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ZEITENWENDE




Partner Content | Uniper
SYSTEMAUFBAU FÜR EINE RESILIENTE ENERGIEVERSORGUNG. WIE WILHELMSHAVEN ZU EINEM ZENTRALEN IMPORTKNOTEN FÜR WASSERSTOFF WERDEN SOLL.
Für die Dekarbonisierung von Industrie, Energieversorgung und Verkehr könnten in Europa und insbesondere in Deutschland langfristig erhebliche Mengen grünen Wasserstoffs benötigt werden.
Großes Interview | Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker
MEHR CYBERSCHUTZ
DURCH NIS-2?
Mit Inkrafttreten der NIS-2-Richtlinie steigen die Cybersecurity-Pflichten für rund 30.000 Unternehmen in Deutschland.
Großes Interview GRAZIA VITTADINI
Großes Interview | Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla 18
EUROPA IM KREUZFEUER
Sicherheitsbehörden werden zunehmend mit hybriden Bedrohungen konfrontiert, gegen die klassische Sicherheitskonzepte wirkungslos sind.
DIE ZUKUNFT DES FLIEGENS
HEISST KI
Grazia Vittadini ist Mitglied des Vorstands und Chief Technology Officer (CTO) bei der Lufthansa Group, wo sie die Bereiche Technik, IT und Innovation leitet. Wie nachhaltige Transformation und weiteres Wachstum im Luftverkehr zusammengehen können, erläutert sie im Interview.
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AUSGABE
#5
Key Account Manager:
Alia Fahda, Antonia Blunck
Account Manager: Isabel Frerichs
Geschäftsführung:
Nicole Bitkin, Fredrik Thorsson
Creative Director: Franziska Bredehorn
Redaktion und Grafik:
Franziska Bredehorn, Julia Schmidt, Negin Tayari
Text: Julia Butz, Katja Deutsch, Armin Fuhrer, Thomas Soltau, Christian Kolb, Jakob Bratsch
Coverfoto:
Presse, cyberintelligence.institute, DLR
Distribution & Druck:
Handelsblatt, Juli 2026
Contentway
Wir erstellen Online- und Printkampagnen mit wertvollen und interessanten Inhalten, die an relevante Zielgruppen verteilt werden. Unser Partner Content und Native Advertising stellt Ihre Geschichte in den Vordergrund.
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WEITERE INHALTE
7. Eric Bussert, HanseMerkur
8. Hubert Neubacher, Barkassen-Meyer und Rainer Abicht Elbreederei
15. Kassian Alexander Goukassian, falkemedia
24. Sven Horstmann, Klüh Security
38. Oliver Naujoks, WealthOffice
CONTENTWAY.DE
Cloud als InnovationsBooster Schneller und flexibler agieren, Innovationen vorantreiben. Über den Umstieg auf cloudbasierte Dienste als Beschleuniger der Transformation.
Die Handlungsfähigkeit des Staates sichern
EINLEITUNG
Die finanzpolitischen Herausforderungen, mit denen viele europäische Staaten konfrontiert sind, haben auch für Deutschland eine erhebliche Bedeutung. Insbesondere die anhaltenden Kostensteigerungen, die sich aus Steuerausfällen, stark gestiegenen Sozialleistungen und den Ausgaben im Zusammenhang mit der Integration von Flüchtlingen ergeben, belasten die öffentlichen Haushalte massiv.
Foto: Daniel Reinhardt
Diese Belastungen wirken sich unmittelbar auf Länder und Kommunen aus, deren finanzielle Situation sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat. So belief sich das Defizit im Jahr 2025 auf 31,9 Milliarden Euro, eine Steigerung um 7,1 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Prognosen der kommunalen Spitzenverbände deuten auf eine weitere Zunahme dieser Defizite hin, wobei das Problem nicht mehr nur finanzschwache Kommunen betrifft, sondern zunehmend auch ehemals finanzstarke Städte und Gemeinden.
Die Hauptursache für die kommunalen Schulden liegt in den bundesgesetzlichen Sozialleistungen, deren jährliche Zuwachsraten in einigen Bereichen teilweise über zehn Prozent betragen. Demgegenüber wachsen die öffentlichen Haushalte nicht im gleichen Maße. Vor diesem Hintergrund sind tiefgreifende Reformen im Sozialstaat dringend erforderlich. Die Sozialstaatskommission hat bereits wichtige Impulse geliefert, die nun in konkrete Reformen umgesetzt werden müssen,
Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie e. V.

um insbesondere die Kommunen finanziell spürbar zu entlasten. Entbürokratisierung, Digitalisierung, Vereinfachungen und Pauschalierungen sollten dabei zentrale Elemente sein, ebenso wie die Abkehr von teuren Einzelfallhilfen.
In Hamburg wird dieser Reformprozess aktiv vorangetrieben. Der Senat arbeitet daran, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, Vorschriften zu vereinfachen und die Verwaltung serviceorientierter für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen zu gestalten.
Neben der Konsolidierung im Sozialbereich ist es ebenso wichtig, dass auf allen staatlichen Ebenen wieder verstärkt investiert wird. Der Bund hat mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität einen wichtigen Schritt nach vorn getan. Hamburg hat schon in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in seine Zukunft getätigt. Die Investitionen pro Kopf wurden von 2018 bis 2027 von 442 Euro auf 1.582 Euro mehr als verdreifacht, was zusammen mit den Investitionen öffentlicher Unterneh-

CONTENTWAY.DE „Deutschland braucht mehr Mut“ Wie ein mehr als 500 Jahre altes Familienunternehmen durch Erfahrung, Disziplin und klare Entscheidungen selbst schwere Krisen übersteht.

men eine deutschlandweit einmalige Konjunkturwirkung entfaltet. Diese Investitionen werden auch mit Hilfe der Gelder aus dem Sondervermögen zukünftig fortgesetzt und insbesondere im Verkehrsbereich, in der Stadtentwicklung und im Bildungssektor weiter ausgebaut.
Abschließend ist festzuhalten, dass es notwendig ist, heute kraftvoll zu investieren und gleichzeitig konsequent zu konsolidieren. Nur dann werden die europäischen Staaten als handlungsfähig wahrgenommen.
Freudenberg,


„Wir müssen Industriestärke neu verdienen“
Deutschlands Industrie steht vor großen Aufgaben – aber auch vor neuen Möglichkeiten, die Mut, Tempo und Zusammenarbeit verlangen.
Exportmärkte verändern sich, Energie bleibt teuer, China wird vom Absatzmarkt zum anspruchsvollen Wettbewerber, und Europa muss mehr sicherheitspolitische Verantwortung übernehmen. Trotzdem sollte Deutschland nicht in eine reine Krisenerzählung verfallen, sondern sein industrielles Erfolgsmodell unter veränderten Bedingungen neu verdienen.
Die Hannover Messe 2026, die Weltleitmesse für die produzierende Industrie, zeigte: Europas Industrie sucht noch ihren Weg – aber sie sucht ihn aktiv. Dass sich dort zahlreiche namhafte CEOs und hochrangige politische Vertreter eingebracht haben, ist für Serjoscha Keck ein Signal. Es geht nicht nur um die Zukunft einer Messe, sondern um die industrielle Stärke Deutschlands und Europas.
Herr Keck, Deutschland diskutiert viel über Krise. Sie sprechen zunächst über Stolz auf das deutsche Wirtschaftsmodell. Warum? Weil wir nicht vergessen sollten, woher wir kommen. Deutschland hat über Jahrzehnte ein beeindruckendes Erfolgsmodell aufgebaut: Ingenieurskunst, industrielle Netzwerke, Qualität und enorme Exportfähigkeit. Damit konnten wir uns vieles leisten: ein gutes Sozialsystem, hohe Standards und Regulierung, die zunächst oft aus guten Gründen entstanden ist.
Was folgt daraus für Deutschland?
Wir müssen unter Berücksichtigung der veränderten Rahmenbedingungen ehrlicher werden. Viele Regeln hatten gute Absichten: Schutz, Nachhaltigkeit, Fairness, Einzelfallgerechtigkeit. Aber wenn Überschüsse kleiner werden, müssen wir prüfen, was dauerhaft finanzierbar ist. Je mehr wirtschaftliche Leistung durch staatliche Strukturen gebunden wird, desto weniger Kraft bleibt für Investitionen, Innovation, unternehmerisches Risiko und Schnelligkeit.
Wir sind also zu langsam?
Ja. Genehmigungen dauern zu lange, Prozesse sind komplex, Daten werden von Behörden mehrfach abgefragt. Häufig liegt das Problem nicht im Ziel der Regulierung, sondern in der Umsetzung. Vereinfachung kann konkret werden: Daten nur einmal abgeben, ver-
Mehr Informationen über KPMG unter: www.kpmg.com

Serjoscha Keck, Partner bei KPMG und German Head of Industrial Manufacturing
einfachte Regime und Schwellenwerte, praxistaugliche Pauschalierungen, klare Fristen und Genehmigungsfiktionen.
Und was ist mit den Unternehmen selbst?
Auch in der produzierenden Industrie ist über die Jahre viel Bürokratie entstanden: zusätzliche Abstimmungen, interne Freigaben, komplexe Prozesse und doppelte Dokumentation. Auch dort müssen wir einfacher, schneller und klarer werden. Gerade KI bietet hier eine hervorragende Chance, Prozesse zu entschlacken, Routinetätigkeiten zu reduzieren und Entscheidungen besser vorzubereiten.
Wo liegen die Chancen für die produzierende Industrie in Deutschland und Europa?
Erstens im europäischen Binnenmarkt. Wir reden über mehr als 450 Millionen Menschen, hohe Kaufkraft, starke industrielle Vor- und Endprodukte und technologische Fähigkeiten, auf die auch China und die USA angewiesen sind. Daraus entsteht eine Chance für neue Kooperationen, auch mit China. Das gelingt aber nur, wenn wir realistisch und partnerschaftlich auftreten – und bereit sind, dort zu lernen, wo andere schneller oder besser geworden sind, ohne die eigenen Stärken kleinzureden.
Persönlich
Serjoscha Keck ist Partner bei KPMG und German Head of Industrial Manufacturing. Neben der produzierenden Industrie beschäftigt ihn die Zukunft Europas. Zuletzt diskutierte er auf einem Panel im Europäischen Parlament über einfachere Bürokratie und praxistauglichere Regeln. Dort entstand auch das Foto. Abseits des Berufs ist er am liebsten mit seiner Familie unterwegs – und regelmäßig beim Laufen.
Die in Deutschland jetzt auf den Weg gebrachten Reformen sind ein wichtiges Signal. Entscheidend wird aber die konkrete Umsetzung sein. Und der Mut, diesen Weg weiterzugehen.
Zweitens könnten wir noch stärker in neuen Märkten denken: Indien, Brasilien, Südostasien, Kanada, Teile Afrikas. Unternehmen könnten diese Märkte noch strategischer erschließen und ihre Wachstumserwartungen nicht zu stark auf wenige Regionen konzentrieren. Gleichzeitig müssen wir schnell sein: China ist dort längst präsent. Qualität allein reicht nicht. Wir müssen mit attraktiven Angeboten, Technologie, Finanzierung, Geschwindigkeit und
lokalen Partnerschaften überzeugen.
Drittens liegt eine große Chance in produktiver KI. Für die Industrie wird KI dann spannend, wenn sie dort ansetzt, wo Wertschöpfung entsteht: in Entwicklung, Produktion, Qualität, Service und auf dem Shopfloor. Genau hier hat Deutschland einen Vorteil: eine starke industrielle Basis und viel Erfahrungswissen. Wenn es gelingt, dieses Wissen mit KI produktiver zu machen, kann daraus ein Hebel für Wettbewerbsfähigkeit entstehen – und eine Grundlage, um höhere Sozialstandards weiter tragen zu können.
Sind Sie optimistisch?
Ja, aber nicht naiv. Die in Deutschland jetzt auf den Weg gebrachten Reformen sind ein wichtiges Signal. Entscheidend wird aber die konkrete Umsetzung sein. Und der Mut, diesen Weg weiterzugehen. Ein Reformpaket ist kein Endpunkt, sondern ein Anfang. Deutschland muss sein Erfolgsmodell nicht abschreiben. Aber wir müssen es neu verdienen.


„Proaktiv und glasklar“
GASTBEITRAG
Das größte Risiko für Verhandlungsführer besteht in dem Trugschluss, dass eine exzellente sachlich inhaltliche Vorbereitung ausreicht. Aber jede Verhandlung ist ein Konflikt, der oftmals Stress erzeugt – und Stress wirkt als Brandbeschleuniger für Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen.
Text: Armin Fuhrer Foto: Getty Images/unsplash+
Wer autoritär veranlagt ist, wird unter Druck gegebenenfalls noch dominanter; wer Harmonie sucht, wird oft devot und zieht sich zurück. „Wenn diese Psychodynamiken einsetzen, sprechen wir von Derailern“, erklärt Lars Thiele, Geschäftsführer und Gründer von Emendo Consultants.
Herr Thiele, besonders schwierig wird es, wenn man auf narzisstische Verhandlungsführer trifft. Wie geht man damit um?
Das ist für viele Menschen eine echte Herausforderung. Fokussieren wir uns auf drei Empfehlungen. Erstens: 90 % des Erfolges ist die Vorbereitung: Erarbeiten Sie sich neben Ihrer Verhandlungsmatrix auch Logikbäume, um potenzielle Angriffe vorab zu antizipieren und entscheiden Sie, wie Sie mit welchem verbalen Angriff umgehen werden. Bleiben Sie ruhig, sachlich, aber ziehen Sie klare Grenzen. Zweitens: Schmeicheln Sie dem Narzissten, um die Beziehungsebene zu befrieden, ohne inhaltlich einzuknicken. Und drittens: Geben Sie der Verhandlung inhaltlich einen Rahmen; kommunizieren Sie proaktiv und glasklar, wo Ihr Entscheidungsrahmen endet.
Und wie verhindert man, dass man selbst in die Falle tappt?
Gehen Sie möglichst nicht allein in kritische Verhandlungen. Ein „Checker“ an Ihrer Seite ist Gold wert. Er überwacht nicht nur den sachlichen Zielrahmen, sondern fungiert als Korrektiv. Wenn Sie


„Qualität und Nachhaltigkeit sichern“
GASTBEITRAG
Erarbeiten Sie sich neben Ihrer Verhandlungsmatrix auch Logikbäume, um potenzielle Angriffe vorab zu antizipieren und entscheiden Sie, wie Sie mit welchem verbalen Angriff umgehen werden.
selbst zu Harmonie neigen, braucht es jemanden, der Sie zur nötigen Positionierung anhält. Ein Alphatier benötigt jemanden, der für einen freundlichen Ton sorgen kann.
Und wenn zwei Alphatiere aufeinandertreffen?
Klar, dann wird es schwierig. Wenn sich zwei dominante Persönlichkeiten wie Böcke auf der Alm die Köpfe einrammen, bleibt die konstruktive Konfliktbewältigung oft auf der Strecke und ein Vertragsabschluss ist stark gefährdet. Das Ziel muss dann sein, professionell zu bleiben, statt sich in persönlichen Machtspielen zu verlieren. Es gibt Methoden, das zu lernen.

Für die Backbranche wird der Spagat zwischen der Herstellung hochwertiger Produkte und den Forderungen nach einer klimafreundlichen Produktion größer.
Text: Armin Fuhrer Foto: Arturo Anez/unsplash

Die Backbranche spielt eine enorme Rolle für die Bevölkerung, denn sie versorgt täglich Millionen Menschen mit Brot. Allerdings wachsen unter zunehmend schwierigen Bedingungen die Anforderungen, die die Verbraucher ebenso wie die Politik an die Bäckereien stellen. „Die Branche steht vor einem schwierigen Spagat: Wir sollen einerseits möglichst klimafreundlich produzieren, andererseits aber auch beste und bezahlbare Produkte liefern“, sagt Dr. Christian Hörger, Geschäftsführer der Großbäckerei Lieken.
Herr Hörger, was ist denn nötig, um diesen hohen Standard zu halten? Hochwertige Erzeugnisse benötigen erstklassige Rohstoffe, Energie, moderne Anlagen und vor allem Backkompetenz. Wir versuchen mit verschiedenen Methoden, den steigenden Anforderungen an eine klimaschonende Herstellung unserer Produkte gerecht zu werden. Aber hier tut sich ein Spannungsverhältnis zwischen Qualität und Nachhaltigkeit auf, das eine große Herausforderung darstellt. Auch die Politik erleichtert die Situation nicht, im Gegenteil.
Wie definieren Sie als Großbäckerei Ihre Rolle in diesem Prozess?
Als Großbäckerei haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung für die regionale Versorgung, zahlreiche
Als Großbäckerei haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung für die regionale Versorgung, zahlreiche Arbeitsplätze und für hohe Qualität.
Arbeitsplätze und für hohe Qualität. Zugleich ist Nachhaltigkeit für uns kein Lippenbekenntnis, sondern wir nehmen diese sehr ernst.
Welche Rahmenbedingungen benötigen Sie denn?
Dazu zählen sichere internationale Handelswege, eine bezahlbare Energieversorgung und gezielte Förderprogramme für moderne Technologien. Wir brauchen ein praxisnahes Regelwerk, das Investitionen nicht verhindert, sondern beschleunigt.
Und wie setzen Sie diese Ziele operativ an Ihren Standorten um?
Wir betreiben an allen Standorten ein zertifiziertes Energiemanagement nach DIN ISO 50001, investieren laufend in moderne Anlagen und reduzieren den Einsatz fossiler Energien ständig weiter. Wir setzen zudem auf umweltfreundliche Verpackungen und kooperieren mit nachhaltigen Partnern.
Warum ist eigentlich gerade die Auswahl der Partner so entscheidend für Ihre Klimabilanz?
Dieser Punkt ist von zentraler Bedeutung, da Untersuchungen ergeben haben, dass die Landwirtschaft die größte Herausforderung bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes darstellt.
Oft fehlt der Wachstumscase
Insolvente Unternehmen finden immer seltener einen Käufer, weil ihre ganze Branche in der Krise steckt. Das macht eine Restrukturierung unmöglich.
Die Zahl der Insolvenzen sowie der Sanierungs- und Restrukturierungsverfahren in Deutschland verharrt auf einem anhaltend hohen Niveau. Ein Grund für diese Entwicklung ist die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft wegen der CoronaHilfen aus einem künstlichen Tief der Insolvenzzahlen kam, denn während der Pandemie waren Insolvenzen politisch nicht gewollt, daher wurden entsprechende Gesetze erlassen. Daher gibt es einen klassischen Nachholeffekt.
Doch inzwischen ist dieser Effekt über das normale Niveau hinausgegangen. Das liegt an den Rahmenbedingungen – vor allem sehr hohe Standortkosten bei Energie und Personal sowie eine hohe Inflation. Die Folge: Kosten für Unternehmen, die ohnehin schon mit geringen Margen arbeiteten, sind massiv gestiegen. „Das ergibt eine gefährliche Grundtendenz. Die Investitionsneigung in Deutschland ist in den letzten fünf bis zehn Jahren dramatisch zurückgegangen. Die Folge ist, dass langfristig nicht mehr erneuert wird“, sagt Jan Groß, Rechtsanwalt und Partner im Kölner Büro von RSM Ebner Stolz.
Herr Groß, unterscheiden sich die heutigen Krisenfälle bei Unternehmen von denen früherer Jahre?
Ja, das ist ein riesiger Unterschied. Als ich 2007 in der Sanierung anfing, hatten wir oft Fälle von Unternehmen, die sich einmalig „verhoben“ hatten – etwa
durch eine missglückte Akquisition oder zu mutige Expansion bei ansonsten gesundem Kern. Da konnte man, bildlich gesprochen, die Zöpfe abschneiden und das Unternehmen wieder in eine gesunde Struktur implementieren. Heute jedoch sind ganze Branchen auf dem absterbenden Ast: Automotive, Chemie und das gesamte Verarbeitungsgewerbe.
Wie wirkt sich das auf die Rettungschancen der kriselnden Unternehmen aus?
Ein wichtiger Gradmesser ist das Investoreninteresse. Früher gab es oft strategische Investoren – etwa Wettbewerber –, die insolvente Unternehmen im Zuge einer Marktbereinigung übernommen haben. Das ist deutlich zurückgegangen. Heute werden Betriebe in der Insolvenz häufiger abgebaut und geschlossen, weil es kein „Wachstumscase“ mehr gibt. Das Problem: Die verarbeitende Industrie, die einmal abgewickelt ist, kommt nicht mehr wieder.
Wir haben den Strukturwandel schon oft geschafft, etwa im Ruhrgebiet beim Abschied von der Steinkohle. Wir können das, wir müssen es nur beherzt angehen.
Die Eintrittshürden für einen Neuaufbau sind schlicht zu hoch.
Wenn Sie als Restrukturierer gerufen werden, welche Instrumente stehen Ihnen zur Verfügung? Das entscheidet sich nach dem „Krisengrad“. Muss das Unternehmen auf die Intensivstation oder reichen noch „Pillen“? Wenn man frühzeitig kommt und noch Puffer hat, kann man Verlustbringer beseitigen, Produkte beenden, Personal abbauen oder mit Finanzierern über die Anpassung von Tilgungsstrukturen verhandeln.
Wenn aber die Liquidität ausgeht, bleibt nur die Insolvenz. Hier gibt es die Möglichkeit der Eigenverwaltung, bei der sich das Management unter Aufsicht selbst restrukturiert, oder das Regelverfahren durch einen Verwalter. Ersteres allerdings nur bei Unternehmen, die unverschuldet in die Krise geraten sind.
Wie wichtig ist in solchen Phasen die Kommunikation mit der Belegschaft? Kommunikation und Vertrauen sind die einzige Währung, die wir in der Krise haben. Wenn wir als Externe reinkommen, herrscht große Verunsicherung, aber oft auch ein Vertrauensvorschuss. Viele Mitarbeiter haben jahrelang auf Lohn oder Weihnachtsgeld verzichtet, und es hat trotzdem nicht gereicht. Wir müssen als neutrale Instanz alle Stakeholder hören – auch den Betriebsrat –, um zum Kern des Problems vorzudringen. Man darf nicht vergessen: Es geht hier um Existenzen und Arbeitsplätze, oft von Menschen, die

RSM Ebner Stolz ist eine der größten unabhängigen mittelständischen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland. Das Unternehmen gehört zu den Top Ten der Branche und verfügt über eine breite Expertise in Wirtschaftsprüfung, Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung. www.ebnerstolz.de

Heute werden Betriebe in der Insolvenz häufiger abgebaut und geschlossen, weil es kein „Wachstumscase“ mehr gibt. Das Problem: Die verarbeitende Industrie, die einmal abgewickelt ist, kommt nicht mehr wieder.
seit 35 Jahren im Betrieb sind. Das löst Angst und Wut aus.
Ab wann muss ein Geschäftsführer eigentlich zwingend handeln, um nicht persönlich zu haften? Das ist ein kritischer Punkt. Viele wissen nicht, dass sie im Ernstfall mit ihrem gesamten Privatvermögen haften. Der Gesetzgeber verlangt einen Planungszeitraum von 24 Monaten. Wenn ich erkenne, dass mir in diesem Zeitraum die Zahlungsunfähigkeit droht, muss ich mir Hilfe holen. Konkret wird es, wenn tatsächlich Zahlungsunfähigkeit eintritt: Wenn ich am Stichtag weniger liquide Mittel habe als fällige Verbindlichkeiten, habe ich drei Wochen Zeit, dies zu beheben. Danach führt der Weg zum Amtsgericht. Der zweite Test ist die Überschuldung bei fehlender Fortbestehensprognose für die nächsten zwölf Monate.
Ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage klingt sehr düster. Gibt es auch Grund zur Hoffnung für den Standort Deutschland?
Definitiv. Wir müssen dafür entschlacken, entbürokratisieren und wieder mehr Unternehmergeist sowie Mut zur Veränderung zeigen. In Deutschland hat sich über Jahre eine Kultur eingeschlichen, bloß nichts zu verändern, damit nichts schiefläuft – jetzt sehen wir, dass genau deshalb vieles schiefläuft. Wir haben den Strukturwandel schon oft geschafft, etwa im Ruhrgebiet beim Abschied von der Steinkohle. Wir können das, wir müssen es nur beherzt angehen.

Strategischer Partner für Unternehmer
GASTBEITRAG
Besser als ein Nebeneinander einzelner Empfehlungen verschiedener Berater ist ein Gesamtkonzept – für das Unternehmen und die Menschen dahinter.
Text: Armin Fuhrer Foto: Getty Images/unsplash+
Berater entscheiden sich in vielen Fällen für eine Seite – entweder das Unternehmen oder den Unternehmer. Genau darin liegt aber eine große Schwäche, denn ein guter Berater sollte stets ein strategischer Partner für Unternehmer sein. Deshalb ist es wichtig, nicht nur das Unternehmen zu betrachten, sondern auch den Menschen dahinter. Entscheidungen im Unternehmen wirken sich schließlich fast immer auf die private Vermögensplanung aus. Und deshalb ist es sinnvoll, Unternehmen und Unternehmer gemeinsam in Versicherungs- und Finanzfragen zu beraten, erklären Alexander Kratschmayr und Jonas Rathjen, Geschäftsführer der DFH Deutsches Finanzhaus.
Was bedeutet das konkret? Kratschmayr: Versicherungen sind dabei nur ein Baustein. Genauso wichtig sind Finanzierung, Vermögensaufbau, Vorsorge und die richtige Struktur. Unternehmer haben selten Zeit, mehrere Berater zu koordinieren. Deshalb entwickeln wir eine durchgängige Strategie, bei der alle Versicherungs- und Finanzthemen aufeinander abgestimmt sind. So entsteht kein Nebeneinander einzelner Empfehlungen verschiedener Berater, sondern ein schlüssiges Gesamtkonzept. Wir betrachten Unternehmensrisiken ebenso wie die persönliche Absicherung des Unternehmers. Manchmal geht es auch um eine D&O-Versicherung oder Cyberrisiken. Ebenso entwickeln wir Vorsorge und Vermögenskonzepte für Unternehmer. Dazu gehören Gestaltungen, bei denen steuerlich abzugsfähige Beiträge den langfristigen privaten Vermögensaufbau, beispielsweise durch Investitionen in private ETF-Portfolios, unterstützen können.


„Fehlende Unabhängigkeit ist ein Problem“
GASTBEITRAG
Digitale Prozesse und Künstliche Intelligenz helfen uns, schneller und effizienter zu arbeiten. Sie ersetzen keine persönliche Beratung, sondern schaffen Freiräume für die individuelle Betreuung unserer Mandanten.
Wie setzen Sie das in der Praxis um?
Kratschmayr: Wir sind ein Team aus 13 Spezialisten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Im Schadenfall unterstützen wir unsere Mandanten bei Bedarf auch persönlich vor Ort. Gerade dann zeigt sich, welchen Unterschied eine langfristige Betreuung macht.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung?
Rathjen: Digitale Prozesse und Künstliche Intelligenz helfen uns, schneller und effizienter zu arbeiten. Sie ersetzen keine persönliche Beratung, sondern schaffen Freiräume für die individuelle Betreuung unserer Mandanten.

In der institutionellen Kapitalanlage hat sich zuletzt ein deutlicher Trend hin zu Private Markets abgezeichnet: Pensionskassen und andere Vorsorgeeinrichtungen erhöhen ihre Allokationen in Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Immobilien, um Renditepotenziale und Diversifikationen zu nutzen.
Text: Armin Fuhrer Foto: Rodeo Project Management Software/unsplash

von Kymmel, Rechtsanwalt und CEO von id Linked
Zugleich verschiebt sich damit das Risikoprofil – Illiquidität, lange Kapitalbindung, Intransparenz und potenzielle Interessenkonflikte treten stärker in den Vordergrund“, sagt Eduard von Kymmel, Rechtsanwalt und CEO von id Linked aus Luxemburg.
Herr von Kymmel, gibt es weitere Risikofaktoren?
Ja, die gibt es. So kann es zu einer fehlenden Unabhängigkeit kommen, wie die Insolvenz des Karstadt Quelle Trusts zeigt. Sie ist auch auf strategische Fehlentscheidungen und ein zu spätes Reagieren auf Marktveränderungen zurückzuführen. Der Aufsichtsrat war zu stark intern geprägt und versäumte es, kritische Fragen zu stellen und externe Einschätzungen einzuholen.
Welche Lösungen sehen Sie denn für eine verbesserte Governance? Es braucht einen unabhängigen, zeitgemäß organisierten VR als zentrales Bindeglied zwischen strategischer Anlageentscheidung und operativer Umsetzung. Unabhängige VR-Mitglieder bringen eine objektive, externe Perspektive ein, stellen unbequeme Fragen, fördern Transparenz und stärken Governance-Strukturen. Damit reduzieren sie strukturelle und operationelle Risiken durch klare Prozesse, strategische Planung und Kontrolle,
Unabhängige VR-Mitglieder bringen eine objektive, externe Perspektive ein, stellen unbequeme Fragen, fördern Transparenz und stärken GovernanceStrukturen. Damit reduzieren sie strukturelle und operationelle Risiken durch klare Prozesse, strategische Planung und Kontrolle, und erfüllen zunehmend auch regulatorisch relevante Funktionen.
und erfüllen zunehmend auch regulatorisch relevante Funktionen. Sehr wichtig ist auch die Compliance-konforme Auswahl der VR-Mitglieder. Dafür gibt es geeignete Plattformen wie unsere.
Gilt das auch für steuerrechtliche Fragen?
Ja, denn in Zeiten verschärfter internationaler Transparenzanforderungen – etwa durch OECD-Initiativen und EU-Regelwerke – unterstützen sie den steuerlichen Substanznachweis und helfen, „substanzarme“ Strukturen zu vermeiden.
Ist ein unabhängiger VR auch ein Zeichen an die Geschäftspartner? Ganz klar ja, denn ein professionell besetztes, mehrheitlich unabhängiges Board signalisiert gelebte Corporate Governance, Integrität und Professionalität.
Gesundheit neu denken – warum Longevity zur Zukunftsfrage für Deutschland wird
GASTBEITRAG
Deutschland steht an einem Wendepunkt: Wir werden älter, aber nicht automatisch gesünder. Gleichzeitig eröffnet Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten, Krankheiten früher zu erkennen und Prävention neu zu denken. Für Eric Bussert, Vorstand Vertrieb und Marketing der HanseMerkur, ist klar: Wenn wir die Chancen von Longevity und KI nutzen wollen, braucht es ein Umdenken in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Text: Thomas Soltau Foto: Getty Images/unsplash+
Warum gibt Deutschland so viel Geld für Gesundheit aus – und erzielt dennoch vergleichsweise schwache Ergebnisse?
Wir investieren viel in die Behandlung von Krankheiten, aber zu wenig in deren Vermeidung. Nur rund fünf Prozent der Gesundheitsausgaben fließen in Prävention – angesichts steigender chronischer Erkrankungen ist das zu wenig. Hinzu kommen Defizite bei digitaler Infrastruktur, Dateninteroperabilität und einem strategischen Verständnis von Gesundheit als Zukunftsinvestition. So bleibt die Lücke zwischen Lebenszeit und gesunder Lebenszeit groß.
Warum sollten gesunde Lebensjahre zur zentralen Kennzahl werden? Weil sie darüber entscheiden, wie wir leben, arbeiten und alt werden. Es geht nicht darum, möglichst lange zu leben, sondern möglichst lange gesund, aktiv und selbstbestimmt zu bleiben. Gesun -

Wir investieren viel in die Behandlung von Krankheiten, aber zu wenig in deren Vermeidung.
de Lebensjahre beeinflussen Produktivität, Innovationskraft, Pflegebedarf und soziale Teilhabe. Sie sind damit ein wichtiger Maßstab für Wohlstand und gesellschaftliche Stabilität.
Warum wird die Bedeutung von Longevity in Deutschland unterschätzt? Viele verbinden Longevity noch mit Lifestyle oder Biohacking, dabei geht es um weit mehr: um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Je länger Menschen gesund bleiben, desto mehr wird das System entlastet, der Arbeitsmarkt gestärkt und die Lebensqualität verbessert. Als HanseMerkur haben wir repräsentative Zahlen eingeholt: Die Menschen wissen, dass Gesundheit aktives Handeln verlangt – aber Angebote und Anreize sind derzeit noch zu knapp.
Wo liegen die größten Chancen von KI für die Gesundheit?
KI kann Diagnosen früher und präziser machen, Risiken erkennen, bevor Symptome auftreten, und Ärztinnen und Ärzte entlasten. Multi-Krebs-Bluttests oder KI-gestützte Bildgebung sind erst der Anfang. Entscheidend ist, dass KI nicht nur Prozesse effizienter macht, sondern den Menschen in den Mittelpunkt stellt –mit personalisierten Empfehlungen, die Prävention alltagstauglich machen.
Was braucht es, damit Prävention einen höheren Stellenwert bekommt?
Prävention muss systematisch gefördert, gefordert und belohnt werden. Das beginnt bei Aufklärung, denn viele Menschen fühlen sich nicht ausreichend informiert. Es braucht niedrigschwellige Angebote, digitale Tools und klare An-

Viele verbinden Longevity noch mit Lifestyle oder Biohacking, dabei geht es um weit mehr: um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Je länger Menschen gesund bleiben, desto mehr wird das System entlastet, der Arbeitsmarkt gestärkt und die Lebensqualität verbessert.
reize. Vorsorge muss als Investition verstanden werden – nicht als Kostenfaktor.
Wie kann eine moderne Krankenversicherung Menschen aktiv beim Gesundbleiben unterstützen?
Indem sie sich vom reinen Kostenerstatter zum Gesundheitspartner entwickelt: Prävention und Früherkennung stärker belohnt, KI für individuelle Begleitung nutzt, digitale Services bereitstellt und Kundinnen und Kunden aktiv unterstützt. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, möglichst viele gesunde Lebensjahre zu erreichen – für ein selbstbestimmtes, aktives Leben.
Gesund älter werden –Longevity-Umfrage der HanseMerkur
Ein langes, gesundes Leben ist für viele Menschen ein zentrales Lebensziel. Das bestätigt eine aktuelle Longevity-Umfrage im Auftrag der HanseMerkur: Für 52 Prozent der Befragten ist der Wunsch, gesund alt zu werden, der wichtigste Antrieb, aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Genau hier setzt die HanseMerkur an – mit dem klaren Verständnis, Gesundheit nicht erst bei Krankheit zu begleiten, sondern frühzeitig zu fördern und langfristig zu erhalten.
Erneuerbare Energien
sind ein starker Wachstumsmotor
ERNEUERBARE ENERGIEN
Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie e. V., betont die Wertschöpfungspotentiale erneuerbarer Energien – und fordert ein klares Leitbild.
Text: Katja Deutsch Foto: Alexander Mils/unsplash+

Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie e. V.
Frau Heinen-Esser, wo sehen Sie in Deutschland die größten Fortschritte der vergangenen Jahre beim Ausbau erneuerbarer Energien?
Der Ausbau der Erneuerbaren zeigt nachweislich stabilisierende Effekte: Der Anteil der Erneuerbaren am Strommix lag in den ersten vier Monaten dieses Jahres bei 57,5 Prozent. Das hat nach dem Beginn des Irankrieges dafür gesorgt, dass die Strompreise deutlich stabiler geblieben sind als noch 2022 nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Das ist ein großer Fortschritt und wird leider viel zu wenig kommuniziert.
Welche Bedeutung haben erneuerbare Energien für die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland?
Die Erneuerbaren sind eine Wachstumsbranche: Eine Studie des Wirtschaftsministeriums hat gerade erst die Wertschöpfungspotenziale durch die Energiewende für die Regionen untersucht. Diese können sich bis 2033 mehr als verdoppeln! Das ist ein harter Wirtschaftsfaktor. Mehr erneuerbarer Strom gibt der Industrie zudem Planungssicherheit und wird die Energiekosten senken. Um diese Entwicklung zu forcieren, fordern wir die Erleichterung von Direktbelieferungsverträgen zwischen Erneuerbaren und Industrieunternehmen.
Wir brauchen einen Systemwechsel: Statt weniger großer Kraftwerke haben wir inzwischen viele kleinere und über das ganze Land verteilte Erzeuger.
abzuregeln. Es ist vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht klar, dass RedispatchKosten im Zusammenhang mit den Erneuerbaren vor allem durch veraltete und starre Regulierungen entstehen: Es wäre technisch leicht umsetzbar, Netzverknüpfungspunkte effizienter zu nutzen oder überschüssigen Strom zu speichern. Aber der gesetzliche Rahmen lässt es das noch nicht in vollem Umfang zu.
Setzt Bundeswirtschaftsministerin
Reiche energiepolitisch auf die richtigen Ziele?

Auf Kurs Richtung nachhaltige Schifffahrt
Für die Zukunft testen wir HVO100-Kraftstoffe. Zudem planen wir den Bau eines vollelektrischen Fahrgastschiffes, dem weitere elektrische Schiffe folgen sollen. Porträt:
Angesichts wiederholter fossiler Energiekrisen und der drängender werdenden Notwendigkeit von geopolitischer Unabhängigkeit sollte die Priorität sein, unser Land energiepolitisch resilient zu machen. Beim steuerbaren Backup vor allem auf fossile Gasimporte zu setzen, hilft nicht. Insgesamt fehlt ein klares Leitbild, das den Ausbau von erneuerbaren Energien, Netzen, Speichern und Flexibilitäten systematisch zusammenführt und aufeinander abstimmt. Umso mehr, als sich die Regierung zu dem Ziel bekennt, bis zum Jahr 2030 einen Anteil von 80 Prozent erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch zu erreichen.
GASTBEITRAG
Als Verantwortlicher für 41 Barkassen und Fahrgastschiffe von Barkassen-Meyer und der Rainer Abicht Elbreederei setzt Hubert Neubacher konsequent auf nachhaltige Innovationen. Sein Ziel: die Fahrgastschifffahrt in Hamburg Schritt für Schritt in Richtung Emissionsfreiheit zu entwickeln.
Text: Katja Deutsch Foto: Getty Images/unsplash+

Hubert Neubacher, Barkassen-Meyer und Rainer Abicht Elbreederei
In den vergangenen Jahren haben Barkassen-Meyer und die Rainer Abicht Elbreederei umfangreich in Nachhaltigkeit und Umweltschutz investiert. Die gesamte Flotte wird heute mit GTL-Kraftstoff betrieben, was die Emissionen gegenüber herkömmlichem Diesel deutlich reduziert. Zusätzlich werden verbleibende Emissionen teilweise über zertifizierte Aufforstungsprojekte kompensiert.
Welche Reformen braucht der Strommarkt, damit erneuerbare Energien ihr Potenzial voll entfalten können?
Wir brauchen einen Systemwechsel: Statt weniger großer Kraftwerke haben wir inzwischen viele kleinere und über das ganze Land verteilte Erzeuger. Es ist überfällig, dass das System dezentraler und flexibler wird: Die Überbauung von Netzverknüpfungspunkten muss ebenso Standard werden wie die Möglichkeit, Strom vorm Netzverknüpfungspunkt zu nutzen, statt die Anlagen

Ein weiterer Schwerpunkt war die Modernisierung der Flotte. Zahlreiche ältere Motoren wurden durch moderne Stage3A- und Stage-5-Antriebe ersetzt, die den Schadstoffausstoß erheblich senken. Zudem haben wir die Beleuchtung auf allen Schiffen und in den Betriebsbereichen auf energieeffiziente LED-Technik umgestellt. Auch die Digitalisierung treiben wir konsequent voran. Wir möchten die Prozesse beider Unternehmen bis 2030 weitgehend papierlos gestalten und dadurch Ressourcen schonen und die Effizienz steigern.
Im Bereich Infrastruktur haben wir ebenfalls wichtige Maßnahmen umgesetzt: Der Verkaufsstand an Brücke 1 arbeitet emissionsfrei mit Solarenergie
und Wärmepumpentechnik. Darüber hinaus sind alle Schiffe während der Liegezeiten an Landstrom angeschlossen, sodass im Hafenbetrieb keine lokalen Emissionen durch laufende Motoren entstehen. Durch die enge Zusammenarbeit beider Unternehmen konnten wir Fahrpläne und Ressourcen effizienter abstimmen. Eine bessere Auslastung der Schiffe sowie die Reduzierung von Leerfahrten tragen zusätzlich zur Senkung der Emissionen bei.
Für die Zukunft testen wir HVO100Kraftstoffe. Zudem planen wir den Bau eines vollelektrischen Fahrgastschiffes, dem weitere elektrische Schiffe folgen sollen. Voraussetzung hierfür ist der Ausbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur, der in enger Abstimmung mit Behörden, Politik und Partnern vorangetrieben wird. Langfristig wünschen wir uns eine zunehmend klimafreundliche und perspektivisch nahezu emissionsfreie Fahrgastschifffahrt in Hamburg – im Einklang mit ökologischer Verantwortung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.
Synthetische Kraftstoffe für mehr Resilienz und mehr Nachhaltigkeit
Unsere Energieversorgung und Infrastruktur sind sehr fragil, denn 95 Prozent der in Europa genutzten Kraftstoffe werden importiert und nicht in Europa produziert. Sie gelangen über den Seeweg nach Deutschland und werden in derzeit noch 66 Raffinerien – in naher Zukunft voraussichtlich noch weniger – zu Kraftstoffen und anderen Derivaten verarbeitet.
Wie schnell diese Tatsache problematisch werden kann, haben sowohl der Konflikt in der Ukraine als auch die Auswirkungen der Schließung der Straße von Hormus deutlich gezeigt. Die Folgen spiegeln sich unmittelbar in den Kraftstoffpreisen wider. Doch nicht nur an der Tanksäule, auch die Luftfahrt und die chemische Industrie stehen schnell unter Druck, wenn ihnen die notwendigen Rohstoffe fehlen.
Dr. Ing. Tim Böltken, CEO der INERATEC GmbH, sieht große Chancen für synthetische Kraftstoffe – und fordert schnelle politische Entscheidungen, um Deutschlands Wissensvorsprung
zu behalten und unsere Infrastruktur resilienter zu machen.
Herr Böltken, warum sind synthetische Kraftstoffe ein zentraler Baustein für die Resilienz von kritischer Infrastruktur?
Unsere synthetischen Kohlenwasserstoffe können fossile Moleküle eins zu eins ersetzen und – anders als fossile Rohstoffe, die ungleich über die Welt verteilt sind – nahezu überall hergestellt und über bestehende Infrastruktur verteilt werden. Daher sehen wir sie als wichtigen Baustein einer resilienten Energieversorgung Europas. Unsere Anlage „ERA ONE“ in Frankfurt-Höchst, Europas erste und bislang größte Power-to-Liquid-Anlage, produziert jährlich bis zu 2.500 Tonnen synthetisches Rohöl. Daraus entsteht genügend Kerosin, um rund zehn Prozent der Direktflüge zwischen Frankfurt und New York CO2-neutral zu stellen. Weitere standardisierte Anlagen könnten kurzfristig installiert werden. Gemeinsam mit Rheinmetall und Partnern entwickeln wir im Projekt Giga PtX® ein europaweites Produktionsnetz, das im Verteidigungsfall die Kraftstoffver-
Mehr Informationen über die INERATEC GmbH unter: www.ineratec.de
sorgung der NATO sichern könnte. Im Normalbetrieb dienen die Anlagen zivilen Anwendungen.
Welche Vorteile bieten synthetische Kraftstoffe durch Ihre dezentrale lokale Produktion für die Krisenvorsorge?
Ein dichtes Netz von Anlagen mit einer Jahresproduktion von jeweils 4.000 bis 7.000 Tonnen synthetischer Kraftstoffe erhöht die Versorgungssicherheit und ermöglicht dank des modularen Aufbaus schnelle Reparaturen. Die synthetischen Kraftstoffe nutzen bestehende Infrastruktur, ersetzen fossile Kraftstoffe und können ohne Anpassungen eingesetzt werden. Zudem stärkt die dezentrale Produktion Europas Wertschöpfung, reduziert Importe und senkt den CO₂-Fußabdruck.
Welche politischen Weichenstellungen sind jetzt notwendig, damit eine resiliente Kraftstoffversorgung vor einer großen nächsten Krise aufgebaut werden könnte?
Für den Ausbau der Power-to-LiquidTechnologie benötigen wir verbindliche Abnahmeverträge und Investitionen. Europa verfügt bereits über klare regulatorische Prozesse – diese gilt es zu erhalten. Diese drei Punkte sind entscheidend für einen schnellen Markthochlauf. Deutschland hat bei synthetischen Kraft-

stoffen noch einen technologischen Vorsprung. Um diesen zu sichern, braucht es schnelle politische Entscheidungen und die Finanzierung durch europäische Investoren. Andernfalls drohen der Abfluss von Schlüsseltechnologien und Wertschöpfung ins Ausland.
Was ist der Vorteil für Investoren, die jetzt bei Ihnen einsteigen?
Unsere Kunden setzen auf eine Zukunftstechnologie, die bereits heute verfügbar ist: MATERA e-SAF® und MATERA e-Diesel® sind käuflich zu erwerben und werden in der Luftfahrt, im Verteidigungssektor sowie der chemischen Industrie benötigt. Sie ermöglichen Klimaneutralität in Bereichen, in denen Alternativen nicht absehbar sind. Angesichts des Klimawandels ist schnelles Handeln nicht nur strategisch sinnvoll, sondern dringend erforderlich.

Die Infrastrukturbranche bietet gute Chancen
GASTBEITRAG
Dieter Sanygin, Geschäftsführer der Dimaxbau GmbH, hat sich früh spezialisiert und schwimmt in der Baubranche erfolgreich gegen den Trend – indem er klar auf Infrastruktur setzt.
Text: Katja Deutsch Foto: Martin Widenka/unsplash
Die Baubranche steht noch immer vor großen Herausforderungen. Unser Erfolgsrezept ist, dass wir uns sehr früh bewusst spezialisiert haben, denn unser Fokus liegt klar auf der Infrastruktur – einem Bereich, der auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten unverzichtbar bleibt. Gleichzeitig haben wir unsere Prozesse kontinuierlich optimiert, stark auf Digitalisierung und Effizienz gesetzt und uns immer wieder hinterfragt. Dass wir dafür unter anderem als Top-Innovator ausgezeichnet wurden, bestätigt unseren Weg. Ich glaube, dass Spezialisierung, Innovationsbereitschaft und konsequente Prozessoptimierung heute die entscheidenden Erfolgsfaktoren sind.
Seit 2020 haben wir rund 1.000 Fundamente für 5G-Masten gebaut. Da der Ausbau der digitalen Infrastruktur weiter voranschreiten wird, rechnen wir bis 2030 mit mindestens noch einmal der gleichen Anzahl. Auch die Modernisierung von Verkehrswegen wie Tunneln, Straßen sowie von Ener-

Dieter Sanygin, Geschäftsführer der Dimaxbau GmbH
Ich glaube, dass Spezialisierung, Innovationsbereitschaft und konsequente Prozessoptimierung heute die entscheidenden Erfolgsfaktoren sind.
gie- und Telekommunikationsnetzen, im Spezialtiefbau und weiterer kritischer Infrastruktur wird Deutschland noch viele Jahre beschäftigen und einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der Bau-
branche werden. Die Investitionspakete der Bundesregierung bringen zahlreiche Infrastrukturprojekte auf den Weg. Bauunternehmen, die sich fachlich spezialisieren, flexibel bleiben und ihre Prozesse effizient gestalten, haben in diesen Bereichen sehr gute Perspektiven.
KI macht natürlich auch vor der Baubranche nicht Halt, doch sie wird sie nicht ersetzen, sondern deutlich effizienter machen. In unserem Betrieb unterstützt sie bereits dabei, Prozesse
zu optimieren, Abläufe schneller auszuwerten, Dokumentationen zu verbessern und Entscheidungen fundierter vorzubereiten. Gerade angesichts von Fachkräftemangel, Kostendruck und engen Zeitplänen ist KI ein wichtiger Produktivitätshebel – wenn man sie als Werkzeug nutzt, das Menschen entlastet und Unternehmen schneller, präziser und wettbewerbsfähiger macht. Die Auszeichnung als Top-Innovator für unseren Umgang mit Innovation und KI bestätigt diesen Weg.

Die nächste Phase der Energiewende heißt Systemaufbau
Für den Wasserstoffhochlauf bedeutet das, Produktion, Import, Speicherung und Netze parallel zu entwickeln.
Für die Dekarbonisierung von Industrie, Energieversorgung und Verkehr könnten in Europa und insbesondere in Deutschland langfristig erhebliche Mengen grünen Wasserstoffs benötigt werden. Die verfügbaren erneuerbaren Energien reichen jedoch nicht aus, um diesen Bedarf vollständig im Inland zu decken. Daher werden voraussichtlich Importe aus Regionen mit günstigen Bedingungen für die Erzeugung erneuerbarer Energien eine zentrale Rolle für den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft spielen. Für diesen Aufbau spielen Wasserstoffträger eine wesentliche Rolle. Da gasförmiger Wasserstoff über große Entfernungen nur mit hohem technischem und wirtschaftlichem Aufwand transportiert werden kann, wird er häufig in chemisch gebundener Form transportiert und erst am Zielort wieder freigesetzt. Dafür kommen verschiedene Wasserstoffträger infrage, die sich hinsichtlich ihres Transports, Speicherung und Freisetzung unterscheiden.
Ammoniak gilt dabei als einer der wirtschaftlichsten und am schnellsten verfügbaren Wasserstoffträger. Seine Vorteile liegen in etablierten Syntheseverfahren, bestehenden Logistikketten, vorhandener Transport- und Speicherinfrastruktur und in einem etablierten Weltmarkt. Dadurch kann auf bereits vorhandene industrielle Strukturen zurückgegriffen werden.
Der entscheidende fehlende Baustein für eine Nutzung auf breiter Ebene ist jedoch die Freisetzung von Wasserstoff aus Ammoniak (Ammoniak-Cracking) im industriellen Maßstab. Die Weiterentwicklung und Skalierung dieser Technologie ist daher ein wesentlicher Schritt für den zukünftigen Import und die Nutzung von Wasserstoff. Erst durch die wirtschaftliche und großskalige Freisetzung kann das Potenzial internationaler Wasserstoffimporte vollständig erschlossen und grüner Wasserstoff den Abnehmern in Industrie, Mobilität und Energiewirtschaft in der benötigten Form bereitgestellt werden.
Im folgenden Interview sprechen Dr. Christian Janzen, Dr. Julian Hümmer und Thorsten Gröning, langjährige Experten im Bereich Wasserstoff bei Uniper, über die Erfolge und Herausforderungen zum Hochlauf einer marktfähigen Wasserstoffwirtschaft –und was eine geplante Versuchsanlage zum Ammoniak-Cracking in Scholven mit einem niedersächsischen Küstenstandort zu tun hat.
Dr. Christian Janzen, Gesamtprojektleiter für die Entwicklung von Wasserstoffimport- und Infrastrukturprojekten bei Uniper, spricht über den herausfordernden Ausbau einer zukunftsfähigen Wasserstoffinfrastruktur:
Herr Dr. Janzen, was unterscheidet den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur grundlegend von der klassischen Gasinfrastruktur?
Die Erdgasinfrastruktur ist über Jahrzehnte gewachsen. Ihre Anfänge reichen bis in das 19. Jhd. zurück, zunächst mit Stadtgas als Nebenprodukt der Stahl- und Koksproduktion. Ab den 1970er-Jahren wurde dann mit großen Bezugsverträgen, unter anderem aus Norwegen und Russland, die Erdgaswirtschaft und die dazugehörige Infrastruktur schrittweise ausgebaut.
Beim Wasserstoff hingegen stehen wir vor einer anderen Herausforderung: Hier müssen mehrere Bereiche gleichzeitig entwickelt werden. Wir brauchen Produktion, auch in globalen Märkten. Wir müssen den Wasserstoff nach Deutschland bringen, sei es in Form von Wasserstoff oder aber in Form von Wasserstoffderivaten. Dann müssen wir den Wasserstoff speichern, um Leistungsspitzen auszugleichen.

Dr. Christian Janzen, Gesamtprojektleiter für die Entwicklung von Wasserstoffimportund Infrastrukturprojekten bei Uniper
Und schließlich brauchen wir natürlich auch ein Verteilnetz. Das Wasserstoffkernnetz ist bereits auf den Weg gebracht und wird vom Bund finanziell abgesichert. Aus unserer Sicht reicht das jedoch nicht aus, denn Produktion, Import, Speicherung und Verteilung müssen jetzt parallel hochgefahren werden.
Was müssen wir konkret ändern, damit die sogenannte „Deutschland-Geschwindigkeit“ zum Normalfall wird?
Die Energiekrise hat uns gezeigt, dass klare Prioritäten notwendig sind: Versorgungssicherheit und Energieimporte standen damals zu Recht an erster Stelle. Einen ähnlich konsequenten Ansatz mit hoher Geschwindigkeit brauchen wir nun auch beim Wasserstoffhochlauf. Dabei sollten wir jetzt Prozesse so weit wie möglich parallel organisieren und Planung, Genehmigung und Bau stärker verzahnen. Auch die Behörden sind jetzt wieder gefordert, denn nach der Energiekrise im Jahr 2022 wurden zahlreiche Ressourcen auf LNG-Projekte konzent-

riert, wodurch in anderen Bereichen ein erheblicher Bearbeitungsrückstand entstanden ist. Wo genau kann man beschleunigen? Durch Gesetzgebung? Durch Verfahrensbeschleunigung? Es gibt Ansätze, und wir haben ja auch das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz – das aus meiner Sicht noch viel zu kurz greift.
Was müsste passieren, damit es nicht mehr zu kurz greift und Europa über eine funktionierende Wasserstoffimportinfrastruktur verfügen kann?
Neben dem Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft braucht es ausreichend Nachfrage – die durch regulatorische Vorgaben wie strengere Emissionsgrenzwerte und durch finanzielle Anreize gestärkt werden könnte, um den Kostennachteil von grünem Wasserstoff gegenüber fossilen Energieträgern auszugleichen. Denn ohne langfristig gesicherte Abnahmeverträge gibt es keine Investitionssicherheit. Eine Förderung sollte sich insofern auch auf die Infrastruktur in den Küstenhäfen erstrecken, etwa auf Importterminals.

Dr. Julian Hümmer, Manager Hydrogen New Technologies & Logistics bei Uniper, stellt den Stand der Entwicklung und Umsetzung von Ammoniak-Cracking- und Wasserstoffimportprojekten am Beispiel der Versuchsanlage Scholven für den Zielhafen in Wilhelmshaven vor:
Herr Dr. Hümmer, welche zentrale Aufgabe erfüllt die Versuchsanlage in Scholven?
Ziel unseres Projekts in Scholven ist es, das Ammoniak-Cracking in einem marktreifen Anwendungsfall zu demonstrieren und einen belastbaren Proof of Concept zu schaffen. Das Anlagenkonzept ist dabei an dem Verfahren der Erdgas-Dampfreformierung angelehnt, untersucht jedoch die spezifischen Anforderungen des Ammoniak-Crackings, insbesondere hinsichtlich Effizienz, Materialien und Betriebszuständen. Dadurch sollen technische und wirtschaftliche Risiken für die geplante Großanlage in Wilhelmshaven reduziert werden.
Die Versuchsanlage in Scholven verarbeitet rund 30 Tonnen Ammoniak pro Tag und erzeugt damit etwa vier Tonnen Wasserstoff. Ziel ist die Schaffung einer marktreifen Technologie für den globalen Wasserstoffhandel auf Basis von Ammoniak.
Was exakt wird in Scholven getestet und warum ist das für Wilhelmshaven so wichtig?
Die Anlage in Scholven ist zwar als Versuchsanlage konzipiert, hat aber bereits klar industriellen Charakter. Viele der eingesetzten Komponenten entsprechen bereits denen einer späteren Großanlage. Die Skalierung des Crackers erfolgt daher vor allem durch die Vervielfachung bestehender Rohre bzw. Brenner („Numbering-up“).
Unser Ziel ist die erstmalige Demonstration des Ammoniak-Crackings als vollständig integriertes Gesamtsystem unter realen Bedingungen. Dabei werden alle wesentlichen Prozessschritte abgebildet – von der Wärmeintegration über die Wasserstoffaufreinigung bis hin zur Abgasnachbehandlung.
Im Fokus stehen dabei die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Technologie. Untersucht werden unter anderem Katalysatoren, neuartige Ammoniakbrenner, Materialbeständigkeit und Emissionen. Da der Ammoniakverbrauch bis zu 90 Prozent der späteren Wasserstoffkosten bestimmen kann, ist die Anlageneffizienz der wesentliche Erfolgsfaktor. Die Ergebnisse dienen zugleich der optimalen Auslegung der geplanten Großanlage und der Sen -
kung von Investitions- und Betriebskosten.
Warum ist eine Versuchsanlage überhaupt notwendig? Kann man nicht direkt großtechnisch bauen? Die Versuchsanlage liefert wichtige Erkenntnisse für Effizienz, Flexibilität, Betriebssicherheit und Optimierung. Durch den Betrieb unter realen Bedingungen werden Erfahrungen zu Lastflexibilität, An- und Abfahrvorgängen sowie zum sicheren Anlagenbetrieb gewonnen und gleichzeitig Genehmigungsprozesse, Emissionsanforderungen und Sicherheitsaspekte im industriellen Maßstab validiert.
Die Ergebnisse reduzieren technische Risiken, erhöhen die Planbarkeit und verbessern die Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Finanzierbarkeit der Technologie. Damit schafft die Anlage eine wichtige Grundlage für Investitionsentscheidungen im kommerziellen Maßstab.
Thorsten Gröning, technischer Projektleiter im Bereich Wasserstoffinfrastruktur und Wasserstoffimportprojekten bei Uniper, wirft einen genauen Blick auf die technischen Gegebenheiten des geplanten Importterminals:
Herr Gröning, was sind die entscheidenden technischen Bausteine des WasserstoffImportterminals in Wilhelmshaven? Das Terminal gliedert sich im Wesentlichen in vier Kernbereiche. Erstens die Marineinfrastruktur, bei der Wasserstoff in Form von verflüssigtem Ammoniak per Seeschiff importiert wird. Dafür werden ein neuer Hafen mit Seebrücke und Anleger benötigt, wo die Schiffe entladen werden, und das flüssige Ammoniak über die Seebrücke an Land gepumpt wird. Zweitens entsteht das Ammoniak-Tanklager mit zwei großen Lagertanks zur Zwischenlagerung. Von dort wird das Ammoniak den Crackern zugeführt und in Wasserstoff und Stickstoff gespalten. Der erzeugte Wasserstoff wird anschließend auf den erforderlichen Transportdruck verdichtet und in das deutsche Wasserstoffkernnetz eingespeist. Zusätzlich ist eine Kesselwagenbeladung geplant. Sie ermöglicht den Transport von Ammoniak per Schiene zu Kunden, beispielsweise für die chemische und Düngemittel-Industrie, in der Ammoniak bereits heute genutzt wird.
Wie viel unserer bestehenden Infrastruktur kann davon genutzt werden – und wo beginnt technisch Neuland für Sie?
Aktuell beschränkt sich die mögliche Nutzung bestehender Infrastruktur auf die Bereitstellung bestimmter Betriebsmittel über vorhandene Systeme oder
Netze, wie die Lieferung von Stickstoff aus einer benachbarten Anlage sowie die Versorgung mit geringen Mengen Frischwasser aus dem vorhandenen Netz. Zudem verfügt der Standort bereits über einen guten Bahn- und Straßenanschluss, und auch das Stromnetz zur Realisierung eines Stromanschlusses befindet sich in der Nähe.
Wo liegen heute die größten technischen Unsicherheiten oder Risiken? Als teilweise neuartige Komponente gelten die Cracker, die Ammoniak in Wasserstoff umsetzen. Die Anlagenkomponenten sind jedoch weitgehend bekannt und etabliert, da das Verfahren zur Wasserstofferzeugung durch Erdgas in der Dampfreformierung seit Jahrzehnten eingesetzt wird. Neu ist der Einsatz von Ammoniak in einer großindustriellen Anwendung als Lizenztechnologie.
Um die für die weitere Planung erforderlichen Informationen zu erhalten, errichten wir gemeinsam mit dem Lizenzgeber ThyssenKrupp Uhde eine Pilotanlage an unserem Kraftwerksstandort Gelsenkirchen-Scholven. Sie soll Anfang 2027, passend zum Zeit-

Thorsten Gröning, Technischer Projektleiter im Bereich Wasserstoffinfrastruktur und Wasserstoffimportprojekte bei Uniper
plan des Terminalprojekts, den Betrieb aufnehmen.
Es gibt bereits einen bestehenden Ammoniakmarkt mit Transportschiffen, maritimer Infrastruktur und Tanklagern, die vor allem für die Düngemittelindustrie genutzt werden. An unserem Terminal werden vor allem größere Umschlagmengen und entsprechend größere Tanks benötigt. Solche Tankgrößen sind international bereits vielfach im Einsatz und technisch erprobt. Auch der Transport von Ammoniak per Schiene ist etabliert. Für die Planung und den Umgang mit Ammoniak gelten selbstverständlich höchste Sicherheitsanforderungen.

Wasserstoff-Importterminal Wilhelmshaven
Uniper plant ein Wasserstoff-Importterminal in Wilhelmshaven mit dem Ziel, eine skalierbaren Wasserstoff-Import-Infrastruktur zur Versorgung Deutschlands mit erneuerbarem Wasserstoff aufzubauen.
In Wilhelmshaven wird Ammoniak importiert und durch Cracken in Wasserstoff und Stickstoff aufgespalten. Der Wasserstoff kann direkt in das geplante Wasserstoffkernnetz eingespeist und abtransportiert werden.
Das Terminal entsteht am einzigen deutschen Tiefwasserhafen. Mit einer Importkapazität von 2,6 Millionen Tonnen Ammoniak pro Jahr sollen jährlich über 350.000 Tonnen Wasserstoff erzeugt werden.
Das Projekt hat die Phase des Pre-Front-End-Engineering (Pre-FEED) abgeschlossen. Aktuell errichtet Uniper zusammen mit thyssenkrupp Uhde in Scholven bei Gelsenkirchen einen Pilot-Cracker. Diese Technologie soll später großskalig in Wilhelmshaven zum Einsatz kommen.
Das Terminal, das als Projekt von gemeinsamem Interesse (PCI) der EU anerkannt ist, soll Anfang der 2030er Jahre in Betrieb gehen.
Offshore-Wind braucht Tempo
Deutschland benötigt mehr Strom – verlässlich, bezahlbar und klimafreundlich. Offshore-Wind kann dabei eine Schlüsselrolle übernehmen, wenn sich Projekte künftig schneller umsetzen lassen.
Der Umbau der Energieversorgung entscheidet darüber, wie wettbewerbsfähig der Industriestandort Deutschland künftig bleibt. Rechenzentren und Elektromobilität werden den Strombedarf in den kommenden Jahren weiter steigen lassen. Zudem soll die Energieversorgung unabhängiger von fossilen Importen und langfristig klimafreundlicher werden. Windenergie spielt dabei bereits heute eine tragende Rolle: In 2026 wurde die 10-GW-Marke geknackt.
Der Engpass liegt inzwischen jedoch weniger in der Technik als in den Prozessen. Schnellere Genehmigungen und eine effizientere Projektentwicklung werden darüber entscheiden, wie rasch neue Kapazitäten ans Netz gehen. Gefragt sind deshalb Konzepte, die sich auf weitere Projekte übertragen lassen und den Ausbau erneuerbarer Energien planbarer und wirtschaftlicher machen. Skyborn Renewables entwickelt und realisiert Offshore-Windparks und setzt dabei auf standardisierte Prozesse, etablierte Technologien und regionale Partner.
Patrick Lammers, CEO von Skyborn Renewables, ordnet ein, welche Weichen jetzt gestellt werden
müssen, damit der Ausbau der Offshore-Windenergie an Tempo gewinnt.
Deutschland benötigt bezahlbare Energie, mehr Versorgungssicherheit und gleichzeitig Fortschritte beim Klimaschutz. Welchen Beitrag kann Offshore-Wind dazu leisten?
Offshore-Wind kann dabei eine Schlüsselrolle übernehmen. Die Anlagen liefern sehr zuverlässig Strom und erreichen deutlich höhere Auslastungen als viele andere erneuerbare Technologien. Das stärkt die Versorgungssicherheit, erhöht die Energieunabhängigkeit und trägt langfristig zu stabileren Strompreisen bei. Entscheidend ist jetzt, Projekte schneller umzusetzen. Genehmigungen dauern heute oft viele Jahre, während sich ein Offshore-Windpark innerhalb von rund 30 Monaten errichten lässt.
Mit Gennaker entwickelt Skyborn den größten Offshore-Windpark der deutschen Ostsee. Warum ist dieses Projekt ein Meilenstein?
Gennaker zeigt, wie Offshore-Wind künftig wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Wir setzen auf Standardisierung und Industrialisierung, schaffen Wertschöpfung in Deutschland – insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern – sowie in Europa und arbeiten mit starken Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen.
Mit den Stadtwerken München, langfristigen Stromabnahmeverträgen mit Amazon und Uniper sowie zahlreichen Industriepartnern verbinden wir Ver-
sorgungssicherheit, Klimaschutz und industrielle Entwicklung.
Gennaker soll auch wirtschaftlich neue Maßstäbe setzen. Welchen Ansatz verfolgt Skyborn dabei?
Wir verstehen Offshore-Wind als industrielles Produkt. Deshalb standardisieren wir Komponenten und Prozesse – von der Technik über Verträge bis zur Dokumentation. So entstehen eingespielte Liefer- und Produktionsketten, die Projekte schneller und wirtschaftlicher machen. Das senkt Risiken und Kosten und schafft ein Modell, das sich auf weitere Offshore-Projekte übertragen lässt. So können wir gemeinsam mit internationalen Investoren Milliardenbeträge in die deutsche Energieinfrastruktur lenken.
Was müsste sich ändern, damit Deutschland seine Ausbauziele schneller erreicht?
Vor allem braucht es schnellere Genehmigungen, attraktive Flächen in Nord- und Ostsee sowie verlässliche politische Rahmenbedingungen. Internationale Investoren sind bereit, in Deutschland zu investieren, wenn die Voraussetzungen stimmen. Der Wettbewerb um Kapital ist global. Mit den richtigen Rahmenbedingungen kann der Offshore-Ausbau deutlich schneller vorankommen.
Drei zentrale Hebel sind dafür wichtig:
• Flächenerträge steigern durch optimierte Planung mit weniger Abschattung und höheren Stromerträgen.


Gennaker zeigt, wie Offshore-Wind künftig wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Wir setzen auf Standardisierung und Industrialisierung, schaffen Wertschöpfung in Deutschland – insbesondere in MecklenburgVorpommern – sowie in Europa und arbeiten mit starken Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen.
• Netzausbau beschleunigen und Verzögerungen bei Netzanschlüssen vermeiden.
• Investitionssicherheit erhöhen und Kapitalkosten senken, etwa durch zweiseitige Differenzverträge, sogenannte Contracts for Difference (CfD), die Preisschwankungen absichern und die Finanzierung kapitalintensiver Infrastrukturprojekte erleichtern.
Warum bleibt Deutschland trotz aller Herausforderungen ein wichtiger Markt für Skyborn?
Deutschland ist unser Heimatmarkt, und hier entsteht mit Gennaker der größte Offshore-Windpark der deutschen Ostsee. Das Land verfügt über eine starke Industrie und einen langfristig hohen Bedarf an klimafreundlicher Energie.
Wir möchten langfristig weiter in Deutschland investieren – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen verbessern sich. Offshore-Wind stärkt die Energieversorgung, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und die Unabhängigkeit des Standorts Deutschland.
Ein Windpark schreibt Industriegeschichte
Mit Gennaker realisiert Skyborn Renewables nicht nur den größten OffshoreWindpark der deutschen Ostsee. Das Vorhaben gilt als das bedeutendste Infrastrukturprojekt Mecklenburg-Vorpommerns seit der Wiedervereinigung und steht beispielhaft für eine neue Generation von Offshore-Projekten, die Versorgungssicherheit, industrielle Wertschöpfung und technologische Innovation miteinander verbindet.
Als die Planungen für Gennaker vor mehr als einem Jahrzehnt anfingen, sah die OffshoreWindenergie noch anders aus. Windenergieanlagen waren kleiner, Projekte anders dimensioniert und technische Möglichkeiten deutlich begrenzter. Heute entwickelt sich daraus eines der leistungsfähigsten OffshoreProjekte Europas.
Mit einer installierten Leistung von 976,5 Megawatt wird Gennaker künftig mehr als eine Million Haushalte jährlich mit grünem Strom versorgen. Statt der ursprünglich vorgesehenen 103 kommen nun 63 Windenergieanlagen der neuesten 15,5-Megawatt-Klasse zum Einsatz. Das erhöht die Energieausbeute, reduziert den Flächenbedarf und macht Gennaker zu einem Vorzeigeprojekt moderner Offshore-Windenergie. Seit dem Projektstart 2011 wurde das Vorhaben kontinuierlich an neue Technologien angepasst.
„Gennaker zeigt, wie sich Offshore-Projekte über viele Jahre weiterentwickeln können. Neue Technologien eröffnen heute Möglichkeiten, die es zu Beginn der Planung noch nicht gab. Genau diese Entwicklung haben wir genutzt, um das Projekt effizienter, leistungsfähiger und zukunftsfähiger zu machen“, sagt Projektleiter Lars Muck.
Für Mecklenburg-Vorpommern reicht die Bedeutung von Gennaker weit über die Energieversorgung hinaus. Skyborn arbeitet bewusst mit regionalen Partnern zusammen: Sämtliche Monopiles werden bei EEW in Rostock gefertigt, hinzu kommen eine Servicebasis in Rostock-Warnemünde sowie dauerhafte Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette. Darüber hinaus stärkt das Vorhaben Mecklenburg-Vorpommern dauerhaft als Offshore-Standort. Zum Erfolg von Gennaker trägt vor allem bei, dass Skyborn Entwicklung, Beschaffung, Finanzierung, Bau und den späteren Betrieb aus einer Hand verantwortet.
Innerhalb des Unternehmens gilt Gennaker als Modellprojekt. Die hier entwickelten Prozesse und Standards dienen
als Vorlage für weitere Projekte. Zugleich setzt Gennaker auch technologisch neue Maßstäbe. Moderne Windenergieanlagen erzeugen deutlich mehr Energie pro Anlage und ermöglichen eine effizientere Nutzung der verfügbaren Fläche. Ergänzt wird dies durch ein weiterentwickeltes Umwelt- und Artenschutzkonzept mit datenbasierter Luftraumüberwachung sowie Radar- und KI-gestützten Lösungen zur Detektion und damit zum Schutz von Vogel- und Fledermausarten. Untersuchungen belegen dabei eine Ausweichrate von mehr als 99,8 Prozent. Damit verbindet Gennaker hohe Energieerträge mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt.
„Uns war wichtig, dass Gennaker möglichst viele positive Effekte für die Region entfaltet. Deshalb setzen wir auf starke Partner vor Ort und unterstützen den Aufbau einer nachhaltigen und langfristigen Wertschöpfungskette in Mecklenburg-Vorpommern“, so Lars Muck. Und ergänzt: „Das Projekt soll weit über seine Bauphase hinaus
positive Impulse für Wirtschaft und Industrie geben.“ Wie groß das Vertrauen in das Vorhaben inzwischen ist, verdeutlicht auch der jüngst abgeschlossene Stromliefervertrag mit Amazon. Mit 600 Megawatt handelt es sich um den bislang größten Vertrag dieser Art (Corporate PPA) Deutschlands. Die Partnerschaft unterstreicht die wirtschaftliche Stärke des Projekts.
Nach der finalen Investitionsentscheidung im Sommer dieses Jahres ist der Installationsstart für den Sommer 2027 und die Inbetriebnahme für Ende 2028 vorgesehen.
Skyborn übernimmt dabei sowohl die Führungsrolle während der Bau- als auch der anschließenden Betriebsphase des Offshore-Windparks. Unterstützt wird das Vorhaben von einem Netzwerk führender Industrie- und Servicepartner entlang der gesamten Lieferkette.
„Mit Gennaker bauen wir nicht nur einen Offshore-Windpark, sondern schaffen eine Referenz für zukünftige Projekte. Die Erfahrungen, die wir hier sammeln, werden in kommende Vorhaben einfließen. Unser Ziel ist es, Offshore-Wind in Deutschland noch effizienter und schneller umzusetzen.“ Gennaker verbindet Energieversorgung mit industrieller Wertschöpfung und

Lars Muck, Projektleiter Skyborn Renewables
Uns war wichtig, dass Gennaker möglichst viele positive Effekte für die Region entfaltet. Deshalb setzen wir auf starke Partner vor Ort und unterstützen den Aufbau einer nachhaltigen und langfristigen Wertschöpfungskette in Mecklenburg-Vorpommern.
regionaler Entwicklung. Für Skyborn ist das Vorhaben die Blaupause für eine neue Generation großer Offshore-Projekte – und ein starkes Signal für das Potenzial Mecklenburg-Vorpommerns als Offshore-Standort.

KI-Transformation gelingt im Betrieb – nicht im Pilotprojekt
Künstliche Intelligenz ist in den Unternehmen angekommen: Copilots, Chatbots, Agenten und Use Case-Listen. Doch oft wird die falsche Frage gestellt. Weder verbrauchte Token noch die Zahl eingesetzter KI-Agenten sind Gütemaße für Transformation. Ein Stahlwerk würde man auch nicht nach seinem Energieverbrauch bewerten, sondern nach Qualität, Produktivität und Lieferfähigkeit.
Ähnlich verhält es sich mit KI. Auch reine Adoption greift zu kurz. Dass viele Mitarbeitende ein Tool nutzen, sagt wenig darüber aus, ob ein Unternehmen schneller entscheidet, Risiken besser erkennt, Prozesse neugestaltet oder neue Wertschöpfung erschließt. Am Ende zählt Wirkung. Und Wirkung entsteht erst, wenn Organisationen über Tools hinaus transformieren.
Genau hier beginnt KI-Nativität. KInative Unternehmen verstehen KI nicht als Werkzeug, sondern als Organisationsprinzip. Sie verändern Prozesse, Rollen, Governance und Führungslogik so, dass Mensch, Maschine und Organisation produktiv zusammenspielen. Aus Use Cases werden Fähigkeiten. Aus
Experimenten wird ein Betriebsmodell. Damit wird auch Souveränität konkret. Sie bedeutet nicht nur, Technologie zu nutzen oder Daten sicher zu speichern. Souverän ist ein Unternehmen dann, wenn es entscheidet, welche Daten in welche Modelle fließen, wo Systeme betrieben werden, welche Entscheidungen automatisiert werden und wo menschliche Verantwortung unverzichtbar bleibt. Technologische Souveränität ohne organisatorische Souveränität bleibt Stückwerk.
In einem laufenden Transformationsprogramm mit einem europäischen Anbieter im Risiko- und Präventionsumfeld zeigt sich diese Entwicklung. Die Frage lautet dort nicht: Welche KI-Tools führen wir ein? Sondern: Wie

Stefan Schmautz, Partner & Head of AI, AdEx Partners, Autor von „Die KI-native Beratung“
muss die Organisation aufgebaut sein, damit KI dauerhaft, sicher und messbar Wert schafft?

„Die KI-native Beratung“
Diese Erfahrungen haben wir in unserem Buch „Die KI-native Beratung“ verdichtet: Erkenntnisse aus Kundenprojekten, aus der eigenen Weiterentwicklung unserer Beratungsarbeit und Hypothesen zur nächsten Transformationswelle. Denn auch der Beratungsmarkt steht vor einem Strukturbruch: Beratung wird KI-gestützter, datenbasierter, iterativer und stärker am Aufbau echter Fähigkeiten gemessen. Agenten sind keine Strategie, bloßer Tokenverbrauch ist kein Fortschritt und Adoption ist noch keine Transformation. Entscheidend ist, ob KI die Organisation schneller, präziser und resilienter macht. Der Maßstab der nächsten Phase lautet nicht: Wie viel KI nutzen wir? Sondern: Was verändert sich dadurch wirklich?
AdEx Partners ist eine unabhängige Strategie- und Transformations-Beratung. Als KI-native Beratung mit 300 Beraterinnen und Beratern begleiten wir unsere Kunden als Trusted Advisor bei geschäftskritischen Transformationen mit Fokus auf nachhaltigem Geschäftserfolg. www.adexpartners.com
Vom KI-Piloten zur Prozess-Integration
GASTBEITRAG
KI gilt oft als Zukunftstechnologie, doch ihr Nutzen entscheidet sich im Alltag von Unternehmen. Dr. Volker Fischer, CEO der AKQUINET GmbH, einem IT-Dienstleister für digitale Transformation, erklärt, wie Mittelständler KI-Projekte erfolgreich starten, skalieren und dauerhaft in ihre Prozesse integrieren.
Text: Thomas Soltau Foto: Presse
Es gibt viele Möglichkeiten für den KI-Einsatz. Wie sollten Unternehmen starten?
Im Mittelstand entsteht der größte Hebel dort, wo Prozesse Zeit kosten, Qualität schwankt oder Wissen und Personal knapp sind. Unternehmen sollten ihre
Bottlenecks identifizieren und daraus ein Pilotprojekt mit klaren Erfolgskriterien ableiten. Sinnvoll ist der Start mit einem überschaubaren Prozess oder gut strukturierten Datenbeständen, um Vertrauen aufzubauen. Erst danach sollten Kernprozesse folgen. Wichtig ist,


Skalierung früh mitzudenken: Rollen, Datenklassifikationen, Freigaben und Monitoring gehören von Anfang an auf die Agenda.
Wie geht es nach dem ersten KIPilotprojekt weiter?
Der Verlauf eines Pilotprojekts beeinflusst maßgeblich, wie KI im Unternehmen akzeptiert wird. Deshalb müssen die Erfolgsfaktoren stimmen. Dazu gehört ein kleines, crossfunktionales Team mit Fach- und IT-Kompetenz. Ebenso wichtig ist eine offene Kommunikation, denn KI bedeutet immer auch Veränderung. Ziel ist, die KI-Kompetenz im Unternehmen zu stärken. Zudem ist KI kein Spielzeug, sondern Teil der Unternehmens-IT. Sicherheitsmaßnahmen müssen deshalb von Beginn an etabliert werden. Am Ende ist Kulturwandel wichtiger als Technologie.
Welche KI-Services bieten Sie Unternehmenskunden an? Wir begleiten den Mittelstand seit Jahren bei der Digitalisierung – von ERP-Platt-
formen bis zu individuellen Lösungen. Deshalb bieten wir Leistungen entlang der KI-Wertschöpfungskette an: von Beratung, Datenmanagement und Security über die Umsetzung bis zur Integration. Wir helfen dabei, passende Anwendungsfälle zu identifizieren, Governance- und Sicherheitskonzepte aufzubauen und Prototypen schnell nutzbar zu machen. Zudem entwickeln wir Chatbots und Agenten. Für besonders hohe Anforderungen bieten wir dedizierte HostingOptionen in unseren Rechenzentren an. Dieses ganzheitliche Vorgehen nennen wir „KI as a Service“.
Welche Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden drei Jahren?
Weniger Experimente, mehr Standardisierung: KI wird sich von Einzelprojekten hin zu standardisierten Plattformen, Prozessen und Rollenmodellen entwickeln. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Regulierung und Nachweisbarkeit, nicht zuletzt durch den EU AI Act. Unternehmen benötigen daher klare Standards für Dokumentation, Governance und Security. Bei den großen Softwareplattformen wird sich der Trend zu integrierten KI-Agenten fortsetzen. Zudem gewinnen souveräne Bereitstellungsmodelle an Gewicht, bei denen KI lokal oder in abgeschotteten Datenräumen betrieben wird. Entscheidend bleibt die Fähigkeit, KI sinnvoll in bestehende Unternehmensprozesse einzubinden.
Wer auf die perfekte KI wartet, hat schon verloren
GASTBEITRAG
Unternehmen sprechen häufig über Künstliche Intelligenz, doch im Alltag verändert sich wenig. Kassian Alexander Goukassian, Gründer und CEO von falkemedia, beobachtet im Mittelstand zu viel Perfektionismus und zu wenig Tempo. Warum KI-Transformation deshalb vor allem eine Führungsfrage ist, zeigt sich für ihn längst im operativen Alltag.
Text: Thomas Soltau
Foto: LYCS Architecture/unsplash
Herr Goukassian, woran erkennt man, ob ein Unternehmen bei KI wirklich vorankommt?
Nicht daran, dass überall über KI gesprochen wird. Entscheidend ist, ob sich Prozesse messbar verändert haben. Wer heute noch nicht sagen kann, welcher Workflow schneller, besser oder günstiger geworden ist, betreibt eher Aktionismus. Viele kaufen Lizenzen, aber verändern keine Abläufe. Reife beginnt erst dort, wo produktive Anwendungen im Alltag angekommen sind und ihr Wegfall auffallen würde.
Was fehlt dem Mittelstand derzeit am meisten?
Unternehmen warten darauf, dass alle Fragen geklärt sind. Genau das funktioniert bei KI nicht mehr. Das Spielfeld verändert sich ständig. Wer erst startet, wenn alles perfekt erscheint, verliert Zeit. Gleichzeitig lähmt viele Firmen eine Schwarz-Weiß-Debatte beim Datenschutz. Natürlich müssen geistiges Eigentum und sensible Daten geschützt werden. Aber nicht jede Pro -

duktbeschreibung oder Marketingidee ist ein Hochsicherheitsfall. Wer alles gleichbehandelt, blockiert sich selbst.
Wo entstehen aktuell die schnellsten Effekte?
Vor allem dort, wo hochqualifizierte Menschen viele repetitive Aufgaben erledigen. Recherche, Briefings, Übersetzungen oder Zusammenfassungen lassen sich heute deutlich effizienter organisieren. Das betrifft Marketing, Vertrieb, Kundenservice oder interne Kommunikation. Bei falkemedia haben wir etwa die Customer Journey unseres AirFryer Clubs mit KI-gestützten Prozessen neu aufgebaut. Der Mensch
Unternehmen warten darauf, dass alle Fragen geklärt sind. Genau das funktioniert bei KI nicht mehr. Das Spielfeld verändert sich ständig. Wer erst startet, wenn alles perfekt erscheint, verliert Zeit.
entscheidet weiterhin final, aber Geschwindigkeit und Skalierung haben sich massiv verändert. Dinge, für die früher Tage nötig waren, entstehen heute innerhalb weniger Stunden – mit deutlich höherer Schlagzahl und konstanter Qualität.
Was war für Sie die wichtigste Erkenntnis in der Transformation?
Dass Unternehmen lernen müssen, mit Unfertigkeit zu arbeiten. Viele warten auf die perfekte Lösung. Aber bei KI gibt es diesen perfekten Zeitpunkt nicht. Entscheidungen müssen früher getroffen und später angepasst werden. Gleichzeitig braucht Veränderung Verbindlichkeit. Wenn neue Prozesse sofort wieder verlassen werden, weil alte Gewohnheiten bequemer sind, verpufft jede Transformation.
Wie schafft man Akzeptanz bei Mitarbeitenden?
Vor allem durch Ehrlichkeit. Wer behauptet, KI nehme nur langweilige Aufgaben ab, macht es sich zu einfach. Natürlich verändern sich Rollen und Arbeitsweisen. Entscheidend ist, wie Unternehmen damit umgehen. Wir haben früh klar kommuniziert, dass wir wegen KI keine Arbeitsplätze abbauen wollen. Unser Ziel ist Produktivität statt reiner Einsparung. Wir nennen das Workforce Amplification: Menschen sollen stärker werden, nicht ersetzt werden. Gleichzeitig verschweigen wir nicht, dass sich Teams verändern werden. Vertrauen entsteht nicht durch Beruhigung, sondern durch Transparenz.
Was bedeutet das für Führungskräfte?
KI-Transformation ist keine Aufgabe, die man vollständig delegieren kann. Wer als CEO nie selbst mit diesen Werkzeugen arbeitet, wird weder Chancen noch Risiken wirklich verstehen. Deshalb sage ich vielen Vorständen: Wenn im Kalender keine feste Zeit für eigene KI-Arbeit steht, ist die Strategie meist noch nicht belastbar. KI wird nicht an der Software entschieden, sondern daran, ob Führungskräfte bereit sind, die eigene Routine infrage zu stellen und Entscheidungen früher zu treffen, als es ihnen lieb ist.

Governance ist die Basis für KI
Viele Unternehmen haben bereits erste KI-Anwendungen eingeführt und sammeln praktische Erfahrungen mit der Technologie. Dennoch stehen sie vor erheblichen Herausforderungen bei der unternehmensweiten Implementierung von KI. Fragmentierte IT-Systeme, Datensilos, fehlende Governance sowie unklare Verantwortlichkeiten erschweren eine sichere, rechtskonforme und unternehmensweit skalierbare Nutzung von KI.
Ein Blick auf die KI-Reife deutscher Unternehmen verdeutlicht diese Problematik. So geben 72 Prozent der Unternehmen an, dass fehlender Datenzugriff sowie ein unzureichendes Datenmanagement zu den größten Hürden bei der Einführung und Skalierung von KI-Lösungen gehören. Ohne eine konsistente Datenbasis und eine leistungsfähige Dateninfrastruktur bleibt das Potenzial von KI jedoch sehr oft ungenutzt. Daher wird deutlich, dass der langfristige Erfolg von KI-Projekten nicht allein von leistungsfähigen Algorithmen abhängt, sondern insbesondere von einer strategischen Datenverwaltung, klaren Governance-Strukturen und einer unternehmensweiten digitalen Transformation.
Im Interview spricht Robert Rosellen, VP Sales & Country Manager Germany bei ServiceNow, über die Neuerungen auf der ServiceNow AI Platform, die Bedeutung von Governance als Erfolgsfaktor für den produktiven Einsatz von KI und wo es weiterhin menschliche Mitarbeitende braucht.
Herr Rosellen, auf der „Knowledge 2026“ hat ServiceNow den signifikanten logischen Ausbau der ServiceNow AI Platform vorgestellt, auf der KI denkt und Workflows handeln. Können Sie diese Plattform beschreiben? ServiceNow bietet eine KI-Plattform, die Daten, Systeme, Identitäten, Anwendungen und KI-Agenten auf einer zentralen Plattform verbindet. So kann KI den Unternehmenskontext verstehen, Entscheidungen vorbereiten und Workflows regelkonform sowie nachvollziehbar automatisiert ausführen – und das ist entscheidend: nicht nur vorbereiten, sondern auch ausführen. Viele Unternehmen setzen KI bereits ein, kämpfen jedoch mit fragmentierten
Durch den ServiceNow AI Control Tower behält der Mensch im Blick, wo KI eingesetzt wird, kann die Aktivitäten überwachen und gezielt steuern. So bleibt mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben wie den Umgang mit Kunden.
Systemen, Datensilos und fehlender Governance. Wir möchten Unternehmen dabei unterstützen, dem KI-Chaos zu entkommen und ihre KI-Ambitionen über Workflows, Systeme und Abteilungen hinweg in die Umsetzung zu bringen und das in einer Form, die es dem Anwender sehr einfach macht.
Damit verschiebt sich die Frage weg von einzelnen KI-Tools, hin zu einer Plattform, die KI über Abteilungen hinweg steuerbar macht.
Mit zunehmender Autonomie von KI rückt Governance stärker in den Fokus: Wird sie zum entscheidenden Erfolgsfaktor für den produktiven Einsatz von KI?
Governance ist die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen KI überhaupt in großem Maßstab einsetzen können. Je autonomer KI arbeitet, desto mehr Transparenz braucht es. Vertrauen ist die Grundlage, um KI verantwortungsvoll zu skalieren – sonst bleibt sie im Pilotmodus. Deshalb muss Governance von Anfang an Teil der KI-Strategie sein, denn Organisationen brauchen die Gewissheit, dass sie jederzeit nachvollziehen können, welche KI-Agenten im Einsatz sind, wie Entscheidungsprozesse zustande kommen und wo der Mensch bewusst eingebunden bleibt.
Veza, das seit 2026 zu ServiceNow gehört, macht hierbei jederzeit nachvollziehbar, welche Zugriffsrechte ein Agent hat. Im Bereich Governance hat Deutschland noch Nachholbedarf, wie unser Enterprise AI Maturity Index zeigt. So verfügen nur 16 Prozent der befragten Unternehmen über etablierte Prüf- und Testverfahren für KI.
Wie sorgt der AI Control Tower von ServiceNow für Transparenz in der KI-Landschaft?
Der AI Control Tower ist die zentrale Steuerungs- und Governance-Ebene unserer KI-Plattform. Er gibt Unternehmen einen vollständigen Überblick über ihre KI-Landschaft und sorgt wie ein Tower am Flughafen für eine koordinierte, sichere und nachvollziehbare Steuerung – das bedeutet, er zeigt auf, welche KI-Agenten im Unternehmen aktiv sind, welche Daten sie nutzen, welche Entscheidungen sie vorbereiten und ob sie im Rahmen der definierten Richtlinien arbeiten. In den nächsten Jahren wird nicht mehr die Frage entscheidend sein, welche KI ein Unternehmen einsetzt, sondern wie gut es sie steuern kann.
Und wo werden noch menschliche Mitarbeitende gefragt sein? Menschen bleiben dort unverzichtbar, wo Empathie, Kreativität, Führung und Urteilsvermögen gefragt sind. KI übernimmt Routineaufgaben und bereitet Entscheidungen vor. Durch den ServiceNow AI Control Tower behält der Mensch im Blick, wo KI eingesetzt wird, kann die Aktivitäten überwachen und gezielt steuern. So bleibt mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben wie den Umgang mit Kunden.
Die vollständigen Ergebnisse des ServiceNow Enterprise AI Maturity Index 2026 finden Sie unter diesem QR-Code:


Robert Rosellen, VP Sales & Country Manager Germany bei ServiceNow
In den nächsten Jahren wird nicht mehr die Frage entscheidend sein, welche KI ein Unternehmen einsetzt, sondern wie gut es sie steuern kann.
Bereit die Kontrolle über Ihre KI zu übernehmen?
Mit dem ServiceNow AI Control Tower erhalten Sie eine Übersicht in Echtzeit über alle Modelle, Datenquellen und KI-Agenten in Ihrem gesamten Unternehmen.
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Viel Nachholbedarf bei der KI-Souveränität
Die Angst vor einem Datenabfluss oder einer Datenverarbeitung in Drittstaaten bremst den Cloud-Einsatz im deutschen Mittelstand massiv aus.
Immer mehr Politiker und Unternehmen fordern eine europäische KISouveränität. Doch diese ist aktuell schwer herzustellen, denn europäische Cloud-Anbieter haben keinen Zugriff auf die State-of-the-Art-Modelle der US-Unternehmen. Modelle können zwar lokal auf einer Infrastruktur ausgeführt werden, jedoch reicht die Qualität dieser Open-Source-Modelle nicht an die führenden US-amerikanischen Angebote heran. Lediglich wenn neueste Features keine Rolle spielen, kann man mit lokaler Hardware arbeiten, doch das erfordert größere Investitionen im Rechenzentrum.
„Nur im Fertigungsbereich findet man teilweise relevante Hardware –das gilt für KI-Modelle zum Beispiel zur Erkennung von Teilen“, sagt Markus F ischer, Fellow von Exxeta. Gemeinsam mit CTO Daniel Weisser erklärt er die Bedeutung der KISouveränität für den Mittelstand.
Ist also der deutsche Mittelstand noch nicht sehr weit gekommen in Sachen KI-Souveränität?
Weisser: Der Mittelstand will KI im Alltag nutzen. Die Angst vor einem Datenabfluss oder einer Datenverarbeitung in Drittstaaten bremst den Cloud-Einsatz aber massiv. Daher ist Datenhoheit mittlerweile ein echter Wettbewerbsvorteil geworden. Europäische Sovereign Clouds werden zur zwingenden Grundvoraussetzung für den Rollout. Autonome KI-Agenten/Systeme greifen tief in zentrale Systeme ein, Unternehmen müssen jedoch die absolute Kontrolle über diese Schnittstellen behalten.
Zudem sorgt der EU AI Act für große regulatorische Verunsicherung. Den mittelständischen Unternehmen fehlen schlicht die Ressourcen für die strengen Governance-Vorgaben. Und nicht zuletzt verhindert der Fachkräftemangel die Eigenentwicklung von Grund auf.
Verbeißen sich Unternehmen vielleicht auch zu sehr in theoretische Souveränitätsfragen, statt pragmatisch messbare Probleme mit KI zu lösen?
Weisser: Viele Mittelständler werden durch endlose Risikoanalysen und Datenschutzdebatten gelähmt. Währenddessen verschafft sich die internationale Konkurrenz mit pragmatischen Cloud-Tools bereits handfeste Marktvorteile. Aber Pragmatismus und Datenhoheit schließen sich heute nicht mehr aus. Dank starker Open-SourceModelle lässt sich echter Business-Value sofort und lokal realisieren.
Wird KI-Souveränität zum harten Kriterium bei der Vergabe von B2BAufträgen?
Fischer: Das könnte definitiv ein Thema werden, insbesondere bei sensiblen Daten. Mittelständler schreiben teilweise schon in ihre NDAs, also ihre Geheimhaltungs- und Vertraulichkeitsvereinbarungen, dass keinerlei Daten von ihnen in eine KI gehen dürfen. Andererseits ist klar, dass KI ein Tool ist und in der Zukunft nicht mehr wegzudenken sein wird. Großkonzerne fordern jetzt schon von Zulieferern zunehmend lückenlose Nachweise zur Datenhoheit. Wer den DSGVO-konformen und sicheren KIEinsatz nicht belegen kann, fliegt direkt


aus der Lieferkette. Zudem verlagert der EU AI Act Haftungsrisiken im B2B-Sektor knallhart auf die Dienstleister.
Ist es überhaupt noch vertretbar, bei KRITIS auf US-Anbieter zu vertrauen?
Weisser: Der US CLOUD Act und die verschärfte geopolitische Lage machen herkömmliche US-Hyperscaler-Infrastruktur für Kernbereiche der kritischen Infrastruktur schwer tragbar. Ein potenzieller Zugriff ausländischer Behörden auf sensible Versorgungs- und Steuerungsdaten stellt ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko dar. Aber rein europäische Anbieter hinken eben technologisch leider noch hinterher, sodass eventuell eine hybride Multicloud eine Option sein könnte.
Bei Trends wie Physical AI und Robotik wandern Daten oft zwischen


KI-Souveränität muss zum Use Case passen. Es braucht nicht immer maximale Kontrolle, aber immer klare Leitplanken.
lokaler Intelligenz (On-Device) und mächtigen Cloud-Modellen hin und her. Wie garantiert man bei so einer komplexen Architektur, dass die Datenhoheit nicht verloren geht? Fischer: Typischerweise arbeiten die trainierten Modelle am Roboter immer lokal. Die Latenz ist schlicht zu groß und eine fehlende Netzverbindung darf nicht dafür sorgen, dass der Roboter nicht korrekt arbeitet. Aus Gründen der Maschinensicherheitsrichtlinie wäre das so gar nicht umsetzbar. Trainiert wird hingegen oft in der Cloud, da die relevante Hardware lokal nicht verfügbar ist. Hier kann man zumindest die Datenhoheit sicherstellen und nur europäische Standorte nutzen.
Wird die Kombination aus dem europäischen AI Act und souveränen Cloud-Modellen für europäische Unternehmen zum Wettbewerbsvorteil oder zur Innovationsbremse? Weisser: Erst einmal wird das zur Bremse, da in unregulierteren Märkten wie USA und China schneller Innovationen entstehen können. Das Aufsetzen von souveränen Architekturen kostet zunächst auch massiv Zeit und Budget. Langfristig wird es aber hoffentlich ein globaler Wettbewerbsvorteil, da viele Haftungs-, Urheberrechtsund Compliance-Probleme schon im Vorfeld gelöst wurden.


Die
Zukunft des Fliegens heißt KI
GROSSES INTERVIEW
Grazia Vittadini ist Mitglied des Vorstands und Chief Technology Officer (CTO) bei der Lufthansa Group, wo sie die Bereiche Technik, IT und Innovation leitet. Wie nachhaltige Transformation und weiteres Wachstum im Luftverkehr zusammengehen können, erläutert sie im Interview.
Text: Katja Deutsch
Foto: Presse
Frau Vittadini, welche Technologien werden die Luftfahrtindustrie in den nächsten zehn Jahren am stärksten verändern?
Die Luftfahrt der nächsten zehn Jahre wird weniger durch ein einzelnes revolutionäres Flugzeug verändert als durch die konsequente Verbesserung des gesamten Systems. Die meisten Flugzeuge, die 2035 die Leistungsfähigkeit der Airlines prägen werden, sind keine hypothetischen Zukunftsprogramme. Sie fliegen bereits heute oder stehen in den Auftragsbüchern der Hersteller. Natürlich gibt es faszinierende Konzepte wie Nurflügler oder völlig neue Antriebsarchitekturen. Aber zwischen Konzept, Zulassung, Industrialisierung und Flottenwirkung liegen in der Luftfahrt viele Jahre. Entscheidend wird deshalb die Lebenszyklusleistung: Wie effizient ist ein Flugzeug im Betrieb? Wie zuverlässig sind Triebwerke? Wie schnell sind Ersatzteile verfügbar? Wie gut lassen sich Wartung, Dokumentation und technische Prozesse digital unterstützen?
Für Airlines liegt die größte Chance daher in der Digitalisierung: digitale Zwillinge, vernetzte technische Dokumentation, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Diese Techno -
logien entscheiden zunehmend darüber, wie zuverlässig, effizient und skalierbar ein Airline-System funktioniert.
Wo sehen Sie denn das größte Potenzial für den Einsatz von KI?
KI wird in der Luftfahrt nicht an einer einzigen Stelle den Unterschied machen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie unterstützt die Entwicklung von Flugzeugen und Triebwerken, verbessert die Planung von Flotten, hilft in der Wartung, optimiert Bodenprozesse und verändert auch die Interaktion mit Kunden.
Besonders großes Potenzial sehe ich dort, wo Komplexität hoch und Entscheidungen zeitkritisch sind. Ein Beispiel ist die vorausschauende Wartung. Wenn Systeme Verschleißmuster erkennen, bevor ein Bauteil ausfällt, verbessert das die Zuverlässigkeit, Kosten und operative Stabilität. Ähnlich gilt das für Routenplanung, Beladung, Turnaround-Prozesse oder Störungsmanagement. Die Herausforderung ist, KI sinnvoll in ein hochreguliertes, sicherheitskritisches und operativ komplexes Gesamtsystem zu integrieren. In der Luftfahrt gilt: Technologie muss nicht nur intelligent sein. Sie muss robust, erklärbar, sicher und operativ beherrschbar sein.
Laut Marktprognosen wird bis 2043 ein Bedarf von über 42.000 neuen Flugzeugen erwartet. Das bedeutet auch neue Strecken und den Bau neuer Flughäfen. Wie lässt sich das in irgendeiner Form nachhaltig umsetzen?
Luftverkehr bleibt eine Wachstumsbranche, weil der Wunsch nach Mobilität weltweit weiter zunimmt. Das gilt besonders für Asien, Indien und andere stark wachsende Märkte. Die Frage ist,
wie dieses Wachstum gestaltet wird. Nachhaltigkeit in der Luftfahrt entsteht nicht durch eine einzige Wundertechnologie. Sie entsteht durch ein Zusammenspiel aus modernen Flugzeugen, effizientem Betrieb, besserer Infrastruktur, nachhaltigen Flugkraftstoffen und einem politischen Rahmen, der Investitionen ermöglicht statt verhindert.
Für die Lufthansa Group ist Flottenmodernisierung der wichtigste Hebel, den wir direkt steuern können. Wir treiben derzeit die größte Flottenmodernisierung unserer Unternehmensgeschichte voran. Dabei ersetzt ein neues Flugzeug meist ein älteres, ineffizienteres Muster.
Gleichzeitig brauchen wir deutlich mehr Sustainable Aviation Fuels zu wettbewerbsfähigen Preisen. Hier liegt die Verantwortung nicht allein bei den Airlines. Ohne industrielle Skalierung, geeignete Fördermechanismen und internationale Wettbewerbsfähigkeit bleibt SAF knapp und teuer.
Wie wichtig ist die Luftverkehrsbranche für Deutschland?
Luftverkehr ist kritische Infrastruktur. Für Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und als exportorientierte Volkswirtschaft ist internationale Anbindung kein Luxus, sondern Voraussetzung für Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und geopolitische Handlungsfähigkeit. Der deutsche Luftverkehr sichert direkt und indirekt rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze bei Airlines, Flughäfen, Zulieferern, in der Logistik, im Tourismus und in vielen angrenzenden Industrien.
Gerade deshalb muss Europa aufpassen, seine eigene Luftverkehrsinfrastruktur nicht strukturell zu
Für Airlines liegt die größte Chance daher in der Digitalisierung: digitale Zwillinge, vernetzte technische Dokumentation, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Diese Technologien entscheiden zunehmend darüber, wie zuverlässig, effizient und skalierbar ein AirlineSystem funktioniert.
schwächen. Hohe Standortkosten, zusätzliche nationale Belastungen und einseitige europäische Klimakosten treffen europäische Anbieter stärker als Wettbewerber aus anderen Weltregionen. Wir brauchen keinen Schutzraum für die Luftfahrt. Doch wer Konnektivität, Investitionen in neue Flotten und industrielle Stärke will, muss auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen.
Sie haben schon früh den Pilotenschein gemacht. Welche Strecke ist für Sie die allerschönste?
Ich habe das Fliegen immer geliebt, nicht nur als Technologie, sondern auch als Erlebnis. Eine der schönsten Perspektiven bleibt für mich der Flug über die Alpen. Wenn man über diese majestätische Landschaft fliegt, sieht man sehr unmittelbar, warum Luftfahrt Menschen seit jeher begeistert: die technische Leistung, die Weite, die Geschwindigkeit, aber auch die Schönheit der Welt aus einer anderen Perspektive.

Wenn Maschinen denken und handeln
Roboter sind mittlerweile in der Lage, wirtschaftlich zu arbeiten und können komplexere Aufgaben übernehmen, um den Menschen zu unterstützen.
Viele Unternehmen setzen bereits auf Roboter: Förderanlagen, Kommissionierarme und fahrerlose Transportsysteme. Sie sind extrem effektiv, solange die Umgebung stabil und vorhersehbar ist. Sobald sich jedoch die Bedingungen ändern – eine neue Priorität, eine unerwartete Situation –, bleiben sie stehen und warten auf einen Menschen. Doch jetzt gibt es eine neue Generation von kognitiven Robotern, die ihre Umgebung wahrnehmen und sich an sie anpassen. Die entscheidende Veränderung liegt in der Verknüpfung mit Geschäftsdaten in Echtzeit. Wenn Roboter auf dieser Ebene vernetzt sind, arbeiten sie nicht mehr isoliert, sondern agieren vom ersten Tag an mit einem Verständnis für Aufträge, Lagerbestände, Prioritäten und Rahmenbedingungen. Gleichzeitig verbessert sich die Wirtschaftlichkeit. Die Hardwarekosten sind zwischen 2022 und 2024 um mehr als 40 Prozent gesunken, was die Hürde für eine Einführung senkt. „Es ist keine Frage mehr, ob verkörperte KI (Embodied AI) ihren Weg in den Betrieb finden wird, sondern vielmehr, wie schnell Unternehmen sie in die Systeme integrieren können, auf die sie sich bereits verlassen“, sagt Dr. Łukasz Ostrowski, Leiter des Teams für Embodied AI und Robotik bei SAP.
Herr Ostrowski, was ändert sich eigentlich, wenn ein kognitiver Roboter mit einem Geschäftssystem verbunden wird?
Ein herkömmlicher Roboter folgt einem Skript. Er führt vordefinierte Aufgaben effizient aus, aber nur in engen Grenzen. Ein kognitiver Roboter hingegen arbeitet kontextbewusst. Er kann auf Auftragsprioritäten, Qualitätsstandards, die Wartungshistorie und

Sicherheitsvorschriften zurückgreifen, während sich diese in Echtzeit weiterentwickeln. Der Unterschied wird in Ausnahmesituationen am deutlichsten. Anstatt anzuhalten, wenn etwas vom Plan abweicht, kann das System interpretieren, was in diesem Moment für das Unternehmen am wichtigsten ist, und entsprechend reagieren. Durch die Integration mit einer SAP-Anwendung arbeitet der Roboter nicht isoliert. Er greift auf dieselben Daten zurück, die das Unternehmen steuern, mit Prioritäten und Rahmenbedingungen.
Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Die ersten Einsätze befinden sich noch in der Pilotphase, aber die Richtung wird immer deutlicher. So berichtet beispielsweise ein globaler Hersteller von Autositzen von einer bis zu fünffachen Steigerung des Durchsatzes bei einer bestimmten Pick-and-Place-Aufgabe mit einem fahrbaren humanoiden Roboter im Vergleich zu manuellen Arbeitsabläufen. Ein Joint Venture im Bereich der Unterhaltungselektronik konnte Bestückungsfehler reduzieren, die zuvor zu erheblichen Verlusten geführt hatten. In einem anderen Fall testet ein Hersteller von Kühlschränken und Wärmepumpen im Rahmen eines deutschen Proof-of-Concept den kontinuierlichen Betrieb ohne Schichtpausen.

Woher weiß der Roboter, was zu tun ist – und wann er einen Menschen um Hilfe bitten muss?
Das System des Unternehmens ist weitaus umfassender als eine einfache To-do-Liste. Es enthält Auftragsprioritäten, Qualitätsstandards, Handhabungsvorschriften, die Wartungshistorie und Sicherheitsbestimmungen. Der Roboter nutzt all diese Informationen nicht nur, um zu entscheiden, was getan werden muss, sondern auch, wie und was als Nächstes kommt. Der Kreislauf funktioniert in beide Richtungen. Eine abgeschlossene Kommissionieraufgabe aktualisiert die Lagerbestände. Eine Anomalie löst einen Wartungsalarm aus; eine Qualitätsabweichung löst eine nachgelagerte Warnung aus. Der Roboter meldet seine Beobachtungen an die Systeme zurück, sodass diese effektiver planen und Probleme früher erkennen können. Das Unternehmen legt fest, was der Roboter autonom erledigt und was an einen Menschen übergeben wird.
Was wollen diese Unternehmen eigentlich lösen?
In der Praxis läuft es auf zwei Themen
Es ist keine Frage mehr, ob verkörperte KI (Embodied AI) ihren Weg in den Betrieb finden wird, sondern vielmehr, wie schnell Unternehmen sie in die Systeme integrieren können, auf die sie sich bereits verlassen.
hinaus: Arbeitskräfte und Leistung. Der Autositzhersteller konzentriert sich beispielsweise darauf, die körperliche Belastung und Verletzungen zu reduzieren, indem er anstrengende Aufgaben an Roboter delegiert und so den Mitarbeitern eine sicherere Arbeit ermöglicht. Für den Hersteller von Kältetechnik wiederum ist die Optimierung von Geschäftsprozessen ebenso wichtig wie die Produktinnovation. Robotik wird zu einem Mittel, um beides gleichzeitig zu verbessern.


Warum so viele KI-Initiativen nicht über den Pilotstatus hinauskommen
Kaum ein Thema beschäftigt Vorstände und Geschäftsführungen derzeit stärker als Künstliche Intelligenz. Die Erwartungen sind hoch: mehr Produktivität, effizientere Prozesse, bessere Entscheidungen.
Entsprechend groß ist die Zahl der gestarteten Pilotprojekte. Gleichzeitig zeigt sich in vielen Unternehmen ein ähnliches Muster: Die ersten Tests verlaufen vielversprechend, doch der nachhaltige wirtschaftliche Nutzen bleibt aus. Ein Grund ist häufig, dass KI zunächst als technologisches Thema verstanden wird. Erst werden neue Werkzeuge eingeführt, dann erste Anwendungsfälle getestet und Pilotprojekte gestartet. Die entscheidende Frage wird dabei jedoch oft zu spät gestellt: Welches konkrete Geschäftsproblem soll eigentlich gelöst werden?
Wir sehen aber auch das Gegenteil. Erfolgreiche KI-Projekte beginnen nicht mit dem Tool, sondern mit dem Anwendungsfall. Sie setzen dort an, wo Prozesse ins Stocken geraten, Mit-
arbeitende durch Routinetätigkeiten gebunden werden oder Kunden unnötige Hürden erleben.
Hinzu kommt ein zweiter Faktor, der in vielen Diskussionen unterschätzt wird: Kontext. Ein Sprachmodell mag überzeugende Antworten formulieren können. Für den Einsatz im Unternehmen benötigt es jedoch Zugriff auf die relevanten Informationen, Prozesse und Regeln. Ohne diesen Kontext bleiben Ergebnisse oft generisch und für operative Entscheidungen nur eingeschränkt nutzbar.
Über den nachhaltig erfolgreichen Einsatz von KI entscheidet also die Fähigkeit eines Unternehmens, KI mit Daten, Systemen und Geschäftsprozessen zu verbinden. Genau deshalb sprechen wir in diesem Kontext von einer Verschiebung weg von Daten hin zu Datenprodukten. Gemeint sind qualitätsgesicherte, fachlich verantwortete Informationsbausteine, die Geschäftswissen in einer Form bereitstellen, die auch von KI verlässlich genutzt werden kann. Entscheidend ist
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dabei nicht die Menge der verfügbaren Daten, sondern ihre Nutzbarkeit im jeweiligen Kontext.
Damit KI diese Datenprodukte sicher und kontrolliert nutzen kann, braucht es eine leistungsfähige, digitale EnterpriseArchitektur. Sie verbindet Anwendungen, Datenprodukte und Prozesse zu einer gemeinsamen Grundlage, auf der KI sicher, transparent und skalierbar arbeiten kann. So kann KI Schritt für Schritt zu einer unternehmensweiten Fähigkeit werden.
Genauso wichtig sind Transparenz und Kontrolle. Unternehmen müssen nachvollziehen können, auf welcher Grundlage Empfehlungen entstehen und welche Aktionen eine KI ausführt. Nur so entsteht das notwendige Vertrauen bei Mitarbei-

tenden, Kunden und Management. Viele Organisationen stehen heute an einem Wendepunkt. Die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre wird sein, KI als strategische Fähigkeit der Organisation aufzubauen – skalierbar, kontrollierbar und eng mit den Geschäftsprozessen verzahnt. Genau dort entsteht der nachhaltige Wettbewerbsvorteil.

Die Bedrohung hat sich verdoppelt
STAATLICHE RESILIENZ
Staat und Unternehmen sind heute durch Cyberangriffe und durch physische Angriffe gefährdet, sagt Felix Kuhlenkamp vom Digitalverband Bitkom.
Text: Armin Fuhrer Foto: Planet Volumes/unsplash
Herr Kuhlenkamp, Deutschland ist ständigen hybriden Angriffen von außen ausgesetzt. Erkennen Sie als Leiter des Sicherheitsbereich Ihres Verbandes eine Veränderung der Lage? Ja, es gibt eine neue Lage – und zwar auf zwei Ebenen. Zunächst sind die Angreifer erheblich professioneller geworden als noch vor wenigen Jahren. In der Vergangenheit stellte sich die Situation noch so dar, dass wir mehr Einzeltäter hatten. Heutzutage hat sich das ganz klar verlagert. Die Täter sind erheblich professioneller geworden. Man findet im Darknet Firmen, die Crimeas-a-Service verkaufen, man kann im Internet Schadsoftware erwerben oder auch jemanden beauftragen, einen Cyberangriff durchzuführen.
Und die zweite Ebene?
Gleichzeitig sehen wir, dass staatliche Akteure eine deutlich größere Rolle spielen. Das trifft vor allem auf China und Russland zu. Hier findet entweder eine direkte Kooperation statt oder es gibt zumindest eine wohlwollende staatliche Duldung von kriminellen Aktivitäten. Das bedeutet, dass die Regierungen ent-

Felix Kuhelnkamp, Leiter Sicherheit, Bitkom e. V. Porträt: Presse
Der Staat hat durch die Auflockerung der Schuldenbremse theoretisch genug Mittel, aber er muss sie zukunftsgerichtet investieren.
weder ein unausgesprochenes Abkommen mit den Kriminellen haben, dass diese sie nicht angreifen, sondern sich auf andere Länder konzentrieren. Oder dass sie direkt die Fähigkeiten solcher Unternehmen für ihre geheimdienstlichen Aktionen nutzen.
Gewöhnlich ist aber bei solchen
Angriffen von einem „mutmaßlichen“ staatlichen Angriff die Rede. Warum? Das liegt daran, dass die Akteure natürlich versuchen, bestmöglich zu verschleiern, wer hinter solchen Angriffen steht. Aber es gibt immer wieder Indizien, an denen man erkennen kann, wer dahintersteckt und wo der Angriff herkommt. Und das sind dann in den meisten Fällen Russland und China. Aber auch der Iran und Nordkorea spielen eine Rolle. In Nordkorea stellt Cybercrime einen wichtigen Faktor zur Finanzierung des Staatshaushaltes dar. Russland will dagegen in erster Linie Unsicherheit in Deutschland und der EU verbreiten. Chinesische Angriffe sind oft lautloser, denn das Ziel ist nicht mediale Aufmerksamkeit, sondern Ergebnisse und Geheimhaltung.
Und wie sieht es mit physischen Angriffen aus?
Auch hier gibt es einen Anstieg. Wir haben in den vergangenen Jahren vor allem auf Cyberattacken geschaut, aber das hat sich in jüngster Zeit verändert. Ich erinnere nur an den Anschlag auf das Berliner Stromnetz.
Wir leben also in einer Zeit der Doppelbedrohung. Vergrößert das die Gefahr noch einmal?
Die Angriffsvektoren werden durch diese doppelte Bedrohung komplexer. Unternehmen müssen daher beide Seiten
zusammen denken. Denn wenn ein Angreifer beispielsweise in die digitale Sicherheitsstruktur eindringt, kann er damit möglicherweise ja auch die physische Sicherheit ausschalten oder schwächen. Und gleichzeitig gilt umgekehrt, dass auch physische Sicherheit die digitale Sicherheit garantiert. Das bedeutet, dass Unternehmen auch wieder verstärkt in klassische Vorrichtungen wie Zugangskontrollen oder Alarmanlagen investieren müssen.
Hat sich das Bewusstsein für diese doppelte Bedrohungslage schon überall durchgesetzt?
Das kommt darauf, mit wem man redet. Wenn man mit Vertretern der kritischen Infrastrukturen, zum Beispiel aus dem Energie- oder Finanzsektor, spricht, kann man feststellen, dass es ein hohes Sicherheitsniveau gibt. Wenn man dagegen mit mittelständischen Unternehmen spricht, sieht die Lage anders aus. Hier wird häufig noch daraufgesetzt, dass man ja viel zu klein und unbedeutend sei für einen Angriff. Das ist leider ein fataler Trugschluss. Und bei den Bürgerinnen und Bürgern sieht das im Übrigen leider auch ähnlich aus.
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KI verändert alles
GASTBEITRAG
Die Bedrohung durch Cyber-Kriminalität ist für kleine und mittlere Unternehmen heute größer denn je. Das resultiert aus der Einführung der Künstlichen Intelligenz in die Arbeitswelt, weil KI die Angriffsszenarien komplett verändert.
Text: Armin Fuhrer Foto: Danial Igdery/unsplash

KI hat viele positive Aspekte für die Arbeitswelt und bietet viele Erleichterungen. Gleichzeitig ermöglicht sie viele neue Angriffsmöglichkeiten, an die wir vor wenigen Jahren noch nicht einmal gedacht haben“, sagt Tim Schulze, Geschäftsführer von OIT (Open IT) mit Sitz in Hamburg und Düsseldorf.
Herr Schulze, bedeutet das, dass Sicherheitslösungen für Unternehmen heute wichtiger denn je sind?
Definitiv ja. Das gilt gerade auch für die kleinen und mittleren Unternehmen. Wenn man sich zum Beispiel den Bereich der Phishing-Mails anschaut, muss man feststellen, dass die Bedrohung erheblich größer geworden ist, weil sich die Qualität dieser Mails deutlich verbessert hat. Das gilt für das Wording und die ganze Tonalität, die sich inzwischen oft nahezu perfekt an die des Unternehmens anpasst. Alles mit Hilfe von KI.
Welches sind denn die wichtigsten Angriffspunkte auf Unternehmen? Neben den erwähnten E-Mails vor allem Brut-Force-Attacken und die Infrastruktur generell. Das gilt auch für ungesicherte Router. Unter anderem ist der Energiesektor betroffen, weil Photovoltaik-Parks und Windenergieanlagen oftmals nicht ausreichend geschützt sind. Aber die Betreiber wachen langsam auf. Und dann gibt es natürlich den
Europäische Cloud
GASTBEITRAG
Viele Unternehmen setzen bei ihrer Software auf den sogenannten „Best-of-Breed“-Ansatz: Sie nutzen für Marketing, Vertrieb und Buchhaltung jeweils spezialisierte Programme.
Text: Armin Fuhrer Foto: Allison Saeng/unsplash+
Um Prozesse systemübergreifend zu denken, müssen Daten dann mühsam zusammengeführt werden. Oft endet das darin, dass sensible Daten ungesichert via ExcelListen per E-Mail verschickt werden – ein gigantisches Sicherheits- und Datenschutzrisiko. „Sinnvoller ist ein zentraler Datentopf in einem System, das den gesamten Kundenlebenszyklus abbildet“, sagt Hansjörg Schmidt, Geschäftsführer der WICE GmbH.
Wo liegt dabei der konkrete Vorteil einer solchen Cloud-Lösung? Kleine und mittlere Unternehmen haben selten große IT-Abteilungen. Bei einer Cloud-Lösung übernimmt der Anbieter die gesamte Technik, Wartung und Updates. Zudem entfallen hohe Anschaffungskosten; man zahlt flexibel pro Nutzer. Ein modernes CRM-System bündelt alle Kundendaten und hilft den Mitarbeitern, Beziehungen effizient zu managen, ohne ständig zwischen mehreren verschiedenen Masken wechseln zu müssen.

Hansjörg Schmidt, Geschäftsführer der WICE GmbH
Ein CRM ist das digitale Gedächtnis einer Firma.
Wir reden heute auch viel über digitale Souveränität. Was müssen Unternehmen beachten?
Ein CRM ist das digitale Gedächtnis einer Firma. Amerikanische Anbieter werben oft mit Servern in Europa. Doch durch Gesetze wie den US Cloud Act sind US-Mutter-Unternehmen dennoch gezwungen, Daten an Behörden herauszugeben – völlig egal, wo sie weltweit gehostet werden. Wer

Faktor Mensch, der immer eine große Schwachstelle bleibt.
Ist das Bewusstsein für die Bedrohung im Mittelstand ausreichend?
Leider nein. Das Problem sind oft die ganz kleinen Unternehmen. Manche Industriezweige interessieren sich nicht einmal für die verbindlichen NIS-2Regelungen der EU.
Aber es existieren gute Schutzmöglichkeiten?
Ja, es gibt Unternehmen wie unseres, die solche Lösungen anbieten. Das Problem ist derzeit noch, dass wir in Deutschland und Europa viel zu stark von den großen US-amerikanischen Unternehmen wie Microsoft und Google abhängig sind. Leider haben
wir hier 20 Jahre verschlafen, aber das muss sich unbedingt ändern. Alternativen sind gefragt – und das schnell.
KI hat viele positive Aspekte für die Arbeitswelt und bietet viele Erleichterungen. Gleichzeitig ermöglicht sie viele neue Angriffsmöglichkeiten, an die wir vor wenigen Jahren noch nicht einmal gedacht haben.

sein digitales Gedächtnis wirklich schützen will, sollte auf europäische Anbieter setzen, die ausschließlich in Europa hosten.
Was könnte denn passieren, wenn sich die politische Lage weiter zuspitzt oder ein System abrupt abgeschaltet wird?
CRM oder ERP sind das Rückgrat eines Unternehmens; ohne sie steht
der Betrieb still. Wir sehen heute, wie unberechenbar die US-Politik agiert. Wenn dort ohne transparente Prüfung Kernfunktionalitäten blockiert werden, betrifft das direkt unser Business. Unternehmen brauchen Wahlfreiheit und einen Plan B. Bei uns können Kunden ihre Daten nicht nur per API exportieren, sondern das System bei Bedarf auch komplett in Eigenregie auf eigener Hardware betreiben.
„Ein Gamechanger im KI-Umfeld“
Wenn Unternehmen KI wertschöpfend einsetzen wollen, müssen sie Informationen, Prozesse und künstliche Intelligenz auf einer Plattform vereinen.
Viele Unternehmen stehen aktuell vor dem Problem, dass sie zwar mit verschiedenen KILösungen experimentieren, diese aber meist isoliert als Insellösungen nutzen. Wenn eine KI keinen echten Zugriff auf die gewachsenen Unternehmensdaten, die Historie oder die aktuellen Prozesskontexte hat, bleibt sie im Grunde ein digitaler Fremdkörper. Mitarbeiter kopieren Daten mühsam manuell hin und her, was nicht nur wertvolle Zeit frisst, sondern auch erhebliche Sicherheitsrisiken birgt.
„Wenn Unternehmen KI wirklich nachhaltig wertschöpfend einsetzen wollen, müssen sie Informationen, Prozesse und künstliche Intelligenz auf einer gemeinsamen, datensouveränen Plattform vereinen“, sagt Oliver Schulze. Gemeinsam mit Anne Klein erklärt er, wie Unternehmen Abhilfe schaffen können.
Was sind denn die Vorteile einer solchen gemeinsamen Plattform?
Anne Klein: Man muss sich das Ganze wie ein perfekt aufeinander abgestimmtes Trio vorstellen. Zunächst werden alle Unternehmensdaten revisionssicher gespeichert und strukturiert – wir sprechen von DMS, ECM, den Workflows und den tiefen Systemintegrationen.
Die zweite Säule sorgt für die multidimensionale Vernetzung. Sie bietet eine dynamische Sicht auf Kunden, Vorgänge und Organisationsstrukturen. Und die Krone des Ganzen ist schließlich die
native, integrierte KI-Komponente, die als intelligentes Bindeglied fungiert und diese massiven Datenmengen in Sekundenschnelle nutzbar macht.
Was bedeutet das konkret für die technologische Flexibilität eines Unternehmens?
Oliver Schulze: Dieses Grundprinzip ist der absolute Gamechanger im aktuellen KI-Umfeld. Die Entwicklung bei den Large Language Models, also den LLMs, verläuft rasant. Was heute das beste Modell auf dem Markt ist, kann morgen schon technologisch überholt oder unwirtschaftlich sein.
ALBERT | AI von agorum® ist selbst kein eigenes, starres LLM, sondern eine hochentwickelte Schutz- und Steuerungsschnittstelle. Sie ermöglicht es Unternehmen, herstellerunabhängig GPT, Claude, Gemini oder eben ein lokal gehostetes Open-Weight-Modell einzubinden. Dank dieses Multi-LLMAnsatzes bleibt das Fundament in der KI-Business-Plattform agorum core pro unberührt bestehen.
Sie können die darunterliegenden KIModelle jederzeit nahtlos austauschen, ohne Ihre gesamte IT-Infrastruktur neu bauen zu müssen. Das sichert Investitionen langfristig ab.
Wo liegen die Vorteile im realen Arbeitsalltag der Mitarbeitenden? Klein: Die Einsatzbereiche sind enorm

Oliver Schulz, Geschäftsführer von agorum Software
Wenn Unternehmen KI wirklich nachhaltig wertschöpfend einsetzen wollen, müssen sie Informationen, Prozesse und künstliche Intelligenz auf einer gemeinsamen, datensouveränen Plattform vereinen.
vielseitig. Zum einen haben wir die klassischen KI-Agenten und Chat-Assistenten. Sie können Dokumente, riesige Aktenberge oder endlose E-Mail-Verläufe in Sekundenschnelle automatisiert zusammenfassen, individuelle Auswertungen fahren oder tägliche Reports erstellen. Zum anderen geht es um echte Prozessautomatisierung. ALBERT | AI kann eigenständig Recherchen durchführen, E-Mails verfassen und komplexe Workflows steuern. Er ist also nicht nur ein passiver Chatbot, der Fragen beantwortet, sondern ein aktiver digitaler Kollege, der Prozesse


Anne Klein, Geschäftsleiterin von agorum Software
Mit der KI-BusinessPlattform agorum core pro bleiben alle Informationen in der eigenen Infrastruktur und jede Aktion ist protokolliert und lässt sich jederzeit nachvollziehen.
orchestriert und repetitive Aufgaben autonom übernimmt.
Schulze: Mitarbeitende sparen pro Tag mindestens 2,5 Stunden Arbeitszeit. Die Freigaben laufen um 80 P rozent schneller, die manuelle Dokumentenerfassung verringert sich um 98 Prozent und Texte im CI werden mit KI-Vorlagen in Sekunden erledigt. Und man kann dabei ganz wie gewohnt über das Laufwerk arbeiten – revisionssicher, versioniert und per OCR durchsuchbar. Die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden ist sehr hoch, der Schulungsaufwand gering.
Wie löst die Plattform das Problem der Compliance und DSGVO?
Klein: Mit der KI-BusinessPlattform agorum core pro bleiben alle Informationen in der eigenen Infrastruktur und jede Aktion ist protokolliert und lässt sich jederzeit nachvollziehen. Sicherheit und wirtschaftlicher Nutzen gehören für mich zusammen, und agorum core pro liefert beides. Wir beraten die Unternehmen von der KI-Strategie bis zum produktiven Einsatz. Erste KIErfolge zeigen sich schon nach wenigen Wochen, der Break Even ist in der Regel nach acht bis zwölf Monaten erreicht.
Wo geht die Reise in den nächsten Jahren hin?
Schulze: Die Zukunft gehört den Plattformen, die Updatefähigkeit und Nachhaltigkeit garantieren. Wichtig ist: Wer heute KI-Prozesse aufsetzt, muss sich darauf verlassen können, dass diese auch in fünf Jahren noch laufen – und dass die Datenhoheit dabei immer beim Unternehmen selbst bleibt –DSGVO-konform und revisionssicher nach GoBD.
Cybersicherheit als spannendes Berufsfeld
Wer schützt unsere digitale Zukunft? Diese Frage treibt mich seit Jahren an – und die Antwort, die ich immer wieder gebe, überrascht manche: Es sind die Kinder von heute. Die Jugendlichen, die gerade jetzt anfangen, neugierig auf Technik zu sein. Die, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren – und warum sie manchmal eben nicht funktionieren.
Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es, diesen jungen Menschen zu zeigen, dass Programmieren kein Hexenwerk ist, sondern ein Handwerk – eines, das Spaß macht, das Probleme löst und das die Welt verändert. Außerschulische Bildungsangebote wie die der „Hacker School“ oder „KI macht Schule“ können die Schulen dabei effektiv unterstützen. Was viele dabei nicht auf den ersten Blick sehen: Diese frühe Begeisterung für Technologie ist auch der direkteste Weg in eine der gefragtesten Berufsfelder unserer Zeit – die IT-Sicherheit. Denn Cybersicherheit ist kein rein technisches Problem. Es ist vor allem ein Bildungsproblem.
Deutschland steht heute vor einer Bedrohungslage, die in ihrer Komplexität kaum zu überschätzen ist. Ransomware-
Angriffe auf Krankenhäuser, Sabotage kritischer Infrastruktur, staatlich gesteuerte Spionage gegen Unternehmen und Behörden – die Angriffe werden professioneller, schneller und gezielter. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) berichtete zuletzt von einer angespannten bis kritischen Lage. Nehmen wir als aktuelles Beispiel die KIInnovation Claude Mythos, die versteckte Schwachstellen in Software-Systemen aufdeckt und laut BSI ganz erhebliche Auswirkungen auf die Cyberbedrohungslage haben kann. Gleichzeitig fehlen in Deutschland nach aktuellen Schätzungen zehntausende Fachkräfte allein im Bereich Cybersicherheit.
Mit dem Inkrafttreten der NIS-2Richtlinie hat die Europäische Union einen wichtigen Schritt unternommen:
Mehr Unternehmen als je zuvor sind nun verpflichtet, ihre IT-Sicherheit ernst zu nehmen, Vorfälle zu melden und Verantwortung zu übernehmen. Das ist gut. Aber Regulierung allein schafft keine Fachkräfte. Sie schafft Druck – und Druck ohne Kompetenz führt zu Aktionismus statt zu echter Resilienz.
Was wir brauchen, ist eine andere Erzählung: Cybersicherheit nicht als Abwehr, sondern als Gestaltungsaufgabe. Nicht als Schreckgespenst, sondern als spannendes, sinnvolles Berufsfeld für kluge Köpfe. Wer früh lernt, wie ein Angreifer denkt – neugierig, kreativ, systemisch –, der versteht auch, wie man Systeme schützt. Genau deshalb ist das, was wir bei der Hacker School tun, keine Freizeitbeschäftigung. Es ist Sicherheitspolitik von unten.

Cybersicherheit ist kein rein technisches Problem. Es ist vor allem ein Bildungsproblem.
In den nächsten ein bis zwei Jahren wird KI die Bedrohungslandschaft weiter verändern – in beide Richtungen. Angriffe werden automatisierter und schwerer zu erkennen. Gleichzeitig eröffnet KI neue Möglichkeiten für Verteidigung, Erkennung und Reaktion. Was bleibt, ist der Mensch: als schwächstes Glied, aber auch als stärkste Ressource. Wir brauchen Menschen, die Technologie nicht nur nutzen, sondern durchdringen und hinterfragen.
Die gute Nachricht: Diese Menschen können wir ausbilden. Wir müssen nur früh genug anfangen.
Das Thema Sicherheit entwickelt sich immer mehr zum Bestand der Wertschöpfung
GASTBEITRAG
Sven Horstmann, Geschäftsführer von Klüh Security, ist auf die Sicherheit von Unternehmen und von Kritischer Infrastruktur spezialisiert – und weiß, wie wichtig Security-Mitarbeitende dafür sind.
Text: Katja Deutsch
Foto: Getty Images/unplash+
Bedrohungen gegenüber Unternehmen und Kritischer Infrastruktur sind heute hybrid: Cyberangriffe, Sabotage oder physische Angriffe – etwa durch getarnte Besucher oder Lieferanten – greifen zunehmend ineinander. Sicherheit beschränkt sich deshalb längst nicht mehr auf klassische Schutzfunktionen. Vielmehr entwickelt sie sich zu einem strategischen Bestandteil der Wert-
schöpfung und der unternehmerischen Resilienz.
Für Unternehmen bedeutet das: Sicherheit muss heute ganzheitlich gedacht werden. Neben Cyber- und physischer Sicherheit rücken auch Lieferketten, Gebäudetechnik, Energieversorgung und Notfallmanagement stärker in den Fokus. Ziel ist es, die Betriebsfähigkeit selbst in Krisen- und Störfällen sicher-


zustellen – mit klaren Notfallplänen, dokumentierten Prozessen und integrierten Sicherheitskonzepten.
Parallel dazu verändern Digitalisierung und Zentralisierung die Sicherheitsbranche grundlegend. Moderne Leitstellen bündeln Informationen aus Zutrittskontrolle, Videoüberwachung und Gebäudetechnik und ermöglichen eine zentrale Steuerung sowie schnellere Reaktionen auf Vorfälle. Dadurch entstehen hybride Sicherheitsmodelle aus Personal, Technologie und Managed Services.
Mit dieser Entwicklung steigen auch die Anforderungen an Sicherheitsdienstleistungen deutlich. Erforderlich sind heute zunehmend analytisches Denken, technisches Verständnis sowie die Fähigkeit, komplexe Bedrohungslagen ganzheitlich zu bewerten. Sicherheit wird damit immer stärker zu einer
Managementaufgabe und zu einem entscheidenden Faktor für Stabilität, Kontinuität und Vertrauen.
Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Unternehmen die steigende Komplexität moderner Sicherheitsanforderungen kaum noch allein abbilden können. Deshalb gewinnen spezialisierte Partner an Bedeutung, die operative Sicherheitsdienstleistungen mit digitaler Infrastruktur, zertifizierten Leitstellen und integrierten Sicherheitskonzepten verbinden. Der Markt entwickelt sich damit klar weg von isolierten Einzellösungen hin zu vernetzten, technologiegestützten Sicherheitsstrukturen, die Unternehmen langfristig widerstandsfähiger machen.
Der Markt entwickelt sich damit klar weg von isolierten Einzellösungen hin zu vernetzten, technologiegestützten Sicherheitsstrukturen, die Unternehmen langfristig widerstandsfähiger machen.
Resilienz und KI-Vertrauen weltweit
Unternehmen und Organisationen treiben ihre digitale Transformation zunehmend voran und stehen dabei unter dem doppelten Druck, einerseits ihre Daten- und Cyberresilienz zu stärken und andererseits vertrauenswürdige KI einzuführen. Im Jahr 2025 berichteten 75 Prozent aller Organisationen, die KI nutzen, von einem Datensicherheitsvorfall.
Die Herausforderung für Organisationen in ganz Europa besteht nun darin, GovernanceKontrollen, Datenschutzrahmen und Wiederherstellungsfähigkeiten aufzubauen, die Innovationen unterstützen, ohne Compliance oder die betriebliche Kontinuität zu gefährden. Der wachsende Einsatz von KI macht bestehende Herausforderungen bei der Datensicherheit und dem Datenschutz noch deutlicher und erhöht den Handlungsdruck für IT-Verantwortliche.
AvePoint hat sich auf Daten-Governance, Datenschutz und Resilienz in Microsoft 365, Google Workspace, Salesforce und weiteren Cloud-Umgebungen spezialisiert und für diese Anforderungen eine konsolidierte Plattform entwickelt: die AvePoint Confidence Platform. Für europäische und globale Organisationen, die mit steigenden
Governance-Anforderungen konfrontiert sind, gewinnt diese Lösung zunehmend an Bedeutung. Isolierte Einzellösungen können die Anforderungen moderner Organisationen an DatenGovernance, Resilienz und Datenschutz nämlich nicht umfassend erfüllen.
Da immer mehr Organisationen Copiloten und Agenten in ihre tägliche Arbeit integrieren, können übermäßige Datenfreigaben, veraltete Inhalte, unzureichende Berechtigungen und uneinheitliche Aufbewahrungsrichtlinien schnell zu Problemen mit erheblichen Konsequenzen werden. AvePoint unterstützt Partner dabei, auf diese Anforderungen mit einer einheitlichen Plattform zu reagieren.
Diese macht Governance zu einem standardisierbaren Service und kombiniert Transparenz, Richtliniendurchsetzung sowie Backup und Wiederherstellung.
AvePoint entwickelt seine Technologien und Partnerangebote kontinuierlich weiter, um Partner dabei zu unterstützen, die bestehenden Marktchancen bestmöglich zu nutzen. Im Jahr 2025 hat AvePoint sein globales Channel-Programm neu aufgelegt, um Partner gezielt dabei zu unterstützen, die Anforderungen der Endkunden im KI-Zeitalter zu erfüllen.
Dafür wurde ein punktbasiertes System eingeführt, das Verhaltensweisen be-
lohnt, die tatsächlich Umsatz generieren, anstatt sich ausschließlich an Umsatzzusagen zu orientieren.
Gleichzeitig unterstützt es Partner beim Aufbau wiederkehrender, sicherheitsorientierter Umsatzströme. Im selben Jahr stellte AvePoint die neueste Version seiner partnerorientierten Technologie vor: die AvePoint Confidence Platform –Elements Edition. Sie wurde gezielt auf die heutigen Anforderungen von Partnern und Endkunden optimiert.

Um mehr über die Confidence Platform – Elements Edition von AvePoint zu erfahren, besuchen Sie www.avepoint.com oder melden Sie sich für eine kostenlose Sicherheitsbewertung an.
Interzero – Partner Content
Verborgene Risiken ausgemusterter IT
Wer IT-Sicherheit ernst nimmt, muss den Hardware-Lebenszyklus mit zertifizierten IT-Remarketing-Partnern konsequent zu Ende denken und nicht nur auf den „gut“ verschlossenen Schreibtisch hoffen.
Die Neuanschaffung von ITHardware ist für Unternehmen ein Standardprozess, der Umgang mit den Altgeräten hingegen oft nicht. Während neue Systeme in Betrieb gehen, fehlt für ausgemusterte Geräte häufig ein klar geregelter Folgeprozess –mit konkreten Risiken für Datenschutz und IT-Sicherheit. Weit verbreiteter Irrtum: Der Werksreset durch die eigene IT reicht als Sicherheitsmaßnahme aus. Tatsächlich aber lassen sich Daten mit frei zugänglichen Tools in Minuten wiederherstellen. Wenn Altgeräte unkontrolliert aus dem Betrieb entlassen werden, beispielsweise nach Ablauf einer Leasingvertragslaufzeit oder dem Verbleib im Home-Office, öffnet das eine der größten und vielfach unterschätzten Schwachstellen im Unternehmen: Laut Report der Blancco Techno -
logy Group hatten 2025 fast 90 Prozent der befragten Unternehmen innerhalb von drei Jahren einen Datenvorfall. Bei 17 Prozent der Fälle waren Altgeräte mit wiederhergestellten Daten die Ursache. Denn rund ein Viertel aller Laptops werden nach Blancco-Recherche ohne zertifizierte Löschung refurbished und erneut in Umlauf gebracht.
„Das Ende des Gerätelebens ist der Anfang des Risikos,“ sagt Cristian Runge, Head of Operations der Interzero Product Cycle GmbH, „mit dem nun endgültigen Support-Ende von Windows 10 erleben wir eine weitere Austauschwelle im Europäischen Wirtschaftsraum. Mit einem professionellen IT-Partner lassen sich hier Risiken vollständig vermeiden.“ Die Interzero Product Cycle GmbH ist zertifizierter ITAD-Partner für einen nachweisbaren, revisionssicheren Abschluss des Gerätelebens. Der Circular-Lifecycle-Solution-Provider übernimmt auf Wunsch den kompletten Prozess: von der sicheren Abholung und Logistik über die Erfassung der Seriennummern, die zertifizierte

Blancco Platinum- und DSGVO-konforme Datenlöschung nach ISO 27001 oder physische Datenträgervernichtung bis hin zur technischen Aufbereitung, Wiedervermarktung oder dem Recycling nicht mehr nutzbarer Geräte durch einen Partner. „Wir kaufen gebrauchte IT-Hardware an und bereiten diese nach anerkannten Prozessen, inklusive zertifizierter Datenlöschung für die Wiederverwendung auf. Somit ist ITAD ist nicht nur eine Sicherheitsmaßnahme, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor“, betont Dirk Krolikowski. Er ist als Geschäftsführer bei der Interzero überzeugt, „statt Werte zu vernichten, ermöglicht professionelles IT-Remarketing die Verlängerung des Produkt-
Wer ein Gerät verantwortungsvoll mit Interzero aus dem Betrieb nimmt, schützt Daten, Umwelt und schafft wirtschaftlichen Mehrwert. www.interzero.de

lebenszyklus sowie die Wiedervermarktung und schafft so direkten Mehrwert für alle Beteiligten“. Das belegt auch der Blancco-Report: Bis zu 47 Prozent der physisch zerstörten Geräte wären noch voll funktionsfähig gewesen. Für Unternehmen lohnt sich die Zusammenarbeit nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Die ökologische Wirkung belegt das Unternehmen seinen Kunden mit Zertifikaten über den individuellen Beitrag zur Einsparung von Treibhausgasen.*
* Die Zertifikate basieren auf einer Studie des Fraunhofer-Instituts UMSICHT, die zeigt, dass durch professionelle Wiederaufbereitung bis zu 37 Prozent der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu einem linearen Gerätelebenszyklus eingespart werden können.
Hilfe für Unternehmen im digitalen Wandel
Praktische Orientierung für KMU: KI effizient für den eigenen Betrieb nutzen, Cyberrisiken reduzieren und digitale Souveränität sicherstellen.
Künstliche Intelligenz hat den Schritt von einer Zukunftstechnologie zu einem konkreten Werkzeug im betrieblichen Alltag vieler Unternehmen vollzogen. Auch Solo-Selbständige, kleinere und mittelständische Betriebe stehen vor der Frage, wie sie die neuen Möglichkeiten sinnvoll nutzen können, ohne dabei den Überblick über technische, rechtliche und organisatorische Anforderungen zu verlieren. Zwischen Produktivitätsversprechen und wachsender Komplexität gilt es, Chancen und Risiken gleichermaßen zu bewerten.
Dazu kommt: Im Durchschnitt wird jedes dritte Unternehmen in Deutschland Ziel von Cyberangriffen. KMU sind besonders oft und häufig existenzbedrohend betroffen.
Damit wächst auch der Bedarf an Orientierung bei Themen wie Datenschutz, Informationssicherheit und dem verantwortungsvollen Umgang mit Unternehmensdaten. Diese drei eng miteinander verknüpften Themenfelder – praktische KI-Nutzung im Unternehmen, Cybersicherheit und digitale Souveränität – werden zunehmend zu einer strategischen Aufgabe.
„KMU sind bei digitalen Fragen nicht allein“, sagt Kevin Hofius, Referent und Projektleiter Cybersicherheit bei der Digitalagentur Berlin. Die DAB ist eine zentrale Koordinierungs- und Anlaufstelle für das Thema Digitalisierung und unterstützt Berliner Unternehmen

Foto: SIBB
Kevin Hofius, Referent und Projektleiter Cybersicherheit bei der DAB
Im Durchschnitt wird jedes dritte Unternehmen in Deutschland Ziel von Cyberangriffen. KMU sind besonders oft und häufig existenzbedrohend betroffen.
kostenfrei in jeder Phase ihrer digitalen Transformation, mit dem Fokus auf niedrigschwellige, praxisorientierte Angebote.
Herr Hofius, viele Betriebe fragen sich, welchen Mehrwert KI-Anwendungen bieten. Dabei stellen sich für viele Unternehmer, neben den Chancen, die KI bietet, ganz praktische Fragen: Wo kann KI im eigenen Betrieb wirklich sinnvoll eingesetzt werden? Welche Voraussetzungen sind nötig? Und wie gelingt der Einstieg sicher und mit überschaubarem Aufwand? Wir stehen dabei unterstüt-

zend zur Seite, schaffen Orientierung und vermitteln ein grundlegendes Verständnis der Technologie. Dazu gehört die Überprüfung der Risiken.
Denn natürlich wissen die meisten, dass Cybersicherheit wichtig ist, aber nicht unbedingt, wo sie anfangen sollen. Wir zeigen auf, wie sich Betriebe wirksam und schnell vor IT-Vorfällen und Hackern schützen können.
Hinzu kommen Fragen nach der digitalen Souveränität. Die Kontrolle über eigene Unternehmensdaten wird für viele KMU zum wichtigen Faktor bei der Gestaltung ihrer digitalen Zukunft. Wo werden sensible Daten verarbeitet und gespeichert? Welche Abhängigkeiten entstehen durch die Nutzung internationaler Plattformen? Und welche Alternativen gibt es?
In der IT-Sicherheits-Sprechstunde loten wir Vor- und Nachteile von CloudSpeichern und On-Premise-Lösungen verständlich aus. Natürlich gewinnen auch Fragen zu Datenschutz, Daten-


Unter go.digitalagentur.berlin/dab-orientierungsgespraeche können Berliner Unternehmer ein kostenloses DAB Orientierungsgespräch buchen. Wer niedrigschwellig starten möchte, nimmt bei einem DAB Digitalisierungsfrühstück der Digitalagentur Berlin teil, besucht ein DAB-Webinar oder das DAB Digitalforum im September. DAB Cyberhotline: 0800 360 30 60 (Mo bis Fr 9–17 Uhr).
speicherung und regulatorischen Vorgaben durch den ab August geltenden europäischen AI Act an Bedeutung. Auf all diese Fragen geben wir in unseren DAB Orientierungsgesprächen Antworten: ein 1:1-Arbeitstreffen, in dem wir praxisnahe, auf den Betrieb zugeschnittene Handlungsempfehlungen vermitteln. Mit konkreten Werkzeugen als Hilfe zur Selbsthilfe.
Das heißt, man geht nicht mit Hausaufgaben, sondern mit Tools aus dem Gespräch, die eine eigenständige Umsetzung direkt möglich machen? Wir geben keine Tools im technischen Sinne raus. Was wir mitgeben, sind konkrete Assets, mit denen man direkt loslegen und in die Umsetzung gehen kann. Unser Meta-KI Assistent beispielsweise ist ein fertiges Setup mit Anleitung, den man direkt im jeweils genutzten KI-Tool einrichten kann, um selbst weitere KI-Assistenten zu bauen.
Wer verstehen möchte, ob und wie sein Betrieb als Betreiber vom AI Act der EU betroffen ist, bekommt eine verständliche Einordnung seiner Rolle und Pflichten, und geht mit einem Compliance-Playbook sowie einer Vorlage für eine eigene KI-Richtlinie nach Hause.
Wenn es komplexer wird, z. B. durch eine bereits installierte Hochrisiko-KI oder einen akuten IT-Vorfall, vernetzen wir zu unserem Expertennetzwerk. Bei Bedarf bieten wir auch Folgegespräche zu Spezialthemen an oder verweisen auf externe Angebote, ganz ohne Produktverkauf oder wirtschaftliches Eigeninteresse. Wir sind vollständig aus Mitteln des Landes Berlin finanziert und arbeiten nicht gewinnorientiert.
Wichtig zu wissen: Die Digitalagentur Berlin entwickelt keine Software und implementiert keine KI. Wir sensibilisieren, befähigen und vernetzen. Damit unterstützen wir auch die Berliner Landesstrategie, Berlin zum KI-Standort Nummer eins zu machen.

Das wachsende Risiko autonomer KI-Angriffe
Die neuen Frontier-AI-Modelle verändern die IT-Sicherheit grundlegend. Dank deutlich verbesserter Fähigkeiten bei der Analyse von Programmcode können sie Schwachstellen schneller und umfassender identifizieren als bisherige Systeme.
Experten erwarten deshalb eine neue Dynamik im Cyberraum: Angriffe könnten zunehmend automatisiert erfolgen und sich in immer kürzeren Zeitfenstern entwickeln. Das folgende Interview beleuchtet die daraus entstehenden Risiken und die Anforderungen an moderne Verteidigungsstrategien. Im Fokus stehen die Auswirkungen auf Unternehmen, kritische Infrastrukturen und die Sicherheit digitaler Lieferketten.
Der Begriff „Frontier AI“ dominiert die Technologiedebatte. Was verbirgt sich dahinter im Kontext der Cybersicherheit und warum erleben wir gerade einen drastischen Wendepunkt?
Klaus Bürg: Frontier AI bezeichnet die absolute Speerspitze der KI-Entwicklung – etwa hochgradig skalierbare Basismodelle wie Mythos von Anthropic oder neueste Entwicklungen von OpenAI. Der Unterschied zu bekannten LLMs liegt im enormen Effizienzzuwachs beim Verarbeiten von Programmiercode: Wir sehen eine rund 50-prozentige Steigerung. Diese Modelle können komplexe Softwarearchitekturen vollkommen autonom auf logische Schwachstellen überprüfen. In Testreihen schafften sie in weniger als drei Wochen das Äquivalent eines vollen Jahres an manuellen Penetration-Tests. Da solche Modelle in den kommenden Wochen zum Allgemeingut werden könnten, verschieben sich die technologischen Möglichkeiten im digitalen Raum rasant.
Wir stehen vor dem Übergang von KIunterstützten zu komplett autonomen, KIgesteuerten Angriffen.
Welche konkreten neuen Risiken kommen durch diese autonome Code-Analyse auf Unternehmen und kritische Infrastrukturen zu?
Die größte Herausforderung wird eine unvorhersehbare Flut an neu entdeckten Schwachstellen sein. Wir stehen vor dem Übergang von KI-unterstützten zu komplett autonomen, KI-gesteuerten Angriffen. Ein massives Risiko liegt im sogenannten „Vulnerability Chaining“.

Frontier AI findet nicht nur isolierte Fehler, sondern verbindet mehrere harmlose Risiken zu einem hochgradig kritischen Angriffspfad. Zudem sehen wir einen Trend zu Angriffen, die direkt an der rasant wachsenden KI-Infrastruktur ansetzen. Wenn Angreifer mithilfe autonomer Agenten Lücken in Echtzeit ausnutzen, schrumpft die für Angriffe benötigte Zeit von Wochen auf wenige Minuten. Ein Unternehmen, das heute fast perfekt geschützt ist, ist in dieser Realität de facto ungeschützt.
Besonders Open-Source-Software bildet das Rückgrat der Unternehmens-IT. Erhöht diese Offenheit unter den neuen KI-Bedingungen das Risiko für globale Lieferketten?
Ja, das Risiko für Open-SourceSoftware steigt kurzfristig signifikant an. Das liegt jedoch keineswegs daran, dass ihr Code von Grund auf unsicherer ist. Der entscheidende Punkt ist die vollständige Transparenz: Da der Quellcode frei zugänglich ist, können Frontier-AI-Modelle ihn extrem leicht nach Schwachstellen durchforsten. Für Unternehmen bedeutet dies ein radikales Umdenken. Wir müssen davon ausgehen, dass freier Code im eigenen System potenziell kompromittiert sein könnte. Unternehmen sollten OpenSource-Code daher nicht mehr ungeprüft direkt aus dem Netz laden. Stattdessen gehört er vor dem Live-Einsatz in eine isolierte Prüfumgebung, in der

Klaus Bürg, VP EMEA Central bei Palo Alto Networks
automatisierte KI-Sicherheitschecks durchgeführt werden.
Wenn Angriffe künftig in Minutenschnelle ablaufen, geraten menschliche Teams ins Hintertreffen. Wie sieht eine zeitgemäße Verteidigungsstrategie aus? Die klassische IT-Sicherheit, bei der menschliche Analysten manuell Alarme priorisieren, versagt gegen autonome Angriffssoftware. Wenn Angreifer neue Lücken in weniger als einer Viertelstunde scannen, müssen Erkennung und Reaktion in niedrigen, einstelligen Minutenbereichen bis hin zu in Echtzeit erfolgen. Das erreichen wir nur durch plattformbasierte, KI-getriebene Automatisierung in Security Operations Centern. Datensilos müssen rigoros aufgelöst werden, damit Machine-Learning-Modelle ununterbrochen die gesamte Telemetrie analysieren können. Flankiert werden sollte dies durch eine strikte ZeroTrust-Architektur sowie durch den Schutz direkt im Enterprise-Browser,
Die klassische ITSicherheit, bei der menschliche Analysten manuell Alarme priorisieren, versagt gegen autonome Angriffssoftware.
wo heute über 85 Prozent der täglichen Arbeit stattfindet. Die Technologie der Angreifer ist gleichzeitig die stärkste Waffe der Verteidiger.
Wie unterstützt Palo Alto Networks Unternehmen konkret dabei, den Übergang zur Echtzeit-Abwehr zu bewältigen?
Cybersicherheit im KI-Zeitalter ist ein Teamsport. Für Kunden haben wir ganz konkret Unit 42 Frontier AI Defense entwickelt. Die Philosophie dahinter lautet: Verschaffe dir Klarheit über deine Schwachstellen, bevor es andere tun. Wir nutzen die fortschrittlichsten Frontier-Modelle, um die IT-Landschaft eines Unternehmens proaktiv zu prüfen und komplexe Schwachstellenketten zu identifizieren, bevor Cyberkriminelle sie für Angriffe nutzen können. Dadurch versetzen wir Unternehmen in die Lage, ihre Resilienz auf ein Niveau zu heben, auf dem sie maschinellen Angriffen standhalten.

PROF. DR. DENNIS-KENJI KIPKER
Mehr Cyberschutz durch

GROSSES INTERVIEW
Mit Inkrafttreten der NIS-2Richtlinie steigen die Cybersecurity-Pflichten für rund 30.000 Unternehmen in Deutschland.
Text: Julia Butz Foto: cyberintelligence.institute
eben einer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberbedrohungen und der Einführung
einer 24-stündigen Meldepflicht von Sicherheitsvorfällen fordert NIS-2 den verstärkten Schutz von Daten. Inwiefern der verpflichtende Maßnahmenkatalog der EU zum Schutz von Online-Identitäten beiträgt und warum Cybersicherheit durch den Einsatz von KI vor noch größeren Herausforderungen steht, erläutert Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker vom cyberintelligence.institute.
Herr Prof. Dr. Kipker, wie sieht die Risikolage aktuell aus?
Die Bedrohungslage hat sich deutlich verschärft: Wir haben Datenlecks durch Phishing-E-Mails, Ransomware und Social Engineering*, über die viele Fälle von Identitätsdiebstahl entstehen. Besonders problematisch ist, dass Angreifer zunehmend über Zulieferer in Systeme gelangen, sich die Risiken also durch ganze Lieferketten ziehen. Es fehlt leider in den allermeisten Betrieben noch immer am nötigsten. Häufig liegt es an Nachlässigkeit oder fehlender Schulung, aber auch daran, dass
Sicherheitsupdates nicht konsequent umgesetzt werden. Und das betrifft nicht nur den Computer, sondern alle Geräte im Netzwerk, vom Router über Drucker bis hin zur Überwachungskamera auf dem Werksgelände, die lange nicht gepatcht wurde. Auch unklare Datentrennung und fehlende Regelungen zu „Bring your own device“, also die Nutzung privater Endgeräte für berufliche Zwecke, bergen erhöhte Sicherheitslücken für das Unternehmensnetzwerk. Schwache und mehr-
fach verwendete Passwörter bleiben weiterhin eines der größten Einfallstore, obwohl wir seit inzwischen über 15 Jahren darüber reden.
Hebt KI diese Risiken noch auf ein neues Niveau?
Absolut. Phishing-E-Mails sind nicht nur sprachlich besser, sondern hochgradig auf den Empfänger, sein Alter oder ein aktuelles Arbeitsprojekt personalisiert und kaum noch als Fake zu erkennen. Aber es geht längst nicht mehr nur um E-Mails: Ein prominenter Deepfake aus Hongkong zeigte, wie eine gefälschte Videokonferenz mit vermeintlichen Kollegen kreiert und einen Mitarbeitenden glaubhaft davon überzeugte, 25 Millionen Dollar an eine ihm unbekannte Firma zu überweisen.
Aktuell reden alle vom Anthropic Mythos, ein neues KI-Modell, das vollautomatisiert, ohne menschliches Zutun und extrem schnell Schwachstellen und Sicherheitslücken finden und ausnutzen können soll. Auch bei Ransomware entfällt das frühere Nadelöhr einer menschlichen Lösegeldverhandlung. Die Kommunikation erfolgt über
KI-Chatbots, in fast allen Sprachen und psychologisch so ausgefeilt, dass sie den Zahlungsdruck noch erhöht. Die technische Barriere und das erforderliche Know-how, das konventionelle Kriminelle früher noch abgeschreckte, wird durch KI signifikant gesenkt.
Wird die Situation durch NIS-2 verbessert?
NIS-2 bringt vor allem eines: Tempo und Verbindlichkeit in die IT-Sicherheit. Werden Datenlecks innerhalb von 24 Stunden an das BSI gemeldet, können Nutzer besser geschützt werden. NIS-2 fordert regelmäßige Sicherheitsupdates sowie die Überwachung der eigenen IT-Infrastruktur, auch mobiler Endgeräte wie Smartphones oder Tablets. Mobile Device Management (MDM) ist da ein wichtiges Instrument, um alle Geräte zentral überwachen und abschalten zu können, wenn sie kompromittiert werden. Es geht aber nicht nur um Sicherheitsupdates, sondern um den Aufbau einer Managementstruktur für Cybersicherheit. NIS-2 macht Cybersicherheit zur Chefsache. Das ist umso wichtiger, weil Unternehmen immer
Die Bedrohungslage hat sich deutlich verschärft: Wir haben Datenlecks durch Phishing-E-Mails, Ransomware und Social Engineering, über die viele Fälle von Identitätsdiebstahl entstehen.
mehr von digitalen Lieferketten abhängig sind. Was nützt es da, wenn ich inhouse Sicherheitsprozesse einbeziehe, aber die Produkte, die ich verwende, unsicher sind? Wie es der Stillstand an europäischen Flughäfen 2025 prominent gezeigt hat. Hier wurden nicht die Flughäfen selbst, sondern die für die Gepäck- und Passagierabfertigung zuständige Firma angegriffen. Weil diese seit zwölf Jahren keine Updates mehr eingespeist hatte.
Braucht es ebenso strengere Vorgaben für die digitale Produktsicherheit? Ganz klar, ja. Sicherheit muss als
reputatio systems – Partner Content
Handlungsfähig in der Krise
Resiliente Kommunikation als Basis unternehmerischer Steuerungsfähigkeit
Fällt das zentrale Kommunikationssystem aus, ist ein Teil der Belegschaft nur noch per E-Mail erreichbar, Kunden erreichen den Service nicht und externe Partner müssen auf Rückmeldungen warten. Zwar stehen Berichte und Dashboards weiter zur Verfügung, doch Telefonie und Konferenzsysteme fallen aus.
Da der Krisenstab nicht mit Führungskräften vor Ort sprechen kann, verzögern sich Abstimmungen mit Dienstleistern. Entscheidungen werden später getroffen, Maßnahmen greifen langsamer. Ein technischer Ausfall wird so zum Governance-Problem. Kommunikation ist damit keine Komfortfunktion, sondern tragender Teil der betrieblichen Infrastruktur – die Voraussetzung dafür, dass Krisenkoordination, Kundenservice und Notfalldienste funktionieren. Wer sie als isoliertes IT-Thema betrachtet, unterschätzt ihre Bedeutung für Steuerungsfähigkeit, Geschäftsrisiken und Reputation.
Diese Verwundbarkeit trifft Unternehmen jeder Größenordnung in einer geopolitischen Zeitenwende. Vom national und international tätigen Mittelstand bis zum Großkonzern verändern Spannungen zwischen Wirt-
schaftsblöcken, hybride Bedrohungen, Sabotagerisiken und Cyberangriffe den Blick auf geschäftskritische Infrastruktur. Systeme werden deshalb nicht mehr nur nach Effizienz und Skalierbarkeit bewertet, sondern zunehmend auch nach Sicherheit, Kontrolle, Redundanz und Wiederanlauffähigkeit. Entscheidend ist, ob zentrale Funktionen auch unter Stress stabil bleiben.
Resiliente Kommunikationsinfrastrukturen setzen deshalb auf Redundanz über mehrere Ebenen: technisch durch dezentrale Systeme, alternative Netze und Ausweichmöglichkeiten auf andere Standorte oder Endgeräte, organisatorisch durch klare Verantwortlichkeiten, dokumentierte Eskalationswege und definierte Wiederanlaufprozesse.
Hinzu kommen regelmäßige Tests und ein kontinuierliches Monito -
Mehr Informationen über reputatio systems unter: https://reputatio.systems
ring. Resilienz entsteht somit nicht durch ein einzelnes Produkt, sondern durch das Zusammenspiel von Technik, Organisation und Führung.
Resilienz ist Führungsaufgabe Zugleich gewinnt digitale Souveränität an Gewicht. Gemeint ist nicht vollständige Unabhängigkeit, sondern die Fähigkeit, Abhängigkeiten zu erkennen und zu steuern, etwa bei Datenflüssen, Zugriffsrechten, Plattformen oder Betriebsmodellen. Regulatorische Anforderungen wie NIS2 und die Vorgaben für KRITIS verankern Fragen der Sicherheit, des Risikomanagements und der Wiederanlauffähigkeit zunehmend auf Leitungsebene. Für Unternehmen ist entscheidend zu wissen, wo ihre Systeme betrieben werden, welche Alternativen bei Ausfällen greifen und wie schnell sich Kommunikationsstrukturen neu ordnen lassen.
neues Leitprinzip voll in Produkte und Produkthaftung integriert werden, genauso selbstverständlich wie Funktionalität. Hersteller müssen Cyber-sichere Produkte liefern und Anbieter von IT-Lösungen hier deutlich stärker in die Pflicht genommen werden. Aber auch das ändert sich durch die neue Rechtslage, den Cyber Resilience Act, gerade.
*Phishing: Gefälschte E-Mails oder Webseiten, die dazu dienen, persönliche Daten oder Passwörter zu stehlen.
Ransomware: Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und Lösegeld für die Freigabe verlangt.
Social Engineering: Psychologische Manipulation, um vertrauliche Informationen zu erhalten oder Handlungen auszulösen.
Fakten
Auch in seiner Freizeit beschäftigt sich Dennis-Kenji Kipker mit Computern und sammelt historische Rechner aus den 80er- bis in die 2000er-Jahren. Der Retrocomputing-Fan ist viel unterwegs, immer an seiner Seite: Yorkshire Terrier Scotty.

An dieser Schnittstelle kommen spezialisierte Infrastrukturpartner ins Spiel. Anbieter wie reputatio betrachten Cloud-Telefonie, Kommunikationsarchitektur, Betriebsprozesse und organisatorische Anforderungen gemeinsam – mit dem Ziel, komplexe Infrastruktur im Hintergrund beherrschbar zu machen und zugleich klare, verlässliche Kommunikationswege im Alltag zu sichern.
Für Unternehmensverantwortliche bedeutet dies, vorab zu entscheiden, welche Kommunikationswege kritisch sind, welche Ausfallzeiten akzeptabel und welche Bereiche im Ernstfall zuerst wiederhergestellt werden. Resilienz, Business Continuity und digitale Souveränität sind dann keine Einzelprojekte mehr, sondern eine zusammenhängende Entscheidung über Handlungsfähigkeit und Zukunftssicherheit.












Protection – Partner Content
„Sicherheit ist wie eine Versicherung“
Der Schutz der Kritischen Infrastruktur ist heute wichtiger denn je. Wer nicht in den Schutz investiert, kann auf sehr hohen Kosten sitzen bleiben.
Kritische Infrastrukturen müssen heute besser geschützt werden als früher. Konflikte wie in der Ukraine zeigen das deutlich. Nach Jahren der Vernachlässigung rückt das Thema nun daher wieder in den Fokus. Auch der Gesetzgeber hat mit dem KRITIS-Dachgesetz reagiert, das verschärfte Schutzmaßnahmen vorschreibt. Ein richtiger Schritt, denn Konflikte werden heute asymmetrisch geführt. Die gezielte Schädigung von Infrastruktur ist hocheffektiv, wie wir regelmäßig sehen. Dabei ist das Spektrum der möglichen Angreifer diffus. „Neben staatlichen Akteuren drohen Gefahren von innen oder durch politisch motivierte Gruppen. Die Bedrohung ist vielschichtig“, sagt Gordon Peters, Geschäftsführer von PeriGuard Protection.
Herr Peters, haben wir uns in einer Illusion der Sicherheit gewiegt?
Absolut. Viel wichtiger als die Täter-
frage ist es daher, zunächst einmal das Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie verwundbar unsere Achillesfersen sind. Da waren wir früher schlicht zu lasch. Wir neigen zu linearem Denken: Es wird schon nichts passieren und das bleibt auch immer so. Der Philosoph Nassim Taleb beschreibt in seinem Buch „Schwarzer Schwan“, dass ein einziges Ereignis reicht, um maximale Schäden anzurichten. Aber Freiheit braucht Sicherheit. Laut dem Psychologen Abraham Maslow, folgt das Sicherheitsbedürfnis direkt auf die Grundbedürfnisse. Wenn wir Freiheit wollen, muss das Fundament unten stimmen.
Werfen wir einen Blick in die Praxis: Worauf müssen Betreiber denn achten, die ihre Anlagen der Kritischen Infrastruktur schützen wollen? Es darf kein Projekt im Vorbeigehen sein, bei dem man nur schnell ein Tor aufstellt. Man muss das ganzheitlich
durchdenken. Angreifer nutzen heute über Drohnen oder Cyberattacken mehrere Kanäle gleichzeitig. Betreiber sollten mit Experten sprechen, die Gesamtszenarien entwickeln. Ein CEO muss sein Kerngeschäft führen und braucht Partner, die Lücken identifizieren. Klar ist: Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, aber man kann das Risiko maximal minimieren.
Wie gehen Sie vor, wenn ein Betreiber ein Schutzsystem möchte?
Ein effektiver Schutz beginnt immer mit einem Konzept. Es geht darum, die Kreativität potenzieller Angreifer zu mimen. Unabhängige Berater analysieren gemeinsam mit uns das wahrscheinlichste und das maximale Schadensszenario. Dabei erfinden wir das Rad nicht neu –bestehende Schutzmaßnahmen werden einbezogen. Es geht primär darum, die „Deltas“, also die gefährlichen Sicherheitslücken, zu identifizieren. Erst aus diesem Helikopterblick heraus lässt sich festlegen, welche physischen oder digitalen Maßnahmen wirklich sinnvoll sind.
Schutz kostet Geld. Wie überzeugen Sie Skeptiker?
Überzeugen ist der falsche Weg. Ein Betreiber muss selbst erkennen, was ihm der Schutz wert ist. Wir zeigen

Gordon Peters, Geschäftsführer von PeriGuard Protection
Klar ist:
Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, aber man kann das Risiko maximal minimieren.
transparent die Ergebnisse realer Crash-Tests unserer Produkte. Ein Bedrohungsszenario wird damit sehr greifbar für den Interessenten. Am Ende ist es wie eine Versicherung: Man investiert in der Hoffnung, dass der Ernstfall nie eintritt. Vor 9/11 dachte niemand an Cockpittüren in Flugzeugen – danach waren sie selbstverständlich. Wer nicht in den Schutz investiert, riskiert im schlimmsten Fall nicht nur hohe Kosten, sondern Werte und Menschenleben.


Erdbeben Venezuela
Zwei schwere Erdbeben haben Venezuela erschüttert.
Aktion Deutschland Hilft leistet Nothilfe – mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Notunterkünften und medizinischer Versorgung.
Helfen Sie den Menschen jetzt – mit Ihrer Spende!
Aktion-Deutschland-Hilft.de
Bündnis der Hilfsorganisationen
Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität
EINLEITUNG
Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht.
Foto: Mittler Report Verlag
Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss.
Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht.
Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden.
Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant.
Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengun-

Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer BDSV
gen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten.
Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.
Erfolgreiche KRITIS-Sicherheitskonzepte
Die sicherheitspolitische Zeitenwende konfrontiert Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS) mit einem stark diversifizierten Risikoprofil.
Staatliche Akteure, organisierte Kriminalität, ideologisch motivierte Gruppen und Gelegenheitstäter sind eine ernst zu nehmende Gefahr für Unternehmen und die Betreiber kritischer Infrastruktur. Gleichzeitig steigen durch neue gesetzliche Vorgaben wie dem KRITIS-Dachgesetz die regulatorischen Anforderungen an die Resilienz und Zuverlässigkeit. Technologiegestützte Sicherheitskonzepte bilden die essenzielle Grundlage für eine lückenlose Überwachung und Reaktion rund um die Uhr.
Ein entscheidender Faktor ist die Leistungs- und Integrationsfähigkeit der Systeme. Moderne Sicherheitslösungen müssen in der Lage sein, Videosensorik, Zutrittskontrollen, Einbruchmeldetechnik und weitere sicherheitsrelevante Komponenten auf einer offenen Plattform miteinander zu vernetzen. Eine Kombination dieser Daten mit einer intelligenten, KI-gestützten Videoanalyse erlaubt es, Bedrohungen frühzeitig zu detektieren, Lagebilder präzise zu bewerten und unverzüglich automatisierte Reaktionsprozesse auszulösen.

Stephan Riese, Vorstand, Reputatio AG
Wenn Kommunikation geschäftskritisch wird
Text: Jakob Bratsch Foto: Presse
Welche Komponenten müssen redundant ausgelegt sein, um Ausfälle zu verhindern?
Cloud-Telefonie braucht doppelt ausgelegte Signalisierung, Medienpfade und Netzanbindung. Virtual Data Center sichern Compute, Storage und Netzwerk über getrennte Standorte. Dynamic Networks nutzen alternative, segmentierte Pfade für Routing im Störfall.
Wie kann Resilienz über CloudTelefonie, Virtual Data Center und Dynamic Networks hinweg geplant werden?
Ausgangspunkt sind kritische Prozesse und deren Zeitbedarf. Darauf basierend werden Telefonie, Rechenzentren und Netzdesign so abgestimmt, dass für jeden Prozess mindestens ein definierter Ausweichweg mit klaren Zuständigkeiten beschrieben und aktivierbar ist.
Wie lässt sich überprüfen, ob ein Notfallkonzept tatsächlich trägt? Regelmäßige Übungen mit konkreten Ausfallszenarien sind entscheidend. Dabei werden Systeme gezielt abgeschaltet oder simuliert gestört, während Fachbereiche und Führungskräfte ihre Abläufe durchspielen. Schwachstellen fließen direkt in Architektur und Prozesse zurück.
Darüber hinaus müssen die Systeme auch im Ernstfall funktionieren. Vielschichtige Redundanzen und durchdachte Failover-Konzepte stellen sicher, dass der Ausfall einzelner Komponenten überbrückt wird, sodass der Schutz der Infrastruktur ohne Unterbrechung aufrechterhalten bleibt.
Mit der zunehmenden digitalen Vernetzung physischer Sicherheitssysteme gewinnen zudem deren eigene Cybersicherheit und der Datenschutz an Bedeutung. Ein resilienter und regelkonformer Betrieb setzt voraus, dass die eingesetzte Software nach dem Prinzip „Security by Design“ entwickelt wurde. System-
Hardening, regelmäßige Penetrationstests und ein konsequentes Patchmanagement sind unabdingbar, um die Systeme vor digitalen Zugriffen von außen zu schützen. Neben der reinen Technologie entscheidet die bedarfsgerechte und vorausschauende Systemarchitektur über den Erfolg eines solchen Projekts.

Die Geutebrück GmbH entwickelt seit über 55 Jahren innovative Videosicherheitslösungen „Made in Germany“ und begleitet als zuverlässiger Partner auf Augenhöhe anspruchsvolle KRITIS-Projekte mit höchsten Cybersecurity-Standards. www.geutebrueck.com

Mehr Resilienz durch digitale Sicherheitstechnik
Unternehmen müssen effektiv ihre physischen Zugänge gegen Angriffe schützen – der herkömmliche Schlüssel reicht in vielen Fällen nicht mehr aus.
Jahrelang dominierte das Thema Cybersecurity die Diskussion. Doch in der jüngsten Zeit hat die physische Sicherheit von Unternehmen eine völlig neue Bedeutung bekommen. In der Vergangenheit haben wir uns sehr stark über isolierte mechanische Sicherheitslösungen unterhalten, die kaum in komplette Systeme integriert waren. Insbesondere beim Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) reicht es heute jedoch nicht mehr aus, eine Tür einfach nur auf- oder zuzumachen. Eine lückenlose und protokollierbare Nachvollziehbarkeit – wer war wann wo – ist unerlässlich geworden. Hierfür ist die elektronische Zutrittskontrolle inzwischen unabdingbar.
Jens Kronenberg, Leiter Vertrieb, und Florian Rabe, Geschäftsführer von GU BKS SERVICE GmbH, erklären, wie heute eine moderne elektronische Zutrittskontrolle aussieht.
Warum gewinnt überhaupt die physische Sicherheit eine so große Bedeutung?
Florian Rabe: Die Bedrohungslage hat sich massiv verändert. Da die IT-Infrastruktur über Firewalls immer stärker gehärtet wird, verlagern Angreifer ihre Aktivitäten zunehmend in die physische Nähe der Unternehmen. Die größte Gefahr geht heute oft von Innentätern oder Social-Engineering-Szenarien aus. Denken Sie an den vermeintlichen
Servicetechniker, der von der hilfsbereiten Sekretärin durchgewinkt wird, sich so Zugang zum Serverraum verschafft und mal eben einen infizierten USB-Stick einsteckt.
Welche konkreten Gefahren drohen Unternehmen?
Jens Kronenberg: Das Spektrum reicht von klassischem Diebstahl bis hin zu gezielter Sabotage mit dem Ziel, gesamte Anlagen stillzulegen. Angriffe auf kritische Knotenpunkte wie Transformatorenstationen können verheerende Kaskadeneffekte nach sich ziehen. Oft reicht die Sabotage eines einzigen Glieds in der Lieferkette, um die Produktion eines Lebensmittelproduzenten oder Industrieunternehmens vollständig lahmzulegen.
Reicht der gute alte mechanische Schlüssel am Bund für den Schutz noch aus?
Kronenberg: Für komplexe Sicherheitsanforderungen stößt dieser Ansatz jedoch zunehmend an seine Grenzen. Das Hauptproblem ist der Schlüsselverlust: Wer findet den Schlüssel und verschafft sich damit unbefugt Zugang? Zudem bietet Mechanik keine Echtzeitkontrolle. Moderne, digitale Zutrittssysteme arbeiten online. Geht ein Ausweis verloren, wird er sofort per Software gesperrt oder auf eine Blacklist gesetzt. Zudem können wir flexible Zonenberechtigungen, Schleusenfunktionen oder im Hochsicherheitsbereich eine Multifaktor-

Florian Rabe, Geschäftsführer von GU BKS SERVICE GmbH

Jens Kronenberg, Leiter Vertrieb GU BKS SERVICE GmbH
Die Bedrohungslage hat sich massiv verändert. Da die IT-Infrastruktur über Firewalls immer stärker gehärtet wird, verlagern Angreifer ihre Aktivitäten zunehmend in die physische Nähe der Unternehmen.
Authentifizierung mit Biometrie sowie das Vier-Augen-Prinzip realisieren. Die individuellen Möglichkeiten im Aufbau sind grenzenlos.
Man kann Standorte dezentral und autark organisieren oder alles über eine hochgradig gehärtete Zentrallösung steuern. Aber auch mechanische Systeme haben weiterhin ihre Berechtigung – es kommt auf den Einzelfall an.
Wie läuft der Prozess ab, wenn ein Unternehmen seine Sicherheit

Oft reicht die Sabotage eines einzigen Glieds in der Lieferkette, um die Produktion eines Lebensmittelproduzenten oder Industrieunternehmens vollständig lahmzulegen.
modernisieren möchte?
Rabe: Wir starten grundsätzlich mit einer umfassenden Bestandsaufnahme. Wir prüfen, ob bereits ein Sicherungskonzept existiert und welche ComplianceAnforderungen – wie etwa die ISO 27001 für Informationssicherheit – vorliegen. Auch Schnittstellen zu übergeordneten SAP-Systemen spielen eine Rolle. Auf dieser Basis erarbeiten unsere Projektmanager gemeinsam mit dem Kunden ein detailliertes Lastenund Pflichtenheft, in dem jede einzelne Tür spezifisch definiert wird.
Viele Unternehmen scheuen zunächst die Investitionskosten. Was entgegnen Sie diesem Argument?
Rabe: Die gesetzlichen Vorgaben verschärfen sich spürbar und auch die Haftungsrisiken für Geschäftsführer steigen. Zudem fordern Cyberversicherungen vermehrt den physischen Schutz der IT-Infrastruktur. Professionelle Bauherren wissen heute sehr genau, wie teuer ein Betriebsausfall ist. Die Investition in moderne Systeme zahlt direkt auf die Resilienz und die drastische Reduzierung von Ausfallzeiten ein.
Wie steht es um den Datenschutz und die IT-Sicherheit Ihrer eigenen Systeme?
Kronenberg: Beim Datenschutz binden wir die Betriebsräte frühzeitig ein, da die Protokollierung von Mitarbeiterbewegungen transparent und sauber geregelt sein muss. Technisch arbeiten wir „state of the art“ mit hochsicheren Verschlüsselungsverfahren wie TLS und AES sowie Zwei-Faktoren-Authentisierung. Zudem bereiten wir uns intensiv auf kommende EU-Richtlinien vor.

PROF. DR. ANKE KAYSSER-PYZALLA
Europa im Kreuzfeuer

GROSSES INTERVIEW
Sicherheitsbehörden werden zunehmend mit hybriden Bedrohungen konfrontiert, gegen die klassische Sicherheitskonzepte wirkungslos sind.
Text: Christian Kolb Foto: DLR
Als Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luftund Raumfahrt (DLR) ist Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla verantwortlich für 12.500 Mitarbeitende, die mit einem Gesamtbudget von mehr als 1,7 Milliarden Euro an Technologien in der Luft- und Raumfahrt, Energie und Verkehr sowie Sicherheit und Verteidigung – aber auch zu Sicherheit und Verteidigung forschen.
Was macht hybride Bedrohungen aus –und so gefährlich? Es bleibt nicht bei Bedrohungen, es gibt tatsächliche Angriffe. Im Cyberraum ist das bekannt. Klassische Desinformationen gehören auch dazu. Das sind ganz viele Nadelstiche, verdeckt und systematisch, die die Resilienz unserer Gesellschaft auf die Probe stellen.
Welche Chancen und Risiken sind mit Drohnen verbunden? Drohnen bringen viele Vorteile. So bei Rettungsaktionen, bei denen Drohnen sehr schnell am Unfallort sind und Informationen liefern, die für Notfallteams und die Polizei eine gute Vorbereitung ermöglichen. Drohnen sind auch wichtig
Welche Rolle hat die Künstliche Intelligenz?
Wir setzen Künstliche Intelligenz im Rahmen unserer Forschung ein. Dazu zählen Methoden, die beispielsweise im Bereich der Erdbeobachtung mit Satelliten schon sehr intensiv angewandt werden. Hier werten wir derartige Massen an Informationen aus, dass eine zeitgerechte Datennutzung ohne KI gar nicht möglich wäre. Zudem hilft die KI bei vielfältigen Anwendungen, von der Landwirtschaft über die Städteplanung bis hin zur Klimamodellierung. Der Einsatz von KI bedeutet aber auch, dass Informationen durch Dritte schneller unrechtmäßig erlangt werden können.
Wer greift uns da an?
Bei Cyberangriffen ist deutlich geworden, dass diese häufig aus Russland oder aus China kommen. Auch andere Staaten wie etwa der Iran sind in diesem Bereich aktiv. Ziel der Angreifer ist es unter anderem, unerlaubt Informationen abzugreifen oder mit falschen Informationen Angst zu schüren und damit im schlimmsten Fall unsere Gesellschaft zu spalten.
Wer ist verantwortlich, uns zu schützen?

Chris Trier-Schürholz, Chief Sales Officer bei der Geutebrück GmbH
Sicherheit ist in diesen Zeiten nicht selbstverständlich
Moderne Videosicherheitslösungen sind ein zentraler Bestandteil ganzheitlicher Sicherheitskonzepte zum Schutz kritischer Infrastrukturen. Chris Trier-Schürholz, Chief Sales Officer bei der Geutebrück GmbH, erklärt, worauf es ankommt.
Europa muss sich über die eigenen Stärken im Klaren sein. Aber auch darüber, wo wir mehr tun müssen.
im Bereich der Lagebilder bei komplexen Schadensereignissen, etwa Überflutungen. Das ist eine Riesenchance, ein Riesengewinn. Die andere Seite sind unerlaubte Überflüge über unsere Flughäfen, Kasernen oder Unternehmen. Da werden Drohnen zum Sicherheitsrisiko.
Welche Abwehrsysteme gibt es?
Im ersten Schritt müssen Drohnen katalogisiert werden, um festzustellen, welche Art der Bedrohung von ihnen ausgeht, das heißt zu wissen, welche Nutzlast sie mitführen. Im konkreten Einsatzfall erfolgt als erstes die Detektion der Drohne. Und schon das kann über Leben und Tod entscheiden. Wenn es gelingt, eine Drohne rechtzeitig zu detektieren, bevor diese in ein Flughafengelände eindringt, ist das ein sehr hoher Mehrwert. Dann geht es darum, diese Drohnen zu tracken, sie zu verfolgen, um sie zu unschädlich zu machen. Es gibt softe Abwehrmethoden wie das Stören der Drohne mit elektronischen Mitteln und das Übernehmen der Drohne, um sie zur Landung zu zwingen. Und es gibt die harten Methoden, wie Jägerdrohnen mit Netzen oder der Einsatz von Lasern.
Das ist eine Frage der Gesetzeslage, die in Europa relativ komplex ist. Die Idee, die Bundeswehr müsse sich generell kümmern, ist Stand heute falsch. Auf den Flughäfen direkt ist die Bundespolizei zuständig. Für das Umfeld aber die Landespolizei. Übrigens besteht die Pflicht bei Schutz von kritischer Infrastruktur bei deren Betreibern selbst, die eigene Schutzkonzepte entwickeln müssen. Es gibt inzwischen aber auch Unternehmen, die sich als Dienstleister erfolgreich um diese Themen kümmern.
Was muss Europa tun, um für die Zukunft gerüstet zu sein?
Europa muss zusammenstehen. Das gilt für die Forschung, aber auch für industriepolitische Themen. Europa muss sich über die eigenen Stärken im Klaren sein. Aber auch darüber, wo wir mehr tun müssen. Es gibt eine Menge erfolgreicher europäischer Projekte. Doch oft wird nur über die geredet, bei denen es hakt. So ist die Ariane 6Rakete ein beispielhafter europäischer Erfolg. Es gibt ganz viel, das Europa gemeinsam geschafft hat. Deswegen sind wir zuversichtlich, dass wir Europa und damit auch Deutschland auch in Zukunft gemeinsam voranbringen und schützen werden.
Fakten
Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla hat ihre Heimat in Niedersachsen. Als sie an der Ruhr-Universität promovierte, wusste sie noch nicht, dass sie ihr beruflicher Weg über die TU Wien und das HelmholzZentrum Berlin zum DLR führen würde. Für die erfahrene Wissenschaftsmanagerin sind Tage ohne Sport verlorene Tage.
Text: Christian Kolb Foto: Getty Images/unsplash
Warum gehört Videosicherheit heute zur unternehmerischen Resilienz?
Moderne Videosicherheitslösungen dokumentieren nicht nur, sondern unterstützen Unternehmen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und schnell zu handeln. Das hilft, Vorfälle zu verhindern, Betriebsunterbrechungen zu minimieren und kritische Prozesse abzusichern – ein wichtiger Beitrag zur Resilienz im Sinne des KRITIS-Dachgesetzes.
Welche Anforderungen müssen Videosicherheitslösungen heute erfüllen?
Gefragt sind ausfallsichere und DSGVO-konforme Systeme, die sich flexibel in bestehende Sicherheitsund IT-Strukturen integrieren lassen. Zukunftsfähige Lösungen verbinden Datenschutz, IT-Sicherheit und Skalierbarkeit.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz?
KI macht Videosicherheit effizienter: Sie erkennt relevante Ereignisse in Echtzeit, reduziert Fehlalarme und unterstützt Sicherheitsverantwortliche bei schnellen Entscheidungen. Sie ersetzt den Menschen nicht, sondern liefert die Informationen, die im Ernstfall entscheidend sind.

Abwehr von Drohnen ohne Kollateralschäden
Statt Eindringlinge abzuschießen, können sie auch per Netz eingefangen und gesichert werden. Das verhindert Gefahren und ermöglicht ihre Auswertung.
Die Bedrohung durch unbekannte Drohnen über deutschen Flughäfen und sensiblen Liegenschaften ist massiv gewachsen. Wer für die Überflüge verantwortlich ist, bleibt im Nachhinein meist ungeklärt; oft wird Russland vermutet, doch eindeutige Beweise fehlen.
Da die Technologie immer kostengünstiger und über Erklärvideos im Internet leicht manipulierbar wird, nutzen Akteure zunehmend sogenannte WegwerfAgenten. Bisher mangelt es an vielen neuralgischen Punkten an ausreichender Ausrüstung sowie an klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen. „Wir müssen dahin kommen, Drohnen flächendeckend und vor allem zerstörungsfrei einzufangen, um Herkunft und Halter präzise ermitteln zu können“, sagt Sven Steingräber, Co-Founder und Chief Sales Officer von ARGUS Interception.
Unser Ziel ist es, den Behörden und Kräften ein verlässliches Werkzeug zu geben, damit wir nicht bloß hilflos in den Himmel schauen müssen, sondern uns souverän selbst schützen können.
Herr Steingräber, was passiert aktuell zur Abwehr, wenn eine illegale Drohne gesichtet wird?
Bisher wird in der Regel die Polizei gerufen. Das dauert jedoch meistens zu lange – bis die Einsatzkräfte eintreffen, ist die
Drohne längst wieder verschwunden. Im absoluten Ernstfall bleibt oft nur der Abschuss. Dies birgt allerdings erhebliche Risiken: Gerade im urbanen Gelände können unkontrolliert Trümmerteile oder Munitionsreste herabfallen und Unbeteiligte gefährden. Zudem zerstört ein kinetischer Abschuss die Drohne vollständig, wodurch eine digital-forensische Nachuntersuchung zur Ermittlung der Urheber unmöglich wird.
Ihr Unternehmen schlägt eine netzbasierte, nicht-kinetische Alternative vor. Wie läuft dieser Abfangprozess konkret ab?
Unser System scannt den Luftraum ab, detektiert die Drohne und meldet sie an eine Bodenkontrollstation, wo der Operator an einem Monitor das Ziel anwählt. Nach dem Start fliegt unsere Abfangdrohne vollautomatisch zum Ziel, da die Systemintelligenz direkt auf dem Fluggerät sitzt. Sie ist in der Lage, das feindliche Objekt zu verfolgen, um Informationen über dessen Absichten oder den Piloten zu gewinnen.
Nach Freigabe des Operators begibt sich die Drohne in Position und löst das Netz zum Einfangen aus. Die eingefangene Drohne hängt in einem Netz sicher unter unserem System, wird zerstörungsfrei abtransportiert und an einem definierten Ort abgelegt. Danach kann eine forensische Untersuchung stattfinden.
Handelt die Abfangdrohne dabei völlig autark?
Technologisch könnten wir den Prozess vollautomatisieren, aber wir arbeiten strikt nach dem Prinzip „Human in the Loop“. Ein Mensch entscheidet immer als Letzter über das Auslösen des Netzes.
Das Gesamtsystem ist sehr pragmatisch und kosteneffektiv: Unsere Drohne ist keine Wegwerfdrohne, sondern jahrelang einsatzbereit. Lediglich das verschossene Netz wird wie eine Patrone ausgetauscht. Zudem lässt sich

Die A1-Falke® Abfangdrohne wirft ein Netz, um unkooperative Drohnen einzufangen und zu sichern, ohne dass dabei Trümmerteile herabfallen.

Das Falke-NEST® ist eine Komponente des Gesamtsystems von ARGUS Interception®, bestehend aus Sensorik wie RADAR, einer Command- & Control-Lösung und der Abfangdrohne A1-Falke®, mit der unkooperative Drohnen rund um die Uhr erkannt und hochautomatisiert und kontrolliert abgefangen werden können.
das System als zusätzlicher Layer im Sinne eines Zwiebelprinzips nahtlos in bestehende militärische Führungssysteme integrieren.
Wer darf diese Technologie einsetzen? Stoßen private Betreiber kritischer Infrastrukturen hier an rechtliche Grenzen?
Wir adressieren Behörden, die Bundeswehr sowie Betreiber kritischer Infrastrukturen. Auch die Streitkräfte müssen sich im Inland verhältnismäßig schützen können, da moderne Konflikte meist mit Drohnen-Spionage beginnen. Für KRITIS-Betreiber existiert jedoch eine komplizierte rechtliche Grauzone. Viele Unternehmen möchten sich schützen, aber Gesetze wie das Luftsicherheitsgesetz passen nicht mehr zur aktuellen Technologie. Es fehlen klare Vorgaben, wer wann aktiv eingreifen darf.
Sie haben eine zwölfjährige Laufbahn als Marineoffizier hinter sich. Inwieweit prägt dieser Hintergrund Ihren persönlichen Antrieb?
Mein Engagement resultiert direkt aus meiner militärischen Vergangenheit und der Mitarbeit an dem Forschungsprojekt „Falke“ zum Flughafenschutz, bei dem mir diese massive Fähigkeits -
Wir müssen dahin kommen, Drohnen flächendeckend und vor allem zerstörungsfrei einzufangen, um Herkunft und Halter präzise ermitteln zu können.
lücke bewusst wurde. Als ehemaliger Soldat habe ich ein geschärftes Sicherheitsempfinden. Ein normaler Bürger sieht oftmals nicht das Bedrohungspotenzial einer Spionagedrohne. Informationen können im schlimmsten Fall entscheidend für Sieg oder Niederlage sein. Aus diesem Antrieb heraus haben wir vier ehemalige Offiziere das Unternehmen 2023 gegründet – komplett eigenfinanziert, ohne Venture Capital.
Heute beschäftigen wir über 50 Mitarbeiter. Unser Ziel ist es, den Behörden und Kräften ein verlässliches Werkzeug zu geben, damit wir nicht bloß hilflos in den Himmel schauen müssen, sondern uns souverän selbst schützen können.
Mehr Informationen über ARGUS Interception unter: www.argus-interception.com
Europa muss umdenken
SOUVERÄNITÄT
Von Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Universität der Bundeswehr München.
Text: Armin Fuhrer Foto: Pawel Czerwinski/unsplash+
Europa befindet sich in einer extremen technologischen Abhängigkeit, insbesondere von den USA. Im Bereich Intelligence, Surveillance und Reconnaissance (ISR) sowie bei der digitalen Infrastruktur ist diese Abhängigkeit so groß, dass europäische Streitkräfte ohne amerikanische Satellitendaten faktisch „blind“ wären. Angesichts einer zunehmend Europa-kritischen Haltung in Washington wird das zu einer massiven Bedrohung für unsere Sicherheit und Souveränität.
Um gegenzusteuern, muss Europa strategisch umdenken: Wir dürfen nicht versuchen, Technologien aufzuholen, in denen die USA bereits uneinholbar führen – etwa bei Large Language Models. Unser Fokus muss auf Zukunftstechnologien wie der Robotik liegen, wo wir noch einen echten Wettbewerbsvorteil erzielen können. Zwar verfügen wir mit Einrich-

Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Universität der Bundeswehr München Porträt:
tungen wie den Fraunhofer-Instituten über eine exzellente Forschungslandschaft, doch Bürokratie und schwerfällige Prozesse – etwa bei Visa für Forscher – schrecken internationale Talente ab und bremsen uns massiv aus.
Wir benötigen zudem eine europäische DARPA mit massivem Budget und dem Mut zum kalkulierten Scheitern von Projekten als Teil des Innovations -
Europa befindet sich in einer extremen technologischen Abhängigkeit, insbesondere von den USA.
prozesses. Zudem ist mehr Flexibilität in der Zusammenarbeit gefragt: Kooperationen außerhalb des starren EURahmens erlauben es, wichtige Partner einzubinden, um effektivere Ergebnisse ohne politische Verwässerung zu erzielen. Kurzfristig müssen wir Verteidigungsgüter „off-the-shelf“ kaufen, um die Verteidigungsfähigkeit schnell zu stärken. Langfristig ist technologische Souveränität keine Frage der Mittel, sondern allein des konzentrierten politischen Willens.
ND SatCom – Partner Content

Ein Schlüssel moderner Sicherheitsarchitektur
Gerade in Krisensituationen ist sichere Kommunikation von entscheidender Bedeutung. Der Satellitenkommunikation kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.
Im Alltag ist Kommunikation für uns selbstverständlich. 24/7 sind wir connected. Doch gerade in Krisen ist eine resiliente und souveräne Kommunikation von entscheidender Bedeutung. Nur, wenn Dritte der Kommunikation nicht einfach den Stecker ziehen können, kann man schnell reagieren. Das gilt für Rettungskräfte bei Naturkatastrophen genauso wie für Sicherheitsdienste und Militär. Nicht zuletzt der Krieg gegen die Ukraine hat gezeigt, wie entscheidend die Hoheit über Kommunikation sein kann. Dirk Walther berichtet über die Bedeutung der Branche und aktuelle Trends.
Warum ist eine resiliente Kommunikation so wichtig geworden? Früher wurde Kommunikation meist
als unterstützende Fähigkeit betrachtet. Heute ist sie eine der zentralen Bausteine für militärische Einsätze. Wer nicht kommunizieren kann, kann nicht führen, koordinieren oder auf Lageänderungen reagieren. Kommunikationsnetze werden heute zunehmend zu Zielen, in dem sie gestört, manipuliert oder zerstört werden. Deshalb ist es nicht ausreichend, nur eine Verbindung bereitzustellen. Sie muss auch unter extremen Bedingungen verfügbar bleiben.
In welchen Bereichen sind Ihre Lösungen im Einsatz?
ND SatCom entwickelt und liefert seit mehr als 30 Jahren hochverfügbare SatCom-Lösungen für militärische oder kritische Anwendungen. Die Einsatzszenarien reichen dabei von taktischer Kommunikation im Feld über verlegefähige Führungs- und Lagezentren bis hin zu stationären Bodenstationen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf resilienten Netzwerken und interoperablen Systemen, die sich nahtlos in bestehende Kommunikationsarchitektu-
ren integrieren lassen, sowie auf der Betreuung der Systeme über die gesamte Nutzungsdauer.
Welche Anforderungen haben die Nutzer Ihrer Systeme?
Gerade vor dem aktuellen sicherheitspolitischen Hintergrund sehen wir in Deutschland und bei den NATO-Partnern einen stark wachsenden Bedarf an Vernetzungsfähigkeiten. Unterschiede ergeben sich aus den jeweiligen Einsatzprofilen und geographischen Rahmenbedingungen. Daher werden unsere Systeme modular und technologieoffen entwickelt.
Was bedeutet technologischer Souveränität für militärische Kommunikationssysteme?
Souveränität in der Kommunikation bedeutet Kontrolle. Wer das Netz betreibt und die Kontrolle über die Daten hat ist entscheidend. Es muss sichergestellt sein, dass Kommunikationssysteme unabhängig von Dritten betrieben werden können und jederzeit verfügbar sind.

Wie verändern LEO-Konstellationen den Markt?
Programme wie IRIS² oder SATCOMBw Stufe 4 zeigen, dass es künftig weniger um einzelne Satelliten gehen wird, sondern um die Fähigkeit, SatComNetze sicher, resilient und interoperabel zu betreiben. Damit verschiebt sich der Fokus hin zum Zusammenspiel aus Satelliten, Bodensegment sowie Netzsteuerung. GEO- und LEO-Netze müssen miteinander gedacht werden. Die Integration der Systeme wird in Zukunft eine der zentralen Herausforderungen werden.
Mit drei Jahrzenten Erfahrung hat sich ND SATCOM zum führenden Anbieter innovativer satellitengestützter Kommunikationssysteme für Streitkräfte, Regierungen und Behörden sowie sicherheitskritische Organisationen entwickelt, der eine zuverlässige, geschützte und hochverfügbare Kommunikation, selbst unter extremen Einsatzbedingungen und in kritischen Missionsszenarien, ermöglicht. www.ndsatcom.com

Mehr Schutz durch Laser-Kommunikation

Optische Verbindungen bieten mehr Sicherheit, sind robuster und können hohe Datenraten transportieren. 2027 startet das erste europäische QKD-System ins All.
Die optische Kommunikation eröffnet für viele Anwendungen der Satellitenkommunikation neue Möglichkeiten. Im Gegensatz zu klassischen Funkverbindungen arbeitet sie mit einem sehr eng gebündelten Laserstrahl, der sich besonders für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen eignet. Dadurch wird ein unbeabsichtigtes Erfassen des Signals erheblich erschwert. Gleichzeitig ist die Technologie aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften deutlich robuster gegenüber Störungen und Jamming, da ein gezielter Eingriff technisch wesentlich aufwendiger ist. Ein weiterer wesentlicher Vorteil sind die sehr hohen Datenraten. „Einschränkungen bestehen lediglich dort, wo die Atmosphäre – beispielsweise durch Wolken – eine direkte optische Sichtverbindung verhindert. Im Weltraum hingegen kann die Technologie ihre Stärken durch das dort bestehende Vakuum besonders gut ausspielen“, sagt Sven Rettig, Head of Sales and Marketing bei TESAT.
Herr Rettig, wie nah sind wir denn einer absolut unknackbaren Datenübertragung aus dem All? Bei der sogenannten Quantenschlüsselverteilung (englisch QKD) wird durch den Austausch von Lichtteilchen, den Photonen, zwischen zwei Parteien Schlüsselmaterial erzeugt. Aufgrund der quantenmechanischen Eigenschaften der Photonen ist das QKD-Verfahren abhörsicher. Auch Quantencomputer können dann das Signal nicht entschlüsseln. Das per QKD erzeugte Schlüsselmaterial kann dann genutzt werden, um Nachrichten zu verschlüsseln und über
beliebige Kanäle, z. B. das Internet, zu übermitteln. Die Übertragung der Photonen kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Hier eignen sich bereits bestehende terrestrische Glasfasernetzwerke, die aber nur für Distanzen von maximal 100 km eingesetzt werden.
Um QKD über größere Distanzen zu ermöglichen, kann die Technologie auch satellitengestützt umgesetzt werden. Ein solches System wurde in China bereits 2016 demonstriert. In der EU wird 2027 mit der ESA-Mission EAGLE-1, bei der TESAT zusammen mit mehreren Partnern das QKDModul entwickelt und baut, ein erstes Demonstrator-System ins All starten.
Wie schützen Sie Ihre eigenen Entwicklungs- und Produktionsdaten in Backnang vor Spionage?
Grundsätzlich verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der technische, organisatorische und personelle Maßnahmen miteinander verbindet. Ein zentraler Baustein ist das Need-to-knowPrinzip. Ferner wird durch fein abgestufte Berechtigungskonzepte sichergestellt, dass Mitarbeitende ausschließlich auf die Informationen zugreifen können, die sie für ihre jeweilige Aufgabe bzw. tagtägliche Arbeit benötigen.
Und wie sichern Sie Ihre digitale Resilienz?
Indem wir nicht nur die regulatorischen Anforderungen erfüllen, sondern auch die Menschen für das Thema Sicherheit sensibilisieren und dauerhaft in den Unternehmensprozessen verankern. Risikomanagement ist keine isolierte
Aufgabe, sondern ein fester Bestandteil unseres täglichen Handelns. Dabei orientieren wir uns an etablierten internationalen Standards, aber auch an Handreichungen und Informationen entsprechender Behörden und Ämter des Landes und Bundes.

Die geopolitische Lage hat sich weltweit verschärft. Spüren Sie das als Zulieferer?
Die Raumfahrtbranche befindet sich insgesamt in einer Phase hoher Dynamik. Neben den etablierten Unternehmen treten zunehmend neue Marktteilnehmer und Start-ups auf, die häufig durch Venture-Capital finanziert werden. Dieser Wettbewerb verändert den Markt spürbar. Für uns bedeutet das vor allem eines: Wir müssen unsere technologischen Stärken konsequent weiterentwickeln und skalierbare, industriell fertigbare Produkte anbieten, die den hohen Anforderungen unserer Kunden dauerhaft gerecht werden. In der Raumfahrt zählt letztlich Zuverlässigkeit.
Was wird in zehn Jahren die größte Sicherheitsherausforderung für die Satellitenkommunikation sein?
Die Satellitenkommunikation wird deutlich softwaregetriebener und digitaler werden. Gleichzeitig wächst damit die Bedeutung der Cybersicherheit,
Risikomanagement ist keine isolierte Aufgabe, sondern ein fester Bestandteil unseres täglichen Handelns.
aber auch die Sicherheit der Hardware. Hinzu kommen hybride Bedrohungen – zum Beispiel klassische Cyberangriffe ebenso wie elektronische Störungen. Das bedeutet: Sicherheit wird künftig durch das Zusammenspiel von resilienter Hardware, sicherer Software, verschlüsselter Kommunikation, wie der Quantenschlüsseldistribution, durchgängigen Qualitätsprozessen und einer konsequent gelebten Informationssicherheit gewährleistet.

Regelmäßiger Cashflow
GASTBEITRAG
Viele Anleger suchen Alternativen zu kapitalmarktgebundenen Produkten, die häufig undurchsichtig und durch hohe Vertriebskosten belastet sind. Über Sachwerte außerhalb klassischer Bankprodukte – etwa PV-Anlagen, Tiny Houses oder Mieterstrommodelle – lässt sich direkt in greifbare Vermögenswerte investieren.
Text: Armin Fuhrer
„Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, die Produkte schlank zu halten: Wir prüfen direkt bei den Asset-Anbietern und begleiten ohne komplexe Zwischenketten wie z. B. Drittvertriebe, welche die Einstiegskosten für Investoren in die Höhe treiben“, sagt Oliver Naujoks, Mitgründer der Asset-Boutique WealthOffice.
Herr Naujoks, worauf sollten Investoren bei der Prüfung solcher Sachwert-Beteiligungen achten?
Gerade weil dieser Bereich pauschal als unreguliert gilt, ist eine sorgfältige Prüfung unerlässlich. Das beginnt bei der Person des Gründers und dessen spezifischem Track Record. Im Bereich Tiny Houses beispielsweise ist touristische Expertise zwingend erforderlich, da die Rendite nicht nur am Standort, sondern an einem professionellen Management hängt. Zudem müssen die Qualität des Assets, die Kostenstrukturen und die steuerliche Einordnung kritisch hinterfragt werden. Ziel unserer Beratung ist es, dem Investor eine mündige Entscheidung zu ermöglichen, bei der auch Risiken klar benannt werden. Ein entscheidender Indikator für die Qualität ist dabei, ob die Initiatoren selbst in ihre Produkte investieren.
Wie bewerten Sie die Rolle von Sachwerten in der aktuellen Marktphase? Investments, die auf Megatrends wie z. B. der Energiewende oder Inlandstourismus basieren und gleichzeitig laufende Cashflows generieren, bringen auch in schwächeren Markt- oder Einkommensphasen sowie in der Rente regelmäßigen Cashflow. Durch Mieteinnahmen oder Stromverkauf sowie

Oliver Naujoks, Mitgründer der Asset-Boutique WealthOffice
Investments, die auf Megatrends wie z. B. der Energiewende oder Inlandstourismus basieren und gleichzeitig laufende Cashflows generieren, bringen auch in schwächeren Markt- oder Einkommensphasen sowie in der Rente regelmäßigen Cashflow.
der Speicherung von Strom erhält der Investor kalkulierbare Erträge.
Und wer profitiert primär von diesen Beteiligungsmodellen?
Das Spektrum reicht von Angestellten über Beamte bis hin zu Unternehmern, die steuerliche Gestaltungsspielräume nutzen möchten. Wichtig ist, dass solche Investments nicht nur zur Renditeoptimierung dienen, sondern als Baustein verstanden werden, der durch stabile Cashflows die eigene finanzielle Strategie in volatilen Phasen ergänzt.

Das kleine HR-Wörterbuch
GASTBEITRAG
Was Unternehmen sagen – und was sie wirklich meinen.
Text: Armin Fuhrer
Wenn es um das Rekrutieren neuer Mitarbeitender geht, sind Unternehmen wahre Meister der Kommunikation – allerdings der verschleierten. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn die Human Ressource-Abteilung von „kurzen Entscheidungswegen“, „flachen Hierar-
„Wirhabenkurze Entscheidungswege.”
↓
Der Chef entscheidet alles. Er ist nur nie erreichbar.
„WirhabeneineklareVision.”
Sie hängt gerahmt im Flur. Seit dem Strategietag 2017.
„WirinvestiereninunsereMitarbeitenden.”
↓
Es gibt ein LinkedIn Learning-Abo. Das Passwort kennt keiner.
„Duwirstbeiunsgehört.”
↓
In der nächsten Mitarbeiterbefragung. In zwei Jahren.
„Work-Life-Balanceistunswichtig.” ↓
Du darfst auch vom Urlaub aus antworten.
„RemoteWorkistbeiunsselbstverständlich.”
↓
Dienstags und donnerstags. Mit vorheriger Genehmigung.
„WirsindeinegroßeFamilie.”
Inklusive toxischer Dynamiken und einem Onkel, den niemand mag.
„WirsucheneineFührungspersönlichkeit.”
↓ Jemand, der die Entscheidungen des Chefs verteidigt.
chien“ oder einem „modernen Arbeitsumfeld“ spricht? Einen Einblick gibt Samentha Schewe in einem kleinen HR-Wörterbuch – Augenzwinkern inbegriffen. Samentha Schewe ist Rec2Rec-Recruiterin und Executive Search Headhunterin unter der Marke Elite Business Angel.
„FlacheHierarchien.”
↓
Es gibt nur fünf Ebenen. Offiziell.
„Wirhabeneinstarkes EmployerBranding.”
↓ Auf Kununu stehen vier Sterne. Alle vom HR-Team.
„DugestaltestdeinenArbeitsbereich aktivmit.”
↓
Wir haben kein Budget. Aber viele Ideen.
„BeiunsgibteskeinePolitik.” ↓
Sagt derjenige, der seit 12 Jahren denselben Platz im Meeting hat.
„WirschätzenEigeninitiative.” ↓
Solange sie niemanden stört. Vor allem nicht den Chef.
„WirfördernKreativität.” ↓
Innerhalb der vom Vorstand genehmigten Leitlinien.
„ModernesArbeitsumfeld.”
↓
Die Klimaanlage funktioniert. Im Winter.
„Wir suchen jemanden, der über den Tellerrand schaut.”
↓
Der Letzte, der das getan hat, wurde umstrukturiert.
Zukunft braucht Dialog und den Mut, ins Handeln zu kommen
GASTBEITRAG
Mehr als 1.000 Gäste, über 180 Speaker und zwei Tage voller Debatten, Impulse und neue Perspektiven: Beim HanseMerkur EuroMinds Zukunfts-Summit 2026 in Hamburg diskutierten führende Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Medien, Kultur und Sport über die zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Im Mittelpunkt stand eine Frage: Wie gestalten wir Zukunft, statt sie nur zu verwalten?
Text: Jakob Bratsch
Fotos: Presse
Deutschland und Europa stehen unter Veränderungsdruck. Wirtschaftliche Unsicherheit, technologische Umbrüche, Künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Polarisierung und die Frage nach neuer Wettbewerbsfähigkeit bestimmen die öffentliche Debatte. Beim siebten HanseMerkur EuroMinds Zukunfts-Summit im Hamburger Radisson Blu trafen deshalb mehr als 180 Speaker und über 1.000 Gäste zusammen, um Perspektiven auszutauschen und vor allem über konkrete Lösungsansätze zu sprechen.
Das Spektrum der Themen war bewusst breit: von Innovation, Wirtschaft und Unternehmensnachfolge über Energie, Künstliche Intelligenz und Gesundheit bis hin zu Bildung, Medienvertrauen, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Verantwortung. EuroMinds versteht sich dabei als überparteiliche Plattform, die unterschiedliche Disziplinen und Sichtweisen miteinander verbindet.
Leistung, Führung und die Bereitschaft, sich neu zu beweisen Wie viel Spitzensport steckt in erfolgreicher Unternehmensführung?
Fußballtrainer Felix Magath sprach in Hamburg über Erfolg unter Druck, Resilienz und die Frage, was die Wirtschaft vom Spitzensport lernen kann.
Seine Diagnose fiel deutlich aus: „Führung muss Identifikation und Hingabe für die Aufgabe vorleben.“ Magath sieht in Teilen der Gesellschaft eine zunehmende Bequemlichkeit und kritisierte, dass „viel geredet, aber zu wenig gearbeitet“ werde.

Nach zwei intensiven Tagen in Hamburg bleibt vor allem eine Erkenntnis: Zukunft entsteht nicht allein durch Prognosen und Debatten. Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und aus Ideen konkretes Handeln werden zu lassen.
Der Blick in den Spitzensport zeige, dass nachhaltiger Erfolg nicht aus dem Ausruhen auf bereits Erreichtem entstehe. Ein erfolgreicher Athlet müsse sich in jedem Training und jedem Wettkampf neu beweisen und bereit sein, an seine Grenzen zu gehen. Ein Prinzip, das sich aus Magaths Sicht auch auf Unternehmen und Führung übertragen lässt.
Vertrauen wird zur Zukunftsfrage Ein weiterer Schwerpunkt des Summits lag auf der Zukunft der Medien. In mehreren Diskussionsrunden ging es um Glaubwürdigkeit, Verantwortung und die Frage, wie Journalismus in einer zunehmend fragmentierten Informationswelt Vertrauen schaffen kann. Der frühere Fernsehmoderator und Medienunternehmer Ulrich Meyer betonte die Bedeutung journalistischer Distanz und der konsequenten Überprüfung von Informationen. Die berühmte „zweite Quelle“ sei bei jeder journalistischen Sachverhaltsdarstellung unerlässlich.
Auch Journalistin Julia Ruhs machte deutlich, wie eng Medienvertrauen und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander verbunden sind: „Spaltung beginnt dort, wo der Dialog abbricht, wo Menschen sich geistig voneinander abschotten und nicht mehr miteinander reden.“
Damit wurde auf den EuroMindsBühnen eine Frage sichtbar, die weit über den Journalismus hinausreicht: Wie gelingt es einer Gesellschaft, auch bei unterschiedlichen Positionen miteinander im Gespräch zu bleiben?

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gemeinsam denken
Dass Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze sein müssen, zeigte die Diskussion um Nachhaltigkeit, Innovation und Wirtschaftlichkeit.
Model und Nachhaltigkeitsbotschafterin Anna Hiltrop beschrieb, wie sich ihr Blick auf unternehmerische und persönliche Entscheidungen verändert hat. Heute stelle sie sich bei nahezu jeder Entscheidung die Frage nach dem langfristigen Einfluss.
„Fortschritt und Verantwortung sind keine Gegensätze – im Gegenteil: Die spannendsten Innovationen entstehen oft genau dort, wo beides zusammenkommt.“
Eine Haltung, die sich durch viele Diskussionen des Summits zog: Transformation wird nur dann erfolgreich sein, wenn ökologische, technologische und wirtschaftliche Interessen nicht isoliert voneinander betrachtet werden.
Verantwortung beginnt bei Entscheidungen
Auch persönliche Verantwortung spielte beim Summit eine zentrale Rolle. Olympiasiegerin Ann Kathrin Linsenhoff sprach über die Erfahrungen aus dem Spitzensport, die sie bis heute prägen: Fokus, Disziplin und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen.
Kraft entstehe für sie aus mehreren Quellen – aus familiärem Rückhalt, der Natur und dem Glauben an sich selbst. Gleichzeitig habe sie als Sportlerin früh gelernt, bewusst mit Zeit umzugehen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Um verantwortungsvolle Entscheidungen ging es auch beim Thema Vermögensaufbau. Schauspieler Francis Fulton-Smith plädierte für einen rationalen und langfristigen Blick auf Investments. Fehler gehörten zum Lernprozess. Entscheidend sei, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, Risiken zu streuen und nicht alles auf eine Karte zu setzen.
Von der Debatte zur Lösung Ob Wirtschaft, Medien, Gesundheit, Bildung oder gesellschaftlicher Zusammenhalt: Die Diskussionen in Hamburg machten deutlich, dass viele Herausforderungen miteinander verbunden sind.
Technologischer Fortschritt braucht Bildung. Wirtschaftliche Transformation braucht Investitionen. Gesellschaftliche Stabilität braucht Vertrauen. Und nachhaltige Veränderungen brauchen Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Genau hier setzt der HanseMerkur EuroMinds Zukunfts-Summit an. Nicht als Ort für fertige Antworten, sondern als Plattform für Perspektiven, Widerspruch und neue Verbindungen zwischen Menschen, die in unterschiedlichen Bereichen Verantwortung tragen.
Nach zwei intensiven Tagen in Hamburg bleibt vor allem eine Erkenntnis: Zukunft entsteht nicht allein durch Prognosen und Debatten. Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und aus Ideen konkretes Handeln werden zu lassen.
Visionen. Lösungen. Inspiration.














