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FFB Fondsgespräche 10/2021 Web

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Fokus: Transformation

Schlüssel zum nachhaltigen Anlegen

2021 10

Privatkundenparadies Top-Chancen für die Beratung

Fakten Hintergründe Praxistipps

ESG und China – keine Wahlverwandtschaft? China-Serie: Neues aus der Mitte.

FFB e live e Fondsg spräch

ab 2. 11. 2ch021: Jetzt no Plätze sichern!

Mehr Indizes, leichtere

Orientierung? Die Zahl der Indizes explodiert. So schaffen Sie Durchblick für Kunden.


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Editorial

Peter Nonner, Geschäftsführer

Kaum ein Thema hat unsere Branche in den letzten Jahrzehnten

so intensiv beschäftigt wie gegenwärtig das Thema Nachhaltigkeit. Die Anlageberatung wird damit gleich von zwei Seiten konfrontiert: durch regulatorische Vorgaben, die noch lange nicht abgeschlossen sind. Auf der anderen Seite ein verändertes Bewusstsein der Anlegerinnen und Anleger, das zu einer steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Fondslösungen führt. Spätestens ab August 2022 ist das Thema durch die dann verbindliche Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen bei jedem Kundengespräch auf dem Tisch. Angesichts der Fürsprache von Politik, Umweltverbänden und Anlageexperten könnten ESG-Investments als „Selbstläufer“ erscheinen. Man könnte fast meinen, dass, wenn ein entsprechendes Siegel oder eine Einstufung nach SFDR vorliegt, Beratung überflüssig wird. Weit gefehlt: Eine vorausschauende Anlageentscheidung braucht die informierte Beratung mehr denn je. Und ein Nachhaltigkeitssiegel macht noch keine gute und für den Kunden geeignete Anlagestrategie. Primäre Aufgaben der Beratung bleiben Aufbau und Pflege von Portfolios sowie die Auswahl von Fonds mit geeigneten Strategien. Und da sind die Unterschiede in den Ansätzen groß. Ein wichtiger Aspekt wird auch weiterhin sein, an den Anlegerinteressen ausgerichtete Portfoliostrukturen zu entwickeln und dadurch Risiken zu vermeiden. Dazu können künftig beispielsweise auch ESG-Bewertungsrisiken gehören. In einzelnen klimawandelbezogenen Sektoren zeigen sich erste Anzeichen, wie die BIZ, „Zentralbank der Zentralbanken“, in ihrem jüngsten Quartalsbericht berichtet. Die Aufgabe der Beratung, kluge und umsichtige Anlageentscheidungen im Sinne der Anleger herbeizuführen, wird im Grunde „nur“ um einen sehr spannenden Teilaspekt erweitert, mit dem sich auseinanderzusetzen durchaus lohnenswert ist. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg – und bleiben Sie gesund. Ihr

10|21  FONDSGESPRÄCHE  03


Thema

Inhalt

6 Mehr Indizes, leichtere Orientierung? Ein Markt, ein Index, eine Benchmark: Lange gaben

Indizes klare Orientierung. Doch ihre Zahl explodiert und ihre Rolle ändert sich. Helfen Sie Ihren Kunden durchzublicken.

16 Julius van Sambeck, Managing Director Ethius

Invest, im Interview über die Werteorientierung des neuen Artikel-9-Fonds Ethius Global Impact.

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22 Privatkundenparadies. Beste

Aussichten für die bankenunabhängige Anlageberatung.


Inhalt

Thema

Experten

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ESG: Der Teufel steckt im Detail

26

CO2 -Emissionen: Jetzt zählt Tempo

Mehr Indizes, leichtere Orientierung? Wie Sie Ihren Kunden im Indexwirrwarr Durchblick verschaffen.

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Privatkundenparadies für die Beratung Nie war die Ausgangslage so gut wie heute.

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ESG und China – keine Wahlverwandtschaft? China-Serie: Gibt es überzeugende Antworten zur Nachhaltigkeit?

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Jetzt noch Plätze sichern!

Am 02. 11. beginnen die FFB Fondsgespräche live: intensiver Dialog mit acht Top-Fondsgesellschaften in fünf Städten. Jetzt schnell

Netto-Null-CO2 bis 2050 eröffnet Anlagechancen | Fidelity

34

E = mc2

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Chinas Marktführer von morgen

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Der unterschätzte Feind des Sparers

Im Dialog

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Interview: Werteorientierung Der Ansatz der Ethius Invest Schweiz für ihren Artikel-9-Fonds.

Fokus: Transformation Matthias Kopp (WWF) über den Schlüssel zum nachhaltigen Investieren.

Menschen

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anmelden!

Energie und Technologieentwicklungen: Zukunftsinvestitionen | TBF

China-Aktien: Innovation, Qualität und Binnenkonjunktur | Carmignac

Inflation: beim Einkaufen präsenter als beim Anlegen | DWS

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Nachhaltigkeitsversprechen

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Nachlassendes Wachstum

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Impressum

Wer ist eigentlich … Mark Branson? Ein Porträt des neuen Präsidenten der BaFin.

Die Aussagekraft von ESG-Ratings hält sich teils in Grenzen | DPAM

So sind sie beim Fondsverkauf einlösbar | Ethius Invest

Was ein Blick auf den Zyklus für die Börsen lehrt | ETHENEA

Geschäftserfolg

Wer ist eigentlich …

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Lasst Zahlen sprechen! Das FFB Modellportfolio Tool: nachweisbar erfolgreich für Berater.

Mark Branson?

Services der FFB

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3x Plus für die Beratung Serviceleistungen der FFB weiter verbessert – in drei Dimensionen.

Aus dem Leben

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Tradition und Trend Wertvolles statt Wegwerfware: Messermanufaktur für Nachhaltigkeit.

Fixpunkte

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Auf die Plätze, fertig, los! FFB Fondsgespräche live: jetzt noch schnell online anmelden.

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1

Thema

Mehr Indizes, leichtere Orientierung? Ein Markt, ein Index, eine Benchmark: In dieser Gleichung haben Investoren über ein Jahrhundert lang eine einfache, klare Orientierung gefunden. Doch die Welt wird komplexer, die Zahl der Indizes explodiert und ihre Rolle ändert sich. Helfen Sie Ihren Kunden durchzublicken.

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Thema 1

Der Dow Jones Industrial Average-Index wurde

1884 erschaffen

K

aum vorstellbar: Den DAX – gerade einer Frischzellenkur unterzogen und auf 40 Mitglieder erweitert – gibt es erst seit 1988. Gut 100 Jahre hat es also gedauert, bis die Idee von Charles Dow und seinem Partner Edward Jones endlich auch hierzulande Schule machte. Die beiden haben nämlich bereits 1884 den Dow Jones Industrial Average-Index geschaffen. Sein Ziel: Er sollte die Wertentwicklung des US-amerikanischen Aktienmarktes messen. Der aus 30 Titeln bestehende Index ist – neben dem weniger bekannten Dow Jones Transportation-Index – einer der beiden ältesten noch heute berechneten Aktienindizes. Er ist damit auch Urvater der Idee, die Indizes lange Zeit verfolgten. Sie sollten die Entwicklung einzelner Anlagemärkte messbar machen: Länder-Aktienmärkte, regionale Aktienmärkte, Welt-Aktienmärkte. Die systematische Einteilung der Aktienindizes beim heute nach Umsatz größten Indexanbieter MSCI1 zeugt noch immer von dieser Grundidee (siehe Seite 8, Abbildung oben). Im Sinne der Messung von Marktentwicklung wurden sukzessive auch Indizes für unterschiedliche Anleihenmärkte, für Rohstoff- und Immobilienmärkte entwickelt. Manche traditionellen Indizes, auch der Dow Jones-Index, haben inzwischen bei professionellen Anlegern an Bedeutung verloren. Zwar wird er noch berechnet, doch wird heute von Investmentprofis der S&P 500, der mit 500 Titeln die Breite und Vielfalt des US-Aktienmarktes besser abbildet, als relevanter angesehen. Unter den Indizes, die die Aktienmarktentwicklung weltweit beschreiben, nimmt heute der MSCI World (oder MSCI All Country World) eine herausragende Stellung ein. Für Europa ist es der EURO STOXX 50.

Unter den Indizes, die die Aktienmarktentwicklung weltweit beschreiben, nimmt heute der MSCI World (oder MSCI All Country World) eine herausragende Stellung ein.

Indizes: Die „Türsteher des Kapitals“ Die wesentliche Funktion, die Indizes über mehr als 100 Jahre erlangt haben, ist, als Benchmark für Anlegerportfolios zu dienen. Häufig wird eine Kombination – etwa aus Aktien- und Anleihenindizes – als Orientierung für den Aufbau von Portfolios privater und institutioneller Portfolios gewählt. Investmentfonds orientieren sich traditionell

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1

Thema

Klassifikation von MSCI-Indizes MSCI All Country World Index (ACWI) MSCI World Amerika Kanada USA

Europa & Mittlerer Osten Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Großbritannien Irland Israel Italien Norwegen Österreich Portugal Spanien Schweden Schweiz

MSCI Emerging Markets Pazifik Australien Hongkong Japan Neuseeland Singapur

Amerika Argentinien Brasilien Chile Kolumbien Mexiko Peru

Europa, Mittlerer Osten & Afrika Ägypten Griechenland Katar Kuwait Polen Russland Saudi-Arabien Südafrika Tschechien Türkei Ungarn VAE

Asien China Indien Indonesien Malaysia Pakistan Philippinen Südkorea Taiwan Thailand

Quelle: MSCI, Stand 07. 09. 2021

„Die US-Marktführer in Sachen Aktien-Indizes, MSCI und S&P, entscheiden maßgeblich mit, welche Papiere Anleger im Depot haben – und welche nicht.“

an einer solchen Benchmark. ETFs sollen häufig deren Wertentwicklung möglichst genau abbilden. Durch diese Orientierungsfunktion lenken Indizes die Kapitalströme weltweit. Das Kapital von Investoren fließt vermehrt in Titel, die in wesentlichen Indizes prominent enthalten sind. MSCI, S&P und FTSE Russell ist damit in den vergangenen Jahrzehnten eine enorme Marktmacht zugewachsen, die WirtschaftsWoche nennt sie „Türsteher des Kapitals“: „Die US-Marktführer in Sachen Aktien-Indizes, MSCI und S&P, entscheiden maßgeblich mit, welche Papiere Anleger im Depot haben – und welche nicht.“2 Und das ist alles andere als trivial, denn so harmlos ist die Aufgabe der Messung einer Marktentwicklung nicht.

Anlagemärkte: Messen heißt gestalten Die Entwicklung einzelner Anlagemärkte zu messen klingt zunächst wie eine neutrale, objektive Tätigkeit. Doch das täuscht. Indexanbieter müssen abwägen, welche der an den jeweiligen Börsen notierten Titel sie in ihre Indexberechnung aufnehmen und welches Gewicht sie dem jeweiligen Wertpapier im Index geben. Am häufigsten treffen Anleger heute auf marktkapitalisierungsgewichtete Aktien- und Anleihenindizes (mehr zur Systematik und zum Aufbau von Indizes unter

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„Indizes: 4 Kernfakten für Anleger“). Diese Gewichtung allein hat schon wesentlichen Einfluss auf die Lenkungsfunktion der Kapitalströme. Doch gerade, wenn es Aktieninvestoren darum geht, Wachstums- und Gewinnpotenziale von Unternehmen aus aller Welt in ihr Portfolio zu holen, treffen Anleger mit Indizes mitunter einschneidende Vorentscheidungen. So könnte man zunächst einmal davon ausgehen, dass die Verteilung einer Kapitalanlage über die Weltregionen vom Anteil dieser Region am globalen Bruttoinlandsprodukt abhängen sollte. Schließlich sollen Aktien von den Gewinnen und der Wirtschaftsleistung von Unternehmen getragen sein. Wo diese am größten ist, müsste man demnach am meisten investieren. Danach im abnehmenden Umfang – je nach Anteil von Land oder Region am globalen BIP. Ein Blick auf die Verteilung von Marktkapitalisierung weltweit lässt aber schon ahnen: Wenn Indizes marktkapitalisierungsgewichtet sind, werden ihre Schwerpunktsetzungen von der BIP-Verteilung abweichen. Hier spielen die historisch gewachsene Aktienkultur und damit die traditionellen Wege der Beschaffung von Investitionskapital eine entscheidende Rolle. Wenn die nicht über Aktien funktioniert, wird die Marktkapitalisierung von börsen-


Thema 1

notierten Aktien im Streubesitz aus diesen Ländern hinter anderen zurückbleiben. Die Grafik „Gewichtungskunststück: MSCI All Country World“ zeigt das im Vergleich. Während die USA im Jahr 2020 rund 25 % des globalen BIP erwirtschafteten, lag ihr Anteil an der globalen Marktkapitalisierung gemessen an verfügbaren Daten mit gut 40 % deutlich höher. Im Falle Japans halten sich BIPAnteil und Marktkapitalisierung mit rund 6 % und etwa 7 % fast die Waage. Deutschland und China sind dagegen gemessen am BIP an den Aktienmärkten deutlich unterrepräsentiert. Doch selbst darüber geht die Ländergewichtung, die MSCI faktisch vornimmt, hinaus. So waren US-Aktien 2020 im MSCI All Country World Index mit 58 % vertreten. Also weit jenseits des Anteils von rund 40 %, den die US-Unternehmen an der Marktkapitalisierung weltweit haben. Chinesische Aktien kommen in diesem Index nur auf einen Anteil von 5 %, also weit unter dem Anteil Chinas am globalen BIP (rund 18 %) und auch unter dem Anteil der Marktkapitalisierung aller Aktien aus diesem Ländermarkt chinesischer Aktien (gut 10 %). Rechnet man die chinesischen Unternehmen hinzu, die an US-Börsen gelistet sind, ändert sich das Bild kaum. Denn deren Anteil am US-Aktienmarkt bewegt sich im Promillebereich. Der Grund für die großen Abweichungen liegt darin, dass der Index auf die 3.000 größten Titel nach Marktkapitalisierung weltweit beschränkt ist. Ländermärkte mit vielen, aber kleinen Aktien sind dann im Index unterrepräsentiert. Umgekehrt können Märkte, die zuletzt großen Kapitalzufluss in ihre Top-Aktien verzeichneten, einen übergroßen Anteil erhalten. Heute sind das die USA, Anfang der 1980er-Jahre war das Japan. Obwohl dieser verbreitete Index also „Welt“ im Namen trägt, müssen Investoren genau hinsehen und gegebenenfalls abweichende Vorstellungen von einem globalen Investment durch zusätzliche Schwerpunktsetzungen bzw. Anteile länderspezifischer Indizes „ihrer“ eigenen Benchmark für ihr globales Investment realisieren.

Momentum und andere Verzerrungen Selbst wenn man die Länderallokation einmal außen vor lässt und allein auf die Titelgewichtung blickt, führt die scheinbar so einfache wie objektive Schwerpunktsetzung nach Marktkapitalisierung zu Verzerrungen, deren sich Anleger zumindest bewusst sein sollten. Denn die Effekte dieser Verzerrungen können sich nachteilig auswirken. Marktkapitalisierungsgewichtete Aktienindizes haben nämlich immer eine immanente Momentum-Neigung: D. h. der wertmäßige Anteil der Titel, die zuletzt an den Börsen gut gelaufen sind, wächst – schließlich sind ihre Preise gestiegen. Bei klarem Aufwärtstrend führt das zwar zur Selbstverstärkung von Strategien, die sich eng am Index orientieren oder diesem – wie die meisten ETFs – konsequent folgen. Doch diese Momentum-Neigung kann in Zeiten von Umbrüchen an den Märkten und einer möglichen Trendumkehr problematisch sein. Dann haben Titel mit hohen Preisen und tendenziell hoher Bewertung einen vergleichsweise hohen Anteil am Index. Von möglichen Kursabschlägen ist er daher stärker betroffen. Das ist auch der

Gewichtungskunststück: MSCI All Country World Anteile im Vergleich (in %): BIP, Marktkapitalisierung und Indexgewichtung. USA

China

Japan

Deutschland

Anteil am globalen BIP (USD)

Anteil an globaler Marktkapitalisierung (USD)

Anteil am MSCI All Country World

0

10

20

30

40

50

60

Quellen: Bruttoinlandsprodukt in US-Dollar im Jahr 2020 (Internationaler Währungsfonds, April 2021); Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen in US-Dollar im Jahr 2019 – neueste verfügbare Daten (WEF/Weltbank, April/Juli 2021); Anteile am MSCI All Country World, 2020 (msci.com, 15. 05. 2020)

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1

Thema

Indizes: 4 Kernfakten für Anleger Was hinter einem Index steckt, lässt sich an vier Merkmalen festmachen. Wer sie kennt, kann besser einschätzen, um welchen Index es sich handelt und wofür der Index nützlich sein kann. 1. Wer ist Indexanbieter? Die Anforderungen für eine Indexaufnahme legen letztlich die Indexanbieter fest, also MSCI, S&P Dow Jones Indices und FTSE Russell & Co. Meist folgt die Auswahl nach Anlageklasse, Marktkapitalisierung, Branche, Region oder auch nach einer Kombination dieser Kriterien. Die großen Indexanbieter sind in den USA beheimatet. Ihre Weltindizes bringen daher oft eine starke Betonung des US-Marktes mit. 2. Handelt es sich um einen Kursoder Performanceindex? Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Kursversus Performanceindex: In einem Kursindex werden nur Kursveränderungen berücksichtigt,

Ausschüttungen wie Dividenden oder Zinszahlungen schlagen sich nicht nieder. In einen Performanceindex fließen hingegen sämtliche Erträge der im Index enthaltenen Unternehmen ein, also Dividenden-, Bonus- oder Zinszahlungen. Kursindizes sind der Normalfall (S&P 500, Dow Jones, Nikkei 225, FTSE 100, CAC 40). Der DAX ist als Performanceindex eher die Ausnahme. 3. Welcher Markt soll abgebildet werden, wie erfolgen Titelauswahl und -gewichtung? Wichtig ist natürlich auch das Titeluniversum, aus dem ausgewählt wird: Handelt es sich um den Aktien- oder Anleihenmarkt, um bestimmte Branchen oder Regionen? Dazu kommt die Gewichtung im Index: – M arktkapitalisierungsgewichtung: Die Gewichtung erfolgt entsprechend der Marktkapitalisierung eines Unternehmens

(Anzahl der ausgegebenen Titel multipliziert mit dem Börsenkurs). Beispiele: DAX, MSCI World und S&P 500. – Preisgewichtung: Die Kurse aller im Index enthaltenen Werte werden addiert und anschließend durch die Anzahl der Titel im Index geteilt. Beispiele: Dow Jones und Nikkei 225. – Gleichgewichtung: In gleichgewichteten Indizes („equal weight“) erhalten alle Titel das gleiche Gewicht. Der Vorteil ist, dass „teure“ Titel nicht zu hoch gewichtet werden. Wirklich durchsetzen konnte sich dieses Indexkonzept aber nicht. 4. Wie wird der Index regelmäßig überprüft? Hier geht es um die Überprüfung der Indexzusammensetzung und deren Umsetzung. Verändert sich der Markt, können Titel aus einem Index herausfallen oder andere neu hinzukommen. Dafür wird die Zusammensetzung monatlich, vierteljährlich oder jährlich überprüft.

Kernpunkte für die Indexunterscheidung Titeluniversum

Titelauswahl

Titelgewichtung

Überprüfung

Grundgesamtheit an Wertpapieren

Auswahlkriterien für Wertpapiere

Gewichtung der Wertpapiere

Regelmäßige Überprüfung der Zusammensetzung

z. B. alle Unternehmen eines Landes oder einer Region

z. B. Marktkapitalisierung (Größe eines Unternehmens)

z. B. nach Preis oder Marktkapitalisierung

z. B. monatlich, vierteljährlich oder jährlich

Kundeninfo zum Download unter

10  FONDSGESPRÄCHE  10|21

Grund, warum sich aktive Fondsstrategien in Abwärts- und Umbruchphasen im Durchschnitt leichter tun, passive, also rein indexorientierte Strategien zu übertreffen. Aktuelles Beispiel: Während der Aufwärtsphase im ersten Halbjahr 2021 gelang dies nach Untersuchungen von Scope nur knapp 38 % der Fondsangebote. Beim von starken Einschnitten geprägten Vorjahr 2020 konnten dagegen noch 46 % ihren Vergleichsindex übertreffen.3 Bei Anleihenindizes kann die Marktkapitalisierungsgewichtung dazu führen, dass die

einflussreichsten Indexbestandteile auch eine hohe Schuldenlast tragen. Das kann auch ein Anzeichen für eine verschlechterte Finanzlage dieser Unternehmen sein. Auch hier kann es sich also lohnen, Experten die einzelnen Titel genauer analysieren zu lassen. Auch im Anleihenmarkt gilt das besonders in Stressphasen, wenn sich beispielsweise durch einen Zinsanstieg die Refinanzierungsmöglichkeiten von Unternehmen und Staaten verschlechtern.


Kapital oder Kaufkraft? Das ist doch die K-Frage! Wenn man heute 5.000 EUR auf das Sparbuch oder Festgeldkonto einzahlt, dann steht dieser Betrag in der Regel auch nach 5, 10 oder 20 Jahren noch zur Verfügung. Das Kapital bleibt auf den ersten Blick erhalten. Aber der zweite Blick lohnt sich: Denn was passiert mit der Kaufkraft? Was kann man sich damit noch leisten? Bei Nullzinsen und nach Abzug der Inflation? Sprechen Sie Ihre Kunden zur K-Frage an. Zeigen Sie ihnen mögliche Alternativen zum Kaufkrafterhalt, wie z.B. Fonds der DWS. Alle Infos zur K-Frage bei der Geldanlage finden Sie hier: go.dws.de/k-frage

Investitionen unterliegen Risiken. Wichtige Hinweise: DWS ist der Markenname, unter dem die DWS Group GmbH & Co. KGaA und ihre Tochtergesellschaften ihre Geschäfte betreiben. Die jeweils verantwortlichen rechtlichen Einheiten, die Kunden Produkte oder Dienstleistungen der DWS anbieten, werden in den entsprechenden Verträgen, Verkaufsunterlagen oder sonstigen Produktinformationen benannt. Die vollständigen Angaben zu den Fonds einschließlich der Risiken sind dem jeweiligen Verkaufsprospekt in der geltenden Fassung zu entnehmen. Diese sowie die jeweiligen „Wesentlichen Anlegerinformationen“ stellen die allein verbindlichen Verkaufsdokumente der Fonds dar. Anleger können diese Dokumente sowie Kopien der Satzungen des Verwaltungsreglements und die jeweiligen zuletzt veröffentlichten Jahres- und Halbjahresberichte in deutscher Sprache bei ihrem Berater, bei der DWS Investment GmbH, Mainzer Landstraße 11–17, D 60329 Frankfurt am Main und, sofern es sich um luxemburgische Fonds handelt, bei der Deutsche Asset Management S.A., 2, Boulevard Konrad Adenauer, L-1115 Luxemburg erhalten sowie elektronisch unter www.dws.de herunterladen. DWS International GmbH, Stand: 20.08.2021. Alle Meinungsäußerungen geben die aktuelle Einschätzung der DWS International GmbH wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung ändern kann. Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageberatung dar.


1

Thema

Beispiele für MSCI ESG-Indexgruppen MSCI ESG Equity ESG Leaders ESG Focus ESG Universal Low Carbon Climate Change

MSCI ESG Fixed Income & Bloomberg Barclays MSCI MSCI – ESG Universal – ESG Leaders – Climate Bloomberg Barclays MSCI – ESG Universal – ESG Leaders

Integration

– – – – –

Value & Screens

– – – –

SRI KLD 400 Social ESG Screened E x Controversial Weapons – Ex Tobacco Involvement – Ex Fossil Fuel – Faith Based

Bloomberg Barclays MSCI – Socially Responsible (SRI) – Faith Based

Impact

– Sustainable Impact – Global Environment – Women’s Leadership

Bloomberg Barclays MSCI – Green Bonds

Quelle: msci.com, abgerufen am 31.08.2021

Exponentielle Vermehrung: Mehr als 3 Millionen Indizes

Es gibt mehr als

3.000.000 Indizes weltweit

12   FONDSGESPRÄCHE  10|21

Weltweit gibt es weniger als 45.000 an Börsen notierte Aktienunternehmen.4 Welche Zahl an Indizes würden Anleger erwarten – Anleihen-, Rohstoff- und Immobilienmarktindizes hinzugerechnet? Bestimmt nicht die Zahl, die der Realität entspricht: 3.000.000! Haupttreiber dieser Entwicklung ist die wachsende Bedeutung von ETFs und hier insbesondere der passiven, indexgebundenen Produkte. Seit der Jahrtausendwende haben sie mit einem zunächst einfachen Versprechen an Anleger viel Kapital eingeworben: Erhalten Sie zuverlässig die Wertentwicklung des Index – vermindert um ganz geringe Gebühren. Am Anfang stand die Nachbildung traditioneller Marktindizes der Liga MSCI World, S&P 500 oder auch des DAX. Mit dem zunehmenden Erfolg der ETFs wurde die Nachfrage nach immer feiner segmentierbarer passiver Anlage größer. Entsprechend wuchs die Zahl von Indizes, die Investitionen zum Beispiel in sektorale Ländermärkte oder ganz spezifische Investment Grade- oder High Yield-Anleihesegmente ermöglichten. Da

Indexanbieter für jeden „Spezial“-Index Lizenzgebühren verlangen, ist die Ausweitung des Indexuniversums ein lukratives Geschäft und verleiht somit der Indexentwicklung eine große Dynamik. Heute hat sich die Berechnung von Kapitalmarktbarometern zu einem riesigen Geschäft entwickelt. 2020 erreichte der Umsatz der Indexanbieter den Rekordwert von 4,1 Milliarden US-Dollar – gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus von 10 %, wie eine Auswertung der Unternehmensberatung Burton-Taylor zeigt. Dominiert wird der Markt von den drei Akteuren MSCI (25 % der Umsätze), gefolgt von S&P Dow Jones (24 %) und FTSE Russell (19 %), einer Tochter der Londoner Börse.1 Das verbleibende Drittel teilen sich Indexanbieter wie Nasdaq, STOXX – der Gruppe Deutsche Börse zugehörig –, Bloomberg sowie kleinere Neulinge wie Solactive.

Die Treiber: Von Faktor- und Themen- bis hin zu Kryptoindizes Ein weiterer Grund für die explodierende Anzahl an Indizes liegt darin, dass ETF- und Indexanbieter seit einigen Jahren an die Weiterentwicklung über die immer feinere Unterteilung bekannter Anlagemärkte hinausgangen sind. Indizes und auf ihnen beruhende ETFs sollen auch aktive Elemente des Investierens einfangen. Sie sollen Anlegern helfen, z. B. sektorale Schwerpunkte in Boombranchen zu setzen oder mithilfe von Anlagestilfaktoren zu investieren. Faktor-Indizes lassen die Grenze von passivem und aktivem Investment verschwimmen (entsprechende ETFs rufen in der Regel auch höhere Gebühren auf als ihre einfach marktabbildenden Ahnen). Faktor-Indizes zeichnen sich dadurch aus, dass die Titel anhand bestimmter Merkmale („Faktoren“) alternativ gewichtet werden. Ziel ist es, eine Mehrrendite gegenüber dem breiten Markt zu erzielen. Die wichtigsten Faktoren sind Size (Titel mit niedrigerer Marktkapitalisierung), Value


Thema 1

(günstig bewertete Titel), Momentum (Titel mit zuletzt positiver Kursentwicklung), Qualität (Titel mit soliden Unternehmenserträgen) und Minimum Volatility (Titel mit niedriger Volatilität). Themenindizes, ebenfalls im Kommen, bilden – anders als Branchenindizes – ein Thema ab, das viele Branchen betrifft bzw. betreffen kann, etwa die demografische Entwicklung, die Digitalisierung oder Wasser. Jüngstes Baby der Branche sind Kryptowährungsindizes, Indizes also, die die Entwicklung mehrerer Kryptowährungen wiedergeben. Die großen Indexanbieter bieten solche Indizes bereits an (S&P) oder arbeiten daran (MSCI).

ESG-Indizes: Der große neue Entwicklungstrend Der große Trend ist derzeit aber sicherlich die Entwicklung immer neuer Nachhaltigkeitsindizes. Nur ein Beispiel: Allein MSCI hat eigenen Angaben zufolge mittlerweile über 1.500 Aktien- und Anleihenindizes im Angebot, die Anlegern helfen sollen, die Entwicklung von ESG-Anlagen (Environmental, Social, Governance) zu messen und zu vergleichen. Oft handelt es sich dabei um Nachhaltigkeitsversionen klassischer Indizes (etwa den S&P 500 ESG-Index), zum Teil aber auch um eigens konzipierte Indizes zur Abbildung nachhaltiger Titel. Der Markt hat sich schon stark ausdifferenziert (siehe Grafik links oben). SRI-Indizes (Socially Responsible Investment) basieren im Übrigen auf strengeren Nachhaltigkeitskriterien als ESG-Indizes.

„Kohlenstoffarme“ Benchmarks der EU – gegen Greenwashing Das Vorgehen der Indexanbieter, zu traditionellen Indizes nachhaltige Pendants zu schaffen, birgt natürlich immer die Gefahr des Greenwashings oder zumindest das Risiko, dass Anleger unter der Nachhaltigkeit eines Index mehr verstehen und erwarten als der Indexanbieter selbst. Um dem vorzubeugen, entwickelt die EU eigene Nachhaltig-

keitsbenchmarks. Diese sollen Kriterien für nachhaltige Indizes definieren, auf die sich Anleger verlassen können, wenn sie diese als Benchmarks ihren Portfolios zugrunde legen. Bislang sind im Rahmen des EU-Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums zwei neue Benchmarks entstanden und in Kraft getreten. Beide im Bereich Klimaschutz, der von der EU unter den verschiedenen Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten als besonders dringlich gesehen wird: die EU Climate Transition Benchmark (CTB) und die – noch strengere – EU Paris-aligned Benchmark (PAB). Die Anforderungen: Die im Klimaindex EU PAB enthaltenen Unternehmen müssen mindestens 50 % weniger CO2-Intensität im Vergleich zum investier-

EU-CO2 -Benchmarks im Vergleich EU Climate Transition Benchmark (CTB)

EU Paris-aligned Benchmark (PAB)

Reduzierung der CO2 - –30 % Intensität (versus investierbares Universum)

–50 %

Übergangsphase für Scope 3-Emissionen*

bis zu 4 Jahre

bis zu 4 Jahre

Mindestausschlüsse

– kontroverse Waffen – Verstöße gegen gesellschaftliche Normen – Tabak

Weitere Ausschlussgrößen/ Anforderungen

– Sustainable Impact – Erlöse aus Kohle > 1 % – Global Environment – E rlöse aus Ölförderung oder – Women’s Leadership – Ölverarbeitung > 10 % – Erlöse aus Erdgasgewinnung oder -verarbeitung > 50 % – Erlöse aus Stromerzeugung mit einer Treibhausgasintensität der LebenszyklusEmissionen von mehr als 100 g CO2e/kWh** > 50 %

Quelle: EU-Kommission, Darstellung FFB * Scope 3 umfasst alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen. Also z. B. gekaufte Waren und Dienstleistungen, Geschäftsreisen, Pendler, Abfallentsorgung, Verwendung verkaufter Produkte, Transport und Lieferung (Up- und Downstream), Investitionen, Leasingobjekte und Franchisenehmer. Aktuell besteht noch keine Pflicht, diese Emissionen zu reporten. Zudem sind sie auch zum Teil nur schwer messbar und müssen daher geschätzt werden. **CO2e/kWh = CO2 -Äquivalente je Kilowattstunde.

10|21  FONDSGESPRÄCHE  1 3


1

Thema

EU-Benchmarkverordnung Als Konsequenz aus der Manipulation von Referenzsätzen wie LIBOR hat der EU-Gesetzgeber die Benchmarkverordnung geschaffen, die seit Anfang 2018 gilt. Sie bezieht sich auf Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden. Zum Beispiel müssen nun alle „Kontributoren“, also alle, die zu einem Referenzwert beitragen, stets ihre „Genauigkeit, Integrität, Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit” für die Berechnung dieser Referenzwerte garantieren. Unternehmen, die einen Referenzsatz berechnen, müssen auch „Chinese Walls” – also organisatorische Trennungen – zwischen der Indexadministration und anderen Bereichen, mit denen es zu Interessenkonflikten kommen könnte, einrichten. Die Verordnung besagt auch, dass nicht jeder einen Index erstellen kann: Um als Administrator für einen Index oder Referenzwert tätig werden zu dürfen, ist die Zulassung bei der jeweiligen Finanzaufsichtsbehörde nötig. Das erhöht die Verlässlichkeit der Indizes für Anleger.

baren Universum aufweisen. Bei der EU CTB sind es 30 % weniger. Beide schließen kontroverse Waffen, Verstöße gegen gesellschaftliche Normen und Tabak aus, die EU PAB zusätzlich Unternehmen, die in den Bereichen Kohle und – oberhalb gewisser Schwellenwerte – Erdöl, Erdgas sowie kohlenstoffintensiver Stromerzeugung tätig sind. Viele Indexanbieter haben reagiert und auf der Grundlage dieser neuen Benchmarks bereits zahlreiche Indizes erstellt, MSCI etwa den MSCI World Climate Paris-aligned Benchmark Select Index. Die CO2-Benchmarkverordnung regelt zudem Offenlegungspflichten für CO2-Benchmarks – ein weiterer Schritt zu mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit für Anleger.

Fazit: Was Indizes heute für die Kapitalanlage leisten

Burton-Taylor, Financial Times, 27. 05. 2021. WirtschaftsWoche, 25. 06. 2018. 3  investrends.ch, 27. 08. 2021. 4  WFE/Weltbank (für 2019), Juli 2021. 5  msci.com, 30. 07. 2021. 1

2

14   FONDSGESPRÄCHE  10|21

Für Anleger und Berater heißt das alles: Indizes sind nach wie vor gute Hilfsmittel, um Entwicklung von Märkten, Teilmärkten und Segmenten zu beobachten und zu vergleichen – und auch den eigenen Anlageerfolg zu messen. Aber es gilt, sorgfältig zu analysieren, was ein Index leistet und wo mögliche Schwachstellen sind, die beim Aufbau

eines Portfolios oder bei der Auswahl von Fonds, die sich eine Indexbenchmark setzen, zu beachten sind. Das sind die Bereiche, die besonderes Augenmerk erfordern: Es macht einen großen Unterschied, ob es sich bei einem Index um einen Kurs- oder Performanceindex handelt und wie die Anteile im Index gewichtet sind. Vorsicht ist geboten, wenn (wie bei Fonds nicht selten) die Entwicklung mit einem Kursindex verglichen wird. Wer Ländermärkte wie den deutschen mit dem US-amerikanischen Markt vergleichen möchte, muss gleichartige Indizes wie den Kurs-DAX und den S&P 500 heranziehen. Auch Ihre Kunden sollten die wichtigsten Indizes kennen! So ist der MSCI World etwa kein Weltindex, sondern ein Industrieländerindex, der zudem noch sehr USA-lastig ist (68 %). Industrie- und Schwellenländermärkte bildet der MSCI AC World ab. Im MSCI Emerging Markets hat China einen großen Anteil (35 %).5 Behalten Sie als Berater Gewichtungen der Titel im Index im Auge! So machen etwa die US-Technologiewerte Apple, Microsoft, Amazon, Facebook, Tesla und Alphabet durch den starken Kursanstieg in den vergangenen Jahren im S&P 500 mittlerweile 23 % aus. Achten Sie auf neue Indexzusammensetzungen! Neben dem DAX mit seiner Erweiterung auf 40 Mitglieder im September 2021 ist auch der MSCI Emerging Markets ein Beispiel für große Veränderungen: Denn 2018 begann MSCI, chinesische Festlandaktien („A-Shares“) in den Index aufzunehmen. Die gelten als deutlich volatiler als in Hongkong („H-Shares“) oder im Ausland gelistete Aktien.


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Der TBF SMART POWER investiert in Unternehmen, die weltweit im Aufbau der intelligenten Stromnetzwerke („Smart Grid / Transmission and Distribution“) sowie in den Bereichen „Power Management / LNG Infrastructure“ und „Energy Efficiency / Renewables“ tätig sind. Dadurch ermöglicht der globale Aktienfonds eine Investition in die gesamte Wertschöpfungskette der Energieinfrastruktur bzw. - Industrie. Zudem werden im gesamten Investmentprozess strenge ESG-Kriterien sowohl bei Ausschlüssen als auch bei der fundamentalen Analyse berücksichtigt. ISIN TBF SMART POWER EUR R DE000A0RHHC8 TBF SMART POWER EUR I DE000A2AQZX9

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ESG investment process

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Disclaimer © 2021 TBF Global Asset Management GmbH (für vorstehende Texte und Bilder). Alle Rechte vorbehalten. Diese Unterlage dient ausschließlich Informationszwecken. Historische Wertentwicklungen sind keine Garantie für eine ähnliche Entwicklung in der Zukunft. Diese ist nicht prognostizierbar. Die Abbildungen kurzfristiger Zeiträume (unter 12 Monaten) müssen im Kontext zur langfristigen Entwicklung gesehen werden. Alle Angaben zur Performance verstehen sich netto, das heißt, inklusive aller Fondskosten ohne eventuell bei den Kunden anfallenden Bank-, Verwaltungs- und Transaktionsgebühren sowie Ausgabeaufschlägen. Die Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir jedoch keine Gewähr übernehmen können. Der Fonds weist aufgrund seiner Zusammensetzung und seiner Anlagepolitik ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf, d.h. in kurzen Zeiträumen nach oben oder unten stark schwankender Anteilspreise. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass dies keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen darstellt. Anlageentscheidungen sollten nur auf der Grundlage der Wesentlichen Anlegerinformationen (WAI) und der geltenden Verkaufsprospekte getroffen werden, die auch die allein maßgeblichen Vertragsbedingungen enthalten. Die Verkaufsprospekte werden bei der jeweiligen Depotbank und den Vertriebspartnern zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Verkaufsprospekte sind zudem erhältlich im Internet unter: www.tbfsam.com oder auf den Internetseiten der jeweiligen Kapitalanlagegesellschaften. Die zur Verfügung gestellten Informationen bedeuten keine Empfehlung oder Beratung. Alle Aussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers/der Verfasser wieder und stellen nicht zwingend die Meinung einer der in dieser Information genannten Gesellschaften dar. Die zum Ausdruck gebrachten Meinungen können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Die hier genannten Gesellschaften übernehmen keine Haftung für die Verwendung dieser Information oder deren Inhalt. Änderungen dieser Information oder deren Inhalt, einschließlich Kopien hiervon, bedürfen der vorherigen ausdrücklichen Erlaubnis des Herausgebers [TBF Global Asset Management GmbH]. Das Europäische Transparenz-Logo für Nachhaltigkeitsfonds kennzeichnet, dass TBF sich verpflichtet, korrekt, angemessen und rechtzeitig Informationen zur Verfügung zu stellen, um Interessierten, insbesondere Kunden, die Möglichkeit zu geben, die Ansätze und Methoden der nachhaltigen Geldanlage des jeweiligen Fonds nachzuvollziehen. Ausführliche Informationen über die Europäischen Transparenzleitlinien finden Sie unter www.eurosif.org. Informationen über die Nachhaltige Anlagepolitik und ihre Umsetzung der Fonds TBF GLOBAL INCOME und TBF SMART POWER finden Sie in diesem Dokument und unter: https://www.tbfglobal.com/transparenz. Die Transparenzleitlinien werden gemanagt von Eurosif, einer unabhängigen Organisation. Das Europäische SRI Transparenz-Logo steht für die oben beschriebene Verpflichtung des Fondsmanagers. Es ist nicht als Befürwortung eines bestimmten Unternehmens, einer Organisation oder Einzelperson zu verstehen.


Im Dialog

Die Ethius Invest Schweiz GmbH wurde 2018 als nachhaltige und werteorientierte Vermögensverwaltung in Luzern gegründet. Anfang März dieses Jahrs hat Ethius einen neuen globalen Aktienfonds in Deutschland nach Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung mit dem Namen Ethius Global Impact aufgelegt. Wir haben Julius van Sambeck, Managing Director der Ethius, sechs Fragen zu dem neuen Fonds gestellt. Herr van Sambeck, welche Unternehmen sind in dem neuen Fonds der Ethius Invest enthalten? Julius van Sambeck: Der Ethius Global Impact Fonds investiert in alle 50 Unternehmen des Global Challenges Indexes (GCX). Strenge Ausschlusskriterien wie zum ­Beispiel der Ausschluss von fossilen Brennstoffen, grüner Gentechnik oder der Rüstungsindustrie führen das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung

Biodiversität. Große Tech-Konzerne haben in dem Fonds genauso wenig Platz wie Ölmultis oder Agrarriesen. Die Gewichtung der einzelnen Titel des GCX in unserem Fonds ist einzigartig, denn kleinere Unternehmen haben bei uns ein höheres Gewicht als im Index. Darüber hinaus betreiben wir Engagement mit allen Fondsunternehmen sowie dessen StakeholderInnen und nehmen Abstimmungen auf Hauptversamm-

Geldanlagen haben immer eine direkte oder indirekte Auswirkung auf die Umwelt und die Gesellschaft. Beides gilt auch für die Wirkung einer Investition in den Ethius Fonds. Indirekte Wirkung entfalten die passiven Ansätze unserer Anlagestrategie. Mit einer ethisch-nachhaltigen Titelselektion von börsennotierten Wertpapieren (SRI-Investing) fördern wir jene ­Unternehmen, die auf Basis der Einzeltitelanalyse ­besonders

Werteorientie aus der häufig beklagten Abstraktheit heraus und konkretisieren ­dabei klar definierte Positivkriterien für die Auswahl. Die Portfoliounternehmen des Fonds sind hauptsächlich in Europa, aber auch in Nordamerika beheimatet und zeichnen sich dadurch aus, dass sie aktive, substanzielle und richtungsweisende Beiträge zur Bewältigung von sieben identifizierten globalen Herausforderungen leisten. Dazu ge­ hören zum Beispiel der Umgang mit der Bevölkerungsentwicklung, Armut, dem Klimawandel oder der

16   FONDSGESPRÄCHE  10|21

lungen treuhänderisch und im Rahmen der Philosophie des Fonds wahr. Ihr Fonds wurde wohl auch deshalb von Anbeginn an dem Artikel 9 der neuen EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) zugewiesen. ­Welche gesellschaftliche Wirkung soll der Fonds genau erzielen und mit welchen Zielen im Kopf haben Sie den Fonds aufgebaut? van Sambeck: Ja, der Fonds strebt in der Tat eine nachhaltige Investition nach Artikel 9 der SFDR an.

starke soziale und ökologische Kriterien aufweisen. Wie der Name „Global Challenges“ vermuten lässt, ist für die Auswahl der Unternehmen entscheidend, inwiefern sie sich aktiv den großen globalen Herausforderungen unserer Zeit stellen. Mit der aktiven Anlagestrategie, die nach dem Investitionsentscheid des Fonds folgt, wird eine direkte Wirkung erzielt. In einem konstruktiven Dialog mit den Fondsunternehmen werden explizite Ansprüche an das Unternehmen verdeutlicht. Dazu gehören hohe Standards in


Im Dialog

Julius van Sambeck, Managing Director Ethius Invest

den Feldern Unternehmenspolitik, soziale Verantwortung, ressourcenschonende Betriebsführung, entwicklungspolitische Ziele sowie Produktverantwortung. Auch das Vorhandensein ökologischer und sozialer Standards (z. B. Umweltmanagementsysteme oder Antikorruptionssysteme), nachhaltige Beschaffungsstrukturen, Transparenz und ein fairer Umgang mit allen Stakeholdern spielen für uns eine große Rolle in unserem ausgearbeiteten Engagement-Prozess. Das Einwirken auf diese Unternehmen über diesen konstruktiven Dialog steht in unmittelbarer Verbindung zu der Auswirkung der Unternehmen auf ihre Umwelt und die Gesellschaft im Rahmen ihrer

rung Geschäftstätigkeit. Diese Aufgaben nehmen wir treuhänderisch für unsere InvestorInnen wahr. Welche sind denn konkret die ­innovativen Merkmale und Treiber des Ethius Global Impact Fonds? Was zeichnet ihn gegenüber anderen bestehenden Nachhaltigkeitsfonds aus? van Sambeck: Die Dialogführung mit Fondsunternehmen und dessen StakeholderInnnen sowie die Abstimmung auf Hauptversammlungen gemäß individuellen Stimmrechts-

richtlinien zeichnen den Fonds im Vergleich zu vielen anderen Nachhaltigkeitsfonds aus. Anders als bei den großen Asset-Managern, die das Thema Nachhaltigkeit einem sonst fremden Kerngeschäft beimengen, ist diese Engagement-Strategie Teil des fundamentalen Anlageprozesses bei Ethius und wird während des gesamten Investitionslebenszyklus ausgeübt. Nur so kann man von erfolgter Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Investmentstrategie und den Anlageprozess sprechen. Zur Vermeidung von Risi-

ken und zur Förderung der Nachhaltigkeit in der unternehmerischen Praxis stehen wir mit NGOs, Ratingagenturen und den Portfoliounternehmen selbst im aktiven Dialog. Diese Form des verantwortungsvollen Investierens bedeutet zum einen einen großen zeitlichen Aufwand und erfordert zum anderen auch spezifisches Know-how im Nachhaltigkeitsmanagement bei uns, den Fondsinitiatoren. Der Fonds zeichnet sich also dadurch aus, dass wir unseren

10|21  FONDSGESPRÄCHE  1 7


Im Dialog

Fokus darauf legen, im kritisch konstruktiven Austausch mit allen StakeholderInnen zu stehen, um unter anderem eine fortwährende Steigerung ihrer ESG-Performance zu erreichen. Wir sind frei von Interessenkonflikten und keinem Finanzkonzern verpflichtet. Deshalb zählen wir zu ­unserer aktiven Anlagestrategie ebenfalls das philanthropische ­Engagement, welches durch die ­d irekte finanzielle Unterstützung in Projekte und Programme durch die Ethius Stiftung erfolgt. Mit Dauerspenden für eine spezifische, gemeinnützige Sache mit den Förderschwerpunkten innerhalb der sieben Herausforderungen stellt diese Strategie die direkte und die messbarste Form von positivem „Impact“ dar. Die Finanzierung der Programme und Projekte erfolgt durch einen Teil unserer Umsätze aus dem Fonds. Aktuell werden 15 % der eingehenden Verwaltungsvergütung des Fonds direkt in die Ethius Stiftung einbezahlt. Wir schaffen somit eine Brücke zwischen Finanzplatz und sozialem Unternehmertum, wobei die Auswahl der Programme und Projekte unter Aufsicht eines unabhängigen Stiftungsbeirats erfolgt. Sowohl diese Engagement-Aktivitäten des Fonds als auch die finanzierten Programme und Projekte der Stiftung werden fortlaufend auf unseren Webseiten ­vorgestellt und sind transparent im jährlich erstellten Impact Report des Fonds ersichtlich. Sie betonen den besonders intensiven Dialog mit den investierten Unternehmen zu Nachhaltigkeitsfragen. Aber ist das überhaupt ­notwendig? Ihre Portfoliounter-

18   FONDSGESPRÄCHE  10|21

Unternehmensphilosophie Ethius Invest Schweiz Die Grundüberzeugung: Ethisch verantwortliche Geldanlagen haben das Potenzial, gesellschaftliche, soziale und ökologische ­Verhältnisse in der wirtschaftlichen Realität Schritt für Schritt positiv zu beeinflussen und zu verändern.

nehmen scheinen doch schon nachhaltige Vorzeigefirmen zu sein, da sie ja dem GCX-Index ­a ngehören. van Sambeck: Die Portfoliounternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Kerngeschäft einen substanziellen Beitrag zu den globalen Herausforderungen leistet. Das bedeutet jedoch nicht gleichzeitig, dass diese Firmen in ihren Geschäftspraktiken in jeder Hinsicht hohe Nachhaltigkeitsstandards aufweisen. Dass die Firmen sich jedoch durch ihr nachhaltiges Geschäftsmodell bereits auszeichnen, erleichtert allerdings den Dialogeinstieg mit ihnen, wenn es darum geht, an sie Verbesserungsvorschläge zu adressieren, die ihre Nachhaltigkeitsperformance zusätzlich steigern. Wir haben für jedes Fondsunternehmen ein transparentes, öffentlich einsehbares Stärken-Schwächen-Profil erstellt. Aus diesen Kritikpunkten können sie konkrete Verbesserungsvorschläge für jedes Unternehmen ableiten. Gleichwohl sind wir uns

bewusst, dass wir mit diesem Fonds allein nicht die Welt verändern. Wir möchten jedoch an alle anderen InvestorInnen appellieren, sich an unserer Arbeit zu beteiligen. Unsere Wirkungskraft entfaltet sich dann besonders, wenn andere Teilhaber unserer Firmen ebenfalls einen aktiven Anspruch einer nachhaltigen Transformation an die Unternehmen stellen. Wir für unser Unternehmen jedenfalls leisten hiermit unseren Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung in dem Wirkungskreis, den wir aktiv beeinflussen können. Wie weit können oder werden Sie beim Engagement gehen? Wie ist Ihre Einstellung zu Divestments? van Sambeck: Ein Divestment ist unserer Meinung nach kein wirkungsorientiertes Instrument, um eine nachhaltige Veränderung innerhalb der Unternehmen zu erreichen. Wir setzen auf Kooperation, mit Nachdruck. Die Methode des Divestments ist zwar bedeutend, um ganzen Branchen aufzuzeigen, dass sie gemieden werden, in unserem Fall jedoch nicht notwendig, da strenge Ausschlusskriterien vor dem Anlageentscheid dafür Sorge tragen, nicht in solche Branchen zu investieren. Bei Unternehmen, deren Geschäftsmodell an sich „sauber“ ist und wenn es sich bei den Engagement-Themen um einzelne Geschäftspraktiken handelt, ist es stattdessen wichtig, sich aus diesen Unternehmen gerade nicht zurückzuziehen, nur weil sie nicht umgehend auf unsere Vorschläge und Kritik reagieren. Damit würde man schlichtweg seine Stimme einem anderen Marktteilnehmer überlas-


Im Dialog

„Der Fonds zeichnet sich also dadurch aus, im kritisch konstruktiven Austausch mit allen StakeholderInnen zu stehen.“ Julius van Sambeck

sen, der diese im Zweifelsfall nicht für eine nachhaltige Veränderung nutzen würde. Stattdessen muss man über viele Jahre an den wichtigen Themen für eine nachhaltige Transformation dranbleiben. Rahmen­ bedingungen wie gesetzliche Vorschriften oder auch Druck aufseiten der KundInnen des Unternehmens können auf lange Sicht ein verändertes Marktumfeld schaffen, sodass Unternehmen vielleicht erst mit der Zeit unsere Veränderungsvorschläge positiv aufnehmen und ­Taten folgen lassen. In derselben Zeit kann Ethius an anderer Stelle aktiv werden, nämlich indem wir Allianzen mit weiteren Teilhabern eines Unternehmens schließen und sie von der Wichtigkeit unseres Anliegens überzeugen. Mit dieser neu gewonnenen Stimmkraft steigt dann im nächsten Schritt wiederum die Wahrscheinlichkeit, von den Fondsunternehmen zu dringenden Themen gehört zu werden. Insbesondere das Lieferkettengesetz gibt uns bei deutschen Unternehmen eine zuvor noch nie dagewesene Hebelwirkung. Erste Resultate deuten darauf hin, dass der Gesetzgeber mit diesem Gesetz Rahmenbedingungen geschaffen hat, die den Einsatz für eine noch nachhaltigere Entwicklung positiv beeinflussen werden.

Sie erwähnten, ein Teil der Verwaltungsvergütung des Fonds geht systematisch an die Ethius Stiftung. Was macht diese Stiftung mit dem Geld? Können Sie uns konkrete Projekte vorstellen? van Sambeck: Der Entscheid über die Mittelverwendung geschieht auf Antrag unseres ausgewählten Stiftungsbeirats. Er besteht aus Persönlichkeiten mit Erfahrungen in den Bereichen der internationalen Entwicklungsarbeit und national tätigen Kultur- und Infrastruktur-Förderungseinrichtungen in der Schweiz und in Deutschland. Der Stiftungsbeirat hat das Vorschlags- und Auswahlrecht von Förderprogrammen und Projekten zur finanziellen Unterstüt-

zung und Begleitung. Zuletzt wurde ein Projekt in Simbabwe mit dem Projektnamen „Wüste in Lebensraum verwandeln“ vom Weltfriedensdienst ausgewählt. Die unterstützten Projekte sind auf der Stiftungswebseite einsehbar und werden dort vorgestellt. Alternativ geben wir einen jährlichen Impact Report heraus, in dem die Projekte der Stiftung im Detail vorgestellt werden und gezeigt wird, welchen konkreten Beitrag sie zu den Handlungsfeldern des Fonds leisten. Herr van Sambeck, wir danken ­Ihnen für das Gespräch.

10|21  FONDSGESPRÄCHE  1 9


Experten G   astbeitrag

ESG-Ratings: Der Teufel steckt im Detail ESG-Ratings versprechen Hilfe bei der Anlageentscheidung. Doch die Aussagekraft von einzelnen EmissionsKategorien (Scopes) hält sich in Grenzen. Warum ein eigener nachhaltiger Strategiemix sinnvoll ist.

Ophélie Mortier, Responsible Investment Strategist, Degroof Petercam AM

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das gilt auch für Berater, Investoren, Vermögensverwalter und institutionelle Anleger, die nachhaltig anlegen wollen. Welche der unzähligen Daten sind wirklich für eine nachhaltige Anlageentscheidung relevant, welcher Ansatz ist der erfolgversprechendste? Diese Verunsicherung führt dazu, dass Scores von Ratinganbietern immer stärker zu einem maßgeblichen Faktor im Investitionsprozess werden. Allerdings ist es dabei von erheblicher Bedeutung, die Zuverlässigkeit, Kon-

20   FONDSGESPRÄCHE  10|21

sistenz und vor allem die Datenqualität zu hinterfragen. Denn weil es immer noch keine exakte Definition von „ESG“ oder „Nachhaltigkeit“ gibt, kann man je nach Datenanbieter zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. So ergab eine aktuelle Studie der „MIT Sloan School of Management“, dass die Korrelation von ESG-Ratings bei einer Gruppe von sechs verschiedenen Anbietern im Durchschnitt bei 0,54 liegt, mit einer Spanne von 0,38 bis 0,71. Zum Vergleich: Die Studie zeigt zwischen zwei Anbietern von Bonitätsbewertungen eine Korrelation von 0,99.


Gastbeitrag Experten

Die Ergebnisse verdeutlichen also eine starke Divergenz bei ESG-Ratings, die bei anderen Arten von Ratings, wie zum Beispiel Kreditratings, weniger üblich ist. Das liegt vor allem an den unterschiedlichen Bewertungsgrundlagen sowie vor allem an den Bewertungsmethoden, die die verschiedenen Anbieter für ihre ESGRatings anwenden. Das hat zur Folge, dass ein Unternehmen je nach ESG-Datenanbieter in einem Screening ein Top-ESG-Performer sein kann, aber in einem anderen ganz unten steht.

Das „E“ dominiert Und es gibt noch weitere Schwächen, die gegen eine unkritische Nutzung von ESG-Ratings sprechen: Bei den meisten Anbietern dominiert der Umwelt-Bias das Datenuniversum. Informationen über das „S“ und das „G“ von ESG finden sich ungleich weniger. Zudem fokussieren sich viele der Beurteilungen zu stark auf große Unternehmen, da diese in der Regel besonders viele ESG-Daten offenlegen. Die Folge ist, dass kleinere Firmen, die üblicherweise weniger Informationen liefern, die schlechteren Ratings erhalten. Doch sind gerade kleinere und aufstrebende Unternehmen häufig überaus inte­ ressante Investments mit guten ESG-Werten. Es wäre fatal, sie durchs Raster fallen zu lassen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich sind ESG-Ratings wichtige Indikatoren und Hilfestellungen in der zunehmenden Datenflut. Doch sie müssen kritisch hinterfragt werden. Daher sind Einblicke in die Methodik der Ratingagenturen sowie eine intensive Auseinandersetzung mit den bewerteten Unternehmen wichtige Maßnahmen, um die eigene Sicht auf die wichtigsten und wesentlichsten ESG-Merk-

Es ist von erheblicher Bedeutung, die Zuverlässigkeit, Konsistenz und vor allem die Datenqualität der ESG-Ratings zu hinterfragen.

male weiter zu verbessern. Dies ist insbesondere vor der Auswahl eines Anbieters wichtig, aber auch bei der Integration der Ratingbewertungen in den Anlageprozess.

Konstruktiver Dialog als wichtiger Baustein Der erfolgversprechendste Ansatz scheint es zu sein, die Rohdaten verschiedener Anbieter mit eigenen Erfahrungen, die in persönlichen Unternehmensgesprächen gewonnen werden, zu kombinieren. Die langjährige Expertise des Asset Managers spielt hierbei natürlich eine große Rolle. Weitere wichtige Faktoren sind eine aktive Aktionärspolitik und ein konstruktiver Dialog mit den Unternehmen. Die gute Nachricht ist, dass sich vor allem dank neuer und verschärfter Regulierung für ein nachhaltiges Finanzwesen einige der ESG-Daten künftig deutlich objektiver vergleichen lassen. Zusammen mit der vorgeschlagenen EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten dürfte in den kommenden Monaten und Jahren mehr Konsens in Bezug auf die ESG-Performance zu erwarten sein. Davon profitieren am Ende sowohl Anleger und Berater als auch die Asset-Management-Branche selbst.

DPAM nutzt die Daten unterschiedlicher ESG-Anbieter und damit unterschiedliche Analysemethoden und legt zudem den Fokus auf ESGkritische Aspekte eines Sektors. Ganz wichtig ist uns dabei: Beim ESG-Selektionsprozess gehen wir stets pragmatisch vor, im Sinne einer Auswahl derjenigen Unternehmen, die bereit sind, eine positive Zukunft mitzugestalten.

Degroof Petercam AM (DPAM) DPAM (Degroof Petercam Asset Management) ist eine unabhängige, aktive Vermögensverwaltungsgesellschaft, die Teil einer belgischen, familiengeführten Gruppe mit Ursprung im Jahr 1871 ist. DPAM ist Investor, Pionier und Innovator für verantwortungsvolles und nachhaltiges Investieren, der ESG-Kriterien über sämtliche Asset-Klassen hinweg integriert. www.dpamfunds.com

10|21  FONDSGESPRÄCHE  2 1


2

Thema

Privatkundenparadies für die Beratung Nie war die Ausgangslage für die bankenunabhängige Anlageberatung so gut wie heute. Über Jahre schon vollzieht sich ein rapider Abbau von Bankfilialen, nicht nur in der Fläche, sondern aktuell auch in städtischen Standorten. Damit einher geht auch ein intensiver Personalabbau und somit geringere Präsenz beim Kunden, manche Institute ziehen sich sogar erklärtermaßen grundsätzlich aus der Anlageberatung des „normalen“ Privatkunden zurück. Die Konsumzurückhaltung infolge von Corona hat zudem gerade in den letzten 18 Monaten zu einem drastischen Anstieg verfügbaren Sparkapitals geführt – und das bei Nullzins. Ein echtes Chancenszenario, das Berater jetzt für sich nutzen können. Mit der FFB sind sie bereit: schnell, online, effizient.

10x

mehr Depoteröffnungen bis August 2020

22   FONDSGESPRÄCHE  10|21

2020 war ein gutes Jahr für das Fondsinvestment. Anleger gaben wegen der Beschränkungen infolge der Lockdowns weniger Geld aus. So blieb mehr für die Geldanlage übrig, für die sie zudem ein gestiegenes Interesse entwickelten. Und mehr Zeit hatten sie auch, denn viele „Ablenkungen“ fielen ja im Lockdown weg. Die Anlageberatung erlebte daher einen Boom: mehr Kapital von Bestandskunden und vor allem ein enorm wachsendes Neugeschäft. Die Zahlen der FFB belegen das – die Zahl der Depoteröffnungen stieg rasant. So hat sich die Zahl der Nettodepoteröffnungen bei der FFB allein in den ersten acht Monaten verzehnfacht. Die Möglichkeit, Depots

bei der FFB komplett online zu eröffnen – also die einschneidenden Kontaktbeschränkungen zu überwinden –, trug zu diesem Wachstum entscheidend bei.

Jahr der Weichenstellung für die Beratung Wichtiger als der Liquiditätseinmaleffekt infolge von Corona dürfte sich 2020 rückblickend als Jahr der Weichenstellung für eine Zukunft mit großen Geschäftspotenzialen gerade für die unabhängige Beratung erweisen. Denn eine unumkehrbare, schon länger beobachtbare Entwicklung hat sich beschleunigt. Das Filialbankensystem – traditionell der dominierende Ort der Anlage-


Thema 2

2020: Kippmoment für Berater Entscheidende Veränderungen im Corona-Jahr 2020 (Vergleiche 2019 vs. 2020)

–20 %

+458 Mrd. Euro

–27 Mrd. Euro

+448 Mrd. Euro

Bankfilialen in Deutschland bei der Commerzbank (Commerzbank, März 2021)

gaben Deutsche weniger für Freizeit, Unterhaltung und Kultur aus (Statistisches Bundesamt, Juli 2021)

verwaltetes Vermögen der deutschen Investmentbranche (Deutsche Bundesbank, Juli 2021)

Geldvermögen privater Haushalte in Deutschland (Deutsche Bundesbank, April 2021)

–10 %

Zahl der Banken und Zweigstellen in Deutschland (Deutsche Bundesbank, Juni 2021)

–1.585 beratung von Privatkunden – geht unter dem zunehmenden Kostendruck in die Knie. Allein die Deutsche Bank schloss mehr als ein Viertel ihrer Filialen in einem Jahr. Die Commerzbank stand dem mit –20 % inländischer Filialen nicht viel nach. Und selbst bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken fielen 2020 rund 10 % der Geschäftsstellen weg, wurden Fusionen kleinerer Institute vorangetrieben, die weitere Filialschließungen in Zukunft zur Folge haben werden. Damit ziehen sich in der Fläche und in den Städten die traditionellen und etablierten Anlaufstellen für Beratungsdienstleistungen zurück (siehe auch Grafik „2020: Kippmoment für Berater“). Dass die positive Entwicklung für die bankenunabängige Beratung weitergeht, belegen auch die Depoteröffnungszahlen des Jahres 2021. Bis August wurde der Vorjahreswert fast verdoppelt – Faktor 20 gegenüber den Nettodepoteröffnungen von 2019 in diesem Zeitraum Dem Kostendruck begegnen Banken auch mit ungewöhnlichen Maßnahmen. So sorgte die Stadtsparkasse einer rheinischen Großstadt 2021 für Schlagzeilen: Sie kündigte vermögenden Privatkunden mit Einlagen von über 250.000 Euro, weil diese Strafzinsen nicht akzeptieren wollten und auch nicht bereit

Zweigstellen von Großbanken (n-tv, 27. April 2021)

–28,5 %

Filialen bei Deutsche Bank/Postbank (n-tv, 27. April 2021)

waren, Investmentprodukte gerade dieses Systems zu kaufen.1 Das Beispiel macht deutlich: Die Reibungsflächen zwischen Banken und ihrer gehobenen Privatkundenklientel nehmen zu. Es kann sich der Dritte freuen. Die um sich greifende Unzufriedenheit mit Kosten, eingeschränkter Filialverfügbarkeit und Services erhöht die Wechselbereitschaft – mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in Richtung der nächsterreichbaren Filialbank.

Die um sich greifende Unzufriedenheit mit Kosten, eingeschränkter Filialverfügbarkeit und Services bei Banken erhöht die Wechselbereitschaft.

Beratungsbedarf sucht seinen Ort Filiale zu, Beratung adé? Wenn auch Onlinebanking längst das Standard-Girogeschäft dominiert: Aktuelle Umfragen belegen, dass Anleger mit zunehmendem Alter und höherem Einkommen mehr Wert auf persönliche Anlageberatung legen – ab einem Haushaltsnettoeinkommen von 3.000 Euro und in Altersgruppen über 30 Jahre wird eine Berateraffinität von 40–50 % erreicht. Junge Altersgruppen sprechen besser auf Robo-Advisor an als

10|21  FONDSGESPRÄCHE  2 3


2

Thema

Mit steigendem Einkommen mehr Beratungsbedarf Welche Beratungsquellen wurden genutzt? Robo-Advisor

Fachzeitschriften/Zeitungen

0 %

10 %

20 %

30 %

Finanzexperten (z. B. Finanz-, Bankberater)

40 %

50 %

60 %

18–29 Jahre

Alter 30–49 Jahre

50 Jahre und älter

bis 1.500 EUR

1.500 bis 3.000 EUR Haushaltsnettoeinkommen 3.000 bis 5.000 EUR

über 5.000 EUR

Wo oder bei wem haben Sie sich in den letzten zwei Jahren über Finanzthemen informiert oder beraten lassen? Mehrfachnennung möglich, ausgewählte Antworten. Quelle: Statista, September 2020

ältere (für diese stellt die FFB Schnittstellen und Onlinedepotservices zur Verfügung). Der Wegfall von Filialen sorgt also dafür, dass ein objektiver Bedarf immer weniger befriedigt wird. Auch wenn Banken Auffangangebote entwickeln wie die mobile Beratung: Eine Schließung vertrauter Strukturen und Anlaufstellen ist immer ein Anlass für Kunden, sich neu zu orientieren. Und die bankenunabhängige Beratung steht mit bewährten Angeboten bereit.

Endlich: Bewusstseinswandel – Investmentfonds gewinnen an Boden Jahrzehntelang haben Anlageberater, Fonds-

24   FONDSGESPRÄCHE  10|21

banken und übrigens auch Finanzwissenschaftler und Verbrauchverbände beklagt, dass die Deutschen falsch sparen. Kapital versauerte zu Milliarden in Spar- und Sichteinlagen, wo es unterm Strich womöglich sogar in Zeiten mit positiven Zinsen infolge Inflation zu negativen Renditen führte. Doch ein Wandel zeichnet sich ab. Zwar nennen Menschen in Deutschland aktuell noch immer auf die Frage, welche Möglichkeiten der Geldanlage sie nutzen, das Sparkonto an erster Stelle (47 %). Gefolgt wird der traditionelle Spitzenreiter von Sparbuch/Spareinlagen 43 %, Renten- und Kapitallebensversicherungen 30 %. Investmentfonds kommen immerhin auf 23 % der Nennungen.2 In diesen Zahlen steckt allerdings noch viel eine aus Jahrzehnten überkommene Anlagestruktur im Bestand. Die Zukunft sieht anders aus. Darauf weisen nicht nur die seit Jahrzehnten langsam aber kontinuierlich sinkenden Vermögen auf Sparkonten hin. Wichtiger: Bei den Anlageprodukten, die aktuell für Neuanlagen bevorzugt werden, haben sich Investmentfonds inzwischen an die Spitze gesetzt. Kapitallebens- und Rentenversicherungen – lange große Sammelstellen privaten Vorsorgekapitals – verlieren an Boden, seit Mindestverzinsungen immer weniger garantiert werden.

Poleposition für das Neugeschäft effizient nutzen Anlageberater, die Portfolios für ihre Kunden mithilfe von Fonds aufbauen, sind somit für die kommenden Jahre in einer idealen Ausgangsposition: Sie haben mit Fonds ein Angebot, das Anleger vermehrt suchen, und das Heer unzufriedener oder unbetreuter Anleger wächst mit dem beschleunigten Rückzug der Banken. Mit der FFB sind sie hervorragend vorbereitet, die wachsenden Chancen und Geschäftspotenziale souverän zu nutzen. Die Beratung bringt das Momentum des persönlichen Kontakts und Austauschs mit den Kunden ein, die FFB steuert eine ausschließlich online geführte


Thema 2

Bewusstseinswandel: Fonds mit Top-Ranking in Anlegergunst Bevorzugte Anlageprodukte 2020 60 %

40 %

20 %

0 % Fondsanteile

Sparkonto/ -plan

Aktien

Immobilien

Tagesgeld

Festgeld

Gold

Kryptowährung Festverzinsliche Andere Wertpapiere Edelmetalle (Bitcoin u.a.)

Quelle: BVI, „Der nachhaltige Fondsmarkt im vierten Quartal 2020“, abgerufen 21. 04. 2021. Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für künftige Erträge.

Depotverwaltung bei – eine Erfolg versprechende Arbeitsteilung. Das steht für mehr Tempo und Effizienz im Neugeschäft. So kann bereits die Depoteröffnung inklusive der Identifikation des Kunden komplett online ablaufen. Sparpläne können online angelegt werden. Alle Fondsorders können online autorisiert werden – mit Ordervorschlägen der Beratung, die auf Wunsch auch effizient über das FFB Modellportfolio Tool gesteuert werden können. Das sind nur einige Beispiele des Serviceangebotes der FFB für Berater und ihre Kunden. Für vermögende Neukunden – insbesondere jene, die vor Negativzinsen ihrer bisherigen Bank flüchten – ist die Option FestgeldPlus besonders interessant. Denn sie ermöglicht es, Kapital bei einer kooperierenden Anlagebank zu parken, solange noch keine endgültige Anlageentscheidung getroffen wurde. Der Vorteil für die Beratung: Anlagen in FestgeldPlus lassen sich unmittelbar aus dem FFB FondsdepotPlus mit Abwicklungskonto tätigen. Das heißt, ihre Anlagekunden benötigen keine weitere umständliche Bankverbindung für ihr Festgeld und behalten das immer wieder für Fondsanlagen frei werdende Kapital gemeinsam mit ihrem Berater im Blick. Die professionelle, bankenunabhängige Anlageberatung ist 2020 im Privatkundenparadies angekommen. Jetzt gilt es, die gro-

ßen Potenziale für die eigene Geschäftsentwicklung auszuschöpfen. Mit einem Partner, bei dem man sich auf äußerst bewährte Onlineprozesse verlassen kann, die Neugeschäft und Kundenbetreuung schnell und effizient machen – mit der FFB.

Handelsblatt, 25. 03. 2021. Verband der Privaten Bausparkassen, April 2021.

1  2

Beraterinformation auf FFB Fondsgespräche online Mehr zur Depoteröffnung online Mehr zur Sparplanverwaltung online Mehr zur Parkfunktion „FestgeldPlus“

10|21  FONDSGESPRÄCHE  2 5


Experten G   astbeitrag

Netto-Null-CO2 bis 2050 – jetzt zählt Tempo Eine globale Wirtschaft mit Netto-Null-Emissionen von CO2 bis 2050 ist machbar. Schon heute gibt es die technischen Lösungen für eine CO2 Reduktion von mehr als 80 %. Es gilt jedoch, die Kapitalkosten zu senken, um den Wandel zu beschleunigen. Das eröffnet ungeahnte Chancen für Anleger. Eine Analyse. Der Klimawandel heizt die globalen Temperaturen auf ein unvorhergesehenes Niveau an. Dringlicher denn je muss die Menschheit daher das Ziel einer CO2-freien Wirtschaft bis 2050 erreichen.

Es gibt schon Lösungen Eine Fidelity Analyse zeigt, dass mehr als 80 % CO2-Einsparungen erreicht werden können, wenn bereits bestehende Technologien breit angewendet werden. Dazu gehören erneuerbare Energien, grüner Wasserstoff und Elektromobilität. Die letzten 20 % der Einsparung müssten dann durch Kohlenstoffabscheidung und -speicherung sowie noch ausstehende technologische Innovationen erzielt werden.

26   FONDSGESPRÄCHE  10|21

Anlegerkapital ist entscheidend In weniger als 30 Jahren soll das Ziel der Null-Emission von CO2 erreicht sein. Ganze 90 Jahre hat es gedauert, bis sich das Automobil in den USA vollständig durchgesetzt hatte. Das allein macht deutlich: Wir können uns nicht auf die natürliche Durchsetzungsrate neuer Technologien verlassen. Wir brauchen mehr Tempo. Dazu arbeiten Regierungen weltweit an veränderten Rahmenbedingungen. Auch Verbraucher können durch ihre alltäglichen Kaufentscheidungen Anreize setzen. Ökonomisch müssen allerdings entscheidende Weichen gestellt werden: Nach gegenwärtigen Preisen würde der Übergang zu einer CO2-freien Gesellschaft kaum finanzierbare 144 Billionen

US-Dollar kosten1 – das Siebenfache des gesamten jährlichen Bruttoinlandsproduktes der Wirtschaftssupermacht USA. Das liegt vor allem daran, dass viele der Lösungen zur CO2-Reduktion noch in der Entwicklungsphase sind – oder teuer in der Anwendung und mit hohen technologischen Kosten verbunden. Anlegern und ihrem Kapital kommt eine Schlüsselrolle dabei zu, die Kosten für die Transformation der Wirtschaft drastisch zu senken. Wenn ihre Investitionen entsprechende Technologien finanzieren, lassen sich Kapazitäten erhöhen, Skaleneffekte und damit niedrigere Kosten erreichen sowie die Akzeptanzraten beschleunigen. So können CO 2 ärmere Lösungen sich auch wirtschaftlich schnell gegen ihre traditionellen Pendants durchsetzen.

Erneuerbare Energien schon weit auf dem Entwicklungspfad Was passiert, wenn Kapital für die Weiterentwicklung alternativer Technologien zur Verfügung steht, lässt sich bei erneuerbaren Energien bereits ablesen. Allein 2017 flossen


Gastbeitrag Experten

insgesamt 128 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien weltweit.2 Dadurch haben sich zum Beispiel in den fünf Jahren seit 2016 die technologischen Kosten für Solarstrom um mehr als 70 % verringert. Es bleibt aber noch viel zu tun. Zum Erreichen von null CO2-Emissionen benötigen wir nach Berechnungen von Fidelity noch 19-mal mehr erneuerbare Energien als heute3 – insbesondere für den durch Elektromobilität, CO 2 neutrale Zement- und Stahlproduktion sowie grünen Wasserstoff weiter steigenden Strombedarf.

Weitere Dekarbonisierungswege: Wasserstoff und Elektromobilität Bei grünem Wasserstoff befinden wir uns auf der Kostenkurve wegen geringer Skaleneffekte noch in hohen Regionen. Dennoch wird er eine unverzichtbare Rolle in der Transformation der Industrien spielen, deren CO2-Emissionen schwieriger zu minimieren sind: zum Beispiel Bereiche der Schwerindustrie, Heizung oder Schwertransporte über lange Strecken – immerhin Verursacher von rund 20 % der globalen Treibhausgasemissionen. Elektrofahrzeuge müssen sich in der Breite durchsetzen, um die PkwProduktion und -Nutzung 100 % CO2-neutral zu gestalten. Entscheidende Treiber für eine schnelle Durchsetzung sind hier Investitionen in verbesserte Ladeinfrastruktur und Batterietechnologie.

Schnellere Durchsetzung durch sinkende Kosten (Beispiel Solarstromerzeugung) Installierte Solareinheiten

Preis pro Einheit

900

1,4

800

1,0

Gigawatt

600 500

0,8

400

0,6

300

0,4

200

US-Dollar/Watt

1,2

700

0,2

100 0

0 2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

2020

Quelle: Fidelity International, Fidelity Analystenschätzungen, 2021

Vielfalt für Anleger Wettbewerbsfähigkeit und die beschleunigte Masseneinführung von Lösungen zur CO2-Reduktion schaffen enorm vielfältige Möglichkeiten zur Investition: Elektrofahrzeuge bieten bis 2050 zwar noch immer eine Marktchance von 46 Billionen US-Dollar.4 Aber beim Investieren gilt es, die ganze Vielfalt der technischen Möglichkeiten gleichzeitig im Blick zu halten. Daher ist es für Anleger wichtiger denn je, dass aktive Fondsmanager Unternehmen mit überlegenen Technologien identifizieren, die in großem Maßstab in Bereichen mit hohen Eintrittsbarrieren operieren – und so langfristig die besten Renditeaussichten mitbringen. Goldman Sachs. Stand: 13. Oktober 2020. International Renewable Energy Agency, 2020: Energy subsidies: Evolution in the global energy transformation to 2050 (irena.org). 3  Fidelity International, interne Analysen, 2021. 4  BloombergNEF, 2021: Long-Term Electric Vehicle Outlook 2021. 1  2

Wichtige Informationen: Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Marketinginformation. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Erträge. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Fidelity veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen und erteilt keine Anlageempfehlungen. Alle geäußerten Meinungen sind, falls keine anderen Quellen genannt werden, die von Fidelity International. Eine Anlageentscheidung sollte in jedem Fall auf Grundlage der wesentlichen Anlegerinformationen und des veröffentlichten Verkaufsprospektes, des letzten Geschäftsberichtes und – sofern nachfolgend veröffentlicht – des jüngsten Halbjahresberichtes getroffen werden. Diese Unterlagen sind die allein verbindliche Grundlage des Kaufes. Anleger erhalten diese Unterlagen in Deutschland kostenlos über FIL Investment Services GmbH, Postfach 20 02 37, 60606 Frankfurt am Main oder über www.fidelity.de. Die im Text genannten Unternehmen dienen nur der Illustration und sind nicht als Kauf- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen. Fidelity International übernimmt keine Haftung für Schäden, die aus der Verwendung dieser Informationen herrühren. Fidelity, Fidelity International, das Fidelity International Logo und das F-Symbol sind Markenzeichen von FIL Limited. FIL steht für FIL Limited und ihre jeweiligen Tochtergesellschaften. Herausgeber in Deutschland: FIL Investment Services GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus. Stand, soweit nicht anders angegeben: August 2021. MK13014

Velislava Dimitrova und Cornelia Furse Fondsmanagerinnen des Fidelity Sustainable Climate Solutions Fund

Fidelity International Fidelity International bietet Investmentlösungen für institutionelle Anleger, Privatanleger und deren Berater und betreut für seine Kunden ein Vermögen von rund 664,1 Milliarden Euro (per 30. Juni 2021). Mit rund 400 Anlageexperten weltweit verfügt das inhabergeführte Unternehmen über ein einzigartiges Research-Netzwerk und ist an allen bedeutenden Finanzmärkten vertreten. www.fidelity.de

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3

Thema Neues aus der Mitte: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis China die USA als größte Wirtschaftsmacht weltweit abgelöst hat. Für Anleger bleibt das nicht ohne Folgen. FFB Fondsgespräche setzt sich daher in einer Serie mit unterschiedlichen Aspekten dieses Aufstiegs und der Bedeutung für Anleger auseinander. Den Anfang macht die durchaus komplexe Beziehung des „Reichs der Mitte“ zum Thema Nachhaltigkeit.

Neues aus der Mitte: ESG und China – keine Wahlverwandtschaft?

28   FONDSGESPRÄCHE  10|21


Thema 3

China ist seit Jahren die am dynamischsten wachsende Volkswirtschaft – und nun auf dem Weg, die USA als Nummer 1 abzulösen. Gleichzeitig dominieren Nachhaltigkeitsüberlegungen und ESG-Investments die westliche Welt. Das wirft Fragen auf: Wie verhält sich China zu ESG-Anforderungen? Was ist mit der Klimawende? Was mit Datenschutz? Was mit Menschen- und Minderheitenrechten? Fragen, auf die Anleger überzeugende Antworten erwarten.

D

ie ewige Supermacht: Eine chinesische Weltgeschichte“ – so lautet der Titel des im Mai auf Deutsch erschienenen Buchs von Michael Schuman. Für den Asien-Kenner und „Time Magazin“-Korrespondenten prägt dieses Selbstverständnis Chinas Handeln, auch wenn das aus der Perspektive des Westens lange Zeit nicht erkannt oder ignoriert wurde. „Das Reich der Mitte“ versteht sich bereits seit Jahrtausenden als Supermacht, die über ihre Grenzen hinweg Interessen durchsetzt und konsequent verfolgt. Dass sich aus Anlegersicht mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas zur Nation mit dem größten Bruttoinlandsprodukt viele Chancen verbinden, ist klar – auch wenn die Kursentwicklung von Chinas Aktien den Weltbörsen zuletzt hinterherlief. Doch wie ist es um die Einhaltung von ESG-Kriterien bestellt, die sich zunehmend als entscheidend für die Risiken und die Renditeaussichten der Portfolios von Anlegern erweisen?

Produktionskapazitäten in Richtung China in den letzten 50 Jahren. Dieser Aspekt entlastet die CO2-Bilanz der Industrieländer wie den USA und den westlichen Industrienationen, in denen Waren verbraucht und Güter genutzt werden, die in China hergestellt wurden – der Wachstumsmotor der Vergangenheit. Hausgemacht ist allerdings die immense Abhängigkeit von fossilen Energien: 60 % der Energie in China kommt aus Kohlekraftwerken.2 Die werden auch nicht weniger: In China sind 2020 neue Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 38 Gigawatt ans Netz gegangen, erklärt die Nichtregierungsorganisation Global Energy Monitor aus San Francisco. Zum Vergleich: Das entspricht dem 35-fachen der Leistung des umstrittenen neuen Kohlekraftwerks im nordrhein-westfälischen Datteln.3

Weltweit größter Luftverschmutzer

Doch beim Thema Umwelt scheint sich einiges zu tun: Bis 2060 will China CO2-neutral werden, der Höhepunkt der CO2-Emissionen soll vor 2030 erreicht werden. Dafür sorgen auch Chinas Regulierungsbehörden, die in Kürze eine Veröffentlichungspflicht für Emissionen einführen dürften. China hat das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet und unternimmt sehr klare und entschiedene Schritte zu dessen Einhaltung. Auch China-Experte Frank Sieren hält das für glaubwürdig. „Mit dem Wohlstand ist auch das Umweltbewusstsein

Als besonders dringlich gelten die ökologischen Aspekte von Nachhaltigkeit beim Investieren – insbesondere in Bezug auf den Klimawandel. Der Blick auf Chinas Umweltbilanz ist zunächst ernüchternd: Das Land ist der größte „Klimasünder“ der Welt. China stößt allein mit 27 % an den globalen Emissionen mehr klimaschädliches CO2 aus als alle entwickelten Länder zusammen.1 Das ist natürlich auch eine Auswirkung der globalen Verlagerung von energieintensiven

Chinas Umweltengagement: Nicht nur Lippenbekenntnisse

Die Top-5-Wirtschaftsnationen BIP in Mrd. USD

USA

20.932,75 China

14.722,84 Japan

5.048,69 Deutschland

3.803,01 Großbritannien

2.710,97

Quelle: Internationaler Währungsfonds, April 2021

10|21  FONDSGESPRÄCHE  2 9


3

Thema

Chinas Kohleverbrauch lässt nicht nach Kohleverbrauch nach Regionen in Mtoe*

2.150 1.081 Industriestaaten

1.012

China

669

Sonstige Länder

567 Jahr 2000

681

Jahr 2021

* Mtoe = Megatonne Öleinheiten (d. h. die Energiemenge aus einer Million Tonnen Rohöl). Quelle: IEA

„Dass China größter Umweltverschmutzer der Welt ist, lässt sich nicht so schnell ändern, China ist aber sicherlich auch das Land, das die größten Anstrengungen unternimmt.“

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gestiegen, die Menschen wollen keinen Verkehrsinfarkt und dreckige Luft, sie wollen in einer intakten Natur leben“, erklärte Sieren, der unter anderem für „Süddeutsche Zeitung“, „DIE ZEIT“, „Handelsblatt“ und „DER SPIEGEL“ in China gearbeitet hat, in einem Gespräch mit dem Kapitalmarktstrategen Carsten Roemheld. China kämpfe mittlerweile an allen Ecken und Enden darum, das Ziel der Klimaneutralität bis 2060 zu erreichen und den Rückstand möglichst schnell aufzuholen. „Dass China größter Umweltverschmutzer der Welt ist, lässt sich nicht so schnell ändern, China ist aber sicherlich auch das Land, das die größten Anstrengungen unternimmt.“ Und als größter Verschmutzer hat es auch den größten Hebel, die globalen Emissionen des Treibhausgases zu vermindern. Bei Wind-, Solar- und Wasserenergie ist China inzwischen längst Weltmarktführer. „Jetzt geht es China auch darum, die Flugzeuge vom Himmel zu holen und Verkehr auf die Schiene zu verlagern“, erläuterte Sieren. Ein Beispiel, das er gibt: Ab 2030 soll der Hyperloop („Transrapid 2.0“) mit einer Durchschnitts-

geschwindigkeit von 800 Stundenkilometern von Peking nach Hongkong fahren. Viele neue Fabriken würden nach westlichen Standards gebaut, Peking fördere massiv die Elektromobilität. Li Shuo von der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Peking erkennt auch an, dass Chinas Zentralregierung dem Ausstoß schädlicher Klimagase den Kampf angesagt hat und die CO2-intensive Industrie zurückdrängen will. Er sieht aber auch Probleme: „Bei einigen Provinzbehörden ist es umgekehrt: Sie haben der Klimapolitik der Zen­tralregierung den Kampf angesagt.“4

„Noch nicht wie bei Daimler in Sindelfingen“ Auch was die sozialen Faktoren oder die Unternehmensführung aus dem Dreiklang des ESG angeht, sind viele der ernsten Probleme bekannt und werden diskutiert. Eine Auswahl: Die Zwangsarbeit der Uiguren, das umstrittene Projekt der „Neuen Seidenstraße“, lückenhafter Datenschutz, konzentrierte und verworrene Eigentümerstrukturen bei Unternehmen – das alles passt mit westlichen Vorstellungen von S- und G-konformem Agieren nicht zusammen. Und die jüngsten Eingriffe der Pekinger Regierung in Wirtschaft und Unternehmen haben einmal mehr gezeigt, dass an Chinas Spitze eine kommunistische Einheitspartei steht. Verlässlichkeit bei der Corporate Governance sieht anders aus (mehr dazu unter „Regulierung à la Peking irritiert Anleger“). Doch selbst für die Aspekte „S“ und „G“ sieht Sieren Fortschritte, etwa bei den Arbeitsbedingungen in den Fabriken: „Heute kann sich kein Textilunternehmen, kein Smartphone-Hersteller mehr erlauben, Produkte unter Bedingungen herzustellen, die nicht unseren Standards entsprechen.“ Kinderarbeit sei quasi komplett verschwunden, anders


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* FNG-Siegel: Ausgezeichneter Fonds 12/2020: MainFirst - Germany Fund. Das Siegel ist kein Indikator für die Performance der Fonds. **Deutscher Fondspreis 2019: „Herausragend“, MainFirst Germany Fonds (A) -(Aktienfonds Deutschland). ***Fund Award 2019: 2. Platz im Zeitraum fünf Jahre, MainFirst - Germany Fund, (Aktienfonds Deutschland/Nebenwerte) ****Sauren Fondsmanager-Rating 2020: Olgerd Eichler (Aktien Deutschland). Dies ist keine Anlageberatung / Kaufempfehlung.Die alleingültigen Unterlagen der Fonds finden Sie in den entsprechenden Sprachen unter dem folgenden QR Code auf der HomepageFONDSGESPRÄCHE  der 10|21  31 MAINFIRST www.mainfirst.com Copyright © MainFirst Affiliated Fund Managers S.A. (2021) Alle Rechte vorbehalten.


Gigant im Osten: Größte Freihandelszone spielt nach chinesischen Regeln Schon Ende 2020 konnte China die Weichen für RCEP stellen – die größte Freihandelszone der Welt. Diese steht unter chinesischem Einfluss und das kann dazu führen, dass zunehmend technische Standards für Produkte und Produktionsstandards weltweit aus Asien kommen. Und die könnten durchaus von unseren abweichen. Mehr dazu online auf FFB Fondsgespräche:

„Chinas Fabriken haben nicht das Niveau von Mercedes-Benz in Sindelfingen. Im Vergleich zur Lage vor 30 Jahren steht China bezüglich der Arbeitnehmerrechte aber viel besser da.“

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als in anderen asiatischen Ländern. „Chinas Fabriken haben nicht das Niveau von Mercedes-Benz in Sindelfingen. Im Vergleich zur Lage vor 30 Jahren oder der Lage in Ländern wie Vietnam, Bangladesch oder Indien steht China bezüglich der Arbeitnehmerrechte aber viel besser da.“ Sieren weist allerdings auch darauf hin, dass der Blick der Chinesen auf viele Themen grundsätzlich anders ist, zum Beispiel im Fall des Datenschutzes: Die Angst vor Terrorismus und Unruhen sei größer als die Sorge um die eigenen Daten. Damit streift er auch, was perspektivisch immer wichtiger werden dürfte: In Chinas kultureller Prägung und dem in der Gesellschaft verankerten Wertekanon spielen die Vorstellungen von der Freiheit des Individuums und dem Schutz seiner (Menschen-) Rechte eine im Vergleich zu den abendländisch geprägten westlichen Demokratien untergeordnete Rolle. Stabilität und der Erfolg der Gemeinschaft werden höher bewertet. Es ist entscheidend zu verstehen, dass Teile dessen, was unter ESG zusammengefasst wird, auf westlichen Wertvorstellungen beruht – vor allem am Individuum orientierte Arbeitnehmerrechte, der Schutz persönlicher Daten oder der Umgang mit Minderheiten.

Das beschriebene Einwirken westlicher Auftraggeber auf die Lieferketten von Produkten wie Textilien, Smartphones etc. ist also zunächst einmal zum großen Teil Ausdruck eines wirtschaftlichen Gefälles, mit dem die Möglichkeit zur Einflussnahme einhergeht. Mit zunehmender wirtschaftlicher Orientierung auf den Binnenmarkt und wachsender globaler Dominanz Chinas dürfte dieses Einflussgefälle nachlassen bzw. sich umkehren. Normen und Standards (technisch und in Bezug auf etwa Arbeitnehmerrechte) würden dann zunehmend von China gesetzt werden können. Und im eingangs geschilderten Selbstverständnis als „ewige Supermacht“ wird China diese Möglichkeiten nutzen. Dann dürften die kulturellen Unterschiede hier wieder stärker hervortreten.

Guten Gewissens investieren: Nicht leicht, aber möglich China und Nachhaltigkeit – das ist also kein klares Schwarz-Weiß. Das Thema ist komplex, mit vielen Grauzonen. Mit einfachem Abhaken von ESG-Anforderungen ist es nicht getan. Es gilt, genau hinzusehen, wo positive Entwicklungen sind, wo Differenzen im Werteverständnis künftig womöglich stärker hervortreten, wo sich Konflikte lösen lassen oder wo sie nachhaltiges Investieren unmöglich machen. Zu dem differenzierten Bild für nachhaltigkeitsorientierte Anleger gehört auch, dass die Datenqualität und auch die ESG-Profile im Vergleich zu Industrieländern noch schlechter sein mögen, sich aber kontinuierlich verbessern. Und dass, da ESG-Investments in China ein besonders gutes Verständnis von Daten und deren Einordnung verlangen, Lösungen erfahrener Fondsanbieter Vorzüge haben. Denn die gibt es: Fondsgesellschaften, die sich nicht nur auf externe Ratings verlassen, sondern langjährige Erfahrung mit China-Investments aufweisen, Kontakte vor Ort haben, intensiven Austausch mit Unternehmen über ESG-Praktiken pflegen


Regulierung à la Peking irritiert Anleger Die Fälle direkter Einflussnahme der chinesischen Führung in Struktur und Leitung von Unternehmen mehren sich. Auch das stellt ESG-Investieren vor Probleme. Denn verlässliche Corporate Governance sieht anders aus. Schon im vergangenen Jahr hatte sich China die mächtig gewordene Technologiebranche vorgeknöpft: Nachdem sich Alibaba-Gründer Jack Ma in einer Rede kritisch über den chinesischen Staat geäußert hatte, stoppte Präsident Xi Jinping den Börsengang der AlibabaTochter Ant Financial, Chinas Kartellamt leitete eine formelle Untersuchung gegen Alibaba ein und Ma verschwand zwischenzeitlich sogar von der Bildfläche. Weitere Eingriffe folgten. Darin dürfte einer der Hauptgründe für die schlechte Entwicklung des Hang Seng TECH Index der Börse in Hongkong in diesem Jahr liegen. Dort sind chinesische Tech-Größen wie der chinesiche Suchmaschinenanbieter Baidu, der Social-Network- und Messaging-Gigant Tencent und Alibaba gelistet (siehe Grafik).

Die Eingriffe Pekings werden übrigens nicht von jedem in allen Aspekten kritisch gesehen: Vielmehr seien die Schritte im Rahmen der Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik zu verstehen, die ein ausgeglicheneres Wachstum und mehr sozialen Ausgleich als Ziel hat. Und auch

die Macht der Technologiekonzerne sei zu groß geworden. „Die chinesische Regierung packt an, wozu die USA und Europa nicht in der Lage scheinen: Sie reguliert die Tech-Giganten“, hieß es etwa im Handelsblatt.5

Technologie-Indizes: Schwächer wegen ESG-Verstößen? Deutliches Auseinanderdriften der Tech-Indizes in den USA und in Hongkong NASDAQ Composite Index (USA)

Hang Seng TECH Index (China)

300 250 200 150 100 50 0 31. 08. 18

31. 08. 19

31. 08. 20

30. 06. 21

Die Preisindizes (in USD) wurden zum 31. 08. 2018 auf 100 indiziert. Quelle: Refinitiv Datastream, Stand 30. August 2021

und Transparenz und – wenn nötig – Verbesserungen einfordern. Die aber auch bereit zu einem Ausstieg aus Unternehmen sind, die sich der Transformation verweigern. China aufgrund der ESG-Problematik ganz den Rücken zukehren, dürfte jedenfalls wenig zielführend sein. „Nach China zu gehen und dort zu investieren führt in der Regel dazu, dass sich die Dinge in die von uns gewünschte Richtung entwickeln“, meint auch Sieren. Man könne im Grunde nur jedem Investor raten, daran mitzuarbeiten, dass China nachhaltiger werde. Am Ende sei genau das entscheidend – besonders für den Kampf gegen den Klimawandel. Hier können Anleger darauf achten, welche Projekte mit welchen Klimaauswirkungen von welchen internationalen

Banken finanziert werden. Über ein nachhaltiges Investment im Finanzsektor lassen sich Wirkungen erzielen. Solange China noch immer auf den Export angewiesen ist, lässt sich über die Lieferketten und die Verpflichtung der chinesischen Hersteller zur klimaschonenden Produktion Druck aufbauen. Denn – so resümiert Sieren: „So schade es auch ist: Was wir an Strom sparen in Deutschland, ist im Vergleich zu dem, was in China passiert, verschwindend gering.“

Mehr zu den Hintergründen, dem möglichen zusätzlichen Einfluss konjunktureller Phasenverschiebung auf die Entwicklung chinesischer Tech-Werte und die Grafik zum Download finden Sie online auf FFB Fondsgespräche.

Global Carbon Project, Dezember 2020. dw.com (Deutsche Welle), 07. 05. 2021. tagesschau.de, 22. 04. 2021. 4  tagesschau.de, 24. 01. 2021. 5  Handelsblatt.de, 25. 08. 2021. 1  2  3

10|21  FONDSGESPRÄCHE  3 3


Experten G   astbeitrag

E = mc

2

Einsteins Relativitätstheorie (1905) war ein Meilenstein im Verständnis von Energie. Heute müssen technische Weiterentwicklungen und Investitionen in die Zukunft der Erzeugung von Energie die Wende zum Absenken der CO2 Emissionen bei wachsendem Energiehunger bringen – ein Chancenszenario für Anleger. Die Äquivalenz von Energie und Masse ist ein Naturgesetz, das Albert Einstein im Rahmen seiner speziellen Relativitätstheorie 1905 veröffentlicht hat. Die erste Nutzung von Energie durch Menschen wird auf die Zeit vor 300.000 Jahren geschätzt, als die ersten Steinzeitmenschen um ein

34   FONDSGESPRÄCHE  10|21

natürlich entstandenes Feuer herumsaßen. Für die Erfindung des ersten Feuerzeugs hat die Menschheit noch 270.000 Jahre benötigt. Bis zur Relativitätstheorie dann weitere 30.000 Jahre. In den letzten 100 Jahren ist sicher viel mehr Technik zur Beherrschung der Ener-

gie entwickelt worden als in den 300.000 Jahren zuvor. Und in den vergangenen 10 Jahren mehr als in den 100 Jahren zuvor. Die Entwicklung von Technik beschleunigt sich im exponentiellen Tempo. Man kann sich das an einem einfachen Beispiel verdeutlichen. Kleopatra VII, „unsere“ Kleopatra, lebte zwischen 69 v. Chr. und 30 v. Chr. und damit näher an der Erfindung des ersten iPhones 2007 als an der Fertigstellung der Cheopspyramide 2560 v. Chr.

Energie für den Fortschritt Aber zurück zur Energie. Der Fortschritt benötigt viel Energie. So viel, dass wir mittlerweile durch das


Gastbeitrag Experten

eher ungewollte Nebenprodukt der Energieerzeugung des Kohlendioxids eine menschengemachte Klimaerwärmung produzieren, die nur noch einige wenige leugnen. Wenn wir nichts ändern, dann wird sich die Erde im Schnitt um 5 °C bis zum Jahr 2100 erwärmen, mit katastrophalen Folgen für viele und vieles. Der Energiehunger der Menschheit wird aber noch weiter wachsen, sodass die aktuellen Modellrechnungen möglicherweise noch zu kurz springen. Abgesehen von einigen wenigen Ökoterroristen möchten die meisten Menschen auch nicht wirklich am technischen Fortschritt rütteln. Volkswirtschaften, die auf Pferdekutschen basieren, könnten auch kaum die bald 10 Milliarden Menschen ernähren! Also muss dem gigantischen jährlichen Ausstoß an CO2 auf andere Art beigekommen werden, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015, die globale Erwärmung auf signifikant unter 2 °C zu beschränken, zu erreichen. Abgesehen von deutlich steigender Energieeffizienz bei den Energieverbrauchern ist das Heil der Menschheit sicher eher bei der Produktion der Energie mithilfe von CO2-neutralen Methoden zu finden. Neutrale „Thinktanks“ wie BNEF erwarten bei der Umsetzung der bisher beschlossenen Maßnahmen eine Reduktion des globalen CO2-Ausstoßes von 0,7 % pro Jahr bis 2050. Das würde aber zu einer Erwärmung von mehr als 3 °C führen. Um den Anstieg auf 1,5 °C zu begrenzen, müssten die CO2-Emissionen um 10 % pro Jahr sinken. Geschätzte 120.000 Milliarden US-Dollar an globalen Investitionen wären bis 2050 erforderlich. Der „Green Deal“ der Europäischen Union, der bis zum Jahr 2027 mindestens 100 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren möchte,

Geschätzte 120.000 Milliarden US-Dollar an globalen Investitionen wären bis 2050 erforderlich.

ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es müssen aber noch viele weitere folgen und vor allem muss der Rest der Welt mitziehen!

Chancen für Anleger Geht man von einer globalen Wirtschaftsleistung von aktuell in etwa 80 Billionen US-Dollar aus, könnte ein Etat von 5 % der Wirtschaftsleistung jedes Landes für die nächsten 30 Jahre diese Summe aufbringen. Ein Lichtblick. Die Welt hätte damit einen voraussichtlichen Anteil von 56 % aus erneuerbaren Energien (Fotovoltaik und Wind) an der Stromerzeugung. Falls man dann wirklich in die Richtung gehen möchte, dass grüner Wasserstoff die Grundlage einer Wasserstoffgesellschaft werden soll, dann müsste die Welt noch eine Schippe drauflegen und nochmal 50 % mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen. Insgesamt müssten bei Annahme der heutigen Technologie die Erzeugungskapazitäten fast verzehnfacht werden, um den Energiehunger der Welt zu stillen und grünen Wasserstoff in ausreichendem Maße zu produzieren. Diese Herausforderungen bieten auch jede Menge Chancen für Investitionen, die Anleger aktiv wahrnehmen sollten. Es gilt, mithilfe erfahrener Portfoliomanager genau in solche Unternehmen zu investieren, die von dem Transformationsprozess profitieren sollten.

Michael Harbisch, CEO und Portfoliomanagement, TBF SMART POWER

TBF Global Asset Management Seit der Gründung im Jahr 2000 durch Peter Dreide agiert TBF als inhabergeführtes Unternehmen Unabhängig von den Modeerscheinungen des Kapitalmarkts. Diese Unabhängigkeit gibt TBF die Freiheit, die eigenen Werte und Anlagestrategien ausschließlich im Sinne der Investoren umzusetzen. Dabei verfolgt TBF immer das Ziel, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und somit den steigenden Anforderungen des Markts immer einen Schritt voraus zu sein. www.tbfglobal.com

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Menschen

Wer ist eigentlich … Mark Branson? Von der Schweizer zur deutschen Finanzaufsicht: Der Wechsel von Mark Branson auf den Präsidentensessel der BaFin hat allgemein überrascht. Sein Handeln dürfte auch Auswirkungen bis in die Beratung hinein haben, etwa bei der Auslegung von Regeln wie MiFID II. In der Schweiz war er ein knallharter Regulierer.

betrug komplett übersehen. Dazu kamen private Wirecard-Aktiengeschäfte von BaFin-Mitarbeitern – auch nicht gerade vertrauensbildend.

„Meistgehasster Mann des Finanzplatzes“

Finanzminister Olaf Scholz wünscht sich jetzt eine Behörde „mit Biss“. Genau das will auch Branson: „Die BaFin soll eine Aufsichtsbehörde von Weltklasse wer„Aufseher sein estes Schweizer Hochden“, so sein Plan. Vielleicht ist nicht nur Beruf, deutsch mit britischem nicht Weltklasse, aber zusondern auch Akzent – diesen außergemindest von tadellosem Ruf Berufung.“ wöhnlichen Zungenschlag höwar sein früherer Arbeitgeren die BaFin-Mitarbeiter im ber, die Schweizer AufsichtsbeBüro an der Bonner Graurheinhörde FINMA. Bei Bransons Start dorfer Straße seit August öfter. Denn dort munkelte man über den Ex-Banzu diesem Zeitpunkt hat der neue BaFinker noch, man habe „den Fuchs zum AufseChef Mark Branson sein Amt angetreten. her über den Hühnerstall“ gemacht.1 Denn Sein Arbeitsethos hat er gleich deutlich geBranson war zum Zeitpunkt der Manipulamacht: „Aufseher sein ist nicht nur Beruf, tion des japanischen Referenzzinssatzes UBSsondern auch Berufung.“ Chef in Tokio. Ein bisschen mehr als nur ein Job muss Doch schon nach kurzer Zeit wurde ihm der neue Posten für Branson auch sein. Denn genau das Gegenteil vorgeworfen: zu streng, die Aufgabe ist immens: Er muss die BaFin zu viel Reinregieren auch in die kleinsten nach den Querelen um Wirecard rundum Institute. Dabei kann man ihm kaum einen Vorwurf machen. Denn die scharfen Augen erneuern und Reputation zurückgewinnen. der von ihm geführten Behörde hatten auch Mit der Causa Wirecard hat sich die einst die großen Namen der Schweizer Bankenhoch angesehene Behörde nämlich ihren Ruf branche im Visier. Selbst gegen die renomals gewissenhafter Kapitalmarktaufseher mierte Adresse Rothschild ermittelte die gehörig ruiniert. Bransons Vorgänger Felix FINMA wegen des Skandals um dem malayHufeld hatte den milliardenschweren Bilanz-

B

36   FONDSGESPRÄCHE  10|21


Menschen

1986 bis 1990: Studium Mathematik und Management in Cambridge (M. A.) und Operational Research (M. Sc.) in Lancaster 1990 bis 1993: Unternehmensberatung Coopers & Lybrand, London 1994 bis 1997: Credit Suisse, London 1997 bis 2009: UBS (London, Zürich, Tokio), zuletzt CFO der Vermögensverwaltung 2010 bis 2014: Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA, Leiter Geschäftsbereich Banken 2014 bis 2021: FINMA-Direktor seit 2021: Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Nicht nur „DIE ZEIT“ rätselte, was Branson zum Wechsel von Bern nach Bonn bewogen hat. Schließlich laufe die FINMA gut, gelte nicht als „Chaos-Behörde“. Und er verdiente dort deutlich mehr, als es bei der BaFin möglich ist: 593.000 Franken sollen es gewesen sein. „Er will Einfluss“, lautet die Antwort.3 Allein von der Mitarbeiterzahl kann die BaFin mit rund 2.700 Stellen die viel kleinere FINMA mit 500 Stellen klar toppen. Dazu ist Deutschland in der Welt eben doch eine andere Nummer als die kleine Schweiz. Und der Veränderungsbedarf hier ist viel größer. sischen Staatsfonds 1MDB. Biss und klare Kante bewies er auch bei den Ermittlungen gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber UBS. Bereits wenige Monate nach seinem Amtsantritt musste die Großbank eine Strafe von 134 Millionen Franken zahlen – Währungskursmanipulation lautete der Vorwurf.2 Mittlerweile gilt er in der Schweiz als „harter Hund“ – kompromisslos, aber auch kompetent. „Wenn sich niemand beklagen würde, dass wir ihm auf den Füßen stehen, wäre das auch kein gutes Zeichen“, pariert er.

Neue Augen für die BaFin Die in der Schweiz erworbene Robustheit wird Branson, der mit einer Schweizerin verheiratet ist und mittlerweile auch den Schweizer Pass hat, gebrauchen können. Der Erwartungen der Öffentlichkeit ist er sich bewusst. „Das eröffnet aber auch Chancen, Veränderungen in der BaFin voranzubringen, die sonst länger gedauert hätten“, meint er. Und: „Jede Aufsicht braucht von Zeit zu Zeit neue Augen.“

Ohne „luggage at the door“ Die Bundesregierung hat die Pflöcke jedenfalls schon eingeschlagen: Das Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität („Wirecard-Gesetz“) ist Anfang Juli in Kraft getreten. Gleichzeitig wollte sie offenbar einen ganz anderen Typus an der Spitze der Behörde. Branson ist der erste nicht deutsche BaFinChef mit internationalem Bankenhintergrund. Dadurch ist er weder mit der Politik noch mit der Finanzbranche hierzulande „verbandelt“ und hat trotzdem langjährige Erfahrungen im Finanzsektor und in Sachen Aufsicht. „Seine Wahl ist ein Coup“, meinte dann auch Ex-Bundesbankvorstand Andreas Dombret. „Denn er kommt ohne „luggage at the door“ nach Bonn.“ Ohne „luggage“, aber mit viel Know-how im Kampf gegen Korruption und Geldwäsche. Mittlerweile ist Branson samt Familie nach Bonn gezogen – auch ein Zeichen, dass die BaFin für ihn keine kurze Etappe sein soll. Und er wirklich „Biss“ zeigen will.

NZZ, 22. 03. 2021. WirtschaftsWoche, 24. 03. 2021. 3  DIE ZEIT, 27. 03. 2021. 1  2

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Experten G   astbeitrag

Chinas Marktführer von morgen entdecken China erfindet sich neu: Es gilt, Aktien des neuen, von Innovation, Qualität und Binnenkonjunktur profitierenden China zu entdecken. Fondsmanagerin Haiyan Li-Labbé erklärt im Interview, warum die jüngsten staatlichen Regulierungen aktives Management unterstützen und wie sie ihren Auswahlprozess auf verlässliche Daten stützt. Frau Li-Labbé, wie definieren Sie den Begriff der „New Economy“, die Sie in China im Entstehen sehen? Die chinesischen Aktienmärkte haben sich stark verändert, da die Wirtschaft des Landes nicht länger hauptsächlich auf Exporte, sondern nunmehr auf Innovationen ausgerichtet ist. Chinas New Economy bietet zahlreiche nachhaltige Wachstumschancen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Bildung, saubere Energie, technologische Innovation und neuartiger Konsum, darunter E-Commerce und neue Konsumgüter, die von einer zunehmenden Kauf-

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kraft und den sich bessernden Lebensstandards der chinesischen Privathaushalte profitieren. Um erfolgreich in China zu investieren, muss man nach den „Gewinnern“ von morgen Ausschau halten. Ich bin überzeugt, dass immer mehr chinesische Unternehmen zu globalen Akteuren aufsteigen werden, so wie wir es in der Telekommunikationsbranche mit Huawei oder Xiaomi bereits gesehen haben. Aber in zehn Jahren werden diese Unternehmen nicht mehr Marktführer sein, da die Wirtschaft auf Hochtouren läuft und einem schnellen Wandel unterliegt. Aus diesem Grund konzentrieren wir

uns bei unseren Anlagen auf einen langfristigen Übergang zu künftigen Marktführern. Natürlich mögen einige Sektoren eine hohe Volatilität aufweisen, doch wir müssen gesamtwirtschaftlich denken und verstehen, was die Regierung vorhat und in welche Richtung sie die Wirtschaft treiben will. China mag zwar eine dynamische und innovative Volkswirtschaft sein, aber, wie die jüngsten Fehlschläge einiger großer Unternehmen zeigen, politische Entwicklungen und Vorhaben müssen stets aufmerksam verfolgt werden. Wir konzentrieren uns auf Unternehmen in Qualitätssektoren der New Economy und setzen dabei auf Branchenführer. Wir halten Ausschau nach wenig kapitalintensiven Unternehmen, die einen attraktiven und nachhaltigen Cashflow generieren und in der Lage sind, ihr Wachstum selbst zu finanzieren. Unser Schwerpunkt liegt insbesondere auf minderheitsaktionärsfreundlichen Unternehmen mit niedrigem Verschuldungsgrad und einer guten Corporate Governance.


Gastbeitrag Experten

In welche Branchen investieren Sie überwiegend? Die Hauptschwerpunkte des Entwicklungsplans 2021–2035 der chinesischen Regierung liegen auf Digitalisierung, grüner Energie, Elektroautos, Binnenkonsum und technologischer Unabhängigkeit. Diese Strategie bietet Anlegern klare langfristige Anlageperspektiven. Wir schätzen diese Sektoren aufgrund der strukturellen Reformen, die in den letzten 10–15 Jahren durchgeführt wurden, und aufgrund der Beschleunigung der Investitionsausgaben für die neue, im Wesentlichen digitale Infrastruktur. Unsere vier wichtigsten Anlagethemen lauten: Digitale Revolution und technologische Innovation: Unternehmen in Bereichen wie Cloud, Internet-Datenzentren und Halbleiterausrüstung. Grüne Energien und Technologien: Windkraft, Solarenergie, Hersteller von Batterien für Elektrofahrzeuge. Konsumwachstum: Unternehmen aus Bereichen wie E-Commerce, soziale Medien und Onlineunterhaltung sowie Anbieter von vernetzten Konsumgütern. Gesundheitswesen und medizinische Innovation: Unternehmen, die auf biotechnologische, medizinische und pharmazeutische Dienstleistungen spezialisiert sind, darunter medizinische Onlineberatung sowie Impfstoffhersteller.

Wie zuverlässig sind die Unternehmenskennzahlen, auf denen Ihre Anlageentscheidungen beruhen? Mein Investmentansatz ist in erster Linie ein Top-down-Ansatz, weshalb ich viel Zeit mit der Lektüre von Regierungsstrategien und Leitlinien verbringe. Sobald ich die Sektoren bestimmt habe, suche ich nach den besten Anlageideen für jeden Sektor. Dabei überprüfe ich alle Zahlen grundsätzlich anhand anderer Quellen und Datenanbieter. Anlagekonferenzen, Meetings mit Unternehmen und Gespräche mit Branchenkollegen tragen ebenfalls zu meiner Ideenfindung und Faktenüberprüfung bei. In Bezug auf die Transparenz und die Offenlegung von ESG-Kriterien und der Corporate Governance von Unternehmen konnten wir in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte feststellen, wie etwa eine bessere Berichterstattung, die immer mehr an inländischen Börsen notierte Unternehmen auch auf Englisch veröffentlichen, spezifische ESG-Segmente in Jahresberichten und sogar spezifische ESG-Berichte. Chinesische

*Die Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation – SFDR) 2019/2088 ist eine europäische Verordnung, die Vermögensverwalter dazu verpflichtet, ihre Fonds u. a. als solche zu klassifizieren: „Artikel 8“ – Förderung ökologischer und sozialer Eigenschaften; „Artikel 9“ – Investitionen mit messbaren Zielen nachhaltig machen; bzw. „Artikel 6“ – keine unbedingten Nachhaltigkeitsziele. Weitere Informationen finden Sie unter https://eur-lex.europa.eu/eli/ reg/2019/2088/oj?locale=de Für Werbezwecke. Dieses Dokument darf weder ganz noch teilweise ohne vorherige Genehmigung durch die Verwaltungsgesellschaft reproduziert werden. Es stellt weder ein Zeichnungsangebot noch eine Anlageberatung dar. In diesem Dokument enthaltene Informationen können unvollständig sein und ohne Vorankündigung geändert werden. Carmignac Portfolio bezieht sich auf die Teilfonds der Carmignac Portfolio SICAV, einer Investmentgesellschaft luxemburgischen Rechts, die der OGAW-Richtlinie entspricht. Bei den Fonds handelt es sich um Investmentfonds in der Form von vertraglich geregeltem Gesamthandseigentum (FCP), die der OGAW-Richtlinie nach französischem Recht entsprechen. Für bestimmte Personen oder Länder kann der Zugang zu den Fonds beschränkt sein. Sie dürfen insbesondere weder direkt noch indirekt einer „US-Person“, wie in der US-amerikanischen „S Regulation“ und/oder im FATCA definiert, bzw. für Rechnung einer solchen US-Person angeboten oder verkauft werden. Die Fonds sind mit einem Kapitalverlustrisiko verbunden. Die Risiken und Kosten sind in den Wesentlichen Anlegerinformationen (WAI) beschrieben. Die Prospekte, VL, WAI und Jahresberichte der Fonds stehen auf der Website www.carmignac.de zur Verfügung und sind auf Anforderung bei der Verwaltungsgesellschaft erhältlich. Die Wesentlichen Anlegerinformationen sind dem Zeichner vor der Zeichnung auszuhändigen. Nur für professionelle Anleger.

Unternehmen, die an den inländischen Börsen notiert sind, müssen ihre Anstrengungen intensivieren, um ausländische Investoren zu gewinnen.

Haiyan Li-Labbé, Fondsmanagerin des Carmignac Portfolio China New Economy

Carmignac Carmignac ist eine unabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft, die 1989 auf der Grundlage von drei Prinzipien gegründet wurde. Diese gelten bis heute: echter Unternehmergeist, menschlicher Sachverstand und ehrliches Engagement. Carmignac in Zahlen: – Verwaltetes Vermögen1: 41 Mrd. Euro – Eigenkapital2: über 2 Mrd. Euro – Vertrieb der Fonds in 16 Ländern www.carmignac.com Stand: 30. 06. 2021. Stand: 31. 12. 2020.

1  2

10|21  FONDSGESPRÄCHE  3 9


Geschäftserfolg

Modellportfolios: Lasst Zahlen sprechen! Die Vorteile von Depots, die mit dem FFB Modellportfolio Tool geführt werden, liegen auf der Hand. Hier geht es um Zahlen und Fakten, die überzeugen – gerade in den zurückliegenden eineinhalb Jahren, die von Krise und Kontaktbeschränkungen geprägt waren.

Dynamisch

56 %

+

Anzahl der Depoteröffnungen mit Modellportfolios im Jahr 2021 signifikant gestiegen Quelle: FFB, Eröffnung von Depots mit FFB Modellportfolio Tool: Q2/2020 vs. Q2/2021

Stabilisierend Wachsend Entwicklung der Nettomittelzuflüsse in Depots mit Modellportfolios nach einem Jahr Pandemie

Kauf

Verkauf

200 150 100 50 0 –50 –100 12.20

11.20

10.20

40   FONDSGESPRÄCHE  10|21

09.20

Quelle: FFB, Depots mit FFB Modellportfolio Tool

08.20

07.20

06.20

05.20

04.20

03.20

02.20

Quelle: FFB, Nettomittelzufluss in Depots mit FFB Modellportfolio Tool: Februar 2020 vs. Februar 2021

Mittelzufluss

01.20

57%

+

Positive Nettomittelzuflüsse ohne Ausnahme – durch das gesamte Krisenjahr 2020


Geschäftserfolg

Souveräner

D

Geringere Bestandseinbußen, schnellere und steilere Erholung im Krisenjahr 2020 Summe Bestand mit Modellportfolios Summe Bestand ohne Modellportfolios

140 135 130 125 120 115 110 105 100 95 90 85 12.20

11.20

10.20

09.20

08.20

07.20

06.20

05.20

04.20

03.20

02.20

01.20

Quelle: FFB, Monatswerte für Bestände in Depots bei der FFB, Darstellung indiziert auf Werte von Januar 2020; Werte der Vergangenheit sind keine Garantie für Wertentwicklungen der Zukunft

Wertvoller Modellportfolios: im Durchschnitt größere Depotvolumina Depots mit Modellportfolios

0 %

Depots ohne Modellportfolios

5 % 10 % 15% 20 % 25 % 30 % 35 % 40 % 45 %

< 5.000 EUR

5.000 bis 10.000 EUR

as FFB Modellportfolio Tool arbeitet seit mehr als zehn Jahren zuverlässig für Berater und ihre Kunden. Seither wurde es kontinuierlich weiterentwickelt. Seinen besonderen Wert für Anleger und Beratungsprofis konnte es in den Zeiten von einschneidenden Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona- Krise einmal mehr unter Beweis stellen. Denn in dieser Situation konnten Berater von seinen Grundfunktionen profitieren: • Effiziente Betreuung vieler Depots durch automatisch generierte Ordervorschläge • Automatisches Rebalancing zur besseren Risikokontrolle • Schnellere Einrichtung von Neukundendepots durch Zuordnung zu einem bestehenden Modellportfolio • Automatisierte Anpassung übernommener Portfoliobestände • Übersichtliche Reportingmöglichkeiten Corona hat einen gesellschaftlichen Wandel angestoßen: Arbeiten aus dem Homeoffice, Kommunikation über Videokonferenzen, die Erwartung, dass bei Dienstleistungen die Möglichkeiten der Digitalisierung für den Kunden konsequent eingesetzt werden. Das FFB Modellportfolio Tool passt ideal in dieses veränderte Bewusstsein.

Lernen Sie jetzt alle Vorteile für Sie und Ihre Kunden kennen:

10.000 bis 50.000 EUR 50.000 bis 100.000 EUR

>100.000 EUR

Quelle: FFB, Anteile der Anzahl der Depots nach Depotgröße in Euro, Stand: September 2021

10|21  FONDSGESPRÄCHE  4 1


Experten G   astbeitrag

Inflation – der unterschätzte Feind des Sparers Dass Waren und Dienstleistungen Jahr für Jahr aufgrund der Inflation immer teurer werden, wissen Ihre Kunden natürlich. An der Supermarktkasse reagieren sie allerdings darauf meistens empfindlicher als bei der Geldanlage. Warum ist das so? Alles wird teurer! Hinter dieser meist verärgert geäußerten Feststellung steckt ein bekanntes Phänomen: die Inflation. Sie ist nichts anderes als die sukzessive Entwertung unseres Geldes, hauptsächlich hervorgerufen durch jährliche Preiserhöhungen. Für die gleiche Menge Geld erhalten wir dadurch immer weniger Gegenwert an Produkten oder Leistungen; die sogenannte Kaufkraft des Geldes sinkt. Ausgedrückt wird dies mit der Inflationsrate, umgangssprachlich auch Teuerungsrate genannt. Doch wie wird diese ermittelt? Und von wem? Und welche Bedeutung hat sie für Kapital, das gespart werden soll? Angesichts der aktuellen Diskussion um die Inflationsraten sind das Fragen, mit denen sich Ihre Kunden intensiv auseinandersetzen müssen.

42   FONDSGESPRÄCHE  10|21

Das Statistische Bundesamt misst Inflation anhand eines bestimmten Index – dem Verbraucherpreisindex (kurz VPI) – als Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums von privaten Haushalten gekauft werden. Der VPI wird für jedes einzelne Bundesland und für ganz Deutschland ermittelt. Zum Vergleich auf Europaebene wird der harmonisierte Wert berechnet. Rund 700 verschiedene Waren und Dienstleistungen, aufgeteilt in zwölf Gruppen, fließen in die Berechnung der Inflation mit ein. Dazu zählen Ausgaben für Miete, Einrichtung, Nahrungsmittel, Bekleidung, Nachrichtenübermittlung oder Bildung. Zusammengenommen bilden all diese Posten einen repräsentativen Warenkorb. Damit dieser stets aktuell

bleibt, werden weniger oder gar nicht mehr nachgefragte Produkte darin regelmäßig durch andere ausgetauscht. Und damit nicht genug: Es wird auch berücksichtigt, ob sich ein Artikel mit der Zeit qualitativ verbessert, ohne dabei teurer zu werden. Dies ist häufig bei technischen Produkten der Fall, beispielsweise bei Smartphones, die dadurch faktisch im Wert steigen. Und noch etwas ist von Interesse: wofür wir Deutschen anteilig mehr Geld ausgeben. Diese Gewichtung wird alle fünf Jahre neu festgelegt.

Vorsicht, Mogelpackung! Statt einfach plump die Preise für einen Artikel zu erhöhen, greifen Hersteller zu anderen Methoden – Mogelpackungen. Um Preissteigerungen zu vertuschen, wird an der Packungsgröße gedreht: gleicher Preis, weniger Inhalt. Der Verbraucher merkt es nicht, aber dem Statistischen Bundesamt entgehen auch diese Änderungen nicht, diese fließen ebenfalls in die Statistik als Preiserhöhung ein. Mit unserer Konsumwahrnehmung ist es aber auch in umgekehrter Richtung nicht weit her. Nicht nur Herstellern fällt es leicht, uns hin-


Gastbeitrag Experten

So viel sind 10.000 Euro noch wert … Auswirkung der Inflation auf die Kaufkraft Inflationsrate 2 % 10.000

Inflationsrate 4 % 9.057

7.500

7.430

8.219 6.700

5.000

Rainer Ziegler, Leiter Regionaler Vertrieb, IFA, Pools, Platforms & White Label

8.203

5.553

2.500

0

Start

nach 5 Jahren

nach 10 Jahren

nach 15 Jahren

Quelle: https://www.finanzen-rechner.net/inflationsrechner.php

ters Licht zu führen, dafür können wir schon selbst sorgen. Wer hat nicht auch häufig das Gefühl, die offizielle Inflationsrate müsste eigentlich viel höher sein, als es uns die amtliche Preisstatistik weismachen will? Dieses Phänomen nennen wir gefühlte Inflation. Sie hat drei Ursachen: 1. Generell nehmen wir Preiserhöhungen viel deutlicher wahr als Preissenkungen. 2. Je häufiger wir einen Artikel kaufen, desto intensiver erleben wir, wenn dessen Preis steigt. 3. Die Verteuerung von Waren, die wir bar oder mit EC-Karte bezahlen, wirkt stärker auf uns als Preiserhöhungen von Artikeln, die gesammelt abgebucht werden, z. B. beim Kauf mit der Kreditkarte.

Reine Ansichtssache? Während wir Verbraucher uns natürlich tendenziell darüber ärgern, wenn die Preise steigen, hat der Staat ein großes Interesse an einer gemäßigten Inflation von ca. 1,5 bis 2,5 %.

Grund dafür ist, dass Verbraucher und Unternehmen mehr konsumieren bzw. investieren, wenn sie erwarten, dass Dinge später noch mehr kosten werden. Eine geringe Inflationsrate sorgt also für ein stetes Wirtschaftswachstum und wirkt außerdem positiv auf den Abbau der Staatsverschuldung – denn auch das Kreditvolumen wird ja immer weniger wert.

spielsweise der Bildung einer Altersvorsorge. Das, was unterm Strich rauskommt, ist die eigentliche Wertentwicklung, die reale Verzinsung. Zur richtigen Entscheidung bedarf es also keiner höheren Mathematik: Liegt die Rendite einer Geldanlage unter der Inflationsrate, verliert man Jahr für Jahr bares Geld.

Die K-Frage bei der Geldanlage Was wollen Ihre Kunden erhalten, ihr Kapital oder dessen Kaufkraft? Das Ziel beim Vermögensaufbau sollte doch letztendlich die Vermehrung des Ersparten sein – und zwar um deutlich mehr, als es durch die jährliche Inflationsrate verliert, richtig? Oder anders ausgedrückt: Wer bei der Geldanlage nur auf den Erhalt seines Kapitals hofft, hat schon verloren. In Zeiten niedriger Zinsen ist es deshalb wichtiger denn je, beim Vermögensaufbau die Inflationsrate stets mit einzubeziehen – vor allem bei langfristigen Plänen, wie bei-

Wichtige Hinweise: Diese Werbemitteilung ist ausschließlich für professionelle Kunden bestimmt. DWS ist der Markenname, unter dem die DWS Group GmbH & Co. KGaA und ihre Tochtergesellschaften ihre Geschäfte betreiben. Die jeweils verantwortlichen rechtlichen Einheiten, die Kunden Produkte oder Dienstleistungen der DWS anbieten, werden in den entsprechenden Verträgen, Verkaufsunterlagen oder sonstigen Produktinformationen benannt. Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageberatung dar. Alle Meinungsäußerungen geben die aktuelle Einschätzung von DWS Investment GmbH wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung ändern kann. Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, die sich als nicht zutreffend oder nicht korrekt herausstellen können. Wertentwicklungen der Vergangenheit, simuliert oder tatsächlich realisiert, sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. DWS International GmbH 2021. Stand: 15. 09. 2021. Herausgeber: DWS Investment GmbH, Mainzer Landstraße 11–17, 60329 Frankfurt am Main, Deutschland.

DWS Die DWS Group (DWS) ist einer der weltweit führenden Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 859 Milliarden Euro (Stand: 30. Juni 2021). Sie blickt auf über 60 Jahre Erfahrung zurück und genießt in Deutschland und Europa einen Ruf für exzellente Leistungen. Mittlerweile vertrauen Kunden weltweit der DWS als Anbieter für integrierte Anlagelösungen. Der Vermögensverwalter wird über das gesamte Spektrum der Anlagedisziplinen hinweg als Quelle für Stabilität und Innovationen geschätzt. www.dws.de

10|21  FONDSGESPRÄCHE  4 3


Im Dialog Thema

„Berater müssen sich intensiver mit den Transformationsanforderungen befassen.“ Nachhaltiges Investieren steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Die Anforderungen an die Beratung sind auch mit den heute schon klaren oder absehbaren Regulierungs­ vorgaben noch nicht endgültig definiert. Wer vorausschauend handeln und beraten will, muss verstehen, was Wissenschaft und Politik bewegt und wie sich dies auf die Finanzmärkte und ihre Akteure überträgt. Im Experten-Interview dazu: Matthias Kopp, Leiter des Bereichs Sustainable Finance im WWF Deutschland und Mitglied im Beirat für Sustainable Finance der Bundesregierung. Herr Kopp, der WWF ist eine der bekanntesten Naturschutzorganisationen der Welt. Weniger bekannt dürfte sein, dass er schon seit mehr als 15 Jahren mit Ihnen als Projektleiter mit dem Thema Sustainable Finance befasst ist. Naturschutz und Finanzmärkte, wo ist da die Verbindung? Matthias Kopp: Die Ökosysteme stehen immer im Austausch mit wirtschaftlichen Aktivitäten, mit physischer Infrastruktur, mit der Aktivität von Menschen, mit Geschäftsmodellen und Konsummustern. Diese wirtschaftlichen Aktivitäten werden von irgend-

44   FONDSGESPRÄCHE  10|21

jemandem finanziert bzw. kreditfinanziert. Es gibt also immer eine unmittelbare Verbindung zu einem Finanzfluss ­–­im öffentlichen und im privaten Sektor. Der WWF hat schon früher im Rahmen seines damaligen „Global Program Framework“ fünf Treiber definiert, die für die Gefährdung der ökologischen Grundlagen ausschlaggebend sind. Zwei davon waren Finance-Treiber – öffentliche und private. Insofern ist es schlüssig, dass der WWF als Umweltschutzorganisation auch diese Treiber ins Auge fasst und versucht, mit ihnen in den Dialog zu kommen und Verbesserungen anzustoßen.

Nun ist der WWF eine weltweite Organisation und nicht überall auf der Welt hat das Thema Finance die gleiche Bedeutung, schon deshalb, weil das globale Finanzsystem un­terschiedliche Zentren hat. Insofern ist es relativ schlüssig, dass wir ­a ktuell gerade in Europa einen ­g roßen ­Finance-Schwerpunkt haben. Der WWF konzentriert sich auf die Bereiche Politik, Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen, aber auch auf die Wissenschaft. Können Sie kurz für die drei Themenfelder Referenzprojekte benennen und erläutern, was genau Sie tun. Kopp: Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sind Akteursgruppen, die sinnbildlich für Rahmenbedingungen und Umsetzung sowie Methodik, Grundlagen und Aktivität stehen. Und es gibt eine vierte Gruppe: die Konsumenten. Aber bleiben wir bei den genannten drei Aktivitätsfeldern. In Deutschland haben wir eine Sustainable Finance-Strategie der Bundesregierung eingefordert. Nicht nur wir allein, aber ich würde sagen, dass wir durchaus maßgeblich dazu


Im Dialog

Matthias Kopp leitet den Bereich Sustainable Finance im WWF Deutschland. Der studierte Wirtschaftsingenieur (Berlin/London) arbeitete für PwC und IBM und baute ab 2005 beim WWF den Bereich Finanzmärkte mit dem Ziel auf, die Nachhaltigkeitswirkung des Finanzsystems zu adressieren. Neben der deutschen hat ­dabei die europäische Diskussion eine zentrale Bedeutung. Die deutsche Bundesregierung hatte Matthias Kopp zur Teilnahme im Beirat für ­Sustainable Finance neben 38 weiteren Mitgliedern eingeladen. Dort saßen Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzsystem, Wissenschaft und Gesellschaft.

beigetragen haben, dass der Bundesregierungsbeirat für Sustainable Finance eingerichtet wurde – und dass wir nun auch die Empfehlungen tatkräftig mit entwickelt haben. Auf diese aufbauend ist nun ja eine Strategie erarbeitet worden. In Brüssel waren wir 2017/18 in der High Level Expert Group engagiert, sind seitdem in den Technical Expert Groups vertreten und auch jetzt in der Plattform für Sustainable Finance engagiert, im Sinne auch von technischer Expertise und ­Zusammenarbeit mit der Politik. Wir arbeiten an den Green BondStandards mit den Kollegen aus ­Paris und haben diese mit verfasst.

Der WWF hat seinerzeit bei der G20 Green Finance Study Group Impulse an die Bundesregierung herangetragen und zum Beispiel die TCFD (Taskforce on Climate-related Financial Disclosures, Anmerk. d. Red.) gestützt und durchaus mit dazu beigetragen, dass es jetzt eine TNFD (Taskforce on Nature-related Disclosures, Anmerk. d. Red.) gibt. Zu den Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen und Finanzmarktakteuren ein prominentes Beispiel: Wir haben 2007 bis 2011 mit der Allianz-Gruppe eine Kooperation gehabt, umfänglich und inter­ igentnational, zu der Frage: Was ist e lich die Rolle eines Finanzmarkt-

akteurs, wenn es um Klimawandel und Dekarbonisierung geht? Und schon 2007/2008 haben wir Portfolio-Fußabdrücke und Steuerungsgrößen mit Portfolios der Allianz diskutiert: Wie entwickelt man ein klimaverträg­l iches oder klimaneutrales Portfolio im Einklang mit konkreten Zielen? Ich glaube, das war ein initialer ­Impuls, aufgrund dessen sich die Allianz intensiv weiter mit dem Thema beschäftigt. Zum Themenfeld Wissenschaft: Ein großes Thema ist die Frage: ­Welche Datenpunkte braucht es, um informierte Entscheidungen

10|21  FONDSGESPRÄCHE  4 5


Im Dialog

„Die Frage ist vielmehr: Hat das, was ich im Portfolio habe, eine Transformationskapazität und -fähigkeit?“

fällen zu können? Beispiel Klima: Da geht es eben nicht nur um CO2Emissionen, sondern es geht um ein Klimastrategie-Reporting. Das heißt, es ist die Frage zu stellen: Welche entscheidungsrelevanten Daten müssen in welcher Form berichtet werden? Wir haben dazu mit Universitäten kooperiert, haben jetzt gerade auch ein Projekt mit dem BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung, Anmerk. d. Red.). Und wir haben einen Impuls gesetzt in der Frage der Science-based Targets. Die Science-based-TargetsInitiative geht auf die Initiative von vier NGOs zurück, unter anderem dem WWF. Dabei geht es um eine klare, wissenschaftsbasierte Bewertung unternehmensbezogener Klimazielsetzungen. Ein aktuelles Projekt des deutschen WWF nennt sich Pathways to Paris. Wir versuchen, zehn Realwirtschaftssektoren mit der Finanzmarktseite zusammenzubringen, um zu hinterfragen: Wie sieht der

46   FONDSGESPRÄCHE  10|21

effektive Austausch über die Transformationsprozesse, in denen die Sektoren bereits stecken, aus? Was liegt für Stahl, für Zement, für Automobil, für Gebäude, für Landwirtschaft, für Chemie und andere an Herausforderungen vor und wie muss der Transformationsprozess formuliert werden, damit er zwischen diesen Akteuren so übersetzt wird, dass Investitions- und Finanzierungsentscheidungen gut gemacht werden können? Sie sehen in der Finanzindustrie einen wichtigen Hebel, nicht nur Druck auf die Wirtschaft auszuüben, sondern sie im ökologischen Wandel zu begleiten. Konzentrieren wir uns auf die Fondsindus­ trie. Was schreiben Sie dem Asset-­ Manager einer Fondsgesellschaft ins Stammbuch, damit dieser einen wirkungsvollen Beitrag in der Transformation leistet? Kopp: Ich würde nicht von „Hebel“ im Sinne von Treiber oder Antreiber

sprechen, sondern von „Befähigung“. Für das, was vor uns liegt, wird sehr viel Kapital benötigt. Der notwendige Kapitalfluss muss richtig gelenkt werden, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Fondsmanager und ihre Analysten haben einen regelmäßigen Austausch mit den Unternehmen gewissermaßen als Geschäftsroutine, weil Entscheidungen pro oder kontra konkrete Aktientitel oder Anleihen auf diesem Informationsfluss basieren. Das Transformationsthema in diese Dialogroutine mit den Unternehmen zu integrieren ist also eine zentrale Aufgabe. Die zentralen Fragen sind: Wie genau sieht jeweils die Anforderung an die Transformation aus? Welche Ziele sind von dem Unternehmen definiert? Was ist der Maßnahmenplan des Unternehmens, um zu ­belegen, dass es sich auf diesem Weg in der richtigen Art und Weise bewegt? Wie sieht diesbezüglich das Reporting aus? Hier eine eigene und stichhaltige Herangehensweise zu finden ist eine ganz zentrale Aufgabe für viele Beteiligte in der Fondsindustrie, vor allem für den Fonds- und Portfoliomanager. Dabei genügt es nicht, via Positivoder Negativlisten immer mehr Geld in ein bereits „dunkelgrünes Segment“ zu allokieren. Die Frage ist vielmehr: Hat das, was ich im Portfolio habe, eine Transformationskapazität und -fähigkeit und wie setzt das Unternehmen diese um? Jetzt sind wir mittendrin im aktuell viel diskutierten Thema Engagement. Was können hier


Time for Action. Now! Mit dem Ethius Global Impact Fonds (Art. 9 der SFDR) einen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der Vereinten Nationen und zum Pariser Klimaabkommen leisten.

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Mit Ethius Global Auchdem handelbar via FFB.Impact Fonds (Art. 9 der SFDR) einen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der Vereinten Nationen und zum Pariser Klimaabkommen leisten. Auch handelbar via FFB.

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Im Dialog

„De-Investment als Steuerungsalternative ist hier weniger effektiv als transparente Partnerschaft.“ Matthias Kopp

Fondsmanager und Fondsgesellschaften wirklich bewirken? Wenn wir über Engagement sprechen, ist sehr viel mehr Dialog gefragt, als bislang ­üblich. Kann eine Fondsgesellschaft das leisten? Wie kann sie es dokumentieren? Wie kann ein Berater erkennen, was sich dort tut, um eine entsprechende Entscheidungssicherheit zu haben, welchen Fonds er für seinen Kunden allokiert? Kopp: Einen Engagement-Report zu verfassen für jedes Anlagevehikel sollte relativ leicht sein. Natürlich steht die Frage einer rechtlichen Klärung im Raum: Wie viel von den Informationen darf man bekannt machen? Nach meinem Verständnis muss der Anbieter eines Fondsprodukts in rechtsverträglichen Formen sehr deutlich dokumentieren: Wen hat er womit angesprochen? Welche ­Ergebnisse hat das Engagement gehabt? Welche Einschätzung hat man zum Beispiel auch zu einer Strategie? Das ist ein Spannungsfeld rechtlicher Zulässigkeit der Mitteilung von Informationen, an die man im Dialog gelangt ist. An der Stelle geht es irgendwann aber auch nicht mehr nur um das einzelne Institut oder die einzelne Fondsgesellschaft, sondern um die Veränderungsnotwendigkeit im Fondsmarkt insgesamt. Da ist die Frage nach einer kollekti-

48   FONDSGESPRÄCHE  10|21

ven Aktion, also einem tatsächlich gemeinschaftlichen Engagement im Transformationsprozess. Dass es dafür einen rechtlichen Rahmen braucht, ist klar. Aber es ist auf Dauer immens ineffizient, wenn ähnliche Fragen von dem überwiegenden Teil der Fondsindustrie in leicht ­variierender Form gestellt werden. Das sind im Kern vorwettbewerb­ liche Informationen, von deren intelligenter und breiter Bereitstellung alle Seiten profitieren. Was ist in den Fällen, in denen ­ nternehmen offenkundig von U dem erklärten Strategiepfad si­ gnifikant abweichen? Kann De-­ Investment hier eine Steuerungsalternative als Ultima Ratio sein? Kopp: Wenn ich das tue, verliere ich in diesem Moment mein Engagement, verliere ich den Dialog und letztlich meinen Einfluss auf das Unternehmen. Ich habe es verkauft, irgendwer hat es gekauft. Wird er einen zwingenderen Effekt erzielen? Kann sein, kann nicht sein. Sinnvoller ist es, kontinuierlich eine Partnerschaft mit dem Unternehmen aufzubauen und Transparenz herzustellen. Viele Unternehmen entwickeln bereits intensiv umfassende Transformationsstrategien oder werden regulatorisch dazu gezwungen. Die Finanzierung dieser Transformation(en) kann zum Engpass

werden. De-Investment als Steuerungsalternative ist hier w ­ eniger effektiv als transparente Partnerschaft. Wie hat man sich das in der Praxis vorzustellen? Auf der einen Seite wird der Finanzvorstand von den Analysten wegen mitunter überzogener Performanceerwartungen gegrillt. Auf der anderen Seite spricht der Fondsmanager über die Transformationsstrategie, ihre Kosten und notwendigerweise über die Auflösung eines Konflikts? Kopp: Dieser Konflikt ist eigentlich konstruiert und er entsteht nur aufgrund auseinanderlaufender zeitlicher Horizonte. Die Realwirtschaft entwickelt und bewegt sich. Wenn der Fondsakteur nicht mindestens eine Mittelfristperspektive mitbringt, werden die Notwendigkeiten unternehmerischen Handels in der aktuellen Transformation zwingend auseinanderlaufen mit kurzfristiger Performanceerwartung! Kapitalgeber und Kapitalnehmer werden im Rahmen der Transformationsstrategie keine sachgerechte Diskussion führen können. Soll das funktionieren, müssen Fondsmanager die Szenarien der Unternehmen, die korrespondierenden individuellen Kosten und Ertragspotenziale der Transformation, die erreichten Ergebnisse als Etappenziele und die Transparenz der Prozesse als Elemente ins Gespräch mit dem Unternehmen einbringen und die Performancebewertung anders vornehmen, als bislang üblich. Aber Sie haben natürlich recht: Wenn die Fondsgesellschaftsführungen das nicht entsprechend in die Prozesse und Anreizsysteme integrieren, dann


Im Dialog

wird die Eigeninitiative des einzelnen Fondsmanagers auch nicht wirklich in einem systematischstrukturellen Sinne funktionieren. Dazu werden andere Kompetenzen benötigt als bislang beim Vorgehen nach Ausschlüssen und grünen Listen. Wo kommen die denn jetzt her? Von außen betrachtet ging die Sortierung nach Artikel 8 und 9 schnell, aber so, wie Sie es beschreiben, ist es eine gänzlich andere Kompetenz, die dahinterstehen muss. Kopp: Es braucht nicht nur andere Kompetenzen in den Investmenthäusern, es braucht auch andere Kapazitäten bei der Datenbasis. Was ist das für ein Verständnis, dass ich drei, vier Datenanbieter habe, von denen ich mir deren proprietär entwickelte und meist vergangenheitsorientierte Datenpunkte einkaufe, die wenig Bezug zu den Transformationsanforderungen abbilden. Wir brauchen eine andere systemische Abbildung der Transformation. Was machte denn historisch gesehen ­jemand, der ein Unternehmen bewertet? Der bewertet vor allem die zukünftigen Aussichten, Cashflows zu generieren, und dann zinst er die ab und gibt dem noch eine Fantasie obendrauf. Hier geht es um nichts anderes. Auch hier lautet in einer sich sicher verändernden Welt die zentrale ökonomische Frage: Was ist die Kapazität eines Unternehmens, um unter bestehender Unsicherheit Cashflow zu erzeugen? Sie haben recht, dass andere und neue Faktoren eingesteuert werden müssen. Aus der Interessenslage ­einer Fondsgesellschaft heraus ist es aus meiner Sicht zwingend, Kompetenzen und Ressourcen weiterzuentwickeln.

In den Transformationsprozess muss investiert und die Unternehmen müssen finanziert werden. Im Übrigen: Das ist ja auch eine Riesenchance, zu rechtfertigen, warum ein aktives Management überlegen sein kann. Die Taxonomie sollte helfen, so war es gedacht. Die steckt aber immer noch in den Kinderschuhen. Und wir sprechen bislang immer noch nur über zwei von sechs Kategorien im Kontext „E“. Das ist dünn für alle Beteiligten – auch für eine Fondsindustrie, die einen Transformationsprozess begleiten soll. Kopp: Wir haben lange gerade auch bezüglich der Klarstellung, was eigentlich Wirkung von und durch Investments ist, zu wenig getan. Deswegen finde ich es nicht überraschend, dass wir jetzt nicht die perfekte Lösung innerhalb von zwei Jahren für alle Themen auf dem Tisch liegen haben. Ich glaube aber schon, dass die weiteren vier Um-

weltziele, also die Ökosysteme, die marinen und Süßwassersysteme, die Kreislaufwirtschaft, die Umweltverschmutzung, bis Jahresende vorliegen. Die Koordination der Politikprozesse ist nicht ideal. Da sind Dinge parallel angestoßen worden, die besser koordiniert, vermutlich auch besser ausgerichtet und teilweise auch in der Sequenz hätten laufen müssen. Wenn man annimmt, dass die Komplexität und die Dynamik der Veränderung erhalten bleiben für die nächsten 10 bis 15 Jahre, dann hat jeder Akteur im System sowieso den Auftrag, sich zu überlegen, wie er schon heute seine eigene Haltung im Sinne von Bewertungen und Kriterien definiert. Aus meiner Sicht haben wir in der ganzen Diskussion um nachhaltiges Investieren auch noch keine saubere Definition von Wirkung und Nachhaltigkeit. Industrie, Investmenthäuser,

10|21  FONDSGESPRÄCHE  4 9


Im Dialog

„Fondsgesellschaften kommen also gar nicht darum herum, Transformationskompetenzen aufzubauen.“ Matthias Kopp

Investoren, auch Datenanbieter haben bislang im Prinzip aus einer freiwilligen Selbstdefinition heraus gearbeitet, haben eigene Kriterien-Sets gebaut, aber im Prinzip in kompletter Freiwilligkeit und ohne regulatorische Klarheit. Jetzt ist der erste Schritt in dieser Richtung gemacht, damit ist die Entwicklung aber nicht beendet oder gar abgeschlossen. Fondsgesellschaften kommen also gar nicht darum herum, Transformationskompetenzen aufzu­bauen, Haltung und Kriterien zu entwickeln, auch wenn die offizielle Regulatorik erst im Werden ist. Allein weil institutionelle Investoren dies zunehmend tun und entsprechende Produkte fordern oder dies tun werden. Es wird aktuell kontrovers diskutiert, warum es überhaupt einen Artikel 8 SDFR braucht. Viele sehen darin eher die Chance für Greenwashing. Also keine valide Nachhaltigkeit im Sinne der Transformation im Fondsportfolio, aber trotzdem darf es nachhaltig genannt werden. Und die Fondsindustrie agiert divers im Moment. Was soll der Berater damit anfangen? Kopp: Die Produktangebotsseite ist in der Tat divers. Ein Nachhaltigkeitsprodukt anzubieten, weil ein Produktanbieter draufschreibt, „Ich habe ESG, ich nehme Standard soundso von Ratingagentur soundso

50   FONDSGESPRÄCHE  10|21

und verfolge Best in Class“, ist zwar ein in einer unregulierten Situation entstandenes Produktangebot, war aber schon gestern nicht optimal. Auch der Berater wird sich intensiv mit dem Thema befassen, Kompetenzen entwickeln und in die Produkte hineinschauen müssen. Ich sehe die Taxonomie, so wie sie momentan aufgestellt ist, eher in einem Übergangsstadium. Denn wenn man die Idee verfolgt, im Prinzip ein gesamtes System zu transformieren, und das mit quantitativen und qualitativen Zielen im Zuge des Green Deals festschreibt, dann muss man das auch in den ­Finanzprodukten abbilden. Die wissenschaftsbasierte Transformationsgeschichte bestimmt dann die Definition von Nachhaltigkeit. Da sind wir heute nicht. Im Moment definieren wir über die Taxonomie das, was einen Schwellenwert unterschreitet und ab diesem Punkt okay ist. Und dann wird alle vier, fünf Jahre ­d ieser Kriteriensatz überprüft und adjustiert werden. Im Grundsatz brauchen wir allerdings eine Abbildung der Transformationsprozesse in der Taxonomie, also den richtigen Fortschritt als Maß der Nachhaltigkeitseinschätzung. Die Taxonomie ist ein guter erster Schritt gewesen, um das Thema aufs Tableau zu heben. Aber ich bin da bei Ihnen: Wozu braucht es am

Ende eine Klassifizierung in Impactund Nicht-Impact-Produkte, wo es doch darum geht, dass jedes Finanzprodukt immer einen Impact hat und diesen auch ausweisen sollte, nicht nur das als „grün“ ausgewiesene? Alle müssen sehr deutlich machen, in jedem Finanzprodukt, was der ­eigentliche Wirkungsbeitrag ist, und der besteht in der Transformation. Das macht die Taxonomie heute so noch nicht, wird aber kommen müssen. Aus meiner Sicht legt das aber die Notwendigkeit des Kompetenz- und Kapazitätsausbaus bei Fondsgesellschaften und Beratern nahe. ESG hat drei Dimensionen. Wir sind heute im ersten Drittel des ersten Drittels. Mit welchem Zeitbedarf hat man eigentlich zu rechnen und halten Sie es überhaupt für leistbar, Nachhaltigkeit in einem solch umfänglichen Kontext regulatorisch über Grenzwerte und Verdikte zu erfassen? Wir haben es auch mit Bereichen zu tun, wo es nicht so einfach ist, Wirkung zu messen wie bei der Dekarbonisierung über CO2. Kopp: Ja, CO2-Emissionen kann man messen. Aber die eigentlich relevante Kernfrage bezieht sich auf die Strategie, die CO2-Emission zu reduzieren: Welchem Szenario glaube ich? Welche Technologien nehme ich? Das Vorgehen in der ­Taxonomie wäre deswegen zielführender, eine Methodenkonvention zur Messung zu erarbeiten, statt einzelne technische Schwellenwerte zu definieren:


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Egal welche Trends gerade locken,

wir verfolgen eine langfristige Strategie

Unser aktienfokussierter Multi-Asset-Fonds Ethna-DYNAMISCH bietet Investoren einen risikokontrollierten Zugang zu den globalen Aktienmärkten. Durch die flexible Aktienquote von 0% bis 100% kann sich der Fonds an jedes Marktumfeld anpassen – um Chancen zu nutzen und Risiken zu begrenzen. Überzeugen Sie sich selbst von den Vorteilen des Ethna-DYNAMISCH. Dies ist keine Anlageberatung / Kaufempfehlung. Die alleingültigen Unterlagen der Fonds finden Sie in den entsprechenden Sprachen unter dem folgenden QR Code auf der Homepage der ETHENEA www.ethenea.com © ETHENEA Independent Investors S.A. (2021) Alle Rechte vorbehalten.

ethenea.com


Im Dialog

„Der Berater muss verstehen, dass die Transformation sektoral divers ist und sich ganz sicher auf unterschiedlichen Zeitachsen vollziehen wird.“

„So bewertet ihr bitte. Es werden bitte Ziele analysiert, Maßnahmen final analysiert, die müssen auf folgende Szenarien einzahlen.“ Eine solche Konventionsdefinition erlaubt mehr Freiheitsgrade, um bei enorm hoher Komplexität und Volatilität des Systems die Transformation ohne Kollateralschäden zu bewältigen. Allerdings denke ich, dass wir vom aktuellen Zustand aus noch immer zu dem Ziel kommen können. Die Taxonomie der Umwelt­ziele wird wahrscheinlich im nächsten halben Jahr zumindest durch Vorlage der technischen Vorschläge erst einmal abgeschlossen sein. Die soziale Taxonomie liegt jetzt im Entwurf vor, ist jedoch in ihrer He­ rangehensweise anders geschnitten. Zum dritten Aspekt „G“: Ich glaube, Governance-Fragen gehören sowohl in „E“ als auch in „S“, sind dementsprechend keine eigenständige Kategorie per se. Man kann es ein bisschen entzaubern, im Sinne von: Vieles davon steht schon, kann man sich orientieren, gibt es schon.

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Stichwort: Performance. Keiner will ein Schmutzfink sein, ist schon klar, aber am Ende investiert man, um Performance zu bekommen. Stört die immer wieder aufkommende Diskussion um „Mir fehlt das ‚P‘ in ESG“? Kopp: Die Diskussion stört, weil sie nicht begründbar ist. Klar kann immer jeder was behaupten und mit einem einzelnen Fonds kann man auch mal das „P“ gegen ESG ausspielen. Perspektivisch ist es aber schlechtes Risikomanagement und man wird die strukturelle langfristige Performance damit nicht abbilden, wenn man jetzt kategorisch hingeht und sagt: „Ich blende die Frage der Transformation und so verstandener Nachhaltigkeit aus.“ Nachhaltigkeitsaspekte nicht zu berücksichtigen hat in der Vergangenheit nur deswegen mitunter zu einer Mehrperformance geführt, weil die Schadenseffekte sozialisiert wurden. Das wird über die Regulierung in Zukunft nicht mehr möglich sein – zumindest gibt es hierfür klare Zeichen, z. B. in CO2-Preisen.

Ein Asset-Manager, der Nachhaltigkeit explizit berücksichtigt, wird also automatisch ein gutes Fondsportfolio machen, muss gar nicht nach einer Artikel-8- oder -9-Differenzierung schauen und wird auch Performance produzieren? Kopp: Sicher nicht automatisch. Wenn ein Asset-Manager Fehler in seinen Bewertungen und Anlageentscheidungen macht, schadet es der Performance in jedem Fall – ob explizit nachhaltig angelegt wird oder nicht. Der Teil einer validen Unternehmensbewertung nach betriebswirtschaftlichen Kennziffern muss ja immer noch stattfinden. Nachhaltigkeitsbehauptung kann nicht schlechte Unternehmensleistung oder Substanz überdecken. Die bisherige Selbsteinstufung nach Artikel 8 und 9 war durchaus auch ein bisschen zögerlich seitens der Fondsgesellschaften und wird sich nach meiner Einschätzung mit fortschreitender Regulierungspraxis überleben. Es geht am Ende um die Produktwahrheit und das Transformationspotenzial der Investments in einem Portfolio. Berater wie Investoren und Anleger müssen da genau hineinschauen. Die Berater müssen schon heute ihre Kunden zum Thema Nachhaltigkeit verantwortungsvoll beraten, stehen aber ungeklärten Regulierungsfragen gegenüber. Die können nicht warten, bis die Taxonomien abgeschlossen sind und die Angebotslandschaft der Fondsindustrie transformiert ist. Was sagen Sie denen? Kopp: Zum einen muss mit dem Kunden offensiv das Gespräch geführt werden, was denn sein


Im Dialog

Verständnis von Nachhaltigkeit ist. Die Präferenz ist sowieso gem. der Delegierten Verordnung zu MiFID II ab August 2022 abzufragen. Der zweite Punkt ist: Der Berater muss verstehen, dass die Transformation sektoral divers ist und sich ganz sicher auf unterschiedlichen Zeitachsen vollziehen wird. Das wird er hinterfragen müssen, denn die Produkte, klassifiziert nach Artikel 8 und 9, werden ihm das nicht als komplette Produktwahrheit geben. Er kann sich zwar an diesen beiden Kategorien ein Stück weit orientieren, aber das hat nur wenig umfassende Zuverlässigkeit, bezogen auf die Frage der erfolgreichen Transformation z. B. zu Emissionsfreiheit. Man kann neben dem Blick auf die konkreten Fondsprodukte auch schauen, welche Häuser sich insgesamt in einer Art der Taxonomie vorauseilender Selbstverpflichtung diesem Thema zuwenden und auch auskunftswillig sind. Das hilft der Berechenbarkeit. Also gerade wenn jemand sagt: „Ich kenne mich noch nicht aus, aber ich will mich mit diesen Themen beschäftigen“, dann hilft es zu schauen, wer sich da aus dem Fenster wagt und sagt: „Ja, wir werden uns dazu aufstellen und stellen auch die erforderliche Transparenz her.“ In jedem Fall müssen sich Berater intensiver mit den Transformationsanforderungen und der nun angelaufenen Regulatorik befassen. Man sieht an den enormen Zuwächsen bei den Mittelzuflüssen in als nachhaltig deklarierten Fonds, dass das Thema bei den Anlegern angekommen ist, auch wenn es im Augen-

blick nicht immer Klarheit gibt, was denn da aktuell an tatsächlicher Wirkung ins Portfolio gekauft wird. Und im Übrigen: Es gibt inzwischen eine Reihe guter Studien und Informationsquellen, die einem bei überschaubarem Zeiteinsatz eine Orientierung, sowohl übergeordnet als auch detailliert, geben können. Würden Sie unseren Lesern einige dieser Quellen benennen? Kopp: Es gibt eine Studie vom World Economic Forum, mehrere sogar, die Fragestellungen behandeln, welche auch über das Thema Klima hinausgehen. Der BDI beschreibt in seiner Studie „Klimapfade für Deutschland“ relativ klar, was passieren muss in welchen Sektoren in Deutschland im Sinne von CO2-Neutralität oder -Freiheit, im Sinne auch der notwendigen Technikschritte. Gleichermaßen finden Sie so etwas auch bei der Agora Energiewende. Dort findet man unterschiedliche Szenarien beschrieben. Ein Tool, das sich die Beratung zunutze machen könnte, wäre die Science-based-Targets-Initiative. Da werden 1.800 Unternehmen benannt und betrachtet, die gesagt haben oder dies ankündigen: „Wir setzen uns ein Ziel und haben dementsprechend das Ambitionsniveau formuliert.“ Wenn sich diese Unternehmen in einem Fonds wiederfinden, hat man zumindest mal ein Gefühl dafür, dass das Zielniveau adressiert ist: Machen die jetzt die richtigen Strategien? Haben die die richtigen Maßnahmen? Das ist noch nicht final klar, aber dieses Tool gibt zumindest Orientierung.

Zukunftsperspektiven – mit einem Klick: Studien und Tools zu Nachhaltigkeit, Klimapfaden und nachhaltigem Investieren. Die Lese- und Toolempfehlungen von Matthias Kopp finden Sie gebündelt und direkt für Sie zum Download bereit auf Ihrer Informationsplattform FFB Fondsgespräche.

Und als weiteres unter zunehmend mehr Beispielen gibt es die Transition Pathway Initiative. Die ist initiiert worden von kirchlichen Investoren in England. Dort sind ca. 300 Unternehmen analysiert worden unter dem Aspekt: Sind sie denn im TransitionProzess unterwegs? Wenn wir in den Bereich Biodiversität und Natur gehen, wird es ein bisschen dünner in der direkten Anwendung für den Kapitalmarkt, ENCORE ist hier ein guter Startpunkt. Es gibt auch immer mehr Tools, z. B. auch solche, mit denen man Portfolios mit Blick auf Klimarelevanz analysieren kann. Einige sind frei verfügbar, kommerzielle Angebote nehmen fast schon ­monatlich zu. Diese Methoden sind sicher alle nicht perfekt – wie auch bei einer so umfassenden zukunftsorientierten Aufgabe? Für eine Orientierung sind viele von ihnen allerdings sehr gut nutzbar, wenn man will. Herr Kopp, wir danken für das Gespräch.

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Experten G   astbeitrag

Fondsverkauf mit Nachhaltigkeitsversprechen, die einhaltbar sind Nationale und internationale Aufsichtsbehörden nehmen den laxen Umgang großer Fondshäuser mit dem Nachhaltigkeitsbegriff ins Visier. So sind Berater auf der sicheren Seite. Problematik: Regulatorisch fehlende Eindeutigkeit Die aktuell noch teils ungenauen Vorschriften auf nationaler und EUEbene zu nachhaltigen Geldanlagen öffnen Einfallstore für konventionelle Fondshäuser, einigen Produkten einen grünen Anstrich zu verpassen, ohne die notwendige transformative Leistung zu vollziehen, die eine Nachhaltigkeitskommunikation ausreichend begründen würde.

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Die EU-Kommission hat mit ihren im Juli 2021 veröffentlichten Q&A zur SFDR1 für eine klare Abgrenzung zwischen Finanzprodukten gesorgt, die Artikel 8 und Artikel 9 der SFDR zuzuordnen sind. Bei Finanzprodukten mit Artikel-8-Status geht es um die „Transparenz bei der Bewerbung ökologischer oder sozialer Merkmale.“1 Ein Artikel-8-Produkt ist somit zunächst ein Produkt, das sich mit Nachhaltigkeit assoziiert – sei es über den

bloßen Produktnamen („ESG-Fonds“) oder durch werbliche Beschreibungen. Nicht erforderlich ist, dass ein dem Artikel 8 zugeordneter Fonds eine konkrete „nachhaltige Investition“ im Sinne der SFDR tätigt. Diese Vorgabe gilt nur für Artikel-9-Fonds und erklärt, wieso die großen Asset Management-Gesellschaften entschieden haben, nur wenige Fonds aus ihrem Produktsortiment in die Artikel-9Kategorie einzuordnen. Sofern Kun-


Gastbeitrag Experten

dinnen bzw. Kunden den Wunsch nach einer nachhaltigen Investition äußern und daraufhin lediglich Artikel-8-Produkte seitens des Vermittlers Berücksichtigung finden, kann dies zur Folge haben, dass die Erwartungshaltung der Kundin bzw. des Kunden nicht zufriedengestellt wird. Denn die Kundin bzw. der Kunde verspricht sich möglicherweise, mit ihrer bzw. seiner Investition auch eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. Infolgedessen muss auch aufseiten von Finanzberatern mit zukünftigen Reputationsrisiken gerechnet werden. Darüber hinaus werden nachhaltige Produkte nach der ausgearbeiteten MiFID-Zielmarktdefinition ab Mitte 2022 gesetzliche Mindestausschlüsse im Sinne der wichtigsten nachteiligen Auswirkungen (PAI = Principle Adverse Impact) vorweisen müssen. Diese Berücksichtigung birgt große Herausforderungen für Finanzberater, da sie zukünftig die gesetzlich geforderten Merkmale mit der SFDR und dem Kundenwunsch in Balance bringen müssen.

Gefahr von Reputationsrisiken durch falsch gekennzeichnete Wirkungsversprechen Obgleich aktuell noch nicht absehbar ist, ob sich der Verdacht des Greenwashings von Anlageprodukten verhärten wird, steht heute schon fest, dass viele der breit aufgestellten Asset Manager für Produkte Werbung platzieren, die als beschönigende, umweltfreundliche Kommunikation dargestellt wird, jedoch stets so, dass es noch keine Lüge ist, die justiziabel wäre. Die Beimengung nachhaltiger Produkte zu einem sonst fremden Kerngeschäft ist damit einmal mehr als problematisch anzusehen und die Resultate der jüngst veröffentlichten Mystery-Shopping-Tour von Greenpeace aus der Schweiz bieten

Die Beimengung nachhaltiger Produkte zu einem sonst fremden Kerngeschäft ist damit einmal mehr als problematisch anzusehen. den dazu passenden Beleg: In 43 Beratungsgesprächen bei 19 großen Banken wurde explizit nach klimaverträglichen Produkten gefragt. In rund 23 % der Gespräche wurde ein Produkt empfohlen, welches dieser Präferenz genügen solle, keines davon konnte sich jedoch gemäß vorher angefertigtem Kriterienkatalog als solches qualifizieren.

Luisa Lange, Sustainability Management, Ethius Invest

Erfolgreich abseits des Mainstreams Ausschließlich Nachhaltigkeitsfonds basierend auf Artikel 9 der Offenlegungsverordnung müssen darlegen, wie nachhaltige Investitionen angestrebt werden. Die EU-Kommission legt das Merkmal „Anstreben“ dabei im Übrigen radikal eng aus. Ein Finanzprodukt soll nur dann als Artikel-9-Produkt anerkennungsfähig sein, wenn es ausschließlich „nachhaltige Investitionen“ tätigt. Faktisch hat damit Artikel 9 der SFDR die Wirkung einer inhaltlichen Produktregulierung – auch wenn die Vorschrift formal nur eine Transparenzvorgabe macht. Es könnte sich als lohnenswert erweisen, Produkte abseits des Mainstreams zu suchen, von Anbietern, die einen konsequenten Nachhaltigkeitsansatz im Anlageprozess verfolgen und Nachhaltigkeit als Grundgedanken im Geschäftsmodell gerecht werden können.

Ethius Invest Die Ethius Invest Schweiz ist ein ethisch-nachhaltiger Vermögensverwalter. Der deutsche Ethius Global Impact Fonds bietet Aktienanlagen mit ethischen, sozialen und ökologischen Zielsetzungen im Einklang mit ökonomischen Investmentprinzipien. Der Fonds strebt eine nachhaltige Investition im Sinne des Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung an. www.ethius-invest.ch www.ethius.fund

Abrufbar unter https://www.esma.europa.eu/sites/ default/files/library/sfdr_ec_qa_1313978.pdf

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S ervices Thema der FFB

3x Plus für die Beratung

Die FFB erweitert ihre Services für Sie und Ihre Kunden gleich dreifach: (1) Sparpläne lassen sich jetzt bis 250.000 Euro einrichten. (2) Das neue FFB Imagevideo unterstützt Sie bei der Kundengewinnung. (3) Die neuen ESG-Infoseiten der FFB geben einen aktuellen Überblick über entscheidende regulatorische und Beratungsfragen.

Sparpläne: Online und jetzt bis 250.000 Euro Sparpläne sind äußerst flexibel einsetzbare Angebote für die Anlageberatung. Sie dienen nicht allein dem langfristigen Vermögensaufbau durch regelmäßige Sparraten. Auch bei der Neuanlage von größeren Summen kann ein Sparplan helfen, das Risiko des Einstiegszeitpunktes bzw. Einstiegspreises zu vermindern. Die FFB ermöglicht Beratern und ihren vermögenden Kunden jetzt einen

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Einstieg nach Maß: Der Maximalbetrag je Ausführung wurde auf 250.000 Euro erhöht. Übrigens: Sparpläne wie auch Splittsparpläne lassen sich bei der FFB schnell und effizient komplett online einrichten. Mehr dazu hier:


Services der FFB

FFB Imagevideo: Neukunden einfacher überzeugen Die Auswahl eines Bankpartners setzt Vertrauen des Kunden voraus. Das gilt erst recht, wenn Ihre Kunden das eigene Fondsdepot bei einer für sie zunächst unbekannten Bank eröffnen sollen. Mit dem neuen Imagevideo machen Sie die FFB für Ihre neuen Kunden erlebbar und schaffen Vertrauen in die Services, die Sie mithilfe der FFB bieten. Damit Sie das Video direkt in Ihren Präsentationen oder auf Ihrer Website einbinden können, stellen wir es für Sie auf FFB Fondsgespräche online zum Download bereit:

Mit den neuen ESG-Infoseiten der FFB verschaffen Sie sich einen Überblick über regulatorische Vorgaben, Siegel und ESG-Scores, Strategien und Fondsprodukte – und bleiben immer auf dem Laufenden. Ihr neuer Überblick rund um ESG beginnt hier:

Neben Informationen zum Nachlesen und Herunterladen gibt auch unsere WebseminarReihe zum Thema ESG kompakt Einblicke in die Strategien namhafter Fondsgesellschaften. Auch die Frage, wie sich Beratung in puncto Nachhaltigkeit dauerhaft erfolgreich positionieren kann, wird in den Beiträgen diskutiert. Aufzeichnungen und Anmeldungen hier:

ESG-Infoseiten: Mit der FFB über ESG up to date Ab August 2022 wird die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen von Anlagekunden zur Pflicht. Schon jetzt steigen bei ESG-Fonds Angebot und Nachfrage. Auf was müssen Sie sich einstellen? Was müssen Sie wissen? Welche Regeln beachten? Kaum ein Thema bewegt unsere Branche so sehr wie die nachhaltige Kapitalanlage. Ausgehend von der Dringlichkeit des Klimawandels hat die Europäische Kommission den Green Deal ausgerufen. Nachhaltigkeit und ESG beschäftigen seither technische Expertengruppen – verstärkt mit Konzentration auf die ökologischen Aspekte und hier besonders die klimaschädlichen Emissionen. Die Resultate kommen in immer kürzerer Folge bei der Beratung an: SFDR, Taxonomie, Offenlegungsverordnungen und eben die Ergänzungen zu MiFID II, die verbindlich und streng regeln, wie Sie künftig die Einstellungen und Wünsche Ihrer Kunden zum nachhaltigen Investieren erheben müssen.

ESG gehört zur Kernkompetenz einer perspektivisch erfolgreichen Beratung. Mit der FFB sind Sie bereit.

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Experten G   astbeitrag

Nachlassendes Wachstum und die Börse – was ein Blick auf den Zyklus lehrt Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Das gilt an den Aktienmärkten auch zu Pandemiezeiten. Viele Wachstumsraten verzeichnen aktuell ihren Höhepunkt. Das gilt für das Wirtschaftswachstum im Allgemeinen, aber auch für das Umsatzund Gewinnwachstum vieler Unternehmen im Speziellen. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass auch die finanzielle und monetäre Unterstützung der Staaten und Notenbanken ihren Zenit überwunden hat. Was im ersten Moment

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bedrohlich klingt, ist schlichtweg der notwendige Weg zurück zur Normalität.

Neue vs. alte Normalität Die Welt hat sich weitergedreht. Vieles ist nach der Krise anders. Aber das gilt für jede Krise. Nach überstandenen Krisen heißt es, sich an eine neue Normalität anzupassen. So individuell die einzelne Krise auch sein mag: Das

Muster, nach dem sich die Märkte in einem wirtschaftlichen Zyklus aus Abschwung, Rezession, Aufschwung und anschließender Hochkonjunktur entwickeln, besitzt immer gewisse Variationen – doch am Ende überwiegen die Gemeinsamkeiten. Insofern ist die neue Normalität in einer übergeordneten Sichtweise ein stetiges, wiederkehrendes Element. Oder schlicht: alte Normalität.


Gastbeitrag Experten

Zum Einstieg wird nicht geklingelt Während der Frühphase eines Zyklus ist das größte Problem, dass die Börse diese bereits vorweggenommen hat, sobald sie sich tatsächlich in der Realwirtschaft widerspiegelt. In der Praxis ist die konkrete Abgrenzung der Früh- und Spätphasen des Zyklus gar nur durch eine Ex-post-Betrachtung der relativen Kursentwicklung von klassischen Zyklikern zu defensiveren Werten möglich, wobei der Frühzyklus auch in der jüngsten Pandemiekrise in der Retrospektive nahezu mustergültig verlaufen ist. Zykliker haben sich seit April 2020 im Vergleich zu konjunkturunabhängigeren Aktien überdurchschnittlich gut entwickelt, bevor sich die Entwicklung in den Sommer hinein sukzessive normalisiert hat. Dies entspricht der Empirie, wonach der Frühzyklus rund ein Jahr andauert.

Der nächste Abschnitt beginnt Was ist nun von der gerade begonnenen Zyklusmitte zu erwarten? Zunächst einmal, dass wir wirklich von einer wiedererlangten Normalität sprechen dürfen, denn durchschnittlich währt die nun vor uns liegende Phase fast vier Jahre. Zwar sind die zu erwartenden Aktienmarkterträge nicht mehr so üppig wie im ersten Jahr des Aufschwungs, bleiben aber dennoch attraktiv. Gerade die Übergangsphase kann dabei durchaus etwas ruppiger an den Börsen ausfallen, da die Marktteilnehmer durch die eingangs genannten Faktoren einer neuen Art von Unsicherheit über den weiteren Ausblick ausgesetzt sind. Schwer ist es dagegen, alleine aus der Branchenallokation einen nachhaltigen Mehr-

Zwar sind die nun zu erwartenden Aktienmarkterträge nicht mehr so üppig wie im ersten Jahr des Aufschwungs. Sie bleiben aber dennoch attraktiv.

ertrag zu erwirtschaften. Die vor uns liegende Börsenphase dürfte eher durch eine kontinuierliche Rotation geprägt sein, in der individuelle Themen wieder mehr Raum einnehmen und strukturelle Wachstumsthemen einen längerfristigen Unterschied machen können.

den ihnen bekannten risikokontrollierten Zugang zu den globalen Aktienmärkten.

Der Höhepunkt markiert nicht das Ende Dementsprechend muss Anlegern nicht bange werden, nur weil beispielsweise die absoluten Wachstumsraten ihren Höhepunkt gesehen haben. Mehr Normalität wird den Kapitalmärkten mittelfristig guttun. In unserer offensiven Mischfondsstrategie agieren wir entsprechend und kombinieren unsere Makroexpertise mit fundamentaler Einzelaktienanalyse. So bildet ein konzentriertes Einzelaktienportfolio den belastbaren Kern für die seit Sommer 2020 anhaltend hohe Aktienquote, wobei die aktuelle Übergangsphase im Zyklus zuletzt mit diversen Absicherungsbausteinen sinnvoll begleitet wurde. Im Ergebnis erhalten unsere Kunden damit weiterhin

Christian Schmitt, Lead Portfolio Manager des Ethna-DYNAMISCH

ETHENEA ETHENEA Independent Investors S.A. ist eine bankenunabhängige Kapitalverwaltungsgesellschaft, die auf das aktive Management von Multi-AssetFonds spezialisiert ist. Das Unternehmen bietet attraktive Investmentlösungen für verschiedene Anlegerprofile: anleihenfokussiert, ausgewogen, aktienfokussiert oder global hochflexibel anlegend. www.ethenea.com

Disclaimer Dies ist keine Anlageberatung/Kaufempfehlung. Die allein gültigen Unterlagen der Fonds finden Sie in den entsprechenden Sprachen unter dem folgenden QR-Code auf der Homepage der ETHENEA: www.ethenea.com

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Aus dem Leben

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Aus dem Leben

Die innigste Verbindung von Tradition und Trend Wertvolles statt Wegwerfware: Im Sinne der Nachhaltigkeit rücken Produktqualität und Langlebigkeit bei immer mehr Menschen ins Blickfeld. Gleichzeitig hat Corona die Kochleidenschaft in Deutschland noch einmal befeuert. Mitten in der Schnittmenge aus Tradition und Trend: die Messermanufaktur Herder aus Solingen.

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Aus dem Leben

„Aus dem Leben“ ist eine Rubrik in den FFB Fondsgesprächen – über Trends in Gesellschaft, Kultur, Design und Konsum. Mit spannenden Geschichten zu Themen, die (auch) die Investmentwelt bewegen. Diesmal steht Nachhaltigkeit im Fokus – mit einer ganz außergewöhnlichen Produktidee.

D

ie Küchenschlacht“, „Das perfekte Dinner“, „Kitchen Impossible“ oder „Ready to beef“ – Kochshows im Fernsehen sind Quotenrenner. Auch weil es durch die pandemiebedingt geschlossenen Restaurants und Kantinen zuletzt einmal mehr hieß: Wir kochen zu Hause. Kochen zu Hause – dazu gehören auch das Schnippeln und Schneiden, das Schälen und Filetieren mit Messern.

Die Nachfrage nach „Windmühlenmessern“ speist sich aber noch aus einer zweiten Quelle: dem Wunsch nach hochwertigen und langlebigen Produkten. Daher trifft die Windmühlenmesser-Manufactur Robert Herder aus Solingen den Nerv der Zeit. Das Unternehmen stellt Messer für Küche und Haushalt her, von außergewöhnlicher Qualität und Form – gemacht für Jahrzehnte. Darunter sind Koch- und Filiermesser, Tomaten- und Käsemesser, Geflügel- und Bratenmesser, Gemüsemesser mit Wellenschliff oder durchgehender Klinge. Neueste Produkte im Sortiment: die Käsemesser-Serie „Fromaĝo“, Fleischmesser für Grillen und Braten und „FreiForm“-Schneidebretter.

Vom Pließten und Blaupließten Dabei setzt das Unternehmen, das im kommenden Jahr seinen 150. Geburtstag feiert, auf alte Handwerkskunst. „Gute Messer sind von Hand gemacht“, erklärt Giselheid HerderScholz, die die Windmühlenmesser-Manufactur zusammen mit ihrem Cousin

Solinger Dünnschliff

„Immer wieder schicken Kunden ihre Lieblingsmesser oder Erbstücke nach Jahrzehnten der Nutzung zur Reparatur: Der Holzgriff sei abgenutzt, ob man diesen nicht ersetzen könne. Über die Klinge fällt meist kein Wort. Denn diese ist in der Regel auch nach mehr als 60 Jahren noch scharf.“ Giselheid Herder-Scholz

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Blaupließten: fertige Klinge auf dem Saum

Reiden: das Vernieten


Aus dem Leben

Frank Daniel Herder führt. Sie ist überzeugt: Im Messerhandwerk ist die menschliche ­A rbeit für viele Vorgänge unverzichtbar. Das Schleifen und Pließten, eine besondere Form des Schleifens, spielen eine große Rolle dabei, genauer gesagt das „Blaupließten“. Dafür wird die Oberfläche der Klinge so fein geglättet und verschlossen, dass Rost etwas weniger Chance hat und die Schärfe noch erhöht wird. „Diese Arbeit benötigt sehr viel Feingefühl, Geschick, Geduld und ein gutes Auge, um die gewünschte Qualität zu erzielen.“ Dazu kommen das „Reiden“ – das Zusammenfügen von Klinge und Griff – und das „Ausmachen“, das feine Ausformen und Beschleifen der Griffe und des Erls, der Verlängerung der Klinge in den Messergriff. Seit einigen Jahren schafft es das Unternehmen wieder, in den alten Lehrberufen wie Schleifer, Pließter, Reider und Ausmacher junge Menschen auszubilden.

Kochmesser

Klassiker mit Wellenschliff

Gabelspitz-Tomaten-und-Käsemesser

„Solinger Dünnschliff“ als Markenkennzeichen Giselheid Herder-Scholz, die 1988 ins Unternehmen ihrer Familie einstieg, musste damals mit ihrem Cousin entscheiden: Setzen wir auf Automatisierung oder bleiben wir beim Handwerk? Ihre Überzeugung: Besser ist es, sich mit Besonderheiten hervorzuheben. „Unsere Nische heißt Carbonstahl, Dünnschliff, hohe Qualität. Das hat das Überleben gesichert.“ Mit dem 5-Euro-Messer aus dem Möbelhaus haben Windmühlenmesser nichts gemein. Anders als die große Masse werden sie noch immer nach dem Prinzip des „Solinger Dünnschliffs“ gefertigt. Dabei wird der Schliffwinkel weit oben angesetzt, die Klinge läuft schlank und sehr spitz auf die Schneide zu. „Das Ergebnis zeigt sich in der besonderen Schärfe und Schnitthaltigkeit“, erläutert Herder-Scholz. Diese traditionelle Schliffart werde selbst in Solingen kaum mehr praktiziert. „Dabei begründete sie einst die hohe Wertschätzung der Solinger

Brotsägemesser

Universalkäsemesser

Messer in aller Welt.“ Der sogenannte Walkschliff, ebenfalls aus der Solinger Tradition, findet sogar nur noch in der Herder-Manufaktur Anwendung.

„Gesamter Rohstoffkreislauf mitgedacht“ Gegründet hat das Unternehmen HerderScholz´ Urgroßvater Robert 1872. Auch damals schon war der Standort die Solinger

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Aus dem Leben

„Manche Dinge machen wir wie vor 100 Jahren, andere aber nicht.“ Giselheid Herder-Scholz

Alter Lehrberuf für junge Menschen: Pließter Ellerstraße. „Manchmal schaue ich mir die ganz alten Produkte an, die vor meiner Geburt entstanden sind. Und dann denke ich: Mann, Wahnsinn, was die gemacht haben, wie schön das war“, erzählt Herder-Scholz. Ihr Verständnis von Tradition: etwas herübernehmen aus der alten Zeit, es zu transportieren in die neue Zeit – und dabei das Besondere nicht zu verlieren. „Manche Dinge machen wir wie vor 100 Jahren, andere aber nicht.“ Die Windmühle in Firmenlogo und -namen kommt nicht von ungefähr: Firmengründer Robert Herders Sohn Paul, just 1872 geboren, bereiste zur Auslotung von Vermarktungsmöglichkeiten Belgien und die Niederlande. Die Windmühlen dort waren

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für ihn ein passendes internationales Symbol für die Schneidwaren aus dem Familienbetrieb. International ist das Unternehmen bis heute und exportiert viel. Außerdem tauscht man sich seit über 20 Jahren mit japanischen Schmieden aus. Nicht nur im Sinne langlebiger und hochwertiger Produkte steht die Windmühlenmesser-Manufactur für Nachhaltigkeit. „Schon lange wird der gesamte Rohstoffkreislauf mitgedacht“, erklärt Herder-Scholz. So arbeitet das Unternehmen etwa mit naturbelassenen Rohstoffen, der größte Teil des Rohstoffabfalls wird recycelt und dem Kreislauf wieder zugeführt. „So ist der Traditionsbetrieb auch nach fast 150 Jahren noch ein Trendsetter.“ Mehr Infos unter www.windmuehlenmesser.de


Fixpunkte

Auf die Plätze, fertig, los! Jetzt gilt es, schnell zu sein: Ab 2. November starten die FFB Fondsgespräche live in fünf Städten. Seien Sie dabei und sichern Sie sich einen der letzten Plätze.

A

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Jetzt noch schnell anmelden unter fondsgespraeche.ffb.de/live oder mit diesem QR-Code

Das ist Thema „Nachhaltig beraten.“ Die Spielregeln für Berater ändern sich. Nachhaltigkeit wird spätestens ab August 2022 mit der Erhebung der Nachhaltigkeitspräferenzen Ihrer Kunden zum Pflichtthema. Eine Steilvorlage für die nachhaltige Anlageberatung: Welche Chancen bieten nachhaltige Anlagen für Anleger? Was müssen Berater zu ESG wissen? Welche Nachhaltigkeitsstrategien verfolgen die Anbieter? Wie gestalten Sie ein nachhaltiges und nachhaltig erfolgreiches Geschäftsmodell?

Das sind die Experten Geballte Kompetenz und starke Impulse für die nachhaltige Beratung. Experten dieser acht Fondsgesellschaften warten auf Sie.

Das sind die Termine 02. 11. Hamburg, Hotel Atlantic 03. 11. Dresden, Steigenberger Hotel de Saxe 09. 11. Frankfurt (Eppstein), Botanical by CKE 10. 11. Stuttgart, Hotel Pullman Fontana 11. 11. München, Andaz Schwabinger Tor

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Impressum Das Magazin „FONDSGESPRÄCHE“ der FFB enthält Informationen für professionelle Anleger und ist nicht zur allgemeinen Veröffentlichung bestimmt, insbesondere nicht für Privat­ anleger. Alle geäußerten Meinungen sind, falls keine anderen Quellen genannt sind, die der FIL Fondsbank GmbH (FFB). Alle hier ausgedrückten Ansichten sind die der FFB oder von anderen, kenntlich gemachten Autoren (insbesondere der Gastbeiträge) zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Unterlage (Oktober 2021) und können sich in Zukunft ändern. Die FFB veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen und erteilt keine Anlageberatung. Andere Autoren (insbesondere der Gastbeiträge) veröffentlichen ebenfalls Einschätzungen und Einsichten, die keinesfalls eine Anlageempfehlung/Anlage­b eratung darstellen. Fidelity, Fidelity International steht für FIL Limited (FIL) und ihre jeweiligen Tochtergesellschaften. Fidelity, Fidelity International, das FFB Logo und das F Symbol sind Marken von FIL Limited und werden mit deren Zustimmung verwendet. Diese Informationen dürfen ohne vorherige Erlaubnis weder reproduziert noch veröffentlicht werden. Möchten Sie in Zukunft keine weiteren Werbe­ mitteilungen von uns erhalten, bitten wir Sie um Ihre schriftliche Mitteilung an den Herausgeber dieser Unterlage. Herausgeber: FIL Fondsbank GmbH, Postfach 11 06 63, 60041 Frankfurt am Main. Stand, soweit nicht anders angegeben: 01. 10. 2021 Redaktion: Peter Nonner, Kathrin Fischer Konzeption/Realisation: DASSINGCommunication (www.dassingcommunication.de) Bildrechte: © Getty/Mike Hill (Titel), © Getty/Mike Hill (S. 6), © Getty/Berkah (S. 10), © Ethius Invest (S. 17 ff.), © Getty/Solskin (S. 20), © iStock/RomoloTavani (S. 22), © Getty/ AleksandarNakic (S. 24), © Getty/onurdongel (S. 26), © Getty/Xiaodong Qiu (S. 28), © iStock/ithinksky (S. 32), © TBF (S. 34), © Picture alliance (S. 36 f.), © Getty/Mick Ryan (S. 38), © Getty/f_ (S. 42), © WWF (S. 45 ff.), © iStock/kokouu (S. 54), © ETHENEA (S. 58), © Windmühlenmesser-Manufactur Robert Herder (S. 60 ff.), © Getty/Ezra Bailey (S. 65).

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Nachhaltig produziert


Saubere Sache:

Rendite mit CO

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Reduktion. Zeit, Geld neu zu bewerten.

Rund um den Globus wachsen die Anstrengungen für eine CO2-neutral arbeitende Wirtschaft. Dieses Engagement erfordert immense Investitionen – und bietet Chancen für Anleger. Der Fidelity Sustainable Climate Solutions Fund setzt auf das rasante Wachstum in diesem Bereich und investiert branchenübergreifend in Unternehmen, deren Geschäftsideen und Technologien zur CO2-Reduzierung beitragen.

Fidelity Sustainable Climate Solutions Fund Hier erfahren Sie mehr.

Vollständiger Name des Fonds: Fidelity Funds – Fidelity Sustainable Climate Solutions Fund, ISIN LU2349440961, WKN A3CT76. Risikohinweise: Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Fremdwährungsanlagen unterliegen Wechselkursschwankungen. Der Fonds investiert auch in Schwellenländern, für die besondere Risiken bestehen können. Der Fonds fördert ökologische und/oder soziale Merkmale. Der Fokus auf Wertpapiere von Unternehmen, die Nachhaltigkeitsmerkmale berücksichtigen, kann die Wertentwicklung positiv oder negativ beeinflussen. Die Nachhaltigkeitsmerkmale von Wertpapieren können sich ändern. Weitere, ausführliche Risiken finden Sie im Verkaufsprospekt. Eine Anlageentscheidung sollte in jedem Fall auf Grundlage der wesentlichen Anlegerinformationen, des letzten Geschäftsberichtes und – sofern nachfolgend veröffentlicht – des jüngsten Halbjahresberichtes getroffen werden. Diese Unterlagen sind die allein verbindliche Grundlage des Kaufes und können kostenlos bei der FIL Investment Services GmbH, Postfach 20 02 37, 60606 Frankfurt am Main oder über www.fidelity.de angefordert werden. Fidelity, Fidelity International, das Fidelity-International-Logo und das „F-Symbol“ sind Markenzeichen von FIL Limited. Herausgeber: FIL Investment Services GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus. September 2021. MK12899.


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DIE HERAUSFORDERUNGEN DIE HERAUSFORDERUNGEN VON HEUTE SIND DIE DIE HERAUSFORDERUNGEN DIE HERAUSFORDERUNGEN VON HEUTE SIND DIE CHANCEN MORGEN VON HEUTEVON SIND DIE VON HEUTEVON SIND DIE CHANCEN MORGEN CHANCEN VON MORGEN CHANCEN VON MORGEN

PIONIER IM BEREICH VERANTWORTLICHE PIONIER IM BEREICH VERANTWORTLICHE INVESTMENTS SEIT 2001 PIONIER IM BEREICH VERANTWORTLICHE INVESTMENTS SEIT 2001 PIONIER IM BEREICH VERANTWORTLICHE INVESTMENTS SEIT 2001 INVESTMENTS SEIT 2001

Aktiv in unserem Dialog Aktiv in Engagement unserem Dialog und Aktiv in Engagement unserem Dialog und Aktiv in unserem Dialog und Engagement und Engagement

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