDERUNGEN UND KLARSTELLUNGEN Neben weiteren neueren inhaltlichen Anforderungen, wie der Berichterstattung zu sogenannten „intangible resources“, also Human-, Sozial-, Beziehungs- und intellektuelles Kapital eines Unternehmens (was genau dazu berichtet werden soll, wird aktuell von der EFRAG erarbeitet), klaren Zielen im Nachhaltigkeitsbericht, die mit einem 1,5°C-Ziel des Paris Agreement vereinbar sind, und entsprechenden Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen, hat die EU-Kommission sich auch um eine Klarstellung im Zusammenhang mit der Wesentlichkeitsanalyse bemüht. Damit werden jene Nachhaltigkeitsthemen bestimmt, die für ein Unternehmen wesentlich sind und über welche es Bericht erstatten muss. Im Zuge der NFI-Richtlinie wurde oftmals diskutiert, welche Risikoperspektive bei der Wesentlichkeitsanalyse relevanter ist: entweder die Risiken, die von Unternehmen auf die Nachhaltigkeitsbelange ausgehen, die so genannte Inside-out-Perspektive, oder die Risiken, die von außen auf das Unternehmen einwirken, also Outside-in-Perspektive. Hier wurde seitens der EU-Kommission der Begriff der „doppelten Wesentlichkeit“ definiert, das heißt, es sind beide Perspektiven für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zukünftig
relevant, um die Wesentlichkeit eines Themas zu bestimmen. Zudem sind weiterhin unverändert die Interessen aller Stakeholder bei der Bestimmung der Wesentlichkeit und somit letztlich drei unterschiedliche Ebenen bei der Wesentlichkeitsanalyse zu berücksichtigen. Der Prozess, wie ein Unternehmen seine wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen bestimmt, ist dabei nachvollziehbar zu dokumentieren und sollte so aufgesetzt werden, dass die richtigen Themen identifiziert werden, da dies der Ausgangspunkt zur Ableitung der Strategie im Nachhaltigkeitsbereich ist, die wiederum sinnvoll in die Gesamtstrategie des Unternehmens einzubetten ist.
TAXONOMIEVERORDNUNG
Abschließend sind auch noch die Verpflichtungen, die aus der TaxonomieVO resultieren, zu erwähnen, da diese alle Unternehmen treffen, die unter die CSRD fallen werden. Für Nichtfinanzunternehmen (als Abgrenzung zum Finanzsektor) sieht Artikel 8 der TaxonomieVO vor, dass Unternehmen die nachhaltigen Anteile an Umsätzen, Investitions- und Betriebskosten offenlegen müssen, die gemäß TaxonomieVO als nachhaltig gelten. Um festzustellen, ob eine Geschäftstätigkeit im Sinne der TaxonomieVO nachhaltig ist, muss die wirtschaftliche Tätigkeit einen Beitrag zu einem von sechs
eco.steuern
Umweltzielen leisten und dabei keines der anderen fünf Umweltziele wesentlich schädigen. Um dies zu erheben, gibt es für verschiedene wirtschaftliche Tätigkeiten sogenannte technische Bewertungskriterien, die eine wirtschaftliche Tätigkeit bei deren Einhaltung als nachhaltig einstufen, sowie „Do No Significant Harm“-Kriterien, die zu berücksichtigen sind, da keines der Umweltziele geschädigt werden darf. Zudem gibt es den Begriff des Mindestschutzes, der den Unternehmen auferlegt, dass die Einhaltung von Menschen- und Arbeitnehmer*innenrechten im Zuge der Unternehmenstätigkeit gewährleistet werden muss. Für Unternehmen ist damit ein nicht zu unterschätzender Aufwand verbunden, da die Bestimmung der Taxonomie-KPIs recht umfangreiche Evaluierungen und Datenerhebungen bedeutet.
FAZIT
Mit der CSRD kommen auf knapp 2.000 Unternehmen in Österreich umfangreiche Offenlegungsanforderungen zu, die die Schaffung entsprechender Unternehmens- und Reportingstrukturen erfordern. Unternehmen, die sich bisher noch nicht mit Nachhal-
Nachhaltigkeitsberichte enthalten nichtfinanzielle Informationen, die sich unter anderem auf Umwelt- und Sozialbelange, die Achtung der Menschenrechte sowie die Bekämpfung von Korruption beziehen. tigkeitsinformationen auseinandergesetzt haben, ist zu empfehlen, sich ehestmöglich damit vertraut zu machen, um von den Erfordernissen aus der CSRD nicht überrascht zu werden. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich, ehestmöglich mit den Vorbereitungen für den Nachhaltigkeitsbericht zu beginnen, eine Wesentlichkeitsanalyse unter Einbeziehung relevanter Stakeholdergruppen durchzuführen und sich bei der Berichterstattung der GRI-Standards zu bedienen, da die EFRAG sich bei der Erarbeitung des
EU-Standards stark auf GRI-Standards stützt. Weiters empfiehlt sich, sich mit der TaxonomieVO im Detail auseinanderzusetzen, seine eigenen wirtschaftlichen Geschäftstätigkeiten zu definieren und mit den Anforderungen aus den technischen Bewertungskriterien sowie den „Do No Significant Harm“-Kriterien abzustimmen. Die CSRD ist, kurz gesagt, ein Paradigmenwechsel in der Berichterstattung großer österreichischer Unternehmen und erfordert entsprechenden Einsatz bei der Umsetzung, die auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte, da die CSRD auch einen Strafrahmen für die Nichteinhaltung der Vorgaben vorsieht. Und dieser Strafrahmen soll gemäß CSRD wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein. Wie die jüngsten Erfahrungen zeigen, haben Unternehmen, die sich dem Thema „Nachhaltigkeit“ umfassend und erfolgreich widmen, Vorteile am Kapitalmarkt, beim Rekrutieren von neuen Mitarbeiter*innen und im Wettbewerb zu anderen Unternehmen. Eine erfolgreiche Implementierung der CSRD kann somit auch als große Chance für Unternehmen angesehen werden. Gerne unterstützen wir Sie dabei. www.deloitte.at/tirol
IM.ABO N° 02 lifestyle
DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN
N° 01
DIE ZUKUNFT BEGINNT…
ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN
RESILIENZ. Den Standort krisenfestigen
PAARTHERAPIE. Standort- vs. Umweltanwalt LIFE SCIENCES. Forschen für die Gesundheit TIROLER WEG. Touristische Korrekturen
TOP
5G: New Radio für Mensch und Maschine FASZINATION FORSCHUNG: Mitten in der Zukunft MEDIZININFORMATIK: Die Wissenschaft der Daten BIONIK: Aus der Natur zurück zur Natur
500 Ausgabe Nr. 06 | Juni/Juli 2021 P.b.b. Verlagspostamt 6020 Innsbruck ZNr. GZ 02Z030672 M | Euro 3.00
S eite 215
MÄRZ 2022 | P.B.B. VERLAGSPOSTAMT 6020 INNSBRUCK | ZNR. GZ 02Z030672 M | EURO 3.00
FEBRUAR 2022 | P.B.B. VERLAGSPOSTAMT 6020 INNSBRUCK | ZNR. GZ 02Z030672 M | EURO 3.00
Tirols Wirtschaft auf dem Prüfstand. Was Sie schon immer über die besten Betriebe im Land wissen wollten.
LACH MAL WIEDER.
7 AUSGA BEN – DA S W IRTSCH A F TSM AGA ZIN 7 AUSGA BEN – ECO.NOVA SPEZI A L
ZUM VOR ZUGSPREIS VON 2 9 EURO (AUSL A ND: 49 EURO) E-M A IL: R EDA K T ION@ECONOVA . AT | A BO -HOT LINE: 0512/29 00 88-10
W W W.E C ONOVA . AT
W IR M ACHEN M AG A Z IN .
89
eco.steuern
UNTERNEHMENSWERTE
Wie stark wirken sich die Pandemie und steigende Energiekosten auf den Unternehmenswert von Hotel- und Gastronomiebetrieben aus?
90
TEXT: SIMON LENTNER, HUGO HUBER
C
orona hat die Tourismusbranche in den letzten zwei Jahren hart getroffen. Hilfsmaßnahmen konnten noch schlimmere Auswirkungen zwar verhindern, aber wie sieht es mit der Entwicklung in den kommenden Monaten und Jahren aus? Welche Auswirkung hatte und hat Corona auf die Unternehmenswerte von Hotelbetrieben und können steigende Energiekosten abgefedert werden?
GRUNDLEGENDES
Die moderne Unternehmensbewertung ist als Investitionsrechnung aufgebaut. Ausschlaggebend für die Wertfindung ist (fast) ausschließlich die zukünftige Entwicklung des Betriebes und aus Planrechnungen plausibel ableitbare Ausschüttungen/Entnahmen/Cashflows. Diese Kenngrößen bilden die Grundlage für die Bewertung von Gastronomie- und Hotelbetrieben. Betriebe, die keine Überschüsse abwerfen, haben somit keinen darstellbaren Unternehmenswert (Untergrenze ist der Liquidationswert des Betriebes). Die Arbeitsleistung durch den Unternehmensinhaber selbst, die Finanzierungssituation, Investitionsbedarf und
so weiter sind entscheidende Faktoren, die analysiert werden und Eingang in eine plausible Planrechnung finden müssen. In der Praxis wird man sich hier in einem ersten Schritt an Erfolgsgrößen der Vergangenheit orientieren und so die Plausibilität der Planung beurteilen. Auch die Plausibilisierung anhand von Branchenkennzahlen (KMU-Forschung Austria) kann hier wertvolle Informationen liefern (siehe Abb. 1). Um den Wert eines Hotelbetriebes ableiten zu können, müssen die geplanten Ausschüttungen/Free Cashflows mit einem
risikoadäquaten Zinssatz auf den Bewertungsstichtag abgezinst werden. Wie man an Abbildung 2 sehen kann, kommt den Cashflows aus der ewigen Rente (auch die Fortführungsphase genannt, diese umfasst in der Regel 25 bis 50 künftige Jahre) die größte Bedeutung zu. Die Coronakrise sollte daher nach der Erholung in den Jahren 2023 und 2024 keinen dauerhaften negativen Einfluss auf die Unternehmenswerte von Tourismusbetrieben haben, da die Branche und die Gäste lernen werden und bereits gelernt haben, mit Corona umzugehen.
eco.steuern
UNTERNEHMENSWERTBANDBREITE
Die Unternehmenswert-Bandbreiten sind eine Orientierungsgröße, die sich aus einer Vielzahl an durchgeführten objektivierten Unternehmensbewertungen ergibt. Der Unternehmenswert eines bestimmten Betriebes lässt sich dadurch aber nicht feststellen. Dazu bedarf es einer individuellen Analyse durch Spezialisten. Berechnungsbeispiel in € (zusammenfassend zur Grafik WACC-Verfahren): • EBIT 100 (x Multiple – Bankverb.) • Bankverbindlichkeiten 400 • Unternehmenswertbandbreite 500–1.300 • Mittelwert 900
Aktuelle Bandbreiten-Multiples für die Bewertung von Gastronomie/ Hotelbetrieben (KMU): • EV / Umsatz: 0,7 bis 1,5 • EV / EBITDA: 6,5 bis 15 • EV / EBIT: 9 bis 17
91
Aktuelle Studien der HVS-Gruppe (www. hvs.com – Hotel Valuation Index Europe 2021) zeigen, dass durch die Coronakrise die Unternehmenswerte von Hotel- und Gastronomiebetrieben in Europa im Jahr 2020 um bis zu 25 Prozent eingebrochen sind. Gravierende Unterschiede ergeben sich dabei zwischen Städtetourismus und Ferienregionen sowie zwischen kleinstrukturierten Betrieben und größeren Hotelketten. Wien verzeichnet dabei als Referenzgröße für Österreich einen Einbruch von 18,2 Prozent bei den Hotelunternehmenswerten. Die aktualisierte Studie für das letzte Jahr sollte im Frühjahr 2022 veröffentlicht werden, dabei muss aber wohl erneut mit Einbrüchen von über 10 Prozent gerechnet werden. Die Reisestatistiken der letzten zwei Jahre lassen aber darauf schließen, dass das Urlaubsangebot im Westen Österreichs deutlich besser angenommen wird und demnach der Wertverlust durch die Pandemie ein Ende finden wird.
AUSBLICK
Nach den erneuten Lockdowns vor dem Jahreswechsel und damit einhergehen-
den Beschränkungen im Tourismus wird es zeitverzögert, aber sukzessive in den nächsten zwei Jahren zu einer Erholung der Branche kommen. Wir gehen davon aus, dass die Unternehmenswerte von Hotel- und Gastronomiebetrieben in einem realistischen Szenario dann wieder das Niveau vor der Coronakrise erreichen. Verzögerungen bei der Erholung kann es durch den Krieg in der Ukraine und den deutlichen Anstieg der Energiepreise geben. Hier wird mit Kostensteigerungen von bis zu 40 Prozent gerechnet. Allerdings berichtet die Tourismusbranche im Westen, dass verstärkt die Reiseziele im geografischen Nahbereich nachgefragt werden und Tirol hier mit einem guten Angebot überzeugen kann. Gesamt betrachtet wird eine Erholung eintreten, die jedoch unterschiedlich stark ausfallen wird – während sich die Freizeitbranchen in Ferienregionen sehr rasch erholen werden, muss für den Städtetourismus mit den bekannten Problemen im internationalen Reiseverkehr mit einer deutlich langsameren Erholung gerechnet werden (siehe Abb. 3).
MMAG. SIMON LENTNER HUGO HUBER, M.Sc.
Steuerberater und Partner bei der Wirtschaftstreuhand Tirol sowie gerichtlich beeidete Sachverständige. Einer ihrer Beratungsschwerpunkte liegt in der Unternehmensbewertung von Klein- und Mittelunternehmen. Rennweg 18, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/58 99 02
www.wtt.tirol
eco.recht
BIG BROTHER IM EIGENEN AUTO Viel wird über Datenschutz geschrieben und diskutiert. Noch nicht allgemein bekannt ist, dass bestimmte personenbezogene Daten von neueren Autos nicht nur gesammelt, sondern nun auch verpflichtend an die Hersteller und die EU-Kommission sowie die Europäische Umweltagentur (EUA) übermittelt werden müssen. T E X T : I V O R U N G G , B I N D E R G R Ö S S W A N G R E C H T S A N W Ä LT E , I N N S B R U C K
92
Dr. Ivo Rungg
H
intergrund dieser Entwicklung war der Dieselskandal, der die EU-Kommission zur Durchführungsverordnung (EU) 2021/392 bewog. Danach müssen die Kfz-Hersteller und bald auch die Mitgliedstaaten selbst den tatsächlichen Kraftstoff- und Energieverbrauch von Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen zusammen mit der Fahrzeugidentifizierungsnummer (FIN) überwachen und melden. Erfasst werden damit zum Beispiel die Art des Autos, zurückgelegte Strecke und Verbrauch, die allesamt über die FIN einem Auto und damit in der Regel einer Person zugeordnet werden können. Übergeordnetes Ziel ist die Überwachung der von der EU festgelegten Ziele zur Senkung der verkehrsbezogenen
CO2-Emissionen durch Daten aus dem praktischen Fahrbetrieb. Zur Erhebung und Meldung der Daten aus dem praktischen Fahrbetrieb sind einerseits die Hersteller und andererseits die Mitgliedsstaaten verpflichtet. Hersteller bedienen sich dafür primär fahrzeuginterner Überwachungseinrichtungen, die eine direkte Datenübertragung online ermöglichen. Alternativ werden die Daten von einem Vertragshändler oder einer Vertragswerkstatt im Zuge jeder Wartung, Reparatur oder anderen Intervention über die seriellen Schnittstellen des Fahrzeuges ausgelesen. Für Österreich gilt ab 20. Mai 2023 zusätzlich, dass diese Daten im Rahmen der technischen Überwachung, vielen bekannt als „Pickerl“, erhoben werden müssen. Die erhobenen Daten unterliegen als personenbezogenes Datum dem strengen Regime der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Hersteller, Händler und Werkstätten sowie für die §-57a-Begutachtung zuständigen Stellen müssen deshalb ihren datenschutzrechtlichen Informationspflichten gegenüber Fahrzeughaltern als betroffene Personen nachkommen. Da die Datenverarbeitung auf einer rechtlichen Verpflichtung beruht, wird vom Fahrzeughalter aber keine datenschutzrechtliche Einwilligung eingeholt. Allerdings sieht die Verordnung vor, dass diesen die Möglichkeit eingeräumt werden muss, der Datenerhebung/-übermittlung ausdrücklich zu widersprechen. Zwar gibt es noch keine klaren Angaben, wie dieses Verweigerungsrecht zu erfolgen hat. Wer sich mit dem diesbezüglichen Big Brother im eigenen
Auto unwohl fühlt, sollte aber beim Kauf und jedem Werkstattbesuch klarstellen, dass er dem Auslesen dieser Daten widerspricht.
BUCHTIPP
Die Europäische Union – das unbekannte Wesen Waldemar Hummer, Verlag Österreich, 588 Seiten, EUR 54,– Die Vorgänge in der und um die Europäische Union (EU) sind außerordentlich komplex und werden der österreichischen Öffentlichkeit nicht immer entsprechend aufbereitet. Um dieses Informationsdefizit wenigstens teilweise auszugleichen, hat Waldemar Hummer versucht, die wichtigsten Fragen in einer eigenen Sammelschrift näher darzustellen und zu erklären. In den bisher erschienenen fünf Bänden werden über einen Zeitraum von 16 Jahren (2005 – 2021) und auf über 3.000 Druckseiten mehr als 500 unterschiedliche Beiträge mit Bezug zur EU abgehandelt. Der empfehlenswerte aktuelle Band 5 (2021) enthält neben einer umfassenden Darstellung des Brexit und seiner Konsequenzen weitere 40 einschlägige Artikel samt entsprechender Dokumentation.
BFI TIROL
GROSSES POTENZIAL VON DATEN VIELFACH UNGENÜTZT Data Mining und Machine Learning haben enormes Potenzial, um Unternehmen erfolgreicher zu machen, sei es, um Kosten nachhaltig einzusparen, Produktionen effizienter zu gestalten oder um Zielgruppen noch treffsicherer zu erreichen.
© ADOBESTOCK
AKTUELLE KURSE • KI und die Macht der Daten – Data Science und Business Analytics in der Praxis Start am 17. Oktober 2022 • Programmierakademie Infoabend am 19. April 2022 • Ausbildung zum/zur Web Developer*in Start am 12. Oktober 2022 • Sicherheitsfachkrafttag am 21. April 2022
• Buchhaltung – Praxislehrgang, Online-Kurs Start am 23. April 2022
U
nternehmen wie Amazon oder Google zählen vor allem deshalb zu den weltweit größten Unternehmen, weil sie es verstanden haben, gesammelte Kundendaten zu analysieren und draus Rückschlüsse, Prognosen oder konkrete Maßnahmen abzuleiten, um ihren nachhaltigen maximalen Profit zu gewährleisten. Voraussetzung für Data Mining und Machine Learning ist die Verfügbarkeit von Daten unterschiedlichster Herkunftsart und Struktur, die heute in nahezu allen Unternehmen gewonnen werden – auch aufgrund der zunehmenden Digitalisierung. Besonders über Webshops, ERP/CRM-Systeme oder den Einsatz von Maschinen werden oft große Mengen an Daten gesammelt, die meist noch ungenutzt bleiben. Selbst jeder Konsument oder Interessent hinterlässt tagtäglich seine Spuren im Internet oder beim Einkauf, die findige Unternehmen gezielt für sich nutzen. „Die Anwendungsgebiete sind nahezu grenzenlos, besonders oft zum Einsatz kommt Data Mining zum Beispiel im Handel, im Marketing, im Tourismus oder im Finanzwesen“, so Stefan Aigner, Datenanalyst und Lehrgangsleiter am BFI Tirol. Über ausgeklügelte Algorithmen können Daten ausgewertet und analysiert
werden. Die richtige statistische Interpretation der Ergebnisse und die Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz führen zu fundierten Erkenntnissen über Prozesse oder Kunden, die zu richtungsweisenden monetären Verbesserungen führen können. Das BFI Tirol bietet dazu den neuen Lehrgang „KI und die Macht der Daten – Data Science und Business Analytics in der Praxis“. Dabei wird nicht nur praxisorientiertes Wissen für die Datenanalyse mit KI vermittelt, sondern es werden auch didaktisch bewährte Unterlagen, aufschlussreiche Demonstratoren, praxiserprobte Vorlagen und digitale Werkzeuge für den Einsatz in Ihrem Unternehmen mitgegeben. Der nächste Lehrgang in Innsbruck startet am 17. Oktober 2022 mit 105 Unterrichtseinheiten.
• Web-Design und Social Media Infoabend am 26. April 2022
• Ausbildungslehrgang zum/zur Systemischen Coach*in Start am 28. April 2022 • Ausbildung zum/zur Hausverwalter*in, Online-Kurs Start am 6. Mai 2022
• Berufsreifeprüfung – Matura in einem Jahr Infoveranstaltung am 20. Juni 2022 • Werkmeisterschule – 1. Semester der Fachrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau und Mechatronik Start am 12. September 2022
MASSGESCHNEIDERTE SCHULUNGEN NACH WUNSCH
Nach Bedarf konzipieren wir maßgeschneiderte Firmenschulungen, die auf Ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmt sind. Das BFI Tirol ist mit seiner mehr als 50-jährigen Erfahrung ein verlässlicher Partner für professionelle Firmentrainings. Wir freuen uns auf Ihr Interesse! PR
BFI TIROL Ing.-Etzel-Straße 7, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/59 660 info@bfi-tirol.at www.bfi.tirol
93
AK NOTARIAT
94
TEAMWORK MIT MEHRWERT Zwei Augenpaare sehen mehr als eines, mehrere kompetente Köpfe wissen mehr als einer und finden mit Sicherheit die optimale und zeitgemäße Lösung für jede vertragsrechtliche Aufgabenstellung. Dieses Grundprinzip verfolgen Öffentlicher Notar Dr. Lukas König und Notarsubstitutin Dr. Daniela Almer im AK Notariat in der Innsbrucker Erlerstraße 4. Hier wird im Team daran gearbeitet, höchste Beratungs- und Dienstleistungsqualität zu liefern, physisch vor Ort genauso wie digital. TEXT: MARIAN KRÖLL
AK NOTARIAT
emeinsam mit ihrem kompetenten Juristenteam betreuen Dr. Daniela Almer und Dr. Lukas König Privatpersonen und Wirtschaftstreibende, nationale und internationale Unternehmen sowie Körperschaften öffentlichen Rechts in sämtlichen vertraglichen, gesellschaftsrechtlichen und erbrechtlichen Angelegenheiten. „Mit AK Notariat entsteht eine neue Partnerschaft. Wir leben als Teamplayer eine moderne Form der Zusammenarbeit, die in unserem Berufsfeld nicht unbedingt üblich ist“, sagt Lukas König. Diese enge Zusammenarbeit wirkt sich positiv auf die Dienstleistungsqualität des Notariats aus. Beide Juristen sind in sämtlichen Bereichen des Notariats – Liegenschafts- und Immobilienrecht, Gesellschafts- und Unternehmensrecht, Familienund Erbrecht sowie bei digitalen notariellen Dienstleistungen – bewandert und pflegen einen regen und konstanten Austausch, von dem Klienten profitieren. Lukas König und Daniela Almer ist es wichtig, überkommene Hierarchien hinter sich zu lassen und ein modernes Miteinander zu leben. Dazu gehört, dass man auch den Assistentinnen und Assistenten die Möglichkeit gibt, sich weiterzubilden und aufgrund des dann vorhandenen Wissens Verantwortung zu übernehmen. „Es ist der Notariatskammer gelungen, mit der Universität Innsbruck einen Lehrgang ‚Akademisch geprüfte Kanzleiassistenz‘ ins Leben zu rufen. Dieser bietet unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Aufstiegsmöglichkeiten, die sich vom klassischen Sekretariatsjob abheben und ein weitgehend selbständiges Arbeiten in vielen verschiedenen, eigentlich juristischen Bereichen erlauben. Diese fundierte zweijährige Ausbildung bringt unseren Mitarbeitern das gesamte juristische Spektrum noch einmal näher, das wir als Notare abdecken“, betont Lukas König. Derzeit nehmen zwei Assistentinnen aus dem AK Notariat an diesem Lehrgang teil. Im AK Notariat, das einen besonderen Fokus auf das Unternehmens- und Gesellschaftsrecht legt, ist in allen Belangen Teamwork angesagt. „Der klassische Notar ist ein Einzelkämpfer, deshalb ist auch der Anteil an Notarpartnerschaften insgesamt gering. Es gibt wahrscheinlich kaum Kanzleien, die
„Wir sehen es als unsere Aufgabe, ein Mehr an Betreuungsqualität zu liefern. Teamwork versetzt uns in die Lage, das zu können.“ LUKAS KÖNIG
unser Selbstverständnis teilen, das traditionelle Berufsbild eines Notars hinterfragen und stattdessen Synergien schaffen und nützen wollen“, sagt Daniela Almer.
Wie kann man sich Ihr Teamwork in der Praxis vorstellen? LUKAS KÖNIG: Größere Causen werden miteinander bearbeitet, so dass immer einer von uns beiden als Ansprechpartner zur Verfügung steht und beide mit der Materie entsprechend vertraut sind, sodass bei Urlaub oder Abwesenheit eine lückenlose Betreuung stattfinden kann. Es gibt regelmäßige Juristenbesprechungen mit allen Juristen der Kanzlei und einen ständigen Austausch über wesentliche Dinge. Ebenso werden Fortbildungen besucht, damit alle aktuellen Entwicklungen für unsere Klienten abgebildet werden können. DANIELA ALMER: Unser Vier-Augen-Prinzip macht es möglich, dass die Spezialkenntnisse und Expertise des jeweils anderen in allen Fällen eingesetzt werden können. Eine einzelne Person kann unmöglich Experte in sämtlichen Fachgebieten sein und so können eben viele Gebiete abgedeckt werden. ECO.NOVA:
Welcher Mehrwert ergibt sich dadurch für die Klienten? ALMER: Unsere Klienten profitieren insofern von dieser Konstellation, als dass untereinander ein ständiger Wissenstransfer, vor allem was Änderungen der Gesetzeslage oder steuerliche Neu-
erungen betrifft, stattfindet. Wir entwickeln auch unsere Verträge ständig weiter und passen sie an aktuelle Rechtsentwicklungen an. Diese Änderungen kommen dann sofort zur Anwendung, sodass dem Klienten die bestmögliche Betreuung gesichert werden kann. Wer sich nicht fortbildet und austauscht, läuft Gefahr, Dinge zu tun, die nicht mehr zeitgemäß sind. KÖNIG: Man darf nicht davon ausgehen, dass die rechtlichen Grundlagen statisch sind, das Gegenteil ist der Fall: Die Rechtsmaterien sind ständigen Änderungen und Novellierungen ausgesetzt, die Gerichte arbeiten fleißig an der Neuinterpretation der Gesetze. Die Rahmenbedingungen entwickeln sich relativ schnell weiter – zum Beispiel steuerlich, aber auch zivilrechtlich – und auch die Bedürfnisse der Klienten ändern sich. Es war beispielsweise vor einigen Jahren noch unüblich, in Kaufverträgen über Baugrundstücke oder Immobilien das Thema Kontaminierungsfreiheit zu berücksichtigen. Heutzutage sollte das, gerade wenn man sich unsere Grundstücksbzw. Immobilienpreise ansieht, eigentlich Standard sein. Man macht generell vermeintlich einfache Kaufverträge heute deutlich anders als noch vor zehn Jahren.
Es wird also vertraglich für mehr Eventualitäten Vorsorge getroffen als früher? KÖNIG: So ist es. ALMER: Mittlerweile sind Kaufurkunden sehr umfangreich geworden
95
AK NOTARIAT
96
und es gibt viele Dinge, die vor dem Kauf geprüft werden müssen. Nur so kann eine Urkunde geschaffen werden, die sämtliche relevanten Rechtsgebiete abdeckt und individuell auf den Bedarf zugeschnitten ist. KÖNIG: Im unternehmensrechtlichen Bereich ist das Schlagwort der Due Diligence bekannt. Das ist die in der Regel vom Käufer veranlasste genaue Prüfung des Kaufobjektes beim Unternehmenskauf. Eine Due-Diligence-Prüfung sollte aber auch beim Immobilienerwerb ein Thema sein. Eine Eintragung ins Grundbuch allein ist deutlich zu wenig. Deshalb begleiten wir unsere Klienten beim gesamten Immobilienkauf und leiten sie an, ihres eigenen Glückes Schmied zu sein. Wir sehen es als unsere Aufgabe, ein Mehr an Betreuungsqualität zu liefern. Teamwork versetzt uns in die Lage, das zu können.
Es ist aber nicht nur Teamwork, das in Ihrem Notariat großgeschrieben wird, sondern auch digitale Kompetenz. Was zeichnet Sie in dieser Hinsicht aus? ALMER: Gerade durch die Coronakrise hat sich im Bereich Digitalisierung im Notariat viel getan. Fast alle Dienstleistungen, Beurkundungen und Notariatsakte, aber auch Gesellschafterversammlungen können heutzutage digital stattfinden. Wir gehören in dieser Hinsicht sicher zu den Vorreitern, haben uns von Anfang an diesem Themen-
„Wer sich nicht fortbildet und austauscht, läuft Gefahr, Dinge zu tun, die nicht mehr zeitgemäß sind.“ DANIELA ALMER
bereich gewidmet und die Kanzlei technisch ausgestattet.
Hat sich dieser Weg der Digitalisierung bewährt? KÖNIG: Ja. Es gibt zwar noch ein paar technische „Hemmschwellen“, weil nicht jeder Klient damit vertraut ist, etwas mit seiner Handysignatur zu unterschreiben oder an Videokonferenzen teilzunehmen. Wenn diese Dinge in Fleisch und Blut übergegangen sind, funktioniert das sehr gut und ist für Klienten ein enormer Mehrwert und eine Serviceleistung. Wir können heute eine E-Mail-Einladung aussenden und damit den Prozess zur digitalen Beurkundung starten. Dann durchläuft der Klient ein Video-Ident-Verfahren, um sich online zu identifizieren. Anschließend findet eine Videokonferenz zwischen Notar und Klient statt und dieser unterschreibt die Dokumente mittels Handysignatur. Als Notar kann ich das online beglaubigen und das Schriftstück hat dadurch exakt dieselbe Sicherheitsqualität wie ein herkömmlich beglaubigtes Dokument. Man arbeitet derzeit an Hybridurkunden, die sowohl händisch als auch digital
unterschrieben werden können, um allen Vertragsteilen die präferierte Option bieten zu können. Derzeit sind diese Dinge noch etwas zeitintensiver, funktionieren aber bereits sehr gut. Die technischen Möglichkeiten sind definitiv da, um unsere gesamte Bandbreite auch voll digitalisiert abbilden zu können. In kurzer Zeit werden diese Dinge rascher abgewickelt werden. Das stellt eine enorme Zeitersparnis dar. Ortsabwesenheit von einzelnen Parteien ist damit keine Hürde mehr für Vertragsabschlüsse. ALMER: Wir spielen Zukunftsmusik und sehen es als unsere Aufgabe, neue Dinge in gewohnter Qualität und in der bewährten notariellen Sorgfalt anbieten zu können. Als verhältnismäßig junges Team haben wir selbst einen guten Zugang zu neuen Technologien und Datenräumen, was wiederum die Umsetzung dieser neuen Möglichkeiten enorm erleichtert. Die Notariatsordnung zu erfüllen, ist die wesentliche Grundlage der Arbeit eines Notars, darüber hinaus ist es uns ein Anliegen als moderner und eben auch digitalisierter Dienstleister, unseren Klienten einen deutlichen Mehrwert bieten zu können. www.ak-notariat.at
Deine Lehre. Dein Erfolg. Bewirb dich jetzt auf eine Lehrstelle beim Land Tirol. www.tirol.gv.at/dufehlst
Bezahlte Anzeige | Bildnachweis: Land Tirol/Brandhuber
Du fehlst uns noch!
MOBILITÄ
auto & motor
98
Sportlicher Allrounder Porsche bringt mit dem Sport Turismo nebst der Sportlimousine und dem Cross Turismo eine dritte Karosserievariante seines Taycan auf den Markt und macht damit seinen Offroadspezialisten noch onroad-freundlicher. Insgesamt stehen für den Elektrosportler fünf Varianten von 326 bis 625 PS zur Wahl, die optionale Performance-Batterie Plus bringt nochmal ordentlich Zusatz-PS. Somit ist vom agilen Heckantriebler bis zum leistungsstarken Turbo S alles dabei. Letzterer beschleunigt dabei in blitzschnellen 2,8 Sekunden von 0 auf 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 260 km/h. Reichweitenstärkste Version ist der 4S Sport Turismo, der laut WLTP fast 500 Kilometer weit kommen soll. Seine athletische Silhouette mit nach hinten abfallender Dachlinie teilt sich der Sport Turismo mit seinem Cross-Modellbruder, verzichtet jedoch auf jegliche Offroad-Designelemente. Toll ist das Panoramadach mit Sunshine-Control, das auf Fingertipp transparent oder matt wird. Der Einstiegspreis liegt bei knapp 90.000 Euro, der Top-Taycan startet bei 190.000 Euro.
eco.mobil
BAUKASTENSYSTEM
WIEDERGEBURT Der SL von Mercedes ist eine Legende. Seit fast 70 Jahren begeistert der markante Sportwagen quasi jede Generation rund um den Globus und kehrt jetzt in einer Neuauflage zurück. Die 2022er-Version vereint die sportlichen Gene des Ur-SL mit der AMG-typischen Performance, gleichzeitig ist sie der Inbegriff von Luxus und Komfort. Mit dem klassischen Stoffverdeck und seinem sportlichen Charakter kehrt der Roadster zurück zu seinen Wurzeln, gleichzeitig ist der 2+2-Sitzer alltagstauglich und bringt seine Leistung erstmals mit Allradantrieb auf die Straße. Den Auftakt machen zwei Modelle mit AMG-V8-Motor mit 476 bzw. 585 PS und Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 315 km/h. Preis? In dieser Klasse eigentlich wurscht ...
R O C I T, B A B Y ! Der T-Roc hat von Volkswagen ein (optisches) Update verpasst bekommen. Das Kompakt-SUV kommt in der geschlossenen als auch der Cabriovariante mit frischen Designakzenten im Exterieur, deutlichen Fortschritten in den Bereichen Bedienung und Vernetzung sowie mit aufgewerteten Assistenzsystemen daher. Auch innen zeigt sich der Crossover moderner und hochwertiger. Zur Wahl stehen drei Otto- und zwei Dieselmotoren mit einem Leistungsspektrum zwischen 110 und 190 PS. Eingestiegen wird bei 27.190 Euro, ins Cabrio bei 35.000 Euro. Dessen Dach öffnet vollautomatisch in neun Sekunden und ist in elf Sekunden wieder zu.
Mit dem Solterra bringt Subaru sein neues vollelektrisches SUV auf den Markt und mit ihm das erste, das auf der für Batterie-Elektrofahrzeuge (BEV) kreierten e-Subaru-Global-Plattform basiert. Diese von Subaru und Toyota gemeinsam entwickelte Plattform ermöglicht die effiziente Einführung verschiedener Arten von Elektrofahrzeugen, indem mehrere Module und Komponenten wie die Vorder-, Mittelund Rückseite eines Fahrzeuges kombiniert werden. Nicht nur die Plattform wurde von den beiden Autobauern gemeinsam aufgebaut, die Zusammenarbeit umfasst auch die Produktplanung, das Design und die Leistungsbewertung für ein starkes Endprodukt. Übrigens ist auch der Name Solterra eine Art Koproduktion – aus den Worten Sol (Sonne) und Terra (Erde) nämlich, was den wertschätzenden Umgang der Marke mit der Natur widerspiegeln soll.
GRRRRRRR ... Das Sportcoupé GR86 von Toyota ist das dritte eigenständige Modell von Toyota Gazoo Racing. Das Trio (neben dem GR86 gibt’s das zweisitzige Coupé GR Supra sowie den vom Rallyesport inspirierten GR Yaris als Serienmodell) profitiert dabei vom Engagement im internationalen Spitzenmotorsport. Der GR86 ist eine sportliche Weiterentwicklung des Toyota GT86, ändert zwar das Kürzel, aber behält dessen klassische Konfiguration aus Frontmotor – ein drehfreudiger Vierzylinder-Boxer – und Hinterradantrieb bei. Entwickelt wurde er als „analoges Auto für das digitale Zeitalter“ und für alle, die sich mit Freude und Leidenschaft auf den reinen Fahrspaß konzentrieren – oder wie es die Japaner nennen: ein Waku-Doki-Auto. Der Einstieg in die Spaßwelt beginnt bei rund 35.000 Euro. FOTOS (WENN NICHT ANDERS VERMERKT): HERSTELLER
99
eco.mobil
ELEKTROMOBILITÄT = NACHHALTIGKEIT? Während Elektroautos vor nicht allzu langer Zeit noch eine Zukunftsvision waren, sind sie aus dem heutigen Straßenbild kaum noch wegzudenken. Zwar nehmen Verbrennermodelle bis dato noch den überwiegenden Teil an Neuzulassungen ein, doch die Sparte E-Mobilität wächst und wächst. TEXT: FELIX KASSEROLER
teil der Batterie – der Elektrolyt – verdampft und die Batterie folgend nicht mehr gefährlich ist. Auch bei diesen Verfahren ist eine Rückgewinnung der Rohstoffe möglich. Sie eignen sich somit für das Recyceln der Lithium-Ionen-Akkus. Schwierig für die Recyclingwerke ist hingegen die Tatsache, dass sich die gesamte E-Mobilität und insbesondere die Akkus beinahe jährlich weiterentwickeln oder auch gänzlich neue Möglichkeiten geschaffen werden. Das Hauptaugenmerk wird sich in den nächsten Jahren wohl auch weiterhin auf die gängige Lithium-Ionen-Batterie richten.
100
ANDERWEITIGE NUTZUNG VON BATTERIEN?
E
lektroautos gelten quasi als Inbegriff der mobilen Umweltfreundlichkeit. Doch mit der nachhaltigen Fahrweise tun sich auch einige Probleme auf. Diese betreffen den Otto Normalverbraucher zwar nicht direkt, die für Elektroautos sprechenden Argumenten Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit aber sehr wohl. Wohin mit der Batterie in Österreich? Können die darin enthaltenen edlen und unedlen Metalle recycelt werden? Gibt es eine Möglichkeit, ausrangierte Batterien auch anderweitig nutzbar zu machen? Diese und zahlreiche weitere Fragen werden uns die nächsten Jahre beschäftigen, sowohl auf österreichischer, europäischer als auch internationaler Ebene. Einen Ansatz erhofft sich zumindest die EU mit einer neuen Batterieverordnung, die wohl Mitte des Jahres finalisiert werden wird und konkrete Vorgaben für das Recycling von ausgedienten Lithium-Ionen-Batterien enthalten soll. Beispielsweise soll die Verwertungsquote auf 65 Prozent angehoben werden.
BATTERIERECYCLING IN ÖSTERREICH? Da sich der Anteil an Elektroautos zuweilen verglichen mit den herkömmlich angetriebenen Modellen trotz rasant steigender Zahlen in Grenzen hält, hielt man es in Österreich bis heute nicht für notwendig, ein eigenes Recyclingwerk zu schaffen. Dementsprechend werden ausrangierte Lithium-Ionen-Akkus aktuell aus der Karosserie ausgebaut, fachgerecht gelagert und dann nach Deutschland gebracht, wo sich bereits einige Recyclingwerke an der schwierigen Suche nach der richtigen Verfahrensart versuchen. Denn während man sich zumindest in der Frage einig ist, ob ein Recycling überhaupt funktionieren kann, ist die Debatte um den richtigen Vorgang voll im Gange. Zum einen gäbe es pyrometallurgische Verfahren, bei denen die gesamte Batterie eingeschmolzen wird und somit einige Rohstoffe – darunter auch Kupfer, Nickel und Kobalt – zurückgewonnen werden können, zum anderen sogenannte thermisch-mechanische Verfahren, bei denen der schädliche Bestand-
Nachdem die Batterien für die Anwendung im Elektroauto ausgesorgt haben – die durchschnittliche Lebenszeit liegt in etwa bei zehn Jahren –, ist bei den Lithium-Ionen-Modulen nach wie vor eine Restspeicherkapazität von circa 70 bis 80 Prozent vorhanden. Sohin eignen sich diese einwandfrei für zahlreiche Niedrigenergie-Anwendungen. Beispielsweise für netzunabhängige Haushaltsversorgung oder – gepaart mit Sonnenenergie – für CO2-freie Energiegewinnung und -speicherung. So schön das alles klingen mag: In der Realität handelt es sich diesbezüglich lediglich um vereinzelte Pilotprojekte einiger Automobilhersteller, die praktische Nutzung ist aktuell dementsprechend gering. Doch wie sagt ein Sprichwort: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Letzten Endes liegt der Erfolg dieser diversen Second-Life-Einsatzmöglichkeiten in unser aller Hände, denn jeder muss für sich entscheiden, ob er beispielsweise anstatt eines nagelneuen Speichermoduls auch ein wiederverwertetes in Betracht ziehen würde. Dann könne die im Titel gestellte Frage guten Gewissens mit „Ja“ beantwortet werden.
eco.mobil
„Jeder will zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.“ WERNER MITSCH
G E M E I N S A M U M M A D U M FA H R E N
Eine Mitfahrbörse ist an und für sich nichts weltbewegend Neues, wird in Tirol aber eher wenig genutzt. Um das Ganze einfacher und attraktiver zu machen, haben ein paar findige Unternehmer*innen im Sommer 2017 ihr Start-up ummadum gegründet und rund zwei Jahre darauf die dazugehörige App gelauncht. Das Prinzip ist simpel: App herunterladen und die für sich passende Community suchen, nach Mitfahrgelegenheiten suchen oder diese selbst anbieten und dann – das ist der Clou daran – Punkte sammeln. Für jeden nachhaltig zurückgelegten Kilometer (übrigens auch zu Fuß oder per Bike) gibt’s Punkte, die man bei verschiedenen Partnern einlösen kann. Gestartet ist ummadum in der Region Schwaz/Wattens, mittlerweile hat sich die Community rasant ausgeweitet und es gibt sogar ein ummadum-Büro in Wien. www.ummadum.com STEIL BERGAUF
Es gibt wohl kaum ein Thema, das Unternehmen und Tourismusregionen im Moment mehr beschäftigt als Nachhaltigkeit. In diesem Sinne gewinnt auch die Elektromobilität immer mehr an Bedeutung. Auch für das Schwazer Busunternehmen Ledermair. Nach erfolgreichen Tests im öffentlichen Nahverkehr wurde Anfang des Jahres gemeinsam mit dem Unternehmen MAN und der Skiliftgesellschaft Hochfügen sowie der Schultz Gruppe ein E-Bus in steilerem Gelände getestet. „Unser MAN Lion’s City E in der 12-Meter-Variante hat eine Kapazität von 480 kWh Batterieleistung. Davon haben wir circa 80 Prozent freigeschaltet, sodass wir eine Reichweite von durchschnittlich bis zu 315 Kilometern erreichen können. Außerdem können wir bis zu 70 Fahrgäste befördern“, so MAN-Vertriebsleiter Lars Heydecke. „Hier haben wir einen Skibus im Einsatz, das wird uns ein aussagekräftiges Resultat bringen, denn wir müssen damit doch einige Höhenmeter überwinden. Wir sind jedenfalls hochmotiviert, einen Elektrobus im Livebetrieb zum Einsatz zu bringen“, so Geschäftsführer Alexander Ledermair. Auch mit anderen E-Bus-Herstellern wie VDL, Mercedes, Iveco, Eurabus, Ebusco und Silenth sind zukünftig Tests geplant.
WUSSTEN SIE, DASS …
Serfaus über eine eigene U-Bahn*) verfügt? *) Die U-Bahn Serfaus gilt als kleinste, höchstgelegene auf Luftkissen schwebende U-Bahn der Welt. Sie verbindet den Parkplatz im Osten des Ortes mit der Talstation der Seilbahnen im Westen, fährt unterirdisch und fahrerlos mit Seilantrieb und wurde am 14. Dezember 1985 erstmals in Betrieb genommen. Seit Sommer 2019 erstrahlt sie nach einer Rundumerneuerung in neuem Glanz.
101
N A C H H A LT I G E M O B I L I TÄ T S L Ö S U N G E N
Als Mobilitätsdienstleister des Landes Tirol ist der Verkehrsverbund Tirol (VVT) seit 1995 für Planung, Koordination, Finanzierung und Bestellung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Tirol verantwortlich. Am 1. März startete der VVT dabei ein Pilotprojekt in Wattens: RegioFlink ist ein On-Demand-Service als Ergänzung zu bereits bestehenden ÖPNV-Verkehren. Dabei fahren zwei Fahrzeuge nachfrageorientiert und unabhängig von festen Routen oder vorgegebenen Fahrplänen im gesamten Gemeindegebiet. RegioFlink kann per App oder Telefon gebucht werden und holt den Fahrgast an einem für ihn günstig gelegenen virtuellen Haltepunkt nahe dem Startort ab und bringt ihn zu einem Haltepunkt nahe dem Zielort. Dabei können sich mehrere Fahrgäste ein Fahrzeug teilen. Ein intelligenter Algorithmus kombiniert dafür die Anfragen, bündelt ähnliche Fahrtwünsche, plant die optimalen Routen und berechnet die individuellen Fahr- und Ankunftszeiten. Infos unter www.vvt.at/regioflink.
eco.mobil
DIE LIEBE ZUM AUTO Rund 13 Jahre war Andreas Resch in der VOWA Innsbruck tätig, lange Zeit als Vertriebsleiter der Marken Audi und Seat. Nach fünf Jahren, in denen er zwar das Unternehmen, nicht aber die Branche gewechselt hat, kehrte er mit 1. Jänner wieder zurück. „Überraschend“, wie er sagt. INTERVIEW: MARINA BERNARDI
A 102
us der VOWA im Osten der Landeshauptstadt ist mittlerweile Porsche Innsbruck Haller Straße geworden, das Unternehmen gemeinsam mit dem Standort Mitterweg Teil der Porsche Inter Auto (PIA). Andreas Resch ist seit Anfang des Jahres Geschäftsführer beider Betriebe und folgte damit Erwin Cassar nach, der mit 1. Feber in Pension ging. „Dass das Unternehmen nun zur Volkswagen AG gehört, hat vor allem die internen Prozesse verändert“, sagt er. „Manche Entscheidungswege sind in Konzernen naturgemäß länger, auf der anderen Seite geben diese Strukturen viel Support. Alles greift ineinander, sodass wir rund ums Auto alles aus einer Hand anbieten können: Fahrzeuge vom Kleinstauto bis zum Lkw, umfangreiche Dienstleistungen, Abomodelle, Carsharing …“ Letzteres sei in Österreich zwar in der Breite noch kein wirkliches Thema, Abos indes werden in der Tat immer mehr nachgefragt: „Immer mehr Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter, die nur für einen begrenzten Zeitraum in Tirol sind. Abomodelle von sechs Monaten aufwärts sind für Unternehmen in diesem Fall flexibler, leichter zu planen und besser zu kalkulieren, als ein Auto anzukaufen oder über einen längeren Zeitraum fix zu leasen“, so Resch. Wir haben mit ihm übers Autofahren und die mobile Zukunft gesprochen.
ECO.NOVA: Für deutlich weniger junge Leute scheint der Führerschein heute Priorität zu haben. Hat sich das Mobilitätsverhalten – unabhängig von den aktuell hohen und volatilen Treibstoffpreisen – in den vergangenen Jahren verändert? ANDREAS RESCH: Es stimmt, dass unter den jungen Leuten andere Themen wie (Aus-) Bildung oder elektronische Geräte Vorrang vor dem eigenen Auto haben. Oftmals ist es auch eine Frage des Abstellplatzes, weil die
„Autonomes Fahren wird hierzulande noch lange dauern. Was wir als nächste Stufe sehen werden, ist jedoch, dass Autos anfangen, sich untereinander zu vernetzen und zu kommunizieren.“ ANDREAS RESCH
Jungen noch zuhause wohnen und die Eltern schon zwei Autos haben. Die junge Generation organisiert sich in Fahrgemeinschaften, was in Tirol mit den vergleichsweise kurzen Wegen gut funktioniert. Dennoch hat das Automobil noch immer einen hohen emotionalen Wert, wie auch die zahlreichen Automagazine am Markt zeigen, die rege gekauft werden. Die Leidenschaft für Mobilität ist durchaus vorhanden, verschiebt sich jedoch nach hinten. Ein Auto wird also immer noch mehr emotional denn funktional gesehen? Ja. Die Entscheidung für ein Auto fällt in letzter Instanz ganz selten rational.
Neben dem Facharbeitermangel, mit dem fast alle Branchen zu kämpfen haben, wird im Autohandel aktuell die erschwerte Verfügbarkeit an Halbleitern und Kabelbäumen zum Problem, was zu langen Lieferzeiten führt. Zeigen Kunden Verständnis für die Situation? Gott sei Dank, ja. Die Kunden wissen, dass es sich um ein globales Problem handelt und nicht unsere Schuld ist. Die Ukrainekrise sensibilisiert zusätzlich. Mittlerweile haben wir Lieferzeiten bis zum dritten oder vierten Quartal 2023. Das ist für Privatkunden weniger ein Problem, für Firmenkunden, die ihren Fuhrpark regelmäßig erneuern und
aktualisieren, jedoch eine Herausforderung. Im Moment behelfen wir uns damit, bestehende Leasingverträge zu verlängern und flexibel zu sein, weil wir keine seriöse Auskunft geben können, wann ein Auto wirklich geliefert wird.
Die meisten Autobauer lancieren regelmäßig neue Modelle. Wie wirken sich diese Verzögerungen auf die weitere Entwicklung aus, wenn die 2022er-Generation erst im Jahr 2023 ausgeliefert wird und man damit mehr oder weniger ein Modelljahr „verliert“? Die Entwicklung verzögert sich nach hinten. Wir verkaufen derzeit quasi in die Zukunft. Sobald die Lieferung der neuen Modelle anläuft, wird der Auftragsbestand abgebaut. Lagerware gibt es so gut wie keine mehr, bei Neuwagen ohnehin nicht, und auch bei Gebrauchtwagen wird es eng. Der Markt ist komplett ausgetrocknet, was dazu führt, dass gerade bei den Gebrauchten die Preise derzeit durch die Decke gehen. Vor ein paar Monaten haben wir gedacht, die Talsohle sei erreicht und es gehe wieder bergauf, jetzt stehen wir im Zuge des Ukrainekrieges und der massiven Preiserhöhungen vor neuen Problemen. Lässt sich in diesem Fall eine seriöse Zukunftsprognose abgeben? Nein.
eco.mobil
© BLICKFANG PHOTOGRAPHIE
103
Ein Thema, das uns seit geraumer Zeit abseits von Corona und wirtschaftlichen Verwerfungen begleitet, ist die Digitalisierung. Viele konfigurieren ihr Auto zu Ende, bevor sie überhaupt in ein Autohaus kommen. Wie verändert das den Verkauf ? Die Leute sind definitiv informierter und kennen sich aus. Im Verkaufsgespräch geht es letztlich um Detailfragen oder ob bestimmte Konfigurationen in Kombination Sinn machen. Im Autohaus geht es darum, das Auto anzuschauen, zu
fühlen und zu riechen. Das ist in der jetzigen Situation, wo wir viele Autos gar nicht im Schauraum haben, natürlich schwieriger geworden, dennoch braucht es den Verkäufer als menschlichen Faktor. Und diesen persönlichen Kontakt kann auch kein Internet ersetzen. Unterm Strich ist es der Verkäufer, der einen Kunden an ein Autohaus oder eine Marke bindet. Wenn die gesamte Abwicklung nur online läuft, ist die Loyalität der Kunden mit Sicherheit geringer.
Wie verändert die Digitalisierung folglich auch das Fahren selbst? Autonomes Fahren ist derzeit eher ein rechtliches Problem denn ein technisches und auch sonst gibt es zahlreiche Entwicklungen, die das Fahren einfacher und sicherer machen sollen. Wo sehen Sie die Position des Autofahrers in näherer Zukunft? Nach wie vor hinter dem Lenkrad. Aber ernsthaft: Autonomes Fahren wird, auch wenn es theoretisch bereits möglich ist, in der Realität noch lange dauern. Vor allem wenn man sich abseits der
eco.mobil
Der vollelektrische ID.5 von Volkswagen liegt als SUV-Coupé voll im Trend.
104
Autobahn oder urbaner Zentren bewegt, wird es in Gegenden wie Tirol schwierig, überhaupt bei Regen oder Schneefall. Seriös funktionieren kann das System außerdem nur, wenn alle fahrenden Verkehrsteilnehmer autonom unterwegs sind. Kommt es zwischendurch zu einer unberechenbaren menschlichen Reaktion, fällt das System. Dennoch nimmt die Digitalisierung schon jetzt großen Einfluss auf unser Fahren – mit Abstandswarnern zum Beispiel oder allerhand anderen sicherheitstechnischen Features. Was wir als nächste Stufe sehen werden, ist, dass Autos anfangen, sich untereinander zu vernetzen und zu kommunizieren. Dass etwa ein vorausfahrendes Auto die hinteren warnt, wenn es zu Gefahrenlagen kommt, sich hinter einer Kurve Eis befindet oder Gegenstände auf der Straße liegen.
Unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit sind all diese technischen Helfer toll. Wenn – wie Sie sagen – das Auto jedoch vorwiegend emotionalen Wert hat: Was bleibt vom Erlebnis Auto, wenn dieses ganz viele Aspekte des Fahrens gewissermaßen selbst übernimmt? Das eine schließt das andere nicht aus. Wir lenken immer noch selbst und spüren das Fahrgefühl. Es gibt genügend Menschen, die gerne Auto fahren, kurvige Strecken lieben oder einfach gerne dahincruisen. Die Technik dient in erster Linie der Unfallvermeidung und Sicherheit. Dass diese wirkt, sehen wir seit geraumer Zeit in unseren Werkstätten, in denen die Arbeit in der Karosserie und Spenglerei deutlich weniger geworden ist.
Der neue rein elektrische Cupra Born soll bei voller Ladung bis zu 374 Kilometer weit kommen.
„Das Automobil hat noch immer einen hohen emotionalen Wert.“ ANDREAS RESCH
Automobilunternehmen sind mittlerweile verpflichtet, eine Mindestquote an Elektroautos zu produzieren, deren Nichteinhaltung mit teils hohen Strafen belegt wird. Ist die Zukunft elektrisch? Meiner Meinung nach wird es zumindest noch eine zeitlang eine Coexistenz verschiedener Antriebe geben – Verbrenner, Elektromobilität, Wasserstoff. Keine Frage: Wir müssen weg von fossilen Brennstoffen und die Elektromobilität hat in diesem Zuge mit Sicherheit ihre Berechtigung. Hybridmodelle sind derzeit extrem gefragt und während in Österreich der Automarkt im vergangenen Jahr um 20 Prozent eingebrochen ist, hat die E-Mobilität im gleichen Zeitraum um 15 Prozent zugenommen. Getrieben ist diese Entwicklung derzeit noch stark von Firmenflotten, bei Privatpersonen stellt sich oftmals das Problem der Lademöglichkeit. Besonders in größeren Mietshäusern ist das nicht einfach. Es gibt zwar Überlegungen, wie man die Ladeinfrastruktur sinnvoll ausbauen kann, doch das braucht wohl noch ein bisschen Zeit. Was die Zukunft bringt, werden wir sehen. Vielleicht überrascht sie uns mit neuen technologischen Entwicklungen,
von denen wir heute noch gar nichts wissen, auch synthetische Kraftstoffe sind denkbar. Glauben Sie, wäre die Elektromobilität derart gestiegen, wenn es die Förderungen nicht in diesem Ausmaß gäbe? Nein. Aber eines ist auch klar: Wir werden umdenken müssen, den es gibt keinen Planet B und so müssen auch wir Autohändler überlegen, wie wir unseren Beitrag dazu leisten können. Langfristig kann es nicht das Ziel sein, immer noch mehr Autos zu bauen und zu verkaufen, sondern daraus eine höhere Wertschöpfung zu generieren.
Auf der einen Seite rückt bei der Mobilität der Umweltgedanke in den Vordergrund, auf der anderen werden die Autos selbst immer größer. Audi stellt künftig die kleinen Modelle A1 und Q2 ein. Wie passt das zusammen? Es ist tatsächlich so, dass der SUV-Markt stetig ansteigt und weiter steigen wird. Die Autos werden breiter und vorwiegend höher, weil es dem Fahrer ein subjektives Empfinden von Sicherheit gibt. Und auch objektiv gesehen bieten größere Autos bei Unfällen naturgemäß mehr Schutz. Ganz rational betrachtet machen große Autos nicht wirklich Sinn, doch hier sind wir wieder bei der emotionalen Komponente. Außerdem ist gerade der Tiroler im Allgemeinen sehr sportlich, geht im Winter Ski fahren, im Sommer Biken. Da ist ein größeres Auto natürlich von Vorteil, um sein gesamtes Equipment zu verstauen. Abgesehen davon werden die Autos generell ökonomischer.
Design neu interpretiert. Der Audi e-tron Sportback. Die athletische Silhouette und der sportliche Charakter des neuen rein elektrischen Audi e-tron Sportback sind geprägt von Faszination. Zudem sorgt das aerodynamisch optimierte Design für eine größere Reichweite.
Jetzt bei uns Probe fahren. Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 20,9-24,0 (WLTP); CO₂-Emissionen kombiniert in g/km: 0. Stand 03/2022. Bitte beachten Sie, dass sich durch Sonderausstattungen und Zubehör relevante Fahrzeugparameter wie z.B. Gewicht, Rollwiderstand und Aerodynamik verändern und sich dadurch abweichende Verbrauchswerte und CO₂-Emissionen ergeben können.
Porsche Innsbruck-Haller Straße: 6020 Innsbruck, Haller Straße 165 Porsche Innsbruck-Mitterweg: 6020 Innsbruck, Mitterweg 26-27 www.porscheinnsbruck.at
eco.mobil
106
eco.mobil
ZUKUNFTSVISION Bereits 2013 erregte die 2010 gegründete Submarke BMW i des bayrischen Automobilherstellers mit der Markteinführung des zukunftsträchtigen BMW i3 großes Aufsehen. Während das Design etwas ungewöhnlich anmutete, überzeugte vor allem der rein elektrische Antrieb des Cityflitzers. Neun Jahre später möchte BMW mit einem Sports Activity Vehicle (SAV) das Großraumsegment dominieren. TEXT: FELIX KASSEROLER // FOTOS: TOM BAUSE
D
er BMW-Namensgebung folgend nennt sich das neue Gefährt mit einer Länge und Breite des X5, der Höhe des X6 und der Räderdimension des X7 konsequenterweise iX. Dabei überzeugt nicht nur die extra für das Fahrzeug konzipierte Plattform, sondern auch das ausdrucksstarke Design sowie der Komfort im Innenraum. Das Potential für ein Erfolgsmodell ist auf jeden Fall gegeben. Angetrieben wird der moderne, mit elektrischem Allrad versehene BMW iX xDrive40 von zwei Elektromotoren mit einer Systemleistung von insgesamt 240 kW (326 PS) und einem maximalen Drehmoment von 630 Newtonmetern. In entsprechender Elektromanier passiert der xDrive40 in knapp sechs Sekunden die 100 km/h, die Endgeschwindigkeit des schicken SAV liegt bei 200 km/h. Erfreulich ist die angenehm kurze Ladedauer: Ist die 71-kWh-Batterie einmal fast leer gefahren, kann man den iX an der Schnellladesäule mit 150 Kilowatt binnen einer guten halben Stunde wieder auf 80 Prozent aufladen. Das entspricht bei einer maximalen Reichweite von bis zu 425 Kilometern nach WLTP in etwa 95 Kilometer auf zehn Minuten und ist somit mehr
107
eco.mobil
Fahren lässt sich der BMW iX xDrive40 so wie er aussieht: rund, sanft und auf Wunsch auch sportlich.
108
als sportlich. In der Realität kommt der iX xDrive40 zwar nicht ganz so weit, knapp 350 Kilometer sind bei einigermaßen zurückhaltender Fahrweise (Durchschnittsverbrauch 25 kWh/100 km) aber gut machbar.
DESIGN – AUFFALLEND ELEGANT
Beim Design seiner Autos setzt BMW vorwiegend auf ein ungewöhnliches aber durchaus positiv auffallendes Aussehen. So auch beim iX. Alleinstellungsmerkmal an der Front ist zweifelsohne die ausdrucksstarke, groß gehaltene Niere, die abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen eigentlich der 4er-Reihe vorbehalten ist. Im Gegensatz zu jenen der Verbrennermodelle ist die Niere des iX hingegen nahezu geschlossen und symbolisiert somit den umweltfreundlichen Charakter des Elektro-SAVs. Diese dient beim iX nicht nur der Optik, sondern beherbergt filigranste Technologie, bestehend aus diversen Sensoren sowie Kamera- und Radartechnologie für die zahlreichen Fahrassistenzsysteme. Links und rechts davon befinden sich schmal gehaltene LED-Scheinwerfer. Hintenherum zeigt sich der iX beinahe vollkommen eigenständig, vereinzelt blickt das Design des i3 hervor.
TECHNIK AUF DEM NEUESTEN STAND
Im Innenraum hingegen ist kein Stein auf dem anderen geblieben: großzügig dimensioniert, luxuriöse und insbesondere in der Haptik überaus angenehme Materialien und technische Spielereien vom Feinsten.
Dank fehlendem Mitteltunnel in der ersten Reihe wird zusätzlicher Platz geschaffen, Ablageflächen finden sich lediglich auf dem Rumpfstück der Mittelkonsole. Auch das flache, mit Stoff überzogene Armaturenbrett macht den Innenraum ein wenig größer und dient zeitgleich als Ablagefläche für das neue, optisch ansprechende, rahmenlose Curved Display. Dieses besteht zum einen aus dem 12,3 Zoll großen Information-Display, auf dem sich neben den digitalen Rundinstrumenten auch zahlreiche weitere Informationen einblenden lassen, zum anderen aus dem 14,9 Zoll großen, zentral positionierten Control-Display. Ein weiterer Teil des optionalen BMW Live Cockpit Professional ist ein Head-up-Display. Beeindruckend in Sachen Innenraumgestaltung ist die sogenannte Shy Tech. Dabei sind manche Lautsprecher oder Luftausströmer bewusst versteckt, um das Gesamtbild des Interieurs clean zu halten. Das ist den Bayern perfekt gelungen, insbesondere im Cockpitbereich. Umso interessanter ist die Tatsache, dass der Sound des optionalen Bowers and Wilkins Diamond Surround Sound Systems seinesgleichen sucht. Dank 4D-Audio – die Sitze geben den Bass der Musik wieder – und diverser Klangmodalitäten wird das Musikhören im Auto zum Konzerterlebnis.
ANGENEHMES FAHRPROFIL
Fahren lässt sich der BMW iX xDrive40 so wie er aussieht: rund, sanft und – der angedeutete Diffusor am Heck lässt es erahnen
– auf Wunsch auch sportlich. Hören tut man dabei nichts, abgesehen vom leisen Summen beim Beschleunigen, dem Fahrtwind und dem Abrollgeräusch der 21-Zoll-Winterreifen. Einzig an die adaptive Rekuperation muss man sich erst ein wenig gewöhnen, denn zumindest für unseren Geschmack fällt die in der Stadt doch ein wenig zu stark aus und kommt verdächtig nah an den One Pedal Drive (Gangstufe B) heran. Problem ist das keines, denn erfreulicherweise lässt sich das Rekuperationslevel über das Control-Display im Menü ändern – zwar etwas umständlich, aber immerhin. Schaltwippen wären diesbezüglich wohl sinnvoller gewesen. Zu guter Letzt muss sich der iX xDrive40 noch einer Hürde stellen: dem Preis. Zwar startet das elektrifizierte deutsche Premium-SAV bei 79.350 Euro, aufgrund einiger notwendiger Extras wird das jedoch nicht ganz reichen und das Endergebnis am Ende wohl zwischen dem genannten und unserem gut ausgestatteten Testwagen mit einem Preis von 105.162 Euro liegen.
BMW IX XDRIVE40 Antrieb: Allrad Leistung: 240 kW/326 PS Drehmoment: 630 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 6,1 sec Spitze: 200 km/h Reichweite: 425 km Spaßfaktor: 9,5 von 10 Preis: ab 79.350 Euro
PIONIER DER KREISLAUFWIRTSCHAFT
WIR LEBEN
NACHHALTIGKEIT
Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch, bei der Entwicklung unserer Fahrzeuge konsequent auf Kreislaufwirtschaft zu setzen. Durch den Einsatz recycelter Materialien reduzieren wir deutlich den Bedarf an wertvollen Rohstoffen. In unserem BMW Group Werk Steyr recyceln wir pro Jahr so viel Metall, dass man damit den Eiffelturm bauen könnte. Darüber hinaus setzen wir hier bereits heute auf 100% Grünstrom und bereiten täglich 60.000 Liter Prozessabwasser wieder auf. Und das ist gut für Österreich!
Unterberger Denzel Innsbruck
Unterberger Kufstein
Unterberger St.Johann
Griesauweg 32, 6020 Innsbruck Telefon 0512/33435 unterbergerdenzel.bmw.at
Endach 32, 6330 Kufstein Telefon 05372/6945 www.unterberger.cc
Anichweg 1, 6380 St. Johann/T. Telefon 05352/62389 www.unterberger.bmw.at
www.bmw.at | www.mini.at | www.bmwgroup.at
BMW GROUP. GUT FÜR ÖSTERREICH.
eco.mobil
110
eco.mobil
KRAFTPAKET Das 2020 eingeführte Aushängeschild der jüngst gegründeten Marke Polestar präsentiert sich im athletischen Design. TEXT: FELIX KASSEROLER FOTO: TOM BAUSE
D
ie Karosserie des schicken Coupés mit dem simplen Namen Polestar 1 besteht fast ausschließlich aus Carbon, darunter lauern aufgeteilt auf einen 2,0-Liter-Benziner, zwei Elektromotoren an der Hinterachse und einen integrierten Startergenerator insgesamt 609 PS und ein maximales Drehmoment von beachtlichen 1.000 Newtonmetern. Entsprechend rasch gelingt der Sprint von 0 auf 100 km/h. Gerade einmal 4,2 Sekunden vergehen dabei. Optisch erinnert der Polestar 1 nicht nur außen an einen Volvo, auch beim Interieur hat man sich an einigen bekannten Elementen bedient. Da könnte man glatt vergessen, dass man sich in einem auf 1.500 Stück limitierten Supersportwagen niedergelassen hat. Beim Drücken des Gaspedals dürfte man aber flugs wieder daran erinnert werden. Der Preis für den Plug-in-Hybrid mit der laut Angaben von Polestar besten rein elektrischen Reichweite bei dieser Antriebsvariante (130 Kilometer) fällt dementsprechend üppig aus. Knapp 180.000 Euro sind für den stämmigen Polestar 1 fällig.
POLESTAR 1 Antrieb: Heck Leistung: 240 kW/326 PS Drehmoment: 1.000 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 4,2 sec Spitze: 250 km/h Rein elektrische Reichweite: 130 km Preis: rund 180.000 Euro
111
eco.mobil
ALTER SCHWEDE! Sportlich und zugleich elegant zeigt sich das neueste rein elektrische Mitglied der Volvo-Familie. Mit dem neuen SUV-Coupé C40 bringt Volvo eine Alternative zum bereits vorhandenen Elektro-SUV XC40 und orientiert sich damit an der neuesten Mode hin zu SUV-Coupés. TEXT: FELIX KASSEROLER // FOTOS: TOM BAUSE
112
S
UV-Coupé-Modelle mit ihrer schräg zum Heck abfallenden Dachlinie liegen nebst elektrifizierten Autos seit einigen Jahren voll im Trend und der scheint sich so schnell auch nicht zu legen. Wir durften das schlanke Volvo-Crossover C40 mit dem komplett lederfreien Interieur bereits testen.
REICHWEITENANGST?
Eindrucksvoll zeigt sich nach einem kurzen Blick auf das Datenblatt vor allem eines: die Leistung. Potente 408 PS (300 kW) aufgeteilt
auf einen 204 PS (150 kW) starken Elektromotor an der Vorder- und einen mit derselben Leistung an der Hinterachse sowie ein maximales Drehmoment von jeweils 330 Newtonmetern (= 660 Newtonmeter Systemdrehmoment) schieben den schicken Schweden ordentlich an. Gerade einmal 4,7 Sekunden vergehen bei einem Sprint von 0 auf 100 km/h, die maximale Geschwindigkeit des allradgetriebenen Crossover ist bei 180 km/h erreicht. Blöd nur, dass die maximale Reichweite mit jeder Beschleunigungsphase rapide
nach unten sinkt. Während der C40 nach Werksangabe eigentlich bis zu 444 Kilometer weit fahren könnte, erscheint diese Angabe nach einigen mehr oder weniger rasanten Beschleunigungsphasen trotz Wärmepumpe zur Reichweitenoptimierung doch eher weniger glaubhaft. Da kann der Verbrauch auch gut und gerne auf bis zu 28 kWh (Werksangabe 20,7 – 22,3 kWh) steigen. Angesichts der Tatsache, dass sich die 78-kWh-Batterie des schicken SUV-Coupé mit einer maximalen Ladeleistung von bis zu 150 Kilowatt binnen 37 Minuten wieder
eco.mobil
Neben dem Antrieb setzt Volvo mit komplett lederfreiem Interieur auch im Cockpit auf Nachhaltigkeit. Statt auf klobigen Ledersitzen darf man im C40 auf einer Kombination aus Kunstleder- und Textilpolsterung Platz nehmen, die Fußmatten bestehen aus recycelten PET-Flaschen.
auf 80 Prozent aufladen lässt, sei ihm das verziehen.
SPORTLICHES DESIGN
In Sachen Design muss sich der Volvo C40 Recharge Pure Electric, wie der Wagen mit vollem Namen heißt, übrigens keineswegs verstecken. Auf den ersten Blick auffallend zeigt sich die für SUV-Coupés typisch nach hinten abfallende Dachlinie samt Dach und Heckkantenspoiler. Der Blick um die in Hochglanzschwarz gehaltenen Sport-Außenspiegel offenbart die sportliche Frontschürze. Überdies erhält die Basisvariante des C40 – die Ausstattungsvariante Plus – serienmäßig LED-Scheinwerfer, auf Wunsch sind Pixel-LED-Scheinwerfer im „Thors Hammer“-Design erhältlich. Dazwischen verbirgt sich hinter dem rahmenlosen, in Wagenfarbe gehaltenen Recharge-Pure-Electric-Frontgrill ein bei vielen Elektroautos gern gesehener kleiner Frunk – also ein Front-Kofferraum – mit 31 Litern Laderaumvolumen. Pluspunkte gibt es für das großzügig gehaltene Panoramaglasdach, das trotz fehlendem Rollo auch bei Sonnenschein nicht unangenehm wird.
Der Innenraum zeigt sich im Vergleich zum Exterieur deutlich zurückhaltender: wenig Knöpfe, generell sehr aufgeräumt. Neben dem Antrieb setzt Volvo mit komplett lederfreiem Interieur auch im Cockpit auf Nachhaltigkeit. Statt auf klobigen Ledersitzen darf man im C40 auf einer Kombination aus Kunstleder- und Textilpolsterung Platz nehmen, die Fußmatten bestehen aus recycelten PET-Flaschen. Millimetergenau gelenkt wird über das mit Multifunktionstasten bespickte Sport-Lenkrad, das sogar in der Basisausstattung beheizt ist. Punktabzüge gibt es hingegen für die Heckscheibe, denn wirklich hinaussehen lässt es sich dabei nicht. Überaus angenehm ist hingegen die Fahrweise des edlen Schweden. Dank One-Pedal-Drive-Modus lässt sich das 2,2 Tonnen schwere SUV mit einem Fuß gemütlich durch die Stadt gondeln. Auf Wunsch bekommt man die geballte Power beider Motoren und in weiterer Folge auch die enorme Beschleunigung zu spüren, die man einem solchen Modell keineswegs zutraut. Ob es das nun braucht oder nicht, sei jedem selbst über-
lassen. Unsere Devise lautet jedenfalls: Was man hat, hat man!
VOLVO C40 RECHARGE PURE ELECTRIC Antrieb: Allrad Leistung: 300 kW/408 PS Drehmoment: 660 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 4,7 sec Spitze: 180 km/h Reichweite: 444 km Spaßfaktor: 8,5 von 10 Preis: ab 58.530 Euro
113
eco.mobil
114
LUXURIÖS! Erstklassiges Design, modernste Technik und ein Komfortgefühl, wie es sonst nur die luxuriöse S-Klasse mit sich bringt. Das sind nur wenige herausragende Eigenschaften der neuen Mercedes C-Klasse. TEXT: FELIX KASSEROLER // FOTOS: TOM BAUSE
eco.mobil
m Jahr 1982 begann sie, die Ära des ursprünglichen Einsteigermodells in die Welt von Mercedes-Benz. Heute nicht mehr ganz so aktuell, hat sich die Modellpalette des deutschen Autoherstellers doch immens vergrößert, auch in den deutlich kleineren Segmenten. Geblieben ist das typische Design, das der C-Klasse ihren unverwechselbaren Charme verleiht. Was sie dazu von der S-Klasse unterscheidet: ihr Preis. Während der eine gut und gern weit über 100.000 Euro kostet, liegt der Startpreis für die neue C-Klasse, sogar in einer der stärksten Motorisierungen C 300, bei 60.501 Euro. Kein Wunder also, dass sich die C-Klasse seit 40 Jahren größter Beliebtheit erfreut.
Alles in allem ist der C300 ein sportlichluxuriöses Auto mit exquisitem Fahrverhalten zu einem anständigen Preis. Kein Wunder also, dass uns die C-Klasse mit der neuesten Auflage auch weiterhin begleiten wird.
SCHICKE OPTIK
Die neueste Auflage des beliebten Mittelklassewagens überzeugt vor allem durch den kurzen vorderen Überhang, den langen Radstand sowie die deutlich breitere Spur und außenbündigen Räder. Für den notwendigen Tick Sportlichkeit sorgen die angedeuteten Powerdomes auf der Motorhaube. In Sachen Beleuchtung erhält die Limousine LED-High-Performance-Scheinwerfer, auf Wunsch bedient sich Mercedes wie in unserem Fall sogar bei der S-Klasse und verpasst dem kleineren Modell kurzerhand das sogenannte Digital Light, ein mehr als intelligentes Licht. Auch das Heck erinnert mit den zweigeteilten Leuchten eindeutig an die S-Klasse.
115
MERCEDES C300 Antrieb: Heck Leistung: 190 kW/258 PS Drehmoment: 400 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 6,0 sec Spitze: 250 km/h Kofferraumvolumen: 455 Liter Spaßfaktor: 9 von 10 Preis: ab 60.501 Euro
SOLIDE POWER
In Sachen Motorisierung setzt Mercedes auf aktuelle Trends und macht aus der C-Klasse die erste durchgängig elektrifizierte klassische Baureihe. Rein elektrisch fahren die Modelle zwar nicht, doch erhält beispielsweise der C 300 einen integrierten Startergenerator samt 48-Volt-Bordnetz. Dieses Mildhybrid-System unterstützt insbesondere im unteren Drehzahlbereich. Hauptantrieb bleibt ein Zweiliter-Vierzylinder-Benzinmotor mit 190 kW (258 PS) sowie einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern. Besagtes Mildhybrid-System ergänzt die Leistung um weitere 15 kW (20 PS) und ein zusätzliches Drehmoment von 200 Newtonmetern. Damit beschleunigt der Stuttgarter entsprechend rasant. Gerade einmal sechs Sekunden vergehen beim Sprint von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde.
LUXURIÖSES INTERIEUR Während bereits das Exterieur an einigen markanten Punkten eindeutig an die S-Klasse erinnert, wird die Verwandtschaft zur großen Luxuslimousine insbesondere im Interieur auffallend deutlich. Ein riesiges Zentraldisplay oberhalb der Mittelkonsole, schicke abgeflachte und im Dunkeln beleuchtete Runddüsen sowie – wie in unserem Testwagen – eine mit Kunstleder einbezogene Instrumententafel sorgen für entsprechenden Luxus und Fahrkomfort. Im Vergleich zur S-Klasse hat Mercedes der C-Limousine hingegen einige sportliche Details verpasst, die das gesamte Interieur einwandfrei abrunden, insbesonderes die Tatsache, dass
sowohl die Instrumententafel als auch das Zentraldisplay um sechs Grad zum Fahrer geneigt sind. Die wichtigste Frage ist und bleibt jedoch jene nach dem Fahrverhalten, denn wofür ein schickes Auto, wenn es sich nicht gut fährt. Man darf beruhigt sein: Auch diese Disziplin meistert der Stuttgarter mit Bravour. Dabei lässt sich die Limousine nicht nur in der Stadt bei geringem Tempo hervorragend rangieren, sondern auch bei belebten Beschleunigungsphasen. Hierbei spielt unverkennbar das erwähnte fahrerorientierte Cockpit in die Karten, mit dem man auch beim rasanten Sprint alles einwandfrei im Blick hat.
LIFESTYL
kultur & trends
116
Raum für Notizen Was man liebt, muss passen. Am besten immer und überall. Die Haptik, die Optik und die Qualität. Die Notizbücher von nuuna aus Deutschland werden in recyceltes Leder, vegane Materialien oder Jeans-Label-Material eingebunden und sind echte Handschmeichler, dabei robust und widerstandsfähig. Bedruckt werden die Einbände im Siebdruckverfahren mit intensiven Farben oder mit effektvollen Metallicprägungen veredelt. Die solide Fadenheftung erlaubt ein perfektes Aufschlagverhalten, sodass man leicht über die Buchmitte schreiben und skizzieren kann. Das Premiumpapier in zartem Weißton sorgt für ideale Schreib- und Zeichenerlebnisse, die Punkt raster bieten dazu eine dezente Orientierung. Wir haben uns bei Ansicht in Petra Kaminskys Schmuck_Fashion_Concept-Store in Hall auf Anhieb verliebt. Ab 15,90 Euro.
eco.expertentipp
eco.life
© REINHOLD SIEGL
© BLEED CLOTHING
TIPP REDA DER KTIO N Priv.-Doz. Dr. Gerhard Kaufmann
MOBILITÄT BEWAHREN N A C H H A LT I G K E I T S - S TAT E M E N T
© G OD’S ENTERTAINMENT
Wer einmal einen Zanier-Handschuh getragen hat, mag keinen anderen mehr. Seit 2019 ist das Unternehmen außerdem der erste CO2-neutrale Handschuhhersteller der Welt und baut den Anteil nachhaltiger, recycelbarer oder aus recycelten Materialien hergestellter Produkte in seinen Kollektionen laufend aus. Gemeinsam mit dem Fair-Fashion-Label Bleed Clothing hat das Unternehmen unter anderem den multifunktionalen, veganen Outdoor-Handschuh „Bleed X Zanier“ entwickelt, der überwiegend aus Recyclingmaterialien besteht und in seinen Einzelteilen wieder dem Recyclingkreislauf zugeführt werden kann. Um 89,99 Euro unter www.zanier.com.
GOD'S ENTERTAINMENT, GGGNHM am Marktplatz Innsbruck, Fotomontage
KEKS? Unter dem Motto „Agents of social change“ thematisierte Innsbruck International 2018 den persönlichen Aktivismus und was es bedeutet, „heute am Leben zu sein“. Mit „Human Capital“ ging die Biennale 2020 einen Schritt weiter und nahm noch vor Corona vorweg, welche demokratischen Möglichkeiten der heutige Rechts- und Linkspopulismus ausspielt und welche Effekte das auf die Eigenverantwortung, das individuelle Verhalten und unser Leben in der Digitalisierung haben kann. Mit dem Thema „COOKIE. Take a moment to review your privacy preferences“ antwortet die Veranstaltung heuer auf jene einschneidende Zeit mit COVID-19, die die Biennale 2020 unterbrochen hat. Innsbruck International: 7. bis 22. Mai 2022. www.innsbruckinternational.com
Arthroskopische Operationen an Fuß und Sprunggelenk.
V
iele Erkrankungen im Bereich des Fußes und Sprunggelenks sind sehr schmerzhaft und benötigen eine chirurgische Therapie. Die Entwicklung minimalinvasiver bzw. arthroskopischer Operationstechniken am Fuß und Sprunggelenk bedeutet im Gegensatz zu konventionell durchgeführten Operationen dabei ein deutlich reduziertes Weichteiltrauma. Dies führt zu weniger Schmerzen und in Folge zu einer wesentlich schnelleren Erholung des Patienten. Bei Arthroskopien wird üblicherweise über zwei kleine Hautschnitte (jeweils ca. 5 mm) gearbeitet. Über einen dieser Hautschnitte wird eine Kamera mit Lichtquelle eingebracht, über den anderen ein Arbeitsinstrument. Somit kann unter direkter Sicht – quasi durch ein „Schlüsselloch“ – gearbeitet werden. Zu den häufigsten arthroskopisch durchgeführten Eingriffen an Fuß und Sprunggelenk zählen die Abtragung von schmerzhaften und bewegungseinschränkenden Knochenanlagerungen an den Sprunggelenken oder dem Großzehengrundgelenk, was häufig bei Laufsportlern auftritt. Auch andere typische Laufsportler-Erkrankungen wie der dorsale Fußhöcker (Haglundexostose) oder der sogenannte „untere Fersensporn“ (plantare Fasziitis) können arthroskopisch behandelt werden. Eine weitere Anwendung der Arthroskopie ist die Versteifungsoperation des oberen oder des unteren Sprunggelenks. Auch Erkrankungen der Sehnen- bzw. Weichteilstrukturen können endoskopisch therapiert werden. Dazu zählen das Syndrom der chronisch schmerzhaften Achillessehne sowie schmerzhafte Sehnenveränderungen der Beugesehne des Großzehs. Der große Vorteil der arthroskopischen Technik liegt darin, dass wegen der geringen Weichteilschädigung eine schnelle Heilung und damit postoperativ weniger Schmerzen zu erwarten sind. Dies resultiert in einer insgesamt schnelleren Mobilisierbarkeit des Patienten. Die bei einer offenen Operation immer auftretenden, oft störenden Narbenbildungen können praktisch völlig vermieden werden. Das Aufstehen – normalerweise mit Stützkrücken – ist bereits am ersten postoperativen Tag möglich. Je nach durchgeführter Operation ist die Verwendung der Stützkrücken in unterschiedlich langem Ausmaß notwendig, der stationäre Aufenthalt beträgt häufig nur wenige Tage. In den Händen eines erfahrenen orthopädischen Chirurgen stellen die arthroskopischen Techniken eine sehr sichere Methode dar, die zu guten Ergebnissen und zu früh mobilisierbaren Patienten führt.
ORTHOPÄDIE KNIE & FUSS IM ZENTRUM Innrain 2, 6020 Innsbruck, Tel.: 0512/56 39 00 praxis@ofz-innsbruck.at, www.ofz-innsbruck.at
117
eco.life
Werner Berg, Sommerabend, 1958, 76 x 96 cm, Auktion Mai 2022, Schätzpreis: 140.000 bis 180.000 Euro
Max Weiler, Melancholische Blüten, 1987, 130 x 90 cm, erzielter Preis: 93.700 Euro
WIE HÄLT ES DIE KUNST MIT DER NATUR?
118
Eine interessante Frage, die noch interessanter wird, wenn man sich mit den möglichen Antworten beschäftigt. TEXT: MARIANNE HUSSL-HÖRMANN
K
unst entsteht aus ihrer jeweiligen Zeit heraus, in ihr wird der Zeitgeist sichtbar, begeistert oder kritisch, repetierend oder visionär. Es wundert daher nicht, dass die Landschaft als Begriff und als ein sich selbst genügendes Motiv erst um 1800 entdeckt wurde, also zu einer Zeit, als es Mode geworden war, nicht nur bedeutende Städte mit ihrer Kunst und der Antike zu besichtigen, sondern auch das Meer und die Küsten, die entlegenen Täler und furchterregenden Berge sowie die Pflanzen, Insekten oder Steine und Fossilien in großer Zahl zu sammeln. Auf allen großen wissenschaftlichen Expeditionen in dieser überaus neugierigen Epoche waren Maler mit an Bord, um auch jedes noch so kleine Tier und jede unscheinbare Pflanze mit feiner Zeichnung aufzunehmen, was für die Wissenschaft bis heute ei-
ne wichtige Dokumentation darstellt. Auf einmal wurde die Natur, die unmittelbare Umgebung wahrgenommen. Mit unglaublicher Zähigkeit und Energie reisten die ersten Landschaftsmaler wie Thomas Ender und Rudolf von Alt per Kutsche und zu Fuß von Wien aus quer durch die Lande, bis in die tiefsten Täler und auf alle möglichen Berge, unermüdlich die ungekannten Schönheiten der alpinen und mediterranen Natur auf Papier festhaltend. Bis heute begeistern die Aufnahmen, die die Engländer Edward Theodor Compton und sein Sohn Edward Harrison Compton von den gewaltigen Gletschern und faszinierenden Panoramen von den Gipfeln der Alpen festgehalten haben.
STIMMUNG MALEN
Der ersten Begeisterung, die Natur „abzumalen“, folgte gegen Ende des Jahrhunderts
jedoch die Einsicht, dass jeder Blick auf die Landschaft immer nur ein Augenblick sein kann, dass Sonne und Wind jeden Moment einen anderen Eindruck wiedergeben. Und außerdem: Die Natur vermittelt auch Gefühle, Stimmungen, wie sollte die Kunst adäquat darauf reagieren? Theodor von Hörmann hat sich wie eine ganze Gruppe von österreichischen „Stimmungsmalern“ mit diesen Fragen auseinandergesetzt, um am Ende zu ahnen, dass die Kunst einen parallelen Weg zur Natur finden muss, um ihr vielleicht nahe zu kommen. Gleichzeitig entfremdete die zunehmende Industrialisierung schon vor 100 Jahren den Menschen von seinem Leben mit der Natur. Als Reaktion darauf kam es bereits damals zu ersten „grünen“ Strömungen, Künstler, die das Ursprüngliche suchten und authentischer leben wollten. Berühmt war
eco.life
Edward Theodor Compton, Blick von der Cima Tosa, 1917, 94 x 112 cm, erzielter Preis: 35.300 Euro
Dr. Marianne Hussl-Hörmann ist DorotheumExpertin für das 19. und 20. Jahrhundert
die „Emigration“ des Franzosen Paul Gauguin, der nach Polynesien floh, um seiner Gesellschaft zu entkommen. Leider musste er feststellen, dass auch dort die „Verwestlichung“ eingesetzt hatte und er nur in seiner Malerei das kulturelle Leben der indigenen Bevölkerung erspüren konnte. Der deutsche Maler Wilhelm Leibl hingegen erkannte, dass das Ursprüngliche schon in der nächsten Umgebung zu finden ist und zog nach Bad Aibling, unweit von München.
KUNST AUS DEM TÄGLICHEN TUN
Der Erste Weltkrieg zerstörte dann alle weiteren Träume von Natur und Ursprünglichkeit und präsentierte in grauenhafter Weise die Gewalt der Technik. Danach, in der kurzen Zeitspanne vor dem nächsten Krieg, fanden in der herrschenden Orientierungslosigkeit viele Künstler Befriedigung im exzessiven Leben einer urbanen, naturfernen Umgebung. Einer aber wollte es noch einmal wissen und setzte einen radikalen Schritt. Werner Berg, der aus Wuppertal stammend in Wien sesshaft wurde, beschloss 1930 die Normen der Zivilisation ganz hinter sich zu lassen und Kunst aus dem tätigen Tun zu schöpfen. Er wurde Bauer, Bergbauer auf einem abgelegenen Hof in Südkärnten, hart an der Grenze zum heutigen Slowenien. Seine
119
Theodor von Hörmann, Frühlingswald, um 1890, 18 x 25 cm, erzielter Preis: 35.400 Euro
eindringlichen Bilder entstanden im Atelier nach 14-Stunden-Tagen am Feld und im Stall. Sie strahlen eine Tiefe und ein Verständnis des Menschseins aus, das Seltenheit hat und aus diesem Einzelgänger einen der bedeutendsten Vertreter der österreichischen Moderne machte. Dass seine Werke heute im Spitzenfeld des österreichischen Kunstmarktes rangieren, würde ihn als Bestätigung seines Weges freuen, materiell wäre es für ihn wohl ohne Bedeutung. Bis in die 1970er-Jahre gab es auf dem Hof keinen Strom und kein fließendes Wasser, als es eingeführt wurde, empfand der Maler einen fast schmerzhaften Zusammenbruch seiner Welt. Mit einem großen Sprung über die Zeit hat Max Weiler diesen Schmerz erst gar nicht an sich herangelassen. Nach einer naturalistischen Phase des Frühwerks verfolgte er nach 1950 konsequent einen Weg „parallel zur Natur“, einen, auf dem er die lebendige Welt ganz eigenständig, abstrakt und unabhängig neu definierte. „Wie eine Landschaft“
oder „Landschaft auf tönernen Gründen“ sind bezeichnende Titel seiner Werkserien. Seine Bilder vermitteln das Gefühl, als blicke man in ein Mikroskop und betrete die Welt des Mikrokosmos. Alles ist bei Max Weiler farbige Bewegung, Verformung, permanente Veränderung. Und auf diese Weise auch ein Hochgesang auf die Natur. In der jüngeren Kunst herrscht merklich ein kritischer Blick auf den Umgang der Gesellschaft mit der Natur vor und setzt diesen mit den vielseitigen Ausdrucksmitteln der zeitgenössischen Kunst durchaus auch aktivistisch in Szene. Rück- und vorblickend bietet Kunst also in dieser heute so aktuellen Frage verschiedene Antworten und inspiriert, über unser eigenes Verhalten nachzudenken, befriedigt Sehnsüchte nach unberührten Landschaften, hohen Bergen und weiten Meeren, zeigt aber auch die Wildheit der Natur und die der Technik, die Zersiedelung und Überkultivierung der Gegenwart, kurz sie rüttelt wach und hält uns den Spiegel vor. www.dorotheum.com
eco.life
120
Frühling ist, wenn die Seele wieder bunt denkt.
eco.life
Haller Alpengarnele
mit Spargel, Beinschinken und Bärlauch Bärlauchschaum 250 ml Milch 40 g gekochte mehlige Kartoffel 50 g Bärlauch 1 Schalotte 15 g Pro Espuma kalt (Wedl) Salz 20 g Butter
1S chalotte schälen und in Würfel schneiden. Butter
in der Pfanne erhitzen und die Schalotte ohne Farbe andünsten. Bärlauch zugeben und weich dünsten. 2A lle Zutaten vermixen, durch ein Sieb passieren und in einen Isi Boy abfüllen. Mit ein bis zwei Kapseln befüllen und kaltstellen.
Schinkensud
300 g Beinschinken 1 große Schalotte 50 ml trockener Weißwein Lorbeerblatt Salz 1 Bio-Zitrone
15 0 g vom Beinschinken in feine Würfel schneiden
und kaltstellen. 2D en restlichen Schinken und die Schalotte in Würfel schneiden und in etwas neutralem Öl anbraten. Mit dem Weißwein ablöschen, mit 1 Liter Wasser auffüllen, Lorbeerblatt zugeben, um die Hälfte einreduzieren lassen und abseihen. 3E rst jetzt mit Salz abschmecken.
Schinkengelee
350 ml Beinschinkensud 25 g Gelificant (vegetarisches Geliermittel, Wedl) / alternativ 5 Blatt Gelatine
1 Schinkensud mit den 25 g Gelificant vermixen, unter
ständigem Rühren aufkochen und sofort auf ein Blech dünn ausgießen. Im Kühlschrank fest werden lassen. 2 Wenn Sie stattdessen Blattgelatine verwenden, darf die Flüssigkeit nicht aufkochen, da die Gelatine sonst ihre Gelierfähigkeit verliert. 3 Das Schinkengelee in ca. 10 cm runde Kreise ausstechen und weiter kühlen.
Spargel
400 g weißer Spargel Salz, Zucker
1 Spargel in ausreichend Wasser kochen. Wir im
Oniriq kochen den Spargel für Vorspeisen genau 2 Minuten. Trockentupfen und in mundgerechte Stücke schneiden.
Garnelen
500 g Haller Alpengarnelen
1 Garnelen zuputzen, entdarmen und waschen.
Trockentupfen und kaltstellen. 2 Vor dem Anrichten die Garnelen von beiden Seiten abflämmen und in mundgerechte Stücke schneiden. Garnelen mit dem Spargel, den Schinkenwürfeln und dem Schinkensud vermengen, mit Salz, dem Abrieb einer halben Bio-Zitrone und etwas Zitronensaft abschmecken. In einem tiefen Teller anrichten, den Bärlauchschaum darauf spritzen, mit dem Schinkengelee abdecken und mit Erbsenkresse und Blüten (Fruchthof) dekorieren.
ANRICHTEN:
121
eco.life
Confiertes Eigelb
mit Heumilch, Liebstöckel und Zwiebelmarmelade
122
Liebstöckel-Emulsion
Heumilchschaum
150 ml pasteurisiertes Eiweiß 1 Bund Liebstöckel 50 ml Essig 250 ml neutrales Öl 3 g Salz 1 g Xanthan
350 ml Milch 15 g Heu vom Bauern 100 g mehlige Kartoffel
1 Eiweiß mit Essig und Salz anmixen, mit Öl
hochziehen und mit dem gezupften Liebstöckel sowie dem Xanthan so lange mixen, bis der Liebstöckel sehr fein ist. Kühlstellen.
Zwiebelmarmelade
4 mittlere weiße Zwiebeln 50 ml Fruchtessig 10 g Salz 20 g Muskovado oder brauner Zucker 40 g Butter
1 Die Zwiebeln bei 140 Grad 40 Minuten im Ofen
garen und auskühlen lassen. Einen Deckel der Zwiebel abschneiden und die Zwiebel aushöhlen. Wir im Oniriq belassen zwei bis drei Lagen der Zwiebel in der Schale, damit diese beim Anrichten mehr Halt hat. 2 Den Inhalt der Zwiebel in Würfel schneiden und in der Butter leicht Farbe geben, Zucker zugeben, leicht karamellisieren lassen, mit Essig ablöschen und 15 Minuten bei geringer Hitze einkochen lassen.
1 Milch aufkochen, Heu zugeben und abgedeckt 20
Minuten ziehen lassen. Abseihen. 2 Währenddessen die Kartoffel schälen, in Salzwasser kochen und anschließend mit der Milch vermixen. In einen Isi Boy abfüllen, mit einer Kapsel aufziehen und bei 70 Grad im Wasserbad aufbewahren.
Confierte Eier
300 ml geklärte Butter 4 Qualität Tirol Goggei
1 200 ml der Butter in einer Sauteuse auf 62 Grad
erhitzen und die 4 Dotter in die Butter geben. Die restliche geklärte Butter erhitzen und so viel zu den Eigelben geben, bis diese wieder 62 Grad Temperatur erreicht haben. 2 Im Ofen bei 60 Grad 30 Minuten ziehen lassen. 4 tiefe Teller mit Heu auslegen und einen kleineren Teller darauf platzieren. Die ausgehöhlte Zwiebel auf den Teller setzen und einen Esslöffel der heißen Zwiebelmarmelade in die Zwiebel anrichten. Das Eigelb mit Hilfe eines Löffels aus der Butter heben und auf die Zwiebelmarmelade setzen. Mit Hilfe eines Spritzsackes die Liebstöckelemulsion kreisförmig um das Eigelb spritzen und den Rest der Zwiebel mit dem Heumilchschaum auffüllen. Je nach Belieben mit Röstzwiebeln, Liebstöckel oder einem Löffelchen Kaviar garnieren.
ANRICHTEN:
eco.life
123
eco.life
124
eco.life
Geeister Sauerrahm und Sauerampfer mit cremigem Dillblütenbaiser und Eierlikör
Geeister Sauerrahm
Cremiges Baiser
200 g Sauerrahm 100 ml Milch Saft und Abrieb einer halben Bio-Zitrone 20 g Zucker 3 g Salzwasser 2 Blatt Gelatine
200 g pasteurisiertes Eiweiß (Wedl) 75 g Zucker 2 g getrocknete Dillblüten
1 Alle Zutaten vermixen und am besten über
1B lattgelatine einweichen. Alle Zutaten miteinander
vermischen und die erwärmte Gelatine einrühren. In den Tiefkühler stellen und mit Hilfe einer Gabel zu Granité verarbeiten.
Geeister Sauerrampfer
100 ml Apfelsaft 100 ml Naturmolke 50 g Sauerampfer 20 ml Granny Smith Apfelessig 20 g Zucker 2 g Salz 2 Blatt Gelatine
Nacht ziehen lassen. 2 Durch ein feines Sieb passieren, in einen Isi Boy abfüllen und mit 2 Kapseln hochziehen. 1 Esslöffel Eierlikör in einen tiefen Teller geben, mit dem Baiser bedecken und dann beide Granités darauf verteilen. Mit etwas Sauerampfer dekorieren.
ANRICHTEN:
1A lle Zutaten auf voller Stufe vermixen, bis sich
der Ampfer aufgelöst hat. Eingeweichte Gelatine zugeben und gleich verfahren wie mit dem Sauerrahm.
ONIRIQ
Die Rezepte wurden uns zur Verfügung gestellt von Christoph Bickel (re.), der in seinem Restaurant Oniriq in der Innsbrucker Bürgerstraße hochwertige heimische Qualitätsprodukte zu feinster Küche auf Haubenniveau verfeinert. Unterstützt wird er dabei neuerdings von Souschef Udo Hermann (li.), der vorher unter anderem im Steirereck und im Saag Ja am Wörthersee tätig war. Im Oniriq wird vor allem Gemüse auf eine Art und Weise zelebriert, die ihresgleichen sucht. Jedem Gericht wohnen ein unglaublicher Ideenreichtum, Kreativität und Hingabe zum Produkt inne, dem die Köche mit viel Fantasie und Können dessen ehrlichstes und purstes Aroma herauskitzeln. www.oniriq.at
125
eco.life
GUTER WEIN BRAUCHT WEILE Die finesparkling®-Story: Eine Weingeschichte mit Leidenschaft, Emotion und Hingabe. TEXT: ÜMMÜ YÜKSEK
126
A
lles begann, als Alexander Zellhofer aufgrund einer zunehmenden Rotwein-Unverträglichkeit auf Rotweine verzichten musste und über Weiß- und Roséweine schließlich eine Leidenschaft für Schaumweine entdeckte. Die Verkostung verschiedenster Schaumweinqualitäten und die intensivere Auseinandersetzung mit den vielfältigen Herstellungsmethoden führten Zellhofer letztendlich zur Königsklasse der Schaumweinproduktion, nämlich zur Méthode Traditionelle, also der traditionellen Flaschengärung. Seitdem wurde vieles probiert, die Kompetenz wuchs und 2016 gründete der
finesparkling®-Chef einen Onlineshop für europäische Edelschaumweine mit Champagner aus Frankreich, Cava aus Spanien, Crémant aus Luxemburg, Franciacorta und Trentodoc aus Italien sowie edlem Sekt aus Deutschland und Österreich. Bemerkenswert dabei war, dass die edlen Schaumweine aus Österreich bei Blindverkostungen besonders gut ankamen und sich als Preis-Leistungs-Sieger hervorhoben. Mit zunehmendem Grad der Vertiefung und dem Austausch mit Winzern und Sektkellereien reifte der Gedanke zu einer eigenen Sektmarke. Die meisten Winzer lassen ihre Schaumweine von Lohnsektkellerei-
en herstellen und da es auch möglich ist, Trauben und Weine zuzukaufen, entwickelte sich die großartige Idee der völligen Freiheit zur Qualität. Dieses Konzept der Ungebundenheit von Regionen, Weinbergen und Jahrgängen führte schließlich im Jahr 2018 zur Gründung des Start-ups finesparkling® Premiumsekt. Die Grundweine der aktuellen Produktion stammen von Winzern östlich des Neusiedlersees. Die Weintrauben aus diesem Gebiet gehören zu jenen mit den längsten Sonnenstunden Österreichs. Gewählt werden für den Brut Blanc Chardonnay-Trauben und für den Brut Rosé Pinot-Noir-Trau-
eco.life
DIE EDELSCHAUMWEINE FINESPARKLING ® BRUT BLANC Dieser außergewöhnliche Blanc de Blancs präsentiert sich eindrucksvoll und prächtig mit Noten von Birnen und Zitrusfrüchten. Erstklassiges Frucht-Säurespiel mit hervorragend eingebundener Perlage. Farblich erstrahlt finesparkling ® Brut Blanc in schönstem Gelbgold. Durch die lange Hefelagerung nach der exklusiven Methode der traditionellen Flaschengärung begeistert finesparkling ® mit seidigem und langanhaltendem Prickeln. Nicht zu süß und nicht zu trocken. Rebsorte: Chardonnay 12,5 % vol.
Alexander Zellhofer ist Gründer und Inhaber von finesparkling e.U.
ben, die nach der Ernte gerebelt, also von den Stielen befreit, werden, um Bitterstoffe zu reduzieren. Außerdem werden für die Grundweine nur die ersten zwei Drittel des Mostes verwendet. Nach der ersten Gärung wird der entstandene Wein zusammen mit Tiragelikör, einem Gemisch aus Hefe und Süße, zur zweiten Gärung in die Flasche gefüllt und mit einem Kronkorken verschlossen. Diese traditionelle Flaschengärung wird weltweit als Premium-Methode bei der Erzeugung von Edelschaumweinen eingesetzt und unterscheidet sich wesentlich von der Perlwein-Produktion, bei der Kohlensäure dem Wein auch einfach nur hinzugefügt werden kann.
FREIHEIT ZUR QUALITÄT
Premiumsekt von finesparkling® reift mindestens 18 Monate in der Flasche und baut in dieser Zeit durch die entstehende Kohlensäure einen Flaschendruck von fünf bis sieben bar auf. Zum Vergleich: Autoreifen haben üblicherweise etwa 2,5 bar Druck. Die lange Hefelagerung sorgt für ein feines Prickeln und ein wunderschönes Mundgefühl. Zum Abschluss der Lagerzeit wird der Rüttelvorgang eingeleitet. Die liegenden Flaschen werden innerhalb weniger Tage sanft gedreht, bis die Flasche mit dem Kronkorken senkrecht nach unten zeigt. Dadurch sammelt sich die verbliebene Hefe im Hals der Flasche, die in weiterer Folge im Solebad bei –22 Grad Celsius eingefroren wird. Nach der Entfernung des Kronkorkens treibt der enorme Druck den Hefepfropfen aus der Flasche. Der fehlende Schaumwein
wird aufgefüllt und mit einer geheimen Mixtur aus Süßwein (Dosage) ergänzt, um den Geschmack fein abzustimmen. Premiumsekt von finesparkling® soll fein und langanhaltend prickeln, vollmundig im Geschmack sein, mit zarter Fruchtnote sowie in schöner satter Farbe erstrahlen und so Freude für die Sinne bereiten.
DER AUTOR HINTER DER FINESPARKLING ® - STORY
Alexander Zellhofer ist Gründer und Inhaber von finesparkling e.U. Nach einer technischen Ausbildung im Bereich Maschinenbau sammelte er mehrere Jahre Berufserfahrung im Vertrieb. Während dieser Zeit besuchte er abendlich die Unterrichtseinheiten für die Berufsreifeprüfung. Direkt im Anschluss, im Alter von Mitte zwanzig, zog es ihn für ein Jurastudium nach Innsbruck, das er innerhalb der vierjährigen Mindeststudiendauer abschloss. Seine Begeisterung für Wein entwickelte sich während der Studienzeit. Aufgrund des schmalen Budgets wuchs sein Interesse, die besten Preis-Leistungs-Produkte zu finden. Ein Interesse, das sich schließlich in eine Inspiration zur eigenen Edelschaumherstellung wandelte. Wein interessiert Alexander Zellhofer speziell auf emotionaler Ebene. Neben den theoretischen und praktischen Aspekten der Weinkunst möchte er mit finesparkling® vor allem die pure Freude am Genuss ansprechen. Für ihn eignet sich dafür kaum etwas besser als ein Glas prickelnde Königsklasse, die als Löwenkopf im Logo repräsentiert wird.
127 FINESPARKLING ® BRUT ROSÉ Dieser beeindruckende Brut Rosé überzeugt durch die lange Hefelagerung nach der exklusiven Methode der traditionellen Flaschengärung mit brillantem und langanhaltendem Perlenspiel. Von auserlesenem Geschmack, mit zarten Noten von Wald- und Erdbeeren, dazu Kirsche und leichte Anklänge von Karamell. finesparkling ® Brut Rosé schmeichelt betörend samtig und cremig am Gaumen. Ein außergewöhnlicher Schaumwein mit imposanter Farbe. Nicht zu süß und nicht zu trocken. Rebsorte: Pinot Noir 13,0 % vol.
FINESPARKLING E.U.
Kaiser-Franz-Josef-Straße 130 6845 Hohenems info@finesparkling.com
www.finesparkling.com
IM GESPRÄC
128
news & events
Hallo Frühling Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, Farbe zu bekennen und Zeichen zu setzen. Beim alljährlichen Season Opening @PETERA ging es daher diesmal nicht nur um die neuesten Trends und Farben des Frühjahrs, sondern auch um die Ukraine. 50 Prozent der Einnahmen an diesem Abend kamen Nachbar in Not / Ukraine zugute. Weiters konnte auch vor Ort direkt gespendet werden. Am Ende des Abends betrug die Summe 4.500 Euro! Der Charity-Aspekt begeisterte das Publikum, genauso wie die Fashionshow – gespickt mit farbenfrohen It-Pieces der kommenden Saison, und auch unsere fröhliche Smiley-Ausgabe durfte mit auf den Laufsteg. „Uns war es sehr wichtig, an diesem Abend das Leben an sich zu feiern, ohne die aktuellen Geschehnisse auszublenden“, meinte dazu Anna Strießnig, Inhaberin von Petera. Die zahlreichen Gäste genossen den Abend sichtlich und fachsimpelten eifrig über die neuesten Trends wie Color-Blocking, Pink is Punk oder das Mode-Comeback der 1990er-Jahre.
© ATM/BERGER
im.gespräch
T I ROL K L AU B T AU F Viele Gemeinden rufen zum Frühjahrsputz in der Natur auf und unzählige freiwillige Helfer*innen packen mit an, um die Landschaft von achtlos weggeworfenen Abfällen zu befreien. In den Bezirken Schwaz und Innsbruck-Land unterstützt die Abfallwirtschaft Tirol Mitte GmbH (ATM) die Gemeinden bei der Durchführung von Flurreinigungsaktionen, indem sie viele der benötigten Utensilien zur Verfügung stellt.
129
© LEBENSRAUM TIROL HOLDING / FRANZ OSS
PRÖSTERCHEN Das Erfolgsmodell Alpenzoo feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag. Da darf ein gutes Glas Wein nicht fehlen. In Zusammenarbeit mit der Weinkellerei Meraner enstand aus diesem Anlass ein streng limitierter Alpenzoo-Jubiläumswein. „Ab jetzt kann man für den Artenschutz trinken, denn ein Teil des Erlöses kommt dem Alpenzoo zugute“, so Zoodirektor André Stadler. Und weil es heuer auch ein neues Fuchs- und Dachsgehege geben wird, durften die beiden Tiere aufs stylische Etikett. Der Dachs auf den Weißwein, der Rotfuchs folgerichtig auf den Roten. Den Wein gibt’s unter anderem im Zooshop.
ZWEITE CHANCE FÜR DEN GUTEN ZWECK Unter dem Motto „Eleganz ist die gemeisterte Verschwendung“ organisierte Dr. Johanna Schwarz mit einem engagierten Team einen Garagenverkauf, um ehemaligen Lieblingsstücken ein neues Zuhause zu geben. Kleiderschränke wurden durchforstet, Schuhkästen auf den Kopf gestellt und Schmuckkästchen geleert – die Fundstücke konnten sich sehen lassen: Elegante Kaschmirteile und hippe Partyfummel tauschten ihre Besitzer und spielten in Summe über 6.000 Euro in die Kasse der Ladys. Der Betrag wurde umgehend dem „DOWAS für Frauen“, einer Anlaufstelle für Frauen in Notlagen, gespendet. Auch so geht Nachhaltigkeit!
Landeshauptmann Günther Platter, Geschäftsführerin Karin Seiler, Tourismusobmann Mario Gerber und Josef Margreiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding
TIROL WERBUNG WIRD WEIBLICH Die bisherige Geschäftsführerin von Innsbruck Tourismus, Karin Seiler, steht nach einem Hearing zur Neubestellung der Geschäftsführung der Tirol Werbung als Erstgereihte fest. Mit der gebürtigen Tirolerin rückt damit ab 1. Mai 2022 erstmals eine Frau an die Spitze der Landestourismusorganisation. Die neue Chefin, die sich unter rund 30 Bewerberinnen und Bewerbern durchsetzen konnte, war bereits zwischen 2012 und 2015 als Marketingleiterin für das Unternehmen tätig. Dem raschen Wechsel stimmte auch Mario Gerber in seiner Funktion als Obmann von Innsbruck Tourismus zu, für den nun die Neubesetzung der Geschäftsführung ansteht.
eco.life
DIALOG DER STRUKTUREN Vom 26. April bis 21. Mai zeigt die Galerie Nothburga die Arbeiten der beiden Künstlerinnen Margit Gärtner und Janine Weger.
130
© K.COSTADEDOI
Margit Gärtner, geboren in Vöcklabruck, hat Draht als Material bei der Mühlviertler Künstlerin Brigitte Ameseder kennengelernt. Sie beschäftigt sich seit nunmehr vielen Jahren intensiv mit dem Objekt und stellt vorwiegend in Österreich aus. Viele ihrer Objekte haben geschwungene, organische Formen, ihre Strukturen bilden eine Hülle, die eine gewisse Leichtigkeit vermitteln.
E
s ist vor allem die Arbeit mit dem Draht, die die oberösterreichische Künstlerin Margit Gärtner reizt. „Ein Stück Draht ist eine Linie im Raum, die sehr flexibel ist. Linien faszinieren, Draht fasziniert mich. Der Draht kann gekürzt, verlängert, in alle Richtungen gebogen und geformt werden.“ Am Anfang steht für Margit Gärtner immer das spielerische, zufällige Kritzeln und Zeichnen, wobei aus den Linien Strukturen entstehen. Mit unterschiedlich starken Eisendrähten werden die einzelnen „Linien“ durch Umwickeln, Verknoten, Nähen, Einwickeln, Flechten und Weben miteinander verbunden und verdichtet. Es entsteht ein Gewebe, aus dem sich dreidimensionale abstrakte Wandobjekte entwickeln. Manchmal sind sie auch freistehend, manchmal schwe-
Janine Weger wurde 1993 in Hall geboren, besuchte von 2014 bis 2017 die Malereiklasse an der Universität für kreative Künste im englischen Canterbury. Nach ihrem Abschluss erhielt sie durch den „Platform Graduate Award“ eine Folgeausstellung in der Turner Contemporary in Margate, England. Es folgten (Einzel-)Ausstellungen in England, Tokio, Innsbruck und Wien. Weger lebt und arbeitet in Wien.
bend. Strukturen sind für Gärtner wichtig. Sie geben Halt. Manchmal müssen sie aber auch aufgebrochen oder verändert werden, wenn sie zu sehr einengen, damit sie Raum für Neues geben. Auch ihre Objekte unterliegen diesem Gesetz. Geschwungene, organische Formen vermitteln eine Einfachheit und Mühelosigkeit, wobei diese in letzter Zeit von strengeren, strafferen Formen, Sicheln und Bändern abgelöst werden, die das graphische Element verstärken.
STARKE VERBINDUNG
In der Galerie Nothburga steht Margit Gärtner die junge Haller Künstlerin Janine Weger zu Seite. In ihrer interdisziplinären künstlerischen Praxis begreift diese Malerei als performativen Akt. Dabei hinterfragt sie laufend die Grenzen und Rollen des Medi-
ums innerhalb eines zunehmend von neuen Medien geprägten Kunstkontextes. Durch die spezifischen Dimensionen ihrer Bildträger und deren Platzierung in Raum und Architektur entstehen oft Installationen, die immer auch Malerei als Objekt befragen. Die Verbindung zwischen Bildobjekt, Raum, Installation und Performance ist ein wesentliches Anliegen ihrer Arbeit.
GALERIE NOTHBURGA Innrain 41, 6020 Innsbruck info@galerienothburga.at
www.galerienothburga.at
Mi. bis Fr. von 16 bis 19 Uhr Sa. von 11 bis 13 Uhr
Margit Gärtner / Janine Weger Ausstellungsdauer: 26. April bis 21. Mai 2022
Foto: © Günter Kresser diewildenkaiser.com
NG ÄRKU UR ST TIVE Z SCHAFT. IA IT T IN EINE R WIR IROLE DER T
Dahinter stecken unsere Tiroler Unternehmen, die auch unsere Spielplätze mitfinanzieren. DIE GANZE GESCHICHTE AUF WWW.JA-ZU.TIROL
Die Initiative für Gründer:innen in Tirol.
Valentin Schütz Gronda
Unsere Region braucht Unternehmer:innen, die an sich glauben. #glaubanmorgen
Jetzt in deine eigene berufliche Zukunft starten:
tirolstarter.at