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eco.nova April 2026

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MENSCH VOR MASCHINE

KI: Wer nicht selbst denkt, denkt nicht mit.

KUNST IST FÜR ALLE Das Theater als Raum für freie Gedanken.

KLUG ENTSCHEIDEN Finanzbildung als Schlüssel zu finanziellem Wohlbefinden.

GIPFEL

WARUM FÜR ÖSTERREICHS WISSENSCHAFTLERIN

DES JAHRES FRANCESCA FERLAINO NEUGIER

WICHTIGER IST ALS GENIALITÄT.

Autowelt Innsbruck Denzel & Unterberger GmbH & Co. KG Griesauweg 28, 6020 Innsbruck Tel.: 0512 3323 0, E-Mail: info@denzel-unterberger.cc landrover-innsbruck.at

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eco.nova-Herausgeber Sandra Nardin (re.) und Christoph Loreck mit Chefredakteurin Marina

WISSEN WIRKT

Bildung ist nicht nur die bloße Aneignung von Wissen. Bildung schafft Orientierung, ermöglicht kluge Entscheidungen und ist damit die Grundlage für Wirtschaft, Demokratie und eine aufgeklärte Gesellschaft.

Bildung ist ein großes Wort und vor allem eines, das man schnell auf Schule, Abschlüsse und Zeugnisse reduziert. Dabei beginnt Bildung viel früher und reicht viel weiter. Sie hat mit Neugierde zu tun, mit der Fähigkeit, kluge Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu verstehen und Entscheidungen treffen zu können. Im Kleinen wie im Großen. Bildung ist damit kein rein persönliches Gut, sondern auch ein gesellschaftliches. Für einen Wirtschaftsstandort wie Österreich, an Rohstoffen nicht wirklich reich, ist Bildung die vielleicht wichtigste Ressource überhaupt. Nicht nur, weil sie Fachkräfte hervorbringt, Innovation ermöglicht und Wettbewerbsfähigkeit sichert, sondern weil sie Menschen befähigt, mit Veränderungen umzugehen. Neue Technologien, neue Berufe, neue Unsicherheiten: Wer gelernt hat, zu lernen, findet sich auch in einer Welt zurecht, die sich ständig neu erfindet.

Gleichzeitig ist Bildung das Fundament der Demokratie. Wer Informationen einordnen kann, wer versteht, wie Wissenschaft arbeitet, wer Quellen hinterfragt und unterschiedliche Perspektiven aushält, ist weniger anfällig für Fake News, plakative Parolen oder rüden Populismus. Bildung befähigt dazu, sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden und dafür einzustehen. Wir haben uns in dieser Ausgabe auf die Suche danach gemacht, was Bildung wirklich ist, wie sie wirkt, und was sie heute und in Zukunft leisten kann, soll und muss. Wie konkret Bildung wirkt, zeigt das Beispiel Finanzbildung. Sie ist keine Garantie für die richtigen Entscheidungen, schafft jedoch die Voraussetzung, überhaupt frei entscheiden zu können. Und letztlich geht es genau darum: zu verstehen, zu handeln und Verantwortung für das eigene Leben übernehmen zu können. Bildung erweitert unser eigenes Blickfeld, oder wie Quantenphysikerin und Wissenschaftlerin des Jahres, Francesca Ferlaino, in unserer Titelgeschichte sagt: „Je weiter unser Horizont ist, desto besser sind unsere Ideen.“

Wer versteht, kann entscheiden. Denken wir weiter! Ihre Redaktion der eco.nova

IMPRESSUM

HERAUSGEBER & MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄFTS LEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin ASSISTENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAKTION: Marina Bernardi REDAKTION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, DI Caterina Molzer-Sauper, Elisabeth Zangerl // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Michael Kordovsky // eco.mobil: Felix Kasseroler // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // eco.life: Marina Bernardi ANZEIGENVERKAUF: Ing. Christian Senn, Yvonne Knoll, BA, Patrizia Schröter LAYOUT: Tom Binder LEKTORAT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH

COVER: Dino Bossnini

UNTERNEHMENSGEGENSTAND: Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHTUNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Wellness, Steuern, Recht, Kulinarium und Life style beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRESABO: EUR 29,00 (13 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BEZAHLTE ANZEIGEN bzw. KOOPERATIONEN!

Bernardi

GEKOMMEN, UM ZU BLEIBEN.

FOTOS: DINO BOSSNINI, ANDREAS FRIEDLE, MARIAN KRÖLL, LEON AREVALO, NOVARTIS ÖSTERREICH/GERHARD BERGER

ECO.TITEL

12 LASERS, LASERS, LASERS

Quantenphysikerin Francesca Ferlaino ist Österreichs Wissenschaftlerin des Jahres und strahlt eine herzliche Wärme aus. An der Universität Innsbruck bewegt sie sich mit ihrer Forschung nahe am absoluten Nullpunkt.

ECO.WIRTSCHAFT

18 WAS IST BILDUNG?

Es ist eine dieser scheinbar einfachen Fragen, die sich allerdings sofort sperrig machen, sobald man sie ernst nimmt. Der Versuch einer Klärung mit Gregor Örley.

22 STANDORTFAKTOR BILDUNG

Was kann Bildung leisten, um einen Standort resilient und erfolgreich in die Zukunft zu führen?

26 SPIEGEL DER GESELLSCHAFT

Wer darüber spricht, welche Bildung ein Land braucht, verhandelt immer auch die Frage, welche Gesellschaft es sein will.

30 WISSEN ≠ BILDUNG

Der Wert der Bildung und was sie heute sein kann, will und muss. Ein Essay.

36 GEGEN ALLE WIDERSTÄNDE

Biografien verlaufen selten geradlinig, doch manche sind im besonderen Maß von Herausforderungen geprägt. Wie die von Pelageh Ladstätter.

42 ECHT NACHHALTIG

St. Anton zählt zu den Vorreitern der Energieautarkie in Tirol.

ECO.ZUKUNFT

56 MUSTER IN DER DATENWOLKE

Michael Netzer ist preisgekrönter Assistenzprofessor an der UMIT Tirol. Ihn treibt die Frage um, wie der Mensch souverän gegenüber einer Technologie bleibt, die ihm zunehmend das Denken abnimmt.

62 VOM EXPERIMENTIEREN

ZUM SKALIEREN

Künstliche Intelligenz ist in der Wirtschaft angekommen. Doch zwischen individueller Nutzung und tatsächlicher Wertschöpfung liegt ein langer Weg.

72

VON TIROL IN DIE WELT

Tirol zählt zu den wichtigsten LifeSciences-Standorten im Alpenraum. Novartis spielt dabei eine zentrale Rolle und sorgt für innovative Therapien „made in Austria“.

ECO.GELD

84

FINANZIELLES WOHLBEFINDEN Finanzbildung ist keine Garantie dafür, die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen, schafft jedoch die Voraussetzung, überhaupt fundiert wählen zu können.

ECO.LIFE

98 KULTUR FÜR ALLE

Theater ist mehr als Unterhaltung. Es ist ein Begegnungs- und Möglichkeitsort, der für alle wirken will und Räume öffnen soll.

03 EDITORIAL 08 KOMMENTAR

KREATIVE

Tirols modernes Krankenhaus und Ärztezentrum

Persönlich betreut vom Facharzt Ihrer Wahl

Einfühlsame und kompetente Pflege Hochwertige Medizintechnik, modernste OP-Säle Freundliche, helle Zimmer am sonnigen Plateau über Innsbruck Vorzüglich speisen, Wahlmenüs und Diätküche, frisch zubereitet SANATORIUM DER KREUZSCHWESTERN GMBH A-6063 Rum · Lärchenstr. 41 · Tel. 0043 512 234-0 E-Mail: office@pk-hochrum.com · www.privatklinik-hochrum.com

MENSCHEN & UNTERNEHMEN

35 JAHRE UNTERNEHMERTUM

Seit 35 Jahren plant das Tiroler Ingenieurbüro SHP die technische Gebäudeausrüstung zahlreicher Wohn-, Industrie- und öffentlicher Gebäude. In dieser Zeit hat SHP rund 1.100 Projekte für unterschiedlichste, namhafte Auftraggeber umgesetzt – von Tirol aus bis nach Qatar und an die deutsche Ostsee. Gerade die Gebäudetechnik – von Heiz- und Kühlsystemen über Lüftung bis zu intelligenten Energiesystemen – entscheidet heute maßgeblich über Energieverbrauch, Betriebskosten und die Klimabilanz von Gebäuden und ist damit ein zentraler Hebel für Energieeffizienz im Bau. „Gebäude sind für uns nie nur Beton und Technik. Sie sind Orte, an denen Menschen arbeiten, gesund werden oder ihre Freizeit verbringen. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass diese Räume technisch zuverlässig funktionieren“, betont Andreas Hohenauer, der das Unternehmen gemeinsam mit Robert Stiefmüller führt. Mit Enzo Stiefmüller ist auch bereits die Nachfolge im Unternehmen verankert. Insgesamt arbeiten am Standort in Kundl 20 Mitarbeiter*innen. Für 35 Jahre Unternehmertum erhielt SHP kürzlich die Ehrenurkunde der Wirtschaftskammer Tirol. „Unsere Branche steht vor großen technischen und ökologischen Herausforderungen. Gleichzeitig entstehen daraus enorme Chancen für Innovation. Wir wollen gemeinsam mit unserem Team auch in Zukunft Gebäude planen, die nachhaltig funktionieren und den Menschen dienen“, so Stiefmüller.

Robert Stiefmüller und Andreas Hohenauer

STARKES JAHR, KLARE PERSPEKTIVE

Die Stadtgalerien Schwaz schließen das Geschäftsjahr 2025 mit einem klaren Plus ab: Über fünf Prozent Wachstum festigen die Position im Tiroler Einzelhandel, einzelne Shops erzielen sogar zweistellige Zuwächse. Den Erfolg führt man vor allem auf die strategische Ausrichtung mit einer Kombination aus Markenmix, gezielten Werbeaktivitäten und einem angenehmen Ambiente –nicht zuletzt entstanden durch unterschiedliche Vitalisierungsmaßnahmen im vergangenen Jahr – zurück. Seit Anfang des Jahres führt die erfahrene Centermanagerin Daniela Schlemmer (im Bild) das Haus. Sie will auch im Jahr 2026 gemeinsam mit ihrem Team weitere gezielte Entwicklungsimpulse setzen. Der Branchenmix wurde mit Marken wie Nanu Nana, More & More und Fussl Modestraße bereits weiter geschärft, was die Attraktivität für unterschiedliche Zielgruppen erhöhen soll. Insgesamt sind im Haus mehr als 350 Mitarbeiter*innen beschäftigt.

Die Eurogast-Österreich-Geschäftsführung Franz Sinnesberger, Peter Krug und Alexander Kiennast

WACHSTUMSKURS

Auch Eurogast Österreich setzte 2025 seinen Wachstumskurs fort und steigerte den Nettoumsatz um 4,52 Prozent auf über 648 Millionen Euro. Treiber sind vor allem das ausgebaute Zustellgeschäft sowie die konsequente Digitalisierung der Bestellprozesse. Mit einer Zustellquote von 78 Prozent, einem dichten Logistiknetz und über 44.000 Produkten im Sortiment zählt das Unternehmen zu den führenden Playern im heimischen Großhandel. Und auch digital ist Eurogast stark positioniert: Über 60 Prozent der Bestellungen erfolgen bereits online, parallel wächst das Eigenmarkensortiment auf mehr als 800 Produkte, während Initiativen wie „Genuss aus Österreich“ die Regionalität stärken. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen über 2.300 Mitarbeiter*innen, darunter ca. 50 Lehrlinge, betreut werden mehr als 38.000 Kund*innen. Für 2026 liegt der Fokus klar auf dem weiteren Ausbau von Zustellung und digitalen Services, kombiniert mit persönlicher Betreuung als zentralem Erfolgsfaktor.

(Ein-)Bildung

Bildung ist keine Sammlung von Antworten, sondern die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen.

„Einbildung ist auch eine Bildung. Bei manchen die einzige“, sagte meine Oma einmal. Damals klang das wie eine Plattiüde, heute wirkt der Satz fast wie eine gesellschaftliche Diagnose: Wer nichts weiß, hält sich am Ende einfach selbst für klug. Bildung ist eine der wenigen Ressourcen, die sich vermehrt, wenn man sie teilt. Sie entsteht nicht nur in Hörsälen oder zwischen Buchdeckeln, sondern überall dort, wo Menschen neugierig bleiben, Fragen stellen und bereit sind, ihre Meinung auch einmal zu korrigieren. Das klingt ziemlich unspektakulär, ist allerdings ein ziemlich anspruchsvoller Prozess. Lernen bedeutet nämlich auch, gelegentlich festzustellen, dass man vorher falsch lag. Gerade deshalb ist Bildung so wertvoll. Sie schützt nicht vor Irrtümern, doch sie hilft, sie zu erkennen. Sie liefert Werkzeuge, um Informationen zu prüfen, Zusammenhänge zu verstehen und zwischen lautem Poltern und fundiertem Wissen zu unterscheiden. In einer Welt, in der Meinungen schneller zirkulieren als Fakten, ist das keine akademische Spielerei, sondern eine grundlegende gesellschaftliche Kompetenz. Und ganz nebenbei hat Bildung einen recht charmanten Nebeneffekt: Je mehr man lernt, desto besser versteht man, was man noch nicht weiß. „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Das mag zunächst ernüchternd sein, sorgt aber langfristig für eine gewisse Gelassenheit gegenüber allzu großer Selbstgewissheit.

Vielleicht hatte meine Oma also recht. Einbildung mag zwar kurzfristig ganz bequem sein, weil sie keine Mühe kostet. Bildung dagegen verlangt Zeit, Neugierde und manchmal auch ein wenig Demut. Dafür bringt sie einen wirklich weiter –nicht nur im eigenen Kopf.

Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at

Marina Bernardi, Chefredaktion
© BLICKFANG
PHOTOGRAPHIE

ODE AN DIE TÜCHTIGEN

„Die Leistungsträger“ nehmen in Sonntagsreden einen Ehrenplatz ein. In der Realität sieht es anders aus.

VON KLAUS SCHEBESTA

Die Wirtschaft“ ist die Summe aller Leistungen, die in einem Land erbracht werden. Leider geht es „der Wirtschaft“ gerade nicht besonders. Manche Branchen wie die Industrie, das Gewerbe oder der Handel befinden sich im dritten Jahr der Rezession. Letztlich weiß aber auch die Politik, dass „die Wirtschaft“ ganz im Kleinen anfängt – bei den Leistungsträgern auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite. Daher kommt kaum eine Sonntagsrede ohne die ganz besondere Wertschätzung „der Tüchtigen“ aus. Leider schafft es diese verbale Zuneigung nicht hin zu realen Rahmenbedingungen. Denn Leistung findet bei uns alles andere als gute Voraussetzungen vor. Schauen wir uns das konkret an drei Beispielen an, die zwei fiktive Brüder, nennen wir sie Anton und Felix, erleben.

BEISPIEL 1: Anton arbeitet Vollzeit, aus Überzeugung. Felix, der etwas jüngere Bruder, ist es immer schon chilliger angegangen und findet 30 Stunden mehr als genug. Damit ist er voll im Trend: Mit 33 Prozent liegt die Teilzeitquote in Tirol über dem Österreichschnitt und deutlich über dem EU-Durchschnitt. Trotz des deutlichen Unterschieds beim Arbeitseinsatz fallen die Einkommen der beiden erstaunlich ähnlich aus. Das liegt an mehreren Faktoren: Anton rutscht mit seinem Einkommen in höhere Steuerstufen, schon überhaupt, wenn er sich zu zusätzlichen Überstunden breitschlagen lässt; Felix hingegen bilanziert weit steuerschonender und bleibt zudem noch unter diversen Förderschwellen. Er kann sich über seine Sozialwohnung und manche Zuschüsse freuen. Das ärgert Anton – aber er lässt sich vom System schließlich nicht manipulieren und bleibt auf seinem Karriereweg.

BEISPIEL 2: Anton kann sogar auf eine unternehmerische Episode in seinem Leben zurückblicken. Er hatte eine Geschäftsidee, eine ziemlich gute sogar. Wahrscheinlich wären daraus auch einige Arbeitsplätze entstanden. Aber es gab Probleme. Es war nicht das Fachliche. Nicht die Finanzierung.

Nicht die Geschäftspartner. Es waren die Formulare. Anträge, Nachweise, Auflagen, Zuständigkeiten. Dazu kam eine Armee an Bedenkenträgern, die ihm erklärten, warum etwas nicht geht, noch nicht geht oder anders gehen muss, selbstverständlich immer mit abschließender amtlicher Bestätigung. Schließlich ist er das geblieben, was in Österreich viel einfacher ist: unselbständig. Anton hat viel gelernt in dieser Zeit. Vor allem, dass Unternehmertum hierzulande eine Frage der Leidensfähigkeit ist. Sein Scheitern als Selbständiger ärgert Anton bis heute – aber er lässt sich vom System schließlich nicht manipulieren und ist jetzt immerhin in einer herausfordernden Leitungsfunktion eines privaten Unternehmers.

BEISPIEL 3: Nach dem Blick in die Vergangenheit zum Blick in die Zukunft. Felix ist auch diesbezüglich entspannt, ruht tief in seiner Vollkaskomentalität, die im österreichischen Sozialsystem lebendigen Widerhall erfährt, und pfeift auf Vorsorge. Anton macht es anders und spart. Er verzichtet heute, um morgen abgesichert zu sein. Er schafft ein Eigenheim, eine Vorsorgewohnung, denkt an seine Familie, an seine beiden Kinder. Die aufkeimende Diskussion um die Vermögenssteuer gibt ihm zu denken. Wenn sie tatsächlich kommt, ist er – wieder einmal – der Depp. Dann muss das, was er sich mühsam erarbeitet hat, ein zweites Mal versteuert werden. Felix ist das egal. Er hat seinen Verdienst längst in Autos, Sportgeräte, Urlaube, Kulinarik und andere vergängliche Dinge investiert. Alles vergeudet, verjuxt, verprasst, verpulvert. Bei ihm gibt es nichts mehr zu versteuern. Das ärgert Anton – aber er lässt sich vom System schließlich nicht manipulieren und setzt weiterhin auf Vorsorge für die Seinen.

Irgendwann beginnt Anton nachzudenken. Er will sich eigentlich nicht dauernd ärgern. Heute arbeitet auch er weniger, hat seine unternehmerischen Ambitionen begraben und seine Sparpläne aufgegeben. Der Arbeitsmarkt ächzt, die Projekte bleiben in der Schublade, die Vorsorge schrumpft. Aber das System hat Anton endlich dort, wo es ihn immer haben wollte. Sonntagsreden hört er sich nicht mehr an. Immer wenn er die Ode an „die Tüchtigen“ hört, wird ihm schlecht.

VON CLOSING-EVENTS SOLLTEN SIE MEHR MITNEHMEN ALS EINEN KATER!

Zum Ende der Wintersaison wurde auf Tirols Bergen noch einmal aufgedreht: Konzerte, Festivals und, und, und. Im Großen wie im Kleinen. Ist dies das letzte Aufbäumen gegen apere Hänge und leere Betten – oder doch ein gezielter Aufschwung vor dem Abschwingen? Und was können Unternehmen daraus lernen?

VON PETER EINKEMMER & DOMINIQUE PFURTSCHELLER

Ja, die Headliner werden größer, die Bühnen spektakulärer. Aber wer genauer hinschaut, erkennt: Es geht längst nicht mehr um „höher, schneller, weiter“. Es geht um Bindung. An Orte. An Marken. Ein gutes Event ist kein Selbstzweck. Es ist ein emotionaler Anker. Menschen erinnern sich nicht an den perfekten Werbeslogan – aber an den Moment, in dem sie mit Freunden das Leben gefeiert haben. Genau dort entsteht Markenbindung

GROSSE WIRKUNG BRAUCHT KEIN GROSSES BUDGET

Und deshalb sind Closing-Events der Skisaison ein hervorragendes Beispiel für klug inszenierte Markenarbeit. Denn sie verlängern nicht nur die Saison – sie stärken Bindung! Und wer glaubt, nur große Namen bringen große Wirkung, ist am Holzweg. Denn hinter wirklich guten Events steckt weniger Geld als vielmehr Strategie. Die besten Formate sind oft die kleineren, präziser gedachten: Ein Event, das die Zielgruppe wirklich versteht. Ein Anlass, der glaubwürdig ist. Ein Erlebnis, das nicht inszeniert wirkt, sondern echt. Gerade für Tiroler Unternehmen liegt hier die Chance: Nicht das nächste Mega-Event kopieren, sondern im Kleinen etwas schaffen, das im Großen wirkt.

EVENTS & MARKE SIND KEIN SAISONPRODUKT

Marke denkt man nicht in Saisonen – sondern in Beziehungen. Gerade deshalb gehören Events fix in ein schlüssiges Marketingkonzept. Wer Events – und generell Markenerleb-

Was auf Tirols Bergen funktioniert, gilt auch für Unternehmen: Wer Menschen emotional berührt, bleibt im Kopf.

nisse – nur punktuell einsetzt, verschenkt Potenzial. Wer sie strategisch über das Jahr hinweg plant, schafft kontinuierliche Berührungspunkte – und genau die sind es, die Kunde-Marke-Beziehungen stärken. Egal ob Produkteinführungen, saisonale Sales, Firmenjubiläen oder auch Mitarbeiterveranstaltungen. Entscheidend ist nicht die Größe, sondern Anlass und Idee dahinter.

FAZIT: WENIGER SHOW, MEHR ECHTE BEGEGNUNG Was wir in den Skigebieten zu Saisonende sehen, ist kein verzweifeltes Aufbäumen oder künstliches Verlängern – sondern oft erstaunlich klare Zielgruppenarbeit und gezielte Inszenierung von Erlebnissen. Genau hier liegt die Lektion für Tirols Wirtschaft: Man braucht keine Großbühne, um Wirkung zu erzielen. Man braucht ein gutes Verständnis für Menschen. Für Momente. Für das richtige Timing. Da reicht schon mal ein kleiner, feiner Kundenabend mit einem ehrlichen „Dankeschön“ – oft wertvoller als so manche Kampagne … Darum empfehlen wir: Auch wenn mit dem Winter Schluss ist: Jetzt gilt‘s den Schwung der Closing-Events ins eigene Unternehmen mitzunehmen.

Wie viel Schwung bringen Events in Ihr Marketing? Wir freuen uns auf Ihre Impulse!

WAS WIR VON OLYMPIA LERNEN KÖNNEN

Wenn wir an die Olympischen Spiele denken, sehen wir meist

Medaillen, Emotionen und spektakuläre Bilder. Doch hinter diesen Momenten steht eine hochkomplexe Organisation.

Das internationale System rund um das International Olympic Committee funktioniert nach klaren Regeln: Das jeweilige Organisationskomitee kümmert sich im Wesentlichen um Infrastruktur wie Sportstätten, Unterkünfte und Transport. Alles, was die Athlet*innen eines Landes betrifft, liegt in der Verantwortung der nationalen Olympischen Komitees. Für das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) bedeutet das eine enorme Detailarbeit. Von der Reiseorganisation über die Ausrüstung bis hin zu logistischen Speziallösungen. Kürzlich war ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer nach seiner Rückkehr aus Italien zu Gast am Innsbrucker Standort des Bankhaus Spängler – in dessen Wiener Niederlassung leitet er im Brotberuf das Wealth Management – und gab einen Einblick hinter die Kulissen. Das Resümee: Erfolg entsteht selten auf der großen Bühne, vieles entscheidet sich im Hintergrund. Durch Vorbereitung, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, Probleme kreativ zu lösen. Olympische Spiele sind auch wirtschaftlich ein gewaltiges Projekt. Das International Olympic Committee erwirtschaftet mit Sommerspielen Einnahmen von rund sieben Milliarden Dollar. Dieses Geld fließt wiederum zu je einem Drittel an nationale Komitees, an internationale Fachverbände und in Programme der sogenannten Olympic Solidarity, mit dem Ziel, Sport weltweit zu fördern und auch weniger finanzstarken Ländern eine Teilnahme zu ermöglichen. Auch das österreichische Komitee arbeitet mit einem komplexen Finanzierungsmodell aus staatlichen Zuschüssen, Sponsorenpartnerschaften und Hospitality-Plattformen wie dem „Österreichhaus“, wo Unternehmen internationale Gäste empfangen und Netzwerke pflegen können. Doch hinter Budgetplänen, Sponsorenlisten und Organisation steht letztlich eine viel grundlegendere Frage: Wofür macht man das alles eigentlich? Genau hier beginnt der eigentliche Kern des olympischen Gedankens.

VIELFALT ALS STÄRKE

Eindrücklich zeigt sich dies in den Prinzipien, die sich das ÖOC selbst auferlegt hat. Drei Leitlinien dienen dabei als Kompass: Alle Entscheidungen müssen den Athlet*innen und Trainer*innen dienen. Finanzen müssen transparent und nachvollziehbar sein. Respekt ist nicht verhandelbar. Gerade dieser dritte Punkt hebt den olympischen Gedan-

ken über den reinen Wettbewerb hinaus. Wer einmal ein olympisches Rennen beobachtet hat, weiß: Der Kampf um Medaillen ist hart, doch sobald die Ziellinie überquert ist, gratulieren sich Konkurrent*innen und würdigen einander. Rivalität und Respekt existieren nebeneinander. Für Nussbaumer ist das kein romantischer Nebenaspekt, sondern die eigentliche Stärke des Sports. Junge Menschen aus der ganzen Welt treten gegeneinander an – und erkennen dennoch den Wert des anderen an.

So unterschiedlich alle Athlet*innen sind, so verfolgen sie alle das gleiche Ziel: ihr Bestes zu geben. Diese Vielfalt zeigt eine wichtige Parallele zur Wirtschaft. Erfolgreiche Organisationen brauchen unterschiedliche Persönlichkeiten, Strateg*innen und Kreative, Perfektionist*innen und Visionär*innen. Entscheidend ist nicht, dass alle gleich sind, sondern dass sie gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten. Am Ende lässt sich der olympische Gedanke erstaunlich einfach zusammenfassen: Gute Organisation schafft die Voraussetzungen. Klare Werte geben Orientierung. Und Respekt verbindet Menschen über Wettbewerb hinaus. Oder, wie Nussbaumer es sinngemäß beschreibt: Erfolg entsteht dort, wo Leistung, Fairness und Begeisterung zusammenkommen. Eine Lektion, die nicht nur für Sportler*innen gilt, sondern auch für Unternehmen, Teams und jeden Einzelnen.

ZUR PERSON

Horst Nussbaumer steht seit März 2025 als Präsident des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) an der Spitze der olympischen Bewegung Österreichs. Er ist der erste ÖOC-Präsident seit 111 Jahren, der selbst an Olympischen Spielen teilgenommen hat. Als dreifacher Olympiateilnehmer im Rudern bringt er einzigartige sportliche Erfahrung und profundes Verständnis für Spitzensportstrukturen mit.

Aufgenommen in der La Maison EBEL – Villa Turque – entworfen vom renommierten Architekten Le Corbusier.

LASERS, LASERS, L SERS!

Nahe dem absoluten Nullpunkt wird es still. So still, dass sich die Gesetze der Welt neu ordnen. Österreichs Wissenschaftlerin des Jahres, die Quantenphysikerin Francesca Ferlaino, hört dort genau hin und macht sichtbar, was sonst verborgen bleibt.

TEXT: MARIAN KRÖLL // FOTOS: DINO BOSSNINI

SKIFAHREN UND MARADONA

m zweiten Stock des Viktor-Franz Hess-Hauses am Campus Technik der Universität Innsbruck biegt Francesca Ferlaino um die Ecke. Österreichs Wissenschaftlerin des Jahres ist eine gefragte Gesprächspartnerin – in den Medien ebenso wie in der Politik. Nach unserem Termin hat sich bereits der nächste angekündigt: Besuch aus dem Ministerium. Ferlaino nimmt am Tisch im kleinen Aufenthaltsraum Platz, fährt sich durch die Haare und lacht – ein strahlendes, einnehmendes Lächeln.

Die wissenschaftliche Arbeit der Physikerin findet normalerweise nahe dem absoluten Nullpunkt statt. Sie selbst strahlt Wärme aus. Hinter ihr hängt eine weiße Tafel, die von oben bis unten dicht mit mathematischen Skizzen und Gleichungen beschrieben ist. In diesem kleinen, schmucklosen Raum mit der Einbauküche und der Couch in der Ecke wird nicht nur getrunken, gegessen, geredet, sondern auch gedacht und gerechnet. Die wissenschaftlichen Leistungen, die in Innsbruck in der Quantenphysik entstehen, haben viele Mütter und Väter. Sie sind nicht „nur“ einzelnen Genies zu verdanken.

KOMMUNIKATIONSTALENT

TEMPERATUR

IST

WIE EIN RAUSCHEN,

Das Wandern ist mittlerweile ein wichtiger Teil ihres Lebens. Mit ihrem Partner – er kommt aus dem Baskenland – geht sie gerne Skifahren. „Ich bin mittlerweile ziemlich gut und kann mit den Tirolern mithalten“, sagt sie und lacht. „Diese Momente scheinbarer Stille, in denen man zwar nicht aktiv denkt, aber dennoch unbewusst etwas geschieht, sind sehr inspirierend. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass in Innsbruck so viele gute Ideen entstanden sind.“ Begeistern kann sich die Italienerin auch für den Fußball. Das ist der Tochter des Langzeit-Clubpräsidenten des SSC Napoli, Corrado Ferlaino, quasi in die Wiege gelegt. Er war es gewesen, der Diego Maradona in den 1980ern nach Neapel gelotst hatte. „In meiner Kindheit hatte ich viel mit Diego Maradona zu tun“, erinnert sie sich. Napoli ist noch immer ihr Verein. Kein Wunder, in der Quantenphysik ist das Niveau in der Alpenrepublik höher als im Fußball.

DAS WIR IM LABOR ABSTELLEN MÜSSEN, UM DIE GANZ LEISE
STIMME DER QUANTEN HÖREN ZU KÖNNEN.

FRANCESCA FERLAINO

Die Auszeichnung als Wissenschaftlerin des Jahres hat sie zum einen ihrer wissenschaftlichen Exzellenz in der Grundlagenforschung zu verdanken, zum anderen ihrer Fähigkeit als Wissenschaftskommunikatorin. Nicht deshalb, weil sie bis ins letzte Detail erklärt, wie die Quantenwelt rund um die ultrakalten Gase, die sie beforscht, funktioniert, sondern weil sie diese so anschaulich vermittelt. Dazu stellt sie gerne Vergleiche an, etwa zwischen den Quanten und einem Vogelschwarm. Im Gespräch behält sie sich vor, ins Englische – die Arbeitssprache der Wissenschaft – zu switchen, wo es notwendig sein sollte. Notwendig wird es nicht. Ferlaino erklärt präzise und geduldig auf Deutsch. Italienisch ist die Muttersprache der gebürtigen Neapolitanerin, die vor ziemlich genau 20 Jahren nach Innsbruck gekommen ist. Heimweh hatte sie nicht. „Ich habe alles hierher mitgebracht, was mir am wichtigsten ist“, sagt sie. Tirol ist ihr zur Heimat geworden, aber sie sagt auch klar: „Ich bin keine Österreicherin.“ Dennoch fühlt sie sich heute vollständig, neben ihrer neapolitanischen Mentalität hat sie auch etwas vom österreichischen Wesen inhaliert. „Ich schätze beide Mentalitäten.“

SUPRASOLIDE ARBEIT

Wenn es um Quantenphysik geht, ist Schrödingers Katze nicht weit, die in ihrer Kiste gleichzeitig tot und lebendig ist. Superposition nennt man das im Fachjargon. Ferlaino hat mit ihrem Team einen Materiezustand erzeugt, der ebenfalls Gegensätze vereint: Suprasolidität. Die ultrakalten Quantengase in Ferlainos Labor sind starr und flüssig zugleich. In der Quantenphysik wird möglich, was gemäß den Gesetzen der „normalen“, Newton’schen Physik undenkbar wäre. „Ich möchte verstehen, wie die Natur funktioniert“, beschreibt Ferlaino ihre wissenschaftliche Motivation. Die Quantenphysik könnte der Schlüssel dazu sein, herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält. „Quanten sind die Sprache der Natur“, sagt sie. Sie offenbaren sich mit ihren Wechselwirkungen aber erst in einer ultrakalten Umgebung. „Temperatur ist wie ein Rauschen, das wir im Labor abstellen müssen, um die ganz leise Stimme der Quanten hören zu können.“ Der Begriff Quantenflüsterin wäre ganz verkehrt, geht es doch vielmehr ums Zuhören – und ums Beobachten.

CRAZINESS PREVAILS

Der Weg in die Physik schien für Francesca Ferlaino zunächst nicht vorgezeichnet. Die Neapolitanerin besuchte ein humanistisches Gymnasium. Sie interessiert sich für Philosophie. Das ist kein Zufall: Philosophie und Physik verfolgen letztlich ein ganz ähnliches Erkenntnisinteresse. Die Fragen, die Francesca Ferlaino sich stellt, um das Universum zu verstehen, sind philosophisch, die Methoden naturwissenschaftlich. „Je weiter unser Horizont ist, desto besser sind unsere Ideen“, sagt sie.

Francesca Ferlaino ist eine Teamplayerin. Arfor Houwman, Cosetta Baroni und Sarah Embacher aus ihrer Forschungsgruppe wurden gleich mit zum Fotoshooting genommen.

Ihr humanistischer Bildungsweg hilft Ferlaino dabei, „ein bisschen out of the box zu denken“. Doch kein Vorteil ohne Nachteil. Die angehende Physikerin muss besonders in Mathematik vieles nachholen, was ihre Kommilitonen bereits beherrschen. Im Studium lernt sie auch, welche Kraft in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter liegt, die sich unterstützt. „Craziness“, antwortet Francesca Ferlaino, ohne lange zu überlegen, als sie nach ihren damaligen Beweggründen gefragt wird, in die Physik zu gehen. Da blitzt es schon wieder auf, das einnehmende Lächeln. Neugierde, der Mut, sich an fundamental Neues heranzuwagen, und eine positive Verrücktheit, eine Unbekümmertheit haben sie schon als Studentin ausgezeichnet. Diese Eigenschaften hat sie auch als gestandene Wissenschaftlerin nicht abgelegt.

TEAMGEIST BEFLÜGELT

JE WEITER UNSER HORIZONT IST, DESTO BESSER SIND UNSERE IDEEN.

FRANCESCA FERLAINO

Francesca Ferlaino weiß nur allzu gut, dass Teamarbeit Teamspirit braucht. Am Weg ins Labor treffen wir zufällig

auf Arfor Houwman, Sarah Embacher und Louis Lafforgue aus ihrer Forschungsgruppe. Francesca Ferlaino nimmt sie kurzerhand mit zum Fotoshooting. Arfor Houwman hat einen Synthwave-Song geschrieben und produziert, in dem es um ultrakalte Atome geht. Francesca Ferlaino spielt den Song via YouTube am Laborcomputer ab und nickt im Rhythmus. Suprasolider Beat, besonders der Refrain – „and now you ask me, how you gonna do it and all I’ve got to say is lasers, lasers, lasers lasers!“ – geht auf Anhieb ins Ohr. „Ich glaube, 80 Prozent der Aufrufe sind von mir“, sagt sie und lacht. Sie ist sichtlich stolz auf ihr Team, das im Musikvideo mitgetanzt hat. Houwman hat für sein Lied „Laser Cooling & Ultracold Atoms“ beim internationalen „Dance your PhD“-Contest sogar in den Kategorien Physik und Quantenphysik gewonnen. Im Hintergrund schweben verschiedenfarbige Laserstrahlen lautlos zwischen den Optiken, während die Forschergruppe vibt. So wird Wissenschaftskommunikation sogar tanzbar.

ZUR PERSON

Francesca Ferlaino, geb. 1977 in Neapel, ist Professorin für Experimentalphysik an der Universität Innsbruck und wissenschaftliche Direktorin am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Nach Stationen in Italien kam sie 2006 als Postdoktorandin nach Innsbruck, wo sie 2009 mit Unterstützung eines START-Preises und eines ERC Grants ihre eigene Forschungsgruppe gründete. Seither zählt sie zu den prägenden Figuren der Quantenforschung am Standort. Ferlaino wurde mehrfach vom Europäischen Forschungsrat ausgezeichnet und ist seit 2021 Mitglied der ÖAW. Für ihre Fähigkeit, komplexe Forschung verständlich zu vermitteln, wurde sie 2025 zur „Wissenschaftlerin des Jahres“ gewählt.

QUANTENGIPFEL

Am Innsbrucker Quantenstandort, an dem in wissenschaftlicher Hinsicht nicht etwa Quantensprünge, sondern regelrechte Durchbrüche erzielt werden, schätzt sie die hohe Qualität der Forschungsgruppen und den kollegialen Umgang miteinander. „So wie es das Silicon Valley gibt, ist Innsbruck ein Quantum Peak“, sagt sie. Dieses Lob dehnt Ferlaino ausdrücklich auf ganz Österreich aus. „Es gibt hier eine lebendige Kultur der Kollaboration, aus der große Synergien entstehen.“ Von der immer wieder behaupteten Wissenschaftsskepsis der Österreicher*innen hat Ferlaino nichts bemerkt. Ganz im Gegenteil: „Die Grundlagenforschung ist in der Öffentlichkeit sehr präsent, die Menschen sind von der Quantenphysik begeistert.“

Die Antwort auf die Frage, ob sie ihre Arbeit hier wertgeschätzt sieht, bedarf keiner Überlegung: „Total!“ Grundlagenforschung ist das alltägliche Bohren dicker Bretter. „Wenn wir Messergebnisse nicht verstehen, denken wir zunächst an einen technischen Fehler“, erklärt Ferlaino. „Erst nachdem wir zigmal die Technik überprüft haben, versuchen wir herauszufinden, was dahinter steckt.“ Und manchmal – selten – kommt es zu einem archimedischen Heureka-Moment. Ein solcher war für sie zweifellos die erste Beobachtung suprasolider Materie.

COACH STATT ROLE MODEL

Ihre Auszeichnung als Wissenschaftlerin des Jahres sieht sie nicht als Preis für ihre Arbeit allein, sondern für „das ganze Gebiet“. Mit ihr sei eine große Ehre, aber auch eine große wissenschaftliche wie gesellschaftliche Verantwortung verbunden. Der Preis ist ein Vehikel, um mehr Menschen und ganz besonders Frauen für die Arbeit in den Quantenwissenschaften zu begeistern. Dazu hat Francesca Ferlaino 2024 die Plattform Atom*innen gegründet. Der Frauenanteil der Physik-Studierenden in Österreich liegt bei weniger als einem Drittel. Das soll sich ändern. Dazu will sie ein verzerrtes Bild der „harten Wissenschaften“ zurechtrücken: Die hartnäckige Vorstellung, dass vor allem einzelne Genies die Quantenphysik voranbringen würden. „Das schafft eine Distanz und schüchtert interessierte junge Menschen ein.“ Mut, Interesse und Leistungsbereitschaft sind wichtiger als schwer fassbare „Genialität“. Francesca Ferlaino will die Physik öffnen, Hürden und Hemmungen abbauen. Sie sieht sich dabei weniger als Role Model denn als „Coach“ zukünftiger Generationen von Wissenschaftler*innen. „Unsere Türen stehen offen, wir sind bereit“, spricht Ferlaino eine Einladung in die Welt der Quantenphysik aus. Zugleich sieht die Professorin ei-

nen Hype um das Gebiet im Gange. „Nicht alles, wo das Q draufsteht, ist Quantenphysik. Sie ist ein sehr seriöses und rigoroses Fach.“ Und kein Marketingvehikel. Wer auf die kommende Quantenrevolution wartet, hat die bereits geschehene womöglich verpasst. Sie hat Technologien wie die Atomuhr, Geolokalisierungsdienste wie GPS und den Laser ermöglicht. Der Quantencomputer, das Quanteninternet, Quantensensorik und dergleichen stehen vor der Tür. Wie sich unser Leben dadurch verändern wird, lässt sich kaum vorhersagen.

Für junge Menschen hat Francesca Ferlaino einen Tipp parat, der sie selbst weit gebracht hat: „Folgt eurer Begeisterung, euren Interessen und macht das, was euch Spaß macht – dann wird es auch gut!“ Ehe der Besuch aus dem Ministerium kommt, bleiben noch zehn Minuten für ein schnelles Mittagessen im Pausenraum. Die Mikrowelle klingelt, Francesca Ferlaino bugsiert einen dampfenden Behälter auf den Tisch. Es gibt Pasta.

QUANTEN TANZEN

Arfor Houwman, Teil von Francesca Ferlainos Forschungsgruppe, hat den Synthwave-Song „Laser Cooling & Ultracold Atoms“ produziert und damit beim internationalen „Dance your PhD“-Contest in den Kategorien Physik und Quantenphysik gewonnen. So geht Wissenschaftskommunikation.

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Die österreichische Schule hat die Aufgabe, an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten sowie nach den Werten des Wahren, Guten und Schönen durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken. Sie hat die Jugend mit dem für das Leben und den künftigen Beruf erforderlichen Wissen und Können auszustatten und zum selbsttätigen Bildungserwerb zu erziehen.

Die jungen Menschen sollen zu gesunden und gesundheitsbewussten, arbeitstüchtigen, pflichttreuen und verantwortungsbewussten Gliedern der Gesellschaft und Bürgern der demokratischen und bundesstaatlichen Republik Österreich herangebildet werden. Sie sollen zu selbständigem Urteil, sozialem Verständnis und sportlich aktiver Lebensweise geführt, dem politischen und weltanschaulichen Denken anderer aufgeschlossen sein sowie befähigt werden, am Wirtschafts- und Kulturleben Österreichs, Europas und der Welt Anteil zu nehmen und in Freiheits- und Friedensliebe an den gemeinsamen Aufgaben der Menschheit mitzuwirken.

Schulorganisationsgesetz § 2

Gregor Örley ist Vizerektor der Pädagogischen Hochschule Tirol und beschäftigt sich schon von Berufs wegen mit den Weiten des Bildungsbegriffs.

WAS IST BILDUNG?

Es ist eine dieser scheinbar einfachen Fragen, die sich allerdings sofort sperrig machen, sobald man sie ernst nimmt. Bildung klingt nach Schule, nach Abschlüssen, nach linearem Fortschritt. Nach etwas, das man „hat“. Oder eben nicht. Doch Bildung ist kein Besitz, sie ist ein Prozess.

WER SICH BILDET, VERSTEHT SICH SELBST BESSER. UND DIE GESELLSCHAFT, IN DER MAN LEBT.

ass Bildung mehr ist als das Ansammeln von Wissen, ist inzwischen allgemein bekannt. Und doch hält sich die Vorstellung hartnäckig, Bildung lasse sich messen, zertifizieren, vergleichen. Doch so einfach ist das nicht. Bildung ist ein Prozess und wird immer wieder neu verhandelt. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, soziale Medien, ein zunehmend fragmentierter Arbeitsmarkt: Bildung soll plötzlich alles zugleich leisten. Orientieren, absichern, befähigen, ausgleichen, beschleunigen. Und dabei bitte niemanden verlieren. Bildung, das ist mehr als Wissen und Schule. Gregor Örley, Vizerektor der Pädagogischen Hochschule (PH) Tirol, widerspricht der Verkürzung auf ebendiese Schlagworte nicht polemisch, sondern historisch. Wer verstehen will, was Bildung heute ist, müsse zuerst verstehen, was Bildung einmal war. Örleys Zugang ist ein soziologischer. Bildung, so sein Ausgangspunkt, war historisch immer auch ein Instrument gesellschaftlicher (Ein-)Ordnung. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert galt sie als Statussymbol des Bürgertums, wie auch der deutsche Pädagoge und Philosoph Friedrich Paulsen befand: „Wer nicht mit der Hand arbeitet, sich richtig anzuziehen und zu benehmen weiß und mitreden kann, der ist gebildet“, meinte dieser dereinst. Bildung diente der Abgrenzung – zwischen Klassen, Milieus und Lebensentwürfen. „Der Bildungsbürger war kein Zufall“, sagt Örley. „Bildung war damals eine klare Abgrenzung zwischen Arbeiter- und Bürgerklasse.“ Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass Bildung soziale Mobilität ermöglichen kann, dass sie Aufstieg ermöglicht, nicht nur Abgrenzung. Zumindest theoretisch.

Spätestens mit den Analysen des französischen Soziologen Pierre Bourdieu wurde deutlich, wie ambivalent dieser Mechanismus ist. Bildung kann Türen öffnen, aber auch schließen. „Laut Bourdieu fungiert Bildung als eine

Art ‚Platzanweiser‘. Sie verortet mich in der Gesellschaft“, so Örley. Wer die richtigen kulturellen Codes beherrscht, bewegt sich leichter nach oben. Wer sie nicht kennt, bleibt meist dort, wo er begonnen hat. „Dieser Gedanke ist brutal ehrlich, aber er ist wichtig“, findet Örley. Bildung sage etwas darüber aus, wie sicher man sich durch die Gesellschaft bewegt, wie selbstverständlich man spricht, wie sehr man sich zutraut, gehört zu werden. Genau darin liegt eine gewisse Macht – völlig unabhängig von Lehrplänen und Prüfungen.

BILDUNG, ERZIEHUNG,

SOZIALISATION

Im deutschen Sprachraum kommt hinzu, dass Bildung stärker aufgeladen ist als anderswo. Während im Englischen und Französischen vieles unter „education“ subsumiert wird, bieten im Deutschen die Begriffe Bildung, Erziehung und Sozialisation feiner nuancierte Möglichkeiten der Unterscheidung. Drei Begriffe, drei Ebenen menschlicher Entwicklung. Während Erziehung zielgerichtet und intentional ist – jemand will, dass ein anderer etwas Bestimmtes lernt –, passiert Sozialisation quasi beiläufig, ungesteuert und fast unsichtbar. Örley illustriert das anhand einer scheinbar banalen Beobachtung: „Wenn ich zu einem Vortrag in den Hörsaal einlade, bleiben die ersten Reihen fast immer frei. Das hat niemand explizit so gelernt, aber alle machen es.“ Dieses Verhalten, sagt er, sei tief verankerte Sozialisation. Nähe zur Macht vermeiden, sich nicht exponieren, sich absichern. „Das hat nichts mit Wissen zu tun und doch sagt es unglaublich viel aus über Bildung.“ Bildung entsteht genau in diesem Zusammenspiel. Sie umfasst Wissen, aber auch Haltung. Auftreten, Sprache, Intuition. Sie zeigt sich darin, wie jemand einen Raum liest, wie er reagiert, wie er sich positioniert. Wer Bildung darauf reduziert, was im Kopf gespeichert ist, verfehlt ihren Kern.

Entscheidend ist für Örley auch ein weiterer Punkt: Bildung ist nicht etwas, das einfach „passiert“. Sie setzt ein Subjekt voraus, das mitreden kann: „Bei Bildung hat das Ich immer ein Wörtchen mitzureden.“ Anders als bei

der Erziehung, die von außen kommt, hat Bildung stets auch einen Selbstbezug. Das klingt frei, ist allerdings mühsam. Sich zu bilden, bedeutet, Zeit zu investieren, sich bewusst mit Unbequemem auseinanderzusetzen, zwischendurch auch Langeweile auszuhalten. „Sich selbst zu bilden, ist anstrengend“, fasst es Örley zusammen. Nicht jeder mag sich dafür entscheiden. Das ist durchaus legitim, Bildung ist kein moralischer Zwang. Gleichzeitig lasse sich allerdings nicht leugnen, dass Bildung Identität stiftet: „Durch Bildung weiß ich stärker, wer ich bin. Ich kann mir eine Meinung bilden, Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen, sie ermöglicht demokratische Teilhabe. Ich weiß, warum ich bei Wahlen mein Kreuz dort mache und nicht woanders.“ Dabei spielt Schule eine zentrale, aber nicht ausschließliche Rolle. Das Elternhaus prägt Bildungsbiografien massiv. Noch immer wird Bildung in Österreich vererbt, Bildungsungleichheiten werden weitergegeben, oft subtil, selten absichtlich. Schule kann das abfedern, aber nicht vollständig ausgleichen.

„Die Bildung als Platzanweiser verortet uns in der Gesellschaft.“
GREGOR ÖRLEY

Umso problematischer scheint in diesem Zusammenhang die (künstliche) Trennung zwischen Allgemein- und Berufsbildung. Wer berufliche Bildung abwertet, verkennt ihren Bildungsgehalt. „Wenn jemand Mechaniker*in wird, ist das Bildung“, so Örley. „Man lernt komplexe Zusammenhänge, Problemlösung, Verantwortung.“ Das ist nicht weniger Bildung als akademisches Wissen, nur anders gerahmt. Gerade in der Lehrer*innenbildung wird diese Verschränkung deutlich. Wer Lehrer*in wird, bildet sich doppelt: für sich selbst und andere. „Wie ich lerne, beeinflusst, wie ich später unterrichte“, beschreibt Örley. Deshalb sei Bildung an pädagogischen Hochschulen immer besonders reflexiv. Sie fragt nicht nur nach Inhalten, sondern nach Haltungen.

BILDUNG UNTER ZUKUNFTSDRUCK

Während früher ein kultureller Kanon Orientierung bot – Bücher, Werke, Wissen, das man kennen musste, um als gebildet zu gelten –, richtet sich Bildung heute stark auf Zukunftsfähigkeit aus. Die Frage lautet weniger „Was muss man wissen?“ als vielmehr „Was wird man brauchen?“. Diese Fragen gewinnen an Schärfe, je stärker Bildung unter Zukunfts-

druck gerät. Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern nicht nur Arbeitsmärkte, sondern auch Bildungslogiken. Was bedeutet Allgemeinwissen, wenn Wissen jederzeit abrufbar ist? Reicht es, zu wissen, wo etwas steht? Ersetzt das Bildung oder verschiebt es ihre Anforderungen? Vielleicht geht es heute weniger darum, alles zu wissen, sondern zu verstehen, wie man Wissen bewertet. Was ist relevant, was glaubwürdig, was manipulativ? Das Bildungssystem reagiert auf diese Veränderungen immer ein wenig langsam. Für Örley kein Fehler: „Ein gewisses Maß an Trägheit schützt. Wenn man jedem Trend hinterherläuft, zerfällt das System.“ Aus staatlicher Sicht erzeugt Bildung Orientierung beim Einzelnen und Stabilität für die Gesellschaft. Ein Teil von Bildung ist immer auch Wissen. Doch dieses Wissen – „inkorporiertes kulturelles Kapital“, wie Bourdieu es nennt – verändert sich gerade. Über digitale Systeme und aktuell insbesondere durch die künstliche Intelligenz wird unglaublich viel Wissen weltweit in Sekundenschnelle verfügbar. Damit relativiert sich der Wert von verinnerlichtem, persönlichem Wissen. „Dennoch macht es Sinn, Dinge auch tatsächlich zu wissen, ohne eine Suchmaschine befragen zu müssen.“ Bei aller Offenheit für technologische Entwicklungen zieht Örley eine klare Grenze: Der Mensch muss die Kontrolle behalten: „Ich will der sein, der den Ausschaltknopf drückt.“

Diese Haltung sei keine Nostalgie, sondern eine Werteentscheidung. Der Mensch habe die Technologie erfunden, nicht umgekehrt. Bildung müsse genau dieses Verhältnis reflektieren.

Am Ende führt dies zu einer einfachen, aber unbequemen Erkenntnis: Bildung muss nicht immer zweckgebunden und unmittelbar verwertbar sein. Sie darf Selbstzweck sein. Sich bilden, weil man es kann. Weil man verstehen will und Fragen hat. „Das ist eine Verheißung“, sagt Örley. Lesen, denken, diskutieren, sich mit Gut und Böse auseinandersetzen – all das formt Weltbilder oft subtiler und nachhaltiger als jede Kompetenzliste. Die Alternative wäre eine Gesellschaft ohne Orientierung und Selbstvergewisserung. „Ohne Bildung weiß ich nicht, wer ich bin und wo mein Platz ist“, so Örley. Bildung macht nicht fertig, sie hält offen.

STANDORT FAKTOR BILDUNG

Bildung kann nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts.

INTERVIEW: MARINA

ildung gilt als Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg, gesellschaftlichen Zusammenhalt und individuelle Selbstbestimmung. Doch was kann sie wirklich leisten, um einen (Wirtschafts-)Standort resilient und erfolgreich in die Zukunft zu führen? Der Soziologe Mario Vötsch lehrt und forscht am Institut für Berufspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Tirol und spricht im Interview über Bildung als Standortfrage, über Autonomie statt Verwertungslogik, über Digitalisierung, Demokratie und die Erkenntnis, dass Bildung nicht jede gesellschaftliche Schieflage reparieren kann.

ECO.NOVA: Ganz generell gefragt: Wie wichtig ist Bildung gerade für einen Wirtschaftsstandort wie Österreich, der mit Rohstoffen eher wenig gesegnet ist und daher vermehrt auf sein Wissen bauen muss? MARIO VÖTSCH: Das ist natürlich eine große Frage und man läuft rasch Gefahr, in Sonntagsrhetorik abzugleiten. Ganz nüchtern betrachtet: Bildung ist zentral. Das zeigen auch die Zahlen sehr deutlich. Je höher der Bildungsabschluss, desto besser sind im Durchschnitt berufliche Perspektiven, Arbeitsplatzsicherheit und Einkommen. Das gilt für Individuen ebenso wie für die Volkswirtschaft insgesamt. Insofern kann man durchaus sagen: Ein gut gebildetes Land ist wirtschaftlich resilienter. Gleichzeitig wäre es jedoch verkürzt, zu glauben: Je mehr höhere Bildung, desto besser für den Standort. Wir sehen auch in Österreich, dass es massive Fachkräfteengpässe

ZUR PERSON

Mario Vötsch ist Lehrender und Forschender am Institut für Berufspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Tirol. Der Soziologe lehrt und forscht im Bereich Berufsbildung zu Themen wie duale Ausbildung, Lernortkooperation, Entrepreneurship Education, Digitalisierung und Diversität. Aktuell arbeitet er an einem internationalen Forschungsprojekt, das den Einfluss der Digitalisierung auf die Kooperation im Rahmen der schulischen und betrieblichen Lernorte der dualen Ausbildung untersucht. Weitere Themenfelder aktueller Forschung sind Inklusion und Begabungsförderung an Berufsschulen sowie digitale Resilienz.

„Ob Bildung eine Gesellschaft insgesamt klüger macht, hängt davon ab, wie man diese Klugheit definiert.“

gibt. Bildungspolitik muss also immer auch die Passungsfragen mitdenken: Wo werden welche Kompetenzen gebraucht, wo entstehen Lücken? Das heißt nicht, dass Bildung ausschließlich für die Wirtschaft da sein sollte. Bildung ist kein Instrument zur reinen Fachkräfteproduktion. Ihr Kernziel ist für mich nach wie vor, die Mündigkeit, Autonomie und Selbständigkeit von Menschen zu fördern. Wenn Bildung nur darauf reduziert wird, Menschen möglichst passgenau in bestehende wirtschaftliche Strukturen einzufügen, dann ist das ein sehr verengtes Bildungsverständnis. Man darf allerdings auch nicht gänzlich am Bedarf vorbeibilden.

Sagt die Akademikerquote eines Landes etwas über dessen Innovations- oder Fortschrittskraft aus? Salopp gefragt: Macht ein hoher Anteil an Akademiker*innen einen Standort automatisch „klüger“? Man kann durchaus einen Zusammenhang herstellen zwischen höherer Bildung und Innovationskraft. Wenn man etwa Patentierungen oder Forschungsaktivitäten betrachtet, zeigt sich, dass Länder mit einem höheren Anteil an Menschen mit tertiärer Bildung hier besser abschneiden. Das ist auch logisch. Je größer die Grundgesamtheit an gut ausgebildeten Menschen, desto wahrscheinlicher ist es, dass einzelne besonders innovative Köpfe hervortreten. Ob das eine Gesellschaft insgesamt „klüger“ macht, ist eine andere Frage. Das hängt stark davon ab, was man unter Klugheit versteht. Höhere Bildung ist keine Garantie für reflektiertes Handeln im Alltag, für demokratische Haltungen oder für gesellschaftliche Verantwortung. Wir sehen ja aktuell, dass wir auf der einen Seite historisch hohe Bildungsabschlüsse haben und gleichzeitig Verschwörungsdenken und antidemokratische Tendenzen. Diese Gleichzeitigkeit zeigt: Bildung allein erklärt gesellschaftliche

„Bildung darf nicht ausschließlich instrumentell betrachtet werden, man kann aber auch nicht komplett an den Bedarfen der Wirtschaft vorbeibilden.“

Entwicklungen nicht. Medienlogiken, soziale Blasen, politische Dynamiken – all das spielt eine Rolle. Bildung ist ein wichtiger Faktor, aber nicht der einzige.

Wenn Bildung stark als ökonomischer Standortfaktor gedacht wird, läuft man dann Gefahr, ihren gesellschaftlichen Wert zu verkennen? Das muss kein Widerspruch sein. Es kommt darauf an, wie breit man Bildung versteht. Ein gutes Beispiel ist Entrepreneurship Education, die mittlerweile in allen Lehramtsfächern verankert ist. Wenn man das sehr eng denkt, könnte man meinen, es gehe darum, möglichst viele Menschen zu Unternehmer*innen zu machen. Das wäre eine rein instrumentelle Sicht. Breiter verstanden, etwa in den Kompetenzmodellen der EU, umfasst Entrepreneurship Education auch Kreativität, Teamfähigkeit, ethisches Denken, Nachhaltigkeit oder Problemlösungskompetenz. Dann geht es nicht darum, alle zu Wirtschaftstreibenden zu machen, sondern Menschen Handlungsspielräume zu eröffnen. Sie sollen wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen, eigene Entscheidungen treffen können und Wahlmöglichkeiten haben. Wenn Entrepreneurship Education in diesem Sinne dazu beiträgt, Autonomie zu stärken, dann sehe ich darin eine große Synergie zwischen individueller Entwicklung und gesellschaftlichem Nutzen. Problematisch wird es dann, wenn sie nur noch danach beurteilt wird, wie gut Absolvent*innen in ein vorgegebenes Rahmenmodell passen, und man sie als reine „Wirtschaftssubjekte“ sieht.

Wir erleben gerade eine Zeit von Digitalisierung, KI, Fake News und wachsender Demokratiefeindlichkeit. Welche Rolle kann Bildung hier spielen? Inhaltlich betrachtet, haben wir heute so viele Bildungsangebote wie noch nie. Demokratiebildung, sozioökonomische Bildung, Medienkompetenz, Digitalisierung … all das ist in Lehrplänen und Curricula verankert. Das Problem ist also weniger der Mangel an Inhalten, sondern eher die Frage der Umsetzung und Bündelung. Gleichzeitig gibt es neue Ebenen, auf denen Bildung stattfindet. Oder eben

nicht mehr stattfindet. Kinder und Jugendliche beziehen heute enorm viel Input aus digitalen Räumen, aus sozialen Medien, aus Peer-Groups, die sich jenseits formaler Bildungssettings bewegen. Hier stellt sich durchaus die Frage nach Regulierung und Verantwortung. Altersbeschränkungen für soziale Medien oder Handypausen in Schulen zeigen in ersten Experimenten durchaus positive Aspekte. Aber das ist eine politische und gesellschaftliche Debatte, die über die Schule hinausgeht. Und man muss erkennen: Bildung hat Grenzen. Studien zeigen, dass sich antidemokratische Einstellungen oder autoritäre Präferenzen nicht einfach durch mehr Bildung verhindern lassen. Viele Menschen, die solche Positionen vertreten, sehen sich selbst gerade als Verteidiger der Demokratie und fühlen sich innerhalb ihrer jeweiligen Blasen durchaus im Recht. Das heißt: Bildung allein reicht hier nicht. Es braucht auch emotionale Zugänge, soziale Dialogräume, andere Formen der Ansprache. Das ist ernüchternd, aber notwendig anzuerkennen.

Überfordern wir Schulen und Bildungseinrichtungen zunehmend mit gesellschaftlichen Aufgaben? Ja, diese Gefahr sehe ich durchaus. Schulen sollen heute wirtschaftliche Bildung, Demokratiebildung, Antirassismusarbeit, Gewaltprävention, Gesundheitsförderung und vieles mehr leisten. Das sind alles wichtige Themen, aber sie kommen zu den klassischen Bildungsaufgaben hinzu. Dabei darf man nicht vergessen: Die Prägung durch das Elternhaus ist nach wie vor zentral, vor allem in den frühen Lebensjahren. Frühkindliche Bildung und Förderung sind entscheidend, um soziale Ungleichheiten auszugleichen. Deshalb wäre es aus meiner Sicht enorm wichtig, hier noch stärker zu investieren. Schule kann vieles auffangen, sie kann jedoch nicht alles kompensieren, was im familiären oder sozialen Umfeld nicht stattfindet.

Warum tut sich in der Elementarbildung so wenig, obwohl ihre Bedeutung bekannt ist? Es tut sich durchaus etwas, allerdings in kleinen Schritten. Im internati-

onalen Vergleich etwa mit skandinavischen Ländern liegt Österreich bei den Ausgaben für frühkindliche Bildung noch deutlich zurück. Das hat politische, aber auch kulturelle und ideologische Gründe. Tradierte Rollenbilder spielen hier eine große Rolle. Teilzeitarbeit betrifft nach wie vor überwiegend Frauen, viele Mütter entscheiden sich selbst bei vorhandenen Angeboten bewusst gegen eine ganztägige Betreuung. Das ist eine individuelle Entscheidung, doch sie ist eingebettet in gesellschaftliche Erwartungen und Normen. Deshalb reicht es nicht, nur Infrastruktur aufzubauen. Es braucht einen kulturellen Wandel und da sind Männer, Väter, Arbeitgeber*innen, da sind Politik und Gesellschaft gleichermaßen gefordert.

Gibt es in diversen Gesellschaften, wie wir sie heute (er)leben, überhaupt noch so etwas wie ein allgemein gültiges Bildungsverständnis oder sind Bildungsbiografien derart unterschiedlich, dass ein gemeinsamer Nenner schwierig zu definieren ist? Das gibt es durchaus, zumindest im Sinne von Grundkompetenzen. Lesen, Schreiben und mathematische Grundkenntnisse sind nach wie vor zentral. Vor allem Lesen und Schreiben sind essenziell für Denkprozesse. Wenn Schreiben zunehmend an die KI ausgelagert wird, besteht die Gefahr, dass Lern- und Entwicklungsprozesse verkürzt werden. Gerade in einer heterogenen Gesellschaft müssen diese Basiskompetenzen besonders gefördert werden. Darüber hinaus gewinnen Diversitätsund Inklusionskompetenzen an Bedeutung. Lehrpersonen werden heute darauf vorbereitet, mit Heterogenität umzugehen. Das ist ein klarer Fortschritt der letzten zehn, 15 Jahre. Auch Themen wie Wirtschaftsund Demokratiebildung werden bewusst früher angesetzt. Das ist sinnvoll, weil Kinder sehr früh mit Konsumwelten und ökonomischen Entscheidungen konfrontiert sind. Diese Themen müssen nicht zwingend eigene Fächer sein, sondern können und sollten übergreifend vermittelt werden. Der Bildungskanon ist wichtig, doch nicht in Stein gemeißelt. Er muss sich an gesellschaftliche Entwicklungen anpassen.

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BILDUNG ALS SEISMOGRAPH DER GESELLSCHAFT

ildung gehört zu jenen gesellschaftlichen Bereichen, über die viel Einigkeit zu bestehen scheint. Kaum jemand würde wohl bestreiten, dass sie wichtig ist, zukunftsrelevant und systemtragend. Und doch entzünden sich gerade an Bildungsfragen regelmäßig besonders grundsätzliche Debatten. Lehrpläne, Fächerkanon oder pädagogische Leitbilder werden zu Stellvertretern größerer Auseinandersetzungen. Über Werte, über gesellschaftliche Orientierung und über die Frage, wie viel Wandel eine Gesellschaft zulässt.

Für den Bildungsexperten Claus Oberhauser ist das kein Zufall. Bildung, so seine Perspektive, ist kein in sich geschlossenes System, sondern ein dichtes Geflecht aus politischen Entscheidungen, gesellschaftlichen Erwartungen, wirtschaftlichen Interessen und kulturellen Selbstbildern. Gerade weil Bildung in derart viele essenzielle Bereiche hineinwirkt, eignet sie sich besonders gut als Beobachtungsfeld für (gesellschaftliche) Veränderungen. Diese Veränderungen sind derzeit deutlich spürbar. Digitalisierung und künstliche Intelligenz stellen klassische Bildungsverständnisse in Frage, beschleunigen Lernprozesse und verschieben die Bedeutung von Wissen. Gleichzeitig wächst der politische Anspruch, Bildung stärker zu steuern, sei es durch neue Fächer, durch Umgewichtungen in den Lehrplänen oder normative Debatten darüber, was Schulen leisten sollen und was nicht. Dabei geht es nicht nur um didaktische Fragen. Wenn darüber diskutiert wird, ob klassische humanistische Bildung an Bedeutung verliert oder ob neue Kompetenzen wie Medienkompetenz, Programmieren oder unternehmerisches Denken stärker verankert werden sollen, verhandelt eine Gesellschaft implizit ihr Verständnis von Zukunft.

Im Gespräch mit Claus Oberhauser wird deutlich, dass viele der aktuellen Bildungsdebatten weniger mit kurzfristigen Reformfragen zu tun haben als mit langfristigen gesellschaftlichen Entwicklungen. Fragen nach politischer Bildung, nach dem Umgang mit Technologie oder der Rolle der Hochschulen berühren grundlegende Themen:

Bildung ist nie neutral. Sie ist Spiegel gesellschaftlicher Machtverhältnisse, politischer Prioritäten und kultureller Selbstbilder. Wer darüber spricht, welche Bildung ein Land braucht, verhandelt immer auch die Frage, welche Gesellschaft es sein will.

INTERVIEW: MARINA BERNARDI

„Social Media sind die Potenzierung des Stammtisches. Das kann unter Umständen sehr problematisch für eine Gesellschaft werden.“

rechtspopulistischen Diskursen oder Ländern, in denen Bildungsinstitutionen gezielt geschwächt werden, um bestimmte politische Agenden durchzusetzen.

Vertrauen in Institutionen, demokratische Stabilität und die Fähigkeit einer Gesellschaft, mit Komplexität umzugehen.

ECO.NOVA: Lassen Sie uns mit der großen Perspektive beginnen: Was sagt der Stellenwert der Bildung über den Zustand der Politik und Gesellschaft eines Landes aus? CLAUS OBERHAUSER: Bildung ist zunächst ein Begriff, der sich nicht eindeutig definieren lässt. Er ist extrem vielschichtig und in nahezu alle gesellschaftliche Bereiche verflochten. Genau deshalb eignet sich Bildung so gut als Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen. Gleichzeitig stehen wir aktuell vor einem massiven Dilemma. Einerseits erleben wir enorme technologische Umbrüche, die alles schneller, digitaler und komplexer machen. Andererseits wird Bildung zunehmend politisch instrumentalisiert. Das sehen wir nicht nur in Österreich, sondern weltweit, etwa in

Welches Interesse hat die Politik konkret daran, Bildung – insbesondere politische Bildung – zu steuern? Grundsätzlich muss man sagen, Österreich ist hier historisch und institutionell gut aufgestellt. Wir haben eine klare demokratische Orientierung, politische Bildung ist fest verankert, ebenso eine europäische und globale Perspektive. Das sind Errungenschaften, die nicht selbstverständlich sind. Dennoch gibt es seit geraumer Zeit gegensätzliche Vorstellungen davon, wie Bildung aussehen soll. Auf der einen Seite stehen sehr traditionelle Bilder, nach dem Motto „So haben wir das früher gelernt, so muss es bleiben“, auf der anderen gibt es progressive Konzepte, die Offenheit, Vielfalt und gesellschaftlichen Wandel betonen. Diese beiden Welten prallen derzeit in einem Art Clash of Civilizations aufeinander. Politik versucht dabei, eine Richtung vorzugeben. Entscheidend dafür ist, in welche Richtung das politische Pendel ausschlägt. Wenn es nach rechts geht, erleben wir eher die Forderung nach Rückbau – weg von Gender, weg von Diversität, zurück zu vermeintlich „bewährten“ Formen. Aktuell sehen wir in Österreich tatsächlich eine eher gegenläufige Bewegung mit neuen Fächern und Schwerpunkten wie „Medien und Demokratie“ oder „Entrepreneurship Education“.

Bedeutet das automatisch: mehr Bildung, mehr Inhalte, mehr Stoff? Nicht unbedingt. Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir mehr Bildung brauchen, sondern welche. Natürlich gibt es große Aufregung, wenn etwa klassische Fächer wie Latein gekürzt werden sollen. Dahinter steht die Sorge um das humanistische Bildungsideal und die ist nicht unbegrün-

„Weniger Latein, mehr KI ist ein Symptom der aktuellen Bildungsdebatte. Dahinter verbirgt sich ein tiefer Konflikt zwischen humanistischer Bildungstradition und einer stärker utilitaristischen Vorstellung von Zukunftstauglichkeit.“

det. Gleichzeitig müssen wir uns ehrlich fragen, was heute zur Allgemeinbildung gehört. Reicht es noch, Bildung ausschließlich über klassische Wissenskanons zu definieren, oder gehört es nicht auch dazu, Grundkenntnisse im Programmieren und wirtschaftliches Basiswissen zu haben, mit Steuern umgehen zu können oder unternehmerisch zu denken, unabhängig davon, ob man selbst Unternehmer*in werden möchte? Während das Gymnasium lange als Vorbereitung auf akademische Laufbahnen verstanden wurde, stellt sich heute die Frage, ob Allgemeinbildung nicht auch ökonomische, digitale und gesellschaftspraktische Kompetenzen umfassen soll.

Hinkt das Bildungssystem den derzeit rasanten Entwicklungen nicht zwangsläufig immer hinterher? Schon, das ist allerdings nicht zu vermeiden. Technologische Entwicklungen insbesondere im Bereich der KI sind extrem dynamisch. Bildungsinstitutionen können da strukturell gar nicht im gleichen Tempo reagieren. Das darf aber kein Argument für Abschottung sein. Entscheidend ist, dass wir verstehen, wie diese Systeme funktionieren, nur dann können wir auch mit ihnen umgehen. Kritische Distanz entsteht nicht durch Verbote, sondern durch Kompetenz.

Kompetenz ist auch ein Stichwort in Bezug auf das Erkennen von Fake News und Verschwörungserzählungen. Ist die Anfälligkeit dafür eine Frage des Bildungsgrades? Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Historisch gesehen waren Verschwörungstheorien lange ein elitäres Phänomen. Hochgebildete Menschen waren davon überzeugt, George Washington ist dafür ein Beispiel. Und auch neuere Studien zeigen, dass der Bildungsgrad zwar eine Rolle spielt, allerdings geringer, als man vermuten würde. Was schützt, ist analytisches und mehrperspektivisches

Denken, mindestens genauso wichtig ist jedoch das soziale Umfeld. Filterblasen spielen hier eine enorme Rolle. Wer sich in ideologisch stark aufgeladenen Räumen bewegt, ist deutlich anfälliger als jemand, der in einem moderaten, offenen Milieu unterwegs ist. Verschwörungsdenken gab es schon immer, neu ist die Geschwindigkeit und Reichweite. Früher blieb vieles am Stammtisch, das Internet hat diese Entwicklung massiv beschleunigt. Plötzlich erreicht man zehntausende Menschen. Radikalisierung kann extrem schnell passieren. Das ist gesellschaftlich hochproblematisch.

Hat sich dadurch auch unser Unrechtsbewusstsein verschoben? Absolut. Dinge, die früher bewusst im Privaten geblieben wären, werden heute öffentlich geäußert. Gleichzeitig werden Machtmissbrauch und Korruption leichter sichtbar, was das Vertrauen in politische Institutionen zusätzlich belastet.

Lässt sich damit auch die zunehmende Demokratie- und Wissenschaftss -

ZUR PERSON

Claus Oberhauser ist Leiter des Instituts für Sekundarpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Tirol. Der Geschichtsdidaktiker und Historiker lehrt und forscht an der PH Tirol zu den Schwerpunkten außerschulische Lernorte, Globalgeschichte, Verschwörungstheorien und Politische Bildung. Er arbeitet an verschiedenen geschichtsdidaktischen und historischen Projekten.

kepsis erklären? Bei der Wissenschaft würde ich weniger von Skepsis oder Ablehnung denn von Desinteresse sprechen. Viele Menschen nehmen die Wissenschaft als Elfenbeinturm wahr, der mit ihrem Alltag wenig zu tun hat. Demokratieskepsis hingegen ist ein großes Problem, gerade in Österreich. Das Vertrauen in Politik, Institutionen und Medien ist stark gesunken. Das liegt an Skandalen, aber auch an gezielten Strategien, insbesondere von rechten Akteur*innen, die Social Media früh und sehr effektiv für sich genutzt haben – unter anderem, um Zweifel zu säen an Medien, an Wissenschaft, an demokratischen Institutionen insgesamt.

Warum kanalisiert sich politischer Protest so häufig nach rechts? Das ist kein universelles Muster, in anderen Ländern gibt es durchaus auch starke linke Protestbewegungen. In Mitteleuropa und vielen Industriestaaten haben jedoch multiple Krisen von 9/11 über Finanz- und Klimakrise oder die Pandemie bis hin zu den aktuellen Kriegsszenarien ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit und Rückzug erzeugt. Rechte Narrative können diese Ängste besonders gut instrumentalisieren.

Welche Verantwortung tragen Hochschulen und pädagogische Einrichtungen in diesem Kontext? Eine sehr große. An der Pädagogischen Hochschule bilden wir die Lehrer*innen von morgen aus und damit indirekt die Gesellschaft von übermorgen. Diese Verantwortung kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Als Institution dürfen wir keine parteipolitische Rolle einnehmen, aber wir müssen klar für demokratische Werte, kritisches Denken und gesellschaftliche Reflexion stehen. Hochschulen müssen wieder stärker in die Gesellschaft hineinwirken. Das war lange nicht wirklich notwendig, heute ist es essenziell.

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Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis von klugen Entscheidungen, internationaler Perspektive – und hervorragend ausgebildeten Menschen. Gerade für Tirol als Wirtschaftsstandort gilt: Unternehmen brauchen Fach- und Führungskräfte, die unternehmerisch denken und Innovation vorantreiben. Genau hier setzt das MCI | Die Unternehmerische Hochschule® an.

Mitten in Innsbruck verbindet das MCI akademische Exzellenz mit Praxisnähe und internationaler Ausrichtung. Studierende arbeiten an realen Fragestellungen, entwickeln Lösungen mit Unternehmen und profitieren von kleinen Gruppen sowie persönlicher Betreuung. Über 30 Bachelor- und Masterprogramme in den Bereichen Wirtschaft & Gesellschaft sowie Technologie & Life Sciences verbinden Theorie und Anwendung. Die Qualität ist international sichtbar: „4 Palmes of Excellence“ im Eduniversal Ranking 2025 sowie Spitzenbewertungen im CHE Hochschulranking 2025 – insbesondere in Praxisbezug, Betreuung und Berufsorientierung. Internationalität ist gelebter Alltag: Studierende aus über 70 Nationen und ein Netzwerk von mehr als 300 Partneruniversitäten weltweit – darunter die Yale University und die University of California, Berkeley – eröffnen globale Perspektiven.

Der Erfolg zeigt sich beim Berufseinstieg: Absolventinnen und Absolventen verfügen häufig bereits zum Studienabschluss über mehrere konkrete Jobangebote. Auch über das Studium hinaus: Im Bereich Executive Education bietet das MCI berufsbegleitende Programme – von MBA, MSc und LL.M. bis hin zu Zertifikatslehrgängen und individuellen Weiterbildungen für Unternehmen. Wer gestalten will, braucht mehr als Wissen. Er braucht Perspektive. Why not study at the top?

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Im Wettbewerb um öffentliche Aufträge sollen neben großen Unternehmen auch KMU in den Vergabeverfahren berücksichtigt werden.

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Soziale Arbeit, Sozialpolitik & -management

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Technische Weiterbildung

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Deutsch Englisch Vollzeit Online Berufsbegleitend Dual Campus Lienz

* Starttermin auf Anfrage

WISSEN ≠ BILDUNG ESSAY

Die Debatte um weniger Latein und mehr KI im Unterricht berührt eine grundsätzliche Frage: Was verstehen wir heute überhaupt noch unter Bildung? In einer Zeit, in der Information omnipräsent ist und Ausbildung zunehmend nach ökonomischen Kriterien bewertet wird, gerät ein älteres Ideal unter Druck –das der Bildung als umfassender Selbst- und Weltaneignung.

TEXT & FOTOS: MARIAN KRÖLL

Was hat es mit der Bildung im heutigen Zeitalter auf sich? Einem Zeitalter der fast beliebigen Reproduzierbarkeit von lexikalischem Wissen und einem herandräuenden Primat der ökonomischen Verwertungslogik von Bildung, von der dann häufig nur noch in ihrer marktgerechten Erscheinungsform als Ausbildung die Rede ist. Der Übergang von der Allgemeinbildung zur Ausbildung ist mehr als eine semantische Verschiebung, er ist vielmehr Ausdruck eines Bedeutungsverlusts der ersten zugunsten der zweiten. Bildung ist nicht mehr so en vogue wie früher. Wer braucht es noch, das Gebildetsein, wenn man sich doch jederzeit und allerorts beliebig informieren kann? Warum eine tote Sprache sprechen, wenn man auch eine lebende missverstehen kann?

Wer Bildung als Information missversteht, dem mangelt es übrigens genau daran. Bildung ist ein umfassender, lebenslanger Prozess, Information dagegen ein Fragment, ein Artefakt, ein Datenblock, welcher der Interpretation und Kontextualisierung bedarf, um Sinn zu ergeben. Sie ahnen es schon, dafür braucht es wieder … Bildung. Bildung macht den Menschen erst zum Menschen, macht sie es doch erst möglich, mit sich selbst, mit anderen und mit der Welt in ein reflektiertes Verhältnis zu treten. Das ist nicht banal. Es ist essentiell. Bildung ist Selbst- und Weltaneignung, sie formt den Menschen kulturell. Bildung bildet. Ganz elementar einmal auf der Ebene der Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen und – ja, auch Auswendiglernen.

MEHR BILDUNG WAGEN!

Wir müssen mehr Bildung wagen. Nicht weniger. Bildung ist ein Antidot gegen die drohende Selbstverzwergung im Angesicht der vermeintlichen Überlegenheit heutiger – und vor allem zukünftiger – künstlicher Intelligenzen. Ausbildung, die zweckorientierte Aneignung von Fertigkeiten und Wissen, die – im Idealfall – am Arbeitsmarkt nachgefragt wird, reicht dazu nicht. Sie braucht ein starkes Fundament, wenn sie wirksam werden soll. Wer sich nicht seiner selbst vor den vermeintlich übermächtigen und bisweilen überwältigenden technologischen Entwicklungen schämen möchte – der Philosoph Günter Anders hat dafür den Begriff der „prometheischen Scham“ geprägt –, muss sich emanzipieren. Und Bildung nicht etwa bloß konsumieren wollen, wie es der gängigen Lebensweise entspricht, sondern sich von ihr gleichsam formen und transformieren lassen. Das bedeutet gerade nicht, dass Bildung ein Elitenprojekt wäre. Bildung sollte vielmehr die gemeinsame Grundlage sein, auf der alles weitere aufbaut, sollte es nicht auf tönernen Füßen stehen. Bildung hat nicht zuletzt mit Moral zu tun, gilt doch ein erheblicher Teil ihrer Inhalte moralischen Fragestellungen und stehen moralische Konflikte im Zentrum epochemachender literarischer Werke, wie etwa in Sophokles Antigone.

TOTE SPRACHE, LEBENDIGES GEDANKENGUT

Einer, der sich mit toten Sprachen und den sich darum rankenden, nicht totzukriegenden Missverständnissen bestens auskennt,

BILDUNG MACHT

DEN MENSCHEN

ERST ZUM

MENSCHEN, MACHT

SIE ES DOCH ERST

MÖGLICH, MIT

SICH SELBST, MIT

ANDEREN UND MIT

DER WELT IN EIN

REFLEKTIERTES VERHÄLTNIS ZU TRETEN.

ist Wolfgang Kofler. Er ist Professor am Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien an der Universität Innsbruck. Die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr angestoßene Debatte über die Reduktion der Lateinstunden im Abtausch gegen mehr KI und Informatik kommt Kofler einigermaßen spanisch vor. „Diese Diskussion irritiert mich, weil Dinge gegeneinander ausgespielt werden, die eindeutig nicht in Opposition zueinander stehen“, sagt er. Gegen KI hat Kofler nichts einzuwenden. Sie sei sogar ein „wunderbares Arbeitsinstrument“. Als Philologe kennt er die alten Texte und die mit ihnen verbundene Geschichte. Und gerade dieses Geschichtsbewusstsein hilft dabei, die Tragweite der gegenwärtigen Entwicklung zu erkennen und einzuordnen. „Wir haben gerade die Gelegenheit, einer medialen und kulturellen Revolution beizuwohnen.“ Als nichts Geringeres stuft er die Fortschritte der Künstlichen Intelligenz ein. Vergleichbar mit dem Aufkommen der Schrift und später dem Buchdruck. Bildung gegen KI auszuspielen, hält er deshalb für Unsinn, in den Lehrplänen ebenso wie im Alltag. Der Professor glaubt nicht an Zufälle. Das Ministerium habe wohl bewusst Latein – gewis-

sermaßen als Testballon – ausgewählt und sich breite Zustimmung erhofft. Dabei sind die Befürworter*innen dieser toten Sprache zahlreich und laut gewesen. „Es hat uns positiv überrascht, dass so viele für Latein Partei ergriffen haben“, schildert Kofler die Stimmung im Kollegium.

IST DAS NOCH BILDUNG ODER

KANN DAS WEG?

„Latein ist für die AHS ein typenbildendes Fach“, sagt Kofler. Wird der Lateinunterricht gekürzt, verwischt man die Unterschiede zu den BHS – „und reduziert den Bildungsgrad dieses Schultyps.“ Er plädiert dafür, zumindest einen Schultyp zu erhalten, der nicht in erster Linie ökonomischen Prämissen folge. Wolfgang Kofler ist auch die Ironie dieses neuen bildungspolitischen Anlaufs nicht verborgen geblieben. Gerade Fähigkeiten, die es heute noch dringender braucht als gestern, werden durch den Erwerb und mehr noch die Praxis der klassischen Philologie geschult. „Wir machen eine andere Form der Sprachbildung, als es die modernen Sprachen mit ihrem kommunikativen Fokus tun. Wir arbeiten sehr viel metasprachlich, das ist eine Grundlage für jedes Large Language Model.“ Wer metasprachlich zu denken gelernt und Sprache als System verstanden hat, erkennt die Leistungsfähigkeit von Large Language Models (LLMs), aber auch deren Grenzen. Ist das noch Bildung oder schon Kompetenz? Bildung ist keine bloße Kompetenz, sie ist auch ein Stück weit historisches Gedächtnis. Deshalb vermag auch ein Abtausch von Latein gegen ein neues Fach „Medien und Demokratie“ Kofler nicht zu begeistern. Dabei geht es nicht einmal um Besitzstandswahrung. In der klassischen Philologie werden Texte eingehend bearbeitet, nein, eigentlich erarbeitet, welche die intellektuelle Grundlage gelegt haben für das, was wir gemeinhin als Demokratie bezeichnen. Erst mit Ende des 16. Jahrhunderts begann die Zahl der in sämtlichen Volkssprachen gedruckten Bücher die lateinischen zu übersteigen. Rhetorik, Historiographie, Propaganda, Staatstheorien, Philosophie, Mythologie und anderes mehr findet sich darin. Lateinische und griechische Texte tragen einen großen Teil der Ideengeschichte auf ihren Schultern und sind gewissermaßen zeitlos. Kofler amüsiert sich zudem darüber, dass darüber nachgedacht wurde, das Fach „Medien und Demokratie“ ohne vorherigen Dialog mit Expert*innen und

„Wir haben gerade die Gelegenheit, einer medialen und kulturellen Revolution beizuwohnen.“

WOLFGANG KOFLER

ZUR PERSON

Wolfgang Kofler ist Universitätsprofessor am Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien der LeopoldFranzens-Universität Innsbruck. In Forschung und Lehre beschäftigt er sich mit lateinischer Literatur von der Antike bis in die Neuzeit. Zu seinen persönlichen Lieblingswerken zählen De rerum natura, ein Gedicht über die epikureische Philosophie von Titus Lucretius Carus, sowie die Heroides von Ovid – eine Reihe fiktiver Briefe mythologischer Frauen an ihre Partner, in denen Ovid mit Rollenbildern und literarischen Formen spielt. den Zuständigen, wie den Direktor*innen, einzuführen. „Ich habe in Auftrag gegeben…“, sprach’s der Bildungsminister. Demokratisch ist das keine Glanzleistung. „Ich frage mich, warum man diese Fähigkeiten nicht transversal, quer über den ganzen Lehrplan hinweg, vermittelt.“ Gute Frage.

SINNVOLL UND ZWECKLOS

Am gegenwärtigen Schulsystem – und seit Bologna ganz offensichtlich auch Hochschulsystem – lässt sich der wahre Charakter heutiger Bildung herauslesen. Oder nicht doch etwa deren Warencharakter? Kofler betont,

dass es im System Räume brauche für Bildung, die zunächst zweckfrei sei. Bildung um der Bildung willen. „Manche Inhalte, die wir in den sogenannten toten Sprachen vermitteln, sind womöglich gerade deswegen so gut, weil sie zweckfrei sind“, argumentiert Kofler. „Wir schulen dabei Metafähigkeiten, lehren problemlösendes Denken.“ Metakognition, das Nachdenken über das eigene Denken, wird in Zeiten Künstlicher Intelligenz immer mehr zu einer zentralen Fähigkeit. Wer nichts weiß, muss alles glauben. Das gilt gerade auch für die Inhalte, die KI generiert hat.

Die Klassiker leisten insofern Hilfe zur intellektuellen Selbsthilfe. In einer Zeit, in der Wissen schneller vergeht als eine Scheibe Schinken in der Sommersonne, braucht es die Rückbesinnung auf die zeitlosen Dinge, die dabei helfen, lexikalisches Wissen einzuordnen. Bildung eben. Sie prasselt nicht auf uns ein, ist nicht mit dem Daumen herbei- und nicht wieder wegzuwischen. Wolfgang Kofler erinnert sich daran, was er bei der Übersetzung Ciceros in seiner Jugend nicht nur inhaltlich gelernt hat: „Ich muss mich dazusetzen, dranbleiben, jeden Satz einmal umdrehen. Dabei habe ich eine völlig fremde Welt vor mir, die ich mir erst Schritt für Schritt und mit ganz unterschiedlichen Strategien erarbeiten muss.“ Das geht nicht schnell und erst recht nicht mühelos. Aber es lohnt sich und ist heutzutage die Antithese zur permanenten digitalen Reizüberflutung, die unsere Aufmerksamkeitsspanne aushöhlt. „Man muss sich Zeit nehmen und sich etwas strategisch aneignen. Das ist schon für sich genommen ein Wert“, sagt der Hochschullehrer. Und: „Bildung verschafft einen ethisch-ideologischen Tiefgang.“ Und damit einen erfrischenden Kontrast zum grassierenden Flachwurzlertum, das vor keinem Gesellschaftsbereich mehr Halt zu machen scheint. Tiefgang ist notwendig, um Selbstreflexion üben zu können, denn so wie ein leerer Bauch nicht gern studiert, reflektiert ein gedankenarmer Kopf nicht gern.

Kofler verbindet mit dem Gebildetsein auch eine gewisse Lust daran, den gesellschaftlichen Dialog aufrechtzuerhalten. Demokratie stirbt nicht nur in der Dunkelheit, sondern verwelkt auch dann, wenn niemand mehr von ihr spricht. Sie muss sich ständig ereignen, um lebendig zu bleiben. Demokratie ist im besten Fall deliberativ. Ihre politischen Entscheidungen entstehen idealerweise nicht nur durch Wahlen, sondern primär durch den offenen Austausch, die Argumentation und Beratung bzw. Deliberation unter den Bürger*innen. Der unlängst verstorbene deutsche Philosoph Jürgen Habermas war ein großer Verfechter einer deliberativen Demokratie. Sie ist mit Arbeit verbunden, weil es in ihr mit dem regelmäßigen Wählen – oder eben Nichtwählen – nicht getan ist. Ein Wahlvolk mündiger, selbstbewusster Bürger*innen ist möglicherweise gar nicht im Interesse der Regierenden, weil es sich nicht so einfach an ihm vorbei- oder darüber hinweg regieren lässt. Das gegenwärtige Sys-

METAKOGNITION, DAS NACHDENKEN ÜBER DAS

EIGENE DENKEN, WIRD IN ZEITEN KÜNSTLICHER

INTELLIGENZ

IMMER MEHR ZU

EINER ZENTRALEN

FÄHIGKEIT. WER NICHTS WEISS, MUSS ALLES

GLAUBEN.

tem wirkt bisweilen so, als würde es eher von Konsument*innen getragen als von politisch interessierten, aufgeklärten Bürger*innen.

Es sei sehr kurzsichtig, wenn sich eine Gesellschaft keine Bildung mehr leisten wolle, die zweckfrei ist. „Bildung geht nicht schnell. Sie braucht Zeit – und Geduld“, erinnert er. „Zeitdruck steht ihr diametral entgegen. Bildung braucht eine kontemplative Komponente, aber wir leben heute in einer Diktatur der Zeit.“ Dementsprechend ist der Weg zur Bildung kein Sprint, sondern ein Marathon. Es gibt keinen Schnellsiedekurs für sie, keine Abkürzungen. Bildung braucht Muße. In der Antike wusste man das noch. „Bildung ist die Basis, auf der Ausbildung gedeihen kann“, sagt Wolfgang Kofler. Freilich können auch gut Ausgebildete – zumindest formal –relativ ungebildet sein. Information ist heute allgegenwärtig. Eine Flut auf allen Kanälen, die überwältigend sein kann. „Wichtiger als die Heranbildung von bloß Informierten sind deshalb Menschen, die mit diesen Informationen auch umgehen können“, ist Kofler überzeugt. Der Bildungsbürger sollte nicht dem Informationsbürger Platz machen.

Wolfgang Kofler hat nichts gegen eine Kompetenzorientierung im Bildungssystem. Der heutige Fokus ist ihm aber zu sehr am reinen Output orientiert. Das negiert das Wesen von Bildung als umfassenderen Prozess. „Ein paar Stunden KI-Unterricht werden das Bildungssystem nicht retten. Es wäre viel wichtiger, mehr Beziehungen zwischen den Fächern herzustellen.“ Bildung, meint Kofler, sorge schließlich dafür, dass Wissen nicht „parzelliert“ und insular sei. Sie stellt einen Gesamtzusammenhang her.

WA

( H ) RENCHARAKTER

Bildung ist längst Verhandlungsmasse geworden. Und eine Ware, die nachgefragt werden will. Kommodifiziert, geliefert wie bestellt. Die Ausbildung nach Employability mag teilweise ihre Berechtigung haben, es kann aber längerfristig ins Auge gehen, zu viel auf den (Arbeits-)Markt zu schielen. Das gilt gerade auch für junge Menschen, die einen großen Teil ihres Bildungsweges noch vor sich haben. Der Arbeitsmarkt ist Trends unterworfen und kann schnelllebig sein. Was heute noch gehypt wird, kann bereits morgen ein alter Hut sein. „Jeder Mensch sollte das machen, was seinen Neigungen und Interessen entspricht, wo er seinen Spaß daran hat und glaubt, sich verwirklichen zu können. Man sollte sich dabei nicht so sehr von Moden leiten lassen“, rät der Universitätsprofessor. Er weist darauf hin, dass Absolvent*innen der klassischen Fächer später sehr häufig in Bereichen arbeiten würden, die wenig mit dem ursprünglichen Studiengegenstand zu tun haben. „Sie verfügen über eine hohe Problemlösungs- und soziale Kompetenz. Das ist grundsätzlich überall in der Wirtschaft gefragt.“

Manche Dinge, wie Latein und Griechisch, haben keinen vordergründig ökonomischen Zweck, für den sie in Dienst genommen werden können. Doch genau darin liegt ihr Sinn. Ihr Wert mag schwer quantifizierbar sein, aber wertvoll sind sie dennoch. „Das Studium zahlreicher antiker Texte hat mich Beharrlichkeit gelehrt“, sagt Wolfgang Kofler. Doch das ist längst nicht alles: „Wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart möglicherweise besser einordnen. Das macht einen in stürmischen Zeiten etwas gelassener.“ Gelassenheit kann nicht schaden. Gerade dann nicht, wenn Information inflationär ist, Bildung zugleich einem zunehmenden Rechtfertigungsdruck unterliegt.

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Gegen alle Widerstände

Biografien verlaufen selten geradlinig, doch manche sind im besonderen Maß von Herausforderungen geprägt. Von äußeren Umständen, politischen Systemen und Entscheidungen, die weniger aus Wahlfreiheit denn aus Notwendigkeit entstehen. Wie die von Pelageh Ladstätter. Dass sie heute mit ihrem Leben zufrieden ist, ist das Ergebnis von Durchhaltevermögen, Bildung und der Entscheidung, immer weiterzumachen.

s gibt Sätze, die bleiben hängen, weil sie eine ganze Biografie verdichten. „Da bist du auf einmal erwachsen“, sagt Pelageh Ladstätter. Sie meint damit keinen sanften Übergang, kein langsames Hineinwachsen ins Leben, sondern ein abruptes Ende von Kindheit, weil Sirenen erklingen und man sich mitten im Krieg wiederfindet. Was ihre Geschichte auch zeigt: Es kann trotzdem alles gut werden. Pelageh Ladstätter wird 1976 in Innsbruck geboren, als Kind iranischer Eltern, die in den 1960erund 1970er-Jahren nach Österreich gekommen sind, um zu studieren und sich hier ein Leben aufzubauen. Doch die Realität ist ernüchternd, denn die beruflichen Perspektiven in Österreich sind besonders für Akademiker*innen mit Migrationshintergrund begrenzt. Die Eltern schaffen es nach dem Studium nicht, in Tirol Fuß zu fassen, und 1987 fällt die Entscheidung, in den Iran zurückzukehren. Für die damals elfjährige Pelageh beginnt damit ein radikaler Bruch, denn sie verlässt nicht nur ihre gewohnte Umgebung, sondern taucht in ein Land ein, dessen Sprache sie kaum spricht und dessen gesellschaft-

liche Regeln sie nicht kennt. „Ich habe kaum Persisch gekonnt und erst einmal die Sprache und die Schrift lernen müssen“, erzählt sie und man spürt, dass diese ersten Monate vor allem vom Versuch geprägt sind, sich in einem System zurechtzufinden, das sprachlich wie kulturell völlig anders funktioniert und sich grundlegend von dem unterscheidet, was sie aus Tirol kennt.

KINDHEIT UNTER DRUCK

Entsprechend ambivalent sind ihre Erinnerungen an den Iran. „Schlecht“, sagt sie zunächst und relativiert die Aussage im selben Atemzug, weil sie damit nicht die Menschen meint, sondern das System. Die Schule ist streng, der Alltag strikt reglementiert: „Jeden Tag wurden unsere Schultaschen kontrolliert und

„Ich habe nicht wirklich eine Heimat. Manchmal fühle ich mich wie ‚Das kleine Ich bin ich‘.“
PELAGEH LADSTÄTTER

geschaut, ob wir Schminksachen oder Musikkassetten dabeihaben.“ Auch das Treffen von Jungen ist verboten und für Mädchen sogar das Fahrradfahren auf der Straße. „Am Anfang bin ich noch mit meinem BMX herumgefahren, das wir aus Österreich mitgenommen haben, bis die Nachbarn gesagt haben, ein Mädchen darf nicht auf einem Radl sitzen.“ Es sind solche Momente, die zeigen, wie stark sich Lebensrealitäten unterscheiden können. Auf der anderen Seite sind es positive zwischenmenschliche Erfahrungen, die das junge Mädchen durch diese Zeit begleiten. Freundinnen, die sie aufnehmen, ihr zeigen, wie man das Haar unter dem Kopftuch, das sie nun tragen muss, richtig zusammenbindet, ihr helfen, die Sprache zu lernen, ihr Inhalte erklären, manchmal bis tief in die Nacht hinein, damit sie im Unterricht mithalten kann. Gleichzeitig bleibt ein Druck, der sich nicht abschütteln lässt, weil er mit permanenter Angst verbunden ist. Zweimal wird Pelageh verhaftet, weil sie auf Partys war, auf denen Mädchen und Jungen gemeinsam gefeiert haben. „Ich habe ja nichts verbrochen“, sagt sie und doch folgt eine Verurteilung, die deutlich macht, wie eng die Grenzen sind, innerhalb derer man sich bewegen darf.

Die Familie versucht, sich innerhalb dieses Systems selbst Freiräume zu schaffen. „Mein Vater ist sehr westlich eingestellt, meine Eltern sind auch nicht religiös“, sagt Pelageh. Was im öffentlichen Raum gilt, wird im Privaten relativiert. Doch das hat Grenzen, weil das Leben draußen immer wieder hineinwirkt. „Du hattest als Mädchen so oder so keine Rechte“, sagt sie nüchtern. Und auch ihre Mutter musste um ihre Rechte kämpfen. Als ausgebildete Geologin hat sie im Iran schnell eine leitende Position erreicht, lebt aber doch mit Einschränkungen. „Sie hat abgewogen, was für sie besser ist: Zurück nach Österreich, wo sie vielleicht nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten kann, oder hierbleiben und sich durchkämpfen.“ Die Familie bleibt.

Parallel dazu verschärfen sich die äußeren Rahmenbedingungen, als der Krieg zwischen Iran und Irak erneut aufflammt und der Alltag abrupt von etwas bestimmt wird, das sich einem Kind kaum erklären lässt. „Wir waren erst ein paar Monate in Teheran und dann ist auf einmal der Strom ausgefallen“, erinnert sich Pelageh und mit dieser scheinbar banalen Beobachtung be-

„Ja, ich bin zufrieden, auch weil man mir die Möglichkeit gegeben hat, etwas aus meinem Leben zu machen.“
PELAGEH LADSTÄTTER

ginnt eine Erfahrung, die sich tief einprägt. Die Großmutter holt ein batteriebetriebenes Radio hervor, der rote Alarm ertönt – wie er es aktuell wieder tut –, und plötzlich geht es nicht mehr darum, ob man ein neues Kleid bekommt, sondern darum, schnell genug in den Keller zu kommen. Prioritäten verschieben sich und Sicherheit wird zur fragilen Größe.

Nach fast einem Jahrzehnt im Iran fällt 1996 – und damit erneut in einem Alter, in dem viele andere gerade erst beginnen, sich zu orientieren – die Entscheidung, zurück nach Österreich zu gehen. Allein. Ohne Eltern. Was von außen wie eine Heimkehr wirken könnte, ist faktisch ein zweiter Neuanfang, der mindestens so herausfordernd ist wie der erste. „Es waren zwar Verwandte da, aber ich war trotzdem allein“, beschreibt Pelageh den Zustand. Sie baut sich ein neues Leben auf. Erneut. „Das war nicht leicht“, sagt sie. Sie muss ihren Lebensunterhalt sichern und zugleich durch ein Bildungssystem navigieren, das ihre bisherigen Abschlüsse – Matura und Dolmetschstudium im Iran – nicht anerkennt. In Tirol möchte sie Medizin studieren, wozu ihr die Berechtigungen fehlen. Um Studienbeihilfe zu bekommen, inskribiert sie auch hier zunächst ein Dolmetschstudium, während sie parallel erfolgreich Ergänzungsprüfungen in Chemie, Physik und Biologie ablegt. Und auch in Tirol kämpft sie wieder mit der Sprache und Fachbegriffen, die sie zwar inhaltlich versteht, aber nie auf Deutsch gelernt hat. Als sie schließlich zum Medizinstudium zugelassen wird, scheitert

es nicht an der Leistung, sondern am Alltag. Ohne finanzielle Unterstützung muss die junge Studentin arbeiten, und „mit einem Fulltime-Job geht sich das Studium nicht aus“. Sie trifft eine pragmatische Entscheidung, bricht ihr Studium ab und wechselt in die Gesundheitswissenschaften an der UMIT. Schritt für Schritt baut sie sich eine neue berufliche Perspektive auf, arbeitet zehn Jahre lang als klinische Datenmanagerin und bekommt eine Tochter. Der Verlust des Jobs stellt abermals eine Zäsur in ihrem Leben dar, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten. Pelageh Ladstätter bekommt eine Stelle an der Universität Innsbruck, zunächst für ein befristetes Projekt, später dauerhaft. Seit April 2023 arbeitet sie als Innovationsmanagerin an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Anwendung, wo sie Forschende dabei unterstützt, ihre Ideen weiterzuentwickeln und zu schützen. „Das macht großen Spaß“, sagt sie.

Dass sie diesen Weg als erfüllend beschreibt, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis vieler Umwege, Zweifel und auch innerer Unsicherheiten, die sie bis ins Heute begleiten. „Ich habe oft gedacht, ich bin schlechter als die anderen“, sagt sie und verweist damit auf ein Gefühl, das aus der eigenen Bildungsbiografie resultiert –dem Wissen, dass einem bestimmte Grundlagen fehlen, weil man sie nicht im gleichen System gelernt hat.

Dazu verläuft eine andere Suche, die sich weniger klar strukturieren lässt: jene nach Zugehörigkeit. „Ich habe keine Heimat“, sagt sie. Der Satz wirkt nicht resigniert, eher wie eine nüchterne Feststellung. Zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen, bedeutet für sie, in keiner vollständig aufzugehen. „Für Österreich bin ich vielleicht zu temperamentvoll, für die Iraner zu kalt“, beschreibt sie ein Spannungsfeld, das sich schwer auflösen lässt. „Irgendwie wie ‚Das kleine ‚Ich bin ich‘.“ Keine eindeutige Zugehörigkeit, kein klares: Hier gehöre ich hin. Und doch eine Entscheidung: „Wenn ich wählen müsste, würde ich für mich für Österreich entscheiden.“ Nicht zuletzt, weil sie den Großteil ihres Lebens hier verbracht hat, auch wenn die Jahre im Iran prägend waren und sie sich hier ein stabiles Umfeld aufgebaut hat, auch wenn der Weg dorthin nicht immer einfach war. Gerade in den ersten Jahren ihrer Rückkehr erlebt sie als junger Mensch, wie schwierig es sein kann, Anschluss zu finden, wie viel

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Eigeninitiative notwendig ist, um Teil eines sozialen Gefüges zu werden: „Ich habe mich sehr bemühen müssen.“ Es gibt auch offene Anfeindungen, wenige zum Glück, doch sie bleiben im Gedächtnis, weil sie meist in alltäglichen Situationen auftreten, unerwartet und ohne konkreten Anlass. Im Kindergarten etwa meinte ein älterer Mann, sie solle „endlich wieder nach Hause fahren“. Eine Aussage, die die Tochter damals nicht verstanden hat, schließlich kam man ja gerade von dort.

Heute ist Pelageh Ladstätter Mutter von zwei Kindern und in der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Geschichte spiegelt sich auch die Frage, wie viel davon sie weitergibt. Ihre Tochter, inzwischen 20 Jahre alt, hat auch durch ihren iranischen Vater einen starken Bezug zum Land, engagiert sich politisch und spricht auf Demonstrationen. „Meine Generation hat alles über sich ergehen lassen und versucht, Wege zu finden, um das Leben im Iran für sich selbst erträglicher zu machen. Die Jungen gehen auf die Straße, rebellieren und fordern offen ihre Rechte ein“, sagt Pelageh. Ihr neunjähriger Sohn sieht indes eher die Gefahr: „Er sagt, er ist froh, dass er in Österreich lebt.“ Und auch im Umgang mit der Geschichte zeigt sich diese Ambivalenz. Als der iranische Führer stirbt, freut sich die Familie, gleichwohl aus eigener Erfahrung wissend, was Krieg für die Menschen bedeutet. Diese Erlebnisse wirken in Pelageh Ladstätter bis heute nach – als latente Unsicherheit, als leise und manchmal laute Angst, dass Stabilität nicht selbstverständlich ist. „Wahrscheinlich ist man schon traumatisiert. Ich habe sehr oft Angst: Wird es so bleiben?“, sagt sie und man merkt, dass dieser Satz mehr ist als eine abstrakte Sorge, weil er auf realen Erfahrungen basiert. Trotz allem beschreibt sich Pelageh heute als zufrieden. Was nicht bedeutet, dass alles ideal ist, sondern einen Zustand erreicht hat, in dem vieles zusammenpasst: ein Beruf, der Sinn macht, ein Arbeitsumfeld, das unterstützt, ein privates Umfeld, das stabilisiert, Freundschaften, die über Landesgrenzen hinaus bestehen. Besonders wichtig: die Erfahrung, gefördert zu werden, Vertrauen zu bekommen und auch Fehler machen zu dürfen.

Was sie aus der Kultur des Iran mitnimmt? „Die Gastfreundschaft und Solidarität. Wenn jemand Hilfe braucht, bin ich da. Und die Küche. Ich koche sehr gerne,

ZUR PERSON

Pelageh Ladtstätter, geboren 1976 in Innsbruck als Tochter iranischer Eltern, verbrachte einen prägenden Teil ihrer Kindheit und Jugend im Iran, wohin die Familie 1987 nach Abschluss der Studien der Eltern zurückkehrte. Nach fast einem Jahrzehnt unter den Bedingungen eines streng reglementierten Alltags und mit unmittelbaren Kriegserfahrungen kehrte sie 1996 allein nach Österreich zurück, wo sie sich ihr Leben neu aufbaute. Über Umwege führte sie ihr beruflicher Weg in den Bereich der Gesundheitswissenschaften und später an die Universität Innsbruck. Dort ist Pelageh Ladstätter heute als Innovationsmanagerin tätig und begleitet wissenschaftliche Projekte in den Bereichen Chemie, Pharmazie und neuerdings auch Architektur. Sie lebt in Innsbruck, ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.

vor allem am Wochenende, denn die persische Küche ist sehr aufwändig und braucht Zeit. Die muss man mit Liebe kochen.“ Ihren

Kindern möchte sie vor allem Toleranz und Offenheit mitgeben: „In der Schule im Iran gab es kein Mobbing. Es gab zwar Cliquen, aber es wurde nie jemand ausgeschlossen. Die Menschen dort sind extrem liebenswürdig. Diesen Zusammenhalt möchte ich auch meinen Kindern vermitteln.“ Die Sprache dafür weniger: „Ich habe Farsi nie als meine Muttersprache gesehen und mir damit immer schwer getan. Ich träume auch auf Deutsch. Würde ich mit meinen Kinder Farsi sprechen, wäre das, als würde ein Österreicher mit seinem Kind Englisch reden. Ich hab auch eine katastrophale Schrift und weiß eigentlich gar nicht, wie ich überhaupt maturiert habe.“ Sei’s drum: Pelageh Ladstätters Biografie mag nicht linear verlaufen sein. Dennoch ist sie keine Abfolge verpasster Chancen, sondern ein Weg, sich unter den gegebenen Umständen weiterzuentwickeln, mit allen Brüchen und Anpassungen, die dazugehören – geprägt von dem Wissen, dass Wege selten gerade verlaufen und es trotzdem möglich ist, sich in ihnen einzurichten. Vielleicht lässt sich ihre Geschichte am ehesten über den Satz verstehen, den sie ihrem jüngeren Ich mitgeben würde: „Wehre dich, steh zu deinem Recht und schau nicht, dass du es nur anderen recht machst, sondern vor allem dir selbst.“

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Der Tourismusort St. Anton am Arlberg schafft es, seinen Energiebedarf übers Jahr hinweg selbst zu decken.

WELTORT

Während zehntausende Gäste ihre Schwünge in den Schnee ziehen oder im Sommer zu Fuß oder mit dem Bike den Berg erklimmen, passiert in St. Anton am Arlberg vieles abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Tourismusgemeinde zählt zu den Vorreitern der Energieautarkie in Tirol: Seit 2005 deckt sie – auf das Jahr gesehen –ihren Strombedarf aus heimischer Wasserkraft.

TEXT: ELISABETH ZANGERL

St. Anton am Arlberg gilt als Wiege des alpinen Skisports. Die ersten Spuren des Tourismus finden sich bereits im 19. Jahrhundert, als ein norwegischer Ingenieur beim Arlbergtunnelbau erstmals auf Skiern zur Arbeit glitt.

Anfangs skeptisch, entdeckten die Einheimischen um 1900 ihre Begeisterung für den neuen Sport. Und diese Begeisterung ließ sie bis heute nicht mehr los. Bereits 1901 wurde der Skiclub Arlberg gegründet – heute einer der traditionsreichsten und größ-

ten Skiclubs der Welt. Zum entscheidenden Motor wurde auch Hannes Schneider, der die erste Skischule gründete. Mit der Galzigbahn (erbaut 1937) entstand eine der ersten Gondelbahnen im Alpenraum. Und auch die Expertise der Arlberger Skilehrer

DER SICH SELBST VERSORGT

war weltweit gefragt. So bestellte einst sogar der japanische Kaiser Hannes Schneider in sein Land, um die moderne alpine Skitechnik zu lehren. Viele Jahrzehnte später bildete 2001 die Austragung der Alpinen Skiweltmeisterschaften einen Höhepunkt in der Geschichte des Ortes. Rund 1,4 Millionen Nächtigungen und 11.600 Gästebetten pro Jahr machen St. Anton heute zu einem der meistbesuchten Orte des Alpenraums. Dieser Umfang macht sich auch im Strombedarf bemerkbar.

DER BAU DER ERSTEN KRAFTWERKE

St. Anton am Arlberg ist nicht nur Vorreiter in Sachen alpiner Skilauf und Wintertouris-

ST. ANTON WAR

SCHON FRÜH EIN ORT FÜR MUTIGE VORDENKER – MENSCHEN, DIE INNOVATIVE

IDEEN ZUR STROMPRODUKTION NICHT NUR HATTEN, SONDERN SIE AUCH UMSETZTEN.

mus, sondern auch in ganz anderen Belangen. Es war schon früh ein Ort für mutige Vordenker – Menschen, die innovative Ideen zur Stromproduktion nicht nur hatten, sondern sie auch in die Tat umsetzten. So nahm bereits 1907 an der Rosanna die erste kleine Kraftwerksanlage ihren Betrieb auf. Im Jahr 1921 wurde ebenfalls an der Rosanna das Krafthaus Moosbach durch das E-Werk (wie die Energie- und Wirtschaftsbetriebe der Gemeinde St. Anton GmbH früher hieß) errichtet. Gründe für diesen Bau waren zum einen der gestiegene Strombedarf im Gemeindegebiet sowie die fehlende Netzanbindung. Die Stromversorgung des Ortes erfolgte daraufhin über eine Freileitung und einen Masttrafo. In

Michael Zauser ist Leiter des EWA-Bereichs Energie, der für die Energieerzeugung und Stromvermarktung zuständig ist.

den Jahren 1984 und 1985 folgte der Bau des Kraftwerks Rosanna. Dadurch konnte erstmals der damalige Jahresenergiebedarf St. Antons (16 GWh) mit den eigenen Kraftwerken, die 19 GWh erzeugt haben, abgedeckt werden.

Das schon seit jeher gemeindeeigene Energieversorgungsunternehmen wurde 1999 in EWA Energie- und Wirtschaftsbetriebe der Gemeinde St. Anton GmbH umbenannt. Ing. Markus Strolz, der heutige Geschäftsführer, blickt zurück: „Mit der Inbetriebnahme des Kraftwerks Kartell im Jahr 2005 wurde St. Anton am Arlberg energieautark.“ Dabei stellt er klar: „Im Jahresdurchschnitt stimmt das – in manchen Wintermonaten müssen wir dennoch Strom zukaufen.“ In dieser Bilanz nicht enthalten sind die Arlberger Bergbahnen und der Ortsteil St. Christoph.

In Zahlen gesehen werden in St. Anton am Arlberg mittlerweile pro Jahr rund 55 GWh Strom produziert, verbraucht hingegen 32 bis 33 GWh. Produziert wird der Strom in den gemeindeeigenen Kraftwerksanlagen Rosanna, Moosbach und Kartell. (Die EWA Energie- und Wirtschaftsbetriebe der Gemeinde St. Anton GmbH sind – ebenso wie die Gemeinde St. Anton am Arlberg – am Wasserkraftwerk Stanzertal beteiligt, dessen erzeugter Strom jedoch ausschließlich ins Netz eingespeist wird.) Mit Abstand am meisten Strom wird im Kraftwerk Kartell produziert, so Markus Strolz: „Dieses Bauvorhaben stieß damals im Ort auf keinen Widerstand – für die Bevölkerung überwogen der Nutzen und die Dringlichkeit. Mein Vorgänger Jakob Klimmer hat das überzeugend

vermittelt.“ Trotz dieser aktuell beachtlichen Jahresproduktion an Strom lehnt man sich nicht zurück: „Wir machen uns bereits Gedanken über weitere Ausbaupläne.“

SPEICHERSEEN ALS NATURJUWELE

Die EWA-Speicherseen im Verwall und im Moostal sind weit mehr als technische Anlagen: Sie bereichern das Landschaftsbild und zählen zu den beliebtesten Ausflugszielen der Region. Unter dem Speichersee im Verwall versteht sich dabei ein weitläufiges und touristisch attraktives Tal am Rand von St. Anton am Arlberg – hier findet sich der türkise Speichersee, der ein Fassungsvermögen von 225.000 Kubikmeter Wasser aufweist. Im Zuge des Wiederverleihungsverfahrens des Kraftwerks Rosanna war als eine der baulichen

Maßnahmen ein sogenanntes Umgehungsgerinne vorgesehen, das heute touristisch genutzt werden kann und zum Baden oder Relaxen einlädt. Die Speicherseen selbst dürfen nicht zum Schwimmen oder für Freizeitaktivitäten genutzt werden. Auch der Speichersee im Moostal ist ein visuelles Highlight. Der „Kartellstausee“ ist mit einem Fassungsvermögen von 8,1 Millionen Kubikmeter Wasser deutlich größer als jener im Verwall. Aber nicht weniger schön – lediglich die Farbe unterscheidet sie. In einem hellen Blau liegt dieser eingebettet im Moostal.

Neben den eigenen Kraftwerksanlagen zählt auch die Instandhaltung des eigenen Stromnetzes zu einem wesentlichen Aufgabenbereich der EWA. In Summe zählen dazu zwölf Kilometer 25-kV-Leitungen, insgesamt 30 Kilometer 5-kV-Leitungen sowie 240 Kilometer einer 400-Volt-Leitung. Hinzu kommen zwei Regeltransformatoren, die dafür sorgen, dass die Spannung konstant gehalten wird, indem sie Lastschwankungen ausgleichen. Weiters 50 Trafostationen im Ortsgebiet, die ebenfalls den Energieund Wirtschaftsbetrieben der Gemeinde St. Anton am Arlberg GmbH gehören. Die Instandhaltung der Netzinfrastruktur ist für das Energieversorgungsunternehmen eine Herausforderung. „Wir investieren auch vielfach in Ringleitungen und in die Ausfallsicherheit“, erklärt Markus Strolz, der auch anmerkt, dass man „inselbetriebs- und schwarzstartfähig“ sei. Bedeutet: Ein Netz ist dann inselfähig, wenn es unabhängig vom übergeordneten Stromnetz (z. B. bei einem großflächigen Stromausfall) weiterbetrieben werden kann. Eine Anlage gilt als schwarzstartfähig, wenn sie ohne externe

Martin Raffeiner ist Leiter des Bereichs Netz der EWA Energieund Wirtschaftsbetriebe der Gemeinde St. Anton GmbH.
Der Speichersee des Kraftwerks Kartell im Moostal

Markus Strolz ist Geschäftsführer der EWA Energie- und Wirtschaftsbetriebe der Gemeinde St. Anton GmbH.

„Mit der Inbetriebnahme des Kraftwerks Kartell im Jahr 2005 wurde St. Anton am Arlberg energieautark.“
MARKUS STROLZ

46 Stromversorgung selbstständig wieder hochfahren kann.

Um den Strombereich kümmern sich im Fall der gemeindeeigenen EWA Energie- und Wirtschaftsbetriebe der Gemeinde St. Anton GmbH gleich zwei eigene Bereiche: Der Bereich Netz mit sieben Mitarbeiter*innen, der sich – wie der Name erahnen lässt – primär um die Netzinfrastruktur kümmert und von Martin Raffeiner geleitet wird, sowie der Bereich Energie unter der Leitung von Michael Zauser, in dessen Kompetenzbereich die Energieerzeugung und Stromvermarktung fallen und für den fünf Mitarbeiter*innen tätig sind. Solche Strukturen beziehungsweise eigene, ausgelagerte Energieversorgungsunternehmen sind meist nur bei Städten üblich und stellen in kleineren Gemeinden ein Novum dar: „Das ist bestimmt für die Größe unserer Gemeinde einzigartig“, merkt auch Markus Strolz an. Insgesamt zählt das Stromnetz etwa 2.500 Zählpunkte. Schon im Jahr 2014 wurde in St. Anton außerdem mit dem Ausbau der E-Ladestationen begonnen. In den darauffolgenden Jahren wurde das Angebot kontinuierlich ausgebaut. Martin Raffeiner: „Am Bahnhof und beim Arlberg WellCom finden sich je zwei Ladestationen mit je 22 kW, beim Terminal Ost eine mit ebenfalls 22 kW. Zudem finden sich im Bereich der Mitteleinfahrt St. Anton am Arlberg vier Ladepunkte mit je 150 bzw.

75 kW“ und: „Hier ist heuer eine Erweiterung um weitere vier Lademöglichkeiten geplant.“ Hinzu kommen zehn Ladestationen von Tesla, die auch für den öffentlichen Gebrauch zur Verfügung stehen. „Die erste Ladestation von Tesla in Österreich wurde in St. Anton am Arlberg errichtet, es war die exakt hundertste in Europa“, so Raffeiner. Und auch in puncto Ladeinfrastruktur steht einiges auf der Agenda: „Zukünftig soll ein Ladepark im Bereich Ostterminal

errichtet werden“, lässt Raffeiner einblicken. „Auch in Bezug auf die Ladeinfrastruktur ist St. Anton am Arlberg Vorreiter“, bekräftigt Markus Strolz.

GRÜNE TOURISMUSGEMEINDE

2019 wurde zudem die Nahwärme St. Anton am Arlberg GmbH als 100-Prozent-Tochter der EWA gegründet, die erste Ausbaustufe ging im November 2020 in Betrieb. Mit Jahresende 2025 waren 105 Objekte an das Nahwärmenetz angeschlossen. Derzeit steht alles im Zeichen des Ausbaus einer weiteren Baustufe – der Baubeginn sollte noch in diesem Frühjahr erfolgen. In St. Anton am Arlberg wächst auch die Zahl der Photovoltaikanlagen stetig, inzwischen auch auf vielen öffentlichen Gebäuden. Weiters ist St. Anton am Arlberg neuerdings e5-Gemeinde, gehört der KLAR! Arlberg Stanzertal an und setzt auch in Verkehrsbelangen auf Nachhaltigkeit. Folglich wurden bereits erste Linien auf umweltfreundliche E-Busse umgestellt. Ein weiterer Vorteil der Arlberggemeinde: Dank der Bahnanbindung ist eine klimafreundliche Anreise der Gäste problemlos möglich. Und in St. Anton am Arlberg wird auch längst an die Zukunft gedacht, dabei fließt der Aspekt der Nachhaltigkeit in alle Entscheidungen mit ein. Ein erklärtes Ziel ist die erneute Austragung Alpiner Skiweltmeisterschaften – etwa im Jahr 2033. Auch dafür liegen bereits zahlreiche nachhaltige Projekte in der Schublade: „Im Zuge der WM-Bewerbung ist die Umsetzung weitere, nachhaltiger Infrastrukturmaßnahmen geplant“, sagt Markus Strolz.

Krafthaus Kartell

FÜR EINEN SOMMER IN BEWEGUNG

Der Sommer in den Tiroler Alpen steht für Bewegung, Freiheit und neue Energie.

Ob beim Wandern in hochalpiner Landschaft, auf anspruchsvollen Bike-Trails oder beim aktiven Erleben der Natur – der Körper ist gefordert. Umso wichtiger ist es, sich auf eine medizinische Versorgung verlassen zu können, die im entscheidenden Moment schnell, kompetent und verlässlich zur Seite steht. Die MEDALP steht für genau diese Sicherheit. An den Standorten in Imst, Sölden und Mayrhofen bietet sie spezialisierte Medizin für Verletzungen und Beschwerden des Bewegungsapparates – von akuten Sportverletzungen bis hin zu bestehenden oder degenerativen Einschränkungen.

Im Zentrum steht die rasche und präzise Diagnostik. Modernste Verfahren wie MRT, CT und Röntgen ermöglichen eine schnelle Abklärung – ohne lange Wartezeiten. So entsteht rasch Klarheit und die Grundlage für eine gezielte Behandlung. Gerade im Urlaub bedeutet das vor allem eines: Si-

cherheit und die Möglichkeit, schnell wieder aktiv zu sein. Die Stärke der MEDALP liegt im Zusammenspiel eines erfahrenen Teams. Fachärztinnen und Fachärzte für Unfallchirurgie und Orthopädie arbeiten eng mit Diagnostik, Therapie und Pflege zusammen. Dieses abgestimmte Miteinander sorgt für kurze Wege, schnelle Entscheidungen und eine medizinische Betreuung auf höchstem Niveau.

Ergänzt wird das Angebot durch die MEDALP Rehaclinic in Imst. Hier steht die nachhaltige Wiederherstellung von Beweglichkeit, Stabilität und Lebensqualität im Fokus. Individuell abgestimmte Therapieprogramme unterstützen Patientinnen und Patienten dabei, wieder sicher und gestärkt in ihren Alltag oder ihre sportlichen Aktivitäten zurückzukehren.

MEDALP verbindet moderne Medizin mit einem klaren Anspruch: den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen. Persönliche

Betreuung, individuelle Behandlung und ein hohes Maß an medizinischer Präzision schaffen Vertrauen – für Einheimische ebenso wie für aktive Gäste in der Region. So wird aus medizinischer Versorgung ein Gefühl von Sicherheit. Und aus Sicherheit die Freiheit, die Berge in ihrer ganzen Vielfalt zu erleben. PR

MEDALP

Unser Team ist an sieben Tagen in der Woche für Sie erreichbar!

Hotline: +43 699 1611 9988

Sportclinic Imst: +43 5418 51100

Sportclinic Mayrhofen: +43 5285 78485

Sportclinic Sölden: +43 5254 30003

Weitere Informationen unter www.medalp.com

ALLES GUTE KOMMT

VON OBEN

Eine Tiroler Alm zeigt, wie die Energiewende geht.

Auf rund 1.400 Metern Seehöhe, mitten im Skigebiet der Kitzbüheler Alpen, liegt ein Ort, an dem täglich hunderte Menschen einkehren, übernachten, essen und sich aufwärmen wollen: die KRAFTalm. Dass hier – fernab vom Tal, im Winter nur per Seilbahn erreichbar – eine moderne Luftwärmepumpe zuverlässig für Wärme und Warmwasser sorgt, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Mut, guter Planung und einem starken regionalen Netzwerk. Und ein Beispiel dafür, wie die Wärmewende in Tirol ganz konkret gelingen kann. Als die Eigentümerfamilie Hölzl die KRAFTalm erneuerte, war klar: Aus der klassischen Skihütte sollte ein vollwer-

tiger Hotelbetrieb mit Vier-Sterne-Standard werden. Neben dem Tagesgeschäft mit bis zu 600 Gästen kommen heute 60 bis 80 Hotelgäste hinzu – und damit ein hoher, stark schwankender Bedarf an Heizenergie und Warmwasser. Die beiden Töchter Marion und Evelyn Hölzl entschieden sich bewusst für einen zukunftsfähigen Weg: eine Luftwärmepumpe. Eine Entscheidung, die in dieser Höhenlage durchaus Mut erforderte.

SCHLÜSSELTECHNOLOGIE

FÜR DIE WÄRMEWENDE

Wärmepumpen zählen seit vielen Jahren zu Tirols beliebtesten Heizsystemen. Und das aus gutem Grund: Sie nutzen Umwelt-

wärme aus Luft, Wasser oder Erdreich und „pumpen“ diese mithilfe eines elektrischen Kompressors auf das benötigte Temperaturniveau. Der große Vorteil: Bei optimalem Betrieb stammen mindestens drei Viertel der bereitgestellten Wärme aus der Umwelt. Lediglich ein Viertel wird in Form von elektrischer Energie für den Betrieb benötigt. Damit ist die Wärmepumpe das effizienteste Heizsystem und reduziert nicht nur die Heizkosten, sondern bietet auch eine zuverlässige und umweltfreundliche Wärmeversorgung.

Was im Einfamilienhaus im Tal längst erprobt ist, funktioniert dank moderner Technik auch in alpinen Lagen, trotz großer Tem-

Nach haltig keit

peraturunterschiede zwischen Außenluft und benötigter Vorlauftemperatur. Je kälter die Außenluft und je höher die Heiztemperatur im Gebäude, desto stärker muss der Kompressor arbeiten. Das wirkt sich auf die Effizienz und den Strombedarf aus. Und trotzdem: „Moderne Wärmepumpen sind inzwischen so ausgereift, dass sie auch bei niedrigen Außentemperaturen deutlich effizienter arbeiten als alle anderen Heizsysteme“, erklärt Valerie Mense, Gebäudetechnikerin bei der Energieagentur Tirol. Sie ermutigt daher zum Heizungstausch: „Rund ein Viertel des gesamten Energiebedarfs in Tirol entfällt auf Heizen und Warmwasser. Der Heizungstausch ist damit eine der wir-

kungsvollsten Stellschrauben auf dem Weg zu TIROL 2050 energieautonom.“

Auf der KRAFTalm kommt ein kaskadierendes System mit mehreren Luftwärmepumpen zum Einsatz. Je nach Bedarf schalten sich einzelne Geräte zu oder ab. So wird immer genau jene Energiemenge bereitgestellt, die tatsächlich benötigt wird. Für die Warmwasserbereitung sorgt zusätzlich eine Booster-Wärmepumpe, die bei Bedarf höhere Temperaturen effizient erzeugt. Auch gestalterische und akustische Aspekte wurden berücksichtigt: Die Außengeräte sind so positioniert, dass sie für Gäste weder sichtbar noch hörbar sind. Eine kreative Lösung für den touristischen Standort, die nur durch enge Abstimmung zwischen Eigentümerfamilie, Installationsbetrieb und Hersteller möglich war.

STARKES NETZWERK, REGIONALE WERTSCHÖPFUNG

Dass das Projekt Wärmepumpe auf der KRAFTalm gelungen ist, liegt nicht zuletzt an der Zusammenarbeit regionaler Partner*innen. Der Installationsbetrieb Pletzer aus der Region setzte das System gemeinsam mit dem Tiroler Wärmepumpenhersteller iDM um. „Das hätten wir ganz klar nicht so umsetzen können, hätten wir nicht sehr vertrauenswürdige Partner an unserer Seite gehabt“, sagt Martin Röckenschuss, Geschäftsführer von Pletzer Installationen. „Einerseits war es logistisch ein

großer Aufwand, andererseits hatten wir wenige Erfahrungswerte, wie die Systeme in dieser Höhe und unter diesen Temperaturverhältnissen funktionieren würden.“ Dieses Zusammenspiel ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Ganzen: In Tirol gibt es mit iDM, Heliotherm, Lambda und MECO gleich mehrere Wärmepumpenhersteller, die Entwicklung, Produktion und Know-how im Land halten. Netzwerke wie das Netzwerk Wärmepumpe Tirol fördern den Austausch zwischen Hersteller*innen, Planer*innen und Installateur*innen und stärken so die regionale Wertschöpfung entlang der gesamten Kette.

PRAXISBEISPIELE, DIE

MUT MACHEN

Die KRAFTalm ist eine von vielen Geschichten des Gelingens in Tirol, die zeigen, dass die Wärmewende nicht abstrakt ist, sondern ganz konkret stattfindet – im Hotelbetrieb, im Eigenheim, in öffentlichen Gebäuden. Erfolgreiche Umsetzungen in alpinen Regionen nehmen Unsicherheiten, schaffen Vertrauen und ebnen anderen den Weg. Oder, wie es Marion Hölzl formuliert: „Das Beste ist, wenn unsere Gäste gar nichts davon mitbekommen. Und wenn das dann auch noch zukunftsfit und regional umgesetzt ist, ist das natürlich genial.“ Manchmal entfaltet sich die Energiewende eben dort, wo man sie am wenigsten erwartet: ganz oben.

Die Wärmepumpen auf der KRAFTalm sind gut versteckt.
Die Eigentümerin Marion Hölzl ist zufrieden mit der Wahl des Heizsystems.

EIN BERUF, DER BEWEGT

Fahrzeuge zu verkaufen ist eine interessante und gleichzeitig emotionale Angelegenheit, die eine Liebe zu Fahrzeugen ebenso voraussetzt wie zu Menschen. Die in Tirol einzigartige Ausbildung zum/zur Automobilkaufmann/-frau bringt demnach nicht nur viele qualifizierte Verkaufsspezialist*innen in Tirols Autohäuser, sondern auch maßgeblichen Benefit für die Ausbildungsbetriebe selbst.

TEXT: DORIS HELWEG

Wir haben mit Wirtschaftskammer-Gremialobmann Mag. Dieter Unterberger und dem Direktor der Tiroler Fachberufsschule für Handel und Büro, Herbert Unterlechner, über Vorteile und Hintergründe der Ausbildung gesprochen.

ECO.NOVA: Die Ausbildung zum/zur Automobilkaufmann/frau ist in Tirol bislang einzigartig. Was hat Sie dazu bewogen, diese ins Leben zu rufen? DIETER

UNTERBERGER: Wir arbeiten seit vielen Jahren an dem Thema. Aus der operativen Sicht eines Autohauses waren wir jahrelang mit einem Miss-Match konfrontiert, qualifizierte Mitarbeiter*innen für den Fahrzeughandel zu lukrieren. Aus einer Grundüberlegung heraus, diese analog zur Werkstätte nach dem dualen Prinzip selbst auszubilden, haben wir dann die Lehrausbildung zum/zur Automobilkaufmann/-frau ins Leben gerufen und seit 2019 erfolgreich etabliert. Ein großer Fokus liegt auch darin, KFZ-Betriebe mit dieser Ausbildung zu unterstützen und ihnen die Vorteile für diesen Ausbildungsweg im eigenen Betrieb aufzuzeigen.

Wie groß ist das Interesse bei jungen Menschen, in der Automobilbranche zu arbeiten? DU: Der Drang junger Menschen zum Beruf rund ums Auto ist immer noch sehr groß. Das ist schön. Für den Beruf des Autoverkäufers ist es aus meiner Sicht eine Grundvoraussetzung, ein besonderes Interesse an Fahrzeugen mitzubringen. Denn ich kann eine Emotion nur dann vermitteln, wenn ich sie auch selbst habe. HERBERT UNTERLECHNER: Dazu kommt, dass ein Autoverkäufer auch Menschen mögen muss. Bei einem Verkaufsgespräch muss man eine spürbare Verbindung aufbauen, in einer Bedarfsanalyse mit Empathie auf die Bedürfnisse der Interessent*innen eingehen und herausfinden, was der Kunde möchte und

Herbert Unterlechner und Dieter Unterberger

nicht, was man selbst gerne hätte. Das kann beispielsweise für Jungs dann schon mal eine Herausforderung sein, ein Damenauto zu verkaufen. Aber genau darin liegt die große Kunst des Verkaufens, sich in die Perspektive des Kunden emotional hineinversetzen zu können und aus dessen Bedürfnissen heraus das passende Produkt zu verkaufen.

Ist ein Autokauf demnach nicht nur eine technische, sondern vielmehr eine emotionale Thematik? DU: Das war es immer und das wird es immer bleiben. Ein Autokauf ist ein emotionales Thema und es steckt natürlich auch ein großer Wert dahinter. Das Auto ist nach der Immobilie meist die zweitgrößte Investition im Leben eines Konsumenten, das macht einen großen Unterschied. HU: Gerade im Hinblick auf die Emotionalität des Autokaufs zeigt sich bereits in der Ausbildung, dass Frauen Autos ein wenig anders verkaufen als Männer.

Wird der Autoverkauf zunehmend weiblich? HU: Ich kann mir gut vorstellen, dass Frauen in der heutigen Zeit und in den kommenden Jahren eine Art von Autoverkauf einbringen werden, der sehr gut funktionieren wird, weil das Image vom Auto immer mehr vom rein röhrenden technisch affinen Ding hin zum Lifestyle-Produkt wird, wo Frauen ein sehr gutes Verständnis dafür einbringen. Was ich bislang von den ausgebildeten Damen mitbekommen habe, machen die das sehr gut. DU: Das Thema Mann oder Frau wird in unserer Branche immer weniger relevant. Mittlerweile sind Frauen in der Branche schon viel mehr angekommen. Was sich derzeit verändert, ist die Informationsbeschaffung der Kund*innen. Heute kommen die Interessent*innen schon recht gut informiert ins Autohaus. Die Aufgabe der Verkaufsberater*innen ist es vielmehr, dem Kunden im Zeitraum seines Besuches einen Mehrwert zu bieten, besondere Informati-

„DAS IMAGE DES AUTOS GEHT IMMER

MEHR

WEG VOM

REIN RÖHRENDEN

TECHNISCH-AFFINEN

DING HIN ZUM

LIFESTYLE-PRODUKT.“

Herbert Unterlechner

„ES

BRAUCHT NICHT NUR DIE LIEBE

ZUM AUTO, ES BRAUCHT AUCH DIE LIEBE ZUM MENSCHEN.“

Dieter Unterberger

onen zu liefern, die man im Internet nicht findet, und – wie angesprochen – auf die emotionalen Bedürfnisse der Kunden und Kundinnen einzugehen.

Die Entwicklungen in der Automobilbranche haben in den letzten Jahren durch die Umstellung von mechanischen hin zu softwaredefinierten Fahrzeugen und auf Grund der Umweltauflagen richtig Fahrt aufgenommen. Wie begegnet die Ausbildung diesen rasanten Veränderungen? DU: Die technischen Details und Veränderungen werden eigentlich primär im Ausbildungsbetrieb vermittelt. Dieses fachspezifische Wissen ist sehr stark von der jeweiligen Marke und dem Modell abhängig. HU: In der Ausbildung gehen wir vorrangig auf verkäuferische Grundlagen ein, vermitteln aber natürlich auch ein allgemeines Basiswissen zum Beispiel über Antriebe. Mehr geht es uns vermehrt darum, Produktmerkmale in einem Verkaufsgespräch zu verarbeiten. Dadurch, dass die Ausbildungsbetriebe super mitspielen, dürfen die Auszubildenden meistens Autos mitbringen, die sie in Verkaufsrollenspielen bei uns präsentieren und verkaufen. Somit fließt über diese Schiene auch sehr viel technisches Wissen über die jeweiligen Fahrzeuge in unsere Ausbildung mit ein.

Inwiefern profitiert der KFZ-Betrieb von der Ausbildung? DU: In erster Linie davon, dass qualifizierte Mitarbeiter*innen im Betrieb selbst ausgebildet werden – analog, wie es im gewerblichen Bereich der Werkstätte schon seit Langem gut funktioniert. Bereits während der Lehrzeit sind die Auszubildenden eine große Unterstützung im Tagesgeschäft und können viele administrative Aufgaben übernehmen, sei es die Sichtbarkeit eines Händlers im Netz und auf Social-Media-Kanälen oder Tätigkeiten eigenständig ausführen wie beispielsweise Probefahrten, Fahrzeugübergaben oder in der Disposition. Junge Mitarbeiter*innen und ihre stetige Weiterbildung sind der Schlüssel, um mit den rasanten Entwicklungen wie Onlineverkauf, Elektromobilität und KI Schritt zu halten.

Wichtig ist jedoch festzuhalten, dass auch sehr kleine Betriebe von einem Auszubildenden profitieren können, ohne dass man plant, sein Verkaufsteam nach der Lehrzeit aufzustocken. Der Arbeitsmarkt braucht gut ausgebildete Verkäufer*innen und so wird es für den Lehrling nach der Lehrzeit leicht, einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden. Zudem unterstützt das Tiroler Landesgremium jeden erfolgreichen Abschluss als Automobilkaufmann/-frau im Betrieb mit 2.000 Euro. Die Ausbildung ist daher insbesondere für die Mitgliedsbetriebe eine große Chance, die sie nicht vorbeiziehen lassen sollten. HU: Unserer Erfahrung nach sind die Auszubildenden ziemlich schnell auch im Verkauf aktiv und erfolgreich, da sie einerseits ihr theoretisches Wissen gleich umsetzen können und andererseits auf Grund ihres Alters und ihrer Erfahrung auch schon viel selbstbewusster sind. Nach dem fachspezifischen Lehrabschluss stehen den Absolvent*innen sämtliche Weiterbildungsmöglichkeiten offen, unter anderem auch der Besuch des FH-Lehrgangs „Automotive“. PR

LEHRLINGSAUSBILDUNG AUTOMOBILKAUFMANN/- FRAU“

• Praktischer Teil im Unternehmen als Vollzeitanstellung mit Traineeprogramm mit einem erfahrenen Verkäufer als Mentor*in und einer Verkürzung der Lehrzeit von drei auf zwei Jahre

• Theoretischer Teil in der Berufsschule mit 9,33 Wochenstunden in beiden Lehrjahren als Blockunterricht in ständiger Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben

• Zielgruppe: Personen mit abgeschlossener Lehre, Maturant*innen bzw. Personen mit mindestens zwei positiv abgeschlossenen Klassen einer BHS www.einjobderbewegt.at

FORSCHUNG & INNOVATION

START- UP BOOST

In der dritten Ausgabe des Demo Days Anfang Feber hatten neun Start-ups aus dem aktuellen Boost. Up!-Programm von Startup.Tirol im BTV Stadtforum Innsbruck die Gelegenheit, ihre Innovationen passenden Investor*innen und Mentor*innen vorzustellen. In zwei Pitchrunden traten die Start-upper vor einer vierköpfigen Jury, bestehend aus Tanja Spennlingwimmer vom aws Austria Wirtschaftsservice, Businessangel Katja Pietzak, Investor Martin Spitznagel und Andreas Schwersenz von der TU München, an, um ihre Ideen zu präsentieren. In die Bewertung flossen Innovations- und Technologiepotenzial ebenso ein wie Skalierbarkeit. Den mit 1.000 Euro dotierten Jurypreis erhielt Serwas für die Idee, Abwärme von Servern zum Heizen von Gebäuden nutzbar zu machen. „Unser nächstes Ziel nach diesem Demo Day ist das Fundraising. Dabei wollen wir circa 500.000 Euro sammeln, um den Verkauf zu stärken“, so Mitbegründer Timo Berkmann. Das Publikumsvoting ging an Termite Intelligence, das eine KI-gestützte Software entwickelt hat, die Architekt*innen beim Erstellen von Standardplänen unterstützt.

Das Boost.Up!-Förderprogramm von Startup.Tirol hilft ausgewählten Start-ups, innerhalb von zwölf Monaten marktreif zu werden und sich auf die Suche nach Investor*innen vorzubereiten. Dazu erhalten die Start-ups zu Beginn ein Budget von bis zu 20.000 Euro, um ihre Geschäftsideen weiterzuentwickeln und umzusetzen. Während der gesamten Programmlaufzeit stehen ihnen Coaches von Startup.Tirol beratend zur Seite. Ermöglicht wird das Programm vom Land Tirol über die Tiroler Start-up-Förderung sowie über das AplusB-Scale-up-Programm des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, abgewickelt von der aws Austria Wirtschaftsservice. Zusätzlich unterstützen die Partnerhochschulen und Gesellschafter*innen von Startup.Tirol das Projekt. www.startup.tirol

Die Preisträger Ruben Sommaruga und Helmut Ritsch mit Stiftungspräsident Stefan Pan (li.) und Uni-Vizerektor Gregor Weihs (re.)

FORSCHUNGS - AUSZEICHNUNG

Anfang März wurde der Wissenschaftspreis der Stiftung Südtiroler Sparkasse verliehen, der seit 2008 für außergewöhnliche Forschungsleistungen auszeichnet. Der Preis würdigt exzellente wissenschaftliche Gesamtwerke von Wissenschaftler*innen der Universität Innsbruck, die maßgeblich zum Erfolg der Universität beigetragen haben: Heuer wurde der Physiker Helmut Ritsch für seine Forschungsleistungen im Bereich der Theoretischen Quantenoptik ausgezeichnet. Ruben Sommaruga erhielt den Preis für herausragende limnologische Forschung in Gebirgsgewässern.

KOMMUNIKATION OHNE NETZ

Wenn Internet und Mobilfunk ausfallen, sorgt Nova Aeris für Verbindung. Die Lösung der Finin GmbH aus Sistrans setzt dabei auf ein autarkes Funknetz: Kleine Geräte vernetzen sich direkt miteinander und bilden ein unabhängiges Netz und das ganz ohne zentrale Infrastruktur. Auf Basis des energieeffizienten LoRa-Standards sind Reichweiten von über 50 Kilometern möglich. Zum Portfolio zählen unter anderem GPS-Handhelds, solarbetriebene Relaisstationen, Basisstationen sowie Drohnenmodule, die das Netz aus der Luft erweitern. Letztere überbrücken auch schwer zugängliches Gelände wie Täler oder Bergkämme. Nova Aeris richtet sich an (Drohnen-)Einsatzkräfte, Bergregionen und Offroad-Gebiete und begleitet Projekte von der Planung bis zum Betrieb, von Pilotinstallationen bis hin zu großflächigen, resilienten Kommunikationsnetzen für den Ernstfall. Weitere Infos, Beispiele und Erklärvideos unter www.nova-aeris.com

NEUER TEST, ALTER SIEGER:

BLEIBT DAS BESTE NETZ!

Bestes Mobilfunkund 5G-Netz sowie bestes Festnetz bundesweit bestätigt von connect (01/2026 und 11/2025).

DIGITALE KOMPETENZ FÜR

KLEIN - UND KLEINSTBETRIEBE

Viele Klein- und Kleinstbetriebe im Tiroler Handel stehen vor der Herausforderung, digitale Möglichkeiten im Geschäftsalltag gezielt zu nutzen. Ein Programm von Land und Wirtschaftskammer Tirol bietet Hilfe: Unternehmen mit stationären Geschäften erhalten mit so genannten „Digitalen Lotsen“ direkt vor Ort kostenlose Unterstützung durch IT-Expert*innen. Das Digital-Lotsen-Programm wurde 2020 von digital. tirol und der Wirtschaftskammer Tirol gemeinsam mit den Stadtmarketing-Einrichtungen in Hall, Imst, St. Johann und Kufstein entwickelt und 2022 auf das ganze Bundesland ausgeweitet. Seither wird es von der Standortagentur Tirol in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Tirol umgesetzt. Das Land Tirol stellte dafür bislang ein Projektbudget von 500.000 Euro bereit, bis 2027 stehen weitere 160.000 Euro zur Verfügung. Infos unter www.digital.tirol

EINE FRAGE DES

GESCHLECHTS

Dass Frauen und Männer medizinisch verschieden ticken, unterschiedliche Symptome zeigen und eine gendergerechte Behandlung brauchen, ist mittlerweile bekannt. Und die Geschlechterfrage zieht dabei weite Kreise – bis hinein in die Reanimation. Bei einem simulierten Herz-Kreislauf-Stillstand führten Ersthelfer*innen Wiederbelebungsmaßnahmen an einer weiblichen Puppe schlechter durch als an einer männlichen. Das zeigt eine aktuell an der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführte Studie. Diese bestätigt die Ergebnisse internationaler Studien, die zudem zeigen, dass Frauen in der Öffentlichkeit seltener reanimiert werden und unter anderem deshalb geringere Überlebenschancen haben. Die Med Uni Innsbruck, das Rote Kreuz Tirol, das Land Tirol und die Stadt Innsbruck setzen daher unter anderem vermehrt auf weibliche Übungspuppen in der Ausbildung, um Bewusstsein für die generelle Problematik zu schaffen. „Forschungsergebnisse zeigen klaren Handlungsbedarf in der Bewusstseinsbildung für Frauengesundheit“, betont Innsbrucks Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr. „Mit dem neuen Referat Frauen, Gleichstellung und Queer wollen wir eine wichtige, teils sogar lebensentscheidende Perspektive auf alle Themen werfen, die in der Lebensrealität von Frauen eine Rolle spielen, und an Maßnahmen zur Gleichstellung arbeiten, ob im Bereich des Zusammenlebens, der Bildung, der Arbeitswelt oder wie hier der Gesundheit.“

Mehr zum Thema Gendermedizin und Frauengesundheit erfahren Sie in unserem neuen Podcast-Magazin medica, das Printgeschichten mit Podcasts zum Nachhören verbindet. Reinklicken unter www.econova.at/medica

Erlebnis statt Therorie

Beim dritten Next Generation Day Mitte Feber erhielten über 600 Schüler*innen einen praxisnahen Einblick in die Welt der Industrie. Insgesamt 20 Mitgliedsbetriebe der Industriellenvereinigung (IV) Tirol öffneten dafür ihre Standorte und boten Workshops sowie interaktive Stationen an. Ziel der Initiative ist es, Jugendliche im Alter von zehn bis 16 Jahren frühzeitig mit technischen und naturwissenschaftlichen Berufsfeldern vertraut zu machen. Der Aktionstag erstreckte sich über alle Tiroler Bezirke und richtete sich an verschiedene Schultypen – von Mittelschulen bis hin zu höheren technischen Lehranstalten. Dabei stand weniger die Theorie als vielmehr das praktische Erleben im Vordergrund: Themen wie Digitalisierung und Robotik wurden anhand konkreter Anwendungen vermittelt und in den Arbeitsalltag der Unternehmen eingeordnet. MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gelten zunehmend als Schlüsselkompetenzen für die Zukunft. Sie bilden die Grundlage für Innovation, technologische Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit sowohl auf regionaler als auch auf internationaler Ebene. Entsprechend wächst der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in diesen Bereichen. IV-Tirol-Präsident Max Kloger verweist in diesem Zusammenhang auf die Bandbreite an Ausbildungsmöglichkeiten in der Industrie, die von der Lehre über kombinierte Bildungswege bis hin zu akademischen Qualifikationen reicht. Initiativen wie der Next Generation Day sollen dazu beitragen, Berührungsängste abzubauen und die Verbindung zwischen Schule und Arbeitswelt zu stärken.

Dominik Henigin B.Sc., studiert Molekulare Medizin an der Medizinischen Universität

Innsbruck, Constantin Peters, B.Sc., studiert Physik an der Universität Innsbruck.

VOM GIPFEL INS LABOR

Tirols Weg zum Innovationsstandort.

VON DOMINIK HENIGIN UND CONSTANTIN PETERS

Tirol lebt vom Tourismus –noch. Kilometerlange Pisten, schneebedeckte Berge und eine starke Hotelbranche prägen das Bild des Bundeslandes. Doch das Modell gerät unter Druck. Der Klimawandel verkürzt Wintersaisonen, treibt Kosten in die Höhe und erschwert langfristige Planung. Damit rückt eine wichtige Frage in den Fokus: Wie zukunftsfähig ist Tirol? Immerhin erwirtschaftet der Tourismus rund 13 Prozent der Tiroler Wirtschaftsleistung, unter Einbeziehung indirekter Effekte sogar etwa 16 bis 17 Prozent. Ist eine breitere Aufstellung also noch eine Option oder längst eine Notwendigkeit?

Ein möglicher Weg dorthin liegt in neuen Technologien und Start-ups. Grundlage dafür bilden Wissenschaft und Forschung, ein Bereich, der in der öffentlichen Wahrnehmung Tirols oft unterschätzt wird. In einzelnen Disziplinen zählt Tirol längst zur internationalen Spitze. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Universität Innsbruck, eine der forschungsstärksten Universitäten Österreichs. Von den etwa 40.000 Studierenden in Tirol sind knapp 28.000 an dieser Universität immatrikuliert. Neben internationaler Spitzenforschung in Medizin und den Alpinen Wissenschaften ist Innsbruck international besonders sichtbar in der Quantenphysik. Forschende in Innsbruck gehören zu den weltweit führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Mit ihrer Arbeit an Quantencomputern auf Basis gefangener Ionen legen sie Grundlagen für zukünftige Technologien, die ganze Industrien verän-

dern könnten. Doch wissenschaftliche Exzellenz allein reicht nicht aus. Forschung muss den Weg aus dem Labor in die Wirtschaft finden, damit sie ihre volle Wirkung entfaltet. Einrichtungen wie das Center for Academic Spin-offs Tirol oder die Standortagentur Tirol versuchen gezielt, wissenschaftliche Erkenntnisse in wirtschaftliche Anwendungen zu überführen.

Trotz zahlreicher Initiativen des Landes bleibt die Verbindung von Forschung und regionaler Wirtschaft jedoch lückenhaft. Während ein Großteil der Tiroler Studierenden nach dem Abschluss im Bundesland bleibt, zeigt sich bei internationalen Talenten ein differenzierteres Bild. Rund die Hälfte der Studierenden in Innsbruck stammt aus dem Ausland. Umso kritischer ist es, dass es bislang nur teilweise gelingt, diese Talente langfristig in den regionalen Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Grund liegt weniger in der Qualität der Ausbildung als vielmehr in der begrenzten Anzahl großer Hightech-Unternehmen vor Ort. Auch die Nähe zu größeren Technologiezentren dürfte diesen Trend verstärken. München, Wien oder Zürich bieten oft vergleichsweise bessere Einstiegsgehälter und Karriereoptionen. Der sogenannte „Brain Drain“ beschreibt

ICONS

genau dieses Phänomen: Wissen und Talent werden ausgebildet, aber nicht langfristig in der Region gehalten. Gerade darin liegt auch eine Chance. Die Voraussetzungen für einen starken Innovationsstandort sind gegeben: exzellente Forschung, hochqualifizierte Fachkräfte und hohe Lebensqualität. Zentrale Hebel zur Stärkung der Standortattraktivität sind vor allem eine engere Anbindung von Studierenden an Unternehmen bereits während des Studiums sowie die gezielte Ansiedlung weiterer Hightech-Unternehmen und Startups. Wie attraktiv Tirol tatsächlich für internationale Fachkräfte ist, entscheidet sich auch über weichere Faktoren wie leistbaren Wohnraum oder eine offene Willkommenskultur. Die Zukunft Tirols liegt also nicht nur auf den Pisten, sondern auch in den Laboren, Hörsälen und Start-ups. Ob es gelingt, das vorhandene Potenzial zu heben oder es ungenutzt im Tal liegen bleibt, wird sich zeigen.

QUELLEN: Amt der Tiroler Landesregierung, Analyse des Tiroler Hochschulstandorts in definierten Wissenschaftsfeldern, 2024. // Amt der Tiroler Landesregierung, Tiroler Wissenschaftsförderung, www.tirol. gv.at // Standortagentur Tirol, www.standort-tirol.at (Wir über uns) // Deutsch-Österreichische Handelskammer, News: Beitrag des Tourismus zur regionalen Wirtschaftsleistung in Tirol und Salzburg am höchsten, 2025

Im Jahr 2006 von einer Gruppe Studierender als Innsbruck CONsulting gegründet und inzwischen mit insgesamt drei Standorten in Innsbruck, Wien und Graz vertreten, ist icons – consulting by students eine studentische (und damit von konventionellen Unternehmen unterscheidbare) Unternehmensberatung. Das Ziel der Organisation ist es, Unternehmen innerhalb von Beratungsprojekten bei Problemen und Ambitionen von der Gründung bis hin zu Fragen des Alltags in großen Konzernen zu unterstützen. www.icons.at

MUSTER IN DER Datenwolke

Aus der Atemluft eines Patienten eine Lebererkrankung herauszulesen, ist keine Frage ärztlicher Intuition, sondern von Algorithmen. Für Michael Netzer, preisgekrönter Assistenzprofessor an der UMIT Tirol, war das der Moment, der ihn für die medizinische Informatik gewonnen hat. Heute treibt ihn noch eine andere Frage um: Wie bleibt der Mensch souverän gegenüber einer Technologie, die ihm zunehmend das Denken abnimmt? Sein Credo heißt AI-Literacy, die größte Gefahr droht durch Deskilling.

INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Viele Menschen nutzen schon heute täglich KI, oft ohne es zu merken. Wo begegnet uns Maschinelles Lernen bzw. Machine Learning im Alltag?

MICHAEL NETZER: Methoden der KI werden schon lange verwendet, wobei das Maschinelle Lernen einen zentralen Teilbereich darstellt. Darunter fallen zum Beispiel E-MailSpam-Filter. Personalisierte Werbung und Empfehlungen, die sogenannten Recommender-Systeme, gehören ebenfalls dazu. Sie kommen in Streamingdiensten ebenso zum Einsatz wie bei Werbevorschlägen im Netz. Maschinelles Lernen ist auch in der Gesichtserkennung von Smartphones im Spiel. Es gibt also zahlreiche Anwendungen, die wir täglich nutzen. Das ist uns vielfach gar nicht bewusst.

Wie erklären Sie einem Laien, was Maschinelles Lernen und Data Mining ist und wozu es gut sein kann? Die Grundidee hinter dem Maschinellen Lernen ist, dass in Daten Muster erkannt werden, ohne dass ein Mensch diese vorher explizit programmieren muss. Je mehr Daten vorhan-

den sind, desto besser wird die Mustererkennung. Data Mining ist hierbei ein zentraler Schritt: Man durchsucht große Datenmengen gezielt nach Zusammenhängen, die man zuvor nicht wahrgenommen hätte. Ein Beispiel aus meiner eigenen Forschungsarbeit: Wir haben massenspektrometrische Messdaten der Atemluft analysiert und der entwickelte Algorithmus hat Muster gefunden, die auf Lebererkrankungen hindeuten. Diese Muster wären für Menschen in den Rohdaten kaum erkennbar gewesen. Genau das ist die Stärke dieser Methoden.

Was hat Sie an diesem Bereich fasziniert?

Ich hatte mit dem Thema erstmals in einer Vorlesung 2005 näher zu tun. Ich habe später die Möglichkeit bekommen, bei einem biomedizinischen Forschungsprojekt mitzuarbeiten. Es ging darum, anhand der Atemluft Lebererkrankungen zu erkennen. Es hat mich fasziniert, wie mittels Algorithmen aus sehr großen Datenmengen nachvollziehbare und rekonstruierbare Muster entstanden sind. Die Verbindung zwischen Informatik und Medizin lässt mich seitdem nicht mehr los.

„DIE FRAGE IST NICHT, OB KI DEINEN JOB ÜBERNIMMT, SONDERN OB JEMAND, DER KI GUT EINSETZT, DEINEN JOB ÜBERNIMMT. DAS IST EIN UNTERSCHIED.“
Michael Netzer

Was hat sich im Maschinellen Lernen seit Ihrem Einstieg 2007 bis heute geändert? Ist es noch Evolution – oder würden Sie gar von einer Revolution sprechen? Ich habe mich über viele Jahre stark mit diskriminativen Modellen befasst, was insbesondere in der biomedizinischen Forschung von großem Interesse ist. Solche Verfahren lernen, relevante Unterschiede in komplexen Daten zu erkennen und daraus Vorhersagen zu treffen – zum Beispiel, ob eine Fettleber vorliegt: ja oder nein. Die zweite Kategorie sind sogenannte generative Modelle, deren grundlegende Verfahren ebenfalls schon lange existieren. Ich habe aber unterschätzt, was die Entwicklung und möglichen Anwendungsfälle dieser generativen Modelle betrifft, insbesondere mit der Transformer-Architektur als Grundlage der heutigen Large Language Models (LLMs). Man kann es durchaus als Revolution bezeichnen, was sich hier in den letzten Jahren getan hat. Beachtlich ist auch die rasante Entwicklung in diesem Bereich.

Künstliche Intelligenz wird oft als Revolution für die Medizin beschrieben. Ist das wissenschaftlich betrachtet berechtigt oder eher ein Hype? Bei bildgegebenen Verfahren beispielsweise in der Radiologie kann Maschinelles Lernen in der Diagnostik eine sehr große Hilfe sein. Will man Biomarker in hochdimensionalen Daten, wie sie zum Beispiel bei der Massenspektrometrie entstehen, finden, gilt dasselbe. Da kommt man mit Standardmethoden nur schwer voran. Bei diesen Fragestellungen ist algorithmische Unterstützung essenziell. Es war für mich damals ein echtes Aha-Erlebnis, als in massenspektrometrischen Daten Muster mit Vorhersagepotenzial erkannt wurden.

ZUR PERSON

Dr. Michael Netzer studierte Biomedizinische Informatik an der UMIT Tirol und ist seit 2007 im Bereich Data Mining und Machine Learning tätig. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA und einer Tätigkeit als Development Scientist bei Sandoz arbeitet er am Institut für Elektrotechnik und Biomedizinische Technik der UMIT Tirol. Neben seiner Forschung zur Identifikation biomedizinischer Biomarker ist er auch in der Lehre aktiv – an der UMIT Tirol sowie am HAK & IT-Kolleg Imst. Für seine didaktischen Leistungen wurde er mit dem Ars Docendi Staatspreis für Lehre (2025) ausgezeichnet.

Sie unterrichten an der UMIT Tirol und in der Handelsakademie Imst sowie im IT-Kolleg in Imst. Welche Implikationen hat generative KI in der Softwareentwicklung? Die heutigen Modelle verfügen über ein bemerkenswertes Sprachverständnis und sind zunehmend besser im Programmieren geworden. Sie können dementsprechend Quellcode auf sehr hohem Niveau generieren. Dies bedeutet, dass der menschliche Fokus stärker auf Anforderungsanalyse, Architektur, Problemlösung, User Experience und Qualitätskontrolle liegt, während KI zunehmend als Werkzeug im Entwicklungsprozess eingesetzt wird.

KI IST KEINE SUPERINTELLIGENZ, SONDERN ERKENNT MUSTER IN DEN DATEN, MIT DENEN SIE TRAINIERT WURDE. GERADE IN DER MEDIZINISCHEN ANWENDUNG MUSS MAN DIESE GRENZEN STETS IM HINTERKOPF BEHALTEN.

Wo liegen heute die Grenzen von Machine Learning – speziell in der Medizin? Viele Methoden des maschinellen Lernens basieren auf neuronalen Netzwerken. Diese Modelle liefern oft sehr gute Ergebnisse, funktionieren jedoch für Menschen häufig wie eine Blackbox, weil ihre Entscheidungsprozesse schwer nachvollziehbar sind. Deshalb gibt es vielversprechende Ansätze der sogenannten Explainable AI (XAI), die darauf abzielen, die Entscheidungen von KI-Systemen transparenter und für Menschen besser verständlich zu machen. Das ist grundsätzlich eine sehr wichtige Entwicklung. Problematisch ist zudem das Thema Bias. Dieser entsteht beispielsweise durch unausgewogene oder verzerrte Trainingsdaten und kann dazu führen, dass die Ergebnisse eines Modells systematisch verfälscht werden. Wichtig ist daher, sich bewusst zu machen: KI ist keine Superintelligenz, sondern erkennt Muster in den Daten, mit denen sie trainiert wurde. Gerade in der medizinischen Anwendung muss man diese Grenzen stets im Hinterkopf behalten.

In der Informatik spricht man oft vom „Garbage in, garbage out“-Prinzip. Gilt das bei KI-Systemen heute mehr denn je? Ja, absolut. In der Medizin ist das besonders heikel. Die Qualität und die Zusammensetzung der Trainingsdaten entscheiden letztlich darüber, ob ein Modell in der Realität funktioniert oder versagt. Deshalb ist Datenqualität aus meiner Sicht keine technische Randnotiz, sondern eine ethische Frage.

Medizinische Daten gehören zu den sensibelsten Daten überhaupt. Wie lässt sich Innovation mit Datenschutz vereinbaren? Datenschutz und Datensicherheit sind unabdingbar in der medizinischen Forschung. Dabei geht es verstärkt auch darum, KI lokal verfügbar zu machen, sodass die Daten nicht an externe Server gehen.

In Europa ist KI deutlich strenger reguliert als in anderen Weltregionen. Verpassen wir dadurch Chancen oder halten Sie diesen vorsichtigeren Ansatz für richtig? Der europäische AI-Act ist durchaus sinnvoll. Es braucht ein Regulativ, um Negativentwicklungen wie dem Social Scoring vorzubeugen. Die Einschränkungen, die im AI-Act festgelegt sind, halte ich für richtig.

A STÜCK HOAMAT

HIER WERDEN SIE GEHÖRT!

IN TIROL, ÖSTERREICH UND DER WELT

Sie lehren sowohl an einer Handelsakademie als auch an der UMIT Tirol. Wie bringen Sie den Schüler*innen und Studierenden die Chancen und Gefahren von KI näher? Eine der wichtigsten Kompetenzen in diesem Zusammenhang wird zukünftig AI-Literacy sein. AI-Literacy beschreibt die Fähigkeiten, das Wissen und die Haltung, die Menschen brauchen, um Künstliche Intelligenz zu verstehen, sinnvoll zu nutzen und kritisch zu beurteilen. Es geht nicht darum, selbst KI zu programmieren, sondern darum, KI-mündig zu werden. Das bedeutet, einen sinnvollen und vor allem reflektierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu entwickeln. Pauschale KI-Verbote sind nicht sinnvoll, auch wenn bereits gute Ansätze für eine KI-resistente Unterrichtsgestaltung existieren. Von besonderer Bedeutung ist, dass Schüler*innen und Studierende verstehen, worum es beim Deskilling geht. Wer konsequent den schnellen Weg über die KI nimmt, beraubt sich langfristig wichtiger Lernchancen. Das gilt gerade auch in der Informatik. Obwohl die KI einen sehr guten Code generieren kann, ist es nach wie vor sehr wichtig, selbst programmieren zu lernen. Das fördert das Computational Thinking, also strukturiertes und lösungsorientiertes Denken, und bewahrt zugleich eine gewisse Autonomie und Unabhängigkeit von der KI. Es gilt, Deskilling zu vermeiden und selbst kreativ – oder generativ – zu bleiben. Kritisches Denken ist ebenfalls ein weiterer sehr wichtiger Punkt, den man nicht an die Maschinen delegieren kann.

Ist die Vermittlung von AI-Literacy eine Angelegenheit für ein spezielles Fach, oder sollte man ihr fächerübergreifend Raum geben, weil sie alle Richtungen berührt? Ich würde AI-Literacy unbedingt als transversale Kompetenz sehen, die fächerübergreifend vermittelt werden sollte.

Sie wurden für Ihre Lehrveranstaltung „Einführung in die Medizinische Informatik“ mit dem Ars Docendi – Staatspreis für exzellente Lehre ausgezeichnet. Was war die zentrale Idee hinter diesem Lehrkonzept? Ich wollte kognitivistische Ansätze – Lernen durch Denken – mit konstruktivistischen Ansätzen – Lernen durch aktives Handeln – verbinden. Gleichzeitig sollte genug Freiraum für Kreativität bleiben, damit neue Ideen entstehen können. Zudem habe ich Kollaboration und kritisches Denken – zentrale 21st-Century-Skills – in das Lehrkonzept integriert. Das ist bei

WER KONSEQUENT DEN SCHNELLEN WEG ÜBER DIE KI NIMMT, BERAUBT SICH LANGFRISTIG WICHTIGER

LERNCHANCEN.

den Studierenden gut angekommen und ich bin dabei, diese Ideen auch auf andere Lehrveranstaltungen zu übertragen.

Unterscheidet sich Ihre didaktische Herangehensweise stark zwischen BHS und Hochschule? AI-Literacy ist in beiden Fällen das Ziel und das Fundament, allerdings passe ich Methoden und Tiefe der Inhalte an die jeweilige Zielgruppe an.

Sorgt AI-Literacy für eine Entmystifizierung von Künstlicher Intelligenz? Absolut. Das ist eine Folge davon. Der Begriff

TAG DER LEHRE

Der „Tag der Lehre“ an der Privatuniversität UMIT TIROL stand dieses Jahr im Zeichen der Künstlichen Intelligenz (KI). Im Mittelpunkt stand ein Impulsvortrag von Michael Netzer, der die rasante Entwicklung von KI anhand praktischer Beispiele erklärte und auch auf mögliche Probleme wie Verzerrungen und diskriminierende Ergebnisse hinwies. Rektorin Margit Raich betonte in ihrer Begrüßung die große Bedeutung hochwertiger universitärer Lehre und die Verantwortung der Lehrenden im Umgang mit neuen Technologien: „Durch die rasante Entwicklung der KI müssen wir uns die Frage stellen, wie wir in Zukunft zielgerichtet und erfolgreich lehren. Dabei müssen wir Haltung zeigen und als Lehrende eine Vorbildfunktion übernehmen. Das bedeutet, dass wir Studierende nicht vor Komplexität schützen sollen, sondern ihnen auch zeigen, wie man damit umgeht. Denn Fachkompetenz bedeutet nicht nur zu wissen, was man tut, sondern auch warum und mit welchen Konsequenzen.“ Für den Senatsvorsitzenden Gerhard Müller ist KI bereits ein fester Bestandteil von Forschung und Lehre: „Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsszenario mehr. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob wir in der Lehre KI einsetzen, sondern wie wir sie einsetzen, um unsere Absolventinnen und Absolventen zukunftsfit zu machen.“

Künstliche Intelligenz suggeriert mitunter mehr, als er einlösen kann. Ich bevorzuge daher den Begriff Maschinelles Lernen.

Sind die Schüler*innen enttäuscht, wenn sie erfahren, was in der KI unter der Haube vorgeht? Die meisten schätzen es, wenn sie etwas über die Funktionsweise und Limitationen von KI erfahren. So können sie damit in Verbindung stehende Themen besser einordnen.

Wie stehen die jungen Menschen, mit denen Sie in der Lehre zu tun haben, der KI gegenüber? Ambivalent. Sehr häufig stellen sich die jungen Menschen die Frage, wie es am Arbeitsmarkt weitergehen wird und ob die Qualifikationen, die sie in der Schule und im Studium erwerben, später noch relevant sein werden. Gleichzeitig sind sie neugierig und offen dafür, neue Technologien zu lernen und sich auf Veränderungen einzustellen, was sowohl Chancen als auch Unsicherheiten mit sich bringt.

Wird KI für ein Blutbad am Arbeitsmarkt sorgen, wie es verschiedentlich befürchtet wird? Das glaube ich nicht. Jobs werden verschwinden, neue Jobs entstehen. Ich bin zuversichtlich, dass man auf menschliche Arbeitskraft und vor allem auf Brainpower nicht verzichten können wird. Natürlich sind manche Berufsgruppen stärker betroffen, wenn der Grad der Automatisierung zunimmt. Das war aber bei früheren Technologiesprüngen nicht anders. KI ist ein Werkzeug und wird immer ein Werkzeug bleiben. Den jungen Menschen kann man sagen: Die Frage ist nicht, ob KI deinen Job übernimmt, sondern ob jemand, der KI gut einsetzt, deinen Job übernimmt. Das ist ein Unterschied. Und genau deshalb ist AI-Literacy so wichtig. Nicht als Schutz vor der Technologie, sondern als Voraussetzung dafür, sie souverän zu nutzen.

Lichtblicke schaffen

Auch wenn Benedikt und Sebastian nur eine angeborene Sehleistung von fünf bis zehn Prozent haben, so finden sie sich dank der professionellen wie einfühlsamen Frühförderung immer besser in einer Welt zurecht, die stark von visuellen Reizen geprägt ist.

Hinschauen statt wegschauen. In einer Zeit, in der soziale Leistungen immer mehr von Budgetkürzungen betroffen sind. Wo der rote Sparstift dort angesetzt wird, wo Betroffene echte und wertvolle Unterstützung bekommen.

Sehen zählt in unserer von visuellen Reizen bestimmten Außenwelt zu einer der elementarsten Sinneswahrnehmungen. Nach dem Tiroler Teilhabegesetz haben Kinder mit Sehbehinderung oder Blindheit ein Recht auf Frühforderung im vertrauten häuslichen Umfeld. Betraut mit dieser einfühlsamen wie herausfordernden Aufgabe ist der BSVT, der Tiroler Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol, der mit dem Projekt SEHBRA – Frühforderung für Kinder mit Sehbehinderung oder Blindheit Kinder im Alter vom ersten bis zum achten Lebensjahr begleitet. Doch die Anzahl der zu betreuenden Kinder steigt stetig und die damit einhergehenden Kosten ebenso. Die jährliche Unterfinanzierung beläuft sich somit mittlerweile auf über 100.000 Euro. Geld für betroffene Kinder, die eigentlich einen gesetzlichen Betreuungsanspruch haben.

LICHT AM ENDE DES TUNNELS

So wie Benedikt und Sebastian. Beide kamen mit einer angeborenen Sehbehinderung zur Welt. Sehfrühförderung war und

ist die einzige Möglichkeit, ihnen zu helfen und professionell das Beste aus der Situation zu machen. „Es geht vereinfacht gesagt darum, das Gehirn über vielfältige optische Reize spielerisch so mit Informationen zu füttern, dass die bestmögliche Sinneswahrnehmung erreicht werden kann“, erzählt Brigitte, die Mutter der beiden aufgeweckten Jungs im Alter von drei und sieben Jahren. „Doch Frühförderung ist weit mehr. Sie ist Vorbereitung auf die Schule und das Leben, Training von Augen-Hand-Koordination, Grob- und Feinmotorik, das Erlernen von Orientierungsmöglichkeiten und Ausgleichstaktiken, Unterstützung in allen Lebensfragen, ein offenes Ohr für alles, Informationsplattform und Vernetzungskanal. Unsere Jungs haben dank der jahrelangen Begleitung unserer Frühförderin Gabi gelernt, wie sie mit kaum Sehkraft gut durch das Leben finden, wie Orientierung funktionieren kann. Die Frühforderung ist für uns das größte Geschenk, sie gibt Mut, Hoffnung, Zuversicht, Fröhlichkeit und Selbstwert.“ So konnten sich Benedikt und Sebastian bislang, abgesehen von ihrer Sehbehinderung, zu ganz normalen Jungs entwickeln. „Sie sind zwei richtige Lauser, die die Welt um sich auf Trab halten, sind erfinderisch und haben wahnsinnig viele brillante Fähigkeiten und Talente. Die Frühförderung brachte für uns ein Licht am Ende des Tunnels.“

HELFEN SIE MIT

Licht am Ende des Tunnels für sehbehinderte Kinder können wir alle bringen: Mit einer Spende für die Frühförderung kann sichergestellt werden, dass alle sehbehinderten Kinder ihren Rechtsanspruch auf Frühförderung auch wahrnehmen können.

Spenden an den BSVT – Blinden& Sehbehindertenverband Tirol für das Projekt SEHBRA unter AT41 2050 3000 0003 0155 (Kennwort: Frühförderung) oder scannen Sie einfach den QR-Code

Vom Experimentieren zum Skalieren

Künstliche Intelligenz ist in der Wirtschaft angekommen. Doch zwischen individueller Nutzung und tatsächlicher Wertschöpfung liegt ein langer Weg. Dieser setzt vor allem eines voraus: Sich als Unternehmen selbst zu kennen.

TEXT: MARINA BERNARDI

ünstliche Intelligenz (KI) – oder auf Englisch: Artificial Intelligence (AI) – ist längst mehr als ein technologischer Trend. Kaum ein Unternehmen, in dem nicht über ChatGPT, Automatisierung und datengetriebene Prozesse gesprochen oder zumindest nachgedacht wird. Die Frage, wie Unternehmen KI sinnvoll einsetzen können, prägt zahlreiche wirtschaftliche Debatten und reicht tief ins Innere von Unternehmen hinein. Viele Organisationen arbeiten bereits mit unterschiedlichen KI-Systemen, nur wenige schaffen es jedoch, daraus tatsächliche nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu entwickeln. Genau an diesem Punkt entscheidet sich allerdings, wer zu den Gewinnern der KI-Transformation zählen wird.

Die Erwartungen an KI sind enorm. Zahlen zeigen, dass rund drei Viertel der Unternehmen darauf hoffen, durch den Einsatz künstlicher Intelligenz effizienter zu arbeiten und mehr Umsatz zu generieren. In der Praxis zeigt sich ein anderes Bild: Nur ein kleiner Teil der Organisationen berichtet bislang von messbaren Erfolgen. Das kommt nicht von ungefähr und der Grund liegt selten in der Technologie an sich, sondern in ihrer Anwendung. Laut Umfragen setzen in manchen Organisationen bereits bis zu 40 Prozent der Beschäftigten entsprechende KI-Tools in ihrem Arbeitsalltag ein, allerdings individuell, oft ohne offizielle Richtlinien und ohne gemeinsame Standards. Das ist ein Problem.

Kürzlich lud die Innsbrucker Agentur P8 zu ihrer Business Lounge unter dem Thema „AI-Integration in Marketing & Vertrieb“ und Hausherr Georg Hofherr fasst es zusammen: „Die meisten Unternehmen experimentieren mit KI. Jeder experimentiert mit seinen eigenen Tools, aber ohne Einbettung in die Organisation bzw. das Unternehmen, ohne systematisches Lernen oder Wissensweitergabe. Für 2026 gibt es also eine klare Aufgabenstellung: Man muss vom Experimentieren ins Skalieren kommen, sonst bleibt KI ein persönliches Werkzeug einzelner Mitarbeiter, statt ein strategisches Instrument der gesamten Organisation zu werden.“ Das ist im Übrigen nicht nur ineffizient, sondern oft auch rechtlich bedenklich.

„VIELE UNTERNEHMEN HABEN BISLANG MIT KI EXPERIMENTIERT. DIE EIGENTLICHE HERAUSFORDERUNG BEGINNT JETZT: WIE BRINGEN WIR SIE IN UNTERNEHMERISCHE PROZESSE.“

MASCHINEN DENKEN NICHT

Um zu verstehen, warum der produktive Einsatz künstlicher Intelligenz so komplex ist, lohnt sich ein Blick auf die Funktionsweise moderner KI-Systeme. Bei digitaler Intelligenz handelt es sich nicht um Intelligenz im menschlichen Sinne. Diese Systeme denken nicht, sie berechnen Wahrscheinlichkeiten. Sprachmodelle zerlegen Texte in so genannte Tokens, kleine Einheiten wie Silben oder Wörter, und ordnen ihnen numerische Werte zu. In einem vieldimensionalen Vektorraum berechnen sie anschließend, welche Begriffe statistisch am wahrscheinlichsten zusammengehören. Kurzum: Das Ergebnis wirkt oft verblüffend menschlich, doch im Hintergrund handelt es sich um ein gigantisches Rechenmodell, das Zusammenhänge zwischen Milliarden Datenpunkten berechnet. Georg Hofherr zeigt dazu ein kleines Kätzchen, ein erwartbares „Ahhhh“ geht durch die Runde: „Wenn wir eine Katze sehen, erkennen wir, dass sie süß ist und dass wir sie gerne streicheln würden. Die KI sieht dagegen Zahlen, Vektoren und Wahrscheinlichkeiten. Sie berechnet mit hoher Wahrscheinlichkeit: Das ist eine Katze. Völlig wertfrei und emotionslos.“ Gerade deshalb brauchen KI-Systeme klare Leitplanken. Ohne Kontext oder spezifisches

Wissen können sie falsche oder ungenaue Ergebnisse erzeugen, ein Phänomen, das gerne als „halluzinieren“ bezeichnet wird. Das System liefert immer Ergebnisse, doch ob diese inhaltlich korrekt, markenkonform, strategisch sinnvoll oder im Optimalfall auch spürbar „besser“ sind, hängt stark vom Kontext ab, den Menschen vorgeben. Je ungenauer die Vorgaben, desto ungenauer das Ergebnis, weil die Wahrscheinlichkeit, richtig zu liegen, deutlich sinkt, wenn entscheidende Informationen fehlen.

SPEZIELL

UNIVERSELL

Lange Zeit basierten Machine-Learning-Projekte auf Spezialmodellen. Für jede einzelne Anwendung – Prognosen, Bilderkennung, Marketinganalyse – musste ein eigenes Modell trainiert werden. Dieser Ansatz war aufwändig und teuer. Und schwer skalierbar. So genannte Foundation-Modelle verfolgen einen anderen Ansatz. Sie werden zunächst mit riesigen Datenmengen aus den unterschiedlichsten Quellen und in der Regel aus dem gesamten Internet trainiert und verfügen sohin über grundlegende Fähigkeiten und breites Weltwissen. Sie können Sprache verstehen und formulieren, Bilder und Texte analysieren. In einem zweiten Schritt werden diese Modelle mit spezifischem

Wissen ergänzt. Etwa Unternehmensdaten, Brancheninformationen oder internen Prozessen. Dadurch entstehen spezialisierte Expertensysteme, die gleichzeitig auf enormes Grundwissen zurückgreifen können. Für Unternehmen eröffnet das völlig neue Möglichkeiten. Fabian Lächler von Fraunhofer Austria in Innsbruck und Speaker bei der Business Lounge vereinfacht: „Früher mussten wir für jeden einzelnen Use Case ein eigenes Expertenmodell trainieren. Das war extrem ressourcenintensiv. Heute haben wir Modelle, die bereits über grundlegende Fähigkeiten verfügen und auf denen spezifische Anwendungen aufbauen.“

Genau hier liegt eine der größten Chancen für Unternehmen, denn in vielen Organisationen ist enormes Erfahrungs- und Prozesswissen vorhanden. Produktionsdaten, Marketingkampagnen, Vertriebsberichte, Kundenanalysen, Produktinformationen oder interne Dokumentationen bilden einen enormen Wissensschatz. Dieses Wissen ist allerdings meist fragmentiert, lagert in Datenbanken, Dokumenten, Ordnerstrukturen oder in den Köpfen der Mitarbeiter*innen. Für die KI-Systeme bleibt es dadurch weitgehend unzugänglich, doch gerade dieses implizite Wissen wird zunehmend zu einem strategischen Faktor. Angesichts des

„KI-MODELLE KENNEN DAS INTERNET. DOCH SIE KENNEN NICHT IHR

UNTERNEHMEN.“

Fabian Lächler

demografischen Wandels stellen sich viele Unternehmen ohnehin die Frage, wie sie Erfahrungswissen langfristig sichern können. KI-Systeme bieten die Möglichkeit, dieses Wissen systematisch zugänglich zu machen und in Prozesse zu integrieren.

Viele Unternehmen investieren dafür zunächst in Tools und technische Infrastruktur. Was dabei häufig unterschätzt oder gar übergangen wird, sind die organisatorischen Voraussetzungen. Doch mit leistungsfähigen Modellen und hochwertigen Daten allein ist noch nichts zu gewinnen: „Das beste Modell bringt im Unternehmen nichts, wenn es nur auf einem Laptop läuft. Wertschöpfung entsteht erst, wenn KI in die operativen Prozesse integriert wird“, formuliert es Lächler. Dafür brauche es klare Strategien, definierte Rollen und (neue) Kompetenzen im Unternehmen. Im Marketing etwa ist eine saubere strategische Grundlage entscheidend. Ohne klar definierte Zielgruppen, Markenrichtlinien oder Kommunikationsstrategien kann auch eine KI keine konsistenten Inhalte erzeugen. Ebenso wichtig: eine klare Verteilung von Verantwortlichkeiten. Wer entscheidet über den Einsatz neuer Anwendungen? Wer steuert die Systeme? Und wer überprüft Ergebnisse? In diesem Zusammenhang wird oft vom so genannten

„KI IST NUR SO GUT WIE DER EXPERTE, DER SIE BEWERTET. DESHALB BRAUCHEN WIR DEN HUMAN IN THE LOOP.“

Markus Bischof

HITL gesprochen, dem „Human in the loop“, also dem Menschen, der weiterhin entscheidender Teil des KI-Prozesses bleibt. In den meisten Bereichen reicht dabei nicht ein beliebiger menschlicher Eingriff, entscheidend ist entsprechende Fachkompetenz. Es braucht den EITL, den „Expert in the loop“. „Wenn jemand von Marketing und Vertrieb keine Ahnung hat, dann wird er auch mit den besten KI-Workflows nichts anfangen können“, sagt Hofherr. Zielgruppenverständnis, Markenführung oder Kampagnenstrategien lassen sich nicht allein aus Daten ableiten. Expert*innen bewerten Ergebnisse, korrigieren Fehlinterpretationen und sorgen dafür, dass KI-Ausgaben auch tatsächlich zur Unternehmensstrategie passen. KI ersetzt also nicht die Expertise im Unternehmen. Sie verstärkt sie. Und je präziser der Rahmen für die Technologie gesteckt ist, desto produktiver kann sie eingesetzt werden.

DER WEG ZUR SKALIERBAREN KI

Die entscheidende Frage für Unternehmen lautet: Wie gelingt der Schritt von individuellen KI-Experimenten hin zu einer strukturierten Integration? Ein möglicher Ansatz ist ein systematisches Reifegradmodell. Was kompliziert klingt, ist eigentlich simpel: Zunächst wird analysiert, wo ein Unternehmen in Bezug auf KI tatsächlich steht – organisatorisch, technologisch und strategisch. Typischerweise zeigt sich dabei in vielen Un-

ternehmen ein ähnliches Bild: verschiedene Tools sind bereits im Einsatz, doch es gibt wenig Standardisierung. Wissen über KI ist vorhanden, bleibt jedoch bei einzelnen Personen. Ergebnisse sind schwer vergleichbar, der Return on Investment ist kaum messbar. Der nächste Schritt besteht darin, klare Workflows zu definieren. Welche Aufgaben lassen sich durch KI unterstützen? Welche Daten werden dafür benötigt? Welche Rollen übernehmen Mitarbeiter*innen im Prozess?

An diesem Punkt setzt das AI8 Marketing Excellence Programm an, das bei P8 Marketing – oder konkret in AI8 Factory – entwickelt wurde. Hier fließen 27 Jahre Marketingerfahrung, technologische Kompetenz und KI-Exzellenz ineinander. Damit verfolgt die Agentur den Ansatz, KI speziell für Marketing und Vertrieb strukturiert nutzbar zu machen. Im Zentrum steht ein Programm, das Organisationen zunächst eine präzise Standortbestimmung ermöglicht. In einer strukturierten Analyse mit 169 standardisierten Fragen wird der aktuelle Reifegrad ermittelt. Der Ansatz betrachtet KI dabei nicht als reines Technologieprojekt, sondern als organisatorischen Transformationsprozess. Neben Technologie und Datenarchitektur geht es um Strategie und Inhalte, Organisation und Governance mit Rollen und Verantwortlichkeiten sowie Kompetenzen und Skills vom Prompting über Qualitätskontrolle bis zur Datenanalyse. In vie-

len Unternehmen liegt der Fokus zunächst ausschließlich auf der technischen Ebene, doch ohne die anderen Faktoren bleibt der Effekt begrenzt. Erst wenn Strategie, Organisation und Kompetenzen zusammenfinden, lassen sich KI-Anwendungen wirksam und nachhaltig gewinnbringend nutzen.

Ist die Ausgangslage im Unternehmen klar, kann ein konkreter Fahrplan entwickelt werden. Welche Prozesse lassen sich sinnvoll automatisieren oder beschleunigen? Welche Governance-Regeln fehlen? Welche Kompetenzen müssen im Unternehmen aufgebaut werden? Ein zentrales Element ist und bleibt jedoch die Datenstruktur, nur dann können spezialisierte Unternehmensmodelle im Alltag tatsächlich Nutzen stiften. Ziel davon ist nicht nur Effizienzsteigerung, sondern auch ein konsistenteres Arbeiten, etwa bezüglich Markenkommunikation, Content-Produktion oder Lead-Management. Studien belegen, dass Unternehmen durch automatisierte KI-Workflows ihre Produktivität deutlich steigern können: Effizienzgewinne von 30 Prozent und Outputsteigerungen von bis zu 40 Prozent sind durchaus realistische Größenordnungen.

Die eigentliche Herausforderung in Sachen künstlicher Intelligenz liegt sohin weniger in der Technologie als in der Transformation von Unternehmen. KI verändert Rollen, Prozesse und Arbeitsweisen. Unternehmen müssen neue Kompetenzen aufbauen, Daten strategisch nutzen und Expertise stärker in die Systeme integrieren. Vor allem aber müssen sich Unternehmen selbst so gut kennen wie nie zuvor. Das macht Arbeit, ist aber auch eine Chance. Unternehmen, die diesen Wandel aktiv gestalten, können KI zu einem echten Wachstumstreiber machen. Für alle andere bleibt es ein spannendes Werkzeug, dessen Potenzial jedoch weitgehend ungenutzt bleibt. Die nächsten Jahre werden daher nicht nur über technologische Fortschritte entscheiden, sondern vor allem über die Fähigkeit von Unternehmen, KI intelligent in ihre Arbeitswelten zu integrieren.

Sie wollen mehr über die AI8 Factory und ihren Nutzen für Sie wissen? Bitte hier lang.

WISSEN NUTZEN

Wie Foundation Models und branchenspezifische Daten neue Wertschöpfung ermöglichen.

Viele Unternehmen sitzen auf über Jahrzehnte angesammeltem Wissen und Datenschätzen. Die Herausforderung ist, dieses Wissen nutzbar und mit Hilfe von KI zugänglich zu machen. Mit Machine-Learning-Projekten wird für jede einzelne Aufgabe ein eigenes Expertensystem trainiert. Jedes Modell muss von Grund auf neu entwickelt, mit spezifischen Daten trainiert und anschließend aufwendig validiert werden – ein Prozess, der sowohl zeitals auch kostenintensiv ist. Foundation Models verfolgen einen anderen Ansatz. Sie werden einmal auf sehr großen, heterogenen Datenmengen trainiert und erwerben dabei grundlegende Fähigkeiten, etwa im Sprachverständnis, in der Mustererkennung oder in der multimodalen Verarbeitung. Dieser Ansatz beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Text: Inzwischen existieren Foundation Models auch für Zeitreihen, physikalische Simulationen, Videos, Tabellen und viele weitere Datentypen.

Diese Basiskompetenzen reichen nicht automatisch für jede industrielle Spezialaufgabe aus, bilden jedoch ein leistungsfähiges Fundament. Darauf aufbauend lassen sich die Modelle gezielt mit unternehmensspezifischem Wissen weiterentwickeln. Durch dieses Finetuning entstehen spezialisierte Expertensysteme – allerdings mit deutlich geringerem Entwicklungsaufwand als bei der traditionellen Vorgehensweise. Zugleich verfügen Foundation Models, insbesondere im Umgang mit Sprache, über wesentlich robustere und flexiblere Fähigkeiten als klassische regelbasierte oder rein statistische Natural-Language-Methoden. Gleichzeitig müssen wir selbstkritisch anerkennen: Europa hat die Entwicklung großer Basismodelle bislang weitgehend verpasst. Dennoch verfügen wir in vielen Branchen über jahrzehntelang gewachsene, qualitativ hochwertige und hochspezifische Datensätze. Genau darin liegt unsere strategische Chance. Unternehmen sollten sich branchenübergreifend zusammenschließen, um auf Basis dieser Daten branchenspezifische Modelle zu trainieren. Solche Modelle könnten nicht nur intern eingesetzt, sondern auch aktiv vermarktet werden – etwa über Lizenzmodelle oder Plattformstrategien. Auf diese Weise entstehen neue digitale Geschäftsmodelle, in denen Daten und das darin enthaltene Expertenwissen gezielt monetarisiert werden.

VON FABIAN LÄCHLER

„WER NUR GEFAHREN SIEHT, wird Chancen verpassen“

Die Politik müsse verstehen, was sie reguliert. Deshalb – und zur schnelleren politischen Kommunikation – schuf sich der Innsbrucker Rechtsanwalt und Nationalratsabgeordnete Jakob Grüner einen digitalen Klon. Er war damit ein Vorreiter. Nachdem Social Media gegenwärtig mit KI-Inhalten geflutet wird, wächst die Bedeutung von Authentizität und Persönlichkeit.

INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen KI-Avatar – den Sie digiJACK genannt haben – von sich zu erschaffen?

JAKOB GRÜNER: Bewusste und gezielte Kommunikation ist nicht nur in meinem Brotberuf als Rechtsanwalt unverzichtbar, sondern insbesondere auch in der Politik. Die Idee entstand aus zwei Überzeugungen heraus: Erstens wird Künstliche Intelligenz einen tiefgreifenden strukturellen Wandel unserer Arbeitswelt, unserer Kommunikation und unserer Entscheidungsprozesse herbeiführen – und damit eines der zentralen Gestaltungselemente für Politik, Wirt-

ZUR PERSON

MMag. Jakob Grüner, LL.M., ist Partner der GSR Grüner Seekirchner Rechtsanwälte GmbH in Innsbruck und auf Immobilienrecht und öffentliches Recht spezialisiert. Seit März 2025 ist er Abgeordneter zum Nationalrat. www.gsr.law

„Europa setzt stark auf Risikominimierung. Das ist nachvollziehbar, weil Vertrauen zentral ist. Gleichzeitig dürfen wir Innovationsfähigkeit nicht durch Überregulierung bremsen.“

schaft und Gesellschaft. Das passiert gerade jetzt. Zweitens hinkt die Politik technologischen Entwicklungen meistens hinterher. Als einer der dienstjüngsten Abgeordneten im Nationalrat wollte ich ein bewusstes Zeichen setzen und KI transparent einsetzen. Wir dürfen uns vor dieser Technologie nicht weiter verstecken, sondern müssen lernen, verantwortungsvoll mit ihr zu arbeiten. Dass ich mit meinem KI-Avatar im letzten Jahr der erste Politiker in Österreich war, war kein Zufall, sondern Bestätigung dessen, wie wichtig dieser Schritt war. Das mediale Echo war enorm. Natürlich gab es auch Nachahmer.

Wie lange hat es gedauert, bis der digiJACK einsatzbereit gewesen ist? Von der Idee bis zur Umsetzung sind ungefähr zwei Monate vergangen. Es wurden professionelle Tonstudio-, Video- und Bildaufnahmen erstellt, damit die KI über ausreichend qualitativ hochwertige Daten verfügt, damit mein Sprachbild, meine Mimik und Gestik und nicht zuletzt mein Dialekt ausreichend authentisch wiedergegeben werden können. Ich wurde dabei von einer Agentur begleitet. Mir war wichtig, dass das Projekt seriös umgesetzt wird und nicht als schnelle Spielerei.

Wie begegnen Sie dem Vorwurf, dass derart gut gemachte Avatare es den Menschen immer mehr erschweren, das Reale vom Digitalen zu unterscheiden?

Die Frage ist berechtigt. Genau deshalb war Transparenz für mich die Grundvoraussetzung. Jede Verwendung des KI-Avatars wurde klar als „KI-generiert“ gekennzeichnet und der Avatar hat auch selbst darauf hingewiesen. Kein Video und keine Botschaft ist ohne meine persönliche Freigabe veröffentlicht worden. Die Gefahr liegt aber nicht in der Technologie selbst, sondern im missbräuchlichen Einsatz. Allein deshalb KI nicht zu verwenden, ist der falsche Weg. Und klar ist auch: Auch ohne den bewussten Einsatz eines Avatars kann bereits

mit einem Foto von mir ein KI-Video ohne mein Wissen und Zutun erstellt und missbräuchlich verwendet werden. Wichtig ist, dass wir lernen, sogenannte „Deepfakes“ zu erkennen, denn die Grenzen verschwinden immer mehr.

Wie reagieren die Menschen auf Ihren digitalen Klon? Seit dem ersten Einsatz ist nun ungefähr ein Jahr vergangen, seither hat sich viel getan. Die Reaktionen reichten damals von großem Interesse und Gratulationen bis hin zu vereinzelter Skepsis. Auch das war mir recht, denn ich wollte natürlich auch provozieren. Viele fanden es spannend, dass ein Politiker neue Technologien nicht nur diskutiert, sondern selbst testet und einsetzt. Über Monate konnte ich keine Veranstaltung besuchen, ohne scherzhaft darauf angesprochen zu werden, ob ich nun der echte oder der KI-generierte „Jack“ sei. Medien haben das auch als PR-Gag erkannt. Nach nunmehr einem Jahr ist es so, dass Social Media ohne KI-generierte Inhalte heute nicht mehr auskommt, was die Plattformen – zugegebenermaßen – zunehmend uninteressanter macht, da letztlich Authentizität und Persönlichkeit entscheidend sind. Deshalb setze ich meinen Avatar heute nur noch in Einzelfällen ein.

Was kann der digiJACK als Werkzeug politischer Kommunikation für Sie leisten? Politische Arbeit ist erklärungsintensiv. Komplexe Gesetzesvorhaben konkurrieren mit 30-Sekunden-Clips auf Social Media und Algorithmen. Mit dem Avatar habe ich den Nachweis erbracht, dass ich – auch während ich zum Beispiel in einer Plenarsitzung bin – mit Videobotschaften Inhalte effizient aufbereiten und Zusammenhänge verständlich erklären und schneller der Öffentlichkeit zugänglich machen kann, ohne dass ich dafür selbst vor der Kamera stehen muss. Klar ist allerdings auch: Ein derartiger Einsatz von KI kann immer nur Verstärker sein.

Was erhebt ihn über den Status eines Gimmicks? Welches kommunikative Problem löst er für Sie? Das kommunikative Problem ist real: Politische Inhalte müssen heute schnell, niederschwellig und plattformgerecht vermittelt werden. Gleichzeitig sind Abgeordnete zeitlich stark gebunden. Ein KI-Avatar ist ein Werkzeug, um diese Lücke zu schließen – nicht, um den Menschen dahinter zu ersetzen.

Wie kommt der digiJACK bei Ihren Kolleg*innen im Parlament an? KI polarisiert – auch im parlamentarischen Umfeld, und völlig unabhängig vom Alter und der Parteifarbe. Ich halte es jedoch nach wie vor für notwendig, dass wir uns im Nationalrat auch mit den Themen praktisch und persönlich auseinandersetzen, über die wir laufend sprechen oder abstimmen und die die Menschen bewegen. Das gilt für alle relevanten Themen, nicht nur für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Die EU reguliert KI strenger als andere Wirtschaftsräume. Würden Sie sich einen liberaleren, von Möglichkeiten statt Gefahren geleiteten Zugang zum Thema wünschen? Europa setzt stark auf Risikominimierung. Das ist nachvollziehbar, weil Vertrauen zentral ist. Gleichzeitig dürfen wir Innovationsfähigkeit nicht durch Überregulierung bremsen. Genau das passiert aber regelmäßig. Ich plädiere nicht für Deregulierung, sondern für einen innovationsfreundlichen Rahmen mit klaren Leitplanken. Wer nur Gefahren sieht, wird Chancen verpassen. Als ausgewiesener EU-Fan muss ich leider feststellen, dass wir uns zu oft selbst im Weg stehen und uns Amerika und Asien noch weiter abhängen werden, wenn wir nicht mutiger werden. Das sehe ich übrigens auch als Jurist so.

Würden Sie Ihr digitales Alter Ego gerne manchmal langweilige Videokonferenzen übernehmen lassen? Ja, nicht nur manchmal.

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DISCLAIMER: Dies ist eine Marketingmitteilung und kein Angebot, keine Beratung und keine Risikoaufklärung. IMPRESSUM: Medieninhaber und Hersteller: VOLKSBANK WIEN AG, Dietrichgasse 25, 1030 Wien, Tel.: +43 (0) 50 4004-5050, kundenservice@volksbankwien.at, Verlags- und Herstellungsort: Wien, Stand: März 2026, WERBUNG volksbank.at

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VON TIROL in die Welt

Catherine Emond, Country President Novartis Österreich

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Roland Gander, Geschäftsführer Campus Kundl/Schaftenau Novartis Österreich

Tirol zählt zu den wichtigsten Life-Sciences-Standorten im Alpenraum, Novartis spielt dabei eine zentrale Rolle. Mit rund 3.300 Mitarbeiter*innen an den Standorten Kundl, Schaftenau und Wien gehört das Unternehmen zu den führenden Pharmaakteuren des Landes. Gleichzeitig ist Österreich im Allgemeinen und Tirol im Speziellen Teil eines globalen Netzwerks. Medikamente „made in Austria“ werden weltweit eingesetzt – und auch in Österreich werden damit jährlich hunderttausende Patient*innen erreicht.

TEXT: MARINA BERNARDI

n Kundl und Schaftenau betreibt der Pharmakonzern Novartis einen der größten Biotech-Hubs seines weltweiten Netzwerks. Rund 3.300 Menschen arbeiten in Österreich für das Unternehmen, viele davon am Standort Tirol. Von hier aus gehen Medikamente in alle Welt – entwickelt, produziert und verpackt mitten in den Alpen. Novartis fokussiert sich dabei bewusst auf sein Kerngeschäft, bestehend aus Innovation und bahnbrechenden Therapien im Biologika-Bereich. „Novartis hat sich zum Ziel gesetzt, die Medizin neu zu denken, um das Leben von Menschen zu verbessern und zu verlängern“, beschreibt Catherine Emond, seit April 2025 Country President in Österreich und als solche maßgeblich für die strategische Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich: „Wir wollen mit wissenschaftlich fundierter Innovation Lösungen für einige der schwierigsten Gesundheitsprobleme unserer Gesellschaft finden.“ Innovation entsteht jedoch nicht isoliert im Labor. Sie entsteht, wenn Forschung, Entwicklung und Produktion eng zusammenarbeiten. Genau diese Verbindung greift der Standort Kundl/Schaftenau auf. „Wir sind im laufenden intensiven Austausch mit medizinischen Expert*innen und arbeiten mit Universitäten und Forschungsinstituten zusammen. Denn nur gemeinsam können wir bessere Lösungen für Patient*innen finden und die medizinische Praxis nachhaltig verändern“, so Emond.

INNOVATIVE THERAPIEN

„MADE IN AUSTRIA“

Diese enge Verzahnung entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist einer der Gründe, warum Tirol für den Pharmakonzern strategisch bedeutend bleibt. In den vergangenen zehn Jahren investierte Novartis

am heimischen Standort rund 1,6 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, Produktion und Nachhaltigkeit. Und auch der gesellschaftliche Einfluss ist groß. Rund 713.000 Menschen und damit rund zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung profitieren von Novartis-Medikamenten. Damit wurden laut der internationalen Maßeinheit QALY (Qualitätskorrigierte Lebensjahre), die angibt, wie viele Lebensjahre Patient*innen durch einen besseren Gesundheitszustand gewonnen haben, über 7.200 zusätzliche gesunde Lebensjahre ermöglicht. Gleichzeitig trägt das Unternehmen jährlich einen bedeutenden Beitrag zum regionalen BIP bei. „Der Campus in Tirol ist für Novartis strategisch enorm wichtig. Unsere Anlagen in Kundl und in Schaftenau gehören zu den größten und technologisch führenden biopharmazeutischen Standorten im Novartis-Netzwerk weltweit“, bekräftigt Roland Gander, Ge-

„Unsere Werte inspiriert, neugierig, selbstständig und Integrität ziehen sich durch unser gesamtes Tun, um das Leben von Menschen zu verlängern und zu verbessern.“

schäftsführer des Campus Kundl/Schaftenau bei Novartis Österreich. Tatsächlich wird hier ein Großteil der modernen biopharmazeutischen Wirkstoffe erforscht und entwickelt.

Seit der Abspaltung der Generika-Sparte Sandoz im Jahr 2023 konzentriert sich Novartis vollständig auf innovative Therapien in den medizinischen Kernbereichen Herz-, Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen, Immunologie, Neurologie und Onkologie. Dazu gehören moderne Biologika – also biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, die zur Behandlung von Krebs oder Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose Anwendung finden. Diese hochkomplexen Präparate kommen vor allem dann zum Einsatz, wo klassische Medikamente an ihre Grenzen stoßen. „Dort kann Innovation den größten Unterschied machen“, glaubt Emond. Dabei geht es nicht nur um neue Medikamente, sondern zunehmend auch um innovative Technologieplattformen. Auch künstliche Intelligenz spielt dabei eine wachsende Rolle. Sie hilft dabei, große Datenmengen zu analysieren, potenzielle Wirkstoffe zu identifizieren oder Produktionsprozesse effizienter zu gestalten.

Ein wesentlicher Meilenstein war zuletzt der Ausbau der Produktionskapazitäten: Ende Oktober 2025 ging die neue Zellkulturanlage in Kundl in Betrieb. Zusammen mit der Schwesteranlage im nahen Schaftenau, die 2024 eröffnet wurde, umfasste das Investitionsprogramm rund 500 Millionen

Mit rund 3.300 Mitarbeiter*innen an drei Standorten gehört Novartis zu den führenden Pharmaunternehmen Österreichs.

Euro. „Mit diesem Investment haben wir nicht nur den Standort gestärkt, sondern auch unsere Fähigkeit gesichert, im großen Maßstab zu produzieren“, sagt Gander.

V ERANTWORTUNG, DIE

W IRKUNG ZEIGT

Nachhaltigkeit ist für Novartis kein Schlagwort, sondern ein langfristiger Auftrag, der tief im Selbstverständnis verankert ist. Als globales Unternehmen erkenne man seine große Verantwortung und die noch größere Chance, eine positive gesellschaftliche Veränderung voranzutreiben – für Patient*innen, Mitarbeitende, die Region und künftige Generationen. Deshalb verfolgt das Unternehmen einen klaren ESG-Ansatz, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Faktoren bewusst miteinander verknüpft und der im täglichen Tun sichtbar wird. „In Österreich setzen wir auf modernste Technologien und innovative Ansätze, um umweltfreundliche Lösungen zu fördern und unseren ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Gemeinsam mit unseren Partner*innen und der Gemeinschaft streben wir danach, eine gesündere und nachhaltigere Zukunft zu gestalten“, betont Roland Gander.

Nachhaltigkeit habe dabei „viele Facetten“ – von Energieeffizienz über Kreislaufprozesse bis hin zu sozialer Verantwortung. Bereits seit 2014 stammen in Kundl und Schaftenau 100 Prozent des benötigten Stroms aus erneuerbaren Energien. So erzeugen die Photovoltaikanlagen in Schaftenau jährlich rund 211.000 kWh Solarstrom – genug, um den Energiebedarf von etwa 60 Vier-Personen-Haushalten zu decken. Gleichzeitig wurden neue Produktionsanlagen implementiert, die 40 Prozent weniger thermische Energie verbrauchen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion des CO₂‑Ausstoßes leisten. Seit 2026 wird zudem der an den Standorten benötigte Dampf vollständig CO₂ frei durch elektrobetriebene Kessel erzeugt. Auch im Bereich der Kreislaufwirtschaft setzt Novartis Maßstäbe: In Schaftenau werden rund 80 Prozent der eingesetzten Lösungsmittel recycelt und unmittelbar wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt. Für seine umfassenden Bemühungen erhielt das Unternehmen eine doppelte „A“-Bewertung für Klima- und Wassersicherheit – eine der höchsten Auszeichnungen globaler Nachhaltigkeitsratings. Gleichzeitig wurde in Kundl die erste barrierefreie Produktionsstätte Österreichs errichtet, ein Bekenntnis zu einem Arbeitsumfeld, das für alle zugänglich

„Innovation entsteht letztlich durch Menschen. Deshalb investieren wir gezielt in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter*innen.“
ROLAND GANDER

NOVARTIS ÖSTERREICH

Standorte: Kundl, Schaftenau, Wien Mitarbeiter*innen: 3.300 Forscher*innen: 540 Jahresumsatz 2024: 1,9 Mrd. Euro F&E-Ausgaben 2024: 160 Mio. Euro

Tirol ist für Novartis die zentrale Drehscheibe für die Entwicklung und Herstellung innovativer Biologika und spielt eine Schlüsselrolle im globalen Novartis-Netzwerk. Während Kundl als Kompetenzzentrum für Zellkulturtechnologie gilt, das Wirkstoffe wie rekombinante Proteine, monoklonale Antikörper, DNA-Plasmide und mRNA entwickelt und produziert, verfügt Schaftenau über höchste End-to-End-Expertise von der Entwicklung bis zur finalen Produktion biotechnologischer Arzneimittel. Auch der ökonomische Einfluss von Novartis Österreich ist enorm. So trägt das Unternehmen rund 1,6 Milliarden Euro zum österreichischen BIP bei.

ist. „Als produzierendes Unternehmen in Tirol sind uns Umweltstandards und soziale Verantwortung besonders wichtig“, unterstreicht Gander. „Wir sind stolz darauf, dass es uns in den vergangenen Jahren gelungen ist, unseren ökologischen Fußabdruck in Österreich weiter zu senken. Durch eine konsequent gelebte Umweltpolitik wollen wir das Vertrauen der Gesellschaft weiter stärken.“ Dieses Vertrauen sei entscheidend, so Gander, „um innovative Wege zu finden, damit Menschen ein besseres und längeres Leben führen können.“

S TANDORTFAKTOR

M ITARBEITER*INNEN

Dass Novartis in Tirol derart stark verankert ist, hat mehrere Gründe. Neben dem engen Netzwerk an Universitäten, Forschungseinrichtungen und regionalen Partnerunternehmen sind es die lange industrielle Tradition und vor allem gut ausgebildete Fachkräfte. „Wir profitieren in Österreich von einem starken Bildungsund Forschungssystem. Die Qualifikation der Menschen hier ist ein entscheidender Standortfaktor“, findet Gander. Novartis ist einer der größten privaten Arbeitgeber in Tirol und zählt gleichzeitig zu den größten Ausbildungsbetrieben der Region. Seit 1954 werden an den Tiroler Standorten Nachwuchstalente ausgebildet. Ob pharmazeutische Berufsbilder wie Labor- oder Chemieverfahrenstechnik oder technische Lehrstellen im Bereich Mechatronik, Elektro- oder Metalltechnik – jährlich absolvieren rund 90 Lehrlinge in fünf verschiedenen Lehrberufen ihre Ausbildung im Unternehmen. Dabei werden sie von mehr als 100 Ausbildner*innen und rund 20 Führungskräften begleitet. Die Perspektiven sind gut: Vier von fünf Lehrlingen bleiben nach ihrem Abschluss im Unternehmen. „Talente zu fördern ist ein zentrales Element unserer Unternehmenskultur. Wir bieten eine breite Palette an Ausbildungs-, Weiterbildungsund Entwicklungsmöglichkeiten – sowohl für Fachkräfte als auch für junge Talente und Quereinsteiger*innen. Unsere Mitarbeiter*innen können sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickeln: von Forschung und Entwicklung über Produktion, Qualitätssicherung und Supply Chain bis hin zu Finance, HR oder Marketing“, so Emond. Die Gesundheit der Mitarbeiter*innen ist dabei – quasi selbstredend – die Grundlage des Erfolges und integraler Bestandteil der Unternehmenskultur „Wir kümmern uns umeinander genauso wie um unsere

Forschung als Motor der Innovation

Uwe Demelbauer ist Forschungsleiter bei Novartis Österreich und spricht im Interview über den Wert von Innovation, klinische Studien und nahbare Kampagnen.

ECO.NOVA: Welche Rolle spielt Österreich für Forschung und Entwicklung bei Novartis? UWE DEMELBAUER: Österreich nimmt innerhalb des Novartis-Netzwerks eine wichtige Rolle ein. Und gleichzeitig zählt Novartis in Österreich zu den forschungsstärksten Pharmaunternehmen des Landes. Insgesamt arbeiten bei uns 540 Forscher*innen, die sich mit der Entwicklung neuer, innovativer Therapien beschäftigen. Besonders der Campus Kundl/Schaftenau hat sich in den vergangenen Jahren zu einem internationalen Zentrum für biopharmazeutische Forschung entwickelt.

Woran wird aktuell besonders intensiv geforscht? Wir konzentrieren uns generell auf Erkrankungen mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf, etwa in der Onkologie, Immunologie, bei Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- oder neurologischen Erkrankungen. Gleichzeitig entwickeln wir neue Technologieplattformen, zum Beispiel im Bereich RNA-basierter Therapien oder anderer moderner biotechnologischer Ansätze.

Welche Rolle spielen klinische Studien dabei? Klinische Studien sind ein zentraler Bestandteil der Arzneimittelentwicklung. In Österreich laufen derzeit mehr als 40 klinische Studien, an denen knapp 270 Patient*innen teilnehmen. Aktuell arbeiten wir mit 56 unterschiedlichen Forschungseinrichtungen zusammen. Solche Kooperationen sind entscheidend, um neue Therapien weiterzuentwickeln. Gleichzeitig erhalten Patient*innen dadurch frühen Zugang zu potenziell neuen Therapieformen.

Welche Herausforderungen gibt es im Bereich Forschung und Entwicklung? Medizinische Innovation ist ein langwieriger, ressourcenreicher Prozess. Sie braucht Zeit und Geld. Und Mut zum Risiko. Von der Forschung bis zur Serienreife vergehen im Schnitt neun Jahre. Und ein Großteil der Projekte scheitert. Etwa 90 Prozent der Forschungsansätze führen letztlich nicht zu einem zugelassenen Medikament. Das zeigt, wie risikoreich dieser Bereich ist. Dennoch haben wir in den vergangenen Jahren kontinuierlich hohe Summen in Forschung und Entwicklung investiert. Allein im Jahr 2024 waren es in Österreich 160 Millionen Euro. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, sind wir bereit, dieses Risiko einzugehen, da es ohne dieses Risiko keinen medizinischen Fortschritt gäbe.

Forschung scheint für viele Menschen wenig greifbar. Wie lässt sich der „Wert“ von Innovation vermitteln? Forschung ist die Grundlage für medizinischen Fortschritt. Jede neue Therapie beginnt mit einer wissenschaftlichen Idee. Und jede neue Therapie, die wir entwickeln, kann Menschen mit schweren oder chronischen Erkrankungen neue Perspektiven geben. Um zu veranschaulichen, was Innovation für jeden und jede von uns bedeuten kann, hat Novartis Österreich im vergangenen Jahr die Kampagne „Innovation für mich“ ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt dieser Kampagne stehen unterschiedliche Patient*innen, die ihre Geschichte erzählen und zeigen, wie medizinische Innovationen für Menschen mit schweren Erkrankungen einen Unterschied machen können.

„Innovation muss als Investition in die Zukunft und nicht als Kostenfaktor verstanden werden.“
UWE DEMELBAUER

Patient*innen. Dazu bieten wir ein umfassendes Paket an Leistungen, das physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden gleichermaßen berücksichtigt“, erklärt die Österreich-Präsidentin. Attraktive Benefits – von 14 Wochen bezahltem Elternurlaub über den Betriebskindergarten bis hin zu Mobilitätsangeboten wie kostenlosen Bustransfers und einer betrieblichen Zusatzpension – schaffen einen echten Mehrwert für Mitarbeitende. Diese Maßnahmen tragen wesentlich dazu bei, dass Novartis Österreich seit vielen Jahren vom unabhängigen Top Employer Institut ausgezeichnet wird. Außerdem darf das Unternehmen das Prädikat „Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb“ sowie das Gütesiegel „Wir sind inklusiv“ tragen, das Firmen würdigt, die Menschen mit Behinderungen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen nachhaltig beschäftigen oder ausbilden. Zudem ist der Standort stark international geprägt. Menschen aus über 70 Nationen arbeiten in Österreich zusammen. Eine Vielfalt, die laut Emond entscheidend ist: „Sie bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen und genau daraus entstehen oft die besten Ideen.“

Werden unsere Kleinen je gehen können?

Wir wissen es nicht, denn sie wurden mit Spinaler Muskelatrophie geboren. Doch dank medizinischer Innovationen können wir daran glauben.

Unsere Geschichte:

STANDORTAGENTUR TIROL

Über 1.800 Menschen, großteils Kinder, erlebten das Thema Innovation beim Kids Innovation Day. Zahlreiche Mitmachstationen luden zum Ausprobieren ein.

IDEEN VERSETZEN BERGE

Rund 4.000 Teilnehmer*innen, über 30 Veranstaltungen und ein Ziel: Die Tiroler Innovationswoche 2026 machte sichtbar, wie Innovation im Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft entsteht.

Was treibt Tirols Wirtschaft von morgen an? Was brauchen Unternehmen, um auch in Zukunft erfolgreich zu wirtschaften? Und wie gelingt es ihnen, sich gegenüber der immer stärker werdenden Konkurrenz aus dem In- und Ausland zu behaupten? Die Antwort auf diese Fragen lautet: Innovation! Denn Innovation ist die treibende Kraft, um das Wachstum sowie die Widerstandskraft von Unternehmen zu steigern. „Und Tirols Unternehmen sind die treibende Kraft von Innovation“, betont Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol.

Gerade für Tirols vielfältige Wirtschaftsstruktur – von international tätigen Leitbetrieben bis hin zu hochspezialisierten Nischenunternehmen – ist Innovationskraft ein entscheidender Erfolgsfaktor. Sie ermöglicht es, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, neue Märkte zu erschließen und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei zeigt sich immer deutlicher: Innovation gelingt am besten dort, wo sie kooperativ, branchenübergreifend und im Schulterschluss

zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft stattfindet.

VERNETZUNG FÖRDERT INNOVATION

Ende März fand die dritte Ausgabe der Tiroler Innovationswoche statt. Unter dem

Motto „Ideen versetzen Berge“ wurde deutlich, was es braucht, damit Innovation entstehen kann. Neben Engagement, Wissen und Ideen braucht es auch die Vernetzung zwischen Unternehmen untereinander sowie mit Forschung und Wissenschaft. Die Standortagentur Tirol übernimmt hierbei

Die Agrarmarketing Tirol zeigte, wie Drohnen die Landwirtschaft innovieren.

STANDORTAGENTUR TIROL

„INNOVATION ENTSTEHT DORT, WO MENSCHEN, WISSEN UND IDEEN ZUSAMMENKOMMEN.“

eine Schlüsselrolle. Sie fungiert als Vernetzerin zwischen Betrieben, Forschung und öffentlichen Institutionen. Mit ihren Services trägt sie maßgeblich dazu bei, Innovationsprozesse anzustoßen und zu begleiten.

Die Tiroler Innovationswoche zeigt eindrucksvoll, welche Ideen und Player die Innovationslandschaft Tirols prägen. In den drei Jahren ihres Bestehens hat sich die Innovationswoche zu einer wichtigen Plattform für Innovationskraft und Zusammenarbeit entwickelt. Dass Innovation nicht nur in Labors und Unternehmen stattfindet, sondern die gesamte Gesellschaft betrifft, ist eine ihrer zentralen Botschaften. Sie schafft Bewusstsein dafür, dass neue Ideen und Technologien unser aller Zukunft gestalten – und dass es dafür Offenheit, Mut und Zusammenarbeit braucht.

BEGEISTERUNG FÜR INNOVATION STÄRKEN

Den Auftakt zur diesjährigen Innovationswoche bildete der Tiroler Innovationstag im BTV-Stadtforum in Innsbruck. Über 200 Teilnehmer*innen nutzten die Gelegenheit, sich zu vernetzen und neue Perspektiven kennenzulernen. Fachimpulse und Keynotes zeigten, wie eng Innovation mit menschlichen Beziehungen, Kreativität und offenen

Denkprozessen verknüpft ist. Ein weiteres Highlight war der digital.tirol-Impulstag, der sich ganz dem Thema Künstliche Intelligenz widmete. Von strategischen Fragen über rechtliche Rahmenbedingungen bis hin zu praktischen Umsetzungen wurde deutlich: Digitalisierung und KI sind zentrale Treiber für Innovation, immer vorausgesetzt, sie werden verantwortungsvoll und zielgerichtet eingesetzt.

Besonders eindrucksvoll zeigte sich die Innovationswoche dort, wo sie die jüngste Generation erreichte. Der Kids Innovation Day verwandelte das Glashaus beim DEZ in ein lebendiges Zukunftslabor. Über 1.800 Besucher*innen experimentierten an interaktiven Stationen mit Robotik, Künstlicher Intelligenz, Weltraumforschung und Biotechnologie. Hier wurde Innovation greifbar und Begeisterung geweckt – ein entscheidender Schritt, um langfristig Innovationskultur zu fördern. „Die Tiroler Innovationswoche hat einmal mehr gezeigt, dass Innovation an der Schnittstelle von Menschen, Wissen und Ideen entsteht“, resümiert Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol. Die Woche hat nicht nur Impulse für Unternehmen gesetzt, sondern auch Menschen zusammengebracht, die Tirols Zukunft aktiv mitgestalten wollen. www.standort-tirol.at PR

Beim digital.tirol-Impulstag diskutierten Expert*innen den sinnvollen und rechtssicheren Einsatz von KI.

DREI FRAGEN AN MARCUS HOFER, GESCHÄFTSFÜHRER DER STANDORTAGENTUR TIROL:

Warum ist Innovation so wichtig für Tirols Unternehmen? MARCUS HOFER: Innovation ist der Schlüssel, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Gerade in einem dynamischen Umfeld wie Tirol müssen Unternehmen laufend neue Lösungen entwickeln. Innovative Betriebe sichern nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern stärken den gesamten Wirtschaftsstandort. Das wirkt sich direkt auf Arbeitsplätze, Wohlstand und die Lebensqualität in Tirol aus.

Wie unterstützt die Standortagentur Tirol Unternehmen dabei? Wir verstehen uns als zentrale Anlaufstelle für Innovations- und Wirtschaftsfragen im Land. Unser Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, innovativer zu werden und neue Chancen zu nutzen. Denn Innovation entsteht dort, wo Menschen, Wissen und Ideen zusammenkommen. Und genau dafür schaffen wir die idealen Rahmenbedingungen – durch gezielte Beratung, passgenaue Services und Vernetzung.

Wie stärkt die Standortagentur Tirol den Wirtschaftsstandort? Als Teil der Lebensraum Tirol Gruppe arbeiten wir daran, die Attraktivität des Standorts im Einklang mit ökologischen Interessen weiterzuentwickeln. Wir fördern gezielt Forschung und Innovation, treiben das Start-up-Ökosystem voran und unterstützen Unternehmen beim Wachstum. Dadurch entstehen neue Arbeitsplätze und bestehende werden gesichert, wodurch Tirol ein wettbewerbsfähiger und lebenswerter Standort für die Zukunft bleibt.

Finanzen

VERANLAGEN & VERSICHERN

FINANZ - ÜBERBLICK

Ein aktueller Überblick der Oesterreichischen Nationalbank/OeNB zeigt, wie sich Zinssätze, Kredite, Sparverhalten und der Wohnimmobilienmarkt zuletzt entwickelt haben. 2025 hat sich die Zinssituation dabei spürbar entspannt. Nach den Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank/EZB gingen vor allem die Zinssätze für variable Kredite zurück, die Fixzinsen indes blieben weitgehend stabil. Folglich wurden neue Wohnbaukredite im Schnitt zu 3,39 Prozent vergeben und damit nur geringfügig günstiger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig zog die Nachfrage wieder an: Mit 17 Milliarden Euro lag das Volumen neu vergebener Wohnbaukredite deutlich über den beiden Vorjahren, blieb jedoch weiterhin unter dem Niveau der Niedrigzinsphase. Auffällig bleibt der Sicherheitsgedanke der Haushalte: 86 Prozent der neu abgeschlossenen Wohnbaukredite hatten 2025 eine Zinsbindung. Auch Unternehmen profitierten von etwas günstigeren Finanzierungskosten. Neue Unternehmenskredite wurden im Schnitt zu 3,40 Prozent vergeben, wobei hier variable Finanzierungen weiterhin dominieren. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach langfristigen Krediten wieder, was auf eine zunehmende Investitionstätigkeit hindeutet. Auf der Sparseite zeigte sich quasi naturgemäß ein anderes Bild. Während Kredite zum Teil günstiger wurden, sanken die Sparzinsen deutlich. Das macht klassische Einlagen weniger attraktiv, weshalb Haushalte vermehrt in Wertpapiere wie Investmentfonds und (nachhaltige) Anleihen investierten. Am Immobilienmarkt bleiben vor allem die regionalen Unterschiede erheblich. Seit der Pandemie sind die Preise österreicheweit im ländlichen Raum stärker gestiegen als in städtischen Regionen. Zudem reagieren vor allem günstige, häufig gebrauchte Immobilien stärker auf Zinsänderungen, während Preise im hochpreisigen Segment vergleichsweise wenig nach unten reagieren.

Claudia Höller mit ihren Vorstandskollegen Andreas Stadler (li.) sowie Markus Hildmann und Aufsichtsratsvorsitzendem Wilfried Stauder (re.)

WIEDER KOMPLETT

Wie vorgesehen komplettiert Claudia Höller seit März 2026 den 3er-Vorstand der Hypo Tirol. Die erfahrene Bankerin aus dem Bezirk Kitzbühel übernimmt das Resort Risikomanagement und Finanzen und wird künftig auch als Vorstandssprecherin agieren. Höller ist seit 1991 im Bankensektor tätig und war Risiko- und Finanzvorständin sowohl bei der Erste Bank der Österreichischen Sparkassen AG und der Tiroler Sparkassen AG. Zuletzt war sie Vorstandsmitglied der BKS Bank in Kärnten.

Gerhard Cramer, Geschäftsführer Raiffeisen Immobilien Tirol, Raiffeisen-Research-Seniorökonom Matthias Reith und Thomas Wass, Vorstandsvorsitzender der RLB Tirol

LEISTBARER, ABER TEUER

Der Immobilienpreis dreht laut Raiffeisen Research langsam wieder in Aufwärtsrichtung. Nach der Preiskorrektur im Schritttempo – Wohneigentum ist zwischen Q3/22 und Q4/24 um fünf Prozent billiger geworden – sind die Immobilienpreise 2025 österreichweit um ein Prozent nach oben geklettert. Steigende Einkommen, eine wachsende Bevölkerung und sinkende Fertigstellungszahlen sprechen für weiter steigende Preise, auch wenn hohe Zinsen einen neuen Boom bremsen. Für heuer wird ein Plus von 2,5 Prozent erwartet. Tirol bleibt dabei einer der teuersten Immobilienmärkte Österreichs, wobei die Preisentwicklung innerhalb des Bundeslands unterschiedlich verläuft. Gleichzeitig rücken Bestandsimmobilien stärker in den Fokus: Sanierungen sowie energieeffiziente Gebäude gewinnen angesichts hoher Baukosten und Zinsen zunehmend an Bedeutung.

btv.at/nachhaltigegeldanlage

Unser Geld in unserer Welt

Investieren mit Geist und Haltung bedeutet: Ressourcen schonen, sozial handeln und faire Geschäfte tätigen.

Das wirkt und bewirkt!

ZWISCHEN WUNSCH UND REALITÄT

Die Vorsorgestudie 2026 von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen zeigt: Immer mehr Menschen in Tirol zweifeln an einer ausreichend hohen staatlichen Pension und fürchten, im Alter weiter arbeiten zu müssen. Besonders für Frauen wird finanzielle Unsicherheit ganz generell zur Belastung, wie eine Studie zum Weltfrauentag befand.

35 %

DER TIROLER*INNEN BLICKEN MIT SKEPSIS IN DE KURZFRISTIGE ZUKUNFT.

31 % MIT ZUVERSICHT, 30 % MIT SORGE

89 %

EMPFINDEN FINANZIELLE VORSORGE ALS WICHTIG.

2.023 €

GLAUBEN DIE BEFRAGTEN IM SCHNITT AN SPÄTERER BRUTTOPENSION ZU ERHALTEN.

MÄNNER: 2.254 EURO / FRAUEN: 1.748 EURO

86 %

SEHEN EINE MÖGLICHST FRÜHZEITIGE PRIVATE VORSORGE ALS WIRKUNGSVOLLE MASSNAHME GEGEN ALTERSARMUT AN.

79 % HALTEN EINE UMFASSENDE FINANZIELLE STAATLICHE FÖRDERUNG DER PRIVATEN ALTERSVORSORGE FÜR SINNVOLL. 72 % DENKEN, IMMER VOLLZEIT ZU ARBEITEN HILFT, DAMIT DIE PENSION (SPÄTER) HÖHER IST.

62 %

DER TIROLER*INNEN BEFÜRCHTEN EINE VERSCHLECHTERUNG IHRER WIRTSCHAFTLICHEN VERHÄLTNISSE UND LEBENSQUALITÄT IN DEN KOMMENDEN MONATEN.

55 %

SIND MIT IHREM PENSIONSKONTOGUTHABEN ZUFRIEDEN.

ALLERDINGS WEISS NUR JEDER ZWEITE ÜBER SEIN PENSIONSKONTO-GUTHABEN ÜBERHAUPT BESCHEID.

74 %

DER TIROLER*INNEN GLAUBEN, DASS IHRE STAATLICHE PENSION SPÄTER EINMAL NICHT AUSREICHEND HOCH SEIN WIRD.

DAS SIND UM 12 PROZENTPUNKTE MEHR ALS NOCH 2024. 40 % SCHÄTZEN DESHALB IHR EIGENES RISIKO, VON ALTERSARMUT BETROFFEN ZU SEIN, ALS HOCH EIN.

69 %

GEHEN DAVON AUS, DASS SIE IN DER PENSION ARBEITEN MÜSSEN (VOLLZEIT, TEILZEIT, GERINGFÜGIG), UM SICH DEN GEWÜNSCHTEN LEBENSSTANDARD AUCH IM ALTER ERHALTEN ZU KÖNNEN.

48 %

DER TIROLER*INNEN IM ALTER VON 16 BIS 65 JAHREN HABEN KEINE PENSIONSODER LEBENSVERSICHERUNG ABGESCHLOSSEN.

225 €

LEGEN ÖSTERREICHER*INNEN IM SCHNITT PRO MONAT FÜR IHRE PRIVATE FINANZIELLE PENSIONSVORSORGE ZUR SEITE.

MÄNNER: 265 EURO / FRAUEN: 179 EURO

BELIEBTE VORSORGEINSTRUMENTE

57 % Sparkonto

38 % Lebensversicherung

28 % Wertpapiere

21 % Fondssparpläne

21 % Bausparen

16 % Gold/Edelmetalle

10 % Immobilien

40,3 %

BETRUG DER GENDER PENSION GAP IM JAHR 2024.

DER GENDER PAY GAP LAG BEI 18,3 %

42 %

DER FRAUEN BEZEICHNEN IHR INTERESSE AN FINANZFRAGEN ALS HOCH.

BEI MÄNNERN SIND ES 62 %.

19 %

DER FRAUEN STUFEN IHR FINANZWISSEN ALS HOCH EIN. BEI MÄNNERN SIND ES 37 %.

61 %

DER FRAUEN BEVORZUGEN SICHERHEIT BEIM ANLEGEN, AUCH WENN SIE DAFÜR AUF RENDITE VERZICHTEN MÜSSEN.

MÄNNER WÄHLEN DEUTLICH ÖFTER EIN AUSGEWOGENES ODER RENDITEORIENTIERTES PROFIL.

35 %

DER FRAUEN GLAUBEN, DASS FINANZIELLE UNSICHERHEIT DIE MENTALE GESUNDHEIT BEEINFLUSSEN KANN.

35 %

DER FRAUEN GLAUBEN, DASS SIE SICH MEHR UM IHRE FINANZIELLE ZUKUNFT SORGEN ALS MÄNNER.

14 % DER MÄNNER SIND AUCH DIESER MEINUNG.

DIE BASIS FÜRKLUGE ENTSCHEI DUNGEN

Beim Finanzwissen geht es nicht um reines Zahlenverständnis. Es ist eine zentrale Kompetenz für selbstbestimmte Entscheidungen und ein Schlüssel zu finanziellem Wohlbefinden. Finanzbildung ist keine Garantie dafür, die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen, schafft jedoch die Voraussetzung, überhaupt fundiert wählen zu können.

TEXT: MARINA BERNARDI

inanzielle Entscheidungen begleiten uns ein Leben lang und sie beginnen früher, als man denkt. Streng genommen setzen sie ein, sobald wir ein Gefühl für Knappheit und Auswahl entwickeln. Das geschieht oft schon im Vorschulalter. Die Entwicklungspsychologie zeigt, dass Kinder früh verstehen: „Ich kann nicht alles haben“ und „Ich muss mich entscheiden“. Bereits die Jüngsten treffen somit ökonomische Entscheidungen, auch wenn sie nicht so benannt werden. Ein klassisches Beispiel ist das bekannte Marshmallow-Experiment: Ein Kind kann sofort ein Marshmallow bekommen oder warten und später zwei kriegen. Gegenwart oder Zukunft? Konsum oder Investition? Spätestens im Grundschulalter, wenn Kinder Taschengeld bekommen, sparen oder impulsiv ausgeben, bewegt man sich nahe an dem, was wir als „Finanzen“ bezeichnen. Der Umgang mit Geld wird also nicht erst im Erwachsenenalter erlernt, sondern baut auf Mustern auf, die wir schon früh entwickeln.

Die meisten Entscheidungen fallen dabei unspektakulär: beim Abschluss eines Handyvertrags oder einem spontanen Einkauf. Nichts, was nach großer Finanzentscheidung klingt, und doch prägen gerade diese unscheinbaren Momente unsere finanzielle Zukunft, unseren Umgang mit Krediten, beim Vermögensaufbau, bei der ersten eigenen Wohnung oder der Altersvorsorge. Wer bewusst entscheidet, ist klar im Vorteil. Genau hier beginnt Finanzbildung, nicht als Schlagwort oder schulisches Randthema, sondern als grundlegende Fähigkeit, sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden und die eigenen Interessen im Blick zu behalten.

Mitte März waren mit der Verhaltensökonomin Chiara Lari und dem Wirtschaftspsychologen Maximilian Zieser zwei Forscher der Oesterreichischen Nationalbank in deren Zweigstelle in Innsbruck zu Gast, um genau darüber zu sprechen.

VERSTEHEN, HANDELN, HALTUNG

Finanzbildung hat sich im Laufe der Zeit von einer einfachen Idee zu einem internationalen Bildungs- und Forschungsfeld entwickelt, wobei die Datenlage in Österreich (noch) vergleichsweise unspezifisch ist. Auf den

FINANZBILDUNG BEGINNT DORT, WO MAN SICH ZUTRAUT, EINE FRAGE ZU STELLEN UND EINE EIGENE ANTWORT DARAUF

ZU FINDEN.

ersten Blick scheint es einfach: sich mit Geld auszukennen, Zinsen zu verstehen, Inflation einzuordnen oder zu wissen, was ein ETF ist. Doch so greifbar diese Themen sind, so sind sie nur ein Teil des Ganzen. Internationale Organisationen wie die OECD definieren Financial Literacy als einen Prozess, in dem Verbraucher*innen ihr Verständnis für Finanzprodukte, Konzepte und Risiken vertiefen. Durch Information, Anleitung und Beratung entwickeln sie Kompetenz und Selbstvertrauen, um Chancen und Risiken einzuschätzen, fundierte Entscheidungen zu treffen und ihr finanzielles Wohlergehen (Financial Wellbeing) zu verbessern. Finanzbildung ist damit ein Zusammenspiel aus Kenntnissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Verhalten. Es geht nicht nur darum, etwas zu verstehen, sondern auch darum, wie wir dieses Verständnis im Alltag nutzen. Viele Menschen wissen beispielsweise, dass Sparen sinnvoll ist, Schulden teuer sein können oder langfristiges Investieren Vorteile bringt – und handeln dennoch anders. Der Grund liegt

nicht nur in fehlender Information, sondern in unseren Entscheidungsmechanismen. Die Verhaltensökonomie zeigt: Menschen handeln nicht immer rational, insbesondere dann nicht, wenn Situationen komplex werden. Finanzbildung bedeutet daher auch, sich dieser Muster bewusst zu werden und ihnen aktiv entgegenzuwirken.

Gleichzeitig eröffnen digitale Finanzprodukte, neue Anlageformen und der einfache Zugang zu – teils teuren – Krediten immer wieder neue Möglichkeiten, bergen aber auch Risiken. Wer die Spielregeln nicht kennt, entscheidet oft auf Basis von Intuition oder Halbwissen. Studien zeigen, dass höhere Finanzkompetenz mit besseren finanziellen Entscheidungen korreliert. Informierte Menschen sparen bewusster, investieren strukturierter und geraten seltener in problematische Verschuldung. Finanzbildung allein hilft zwar nicht, schafft aber die Grundlage für fundierte Entscheidungen, Unabhängigkeit und langfristige Planung. Und eröffnet damit Handlungsspielräume.

WER GUT INFORMIERT IST, ENTSCHEIDET NICHT NUR BEWUSSTER, SONDERN AUCH FREIER.

FINANZIELLES WOHLBEFINDEN

Lange Zeit stand bei Finanzbildung vor allem die Vermittlung von Inhalten und Wissen im Vordergrund. Heute rückt stärker in den Fokus, was diese bewirken sollen: finanzielles Wohlbefinden nämlich. Gemeint ist damit nicht Reichtum oder maximales Vermögen, sondern ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle über die eigenen Finanzen, die Fähigkeit, laufende Ausgaben zu decken, unerwartete Ereignisse abzufedern und für die Zukunft vorzusorgen. Damit wird deutlich: Finanzbildung ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um genau dieses Wohlbefinden zu erreichen.

Österreich ist in Sachen Finanzbildung im internationalen Vergleich erstaunlich gut aufgestellt und liegt in aktuellen Erhebungen im Spitzenfeld knapp hinter Deutschland. Gleichzeitig zeigen solche Rankings, wie schwierig es ist, Finanzkompetenz überhaupt zu messen, denn je nach Fragestellung und Methodik können die Ergebnisse deutlich variieren. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede spielen ihre Rolle. Studien zeigen, dass Frauen ihre eigenen Kenntnisse häufig niedriger einschätzen als Männer – unabhängig vom tatsächlichen Niveau. Diese Selbsteinschätzung hat Konsequenzen: Frauen investieren seltener, agieren risikoaverser und beschäftigen sich insgesamt weniger aktiv mit Finanzthemen. Im Ergebnis sind sie häufiger von finanzieller Unsicherheit im Alter betroffen, nicht zuletzt aufgrund

FINANZBILDUNG FÜR SCHULEN

Die Initiative „Finanzbildung für Schulen“ verfolgt das Ziel, bereits frühzeitig finanzielle Kompetenzen zu vermitteln und so einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu fördern. Träger ist der gemeinnützige Österreichische Verband Financial Planners, der bewusst einen anbieterund produktneutralen Ansatz verfolgt und sich damit von vielen anderen Initiativen mit Eigeninteressen abgrenzt. Das zugrunde liegende Konzept wurde 2019 von Otto Lucius entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien unter der Leitung von Bettina Fuhrmann didaktisch ausgearbeitet. Es richtet sich mit altersgerechten Inhalten an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I und II. Die Umsetzung erfolgt durch rund 60 zertifizierte Finanzexpert*innen (EFA®/CFP®), die sich einem strengen Verhaltenskodex verpflichtet haben und ihre Tätigkeit pro bono, also unentgeltlich, ausüben. Zusätzlich wurden alle Beteiligten in speziellen Didaktikworkshops auf ihren Einsatz vorbereitet. Das Angebot ist für alle Schultypen kostenlos und kann unkompliziert per E-Mail mit dem Betreff „Finanzbildung“ unter office@ afp.or.at angefragt werden.

Die Plattform „Wirtschaft erleben“ stellt außerdem kostenlos qualitätsgeprüfte Lehr- und Lernmaterialien für Lehrkräfte in ganz Österreich zur Vermittlung von Wirtschafts-, Finanzund Zukunftskompetenzen in der Sekundarstufe I zur Verfügung. www.wirtschaft-erleben.at

struktureller Faktoren wie Teilzeitarbeit oder Einkommensunterschieden. Der Gender Pay Gap führt unweigerlich zu einem noch größeren Gender Pension Gap. Die Praxis zeigt dabei jedoch ein etwas differenzierteres Bild: In reinen Frauengruppen, etwa bei speziell konzipierten Finanzveranstaltungen, werden häufig besonders reflektierte und präzise Fragen gestellt. Es fehlt also weniger an Interesse oder Fähigkeit, sondern oft am passenden Rahmen. Finanzbildung ist daher nicht nur eine Frage des Angebots, sondern auch der Ansprache. Wer sich nicht angesprochen fühlt, nimmt Angebote seltener wahr, unabhängig von deren Qualität.

Bleibt die Frage, was Finanzbildung konkret bewirken kann. Klassische Bildungsangebote verbessern nachweislich das Verständnis. Ob sie automatisch zu besseren Entscheidungen führen, ist weniger eindeutig. Was man weiß: Besonders wirksam sind Ansätze, die mehrere Ebenen verbinden: verständliche Inhalte, praktische Anwendung und ein Bewusstsein für subtile Entscheidungsbeeinflussungen, die im Übrigen nicht zwangsläufig negativ sein müssen. Dazu zählen unter anderem sogenannte „Nudges“, kleine verhaltensökonomische Impulse, die bessere Entscheidungen erleichtern, ohne sie vorzuschreiben. Ein Beispiel sind voreingestellte Optionen (Defaults), bei denen Nutzer*innen aktiv widersprechen müssen (Opt-out), etwa bei der automatischen Anmeldung in betriebliche Altersvorsorgesysteme. Ein weiterer Ansatz ist Vereinfachung: Finanzprodukte werden so gestaltet, dass sie leichter verständlich und nutzbar sind, um Entscheidungsmüdigkeit zu vermeiden. Für nachhaltige Wirkung braucht es also nicht nur verständliche Inhalte, sondern auch Rahmenbedingungen, die gutes Verhalten unterstützen. Kurzum: Angebote, die nicht nur erklären, sondern ins Handeln bringen.

Finanzbildung betrifft uns alle. Sie ist eine grundlegende Alltagskompetenz und keine Spezialdisziplin für Expert*innen. Gleichzeitig ist sie eine gesellschaftliche Aufgabe. Schulen, Institutionen und private Initiativen spielen eine zentrale Rolle dabei, Inhalte zugänglich zu machen. Dabei geht es um das Zurverfügungstellen von Angeboten und im gleichen Maß um die richtige Ansprache. Möglichst niederschwellig, lebensnah und inklusiv, um auch jene zu erreichen, die sich bislang wenig damit beschäftigt haben. finanzbildung.oenb.at

FRÜH SPAREN, KLUG STARTEN

Wie die Volksbank Tirol junge Menschen fit für die Zukunft macht.

Sparen ist der erste Schritt zu wirtschaftlicher Selbstständigkeit. Wer schon früh lernt, mit Geld umzugehen, legt ein stabiles Fundament für die Zukunft. Kinder und Jugendliche entwickeln dadurch nicht nur Verantwortungsbewusstsein, sondern auch das Verständnis, dass sich Geduld und Weitblick lohnen. Die Volksbank Tirol unterstützt sie dabei – mit passenden Jugendprodukten und einem einzigartigen Förderprogramm, das Bildung, Nachhaltigkeit und Engagement verbindet.

KIDSCARD UND TEENSCARD –CLEVER SPAREN MIT MEHRWERT Mit der KidsCard und der TeensCard begleitet die Volksbank Tirol junge Menschen auf dem Weg in ihre finanzielle Eigenständigkeit. Beide Sparkonten sind kostenlos, einfach zu bedienen und auf die jeweilige Altersgruppe abgestimmt. Sie bieten Sicherheit und Übersicht – und fördern spielerisch den verantwortungsvollen Umgang mit Geld.

Ein besonderer Anreiz: Bis 30. Juni 2026 erhalten junge Sparer*innen 3,5 Prozent Zin‑ sen auf täglich fällige Einlagen. So macht Sparen gleich doppelt Freude – und vermittelt, dass sich regelmäßiges Zurücklegen lohnt. Eltern wissen: Was Kinder früh lernen, prägt sie fürs Leben. Wer von klein auf spart, kann später klüger investieren, Ziele erreichen und Wünsche realisieren.

Für junge Kund*innen ab acht Jahren bietet die Volksbank Tirol mit dem Volksbank Aktivkonto den idealen Einstieg ins eigenständige Banking. Es ist modern, sicher und altersgerecht gestaltet – ein Konto, das mitwächst: vom ersten Taschengeld bis zum eigenen Einkommen. Damit lernen Kinder und Jugendliche früh, ihr Geld verantwortungsvoll zu verwalten.

FIT4FUTURE – DAS JUGENDFÖRDERPROGRAMM

DER VOLKSBANK TIROL Attraktive Giro- und Sparprodukte sind aber nicht alles, was die Volksbank Tirol für Kinder und Jugendliche zu bieten hat: Mit ihrem Jugendförderprogramm FIT4FUTURE setzt

die Regionalbank ein starkes Zeichen zur Weiterentwicklung von Wissen, Umweltbewusstsein, Teamgeist und regionaler Verantwortung.

Vier Programmsäulen bieten vielfältige Möglichkeiten für Schulen und Vereine in ganz Tirol:

• Jugendfinanzbildung: In kostenlosen Workshops vermittelt die Volksbank praxisnahes Finanzwissen ohne Produktwerbung – ideal für Unter- und Oberstufe. Workshops können ganz einfach per E-Mail unter jugendfinanzbildung@volksbank.tirol gebucht werden. Weitere Infos unter www. volksbankakademie.at/finanzbildung

• Naturworkshops: Schüler*innen erleben Biodiversität hautnah, begreifen ökologische Zusammenhänge und entdecken ihre Verantwortung für unsere Umwelt. Die Halbtages-Workshops sind kostenlos und können von Schulen unter naturworkshops@volksbank.tirol angefragt werden.

• Schulsponsorings: Inserate in Maturazeitungen/Jahresberichten, Maturaballsponsorings, Wettbewerbe oder Projekttage

werden von der Volksbank Tirol unterstützt. Interessierte Schulen wenden sich an schulsponsoring@volksbank.tirol

• Jugendsportförderung: Damit junge Talente ihren sportlichen Weg mutig weitergehen können, fördert die Volksbank Tirol regionale Nachwuchsvereine und Jugendsport-Events ganz unbürokratisch. Kontakt: jugendsportfoerderung@volksbank.tirol

DER FIT4FUTURE AWARD –KREATIVE IDEEN FÜR DIE ZUKUNFT

Ab Herbst 2026 können Tiroler Schüler*in‑ nen wieder ihre innovativen Projekte für den FIT4FUTURE Award einreichen. Unter dem Jahresthema „Regionalität“ werden Ideen prämiert, die die eigene Region fördern, egal ob im sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen oder ökologischen Kontext. Vergeben werden insgesamt 24.000 Euro Preisgeld in vier Tiroler Regionen – ein Anreiz, Wissen und Engagement in die Tat umzusetzen. Einen Rückblick zum FIT4FUTURE AWARD 2025 und Infos zur Neuauflage ab September 2026 gibt es unter www.fit4future.tirol PR

„UNTERNEHMERISCHE ENTSCHEIDUNGEN HÖREN NICHT AN DER HAUSTÜR AUF“

Sabine Moser, stellv. Leitung GroßKunden Innsbruck & Teamleitung Öffentliche Institutionen, und Robert Lang, Betreuer Private Banking, im Gespräch über Vermögensstrategien für Unternehmer*innen sowie den neuen dualen Beratungsansatz der Hypo Tirol.

Zwei Perspektiven, eine Strategie: Der duale Beratungsansatz der Hypo Tirol vereint Firmenkunden- und Private-Banking-Beratung für einen vernetzten Blick auf das Gesamtvermögen.

ECO.NOVA: Welche Themen stehen bei Ihren Kund*innen aktuell ganz oben auf der Agenda? SABINE MOSER: Wir beobachten derzeit drei zentrale Schwerpunkte: Erstens die Finanzierung von Zukunftsinvestitionen – insbesondere in Energie- und Ressourceneffizienz, Prozessautomatisierung und Digitalisierung. Zweitens die Frage, wie sich in einem Zinsumfeld investieren lässt, das sich nach einem Hoch wieder auf ein niedrigeres, aber noch immer erhöhtes Niveau zubewegt. Und drittens die Unternehmensnachfolge. Viele Betriebe stehen vor Übergaben, sei es innerhalb der Familie

oder an externe Käufer*innen. ROBERT LANG: Im Private Banking dominieren Themen wie Vermögensschutz, Wachstum sowie Vermögensnachfolge und -übergabe. Studien zeigen, dass ein großer Teil des Vermögens in Österreich bei der Babyboomer-Generation liegt und in den kommenden Jahrzehnten weitergegeben wird. Viele unserer Kundinnen und Kunden möchten frühzeitig klären, wie sie ihr Vermögen strukturiert, fair und steuerlich möglichst effizient an die nächste Generation übergeben können, ohne dabei die eigene finanzielle Unabhängigkeit zu gefährden.

Warum ist eine gemeinsame Beratung durch Firmenkunden- und Private-Banking-Betreuer*in gerade jetzt so wichtig?

SM: Wir erleben aktuell ein Umfeld, das für viele Unternehmen gleichzeitig herausfordernd und chancenreich ist: Die Konjunktur entwickelt sich nach zwei schwachen Jahren noch verhalten, die Inflation liegt weiterhin über früher gewohnten Werten. Zugleich lassen sich Investitionen in Energieeffizienz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit kaum noch länger aufschieben. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen daher sorgfältig kalkulieren, Finanzierungsspielräume im Blick behalten und gleichzeitig ihre persönliche finanzielle Situation absichern. An diesem Punkt greifen unternehmerische und private Entscheidungen ineinander.

Warum reicht es in dieser Situation nicht mehr aus, Unternehmens- und Privatfinanzen getrennt zu betrachten? RL: Bei vielen Unternehmerinnen und Unternehmern ist ein Großteil des Vermögens im Betrieb gebunden. Umso wichtiger ist es, gezielt Liquiditätsreserven und ein ausgewogenes Privatvermögen aufzubauen, das nicht unmittelbar an die Entwicklung des Unternehmens gekoppelt ist. Dafür braucht es eine abgestimmt Strategie – und genau hier setzen wir mit unserer Dualbetreuung an.

Wie sieht der duale Beratungsprozess konkret aus? SM: Am Anfang steht immer ein gemeinsames Gespräch mit der Unternehmerin oder dem Unternehmer. Dabei betrachten wir sowohl das Unternehmen – also Bilanz, Cashflow und Investitionspläne – als auch die private Situation: Welche Ziele gibt

„ALS BERATERTEAM VERSTEHEN

WIR UNTERNEHMERINNEN UND UNTERNEHMER IN IHRER GESAMTEN LEBENSREALITÄT.

WIR DENKEN FINANZIERUNG, LIQUIDITÄT, VERMÖGENSANLAGE, RISIKO UND NACHFOLGE GEMEINSAM.“

Sabine Moser

es für Familie, Vorsorge und Vermögen? Daraus entwickeln wir eine Gesamtstrategie. RL: Im nächsten Schritt zeigen wir transparent auf, welche Optionen es gibt – von der Strukturierung von Finanzierungen über die Gestaltung von Liquiditätsreserven bis hin zu möglichen Veranlagungsstrategien. Wir sprechen Chancen und Risiken klar an, insbesondere typische Markt-, Zins- und Bonitätsrisiken. Am Ende steht eine ganzheitliche Lösung, die zu den Zielen unserer Kund*innen und zu ihrer persönlichen Risikobereitschaft passt. Wichtig ist uns dabei: Wir treffen keine Entscheidungen für unsere Kund*innen, sondern schaffen die Grundlage, damit sie selbst fundierte Entscheidungen treffen können.

Was raten Sie Unternehmern beim Thema Unternehmensübergabe zu bedenken? SM: Der wichtigste Rat ist, früh anzufangen. Idealerweise beginnen Unternehmer*innen fünf bis zehn Jahre vor einer geplanten Übergabe damit, erste Szenarien zu prüfen – etwa eine familieninterne Nachfolge, ein Management-Buy-out oder einen Verkauf an Dritte. In Österreich stehen in den nächsten Jahren tausende Unternehmensübergaben an. Eine gute Vorbereitung entscheidet darüber, ob dieser Prozess stabil und für alle Beteiligten fair gelingt. Als Finanzpartner verantworten wir die finanzielle Strukturierung, arbeiten eng mit den Steuer- und Rechtsexperten an der Seite der Unternehmer*innen zusammen und begleiten die Umsetzung bis hin zur neuen Eigentümerstruktur. RL: Parallel dazu braucht es eine klare private Vermögensstrategie für die abgebende Generation: Wie soll der Kaufpreis oder die Abfindung eingesetzt werden? Wie ist auch nach der Übergabe ein laufendes Einkommen aus dem Unternehmen möglich? Wie werden Kinder bei der Unternehmensübergabe be-

rücksichtigt? Diese Themen verbinden wir mit Fragen der Vorsorge, Absicherung und langfristigen Vermögensanlage.

Was unterscheidet Ihre Bank als Landesbank im Eigentum des Landes Tirol? SM: Unsere Eigentümerstruktur prägt auch unser Selbstverständnis: Wir leisten einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des

Wirtschaftsstandortes Tirol und denken in längeren Zyklen als rein kurzfristig orientierte Institute. Unsere Kundenbeziehungen sind oft über Jahrzehnte gewachsen, viele Betriebe kennen wir seit Generationen. RL: Gerade im Private Banking ist dieses langfristige Vertrauen entscheidend. Kund*innen kommen mit sehr persönlichen, oft generationenübergreifenden Fragestellungen zu uns. Dass wir als Bank zuverlässig an ihrer Seite stehen und regional verankert sind, schafft Stabilität – für Unternehmen und Familien gleichermaßen.

Was ist Ihr Rat an Unternehmerinnen und Unternehmer, die jetzt einen ersten Schritt setzen wollen? SM & RL: Sprechen Sie mit uns. Bringen Sie Ihre Fragen mit, egal, ob es um eine konkrete Investition, eine geplante Übergabe oder die Struktur Ihres Vermögens geht. Wir nehmen uns Zeit, hören zu und entwickeln gemeinsam mit Ihnen einen Weg, der zu Ihrem Unternehmen, Ihrer Familie und Ihrer Zukunft passt. PR

„BETRIEBLICHE UND PRIVATE VERMÖGENSWERTE GEMEINSAM ZU DENKEN, SCHAFFT LANGFRISTIGE PERSPEKTIVEN – BESONDERS IN FAMILIENBETRIEBEN, IN DENEN BERUFLICHE UND PRIVATE ASPEKTE ENG VERFLOCHTEN SIND.“

Robert Lang

HYPO TIROL BANK AG Dualbetreuung

Meraner Straße 8 | 6020 Innsbruck T. +43 (0) 50700 service@hypotirol.com hypotirol.com/dualbetreuung

ACHTUNG BEI ORDINATIONSUND BETRIEBSÜBERGABEN

Durch eine fehlgeleitete Beratung können Vermögensschäden im fünfstelligen Bereich entstehen. Gemeint ist hier die Nachversteuerung von Gewinnfreibeträgen, die in den letzten Jahren vor der Betriebsaufgabe durch die Anschaffung von Wertpapieren lukriert werden konnten. Eine solche Nachversteuerung ist auf vollkommen legalem Wege vermeidbar. Lesen Sie hier, wie und warum.

TEXT: VERENA MARIA ERIAN, RAIMUND ELLER

Durch eine spezielle Steuerbegünstigung ist es möglich, jährlich bis zu 15 Prozent vom Gewinn vollkommen steuerfrei zu lukrieren. Bis zu einem Gewinn von 33.000 Euro ist dies ohne weitere Voraussetzungen im Ausmaß von 15 Prozent möglich. Darüber hinaus bedarf es einer Investition in neue körperliche Wirtschaftsgüter (Achtung, es gibt Ausnahmen) oder der Anschaffung bestimmter Wertpapiere. Dafür gibt es dann einen investitionsbedingten Gewinnfreibetrag in Höhe von bis zu 13 Prozent des Gewinnes. Weitere Voraussetzung ist, dass diese Positionen anschließend mindestens vier Jahre im Betriebsvermögen verbleiben.

DAS PROBLEM

Zum Zeitpunkt der Betriebsaufgabe kann bezüglich der Gewinnfreibeträge der letzten vier Jahre die geforderte Behaltefrist vom Übergeber nicht mehr zu Ende geführt werden und es kommt zu einer Nachversteuerung. Bei einer Betriebsübergabe im Ganzen werden die körperlichen Wirtschaftsgüter in der Regel vom Übernehmer übernommen. Damit wird die Nachversteuerungspflicht bzw. die restliche Behaltedauer auf den Rechtsnachfolger überbunden. Behält dieser die betreffenden Wirtschaftgüter bis zum Ablauf der verbleibenden Behaltedauer, so kommt es diesbezüg-

WENN DER NACHFOLGER AUCH DIE STEUERLICH NOCH NICHT ABGEREIFTEN WERTPAPIERE MIT ÜBERNIMMT UND JEWEILS DIE VIERJÄHRIGE BEHALTEFRIST EINHÄLT, DANN IST DIE NACHVERSTEUERUNG VOM TISCH.

lich zu keiner Nachversteuerung. Aber was ist mit den Wertpapieren?

DIE LÖSUNG

Wenn der Nachfolger auch die steuerlich noch nicht abgereiften Wertpapiere mit übernimmt und jeweils die vierjährige Behaltefrist einhält, dann ist die Nachversteuerung vom Tisch. Um daraus eine Win-win-Situation für beide Parteien zu erreichen, kann der Steuervorteil geteilt werden, indem etwa die Ablöse bzw. der Kaufpreis für die Übernahme des Betriebes entsprechend vermindert wird. Bei hängigen Gewinnfreibeträgen von zum Beispiel 120.000 Euro kann so ein Steuervorteil in Höhe von ca. 30.000 Euro lukriert werden. Davon könnte nun ein Teil als Kaufpreisminderung an den Übernehmer weitergegeben werden, womit eine Win-win-Situation entsteht und beide Parteien einen geldwerten Vorteil von mehreren tausend Euro für sich verbuchen können. In den kommenden vier Jahren werden die Papiere oder der Reinerlöse aus dem Verkauf derselbigen dann Jahr für Jahr wieder an den Übergeber zurückübertragen.

DIE FEHLGELEITETE BERATUNG

Unglaublicherweise kommt es in der Praxis mitunter vor, dass vornehmlich Berater (Steuerberater, Rechtsanwälte und Notare) der Übernehmer in dieser Lösung eine missbräuchliche Gestaltung sehen und die Übertragung von Wertpapieren blockieren. Dadurch kann ein Vermögensschaden im fünfstelligen Bereich entstehen. Hier einen Missbrauch zu erblicken, ist allein deshalb fragwürdig, als ein solcher Fall schon im Jahr 2019 vom Bundesfinanzgericht beurteilt wurde. Es ging dabei um einen Arzt, der anlässlich der Ordinationsübergabe an eine Kollegin dieser auch seine steuerhängigen Wertpapiere zusammen mit dem gesamten Betriebsvermögen übertragen hat, um eine Nachversteuerung des Gewinnfreibetrages zu vermeiden. Um die Übernehmerin nicht unnötigeweise mit einer zusätzlichen Finanzierung zum Erwerb der Papiere zu belasten,

wurde vereinbart, dass die Papiere nach Ablauf der Behaltedauer einfach von der Übernehmerin wieder auf ein Depot des Übergebers zurück übertragen werden bzw. hat die Übernehmerin die Wertpapiere später zur gegebenen Zeit verkauft und den Reinerlös an den Übergeber überwiesen.

Die Finanzbehörde zweifelte an, dass die Übernehmerin damit wirtschaftliche Eigentümerin der Wertpapiere wurde, und hat eine Nachversteuerung der diesbezüglichen Gewinnfreibeträge vorgenommen. Gegen diesen Bescheid hat der Übergeber Beschwerde beim Bundesfinanzgericht eingebracht und recht bekommen. Dort erkannte man, dass jedenfalls ein Übergang des zivilrechtlichen und des wirtschaftlichen Eigentums stattfand und der Übergeber während der Behaltedauer eben nicht wie ein Eigentümer über diese Wertpapiere verfügen konnte. Daran ändert auch die vereinbarte Rückübertragung nach Ablauf der Behaltefrist nichts, da es rechtlich nicht darauf ankommt, was mit den Wertpapieren nach Ablauf der Behaltedauer passiert.

Das Eigentumsrecht der Nachfolgerin ist in gleicher Weise eingeschränkt, wie das de facto bei jedem Eigentümer von Wirtschaftsgütern der Fall ist, für die der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag geltend gemacht wurde, um keine Nachversteuerung zu riskieren. Die Übernehmerin hielt die Papiere auf ihrem Depot und erfasste sie auch in ihrem Anlageverzeichnis. Die Gutschrift der Wertpapierzinsen erfolgte auf ein Verrechnungskonto der Übernehmerin und auch die Durchführung der Veräußerung kann nur von der Übernehmerin durch ihre Stellung als Inhaberin und Eigentümerin erfolgen. Da dies aus den gesetzlichen Bestimmungen dermaßen klar hervorgeht, wurde auch keine ordentliche Revision vor dem Verwaltungsgerichthof zugelassen.

DAS RESÜMEE

Damit sollte alles klar sein und im Sinne einer Win-win-Situation für Übergeber und Übernehmer von allen Seiten gesetzeskonform und zielführend agiert werden.

Die Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Mag. Dr. Verena Maria Erian und StB Raimund Eller

PERSONALVERRECHNUNG short facts 2026

Wir haben die wesentlichen Änderungen für Sie in Kürze zusammengefasst.

NEUE EINHEITLICHE TRINKGELDPAUSCHALEN

Mit Jahresbeginn ist eine erfreuliche Neuerung bei der Trinkgeldpauschale in Kraft getreten. Die Steuerfreiheit des ortsüblichen Trinkgeldes bleibt dabei unverändert bestehen. Neu geregelt wurde jedoch die beitragsrechtliche Behandlung. Diese wurde bundesweit vereinheitlicht und erfolgt nun pauschal nach Erwerbszweigen.

Für das Hotel- und Gastgewerbe gelten folgende monatliche Pauschalen:

• 65 Euro für Mitarbeiter*innen mit Inkasso

• 45 Euro für Mitarbeiter*innen ohne Inkasso

Trinkgelder, die über diese Pauschalen hinausgehen, werden künftig nicht mehr in die sozialversicherungsrechtliche Beitragsgrundlage einbezogen. Damit sollen Beitragsnachforderungen vermieden werden. Für bereits laufende Verfahren gilt zudem eine Generalamnestie, wodurch keine Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen anfallen.

NEUE STEUERBEFREIUNG FÜR ÜBERSTUNDEN UND FEIERTAGSARBEIT

Kurz vor dem Jahreswechsel wurde außerdem beschlossen, dass die steuerliche Begünstigung der Überstundenzuschläge wieder geändert werden soll: Ab 1. Jänner 2026 wird der monatliche steuerfreie Freibetrag für Überstundenzuschläge erhöht. Statt 120 Euro für die ersten zehn Überstundenzu-

schläge (50 %) sind künftig 170 Euro für 15 Überstundenzuschläge (50 %) steuerfrei. Dieses Zuckerl ist eine Sonderregelung und vorerst auf dieses Jahr begrenzt. Eine weitere wichtige Änderung betrifft das Feiertagsarbeitsentgelt. Dieses war aufgrund einer Entscheidung des Bundesfinanzgerichts seit 2025 steuerpflichtig zu behandeln. Durch eine neue gesetzliche Regelung wird das Feiertagsarbeitsentgelt nun dauerhaft wieder bis zu 400 Euro steuerfrei gestellt.

NEUREGELUNG DER BILDUNGSKARENZ UND BILDUNGSTEILZEIT

Beide Varianten sollen nun vor allem Arbeitnehmer*innen mit zu Beginn geringem Qualifizierungsgrad unterstützen, daher wurde auch die Weiterbildungshilfe des AMS angepasst. Ziel ist es, bessere Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen und damit Arbeitsplätze langfristig zu sichern.

Verdient man daher unter der halben Höchstbeitragsgrundlage, somit in 2026 unter 3.465 Euro brutto, so ist eine verpflichtende Bildungsberatung für die Bildungskarenz vorgeschrieben. Dabei wird ein individueller Bildungsplan erstellt, der dann

eingehalten werden muss. Voraussetzung für Bildungskarenz oder Bildungsteilzeit ist ein ununterbrochenes Dienstverhältnis von mindestens zwölf Monaten beim aktuellen Arbeitgeber. Die arbeitsrechtliche Vereinbarung muss Angaben zum bisherigen Bildungsstand, zur geplanten Bildungsmaßnahme und zu deren Ziel enthalten. Zu beachten ist außerdem, dass die Bildungskarenz oder Bildungsteilzeit nicht direkt im Anschluss an den Bezug von Kinderbetreuungsgeld oder Wochengeld beginnen kann. Bereits höher qualifizierte Arbeitnehmer*innen können ebenfalls Bildungskarenz oder Bildungsteilzeit in Anspruch nehmen. Zusätzlich zu den zwölf Monaten im aktuellen Dienstverhältnis müssen sie jedoch mindestens vier Jahre in einer arbeitslosenversicherten Beschäftigung gestanden sein. Ab einem Einkommen über der halben Höchstbeitragsgrundlage ist eine Kostenbeteiligung des Arbeitgebers vorgesehen. Bei der Bildungskarenz muss der Arbeitgeber 15 Prozent der Weiterbildungsbeihilfe übernehmen und direkt an den oder die Arbeitnehmer*in ausbezahlen, dementsprechend geringer fällt die Unterstützung durch das AMS aus. Eine geringfügige Beschäftigung während der Bildungskarenz oder Bil -

VORAUSSETZUNG FÜR BILDUNGSKARENZ ODER BILDUNGSTEILZEIT IST EIN UNUNTERBROCHENES DIENSTVERHÄLTNIS VON MINDESTENS ZWÖLF MONATEN BEIM AKTUELLEN ARBEITGEBER.

dungsteilzeit ist nur dann erlaubt, wenn diese bereits mindestens 26 Wochen vor Beginn der Bildungsmaßnahme bei einem anderen Arbeitgebenden ausgeübt wurde. Da die technische Umsetzung der Online-Antragstellung zeitaufwendig ist, wird sich der Start der neugestalteten Bildungskarenz und Bildungsteilzeit laut Angaben des AMS voraussichtlich auf Juni 2026 verschieben.

TEILPENSION AB 2026 UND ÄNDERUNGEN BEI DER ALTERSTEILZEIT

Mit Jahresanfang ermöglicht eine Teilpension älteren Arbeitnehmer*innen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren und gleichzeitig bereits einen Teil der Pension zu beziehen. Voraussetzung dafür ist ein rechtmäßiger Anspruch auf eine reguläre oder vorzeitige Alterspension, etwa die Korridor-, Langzeitversicherten- oder Schwerarbeiterpension. Mit Beginn der Teilpension entfällt jedoch der Anspruch auf andere vorzeitige Pensionen sowie auf Leistungen bei geminderter Arbeitsfähigkeit.

Durch schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber ist zu erklären, dass die Arbeitszeit zwischen 25 und 75 Prozent reduziert wird. Trotz Reduktion muss weiterhin eine Pflichtversicherung in der Pensionsversicherung bestehen. Die Teilpension ist gesondert zu beantragen. Je nach Ausmaß der Arbeitszeitreduktion beträgt die Teilpension 25, 50 oder 75 Prozent der Pension. Wird sie vor dem Regelpensionsalter angetreten, gibt es Abschläge, bei einem späteren Antritt Zuschläge. Änderungen der Arbeitszeit müssen gemeldet werden, da bei deutlichen Überschreitungen der erlaubten Arbeitszeit die Teilpension wegfallen kann.

Während der Teilpension wird nur ein Teil des Pensionskontos geschlossen, der andere Teil läuft weiter. Bestimmte Zuschläge und Zusatzleistungen wie Ausgleichszulage oder Pensionsbonus stehen erst bei Antritt der vollen Pension zu, die nicht automatisch folgt, sondern erneut beantragt werden muss.

Mit der Einführung der Teilpension ändern sich die Regelungen zur Altersteilzeit erneut. Diese kann künftig nur noch genutzt werden, solange kein Anspruch auf Teilpension besteht. Die maximale Dauer der Altersteilzeit wird schrittweise von fünf auf drei Jahre reduziert. Außerdem steigt die notwendige Anzahl an Beschäftigungswochen in den letzten 25 Jahren als Vorausset-

HEALTH CHECK DER PERSONALVERRECHNUNG

Zahlreiche Änderungen und ständig wechselnde Gesetzesvorgaben erhöhen die Komplexität der Personalverrechnung. Mit unserem Produkt Health Check der Personalverrechnung können wir rasch systemimmanente Risiken aufzeigen. Wir unterstützen Sie gerne bei der

• Identifizierung von abgabenrechtlichen Optimierungspotenzialen

• Steigerung der Effizienz der Ablauforganisation in der Personalverrechnung. Dabei hinterfragen wir einzelne Prozesse kritisch und dokumentieren bei Bedarf den laufenden Personalverrechnungsprozess. Diese Dokumentation kann auch als Basis für etwaige Ausfallszenarien (z. B. längerer Krankenstand/Karenz des oder der Personalverrechners-in im Betrieb) dienen.

• bei der Nutzung von Förderungsmöglichkeiten für Mitarbeiter*innen und Unternehmer*innen

• Vermeidung von arbeits- und abgabenrechtlichen Risiken im Unternehmen.

Sie möchten den Health Check Personalverrechnung in Ihrem Unternehmen durchführen und Optimierungspotenziale entdecken? Unser Expertenteam von Deloitte Tirol steht Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

zung, überhaupt einen Anspruch zu erwirken, wobei die Anpassung bis 2029 erfolgt. Überstunden werden künftig nicht mehr in die Berechnung einbezogen und die Förderung der kontinuierlichen Altersteilzeit sinkt für neu abgeschlossene Vereinbarungen ab 2026 von 90 auf 80 Prozent.

GESETZLICHE ÄNDERUNGEN BEI FREIEN DIENSTVERHÄLTNISSEN

Die neue Regelung stellt klar, dass freie Dienstverhältnisse von beiden Vertragsparteien erst unter Einhaltung einer bestimmten Kündigungsfrist und eines Kündigungstermins gekündigt werden können. In den ersten beiden Dienstjahren beträgt die Kündigungsfrist vier Wochen und nach dem vollendeten zweiten Dienstjahr sechs Wochen. Außerdem kann der erste Monat als Probezeit vereinbart werden. Zudem soll die Möglichkeit der Anwendung von Kollektivverträgen auf freie Dienstnehmer*innen geschaffen werden. Somit können für diese Personengruppen Mindeststandards festgelegt werden, welche die Beschäftigung auf Basis solcher Vertragsverhältnisse und somit die Umgehung arbeitsrechtlicher Bestimmungen weniger attraktiv machen sollen. Weitere Entwicklungen bleiben abzuwarten, ist die Gestaltung freier Dienstverhältnisse ja in bestimmten Konstellationen auch im Sinne des Auftragnehmers. www.deloitte.at/tirol

Mag. Claudia Rieckh-Rupp und MMag. Hannes Hauser, Steuerberater bei Deloitte Tirol

KULTUR & TRENDS

ZWISCHEN LICHT, BEWEGUNG UND ZEIT

2026 jährt sich die Erfindung der Fotografie zum 200. Mal. INN SITU, die Galerie im BTV Stadtforum in Innsbruck, widmet dieses Jubiläum einem Künstler, dessen Praxis eng mit den Ursprüngen des Mediums verbunden ist. Maciej Markowicz arbeitet mit einer Camera obscura, die er in ein Boot oder einen Van einbaut. Während sich diese Vehikel bewegen, belichtet er großformatiges chromogenes Fotopapier acht Sekunden lang – mit Licht, das acht Minuten zuvor die Sonne verlassen hat. Jede Aufnahme entsteht als einzigartiges, direkt belichtetes Unikat. Markowicz versteht seine Werke dabei als „Motiongraphs“, also Objekte, in denen Bewegung, Dauer und Lichtverhältnisse eingeschrieben sind. Fotografie, die sich an der Grenze zu Malerei, Skulptur und Performance bewegt. Für INN SITU setzt der Pole eine Serie fort, die vor rund zehn Jahren in New York begann. Nach Hudson, Seine und Themse widmet er sich nun alpinen Fließgewässern wie Inn, Lech und Rhein. Im selbst umgebauten Van gleitet seine Kamera über Brücken in Tirol und Vorarlberg. Ergänzt werden die Landschaftsaufnahmen in „Above the river and under the sky“ durch Porträts, aufgenommen an öffentlichen Orten in Innsbruck. Die Vernissage findet am 14. April um 19 Uhr statt, in der Eröffnungswoche vom 14. bis 16. April lädt die INN SITU außerdem wieder im Dreiklang zu drei außergewöhnlichen Abenden ein: Vernissage, Konzert und Dialog. Die Eintritte sind jeweils frei, Anmeldung ist erbeten unter www.innsitu.at.

Mathias Weinhuber (Verwallstube), Massimo Vianello (Ooben im Mooser), Tobias Stadler (Hotel Post), Paul Markovics (Hotel Gletscherblick), Dennis Ilies (Hotel Tannenhof), David Kurz und Sebastian Unterberger (Hospiz Alm), Alasdair Mulvey (Raffl’s Eat Art) und Michael Gfall und Erkan Cakir (Ullrhaus)

Genusskollektiv

Acht führende Küchenchefs aus St. Anton am Arlberg haben sich gemeinsam mit ihren Häusern erstmals zu einer gemeinsamen Initiative zusammengeschlossen. Unter dem Namen STANTON CULINARY COLLECTIVE werden sie künftig die kulinarische Qualität der Region sichtbar machen und den Austausch unter den Betrieben stärken. Das Netzwerk vereint drei Michelin-Sterne und 22 Gault&Millau-Hauben. Erste Akzente wurden zum Auftakt mit der Culinary Week Anfang April gesetzt. Wir freuen uns auf mehr! www.stantonamarlberg.com

NEU GETRÄUMT

Das Innsbrucker Fine-Dining-Restaurant Oniriq in der Bürgerstraße hat ein neues Führungsduo bekommen, das nahtlos auf Udo Hermann folgt: Ben Glowacz übernimmt die Küchenleitung, seine Schwester Nadine Glowacz verantwortet den Service. Die Geschwister bringen internationale Erfahrung aus der Spitzengastronomie mit und verbinden diese nun mit einer klaren Vision: moderne, produktorientierte Küche mit alpiner Handschrift gepaart mit herzlicher, hochprofessioneller Gastlichkeit. Das mehrfach ausgezeichnete Oniriq bleibt damit seiner Linie treu und setzt gleichzeitig auf Weiterentwicklung, mit dem erklärten Ziel, langfristig aus der Erwähnung im Guide Michelin einen fixen Stern zu machen. Der würde Innsbruck – bislang ohne Sternedekoration – gut tun. www.oniriq.at

IN DIE SEELE GESCHAUT

Weil‘s leider gerade wieder erschreckend aktuell ist: Nicole List – geboren 1990 in der Steiermark, seit 2023 führt sie ihre eigene Buchhandlung in Wien – erzählt in ihrem Debütbuch aus ihrem Leben und fasst offen und ehrlich zusammen: „Ich hasse Männer nicht. Ich habe Angst vor ihnen.“ Woher diese Angst kommt, erschließt sich aus ihren Erlebnissen mit Männern aus ihren eigenen Beziehungen und außerhalb davon. Und auch wenn man selbst dererlei Dinge nicht erlebt hat und sie aus eigener Erfahrung vielleicht nicht nachvollziehen kann, so zeigt dieses Buch eines ganz deutlich: Das Gefühl ist für viele Frauen real! Ein Buch, das wehtut, nachdenklich macht und dazu auffordert, hinzuschauen, zuzuhören, zu benennen, solidarisch zu sein und Täter nicht zu entschuldigen. Angst vor Männern, Nicole List, Wasser Publishing, 128 Seiten, EUR 22,50

ARBEITSLICHT

Seit 40 Jahren entwickelt das Familienunternehmen Planlicht aus Vomp architektonische Leuchten und Lichtlösungen, die Design, technische Präzision und höchste Qualität made in Austria vereinen. Das Jubiläumsjahr unter dem Motto „Lighting up Your Life Since ’86“ blickt auf vier Jahrzehnte Expertise zurück und richtet den Fokus zugleich klar nach vorn: auf Innovation, Nachhaltigkeit und maßgeschneiderte und individuelle Lösungen. Mit dem p.thirty-Stehleuchtensystem wächst unter anderem die bekannte Profilleuchten-Familie weiter. Die neuen Modelle umfassen dabei eine Stehleuchte mit T- oder U-Fuß sowie eine Tischleuchte, die wahlweise über Klemmmontage oder direkte Integration in den Tisch installiert werden kann und damit für maximale Flexibilität in unterschiedlichsten Bürokonzepten sorgt. Das Herzstück der Serie bildet der OBA-Raster (Opto-Balance Asymmetric), der eine blendfreie und gleichmäßige Beleuchtung über den gesamten Arbeitsbereich garantiert. Gefällt uns! www.planlicht.com

Sophie Gruber, geboren 1998 im Land Salzburg, lebt und arbeitet in der Schweiz, ist künstlerisch im Bereich der Medienkunst und Installation tätig. Ihre Arbeit greift Fragen an die Zukunft, den Einsatz digitaler Technologien und den Transhumanismus auf und spielt sich in sinnlichen digitalen Welten ab. Johannes Davies, geboren 1996 in Hall, lebt in Mils. Er setzt sich in Form von Grafik, Bildhauerei und digitalen Medien mit Themen wie Sicherheit, Rassismus und zwischenmenschlichen Beziehungen im Allgemeinen auseinander. Seit 2023 ist er Mitglied im Team der Galerie Nothburga.

Andere Welten denken

Was erzählen Zukunftsspekulationen über uns Menschen? Und was sagen die Eigenschaften, die wir Technologien zuschreiben, über unsere eigenen Wünsche aus? Wir Menschen streben nach Kontrolle, danach, Maschinen nach unserer Vorstellung zu formen. Gleichzeitig fehlt es uns nicht an fiktiven Erzählungen, in denen intelligente Maschinen die Überhand gewinnen und die Macht ausnutzen, die wir ihnen zuvor übertragen haben. Die Kunsthistorikerin Chus Martínez beschreibt den menschlichen Wunsch, zu dominieren, sowie die ebenso menschliche Furcht vor einem Szenario, in dem unsere technologischen Erzeugnisse uns in Hinblick auf Destruktion und Unterdrückung über den Kopf wachsen. Sie schlägt vor, unsere Fantasie zu nutzen, um eine Realität zu erkunden, in der wir tatsächlich leben wollen. Fiktion fungiert als Brücke zwischen individueller Vorstellungskraft und kollektiver Erfahrung. Welche Fantasien prägen unsere Gegenwart und welche neuen könnten uns zeigen, wie empathische Bande, Gemeinschaften und mehr als menschliche Lebensformen geachtet werden? Diesen Fragen widmet sich die Ausstellung „Other Fantasies“ von Sophie Gruber und Johannes Davies in der Innsbrucker Galerie Nothburga. Davies untersucht Überwachung, Repression und Kontrolle und zeigt die vertraute Richtung technologischer Entwicklung, in der Gesellschaften zunehmend gläsern und fremdgesteuert werden. Gruber hingegen erschafft in ihren eskapistischen Arbeiten Welten, die frei von menschlicher Beeinflussung sind und sich bereits vom Anthropozän erholt haben. Beide nutzen in ihrer Kunst Technologien, um deren Rolle zu hinterfragen und neue Szenarien zu entwerfen. So entstehen Parallelwelten in Computerprogrammen, die aus dem Alltag einer Überwachungskamera erzählen, das Gefühl von Sicherheit in Klang übersetzen oder die Form ungestört glatter Seen einnehmen, auf deren Oberfläche das Licht virtueller Sonnen glitzert. Gezeigt werden Rauminstallationen (Keramik, Textilien, Sound), Zeichnungen und Drucke digitaler Arbeiten.

GALERIE NOTHBURGA

Innrain 41, 6020 Innsbruck, info@galerienothburga.at www.galerienothburga.at

Mi. bis Fr. von 16 bis 19 Uhr, Sa. von 11 bis 13 Uhr

Other Fantasies | Johannes Davies & Sophie Gruber

Dauer: 8. April bis 2. Mai 2026

Karl Weingrill (Center-Manager und Eigentümervertreter EKZ west) und Sascha Kuntel (Geschäftsführer boesner Österreich)

BASTELSTUNDE

Das auf professionellen Künstlerbedarf spezialisierte Unternehmen boesner eröffnet im Frühjahr neben den Standorten in Wien und Graz seinen neuen Westösterreich-Standort im Einkaufszentrum west in Innsbruck. Auf über 1.200 Quadratmetern entsteht damit ein neuer Anlaufpunkt für Künstler*innen, Kreative und Bildungseinrichtungen in Tirol und darüber hinaus. Das gesamte boesner-Sortiment umfasst über 26.000 Artikel – von Farben, Pinseln, Keilrahmen, Leinwänden und Papieren bis hin zu Bilderrahmen und Kunstbüchern. Besonders gefragt sind die in Eigenproduktion gefertigten Bilderund Keilrahmen aus Österreich. www.boesner.at

Wenn nicht die Menschen Vitali Konstantinov kunstanstifter verlag 54 Seiten, EUR 28,80

WER, WENN NICHT WIR?

Kürzlich sind wir auf den kunstanstifter verlag aus Mannheim gestoßen und was sollen wir sagen: Der ist einfach großartig. Veröffentlicht werden ausschließlich Bücher, die durch Texte und (wunderbar illustrierte) Bilder berühren, zum Nachdenken anregen und auch ästhetisch überzeugen. In „Wenn nicht die Menschen“ macht sich Vitali Konstantinov – er hat Architektur, Grafik, Malerei und Kunstgeschichte studiert – auf die Suche, welches Tier das Zeug zur Weltherrschaft gehabt hätte, wenn dieser Platz nicht von Menschen eingenommen worden wäre. Damit lädt das Buch vor allem dazu ein, sich über den eigenen Platz auf der Erde Gedanken zu machen. Ein Buch für Kinder ab acht Jahren, macht aber auch für Erwachsene durchaus Sinn. Und Spaß.

Wo die Reise beginnt …

Eine Reise zu innerer Ruhe und Kraft: das Posthotel Achenkirch am Achensee.

Hinter Hotels mit Seele stehen Menschen mit Intuition, Kompass und Weitblick. Einer dieser besonderen Orte ist das Posthotel Achenkirch in Tirol am Achensee: Seit über hundert Jahren führt Familie Reiter das 5-Sterne-Haus und verwandelte die ehemalige Posthalterei mit einzigartigem Pioniergeist in eines der ersten Wellnesshotels Tirols.

Heute ist das Adults-only-Hotel ein ganzheitlich ausgerichtetes Resort auf vier Hektar Land, das die Philosophie von Yin und Yang in einen Ort übersetzt. Es richtet sich an Körper und Geist gleichermaßen, bietet Aktivität und Entspannung und verbindet fernöstliche Praktiken wie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Ayurveda mit österreichischer Alpenkultur. Angenehme Düfte, stimmungsvolle Lichtquellen und ein zeitloses Landhaus-Interieur schaffen eine gekonnte Balance zwischen wohnlicher Gemütlichkeit und purem Luxus in den insgesamt 143 Zimmern und Suiten. Zur täglichen Wellnesspraxis gehören Yoga, Tai-Chi und Qigong mit Shaolinmeister Liang oder Behandlungen aus der TCM von

Expertin Hu Ji, während Tenniscourts, ein 9-Loch-Golfplatz und die hauseigene Lipizzaner-Reit- und -Fahranlage zu sportlichen Aktivitäten einladen. Als erste und bislang einzige Adresse Österreichs bietet das Posthotel seinen Gästen zudem Biohacking-Anwendungen mit einem hausinternen Coach im eigenen Longevity Lab. Danach kann es in die Entspannung gehen: Das weitläufige Wellness-Portfolio erstreckt sich auf über 7.000 Quadratmetern, darunter fernöstlich inspirierte Raumwelten und architektonische Highlights wie der „Versunkene Tempel“ und der zweiteilige Yin-Yang-Außenpool. Die Hotelküche sowie das angeschlossene TCM-Restaurant „Tenzo“ mit regionalen Produkten aus der benachbarten Landwirtschaft runden das Angebot als ergänzende Bausteine für Gesundheit und Wohlbefinden ab.

Klassische Wellness wird im Posthotel neu gedacht: Mit der Philosophie des Shaolin als Fundament lädt Gastgeber Karl C. Reiter seine Gäste auf eine Reise zum Ich ein und schafft in Achenkirch einen Ort, an dem Körper und Geist wieder in harmonischem Gleichgewicht fließen können.

POSTHOTEL ACHENKIRCH

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Das ist doch nur was für alle

Theater ist mehr als Unterhaltung. Es ist ein Begegnungsund Möglichkeitsort, der für alle wirken will und Räume öffnen soll. Landestheater-Intendantin Irene Girkinger und Martina Natter, Leiterin des Musikvermittlungsprogramms ZUGABE, über das Theater als Ort des gesellschaftlichen Dialogs und warum die so genannte Hochkultur längst für alle da sein muss.

INTERVIEW: MARINA BERNARDI

enn über Kultur gesprochen wird, geht es oft um Budgets, Besucherzahlen und die Frage, ob öffentlich finanzierte Kultur überhaupt noch zeitgemäß und notwendig sei. Doch Kulturinstitutionen sorgen für weit mehr als bloße Unterhaltung. Kultur ist kein Luxus, sondern ein zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Ein Raum für Begegnung, Austausch und neue Perspektiven. Deshalb sieht sich das Tiroler Landestheater auch stark in der Rolle des Vermittlers zwischen Kultur und Publikum. Martina Natter verantwortet dabei das Format ZUGABE, das Musikvermittlungsprogramm des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck, arbeitet eng mit dem Kinderchor und dem Jungen Theater zusammen und erdenkt gemeinsam mit Theaterpädagogin Daniela Oberrauch Workshops und Projekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihr kreativer Zugang und Gespür für publikumswirksame Formate hilft dabei, das Tiroler Landestheater sukzessive immer weiter nach außen und in alle Gesellschafts- und Altersschichten zu tragen. Die „Night at the Movies“ im Großen Haus, in der das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck unter szenischer Moderation Filmmusik spielt, ist bereits kultverdächtig, auch die Klangwerkstatt, in der Juliana Haider als hinreißend geschäftige Hausmeisterin die Kinder zum Mitmachen animiert, ist stets im Handumdrehen ausverkauft. Mit Samuel Plieger und Paul Pichler matchten sich in dieser Spielzeit zudem erstmals zwei junge Tiroler Beatbox-Virtuosen mit dem Symphonieorchester. Auch die Kommunikation nach außen hat sich mit frechen Sprüchen auf Plakaten und dem Haus selbst deutlich verändert. Wir haben mit Irene Girkinger, Intendatin des Tiroler Landestheaters, und Martina Natter darüber gesprochen, warum Theater heute wichtiger sein könnte denn je und warum das Theater nicht nur ein Bühne ist, sondern Gastgeber – für ein möglichst breites, vielfältiges Publikum.

ECO.NOVA: Gerade in Zeiten, in denen Politik und Öffentlichkeit stark auf wirtschaftliche oder sicherheitspolitische Fragen fokussieren, muss sich vor allem öffentlich finanzierte Kultur immer wieder rechtfertigen. Was sagen Sie jemandem, der fragt: Warum braucht es

„Das Theater ist ein Raum für freie Gedanken, neue Perspektiven und einen offenen Diskurs, der als demokratisches Grundprinzip extrem wichtig ist.“
IRENE GIRKINGER

Theater überhaupt noch? IRENE GIRKINGER: Für mich hängt diese Frage stark mit dem grundsätzlichen Theaterverständnis zusammen. Theater, Musik, Kunst und Kultur sind ein essenzieller Bestandteil unseres Lebens und unserer Gesellschaft. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen viele Begegnungs- und Diskursräume immer mehr zurückgedrängt werden oder sich ins Digitale verlagern, braucht es Orte, an denen Menschen zusammenkommen können. Theater ist ein Raum, in dem gesellschaftliche Themen verhandelt werden können, im Sinne eines gemeinsamen Nachdenkens über die Welt. MARTINA NATTER: Ich gehe in diesen Punkten vollumfänglich mit. Kultur hat einen enormen Stellenwert für unsere Bildung und damit meine ich nicht nur die Wissensbildung, sondern auch eine Art von Herzensbildung. Kultur prägt unsere Art, die Welt zu begreifen. Gleichzeitig erfüllt sie eine wichtige soziale Funktion als so genannter dritter Ort. Der erste ist das Zuhause, der zweite die Arbeit und der dritte sind Orte der Begegnung. Kulturinstitutionen können genau solche Räume eröffnen, in denen Menschen zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam etwas erleben.

Es geht also um weit mehr als Unterhaltung? IG: Die gehört selbstverständlich dazu. Theater war immer auch Unterhaltung. Wenn man sich anschaut, wie Theater und andere Kunstformen entstanden sind, sieht man, dass es immer um Darbietung, um gemeinsames Erleben und um Spiel gegangen ist. Das ist etwas zutiefst Menschliches. Doch Theater ist mehr. Es kann inspirieren, berühren, irritieren und neue Blickwinkel eröffnen. Theater ist ein Live-Erlebnis, das man miteinander teilt, und diese unmittelbare Erfahrung, das gemeinsame Eintauchen in Geschichten, Musik oder Bewegung hat eine ganz eigene Qualität. Gleichzeitig

eröffnet es Räume für Fantasie und neue Gedanken. In einer sehr schnellen und oft stark rational geprägten Welt ist das eine wichtige Ergänzung.

Viele junge Menschen kommen das erste Mal über die Schule mit dem Theater in Kontakt. Wie schafft man es, dass sie später freiwillig wiederkommen? MN: Der Erstkontakt läuft tatsächlich häufig über Schulen, aber nicht ausschließlich. Das Programm ist ein entscheidender Faktor. Als wir im vergangenen Herbst einen Beatboxer zu Gast hatten, der gemeinsam mit dem Symphonieorchester aufgetreten ist, war ein sehr junges Publikum da. Solche Formate zeigen, dass unterschiedliche musikalische Welten miteinander in Dialog treten können. Das ist gleichzeitig auch sehr symbolisch für das Haus und sein Publikum. Es geht immer darum, auszuloten, wo man voneinander lernen kann und wo sich im Programm Überschneidungen mit den Lebenswelten der Menschen ergeben.

Neigt man dazu, junge Menschen zu unterschätzen, wenn es um ihr Interesse an Kunst und Kultur geht? IG: Ich glaube nicht, dass wir sie unterschätzen, im Gegenteil: Wir erleben sehr oft, dass junge Menschen sehr interessiert sind. Auch bei klassischen Formaten wie Schauspiel oder Oper sehen wir inzwischen ein deutlich jüngeres Publikum zwischen 20 und Mitte 30. Besonders im Tanzbereich und den Kammerspielen erreichen wir ein ganz neues Publikum. Wichtig ist, dass Programm und Inhalte eine Verbindung zur Lebensrealität haben. Das kann über die Themen passieren, über Ästhetik oder über die beteiligten Künstler*innen. Ein gutes Beispiel war die Uraufführung eines Stückes der jungen Tiroler Dramatikerin Lisa Wenz über Generationenkonflikte, das sich viele junge Men-

„Theater und Musik haben über Jahrhunderte überlebt und werden es auch weiterhin tun, einfach, weil es zum Menschsein dazugehört.“
IRENE GIRKINGER

schen angeschaut haben, weil sie gespürt haben, dass das Stück etwas mit ihren eigenen Erfahrungen zu tun hat. Als Intendantin ist es meine Aufgabe, ein Gesamtpaket zu schnüren. Es muss Angebote für regelmäßige Theaterbesucher*innen geben sowie Formate, die jene Menschen neugierig machen, die vielleicht noch nie im Theater waren. Dabei geht es nicht nur um junge Menschen, sondern auch um Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen. Theater soll für alle sein.

Theater gilt dennoch für manche Menschen als elitär. Wie begegnet man diesem Bild? IG: Ich denke, das hat historische Gründe, entspricht jedoch nicht mehr der Realität. Unser Ziel ist es, das Theater möglichst offen zu gestalten. Wir versuchen, mit verschiedenen Formaten unterschiedliche Zugänge zu schaffen und damit diese Schwellenangst abzubauen. Viele Menschen glauben, Theater sei ein Ort, an dem man nur

hingehen kann, wenn man entsprechendes Vorwissen hat und sich besonders kleidet. Diese Barrieren versuchen wir bewusst abzubauen. Ja, das Theater ist ein besonderer Ort. Dieses Besondere soll jedoch nichts Abwehrendes haben, sondern etwas Einladendes. Für mich hat das viel mit Gastgeberinnenschaft zu tun. Kulturinstitutionen beginnen, sich zunehmend als Gastgeberinnen zu verstehen, was bedeutet, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich willkommen fühlen. Wir stellen einen Rahmen zur Verfügung, in denen völlig unvoreingenommen Begegnung stattfinden kann. MN: Hier setzt auch unsere Vermittlungsarbeit an. Verschiedene Programme und Formate versuchen, Menschen an Musik und Theater heranzuführen, die vielleicht noch keinen Zugang dazu haben oder glauben, das „sei nichts für sie“. Vieles davon richtet sich an Kinder und Jugendliche, weil frühe Erfahrungen entscheidend sind und sie damit schon früh erleben können, dass Musik und

Theater ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens sein können. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass Vermittlung nicht nur als Bildungsprogramm für Schulen oder nur für junge Menschen gedacht ist, sondern für alle, die neugierig sind. IG: Vermittlungsarbeit funktioniert dabei in zwei Richtungen. Einerseits öffnen wir unsere Häuser, andererseits gehen wir auch hinaus – an Schulen, wir spielen aber auch in den Bögen, im Altersheim, bei Stadtteilfesten, in der Straßenbahn oder bei der Shoppingnight. Wir sind Teil der Stadtgesellschaft und dieses Landes und bereichern den Kulturraum mit Leben, Diversität und Offenheit. Es ist mir wichtig, damit auch Menschen zu erreichen, die vielleicht nicht automatisch sagen würden, ein Theaterbesuch gehöre für sie zum Alltag.

Geht es in der Vermittlungsarbeit vorrangig darum, Kunst und Kultur an sich zu erklären, oder steht der Austausch im Vordergrund? MN: Für mich steht ganz klar ein ganzheitliches, sinnliches Erleben im Vordergrund. Natürlich gehört auch Wissensvermittlung dazu, aber ich versuche, bewusst nicht zu erklären. Wenn man sagt „Ich weiß etwas, das du nicht weißt“, schafft das automatisch eine Hierarchie. Viel spannender ist es, sich auf Augenhöhe zu begegnen, zuzuhören, was der andere mitbringt, und dann gemeinsam etwas zu erleben. Ein Beispiel dafür ist unser Konzertformat „Blind Date“, bei dem wir vorher weder verraten, wer spielt noch was gespielt wird. Die Idee ist, dass das Publikum ohne Vorwissen und Vorbereitung kommt und sich einfach auf die Musik einlässt. IG: Die Vermittlungsarbeit kann ganz unterschiedlich aussehen. Es gibt Workshops, bei denen Menschen selbst musikalisch aktiv werden, Gespräche mit Künstler*innen oder Einführungen vor Vorstellungen. Dabei geht es auch darum, Einblicke in die Entstehung eines Stücks zu geben oder musikalische Zusammenhänge verständlicher zu machen. Das gilt auch fürs Schauspiel. Solche Formate können sehr bereichernd sein und zeigen, dass Theater kein abgeschlossener Raum ist, sondern ein lebendiger Prozess. Wenn wir sagen, Theater soll ein Raum für alle sein, dann müssen wir das auch aktiv gestalten. Das betrifft nicht nur das Programm, sondern auch die Atmosphäre im Haus. Ein Theater darf kein steriler, anonymer Ort sein, sondern Menschen sollen sich hier willkommen fühlen, unabhängig davon, ob sie regelmäßig ins Theater gehen oder zum ersten Mal da sind. MN: Diese Haltung ist für mich auch in

„Vermittlungsarbeit wird oft mit Kinder- und Jugendprogrammen verbunden, doch eigentlich beschreibt sie eine Haltung. Im Idealfall betrifft sie alle Bereiche – vom Symphoniekonzert bis zum Theaterabend. Vermittlung bedeutet nicht nur bunte Programme, sondern Teilhabe. Das Landestheater gehört letztlich uns allen und genau so verstehen wir unsere Arbeit.“
MARTINA NATTER

der Vermittlungsarbeit wichtig. Wenn Menschen das Gefühl haben, willkommen zu sein und Fragen stellen zu dürfen, entstehen ganz andere Zugänge zu Musik und Theater. Im Tiroler Landestheater darf man neugierig sein und soll sich eingeladen fühlen, Teil des kulturellen Raums zu werden. Kultur ist immer etwas Gemeinsames und entsteht aus dem Austausch zwischen Künstler*innen und Publikum und letztlich aus der Vielfalt der Perspektiven, die diese Menschen mitbringen.

Vermittlungsformate wirken oft lockerer, doch dahinter steckt viel Konzeptarbeit. Wie lange dauert der Prozess von der Idee bis zum neuen Programm? MN: Die Vorlaufzeiten sind tatsächlich sehr lang. Es braucht viel Planung und Erfahrung, um die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Gerade bei Projekten mit dem Symphonieorchester, das generell ein dichtes Programm spielt, ist der Spielraum durch die Strukturen und organisatorische Vorgaben eng. Trotzdem versuchen wir, immer wieder neue Ideen umzusetzen. Im Schauspiel ist der Rahmen etwas größer. IG: Bei großen Projekten sprechen wir von Planungshorizonten von bis zu zwei Jahren. Das liegt auch daran, dass viele Bereiche und Menschen zusammenfinden müssen. Doch es ist uns wichtig, dass die Vermittlungsprojekte nicht als Zusatzprogramm gesehen werden, sondern als gleichwertiger Bestandteil des Spielplans.

Können Sie sich noch an Ihren ersten eigenen Theaterbesuch erinnern? IG: Das war im Theater des Kindes in Linz, von wo ich ursprünglich komme. Linz hatte schon sehr früh eine große Kinder- und Jugendtheaterszene. Ich kann mich noch gut erinnern,

wie ich auf diesen Sitzmatten gesessen bin und total begeistert war. Später hat mich Theater Phönix kulturell sozialisiert. Mein erster Opernbesuch war der Maskenball in der Wiener Staatsoper, als ich 15 Jahre alt war. Das Ambiente hat mich sehr beeindruckt. Ein Jahr davor war ich im Phantom der Oper, ich glaube, im Ronacher. MN: Bei wir war es die Zauberflöte auf der Seebühne in Bregenz. Für meinen Zugang zur Musik hat auch die Musikschule eine große Rolle gespielt.

Was sollen Menschen – egal welchen Alters – von ihrem ersten Besuch im Landestheater mitnehmen? IG: Mögliche Entwürfe des

Unmöglichen. Vor allem aber eine persönliche Berührung. Einen Gedanken, eine Emotion, eine neue Perspektive. Es geht nicht darum, alles zu verstehen. Es reicht, wenn man sich auf etwas einlässt und über etwas nachdenkt, über das man sonst vielleicht nicht nachgedacht hätte. MN: Und diesen Zauber, der entsteht, wenn man sich wirklich in ein Konzert oder eine Aufführung fallen lassen kann. Dieses Gefühl, berührt zu werden und vielleicht ein kleines bisschen verändert wieder hinauszugehen. IG: Und natürlich hoffen wir, dass die Menschen wiederkommen möchten und sie das Gefühl haben, immer willkommen zu sein.

Stiller Luxus am See

Das Seegut Zeppelin in Friedrichshafen am Bodensee besticht durch seine idyllische Lage. Und noch viel mehr.

Eingebettet in einen traumhaften, vier Hektar großen Landschaftspark mit direktem Zugang zum See überzeugt das Seegut Zeppelin mit seinen 62 Zimmern durch geschmackvolle, minimalistische Architektur, die in voller Harmonie mit der Natur steht. Die modernen Solitäre fügen sich zurückhaltend in den unter Landschaftsschutz stehenden Park ein. Ins historische Erbe der denkmalgeschützten Villa Gminder mit Neugotik-Stuck, klassischer Möblierung und Eichenparkett fügen sich drei weitere Villen in den Park ein, die unaufgeregt mit ihrer klar-modernen Eleganz punkten. Das Design basiert dabei auf alpin geprägtem

Minimalismus: Kalkverputzte Wände, Tannenholz, natürliche Textilien und neutrale Farbtöne schaffen ein Ambiente, das sich zugleich geerdet und zeitlos anfühlt. Das Ergebnis ist eine visuelle und emotionale Sprache, die sich am treffendsten als stiller Luxus beschreiben lässt.

VIELSEITIGKEIT UND FULL SERVICE

Die unterschiedlichen Häuser eignen sich auch hervorragend für Events jeglicher Art. Ob Firmenmeetings, Hochzeiten oder entspannte Yoga-Retreats – Veranstaltungen verschiedenster Größenordnung finden hier ihr ideales Zuhause. Stets mit dem magischen Hintergrund des Bodensees.

Das Cateringkonzept „Garden to Table“ bringt genussvolles Vegetarisches direkt aus dem Villengarten und dem Gewächshaus auf den Teller. Vegane Optionen, Fisch und Fleisch ergänzen das Angebot. Dank externer Hilfe lassen sich zudem passende personalisierte Blumen- und Tischdekorationen realisieren. Gäste und Seminarteilnehmer*innen profitieren vom unmittelbaren Bodensee-Zugang mit privater Liegewiese und Tretboot-Hafen sowie vielfältigen Wellnessangeboten. Eine persönliche Betreuung mit Know-how und viel Liebe zum Detail durch das Gastgeber-Ehepaar und das Eventteam macht den Unterschied und unterstreicht die stilvolle Atmosphäre. www.seegut-zeppelin.de

VINTAGE - UHREN MIT GESCHICHTE

Le Temps by Alexander Schreiner vereint Zeit, Leidenschaft und seltene Meisterwerke.

Mitten im Herzen der historischen Altstadt von Hall befindet sich in der charmanten Rosengasse ein kleines Geschäft, das für Kenner*innen eine ganz besondere Bedeutung hat: Hinter dem Le Temps by Alexander Schreiner verbirgt sich kein gewöhnliches Uhrengeschäft, sondern eine Welt voller Geschichte, Präzision und außergewöhnlicher Sammlerstücke. Alexander Schreiner handelt seit über vier Jahrzehnten mit Luxusuhren – und diese Erfahrung spürt man sofort. Für ihn sind Uhren weit mehr als nur Zeitmesser. Sie sind technische Meisterwerke, Zeitzeugen und oft auch emotionale Begleiter ihrer Besitzer*innen: „Ich bin praktisch mit Uhren aufgewachsen. Seit über 40 Jahren beschäftige ich mich mit ihnen, mit ihren Geschichten, ihrer Technik und ihrer besonderen Ausstrahlung.“

Das Besondere an Le Temps by Alexander Schreiner ist die klare Spezialisierung: Hier findet man vor allem seltene Vintage-Luxusuhren, sorgfältig ausgewählt und mit

viel Fachwissen geprüft. Viele der Stücke stammen aus begehrten Sammlerperioden und sind heute nur noch schwer zu finden. Gerade deshalb schätzen Sammler*innen und Uhrenliebhaber*innen aus ganz Europa Schreiners Expertise. Jede Uhr wird dafür mit geschultem Auge ausgewählt – nicht nur nach Marke oder Wert, sondern vor allem nach Authentizität, Zustand und Charakter. „Eine gute Vintage-Uhr erzählt immer eine Geschichte“, sagt Schreiner.

ERFAHRUNG, DIE

VERTRAUEN SCHAFFT

Gerade in einem Markt, in dem Authentizität und Fachwissen entscheidend sind, sind vier Jahrzehnte Erfahrung schier unbezahlbar. Das Le Temps ist daher nicht nur ein Geschäft zum Kaufen und Verkaufen – es ist ein Treffpunkt für Freunde feiner Uhrmacherkunst. Gespräche über seltene Referenzen, historische Modelle und außergewöhnliche Sammlerstücke gehören hier zum Alltag. Die Atmosphäre im Geschäft ist bewusst per-

sönlich gehalten. Statt einer anonymen Boutique erwartet Besucher *innen ein Ort, an dem Leidenschaft für Uhrmacherei spürbar wird. Es geht nicht um den schnellen Handel, sondern um Wertschätzung für außergewöhnliche Zeitmesser – und um die Freude, ein besonderes Stück Geschichte am Handgelenk zu tragen. Mit seinem Geschäft hat sich Alexander Schreiner einen Namen gemacht, der weit über Hall hinaus bekannt und zur festen Adresse geworden ist. Denn eines ist sicher: Zeit wird bei Le Temps nicht nur gemessen – sie wird bewahrt. PR

Rosengasse 7, 6060 Hall in Tirol Tel.: 0664/3307548, info@letemps.watch www.letemps.watch

Im Gespräch

NEWS & EVENTS

Oben: Ferdinand Marquez, Wirtschaftskammer-Präsidentin

Barbara Thaler und Martin Wetscher // Peter Paul Mölk und Sanela Mölk und Peter Ensfellner (Standortleitung Porsche) // unten: Wolfgang und Luzia Thöni (Emerson Renaldi) // Johannes Wetscher, Patricia Niederwieser, Mario Geat

HALLO GARTENSAISON

Mitte März standen die Wetscher Wohngalerien in Fügen wieder ganz im Zeichen von Frühling: Beim Wetscher-Gartenfest nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, gemeinsam in die Outdoor-Saison zu starten. Der Trend ist klar: draußen wohnen, kochen und genießen. Auffällig waren dabei vor allem die farbenfrohen Möbel, die sofort Lust auf Sommer machen. Kulinarisch verwöhnte Haubenkoch Thomas Grander, Florist Martin Keiler setzte mit seinen Arrangements frische Akzente. Ein besonderes Highlight war die Porsche Driving Experience: Bei einer Spritzfahrt durchs Zillertal konnten die Gäste die neuen E-Modelle Macan und Taycan erleben. Dazu gab’s Drinks, Musik und entspannte Stimmung.

TRIPLE O

Good Vibes, Beats und Talks: Anfang März sorgte die vierte Auflage der lässigen Eventreihe „out of office“ der Agentur northlight in der Panorama-Bar im 12. Stock des Hotel ADLERs für ordentlich gute Laune über den Dächern von Innsbruck. Gefeiert wurde mit DJ-Legende Tom Novy, elektrisierender Stimmung und 250 Partypeople auf der streng limitierten Gästeliste. out of office vereint Business, Networking und Lifestyle-Clubbing und bringt Menschen in ungezwungener Atmosphäre zusammen. „Mit dem Eventformat verlassen wir bewusst den klassischen Afterwork-Rahmen. Wir schaffen Räume für Austausch, Leichtigkeit und neue Ideen – mit hochwertigen Events an besonderen Orten“, so Dominique Pfurtscheller, Geschäftsführer von northlight. Weitere Editionen sind bereits in Planung. Infos und kommende Termine unter www.o-o-o.at

7.500 Euro für die Teestube

Der Lionsclub Innsbruck Nordkette unterstützt die Teestube des Vereins für Obdachlose in Innsbruck mit einer Spende von 7.500 Euro. Bei einem Besuch vor Ort ließ sich der Club die Räumlichkeiten von Geschäftsführer Michael Hennermann persönlich zeigen und erhielt Einblick in die wichtige Arbeit der Einrichtung. Der Spendenscheck wurde vom Präsidenten Alexander Wassner im Namen aller Mitglieder überreicht – ein starkes Zeichen regionaler Solidarität und gelebter Verantwortung. Sie wollen auch helfen? Infos unter www.obdachlose.at

Im Bild: Manfred Gaber, Andrea Posch, Michael Hennermann, Alexander Wassner, Meinhard Nevinny-Stickel und Elisabeth Sölder

Die Gesellen mit einer Auszeichnung und Anerkennung sowie deren Lehrherren und Gratulanten

TISCHLERNACHWUCHS

Bereits zum siebten Mal wurde heuer der Gestaltungspreis für Gesellenstücke des Tiroler Tischlerhandwerks vergeben – eine besondere Auszeichnung für die besten Nachwuchstalente der Branche. Mitte März würdigte die Landesinnung der Tischler und Holzgestalter dabei gemeinsam mit proHolz Tirol jene kreativen Gesellenstücke, die im Rahmen der Lehrabschlussprüfung entstanden sind und sowohl handwerkliche Präzision als auch gestalterische Innovationskraft eindrucksvoll unter Beweis stellten. Der Wettbewerb hat sich in den vergangenen Jahren als fixe Größe etabliert und gilt als wichtige Plattform, um junge Tischler*innen und Tischlereitechniker*innen ins Rampenlicht zu rücken. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die ausgezeichneten Werkstücke, sondern auch die Persönlichkeiten dahinter.

Oben: Landeshauptmann Anton Mattle, Martin Reiter (Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Gruppe), Gastropartnerin Sonja Schütz, Karin Seiler (Geschäftsführerin der Tirol Werbung), Gastropartner Tomas Raska, Marcus Hofer (Geschäftsführer der Standortagentur Tirol) und Innenarchitekt Michael Schmücking // unten: Tirol-ShopMitarbeiterin Corina Bufano, Melanie Schwinghammer (Sales Management Tirol Werbung), Sonja Schütz, Ines Mayerl-Kaser (Markenmanagement und Branding Lebensraum Tirol Gruppe) und Viktoria Konzert (Produktmanagement Tirol Shop)

TIROL-MOMENTE

Pünktlich zum 25-jährigen Bestehens des Tirol Shops im heurigen Herbst wurde vor Kurzem das „Moments Tirol“ als Ort für Tiroler Einkaufserlebnisse, Kulinarik und Veranstaltungen am Franziskanerplatz und damit an einem der frequenzstärksten Knotenpunkte der Landeshauptstadt offiziell eröffnet. In der Markenwelt finden die exklusive Tirol-Kollektion und regionale Bergkulinarik zusammen, die das Pächter*innen-Duo Sonja Schütz und Tomas Raska verantwortet. Infos zu Genuss und Events unter www.moments.tirol

Kleine Reise in die Wirtschaft

Das Stadtmarketing Hall als Initiator und Veranstalter des Offenen Werkstores lud Politik, Kooperationspartner und beteiligte Betriebe zur Pressekonferenz bei Gebrüder Weiss in Hall.

Am 11. Juni 2026 ist es wieder so weit: Das Offene Werkstor Hall ermöglicht eine spannende Reise in faszinierende Unternehmen verschiedenster Branchen. 10 Betriebe, 5 Touren, 2 mal 99 Minuten – so lauten kurz zusammengefasst die Fakten für das bislang einzigartige und äußerst erfolgreiche Veranstaltungsformat, welches bereits sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Es geht ums Miteinander, um einen Brückenschlag zwischen der Bevölkerung und der Industrie, um gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung. Und darum, junge Menschen als wertvolle Fachkräfte für die Unternehmen in der Region zu gewinnen. Das Offene Werkstor schafft somit einen Raum für Begegnung und Dialog zwischen wirtschaftlicher Realität und gesellschaftlichem Interesse. Die Unternehmen der Region haben dabei viel Spannendes zu zeigen und bieten interessante Blicke hinter die Kulissen, die einem normalerweise verwehrt bleiben. Heuer erstmals mit an Bord sind GUTMANN und die INNIO Group. Gleich anmelden unter www.offeneswerkstor.at. Anmeldeschluss ist am 3. Mai 2026.

Ferrarischule-Fachvorständin Regina Haslwanter, Herbert Peer (Netzwerk Tirol hilft) und Sillpark-Center-Manager Markus Siedl

ENGAGEMENT MIT GESCHMACK

Die Ferrarischule Innsbruck und das Einkaufszentrum Sillpark setzten erneut ein starkes Zeichen der Solidarität. Mit viel Engagement bereiteten Schüler*innen verschiedenste Suppen und servierten diese direkt vor Ort. Der Duft lockte zahlreiche Besucher*innen an – der gute Zweck überzeugte zusätzlich. So konnte eine Gesamtsumme von 2.200 Euro an das Netzwerk Tirol hilft übergeben werden.

neue

Sumberaz und Maximilian Nimmervoll

STARKE TIROLER STIMME

Eduard Fröschl wurde im Februar einstimmig als erster Tiroler zum Bundesvorsitzenden der Jungen Industrie (JI) gewählt. Als unparteiliche Plattform bringt die JI generationenübergreifende Perspektiven in die öffentliche Debatte ein und verschafft den Anliegen junger Verantwortungsträger aus dem industriellen Bereich im gesamtpolitischen Diskurs Gehör.

In unserer Februar-Ausgabe haben wir mit vier jungen Industriellen über das Heute und die Zukunft gesprochen. Zum Hineinlesen scannen Sie einfach den QR-Code.

Das Team der Cura für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF):

und Katharina

SO GEHT GESUNDHEITSFÖRDERUNG

Wie schaffen wir eine Arbeitsumgebung, die Mitarbeiter*innen langfristig gesund hält? Eine Fragestellung, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat und auch die CURA COSMETIC GROUP beschäftigt. Die Antwort: Das Unternehmen hat seine werteorientierte Unternehmenskultur und die zahlreichen Benefits zu einem CURACARES-Programm gebündelt, das Gesundheit ganzheitlich denkt – von Prävention über Bewegung bis hin zu mentaler Gesundheit und Arbeitsbedingungen, die langfristig tragfähig sind. Dabei wurden auch die Mitarbeiter*innen in Form von speziellen BGF-Befragungen eingebunden und aktiv mitgenommen. Und die Bemühungen tragen Früchte: Seit März darf die CURA das BGF-Gütesiegel tragen. www.cura.co.at

Li.: Jannik Trescher (medalp-Verwaltungsdirektion Imst und Sölden), Stefanie Stengg, medalp-Vorständin Brigitte Trenker und Peter Hörtnagl (praktischer Arzt, Innsbruck) // re.: Franz Geiger (Bürgermeister-Stellvertreter Fiss), FISSMED-Leiter Christoph Stengg und Biologe Hans-Georg Kraft

FRÜHLINGSFEST MIT SCHNEEFALL

Seit 1998 ist FISSMED die erste Anlaufstelle für Verletzungen jeglicher Art, Erkrankungen und Notfälle in der Region Serfaus-Fiss-Ladis. 2023 hat Christoph Stengg die Praxis von seiner Mutter übernommen und arbeitet seitdem daran, in Fiss modernste und beste Diagnostik zu bieten. Kürzlich wurde hier ein neues, offenes MRT in Betrieb genommen – das erste offene System in Westösterreich –, das im Gegensatz zur sonst engen Röhre mehr Raum, Bewegungsfreiheit und Sicht nach außen bietet. Das ermöglicht mehr Blickkontakt und sorgt für ein deutlich geringeres Engegefühl, was vor allem für Klaustrophobiker von großem Vorteil ist. Das System arbeitet KI-gestützt und liefert trotz offener Bauweise präzise Bilder. Um das MRT zu platzieren, musste kurzfristig sogar die Außenwand weichen. So viel Engagement gehört gefeiert, und so kamen trotz bescheidenen Wetters zahlreiche Gäste zum FISSMED-Frühlingsfest und sorgten zumindest drinnen für gute Stimmung. www.fissmed.at

Der
Bundesvorstand der Jungen Industrie: Lennart Braun, Eduard Fröschl, Franziska
Carmen Jordan, Stefanie Spiess, Anna Danzer
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